POM 15

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POM 15

Kein Platz für Aggression?

Anhang:

„Die Tutoren stehen ja schon über den Dingen, oder?"

- Ein weiteres Beispiel aus Berlin

Was hier noch nicht besprochen wurde ist das Verhältnis der Tutoren untereinander

und ihrer eventuellen Aggressionen. Nicht nur zwischen den beiden, die miteinander

eine Gruppe betreuen, sondern zwischen der Gesamtheit der Tutorlnnen an

einem Ort. Die Tutoren kennen sich schon alle ein bißchen aus mit Gruppendynamik

mit typischen Konfliktsituationen, Wo bleiben aber vielleicht die eigenen Konkurrenzgedanken,

Vergleiche und Bewertungen gegenüber den Kolleginnen, mit

denen man das Projekt Anamnesegruppen vertritt? Auf der einen Seite zieht man

doch irgendwie am gleichen Strang, dem „Projekt". Auf der anderen Seite ist es

vielleicht unangenehm, wenn ein Problem von Nähe und Distanz dann besonders

spürbar die Kontraste aufzeigt: die Tutoren sind insgesamt eine Gruppe, doch

macht jeder ganz individuell bzw. als Tutoren-Pärchen eine „eigene" Gruppe mit

eigenem Konzept, Anspruch, Wunsch und vielleicht sogar auch unterschiedlichem

Ziel. Die Situation in Berlin ist vermutlich schwieriger als in anderen Städten, da nun

über mehrere Semester lang acht bis neun Anamnesegruppen existieren, das heißt

auch: 16 bis 18 Tutorlnnen. Da wir auch noch an den verschiedenen Klinika studieren

ist die Gelegenheit für Begegnungen eher selten. Die Supervision war zudem

auch noch auf zwei Supervisoren aufgeteilt, also sah man sich manchmal bloß zum

Einteilungstreffen zu Semesterbeginn. Der Versuch, ein regelmäßiges „Plenum" im

Semester einzurichten, für Austausch oder auch für Fortbitdung wollte nicht richtig

klappen, sondern verstärkte eher noch manchen Mißmut (ein Zusatztermin, nochmal

eine weiter Weg durch die halbe Stadt etc.). Vielleicht war es nur ein Zufall,

aber möglicherweise hing es damit zusammen: zum Sommersemester 1997 bekamen

wir nur die Mühe die Gruppen mit ausreichend Teilnehmerinnen gefüllt. Normalerweise

hatte es pro Semester weit über 100 Anmeldungen gegeben, so daß

per Losverfahren die Plätze verteilt werden mußten. Ich zumindest wurde an eine

Frage einer früheren Tutorin gemahnt, die meinte, ob denn die Anamnesegruppen

selbst überhaupt „gut" laufen können, wenn das übergeordnete System nicht gut

läuft. Dieser Gedanke war hier schwer zu beweisen oder zu widerlegen,- doch er

t s

im Endeffekt kam es soweit, daß wir eine einmalige Extra-Supervisionsstunde bei

einem Ex-Supervisor machten, die zum Thema allein die schwierige und verhärtete

Konstellation unter den Tutoren hatte. Einige der wichtigsten Gründe kamen zur

Sprache, und die Bereitschaft zu konstruktiverem und toleranterem Umgang mit

Differenzen untereinander wurde formuliert. Natürlich löste sich nicht alles umgehend

in Wohlgefallen auf, jedoch hat sich seither das Klima gebessert und die Anmeldezahlen

sind auch wieder auf früherem Niveau angelangt. Auch wenn durch

die Tutorentätigkeit die Erfahrung mit Gruppen wächst, haben wir diese Hilfestellung

von außen gebraucht.

(*} aus: R.Kirsten/J.Müller-Schwarz; „Gruppen Training. Ein Übungsbuch mit 59

Psycho-Spielen, Trainingsaufgaben und Tests", Rowohlt-Verlag

wirkte plausibel.

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