Hochschulstrukturplanung des - Otto-von-Guericke-Universität ...

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Hochschulstrukturplanung des - Otto-von-Guericke-Universität ...

Hochschulstrukturplanung des

Landes Sachsen-Anhalt

- Entwurf –

Kultusministerium Sachsen-Anhalt

19. August 2003


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 2

INHALT

PRÄAMBEL..............................................................................................................................................4

1. AUSGANGSSITUATION......................................................................................................................5

2. ZIELE UND LEITLINIEN DER HOCHSCHULPLANUNG ...................................................................7

3. VERFAHREN......................................................................................................................................11

4. HOCHSCHULPLANERISCHE ANALYSE: ANSATZPUNKT FÜR DIE NEUSTRUKTURIERUNG .12

4.1 Hochschulfinanzierung und Wirtschaftskraft des Landes .......................................... 12

4.2 Vergleiche und formelmäßige Bemessung von Kapazitäten und Kosten .................. 12

4.3 Hochschulplanerische Analyse und Befunde ............................................................ 14

4.4 Die neustrukturierte Hochschullandschaft................................................................. 15

4.4.1 Strukturänderungen ......................................................................................15

4.4.2 Weitere Planungsziele ..................................................................................16

4.5 Strukturveränderungen an den einzelnen Hochschulen und Anstöße zur

Verbesserung der Kooperation zwischen den Hochschulen (entsprechend 4.4.1) .... 16

4.5.1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ...................................................16

4.5.2 Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ....................................................18

4.5.3 Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle .......................19

4.5.4 Hochschule Anhalt (FH) ................................................................................19

4.5.5 Hochschule Harz (FH)...................................................................................20

4.5.6 Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) ...........................................................21

4.5.7 Fachhochschule Merseburg ..........................................................................23

Zusammenfassung: ..................................................................................................24

4.6 Wissenschaftszentrum Wittenberg............................................................................ 29

5. REGIONALWIRTSCHAFTLICHE EFFEKTE VON HOCHSCHULEN...............................................31

6. UMSETZUNG .....................................................................................................................................33

6.1 Entwicklung der Rahmenbedingungen........................................................................ 33

6.2 Personalwirtschaftliche Maßnahmen........................................................................... 34

6.3 Zeitablauf .................................................................................................................... 34

6.4 Akteure ....................................................................................................................... 35

6.5 Flankierende Maßnahmen .......................................................................................... 36

6.6 Controlling................................................................................................................... 36

6.7 Hochschulgesetzgebung............................................................................................. 37

ANLAGEN ..............................................................................................................................................38


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 3

ABKÜRZUNGEN

Aus Zweckmäßigkeitsgründen werden für die Hochschulen, z.B. in Tabellen, und wenige andere Abkürzungen

benutzt:

MLU

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

OvG

HKD

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Hochschule für Kunst und Design, Burg Giebichenstein, Halle

HAh

Hochschule Anhalt (FH), Hochschule für angewandte Wissenschaften

HHz

Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

HMd

HMe

Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)

Fachhochschule Merseburg

FB

Fachbereich

DFG

Deutsche Forschungsgemeinschaft


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 4

Präambel

Sachsen-Anhalt verfügt über ein gut ausgebautes und in weiten Bereichen leistungsfähiges

System staatlicher Hochschulen. Diesem wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und regionalpolitischen

Entwicklungspotential misst das Land große Bedeutung bei. Es ist die entscheidende

Basis für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Das Land hat daher in den vergangenen

Jahre profilbestimmende Forschungs- und Ausbildungsschwerpunkte gefördert

und verstärkt. Die Hochschulen verfolgen ehrgeizige Ziele. An den Universitäten werden in

Forschungsverbünden (Sonderforschungsbereiche, Graduiertenkollegs, DFG-Forschergruppen

etc.) wichtige Beiträge zur Forschung geleistet und Arbeitsplätze geschaffen, die mit

steigender Tendenz zur überregionalen Sichtbarkeit der sachsen-anhaltischen Wissenschaft

beitragen. Die Intensivierung der angewandten Forschung – zum Teil in Zusammenarbeit mit

der Wirtschaft, insbesondere an den Fachhochschulen – verstärkt die Wirtschaftskraft in den

Regionen des Landes.

Dennoch besteht angesichts der wachsenden Qualitätsansprüche, aber auch aus Gründen

der Haushaltskonsolidierung, Veranlassung, das Hochschulsystem kritisch zu betrachten und

weiter zu profilieren. Seine spezifischen Potentiale müssen durch Verdichtung, Konzentration

und Schwerpunktbildung stärker zur Wirkung gebracht werden. Die Modalitäten der Bewirtschaftung

staatlicher Mittel sind so zu gestalten, dass sie die Eigenverantwortlichkeit der

Hochschulen und deren nachhaltige Entwicklung für eine Stärkung der regionalen und internationalen

Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Sachsen-Anhalt unterstützen.

Dies gilt nicht nur für Sachsen-Anhalt. Die Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland

befinden sich insgesamt in einem tiefgreifenden Reformprozess, der sie leistungsfähiger und

im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig machen soll. Bundesweit haben veränderte

Bedarfs- und Problemlagen im Hochschulsektor zu einer weitreichenden Expansion und

Funktionsdifferenzierung des Hochschulsystems geführt. Sie verlangen konzeptionelle und

strukturelle Reformen. Angesichts wachsender Relevanz- und Effizienzprobleme sehen sich

die Hochschulen zunehmendem Legitimationsdruck ausgesetzt. Rechenschaft über den Einsatz

knapper werdender öffentlicher Mittel wird von ihnen erwartet.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 5

1. Ausgangssituation

Die Hochschulen Sachsen-Anhalts haben in den letzten Jahren weitgehend unabhängig

voneinander und kaum mit Bezug auf die übergreifende Angebotslage im Land ihre Studienangebote

ausgebaut. Dabei spielte das legitime Motiv eine Rolle, mit derzeit nachfragestarken

Studiengängen Strukturen zu befestigen und einen Ressourcenbedarf zu begründen.

Jedoch ist es dadurch auch zu einer erheblichen Anzahl von (in der Folge oft unterausgestatteten)

Doppel- und Mehrfachangeboten im Land gekommen. Dies gilt für die meisten

Lehramtsstudiengänge, für viele Ingenieurstudiengänge, das Landwirtschaftsstudium, aber

auch z.B. für die Studienfächer Design (derzeit an drei Standorten im Land), Architektur oder

Musik, die an ihren jeweiligen Standorten ein zu schmales Ausbildungsprofil haben, um

deutschlandweit konkurrenzfähige Angebote unterbreiten zu können. Einige der Doppelangebote

rühren auch aus der Geschichte der jeweiligen Vorgängerinstitutionen her (z.B. Elektroingenieurwesen,

Landwirtschaft usw.). Die ehrgeizige Hochschulstrukturplanung aus den

frühen 90er Jahren, z.T. auch von Prognosen getragen, die damals plausibel erschienen,

aber von der tatsächlichen Entwicklung korrigiert wurden, bedarf dringend einer Überprüfung

und Neuausrichtung.

Die schwierige Haushaltssituation und das von der Regierung beschlossene Konsolidierungsprogramm

sind zwar Auslöser der hier vorgestellten neuen Hochschulstrukturplanung,

nicht jedoch ihr Anlass. Dieser besteht in erheblichen Effizienzreserven in der gegenwärtigen

Hochschullandschaft und den prognostizierten Bedarfs- und Nachfrageänderungen, die u.a.

mit dem demografischen Wandel auf die Hochschulen zukommen. Insofern dienen die vorgesehenen

Strukturänderungen auch unabhängig von der Frage, wie viel Geld damit im Einzelnen

tatsächlich eingespart werden kann (zunächst auch unabhängig von aktuellen Auslastungsquoten),

vor allem der Konzentration von Potenzialen, die an ihren gegenwärtigen

Standorten nicht auf Dauer wettbewerbsfähig sind. Wettbewerbsfähigkeit hat dabei nicht allein

das Land Sachsen-Anhalt zum Maßstab, sondern Deutschland und Europa. Hier rechtzeitig

Weichenstellungen vorzunehmen, ist eine wichtige Aufgabe der Zukunftssicherung des

Systems. Nachhaltige Effizienz der Hochschulstrukturen setzt voraus, dass wissenschaftsund

wirtschaftsbezogen kooperations- und konkurrenzfähige Standortprofile entstehen, Stärken

gestärkt und Schwachstellen beseitigt oder überwunden werden.

In diesem Sinne hat die Landesregierung im Februar 2003 gemäß § 116 Abs. 5 des Hochschulgesetzes

mit den Hochschulen Zielvereinbarungen abgeschlossen. Zielvereinbarungen

wurden dabei nicht primär als ein Instrument des Sparens aufgefasst, sondern der Moderni-


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 6

sierung des Hochschulwesens und des Kooperationsverhältnisses von Hochschule und

Staat.

Die Hochschulen haben mit den Zielvereinbarungen feste Finanzierungszusagen, damit Planungssicherheit

über einen längeren Zeitraum (hier drei Jahre) und eine weitgehende Bewirtschaftungsfreiheit

der verfügbaren Mittel erhalten. Im Gegenzug sichern sie Qualität auf einem

ausgehandelten Profilierungspfad entlang ihrer jeweiligen Entwicklungskonzeption zu.

Die Zielvereinbarungen basieren auf dem Finanzierungsmodell “90 + x”: Den Hochschulen

werden 90% der Haushaltsansätze von 2003 auch für die Folgejahre 2004 und 2005 garantiert,

die verbleibenden X % aber werden an Bedingungen gebunden, die sich einerseits an

den Entwicklungskonzeptionen der einzelnen Hochschulen orientieren, andererseits aber

auch die Hochschulen verpflichten, an der Entwicklung eines neuen Hochschulstrukturplanes

für Sachsen-Anhalt und an dessen erfolgreicher Umsetzung mitzuwirken. Damit ist ein zeitliches

und finanzielles Plateau für nötige Strukturveränderungen und Neuplanungen geschaffen

worden, das die Hochschulen in die Lage versetzt, trotz einem ab 2006 um etwa 10 Prozent

verringerten Budget weiterhin erfolgreich zu arbeiten. Von diesem Zeitpunkt an werden

die Studierendenzahlen auf Grund der demografischen Situation allmählich sinken. Auch

deshalb ist es wichtig, rechtzeitig mit dem Umbau der Strukturen zu beginnen, um zu einer

Verdichtung und sinnvollen Konzentration der Angebote innerhalb der Hochschullandschaft

zu gelangen.

Dass damit den Hochschulen bis einschließlich 2005 ein Höchstmaß an Stabilität unter äußerst

fragilen finanzpolitischen Rahmenbedingungen garantiert wurde, ist ein Zeichen für

ihren prominenten Stellenwert in der Politik der Landesregierung. Ein solches Privileg ist bisher

keinem anderen öffentlichen Sektor eingeräumt worden. Zudem wird den Hochschulen

weitreichende Autonomie in der Bewirtschaftung ihrer Einnahmen und Ausgaben gewährt.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 7

2. Ziele und Leitlinien der Hochschulplanung

Eine strukturelle Anpassung der Hochschullandschaft des Landes ist aus verschiedenen

Gründen erforderlich:

1. Dem Wissenschaftssystem wohnt der Zwang zur ständigen Selbstüberprüfung inne.

2. Die Hochschulen haben Inhalte und Formen von Lehre und Studium hinsichtlich neuer

Entwicklungen in Wissenschaft, Forschung, Technik, Kultur sowie der beruflichen Praxis

ständig zu überprüfen und fortzuführen (§ 3 Abs. 2 HSG LSA).

3. Durch ihre rechtliche Einbindung in die öffentliche Haushalte können angesichts der

schwierigen Haushaltslage auch die Hochschulen nicht vom Konsolidierungsprogramm

der Landesregierung ausgenommen werden.

Entsprechende Planungen müssen quantitative und qualitative Prognosen zu den benötigten

Hochschulabsolventen für die Wirtschaft und den öffentlichen Sektor, zur Studiennachfrage

(Studienanfängerprognosen, Wanderungsverhalten), zur Anpassungsfähigkeit der Personalstruktur

an die Anforderungen des Wissenschaftssystems (Qualifikationsstellen, Wissenschaftstarifvertrag),

zur Chancengleichheit von Männern und Frauen und zu den Anforderungen

an das Hochschulsystem als Standortfaktor (Bildungsniveau, Qualifikation, Wissens- und

Technologietransfer) einbeziehen. Die Forschungsleistungen der Hochschulen spielen hierbei

eine Schlüsselrolle. Die Universitäten und Fachhochschulen tragen mit ihren jeweils unterschiedlich

angesiedelten Schwerpunkten der Grundlagen- und angewandten Forschung

(Biotechnologie, Material-, Polymer- und Nanotechnologien, Neurowissenschaften, Immunologie,

Informations- und Kommunikationstechnik, Maschinen- und Anlagenbau u.a.) zur Unterstützung

der regionalen Wirtschaft (Beratungsfunktionen), zur Kooperation mit außeruniversitären

Forschungseinrichtungen (Schaffung regionaler Netzwerke), zur Förderung hochschulnaher

innovativer Unternehmen und Existenzgründungen, zur Zusammenarbeit von

Technologiezentren und zur Ansiedlung von Großforschungseinrichtungen bei. Die Biotechnologie-Offensive

des Landes hat hierbei einen besonderen Stellenwert. In den neuen Ländern

sind die Hochschulen zudem mit der besonderen Erwartung konfrontiert, Beiträge für

die Zukunftssicherung und Wettbewerbsfähigkeit der derzeit noch überwiegend strukturschwachen

Regionen zu leisten.

Den beschriebenen Ansprüchen können die Hochschulen nur dann gerecht werden, wenn

unter den Bedingungen limitierter Budgets



eine deutlich stärkere fachliche Profilierung und Schwerpunktbildung erfolgt,

hinsichtlich der Finanzierung der Strukturen mittelfristige Planungssicherheit besteht,


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 8



die Kooperationsformen des Wissenschaftssystems intern und extern einschließlich des

Kooperationsverhältnisses von Hochschule, Wirtschaft und Staat optimiert werden,

die Autonomie der Hochschulen entschieden gestärkt wird,

die dem Wissenschaftssystem zur Verfügung gestellten bzw. von ihm selbst erwirtschafteten

Mittel mit höchstmöglicher Effizienz und Flexibilität eingesetzt werden.

Die den aktuellen Prozess begleitenden hochschulpolitischen Ziele und Leitlinien werden

durch die folgenden Stichworte charakterisiert, die in die Entwicklung des Hochschulraumes

in einer erweiterten Europäischen Union eingebettet sind.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 9

Profilbildung/Schwerpunktsetzung/Konzentration

Entwicklung von untereinander abgestimmten und überregional wahrnehmbaren Eigenprofilen

der Hochschulen in Forschung und Lehre (Leitbild der Hochschullandschaft

Sachsen-Anhalts)

Abbau von Doppel- und Mehrfachentwicklungen durch Profilierung und Konzentration

(Abgleichung der Studiengänge, Forschungsverbünde, komplementäre Kooperation)


Orientierung an internationalen Qualitätsstandards für die einzelnen Disziplinen und ihre

Studienangebote (Akkreditierung, Evaluation, Sonderforschungsbereiche und Forschergruppen,

Erhöhung der Drittmittel)

fächerübergreifende Kooperation der wissenschaftlichen Disziplinen (Interdisziplinäre

Zentren, Interdisziplinäre Studiengänge, Forschungskollegs, Förderung durch integrative

Mittelzuweisung)



Überwindung der Kooperationsbarrieren zwischen den Hochschultypen (Lehrkooperation

durch gestufte und modulare Studiengänge, gemeinsame Nachwuchsförderung durch

kooperative Promotionen, Forschungs- und Dienstleistungscluster)

Überwindung kleinteiliger Fachbereichs- und Institutsstrukturen durch strukturelle Reformen

an den Einzelstandorten und darüber hinaus (“Departments”, Kompetenzzentren,

Forschungs- und Lehrverbünde, länderübergreifende Kooperation in Hochschulverbünden)

Kooperation/Wettbewerb/Wirtschaftlichkeit

Regionale und überregionale strategische Allianzen (zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen,

Kommunen und Unternehmen, public private partnership)

Konzentration auf regionale und überregionale hochschulübergreifende Schwerpunkte

und Kooperationsformen (Clusterbildung)


Gemeinsame Studien- und Forschungsschwerpunkte zwischen den Hochschultypen (Abstimmung

von Studienmodulen, gestufte Studienangebote, Weiterbildung, Centers of Advanced

Studies, Graduate Schools usw.)

Akzentsetzungen in der Differenzierung des Hochschulsystems (Erweiterung des Studienangebotes

an den Fachhochschulen, stärker forschungsorientierte Ausbildung und

Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses an den Universitäten)


Entwicklung von Forschungs- und Lehrverbünden mit außerhochschulischen Forschungseinrichtungen

(Kooperationsverträge, gemeinsame Berufungen, gemeinsame

Schwerpunkte in Forschung und Lehre, Centers of Excellence)

Ausgründungs- und Ansiedlungsoffensive für Absolventen im Umfeld der Hochschulen

(Existenzgründeroffensive, Technologietransfer)


Flexibilisierung der Personalentwicklung (Personalautonomie, Wissenschaftstarifvertrag.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 10

Hochschulautonomie/Hochschulfinanzierung/Hochschulmanagement


Stärkung der Leitungsstrukturen der Hochschulen (Erweiterung der Entscheidungsbefugnisse

der Rektorate, strategische Planung und Führung, Personal- und Organisationsautonomie,

Gremienreform und Verwaltungsmodernisierung)

Optimierung der Auslastung vorhandener Ressourcen (Flexibilisierung, schnellere Anpassung

der Angebotsstrukturen an veränderte Nachfragen)

Ausbau der Finanz- und Wirtschaftsautonomie (mittelfristige Planungs- und Finanzierungssicherheit,

Globalzuschuss, Budgetierung, Kostenrechnung, Berichtswesen, Übertragung

der Liegenschaftsverwaltung, Eigenerwirtschaftung von Mitteln)





Auf- und Ausbau eines leistungsorientierten Systems der internen Mittelverteilung (interne

Zielvereinbarungen, Anreizsysteme)

Regelmäßige wissenschaftsinterne Evaluierung von Forschung und Lehre

Entwicklung von Marktstrategien für die Angebote, Leistungen und Produkte der Hochschulen

(Aus- und Weiterbildungsangebote, Auftragsforschung, Technologie- und Wissenstransfer,

Beratungs- und Serviceleistungen)

Mobilisierung der Alumni für strategische Ziele der Hochschulen (Bildung von Netzwerken,

Fördervereinen, Stiftungen)

Modernisierung des Studiums/Internationalisierung/Formen der Wissensvermittlung

Flexibilisierung und Modularisierung des Studienangebotes (allgemeine Einführung von

credit points, Modernisierung der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnungen)

Neue Formen der Wissensvermittlung (Digitalisierung, “virtual university”, Medienstrategien

in Forschung, Lehre, Management und Hochschulmarketing)



Verstärkung fremdsprachiger Ausbildungsmodule

Stärkere Öffnung der Hochschulen im Zuge der EU-Osterweiterung (Erhöhung der Auslastung,

Kompensation demographischer Schwankungen)

Verbesserung der Berufsqualifizierung und Arbeitsmarktfähigkeit der Absolventen u. a.

durch stärkere Vermittlung von Schlüssel- und berufsfeldbezogenen Qualifikationen.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 11

3. Verfahren

Um die nötige Strukturreform der Hochschulen in Gang zu setzen, wurde vom Kultusminister

im April 2003 ein Planungsanstoß veröffentlicht und eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Unter

dem Vorsitz des langjährigen Generalsekretärs des Wissenschaftsrates, Dr. Winfried Benz,

hat diese Arbeitsgruppe die Hochschulstrukturen im Land kritisch analysiert und Überlegungen

zu einer neuen Hochschulstrukturplanung angestellt. Der Arbeitsgruppe gehörten alle

Hochschulrektoren, als externes Mitglied Frau Ruth Kretschmer (Geschäftsführerin von

DOW Chemical Central Germany) und der Kultusminister des Landes an.

Die Arbeitsgruppe war keine Planungsgruppe im Sinne des § 57 Personalvertretungsgesetz

des Landes, sondern ein Gremium, dessen Aufgabe darin bestand, das Kultusministerium zu

beraten, die Ergebnisse einer Analyse des status quo zu reflektieren, den Planungsanstoß

kritisch zu bewerten, Informationen bereitzustellen und Alternativen zu prüfen. Empfehlungen,

Entscheidungen oder Beschlüsse sind durch die Arbeitsgruppe nicht formuliert bzw.

getroffen worden. Als wesentliche Bezugspunkte der Arbeit wurden neben dem Planungsanstoß

einschlägige Empfehlungen des Wissenschaftsrates sowie Bericht und Empfehlungen

der Arbeitsgruppe Wissenschaftsstruktur der Vorgängerregierung vom April 2001 herangezogen.

Die Hochschulen sind im Rahmen der Arbeitsgruppe ihrer Verpflichtung, an der Entwicklung

einer neuen Hochschulstrukturplanung für Sachsen-Anhalt in der beschriebenen

Weise mitzuwirken, nachgekommen. Der Bericht des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, der

mit den Mitgliedern abgestimmt ist, liegt der Hochschulstrukturplanung als Anlage bei.

Aufgabenkritik und Situationsanalyse durch die eingesetzte Arbeitsgruppe haben gezeigt,

dass es ungeachtet vieler guter Beispiele Mängel und erhebliche Effizienzreserven an den

einzelnen Hochschulstandorten gibt. Erwähnt seien zu viele Mehrfachangebote bei gleichzeitiger

Unterauslastung, zu wenig hochschulübergreifende Kooperationen und eine beträchtliche

Anzahl von Studiengängen mit niedrigen Studierendenzahlen, während die Ausstattung

stark nachgefragter Studiengänge oft zu wünschen übrig lässt. Die vorgelegte Hochschulstrukturplanung

folgt daher einem Bild von Hochschulen, denen es gelingt, wissenschaftliche

Exzellenz mit Wirtschaftlichkeit zu verbinden, sich über erkennbare Schwerpunkte, Profile

und Bezüge zu außerhochschulischen Forschungseinrichtungen sowie zur Wirtschaft in der

Region gut zu verankern, miteinander zu kooperieren und sich in moderner Weise selbst zu

verwalten und zu bewirtschaften. Die beste Zukunftssicherung für die Hochschulen ist ein

entsprechend qualitätsorientiertes und plausibles Entwicklungs- und Strukturkonzept für die

Hochschullandschaft Sachsen-Anhalts.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 12

4. Hochschulplanerische Analyse: Ansatzpunkt für die Neustrukturierung

Die Vorschläge zur Entwicklung des Hochschulsystems stützen sich auf eine kritische Analyse

des status quo und zielen auf qualitative (hochschulpolitische Leitlinien) und quantitative

(Auslastung) Verbesserungen. Dabei werden auf der Basis von Daten zu Studierendenzahlen,

Personalstellen, Kosten sowie baulichen Voraussetzungen (Flächen) Indikatoren abgeleitet,

die für die inhaltlich-strukturelle Diskussion die Grundlage bilden.

4.1 Hochschulfinanzierung und Wirtschaftskraft des Landes

Die Entwicklungsfähigkeit der Hochschulen des Landes wird nicht allein durch eine inhaltliche

Debatte bestimmt, sondern wesentlich auch durch die Kostenfrage. Das Land finanziert im

Vergleich zu den anderen neuen Ländern in überdurchschnittlichem Umfang seine Ausgaben,

auch die des Hochschulsystems, durch Kredite. Das ist nicht zuletzt wegen des ab 2008

beginnenden, gravierenden Rückgangs von Einnahmen aus dem Länderfinanzausgleich

problematisch. Die Verschuldung des Landes ist bedrohlich. Hinzu kommt, dass das Land in

der letzten Dekade einen der höchsten Bevölkerungsverluste unter den neuen Bundesländern

zu verzeichnen hatte. Das Hochschulsystem ist von dieser Situation sowohl im Hinblick

auf die Finanzkraft des Landes als auch auf die Zahl der Hochschulzugangsberechtigten

nach 2008 in negativer Weise betroffen.

Der Finanzbedarf des Hochschulsystems in unveränderter Struktur ist gemessen an den Finanzierungsperspektiven

des Landes nicht zu bewältigen. Wenngleich die Innovations- und

Wirtschaftskraft entscheidend von den Leistungen des Wissenschaftssystems abhängig sind,

liegt es im langfristigen Interesse der Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die Erwartungen

an öffentliche Mittel auf eine realistische Einschätzung der Haushaltsentwicklung

des Landes zu gründen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die notwendige Planungssicherheit.

Es ist allerdings immerwährend zu prüfen, inwieweit eine Absenkung der Aufwendungen

für den Hochschulbereich im Vergleich zu den Ausgaben anderer Ressorts den Ansprüchen

einer Innovationspolitik und einer modernen Wirtschaftspolitik gerecht werden

kann.

4.2 Vergleiche und formelmäßige Bemessung von Kapazitäten und Kosten

Eine Kostensenkung im Hochschulbereich erfordert, Leistungspotential und Aufgabenerfüllung

der Hochschulen durch überzeugende Maßstäbe vergleichbar zu machen. Das liegt im

Interesse aller an der finanz- und wissenschaftspolitischen Debatte Beteiligten: Parlament,

Hochschulen, Administration, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Dazu werden die Informationsan-


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 13

gebote verschiedener, vor allem staatlicher Stellen genutzt, um z.B. Vergleiche der Hochschulen

verschiedener Länder zu ermöglichen.

Bei Vergleichen des Finanzierungsniveaus und der Leistungsfähigkeit der Hochschulsysteme

1 wird einigen Indikatoren besondere Aufmerksamkeit geschenkt:

1. Bei den Ausgaben 2 je Studierenden im Jahr 2000 nimmt Sachsen-Anhalt mit jährlich

13.089 € in Deutschland den ersten Platz ein. Bei Betrachtung der Ausgaben pro Einwohner

aber wird das Defizit an Studierenden deutlich, das für nahezu alle neuen Bundesländer

mit Ausnahme von Brandenburg gilt. Hier wendet Sachsen-Anhalt mit 190 €

zur Zeit deutschlandweit mit am wenigsten auf (Platzziffer 12). Unter den neuen Ländern

(mit Hochschulmedizin) belegt es den letzten Platz. Die scheinbar widersprüchlichen Befunde

erklären sich in einer relativ geringen Studierendenzahl. In Sachsen-Anhalt ist nach

wie vor eine niedrige Studierendenquote, zugleich aber auch ein geringer Anteil von

Langzeitstudierenden zu verzeichnen. Bei einem unverändert hohen negativen Wanderungssaldo

Studierwilliger und Studierender (-19%) und der demographischen Prognose

zu den Studierendenzahlen würde die Studierendenzahl nach einem Maximum um 2008

sogar wieder sinken und sich der Indikator “Ausgaben je Studierende” noch verschlechtern.

2. Die Betreuungsrelationen (das Verhältnis von Studierendenzahl zur Anzahl wissenschaftlichen

Personals) an den Hochschulen des Landes und mehr oder weniger in allen neuen

Bundesländer weisen im bundesweiten Vergleich auf einen deutlich höheren Personaleinsatz

hin.

Ergänzend zu solchen Vergleichen mit externen Referenzen hat das Kultusministerium für

die Analyse und Bewertung des Hochschulsystems einen formelmäßigen Bewertungs- und

Vergleichsmaßstab eingesetzt, der sich auf den Zusammenhang von Art bzw. Anzahl der

Studienplätze und Personalbedarf (Ausbildungskapazität) gründet. Dabei werden Parameter

wie Curricularnormwert, Lehrdeputat, Personalkostenrichtsätze etc. genutzt. Die Formeln und

kapazitätsrelevanten Parameter sind in Anlehnung an bundesweit genutzte Konzepte (Kapazitätsverordnung;

BLK) festgelegt worden, die auf umfangreichen statistischen Untersuchungen

beruhen. Dadurch wird die Budgetbemessung als ein weiteres, differenzierteres Referenzsystem

nutzbar. Es werden auf der Basis des Bedarfs für die Ausbildung von Studierenden

Kosten geschätzt, die normale Aufwendungen für die Forschung mit umfassen. Durch

Vorgaben zu einer zweckmäßigen Aufteilung von Personal-, Sach- und Investitionsmitteln

können über die Stellenbedarfe hinaus die Gesamtkosten für Hochschulen und ihre Fachbereiche

abgeschätzt werden. Dieser Zusammenhang zwischen Kosten, Studierendenzahlen,

Stellen und Flächen erlaubt es, das Hochschulsystem in unterschiedlichen Kontexten (Hochschulplanung,

Referenzvergleiche, Hochschulbauplanung, staatliche Mittelzuweisung etc.) in

1 BMBF (2002) Grund- und Strukturdaten 2001/2002

2 Ausgaben für Wissenschaft und Forschung insgesamt; mehr als nur die Hochschulbudgets


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 14

konsistenter Weise zu beschreiben. Der Modellcharakter der Bemessungsgrundlage stellt ein

geeignetes, vergleichbares und transparentes Werkzeug zur Kostenbewertung dar, das sich

der Diskussion zu den Hochschulstrukturen im Regelfall gut zu Grunde legen lässt.

4.3 Hochschulplanerische Analyse und Befunde

Ausgangspunkt der Hochschulplanungen im Land Sachsen-Anhalt sind die 1992 gesetzten

44.000 flächenbezogenen Studienplätze. Mit Entscheidung der Landesregierung im Jahr

2000 erfolgte eine Reduzierung auf 33.000. Zumindest für die Hochschulbauplanungen wurden

diese verbindlich als flächenbezogene Studienplätze interpretiert. Diesen entsprechen

rechnerisch 35.200 personalbezogene Studienplätze. Die Unterscheidung wurde in den

letzten Jahren nicht konsequent genug vollzogen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde sind die

noch geltenden flächenbezogenen Studienplätze planerisch nicht in Balance zu den aus dem

IST-Personal abgeleiteten 39.250 personalbezogenen Studienplätzen (IST-Personal

2002/2003). Bei dem niedrigen Realisierungsgrad für die erforderlichen Flächen durch Neubau

und Sanierung erschien es zunächst verzichtbar, den erforderlichen Flächenbestand auf

die geplanten personalbezogenen Studienplätze abzustimmen. Dies zu erreichen, wird künftig

unumgänglich sein, zumal der Realisierungsgrad von erforderlichen Flächen durch weitere

Baumaßnahmen und die Neustrukturierung sich beträchtlich erhöhen wird.

Die in Tabelle 1 ausgewiesenen Daten geben das Dilemma einer auf Landesebene auszumachenden

Unterauslastung der vorhandenen personalbezogenen Studienplätze wieder.

Tabelle 1: Studienplätze

Universitäten Fachhochschulen Gesamt

Flächenbezogene Studienplätze

(Planzahlen 2000 – gesetzt)

personalbezogene Studienplätze

(aus flächenbezogenen Studienplätzen 2000 abgeleitet)

18.050 12.900 30.950 1)

21.815 13.411 35.226

Studierende IST 2002/03 in RSZ 2) 18.832 13.745 32.577

personalbezogene Studienplätze 2002/03 27.000 12.252 39.252

Auslastung

(Studierende IST 2002/03 in RSZ pro

personalbezogene Studienplätze 2002/03)

70 % 112% 83%

1) Ergibt mit denen der Hochschulmedizin 33.000 fl. bez. SPL, Beschluss der Landesregierung im Jahre 2000

2 ) Studierende in der Regelstudienzeit

Die Unterauslastung erweist sich indesvon bestimmten Fachbereichen abgesehen – nicht

als ein Problem der Fachhochschulen (112%), sondern, mit graduellen Unterschieden, als

Problem der Universitäten (70%). Die Auslastung – Ist-Situation – ist in den Fächergruppen

sehr unterschiedlich ausgeprägt. Auch profilbestimmende universitäre Fächergruppen bzw.

Fachbereiche, z.B. Agrarwissenschaft, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, par-


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 15

tiell aber auch die Geisteswissenschaften weisen im Gesamtdurchschnitt eine geringe Nachfrage

auf. Eine in Zukunft zurückgehende Nachfrage von Studierenden wird die Befunde verschärfen.

4.4 Die neustrukturierte Hochschullandschaft

Die Vorschläge zu Veränderungen im Hochschulsystem des Landes sind das Resultat von

Analysen unter einer inhaltlich-strukturellen und einer quantitativen, die Ausbildungskapazitäten,

Stellen und Kosten sowie regionale Bezüge berücksichtigenden Perspektive.

4.4.1 Strukturänderungen

Die Vorschläge zu Strukturveränderungen haben sich an folgenden Grundsätzen orientiert:

Profile sind zu entwickeln, Schwerpunkte zu stärken, erforderliche Konzentrationen zu

befördern;

Die Ausbildungskapazität ist an der mittelfristigen Entwicklung zu orientieren. Studiengänge,

die wenig nachgefragt werden, sind bezüglich der Weiterführung zu überprüfen

und Ausbildungskapazitäten sind auslastungsorientiert und profilbezogen festzusetzen

(durch Erhöhung bzw. Absenkung), wobei auch die Belange der noch im Aufbau befindlichen

Wirtschaft und der außerhochschulischen Forschungseinrichtungen zu berücksichtigen

sind;

Struktureinheiten, die mit ihrem Personalbestand eine große Ausbildungskapazität vorhalten,

in den letzten Jahren aber nur in geringem Umfang nachgefragt wurden, sind unter

Beachtung der noch im Aufbau befindlichen externen Belange der Wirtschaft zur Disposition

zu stellen (dasselbe gilt für Studiengänge, die auf wenige Studienanfänger angelegt

sind);

Das Verhältnis von Studienanfängern an Universitäten und Fachhochschulen ist weiter

zugunsten der Fachhochschulen (Fortsetzung einer hochschulpolitischen Leitlinie seit

1992) zu verschieben. Diese Verschiebung ist nicht allein auslastungsorientiert begründet,

sondern durch eine gezielte Differenzierung der Angebote beider Hochschularten,

verbunden mit der Festlegung eines örtlichen Numerus Clausus. Diese Steuerung der

Studienangebote und der Nachfrage ist Teil der Strategie, das berufsorientierte Profil der

Fachhochschulausbildung, die Kapazitäten, Auslastung und Kosten sachgerecht zu korrigieren,

um einer höheren Studierquote und dem Bedarf des Beschäftigungssystems gerecht

zu werden (spezifischer Bildungsauftrag der Fachhochschulen). Die durch dieses

Umsteuern freigesetzten Potentiale sind zum einen teilweise den Universitäten für eine

bessere Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zur Verfügung zu stellen, zum

anderen sollen sie einem Ausbau der Fachhochschulkapazitäten dienen. Auf diese Weise

ist die hochschulpolitisch gewollte Differenzierung der Hochschularten zu befördern.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 16

4.4.2 Weitere Planungsziele

Ansonsten sind folgende Planungsvoraussetzungen verändert worden:



Der Anteil von Lehraufträgen an der Lehrkapazität ist in seiner Gesamtheit zu erhöhen.

Für Fachhochschulen hat der Wissenschaftsrat im Jahre 2002 als Obergrenze 20 %

empfohlen; für die Universitäten sind max. 5% anzusetzen. Diese Obergrenzen sollen

künftig Regelfall werden;

Der Anteil der Sach- und Investitionsmittel bei den Fachhochschulen ist auf 18 % zu reduzieren,

die freizusetzenden Mittel sind im Sinne eines Anreizsystems innerhalb der Finanzierung

der Fachhochschulen zu belassen und damit eine gerechtfertigte Ausweitung

der Ausbildungskapazität zu finanzieren;

Die Aufwendungen für die zentralen Bereiche, z.B. Hochschulsport, Akademische Auslandsämter,

Verwaltung, etc. sind in Relation zu den sonstigen strukturbedingten Einsparungen

um mindestens 10 % abzusenken. 3

Insbesondere die Strukturveränderungen in den einzelnen Fachbereichen bzw. die Anstöße

zur Verbesserung der Kooperation zwischen den Hochschulen sind als die Kernelemente der

Hochschulstrukturplanung und damit angestrebten Umgestaltung der Hochschullandschaft im

folgenden (4.5) zusammengefasst. Von ihnen kann ein konkreter und umsetzbarer Effekt der

Budgetentlastung erwartet werden, der im Einzelnen ausgewiesen ist. Diese Vorschläge sind

in ein Gesamtreformkonzept einzubetten, das einen Wandel gemäß der hochschulpolitischen

Leitlinien zu vollziehen hilft, aber auch die Belange der Wirtschaft und der außerhochschulischen

Forschungseinrichtungen berücksichtigt.

4.5 Strukturveränderungen an den einzelnen Hochschulen und Anstöße zur Verbesserung

der Kooperation zwischen den Hochschulen (entsprechend 4.4.1)

4.5.1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Universität schärft ihr naturwissenschaftlich geprägtes Profil durch Konzentration der

Ingenieurwissenschaften auf die Schwerpunktbereiche Material- und Biowissenschaften. Sie

überführt ihre kleinteiligen Strukturen in den Geisteswissenschaften, aber auch in den Naturwissenschaften

in größere Struktureinheiten. Mit der Konzentration der Lehrerausbildung in

Halle und der Reform der Magisterfächer (Reduzierung) soll durch gleichzeitige verstärkte

Kooperation und Vernetzung im Universitätsverbund Leipzig/Halle/Jena der Auslastungsgrad

der vorhandenen Kapazität erhöht werden. Es wird empfohlen, die Lehrerausbildung zum

Gegenstand von Zielvereinbarungen mit den betreffenden Hochschulen zu machen. Durch

Einführung jeweils eines oder mehrerer gemeinsamer Studiengänge der Agrarwissenschaften

der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des landwirtschaftlichen Fachbereichs


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 17

der Hochschule Anhalt (FH) einerseits sowie der Ingenieurwissenschaften der Martin-Luther-

Universität Halle-Wittenberg und der Fachhochschule Merseburg andererseits werden freie

Kapazitäten gebunden. Die genannten Bereiche können auch gemeinsame Schwerpunkte

der angewandten Forschung im mitteldeutschen Raum gestalten. Die Universität orientiert

sich durch eine umfassende Reform der Verwaltung und der zentralen Einrichtungen auf die

durch die neuen Instrumente der Hochschulsteuerung anstehenden Herausforderungen für

die Dienstleistungsbereiche.

Einzelne Fachbereiche

FB Ingenieurwissenschaften: Die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge werden in

der bisherigen Form nicht fortgeführt. Ihre profiIbestimmenden Forschungsfelder

werden in die Schwerpunkte Material- und Biowissenschaften integriert und ggf.

gemeinsamen Studiengängen mit der FH Merseburg zugrundegelegt. Die Neuorganisation

erfolgt mit Hilfe externer Beratung und in Abstimmung mit der Wirtschaft

und den außerhochschulischen Forschungseinrichtungen im regionalen

Umfeld; Kooperation mit der Hochschule Merseburg im Rahmen der regionalen

Anforderung (Chemie- und Umweltingenieurwesen)

E.: -2,8 Mio. €

Landwirtschaftliche Fakultät: Einsparungen durch hochschulübergreifende gemeinsame

Forschung und Lehre, Abstimmung mit HAh; möglicherweise integrative Strukturen

mit IAMO

E.: -3,14 Mio. €

Philosophische Fakultät: Übernahme der Lehrerbildung der OvG ohne Stellenzuführung

durch die MLU (Kompensation der Unterauslastung); Reorganisation des stark

gegliederten Studienangebotes;

E.: -4,45 Mio. €

Theologische Fakultät: Trotz der profilbestimmenden Bedeutung der Fakultät wird ein

Effizienzbeitrag (Auslastung) gefordert; die strukturellen Bindungen (Denomination)

durch den Kirchenvertrag ist zu berücksichtigen.

E.: -0.2 Mio. €

Bildung größerer fachlicher Einheiten - Schwerpunkte - Kooperation

Materialwissenschaften: [FB Mathematik und Informatik, FB Physik, FB Chemie, FB

Geowissenschaften, FB Ingenieurwissenschaften]

E.: -1,69 Mio. €

Biowissenschaften: [FB Biochemie/Biotechnologie, FB Pharmazie, FB Biologie, FB Chemie,

Landwirtschaftliche Fakultät, FB Ingenieurwissenschaften]

E.: -1,41 Mio. €

3 Das Problem der Zuordnung der Liegenschaftsverwaltung bleibt hierbei unberücksichtigt.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 18

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften: [Juristische Fakultät, Wirtschaftswissenschaftliche

Fakultät, Landwirtschaftliche Fakultät 4 ]

E.: -1,02 Mio. €

4.5.2 Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Die Otto-von-Guericke-Universität verstärkt ihre Profilierung im ingenieurwissenschaftlichen

Bereich und nimmt hier die Funktion einer Leiteinrichtung im Land ein. Hierzu gehört die engere

Abstimmung von Studien- und Forschungsinhalten mit der Hochschule Magdeburg-

Stendal (FH), Standort Magdeburg. Der technische Schwerpunkt wird durch die alleinige

Ausbildung von Berufsschullehrern abgerundet, während die Ausbildung von Lehrern für allgemeinbildende

Schulen in Halle konzentriert wird. Abgesehen von der Berufsschullehrerausbildung

konzentriert sich die Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften

verstärkt auf die Auseinandersetzung der Geisteswissenschaften mit den Herausforderungen

einer technisch geprägten Wissensgesellschaft und trägt zu den Fragestellungen

des fächerübergreifenden Schwerpunktes Neurowissenschaften bei. Durch eine Zusammenführung

von Strukturen in den technischen Disziplinen wird deren Kooperation und

die Auslastung der Kapazitäten erhöht. Die Sportwissenschaften konzentrieren sich auf die

Ausbildung im Lehramt an Berufsschulen, die Magisterausbildung und die Diplomausbildung.

Die Musikausbildung wird in Halle konzentriert.

Einzelne Fachbereiche

Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften: Abgabe der (allgemeinbildenden)

Lehrerbildung; Fortsetzung der Profilierung durch Verknüpfung geistes-,

natur- und ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen in Forschung und Lehre mit

Betonung der Schnittstellen und eines kombinierten Angebotes in der Lehre in

Anlehnung an das “Chemnitzer Modell”

E.: -1,7 Mio. €

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät: Der momentanen Überlast an Studienanfängern

sollte durch Kooperation (modulare Lehrangebote) mit Fachhochschulen begegnet

werden.

E.: -0,1 Mio. €

Bildung größerer fachlicher Einheiten - Schwerpunkte - Kooperation

Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik [Fakultät für Naturwissenschaften, Fakultät

für Mathematik, Fakultät für Informatik]

E.: -1,31 Mio. €

4 Agrarökonomie


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 19

Neuordnung der Ingenieurwissenschaften [Fakultät für Maschinenbau, Fakultät für Verfahrens-

und Systemtechnik, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik]

E.: -4,5 Mio. €

4.5.3 Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle

Die Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle konzentriert ihre Grundlagenausbildung

und verstärkt ihre Kooperation mit der Universität Halle (Kunstwissenschaften)

und den Fachhochschulen (Design). Das Studienangebot wird mit dem Ziel einer besseren

Durchlässigkeit und Studierbarkeit überprüft, so weit wie möglich modularisiert und auf

eine Dauer von 10 Semestern Regelstudienzeit festgelegt (außer Lehrerbildung). Die interne

Kooperation der beiden Fachbereiche in affinen Fächern wird verstärkt. Die zentralen Einrichtungen

und die Verwaltung werden zu Dienstleistungseinrichtungen für die Lehre und die

strategische Steuerung an der Hochschule entwickelt.

Einzelne Fachbereiche

FB Kunst: Durchsetzen einer einheitlichen Regelstudienzeit von 10 Semestern; Reform

der Grundlagenausbildung; Kooperation mit MLU (Lehrangebote)

E.: -0,34 Mio. €

FB Design: Durchsetzen einer einheitlichen Regelstudienzeit von 10 Semestern (außer

Lehramt); Reform der Grundlagenausbildung; Kooperation mit Fachhochschulen

E.: -0,56 Mio. €

4.5.4 Hochschule Anhalt (FH)

Mit der Neustrukturierung der Hochschule Anhalt können im Zusammenspiel mit zwei anderen

Fachhochschulen des Landes wesentliche hochschulpolitische Forderungen wie Profilierung,

Schwerpunkbildung, Abbau von Mehrfachangeboten etc. erfüllt werden. Sie ist eine

überwiegend ingenieurwissenschaftlich geprägte Hochschule mit einem starken traditionell

orientierten Maschinenbau und Elektrotechnik. Bestimmend sind eine moderne Verfahrenstechnik

und eine leistungsfähige Biotechnologie. Architektur und Design sind künftig konsequent

mit den Bauhaus zu verknüpfen. Die Landwirtschaft wird künftig die Aufgabe einer praxisorientierten

Ausbildung für den gesamten Mitteldeutschen Raum in Kooperation mit der

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erfüllen. Die Profilierung des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften

ist in Abstimmung mit vergleichbaren Fachbereichen der anderen

Fachhochschulen fortzusetzen, Schwerpunkte dabei sind: Controlling, Wirtschaftsrecht, E-

xistenzgründung.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 20

Einzelne Fachbereiche

FB Landwirtschaft/Ökotrophologie/Landespflege: Kooperation MLU – Abbau einer Professoren-Stelle

E.: -0,42 Mio. €

FB Wirtschaft: Abbau mindestens einer Stelle durch Etablierung des Fachvertretungsprinzips

E.: 0,05 Mio. €

FB Architektur/Bauingenieurwesen: Schließung des Studienganges Bauingenieurwesen

in Dessau, Integration des Vermessungswesens VWG in einen neu zu strukturierenden

Fachbereich

E.: -0,62 Mio. €

FB Design: Einsparungen durch Kooperation bei Lehrangebot mit HKD, HMd

E.: -0,26 Mio. €

FB Elektrotechnik: Kooperation mit HMe nach Übernahme des Studienganges Elektrotechnik

E.: -0,05 Mio. €

FB Lebensmitteltechnologie/Biotechnologie/Verfahrens- und Umwelttechnik: Schließung

des Studienganges Verfahrens- und Umwelttechnik und Neuorganisation eines

Studienganges Verfahrenstechnik in diesbezüglicher Profilabstimmung mit der

HMe

E.: -0,25 Mio. €

FB Maschinenbau/Wirtschaftsingenieurwesen: Abbau von Stellen durch Etablierung des

Fachvertretungsprinzips; Übernahme der Studierenden des Studienganges Maschinenbau

der HMe;

E.: -0,3 Mio. €

FB Informatik/Fachübersetzen: Abbau von Stellen durch Anwendung des Fachvertretungsprinzips;

Verlagerung des Studienganges Fachkommunikation nach Magdeburg

E.: -0,25 Mio. €

Bildung größerer fachlicher Einheiten - Schwerpunkte - Kooperation

Informatik und Elektrotechnik; Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen, Lebensmittel-

und Biotechnologie/Verfahrenstechnik; Architektur und Vermessungswesen.

4.5.5 Hochschule Harz (FH)

Die Hochschule verfügt über drei Säulen: Wirtschaftswissenschaften, Angewandte Informatik/

Automatisierungstechnik und Verwaltungswissenschaften. Ein großes, noch nicht erschlossenes

Potential steckt in den Verwaltungswissenschaften. Hier ist es von größter Wichtigkeit,

den Bereich auszubauen, inhaltlich stärker in die Hochschule zu integrieren und die Angebotstruktur

auf die Anforderungen an moderne Verwaltungswissenschaften im mitteldeutschen

Raum abzustimmen. Dabei müssen die Ressourcen der beiden anderen Fachbereiche


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 21

wesentlich stärker in Anspruch genommen werden. Die Standort- und Fachbereichsgrenzen

dürfen diesen Prozess nicht länger behindern. Ein weiteres Entwicklungspotential steckt in

der Schwerpunktbildung Tourismuswirtschaft, der mittlerweile aber in starker Konkurrenz zu

anderen Fachhochschulen Deutschlands entwickelt werden muss.

Einzelne Fachbereiche

FB Automatisierung und Informatik: Neuorganisation der Lehre des Fachbereiches

E.:- 0,05 Mio. €

FB Wirtschaft: Schwerpunktsetzung Tourismuswirtschaft

E.: -0,2 Mio. €

FB Verwaltungswissenschaften: Personalwirtschaftliche Maßnahmen (Altersteilzeit) für

Lehrkräfte für besondere Aufgaben (derzeit mit kw-Vermerken versehen)

E.: -0,15 Mio. €

Bildung größerer fachlicher Einheiten - Schwerpunkte - Kooperation

Eine langfristige Entwicklung muss die Größe und Leistungsfähigkeit der Fachbereiche

ausbalancieren helfen und die Fachbereiche über die Standortgrenzen hinweg bei Anwendung

des Fachvertretungsprinzips zur stärkeren Kooperation führen. Informatik, BWL

und Rechtswissenschaften müssen für alle Fachbereiche zu Kooperationspartnern werden;

dadurch kann das Profil der Hochschule entscheidend gestärkt werden. Der Fachbereich

Verwaltungswissenschaften ist durch Zusammenführung der Studiengänge Non-

Profit-Management und Verwaltungsökonomie/Öffentliches Dienstleistungsmanagement

zu stärken. Die bisher in mehreren Fachbereichen angesiedelten Informatikstudiengänge

sind im entsprechend zu profilierenden Fachbereich Informatik/Automatisierungstechnik

anzusiedeln.

4.5.6 Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)

Die Entwicklung der Hochschule hängt sehr stark von der künftigen Entwicklung der neu am

Standort Stendal zu etablierenden Fachbereiche BWL und Rehabilitation ab, weil die Ressourcen

und die Angebote an beiden Standorten durch die Verlagerungen und Verstärkungen

künftig viel stärker verknüpft sind. Sozial-/Gesundheitswesen bzw. Rehabilitation und

Ingenieurwissenschaften sind zwei Schwerpunktbereiche. Der Fachbereich Fachkommunikation/Medien

hat sich noch zu etablieren. Der Standort Magdeburg ist in besonderer Weise

geeignet, eine die Ressourcen auslastende Kooperation zwischen Fachhochschule und Universität

insbesondere in den Ingenieurwissenschaften zu gestalten.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 22

Einzelne Fachbereiche

FB Maschinenbau: Verlagerung der BWL-Professuren zum neuen Fachbereich BWL/

Stendal; Nutzung der Kooperationsmöglichkeiten mit den Ingenieurwissenschaften

der OvG

E.: -0,76 Mio. €

FB Elektrotechnik: Nutzung der Kooperationsmöglichkeiten mit den Ingenieurwissenschaften

der OvG

E.: -0,29 Mio. €

FB Sozial- und Gesundheitswesen (incl. Musik): Verlagerung von Studiengängen, insbesondere

Heilpädagogik, in den Fachbereich Rehabilitation/Stendal; Reduktion der

Aufnahmekapazität von Studiengängen des Sozialwesens; kein grundständiger

Studiengang Musiktherapie mehr, statt dessen evtl. gebührenpflichtiger Weiterbildungsstudiengang

E.: -1,8 Mio. €

FB Chemie/Pharmatechnik: Schließung des Fachbereiches, z.T. Verlagerung nach Merseburg

und Köthen

E.: -1,0 Mio. €

FB Wasserwirtschaft: Zuordnung von zwei Professuren aus Fachbereich Chemie

E.: +0,39 Mio. €

FB Bauwesen: Schließung des Fachbereiches Architektur

E.: -0,55 Mio. €

FB Gestaltung/Industriedesign: Konzentration auf Industriedesign, Kooperation mit OvG

E.: -0,1 Mio. €

FB Medien und Fachkommunikation: Zuführung von Ressourcen zum Ausbau des Fachbereiches

Medien/Fachkommunikation, der an den Standort Magdeburg verlagert

wird. Zugleich sind die entsprechenden Schwerpunkte am Standort Merseburg zu

berücksichtigen; Zuführung von Ressourcen der Hochschule Anhalt (FH), Hochschule

für angewandte Wissenschaften (Fachübersetzen) und durch Umverteilung

E.: +0,58 Mio. €

FB Betriebswirtschaftslehre: Schaffung des neuen Fachbereiches BWL am Standort

Stendal; Zuführung der Professuren aus Fachbereich Maschinenbau

E.: +0,42 Mio. €

FB Rehabilitation: Schaffung des neuen Fachbereiches Rehabilitation/Heilpädagogik am

Standort Stendal; Zuführung der Professuren aus Fachbereich Sozial- und Gesundheitswissenschaften

E.: +1,38 Mio. €

Bildung größerer fachlicher Einheiten - Schwerpunkte - Kooperation

Maschinenbau, Design und Elektrotechnik sollten in einem Fachbereich zusammengefasst

werden, da diese Bereiche sich auch wegen der Nachfrageschwankungen stärker in

gemeinsamen Studienangeboten finden müssen. Design hat nur in der Kooperation mit

dem Maschinenbau im Landesmaßstab eine langfristige Entwicklungsperspektive. Durch


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 23

die Zusammenführung werden Studienangebote inhaltlich verbessert und die Voraussetzungen

für die Kooperation mit der OvG geschaffen. In gleicher Weise ist die Wasserwirtschaft

mit dem Bauwesen zu verschränken und in der Kooperation ein neuer profilscharfer

Schwerpunkt zu entwickeln.

4.5.7 Fachhochschule Merseburg

Von den drei Schwerpunkten verdient im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Hochschullandschaft

der Bereich Chemie und Umweltingenieurwesen besondere Beachtung. Angesichts

der beabsichtigten Reduzierung der Ingenieurwissenschaften an der MLU bietet sich

hier für die Hochschule eine große Profilierungschance, die in Kooperation mit den verbleibenden

universitären Ressourcen wahrzunehmen ist. Die beiden anderen Bereiche Wirtschafts-

und Sozialwissenschaften und der Medien- bzw. kulturwissenschaftliche Bereich

sind nicht ohne Abstimmung mit entsprechenden Bereichen an anderen Fachhochschulen zu

entwickeln und auszubauen.

Einzelne Fachbereiche

FB Informatik: Abstimmung der Schwerpunkte mit anderen Fachhochschulen mit dem

Ziel der Konzentration; Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-

Wittenberg

E.: -0,18 Mio. €

FB Chemie- und Umweltingenieurwesen: Verlagerung von Ressourcen aus Magdeburg

(Chemie) und Umwelttechnik der Hochschule Anhalt (FH), Hochschule für angewandte

Wissenschaften mit dem Ziel der Stärkung des regionalpolitisch bedeutsamen

Schwerpunktes; das vorhandene Studienangebot ist umzustrukturieren,

um eine bessere Nachfrage zu erreichen; dazu ist vor dem regionalen Hintergrund

die Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu forcieren;

Alleinstellungsmerkmal im Umwelttechnikbereich ist für die Standortstärkung

zu nutzen

E.: +0,12 Mio. €

FB Maschinenbau: Verlagerung der Ressourcen und des Studienganges Maschinenbau

zur HAh

E.: - 0,55 Mio. €

FB Elektrotechnik: Verlagerung der Ressourcen und des Studienganges Elektrotechnik

zur HAh

E.: -0,40 Mio. €

FB Sozialwesen: Reduzierung der Aufnahmekapazität im grundständigen Studiengang

Sozialarbeit/Sozialpädagogik

E.: -0,29 Mio. €


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 24

Bildung größerer fachlicher Einheiten - Schwerpunkte - Kooperation

Die vier bestehenden Fachbereiche Ingenieurwissenschaften sind zur Stärkung und Profilierung

dieser profilbestimmenden Fächer zu einem Fachbereich Natur- und Technikwissenschaften

zusammenzufassen.

Zusammenfassung:

Die strukturellen Veränderungen und die sie hinsichtlich der Budgetentlastung ergänzenden

Veränderungen der Planungsansätze sind durch das Bemessungsmodell quantitativ beurteilt

worden, um die Konsistenz der Vorschläge unter Berücksichtigung der Anforderungen und

hochschulplanerischen Indikatoren überprüfen zu können. Diese hochschulplanerische Analyse

zeigt z.B. erhebliche Abweichungen von einer ausgewogenen Verteilung des Personals

(Durchschnittswerte bundesdeutscher Hochschulen) auf Stellen für wissenschaftliches und

für nichtwissenschaftliches Personal mit hieraus resultierenden strukturellen und finanziellen

Effekten. Diese Abweichungen verursachen einerseits Kosten und berühren andererseits die

Funktionsfähigkeit der Fachbereiche. Deshalb sind sie an allen Hochschulen in unterschiedlichem

Umfang bei der Planung struktureller Eingriffe und deren Umsetzung zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse der Analyse und der Bewertung der Strukturveränderungen bzw. der Veränderung

der Planungsansätze, die auf den zuvor dargestellten Befunden zur IST-Situation

aufbauen, sind im Folgenden dokumentiert und bewertet.

Festzuhalten ist – siehe Tabelle 2 - dass nach dem Bemessungsmodell diese

Strukturveränderungen mit der Umsetzung eine Reduzierung von 10 % ab 2006

(bezogen auf den Gesamtansatz aller Hochschulen des Jahres 2003) erbringen.

Tabelle 2 zeigt, dass die strukturellen Veränderungen in den finanziellen Auswirkungen für

die einzelne Hochschule absichtsvoll von den linearen 10%-Werten abweichen, die als Richtschnur

für die Reduzierung dienen. Die empfohlenen Strukturveränderungen orientieren sich

also nicht an einer proportionalen Absenkung der einzelnen Hochschulbudgets. Die Unterschiede

in der Auslastung der Ausbildungskapazitäten legen ohnehin differenzierte Interventionen

nahe. Aus hochschulpolitischen Erwägungen und wegen der Auslastungsunterschiede

der beiden Hochschularten sind – siehe Tabelle 2 – die Fachhochschulen in geringerem Maße

von den Reduzierungen betroffen als die Universitäten. Die Übersicht unter 4.5. enthält

auch die finanziellen Entlastungen, die als Resultate für Strukturveränderungen der Fachbereiche

berechnet worden sind.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 25

Tabelle 2: Finanzielle Auswirkungen struktureller und sonstiger Maßnahmen

Hochschulen Haushalt 2003 “plus x”-Mittel

Abgeschätzte finanzielle Auswirkungen der

Neustrukturierung

strukturelle Veränderungen (4.4.1)

[Mio €] [Mio €] [Mio €] (%) 1)

MLU 122 12.2 14,7 (12,0%)

OvG 75 7,5 7.6 (10,1%)

HKD 12 1,2 0,9 (7,5%)

HAh 29 2,9 2,2 (7,6%)

HHz 12 1,2 0,4 (3,3%)

HMd 22 2,2 1,7 (7,7%)

HMe 16 1,6 1,3 (8,1%)

Gesamt 288,2 28,8 28,8 (10%)

1) bezogen auf die Höhe des Haushaltansatzes 2003

Neben den Strukturänderungen (28,8 Mio. €) erbringen auch die geänderten Planungsansätze

(Anteil der Sach- und Investitionskosten, Aufwendungen für die zentralen Bereiche und

Erhöhung des Anteils der Lehraufträge) nominell eine Entlastung. Allerdings bringt eine Änderung

der Strukturen nicht nur Einsparungen, sondern verursacht - insbesondere im Hinblick

auf eine wettbewerbsfähige Ausbildung und Ausstattung von Profilen und Schwerpunkten

auch Kosten. Die dafür erforderlichen Mittel sollen im Rahmen des Umstrukturierungsprozesses

(Maßnahmen gem. Ziff. 4.4.1 und 4.4.2) gewonnen werden.

In den Fachhochschulen soll damit die Schaffung von weiteren ausgelasteten und vom Beschäftigungssystem

nachgefragten Studienplätzen (bis zu 980) ermöglicht werden. Bei den

Universitäten besteht forschungspolitisch Veranlassung, den im Vergleich zu bundesdeutschen

Verhältnissen geringen Sachkostenanteil (nicht das Budget absolut) zu erhöhen. Aus

diesen Mitteln werden u.a. Aufwendungen für die Drittmittelforschung bestritten. So wird ein

Anreizsystem für besondere Forschungsleistungen etabliert. Insgesamt wird damit hochschulpolitisch

den differenzierten Leistungsanforderungen an beide Hochschularten entsprochen.

Nach der Realisierung der beabsichtigten Strukturänderung wird eine höhere Auslastung für

alle Hochschulen vorliegen - siehe Tabelle 3. Die MLU wäre allerdings noch immer beträchtlich

unterausgelastet. Die Fachhochschulen müssten durch die Überlast motiviert sein, durch

die Umverteilung von Mitteln, die durch wirtschaftlicheres Agieren freigesetzt werden, aber

den Hochschulen verbleiben, bis zu 980 zusätzliche Studienplätze (siehe Tabelle 4) zu

schaffen.

Die personalbezogene Ausbildungskapazität liegt nach der vorgesehenen Strukturänderung

mit knapp 34.000 deutlich unter den noch geltenden 39.250 (siehe Tabelle 1) und ist damit

momentan in Balance mit den Zahlen „Studierende in der Regelstudienzeit“. Die künftige


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 26

Entwicklung der Studierendenzahlen wird zeigen, ob diese Gesamtausbildungskapazität einer

weiteren Korrektur bedarf. Die strukturellen Veränderungen sind so konzipiert worden,

das sich Auslastungsunterschiede verringern. Bei den Fachhochschulen ist das gelungen.

Die Transparenz, die über die Ausstattung des Hochschulsystems hergestellt wird, ist für alle

an der Diskussion über die Effizienz Beteiligten und den Budgetgeber von Nutzen. Die Budgets

der Hochschulen des Landes sind damit gegenüber der Öffentlichkeit und dem Parlament

viel besser begründbar.

Die Unterschiede in den Auslastungen zwischen den beiden Universitäten und vor allem zwischen

den beiden Hochschularten können mit den vorgesehenen Strukturänderungen noch

nicht zufriedenstellend abgebaut werden. Das zu erreichen, wird Gegenstand einer längerfristigen

Umsteuerung durch das Kultusministerium sein. Die neue Anzahl der flächenbezogenen

Studienplätze liegt mit nunmehr 29.700 nur wenig unter der bisher geltenden (siehe

Tabelle 1), ist in Balance mit den 33.850 personalbezogenen Studienplätzen der neuen

Hochschulstruktur des Landes und muss künftig auch der zu revidierenden Hochschulbauplanung

zugrunde gelegt werden. Es wird deutlich, dass sich die flächenbezogenen Studienplätze

der Fachhochschulen gegenüber den alten, seit 1992 geltenden Zielzahlen deutlich

verringern, während sich die der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg moderat, die der

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg stärker erhöhen.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 27

Tabelle 3: Vergleich der Ausbildungskapazitäten (personalbezogene Studienplätze) und

ihre Auslastung (Studierende in RSZ 2002/03 strukturangepasst)

Hochschule

IST- Situation

2002/03

Nach Strukturplanung 2003

MLU 16.340 (64%) 13.710 (76%)

OvG 9.732 (78%) 8.307 (91%)

HKD 927 (83%) 846 (100%)

Universitäten gesamt 27.000 (70 %) 22.863 (82 %)

HAh 3.943 (114%) 3.736 (126%)

HHz 1.964 (113%) 1.824 (122%)

HMd 3.933 (109%) 3.503 (120%)

HMe 2.411 (113%) 2.115 (121%)

Fachhochschulen gesamt 12.252 (112%) 11.178 (123%)

insgesamt 39.251 (83%) 34.041 (96%)

980 zusätzliche Studienplätze

12.158 (113%]

bei Fachhochschulen 1)

1) zusätzliche, durch eingesparte und intern umverteilte Mittel für Fachhochschulen zu schaffende Studienplätze

Durch die Neustrukturierung und die Neufestsetzung des Anteils der Sach- und Investitionskosten

bei den Fachhochschulen kommt es dort zu einer deutlichen Reduzierung der Kosten

pro Studierenden in der Regelstudienzeit. Im Landesdurchschnitt betrachtet, sinken diese

Kosten pro Studierenden um 11,5 %. Im Hinblick auf den oben betrachteten, für bundesweite

Vergleiche nutzbaren Indikator “Kosten pro Studierender”, kann mit einer deutlichen Absenkung

gerechnet werden. Das Land Sachsen-Anhalt wird dann bei Ländervergleichen bezüglich

dieses Indikators einen Mittelplatz einnehmen.

Tabelle 4 gibt abschließend einen Überblick über die an verschiedenen Indikatoren ablesbaren

Auswirkungen der Neustrukturierung. Diese quantitativen Aussagen zeigen eine im Hinblick

auf die Kosten- und Leistungsbilanz wesentlich verbesserte Hochschullandschaft. Auf

diese Weise ist auch eine solide Basis für das Controlling des komplizierten und von Auseinandersetzungen

sicher nicht freien Umsetzungsprozesses gegeben.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 28

Tabelle 4: Hochschullandschaft vor und nach der Neustrukturierung

Gesamtbudget für die Hochschulen

(ohne zugewiesene Tarifsteigerungsmittel)

IST- Situation 2002/03

Nach der

Neustrukturierung

288,2 Mio. € 259,4 Mio.€

Studierende IST 2002/03 in RSZ 2) 32.577’ --

personalbezogene Studienplätze

(Auslastung)

Zusätzliche

personalbezogene Studienplätze

für Fachhochschulen

Studienplätze an den Fachhochschulen

(Auslastung)

39.251

(83%)

12.252

(112%)

33.850

(96%)

980 3)

12.120 3)

(113%]

Flächenbezogene Studienplätze 30.950 1) 29.578

Verhältnis der Studienanfänger 1.HS

Universitäten : Fachhochschulen

(bei zusätzlichen 980 Stellen für FH)

60 / 40 58 / 42

(56 / 44)

Kosten je Studierenden 4 in RSZ (2002/03)

(hochgerechnet auf Stud.zahl 2008)

8.700 € p. a.

(7.200 € p.a.)

7.700 € p.a

(6.400 € p.a.)

Kosten je pers.bez. Studienplatz 7200 € p.a. 7.100 € p.a

Flächenbestand IST u. Flächenbedarf [m 2 ] HNF 5 287.422 294.024

1) Ergibt mit denen der Hochschulmedizin 33.000 fl. bez. SPL, sind als Planzahl zu interpretieren

2 ) Studierende in der Regelstudienzeit

3 ) Vermehrung ausgelasteter Kapazität durch Umverteilung

4 ) bezogen auf Budgets der Hochschulen

5 ) nutzungstaugliche Ist-Fläche für Fachbereiche (ohne zentrale Einrichtungen) nach Meldung der Hochschulen im April 2003

Die quantitative Beschreibung der Hochschullandschaft ist im Zusammenhang mit den

Strukturmaßnahmen zu sehen (siehe Übersicht “Strukturveränderungen in und Anstöße zur

Verbesserung der Kooperation zwischen den Hochschulen”). Die Hochschullandschaft wird

in der Folge, wie aus der Übersicht ablesbar ist, auch strukturell gewinnen:


Das Profil der Hochschulen wird durch Abbau der Mehrfachangebote geschärft;

Die Schwerpunkte werden innerhalb der Hochschule stärker ins Bewusstsein gerückt.

Das wird künftig besser gestatten, intern Formen der leistungsorientierten Mittelverteilung

zu installieren, zumal diese nunmehr auch besser durch die Formen der externen Mittelzuteilung

(Budgetierung) unterstützt werden können.



Die Diskussion in der Arbeitsgruppe “Hochschulstrukturplan” (siehe Abschlussbericht) hat

von Beginn an hohe Potentiale zur Verbesserung der direkten Kooperation zwischen

Hochschulen und sogar über die Grenzen der Hochschularten hinweg aufgezeigt: Im

Wettbewerb um die knapperen Ressourcen werden neue Allianzen entstehen. So arbeiten

beispielsweise künftig die Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-

Stendal (FH)/Standort Magdeburg in den Ingenieurwissenschaften zusammen. Dabei

kann auf der universitären Seite die Unterauslastung und auf der Fachhochschulseite die

Überauslastung der Kapazitäten kompensiert werden.

Bei den erforderlichen Reduzierungen des Budgets ist ein Strukturabbau nicht gänzlich

zu vermeiden. Das kann gewachsene Kooperationsbeziehungen, z.B. in existierenden


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 29

bzw. entstehenden Clustern anwendungsorientierter Forschung berühren. Es zeichnen

sich aber Möglichkeiten der Kompensation ab, in dem die Kooperation in der Lehre zur

Pflege des wissenschaftlichen Nachwuchses und in der Forschung verstärkt wird. Gemäß

einer Verabredung zwischen den Rektoraten der Martin-Luther-Universität Halle-

Wittenberg und der Hochschule Merseburg wird dies u.a. im Raum Halle/Merseburg geschehen.

Die Fachhochschule selbst begreift sich in der Verantwortung für das Chemieingenieurwesen

im südlichen Raum Sachsen-Anhalts und wird das Profil stärker auf die

ingenieurwissenschaftlichen Bedürfnisse der ortsansässigen Wirtschaft und die sonstigen

Kooperationspartner abzustimmen haben. Diese geschieht in Kooperation mit den

verbleibenden ingenieurwissenschaftlichen Ressourcen an der Universität Halle.

4.6 Wissenschaftszentrum Wittenberg

Die Erweiterung der Autonomie der Hochschulen führt zur Verwendung neuer Steuerungsinstrumente

innerhalb der Hochschulen, die z.T. durch eine hochschulübergreifende Kooperation

erst entwickelt werden müssen. Durch die damit einhergehende Aufgabenverlagerung ist

auch die Arbeitsweise des Kultusministeriums in Bezug auf die Hochschulen kritisch zu analysieren.

Beide Akteure (HS, MK) müssen sich verstärkt auch auf das Umfeld des Wissenschaftssystems

einstellen.

Unter dem Gesichtspunkt neuer Maßstäbe und Ansprüche an das Wissenschaftssystem und

seine Administration sind entsprechende Aktivitäten der einzelnen Hochschulen stärker zu

bündeln, nicht zuletzt um Synergien zu erzeugen. Dies gilt insbesondere unter der Maßgabe

der Dezentralisierung der Aufgabenwahrnehmung innerhalb der Wissenschaftseinrichtungen.

Themen solcher zu bündelnden Aufgaben sind u.a.: Dienstleistungen nach innen und außen,

Politikberatung, Qualitätsmanagement, Hochschulmarketing und Öffentlichkeitsarbeit, Studierendenwerbung,

Strategiebildung für das Wissenschaftssystem des Landes und nicht zuletzt

die Kooperation bei der Etablierung und Evaluation neuer Steuerungsinstrumente.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Entwicklung eines Wissenschaftszentrums mit einem

entsprechenden Aufgabenspektrum erstrebenswert. Unabhängig von der konkreten Form der

Institutionalisierung sind vor allem Kompetenzen zur Netzwerkbildung unter den beteiligten

Hochschulen und ggf. auch außerhochschulischen Forschungseinrichtungen auszubilden.

Neben der Netzwerkkompetenz und dem Organisationsvermögen eines solchen Zentrums

sind Servicefunktionen auf hohem Niveau für Akteure und Netzwerke zu sichern.

Durch das Verfahren zur Gründung sowie durch die Arbeitsweise des Wissenschaftszentrums

muss den Befürchtungen der Hochschulen zu begegnet werden, durch die geplanten

Aktivitäten könnten sie originäre Aufgaben und Einflussmöglichkeiten verlieren.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 30

Die Gründungsidee geht von einer Bündelung vorhandener Ressourcen aus, von denen die

Hochschulen dann gemeinsam und zu wechselseitigem Vorteil profitieren. Die Organisationsform

des Wissenschaftszentrums setzt durch eine Mischung von Flexibilität und festverfügbaren

Ressourcen voraus. Kopien vorhandener Strukturen an neuer Stelle werden daher

nicht das angestrebte Ziel erreichen.

Die Gründung erfordert ein genaues Sondieren der Bedingungen und Ressourcen, die das

Wissenschaftszentrum zu der erwarteten Leistung führen können. Insbesondere müssen der

Aufbau des Wissenschaftszentrums und seine konzeptionelle Ausformung maßgeblich von

den Hochschulen selbst mitgestaltet werden können. Die Einbeziehung vorhandener Institutionen,

wie z.B. der Leucorea liegt nahe, sollte aber unter Berücksichtigung der Gründungsidee

(Ausgangspunkt: Kommunikations- und Kooperationsplattform der Hochschulen für a-

naloge Aufgaben insbesondere im Verwaltungs-, Organisations- und Servicebereich) in einem

kompetenten und durchsetzungsfähigen Gründungsgremium mit Sorgfalt bewertet werden.

In diesem Gremium ist unter Berücksichtigung der Situation des Wissenschaftssystems

des Landes die Gründungsidee weiter zu qualifizieren.

Der Rationalisierungseffekt, der durch eine Bündelung und Zentralisierung von gemeinsamen

übergreifenden Aufgaben des Wissenschaftssystems im WZW zu erwarten ist, kann erst

nach der Analyse der Zeit- und Maßnahmepläne der Hochschulen zur Umsetzung des Hochschulstrukturplans

des Landes eingeschätzt werden. Das MK plant, diese Analyse noch im

Laufe der parlamentarischen Verhandlungen zum Haushalt 2004 vorzulegen.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 31

5. Regionalwirtschaftliche Effekte von Hochschulen

Von Hochschulen gehen im Unterschied zu anderen regionalen Infrastruktureinrichtungen

eine Vielzahl positiver Wachstumseffekte aus 5 . Diese Effekte lassen sich in kurzfristige Einkommenseffekte

und langfristige Kapazitätseffekte unterscheiden.

Die kurzfristigen Einkommenseffekte, also jene Effekte, die zu einer höheren Wertschöpfung

und mehr Beschäftigung in der Region führen, basieren auf der größeren Nachfrage, welche

durch die mit der Hochschule verknüpften Zahlungsströme entsteht. Studierende aus anderen

Regionen lassen sich zumindest für die Dauer des Studiums am Hochschulort nieder und

sind dort Konsumenten. Auch durch die Finanzierung von Forschungsprojekten und Investitionen

an den Hochschulen fließen Mittel in die Region, die letztlich in den Wirtschaftskreislauf

gelangen. Die steigende Nachfrage kann zu einer Erhöhung der regionalen Produktion und

damit in der Regel auch zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze in der Region führen.

Die raumwirtschaftliche Bedeutung von Hochschulen erschöpft sich jedoch nicht in den

Nachfrage- und Beschäftigungsimpulsen. Weitaus wichtiger sind die langfristigen Kapazitätseffekte,

die aus der Ausbildung junger Menschen und der Forschungstätigkeit an Hochschulen

resultieren. Gegenwärtig vollziehen Regionen dann eine erfolgreiche Entwicklung, wenn

die dort ansässigen Unternehmen durch innovative Produkte und Verfahren auf überregionalen

Märkten erfolgreich sind. Hierfür müssen den Unternehmen hochqualifizierte Arbeitskräfte

bereitstehen. Hochschulen sind eine wichtige Voraussetzung für die qualitative und

quantitative Verbesserung des Arbeitsangebotes in der Region.

Neben der Bereitstellung von Humankapital im Rahmen der Lehre ist die Forschung und damit

die Schaffung neuer Erkenntnisse bzw. neuen Wissens Aufgabe der Hochschulen. Gelingt

es, die Forschungsergebnisse für die Unternehmen zeitnah nutzbar zu machen, können

weitere Vorteile im Innovationsprozess erlangt werden. Die raumwirtschaftliche Forschung

geht heute davon aus, dass stabile Kooperationsbeziehungen zwischen den Unternehmen

einer Region und den dortigen Hochschulen in besonderem Maße innovations- und wachstumsfördernd

sind. Sollen sich sogenannte Innovationsnetzwerke in einer Region bilden, sind

Hochschulen als Wissensträger ein unverzichtbarer Bestandteil.

5 Das Kultusministerium hat 2001 Forschungsprojekte zu folgenden Themen gefördert:

• ”Ökonomische Analyse der Wirkung und Effekte der Forschungsförderung im Land Sachsen-Anhalt” (V.: Prof. Weimann,

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

• “Was bringt die Wissenschaft für die Wirtschaft in einer Region” – Eine Untersuchung am Beispiel der Hochschulen und

Forschungseinrichtungen in der Region (V.: Prof. Rosenfeld Halle, Institut für Wirtschaftsforschung)

• Regionale Entwicklungsimpulse von Hochschulen – Wirkungen und Effekte der Hochschulen Harz und Anhalt mit ihren

Standorten Wernigerode, Halberstadt, Köthen, Bernburg und Dessau (V.: Prof. Assenmacher, Hochschule Harz (FH))


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 32

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig der dargestellte Austausch zwischen

Hochschule und Wirtschaft gerade auch für strukturschwache Regionen ist. Sachsen-Anhalt

als Untersuchungsregion weist im Vergleich zu den alten Bundesländern, aber auch im Vergleich

zu einigen neuen Länder noch immer erhebliche Infrastrukturdefizite auf. Um so wichtiger

ist die Bildung von Humankapital an Hochschulen und die Produktion von Wissen als

Voraussetzung für Innovationen.

Die Förderung der Hochschullandschaft ist wesentliche Voraussetzung für eine Innovationspolitik.

Die Forschungspotentiale der Hochschulen spielen in den bestehenden Innovationsverbünden

und der Herausbildung von Innovationszentren eine wichtige Rolle. Insofern wird

der Prozess der Konzentrierung, Profilierung und Schwerpunktbildung an den Hochschulen

wesentlich die Leistungsfähigkeit von Innovationsclustern bestimmen und diese selbst zu

einer Schwerpunktbildung führen. Das wird das Spektrum der Innovationsfelder notwendigerweise

einengen, aber die Leistungsfähigkeit der auf Schwerpunkt basierenden Innovationscluster

erhöhen Die Kooperationspotentiale der Hochschulen scheinen noch nicht im vollen

Maße ausgenutzt; das gilt weitaus stärker für die Kooperation in Clustern, die über den

Hochschulbereich hinauswirken. Dies ist künftig stärker zu nutzen.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 33

6. Umsetzung

Die Strukturmaßnahmen sind in einem komplexen und sicher nicht leicht zu bewerkstelligenden

Prozess umzusetzen. Nur dann wird die Hochschullandschaft das dargestellte Profil gewinnen

und unter dem gegebenen Finanzierungsniveau die erwartete Leistung erbringen.

Die Ziele der Umsetzungsmaßnahmen sind oben im Einzelnen dargelegt. Die Hochschulen

haben sich in den Zielvereinbarungen verpflichtet, sich an der Umsetzung des Hochschulstrukturplans

mit folgenden Maßnahmen zu beteiligen:

Mitwirkung an einem mit den Hochschulen abgestimmten Hochschulstrukturkonzept

Vorlage eines verbindlichen Zeit- und Maßnahmeplans jeder Hochschule

Nachweis der zeitgerechten Umsetzung durch die Hochschulen

Diese Maßnahmen sind die Voraussetzung für die Zuweisung zentral veranschlagter Mittel

für die Hochschulen (“plus x – Mittel”). Die Verpflichtung zur Mitwirkung der Hochschulen an

der Umsetzung des Hochschulstrukturplans des Landes wurde durch den Landtag im Haushaltsgesetz

2003 festgeschrieben.

Die Rektoren haben trotz verständlicher Vorbehalte gegenüber der Budgetkürzung versichert,

an der Umsetzung einer vom Kultusministerium vorgegebenen Hochschulstrukturplanung

mitzuwirken, da die Limitierung der Budgets ab 2006 ohne strukturelle Maßnahmen die

Leistungsfähigkeit der Hochschulen unkalkulierbar einschränken würde. Den flankierenden

personalwirtschaftlichen Maßnahmen kommt bei einem Budgetanteil der Personalkosten von

ca. 80% in der Umsetzung prioritäre Bedeutung zu. Aus diesem Grunde ist die Bearbeitung

personalwirtschaftlicher Maßnahmen aller Hochschulen gemeinsam mit dem Kultusministerium

zu bündeln und in die Gesamtstrategie des Landes zur Reduzierung von Personalstellen

im öffentlichen Dienst des Landes einzubeziehen.

6.1 Entwicklung der Rahmenbedingungen

Die Strukturmaßnahmen berücksichtigen u.a. die demographische Entwicklung der Studienanfänger

ab 2008 (theoretisch steht eine Abnahme auf etwa 65% der Werte von 2003 bevor).

Obwohl die Studienanfängerzahlen in den nächsten Jahren (2004 bis 2007) noch ansteigen

werden, müssen die Strukturen der Hochschulen – und wegen der Langfristigkeit der Entscheidungen

insbesondere die Personalstruktur – bereits jetzt auf die Reduzierung der

Nachfrage eingestellt werden. Für die Jahre 2004 bis 2007 muss dafür ein gewisses Maß an

Überlast in Kauf genommen werden, das aber Maximalwerte anderer deutscher Universitäten

nicht erreichen wird.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 34

Die Entwicklung der Finanzlage des Landes erlaubt es nicht, die Hochschulen von den erforderlichen

Konsolidierungsmaßnahmen auszunehmen. Deshalb ist die Reduzierung der

Hochschulbudgets um insgesamt 10% bis zum Jahre 2006 nicht abzuwenden, sie ist mit dem

ohnehin nach 12 Jahren Hochschulentwicklung des Landes erforderlichen Strukturmaßnahmen

auf der Basis einer kritischen Analyse der Leistungsbilanzen der Hochschulen in Koinzidenz

zu bringen.

6.2 Personalwirtschaftliche Maßnahmen

Die vorgegebenen strukturellen Maßnahmen können in einem kommunikativen Prozess zwischen

den Hochschulen und dem Kultusministerium (Anpassung der Zielvereinbarungen)

weiter optimiert werden. Die rechnerisch vorgegebene Reduzierung der Budgets muss jedoch

eingehalten werden.

Die sich hieraus notwendigerweise ergebenden personalwirtschaftlichen Maßnahmen müssen

von den Hochschulen eigenverantwortlich vorbereitet werden (Strukturentscheidung

durch die Rektoren als Dienstvorgesetzte und durch Senatsbeschlüsse; Sozialauswahl etc.).

Ziel der Personalmaßnahmen und der strukturellen Umgestaltung muss eine flexiblere Personalstruktur

der Hochschulen sein, die den Herausforderungen zukünftiger Nachfrageschwankungen

besser begegnen kann. Bei der Durchsetzung sind wirksame Methoden der

Begleitung durch das Kultusministerium zu entwickeln (das Kultusministerium hat bereits eine

Task Force “Personalentwicklung” gebildet; die Landesrektorenkonferenz ist einzubeziehen;

Vorbereitung von Abstimmungen auf verschiedenen Ebenen der Landesverwaltung sind vorzubereiten;

Einbeziehung der Personalvertretungen; des Personal Service Centers, etc.).

Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht auszuschließen, alle sonstigen Möglichkeiten eines

sozialverträglichen Stellenabbaus sind jedoch grundsätzlich einzubeziehen, wie sie auch für

den übrigen Bereich der Landesverwaltung gelten (Altersteilzeitregelungen, Abfindungen,

Versetzungen in andere Bereiche der Landesverwaltung, Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand,

tarifliche Arbeitszeitverkürzungen, etc.).

6.3 Zeitablauf

1. Phase (2003 bis 2004): Vorbereitung detaillierter struktureller und personalwirtschaftlicher

Maßnahmen auf der Basis des Kabinettsbeschlusses zu einer Hochschulstrukturplanung

(Fusion oder Schließung von Struktureinheiten und Studiengängen, Verwaltungsreform,

Kooperationsverträge, Verträge mit den Gewerkschaften bzw. Übereinkünfte mit Personalvertretungen

etc.). Festlegungen zum Verteilungsmodus - und der notwendigen Voraussetzungen

- für die Verteilung von X % des Budgets 2003 in den Jahren 2004 und 2005 werden


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 35

nach Abstimmung mit dem Finanzministerium der Landesregierung zur Entscheidung vorgelegt.

Das Abbaukonzept wird im Rahmen der Strukturmaßnahmen entwickelt.

2. Phase (2005 bis 2006): Mit der Haushaltsplanaufstellung 2005/2006 (voraussichtlich

Doppelhaushalt) ist der konkrete Stand des Umsetzungs- und Maßnahmeplanes hochschulkonkret

auszuweisen (Umsetzung der für die Erreichung der Einsparziele erforderlichen Personalmaßnahmen).

3. Phase (2007 bis 2008): Vollständige Umsetzung der verbliebenen Personalmaßnahmen

im Rahmen des mittelfristigen Abschlusses der Strukturmaßnahmen (Detailfestlegungen in

Zielvereinbarungen).

Ab dem Jahr 2008 ist der absehbaren Entwicklung der Studierendenzahlen durch geeignete

Maßnahmen der Strukturanpassung zu entsprechen. Bis dahin sind die Verfahren der externen

bzw. internen Mittelzuweisungen so zu qualifizieren, dass sie diese Strukturanpassung

flankieren können.

6.4 Akteure

Für die Umsetzungsmaßnahmen ist ein Netzwerk der handelnden Akteure zu bilden, das es

erlaubt, jederzeit Fallgruppen und Einzelfälle der Umsetzung der Strukturplanung kurzfristig

zu analysieren und Lösungsvarianten zu präsentieren. Eine wichtige Rolle kommt hierbei der

Landesrektorenkonferenz als Plattform der hochschulübergreifenden Abstimmung zu, da das

Ziel der Maßnahmen, die hochschulübergreifende Profilierung und Schwerpunktbildung

durch Koordination, Kooperation und Konzentration der Potenziale der Einzelhochschulen

erreicht werden soll. Als wichtigste Akteure im Prozess der Umsetzungen seien genannt:





Kultusministerium (Strukturkonzept, Personalmaßnahmen, Rechtssetzungen, Haushalt...)

Kabinett (Beschlüsse, Ressortabstimmungen, Anpassungen und Nachsteuerungen...)

Landtag (Gesetzgebungsverfahren, Öffentlichkeit, Anhörungen...)

Hochschulen (Gremienbeschlüsse, Gruppenvertretungen, Verwaltung...)

Landesrektorenkonferenz (Koordination und Moderation hochschulübergreifender Maßnahmen)



Personalvertretungen (ÖPR; AHPR; Gewerkschaften; Abstimmungen, Verträge...)

gleichstellungspolitische Akteurinnen und Akteure

Außerhochschulische Forschungseinrichtungen (Abstimmungen zu spezifischen Bedarfen;

gemeinsame Schwerpunktsetzungen; Übernahme von geeignetem Personal...)


Wirtschaftsvertreter


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 36

6.5 Flankierende Maßnahmen

Bis zum Oktober 2003 haben die Hochschulen ihre Hochschulentwicklungspläne gemäß §

116 Abs. 4 Satz 3 HSG LSA den neuen Erfordernissen anzupassen und (Vorwort zum Einzelplan

06 des Haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2003 Buchst. D, Ziff. 6.1) einen Zeitund

Maßnahmeplan für die Umsetzungen vorzulegen. Das Kultusministerium erstellt daraus

einen Gesamtplan und legt ihn der Landesregierung im Rahmen der für Oktober 2003 erneut

vorgesehenen Kabinettsbefassung vor. Das Kultusministerium unterrichtet die Landesregierung

halbjährlich über den Stand der Umsetzung. Bis zum Oktober 2003 sind die Zielvereinbarungen

zu aktualisieren bzw. durch Anlagen zu präzisieren, dass die Umsetzungsmaßnahmen

des Hochschulstrukturplans des Landes aufgenommen werden. Als Grundlage

hierfür dient die Zustimmung der Hochschulen in den Zielvereinbarungen zur Mitwirkung am

Strukturierungsprozess. Die Mitwirkungen sind erfolgsorientierte Handlungen, die nur dann

zu einer Zuweisung von „plus x“-Mitteln führen können, wenn die Einsparungen ab 2006

auch nachvollziehbar zu erwarten sind. Die Anlage zur Zielvereinbarung sollte bis zur Erzielung

der für die jeweilige Hochschule zu erbringenden Reduzierungssumme zumindest folgende

Maßnahmen enthalten:


Prioritätensetzung von Berufungen (Wettbewerbsfähigkeit der Schwerpunkte)

Keine automatische Neubesetzung der durch Ruhestand frei werdenden Professuren

(außerhalb der Schwerpunkte zeitweilig Überschreitung der üblichen Anteile von Lehraufträgen)




Immatrikulationsstop für auslaufende Studiengänge

Einstellungsstop der Hochschulen (Ausnahmen für Schwerpunktbereiche)

Investitionsstop (Ausnahmen für Schwerpunktbereiche)

Installation von Anreizsystemen bei Überschreitung der Reduzierung von 10%



Anpassung der HBFG-Planung (34. Rahmenplan) an die neue Hochschulstrukturplanung

Freigabe von EFRE-Mitteln nur für Schwerpunktbereiche

6.6 Controlling

Die Umsetzung der Strukturmaßnahmen erfordert den Ausbau geeigneter controlling-

Instrumente an den Hochschulen und zwischen Hochschulen und Kultusministerium (Hochschulstrukturplanung

des Landes, Entwicklungspläne der Hochschulen, Budgetermittlungsverfahren,

Zielvereinbarungen, Kostenrechnung, Berichterstattung). Einzelne Schritte der

Umsetzung der Strukturplanung erfolgen über den Abschluss aktualisierter Zielvereinbarungen.

Das oben vorgestellte Bemessungsmodell (Planung) sowie die auf gleicher Grundlage

entwickelte Budgetermittlung (Budgetierung) werden schrittweise zu einem einheitlichen

Controlling-Instrument für alle Hochschulen ausgebaut. Dadurch sind die Perspektiven der


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 37

Hochschulplanung mit denen der Budgetierung und Haushaltsführung zu vereinen. Dies wird

die Steuerungsmöglichkeiten des Kultusministeriums zur Verfolgung des Ziels einer abgestimmten

Hochschulplanung angemessen verbessern und von der Detailsteuerung fort- und

zur strategischen Steuerung hinführen. Schon etablierte, im Zusammenwirken von Kultusministerium

und Hochschulen zu verbessernde Instrumente dieses Controlling sind:









Hochschulplanung des Landes (Kultusministerium)

Hochschulentwicklungspläne (Hochschulen)

Hochschulbauplanung (Hochschulen, Kultusministerium, Bund, EU)

Budgetermittlung/Budgetzuweisung (Hochschulen, Kultusministerium)

Zielvereinbarung (Hochschulen, Kultusministerium)

Integrative Mittelzuweisung (Kultusministerium, LRK)

Qualitätsmanagement (Hochschulen, Kultusministerium, Evaluierungsagenturen)

Berichtswesen (Hochschulen, Kultusministerium, Parlament)

Von entscheidender Bedeutung wird bei der Prozesssteuerung die Weiterentwicklung der

Elemente des Zusammenwirkens von Hochschulen und Kultusministerium sein.

6.7 Hochschulgesetzgebung

Die wichtigsten Eckwerte der Neustrukturierung der Hochschullandschaft Sachsen-Anhalts

sollen in einem Hochschulstrukturgesetz (HSStrG) zusammengefasst werden, um den

Rechtsrahmen für die Entwicklung der nächsten Jahre zu setzen. Parallel dazu werden aktuelle

hochschulpolitische Entwicklungen durch eine Novellierung des Hochschulgesetzes des

Landes (HSG LSA) zu berücksichtigen sein.


Hochschulstrukturplanung des Landes Sachsen-Anhalt 38

Anlagen

1. Planungsanstoß des Kultusministers vom 17. April 2003

2. Bericht des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Hochschulstrukturen vom 9. Juli 2003

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