POM 15

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POM 15

Kein Platz für Aggression?

doch häufig zu finden unter den Tutoren, deren Gemeinschaft sich unter Umständen

von Semester zu Semester ändert.

Doch nun zurück zur Anamnesegruppe selbst.

pon is

der) und der Gruppe als Ganzes (die Gruppenbiographie}. Abgesehen davon gibt

es natürlich z.B. noch förderliche oder störende Rahmenbedingungen (z.B. Raumgroße

und -klima, Komplikationen mit Patientenbesorgung usw.), die allerdings hier

nicht weiter beachtet werden sollen und deswegen in diesem Kreismodell fehlen.

Eine Anamnesegruppe findet sich „zufällig" zusammen, d.h. man hat sich die anderen

Teilnehmenden nicht vorher ausgesucht. Angesichts einer derart durcheinandergewürfelten

Gemeinschaft reagieren die meisten zunächst mit einem vorsichtigen,

diplomatischen, wenn nicht gar überfreundlichen Verhalten („bloß nicht zu

schnell anecken, lieber erst einmal die Charaktere der anderen beobachten; Gemeinsamkeiten

finden usw."). Im Laufe kurzer Zeit sind dann aber die ersten Territorien

abgesteckt, die ersten kleinen Bündnisse geschlossen... Bahn frei für die ersten

Konflikte:

Wer auf wen?

Das Gebilde Anamnesegruppe ist durch verschiedene Dinge recht kompliziert. Es

dürfte hier aber angemessen sein, die relevanten „Parteien" vereinfachend auf

sechs zu reduzieren. Um es ein wenig überschaubarer zu machen, folgende Grafik:

Patient

Gruppe

Krankheit

Interviewer

"black

bo x"

Tutoren

In der Mitte treffen alle Beteiligten zusammen

und sind miteinander verbunden.

Unter der „black box" kann man die

vielfältigen Bedingungen verstehen, die

außerhalb des offensichtlichen Geschehens

sind, aber einen direkten Einfluß auf

die Gruppe ausüben. Sie sind bei allen

Beteiligten des Kreises zu finden, und so

- — ~ . _ u m f a ß t dieser Bereich also z.B. die einzelnen

persönlichen Bedürfnisse, Biographien und Erinnerungen der Individuen (also

von Interviewer, Patient, Tutoren, Teilnehmenden, jeweils unabhängig voneinan-

Vor allem die „black box" ist also für Überraschungen gut und häufig nur schwer zu

„öffnen". Doch es ist allein schon wichtig, ihre Existenz zu kennen und zu beachten,

um in heißen Diskussionsphasen den Überblick wieder zu erlangen bzw. Anhaltspunkte

für die Ursachen von starken Reaktionen zu bekommen.

Im folgenden stichwortartig verschiedene Konstellationen für „Angriffe", wenn die

Gruppe mal richtig arn Kochen ist:

1) Gruppe versus Interviewer:

Gespräch wird destruktiv kritisiert, der Interviewer „in die Pfanne gehauen". Natürlich

kann es sein, daß das Gespräch wirklich schlecht gelaufen ist, doch ist

der Grund dafür nicht immer nur allein der Interviewer.

2) Interviewer versus Patient:

Um sich zu verteidigen, kann der Interviewer sich selbst kleinmachen, damit der

Gruppe „die Kehle zeigen" und auf Verschonung hoffen. Oder er kann auf dem

Patienten herumhacken {„so spröde, so wenig gesprächig, nicht kooperativ"

usw.) in der Hoffnung, Verbündete dafür zu finden.

3) Gruppe versus Patient:

Vielleicht steigt die Gruppe tatsächlich darauf ein und verschiebt damit also die

Kritik am Interviewer auf den Patienten - statt Verständnis bricht ein Ärger aus,

evtl. auch noch umgeleitet auf andere Institutionen (Krankenhaus, Ärzte, die mal

versagt haben, Familie des Patienten usw.).

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