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60. Jahrgang · März 2013 · D: € 4,95 · A: € 5,00 · CH: CHF 8,20

3 | 2013

Häufige

Brutvögel

Postvertriebsstück G3045

» Eine Erfolgsgeschichte:

Datenlogger

» Seelöwe erbeutet Albatrosse

» Kuh- und Rallenreiher als

erfolgreiche Vogeljäger


Forschung

Eine Erfolgsgeschichte:

Datenlogger in der

Seevogelforschung

Als Gerald Kooyman 1965 den ersten Prototypen eines Datenloggers an Weddellrobben

befestigte, um deren Tauchverhalten zu erforschen, war die elektronische Aufzeichnung

von Daten auf diese Art noch undenkbar. Damals speicherte der Rekorder seine Informationen

in Form kleiner Linien, die in eine kohlegeschwärzte Platte eingeritzt wurden.

Dies eröffnete vollkommen neue Möglichkeiten, Kenntnisse über Tiere zu gewinnen, die

sich durch ihr Leben im Meer den begrenzten Beobachtungsmöglichkeiten des Menschen

bislang weitgehend entzogen hatten. Bald darauf rüstete Kooyman mit einem weiteren

Loggermodell den ersten Meeresvogel aus, einen Kaiserpinguin, der mit seinem Körpergewicht

von bis zu 40 kg am ehesten in der Lage war, die seinerzeit noch recht schweren

Geräte zu tragen. Inzwischen ist die Technik weit vorangeschritten und das Wissen über

Seevögel wurde mithilfe von elektronischen Datenloggern regelrecht revolutioniert.

Ohne den Einsatz von technischen

Geräten ist der

Mensch kaum in der Lage,

Informationen über das Leben von

Meerestieren in freier Wildbahn zu

bekommen. Beobachtungen waren

lange Zeit nur von Schiffen oder

Flugzeugen aus möglich und so ist es

wenig verwunderlich, dass die meisten

Daten früherer Seevogelstudien

aus der Brutzeit stammen, zu der

die Koloniebrüter für einige Wochen

an Land gehen müssen, um ihren

Nachwuchs aufzuziehen. Um die

Biologie der Tiere und ihre Rolle im

Ökosys tem zu verstehen, ist es jedoch

unumgänglich, auch Informationen

über ihr Verhalten und ihre Lebensweise

im Verlauf des gesamten Jahres

zu erhalten.

Basstölpel mit GPS-Logger

(Global Positioning System).

Hiermit kann die Position des

Vogels sekündlich mit einer

Genauigkeit von wenigen

Metern aufgezeichnet werden.

Zur besseren Wiedererkennung

wird jeder Loggervogel

farbmarkiert. Bislang konnten

keine Reaktionen anderer

Individuen auf die Markierung

beobachtet werden.

Foto: S. Garthe. Funk Island,

Neufundland, Kanada, Juli 2011.

92 Der Falke 60, 2013


Silbermöwe mit GPS-Logger. Foto: U. Kubetzki. Spiekeroog, Mai 2012.

Geduldig und sehr zutraulich: Gelbschnabelsturmtaucher mit

Kompasslogger. Foto: U. Kubetzki. Berlenga, Portugal, August 2005.

» Die Anfänge

Die technischen Möglichkeiten waren

zu Kooymans Zeiten noch sehr

begrenzt und so konzentrierte man

sich zunächst auf einen einzelnen

Parameter, die Messung von Tauchtiefen.

Da Kooymans Weddellrobben-

Rekorder zu groß und schwer für

eine Anwendung bei Seevögeln war,

schlug Per Scholander ein anderes

System vor, das auf der Kapillar-

Röhren-Methode basierte. Diese hatte

Lord Kelvin Mitte der 1880er Jahre

für den Schiffsverkehr zur Messung

von Wassertiefen entwickelt.

In Teamarbeit bauten die Forscher

eine Konstruktion, die schließlich

Mitte der 1970er Jahre zum ersten Mal

bei Pinguinen und seitdem in fortgeschrittenen

Varianten an einer Vielzahl

von Seevögeln eingesetzt wurde.

Dieses Gerät enthüllte trotz seines

simplen Aufbaus und der technischen

Grenzen, dass Kaiserpinguine

bei ihren Tauchgängen auf der

Jagd nach Beute in mehrere Hundert

Meter Tiefe vordringen können, was

die Erwartungen der Forscher bei

Weitem übertraf.

Die Entwicklung von datenspeichernden

Loggern basiert grundsätzlich

auf zwei Kernideen: Zur ersten

Voraussetzung gehört, dass die ausgewählte

Tierart überhaupt in der

Lage ist, derartige Utensilien transportieren

zu können. Dieser Ansatz

entstammt der Brieftauben-Ära und

wurde von den Wissenschaftlern

übernommen. Zum anderen muss die

befestigte Apparatur selbstständig

Daten aufzeichnen können.

Nahrungsflüge einer Heringsmöwe aus der Brutkolonie

auf Spiekeroog: Der eingesetzte GPS-Logger zeichnete im

Mai 2010 elf Tage lang alle drei Minuten die Positionen

des Vogels auf. Für die Forscher war die Frequenz der

Binnenlandflüge unerwartet hoch, da Heringsmöwen aus

früheren Studien überwiegend als Schwimmkrabben- und

Fischfresser bekannt waren.

Foto Heringsmöwe: S. Garthe. Spiekeroog, Mai 2010.

Der Falke 60, 2013 93


Forschung

»»Weiterentwicklung in den

1980er/90er Jahren in Deutschland

Insgesamt wurden 26 Basstölpeln mit Lichtloggern GeoLT ausgerüstet.

Foto: U. Kubetzki. Bass Rock, Schottland, August 2002.

Obwohl uns heute im digitalen Zeitalter

besonders der zweite Punkt als

selbstverständlich erscheint, sicherte

man Wissen und Informationen in

der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

in erster Linie mithilfe von Tinte und

Papier. So stellten die ersten Rekorder

von Kooyman und seinem Team

seinerzeit eine beachtliche technische

Errungenschaft dar.

Große Erfolge erzielte in diesem

Zeitraum vor allem die Pinguinforschungsgruppe

am damaligen Kieler

Institut für Meereskunde, heute GEO-

MAR, um die Professoren Dieter Adelung,

Rory Wilson und Boris Culik.

Im Rahmen zahlreicher Reisen in

die Antarktis- und Subantarktis, nach

Südafrika, Chile und Argentinien wurden

zunächst vor allem Tauchtiefen-

Logger an verschiedenen Pinguinarten

eingesetzt. Prof. Wilson wurde

schließlich zum Vorreiter und Pionier

bei der Entwicklung zahlreicher

neuer Loggertypen, deren Größe und

Gewicht kontinuierlich verringert und

deren Zuverlässigkeit weiter verbessert

werden konnte. In Zusammenarbeit

mit Ingenieuren und Doktoranden

entstanden Geräte, die weitere

Parameter wie zum Beispiel Temperatur

und Magen-pH-Werte messen

konnten und damit einen vollkommen

neuen Einblick in die Lebensweise von

Seevögeln ermöglichten.

Basstölpel mit GPS-Logger. Foto: U. Kubetzki. Bonaventure, Quebec, Kanada, August 2012.

94 Der Falke 60, 2013


Stecknadeln im Heuhaufen: Wiederfang der 26 Loggervögel unter knapp 100000 Individuen.

Wie gut, dass Basstölpel so nistplatztreu sind.

Foto: U. Kubetzki. Bass Rock, Schottland, April 2003.

Winterwanderung von drei Basstölpeln der Brutkolonie

Bass Rock, Schottland ( ), und ihre unterschiedlichen

Überwinterungsgebiete: vor Westafrika, im Mittelmeerraum

sowie vor Portugal. Im Rahmen dieser Studie wurden

im August 2002 an den Beinen der Vögel jeweils

ein nur 8 g leichter Lichtlogger GeoLT (Earth & Ocean

Technologies Kiel) befes tigt und im April 2003 wieder

abgenommen. Die Geräte hatten alle 30 Sekunden die

Lichtintensität sowie alle 120 Sekunden die Temperatur

aufgezeichnet. Mit einer speziellen Software ließen sich

daraus, mit einer Genauigkeit von bis zu 50 km, die Positionen

der Tiere bestimmen.

1994 setzte der damalige Kieler

Doktorand Gerrit Peters an Magellanpinguinen

in Argentinien sowie an

weiteren Pinguinarten in der Antarktis

erstmals seine selbst entwickelten

Peristaltik- und Magen-pH-Logger

ein, um den Verdauungsmechanismus

der Vögel zu erforschen.

Diese Geräte zeichnen Datum und

Uhrzeit sowie den Säuregehalt, die

Muskelbewegungen (Peristaltik) und

die Temperatur im Magen des Vogels

auf. Fiel Letztere schlagartig ab,

hatte der Pinguin als Warmblüter ein

kaltes Beutetier verspeist. Ging der

pH-Wert im Magen zurück, zeigte

die Ausschüttung von Magensäure

das Einsetzen der Verdauung an,

ebenso wie die verstärkten Bewegungen

der Magenmuskulatur. Die

Ergebnisse entschlüsselten schließlich

eine faszinierende Regulationsfähigkeit

bei Pinguinen: Brechen

die Vögel während der Brutzeit zu

ihren mehrtägigen Jagdausflügen

auf hoher See auf, verdauen sie die

gefangene Beute zunächst für ihren

eigenen Bedarf. Nach hinreichender

Sättigung jagt der Pinguin weitere

Beute, um diese nach seiner Rückkehr

an Land in Form eines angedauten

Nahrungsbreis an seinen

Nachwuchs zu verfüttern. Die Rückreise

kann allerdings mitunter ein

bis zwei Tage dauern, je nachdem,

wie weit das Tier schwimmen muss,

um Nahrung zu finden. Der Verdauungsprozess

im Magen wird nun

kurzerhand gestoppt und das Organ

quasi zum Transportgefäß umfunktioniert.

So bleibt die Mahlzeit für das

Küken erhalten, ohne vom Elterntier

während der Rückreise zur Kolonie

selbst verdaut zu werden.

Das Diagramm auf Seite 97 zeigt

weitere Ergebnisse aus der Kieler

Arbeitsgruppe. Innerhalb dieser Studie

wurden Basstölpel zeitgleich

mit einem Außentemperatur- und

Drucklogger sowie einem Logger zur

Aufzeichnung der Magentemperatur

ausgerüstet. So ließ sich der genaue

Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme

bestimmen (plötzlicher Temperaturabfall

durch Aufnahme kälterer

Beute), in welcher Tiefe die Beute

gefangen und welche Beutemenge

aufgenommen wurde. Letzteres lässt

sich durch die Zeitspanne errechnen,

die bis zur Wiederherstellung

der ursprünglichen Magentemperatur

benötigt wird. Durch Vergleiche

zwischen verschiedenen Individuen

Der Falke 60, 2013 95


Forschung

Nur für Schwindelfreie: Loggereinsatz an Basstölpeln, die auf Steilklippen brüten.

Fotos: S. Garthe. Hermaness, Schottland, Juli 1997.

einer Kolonie bzw. Individuen verschiedener Kolonien bekommt

man Informationen, wie weit ein Vogel fliegen musste, um Beute

zu finden, oder wie erfolgreich das jeweilige Tier beim Beutefang

im Vergleich zu anderen Vögeln aus seiner Brutkolonie gewesen

ist.

Ausgehend von den umfangreichen Erfahrungen aus der Pinguinforschung

wurden in der Kieler Arbeitsgruppe auch Loggertypen

für andere Meerestiere, wie zum Beispiel Meeresschildkröten

und Seehunde, entwickelt.

Für zahlreiche ehemalige Mitglieder

der Arbeitsgruppe, die heute

als Wissenschaftler in anderen Forschungseinrichtungen

tätig sind,

kommen Logger nach wie vor bei

vielfältigen Fragestellungen zum

Einsatz. Dr. Gerrit Peters spezialisierte

sich schließlich im Rahmen

einer Unternehmensgründung auf

die Entwicklung und Herstellung von

elektronischen Datenloggern.

»»Ethische Aspekte

Der Einsatz von Datenloggern hat in

erster Linie zum Ziel, Informationen

über das natürliche Verhalten und die

Lebensweise von frei lebenden Wildtieren

zu erhalten. Solche Ergebnisse

sind aber nur brauchbar, wenn sich

das ausgerüstete Tier auch mög-

Seevogelkolonie auf dem Flachfelsen Funk

Island mit bequemerem Zugang.

Foto: S. Garthe. Funk Island, Neufundland, Kanada, Juli 2011.

96 Der Falke 60, 2013


lichst normal verhält und nicht zu

stark durch die Geräte beeinträchtigt

wird. Dafür sind Vergleiche zwischen

beloggerten und nicht beloggerten

Tieren von großer Bedeutung.

Das Tier sollte auch möglichst

weder durch die Geräte selbst noch

durch Fang und Wiederfang zu Schaden

oder gar zu Tode kommen.

Vögel haben zudem nur wenig

Spielraum, um erhöhte energetische

Kosten bei einer zu schweren Ausrüstung

zu kompensieren und so muss

hier besonders auf ein möglichst

geringes Gewicht der Logger geachtet

werden. Als Faustregel wird derzeit

für die Seevogelforschung empfohlen,

dass ein Gerät maximal 5 %

des Körpergewichtes wiegen sollte,

am besten 3 % oder weniger. Bei der

Auswahl von Gerätegröße, -form und

-anbringung sollte natürlich stets

die Anatomie und Lebensweise der

jeweiligen Art berücksichtigt werden,

zum Beispiel auch in Bezug auf Strömungswiderstände

beim Fliegen oder

Tauchen. Nicht zuletzt ist auch der

Austausch zwischen den Anwendern

von Loggern wichtig, um ungute

Erfahrungen zum Wohl der Tiere und

auch der eigenen Forschungsergebnisse

schnell ausbessern zu können.

Temperatur (°C)

45

40

35

30

25

20

15

Vogel fliegt

Nahrungsaufnahme

Vogel schwimmt

10

10

10:45:00 10:55:00 11:05:00 11:15:00 11:25:00 11:35:00 11:45:00

Uhrzeit

Magentemperatur

Tauchtiefe

Außentemperatur

Vogel fliegt

Gleichzeitiger Einsatz von zwei Loggertypen, die sowohl die Außentemperatur, die Magentemperatur

als auch die Tauchtiefen des Vogels aufzeichnen können. Nimmt der Vogel als Warmblüter

kalten Fisch auf, sinkt die Magentemperatur. Somit lässt sich der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme

und über den Drucksensor zusätzlich die Tauchtiefe zum Fangereignis bestimmen. Der externe

Temperatursensor liefert Informationen darüber, wie viel Zeit des Tages der Vogel schwimmend

(stabile Außentemperatur) oder fliegend (unstetere Außentemperatur) verbracht hat.

0

2

4

6

8

Tauchtiefe (m)

»»Loggerforschung heute

Die Fragestellungen, die sich mithilfe

der aktuell verfügbaren Loggertypen

bearbeiten lassen, sind äußerst vielfältig.

Der Einsatz der Geräte findet

längst breite Anwendung in verschiedensten

Themenfeldern, wie Physiologie,

Verhaltensforschung, Ökologie

und entsprechenden Aspekten zu

Tauch- und Schwimmverhalten, Flugmustern,

Ernährungsstrategien, Energiebedarf,

Wanderungen, Verbreitung




Auswahl verschiedener Datenlogger:

1: Tauchtiefen-Logger (Druck und Temperatur);

(Fa. Lotek, Kanada).

2: GeoLT-Logger (Licht und Temperatur);

(Fa. Earth & Ocean Technologies, Kiel).

3: Kompass-Logger mit Temperatursensor;

(Fa. Earth & Ocean Technologies, Kiel).

4: Cat-Track (GPS); (Fa. Catnip Technologies,

USA).

5: Mini-GPS-Logger; (Fa. Earth & Ocean

Technologies, Kiel).

6: GPS-Logger; (Fa. Earth & Ocean Technologies,

Kiel).

7: GPS-Logger der ersten Generation mit

Temperatur- und Drucksensoren;

(Fa. Earth & Ocean Technologies, Kiel).





Der Falke 60, 2013 97


Forschung

Was sind Datenlogger?

Hierbei handelt es sich um kleine Geräte, die an Wildtieren befestigt werden,

um Informationen über ihr natürliches Verhalten in freier Wildbahn

zu erhalten. Die Geräte zeichnen Daten auf und speichern sie über einen

bestimmten Zeitraum. Nach dem Wiederfang der Tiere und Rückgewinnung

der Geräte können die Daten auf einen Computer geladen und ausgewertet

werden.

Woraus bestehen Datenlogger?

Die Geräte verfügen über eine Batterie, einen Datenspeicher, eine Uhr zur

Aufzeichnung von Datum und Uhrzeit sowie eine Schnittstelle für die Verbindung

zum Computer. Je nach Sensoren können unterschiedlichste Parameter

gemessen werden: z. B. Temperatur (Körper-, Luft- und Wassertemperatur),

Druck (Tauchtiefe bzw. Flughöhe), pH-Werte im Magen, Verdauungsaktivität

(Peristaltik), Herzschlagraten, Lichtintensität, Flugrichtung

und Positionsbestimmung (Kompass bzw. GPS).

Vorteile:

Logger sind in sehr kleinen und leichten Ausführungen erhältlich, sodass

auch Vogelarten mit geringen Körpermaßen damit ausgerüstet werden können.

Besonders leichte Geräte lassen sich am Vogelbein befestigen und können

so auch über längere Zeiträume, z. B. über die Wintermonate, Daten

aufzeichnen. Geräte, die am Gefieder platziert werden, lösen sich spätestens

bei der Mauser vom Vogel ab.

Nachteile:

Im Unterschied zur Satellitentelemetrie besaßen Datenlogger bislang keine

Sender, um Daten zu übertragen, während das Gerät noch am Tier befestigt

ist. So gelangte man nur an die gespeicherten Informationen, wenn sich die

Geräte durch den Wiederfang des Tieres zurückgewinnen ließen. Inzwischen

sind die ersten Logger-Generationen mit integrierten Sendern auf dem Markt,

die z. B. über Funk oder Mobilnetze (per SMS) Daten übertragen können.

oder auch zu Aktivitätsmustern während

und außerhalb der Brutzeit. Aber

nicht nur in der reinen Forschung,

auch im Bereich Meeres naturschutz

leisten Logger große Dienste. Die

Meere befinden sich durch den Einfluss

des Menschen und seine vielfältigen

Aktivitäten und Nutzungen

sowie nicht zuletzt durch klimatische

Änderungen im steten Wandel. Somit

ist die Informationsgewinnung durch

beloggerte Vögel besonders wichtig

für die Entwicklung von Schutz- und

Managementstrategien.

Mithilfe von GPS-Loggern kann

eine Positionsbestimmung inzwischen

bis auf wenige Meter genau durchgeführt

werden. So lassen sich zum Beispiel

die Nahrungsgründe von Seevögeln

eingrenzen, um sie gegebenenfalls

unter Schutz zu stellen.

Auch bestehende oder potenzielle

Konflikte zwischen Vogel

und Mensch, der das Meer und die

Küstenregionen in vielfältiger Weise

nutzt, wie zum Beispiel durch die

zunehmende Offshore-Windkraft,

Schiffsverkehr, Fischerei, Abbau von

Sedimenten, militärische Übungen

etc. können besser eingeschätzt und

konstruktive Lösungen erarbeitet

werden und somit zu einer nachhaltigeren

Meeresnutzung beitragen.

Nicht zuletzt können Seevögel

auch als Datenlieferanten für ozeanografische

und klimatologische Fragestellungen

genutzt werden, indem

beispielsweise Werte über Meerwassertemperaturen

mitsamt genauer

Positionsbestimmung, Datum und

Uhrzeit aufgezeichnet werden.

»»Ausblick

Eines der vorrangigsten Ziele für die

zukünftige Anwendung von Loggern

wird auch weiterhin sein, Gewicht

und Größe der Geräte zu verringern,

um auch die kleinsten Seevogelarten

ausrüsten zu können und mögliche

nachteilige Geräteeffekte auf

ein Minimum zu reduzieren. Weitere

Ziele werden ebenso sein, die Speicherkapazitäten

der Geräte zu erhöhen,

die Erfassung weiterer Parameter

zu ermöglichen sowie den notwendigen

Wiederfang der Loggervögel

zur Rückgewinnung der Geräte, zum

Beispiel durch ferngesteuerte Ablösungsmechanismen

zu ersetzen.

In einer sich ständig verändernden

Welt ist die Fähigkeit, anhand von

Modellen Vorhersagen und Prognosen

treffen zu können, von großer

Bedeutung.

Gerade die Meere gehören aber

immer noch zu den geheimnisvollsten

Regionen unseres Planeten. Seevögel

sind bekannt als gute Bioindikatoren

und die Erforschung ihrer Überlebensstrategien

und ihrer Rolle im

Ökosystem kann erheblich dazu beitragen,

unser Wissen allgemein und

besonders im Bereich der Meereswissenschaften

erheblich zu erweitern.

Die Loggertechnologie wird dabei

auch in der Zukunft weiterhin einen

zentralen Stellenwert einnehmen.

Ulrike Kubetzki

Literatur zum Thema:

Burger AE, Shaffer SA 2008: Application

of tracking and data-logging

technology in research and conservation

of seabirds. Auk 125: 253-265.

Garthe S, Gremillet D, Furness RW

1999: At-sea-activity and foraging

efficiency in chick-rearing northern

gannets Sula bassana: a case study

in Shetland. Mar Ecol Prog Ser 185:

93-99.

Hooker SK, Biuw M, McConnell

BJ, Miller PJO, Sparling CE 2007:

Bio-logging science: Logging and

relaying physical and biological data

using animal-attached tags. Deep-Sea

Research II 54: 177-192.

Kubetzki U, Garthe S, Fifield D, Mendel

B, Furness RW 2009: Individual

migratory schedules and wintering

areas of northern ganntes. Mar Ecol

Prog Ser 391: 257-265.

Ropert-Coudert Y, Wilson RP 2005:

Trends and perspectives in animalattached

remote sensing. Front Ecol

Environ 3: 437-444.

Wilson RP, Vandenabeele SP 2012:

Technological innovation in archival

tags used in seabird research. Mar

Ecol Prog Ser 451: 245-262.

Wilson, RP, McMahon CR 2006: Measuring

devices on wild animals: what

constitutes acceptable practise? Front

Ecol Environ 4: 147-154.

Dr. Ulrike Kubetzki arbeitet

als Meeresbiologin am Forschungs-

und Technologiezentrum

Westküste der Universität

Kiel (FTZ) in Büsum.

Parallel dazu ist sie als Fachjournalistin

für Wissenschaft (FJS) tätig.

98 Der Falke 60, 2013


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