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Der Gang durch das Haus

Der Gang durch das Haus

Ein Tip zur Anamneseerhebung

Von Tillmann Jacobi, Berlin

„Uff, da kommt jetzt eine Menge auf mich zu. 1

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Ich möchte es nennen; der Gang durch das Haus:

Stelle Dir vor, Du gehst durch ein Haus oder eine große Wohnung. Sicherlich ist es

günstig, wenn es wie Dein echtes, eigenes Zuhause ist. Es gibt eine ganze Anzahl

von Räumen, möglicherweise auch ein paar Treppen und einen Balkon. Diesen

Räumen lassen sich nun ohne größere Schwierigkeiten Eigenschaften, Fragen, Tätigkeiten

usw. zuordnen, die direkte Verwandtschaft mit der Anamnese haben. Besonders

angenehm, wenn auch die Reihenfolge einigermaßen dem entsprechen

kann, was man von einer klinischen Orientierung auch erwartet.

So begann zumindest bei mir selbst die erste Erfahrung mit einer Patientenanamnese.

Mitschreiben ist umständlich und störend, doch wie anders ist es möglich,

nicht nur eine gewisse Struktur in ein Anamnesegespräch zu bringen, sondern auch

eine umfassende Informationsgewinnung zu erreichen, bei der die Daten und Fakten

ebenso Platz haben, wie die individuellen persönlichen, menschlichen Aspekte?

Die Teilnahme an der Anamnesegruppe half deutlich, diese Probleme bewußter

und deutlicher zu machen, auch wenn leider keine „fertigen Lösungen" dafür geboten

werden konnten. Die üblichen Lehrbücher über klinische Untersuchungen

sind sicherlich sehr schön geschrieben und vermitteln, was alles „drin sein sollte",

doch irn Endeffekt bleibt dann doch nur der Griff zum Fragebogen - damit nichts

Wichtiges vergessen wird.

Die Berufserfahrungen und -zwänge, also die Routine, werden dann endgültig von

einem verlangen, sich ein brauchbares Schema zusammenzubasteln, wie man die

Anamnese ökonomisch und vielleicht auch persönlich zufriedenstellend gestalten

kann oder darf. Doch das ist sicherlich auch von vielen Zufällen abhängig.

Als Beispiel gehe ich jetzt hier durch mein imaginäres Haus und schreibe zu den

einzelnen Stationen, was sich dabei ergibt. Natürlich ist es ein recht krankheitsunspezifisches

Konzept, jedoch schon einmal ein gewisses Gerüst für einen allgemeinen

Status.

Keller

• Vorraum: was sind aktuelle Beschwerden, was hat Patient „nach unten gebracht"

• Werkzeugkeller: Alter, Größe, Gewicht (Veränderungen?), Unfälle, Verletzungen,

Op., Beruf

• Treppenstufen: Belastbarkeit, Sport, Gelenke, Wirbelsäule, Beine dick, regelm.

Schmerzen

Küche:

• Ernährung (Regelmäßigkeit), Appetit,

• Unverträglichkeiten oder Abneigungen (z.B. Fleisch)

Auf der Suche danach, wie eine praktische und vielleicht auch sachgerechte Systematik

in einem Erstgespräch zu finden ist, fand ich unvermittelt „Hilfe" bei den

alten Griechen, die in ihrer Redekunst ein bildhaftes Schema benutzten. Es ist für

die Anamneseerhebung zwar auch keine völlige Lösung der Probleme, aber für

mich war und ist es bis heute eine Unterstützung für Hirn und Wahrnehmung.

Bad:

Stuhlgang, Wasserlassen,

Medikamente: mind. eine Handvoll explizit nachfragen: 1) Schmerzmittel,

2) Schlafmittel, 3) Beruhigungsmittel, 4) Abführmittel, 5) Hormone (Pille)

Impfungen

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