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Depressionen und Krebs

Von Daniel Dürr, Tübingen

Depressionen und Krebs

Da Depression in den Kulturen vieler Länder schon Jahrhunderte lang nicht als reine

Krankheit verstanden wurde, sondern als Teil einer Persönlichkeit bis hin zur

»Lebensquelle des Genies« verstanden wurde, fällt es uns nicht leicht, Depression

als reine Krankheit zu begreifen. Zudem scheuen wir uns vor den Gedanken, Depression

möglicherweise einmal als eine Krankheit des Gehirns, des Kopfes, akzeptieren

zu müssen.

Einleitung

Seit nicht so langer Zeit wird wieder umfassender an Depressionen insbesondere

im Zusammenhang mit Krebs geforscht. Man hofft neue somalische Ursachen für

das Verständnis von Depressionen zu finden. Eine Möglichkeit wie Depression und

Krebs zusammenhängen können, wurde beim Brustkrebs schon länger untersucht.

So litten Frauen, die bei Brustkrebs eine Mutation im BRCA1 oder BRCA2-Gen

aufwiesen, alle an einer großen Depression im Gegensatz zu anderen an Brustkrebs

erkrankten Frauen. Doch dies ist nur ein kleines Beispiel für eine genetische

Komponente, die vermutlich nicht ausreichen wird, Depressionen ausreichend auf

den Grund zu kommen. Depression beeinflussen die Therapie eines Patienten. In

welchem Maße und durch welche Weise ist noch unklar. Ansätze wurden gefunden,

indem Afferenzen des LPS (Lymphatischen Systems) gefunden wurden (siehe

Abb.1). Die klassische Vorstellung, daß das LPS eigenständig gänzlich unabhängig

vom ZNS arbeite, wird zum Beispiel widerlegt durch Nervenfasern, die zu

Lymphknoten führten (Guillemin R., Cohn M., Melnechuk T. 1985).

Diese efferenten sympathischen Nervenphasern können bei Durchtrennung eine

Stimulation oder Hemmung der Immunreaktion bewirken. Neu entdeckte Afferenzen

wie der von stimulierten lymphoiden Zellen produzierte GIF (glucocorticoid increasing

factor), der die Glucokortikoidausschüttung erhöht und damit über die hemmende

Wirkung des Cortisols einen negativen Regelkreis schließt, geben Anlaß,

ein noch weitreichenderes System von Afferenzen zu proklamieren.

Vielleicht ist gerade dadurch dieses Gebiet wieder interessant geworden und beschäftigt

die Wissen seh äfft.

Schwierigkeiten

Ich möchte nun kurz auf die Schwierigkeiten eingehen, die bei der Forschung über

Depressionen auftreten. Am besten lassen sie sich darstellen, indem verschiedene

spontane Assoziationen zu Depression und Tumor aufgelistet und verglichen werden.

Um etwas konkreter zu werden, nehme ich eine Brainstormingnotiz einer

Gruppe von acht verschieden naturwissenschaftlich tätigen Studenten (siehe Tabelle)

zum Beispiel.

Depression

Lebensunlust

kein Spaß

Selbstmord

keine Farben mehr sehen, alles dunkel

Melancholie

in einem Loch stecken

Schmerzen

in sich versinken

Tumor/Krebs

Geschwulst

Krankheit

Schmerz

Tumorgene

Chemotherapie

Tod

verfressen werden

Angst

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