POM 15

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POM 15

Die Angst vor dem ersten Satz

Verflixt nochmal! Warum muß ich denn dieses erste Mal machen? Die Tutoren haben

doch viel mehr Ahnung als ich oder als wir, die könnten es uns doch einmal

zeigen, wie es „richtig" geht! Statt dessen einfach ein Sprung ins kalte Wasser. Und

wenn ich nicht mehr weiter weiß? Wenn ich gleich am Anfang die Kurve nicht kriege?

Dann bekomme ich vielleicht zack!, eine Diagnose hingeknallt und fertig ist die

Sache - dann habe ich nicht nur die Krankheit nicht herausbekommen, sondern

werde dafür noch fast zwei Stunden lang durch die Mangel gedreht von der Gruppe.

Ich fühle mich viel zu sehr beobachtet, womöglich ist das doch eher ein Psychokurs,

bei dem die Studenten durchleuchtet werden, fachlich und menschlich, wie

soll man sich denn da entspannen und auf ein Gespräch konzentrieren?

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Oh! Draußen sind Schritte zu hören - sie kommen, Unruhe in unserem Raum. Da

geht die Tür auf, der Patient kommt herein - hmm, wirkt ja ganz gut dran und sympathisch,

geht gleich auf mich zu. Und nun?!

„Guten Abend, schönen Dank, daß Sie hier sind. Ich heiße Robert Wechter und

werde mit Ihnen das Gespräch führen. Bitte nehmen Sie hier Platz. Wie geht es Ihnen?"...

(Uff, na also, geschafft!)

Das dauert aber ganz schön lange, bis der Patient da ist. Vielleicht hat er ja auch

kurzfristig abgesagt, keine Lust. Kommen die Patienten eigentlich freiwillig hierher?

Wenn der Patient nicht mitmacht, dann ist die Sache sowieso gegessen. Überhaupt

kommt mir dieser Rahmen hier auf einmal ganz schön künstlich vor - der Patient

erwartet etwas von mir, was ich ihm nicht geben kann. Oder vielleicht erwartet er

auch gar nichts, denn er weiß ja, daß ich für ihn nichts tun kann oder werde, sondern

ihn eigentlich nur benutze. Wie unfair. Würde ich denn als Patient bei so etwas

mitmachen? Muß ich ihm also noch besser sagen, wie nett das ist, wenn er kommt

und sich zur Verfügung stellt? Muß ich ihm erst erklären, wie die ganze Sache hier

abläuft, „Wissen Sie, worum es hier geht?". Aber ich weiß ja auch kaum, was hier

passieren soll oder was alles passieren kann. Schrecklich unsicher das alles!

Und ich darf auf keinen Fall unsouverän wirken, nicht vor dem Patienten und nicht

vor der Gruppe. Also besser ganz sachlich: „Wie lange sind Sie schon hier?". Als

Einstieg etwas abrupt, doch damit erfahre ich ja wirklich nur reine Fakten und gewinne

erst einmal Zeit. Oder so; „Mit weichen Beschwerden sind Sie hergekommen?".

Das habe ich in einem Buch gelesen, ist sicherlich korrekt und gut, auch

wenn dann unter Umständen die ganze Masse von Befunden in einem Schwung

auf mich einprasselt. Also wie denn jetzt?

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