AZ-Beilage - Johannes Gutenberg-Universität Mainz

uni.mainz.de

AZ-Beilage - Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Im Wissensaustausch mit Gesellschaft und Wirtschaft


2

INHALT

Die Johannes Gutenberg-Universität schreibt Erfolgsgeschichte:

Für Mainz ist sie ein wichtiger Dreh- und

Angelpunkt der Wissenschaftslandschaft. Als eine der

zehn größten Universitäten Deutschlands prägt sie

aber auch die rheinland-pfälzische Wissenschaft und

setzt bundesweit Akzente: Dass sie als einzige Universität

des gesamten rhein-Main-Gebietes mit einem

Zukunftskonzept noch im Exzellenzwettbewerb

vertreten ist, ist dafür nur ein Beispiel. Erfolg misst

sich aber auch daran, wie gut sich Forschung für eine

Gesellschaft übersetzen lässt. Und auch hier gilt: Die

Universität beherrscht die Klaviatur des Wissens- und

Technologietransfers auf allen Ebenen. Ob bei der

Umsetzung von Forschung in innovative Produkte.

Oder wenn es gilt, Menschen von der frühen Kindheit

an bis zum Seniorenalter für Wissenschaft zu begeistern.

Entfalten können sich Projekte nicht zuletzt, weil

die Mainzer Universität in der region bestens vernetzt

ist. Wir haben 2011 mit der „Stadt der Wissenschaft“

erlebt, welche Kraft von solchen Verbünden ausgehen

kann, und ich bin sicher, dass die Universität daran

auch in Zukunft erfolgreich anknüpfen wird. Die Landesregierung

wird sie dabei gerne unterstützen.

GUTENBERG-CAMPUS FÜR WISSEN UND KULTUR:

WISSENSKULTUR ETABLIEREN 4 – 9

Studium generale

Blick weiten, Wissen vertiefen 5

Botanischer Garten Mainz

ruhe und Inspiration gratis 6

Kunsthochschule Mainz

Das kann sich sehen lassen 6

Hochschule für Musik Mainz

Von wegen „alte“ Musik! 7

Universität im Rathaus

Vom Campus in die Stadt 8

Naturhistorisches Museum

Klimawandel zum Anfassen 9

Geographie für Alle

Stadtführungen und mehr 9

Impressum:

Doris Ahnen, Ministerin

für Bildung, Wissenschaft,

Weiterbildung und Kultur

Foto: MBWWK

Herausgeber: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)

Verantwortlich für den Inhalt: Prof. Dr. Georg Krausch,

Präsident der JGU (V.i.S.d.P.)

Konzeption: Petra Giegerich,

Leitung Kommunikation und Presse der JGU

redaktion: Jonas Siehoff,

Kommunikation und Presse der JGU

Autoren: Andreas Schröder, Jonas Siehoff

Produktion: TOPAS Verlagsservice GmbH,

Dr. Heidrun Braun

Hindemithstraße 29, 55127 Mainz

Titel: Thomas Heid

Layout: Daniela Cattaruzza

Erscheinungsdatum: 21. April 2012

Druck: Druckzentrum rhein Main GmbH & Co. KG,

Alexander-Flemming-ring 2, 65428 rüsselsheim

Aufl age: 250.000

JUNIOR CAMPUS MAINZ: INTERESSEN WECKEN,

BEGABUNGEN FÖRDERN 10 – 17

NaT-Lab

Magnet für Kinder und Jugendliche 11

JungeMedienWerkstatt

Text, Bild und Ton 12

Musikalische KinderUni

Klatschen, Trommeln, Stampfen 12

Grüne Schule

Die pfl anzliche Vielfalt begreifen 13

Schülerangebote der FH

Spielerischer Weg in die Praxis 13

Frühstudium

Freiheit und Orientierung 14

Lehrkräftefortbildung

Forschung für den Unterricht 15

Lehrergesundheit

Neues Institut 15

Transferstelle Bildung

Win-win-Situation 16

Ferienprojekt „DenkSport“

Mathe in Bewegung 17


3

Fotos: Thomas Hartmann Fotodesign, www.hartmann-fotodesign.de

WISSENSCHAFTLICHE WEITERBILDUNG:

WISSEN PRAXISNAH AKTUALISIEREN,

VERTIEFEN UND ERGÄNZEN 18 – 23

Kontaktstudiengänge

Fundiert dazulernen 19

Angebote für Unternehmen

Maßgeschneiderte Fortbildungen 20

Bildung im Justizvollzug

Der Weg zurück 21

Werkstattgespräche

Zivilgesellschaft und Ehrenamt 22

Studieren 50 Plus

Programm für Senioren 23

TECHNOLOGIETRANSFER:

ERFOLGREICH KOOPERIEREN UND VERNETZEN 24 – 31

Translationale Onkologie

Von der Idee zur Therapie 25

Technologieplattformen

„Die Praxis ist sehr inspirierend“ 26

Kooperation mit IBM und SCHOTT

Den Atomen auf der Spur 27

Institut für Mikrotechnik Mainz

Von der Wissenschaft zur Wirtschaft 28

Transfercafé

Auf den Mittelstand zugehen 28

Institut für Molekulare Biologie

Ein großer Wurf für Mainz 29

Institut für Edelsteinforschung

Lupenreine Ergebnisse 30

Zukunftsbeirat Medien

Trends der Branche früh erkennen 31

Gesundheitsschutz in der BASF

Medizinstudenten im Chemiewerk 31

Spitzenforschung benötigt ein gesellschaftliches

und politisches Umfeld, das

sie unterstützt. Zudem lebt Spitzenforschung

davon, gesellschaftliche Herausforderungen

früh zu identifi zieren und

zu deren Bewältigung beizutragen. Die

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

versteht sich als integraler Bestandteil

der Gesellschaft, mit der sie eng und vertrauensvoll

zusammenarbeitet, und sieht

im Wissensaustausch mit ihr eine zentrale

Aufgabe für die Gegenwart und die

Zukunft. Dieser Austausch umfasst unter

anderem die Bereiche des lebenslangen

Lernens, die Arbeit an der Schnittstelle

zwischen Schule und Hochschule und

den zügigen Wissens- und Technologietransfer.

Als offene Universität bieten wir

der gesamten Bevölkerung ein einmaliges

Portfolio der Wissensvermittlung,

das weit über die üblichen populärwissenschaftlichen

Formate hinausgeht.

Der Erfolg im Wettbewerb um den Titel

„Stadt der Wissenschaft“ ist auch der

Lohn für eine intensive und ideenreiche

Zusammenarbeit mit der MAINZEr

WISSENSCHAFTSALLIANZ, der Stadt

Mainz und dem Ministerium für Bildung,

Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur,

den wir als Impuls für ein tiefer gehendes

Miteinander begreifen – mit der strategischen

Ausrichtung, durch eine gelebte

Wissenskultur eine nachhaltige Verbesserung

der Lebensbedingungen aller Teile

der Bevölkerung zu bewirken.

Professor Dr. Georg Krausch,

Präsident der Johannes

Gutenberg-Universität Mainz

Foto: Thomas Hartmann


Offen für

4

BÜrGErINNEN UND BÜrGEr

gutenberg-campus für wissen und kultur:

wissenskultur etablieren

Die Johannes Gutenberg-Universität

Mainz versteht sich als „offene Universität“

(civic university). Nicht nur ihren

rund 37.000 Studierenden aus mehr

als 130 Nationen möchte sie Wissen

anschaulich vermitteln, sondern allen

Bürgerinnen und Bürgern – vom Kleinkind

bis zum Senior.

Der Gutenberg-Campus ist ein Ort lebendiger

akademischer Kultur. Jährlich

50.000 Besucherinnen und Besucher

zählt der Botanische Garten, 20.000

das Studium generale und 15.000 die

Hochschule für Musik. Weitere Tausende

besuchen die Vorlesungen der Johannes

Gutenberg-Stifungsprofessur.

Zu Gutenbergs Zeiten im Jahr 1477 gegründet

und nach 150-jähriger Pause

1946 wiedereröffnet, ist die Universität

Mainz dem Vorbild ihres Namensgebers

bis heute verpfl ichtet: Innovative Ideen

zu fördern; Wissen zu nutzen, um den

Zugang zu Bildung und Wissenschaft

zu verbessern; Menschen zu bewegen,

die vielfältigen Grenzen zu überschreiten,

denen sie täglich begegnen – das

ist der Anspruch, dem sich die Johannes

Gutenberg-Universität Mainz stellt.

The Gutenberg Spirit: Moving

Minds – Crossing Boundaries

www.uni-mainz.de

Wissenschaft zum Mitmachen bei der Ausstellung Spektrale 2011.

Foto: Uwe Feuerbach


5

den blick weiten, das wissen vertiefen

das studium generale der JGU zieht jährlich rund 20.000 besucher auf den campus

Der Paläoanthropologe Prof. Dr. Friedemann Schrenk ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2012.

Das Studium generale

der Johannes

Gutenberg-Universität

Mainz (JGU) ist

eine der ältesten

Einrichtungen ihrer Art in der Bundesrepublik.

Schon in den 1950er-Jahren

lautete ihr Ziel, Studierenden und interessierten

Bürgerinnen und Bürgern

eine „Weitung des Blicks, Vertiefung

des Wissens und persönliche und politische

Bildung“ zu ermöglichen. Daran

hat sich bis heute nichts geändert.

„In unseren Veranstaltungsreihen wird

eine Thematik aus den Perspektiven

unterschiedlicher Disziplinen betrachtet“,

sagt Prof. Dr. Andreas Cesana,

Leiter des Studium generale der JGU,

über eine grundlegende Gemeinsamkeit

der einzelnen Angebote. Der interdisziplinäre

Ansatz sei notwendig, um

dem Publikum auch komplexe Fragen

der Gegenwart verständlich darstellen

zu können. Zum Beispiel hat das

Problem des Hungers in der Welt viele

Dimensionen: politische, wirtschaftliche

und ökologische, ethische und

Prof. Dr. Andreas Cesana, Leiter des Studium

generale der JGU. Foto: Peter Pulkowski

medizinische. Um ein solches Themenfeld

vertiefend analysieren zu können,

reicht die Fachkenntnis der Spezialisten

nicht mehr aus, ein weiterer Blick

ist notwendig. „Wir möchten mit

unserem fächerübergreifenden Veranstaltungsprogramm

zur Schulung von

interdisziplinärer Kompetenz beitragen“,

sagt Cesana.

Kern des Programms sind öffentliche

Vorlesungsreihen und begleitende

Übungen für die Studierenden zu

Themenschwerpunkten, die von Semester

zu Semester wechseln. In der

Vorlesungszeit 2012 widmet sich

das Studium generale den Fragestellungen

„Wer ist Ich?“ und „Konflikt

Foto: Volker Weihbold, OÖ Nachrichten

und Ethik“. Höhepunkte sind immer

wieder die Kolloquienreihe „Mainzer

Universitätsgespräche“ und die Vorlesungsreihe

der „Johannes Gutenberg-

Stiftungsprofessur“, die jeweils im

Sommersemester Tausende Menschen

aus Stadt und Region auf den Campus

zieht.

Ab dem 24. April wird Stiftungsprofessor

Dr. Friedemann Schrenk

an zehn Abenden mit international

renommierten Gästen wie Meave

Leakey vom Turkana Basin Institute

in Kenia zum Thema „Out of

Africa: Zur Globalgeschichte des

Homo sapiens“ sprechen.

Kontakt

Prof. Dr. Andreas Cesana

Studium generale

Tel: 06131 39-22660

E-Mail: cesana@uni-mainz.de

Im Netz

www.studgen.uni-mainz.de

www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de

Foto: Bistum Mainz

„Die Universität Mainz

ist 1946 wiedergegründet

worden. Man

musste sich die städtische

Beheimatung und

den Kontext vor Ort erst

schaffen. Dies ist vor

allem durch die gute

Zusammenarbeit mit der

Wirtschaft, dem Handel

und den Medien gelungen.

Dazu gehört auch

die vor zwölf Jahren

eingerichtete Stiftungsprofessur.

Durch die

großzügige Förderung

ist es möglich, namhafte

Experten einzuladen.

Die Teilnehmer aus

der weiten Umgebung

nehmen das Angebot

eindrucksvoll wahr und

helfen so dem Wissenstransfer

vom Campus

der Universität zur Stadt

und darüber hinaus.“

Karl Kardinal Lehmann,

Bischof von Mainz, Inhaber

der Johannes Gutenberg-

Stiftungsprofessur 2009,

„Weltreligionen“


Offen für

6

Bürgerinnen und bürger

Ruhe und Inspiration gratis

Der Botanische Garten Mainz mit seinen neuntausend Pflanzenarten steht jedermann offen

Fakten und Termine

Der Botanische Garten Mainz ist

ganzjährig geöffnet. Er erstreckt sich

über rund 90.000 Quadratmeter und

gliedert sich in die fünf größeren Bereiche

Freiland (Pflanzen nach Verwandtschaft

oder geographischer Herkunft

sortiert), Biologische Abteilung (nach

Lebensformen sortiert), Arboretum

(Bäume und Sträucher), Alpinum

(Gebirgspflanzen) und Gewächshäuser.

Aufgrund des milden Klimas in Mainz

zählt das Arboretum zu den artenreichsten

in Deutschland. Rund 50.000

Menschen besuchen den Garten pro

Jahr, der Eintritt ist frei. Veranstaltungshöhepunkte

in diesem Jahr sind

die Themenwoche „Nachwachsende

Rohstoffe“ vom 10. bis zum 15. Juni

und das Sommerfest mit Pflanzenbasar

am 19. August.

Kontakt

Dr. Ralf Omlor

Botanischer Garten Mainz

Tel: 06131 39-22628

E-Mail: omlor@uni-mainz.de

Im Netz

www.botgarten.uni-mainz.de

Hier kann man

eine unglaubliche

Fülle an Pflanzen

entdecken und

viel über deren

Bedeutung erfahren“,

sagt Dr. Ralf Omlor, Kustos

des Botanischen Gartens der Johannes

Gutenberg-Universität. Die in den

vergangenen Jahren aufwendig umgestaltete,

parkähnliche Anlage am

Auf Entdeckungstour im Gewächshaus.

Rande des Campus wird nicht nur von

vielen Menschen gern in der Freizeit

besucht, sondern hat als Ort der Ruhe

und der Inspiration auch im Alltag

vieler Studierender und Beschäftigter

der Universität ihren festen Platz. Die

strenge Geometrie der Beete, in denen

die Pflanzen systematisch angeordnet

sind, die naturnahen Steppenrasen,

die Blumenrabatten entlang des

Hauptweges oder die bizarren Reihen

Foto: Thomas Hartmann

der Kakteen und Sukkulenten in den

Gewächshäusern – das alles trägt zu

einer ganz besonderen Ästhetik bei.

„Aufgabe des Gartens ist es, einen

möglichst breiten Querschnitt der

Pflanzenwelt der Erde zu zeigen“,

sagt Omlor. Rund neuntausend Arten

umfasst das lebende Museum – von

unscheinbaren Moosen über farbenprächtige

Orchideen bis zu gigantischen

Mammutbäumen. Ein Fokus

liegt auf den Gewächsen der Region,

zum Beispiel denen des Naturschutzgebiets

Mainzer Sand“. Das Wissen

über diese Vielfalt vermittelt unter anderem

die vor zwei Jahren eingerichtete

„Grüne Schule im Botanischen

Garten“ (siehe Seite 13). Außerdem

gibt es regelmäßige Führungen und

andere Veranstaltungen (siehe „Fakten

und Termine“). Auch die Bildende

Kunst hat ihren Platz: Skulpturen von

Rheinhold Petermann und Anne Kuprat,

die aus dem Freundeskreis des

Botanischen Gartens gestiftet wurden,

verdeutlichen die enge Verbundenheit

und Dankbarkeit vieler Bürgerinnen

und Bürger mit „ihrem“ Garten.

Das kann sich sehen lassen

Studierende der kunsthochschule Mainz stellen regelmässig in der kunsthalle aus

Auch die Kunsthochschule

an

der Johannes

Gutenberg-Universität

Mainz

bietet regelmäßig

Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit

an. An erster Stelle zu nennen

ist der „Rundgang“, die jährliche

Gesamtausstellung der Studierenden,

die jeweils zum Ende des Wintersemesters

stattfindet. In Kooperation mit

der Stiftung Kunsthalle Mainz werden

unter dem Motto „fail better“ jährlich

Foto: Kunsthochschule Mainz

jurierte Studierendenausstellungen

in der Kunsthalle gezeigt (Termin in

2012 noch offen). Das Ludwig Museum

Koblenz führt in diesem Jahr unter

dem Titel „malerei2020peinture“

Arbeiten von Professoren und Studierenden

der Kunsthochschulen Mainz

und Toulouse (29.04. bis 17.06.)

zusammen. Außerdem beteiligt sich

die Kunsthochschule Mainz an der

Mainzer Museumsnacht“ (16.06.)

und organisiert Ausstellungen und

Filmpräsentationen im eigenen Haus

oder im städtischen Umfeld. Vorträge

und Gastveranstaltungen, in denen

Kunstkritiker und Lehrende von anderen

Hochschulen zu Wort kommen,

runden das Programm ab.

Kontakt

Dr. Justus Jonas

Kunsthochschule Mainz

Tel: 06131 39-36559

E-Mail: jjonas@uni-mainz.de

Im Netz

www.afbk-mainz.de


7

von wegen „alte“ musik!

„Barock vokal“ bietet den Studierenden die Möglichkeit zum Austausch mit international renommierten Musikern.

Foto: Thomas Hartmann

DIE TEILNEHMErINNEN UND TEILNEHMEr DEr WEITErBILDUNG „BArOCK VOKAL“

DEMONSTrIErEN AUF ÖFFENTLICHEN KONZErTEN IHr ExZELLENTES KÖNNEN

Veranstaltungen der Hochschule

für Musik Mainz

Die Hochschule für Musik Mainz an

der Johannes Gutenberg-Universität

ist die einzige Musikhochschule in

Rheinland-Pfalz. Sie präsentiert sich in

jährlich rund 240 Veranstaltungen der

Öffentlichkeit. Hier einige Höhepunkte

der aktuellen Saison:

|| Treffpunkt Jazz! Veranstaltungsreihe

mit der Stadt Mainz im Frankfurter

Hof (26. April, 29. Mai, 30. Juni)

|| Acis and Galatea. Oratorium von

Georg Friedrich Händel. Barock vokal,

Leitung Wolfgang Katschner (5. Mai,

Staatstheater Mainz, Kleines Haus)

|| Die Königin lässt bitten … Orgelmusik

auf dem Campus. Gastdozent

Daniel roth (Paris) an der Goll-Orgel

(5. Juni, Orgelsaal der Hochschule für

Musik)

|| Sinfoniekonzert des Hochschulorchesters.

Leitung Wolfram Koloseus

(10. Juni, Kurfürstliches Schloss)

Im Netz

www.hfm-mainz.de

www.facebook.com/hfm.mainz

Es gibt viele gute

Sängerinnen und

Sänger. In diesem

Wettbewerb kann

eine Spezialisierung

gerade für Berufsanfänger

den entscheidenden Vorteil

bringen“, sagt Prof. Claudia Eder,

künstlerische Leiterin des neuen Exzellenzprogramms

„Barock vokal“

der Hochschule für Musik an der Johannes

Gutenberg-Universität. Das

Weiterbildungsangebot bietet fortgeschrittenen

Gesangstudierenden

aller Musikhochschulen sowie jungen

Opern- und Konzertsängern die Möglichkeit,

sich wissenschaftlich und

künstlerisch mit der Musik des Barock,

der Frühklassik und der Klassik

auseinanderzusetzen.

International renommierte Künstler

wie Andreas Scholl, Jed Wentz oder

Ton Koopman unterrichten als „Artists

in residence“ die Teilnehmer,

die sich für „Barock vokal“ qualifi -

ziert haben. In mehreren Arbeitspha-

sen pro Studienjahr, die berufs- und

studienbegleitend besucht werden

können, erarbeiten sich diese „High

Potentials“ aus dem In- und Ausland

Werke aus Barock und Klassik und

stellen diese der Öffentlichkeit vor

(siehe „Veranstaltungen“). Claudia

Eder ist überzeugt, dass die Teilnahme

an dem Kontaktstudium „Barock Vokal“

die Chancen der jungen Künstler

erhöht, nicht zuletzt aufgrund der

steigenden Bedeutung der Werke aus

der Zeit des Barock in den Opern- und

Konzerthäusern.

Schon heute ist „Barock vokal“ ein

Aushängeschild der Hochschule für

Musik, ist Claudia Eder überzeugt.

„Unser Angebot ist einzigartig. Das

gibt es an keiner anderen Hochschule

in der Bundesrepublik.“ Das

Exzellenzprogramm treibt die Vernetzung

von Hochschulausbildung und

Berufsmarkt weiter voran. In Mainz

profi tiere man nicht nur von den

Absolventen, die als Botschafter für

die Qualität der Ausbildung in der

rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt

werben, sondern auch von den

Einfl üssen, welche die Gastdozenten

an die Hochschule für Musik bringen.

„Alleine die Gelegenheit, mit Persönlichkeiten

von diesem künstlerischen

rang zu arbeiten, ermöglicht Chancen“,

unterstreicht Eder.

Kontakt

Dr. Carolin Lauer

Hochschule für Musik Mainz

Tel: 06131 39-22546

E-Mail: barockvokal@uni-mainz.de

Im Netz

www.barockvokal.de


Offen für

8

Bürgerinnen und Bürger

Vom Campus in die stadt

Seit mehr als 30 Jahren bietet die „Universität im Rathaus“ Einblicke in die Forschung an der

Johannes Gutenberg-Universität – wie aktuell zur Geschichte von Rheinland-Pfalz

Briefmarken aus der Zeit der französischen Besatzung.

In diesem Jahr feiert Rheinland-Pfalz

sein 65-jähriges

Bestehen. Die Kommission

des Landtages für die Geschichte

des Landes hat zu

diesem Anlass ein dreibändiges

Geschichtswerk erarbeitet, das

zu den Feierlichkeiten erscheint. Unter

dem Titel „Kreuz, Rad, Löwe – Rheinland-Pfalz:

Ein Land und seine Geschichte“

spannt es einen Bogen von

den Kelten bis in die Gegenwart. Die

Bände zwei und drei werden am 14.

Mai feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt

(siehe „Kreuz, Rad, Löwe“). Die

Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“

bot im vergangenen Wintersemester

bereits die Gelegenheit, erste

Einblicke in das Werk zu erhalten.

Rheinland-Pfalz ist kein gewachsenes

Bundesland. Lange war das nach

Kontakt

Petra Giegerich

Johannes Gutenberg-Universität

Mainz

Tel: 06131 39-20047

E-Mail: petra.giegerich@

uni-mainz.de

Im Netz

www.universitaet-im-rathaus.

uni-mainz.de

dem Zweiten Weltkrieg vor allem aus

Teilen Hessens, Bayerns und Preußens

geschaffene Konstrukt einem Großteil

seiner Bewohner stark suspekt.

„1975 gab es die letzte Volksabstimmung

über eine Neugliederung des

Landes“, sagt Prof. Dr. Michael Kißener

vom Historischen Seminar der Johannes

Gutenberg-Universität Mainz.

Kißener ist Mitherausgeber des zweiten

Bandes von „Kreuz, Rad, Löwe“

und der stellvertretende Vorsitzende

der Kommission des Landtags für die

Geschichte des Landes.

Seitens der Kommission erhoffe man

sich von dem Projekt, „Rheinland-

Pfalz zusammenzudenken“, sagt

Kißener. Dabei gehe es nicht darum,

historische Gräben zwischen den Landesteilen

mit konstruierten Gemeinsamkeiten

zu füllen. Ähnliches sei

sowohl in Rheinland-Pfalz als auch

an anderer Stelle stets gescheitert.

„Kreuz, Rad, Löwe“ soll die Rheinland-Pfälzer

in den verschiedenen

Regionen über die eigene Geschichte

und die der Nachbarn informieren

und das Verständnis für Gemeinsamkeiten

und Unterschiede fördern. Für

Kißener und seine Kollegen in der

Geschichtsforschung hat das Projekt

auch wissenschaftliches Potenzial.

Wer sich heute mit der Historie des

Landes beschäftige, müsse sich aus

Monografien über Preußen, Bayern,

Fotos: Wikimedia Commons

Hessen oder das Deutsche Reich die

passenden Passagen heraussuchen.

„Diese Lücke werden wir schließen“,

sagt Kißener.

Universität im Rathaus

Seit mehr als 30 Jahren öffnet

die „Universität im Rathaus“

im Wintersemester Bürgerinnen

und Bürgern das Tor zur

Welt der Wissenschaft. In der

Vorlesungsreihe der Johannes

Gutenberg-Universität und

der Landeshauptstadt Mainz

berichten Forscherinnen und

Forscher jeweils dienstags aus

aktuellen Projekten und geben

damit einen Einblick in die

unterschiedlichen Disziplinen

der mehr als 150 Institute und

Kliniken der Hochschule. Die

nächste „Universität im Rathaus“

beginnt am 23. Oktober.

Thema: „Das Judentum in der

Moderne – Rabbiner Leo Trepp

zum Gedenken“.

Foto: Verlag Philipp von Zabern

„Kreuz, Rad, Löwe“

Die Vorstellung des Werkes

„Kreuz, Rad, Löwe – Rheinland-

Pfalz: Ein Land und seine Geschichte“

bildet den Auftakt zur

Feier des 65. Geburtstages von

Rheinland-Pfalz. Die Bände zwei

und drei werden am 14. Mai um

18 Uhr im Landtag unter Anwesenheit

des Ministerpräsidenten,

Kurt Beck, der Öffentlichkeit präsentiert.

Anmeldungen bei: Elke

Steinwand, Tel: 06131 208-2424,

E-Mail: Elke.Steinwand@

landtag.rlp.de.


9

klimawandel zum anfassen

Die universität mainz und das naturhistorische museum stellen gemeinsam aus

So lassen sich wissenschaftliche Zusammenhänge begreifen.

Das Klima der

Erde und die

Geschicke der

Menschheit sind

seit jeher miteinander

verbunden.

Über Millionen Jahre prägte das

Klima die Evolution der Menschen

und ihrer Urahnen. Heute drückt

auch der Homo sapiens der Erde und

ihrem Klima seinen Stempel auf. Mit

der im Dezember gestarteten Dauerausstellung

„Klimazeugen – 400

Millionen Jahre Dynamik und Wandel

in Rheinland-Pfalz“ wollen das

Naturhistorische Museum Mainz und

das Institut für Geowissenschaften

der Johannes Gutenberg-Universität

Mainz (JGU) den Besuchern zeigen,

welche Klimafaktoren es gibt und

was sie bewirken, und einen Einblick

in die klimatischen Veränderungen

der Region bieten.

Die „Klimazeugen“ sind die dritte

und letzte Ausstellung, die vom Naturhistorischen

Museum und der Universität

im Jahr „Mainz – Stadt der

Wissenschaft 2011“ auf den Weg

gebracht wurde. Schon die beiden vorigen

Ausstellungen, „Leiten, Leuchten,

Luxus“ – über den technischen

„Die Schichten

eines Stoßzahns

geben Auskunft

über das Klima

vor Millionen

von Jahren.“

Foto: Thomas Hartmann

Einsatz von Edelsteinen und Kristallen

– und „Nützen, Stützen, Schützen“ –

über Biomineralisation – lockten ein

breites Publikum in das Museum in

der Reichklarastraße.

Die Biomineralisation spielt auch bei

den „Klimazeugen“ eine wichtige

Rolle. „Beim Aufbau von organischer

Materie im Wechselspiel mit anorganischen

Kristallisaten oder bei der

Entstehung von Mineralien durch

die Lebensprozesse von Organismen

entstehen natürliche Archive, die

Auskunft über die Klimaentwicklung

vor vielen Millionen Jahren geben

können“, sagt Prof. Dr. Wolfgang

Hofmeister, Dekan des Fachbereichs

Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften

der JGU. Die Ringe eines

versteinerten Baumes oder die

Schichten eines Elefantenstoßzahns

sind bekannte Beispiele dafür. Aus der

Verteilung der Isotope in diesen „Klimazeugen“

erkennen Hofmeister und

seine Kollegen zum Beispiel, wie sich

der Elefant ernährt hat, und können

daraus auf seinen Lebensraum und

dessen Klima schließen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem

Naturhistorischen Museum und der

JGU ist über lange Zeit gewachsen.

Nach der Schließung der Universität

im 19. Jahrhundert bewahrte die Rheinische

Naturforschende Gesellschaft

die Sammlungen vieler Professoren

auf und hielt bis zur Neugründung

der Universität 1946 den Wissenschaftsstandort

Mainz am Leben. Die

Kooperation ist für beide Seiten von

praktischem Nutzen. „Universitäten

sind nicht in erster Linie Orte für

Sammlungen“, sagt Hofmeister. Kernaufgabe

von Einrichtungen wie dem

Naturhistorischen Museum sei hingegen

die Archivierung. Die Zusammenarbeit

zwischen Universität und

Museum ermögliche es beiden, sich

auf ihre eigentlichen Kompetenzen zu

konzentrieren und somit die Nachhaltigkeit

wissenschaftlichen Handelns

zu sichern.

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister

Johannes Gutenberg-Universität

Mainz

Tel: 06131 39-24365

E-Mail: hofmeister@uni-mainz.de

Im Netz

www.mainz.de/nhm

Geographie für Alle –

Stadtführungen und mehr

Stadtführungen, Stadtrallyes

und Naturerkundungstouren

im Rhein-Main-Gebiet – mehr

als zehntausend Bürgerinnen

und Bürger nutzen jährlich das

breite Angebotsspektrum von

„Geographie für Alle“. Der am

Geographischen Institut der

Universität Mainz ansässige

Verein bietet selbst Alteingesessenen

vielfältige Möglichkeiten,

ihre Umgebung immer wieder

neu zu entdecken.

Im Netz

www.geographie-fuer-alle.de


Offen für

10

SCHÜLEr, LEHrEr UND ELTErN

junior campus mainz:

interessen wecken, begabungen fÖrdern

Von Experimentaltagen, Forschungswochenenden

und Schulklassenbesuchen

über Projektwochen und Ferienakademien

bis zu Mentoringprogrammen und

der Betreuung von Facharbeiten – der

junior campus mainz (jcm) bietet Schülerinnen

und Schülern die Möglichkeit,

Wissen in Erlebnisräumen zu erschließen,

und das in unterschiedlichen Formaten

und abgestimmt auf Altersstufen und

Schulformen. In mehr als 200 Projekten

hat der jcm zum Ziel, nachhaltig für ein

wissenschaftliches oder künstlerisches

Studium zu begeistern sowie individuelle

Interessen zu wecken und Begabungen

zu fördern.

Sämtliche Aktivitäten an der Schnittstelle

von Schule und Hochschule von

unterschiedlichen Fachbereichen, Instituten

und anderen Einrichtungen der

Johannes Gutenberg-Universität und

der Fachhochschule Mainz – wie das

NaT-Lab für Schülerinnen und Schüler,

die Grüne Schule im Botanischen Garten

und die Musikalische KinderUni – sind

im jcm vereint. Solch ein Gesamtprogramm

ist einmalig in Deutschland.

Der jcm ist eine Initiative in

Kooperation mit der Allgemeinen

Zeitung.

www.junior-campus-mainz.de

Der junior campus mainz weckt Neugierde und fördert Begabungen.

Foto: Thomas Hartmann


11

magnet für kinder und jugendliche

Das Nat-Lab schafft spielerisch zugänge zu den naturwissenschaften

Nachwuchsforscher des NaT-Lab auf dem KinderUni-Sommerfest der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Foto: Thomas Hartmann

Vor zwölf Jahren

gegründet, ist das

„NaT-Lab“, das

„Labor für Naturwissenschaften

und Technik für

Schülerinnen und Schüler“, zu einem

der größten Publikumsmagneten auf

dem Campus der Johannes Gutenberg-

Universität Mainz (JGU) geworden.

Rund 13.000 Kinder und Jugendliche,

vom Grundschüler bis zum Abiturienten,

besuchten im vergangenen Jahr

die Veranstaltungen der Einrichtung.

Diese reichen von Vorlesungen in

den Reihen „KinderUni“ und „Physik

am Samstagmorgen“ über Projekte

für Schulklassen bis zu Ferienakademien

und Crashkursen zur Abituroder

Studienvorbereitung. Ziel aller

Veranstaltungen ist es, bei den Kindern

und Jugendlichen Interesse an

Naturwissenschaften zu wecken und

zu erhalten.

Zudem bietet das NaT-Lab Oberstufenschülern

die Möglichkeit, sich

über die naturwissenschaftlichen Studiengänge

der JGU zu informieren.

Dadurch wirbt die JGU schon früh um

Nachwuchs in traditionell eher nicht

so häufig belegten Fächern. Außerdem

profitieren ihre Lehramtsstudenten

davon, dass sie im Schülerlabor

anstatt an einer Schule ein Praktikum

absolvieren können.

Zurzeit sind allein in der Chemie 20

studentische Hilfskräfte beschäftigt,

um die Schulklassen, die täglich auf

den Campus kommen, zu betreuen.

Davon profitieren auch die Schüler.

„Die Studenten sind vom Alter her

nicht weit von den Schülerinnen und

Schülern entfernt, da gibt es sehr

viele intensive Gespräche“, sagt Dr.

Christa Welschof aus dem NaT-Lab

Koordinierungsbüro. Fortbildungen

für Lehrer runden das Programm des

NaT-Lab ab.

Ausgewählte Veranstaltungen

des NaT-Lab in 2012

|| Physik am Samstagmorgen,

Vorlesungsreihe für Oberstufenschüler,

ab 21. April

|| Ferienakademie Farben,

für Oberstufenschüler, 7. bis 10.

August

|| Mainzer Mathe Akademie,

für Oberstufenschüler, 29. August

bis 2. September

|| Experimentieren! 2,

Experimentierkurs für Schüler der

fünften und sechsten Klasse, ab 14.

September

|| Experimentieren! 1,

Experimentierkurs für Schüler der

dritten und vierten Klasse, ab 21.

September

|| Versuch‘s mal!,

Physik für Schüler der fünften und

sechsten Klasse, ab Oktober

Schüler- und Lehrerstimmen zum

NaT-Lab

„Das NaT-Lab hat uns nicht nur Hilfe für die

spätere Studienwahl, sondern auch einen

tiefen Einblick in das Themengebiet der Farbstoffe

gegeben. Durch die praktische Arbeit

wurde der im Schulunterricht behandelte

Stoff hervorragend aufgearbeitet.“

„Die Versuche waren spannend und das

Hantieren mit Geräten und Stoffen hat die

Schüler sehr beeindruckt. Es war auch für

mich abwechslungsreich und informativ,

motivierend und spannend. Da wäre ich

gerne Schüler gewesen.“

Kontakt

Dr. Christa Welschof

NaT-Lab Koordinierungsbüro

Tel: 06131 39-23921

E-Mail: nat-schuelerlabor@unimainz.de

Im Netz

www.nat-schuelerlabor.de


Offen für

12

Schüler, Lehrer und Eltern

Vom Umgang mit

Text, Bild und ton

Die JungeMedienWerkstatt lehrt Jugendliche,

richtig mit Medien umzugehen

Auf dem Weg zum Profi. Foto: Florian Preßmar, MKN Mainz-Rheinhessen

Angebote der JungeMedienWerkstatt

|| Medienprojekt KinderUni (12 bis 14 Jahre): Vier Teams von

Jugendlichen, jedes auf ein Medium spezialisiert, begleiten fünf

Monate lang Vorlesungen der KinderUni der Universität Mainz.

|| JugendMedienSommer (14 bis 16 Jahre): In dem zweiwöchigen

Ferienkurs stehen Medienberufe im Mittelpunkt. Die

Teilnehmer lernen redaktionelle und technische Abläufe kennen.

|| Jugendredaktion Wissenschaft (12 bis 18 Jahre): Wissenschaft

ist nichts weiter als verstaubte Theorie? Ein Jahr lang

arbeiten die Teilnehmer des Kurses wissenschaftliche Themen für

ihre Altersgruppe auf.

Kontakt

Martina Stöppel

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Tel: 06131 39-20593

E-Mail: martina.stoeppel@uni-mainz.de

Im Netz

www.jungemedienwerkstatt.de

Jugendliche wachsen heute in

einer von Medien geprägten

Welt auf. Ein Video mit dem

Handy aufnehmen, es ins Internet

stellen und Freunden den

Link über ein soziales Netzwerk

schicken – solch ein crossmediales Verhalten

ist für Teenager längst Alltag. Vielen fällt

der Umgang mit modernen Geräten und

Programmen deutlich leichter als ihren Eltern

oder Lehrern. Der spielerische Umgang

mit der Technik bedeutet aber noch längst

keinen kritischen Umgang mit den eigentlichen

Inhalten. Hier setzt die „JungeMedien-

Werkstatt“ an, ein gemeinsames Projekt der

„Initiative Medienintelligenz“ der Johannes

Gutenberg-Universität Mainz und des „MedienKompetenzNetzwerks

Mainz-Rheinhessen“.

„Durch unsere Angebote machen wir

junge Menschen zu eigenverantwortlichen

Mediennutzern“, sagt Martina Stöppel,

Geschäftsführerin der Initiative Medienintelligenz.

Die JungeMedienWerkstatt bietet Jugendlichen

im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren

unentgeltliche Kurse an. Dabei stehen

sowohl die einzelnen Medien Fernsehen,

Radio, Zeitung und Internet als auch deren

Vernetzung im Mittelpunkt. Wie produziert

man eine Fernseh- oder Radiosendung? Wie

gestaltet man eine Website oder Zeitung?

Wie führt man ein Interview? Was muss bei

einer Nachricht beachtet werden und was

bedeutet journalistische Sorgfaltspflicht?

So lauten typische Fragen, die Stöppel und

ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter mit den

Jugendlichen beantworten. Auch der kompetente

Umgang mit Kamera, Aufnahmegerät

und Schnittpult wird vermittelt – und

dadurch ein realistisches Bild von der Arbeit

der Profis. „Viele Jugendliche träumen von

einem Medienberuf“, sagt Stöppel. „Im Gespräch

mit erfahrenen Redakteuren, Kameraleuten

oder Medienpädagogen bekommen

sie auch Antworten auf die Frage: Wie komme

ich da hin?“

Klatschen, trommeln, stampfen

Die Musikalische KinderUni begeistert Schülerinnen und Schüler von acht bis zwölf Jahren

In die Gefahr, gedanklich

abzudriften, gerät das Publikum

in der „Musikalischen

KinderUni“ der Mainzer

Hochschule für Musik so

gut wie nicht. Ob bei einem

Gang durch das Leben Chopins, bei

einem gemeinsamen Besuch mit Gulliver

auf der Insel Liliput oder Seite an

Seite mit den drei Musketieren: „Die

Kinder erhalten die Chance, sich die

Welt der Musik durch das eigene Tun

zu erschließen“, sagt Prof. Felix Koch,

der die Musikalische KinderUni organisiert.

Durch die eigene Stimme, durch

Klatschen, Trommeln oder Stampfen

können sich die teilweise mehr als 500

Kinder im Publikum an den einstündigen

Aufführungen beteiligen.

Für Koch sind Angebote wie die Musikalische

KinderUni ein wichtiger

Abflug in die Welt der Musik.

Grafik: Uwe Neitzel

Bestandteil zur Sicherung der Zukunft

von Orchestern und Konzerthäusern.

„Wir stehen heute vor dem Problem,

dass wir eine Elterngeneration haben,

die eine sehr theoretische musikalische

Ausbildung in der Schule erhalten

hat. Diese Generation macht heute

einen geringen Anteil der Konzertgänger

aus“, sagt Koch. „Durch die Musikalische

KinderUni sollen Kinder von

acht bis zwölf Jahren entdecken, was

Musik für sie bedeuten kann.“ Koch

hofft, mit dem Angebot nicht nur junge

Menschen für eine Karriere etwa als

Sänger oder als Pianist zu begeistern,

sondern auch einen Anstoß zu geben,

der dazu beiträgt, die Konzertsäle von

morgen zu füllen.

Am 28. April werden sich Koch und

seine jungen Mitstreiter auf die Spuren

von Don Quijote begeben. Weitere

Konzerte sind für den 8. September

und den 10. November geplant.

Kontakt

Dr. Kristina Pfarr

Hochschule für Musik Mainz

Tel: 06131 39-28008

E-Mail: pfarr@uni-mainz.de

Im Netz

www.kinderuni.hfm-mainz.de


13

Die pflanzliche Vielfalt begreifen

In der Grünen Schule lernen Kinder und Jugendliche, ihre Umwelt zukunftsfähig zu gestalten

Die Veranschaulichung steht in der Grünen Schule im Vordergrund.

Foto: Uwe Feuerbach

Die Grüne Schule

im Botanischen

Garten der Universität

Mainz

richtet sich in

erster Linie an

Kinder- und Jugendgruppen, um deren

Interesse an der biologischen Vielfalt

zu wecken. Mit ihrem Programm zu

Themen wie Evolution oder der Anpassungsfähigkeit

von Pflanzen, kann sie

den Biologieunterricht ergänzen. Sie ist

Ausgangsort für Expeditionen in den

Botanischen Garten und bietet vielen

ihrer Besucher somit einen ersten Berührungspunkt

zur Hochschule.

„Wir möchten, dass die Schülerinnen

und Schüler lernen, wie sie ihre Umwelt

zukunftsfähig gestalten können“, sagt

Dr. Ute Becker, die Leiterin der Grünen

Schule. „Dafür ist es wichtig, dass sie

die pflanzlichen Ressourcen überhaupt

erst einmal als solche wahrnehmen

und wertschätzen.“ Nachhaltiges und

globales Denken stehen im Mittelpunkt

vieler Projekte. In Kooperation mit dem

Mainzer Weltladen bietet die Grüne

Schule so genannte „Fairführungen“

zu Baumwolle, Kaffee und Kakao an,

mit denen die Wege dieser pflanzlichen

Rohstoffe von der Aussaat über die

Verarbeitung bis zum Verbrauch nach-

gezeichnet werden. Auch mit einem

Projekt zu den Chancen und Risiken

von Energiepflanzen, zum Beispiel bei

der Erzeugung von Bio-Sprit, spricht

die Grüne Schule aktuelle Probleme

an. Dabei steht die Veranschaulichung

und die Berührung mit den Pflanzen im

Vordergrund: „Wir möchten, dass die

Schülerinnen und Schüler auch komplexe

Zusammenhänge im wahrsten Sinne

des Wortes begreifen“, sagt Becker.

Projekte der Grünen Schule

|| Kakao – Schokoladenwerkstatt (ab

der 3. Klasse)

|| Baumwolle – Weltreise einer Jeans

(ab der 7. Klasse)

|| Kaffee – der lange Weg vom braunen

Gold (ab der 9. Klasse)

|| Energiepflanzen – Chance oder

Risiko? (ab der 9. Klasse)

|| Anpassung und Evolution von

Pflanzen (ab der 5. Klasse)

Termine nach Absprache

Kontakt

Dr. Ute Becker

Grüne Schule

Tel: 06131 39-25686

E-Mail: beckeru@uni-mainz.de

Im Netz

www.botgarten.uni-mainz.de/

102.php

Spielerischer Weg in die Praxis

Die Fachhochschule Mainz hilft Schülerinnen und Schülern bei der Berufs- und Studienwahl

Als Fachhochschule

arbeiten wir

anwendungsorientiert.

Diesem

Grundsatz bleiben

wir auch bei unseren

Angeboten für Schülerinnen und

Schüler treu“, sagt Sabine Weis, zuständig

für Projekte für den Übergang

von der Schule zur Hochschule an der

FH Mainz. Wie die Veranstaltungen für

die Studierenden seien deshalb auch

die Angebote für Kinder und Jugendliche

für kleine Gruppen ausgelegt.

Einmal im Monat bietet die FH ihre

„Kinderuni“ an. Die Veranstaltungen

richten sich an Schülerinnen und Schüler

von acht bis zwölf Jahren und bieten

eine erste Studien- und Berufsorientierung.

Die Angebote der „Ferienuni“ für

die Klassenstufen elf bis dreizehn sind

stärker auf die konkrete Berufswahl

ausgerichtet: Neben fachspezifischen

Veranstaltungen wie „Innenarchitektur

– Gestaltung zwischen Objekt und

Raum“ bietet die FH Mainz auch Bewerbungstrainings

an.

Das „Ada-Lovelace-Projekt“ hat die

Aufgabe, das Interesse von Schülerinnen

für naturwissenschaftliche und

technische Berufe zu wecken. Hierzu

bietet die FH Workshops für Mädchen in

den Klassenstufen fünf bis dreizehn an.

Kontakt

Sabine Weis

Fachhochschule Mainz

Tel: 06131 628-7326

E-Mail: sabine.weis@fh-mainz.de

Im Netz

www.schuelerforum.fh-mainz.de


Offen für

14

Schüler, Lehrer und Eltern

Kein Risiko, nur

Chancen“ biete

ein Frühstudium

an der Johannes

Gutenberg-

Universität Mainz

(JGU) Schülerinnen und Schülern aus

der Region, davon ist Prof. Dr. Franz

Rothlauf, Ansprechpartner für das Programm

an der Universität, überzeugt.

Das Frühstudium erlaubt es Jugendlichen

mit einer besonderen Begabung

oder mit einem ausgeprägten Interesse

an einem bestimmten Fach, schon

während der Schulzeit Veranstaltungen

der Universität zu besuchen.

Durchschnittlich 50 Schülerinnen und

Schüler der Klassenstufen zehn bis

zwölf nehmen dieses Angebot pro Semester

in Anspruch. „Die Abbrecherquote

ist denkbar niedrig, und nicht

selten überträgt sich die Begeisterung

der Frühstudierenden von der Universität

auf die Schule“, sagt Rothlauf.

Jugendliche können auf unterschiedliche

Weise von einem Frühstudium

profitieren: Sie können sich vertieft mit

Fächern und Themen auseinandersetzen,

die sie interessant finden oder die

sie gerne nach ihrem Abitur studieren

möchten.

Dadurch kann für sie in einem späteren

Studium die Orientierungsphase

entfallen, die viele Erstsemester

durchlaufen, und ihr Risiko eines

Fachwechsels sinkt, weil sie schon im

Frühstudium herausfinden können,

ob das vermeintliche Traumfach auch

tatsächlich das Richtige ist. Außerdem

werden alle Leistungsnachweise, die

während eines Frühstudiums erbracht

werden, auf Wunsch später an allen

Kontakt

Prof. Dr. Franz Rothlauf

Johannes Gutenberg-Universität

Mainz

Tel: 06131 39-22734

E-Mail: rothlauf@uni-mainz.de

Im Netz

www.uni-mainz.de/

studium/361_DEU_HTML.php

Prof. Dr. Franz Rothlauf von der JGU schaut Frühstudierenden über die Schulter.

Freiheit erfahren,

Orientierung gewinnen

Foto: Thomas Hartmann

An der Universität Mainz können besonders begabte oder interessierte

Schülerinnen und Schüler frühzeitig ein Studium beginnen

rheinland-pfälzischen Hochschulen

als reguläre Studienleistungen anerkannt.

Darüber hinaus kann ein Frühstudium

die charakterliche Reife fördern.

„Schule ist in der Regel sehr fremdbestimmt,

wohingegen Jugendliche im

Frühstudium sehr viel Freiheit erfahren

und eigenverantwortlich handeln

können. Es lässt sich beobachten, dass

sie dadurch oft viel Selbstvertrauen

und Selbstsicherheit gewinnen“, sagt

Rothlauf.

Da Frühstudierende reguläre Veranstaltungen

an der Universität besuchen,

kann das allerdings auch zum

Versäumen von Schulunterricht führen.

Daher ist, neben guten Noten,

auch die Unterstützung der jeweiligen

Schule eine wichtige Voraussetzung

für die Teilnahme am Frühstudium –

die viele Schulen in Mainz und Umgebung

aber erfüllen, indem sie ihre

leistungsstarken Schülerinnen und

Schüler ermutigen, am Frühstudium

teilzunehmen und ihnen helfen, den

verpassten Schulstoff nachzuarbeiten.

„Schule hat immer Vorrang vor

dem Frühstudium“, betont Rothlauf.

Der Besuch von Vorlesungen an der

Universität könne aber auch zu einer

deutlichen Steigerung der schulischen

Leistungen führen, wenn die Frühstudierenden

ihr neues Wissen in den

Schulunterricht einbrächten.

Für die JGU eröffnet sich mit dem

Frühstudium die Möglichkeit, vielversprechenden

Nachwuchs frühzeitig

an sich zu binden. Rothlauf möchte

das Frühstudium aber nicht nur als

Instrument zur Förderung von Hochbegabten

verstanden wissen. Das Angebot

richte sich auch an Schüler mit

an sich durchschnittlichen Leistungen,

die aber auf einem bestimmten Gebiet

erhöhtes Interesse und Engagement

zeigten. Ob ein Schüler zu einem

Frühstudium zugelassen werde, bleibe

immer eine Einzelfallentscheidung.

Wesentlich sei, dass sich Jugendliche

aus freien Stücken für das Programm

entschieden, denn nur mit Motivation

könne die Doppelbelastung bewältigt

werden.

Angst, sein Frühstudium nicht zu bestehen,

muss indes niemand haben. Eine

nicht angetretene oder nicht bestandene

Prüfung hat keine Auswirkungen

auf das spätere Studium. „Kein Risiko,

nur Chancen“, sagt Rothlauf.


15

Forschung für die schule aufbereiten

Die Fortbildungen der Johannes gutenberg-Universität für

Lehrerinnen und Lehrer werden auch über die Landesgrenzen hinweg immer attraktiver

Normalerweise

würde die Studienrätin

aus der

Pfalz an diesem

Tag mit Jugendlichen

philosophische

Fragestellungen im Unterricht

behandeln. Heute allerdings will sie

selbst ihr Wissen auffrischen: Am

Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung

(ZWW) „ihrer“ Universität in

Mainz, an der vor Jahren die Grundlagen

für ihre berufliche Laufbahn gelegt

wurden.

Doch nicht nur für diejenigen, die an

der Johannes Gutenberg-Universität

ein Lehramtsstudium absolviert haben,

ist das ZWW mit seiner strukturierten

Lehrkräftefortbildung eine gute Adresse.

Lehrerinnen und Lehrer kommen

aus ganz Rheinland-Pfalz und aus den

angrenzenden Bundesländern, um

ihr Fachwissen zu aktualisieren sowie

neue methodische und didaktische Ansätze

kennenzulernen.

„Wir sind einen weiten Weg gegangen,

bis unser Angebot bekannt wurde“,

sagt Barbara Lampe, die stellvertretende

Leiterin des ZWW. „Inzwischen

kommt es immer häufiger vor, dass

Teilnehmerlisten wegen der großen

Nachfrage geschlossen werden müssen.“

Die Attraktivität des Programms,

das in Zusammenarbeit mit den universitären

Fachbereichen konzipiert

wird, liegt unter anderem darin, dass

neueste Forschungsergebnisse auf-

Fünfzig Fortbildungen für Lehrkräfte bietet das ZWW jährlich an.

gegriffen und ihre Umsetzung in die

Unterrichtspraxis mit Dozierenden der

Universität, Kolleginnen und Kollegen

diskutiert werden.

Neben einer Vielzahl fachspezifischer

Angebote wie „Zellbiologie“ oder „Irische

Literatur und Kultur im Englischunterricht“

bietet das ZWW fächerübergreifende

Fortbildungen an. Dabei

liegt ein Schwerpunkt auf der Beratung

im Schulalltag. Neu im Programm sind

Fortbildungen für Musiklehrer und

Foto: Thomas Hartmann

-lehrerinnen, die im Zusammenhang

mit der KinderUni der Musikhochschule

stehen. So kommt ein Angebot

von rund 50 Veranstaltungen in einem

Schuljahr zusammen, das neben dem

festen Seminarprogramm auch größere

Tagungen einzelner Institute umfasst.

Alle Fortbildungen sind für Rheinland-

Pfalz und Hessen akkreditiert. Für Lehrkräfte

aus Rheinland-Pfalz werden 50

Prozent der Teilnahmegebühren vom

Ministerium für Bildung, Wissenschaft,

Weiterbildung und Kultur übernommen.

Kontakt

Barbara Lampe

Zentrum für wissenschaftliche

Weiterbildung

Tel: 06131 39-25417

E-Mail: lampe@zww.uni-mainz.de

Im Netz

www.zww.uni-mainz.de/

lehrkraefte.php

Mit der Gründung

des Instituts für

Lehrergesundheit

im vergangenen

Jahr hat das Land

Rheinland-Pfalz

einen bundesweit einzigartigen Ansatz

gewählt, um seine rund 42.000

Lehrkräfte und 2.500 pädagogischen

Fachkräfte arbeitsmedizinisch und sicherheitstechnisch

zu betreuen. Die

neue Einrichtung ist dem Institut für

Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin

an der Universitätsmedizin Mainz angegliedert

und schlägt so eine Brücke

zwischen Forschung und Versorgung.

Prof. Dr. Stephan Letzel hat über drei

Jahre hinweg im Auftrag der Landesregierung

das Konzept des neuen Instituts

entwickelt und leitet nun beide

Einrichtungen.

Gesund unterrichten

Ein neues Institut Betreut die Lehrerinnen und Lehrer in Rheinland-Pfalz

„Wir haben vom Ministerium für Bildung,

Wissenschaft, Weiterbildung

und Kultur drei Aufträge bekommen“,

sagt Letzel: „Die praktische betriebsärztliche

und sicherheitstechnische

Betreuung der Lehrkräfte, die Beratung

des Landes in allen Fragen des

Gesundheitsschutzes der Lehrkräfte

sowie die wissenschaftliche Bearbeitung

arbeitsmedizinischer Fragestellungen

im schulischen Umfeld.“ Derzeit

betreut das Institut Lehrer und

Pädagogen mit zwölf Vollzeitkräften,

welche die Schulen besuchen. Ergänzend

haben Letzel und sein Team auf

der Mainzer Kupferbergterrasse eine

zentrale Untersuchungs- und Beratungsstelle

eingerichtet. Am häufigsten

um Hilfe gebeten werden sie laut

Letzel wegen psychischer und sozialer

Belastungen, Stimmüberlastung,

Problemen mit Lärm, Muskel-Skelett-

Erkrankungen sowie Schadstoffbelastungen.

Spätestens Ende dieses Jahres soll

das Institut für Lehrergesundheit mit

zirka 20 Mitarbeitern seine volle Personalstärke

erreicht haben. Aber auch

dann werde man es nicht schaffen,

alle Schulen des Landes in einem Jahr

zu besuchen, schätzt Letzel. „Wir entwickeln

derzeit ein internetbasiertes

Tool, mit dem die Schulen selbst eine

erste Gefährdungsanalyse durchführen

können“, sagt er. Auf diese Weise

könnten die Schulen mit dem größten

Betreuungs- und Beratungsbedarf

identifiziert und dann vorrangig angesprochen

werden.

Kontakt

Prof. Dr. Stephan Letzel

Institut für Lehrergesundheit

Tel: 06131 8844850

E-Mail: info-ifl@unimedizin-mainz.de

Im Netz

www.unimedizin-mainz.de/ifl


Offen für

16

Schüler, Lehrer und Eltern

Prof. Dr. Franz Hamburger ist einer der Initiatoren der Transferstelle Bildung in Mainz.

„Von unseren Projekten haben

Praktiker und Forscher etwas“

Foto: Thomas Hartmann

Prof. Dr. Franz Hamburger ist einer der Initiatoren der „Transferstelle

Bildung“, die im Jahr „Mainz – Stadt der Wissenschaft

2011“ an der Johannes Gutenberg-Universität eingerichtet

wurde. Die Transferstelle hilft bei der Vernetzung von

Bildungspraktikern und -forschern in Mainz und Umgebung

und erleichtert Bildungseinrichtungen den Zugang zu aktuellen

wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wir sprachen mit Hamburger über das

bisher Erreichte und die Zukunft der Einrichtung.

Einer der Schwerpunkte der

Transferstelle im ersten Jahr ihres

Bestehens waren die Übergänge

vom Kindergarten in die

Grundschule und von der Grundschule

in die weiterführenden

Schulen.

Ja, denn diese Übergänge sind für

Kinder und oft auch für Eltern schwer

einzuschätzen und nicht immer leicht

zu bewältigen. Die in den jeweiligen

Einrichtungen arbeitenden Lehrer

und Pädagogen können die Prozesse

aber durch eine bewusste Gestaltung

erleichtern. Dann werden diese Übergänge

zu Sprungbrettern und Neuanfängen

und nicht zu Hürden. Das ist

das Entscheidende.

Sie gehen also nicht selbst in

die Schulen, um die Kinder beim

Schulwechsel zu unterstützen?

Nein, das kann auch nicht der Fall

sein, denn die Universität soll nicht

die Aufgaben übernehmen, die andere

Einrichtungen haben. Wir können

nur diejenigen, die für diese Tätigkeiten

zuständig sind, begleiten – wenn

sie das wollen. Grundsätzlich ist eine

Kooperation von Forschung und Praxis

auch nur bei besonderen Anlässen

und Problemen sinnvoll. Wir machen

aber die Erfahrung, dass großes Interesse

seitens der Praxis besteht.

Wie gehen Sie solche Kooperationen

an?

Die Transferstelle organisiert Netzwerke

und erleichtert Kontakte zwischen

der Universität und den Schulen und

anderen Bildungseinrichtungen in

der Region. Wir haben im vergangenen

Jahr Praxisprojekte unmittelbar

unterstützt, wir haben Evaluationen

durchgeführt und wir haben Studien

in der Universität begleitet.

Mir ist wichtig, darauf hinzuweisen,

dass bei solchen Vorhaben sowohl

die Praxis als auch die Forschung

etwas davon haben. Die Praktiker

können mit wissenschaftlich fundierten

Erkenntnissen ihre eigenen

Ziele besser verwirklichen, die Forscher

können ihre Hypothesen prüfen

und ihr Wissen von der Realität

erweitern. Produktiv werden solche

Kooperation aber nur, wenn sie von

gegenseitigem Respekt getragen,

in einen längeren Kommunikationsprozess

eingebettet und mittelfristig

in die Praxis und in die Forschung

integriert werden. Wir wollen keine

Eintagsfliegen züchten.

Durch die Transferstelle bietet

sich den Wissenschaftlern also

die Möglichkeit, direkt im „Feld“,

also in der schulischen Praxis, Erkenntnisse

zu gewinnen?

Genau. Dieser Zugang besteht bereits

an vielen Stellen, und es ist eine

originäre Aufgabe der Transferstelle,

diesen Zugang zu erweitern. Das

verbessert dann auch die Ausbildung

zukünftiger Lehrkräfte. Die Lehrerbildung

ist eine der vornehmen Aufgaben

der Universität.

Wie hat sich die Transferstelle in

ihrem ersten Jahr entwickelt?

Das Programm für das vergangene

Jahr ist erfüllt. Wir haben unter an-


17

derem Kinderschutzprojekte evaluiert.

Dabei wurden die Praxisabläufe

analysiert und die dadurch

gewonnenen Erkenntnisse direkt

in die Weiterentwicklung dieser

Projekte eingespeist. Besonders erwähnenswert

sind auch die beiden

Projekte „DenkSport“ und „sprint“

(siehe Beitrag rechts). In ihnen haben

Lehramtsstudierende wertvolle

Praxiserfahrungen gesammelt, die

wiederum in die Bildungswissenschaften

und in die Fachdidaktik, in

diesem Fall der Mathematik, rückgekoppelt

werden können.

Die Transferstelle ist ein Projekt

des Jahres „Mainz – Stadt

der Wissenschaft 2011“. Wie

geht es 2012 weiter?

Die Transferstelle wird sich jetzt

grundsätzlich stärker auf ihre

strategischen Funktionen konzentrieren

können, also weniger

Einzelprojekte unterstützen und

verstärkt die Beziehungen und die

Kommunikationsprozesse zwischen

der Universität und anderen Einrichtungen

verbessern. Das Projekt

„Willkommen in Mainz“ vom Kinderschutzbund

wird sie aber begleiten

und evaluieren. Schließlich

wird die „Migrationsstudie“ fertig

werden, deren Erkenntnisse dann

in einem Workshop diskutiert und

umgesetzt werden sollen. Generell

werden wir solche Workshops für

bestimmte Themenfelder organisieren.

Bei einer solchen Veranstaltung

mit dem Sportbund Rheinhessen im

Dezember haben wir sehr gute Erfahrungen

mit dem wechselseitigen

Austausch gemacht.

Kontakt

Thomas Kimmig

Transferstelle Bildung

Tel: 06131 39-20214

E-Mail: kimmig@uni-mainz.de

Im Netz

www.zbh.uni-mainz.de/

377.php

Mathe in Bewegung

Das Ferienprojekt „Denksport“ fördert die motorischen und

kognitiven Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern

DenkSport verbindet sportliche mit Rechenübungen.

Viele Kinder bewegen

sich in

den Ferien zu

wenig. Außerdem

belegen wissenschaftliche

Untersuchungen,

dass während der Ferien

eine Menge Lernstoff vergessen

wird“, sagt Thomas Kimmig. Als Leiter

der Transferstelle Bildung (siehe Seite

16) an der Johannes Gutenberg-Universität

ist er für das Ferienangebot

„DenkSport“ mitverantwortlich, das

im Rahmen der „Stadt der Wissenschaft

2011“ als Pilotprojekt durchgeführt

wurde. „DenkSport“ soll die

motorischen und kognitiven Fähigkeiten

von Schülerinnen und Schülern

der Klassenstufen fünf und sechs för-

Foto: JGU

dern und verbindet dazu Bewegung

mit mathematischen Übungen. „Das

motiviert die Schüler nicht nur zum

Lernen, sondern erleichtert es ihnen

auch“, sagt Kimmig. Prof. Dr. Franz

Hamburger, bis vor kurzem Sprecher

des Zentrums für Bildungs- und Hochschulforschung

(ZBH) der Universität,

dem die Transferstelle angegliedert ist,

betont, dass es bei „DenkSport“ nicht

nur um die Vermittlung abfragbaren

Wissens gehe, sondern auch darum,

eine bestimmte Lernhaltung bei den

Schülern zu stärken.

„DenkSport“ wird von einer Kooperation

des ZBH mit dem Amt für Jugend

und Familie der Stadt Mainz, der Heinrich

Böll Stiftung Rheinland-Pfalz und

mehreren Mainzer Schulen getragen

und im Neustadtzentrum abgehalten.

Dabei kommen in erster Linie Lehramtsstudentinnen

und -studenten der

Universität Mainz zum Einsatz. Sie

profitieren durch die Erfahrungen, die

sie mit den Kindern und Jugendlichen

sammeln. Die Zukunft von „Denk-

Sport“ ist noch nicht gesichert. Die

Böll Stiftung habe aber bereits Mittel

für eine Fortsetzung beim Land beantragt,

freuen sich Hamburger

und Kimmig. Denn die Universität

könne „DenkSport“ zwar

wissenschaftlich begleiten,

durchführen müsse das Projekt aber

ein Bildungsträger.

„Sprache und Integration“ – kurz

„sprint“ – ist ein weiteres Projekt in

Trägerschaft der Böll Stiftung, das sich

ebenfalls durch praxisnahe und innovative

Lern- und Lehrgelegenheiten

auszeichnet. Es wird von Lehramtsstudierenden

der Universität Mainz

weitgehend selbst organisiert und

vom Bildungsministerium des Landes

sowie der SWR-Kinderhilfsaktion

„Herzenssache“ unterstützt. Anders

als „DenkSport“ ist „sprint“ kein

Ferienprogramm, sondern ein begleitendes

Förderangebot für Schülerinnen

und Schüler. Es zielt auf die

Ausbildung und Förderung sprachlicher

Fähigkeiten ab. Die Transferstelle

Bildung begleitet beide Projekte und

evaluiert, welche Bedeutung die Praktika

für die Ausbildung der beteiligten

Lehramtsstudierenden haben.

Kontakt

Thomas Kimmig

Transferstelle Bildung

Tel: 06131 39-20214

E-Mail: kimmig@uni-mainz.de

Im Netz

www.zbh.uni-mainz.de/

325.php


Offen für

18

BErUFSTäTIGE

wissenschaftliche weiterbildung:

wissen praxisnah aktualisieren, vertiefen

und ergÄnzen

Lebenslanges Lernen: Die wissenschaftliche

Weiterbildung gehört zu den

Kernaufgaben einer Hochschule. An der

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

konzipiert das Zentrum für wissenschaftliche

Weiterbildung (ZWW) marktgerechte

Weiterbildungsangebote.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das

ZWW mehr als 5.000 Teilnahmen in seinen

rund 270 Veranstaltungen, wie den

Kontaktstudien mit Abschlussmöglichkeit,

den Lehrkräftefortbildungen, dem

Angebot „Studieren 50 Plus“ oder dem

Gasthörerstudium.

Das ZWW richtet sich an Hochschulabsolventinnen

und Hochschulabsolventen,

an Menschen, die einen ersten

Berufsabschluss erworben haben, und

an wissenschaftlich Interessierte, die

ihr Wissen aktualisieren, vertiefen und

ergänzen wollen. Für Institutionen und

Unternehmen, die ihren Beschäftigten

spezifi sche Weiterbildung bieten möchten,

entwickelt das ZWW individuelle

Angebote.

www.zww.uni-mainz.de

Mit den Weiterbildungen der JGU beruflich aufsteigen.

Foto: Thomas Hartmann


19

fundiert dazulernen

Die Kontaktstudiengänge des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung

der universität mainz vermitteln kompetenzen für die berufliche praxis

Übungen verbessern die interkulturellen Fähigkeiten.

Foto: Thomas Hartmann

Kontaktstudiengänge

werden gerade als

Mittel zur beruflichen

Weiterbildung

immer beliebter“,

sagt Barbara Lampe,

die stellvertretende Leiterin des

Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung

(ZWW) der Johannes

Gutenberg-Universität. Solche Studiengänge

verteilen sich über die Dauer

von sechs Monaten oder einem Jahr

auf mehrere Blöcke und können daher

gut von Berufstätigen in Anspruch

genommen werden. Das ZWW bietet

eine Vielzahl dieser wissenschaftlich

fundierten Weiterbildungen an, die jeweils

mit einem Zertifikat abgeschlossen

werden können.

Ein gutes Beispiel ist das Kontaktstudium

„Europäische Migration

– EUROMIR“, das Kompetenzen für

die Arbeit in interkulturellen und internationalen

Berufen vermittelt. Mit

ihm richtet sich das ZWW in erster

Linie an im Migrationsbereich tätige

Personen, wie Fachkräfte der sozialen

Dienste, Lehrkräfte, Erzieherinnen und

Erzieher. Durch die Schaffung einer

theoretischen Grundlage in Verbindung

mit praxisorientierten Übungen

wird ihre interkulturelle Kompetenz

gestärkt. Voraussetzung für den Erhalt

der Zertifizierung ist die Teilnahme an

Seminaren aus fünf Themenfeldern

(siehe „Aufbau eines Kontaktstudiums

am Beispiel der Themenfelder von

EUROMIR“) sowie die Anfertigung einer

Haus- oder Projektarbeit oder das

Ablegen eines Kolloquiums.

Neben EUROMIR bietet das ZWW

unter anderem auch Kontaktstudiengänge

in den Bereichen Bildungsberatung,

Gleichstellung im Beruf und

Kommunikation in der beruflichen

Praxis an.

Aufbau eines Kontaktstudiums

am Beispiel der Themenfelder von

EUROMIR:

|| Thema 1: Soziale Dimension und

interkulturelle Aspekte von Migrationsprozessen

|| Thema 2: Konsequenzen und Reaktionen

in Politik, Rechts-, Wirtschafts-,

Sozial-, Kultur- und Bildungssystemen

|| Thema 3: Konzepte und Modelle

in Sozialpolitik, Bildungssystem und

Sozialarbeit

|| Thema 4: Regionenspezifische und

vergleichende Studien auf europäischer

Ebene

|| Thema 5: Forschungsmethoden des

internationalen/interkulturellen Vergleichs,

didaktische Konzepte und Methoden

interkultureller Kommunikation

Kontakt

Zentrum für wissenschaftliche

Weiterbildung

Tel: 06131 39-24118

E-Mail: info@zww.uni-mainz.de

Im Netz

www.zww.uni-mainz.de/

724.php

„Ich habe bereits viele

Weiterbildungen

gemacht, und das

Kontaktstudium am

ZWW der Universität

Mainz war sicherlich

eine der besten.

Alleine vom Verhalten

der Dozentinnen in den

Seminarblöcken konnte

man sich viel über

Didaktik abschauen

und lernen.

Ebenfalls positiv ist mir

aufgefallen, wie viele

sehr kompetente

Menschen unter den

Teilnehmenden waren.

Das Kontaktstudium bietet

eine gute Gelegenheit

zum Austausch mit

anderen Bildungsberatern

und -beraterinnen.“

Martina Schladt betreut das

Bildungsberatungs- und

Selbstlernzentrum der

Volkshochschule Trier.

2011 absolvierte sie das

berufsbegleitende Kontaktstudium

„Bildungsberatung

und Kompetenzentwicklung“

des Zentrums für

wissenschaftliche Weiterbildung

(ZWW) der Johannes

Gutenberg-Universität

Mainz.


Offen für

20

Berufstätige

MaSSgeschneiderte Fortbildungen

Die universität mainz reagiert flexibel auf die wünsche von unternehmen

Wettbewerbsvorteil in der Weiterbildung: die Nähe zur Forschung.

Die auf spezielle Anlässe

oder Projekte

bezogenen Angebote

des Zentrums

für wissenschaftliche

Weiterbildung

(ZWW) der Johannes Gutenberg-

Universität Mainz für Institutionen

und Firmen finden immer größeren

Anklang. Im Jahr 2010 erhielten rund

300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

aus öffentlichen Einrichtungen und

der Privatwirtschaft solch eine maßgeschneiderte

Weiterbildung. „Hinzu

kommen zahlreiche Kooperationen

der einzelnen Fachbereiche mit Unternehmen“,

sagt Dr. Beate Hörr, die

Leiterin des ZWW.

Kontakt

Zentrum für wissenschaftliche

Weiterbildung

Tel: 06131 39-24118

E-Mail: info@zww.uni-mainz.de

Im Netz

www.zww.uni-mainz.de

So genannte anlassbezogene Weiterbildungen,

zum Beispiel bei Gleichstellungsfragen,

kommen laut Hörr

auf unterschiedliche Weise zustande.

Immer häufiger wendeten sich die Institutionen

und Firmen direkt an das

ZWW. „Sie haben da ein interessantes

Angebot im Bereich Projektmanagement.

Wir wollen aber unsere Beschäftigten

nicht nach Mainz schicken,

können Sie die Veranstaltung auch bei

uns im Haus und zugeschnitten auf

unseren konkreten Bedarf durchführen?

– So könnte eine typische Anfrage

lauten“, sagt Hörr.

Das ZWW passt das Angebot dann

entsprechend an und stellt das Lehrmaterial

und den Lehrenden zur Verfügung.

Anfragen an das ZWW kommen

aber auch aus den Fachbereichen der

Universität, die einem Partner aus der

freien Wirtschaft weiterhelfen möchten,

aber nicht über die nötigen Erfahrungen

und Verwaltungsstrukturen

verfügen. Das ZWW berät in solchen

Fällen und übernimmt je nach Wunsch

auch die weitere Planung. Darüber hinaus

betreibt es direkte Akquise.

Foto: Thomas Hartmann

„Wir kaufen

keine externen

Leute ein.

Wo Universität

draufsteht, muss

auch Universität

drin sein.“

Die größten Hürden für solche Kooperationen

zwischen Wirtschaft und

Hochschulen seien leider nach wie vor

Vorurteile: „Hochschulen gelten immer

noch als unflexibel, langsam und

praxisfremd“, sagt Hörr und stellt klar:

„Das ist mitnichten so. Fakt ist, dass

die Hochschulen dazu in der Lage sind,

in angemessener Frist auf Firmenanfragen

zu reagieren.“ Den Wettbewerbsvorteil

der Universitäten sieht

Hörr dabei in der Nähe zur Forschung.

Viele Kundinnen und Kunden aus der

Wirtschaft würden ein so hohes Maß

an Forschungsnähe und Aktualität

erwarten, das andere Bildungsträger

überhaupt nicht bieten könnten.

Die Meinung, dass maßgeschneiderte

Weiterbildungen für Firmen stets

kostspielig sein müssten, sei ebenfalls

nicht richtig, betont Hörr. Hier komme

es stark auf das Anliegen des Kunden

und das korrespondierende Angebot

der Fachbereiche an. Durch die hohe

Ausdifferenzierung der Mainzer Forschung

stünden die Chancen oftmals

gut, dass man selbst für sehr spezielle

Anfragen den passenden Wissenschaftler

vor Ort habe. In solchen Fällen

könne eine Weiterbildung relativ

einfach organisiert werden.

Die Qualität der Weiterbildungen hat

sowohl im ZWW als auch bei der

Universitätsleitung einen hohen Stellenwert.

Weiterbildungen, die nicht

durch Beschäftigte der JGU geleistet

werden können, führt das ZWW in der

Regel nicht durch. „Wir kaufen keine

externen Leute ein, für deren Qualität

wir nicht garantieren können. Wo

Universität darauf steht, muss auch

Universität drin sein“, sagt Hörr. Des

Weiteren gelte auch in der wissenschaftlichen

Weiterbildung die Freiheit

von Forschung und Lehre. Das ZWW

richte sich bei den anlassbezogenen

Weiterbildungen zwar nach den Wünschen

der Firmen, die Unabhängigkeit

von Forschung und Lehre bleibe aber

unangetastet, sagt Hörr.


21

der weg zurück

AUCH FÜr DEN JUSTIZVOLLZUG BIETET DIE JGU WEITErBILDUNGEN AN

Seit dem Jahr 2008 berät das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung Häftlinge und Beschäftigte in rheinland-pfälzischen Gefängnissen.

Foto: Thomas Hartmann

Die Johannes

Gutenberg-Universität

Mainz

hat es sich zur

Aufgabe gemacht,

ihren

Wissenstransfer in möglichst viele

Teile der Gesellschaft voranzutreiben.

Seit 2008 arbeitet ihr Zentrum für wissenschaftliche

Weiterbildung (ZWW)

auch mit rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalten

und Jugendstrafanstalten

zusammen. „Unser Ziel ist es,

Lernen und damit Entwicklung zu ermöglichen“,

sagt Sabine Teichreb, die

Leiterin der ZWW-Projekte „Bildung

im Justizvollzug“. In deren Fokus

steht die Organisationsberatung der

Anstalten. „Wir können dabei helfen,

die Leute in den verschiedenen Abteilungen

ins Gespräch miteinander zu

bringen, und sie dabei unterstützen,

eigene Entwicklungspotentiale zu erkennen“,

sagt Teichreb.

Das Projektteam wendet sich aber

auch an die Inhaftierten. „Ihnen bieten

wir Gruppenworkshops und Einzelberatungen

zum Thema Bildung

und Beruf an“, sagt Teichreb. Dabei

„Unser Ziel ist es,

Lernen und damit

Entwicklung zu

ermöglichen.“

verfolgt das Team einen „ressourcenorientierten

Ansatz“. Die Teilnehmenden

der Workshops werden dazu

animiert, eigene Stärken zu erkennen.

„Die Inhaftierten sollen an den Punkt

geführt werden, an dem sie merken:

Ich kann etwas, auch ich habe schon

etwas Positives geleistet“, sagt Teichreb.

Wie die jeweiligen Kompetenzen

während oder nach der Haft bei der

Stellensuche genutzt werden können,

wird dann in den Einzelberatungen

vertieft. Ergänzend bietet das ZWW

Bewerbungstrainings an.

Offen stehen diese Angebote prinzipiell

allen Inhaftierten. Es fi ndet aber

immer eine Auswahl in Zusammenarbeit

mit den Bediensteten statt.

Deren Qualifi zierung ist dem ZWW

ebenfalls wichtig, schließlich beraten

die Bediensteten die Inhaftierten

unter anderem in den Zugangs- und

Entlassungsgesprächen. „Professionelle

Beratung umfasst aber mehr als

das Geben von ratschlägen“, sagt

Teichreb. „Es kommt darauf an, die

Betroffenen so zu unterstützen, dass

sie ihren Weg fi nden.“ Eine aus fünf

Modulen bestehende Qualifi zierungsmaßnahme

vermittelt die für eine

solche Bildungsberatung nötigen Fähigkeiten.

Durch die Teilnahme an EU-Partnerschaften

sind die Projekte „Bildung im

Justizvollzug“ in einen wissenschaftlichen

Erfahrungsaustausch eingebunden.

Mehrmals im Jahr trifft sich das

Team mit Partnern aus Gefängnissen,

Bildungseinrichtungen und Ministerien

aus insgesamt sieben EU-Ländern.

Dabei geht es um Fragen zur Qualifi

zierung und resozialisierung von

Straftätern. „Wir können dann sehen,

wie es andere Länder machen, und

gute Praxislösungen voneinander erfahren“,

sagt Teichreb.

Kontakt

Sabine Teichreb

Zentrum für wissenschaftliche

Weiterbildung

Tel: 06131 39-26938

E-Mail: teichreb@zww.uni-mainz.de

Im Netz

www.zww.uni-mainz.de/

justizvollzug.php


Offen für

22

BErUFSTäTIGE

zivilgesellschaft

und ehrenamt

Werkstattgespräch mit Dr. Henning von Vieregge zum sozialen Engagement von Hochschulen.

Dr. Henning von Vieregge ist freiberufl icher Publizist und Verbändecoach.

Er war viele Jahre führend in deutschen Unternehmerverbänden

tätig und widmet sich heute der Alters- und

Engagementforschung. Im rahmen des Angebots „Studieren

50 Plus“ des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung

der Johannes Gutenberg-Universität hat er eine „Werkstatt“

ins Leben gerufen, die Verbindungen zwischen dem deutschen Hochschulwesen

und gesellschaftlichem Engagement untersucht. Im Gespräch geben von Vieregge

und die Teilnehmenden der „Werkstatt“ Konstanze Werner und Dieter Hoffmann

Einblicke in ihre Arbeit.

Zivilgesellschaft und Ehrenamt:

Zwei Seiten derselben Medaille?

Henning von Vieregge: Bürgerengagement

in seiner ganzen Vielfalt ist

der Nährboden der Zivilgesellschaft.

Es hält unser aller Leben zusammen

und verändert es zum Besseren.

Konstanze Werner: Schön wär’s,

wenn sich jeder in einem Ehrenamt

engagieren würde.

Die Aufgaben der Hochschulen

sind mit Forschung und Lehre

klar umrissen. Warum sollte sich

eine Universität um zivilgesellschaftliches

Engagement bemühen?

Henning von Vieregge: Zivilgesellschaft

ist realität, Vision, Haltung und

Prozess. Zu allem kann die Hochschule

beitragen. Sie hat nicht nur für Staat

und Wirtschaft, sondern auch für die

Zivilgesellschaft zu forschen, zu lehren

und ihre Mitglieder anzuregen.

Das geschieht noch unzureichend.

Dieter Hoffmann: Weil die Hochschule

nicht losgelöst von den drei

Feldern Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

existiert und für alle drei

Verantwortung übernehmen muss.

Hochschule ist nicht Selbstzweck.

Konstanze Werner: Weil die Hochschule

in und von der Zivilgesellschaft

lebt.

Foto: Thomas Hartmann

Die „Werkstatt Zivilgesellschaft

und Hochschule“ findet im Rahmen

von „Studieren 50 Plus“

statt. Warum haben Sie gerade

diese Zielgruppe ausgewählt?

von Vieregge: Die Generation der

68er/Babyboomer zählt zu den großen

Hoffnungsträgern der Zivilgesellschaft.

Sie hat freies Potenzial zu

mehr Engagement, sie hat Erfahrung,

Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit,

also alle Voraussetzungen einer

aktiven Bürgerschaft. Sie ist die richtige

Gruppe, um Impulse zu setzen.

Hoffmann: Die heutige Generation

50 Plus hat Engagement gelernt.

Viele ihrer Angehörigen haben bereits

das berufl iche Umfeld verlassen und

sind somit voll für die Zivilgesellschaft

verfügbar.

Welche Erkenntnisse konnten Sie

in der ersten Auflage der „Werkstatt“

gewinnen?

von Vieregge: Hochschulen, Akteure

der Zivilgesellschaft, etwa die Freiwilligenagenturen,

und Studierende

50 Plus haben Interesse an der Werk-

„Wissenschaft und

Forschung setzen

wichtige Impulse für die

Entwicklung unserer Wissensgesellschaft

und in

der wirtschaftspolitischen

Beratung. Die Mainzer

Volkswirtschaftslehre

blickt hier auf eine lange

und prominente Tradition

zurück. Es bleibt unsere

Verpfl ichtung und Herausforderung,

daran anzuknüpfen

und mitzuwirken,

Antworten auf Zukunftsfragen

zu geben.“

Dr. Beatrice Weder di Mauro,

Professorin an der JGU

und ehemalige

„Wirtschaftsweise“

Foto: Peter Pulkowski


23

statt. Das wird sich vertiefen.

Hochschulen, die jetzt noch nicht

dabei sind, werden hinzukommen.

Noch läuft die Bestandsaufnahme,

aber die entstehende

Vernetzung erweist sich schon

jetzt als hilfreich.

Werner: Zivilgesellschaft ist

mehr als freiwilliges Engagement.

Sie kann zwar den Rückzug des

Staates aus der Finanzierung von

Teilen des Sozialstaates nicht

ausgleichen, sie hat aber Stärken

auf anderen Gebieten: Zivilgesellschaftliches

Engagement kann

Kommunikationsschwächen der

repräsentativen Demokratie kompensieren.

Wie sieht die Zukunft der

„Werkstatt“ im Jahr 2012

aus?

von Vieregge: Sie wird fortgesetzt.

Vielleicht entwickelt sich

daraus ein runder Tisch von Lehrenden,

Lernenden und Akteuren

der Zivilgesellschaft im Rhein-

Main-Gebiet. Der Wettbewerb

um das stärkste Profil als Engagementschmiede,

bundesweit

längst eröffnet, startet nun auch

hier. Für die Uni Mainz werden

wir Impulse bei „Studieren 50

Plus“ setzen, die hoffentlich auf

Studierende und Lehrende der

ganzen Universität ausstrahlen.

Wir denken an einen Studiengang

„Engagement, Service Learning

und Begleitforschung“.

Kontakt

Petra Morse

Studieren 50 Plus

Tel: 06131 39-22133

E-Mail: morse@zww.uni-mainz.de

Im Netz

www.zww.uni-mainz.de/

50plus.php

Studieren 50 Plus

Die jgu bietet senioren und gasthörern ein umfassendes programm

Die Weiterbildung

für Menschen,

die sich im Anschluss

an ihr aktives

Berufsleben

beziehungsweise

die Familienarbeit mit wissenschaftlichen

Fragestellungen beschäftigen

und universitäre Angebote nutzen

möchten, gewinnt zunehmend an

Bedeutung. Mit dem Programm „Studieren

50 Plus“ und der Möglichkeit

eines Gasthörerstudiums wendet sich

die Johannes Gutenberg-Universität

Mainz (JGU) vornehmlich an Personen,

die sich im Übergang in die so genannte

dritte Lebensphase befinden.

„Studieren 50 Plus“ ist ein strukturiertes

Programm des Zentrums für wissenschaftliche

Weiterbildung (ZWW),

das in enger Zusammenarbeit mit

den beteiligten Fachbereichen und

verschiedenen anderen Einrichtungen

der JGU realisiert wird. Es besteht

aus speziellen Veranstaltungen, die

semesterweise neu zusammengestellt

werden. Die Auswahl orientiert sich

dabei an den von älteren Erwachsenen

besonders stark nachgefragten

Themen aus dem Bereich Kunst und

Kultur. Beispiele sind „Mozarts Zauberflöte

aus ägyptologischer Sicht“

oder „Mathematik der Antike: Von den

Babyloniern bis Hypatia“, „Verborgene

Welten im Untergrund – Der Wald

als Lebensraum“ oder „Wasservögel

im Winter“. Abgerundet wird das Programm

durch Angebote zu philosophischen,

soziologischen und psychologischen

Fragestellungen, durch ein

umfangreiches Sprachenfachangebot

(Hieroglyphen, Latein, Altgriechisch)

und IT-Kurse, zum Beispiel „Silver

Surfer – Sicher online im Alter“.

Fest etabliert hat sich das Semesterabschlussfest

für alle Seniorstudierenden,

Lehrenden und Interessierten,

das vom ZWW am Ende jedes Semesters

ausgerichtet wird. Das nächste

findet am Freitag, dem 20. Juli 2012,

von 15.00 bis 17.00 Uhr in der Alten

Mensa, Linke Aula, statt. Dort wird

auch das Programm für das Wintersemester

2012/13 vorgestellt.

Eine andere Variante für alle, die

Geschmack am Studieren gefunden

haben, bietet das Gasthörerstudium.

Hier kann sich jeder für die regulären

Seminare und Vorlesungen aus

allen Fachbereichen der Universität

anmelden, ohne dass eine formale

Qualifizierung angestrebt wird. Mit

Ausnahme des Fachbereichs Medizin

stehen Gasthörerinnen und Gasthörern

grundsätzlich alle Vorlesungen

offen. Für andere Veranstaltungsformen

ist die Zustimmung des Lehrenden

einzuholen. Die Zulassung erfolgt

jeweils für ein Semester.

Von Dr. Beate Hörr, Leiterin des

Zentrums für wissenschaftliche

Weiterbildung der Johannes

Gutenberg-Universität Mainz

Teilnahmevoraussetzungen für

„Studieren 50 Plus“ und das

Gasthörerstudium der JGU

Die Teilnahme steht allen

Interessierten offen, ein Hochschulzugangszeugnis

ist nicht

erforderlich. Die Anmeldung

muss schriftlich oder online

beim ZWW erfolgen. Die Veranstaltungen

sind bis auf wenige

Ausnahmen kostenpflichtig.

Nähere Informationen und

Anmeldeformulare zu beiden

Weiterbildungsmöglichkeiten

gibt es beim ZWW unter der

Tel: 06131 39-22133 oder im

Internet unter

www.zww.uni-mainz.de.

Persönliche Beratungen

werden nach telefonischer

Vereinbarung angeboten.

Immer mehr Menschen setzen sich nach dem Beruf in den Hörsaal.

Foto: Thomas Hartmann


Offen für

24

UNTErNEHMEN

technologietransfer:

erfolgreich kooperieren und vernetzen

Von der Forschung in die Anwendung,

von der Idee zum Unternehmen: Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler der

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

(JGU) kooperieren – regional, national

und weltweit – erfolgreich mit Unternehmen

und Institutionen aller Größen

und Branchen. Eine wichtige rolle spielen

dabei sowohl bilaterale Projekte von

einzelnen Instituten der JGU und Firmen

oder anderen Einrichtungen als auch

Verbundprojekte mit mehreren Partnern.

Aktive Unterstützung als Kontaktstelle

zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

leistet dabei die Stabsstelle Forschung

und Technologietransfer der JGU.

In den zehn Fachbereichen der Johannes

Gutenberg-Universität mit mehr

als 150 Instituten und Kliniken, in ihrer

Hochschule für Musik und in ihrer

Kunsthochschule forschen und lehren

rund 4.200 Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler, darunter über 500 Professorinnen

und Professoren. Die JGU

ist damit das Zentrum der wissenschaftlichen

Forschung in rheinland-Pfalz.

Nicht zuletzt ihren Kooperationen verdankt

sie ihre weltweite Anerkennung.

www.uni-mainz.de/forschung

Wissenschaftler der JGU kooperieren auf dem Gebiet der Sensor-Technologie erfolgreich mit der Sensitec GmbH.

Foto: Thomas Hartmann


25

Von der Idee zur Therapie

Die gemeinnützige GmbH TRON AUF DEM CAMPUS DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN MAINZ

bringt neue Medikamente schneller in die klinische Testphase

Die medizinische

Grundlagenforschung

bringt

Jahr für Jahr

eine Vielzahl

neuer Erkenntnisse

hervor, doch nur die wenigsten

Ideen werden bis zum zugelassenen

Medikament weiterentwickelt. Die im

Frühjahr 2010 gegründete gemeinnützige

GmbH „Translationale Onkologie“

(TRON) auf dem Campus der Universitätsmedizin

Mainz setzt genau dort

an. Die interdisziplinäre Forschungseinrichtung

greift Innovationen in den

Bereichen Immunologie und Onkologie

auf und entwickelt sie so weiter, dass

sie auch für Pharmaunternehmen interessant

werden. „Dieser Brückenschlag

aus der Grundlagenforschung in die

Produktentwicklung von Arzneimitteln

und Diagnosetechnik ist eine der

Hauptaufgaben von TRON“, sagt deren

Geschäftsführer und wissenschaftlicher

Direktor, Prof. Dr. Ugur Sahin.

„Es gibt viele Konzepte, die nicht

umgesetzt werden können, weil die

Entwicklung von Arzneimitteln sehr

komplex ist“, erklärt Sahin. Allein die

klinische Testphase dauere in der Regel

zwischen sieben und zehn Jahren. Bis

ein Medikament endlich zugelassen

werde, gebe ein Pharmaunternehmen

durchschnittlich eine Milliarde US-Dollar

aus. Entsprechend wenige Ansätze

Prof. Dr. Ugur Sahin

Foto: Tino Sieland

aus dem reichhaltigen Angebot der

Grundlagenforschung können diesen

aufwendigen Weg durchlaufen. Die

meisten Innovationen schaffen es nur

bis zur Anmeldung eines Patents – falls

überhaupt. „Dabei hat die Pharmabranche

ein Interesse daran, dass die

Forschung auch danach weitergeführt

wird“, sagt Sahin. Die marktwirtschaftlich

arbeitenden Unternehmen bräuchten

nur „valide Hinweise“, dass ein

Arzneimittel wirksam und verträglich

sein könnte, um ein weiteres Engagement

zu rechtfertigen.

„Genau an dieser Schnittstelle zwischen

der Wissenschaft und dem

Bereich, in dem die Pharmabranche

noch nicht tätig ist, haben wir uns

positioniert“, betont Sahin. TRON, mit

den institutionellen Gesellschaftern Johannes

Gutenberg-Universität Mainz,

Universitätsmedizin Mainz und Land

Rheinland-Pfalz, verfolgt den Ansatz,

für neue Medikamente den Weg zur

klinischen Testphase zu verkürzen oder

überhaupt erst möglich zu machen.

Sahin und seine Mitarbeiter ziehen ihre

Zuversicht aus der interdisziplinären

Aufstellung von TRON. Um ein Medikament

von der Grundlagenforschung bis

zu klinischen Tests zu bringen, brauche

man neben den Wissenschaftlern, welche

die fachliche Basis erarbeiteten,

unter anderem Experten für die vorklinische

Entwicklung, Bioinformatiker,

Biotechniker und Rechtsexperten.

TRON arbeitet mit solchen interdisziplinären

Teams. Eine weitere Stärke

sei die 30-jährige Tradition des Standortes

Mainz in der immunologischen

Forschung, wie Sahin betont. „Heute

bekommen Sie keine Zulassung, wenn

Sie nicht wissen, wie ihr Arzneimittel

funktioniert.“ Um die Funktionsweise

nachvollziehen und beschreiben zu

können, sind immunologische Kenntnisse

unerlässlich.

TRON will aber nicht nur eine Verbindung

aus der Grundlagenforschung zu

den großen Konzernen der Pharmaindustrie

schaffen. Die Einrichtung soll

durch ihre Vernetzung mit kleinen und

mittleren Biotech-Unternehmen zu einem

Innovationsmotor für die Region

werden und auch auf diese Weise zur

Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze

am Standort Mainz beitragen.

„Die biomedizinische

Grundlagenforschung in

Deutschland ist erstklassig.

Doch damit die Forschungsergebnisse

dem Patienten

zugutekommen, braucht es

translationale Medizin, also

speziell ausgebildete klinische

Forscher, die das Wissen

aus dem Labor in Therapien

umsetzen können.

Es sind diese klinischen

Forscher, die Deutschland wieder

zur Apotheke der Welt

machen könnten.“

Prof. Dr. Guido Adler,

Medizinischer Vorstand und

Vorstandsvorsitzender der

Universitätsmedizin Mainz

Foto: Markus Schmidt

Kontakt

Christine Castle

TRON

Tel: 06131 17-8166

E-Mail: christine.castle@

tron-mainz.de

Im Netz

tron-mainz.de

TRON bringt Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zur Anwendung.

Foto: Thomas Hartmann


Offen für

26

Unternehmen

„Die Praxis ist sehr inspirierend“

Kooperationen zwischen Hochschulen und privatwirtschaftlichen

Unternehmen wurden in der Bundesrepublik lange Zeit argwöhnisch

beäugt. Inzwischen werden solche Public-private-Partnerships

in hohem Maße gefördert. Wir sprachen mit Prof. Dr. Georg

Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,

über die Vorteile des Technologietransfers und über die Teilnahme

der Universität am Wissensscouting des Landes Rheinland-Pfalz.

Die Fragestellungen aus der Praxis

können sehr inspirierend sein. Interessant

sind solche Kooperationen auch

für Studierende und Doktoranden. Sie

erfahren auf diese Weise, wie Firmen

funktionieren. Dieses Wissen hilft ihnen,

sich später im industriellen Umfeld

zurechtzufinden.

Der Technologietransfer spielt in

der öffentlichen Diskussion eine

immer größere Rolle. Läuft die angewandte

Forschung der Grundlagenforschung

den Rang ab?

Nein, als forschende Universität sind

wir zunächst einmal der Grundlagenforschung

verpflichtet und das wird

auch so bleiben. Wir müssen unsere

Forschung nicht durch mögliche

Anwendungsrelevanz rechtfertigen.

Andererseits ist es aber unsere gesellschaftliche

Verantwortung, den Transfer

unserer Forschungsergebnisse in mögliche

Anwendungen zu betreiben, wo

immer sich das in der Sache anbietet.

Ab welchem Punkt sind Kooperationen

mit Unternehmen sinnvoll?

Grundlage einer Zusammenarbeit ist

in der Regel das gemeinsame Interesse

an einer Forschungsfrage. Dann

profitieren beide Partner von den Er-

fahrungen des anderen. Nehmen wir

als Beispiel die Entwicklung neuer

Materialien, die es ermöglichen, dass

Solarzellen effizienter werden. Das ist

zum einen von grundlegendem Interesse,

weil wir die Materialien besser

verstehen lernen. Gleichzeitig ist das

natürlich für Hersteller von Solarzellen

von Bedeutung. Hier kann der Technologietransfer

helfen, dass die neuen

Materialien möglichst schnell in neue

und bessere Produkte gelangen.

Inwieweit profitieren die Unternehmen

von der Zusammenarbeit

mit der Universität?

Neben dem oben beschriebenen

Zugang zu neuen Forschungsergebnissen

ist natürlich auch der unmittelbare

Kontakt zu unseren Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern

als Gesprächspartner von Bedeutung.

Und es gibt es ja auch das Instrument

der Auftragsforschung, von dem vor

Prof. Dr. Georg Krausch

allem kleinere und mittelständische

Unternehmen, die keine eigene Forschungsabteilung

haben, profitieren

können (siehe „Die Technologieplattformen

der JGU“). Die Anschaffung

von sehr kostspieligen Geräten ist für

solche Unternehmen betriebswirtschaftlich

oft keine sinnvolle Option.

In vielen Fällen ist Forschung aber nur

dann erfolgreich zu betreiben, wenn

man auch hinsichtlich der Instrumente

international konkurrenzfähig aufgestellt

ist. Und das ist die Johannes

Gutenberg-Universität.

Die Vorteile einer Kooperation

sind aber gegenseitig?

Das ist richtig. Es ist eine inhaltliche

Bereicherung, wenn man ein gemeinsames

Forschungsvorhaben verfolgt.

Gleichzeitig erhalten die Unternehmen

einen frühen Zugang

zum akademischen Nachwuchs.

Nicht nur die Studierenden lernen die

Unternehmen kennen, sondern auch

die Unternehmen lernen die Studierenden

kennen – ganz klar. Und das in

einer zwanglosen Atmosphäre, was für

die Unternehmen auch vorteilhaft ist.

Darüber hinaus können Sie auf

diesem Weg Drittmittel einwerben


Technologieplattformen der JGU

Um die Zusammenarbeit mit

industriellen Partnern zu

optimieren, richtet die Johannes

Gutenberg-Universität Mainz

(JGU) in ihren besonders starken

Forschungsbereichen so genannte

Technologieplattformen

ein. Als Best-Practice-Beispiel

hierfür dient die Plattform ihrer

materialwissenschaftlichen

Graduiertenschule der Exzellenz,

„MAINZ“. Sie verschafft

Forschern der JGU und der

Industrie einen Überblick über

die erstklassigen, hochspezialisierten

Gerätschaften der

Graduiertenschule, bietet sie

zur Nutzung an und ermittelt

den Ergänzungsbedarf. Durch

Auftragsforschungen werden

Mittel zur fortlaufenden Modernisierung

des Gerätebestandes

erwirtschaftet. So gewährleistet

die Plattform langfristig erstklassige

Forschungsbedingungen.

Außerdem ermöglicht sie

Nachwuchswissenschaftlerinnen

und -wissenschaftlern der JGU

ein sehr anwendungsorientiertes

Studium und frühe Kontakte

zu potenziellen Arbeitgebern.

Ein Chemiker der JGU vor einem Röntgengerät zur Qualitätssicherung von Magnetsensoren.

Fotos: Thomas Hartmann


27

… natürlich. Neben den Forschungsmitteln

der öffentlichen

Hand ist die Finanzierung der Forschung

durch private Partner ein

wichtiger Baustein.

Die Johannes Gutenberg-

Universität beteiligt sich am

Wissensscouting des Verbunds

der Wissens- und Technologietransferstellen

der Universitäten

in Rheinland-Pfalz. Was

erhoffen Sie sich davon?

Ein solches Wissensscouting, eigentlich

eine Art Katalogisierung

unserer Kompetenzen, ist ja im

Grunde ein Instrument, um die

Kontaktfindung zu erleichtern. Vor

allem für kleine und mittelständische

Unternehmen senkt es die

Hemmschwelle, sich mit einem

Problem oder Anliegen an eine

Hochschule zu wenden. Gerade

wer selbst nie ein Hochschulstudium

absolviert hat und daher nie

Kontakt zu einer Universität oder

einer Fachhochschule hatte, kommt

nicht so leicht auf die Idee, zu uns

zu kommen. Da es im Mittelstand

durch die exzellente kaufmännische

und handwerkliche Berufsausbildung

in Deutschland viele

Entscheidungsträger gibt, die sehr

erfolgreich sind, aber eben keine

Hochschullaufbahn hinter sich haben,

gibt es hier großen Bedarf.

Dabei spielt der Mittelstand wirtschaftlich

eine große Rolle. Man

denke nur an die Vielzahl relativ

kleiner Unternehmen, die in der

Region als Hidden Champions erfolgreich

sind.

Kontakt

Dr. Wolfgang Stille

Johannes Gutenberg-Universität

Mainz

Tel: 06131 39-26866

E-Mail: Stille@uni-mainz.de

Im Netz

www.uni-mainz.de/

forschung/163_DEU_HTML.php

den Atomen auf der Spur

die Johannes Gutenberg-Universität arbeitet an besseren werkstoffen

Für universitäre Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler

geht es bei Kooperationen

mit der

Privatwirtschaft in

erster Linie darum, Hypothesen und

Theorien in der Praxis überprüfen zu

können. Nicht selten schafft eine solche

Zusammenarbeit aber auch die

Grundlage für neue Transfermöglichkeiten

zwischen der Grundlagenforschung

und ihrer Anwendung. Ein gutes

Beispiel dafür ist eine Kooperation

zwischen der Arbeitsgruppe von Prof.

Dr. Claudia Felser am Institut für Anorganische

Chemie und Analytische

Chemie der Johannes Gutenberg-

„Wir sind für

Kooperationen

sehr offen.

Im Prinzip

reicht ein

Telefonanruf.“

Zwei Studierende der JGU an einer Beschichtungsanlage der Firma Sensitec. Foto: Thomas Hartmann

Universität Mainz und den Firmen

IBM und Schott. Ziel des vor kurzem

abgeschlossenen Projekts war es, den

Wirkungsgrad von Dünnschicht-Solarzellen

zu verbessern und den Anteil

von umweltschädlichen und seltenen

Elementen wie Cadmium und Indium

in ihnen zu verringern.

Die Arbeitsgruppe hat ein Rechenmodell

geschaffen, das es mithilfe so

genannter Monte-Carlo-Simulationen

ermöglicht, die Eigenschaften von

potenziellen Werkstoffen am Computer

darzustellen. „Die Stärke unseres

Modells ist, dass es versucht, auch die

thermischen Bewegungen von Atomen

zu simulieren“, sagt Dr. Frederick

Casper aus der Arbeitsgruppe. Ähnliche

Modelle könnten Materialeigenschaften

nur bei minus 273,15 Grad

Celsius, dem absoluten Nullpunkt,

berechnen. Um diese Arbeit zu unterstützen,

stiftete IBM ein hochmodernes

Computercluster im Wert von

450.000 Euro.

Casper hält es für möglich, dass das

Modell auch in anderen Kooperationen

mit Unternehmen zum Einsatz

kommt, auch außerhalb der Solarzellenforschung.

„Wir sind da sehr offen.

Im Prinzip reicht ein Telefonanruf“,

sagt er. Theoretisch könne mit dem

Modell jede denkbare Atomkonfiguration

auf ihre Eigenschaften hin

überprüft werden. Ihre „Wunschkonfiguration“

müssten potenzielle Auftraggeber

aber kennen. Denn der umgekehrte

Weg, von den Eigenschaften

hin zum Element, ließe sich derzeit

noch nicht gehen.

Kontakt

Dr. Frederick Casper

Johannes Gutenberg-

Universität Mainz

Tel: 06131 39-24403

E-Mail: casperf@uni-mainz.de

Im Netz

www.superconductivity.de


Offen für

28

Unternehmen

von der wissenschaft zur Wirtschaft

seit 20 jahren kümmert sich das IMM um die verwertung von forschungsergebnissen

Aus Ideen marktfähige

Innovationen

zu entwickeln,

das ist

unser Auftrag“,

sagt Prof Dr. Michael

Maskos, Geschäftsführer des Instituts

für Mikrotechnik Mainz (IMM).

Das landeseigene Forschungsinstitut

feierte im Mai des vergangenen Jahres

sein zwanzigjähriges Bestehen und ist

damit eines der ältesten und zugleich

auch eines der erfolgreichsten Beispiele

für institutionalisierten Technologietransfer

in Rheinland-Pfalz. Die Basis

für das IMM wurde in einer Zeit gelegt,

in der Universitäten angewandter

Forschung weitaus skeptischer gegenüberstanden

als heute und Fachhochschulen

noch keinen Forschungsauftrag

hatten.

Das IMM sollte diese Lücke schließen.

Durch seine Verbindungen zu Hochschulen

und anderen Forschungseinrichtungen

auf der einen Seite und

zu Unternehmen der freien Wirtschaft

auf der anderen Seite schuf das IMM

einen Transfer von der Grundlagenzur

angewandten Forschung und in

vielen Fällen bis zum fertigen Produkt.

Arbeitsschwerpunkte sind heute

wasserstoffbasierte Energiesysteme,

biomedizinische Diagnostik und chemische

Prozessentwicklung. Durch Forschungsleistungen

für mittelständische

und große Unternehmen sowie durch

Kooperationen mit Hochschulen, etwa

bei der Ausbildung von Doktoranden

und Diplomanden, trug und trägt das

IMM kontinuierlich zur Stärkung des

Eine Beschäftigte des IMM kontrolliert die Arbeit eines Lasers.

Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts

Rheinland-Pfalz bei. Durch eine

Reihe von Ausgründungen zwischen

1996 und 2004 wurden zusätzliche

Arbeitsplätze geschaffen.

Inzwischen engagieren sich die Hochschulen

selbst zunehmend im Technologietransfer.

Dennoch ist Maskos

überzeugt, dass das IMM seine Position

weiter ausbauen wird. „Wir

haben zwanzig Jahre Erfahrung, das

ist ein gewichtiges Pfund, das wir in

die Waagschale werfen können.“ Die

Foto: Thomas Hartmann

bereits bestehende gute Vernetzung

– besonders mit der Johannes Gutenberg-Universität

– werde sich noch

weiterentwickeln. Maskos, der erst im

Herbst 2011 die Geschäftsführung von

Prof. Dr. Gerhard Wegner übernommen

hat, treibt konsequent die Entwicklung

neuer Geschäftsfelder voran. So könne

die Mainzer Mikrotechnik in den

nächsten fünf Jahren eine Schlüsselposition

bei der qualitätsorientierten Herstellung

von Nanoteilchen einnehmen,

ist er überzeugt.

Kontakt

Dr. Stefan Kiesewalter

Institut für Mikrotechnik Mainz

Tel: 06131 990323

E-Mail: kiesewalter@imm-mainz.de

Im Netz

www.imm-mainz.de

auf den mittelstand zugehen

Das Transfercafé

bringt Forscher und

firmen zusammen

Kontakt

Dr. Sabine Hartel-Schenk

Fachhochschule Mainz

Tel: 06131 628-7325

E-Mail: sabine.hartel-schenk@

fh-mainz.de

Im Netz

www.transfercafe-mainz.de

Mit der Idee, den

Technologietransfer

in die

Stadt hineinzutragen,

sind

wir auf dem

richtigen Weg“, sagt Prof. Dr. Gerhard

Muth, Präsident der Fachhochschule

Mainz und Sprecher der „Mainzer

Wissenschaftsallianz“. Im vergangenen

Jahr, dem Jahr von Mainz als

„Stadt der Wissenschaft“, hatten

sieben Forschungseinrichtungen –

darunter auch die Johannes Gutenberg-Universität

– unter Regie der

Fachhochschule an zentraler Stelle

in der Innenstadt „ein Transfercafé“

eingerichtet.

Mit einer Informationssäule wurden

dort Best-Practice-Projekte aus dem

Technologietransfer vorgestellt. Ergänzend

gab es eine Reihe von Veranstaltungen,

die sich in erster Linie

an kleine und mittlere Unternehmen

(KMU) richteten.

„Große Konzerne, die ja selbst Forschung

betreiben, haben in der Regel

keine Berührungsängste mit Hochschulen.

KMUs dagegen fällt es oft

schwer, auf Wissenschaftler zuzugehen“,

sagt Muth. Hemmschwellen

wie die Angst vor hohen Kosten,

mangelnde Orientierung oder schlicht

Unkenntnis, was die Hochschulen zu

bieten hätten, müssten erst überwunden

werden. Hier setze das Transfercafé

an.

Wie es mit dem Transfercafé weitergeht,

wird eine Evaluation der Fachhochschule

zeigen. Dass es als institutionalisierte

Kontaktstelle erhalten

bleibt, steht außer Frage, aber die

Form könnte sich ändern. Muth hält

es für denkbar, dass man auf einen

festen Standort verzichtet und dafür

künftig bei Veranstaltungen wie dem

Unternehmertag den Kontakt zu Firmen

sucht.


29

ein grosser wurf für mainz

Die Boehringer Ingelheim Stiftung finanziert das Institut für Molekulare Biologie auf dem

Campus der Johannes Gutenberg-Universität mit hundert Millionen Euro

Das Institut für

Molekulare Biologie

ist ein exzellentes

Beispiel

für ein gelungenes

Public-private-Partnership-Projekt“,

sagt Dr. Ralf

Dahm, Direktor des wissenschaftlichen

Managements des Instituts. Die Grundfinanzierung

der Einrichtung auf dem

Campus der Johannes Gutenberg-Universität

(JGU), die im März 2011 eingeweiht

wurde und bald 180 Mitarbeiter

haben soll, kommt von der Boehringer

Ingelheim Stiftung. Sie stellt über einen

Zeitraum von zehn Jahren 100 Millionen

Euro zur Verfügung. „Es ist für

Deutschland immer noch eher ungewöhnlich,

dass ein privat finanziertes

Institut auf einem Universitätscampus

angesiedelt ist und sehr eng mit der

Hochschule zusammenarbeitet. Da hat

Mainz einen ganz großen Wurf getan“,

sagt Dahm. Bisher sei es nur wenigen

deutschen Universitäten gelungen,

private Gelder in diesem Umfang zu

akquirieren. Das Land Rheinland-Pfalz

und die JGU haben sich entsprechend

engagiert. Das Land hat rund 50 Millionen

Euro in den modernen Neubau

investiert, in dem das Institut für Molekulare

Biologie (IMB) untergebracht ist.

„Wir können

Vorgänge oder

Strukturen in Zellen

beobachten,

die zuvor kein

Mensch gesehen

hat.“

Die Universität unterstützt das jüngste

Mitglied der Forschungsgemeinde auf

dem Campus vor allem durch die Bereitstellung

von Infrastruktur.

„Im Gegenzug versuchen wir, der

Universität so viel wie möglich zurückzugeben“,

sagt Dahm. Zum Beispiel

nutzen die Physiker der JGU den

Hörsaal des Instituts. Das IMB verfügt

außerdem über eine Reihe spezieller

Technologieplattformen, wissenschaft-

liche Service-Einrichtungen, die den

Forschern neueste Geräte und Technologien

bereitstellen. Nach Angaben von

Dr. Bernhard Korn, dem Direktor dieser

Einrichtungen, können etwa mit der

Nano-Mikroskopie des IMB „Vorgänge

oder Strukturen in Zellen beobachtet

werden, die noch kein Mensch zuvor

gesehen hat“. Auf vergleichbarem Niveau

stehe diese Technik weltweit an

nur wenigen Standorten zur Verfügung.

Andere Technologieplattformen des

IMB sind auf die Zellanalyse, Genomik

oder Bioinformatik spezialisiert. „Das

ist natürlich auch für die Forscher an

der JGU sehr interessant. Wir arbeiten

schon jetzt mit etlichen Gruppen zusammen“,

sagt Korn.

Die konzertierte Förderung von öffentlicher

Hand und privaten Geldgebern

ermöglicht dem IMB, Forschung auf

höchstem Niveau zu betreiben. Folgende

drei Bereiche stehen dabei im

Fokus: Die Entwicklungsbiologie, in der

untersucht wird, wie Gene den Vorgang

steuern, durch den eine befruchtete

Eizelle zu einem erwachsenen Organismus

wird; die Epigenetik, die erforscht,

wie Gene selbst gesteuert, also in bestimmten

Zellen an- oder abgeschaltet

werden; und die DNA-Reparatur, die

Analyse der körpereigenen Mechanis-

men, die Schäden an der DNA beheben.

Die Forschung in diesen drei Schwerpunkten

liefert nicht nur spannende

Erkenntnisse, sondern ist auch für die

Medizin sehr interessant. So spielt sie

für das Verstehen und die Behandlung

vieler Krankheiten, zum Beispiel von

Krebs, eine entscheidende Rolle.

Acht Forschungsgruppen haben bisher

ihre Arbeit am IMB aufgenommen.

„Bei der Rekrutierung hat mich sehr

gefreut, dass wir gleich vier hochkarätige

ausländische Gruppenleiter

gewinnen konnten“, sagt Dahm. Mit

einem starken Interesse internationaler

Nachwuchswissenschaftler habe er

gerechnet. Dass es aber gelungen sei,

diese Internationalität auch auf der

Leitungsebene zu erreichen, könne als

früher Erfolg gewertet werden. „Denn

Internationalität zeugt in der Forschung

oft von Qualität.“ Die ist dem IMB auch

auf der studentischen Ebene sehr wichtig:

Durch ein neues Doktorandenprogramm

und eine „International Summer

School“, an denen sich Arbeitsgruppen

der JGU, der Universitätsmedizin Mainz

und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung

beteiligen, werden

herausragende Studenten nach Mainz

geholt, um dort eine Zeit lang zu forschen.

Kontakt

Dr. Ralf Dahm

Institut für Molekulare

Biologie

Tel: 06131 39-21503

E-Mail: press@imb-mainz.de

Im Netz

www.imb-mainz.de

Im Institut für Molekulare Biologie freuen sich Forscher über neueste Technologien und Geräte.

Fotos: Thomas Hartmann


Offen für

30

Unternehmen

Die Analyse von Edelsteinen ist eine Wissenschaft für sich.

Fotos: Thomas Hartmann

Lupenreine Ergebnisse

seit 50 jahren entwickelt Das Institut für Edelsteinforschung Idar-oberstein mit

heimischen unternehmen neue Methoden zur Verarbeitung und bewertung von mineralien

Schon im 14. Jahrhundert

machten

sich die Bauern in

der Region Idar-

Oberstein daran,

ihren dürftigen Lebensunterhalt

mit dem Schleifen von

Achaten aufzubessern. „Das Leben

war dort nicht einfach zu dieser Zeit“,

sagt Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister,

Dekan des Fachbereichs Chemie,

Pharmazie und Geowissenschaften

der Johannes Gutenberg-Universität

Mainz und Leiter des Instituts für

Edelsteinforschung Idar-Oberstein.

„Aber die Region war wasserreich

und mit großen Gefällen versehen. An

den zahlreichen Mühlen konnten die

Menschen die Achate, die sie auf ih-

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister

Institut für Edelsteinforschung

Idar-Oberstein

Tel: 06781 44767

E-Mail: hofmeister@uni-mainz.de

Im Netz

www.geowiss.uni-mainz.de/293_

DEU_HTML.php

ren Feldern fanden, bearbeiten.“ Bald

wurden an der Nahe auch andere Mineralien

und Edelsteine wie Turmaline

und Smaragde geschnitten, geschliffen

und gefärbt. „Bis 1990 galt Idar-

Oberstein als das Weltzentrum für die

Edelsteinveredlung“, sagt Hofmeister.

Um diese wirtschaftliche Säule der Region

nachhaltig zu sichern, entschied

sich die Stadt Idar-Oberstein Anfang

der 1960er-Jahre zu einem damals

einzigartigen Schritt: Man suchte

die Hilfe der Johannes Gutenberg-

Universität, um mit wissenschaftlicher

Unterstützung neue Methoden

zur Verarbeitung von Mineralien und

Edelsteinen zu entwickeln. Spross dieser

Zusammenarbeit ist das Institut

für Edelsteinforschung (IfE) mit Sitz

in Idar-Oberstein, das an die Mainzer

Geowissenschaften angegliedert ist.

Inzwischen hat Idar-Oberstein seine

Rolle in der Massenverarbeitung

teilweise an Niedriglohnländer wie

Indien und China abgeben müssen.

Das IfE kooperiert aber noch immer

mit einer Vielzahl kleiner und mittelständischer

Unternehmen in und um

Idar-Oberstein, die aufgrund ihres

Know-hows und ihrer hohen Spezialisierung

der Konkurrenz aus Asien

standhalten können – vielleicht auch

dank der Zusammenarbeit mit den

Mainzer Wissenschaftlern. Auch nach

mehr als fünfzig Jahren ist das IfE

weltweit noch immer ein Vorbild für

die fruchtbare Kooperation zwischen

Wissenschaft, Technik und Gewerbe.

Ein herausragendes Beispiel für diesen

traditionsreichen Wissenstransfer aus

der Universität in die mittelständische

Wirtschaft sind die Deutschen Diamant-

und Edelsteinlaboratorien Idar-

Oberstein (DEL), eine laut Hofmeister

weltweit einzigartige Einrichtung, die

sich auf die Identifizierung und Bewertung

von Edelsteinen spezialisiert

hat. „Die DEL erstellen mit von uns

Wie rein ist der Stein?

analysierten Steinen Gutachten, die

als Referenz für den Handel dienen“,

sagt Hofmeister.

Das Forschungsinstitut für mineralische

und metallische Werkstoffe –

Edelsteine/Edelmetalle (FEE), ebenfalls

Partner des IfE, ist auf die Produktion

von optischen Kristallen spezialisiert,

die unter anderem in der Industrie und

in der Medizintechnik Anwendung finden.

Das FEE kooperiert nicht nur in

der Forschung mit der Hochschule,

sondern ermöglicht es Studierenden,

in aktuellen Projekten Examensarbeiten

anzufertigen.

Für Hofmeister und seine Kollegen in

der Grundlagenforschung bietet die

Kooperation mit der Praxis vor allem

den Vorteil, Zugang zu einem sonst

verschlossenen Bereich der Feldforschung

zu erhalten. „Über die Wirtschaft

kommen wir an Stücke, die wir

aus Kostengründen sonst nie untersuchen

könnten“, sagt Hofmeister. Das

gelte besonders für alte Steine, die in

wertvollen Schmuckstücken verarbeitet

worden seien. „Wir haben Möglichkeiten,

die Objekte zu untersuchen,

ohne sie zu zerstören. Das nutzt uns –

und natürlich auch dem Kunden.“


31

Trends der Branche früh erkennen

Mit dem Zukunftsbeirat Medien stärken forschung und Praxis den standort Mainz

Welche Anforderungen

hat die

rheinland-pfälzische

Medienwirtschaft

an

die Ausbildung

zukünftiger Medienschaffender durch

die Hochschulen? Wie können kulturwissenschaftlich

und sozialwissenschaftlich

orientierte Medienfächer

Erkenntnisse und Impulse in die Sender

und Verlagshäuser bringen? Welche

Hilfestellungen können Unternehmen

der Wissenschaft geben, um sie

zu befähigen, medienrelevante Fragestellungen

schnell und wirtschaftlich

verwertbar zu beantworten? Mit

diesen und ähnlichen Fragestellungen

beschäftigt sich seit dem Jahr 2010

der „Zukunftsbeirat Medien“.

Gemäß dem Leitsatz „Wer Trends in

der Medienwirtschaft und in den Medienberufen

rechtzeitig erkennt, kann

sie auch mitgestalten“ soll der Stand-

ort Mainz zu einer führenden Adresse

in Bezug auf die technologische

Entwicklung und die Entwicklung von

Berufsbildern ausgebaut werden.

Der Zukunftsbeirat Medien knüpft

dabei an die Arbeit des Forschungsschwerpunkts

„Medienkonvergenz“

der Johannes Gutenberg-Universität

Mainz an. Während dieser das Ziel

verfolgt, rechtliche, wirtschaftliche

und kulturelle Folgen der Medienrevo-

Im Medienzentrum der Johannes Gutenberg-Universität.

lution wissenschaftlich aufzuarbeiten,

bringt der Zukunftsbeirat Forschung

und Praxis an einen Tisch. Die Mainzer

Staatskanzlei und das Ministerium für

Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung

und Kultur des Landes Rheinland-

Pfalz, die zusammen mit der IHK für

Rheinhessen die Initialzündung zur

Gründung des Zukunftsbeirats gegeben

haben, sind dort ebenso vertreten

wie die großen Mainzer Verlagshäu-

Foto: Thomas Hartmann

ser, die Sendeanstalten und die Fachhochschule.

„In Mainz gelingt es, das gemeinsame

Interesse an der Ausbildung und

Weiterbildung im Medienbereich

sinnvoll zu vernetzen“, sagt Prof. Dr.

Stephan Füssel, der als Sprecher des

Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz

die Johannes Gutenberg-

Universität Mainz im Zukunftsbeirat

vertritt.

Kontakt

Prof. Dr. Stephan Füssel

Johannes Gutenberg-Universität

Mainz

Tel: 06131 39-22580

E-Mail: fuessel@uni-mainz.de

Im Netz

www.medienkonvergenz.uni-mainz.de/

kooperationen/zukunftsbeiratmedien

medizinstudenten im Chemiewerk

die kooperation der

universitätsmedizin

mit der basf ermöglicht

angehenden

ärzten, erfahrungen

im gesundheitsschutz

zu sammeln.

Kontakt

Prof. Dr. Stephan Letzel

Institut für Arbeits-,

Sozial- und Umweltmedizin

Tel: 06131 17-9214

E-Mail: letzel@uni-mainz.de

Im Netz

www.unimedizin-mainz.de/asu

Vierzig Millionen

Deutsche sind beschäftigt

und gehen

einem Beruf nach“,

sagt Prof. Dr. Stephan

Letzel, Leiter

des Instituts für Arbeits-, Sozial- und

Umweltmedizin der Universitätsmedizin

Mainz. „In einem Gesundheitssystem,

das immer stärker auf Prävention

und Gesundheitsförderung setzt und

setzen muss, gewinnt der Arbeitsplatz

als Ort der Vorsorge folgerichtig immer

weiter an Bedeutung.“ Vor diesem Hintergrund

haben die Universitätsmedizin

Mainz und der Chemiekonzern BASF

eine, so Letzel, deutschlandweit einzigartige

Kooperation im Bereich der praktischen

Ausbildung von Medizinstudentinnen

und -studenten vereinbart.

Die ersten Studierenden haben 2011

einen Teil ihres praktischen Jahres in

der Abteilung Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz

der BASF absolviert.

„Die Rückmeldungen waren durchweg

sehr positiv“, sagt Letzel. „Die BASF in

Ludwigshafen ist praktisch eine kleine

Stadt und damit ein Ort, an dem die

Studierenden sowohl viel im betriebsärztlichen

Bereich als auch in der ärztlichen

Versorgung lernen können.“

Bisher ist die Zusammenarbeit zwischen

Mainz und Ludwigshafen ein Pilotprojekt.

„Es wäre natürlich wünschenswert,

wenn sich weitere Unternehmen

bereiterklären würden, Studenten in

ihren arbeitsmedizinischen Einrichtungen

aufzunehmen“, sagt Letzel. Vor

allem große Firmen hätten inzwischen

erkannt, dass sie angesichts des demografischen

Wandels nur mit einer

präventiv ausgerichteten medizinischen

Betreuung ihrer Mitarbeiter bestehen

könnten. Dabei gehe es nicht nur darum,

Fachpersonal an sich zu binden. Vor

allem der Erhalt der Leistungsfähigkeit

einer immer älter werdenden Belegschaft

sei zunehmend von Bedeutung.

Das Institut der Universitätsmedizin und

die BASF planen, ihre Zusammenarbeit

auszubauen und auch bei Forschungsprojekten

zu kooperieren. „Das ist eine

Win-win-Situation“, sagt Dr. Stefan

Lang, Leiter der Abteilung Arbeitsmedizin

und Gesundheitsschutz der BASF.

„Die Kooperation von Universität und

Industrie wird auch im Bereich der

Arbeitsmedizin künftig eine wichtige

Grundlage für die Erarbeitung wissenschaftlicher

Erkenntnisse sein.“

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