Ziele und Inhalte des Leitfadens

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Ziele und Inhalte des Leitfadens

24 Leitfaden zur energetischen Verwertung von Abfällen in Zement-, Kalk- und Kraftwerken in Nordrhein-Westfalen

2. Ziele und Inhalte des Leitfadens

Entscheidungshilfe

Dem Leitfaden zur energetischen Verwertung

von Abfällen in Zement-, Kalk- und Kraftwerken

liegt folgendes übergeordnetes Ziel

zugrunde:

Der Leitfaden soll die Einhaltung von hohen

Umweltstandards beim Einsatz von Abfällen

zur energetischen Verwertung in den drei

genannten Bereichen sichern. Hierzu werden

stoffbezogene Anforderungen und Anforderungen

an die Überwachungspraxis für die

einzusetzenden Abfallarten formuliert.

Um den Abfallwirtschafts- und Immissionsschutzbehörden

sowie den Anlagenbetreibern,

die Ersatzbrennstoffe einsetzen oder dieses

beabsichtigen, eine konkrete Entscheidungshilfe

für Genehmigungsverfahren und für die

Überwachung zu bieten, ist der Leitfaden praxisorientiert

konzipiert, wobei insbesondere

die folgenden Aspekte berücksichtigt wurden:

• Der Leitfaden bezieht sich ausschließlich

auf den Einsatz von Abfällen als Ersatzbrennstoff

in Zementwerken, Kalkwerken

und in Kraftwerken, da über diese industriellen

Bereiche hinaus der Einsatz von Abfällen

zur energetischen Verwertung in

Nordrhein-Westfalen nur wenig bis gar

nicht von Bedeutung ist.

• Der Leitfaden berücksichtigt, da er die bisherigen

Erfahrungen aus der Praxis aufnehmen

soll, nur Abfälle, für die Genehmigungen

zum Einsatz von Abfällen zur energetischen

Verwertung in Nordrhein-Westfalen

erteilt worden sind oder die bereits im Versuchsbetrieb

eingesetzt worden sind.

• Für die Anwendungsbereiche „Zementherstellung“

und „Kraftwerke“ wurden mittels

der Methode der Stoffflussanalyse die Auswirkungen

des Einsatzes von Abfällen als

Ersatzbrennstoff sowohl im Luftpfad als

auch im Produktpfad betrachtet. Die für die

feststoffseitigen Outputpfade ermittelten

Ergebnisse haben jedoch eher orientierenden

und qualitativen Charakter.

Einsatz von

Abfällen als Ersatzbrennstoff

• Der Leitfaden enthält inputseitige Schadstoffbegrenzungen

für die in den drei genannten

Bereichen einsetzbaren Abfälle

zur energetischen Verwertung.


Ziele und Inhalte des Leitfadens 25

In die Erarbeitung des Leitfadens sind die

Erfahrungen der zuständigen Behörden eingegangen,

die im Rahmen der Genehmigungsund

Überwachungspraxis mit dem Einsatz

von Ersatzbrennstoffen in Nordrhein-Westfalen

bereits gesammelt worden sind.

Für Abfälle, die bereits in Mitverbrennungsanlagen

im Dauerbetrieb eingesetzt werden und

für die dementsprechend umfangreiche Erfahrungen

aus der behördlichen Überwachung

vorliegen, enthält der Leitfaden Regelungen für

eine Erleichterung der Gnehmigung und eine

Vereinfachung der behördlichen Überwachung.

Im Rahmen der Erarbeitung des Leitfadens

wurden für die Anwendungsbereiche „Zementherstellung“

und „Kraftwerke“ mittels

der Stoffflussanalyse anhand von Szenarien

die Änderungen untersucht, die sich durch

die Substitution von Regelbrennstoffen durch

Abfälle sowohl im Luftpfad als auch in den

anderen Outputströmen der Anlagen (Abfälle

zur Verwertung und Produkte) ergeben. Die

für den Prozess der Zementherstellung ermittelten

Ergebnisse sind auf den Prozess der

Kalkherstellung übertragbar.

Insgesamt bestätigen die durchgeführten

Stoffflussberechnungen, dass die in der

Genehmigungspraxis eingeführten Schadstoffbegrenzungen

sicherstellen, dass die energetische

Verwertung schadlos und ordnungsgemäß

erfolgt. Bei den Schwermetallbegrenzungen

wurde bisher zwischen Ersatzbrennstoffen,

die aus produktionsspezifischen Abfällen

erzeugt werden, und der hochkalorischen

Fraktion aus aufbereiteten Siedlungsabfällen

unterschieden, da die aus Siedlungsabfällen

gewonnenen Ersatzbrennstoffe herkunftsbedingt

durch eine größere Heterogenität und

Schwankungsbereiche geprägt sind. Darüber

hinaus erreichen die hausmüllstämmigen Ersatzbrennstoffe

einen geringeren Heizwert als

Ersatzbrennstoffe, die aus hochkalorischen

Gewerbeabfallfraktionen hergestellt werden.

Da auch in mechanisch-biologischen Restabfallbehandlungsanlagen,

die eine Ersatzbrennstofffraktion

erzeugen, nicht nur überlassungspflichtige

Abfälle privater Haushalte, sondern

auch gewerbliche produktionsspezifische Abfälle

mitbehandelt werden, ist eine genaue

Unterscheidung zwischen heizwertreichen

Gewerbe- und Siedlungsabfällen in vielen Fäl-


26 Leitfaden zur energetischen Verwertung von Abfällen in Zement-, Kalk- und Kraftwerken in Nordrhein-Westfalen

Hochkalorischen

Fraktion aus

Siedlungsabfällen

(HkFS)

len nicht möglich. Aus diesem Grund differenziert

der überarbeitete Leitfaden im Hinblick

auf die Schwermetalle Blei, Chrom, Kupfer

und Mangan nicht mehr zwischen der sogenannten

Hochkalorischen Fraktion aus Siedlungsabfällen

(HkFS) und Ersatzbrennstoffen,

die aus produktionsspezifischen Abfällen aufbereitet

werden.

Um dem Aspekt Rechnung zu tragen, dass

die aus Siedlungsabfällen gewonnenen Ersatzbrennstoffe

herkunftsbedingt eine größere

Heterogenität und Schwankungsbreite bei

einzelnen Schwermetallen aufweisen, wurden

im überarbeiteten Leitfaden für die genannten

Schwermetalle Bandbreiten für die einzuhaltenden

Praxiswerte (Mediane) und Maximalwerte

festgelegt. Der untere Wert soll eher

den produktionsspezifischen Abfall und der

obere Wert die hochkalorische Fraktion aus

Siedlungsabfällen repräsentieren.

Eine weitere Vereinfachung, die bei der 1. Fortschreibung

vorgenommen werden konnte,

besteht darin, dass nunmehr die Ersatzbrennstoffe

bzw. Abfälle, die umweltverträglich in

Mitverbrennungsanlagen verwertet werden

können, in einer Positivliste enthalten sind

(vgl. Merkblatt, Tabelle I.2). Die bisherige

Unterscheidung zwischen „Abfällen der Praxisliste“

(Abfallarten, die bereits im Dauerbetrieb

eingesetzt werden) und „Abfällen der

Scopingliste“ (Abfallarten, die zwar genehmigt

und deren Eignung anhand vorliegender

Abfallanalysen belegt ist, aber die nicht im

Dauerbetrieb eingesetzt werden) konnte somit

aufgelöst werden.

Um die vorgenommen Änderungen transparent

zu machen, sind in Tabelle 7.9 und 7.10

die bisherigen Festlegungen aus der 1. Auflage

beibehalten worden. Die Tabelle I.1 enthält die

neuen Festlegungen (vgl. Merkblatt).

Die bei der Erarbeitung des Leitfadens durchgeführten

Stoffflussberechnungen mussten für

die Fortschreibung nicht überarbeitet werden,

da die im pessimistischen Szenario zugrunde

gelegten höheren Werte für die hochkalorische

Fraktion aus Siedlungsabfällen („Ausnahmen

Praxiswerte“) dem oberen Wert der

neu festgelegten Praxiswerte entsprechen (vgl.

Tabelle I.1 und Tabelle 7.22 sowie Anhang G).


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