POM 15

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POM 15

.Die Realität ist die beste Abwehr"

PGM 1 5

konnten oder andere ausgeschlossen

wurden. Von Zeit zu Zeit stellte er

auch Erklärungsmodelle für p$ychosomatische

Erkrankungen vor oder

machte auf Ansätze einer notwendigen

psychotherapeutischen Begleitung

vorgestellter Patientinnen aufmerksam.

Nicht zuletzt erfüllt die Supervision

auch eine wichtige Schutzfunktion:

Schutz und Rückhalt einerseits für die

Tutorlnnen durch die Bearbeitung

gruppendynamischer Prozesse und

konkrete interventionsvorschläge von

Seiten der Supervisionsgruppe oder

des Supervisors. Denn wer kennt es

nicht, daß eine Gruppe bestimmte

Themen stets ausklammert, daß ein

aggresives Klima aufkommt oder aber,

daß die Gruppe sich verkleinert und

zusammenzubrechen droht.

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Schutz und Sicherheit anderseits auch

für die Patientinnen, die Interviewerinnen

und die ganze Gruppe, da auftretende

Probleme besser verstanden

und Ergebnisse gegebenenfalls nach

einer Supervision in die Gruppe zurückgetragen

werden können, Oft gelingt

es dann, dem Gefühl Einzelner,

nicht verstanden zu werden, entgegenzuwirken.

Auch überhöhte Ansprüche

und Erwartungen der Teilnehmerinnen,

z.B. an das selbst geführte Patientinnengespräch,

das oft mit Enttäuschungen

verbunden ist, können

besser aufgefangen werden. Abwehrmechanismen

und Widerstände der

Gruppenteilnehmerinnen werden reflektiert.

Diese können in der Gruppe

angesprochen werden oder aber gezielt

unbenannt bleiben, wenn deren

Aufrechterhaltung notwendig erscheint.

Nach knapp zwei Jahren haben wir

uns mittlerweile gut mit unserer Rolle

als Tutorln identifiziert - nicht zuletzt

dank der zahlreichen Supervisionen.

So dachten wir schon bei der Übernahme

unserer zweiten Gruppe, daß

mit unserer damaligen Erfahrung wohl

alles wie am Schnürchen laufen müsse.

Das stimmte dann freilich nur z.T.:

die Aufregung vor den Sitzungen - sowohl

der Anamnesegruppe, als auch

der Supervision - war weitestgehend

weg. Wir hatten auch erfahren, daß

begangene Fehler zwar schmerzlich

sein können, aber selten unkorrigierbar

bleiben. Doch verleiteten uns die

gemachten Erfahrungen eins ums andere

Mal dazu, der Gruppe einen

Schritt vorauszueilen. Sei es, daß wir

ihnen selbsterdachte Deutungen überstülpten

oder sie zur Bearbeitung uns

wichtig erscheinender Themen „zwingen"

wollten. Je länger wir diese Rolle

nun ausfüllen, desto geduldiger werden

wir, mit dem Wissen im Hintergrund:

jede Gruppe entwickelt ihre eigene

Dynamik.

Abschließend möchten wir noch betonen,

daß ohne Supervision die Anamnesegruppen

in Tübingen nicht vorsteflbar

wären. Mit der Zeit wurde sie -

für uns jedenfalls - zur fruchtbarsten

Lehrveranstaltung im Fach Humanmedizin.

Keine Stunde möchten wir

M

Mft

Völlig erschöpft steigt POM Fritz in den nächsten IGE nach Norden.

Auf dem Programm steht noch Homburg, daß zumindest wegen des

gelungenen „Generationswechsels" bei der Tutorenfamilie einen Besuch

wert ist. Kurz nach Darmstadt ist er auch schon eingeschlafen.

„Main, Moin men Deerns un min Jungs, we von ne IGE Crew Klaus

Stortebecker verabschieden uns, hevvt ne bannige Tied an ne Waterkant

in Haamburch. We wüern uns freien wenn se wedder mit us

fahrn." Na ja denkt sich Pommi eigentlich wollte ich ja direkt zurück

nach Berlin, aber wenn ich schon mal in der Hansestadt bin, könnte

man ja mal anamnesegruppentechnisch nach dem Rechten sehen.

Die Anamnesegruppen scheinen hier im großen Stil reanimiert worden

sein.

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l

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