Download der Gesamtausgabe (5 mb) - LMU

uni.muenchen.de

Download der Gesamtausgabe (5 mb) - LMU

nr. 4 • 2013

LUDWIG-

MAXIMILIANS-

UNIVERSITÄT

MÜNCHEN

MünchnerUni Magazin

zeitschrift der ludwig-maximilians-universität münchen

projekte für Entwicklungsländer

Engagement ohne

Grenzen

Lmu macht

schule

Lehren

lernen


der lmu-shop

im »schweinchenbau«

leopoldstrasse 13

80802 münchen

www.lmu-shop.de

Öffnungszeiten im Semester:

Montag bis Freitag 10:00 – 16:00 Uhr

Öffnungszeiten in der vorlesungsfreien Zeit:

Dienstag und Donnerstag 10:00 – 16:00 Uhr


1 Eingang zum Gebäude Schellingstraße

5, das das Institut für

Assyriologie und Hethitologie beherbergt.

Das Institut feiert in diesem

Jahr sein 50-jähriges Jubiläum.

EDITORIAL

Die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, haben sich Studierende

und Forscher der LMU auf die Fahnen geschrieben: Sie engagieren

sich in Entwicklungsländern, indem sie Bedürftigen nicht

nur Zugang etwa zu günstigen Sehhilfen eröffnen, sondern auch

kostenlose ärztliche Unterstützung für Betroffene anbieten – einfach

nur, um zu helfen. Das selbstlose Engagement dieser Menschen ist

Thema dieser Ausgabe der MUM.

Um Ethik in den Wirtschaftswissenschaften geht es im Essay von

Dominik Enste, seines Zeichens Geschäftsführer der Institut der

deutschen Wirtschaft Köln Akademie GmbH. Er zeichnet auf, warum

Ethik vor allem in Zeiten großer Wirtschaftskrisen in der Hochschullehre

eine immer größere Rolle spielt und rein ökonomische

Steuerungs- und Erklärungsansätze nicht mehr hinreichend sind.

N R . 4 • 2013 Editorial

1

Nicht um Ethik, sondern Ästhetik geht es beim Art Dolls-Projekt, bei

dem Kunststudierende der LMU eine ganz besondere Figur gestaltet

haben – nicht nur steht sie für Buntheit und Vielfältigkeit – sie

leuchtet bei Schwarzlicht sogar.

Schildkröte, Fisch & Co. sind Patienten in der neuen Reptilien- und

Zierfischambulanz in Oberschleißheim. Hier finden sie Aufnahme,

um sich von ihren – zumeist haltungsbedingten – Erkrankungen zu

erholen: ganz gleich, ob Atemnot, Traumaerkrankungen, Abschürfungen

oder Pilzbefall.

Wie die Fische im Wasser fühlen sich die Unterwasserhockey-Spieler,

die wir in dieser Ausgabe vorstellen: Sie jagen sich auf dem

Grund von Schwimmbecken mit winzigen Schlägern gegenseitig

den Puck ab. Leider haben es Zuschauer bei dieser Sportart nicht

wirklich leicht. Deswegen werden für größere sogar Turniere Riesenaquarien

gebaut…

Viel Spaß beim Lesen,

Ihre MUM-Redaktion


N R . 4 • 2013 Zur Sache

2

Zur Sache

Nachwuchs ist Zukunft

1 LMU-Präsident Professor Bernd

Huber hält eine umfassende Nachwuchsförderung

für unabdingbar,

um herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern

den Weg zur Professur zu erleichtern.

Noch immer sind die Karriereperspektiven von

herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftlern in Deutschland nicht so, wie sie

angesichts der international hochkompetitiven

Forschungslandschaft sein sollten. Noch immer

gibt es hierzulande zu viele Hürden auf dem Weg

zur Professur, wodurch die deutschen Universitäten

zukünftige Top-Forscherinnen und -forscher

verlieren. Und gerade diese wollen und müssen

wir zukünftig für die Universitäten gewinnen, um

international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die LMU ist sich dieser Herausforderung bewusst

und legt aktuell ein ganz neuartiges Programm

auf, das es hervorragenden Nachwuchswissenschaftlerinnen

und -wissenschaftlern leichter machen

soll, auf eine Professur berufen zu werden:

Wenn die jungen Forscher einen Starting Grant

des Europäischen Forschungsrates (ERC) für

die LMU einwerben, bieten wir ihnen eine W2-

Tenure-Track-Professur an. Bei einem Erfolg im

ERC-Vergabeverfahren und nach Abstimmung mit

der jeweiligen Fakultät kann die Berufung an die

LMU schnell und ohne Ausschreibung erfolgen.

Die Professur ist zunächst auf sechs Jahre befristet

und kann – frühestens nach drei Jahren – bei

positiver Evaluation in eine unbefristete Stelle

übergehen.

die Preisträgerinnen und Preisträger doch strikt

nach dem Kriterium wissenschaftlicher Exzellenz

aus. Zudem haben sie sich in einem europaweiten

Wettbewerb durchgesetzt, der gezielt den wissenschaftlichen

Nachwuchs anspricht.

Und vor allem ist sichergestellt, dass nicht nur

bestimmte Fächergruppen, wie etwa Naturwissenschaften

oder Medizin, zum Zuge kommen.

Denn die ERC Starting Grants wie auch die ERC

Advanced Grants werden auch gerade an Geistesoder

Sozialwissenschaftler vergeben. Das zeigen

sowohl die Vergabestatistiken des ERC als auch

unsere eigene Förderbilanz.

Natürlich haben wir bereits eine ganze Sequenz

von Fördermaßnahmen sowie Beratungs- und

Serviceangebote für den Nachwuchs. Da ist zum

Beispiel das geplante Postdoc-Office, das Young

Center im CAS und gezielte Weiterbildungsangebote

im Center for Leadership and People Management.

Mit ihrem Nachwuchsförderungsfonds

stellt die LMU umfangreiche finanzielle Mittel für

den Nachwuchs bereit.

Das neue Modell, das auf die Einwerbung von ERC

Starting Grants orientiert ist, ist ein weiterer wichtiger

Baustein.

Langfristige Perspektiven

Mit einem derartig konkreten Angebot geht die

LMU in Sachen Nachwuchsförderung in Deutschland

neue Wege. Wir verfolgen damit gleich mehrere

Ziele. Zum einen geben wir Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern das klare Signal:

Wir wollen ihre Karrierechancen verbessern und

ihnen eine langfristige Perspektive geben. Zum

anderen möchten wir natürlich die Zahl der ERC

Starting Grants an der LMU erhöhen. Gerade die

Grants sind ein verlässlicher Indikator, dass es sich

wirklich um Spitzenleute handelt, wählt der ERC

Prof. Dr. Bernd Huber

Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität

München


6

MUM NR. 4 · 2013

■ news

4 meldungen

■ titel

6 Engagement ohne Grenzen

Projekte für Entwicklungsländer

■ essay

10 Die Wirtschaftskrise und ihre Bedeutung

für die Ethik in der Hochschullehre

Engagement ohne grenzen

Projekte für entwicklungsländer

12

■ profile

12 Die Atemnot der Agame

Neue Reptilien- und Zierfischambulanz

14 Lehren lernen

LMU macht Schule

16 GroSSes Kino

Ein Stück Hogwarts an der LMU

18 Farben machen Puppen

Aktion Royal Art Dolls

20 „Sehr verehrte AuSSerirdische!“

Beim Debattierclub München haben

Studierende SpaSS an der Rhetorik

N R . 4 • 2013 Inhalt

3

Neue Reptilien- und

Zierfischambulanz

Die Atemnot der Agame

18

22 Ein Hauch von Gediegenheit

Medizinische Lesehalle wieder eröffnet

24 Piranhas mit Badekappe

Serie: Sport ist ihr Hobby

■ Alumni

26 „Balance zwischen Weltparty und Heimat“

Interview mit Gabriele Weishäupl

■ menschen

Aktion Royal Art Dolls

Farben machen Puppen

22

28 neuberufen

30 preise & ehrungen

39 Verstorben

■ service

42 tipps & termine

Medizinische Lesehalle

wieder eröffnet

Ein Hauch von

Gediegenheit

■ impressum


News

N R . 4 • 2013 News

4

1 Die südafrikanischen Archäologen und ihre deutschen Kollegen beim

gemütlichen Beisammensein im Garten des Abgussmuseums.

Klassische Archäologen aus

Südafrika erforschen die LMU

Im Juni 2013 brach für Professor Rolf Schneider vom Institut für

Klassische Archäologie „ein neues Zeitalter“ an: Nach jahrelanger

Planung mit seiner südafrikanischen Kollegin Dr. Samantha Masters

besuchten zum ersten Mal zwölf 20- bis 27-jährige Classics-Studierende

der südafrikanischen Stellenbosch University die LMU. „Ich

hoffe, das ist der Beginn eines längerfristigen Austauschprogramms,

das neue Denkanstöße für unsere Fächer und im Dialog zwischen

unseren Universitäten auslösen wird“, sagt Schneider in seiner Eröffnungsrede

im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke am

Münchener Königsplatz. „Deutschland und Südafrika teilen neben

einer schwierigen Geschichte zugleich wichtige gemeinsame gesellschaftliche

Praktiken und Institutionen, gerade auch solche, die auf

jeweils eigenen Formen der Auseinandersetzung mit den antiken

Kulturen von Griechenland und Rom beruhen.“

Die für München typische Lebenskultur konnten die Studierenden

aus Südafrika danach im Austausch mit den Studierenden der Klassischen

Archäologie der LMU und Doktoranden der neuen Graduiertenschule

„Distant Worlds“ bei Brezn und Bier vor Ort erleben.

Ziel dieser außergewöhnlichen Exkursion war es, griechische und

römische Kunstwerke im Original zu studieren, unsere Kultur besser

verstehen und neue wissenschaftliche Kontakte zu deutschen Universitäten

knüpfen zu können, vorrangig zur LMU. Nach ihrem viertägigen

Besuch in der Isarmetropole besuchten die südafrikanischen

Studierenden Museen und Universitäten in Tübingen, Berlin

und Istanbul.

■ dl

Bartholomaios I. wird LMU-Ehrendoktor

Die Katholisch-Theologische Fakultät der LMU hat Bartholomaios

I. von Konstantinopel (Istanbul, Türkei) zum Ehrendoktor gewählt.

Der Patriarch ist Ehrenoberhaupt von weltweit etwa 250 Millionen

orthodoxen Christen und seit seiner Studienzeit in München mit

der Universität verbunden. So hat er sich beispielsweise als Förderer

der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie verdient

gemacht.

1 Patriarch Bartholomaios I. ist

Ehrendoktor der Katholisch-Theologischen

Fakultät der LMU.

Die Gründe für die erste Ehrung eines orthodoxen Theologen an der

Fakultät liegen laut Dekan Professor Knut Backhaus in drei Bereichen:

der Theologie, der Ökumene und der sozialen Kultur. Theologisch

hat der auch als „grüner Patriarch“ bekannte Bartholomaios

der Umwelt- und Sozialethik wichtige Impulse gegeben. Er hat sich

für den Dialog mit Judentum sowie Islam eingesetzt und vor allem in

der Begegnung mit der römisch-katholischen Kirche neue Maßstäbe

gesetzt. Der gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. erzielte Fortschritt

im Miteinander beider Weltkirchen fand bei der Amtseinführung von

Papst Franziskus historischen Ausdruck: Bartholomaios I. ist das

erste Oberhaupt der Orthodoxie, das persönlich an der Einführung

eines Papstes teilgenommen hat. Die Fakultät will mit ihrer Entscheidung

auch ein Zeichen der Solidarität mit religiösen Gemeinschaf-


News

ten setzen, die unter den nicht immer leichten Bedingungen einer

gesellschaftlichen Minderheit leben.

Die Fakultät nutzt mit einer solchen ökumenisch ausgerichteten

Ehrenpromotion die in Europa einmalige Situation an der LMU, an

der katholische, evangelische und orthodoxe Theologie benachbart

sind. Der Festakt zur Ehrenpromotion wird im Zusammenhang mit

dem Deutschland-Besuch des Patriarchen im Mai 2014 stattfinden.


■ dl

Universitätsbibliothek verleiht Tablets

Die Universitätsbibliothek hat im Rahmen eines Pilotprojektes eine

Kooperation mit Microsoft geschlossen und verleiht ab sofort zwölf

Windows-8-Tablets. Studierende können die Tablets bis zu sieben

Tage lang ausleihen.

„Mit dem Projekt möchten wir herausfinden, inwieweit sich die

Lernbedürfnisse und -erfordernisse von Studierenden verändert

haben und ob der Verleih von Tablets eine adäquate Antwort darauf

ist“, sagt der Leiter der Informationstechnologie der UB, Alexander

Weiß. „Aus diesem Grund führen wir auch eine Umfrage unter Studierenden

zur Nutzung von Tablets und zur Evaluierung des Projektes

durch.“

In einem zweiten Schritt richtet die Universitätsbibliothek zu Beginn

des kommenden Wintersemesters einen Loungebereich im PC-

Raum 1 der Zentralbibliothek ein, der speziell auf die Nutzung von

Tablets und mobilen Geräten ausgerichtet ist.

■ ski

N R . 4 • 2013 news

5

1. Ich spende einen einmaligen Betrag von € ...........................................

Schnelle und wirkungsvolle Förderung von Forschung und Lehre

an der Ludwig-Maximilians-Universität – das ist unser Engagement.

1922 gegründet, sind wir nicht nur eine der ältesten Fördergesellschaften

Deutschlands, sondern auch eine der größten.

Helfen Sie mit! Werden Sie Mitglied oder helfen Sie mit einer Spende.

Jeder Euro kommt voll und ganz der Forschung und Ausbildung an der

Universität zugute. Der Mitgliedsbeitrag ist steuerlich genauso absetzbar

wie jede Spende. Ein höherer Betrag als der Mindestbeitrag ist uns

natürlich sehr willkommen.

Als Mitglied erhalten Sie:

• einen Bildband über die Geschichte der

LMU München

• die Forschungszeitschrift Einsichten

• den Jahresbericht unserer Gesellschaft

• die Möglichkeit zur Teilnahme an Veranstaltungen

der Universitäts gesellschaft und der LMU

2. Ich möchte Mitglied werden mit einem Jahresbeitrag von € ..............

Mindestmitgliedsbeiträge:

• Einzelpersonen € 40,-

• Studenten € 20,-

• Juristische Personen, Firmen und Personenvereinigungen € 100,-

Name: .............................................................. Vorname: ............................................

Straße: ............................................................................................................................

PLZ/Ort: .........................................................................................................................

E-Mail: ............................................................................................................................

Geburtsdatum/Geburtsjahr: .........................................................................................

Datum: ....................................... Unterschrift: ............................................................

Ich interessiere mich für das Seniorenstudium an der LMU. Bitte senden Sie

mir künftig das Vorlesungsverzeichnis und die Einschreibeunterlagen zum

Seniorenstudium zu.

Münchener Universitätsgesellschaft e. V.

Königinstr. 107, 80802 München

Tel.: (089) 38 91-55 66 • Fax: (089) 38 91- 45 66

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Münchener Universitätsgesellschaft e. V.

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Projekte für Entwicklungsländer

Engagement ohne Grenzen

N R . 4 • 2013 thema

6

Ein Teilnehmer des Enactus-Workshops in

Ruanda fertigt eine EinDollarBrille.

Sie biegen Brillen in Ruanda, sammeln Spenden für Kinder

in Syrien und setzen sich für die Erforschung vernachlässigter

Tropenkrankheiten ein: Eine ganze Reihe von LMU-

Studierenden engagiert sich ehrenamtlich für Menschen in

Entwicklungsländern. Ärzte des Klinikums der Universität

operieren derweil unentgeltlich schwerkranke Patienten. In

MUM erzählen sie, was sie antreibt.

Eva Beuchert studiert Psychologie an der LMU – weiß jetzt aber

auch, wie man einfache Brillen erzeugt: Mit einer speziellen Maschine

biegt sie den Drahtrahmen so zurecht, dass die Kunststoffgläser

sich hineinknipsen lassen, und verziert sie zuletzt mit Glasperlen.

Fertig ist eine schlichte, aber effektive Sehhilfe, die Menschen in

Entwicklungsländern eine klarere Sicht ermöglicht – und manchmal

ein ganz neues Leben. Gelernt hat die Studentin das Herstellen

der sogenannten EinDollarBrille bei deren Erfinder, dem Erlanger

Martin Aufmuth – und konnte ihre Fertigkeit bereits vor Ort in Ruanda

weitergeben. „Die Reaktion, wenn jemand plötzlich wieder

klar sehen kann – das ist unvorstellbar“, erzählt die 20-Jährige. „Ein

Mädchen, ungefähr in meinem Alter, hörte gar nicht mehr auf zu

lachen, als sie die Brille aufhatte.“

Möglich wurde Eva Beucherts Einsatz durch die internationale Studierendenorganisation

„Enactus“. 1975 in den USA gegründet, hat

die Non-Profit-Organisation sich auf die Fahnen geschrieben, die

Welt „im Kleinen durch unternehmerische Projekte zu verbessern“.

Dem Münchener Team gehören rund 70 Studierende von LMU,

Technischer Universität und Hochschule München an.

„Viele Millionen Menschen weltweit können sich keine Brille leisten“,

erklärt die Psychologiestudentin, „und deshalb nicht arbeiten,

zur Schule gehen oder ihre Familie versorgen.“ In einem Workshop

in Ruanda gab sie zusammen mit anderen Studierenden das gewonnene

Wissen – dazu gehörten auch einfache Sehtests und unternehmerisches

Know-how – an Arbeitslose weiter. Diese können

künftig ihren Unterhalt bestreiten, weitere Mitarbeiter ausbilden

und, mit einem Satz sphärischer Gläser im Gepäck, in den Dörfern

die dringend benötigten Brillen anpassen.

Neben der EinDollarBrille – mittlerweile gab es auch Workshops

in Burkina Faso und in Bolivien – setzt Enactus München sich für

ein Imkereiprojekt

in Burkina

Faso und eine Trinkwasserinitiative

in Marokko ein. Aber auch im

eigenen Land wird Entwicklungshilfe geleistet: etwa

mit einer Software für existenzgefährdete Kleingastronomen

oder einem Projekt zur sozialen Inklusion behinderter Kommilitonen

an den Münchener Unis. Die Reisekosten für Aktionen im Ausland

deckt man durch Spenden – etwa durch Sponsoring großer Unternehmen,

aber auch von Privatleuten: An Eva Beucherts alter Schule

organisierte das Team Spendenläufe, bei denen Schülerinnen und

Schüler sich ihren Dauerlauf von selbst gewählten Sponsoren – etwa

Oma oder Opa – zugunsten von Enactus vergüten ließen. Zudem

spendete etwa die Fachschaft Psychologie der LMU.

„Ich denke, wir konnten wirklich Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, sagt

Eva Beuchert. „Und ich selbst habe auch unglaublich viel gelernt.“

Die Armut in Ruanda, gerade in den Dörfern, sei aber zugleich ein

Schock gewesen. „Realisiert habe ich das erst später, bei der Heimkehr

nach Deutschland: Als ich in München am Flughafen stand und

völlig irritiert war vom hiesigen Wohlstand – und von den vielen

Werbeplakaten.“

Benefizkonzerte und Spendenläufe

Eva Beuchert ist nur eine von vielen Studierenden an der LMU, die

sich für Menschen in sogenannten Entwicklungsländern – wie etwa

in Afrika, Südostasien oder Lateinamerika – engagieren. Die Liste

der Organisationen, über die sie sich einbringen können, ist lang.

Sie reicht von ASA, einem gemeinnützigen Praktikumsprogramm

für Studierende und Berufstätige, bis zu „Weltwärts“, dem entwicklungspolitischen

Freiwilligendienst der Bundesregierung.

Aber nicht immer muss es ins Ausland gehen: Von München aus

setzt sich die örtliche UNICEF-Hochschulgruppe für Kinder in den


ärmsten Regionen der Erde ein. „Wir sehen unsere Aufgabe darin,

Spenden zu sammeln und die Menschen hier auf die Zustände in der

Welt aufmerksam zu machen“, erklärt LMU-Medizinstudentin Nora

Koenemann, die die Gruppe leitet. Ihr 15-köpfiges Team organisiert

Vorträge, etwa zum Thema Kindersoldaten, baut bei Veranstaltungen

wie den „Afrikatagen“ Infostände in UNICEF-Blau auf und besucht

Grundschulen. „Wir erklären den Kindern, dass viele Gleichaltrige

nicht in einem Schulhaus unterrichtet werden, mit Tafel und

Schulranzen, sondern in Notzelten mitten in der Wüste.“ Schon junge

Menschen dafür zu sensibilisieren ist ihrer Meinung nach „ein

Schritt in die richtige Richtung“. Stets will die Hochschulgruppe des

Kinderhilfswerks dabei spielerisch informieren: Am Weltwassertag

etwa konnten Kinder bei einem Staffellauf versuchen, selbst einen

Wassereimer über dem Kopf zu balancieren. „Wir wollten zeigen“,

so Nora Koenemann, „wie schwer es in manchen Regionen der Welt

ist, an Wasser zu kommen.“ Das Team organisiert Benefizläufe an

Schulen sowie Konzerte in Münchener Klubs. Die Erlöse der jüngsten

Abende kamen UNICEF-Hilfsprojekten für Kinder in Syrien oder

AIDS-Waisen in Kambodscha zugute.

Nora Koenemann engagierte sich, inspiriert durch die kirchliche

Jugendarbeit, bereits als Schülerin bei verschiedenen Hilfsprojekten

– und setzte ihr Engagement im Studium fort. Grundsätzlich

glaubt die Studentin: „Es gibt viele junge Menschen, die einfach ein

Bedürfnis haben, zu helfen und etwas zu bewegen – statt nur zuzuschauen

oder sich zu beschweren.“ Ihre Teamkollegen sehen das

ähnlich. „Verlier Dich nicht im Trott des Lebens“ – diesen Satz hat

sich die Soziologiestudentin Daniela Gaipl über ihren Schreibtisch

gepinnt. „Und ich lese ihn jeden Tag, wenn ich für Soziologie,

BWL oder VWL lerne“, schreibt sie auf der Internetseite der

Hochschulgruppe. Bei UNICEF kümmert sie sich um die Benefizkonzerte.

„Ich kann vielleicht nicht allen Kindern auf der

Welt eine gleiche Chance für ein angenehmes Leben bieten.

Aber mit der Hochschulgruppe habe ich die Möglichkeit, wenigstens

einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.“

Waffelverkauf für die Spendenkasse

Auf andere, vielmehr politische Weise engagiert sich die

Münchener Gruppe der „Universities Allied for Essential

Medicines“ (UAEM) für Menschen in Entwicklungsländern.

Die Studierenden der Medizin, Pharmazie und

1 Für sehbehinderte Kinder in Entwicklungsländern bedeutet eine

Brille auch Zugang zu Bildung.

Jura haben sich wie fast jeden Donnerstagabend zwischen Vorlesungen

und Klausurvorbereitung in einem kleinen Raum der Medizinischen

Fakultät der LMU zusammengetan. Unten rauscht der Verkehr

auf der Lindwurmstraße, oben debattiert der Münchener Zweig der

weltweiten Initiative über „Equitable Licensing“, zu deutsch heißt

das etwa „sozial gerechte Medikamentenlizenzierung“. „Wir von

UAEM setzen uns dafür ein, dass Entwicklungsländer einen besseren

Zugang zu Medikamenten und medizinischen Forschungsergebnissen

erhalten“, erklärt der 19-jährige Medizinstudent Alexander

Nieto. „Und wir versuchen, an Equitable Licensing angelehnte Prinzipien

an den Unis einzuführen.“ Man spricht mit Uni-Repräsentanten,

bringt sich auf Veranstaltungen wie dem Pre World Health

Summit in Berlin ein und sucht den Dialog mit Kommilitonen – etwa

beim Verkauf von Waffeln und Glühwein, der auch der Spendenkasse

zugutekommt.

Fordern faireren Zugang zu Medikamenten:

Die Studierenden Claire

O‘Hara und Alexander Nieto beim

UAEM-Meeting in München.

N R . 4 • 2013 thema

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N R . 4 • 2013 thema

8

Das nächste Deutschlandtreffen von UAEM mit rund 50 Teilnehmern

findet Ende November in München statt. Auf dem Programm

stehen Workshops und Vorträge, etwa zu den sogenannten „vernachlässigten

Tropenkrankheiten“, für deren stärkere Erforschung

UAEM eintritt. „Zahlreiche Krankheiten, die hier wenig bekannt

sind, verursachen in Entwicklungsländern viel Leid“, erklärt Alexander

Nieto, „Flussblindheit etwa, Schneckenfieber oder körperliche

Behinderungen wie die Elefantiasis.“

Für den Studenten im zweiten Semester sind die Treffen eine wichtige

Ergänzung zum Studium: „In der Medizin steht ja der Mensch

als Individuum im Mittelpunkt. Für mich ist die Sicht auf globale,

soziale Aspekte aber genauso wichtig – schon jetzt im vorklinischen

Teil des Studiums.“ Gerade hat er in Biochemie die molekularen

Mechanismen des HIV kennengelernt. „Durch UAEM weiß ich auch,

wie unfair der Zugang zu den entsprechenden Medikamenten geregelt

ist.“

30 Stunden im OP

Aber nicht nur Studierende engagieren sich über Ländergrenzen

hinweg: Zahlreiche Ärzte des Universitätsklinikums etwa behandeln

ehrenamtlich Patienten in Entwicklungsländern. So treibt der

mittlerweile emeritierte LMU-Professor für Augenheilkunde, Volker

Klauss, seit Jahrzehnten Unterstützungsprogramme gegen Blindheit

in Ostafrika voran – und dürfte dabei viele Male erlebt haben, wie ein

Mensch plötzlich wieder klar sehen kann. Mit einem geschenkten

Mikroskop und der Unterstützung von Hilfsorganisationen reiste er

in den Siebzigerjahren während seiner Facharztausbildung nach

Nairobi – und half dort bei der Verbesserung der augenärztlichen

Ausbildung und Patientenversorgung. Aus Klauss’ Einsatz entstand

eine Kooperation zwischen der LMU und der Universität Nairobi,

die bis heute anhält. Auch nach seiner Emeritierung versucht der

Träger des Bundesverdienstkreuzes, noch jedes Jahr mindestens

einmal zu einem Einsatz nach Birma zu fliegen – und nach Kenia,

das ihm inzwischen eine zweite Heimat geworden ist.

Zum gemeinnützigen Verein „Zahnärzte helfen e.V.“ hat sich der

Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

der Universität München, Professor Michael Ehrenfeld,

mit Kollegen zusammengeschlossen.

Jedes Jahr operieren seine Mitarbeiter

und er unentgeltlich Menschen

aus Entwicklungsländern, die dafür

nach München eingeflogen werden;

Anreise und Klinikaufenthalt

werden meist durch Spenden

finanziert. Der Kontakt zu den

Patienten kommt durch Mediziner

aus Entwicklungsländern

zustande, die sich im Rahmen

von Fellowships am Universitätsklinikum

der LMU fortgebildet

haben, andererseits

durch Professor Cornelius,

einem Kollegen von Professor

Ehrenfeld, der jedes

Jahr seinen Urlaub nutzt,

um etwa in Äthiopien zu

operieren.

Neben dem humanitären Aspekt geht es den Mitgliedern von „Zahnärzte

helfen e.V.“ auch darum, das Können bayerischer Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen

und Zahnärzte international unter Beweis zu

stellen – und allgemein zu einem positiveren Image des Berufsstandes

beizutragen.

Der jüngste Fall, ein 19 Jahre alter Äthiopier, wurde von einer handballgroßen

Geschwulst zwischen den Augen beeinträchtigt. „Solche

extrem großen Tumore sind ein Spezifikum von Regionen mit

schlecht ausgebildetem Gesundheitssystem“, erklärt Professor Ehrenfeld.

„Kleinere Veränderungen werden nicht bemerkt – und sind

später im Land nicht mehr behandelbar. Meist mangelt es an OP-

Ausrüstung, Technologie und chirurgischer Erfahrung.“ Ehrenfeld

zeigt den Kopf des jungen Äthiopiers im Computertomogramm. „Der

Tumor musste regelrecht herausmontiert, der Schädel anschließend

mit einem Stück vom Wadenbein und Titan wieder aufgebaut werden.“

Insgesamt dauerte die Operation, die das Team von Ehrenfeld

zusammen mit Neurochirurgen des Klinikums bestritt, 26 Stunden;

mittlerweile ist der Patient auf dem Weg der Genesung. „Aber allein

eine solche Langzeitnarkose wäre in seinem Heimatland nicht

möglich gewesen.“

Bei seinem Engagement sieht Ehrenfeld aber auch einen Konflikt:

„Man kann einwenden: Für das Geld – Reisekosten, Klinikaufenthalt

etcetera – könnte man tausende Kinder impfen lassen oder hundert

Wasserstellen bauen. Das ist sicher richtig. Aber wir sehen eben

den Einzelfall, sind in der Lage zu helfen und wollen uns dem nicht

verschließen.“

■ ajb

Center for International Health

und LMU-Partnerschaften

Entwicklungszusammenarbeit in der Medizinerausbildung betreibt

– als Institution – das 2009 gegründete Center for International

Health der LMU (CIH) (MUM berichtete: www.lmu.de/

mum - Archiv - Heft 1/2010). Das CIH bündelt die Aktivitäten von

vier Fakultäten und zwölf Instituten der LMU, die mit mehr als 50

Universitäten, Ministerien und Organisationen in Entwicklungsländern

kooperieren. Gefördert wird das Center vom Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

sowie dem DAAD; Ziel ist das Erreichen der „Millennium Development

Goals“ der Vereinten Nationen. Die Arbeit des Zentrums

umfasst drei Schwerpunkte: ein Doktorandenprogramm für junge

Mediziner aus Entwicklungsländern an der LMU, Unterstützung

bei der Gestaltung der Medizinerausbildung vor Ort in den

Heimatländern sowie Fortbildungen in Form von Seminaren und

Summer Schools (www.international-health.uni-muenchen.de).

Aber nicht nur in der Medizin unterhält die LMU Partnerschaften

mit Universitäten in Entwicklungsländern: Der Bereich Gehörlosenpädagogik

etwa führt ein Projekt mit Äthiopien durch,

die Finanzmathematik eine Kooperation mit Kollegen in Benin

(www.lmu.de/international/exchanges).

Professor Volker Klauss bei der

Untersuchung von Patienten.

www.enactus.de

www.asa-prog ramm.de

www.weltwaerts.de

www.muenchen.unicef.de/hsg_muenchen.html

www.uaem-germany.de

www.zahnaerztehelfen.de


Interview mit LMU-Politikwissenschaftler Stefan Plenk

„Aus Tansania habe ich

auch viel mitgenommen“

Stefan Plenk, Jahrgang 1984, ist Lehrbeauftragter und

Tutor am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft

der LMU. Er ist Stipendiat der Graduiertenförderung

der Friedrich Ebert-Stiftung.

Stefan Plenk, Mitarbeiter am Geschwister-Scholl-Institut der

LMU, kennt Tansania in Theorie und Praxis. Er recherchierte

dort für seine Dissertation über die regionale Integration im subsaharischen

Afrika, beteiligte sich aber auch an Hilfsprojekten

der Friedrich-Ebert-Stiftung.

MUM: Herr Plenk, inwiefern sind Entwicklungsländer ein Thema

der Politikwissenschaft?

Stefan Plenk: Modernisierungstheoretiker fragen etwa: Wie kann

man sich Unterentwicklung in bestimmten Regionen der Erde erklären?

Gibt es Faktoren wie Klima, Demografie, etc.? Aus den Entwicklungsregionen

selbst, heute „Globaler Süden“ genannt, kommt

der Dependenzansatz: Er geht davon aus, dass Entwicklungszusammenarbeit

nur ein Label ist – für Neoimperialismus und den Versuch,

Abhängigkeiten aufrechtzuerhalten. Relativ neu ist die quantitative

Wirkungsforschung.

MUM: Was konnte Entwicklungszusammenarbeit – sei sie von

staatlicher oder nicht staatlicher Seite – denn bislang bewirken?

Stefan Plenk: Eine Zusammenarbeit, wie wir sie heute kennen,

existiert seit den Fünfzigerjahren. Während der Erfolg einzelner

Projekte – etwa der Bau einer Schule – leicht nachvollziehbar ist,

sind ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik nur schwer zu

messen. Betrachtet man die Wirtschaftszahlen in den letzten 40

Jahren, muss man aber feststellen, dass die soziale und wirtschaftliche

Kluft zwischen den OECD-Staaten und den sogenannten „Least

developed countries“ sogar noch breiter geworden ist. Im Prinzip

müsste sich eine funktionierende Entwicklungszusammenarbeit ja

selbst abschaffen.

MUM: Wie hat sich die Entwicklungszusammenarbeit verändert?

Stefan Plenk: Ein neuerer Ansatz ist das Ownership- oder Selfreliance-Prinzip:

Ein Land hat dabei mehr Entscheidungsgewalt darüber,

was es mit den zur Verfügung gestellten Ressourcen anfängt. So

erzeugt der Geber einerseits Eigenverantwortung und Selbstständigkeit

– andererseits hat er keinen Einfluss darauf, wie das Projekt

sich weiter entwickelt, und ist auch nicht vor Missbrauch gefeit. Die

Arbeit in diesem Spannungsfeld ist eine Herausforderung. Ein anderer

Trend, den wir beobachten, ist die Multiplikation der staatlichen,

zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessensgruppen in

der Entwicklungszusammenarbeit – allein innerhalb Deutschlands.

International spielt die

EU eine große Rolle. Und

ehemalige Entwicklungsländer wie China,

Indien, Brasilien, aber auch Südafrika, leisten

jetzt ihrerseits Entwicklungshilfe. Insgesamt mangelt es aber

an Koordination. Gefördert wird oft das, was in den Geberländern

politisch gerade en vogue ist.

MUM: Was halten die Tansanier selbst von Entwicklungszusammenarbeit?

Stefan Plenk: Das ist unterschiedlich: Der Vertreter einer Jugendorganisation

erzählte mir, dass die Organisation größerer Treffen

oder Bildungsprojekte ohne Hilfe von außen nicht möglich wäre.

Vertreter von Berufsverbänden dagegen sagten, sie würden Entwicklungszusammenarbeit

am liebsten abschaffen – und durch eine

fairere Weltwirtschaftsordnung ersetzen, ohne Subventionen der

reichen Länder in den eigenen Reihen.

MUM: Was haben Sie selbst aus Tansania mitgenommen?

Stefan Plenk: Sehr vieles, das vielleicht für unsere Gesellschaft hilfreich

wäre. Neben der überwältigenden Herzlichkeit hat mich die

große Solidarität unter den Menschen beeindruckt, die trotz der

Armut herrscht. Das ist etwas, das Studien zufolge bei uns mehr und

mehr abnimmt.

■ Interview: ajb

Mithelfen

Wer Informationen über Hilfsprojekte sucht oder sich selbst engagieren

möchte: Die Internetseite des Bundesministeriums für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bietet eine

Liste anerkannter Organisationen

(www.bmz.de – Service – Adressen und Links).

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N R . 4 • 2013 essay

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ESSay

Die Wirtschaftskrise

und ihre Bedeutung für die Ethik

in der Hochschullehre

1 Professor Dominik H. Enste ist

Geschäftsführer an der Institut der

deutschen Wirtschaft Köln Akademie

GmbH in Köln.

„Nichts übt den Geist mehr als das Bemühen,

Rätselhaftes zu ergründen: Man kommt dabei

auf Dinge, die man auf gebahntem Wege nach

dem klaren Ziele nicht gefunden haben würde.“

Johann Wolfgang von Goethe, 1820.

Die Entwicklungen in der Wirtschaft, Gesellschaft

und auch in den Wirtschaftswissenschaften liefern

viele Gründe, den Geist zu fordern und Rätselhaftes

zu ergründen. Warum haben Ökonomen die Krise

und die in der Folge stattfindenden Aufstände

gegen Ungerechtigkeit und Armut nicht kommen

sehen? Warum konnten in der Finanzbranche lange

Zeit extrem riskante – bisweilen illegale – Geschäfte

ungehindert getätigt werden? Welchen

Einfluss hatten und haben die einseitigen neoklassischen

Modelle und das Denken im Sinne von

Milton Friedman (1970) – „The Social Responsibility

of Business is to increase its profits“ – in den

Wirtschaftswissenschaften auf die reale Welt?

Neben dem Geist und dem Denken spielen bei der

Beantwortung dieser Fragen Intuitionen, Motivationen,

zwischenmenschliche Interaktionen und

insbesondere die (Wirtschafts-) Ethik eine zentrale

Rolle (vgl. Enste/Hüther, 2011). Statt eines verengten

Blickes einer Fachrichtung ist die interdisziplinäre

Wahrnehmung der komplexen Zusammenhänge

notwendig, die zum Beispiel seit über zehn

Jahren vom Roman Herzog Institut in München

gefördert wird.

1. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat auf drastische

Art und Weise gezeigt, dass rein ökonomische

Steuerungs- und Erklärungsansätze den

komplexen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen

nicht gerecht werden. Die Vernachlässigung von

Aspekten wie Sozialkapital und Vertrauen sowie

von moralischen Risiken hat in Kombination mit

falschen Anreizstrukturen und schwachen Institutionen

wesentlich zu den aktuellen Erschütterungen

der Weltwirtschaft beigetragen.

2. Gleichzeitig gibt es – nicht nur in Deutschland

– einen methodischen und ideologischen Streit um

die Neuausrichtung der Wirtschaftswissenschaften.

Sollten sich diese wieder mehr ihrer normativen

Wurzeln besinnen und stärker den Bezug zu den

anderen Sozialwissenschaften suchen oder weiter

den Naturwissenschaften nacheifern? Dieser

Streit ist noch nicht entschieden, aber die Krise

lehrt, dass die institutionenökonomischen Ansätze

in Verbindung mit der Verhaltensökonomik

menschliches Verhalten wohl besser erklären können

als mathematisch stringente, aber realitätsferne

Modelle.

3. Menschen verhalten sich systematisch anders,

als vom Standardmodell der neoklassischen Ökonomik

vorausgesagt wird. Diese Fälle sind nicht

nur seltene Ausnahmen. Begrenzte Rationalität,

Abweichungen vom Eigennutzaxiom und eingeschränkte

Nutzenmaximierung zeigen sich in vielfältigen

Schattierungen und Situationen und erhöhen

den Druck, das Standardmodell zu modifizieren.

Hinzu kommt, dass die Lehre vom „Homo

oeconomicus“ von vielen Menschen für die Finanzkrise

zumindest mitverantwortlich gemacht wird.

Die moralischen Risiken, welche von nahezu ausschließlich

auf extrinsische und vielfach kurzfristig

orientierte Belohnungssysteme (Bonuszahlungen)


ausgerichteten Unternehmensphilosophien ausgehen, wurden im

ökonomischen Denken unterschätzt. So wurden in der Vergangenheit

vor allem Anreize für kurzfristige Gewinnmaximierung gesetzt.

Rätselhaftes, Unerwünschtes, Unerklärliches oder kurz: Krisen

sind immer ein guter Anlass, gebahnte Wege zu verlassen und nach

neuen Wegen und Lösungsansätzen zu suchen. Ein Weg ist – Werturteilsstreit

hin oder her – zu akzeptieren, dass eine gesellschaftlich

relevante Ökonomik immer auch normativ ist; nicht nur, aber auch

durch die Verbindung mit der Wirtschafts- und Unternehmensethik.

Ziel ist nicht die Verteufelung oder Lobpreisung von Marktwirtschaft

und Wettbewerb, sondern die Gestaltung der Bedingungen für „Win-

Win“-Situationen zwischen Markt und Moral (vgl. Enste, 2006).

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte schon 2007 die Business

Schools weltweit auf, die „Principles of Responsible Management

Education“ (PRME) des Global Compact der Vereinten Nationen in

die Lehre zu integrieren. Viele Hochschulen in Deutschland haben

die Wirtschaftsethik in den letzten Jahren in der wirtschaftswissenschaftlichen

Ausbildung gestärkt. CSR (Corporate Social Responsibility)

hat als unternehmensethisches Kernthema an Bedeutung

gewonnen, wie zum Beispiel der aktuelle CSR-Atlas (Gerholz/Heinemann,

2012) zeigt. Demnach haben in Nordrhein-Westfalen bereits

zwei Drittel der befragten Wirtschaftsfakultäten dieses Thema in

ihre Fachmodule integriert. Zudem ist die Wirtschaftsethik (Business

Ethics) als eigenständiges Modul bereits in einigen Hochschulen

verankert (u.a. an der Fachhochschule Köln). Auch die LMU in

München hat richtigerweise seit Kurzem ein solches Pflichtseminar

in die Ausbildung der Volks- und Betriebswirte integriert. Ziel ist die

Erweiterung der ökonomischen Lehre um diese Schwerpunkte, nicht

die Ausbildung fachlich losgelöster „Ethiker“ (Pies et al., 2007).

Dieses Angebot trifft auch auf eine breite Nachfrage vonseiten

der Studierenden und Unternehmen: Das studentische Netzwerk

für Wirtschafts- und Unternehmensethik sneep hat 2009 in einer

Online-Befragung von 3.400 Studierenden in Deutschland ermittelt,

dass zwei Drittel der Befragten Wirtschaftsethik als verpflichtenden

Bestandteil der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung fordern.

Eine MBA-Studie der Bertelsmann Stiftung (2010) zeigt darüber hinaus,

dass sich auch Masterstudierende Angebote zu CSR (74 Prozent)

sowie zu ethischen und nachhaltigen Perspektiven des Wirtschaftens

(67 Prozent) wünschen. Gemäß einer umfassenden repräsentativen

Befragung von über 4.200 Unternehmen in Deutschland

fordern diese sogar zu 90 Prozent ein Pflichtfach „Wirtschafts- und

Unternehmensethik“ (vgl. Erster Engagementbericht, 2012).

Ist die Wirtschaftsethik nun ein Modethema, das in Anbetracht

aktueller Krisenphänomene kurzfristig Aufmerksamkeit genießt,

oder ist dies eine nachhaltige Entwicklung? Das Institut der deutschen

Wirtschaft Köln (IW Köln) befasst sich jedenfalls seit mehr als

25 Jahren mit Fragen der Wirtschafts- und Unternehmensethik und

sieht darin alles andere als ein Modethema. Die Vertrauens krise

war und ist ein wichtiger Auslöser, sich stärker mit den Dilemmata

zwischen Markt und Moral zu beschäftigen. Das haben auch die

Unternehmen erkannt – nicht zuletzt deshalb versuchen sie, ihre

Unternehmenskultur zu verändern und ihre Mitarbeiter für drohende

Reputationsverluste zu sensibilisieren. Nicht nur finanzielle

und unternehmerische Risiken müssen gemanagt werden, sondern

auch moralische Risiken! Als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage

an Expertise in diesen Fragen hat das IW Köln im Jahr 2012

die IW Akademie GmbH gegründet. Neben Executive-Education-

Seminaren zur mitverantwortlichen Unternehmensführung wird

ab dem Winter semester 2014/2015 auch ein berufsbegleitender

Master studiengang „Master of Behavioural Ethics, Economics and

Psychology (M.A.)“ angeboten. Für alle, die nicht nur auf gebahntem

Wege zum Ziel kommen möchten. Es ist sehr zu begrüßen, dass

auch die LMU mit einem Pflichtseminar zu Wirtschafts- und Unternehmensethik

die Studierenden zum interdisziplinären, normativen

Vor-, Quer- und Nachdenken anregt.

N R . 4 • 2013 essay

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www.romanherzoginstitut.de


N R . 4 • 2013 Profile

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Neue Reptilien- und Zierfischambulanz

Die Atemnot der Agame

Bereits seit Sommer 2012 ist sie in Betrieb. Am 12. Juli dieses Jahres wurde die

neue Reptilien-, Amphibien- und Zierfischambulanz feierlich übergeben. Sie ist an

die Vogelklinik der LMU angegliedert und ermöglicht die gleichzeitige stationäre

Behandlung von rund 100 Tieren.

Das Röntgenbild zeigt es deutlich: Die vielen Punkte im Darmtrakt der Schildkröte

sind kleine Steine. Hunderte von ihnen haben das Verdauungsorgan prall gefüllt, für

etwas anderes scheint kein Platz mehr. Gefressen hat sie das Reptil, um Kalzium aufzunehmen

oder Parasiten loszuwerden – jetzt müssen die Steinchen raus, sonst kann

es zu einem Darmverschluss kommen: Die Tierärzte der Klinik für Vögel, Reptilien,

Amphibien und Zierfische auf dem Campus Oberschleißheim werden dem Panzertier

gewiss helfen können, wie auch den vielen anderen Tieren, die stationär in der neuen

Reptilien- und Zierfischambulanz behandelt werden – ob der Schildkröte mit Herpes,

der Bartagame mit Atemnot oder dem Goldfisch mit Abschürfungen und Pilzbefall.

1 Patient Schildkröte unter dem Röntgengerät:

Die Steinchen müssen raus aus dem Darm.

Hochsicherheit für giftige Patienten

Wenn man von der St.-Hubertus-Straße auf die Veterinärstraße in Oberschleißheim

abbiegt, übersieht man die Ambulanz schnell: Das flache, in Braun und Ocker gehaltene

Gebäude mit der Frontmauer aus sogenannten Gabionen oder Drahtschotterkästen

fällt kaum auf. Es duckt sich hinter dem mehrstöckigen Bau der Vogelklinik und

passt sich so gleichsam organisch seiner sehr grünen Umgebung an. Seine Gestaltung

soll bewusst an die natürlichen Lebensräume der Tiere erinnern, die in seinem

Innern behandelt werden. Darin untergebracht sind auf 240 Quadratmetern Nutzfläche

modernste Gerätschaften und Einrichtungen für die Behandlung der wechselwarmen

Patienten: ein Ambulanz- und Operationsraum mit Tisch – nicht aus Metall,

sondern aus Kunststoff, um die Tiere nicht erstarren zu lassen – sowie zum Beispiel

ein Sonografiegerät. Es gibt eine Station mit Terrarien für Reptilien, eine mit Aquarien

für Fische. Alle Vivarien sind fein säuberlich mit Art des Tieres, dem ärztlichen Befund

und, sofern vorhanden, auch mit dem Namen beschriftet: So ist der Schwanz des

giftgrünen Ritteranolis „Sir Lancelot“ schon fast ausgeheilt.

Ebenso gibt es eine Station für Tiere, die zum Beispiel mit Salmonellen oder Tuberkulosebakterien

infiziert sind, also Erkrankungen haben, die potenziell auch dem

Menschen gefährlich werden können.

1 Modernste Behandlungstechnik in der Ambulanz.

Auf die Infektionsstation folgt ein Raum, der nur durch eine Art Schleuse betreten werden

kann. „Man muss erst die eine Tür zumachen, um die nächste öffnen zu können“,

erklärt Professor Rüdiger Korbel, Direktor der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien

und Zierfische. Und ein plötzlich ertönender Alarm erinnert daran, dass man eine


1 Der Ritteranolis „Sir Lancelot“ ist schon fast wieder gesund.

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Tür auch nicht zu lange auflassen darf: Alles erinnert hier an den

Hochsicherheitstrakt einer Strafanstalt. Aber es ist die Station für

Gefahrtiere, für Giftschlangen oder Krokodile. Auch Skorpione und

gefährliche Spinnen, die die Ärzte der Klinik ebenfalls behandeln,

finden hier Aufnahme. „Die Lüftungen oder Abflüsse sind in diesem

Raum speziell für diese Tiere ausgelegt“, erklärt Rüdiger Korbel.

Denn es sei durchaus möglich, dass eine Schlange Junge bekommt

– die seien „so klein und schmal und könnten bei geringeren Sicherheitsvorkehrungen

leicht entkommen“.

Humanmedizin vergleichbar. 6.000 Tiere sollen pro Jahr in der erweiterten

Klinik behandelt werden. Zudem erfüllt sie zukünftig die

Aufgabe eines Kompetenzzentrums für Exoten, das europaweit in

puncto Lehre, Dienstleistung und Forschung in dieser Dimension

einmalig ist.

■ cg

Wichtigster Erkrankungsgrund: falsche Haltung

Rund 100 tierische Patienten können in der Ambulanz stationär

betreut werden – von Geckos mit zehn Gramm Gewicht bis hin zu

Spornschildkröten, die leicht bis zu 60 Kilogramm auf die Waage

bringen, und vom kleinen Goldfisch bis zum Koikarpfen.

Eine große Herausforderung war demnach die Klimaregelung in

dem neuen Gebäude. Denn während es die Fische eher kühl mögen,

präferieren die Reptilien warme Temperaturen, um ihre Blessuren

und Krankheiten auszukurieren. „Zumeist sind diese auf eine falsche

Haltung zurückzuführen“, erläutert Professor Korbel. Ursachen seien

unter anderem eine falsche Ernährung oder zu wenig UV-Licht, das

eine herkömmliche Beleuchtung nicht abstrahlt. Die Folgen: Stoffwechselerkrankungen,

Vitamin D-Mangel, Knochendeformationen.

„Wir versuchen, die Halter zu sensibilisieren und im Sinne einer

art- und tierschutzgerechten Haltung Aufklärungsarbeit zu leisten“,

erklärt der Direktor der Klinik.

Auch Traumaerkrankungen, wie sie auftreten, wenn zum Beispiel

eine Schildkröte vom Balkon gefallen ist oder von einem Hund als

Kauknochen missbraucht wurde, werden in der Ambulanz behandelt.

Die technische Ausrüstung an der Klinik für Vögel, Reptilien und

Zierfische ist absolut State of the Art und mit den Standards in der

www.reptilienklinik.com

1 Klinikdirektor Professor Rüdiger Korbel mit einem

Blauzungenskink.


LMU macht Schule

Lehren lernen

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Die Lehramtsstudierenden der Biologie an der LMU gehen neue

Wege. Zum ersten Mal durften sie im Rahmen eines Schülerpraktikums

Klassen in ganz Bayern unterrichten und im Anschluss

mit ihnen das erlernte Wissen im Labor in die Praxis umsetzen.

Dr. Andreas Brachmann möchte damit den Erfahrungstransfer

ausbauen und ein interdisziplinäres Programm für eine bessere

Lehrerausbildung etablieren.

Nach der Sicherheitseinweisung legen die 18 Schülerinnen und

Schüler des Gymnasiums Geretsried los: Im Labor der Fakultät für

Biologie in Martinsried werden die Mikroliterpipetten inspiziert, die

Heizblöcke initialisiert und die Ergebnisse des Zentrifugierens

interpretiert. Ziel des Projekttags „Genetik macht Schule“ ist es,

unter Aufsicht der LMU-Lehramtsstudierenden einen genetischen

Fingerabdruck zu erstellen. Dazu gurgeln die Elftklässler mit einer

sterilen Kochsalzlösung und spucken sie anschließend mit den

gelösten Mundschleimhautzellen in ein Reagenzglas. Die darin enthaltene

DNA soll jetzt isoliert, in einem zweiten Schritt vervielfältigt

und zum Schluss mittels Gelelektrophorese ausgewertet werden.

Das Kniffelige daran: Die Pennäler müssen erst die Zellen aufbrechen,

um an die DNA zu kommen. Wie das funktioniert, müssen

sie selbst herausfinden.

Die Idee zu der neuartigen Lehrveranstaltung hatte Dr. Andreas

Brachmann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Germ schrieb

er die Lehranstalten an, um sie für dieses eintägige Praktikum zu

gewinnen – mit Erfolg. Nach den Pfingstferien durften die insgesamt

zwölf Lehramtsstudierenden sechs Klassen in ganz Bayern in einer

Doppelstunde mit Themen aus dem regulären Lehrplan auf den Projekttag

vorbereiten und im Juni mit ihnen zusammen das erlernte

Wissen im Biozentrum der LMU in der Praxis anwenden. Dabei kümmern

sich jeweils zwei Studierende um eine Jahrgangsstufe,

während zwei Hospitanten den Unterricht beobachten, um direkt im

Anschluss eine Rückmeldung geben zu können. „Wir geben im Vorfeld

höchstens Anregungen“, beteuert Brachmann, „die Umsetzung

ist allein den Studierenden überlassen.“ Aus diesem Grund laufe

jedes Praktikum anders ab.

Selbstständige Unterrichtsführung

Tobias ist froh, kurz vor seinem Staatsexamen diese Veranstaltung

mit Schülerkontakt gefunden zu haben. „Die sind leider immer sehr

rar gesät“, sagt der angehende Pädagoge, während er den 17-Jährigen

die Apparaturen erklärt. In Bad Reichenhall hätte ihm der Lehrer

bei der Konzeption völlig freie Hand gelassen und zum abschluss

sogar ein ausführliches Feedback zu Didaktik, Methodik, Auftreten,

Umgang sowie Zeitmanagement gegeben. Nur vereinzelt berichten

Teilnehmer von weniger motivierten Lehrkräften, die nach dem

Unterricht lediglich ein „Nicht so schlecht wie gedacht“ gebrummt

hätten. „Bei mir hat sich die Mitarbeit aber gelohnt“, bekräftigt

tobias. „Sie ist für jeden nachfolgenden Lehrämtler ein Gewinn.“

Die mitgereiste Lehrerin aus Geretsried ist von dem Konzept ebenfalls

überzeugt. „In der Schule wollen die Schüler nur bespaßt

werden und nichts selber machen“, erzählt Tanja Greiner. Jetzt würden

sogar welche mitarbeiten, die sonst nie an Biologie Interesse

gezeigt hätten. „Es ist wichtig, dass sie das Leben an der Universität

kennenlernen und mit Luxusgeräten experimentieren, die sich unser

Gymnasium nicht leisten kann.“ Das Problem laut Greiner: Viele


der angehenden Abiturienten haben bisher noch niemals praktisch

gearbeitet. „Was sie heute machen, behalten sie deshalb für immer“,

ist sich die Pädagogin sicher.

Brachmann freut sich über dieses Lob, denn die Durchführung

von an Schulen nicht realisierbaren Experimenten mit universitären

Forschungsgeräten war einer seiner Grundgedanken bei der

Konzeption. „Wir wollten Lehramtsstudierende auf die Vermittlung

komplexer Sachverhalte an Schulklassen vorbereiten“, erläutert der

Genetiker. Neben der Begeisterung für molekularbiologische Themen

ist ihm besonders der Erfahrungstransfer aus der Praxis in die

universitäre Ausbildung wichtig.

Projektfortsetzung gewünscht

Nach der Praktikumswoche werden alle Resultate ausgewertet. Der

fertige Bericht soll als Anregung für andere Kursleiter dienen und ab

November an weiteren Fakultäten vorgestellt werden. „Ich habe die

Hoffnung, dass Studierende ihn sehen und das Projekt gemeinsam

mit ihren Dozenten fortführen“, ergänzt Brachmann, der für dieses

Seminar extra andere Projekte verschoben hat. Sein Ziel ist nichts

weniger, als den Grundstein für ein langfristiges Praktikumsprogramm

zu legen. „Lehren lernen“, lautet sein Credo. Nur so könnten

aus guten Studierenden gute Lehrer werden, was wiederum zu

guten Studentinnen und Studenten führt. Die Schulen wissen sein

Engagement zu schätzen.

1 LMU-Lehramtsstudent Tobias erklärt den Elftklässlern den Gebrauch der

Mikroliterpipetten.

1 Nach einer kurzen Einweisung sollen die Schülerinnen und Schüler aus

Geretsried ihren genetischen Fingerabdruck ermitteln.

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In den zurückgeschickten Fragebögen werden vor allem das Ergebnis,

die Kommunikation und das selbstständige Arbeiten gelobt. Auf

der Negativseite steht lediglich „Praktikum zu kurz“. Dies würde

Brachmann gerne ändern, allerdings ist die Bürokratie an den Ausbildungsstätten

dafür zu groß. „Ich kann nicht einfach zum Direktor

gehen und sagen, ich habe da ein Angebot“, konkretisiert Greiner.

Allein für diesen einen Tag bedurfte es Genehmigungen, Vertretungspläne

und anderen Organisationsaufwand. Sie wünscht sich

daher einen Exkursionstag kurz vor den Sommerferien – ähnlich

dem Wandertag. „Ich habe zwar nicht die Illusion, damit alle Schüler

für Biologie zu begeistern“, erklärt die Lehrerin. „Sie nehmen aber

auf jeden Fall was mit – und wenn es nur ist, dass sie dieses Fach

lieber nicht studieren wollen.“

■ dl


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Ein Stück Hogwarts an der LMU

GroSSes Kino

Als Kind wuchs er zusammen mit Gorillas im Dschungel auf, in

seiner Jugend kämpfte er an der Seite von Harry Potter gegen

Lord Voldemort, später verlor er seine große Liebe Bella an einen

Vampir. So abenteuerlich liest sich die Geschichte von Max Felder.

Der LMU-Student ist Schauspieler sowie Synchronsprecher und

verleiht seine Stimme unter anderem an Rupert Grint alias ron

Weasley aus Harry Potter und an Taylor Lautner, der in Twilight

den Werwolf Jacob Black spielt.

Aufgrund seiner abenteuerlichen „Stimmbiografie“ passt es gut,

dass Max Felder auf seinem Motorrad zum Gespräch mit MUM

kommt. Trotz Helmfrisur lässt sich der 24-Jährige sofort fotografieren

– eitel ist er nicht. Und dabei hätte er Grund dazu, denn Max

Felder ist – wie die Stars, die er spricht – ein Frauenschwarm.

Der hochgewachsene Amerikanistikstudent besitzt die Ausstrahlung

eines aufstrebenden Schauspielers, der es noch weit bringen wird.

In Wirklichkeit ist Max Felder schon ein alter Hase im Geschäft:

Seit 15 Jahren schauspielert er und spricht Synchronrollen.

Take 1: „Mama, ich will Schauspieler werden“

Angefangen hat alles, lange bevor der Student den großen Stars seine

Stimme lieh. Und zwar an dem Tag, als der kleine Max mit acht

Jahren den Film „Kevin allein zu Haus“ gesehen hat: „Mir hat der

Film wahnsinnig gut gefallen, vor allem, was die Rolle Kevin in dem

Film machen konnte und durfte – das sah nach viel Spaß aus. Und

das wollte ich auch… Kleine Kinder haben viele Wünsche, was sie

werden wollen: Astronaut, Bauer, Feuerwehrmann. Ich wollte Schauspieler

werden.“ Sofort erzählte er seinen Eltern von dem Wunsch,

die zunächst nicht so recht daran glauben wollten. Zwei Wochen

später las seine Mutter in der Süddeutschen Zeitung einen Aufruf

zum Casting, von dem sie ihm spaßeshalber erzählte. Max‘ Mutter

rechnete nicht damit, wie ernst es ihrem Sohn war. Er „nervte“ sie

so lange, bis sie ihn anmeldete. So fuhr Max Felder zu seinem ersten

Casting, das aus mehreren Runden bestand. Einen Monat später

bekam er die Rolle des Anton in „Pünktchen und Anton“, einem sehr

erfolgreichen und bis heute beliebten deutschen Kinderfilm.

Die erste Synchronsprecherrolle bekam Max Felder kurze Zeit später

angeboten: „Disney fragte mich, ob ich dem jungen Tarzan seine

Stimme leihen möchte. Ich wusste damals nicht, was das genau ist

– aber ich hatte Lust darauf, also habe ich es gemacht.“ Die Direktbesetzung

in einem Disneyfilm war ein gelungener Einstieg als

Synchronsprecher für den damals Neunjährigen – der zu dem Zeitpunkt

noch nicht wusste, dass er später aus dem Spaß seinen Beruf

machen würde. Festbesetzungen für Synchronrollen sind nicht die

Regel, oft gibt es ein Casting. Für „Twilight“ wurde die Stimme von

Max Felder direkt besetzt, bei „Harry Potter“ war das anders: „Bei

Harry Potter habe ich die große Casting-Runde gemacht.“ Ursprünglich

wurde Felder für die Sprecherrolle von Neville Longbottom

gecastet, die ihm auch angeboten wurde. Eine Woche später war er

noch einmal zum Probesprechen eingeladen für eine andere Rolle

– Draco Malfoy. Und wieder eine Woche später wurde er zum Probesprechen

für die Rolle von Ron Weasley eingeladen. Dabei blieb

es dann. „Ich spreche gerne böse Charaktere, insofern wäre ich mit

Malfoy auch gut bedient gewesen, aber Ron war meine Traumrolle.

Es war die größte Rolle über den längsten Zeitraum.“ Elf Jahre hat

Max Felder Ron Weasley gesprochen – seine Stimme ist mit der

Rolle erwachsen geworden.

Take 2: Max Felder im Studio

Heute ist das Stimmenrepertoire des 24-Jährigen groß, und seine

Synchronrollen könnten unterschiedlicher nicht sein. Trainieren muss

er dafür nicht – Praxis ist seine Übung, denn er ist jede Woche im

Studio und arbeitet. „Ich kenne auch keinen Synchronsprecher, der

zuhause Stimmübungen macht. Ein Mensch, der zum Beispiel im

Büro arbeitet, sitzt ja auch nicht zu Hause und übt Excel-Tabellen.“

Dennoch gibt es sehr anspruchsvolle Rollen: Seine schwierigste

sprach Felder in dem Dokumentarspielfilm „Die Hausschlüssel“, in

dem er einen geistig behinderten Jungen spricht, dessen Stimme im

Laufe des Tages immer schwächer wird, bis er anfängt zu nuscheln.

Bei dieser Rolle wurde er von einem Sprachcoach begleitet.

„Was auch immer schwierig ist, sind Horror- oder Splatterfilme –

wenn man zum Beispiel auf langsame und bestialische Weise getö-


tet wird.“ Da werden die Aufnahmesequenzen –

Takes genannt – schon einmal öfter wiederholt. Die

Takes, in denen die Filme im Studio synchronisiert

werden, bestehen meist aus einem bis drei Sätzen.

Es kann aber auch sein, dass ein Take nur ein Lacher

oder ein Atmen ist. Zuerst sieht sich Max

Felder einen Take im Original an, anschließend

spricht er parallel zum Bild. Wichtig ist, dass er

sich stark an der Rolle orientiert. „Natürlich haben

Synchronregisseur und -Sprecher ihre künstlerische

Freiheit. Dennoch sollte die Synchronfassung

eines Films so nah wie möglich am Original sein

– das ist die Vorgabe.“

Synchronisation, findet Max Felder, verändere immer

etwas. „Es gibt amerikanische Schauspieler,

die meiner Meinung nach im Deutschen besser

klingen. Trotzdem ist es natürlich immer spannend,

Sachen im Original zu sehen und zu schauen

– was ist anders?“ Man kann sich vorstellen, dass

sich Max Felder aufgrund seiner Arbeit im Kino

anders verhält als andere. Er selbst nennt das liebevoll

„Synchronkrankheit“. Ein Symptom davon

ist, dass er die ersten zehn Minuten des Films auf

die Stimmen hört und herausfinden will, wo die

Synchronfassung produziert wurde und wer die

Sprecher sind. Ein weiteres Symptom: „Ich bleibe

den ganzen Abspann und sitze dann meist noch als

einer der letzten im Kino – zusammen mit denen,

die noch ihr Popcorn fertig essen.“ In Filme, in

denen er selbst zu hören ist, geht Max Felder vorbelastet.

„Ich bin sehr selbstkritisch. Mittlerweile

höre ich mich aber ganz gerne selbst, es ist eine

gute Selbstkontrolle.“

Take 3: Traumziel Amerika

1 Studiert aus Interesse, denn seinen Traumjob hat er schon gefunden:

Schauspieler und Synchronsprecher Max Felder.

Für Synchronsprecher gibt es in Deutschland nur zwei Orte zum Arbeiten: München

oder Berlin. Dem gebürtigen Münchener fiel die Wahl daher nicht schwer. Ebenso

leicht entschied er sich für Nordamerikanistik als Studienfach. „Ich war schon immer

ein Amerika-Fan – reiste mehrmals dorthin und habe dort auch schon gedreht. Ich

habe gemerkt, dass ich mehr darüber wissen will, insbesondere über die Geschichte.“

Das Studium ist für Max Felder ein Weg, um nicht stehen zu bleiben und sich fortzubilden.

Er studiert vor allem aus Interesse, denn seinen Traumjob hat er bereits gefunden.

Wie damals als Achtjähriger weiß der heute 24-Jährige genau, was er will: Er möchte

das tun, was er jetzt schon tut – schauspielen und synchronsprechen. „Mein Traum

ist es, irgendwann als Schauspieler in Europa und Amerika zu arbeiten.“ Um seinem

Vorhaben näher zu kommen, arbeitet der LMU-Student stetig an seinem Erfolg.

Gerade sind Semesterferien – nicht für Max Felder. Er steigt wieder auf sein Motorrad

und fährt weiter ins Studio. Auf ihn wartet die Arbeit, seine Stimme wird verlangt.


■ ski

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Max Felders Fanseite auf Facebook:

http://tinyurl.com/phzsznn


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Aktion Royal Art Dolls

Farben machen Puppen

An der Aktion „Royal Art Dolls“ der Leonardo Hotelgruppe beteiligte sich auch die

LMU oder besser, junge Künstler des Instituts für Kunstpädagogik. Der Auftrag:

eine Art Schaufensterfigur zu gestalten.

Eine Gummibärchenlampe, glücklicherweise bis zur Unkenntlichkeit mit LMU-Motiven

und Neonmustern besprüht, ein Strandball in ganz ähnlichem Zustand – diese

Studienobjekte sind die einzigen Zeugen dafür, dass sich die Gruppe junger Künstler

mit Farbsprühdosen auf dem Dach des Schweinchenbaus an einem dreidimensionalen

Objekt versucht.

1 Omas Spitzendeckchen als Sprühschablone.

Dieses ist vollkommen von den geschäftig sprühenden und klebenden Kunststudierenden

verstellt. Nur ab und zu scheint der Torso einer Figur hervor, wenn die filigranen

Schablonen mit der Rose, mit Sophie Scholl oder dem LMU-Logo wieder entfernt und

beiseitegelegt werden. Auf dem Boden um die Gruppe stehen Sprühdosen. „Bei unserer

Projektbesprechung haben die Studierenden sofort beschlossen: Wir brauchen

Neonfarben“, sagt Peter Becker, Dozent am Institut für Kunstpädagogik der LMU und

selbst Multimediakünstler. „Das repräsentiert uns.“

Becker wurde von Antje Lenkmann, Leiterin der LMU-Kongressberatung und ihrer

Kollegin Sabine Beutlhauser gefragt, ob er mit seinen Studierenden die Gestaltung der

Figur übernehmen könne. Die Kongressberatung kooperiert eng mit der Hotelgruppe

Leonardo, die das Projekt initiiert hat. „Wir waren sofort begeistert, denn diese Figur

zu gestalten, ist eine neue Möglichkeit, mit unterschiedlichen Kunstformen umzugehen.

Wir lieben es, neue Dinge zu inszenieren“, freut sich Becker. Und, betont er, sie

könnten damit in Bezug auf Kunstvermittlung und -gestaltung ganz modern forschen:

„Das ist angewandte Forschung im Designbereich.“

1 Die Gummibärchenlampe diente als dreidimensionales

Versuchsobjekt.

Gleich nach der Zusage hat er sein „Kompetenzteam“, wie er es nennt, zusammengestellt

– „alles Studierende aus dem Seminar ‚Gegenwartskunst‘, die schon viel

Erfahrung im Bereich Urban Art bzw. Kunst im öffentlichen Raum haben“. Mit einer

Spende der Firma Hagemann, die den LMU-Shop betreibt, konnten die Künstler das

erforderliche Material einkaufen und loslegen.


1 Das Künstlerteam der LMU mit Dozent Peter Becker (3. von rechts).

Omas Spitzendeckchen als Spritzschablone

Herausforderung war vor allem die kurze Zeit: Schon am 26. Juli

musste das Team um Peter Becker, das sich treffenderweise „Art

now“ nennt, die Puppe fertig gestaltet abgeben. Und es waren einige

Vorarbeiten zu leisten. Die Künstler mussten Schablonen aus Pappe

oder Papier aufmalen und ausschneiden sowie Omas Kommode

nach Spitzendeckchen oder Anti-Rutsch-Unterlegern für Tischdecken

durchsuchen: Alles kommt als Sprühvorlage zum Einsatz. Sogar

Apfelsinennetze, die sonst im Müll gelandet wären.

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Der Tisch auf dem Schweinchenbaudach ist übersät mit diesen Vorlagen,

sehr koordiniert nehmen die Studierenden einzelne Stücke,

halten sie mit Stiften oder Pinselenden in Position, während die anderen

Kommilitonen sprühen. „Wir machen keine Festlegung, was

geschehen soll. Das ist ein offener Prozess“, erläutert Peter Becker.

„Wir haben eine Taktik, die Figur soll bunt sein, aber auch schwarzweiße

Motive und das Logo der LMU aufgreifen.“

„Aber man muss höllisch aufpassen, dass man nicht alles totsprüht“,

sagt Student Jonas Sattler, als er wohldosiert Farbe auf die LMU-

Brunnenschablone gibt. „Als Künstler selbst sieht man das nicht,

aber dem Betrachter fällt das auf.“

Dem Betrachter fällt vor allem eine bunte, eine künstlerisch modern

anmutende Figur auf: Neongelb, -orange, und -grün wechseln sich

ab mit schwarzen Motiven, die als Akzent vor allem LMU-Themen

zeigen – etwa Sophie Scholl, den klassischen Brunnen oder das Siegel

der Universität.

Am 18. September wurden die Figuren bei einem Event im Leonardo

Hotel begutachtet: Die LMU-Figur gelangte dabei zwar nicht auf

das Siegertreppchen, obwohl sogar Schwarzlicht verfügbar war, das

die Neonfarben der Figur leuchten ließ. Aber Peter Becker hat eine

Erklärung: „Die anderen Teilnehmer hatten zum Teil professionelle

Designagenturen, die auch sehr spannende Ergebnisse gestalteten.“

Er sieht es ganz sportlich, denn der Lerneffekt für die LMU-Künstler

war großartig. „Wir haben großes Potenzial! Die jungen Leuten sind

die ästhetisch bildende Generation.“

■ cg


„Hochverehrte Damen

und Herren,

liebe Nichtmenschen“

„Soll der Laizismus

im Grundgesetz

verankert werden?“

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SpaSS an der Rhetorik Beim Debattierclub München

„Sehr verehrte AuSSerirdische!“

Es ist kein Parlament, in dem Toni, Xenia und ein knappes Dutzend

Kommilitonen heute debattieren. Keine Staatswappen hängen über

ihren Köpfen, und keiner der Studierenden trägt Anzug oder Kostüm.

Stattdessen trifft man sich in Jeans und T-Shirt in einem lichten

Raum nahe der Uni. Auch das Thema der Diskussion dürfte bislang

in keinem Parlament der Welt aufgetaucht sein: „Sollten die USA in

einem intergalaktischen Rat die Erde repräsentieren?“ Ein paar

herzliche Lacher, als der Titel verlesen wird, dann verkrümeln sich

die einzelnen Redeparteien in verschiedene Ecken des Flurs, um mit

gedämpfter Stimme ihre Argumentationsketten vorzubereiten.

Beim Debattierclub München üben Studierende ihre rhetorischen

und kommunikativen Fähigkeiten – und haben Spaß dabei. In formalisierten

Diskussionsrunden geht es mal um politische und gesellschaftliche

Fragen wie „Brauchen wir eine Einheitsschule?“ oder

„Soll die Bahn wieder verstaatlicht werden?“, mal aber auch um

schräge Themen wie „Ein Herz für den Kapitalismus“ oder „Soll

der Laizismus im Grundgesetz verankert werden?“. Die Teilnehmer

kommen aus allen Fächern von LMU, TU und der Hochschule

München. „Aber es sind schon besonders viele angehende Juristen

darunter“, erklärt Club-Präsident Florian Baudach, „und viele, die

in ihrem Fach sehr logisch, sehr formal denken müssen – wie etwa

in Mathematik oder Physik.“ Daneben debattieren auch Promovierende

mit und vereinzelt Leute, die bereits im Berufsleben stehen.

Manche Teilnehmer kommen, weil sie ohnehin Spaß am Diskutieren

und öffentlichen Reden haben, andere gerade, weil sie sich dabei

unsicher fühlen und es in diesem überschaubaren, freundlichen

Rahmen üben möchten.

Gepflegter Schlagabtausch

Nicht hitzige Streitgespräche sind das Ziel, sondern der „gepflegte

Schlagabtausch“, wie es auf der Internetseite des Vereins heißt. Statt

wild nach Stammtisch-Art debattiert man im Rahmen vorgegebener

Formate: dem „British Parliamentary Style“ etwa oder der „Offenen

Parlamentarischen Debatte“, bei der eine Debatte mit Beteiligung

des Volkes simuliert wird. Die Positionen – Regierung, Opposition

und „freie Redner” – werden zuvor zugelost. Nicht selten müssen die

Redner daher eine Meinung vertreten, die ihrer eigenen gar nicht

entspricht; aber gerade das scheint den Reiz auszumachen.

Das Thema „Intergalaktischer Rat“ wird im deutschen Format verhandelt.

„Meine Damen und Herrn“, beginnt Regierungsvertreterin

Xenia Zhykhar, die an der LMU Kommunikationswissenschaften

studiert, ihre Ansprache. Sieben Minuten hat sie Zeit; Diskussionsleiterin

Steffi behält die Stoppuhr im Blick und signalisiert zwischendurch

mit dezenten Hammerschlägen, wie lange Xenia noch


„Sollen Die Banken

wieder Verstaatlicht

werden?“

„Sollten die USA in einem

Intergalaktischen Rat die

Erde Repräsentieren?“

reden darf. An drei Punkten führt die 24-Jährige mit viel Verve – und

nicht wenig Ironie – aus, warum die USA die beste Option für den

Ratsvorsitz sind: Die USA hätten jahrhundertelange Erfahrung darin,

sich wortgewandt für ihre politischen Interessen einzusetzen.

Dazu käme – „ob wir es nun gut finden oder nicht“ –, dass die USA

„nunmal die Leitkultur dieser Erde“ seien. „Mit ihrer Sprache, mit

ihrer Musik, mit ihren Unternehmen. McDonald‘s und Burger King

gibt es überall auf der Welt!“ Zudem fühlten die Vereinigten Staaten

sich „in ihrer Rolle als Weltpolizisten immer noch wohl“ und nähmen

sich politischer Krisen auf der ganzen Welt gerne an. „Und mit

gleichem Engagement werden sie unsere Erde im intergalaktischen

Rat vertreten.“ Zudem sei es „total wichtig, dass die Erde gegenüber

den außerirdischen Völkern mit einer Stimme spricht – was etwa bei

einer Vertretung durch die EU nicht gewährleistet wäre“.

„Hochverehrte Damen und Herren, liebe Nichtmenschen“, beginnt

Jurastudent Fabian Huber, der erste Vertreter der Opposition, seine

sieben Minuten – und führt im Weiteren aus, warum die USA nach

seinem Dafürhalten „überhaupt nicht geeignet sind, die Erde in

einem intergalaktischen Rat zu vertreten“.

„Mit der Zeit wird man besser“

Die Vertreter von Regierung und Opposition wechseln sich ab, bevor

am Ende die freien Redner folgen. Einige Redner sprechen blumig,

andere witzig, andere mit der Attitüde erfahrener Politiker; ein paar

halten Zettel mit Stichpunkten in der Hand. Im Publikum wird mit

den Augen gerollt, auf Tische geklopft und „Hört, hört!“ gerufen.

Zwischenfragen, mit erhobener Hand angezeigt, gestatten die

jeweiligen Redner entweder – oder bescheiden sie mit „Nein danke“.

Am Ende des Abends werden die einzelnen Redner von der Jury

bewertet: „Schau besser nicht so viel auf den Zettel“, raten Steffi und

Florian, oder: „Du läufst dauernd vor und zurück – bleib zwischendurch

auch mal stehen.“ Bei einem Redner wird die schiere Fülle

der Argumentationspunkte kritisiert, die er „heruntergerattert“ hat.

„Bring lieber weniger Statements und geh dafür genauer auf sie ein.

Also: Statement – Begründung – und am besten noch ein Bespiel.“

„Man wird mit der Zeit besser“, erklärt der 24 Jahre alte Fabian

später. „Man lernt, spontan zu reden, sich intellektuell auseinanderzusetzen.“

Seit drei Jahren kommt er regelmäßig zu den Abenden

des Debattierclubs. „Es macht mir regelrecht Spaß, vor anderen zu

sprechen – das merke ich auch in Seminaren.“ Auch seine Gegenrednerin

Xenia hat bei Referaten an der Uni den Eindruck: „Man

ist viel sicherer, wenn man das Reden regelmäßig übt.“ Vor allem

aber, sagt die Studentin der Kommunikationswissenschaft, sei das

Debattieren für sie mittlerweile „wie ein Hobby“.

■ ajb

Der Club

Der Debattierclub München wurde 2001 nach dem Vorbild traditionsreicher

Debattierclubs an englischen Universitäten gegründet

und will unter anderem zur politischen Bildung beitragen.

Man sei politisch und weltanschaulich neutral, bekenne sich

allerdings zur parlamentarischen Demokratie. Die Clubabende

finden jeden Mittwoch um 19.15 Uhr statt – während des Semesters

in den Räumen der Katholischen Hochschulgemeinde

(Leopoldstraße 11, Raum 207), in der vorlesungsfreien Zeit im

Physikgebäude der LMU (Schellingstraße 4, Raum 206). Jeden

ersten Mittwoch im Monat wird auf Englisch debattiert (Beginn

englischsprachige Debatte: 18 Uhr, deutschsprachige um

20 Uhr). Es ist keine Anmeldung nötig. Der Debattierclub bietet

auch Seminare zu Themen wie „Körpersprache“, „Argumentationstypen“,

„Deduktive und induktive Logik“ oder „Aufbau und

Struktur der parlamentarischen Rede“.

www.debattierclubmuenchen.de

N R . 4 • 2013 Profile

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Medizinische Lesehalle wieder eröffnet

Ein Hauch von Gediegenheit

N R . 4 • 2013 Profile

22

Seit Anfang Juni ist die Medizinische Lesehalle wieder eröffnet. Sie erstrahlt nicht

nur in neuem Glanz; auch wichtige Modernisierungen in Sachen Brandschutz und

Barrierefreiheit wurden umgesetzt.

Mit dem Loungebereich assoziiert man gepflegte Gespräche bei

einem Gläschen guten Weines: Einen Hauch von Gediegenheit versprüht

sie, die frisch sanierte Medizinische Lesehalle, obschon hier

– wie der Name schon sagt – harte Arbeit zu Hause ist. Hier wird

für Examina gepaukt und eifrig exzerpiert, hier werden Arbeiten

geschrieben und hier wird geforscht – in stilvollem Ambiente.

Seit Juni dieses Jahres ist die Lesehalle am Beethovenplatz 1 nach

fast zwei Jahren Bauzeit wieder in Betrieb. Neben der Neugestaltung

des Innenraums wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten der

Brandschutz verbessert, energetische und haustechnische Modernisierungsmaßnahmen

umgesetzt sowie die Barrierefreiheit erhöht.

Dass das Gebäude vom Münchener Architekten Emanuel von Seidl

eigentlich als Kunstgalerie für den Opernsänger und Galeristen

Franz Joseph Brakl konzipiert worden war, sieht man noch gut:

schwarze Platten an Bändern deuten an, wo früher die Gemälde

hingen.

Sonntags geöffnet

165 Arbeitsplätze bietet die erneuerte Lesehalle; sie sind in Lautund

Leisebereich eingeteilt und den unterschiedlichen Arbeitsbedürfnissen

angepasst. Vom Schädelmodell bis hin zu den Standardlehrwerken

der Medizin ist alles vorhanden: Der Freihandbestand

umfasst rund 20.000 Medien, weitere 200.000 sind im Magazin

und können via OPAC bestellt werden. Natürlich gibt es auch in

der ganzen Bibliothek Wireless LAN und die Arbeitsplätze sind so

gestaltet, dass der flexible Einsatz von festen PCs sowie Notebooks

und mobilen Geräten möglich ist. Und für alle, die vor allem das

Wochenende zu intensiven Arbeiten nutzen möchten, gibt es sehr

gute Nachrichten: Die Bibliothek ist nun auch am Sonntag von 9 bis

18 Uhr geöffnet. ■ cg

1 Die neugestaltete Medizinische Lesehalle bietet ... 1 ... Arbeiten in modernem, offenem Ambiente.


1 Die große Lichtkuppel sorgt für eine natürliche Beleuchtung.

N R . 4 • 2013 Profile

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1 20.000 Medien befinden sich im Freihandbestand – weitere 200.000

können via OPAC bestellt werden.

1 Die Medizinische Lesehalle von außen.


Profile

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N R . 4 • 2013

Sport ist ihr Hobby

Piranhas mit Badekappe

Nach den Vorlesungen taucht LMU-Student Daniel Klose ab: Nicht, wie zu erwarten, in die Welt

der Physik, sondern ins Schwimmbecken. Der 24-Jährige ist Trainer, Nationalspieler und WM-

Schiedsrichter in der atem(be)raubenden Sportart Unterwasserhockey. Aktuell trainiert das

Münchener Team für die Europäische Clubmeisterschaft 2014.

In der Münchener Olympiaschwimmhalle herrscht Ruhe. Nur vereinzelt sind Taucherflossen

oder nach Luft japsende Sportler zu sehen. Erst wer den Kopf ins Schwimmbecken reckt,

bemerkt etwas vom Kampf unter Wasser. Unzählige Spieler jagen mit ihren Schlägern, einem

Piranhaschwarm gleich, dem rot ummantelten Bleipuck hinterher und versuchen ihn in die

Metallrinne der gegnerischen Mannschaft zu bugsieren. Lediglich nach einem Tor tauchen

alle Schwimmer mit ihren Schutzkappen auf und die jeweils sechsköpfigen Teams werden

kurz sichtbar. „Bereit, los“, brüllt Trainer Daniel Klose und das Spektakel beginnt von Neuem.

Der Name der überdimensionalen Aquariumaction: Unterwasserhockey.

„Mir glaubt nie jemand, dass es so etwas gibt“, beruhigt Daniel die verwunderten Badegäste.

In Deutschland werde Unterwasserhockey fast nur in München betrieben, weshalb der Verein

gleichzeitig die deutsche Nationalmannschaft der Männer und Frauen repräsentiere.

In Frankreich, Großbritannien, Kolumbien, Neuseeland oder Kanada ist das Spiel dagegen

bereits seit den Siebzigerjahren keine Überraschung mehr: „Dort ist der Sport viel stärker

vertreten und wurde sogar um Unterwasserrugby ergänzt“, weiß Daniel. Deswegen müssen

die selbst erklärten Wasserratten einmal im Monat ins Ausland fahren, um an Turnieren

teilnehmen zu können. Probleme mit dem Studium bekommt er trotz der weiten Autofahrten

nicht. „Das sind alles Freundschaftsspiele, die ich während der Klausurzeit ausfallen lassen

kann“, erläutert der LMU-Physikstudent im achten Semester.

Gespielt wird ohne Sauerstoffflaschen

Auf Unterwasserhockey aufmerksam geworden ist Daniel durch einen Kurs beim Zentralen

Hochschulsport, aus dem der Verein hervorgegangen ist. Er sei kein „Kachelzähler“, wie er die

Schwimmer spöttisch nennt, sondern ein Taucher! Die einzige Herausforderung zu Beginn: „Ich

habe Schuhgröße 50 und zuerst keine Flossen in meiner Größe gefunden“, lacht der gebürtige

Münchener. Die restliche Ausrüstung war hingegen schnell besorgt: Taucherbrille, Wasserballerkappe,

einen Handschuh für die Schlaghand und einen Schnorchel mit Mundschutz führen viele

Sportfachgeschäfte. „Viele glauben, wir spielen mit Sauerstoffflaschen, aber mit denen wären

wir im Wasser viel zu träge“, erklärt der 24-Jährige. Gleiches gelte für die sogenannten Sticks,

die wegen des Wasserwiderstands lediglich ein Achtel eines Eishockeyschlägers messen.

Aufgrund des kleinen Schlägers tauchen die Spieler meist flach über den 3,80 Meter tiefen

Beckenboden. Gefährlich ist die Sportart nicht, da es sich um ein „Nicht-Kontakt-Spiel“,

ähnlich dem Basketball, handelt. „Man bekommt aber schon mal Tritte ab, aber die

spürt man fast nicht“, versichert Daniel. Blaue Flecken seien bislang seine einzige

ernsthafte Verletzung gewesen.


Es wird immer in gemischten Teams trainiert.

Einen Torwart gibt es dabei nicht und die vier

Auswechselspieler am Beckenrand können durch

Abklatschen beliebig oft getauscht werden. Das ist

praktisch, weil der Sport richtig anstrengend ist:

„Wir haben keine Raumdeckung wie im Fußball,

sondern jagen alle dem Puck hinterher“, veranschaulicht

Daniel. Danach zwei, drei Atemzüge

und schon ginge es wieder unter Wasser. „Manchmal

reicht ein Angriff von zehn Sekunden, um keine

Kraft mehr zu haben.“ Wohlgemerkt: Ein Spiel

dauert 30 Minuten.

Profi in nur einem Semester

Daniel spielt bereits seit vier Jahren Unterwasserhockey.

„Anfänger sind bei uns aber immer willkommen“,

beteuert er. Denn schon nach einem

Semester seien sie fit genug, um mit den Vereinsprofis

mithalten zu können. Der Physiker muss es

wissen, schließlich ist er seit zwei Jahren Trainer

und seit 2012 Kursleiter. In den drei Übungseinheiten

pro Woche werden neben dem Ausdauerschwimmen

die Lunge trainiert, die Pass- sowie

Teamtechnik einstudiert und natürlich die neuen

Erkenntnisse in der Praxis ausprobiert. Da die

Herrenmannschaft mangels Spieler und Sponsoren

nicht an der diesjährigen Weltmeisterschaft

in Ungarn teilnehmen kann, hat Daniel kürzlich

sogar noch eine Ausbildung zum Schiedsrichter

gemacht. „Das verringert das Startgeld für unsere

Damen und ich kann trotzdem die Atmosphäre vor

Ort miterleben“, berichtet er erfreut. Die Männer

peilen dafür die Europäische Clubmeisterschaft

2014 an.

von Unterwasserhockey bisher sehr gering. Andere Länder sind in dieser Hinsicht

fortschrittlicher: Um mehr Zuschauer anzulocken wurde beispielsweise in Kolumbien

ein ebenerdiges Schwimmbecken aus Glas errichtet. Daniels Trost: „Bei uns geht es

noch allein um den Sport und nicht ums Geld.“ Neidisch ist er dennoch ein wenig – vor

allem auf unseren Landesnachbarn. „In Frankreich wurde eigens für Unterwasserhockey

eine Plattform versenkt“, sagt er wehmütig. „Jetzt können die Mannschaften

dort im Mittelmeer spielen.“

■ dl

1 5 Das Runde muss ins Eckige – nur unter Wasser.

N R . 4 • 2013 Profile

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Mit viel Publikum rechnet er jedoch bei keinem

der beiden Turniere. „Unsere Sportart ist leider

ziemlich zuschauerunfreundlich“, klagt er. Mit

etwas Ahnung könne man zwar den groben Spielverlauf

erkennen, ansonsten sehe man allerdings

– nichts. Aus diesem Grund ist die Medienpräsenz

www.muenchen.uwsport.de


N R . 4 • 2013 alumni

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Interview mit Gabriele Weishäupl

„Balance zwischen Weltparty

und Heimat“

Gabriele Weishäupl studierte, promovierte und lehrte an der

LMU. Obwohl sie als Tourismus-Chefin der Stadt München

27 Jahre lang das Oktoberfest leitete und dieses Jahr als Landtagskandidatin

der FDP um den Einzug in den bayerischen Landtag

kämpfte, war sie weiterhin als Dozentin tätig. In MUM erzählt

sie von ihrem einzigartigen Volksfestseminar, dem Leben als

„First Lady der Wiesn“ und ihrer 68er-Studienzeit mit späteren

RAF-Terroristen.

MUM: Frau Dr. Weishäupl, im Sommersemester haben Sie an der

Fakultät für Tourismus an der Münchener Fachhochschule das

Seminar „Volksfeste als Motoren des Tourismus“ gehalten. Was

waren die Ergebnisse?

Weishäupl: Wir haben ausgewählte deutsche Volksfeste untersucht.

Das Ergebnis war fast vorherzusehen: Das Oktoberfest hatte den

höchsten Indexwert und ist die Mutter aller Volksfeste. Jedes andere

Volksfest hat aber auf seine Weise auch Wertigkeiten.

MUM: „Think international, sell global, feel local“ lautet Ihr Credo.

Was konnten die Studierenden von der ehemaligen Direktorin

des Tourismusamts sonst noch während des Seminars lernen?

Weishäupl: Ich habe viel von mir erzählt. Viele haben sich für meinen

persönlichen Werdegang interessiert. Außerdem stand eine

Exkursion zum Frühlingsfest auf dem Lehrplan. Das kam natürlich

toll an: Die Studenten erschienen in Tracht, waren mit mir bei den

Schaustellern eingeladen und konnten mit den Funktionären sprechen.

MUM: ...und wie viele Massen haben Sie getrunken?

Weishäupl: Keine. Während der Wiesn gab es keinen Alkohol. Wenn

man einen Monat ohne freien Tag durcharbeitet, geht das nicht.

Ich habe immer alkoholfreies Bier oder Cola light aus dem Steinkrug

getrunken (lacht). Das war die Zeit des Jahres, in der ich am

diszipliniertesten war. Zum Erstaunen meiner Mitarbeiter habe ich

hinterher nie einen Anschlussurlaub gemacht. Auch wegen meines

Sohnes nicht, weil ja Schule und ich alleinerziehend war. Der Bub

studiert jetzt übrigens Volkswirtschaft an der LMU.

MUM: Sie haben die Wiesn erfolgreich zur Marke aufgebaut.

90 Prozent der Menschen weltweit kennen den Begriff Oktoberfest.

Vermissen sie jetzt manchmal die Wiesn von 1985?

Weishäupl: Schon damals kamen über sieben Millionen Besucher.

Das Fest war damit an den Grenzen seiner Erträglichkeit und Sicherheit.

In den Jahren darauf habe ich jegliche Werbung eingestellt und

die Stadtwerbung auf kulturelle Dinge umgestellt. Tatsächlich sind

dann die Besucherzahlen langsam zurückgegangen. Dann kam aber

das Internet und hat dem ganzen wieder einen Push gegeben – wir

müssen also mit sieben Millionen Besuchern leben. Man braucht

aber kein Geld mehr für zusätzliches Marketing. Wir sprechen in

diesem Fall von einem „Self Supplier“, einem Selbstläufer. Dafür

ist die „Oide Wiesn“ dazugekommen. In diesem kleinen Refugium

geht es zu wie vor 50 oder 100 Jahren. Es geht immer darum, die

Balance zwischen Weltparty und Heimat zu halten – und das kann

man als Festleitung.

MUM: Wie oft wurden Sie in 27 Dienstjahren nach Tischreservierungen

gefragt?

Weishäupl: Das werde ich immer noch (lacht). Ich habe es mir aber

gleich verbeten. Ich habe nicht die Neigung, eine oberste Reservierungsstelle

zu sein, sonst wäre ich arm dran gewesen. Die Herren

über die Reservierungen sind die Wiesn-Wirte und Wiesn-Wirtinnen.

Wir hatten nur in der Ratsbox im Schottenhamel-Zelt ein paar

Tische für Gäste der Stadt.

MUM: In den 80er-Jahren haben Sie nach Ihrer Promotion bereits

einmal an der LMU gelehrt. Wie unterscheidet sich die damalige

Studentengeneration von der heutigen?

Weishäupl: Früher waren es weniger Studenten. Wenn man die heutige

Generation nach Träumen und Visionen fragt, ist das sehr viel

pragmatischer als damals. Die 68er-Generation war sowieso was

ganz anderes: Da waren zum Teil viele revolutionäre Spinner dabei.

Damals haben auch nur zehn Prozent der Jugendlichen studiert,

heute sind es 40 oder 50 Prozent. Weil die Gruppe kleiner war, war

es auch eine andere Gruppendynamik. Heute sind alle scharf darauf,

ein Praktikum zu bekommen.


MUM: Aber die Studenten von

heute sind

nicht der Grund, warum Sie sich seit

diesem Jahr

auf die Politik konzentrieren?

Weishäupl: Nein, die Studenten nicht (lacht). Vielleicht folge ich

meinem Ruf auch weiter. Mein politisches Engagement hat sich

ergeben, als ich schon die Zusage für den Lehrauftrag hatte.

MUM: Könnte es sein, dass wir Sie eines Tages wieder als Dozentin

an der LMU begrüßen dürfen?

Weishäupl: Das weiß ich nicht. Das kommt ja auf die Fachrichtung

an, wo man gebraucht wird. In den letzten 30 Jahren laufe ich eher

als Touristikerin rum, nicht mehr als Kommunikationswissenschaftlerin.


■ Interview: dl

N R . 4 • 2013 alumni

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MUM: Inwieweit hat Sie Ihre Studienzeit in den 68er-Jahren

politisch geprägt?

Weishäupl: Ich kam aus der Provinz, der Klosterschule in Passau.

Als ich nach München kam, war ich erst mal geschockt, dass es

nicht wie heute ein verschulter Betrieb war. Damals gab es große

Freiheiten: Du konntest ein Fach belegen oder auch nicht. Man

musste einfach nur seinen Seminarschein machen. Es gab keine

Prüfungen am Ende jedes Semesters. Es war damals einfacher für

uns und die freieste Zeit meines Lebens. Dazu kamen die ganzen gesellschaftlichen

Umbrüche. Zu einem bestimmten Zeitpunkt konnte

man an der Uni nicht mehr studieren, weil nur noch diskutiert wurde.

Veranstaltungen wurden gesprengt und es kam zu Übergriffen auf

Professoren. Rädelsführerin war Brigitte Mohnhaupt (ehemaliges

Mitglied der Rote Armee Fraktion, Anm. d. Red.), die damals noch

Studentin war. Ich konnte mit diesen radikalen Sachen nichts anfangen,

das war mir zu dogmatisch. Ich habe versucht, mich geistig

zu orientieren, und so kam ich zum Liberalismus in England, der

Freiheit des Gedankens. Dort fühlte ich mich aufgehoben.

MUM: Politikerin, Dozentin, Direktorin, Mutter, Olympiahostess,

Lokalreporterin, Stabsleiterin bei der Messegesellschaft – chillen

liegt Ihnen wohl nicht?

Weishäupl: Klar lebe ich gechillt – Gott sei Dank (lacht). Ich bin noch

zu Unizeiten auf den Posten der Tourismus-Chefin von München

aufmerksam geworden, weil dort der damalige Tourismus-Chef

einen Vortrag hielt. Im Schoße der LMU kam ich also darauf: Das

wäre ein Job für mich. Wenn ich am Hauptgebäude vorbeifahre,

muss ich jedes Mal daran denken. Meine Nabelschnur zur LMU ist

auch nie abgerissen: Ich habe regelmäßig Professoren der LMU

eingeladen, um sie zu Botschaftern der Stadt zu machen, damit sie

Kongresse nach München holen.

1 Gabriele Weishäupl wurde 1947 in Passau geboren. Von 1966 bis 1970

studierte sie Kommunikationswissenschaften, Bayerische Geschichte und

Politische Wissenschaft an der LMU. Nach ihrer Promotion 1980 hatte sie

vier Jahre lang einen Lehrauftrag im Fach Kommunikationswissenschaft inne.

Ab 1985 war sie 27 Jahre lang die Direktorin des Tourismusamtes der Stadt

München.


Neuberufen

N R . 4 • 2013 Menschen

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1 Prof. Dr. Klaus H. Goetz

1 Prof. Dr. Martin Heinz Dreyling

■ Prof. Dr. Klaus H. Goetz

Sozialwissenschaftliche Fakultät

Klaus H. Goetz ist seit 1. April 2013 Inhaber des

Lehrstuhls „Politische Systeme und Europäische

Integration“ am Geschwister-Scholl-Institut für

Politikwissenschaft (GSI) der LMU. Der Nachfolger

von Professor Werner Weidenfeld war vorher

Dekan an der Universität Potsdam und beschäftigt

sich in München in der Lehre mit den Schwerpunkten

„Das politische System der BRD im europäischen

Kontext“ sowie „Europäisierung und

Transformation nationaler politischer Systeme“.

Geboren wurde Goetz 1961 in Reutlingen. 1982

studierte er Politikwissenschaft sowie Italianistik

an der Universität Tübingen und zwei Jahre später

an der University of Massachusetts, USA. 1986 erwarb

er seinen Master of Science in „Government

and Politics in Western Europe“ an der London

School of Economics and Political Science. Am

Nuffield College der University of Oxford wurde

er 1991 im Fach Politikwissenschaft zum Doctor

of Philosophy promoviert. Neben diversen Gastprofessuren

etwa in Bordeaux, Jerusalem oder

Tokio war der Politologe bis vor kurzem Sprecher

des DFG-Graduiertenkollegs „Wicked Problems,

Contested Administrations” und bis 2006 Senior

Reader am Department of Government der London

School of Economics and Political Science.

Darüber hinaus ist er seit 2000 Mitherausgeber

der Zeitschrift „West European Politics“.

■ Prof. Dr. Matthias Kling

Fakultät für Physik

Matthias Kling ist seit Juni 2013 W2-Professor für

ultraschnelle Nanophotonik an der Fakultät für

Physik der LMU. Der Forschungsgruppenleiter

unterstützt den Forschungsbereich „Lichtwellenelektronik“

im Exzellenzcluster Munich-Centre for

Advanced Photonics (MAP) in der Forschung und

Lehre. Bereits in der Vergangenheit beschäftigte

er sich in seinen Arbeiten mit der Lichtwellenkontrolle

in komplexen Systemen wie Molekülen und

Nanostrukturen.

Geboren wurde Kling am 30. März 1972 in Hannover.

Parallel zu seinem Ph.D.-Studium an der

Georg-August-Universität Göttingen befasste er

sich 1998 an der Friedrich Schiller-Universität in

Jena mit fortgeschrittener Lasertechnologie. Als

Postdoc zog es den heute 41-Jährigen ab 2003

nach Berkeley und Amsterdam. 2007 wurde er

Forschungsleiter des Teams „Attosecond Imaging“

am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in

Garching, Projektleiter im Exzellenzcluster MAP

und Gruppenleiter der Graduiertenschule „International

Max Planck Research School of Advanced

Photon Science“. Bis zu seiner Berufung an die

LMU war Kling Assistant Professor in den USA,

Visiting Professor in Saudi-Arabien und Adjunct

Professor in Südkorea. Zu seinen bisher insgesamt

zwölf Preisen kam in diesem Jahr der „Starting

Grant“ des Europäischen Forschungsrats hinzu.

In der Forschung beschäftigt sich Professor Goetz

mit der vergleichenden Analyse europäischer

Public Policy in Ost- und Westeuropa sowie auf

Ebene der EU. Außerdem befasst er sich mit der

Transformation mittel- und osteuropäischer Staaten,

der Europäisierung nationaler politischer

Systeme und Public Policy. Ein weiterer Schwerpunkt

ist die Rolle von Zeit in der Politik, welche

der Politikwissenschaftler seit Juli 2013 in dem

durch die DFG geförderten Forschungsprojekt

„Staggered Membership Renewal and Differential

Time Horizons in Second Chambers“ untersucht.

In Zukunft planen Professor Kling und seine

Arbeitsgruppe, die kollektive Elektronenbewegung

in nanostrukturierten Systemen auch mittels

Attosekunden-Lichtblitzen in Echtzeit zu filmen.

Damit erhoffen sich die Forscher noch mehr über

die Möglichkeiten zu lernen, auf ultrakurzer Zeitskala

Elektronen und damit auch die optischen

sowie elektronischen Eigenschaften von Nanomaterialien

zu beeinflussen. Diese Kenntnisse

könnten ganz wesentlich zur Entwicklung der

Elektronik beitragen, die mit Lichtwellen gesteuert

wird.

An der LMU will der Ordinarius in der Forschung

vor allem seine Arbeiten zur Institutionalisierung

politischer Zeitregeln und -horizonte in vergleichender

Perspektive vorantreiben. „Ich möchte

mit meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen

ein hochwertiges Lehrangebot zum politischen

System Deutschlands, im Bereich der europabezogenen

Komparatistik und zu Fragen der Europäischen

Integration realisieren“, erklärt Goetz.

■ Prof. Dr. Martin Heinz Dreyling

Medizinische Fakultät

Martin Dreyling wurde am 1. Oktober 2013 als

W2-Professor für Immuntherapie und Molekularbiologie

an die Medizinische Klinik und Poliklinik

III der Medizinischen Fakultät berufen. Seine wissenschaftlichen

Schwerpunkte sind neben den

molekulargenetischen Grundlagen der malignen

Lymphome speziell die Zellzyklusdysregulation

beim Mantelzelllymphom (MCL) und die mole-


Neuberufen

kularen Wirkmechanismen von Inhibitoren des

B-Zellrezeptor-Signalpfads i.

Dreyling wurde 1961 in Wuppertal geboren und

ist Vater von zwei Kindern. Nach seinem Physikstudium

an der Universität Düsseldorf studierte er

in den 80er-Jahren Medizin in Gießen, Tübingen

und Würzburg. 2001 habilitierte sich der heute

52-Jährige im Fach Innere Medizin zum Thema

„Molekulargenetische und funktionelle Charakterisierung

der Tumor-Suppressor-Region der

chromosomalen Bande 9p21 in hämatologischen

Zelllinien und Lymphomen und Leukämien“. Ein

Jahr später wurde er Oberarzt am Medizinischen

Klinikum III der LMU in Großhadern. Seitdem hat

er über 200 wissenschaftliche Artikel über die

Epidemiologie, molekulargenetische Pathogenese

und Therapie von malignen Lymphomen veröffentlicht.

Insbesondere wurden aufgrund des von

ihm gegründeten Europäischen MCL-Netzwerks

neue Behandlungsoptionen entwickelt und internationale

Therapiestandards etabliert.

Neben diversen Editor-Tätigkeiten ist Professor

Dreyling im Fakultätsrat der Medizinischen Fakultät,

Beiratsmitglied der European Society of

Medical Oncology (ESMO) und der Lymphoma

Research Foundation. Dieses Jahr koordiniert er

außerdem die LMU Winter School für Onkologie.

„Die LMU bietet mir die Möglichkeit, ärztliche Tätigkeit,

klinische Studentenlehre und Grundlagenforschung

auf höchstem Niveau unter einem Dach

durchzuführen“, so Dreyling.

perception: Neurocognitive mechanisms underlying

children’s processing of others’ actions“.

Von 2011 bis 2013 war er Lecturer am Lehrstuhl

für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie

der LMU und darüber hinaus war Paulus Junior

Researcher in Residence am Center for Advanced

Studies (CAS). Die letzte Station vor der Berufung

nach München war die Vertretung des Lehrstuhls

für Entwicklungs- und Erziehungspsychologie an

der Universität Erfurt.

Zu den zukünftigen Arbeitsschwerpunkten von

Professor Paulus an der LMU gehört die Entwicklung

des prosozialen Verhaltens, die des sozialen

Verstehens und des sozialen Lernens. Dabei geht

er Fragen nach, warum sich Kinder gegenseitig

helfen, wann sie andere als Wesen mit eigenen

Wünschen verstehen und welche Mechanismen

den frühen sozialen Lernprozessen zugrunde liegen.

Für seine bisherigen Leistungen erhielt Paulus

dieses Jahr den Forschungspreis „George Butterworth

Award“ der Europäischen Gesellschaft

für Entwicklungspsychologie (siehe „Preise und

Ehrungen“ S.30)).

Honorarprofessur

1 Prof. Dr. Markus Paulus

1 Prof. Dr. Herwig Baier

N R . 4 • 2013 Menschen

29

■ Prof. Dr. Markus Paulus

Fakultät für Psychologie

und Pädagogik

Markus Paulus wurde zum 1. September 2013

an der Fakultät für Psychologie und Pädagogik

zum W2-Professor ernannt. Sein Lehr- und Forschungsgebiet

umfasst die Entwicklungspsychologie

und Pädagogische Psychologie der frühen

Kindheit von null bis sechs Jahren – insbesondere

die soziale und kognitive Entwicklung.

Geboren wurde Paulus 1980 in Landsberg am

Lech. Nach seinem Studium an der Universität

Eichstätt erwarb er 2006 sein Diplom in Psychologie

und 2007 seinen Magister in Philosophie/

Soziologie. Nach einem Forschungsaufenthalt am

Early Social Development Lab bei Chris Moore in

Halifax, Kanada, wurde er 2011 an der Radboud

Universiteit Nijmegen, Niederlande, in Psychologie

promoviert. Seine Dissertation schrieb der

heute 33-Jährige über „Development of action

■ Prof. Dr. Herwig Baier

Fakultät für Biologie

Im Juli 2013 wurde Professor Herwig Baier

zum Honorarprofessor für das Fachgebiet

Verhaltens-Neurogenetik an der Fakultät für

Biologie der LMU ernannt. Baier wurde 1995

an der Universität Tübingen promoviert und

nach seiner Zeit als Assistant Professor in San

Diego in San Francisco, beide USA, zum Full

Professor ernannt. Vier Jahre später wurde

er Direktor des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie

in Martinsried. Sein Interesse gilt

vor allem den Nervenzellen: So erforscht er

beispielsweise an Zebrafischen, nach welchen

Regeln sich bestimmte Typen von Nervenzellen

im Gehirn entwickeln, wie sie zu einem

Nervenzellnetzwerk zusammenfinden und

welchen Einfluss diese neuronalen Schaltkreise

auf Wahrnehmung sowie Verhalten haben.

Hinweis der Redaktion:

Eine vollständige Liste

der Neuberufenen findet sich

im Internet unter www.lmu.

de/aktuelles/neuberufen


Preise & Ehrungen

N R . 4 • 2013 Menschen

30

1 Prof. Dr. Immanuel Bloch

■ Experimentalphysiker Immanuel

Bloch ausgezeichnet

Immanuel Bloch, Professor für Experimentalphysik

an der LMU und Direktor am Max-Planck-Institut

für Quantenoptik, ist mit dem mit 750. 000 Euro

dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft

2013 ausgezeichnet worden.

Mit dem Wissenschaftspreis würdigt die Körber-

Stiftung die herausragenden wissenschaftlichen

Arbeiten von Bloch, die ein neues Forschungsgebiet

an der Schnittstelle der Quantenoptik, Quanteninformationsverarbeitung

und Festkörperphysik

eröffnet haben.

Ein Forschungsschwerpunkt des Physikers ist die

Untersuchung ultrakalter „Quantengase“ bei Temperaturen

nahe dem absoluten Nullpunkt. Dazu

erzeugt Bloch mithilfe von Laserstrahlen künstliche

Kristalle, in denen ultrakalte Atome in einem

Gitter aus Licht gefangen werden. Derartige Systeme

dienen unter anderem als stark vergrößerte

Laborsimulationen von Festkörpern, in denen bestimmte

Parameter – etwa die Wechselwirkung

zwischen den Atomen – genau eingestellt werden

können. Mit diesem „Quantensimulator“ lassen

sich theoretische Modelle über den Aufbau von

Festkörpern überprüfen. „Außerdem können wir

mit diesem System das Verhalten von Materie

unter extremsten Bedingungen erforschen“,

erklärt Bloch. Seine Erkenntnisse könnten künftig

helfen, Materialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften

zu entwickeln – etwa neue Supraleiter,

die Strom verlustfrei leiten können.

Eine Zukunftsvision von Bloch ist die Nutzung

seines Quantensimulators als Quantencomputer –

was im Vergleich zu herkömmlichen Computern

bei speziellen Problemen einen wahren Quantensprung

in Bezug auf die erzielbaren Rechengeschwindigkeiten

bedeuten würde.

■ Stephan Hartmann

neuer EPSA-Präsident

Professor Stephan Hartmann von der Fakultät für

Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft

der LMU ist im September 2013 in

Helsinki, Finnland, zum Präsidenten der European

Philosophy of Science Association (EPSA)

gewählt worden. Die EPSA wurde 2007 in Wien,

Österreich, gegründet und soll den Austausch

zwischen Studierenden und Wissenschaftsphilosophen

auf der ganzen Welt fördern. Hartmann

ist bereits Alexander von Humboldt-Professor,

Co-Direktor des Münchner Zentrums für Mathematische

Philosophie (MCMP) und Mitglied des

Governing Boards der amerikanischen Philosophy

of Science Association (PSA).

■ Europäischer Forschungspreis

für Professor Paulus

Professor Markus Paulus wurde im Juli dieses

Jahres mit dem George Butterworth Award ausgezeichnet.

Damit ehrte die Europäische Gesellschaft

für Entwicklungspsychologie (ESDP) den

LMU-Psychologen für seine Dissertation und die

daran anschließende Forschung über soziales Verstehen

und Lernen bei Kleinkindern. Eine Frage

dabei war zum Beispiel, warum Kinder andere

nachahmen. Die Ergebnisse seiner Grundlagenforschung

stellte Paulus bei der Preisvergabe in

Lausanne, Schweiz, und im European Journal of

Developmental Psychology vor.

Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird al le

zwei Jahre auf der bedeutendsten Tagung der

europäischen Entwicklungspsychologen an

Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich Entwicklungspsychologie

vergeben. Namensgeber

George Butterworth war Gründervater der British

Infancy Research Group, der Fachzeitschrift Developmental

Science und der ESDP.


Preise & Ehrungen

■ Zwei neue Humboldt-Forschungspreisträger

an der LMU

Professor Eric von Hippel, einer der weltweit

renommiertesten Wissenschaftler im Bereich der

Innovationsforschung und Ehrendoktor der Fakultät

für Betriebswirtschaft, ist von der Alexander

von Humboldt-Stiftung mit einem Humboldt-Forschungspreis

ausgezeichnet worden. Der Ökonom

lehrt an der Sloan School of Management des

Massachusetts Institute of Technology (MIT). In

seinem Konzept der „user innovation“ zeigt von

Hippel, dass Konsumenten zu einem erheblichen

Teil für Innovationen verantwortlich sind.

Ab Herbst 2013 wird Eric von Hippel am Munich

Center for Innovation and Entrepreneurship Research

(MCIER) der Max-Planck-Gesellschaft

ein Forschungsprojekt zum Thema „Consumer

Innovation“ starten. Ziel des Projekts ist es zu

untersuchen, in welchem Umfang Konsumenten

in deutschen Haushalten Innovationen erbringen.

Der südafrikanische Quantenphysiker Professor

Cesareo A. Dominguez ist von der Alexander von

Humboldt-Stiftung mit einem „Humboldt-Forschungspreis

in Gedenken an Neville Alexander

ausgezeichnet worden.

Dominguez lehrt seit 1988 Theoretische Physik an

der Universität Kapstadt (Südafrika), wo er bis zu

seiner Emeritierung 2008 auch Direktor des Instituts

für Theoretische Physik und Astrophysik war. Das

Hauptforschungsgebiet des Physikers sind Quarkmassen

in der Quantenchromodynamik. Mithilfe

der Quantenchromodynamik werden in der Quantenphysik

starke Wechselwirkungen zwischen

fundamentalen Bausteinen der Atomkerne beschrieben,

sogenannten Quarks und Gluonen.

Durch seine Forschung gelang Dominguez mehrfach

die theoretische Vorhersage von Phänomenen,

die später experimentell bestätigt werden konnten.

■ Ehrung für Donald B. Dingwell

Professor Donald Bruce Dingwell, Lehrstuhlinhaber

für Mineralogie und Petrologie an der LMU und

Generalsekretär des European Research Council

(ERC), ist von der American Geophysical Union

(AGU) mit dem Norman Levi BOWEN Award ausgezeichnet

worden.

Die AGU ist mit über 50.000 Mitgliedern die weltgrößte

geowissenschaftliche Vereinigung. Der

BOWEN Award ist nach Norman Levi Bowen

benannt, ein ursprünglich aus Kanada stammender

Petrologe, der als Gründer des exakten physikalisch-chemischen

und experimentellen Ansatzes

zur Untersuchung von gesteinsbildenden

Prozessen gilt.

■ Christine Haug zum ordentlichen

Mitglied berufen

Die Historische Kommission des Börsenvereins

des Deutschen Buchhandels hat die Buchwissenschaftlerin

Professor Christine Haug von der LMU

zum ordentlichen Mitglied berufen. Haug gehörte

der Kommission bereits seit 2008 als korrespondierendes

Mitglied an.

Als Arbeitsausschuss des Börsenvereins beschäftigt

sich die Historische Kommission mit der

Geschichte des Buchwesens und des Verbands.

Sie gibt die Reihen „Archiv für Geschichte des

Buchwesens“ und „Geschichte des deutschen

Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert“ heraus

und verwaltet die Horst Kliemann Stiftung für

Geschichte des Buchwesens, die vor allem Nachwuchswissenschaftler

bei der Materialbeschaffung

in Bibliotheken und Archiven finanziell

unterstützt.

N R . 4 • 2013 Menschen

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Preise & Ehrungen

N R . 4 • 2013 Menschen

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1 Prof. Dr. Christoph Bode

1 Prof. Dr. Alexander Gerbes

■ Professor Lorenz für herausragende

Lehre geehrt

Professor Stephan Lorenz, Inhaber des Lehrstuhls

für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht

und Rechtsvergleichung, ist mit dem Ars legendi

Preis 2013 ausgezeichnet worden. Er erhält den

Preis, der im November dieses Jahres verliehen

wird, für seine „Lehre in der Studieneingangsphase“.

Vor allem sein herausragendes und auf die

Bedürfnisse der Studierenden zu Beginn ihres Studiums

zugeschnittenes Lehrkonzept wird damit

gewürdigt.

Der Ars legendi-Preis wird seit 2006 jährlich verliehen.

Er ehrt die besondere Bedeutung der

Hochschullehre für die Heranbildung des akademischen

Nachwuchses und soll einen Beitrag dazu

leisten, dass Leistungen in der Lehre verstärkt

anerkannt werden. Professor Lorenz erhielt den

mit 50.000 Euro dotierten Preis zusammen mit

Professor Manfred Hampe von der TU Darmstadt.

■ Georg Heberer Award:

Zwei LMU-Mediziner ausgezeichnet

Den mit 20.000 Euro dotierten Georg Heberer

Award, der alljährlich beim Stiftungsfest der LMU

verliehen wird, teilen sich die LMU-Mediziner

Christoph Reichel und Wieland Sommer. Ausgezeichnet

wurden die Forscher für Arbeiten zur

Rekrutierung von Immunzellen und für einen innovativen

Ansatz zur Durchblutungsmessung.

Christoph Reichel von der Klinik und Poliklinik für

Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Klinikum der

Universität München erhielt den Preis für eine

Studie zur Rekrutierung von Immunzellen aus dem

Gefäßsystem des Körpers in das Gewebe. Aus den

Ergebnissen lassen sich möglicherweise neue,

effektivere Therapiestrategien entwickeln, die

Immunreaktionen im Organismus gezielt beeinflussen

könnten.

PD Dr. Wieland Sommer vom Institut für Klinische

Radiologie am Klinikum der Universität München

wurde für die Entwicklung einer innovativen Methode

ausgezeichnet, mit der die Durchblutung

mit einer hohen Zeitauflösung dargestellt werden

kann. Dies eröffnet für die Diagnostik und die gefäßchirurgische

Planung ganz neue Möglichkeiten.

Im Jahr 2000 wurde erstmals an der LMU der

nach dem Chirurgen Professor Georg Heberer

(1920–1999) benannte Georg Heberer Award der

US-amerikanischen Chiles Foundation verliehen.

Heberer war bis 1989 Ordinarius für Chirurgie und

Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik am

Klinikum Großhadern.

Gestiftet wird der Preis von der seit über 50 Jahren

bestehenden Chiles Foundation, die die medizinische

Forschung vor allem auf dem Gebiet der

Krebsforschung unterstützt. Die Stiftung unterhält

große Institute an der Boston University und der

Stanford University sowie das Krebsforschungszentrum

„Earle A. Chiles Research Institute“ an

der Oregon University in Portland.

■ Professor Bode wird

external reviewer

Christoph Bode, Inhaber des Lehrstuhls für Englische

Literatur der Moderne, ist vom Princeton

Institute for Advanced Study in New Jersey, USA,

gebeten worden, als External Reviewer tätig zu

werden. In dieser Funktion wird Bode bei der Auswahl

von neuen Fellows der School of Historical

Studies mitwirken.

Bereits im vergangenen Jahr gehörte Bode als

einziger Nicht-Historiker der Kommission an, die

für die Max-Weber-Stiftung – vormals Stiftung

Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im

Ausland – das Deutsche Historische Institut in

London evaluiert hat.

LMU-Mediziner auf der

Gewinnerspur

Professor Alexander Gerbes und Dr. Andreas Benesic

vom Klinikum der Universität München zählen

zu den diesjährigen Gewinnern des m 4 Award

des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Außerdem

haben sie den ersten Preis im Businessplan-

Wettbewerb Science4Life Venture Cup gewonnen.


Preise & Ehrungen

Die beiden Forscher erhalten die Auszeichnungen

für ihr Projekt „MetaHeps – Personalized Liver

Protection“. Sie entwickelten ein Zellsystem, mit

dem bei einzelnen Patienten vorhergesagt werden

kann, ob Medikamente für sie eine leberschädigende

Wirkung haben.

Der m 4 Award unterstützt die Gründung junger

Unternehmen im Bereich der Personalisierten

Medizin, die auf bestimmte Gruppen von Patienten

zugeschnitten und dadurch wirksamer und

sicherer ist. Die Preisträger erhalten jeweils eine

halbe Million Euro für die nächsten zwei Jahre sowie

eine professionelle Beratung. Das soll ihnen

ermöglichen, ihre Projekte bis zur Unternehmensgründung

weiterzuentwickeln

Der deutschlandweite Businessplan-Wettbewerb

Science4Life Venture Cup wird vom Bundesland

Hessen und dem Unternehmen Sanofi getragen.

Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

■ Stipendium für LMU-Student

Nathan Schäfer, Physikstudent an der LMU, erhält

im Rahmen des Förderprogramms „MINT Excellence“

der Manfred Lautenschläger-Stiftung zwei

Jahre lang ein Stipendium von 750 Euro pro Semester.

Er gehört damit zu 30 Studierenden, die

aus über 1.000 Bewerberinnen und Bewerbern

verschiedener Hochschulen ausgewählt wurden.

Das Programm richtet sich ausschließlich an Studierende

der Mathematik, Naturwissenschaften,

der Informatik und Technik. Die Stiftung zeichnet

damit herausragende wissenschaftliche Arbeit,

besondere Studienleistungen und soziales Engagement

aus.

■ Comenius-Award für LMU-Projekt

Die Projektgruppe von Dr. Michael Streifinger,

Habilitand am Lehrstuhl für Physische Geographie

und Landschaftsökologie von Professor Otfried

Baume, ist mit dem Europäischen Comenius Media

Award 2013 ausgezeichnet worden. Prämiert

wurde das Projekt „Medien im Kontext der neuen

gymnasialen Oberstufe – P-Seminar Geographie“,

das zugleich Thema der Habilitation Streifingers

ist. Im Rahmen der Arbeit betreute er geografische

Projekt-Seminare, kurz P-Seminare, an vier Gymnasien.

Die Schülerinnen und Schüler hatten dabei

die Aufgabe, jeweils einen Kurzfilm zum Thema

„Alpen – eine Region im Wandel“ für die Zielgruppe

5. Jahrgangsstufe Gymnasium zu drehen. Projektpartner

waren das Institut für Film und Bild in

Wissenschaft und Unterricht (FWU) in Grünwald

und Heckl Media & Entertainment in Ingolstadt.

Die Schülerbeiträge inklusive Arbeitsmaterialien

wurden vom FWU im Frühjahr 2013 als professionelle

didaktische DVD veröffentlicht.

Der Comenius Media Award wird üblicherweise

an große europäische Medienhäuser verliehen –

dass ein Universitäts- bzw. Schülerprojekt damit

ausgezeichnet wird, ist eine Besonderheit.

■ Ministerpräsident ehrt Hockerts

und Kronawitter

Professor Hans Günter Hockerts, emeritierter

Ordinarius für Neueste Geschichte an der LMU, ist

mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet

worden. Ministerpräsident Horst Seehofer

würdigte Hockerts als einen akademischen Lehrer

und Zeithistoriker, der sich „über viele Jahre um

den Wissenschaftsstandort München, insbesondere

auch mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

der Landeshauptstadt München, in hohem Maße

verdient gemacht“ habe. Seehofer hob nicht nur

Hockerts Verantwortungsbewusstsein hervor, sondern

auch seine Fähigkeit zu außerordentlicher

Sachlichkeit selbst bei kritischen Kontroversen.

Als einer der bedeutendsten Zeithistoriker

Deutschlands habe er das Ansehen der LMU weit

über Deutschland hinaus gemehrt.

Ebenfalls mit dem Verdienstkreuz geehrt wurde

die Erste Vorsitzende der Weiße Rose-Stiftung,

Dr. Hildegard Kronawitter. Der Ministerpräsident

lobte ihr vielfältiges Engagement, unter anderem

auch als Vorsitzende der Sozialarbeit des BRK-

Kreisverbandes München oder im Bildungsausschuss

der Katholischen Akademie in Bayern.

1 Prof. Dr. Hans Günther Hockerts

N R . 4 • 2013 Menschen

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Preise & Ehrungen

N R . 4 • 2013 Menschen

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1 Prof. Dr. Tobias Kretschmer

1 Prof. Dr. Andreas Richter

■ Tobias Kretschmer ausgezeichnet

Professor Tobias Kretschmer vom Institut für

Strategie, Technologie und Organisation an der

Fakultät für Betriebswirtschaft der LMU ist bei der

ifo-Jahresversammlung im Juni mit dem Preis für

herausragende wissenschaftliche Leistungen auf

dem Gebiet der empirischen Wirtschaftsforschung

geehrt worden. Er erhielt ihn für seinen 2012 im

American Economic Review veröffentlichten Aufsatz

„Competitive Pressure and the Adoption of

Complementary Technologies“.

Ausgelobt wird der Preis von der Gesellschaft zur

Förderung der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung

(Freunde des ifo Instituts) e. V. Voraussetzung

für die Verleihung ist, dass der wissenschaftliche

Beitrag in einer angesehenen referierten

Zeitschrift veröffentlicht wurde.

■ Professor Richter zum Vice

President gewählt

Professor Andreas Richter, Lehrstuhlinhaber und

Vorstand des Instituts für Risikomanagement und

Versicherung sowie Sprecher des Vorstands des

Munich Risk and Insurance Center (MRIC), nahm

zum August 2013 das Amt des „Vice President“

der American Risk and Insurance Association

(ARIA). Er übernimmt damit gleichzeitig den Vorsitz

der Programmkommission für das Annual

Meeting der ARIA 2014 in Seattle, USA.

Die American Risk and Insurance Association ist

die renommierteste Wissenschaftsvereinigung im

Bereich Risikomanagement und Versicherung.

Neben dem Ziel der internationalen Vernetzung

möchte ARIA einen Beitrag dazu leisten, richtungsweisende

Forschung in der Versicherungsökonomie

voranzutreiben und ihre Mitglieder zu

fördern. Dazu stellt sie vor allem durch die Ausrichtung

wissenschaftlicher Konferenzen sowie

die Herausgeberschaften des Journal of Risk and

Insurance und des Risk Management and Insurance

Review eine einzigartige Plattform für den

akademischen Austausch dar.

■ Auszeichnung für

Buchwissenschaftlerin

Über ein Preisgeld von 4.000 Euro kann sich

Dr. Katharina Osterauer freuen. Die Wissenschaftliche

Mitarbeiterin im Bereich Buchwissenschaft

der LMU hat den Hochschulpreis der Landeshauptstadt

München für ihre Dissertation „Phasenentwicklung

und publizistisches Profil der

Rundschauzeitschrift MÄRZ“ erhalten. Osterauer

setzt sich mit der Rundschauzeitschrift als eigenem

Format auseinander und beschreibt die soziale

Verankerung des MÄRZ in der Gesellschaft

und die kulturelle Bedeutung für Süddeutschland.

Münchenspezifische Themen haben diese Zeitschrift

nicht nur wegen der Gründungsmitglieder

Ludwig Thoma, Hermann Hesse und dem Münchner

Verleger Langen geprägt. Sie wurde so zu

einem wichtigen Impulsgeber für die Verlags- und

Literaturstadt München.

Mit dem Hochschulpreis der Landeshauptstadt

München werden seit 1993 Abschlussarbeiten

wie Bachelor-, Magister-, Diplomarbeiten, Dissertationen

und Habilitationen an LMU, TUM und

der Hochschule für angewandte Wissenschaften

ausgezeichnet.

LMU-Postdoc erhält

hochdotierten Preis

Dr. Marisa Karow, Postdoc in der Forschungsgruppe

von Dr. Benedikt Berninger am Department of

Physiological Genomics, wurde mit einem Wissenschaftspreis

für „Molekulare Grundlagenforschung“

der GlaxoSmithKline-Stiftung ausgezeichnet.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde

am 11. Juli im Haus des Stiftens feierlich verliehen.

Karow wurde unter anderem für eine im letzten

Jahr erschienene Publikation mit dem Titel „Reprogramming

of pericyte-derived cells of the adult

human brain into induced neuronal cells“ ausgezeichnet,

die im Journal Cell veröffentlicht wurde.


Preise & Ehrungen

■ Professor Schmid erhält

Bundesverdienstkreuz

Professor Alois Schmid hat im Juli das Verdienstkreuz

am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik

Deutschland erhalten. Der emeritierte

Ordinarius für Bayerische Geschichte und vergleichende

Landesgeschichte mit besonderer Berücksichtigung

des Mittelalters wurde unter anderem

für seine Verdienste bei der Erneuerung wissenschaftlicher

Standardwerke ausgezeichnet. Der

damalige bayerische Wissenschaftsminister Dr.

Wolfgang Heubisch würdigte zudem Schmids

Leistungen als Vermittler der Wissenschaft an die

Öffentlichkeit. So habe er neben vielen Vorträgen

zahlreiche öffentliche Tagungen organisiert, so

etwa ein Kolloquium zu König Ludwig II. oder eine

Tagung über die bayerisch-chinesischen Beziehungen.

Vor allem auch Professor Schmids Engagement

als Mitglied der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft

(SFG) hob Heubisch hervor:

„Ihre entscheidenden Verdienste hier liegen in der

wichtigen Brückenfunktion zwischen der schwäbischen

Geschichtsforschung der SFG und der

gesamtbayerischen Kommission“, hieß es in der

Laudatio.

■ Auszeichnung für Professor

Viatcheslav Mukhanov

Der Kosmologe Professor Viatcheslav Mukhanov

von der Fakultät für Physik der LMU erhält zusammen

mit dem russischen Forscher Alexei Starobinsky

den Gruber Cosmology Prize.

Der Preis ehrt weltweit führende Kosmologinnen

und Kosmologen, die mit ihren Arbeiten wesentlich

zum Verständnis des Universums beitragen.

Die Auszeichnung wird jährlich von der Gruber

Foundation vergeben, die ihren Sitz an der Yale

University hat. Der Preis ist mit 500.000 Dollar

dotiert.

Viatcheslav Mukhanov, der sich den Preis dieses

Jahr mit Alexei Starobinsky teilt, ist Inhaber des

Lehrstuhls für Kosmologie an der LMU. Mukhanov

entwickelt Konzepte, wie sich das Weltall entwickelt

haben könnte und welche Geheimnisse

Schwarze Löcher und Dunkle Energie umgeben.

Der Kosmologe erarbeitet theoretische Modelle,

um das Verhalten von Quanten, den kleinsten Einheiten

physikalischer Größen, vorauszusagen.

1 Prof. Dr. Viatcheslav Mukhanov

N R . 4 • 2013 Menschen

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1 Professor Alois Schmid (rechts) mit dem damaligen Bayerischen

Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch.


Preise & Ehrungen

N R . 4 • 2013 Menschen

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1 Prof. Dr. Ursula Lenker

1 Prof. Dr. Hans-Jörg Schmid

■ TRVS-Award 2013 geht

an Wolfgang Zinth

Für die „Pionierleistung in der Entwicklung zeitaufgelöster

Infrarottechniken und deren Anwendung,

um komplexe biophysikalische Vorgänge

zu analysieren und zu verstehen“, ist Professor

Wolfgang Zinth mit dem TRVS-Award 2013 ausgezeichnet

worden. Zinth ist Inhaber des Lehrstuhls

für Biomolekulare Optik an der LMU und

forscht im Exzellenzcluster Munich-Centre for

Advanced Photonics (MAP) im Bereich der zeitaufgelösten

Schwingungsspektroskopie. Hierbei

führen Forscher Messungen durch, bei denen

die Normalschwingungen von Molekülen angeregt

werden. Anschließend nehmen sie Bilder der

Molekülbewegungen auf.

Die Schwingungsspektroskopie gewinnt immer

mehr an Bedeutung, um die Dynamik schnellster

biologischer und chemischer Prozesse genauer

zu verstehen und damit langfristig auch steuerbar

zu machen.

Der TRVS-Award, was für „Time-Resolved Vibrational

Spectroscopy“ steht, wird an Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler vergeben, die sich

um das Gebiet der zeitaufgelösten Schwingungsspektroskopie

verdient gemacht haben. Ausgezeichnet

werden dabei stets die längerfristige

Präsenz und Forschungsleistung auf einem der

Gebiete.

■ Oxford English Dictionary

Das Oxford English Dictionary (OED) ist das

größte Wörterbuchprojekt weltweit. Es umfasst

600.000 Wörter der englischen Sprache. Professor

Ursula Lenker vom Lehrstuhl für Englische

Sprachwissenschaft und Literatur des Mittelalters

und Professor Hans-Jörg Schmid vom Lehrstuhl

Moderne Englische Sprachwissenschaft an der

LMU sind vom OED eingeladen worden, an der

zukünftigen Entwicklung des Lexikons mitzuarbeiten.

Im Rahmen des OED-Symposiums 2013 diskutieren

sie in einem Kreis internationaler Expertinnen und

Experten das Potenzial des Wörterbuchs. Auf dem

Symposium wird erörtert, wie die lexikographische

und philologische Arbeit am OED fortgesetzt

werden kann und wie die Daten noch besser

genutzt werden können.

■ Millionenförderung für

LMU-Physiker

Die LMU-Physiker Professor Alexander Högele

und Professor Tim Liedl werden vom Europäischen

Forschungsrat (ERC) mit je einem Starting

Grant ausgezeichnet. Mit einer solchen Förderung

unterstützt der ERC herausragende Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler und ihre zukunftsweisende

Grundlagenforschung mit bis zu zwei

Millionen Euro.

Projekt von Alexander Högele

Daten werden immer häufiger in Form von Lichtbündeln

über Glasfasernetze transportiert. In Zukunft

könnten einzelne Lichtteilchen (Photonen)

diese Aufgabe übernehmen und eine abhörsichere

Quantenkommunikation ermöglichen. Diese

Lichtimpulse müssten nach dem Transport in elektrische

Signale zurückgewandelt werden, indem

sie kontrolliert Elektronen in einem Halbleitermaterial

anregen. Wie das aussehen könnte und welche

Effekte bei der Wechselwirkung von Licht mit

Festkörpern sonst relevant sind, untersuchen Wissenschaftler

derzeit mithilfe von Nanomaterialien

wie Kohlenstoff-Nanoröhren.

Alexander Högele und seine Mitarbeiter produzieren

ihre eigenen Nanoröhren, die sie optimal an

verschiedene Versuche anpassen können. Dabei

handelt es sich um einwandige Zylinder von rund

einem Nanometer im Durchmesser, deren Wand

aus einer Atomlage von regelmäßig angeordneten

Kohlenstoffatomen besteht. Um optische Anregungen

in einzelnen Nanoröhren möglichst

störungsfrei zu untersuchen, haben die Forscher,

einer Hängebrücke gleich, Röhren mit freitragenden

Bereichen von einigen Mikrometern Länge

hergestellt. Sie konnten nachweisen, dass die

Elektronen im Halbleitermaterial unter diesen Bedingungen

nach der Absorption von Photonen

außergewöhnlich lange angeregt bleiben. Anschließend

fallen sie regulär unter Lichtemission

in das „Loch“ in der Atomhülle zurück, das sie

hinterlassen haben. Durch diese lange Trennungsphase

lassen sich die Absorptions- und Emissionsspektren

der Nanoröhren scharf unterscheiden

und für hochpräzise optische Spektroskopiemethoden

nutzen.

In Zukunft möchten die Physiker die Kopplung

zwischen Licht und den Elektron-Loch-Paaren

(Exzitonen) dazu nutzen, um auch mechanische

und magnetische Freiheitsgrade von halbleitenden

Nanoröhren zu untersuchen. Das Exziton soll

dabei als eine Art Bindeglied zwischen den ele-


Preise & Ehrungen

mentaren Anregungen von Licht und Festkörper

fungieren, also die Kopplung zwischen Photonen

und Spins (elementare magnetische Anregungen)

beziehungsweise Phononen (elementare mechanische

Anregungen) vermitteln. Die Experimente

sollen unter anderem die Grundlagen für die Verwendung

von Nanoröhren in Zukunftstechnologien

wie Quantenkryptographie und Quantenmetrologie

erarbeiten.

Projekt von Tim Liedl

Wer versucht, in einem Bach einen Fisch zu fangen,

wird schnell feststellen, dass dieser sich nicht

dort befindet, wo unsere Augen ihn wahrnehmen.

Die Ursache dafür ist, dass das Licht beim Eintreten

in das Wasser und beim Heraustreten gebrochen

wird. Während in der Natur nur Materialien

mit einem positiven Brechungsindex existieren,

entwickeln Wissenschaftler derzeit künstliche

Strukturen, die Licht auch negativ, das heißt über

das Lot hinaus, brechen sollen. Die Bausteine dieser

sogenannten Metamaterialien müssen jedoch

kleiner als 100 Nanometer sein. Daher arbeiten

die Fachleute mit künstlichen DNA-Strängen und

metallischen Nanopartikeln, die sich von selbst zu

optisch aktiven Nanostrukturen zusammensetzen.

Tim Liedl und seine Mitarbeiter sind Spezialisten

in der sogenannten DNA-Origami-Technik. Als wären

sie mit Magneten versehen, falten sich dabei

DNA-Bausteine in vorgegebene dreidimensionale

Strukturen. Vor Kurzem ist es den Physikern gelungen,

diese definiert mit Goldpartikeln zu besetzen

und damit eine erste wichtige Eigenschaft

von Licht zu verändern: die Polarisation. Auf diese

Weise konnten die Wissenschaftler zeigen, dass

sich DNA-Origami-Strukturen in Kombination mit

Metallpartikeln grundsätzlich dazu eignen, optische

Parameter gezielt einzustellen.

Die Physiker wollen nun diese Nanostrukturen

unter anderem zu einem Metamaterial mit negativem

Brechungsindex weiterentwickeln. In Kombination

mit den bestehenden positiv brechenden

Materialien ließen sich so beispielsweise optische

Systeme wie Mikroskope, Solarzellen oder Lichtleiter

fundamental verbessern. Ein anderer Aspekt

des Projektes beschäftigt sich mit der Frage, ob

optisch aktive Metamaterialien als sensible Sensoren

für Viren oder spezielle Zell-Marker eingesetzt

werden können.

■ Nanoforschung mit Anwendungsbezug

– attocube awards 2013

Am 19. Juli wurden die mit insgesamt 17.500 Euro

dotierten attocube Research Awards 2013 in den

Kategorien Dissertation sowie Masterarbeit verliehen.

Mit dem Preis werden Arbeiten aus dem

Bereich der Nanoforschung ausgezeichnet, deren

Ergebnisse ein hohes Anwendungspotenzial aufweisen.

Den Preis für die beste Masterarbeit teilen sich in

diesem Jahr zwei Gewinnerinnen, deren Arbeiten

sich mit Anwendungsmöglichkeiten des sogenannten

DNA-Origami beschäftigen: Friederike

Möller aus der Arbeitsgruppe von Professor Philip

Tinnefeld (ehemals LMU) trug mit ihrer Masterarbeit

zur Entwicklung sogenannter Nanoantennen

bei. Diese bestehen aus einem DNA-Gerüst, an das

Gold-Nanopartikel definiert gebunden werden. Sie

können die Fluoreszenzintensität von Farbstoffmolekülen

bis zu hundertfach verstärken und eröffnen

so ein breites Spektrum neuer Anwendungsgebiete,

unter anderem in der Signalverarbeitung

in optischen Computern oder für neue

DNA-Sequenzierungsverfahren.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Masterarbeit

Eva-Maria Rollers aus der Arbeitsgruppe

von Professor Tim Liedl. In ihrer Arbeit entwickelte

sie ein neues Konzept zur Herstellung

von DNA-basierten Metamaterialien, die über

maßgeschneiderte optische Eigenschaften verfügen.

Diese Methode besitzt ein großes Potenzial

für die Entwicklung neuer Materialien mit

unerwarteten optischen Eigenschaften, etwa

im Bereich der optisch basierten Informationsverarbeitung.

Die Arbeiten der beiden Gewinnerinnen

führten zu Publikationen in den hochrangigen

Zeitschriften „Science“ und „Nature“.

Auch in der Kategorie „Doktorarbeit“ teilen sich

zwei Wissenschaftler den mit 5.000 EUR dotierten

Preis: Dr. Johann Feckl aus der Arbeitsgruppe von

Professor Thomas Bein entwickelte in seiner Dissertation

eine neuartige Nanostruktur aus ultrakleinen

Lithium-Titanat-Kristallen, die bisherigen

Energiespeichern im Hinblick auf Ladegeschwindigkeit

und Stabilität stark überlegen ist. Dank

der sehr kleinen Kristallgröße und der großen,

gut zugänglichen Oberfläche können die Lithiumionen

rasch diffundieren, was zu außergewöhnlich

schnellen Ladezeiten führt. Dieser Prozess war

im Experiment auch nach über 1.000 Ladezyklen

noch stabil. Die entwickelten extrem schnellen

Speicherelektroden haben somit das Potenzial,

1 Prof. Dr. Tim Liedl

N R . 4 • 2013 Menschen

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Preise & Ehrungen

N R . 4 • 2013 Menschen

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1 Verleihung der attocube Research Awards.

die Lücke zwischen Superkondensatoren mit einer

kurzen Ladungszeit und konventionellen Batterien

mit hoher Kapazität zu schließen und die Entwicklung

von neuen, effizienten Energiespeichersystemen

zu ermöglichen. Feckl hat seine Ergebnisse

in mehreren Publikationen, unter anderem in der

renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie

International Edition“, veröffentlicht.

Dr. Thomas Faust aus der Arbeitsgruppe von Professor

Jörg Kotthaus und Professor Eva Weig hat

sich in seiner Doktorarbeit mit nanomechanischen

Resonatoren beschäftigt. Diese reagieren höchst

empfindlich auf kleinste Veränderungen in ihrer

Umgebung, sodass bereits die Anhaftung eines

einzelnen Moleküls oder die Kopplung an Licht

zu messbaren Rückwirkungseffekten führen kann.

Dr. Faust entwickelte eine kompakte „Plug-andplay“-Sensorarchitektur

für Arrays aus Nanosaiten

(oder Saiten mit Nanometerdicken), die besonders

einfach zu bedienen ist und in einem weiten Temperaturbereich

von oberhalb Raumtemperatur bis

herunter zu tiefsten Temperaturen empfindlich

arbeitet. Diese Messtechnik könnte somit zukünftig

auch außerhalb von Laborbedingungen

Einsatz finden und große praktische Bedeutung

bei der Entwicklung hochintegrierter Sensoren

und in der Hochfrequenzsignalverarbeitung haben.

Dr. Fausts Arbeiten wurden in hochrangigen

Zeitschriften, unter anderem in „Nature Physics“,

publiziert.

Die Leistung der beiden Arbeitsgruppen bei der

Unterstützung ihrer Doktoranden wurde mit einem

Preisgeld von jeweils 5.000 EUR besonders

gewürdigt.

Die attocube systems AG besteht seit 2001 und ist

eine Ausgründung aus dem CeNS. Sie lobt den jährlich

zu vergebenden attocube Research Award aus.

■ Drei LMU-Studentinnen ausgezeichnet

Im Mai wurden zum zwölften Mal die Ottmar Bühler-Förderpreise

für herausragende wissenschaftliche

Leistungen auf dem Gebiet der Betriebswirtschaftlichen

Steuerlehre verliehen. Ausgezeichnet

wurden die LMU-Studentinnen Franziska Faber

und Liya Kriem für ihre Bachelorarbeiten sowie

Constanze Gallmann für ihre Masterarbeit.

Der Förderpreis ist nach Ottmar Bühler (1884-

1965) benannt. Er war Lehrstuhlinhaber des Instituts

für Steuerrecht, das 1942 als erster spezieller

Lehrstuhl für diesen Fachbereich eingerichtet

wurde. Der Preis wird von der Kanzlei Linklaters

gestiftet und alljährlich verliehen.


verstorben

■ Prof. Norman Braun, Ph.D.

Sozialwissenschaftliche

Fakultät

Professor Norman Braun wurde 1959 in Neustadt

in der Oberpfalz geboren. Von 1982

bis 1988 studierte er in Erlangen Sozialwissenschaft.

Nach einem Graduiertenstudium

in Chicago wurde Braun 1992 in den USA

zum Ph.D. promoviert. Zurück in Europa

habilitierte er sich 1999 an der Rechts- und

Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der

Universität Bern, Schweiz. Drei Jahre später

wurde der Soziologe Studiendekan der

Sozialwissenschaftlichen Fakultät der LMU.

Sein Forschungsschwerpunkt lag vor allem

auf dem Rational-Choice-Umsatz. Bekannt

war der Professor ebenfalls als Herausgeber

der Fachzeitschrift „Soziale Welt“, die er gemeinsam

mit Ulrich Beck und Armin Nassehi

publizierte. Braun verstarb überraschend im

Alter von nur 53 Jahren am 9. Juli 2013 und

hinterlässt Frau und zwei Kinder.

■ Prof. Dr. Ulla Mitzdorf

Medizinische Fakultät

Die ehemalige Frauenbeauftragte der LMU,

Professor Ulla Mitzdorf, ist am 19. Juli nach

kurzer und schwerer Krankheit verstorben.

Sie war Universitätsfrauenbeauftragte und

gleichzeitig Sprecherin der Landeskonferenz

der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten

an bayerischen Hochschulen. Dieses Amt bekleidete

sie von 2000 bis 2006 – in einer Zeit,

die von großen Veränderungen in der Hochschullandschaft

geprägt war. Bei allen Regelungen

mussten Aspekte des Gender Mainstreaming

eingebracht werden, was Mitzdorf

mit ihrem Team engagiert und nachhaltig tat.

Die 1944 geborene Ordinaria für Medizinische

Psychologie an der LMU studierte Physik

an der Technischen Universität München

(TUM). Ebenfalls an der TUM habilitierte sich

Mitzdorf im Jahr 1983 im Bereich Physiologie

beziehungsweise 1984 an der LMU in den

Bereichen Medizinische Psychologie sowie

Neurobiologie. „Frau Mitzdorf vereinte einen

scharfsinnigen analytischen Blick mit einem

ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit“, beschreibt

die Frauenbeauftragte der LMU, Dr.

Margit Weber, ihre Vorgängerin. „Ich verliere

mit ihr eine wichtige Kritikerin, Ratgeberin

und Freundin.“

■ Prof. Dr. Leo Franz Knüsel

Fakultät für Mathematik,

Informatik und Statistik

Leo Franz Knüsel wurde am 13. August 1939

im schweizerischen Inwil geboren. Ab 1960

studierte er Mathematik an der Eidgenössischen

Technischen Hochschule Zürich, wo er

1969 „Über Minimum-Distance-Schätzungen“

promoviert wurde. Im selben Jahr wechselte

der Statistiker an die Universität Mannheim,

an der er seine Habilitationsschrift

„Beiträge zum zentralen Grenzwertsatz“ anfertigte.

Von 1978 bis zu seiner Emeritierung

2004 war Knüsel Professor am Institut für

Statistik der LMU. Sein Forschungsgebiet

war die Faktorenanalyse, insbesondere die

möglichst exakte numerische Berechnung

statistischer Verteilungen. Hierzu wurde von

ihm ein eigenes Programm entwickelt, mit

dem die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse

deutlich erhöht werden konnte. Er war außerdem

der erste Professor am Institut, der die

Verwendung von statistischer Software in der

Lehre propagierte und auch selbst softwarebasierte

Veranstaltungen durchführte.

Seine Publikationen umfassen zahlreiche

Monographien, Lehrbücher, Artikel und

Berichte. Knüsels Studierende schätzten vor

allem seine Fähigkeit, ein sinnvolles Verhältnis

von Theorie und Praxis zu finden. Knüsel

verstarb am 22. April 2013 im Alter von

73 Jahren in Erding.

■ Prof. Dr. Anselm Frick

Medizinische Fakultät

Anselm Frick wurde am 10. Februar 1934

in Hamburg geboren. Bis zu seinem Abitur

1947 lebte er in Osnabrück, das er erst für

sein Medizinstudium in Göttingen verließ. Im

Anschluss an seine Dissertation und Approbation

arbeitete der Professor am Physiologischen

Institut der Universität Göttingen,

der Freien Universität Berlin und der Technischen

Hochschule Aachen. Von 1974 bis

zum Eintritt in den Ruhestand 1998 war Frick

als Wissenschaftlicher Rat und Professor am

Physiologischen Institut der LMU am Lehrstuhl

bei Professor Eckehard Gerlach tätig.

Der angesehene Mediziner verstarb im Alter

von 79 Jahren am 25. März 2013.

1 Prof. Norman Braun, Ph.D.

1 Prof. Dr. Ulla Mitzdorf

N R . 4 • 2013 Menschen

39


verstorben

N R . 4 • 2013 Menschen

40

1 Prof. Dr. Eberhard Weis

■ Prof. Dr. Eberhard Weis

Fakultät für Geschichts- und

Kunstwissenschaften

Professor Eberhard Weis wurde am 31. Oktober

1925 im thüringischen Schmalkalden

geboren. Nach seinem Abitur studierte er in

München, Dijon und Paris Geschichte. Bereits

während der Abfassung seiner Habilitationsschrift

zur „Geschichtsschreibung und

Staatsauffassung in der französischen Enzyklopädie“

leitete er das Staatsarchiv in Landshut

sowie das Geheime Staatsarchiv in München.

1969 wurde der Historiker als Ordinarius

an die Freie Universität Berlin, ein Jahr

später nach Münster und 1974 an die LMU

berufen. Am Institut für Neuere Geschichte

war er nicht nur Professor für Mittlere und

Neuere Geschichte, sondern zudem Präsident

der Historischen Kommission der Bayerischen

Akademie der Wissenschaften. Besondere

Wertschätzung fand seine Arbeit als Emeritus

über Maximilian Graf von Montgelas, der

als Architekt des modernen bayerischen

Staates gilt. Eberhard Weis verstarb am

17. Juni 2013 im Alter von 87 Jahren in Gauting

bei München.

■ Prof. Dr. Hans-Joachim Meister

Fakultät für Physik

Professor Meister wurde am 12. Januar 1927

in Leipzig geboren. Nach seinem Studium an

der dortigen Universität arbeitete er in Berlin

mit verschiedenen Gruppen der Theoretischen

Physik. Meisters Forschung galt der

Relativitätstheorie und der Aufstellung relativistischer

Bewegungsgleichungen. Seine

Ergebnisse brachten ihm viel internationales

Renommee, weshalb auch die LMU auf den

in der Lehre für Vielseitigkeit und hohem

Lehrdeputat bekannten Physiker aufmerksam

wurde. So holte ihn der renommierte

Theoretiker Fritz Bopp als sogenannten

Kurator in seine Arbeitsgruppe. Anschließend

wurde er zum außerplanmäßigen und

später zum C3-Professor ernannt. 1992

schied er aus dem aktiven Dienst und verstarb

am 10. Juli 2013 im Alter von 86 Jahren.

■ Prof. Dr. Klaus Bruno

Johannes Lazarowicz

Fakultät für Geschichts- und

Kunstwissenschaften

Professor Klaus Lazarowicz, Jahrgang 1920,

wurde in Prabuty (ehemals Riesenburg) geboren.

In Göttingen studierte er Germanistik,

Anglistik und Kunstgeschichte. Im Alter von

32 Jahren wurde er promoviert und habilitierte

sich 1961 für das Fach Neuere Deutsche

Literatur an der LMU. Noch als Privatdozent

wurde Lazarowicz 1964 mit der kommissarischen

Leitung des Instituts für Theatergeschichte

betraut. Zwei Jahre später folgte die

Ernennung zum ordentlichen Professor und

Vorstand des Instituts für Theatergeschichte.

Ab diesem Zeitpunkt wurde Theatergeschichte

als selbstständiges Prüfungsfach an der LMU

geführt. Nach mehrjährigen Bemühungen,

die Theaterwissenschaft von der Literaturwissenschaft

zu emanzipieren, wurde das

Institut für Theatergeschichte 1974 in Institut

für Theaterwissenschaft umbenannt und als

eigenständige wissenschaftliche Einrichtung

dem Fachbereich Geschichts- und Kunstwissenschaften

zugeordnet. Lazarowicz leitete

das Institut bis zu seiner Emeritierung 1985.

Der 93-Jährige verstarb am 22. Juli 2013.


verstorben

■ Prof. Dr. Joachim Vogel

Juristische Fakultät

Professor Joachim Vogel, Inhaber des Lehrstuhls

für Strafrecht, Strafprozessrecht und

Wirtschaftsstrafrecht, ist am 17. August bei

einem tragischen Unfall in Venedig ums

Leben gekommen. „Professor Joachim Vogel

war ein außergewöhnlicher Jurist, dessen

Sachkenntnis der LMU fehlen wird. Wir sind

geschockt, vor allem aber zutiefst betroffen

von seinem Tod. In Anbetracht der Tragik des

Unfalls gilt unser Mitgefühl seiner Familie,

besonders seiner bei dem Unfall verletzten

Tochter“, sagt LMU-Präsident Bernd Huber.

Sehr hart trifft der Tod Vogels auch die

Juristische Fakultät, an der der 50-Jährige

bis zuletzt gearbeitet hatte: „Wir verlieren

mit Joachim Vogel einen hochgeschätzten

Kollegen und Professor, der in der Zeit seiner

Zugehörigkeit zu unserer Fakultät mit großer

Tatkraft in Forschung und Lehre tätig war.

Wir sind bestürzt über seinen tragischen Unfalltod.

Alle unsere Gedanken sind bei seiner

Familie“, so Professor Stefan Korioth, Dekan

der Juristischen Fakultät.

Der 1963 in Gießen geborene Joachim Vogel

studierte von 1983 bis 1988 Rechtswissenschaften

an der Albert-Ludwigs-Universität

Freiburg, wo er nach seiner Promotion 1992

auch seine akademische Laufbahn begann.

1999 habilitierte er sich in Freiburg und wurde

noch im selben Jahr C3-Professor für

Strafrecht und Rechtsphilosophie sowie

Rechtsinformatik an der LMU. Nachdem er

einem Ruf an die Universität Tübingen gefolgt

war, wo er unter anderem als Dekan

tätig war, kehrte er 2012 als W3-Professor für

Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht

an die LMU zurück. Seine

wissenschaftlichen Schwerpunkte lagen in

den Bereichen Wirtschaftsstrafrecht und europäisches

Strafrecht. Neben seiner akademischen

Laufbahn war Professor Vogel unter

anderem Richter, Mitherausgeber der JuristenZeitung

sowie Mitglied der Akademie der

Wissenschaften und der Literatur Mainz.

■ Dr. Otto Stinglwagner

Ehrensenator

Dr. Otto Stinglwagner wurde am 27. Juni

1925 in München geboren. Nach seinem

Jurastudium war er von 1958 bis 1966 Landrat

des Landkreises Ingolstadt und anschließend

bis 1972 Oberbürgermeister der Stadt

Ingolstadt. Er gilt als Retter des Baus der

„Alten Akademie“, den die Universität Ingolstadt

1723 errichten ließ. Mit der Auszeichnung

als Ehrensenator würdigte die LMU

das politische Engagement des SPD-Kommunalpolitikers

sowie Geschäftsführers der

Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“

und seine Unterstützung der Universität über

viele Jahre. Der 88-Jährige verstarb am 7. Juli

2013 in München.

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41


Tipps & Termine

N R . 4 • 2013 SERVICE

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1 Der Naturfotografie-Sieger von 2012: Tommy Vikars und sein

„Sternengucker“.

1 Kleinodien am Wegesrand – Ausstellung im Museum Mensch und Natur.

1 Die Ausstellung erklärt die Formenvielfalt der Dinosaurier.

■ Zwei Fotosonderausstellungen

im Museum Mensch und Natur

Neue und ungewöhnliche Einblicke in die vermeintlich

vertraute Landschaft unserer näheren

Umgebung vermittelt die Sonderausstellung „Welt

im Tau – Naturwunder im Alpenvorland” von

Dr. Ferry Böhme, die noch bis zum 17. November

2013 im Museum Mensch und Natur im Schloss

Nymphenburg zu sehen ist. Durch überraschende

Übergänge von bekannten Landschafts-bildern zu

Makroaufnahmen, bei denen kleinste Details der

Natur sichtbar und erlebbar werden, wird der Besucher

in die Welt des Taus gezogen. Böhme ist

Tierarzt und passionierter Naturfotograf aus Fürstenfeldbruck.

Seine Reisen führten ihn zwar in die

verschiedensten Ecken der Welt, doch seine Leidenschaft

gilt seit vielen Jahren den übersehenen

Kleinodien am Wegesrand im bayerischen Alpenvorland

oder dem Fünfseenland.

Ab 29. November 2013 bis zum 2. März 2014 zeigt

das Museum in einer weiteren Sonderausstellung

erstmals die besten Bilder des Fotowettbewerbs

„Europäischer Naturfotograf des Jahres“ der Gesellschaft

deutscher Tierfotografen (GDT). Die Bilder

der Ausstellung dokumentieren auf eindrucksvolle

Weise die hohe technische und künstlerische

Qualität der modernen Naturfotografie. Sie sollen

aber auch helfen, Menschen für die Schönheit

der Natur zu begeistern, und dadurch den Naturschutzgedanken

fördern. Weitere Informationen

gibt es unter www.musmn.de.

■ Paläontologisches Museum zeigt

„jurassische Erfolgsgeschichte der

Dinosaurier“

Dinosaurier gehören zu den bekanntesten Gruppen

fossiler Tiere. Was vielen Menschen jedoch

nicht bewusst ist: Dinosaurier existierten im Erdmittelalter

über einen Zeitraum, der mehr als doppelt

so lang wie die gesamte Erdneuzeit ist. Ihre

beherrschende Stellung erlangten sie allerdings

erst durch ihre Diversifizierung im Laufe des Jura.

Wie und warum es zu dieser gewaltigen Formenvielfalt

kam, ist eine der spannendsten Fragen

in der Dinosaurierforschung. Das Paläontologische

Museum München zeigt daher in der neuen

Sonderausstellung „Dinosaurier: eine jurassische

Erfolgsgeschichte“ bis 30. Mai 2014 den derzeitigen

Forschungsstand zur Evolution der Dinosaurier.

Neben Stücken aus der Bayerischen Staatssammlung

werden auch Leihgaben des Museums

für Naturkunde Berlin und des Dinosaurierparks

Münchehagen gezeigt. Eine Anfahrtsbeschreibung

ist unter www.palmuc.de zu finden.


Tipps & Termine

■ Im Museum Reich der

Kristalle trifft Geschichte

auf Erdgeschichte

Aragonit ist unter heutigen Klimabedingungen

instabil. Meist wird das Mineral selektiv gelöst

und die entstandenen Hohlräume wieder mit dem

stabilen Mineral Calcit verfüllt. Der großräumige

Erhalt der Aragonitsinter der Burggrabenhöhle in

der Ruine Wolfstein in Neumarkt in der Oberpfalz

ist daher ein einzigartiger Zeitzeuge des einst tropischen

Klimas in diesem Gebiet und gleichzeitig

der älteste Höhlensinter Deutschlands. Bei einem

Rundgang durch die Burgruine kann man erkennen,

dass im Mittelalter Aragonitbrocken verbaut

wurden und bis jetzt fast unbeschadet überdauerten.

Das Museum Reich der Kristalle zeigt in

seiner Sonderausstellung „Geschichte trifft Erdgeschichte“

noch bis zum 1. Dezember 2013 das

sensationelle Aragonitvorkommen im Burggraben

der Ruine. Führungstermine gibt es unter mineralogische.staatssammlung.userweb.mwn.de

■ Munich Lectures in Economics 2013

mit Professor Ernst Fehr

Das Center for Economic Studies (CES) ehrt einmal

im Jahr einen international herausragenden

Ökonomen als „Distinguished CES Fellow“. Der

Preisträger ist Redner der Munich Lectures in Economics

– eine Vortragsreihe, die einem breiten

Publikum ein aktuelles Forschungsgebiet aus der

Volkswirtschaftslehre vorstellen soll. In diesem

Jahr hält sie vom 19. bis 21. November 2013

Professor Ernst Fehr. Der Schweizer ist Professor

für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung,

Dekan des Departments of Economics

der Universität Zürich und Direktor des

UBS International Center of Economics. Die Vorlesungsreihe

wird gemeinsam mit dem ifo Institut

organisiert und von Munich Re und MIT Press

unterstützt. Veranstaltungsorte und -zeiten gibt es

unter www.cesifo-group.de.

N R . 4 • 2013 Service

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1 Ein Aragonit in der Ausbildungsvariante Eisenblüte.

1 Professor Ernst Fehr


Tipps & Termine

N R . 4 • 2013 Service

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■ Amerika Haus: Ausstellung

„Blues on the Road – Jazz and

Images of the South“

Die Ausstellung „Blues on the Road – Jazz and Images

of the South“ zeigt noch bis zum 13. Dezember

2013 jeweils von Montag bis Freitag die Werke

des deutschen Fotografen und Künstlers Axel

Küstner. Der heute 57-Jährige bereiste zwischen

1970 und 2003 die Südstaaten der USA, um dort

Bluesmusiker zu porträtieren und Tonbandaufnahmen

von Gospel, Country, Bluegrass, Tex-Mex und

Cajun mitzuschneiden, die jetzt in der Ausstellung

im Amerika Haus München am Karolinenplatz 3

erlebbar sind. Kuratiert wurde die Ausstellung

über die verlorene Welt des Southern Country

Blues von Studierenden des Amerika-Instituts der

LMUder Eintritt ist frei. Öffnungszeiten unter

www.amerikahaus.de.

1 Das Amerika-Haus zeigt bis 13. Dezember 2013 die Ausstellung „Blues on the road“.

impressum

Herausgeber

Präsidium der Ludwig- Maximilians-Universität (LMU)

München

Anzeigen: Kommunikation und Presse LMU

ISSN 0940-0141

Redaktion

Kommunikation und Presse LMU

Luise Dirscherl (dir), Katrin Groeschel (kat) (verantwortlich)

Clemens Grosse (cg) (federführend)

David Lohmann (dl), Anja Burkel (ajb)

Titel- und Heftgrafik: [www.haak-nakat.de]

Umschlagfoto / Rückseite : Christoph Olesinski

Die MUM erscheint vierteljährlich. Eine Online-Ausgabe kann

unter www.lmu.de/presse/mum heruntergeladen werden.

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Luise Dirscherl, Christel Haag (cha) Simon Kirner (ski),

Eva Kittel (ki)

Onlineredaktion

Thomas Pinter (thp)

Redaktionsadresse

Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München

Tel.: +49 (0) 89 2180-3423

Fax: +49 (0) 89 33 82 97

mum@lmu.de

Designkonzept und Layout

HAAK NAKAt [www.haak-nakat.de]

Distribution

Kommunikation und Presse LMU: Mathias Schiener

Fotos im Heft: Haak & Nakat (S. 1, 2); Roy Hessing/Museum für Abgüsse Klassischer

Bildwerke (S.4); Massimo Finizio/wikipedia (S.4); Enactus/Martin Aufmuth (S.6);

Enactus/Martin Aufmuth, Anja Burkel (S.7); Volker Klauss (S.8); Stefan Plenk (S.9);

Dominik Enste, Institut der deutschen Wirtschaft (S.10); Clemens Grosse (S. 12/13);

David Lohmann (S.14/15); Simon Kirner (S.16/17); Clemens Grosse (S. 18/19); Anja

Burkel (S.20/21); Christoph Olesinski (S.22/23); David Lohmann (S.24/25/27); MPI

für Neubiologie (S.29u.); Christoph Olesinski, Bayerisches Wissenschaftsministerium

(S.35); attocube GmbH (S.38); Gesellschaft deutscher Tierfotografen/Tommy Vikars,

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (S.42); Universität

Zürick (S.43); Alex Küstner (S.44); fotolia.com (S. 6, 7, 8, 9); iStockphoto.com (S.24).

Alle weiteren Bilder: Friedrich Schmidt bzw. LMU.

MUM und Einsichten beim „Stummen Verkäufer“

Professor-Huber-Platz 1.OG; Schellingstr. 3/4 Eingangsbereich; Ludwigstr. 28

Rgb.; Leopoldstr. 13; Oettingenstr. 67 Hörsaalgebäude; Pettenkoferstr. 12 Eingangsbereich;

Theresienstr. vor dem Café Gumbel; Luisenstr. 37 Eingangs bereich;

Königinstr. 10 Teilbibliothek UG; Unibibliothek Ludwigstr. 27 Ausleih halle; Historicum

Teilbibliothek EG; Biozentrum Pforte; Chemie und Pharmazie Haus F EG.


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