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Depressionen und Krebs

Sicherlich sieht so ein Brainstorming individuell verschieden aus, aber es werden

sich vermutlich trotzdem folgenden Beobachtungen machen lassen. Die Ausdrücke

zu den beiden Stichworten stammen häufig aus verschiedenen Sprachbereichen.

So finden wir bei dem Stichwort Depression vermehrt Termini, die aus dem philosophischen

oder lebensnahen Bereich stammen, im Gegensatz zu Tumor und Krebs,

bei denen eine biologische, verhaltenstheoretische Sprache vorherrscht. Auch ist es

in diesem Fall typisch, daß Krankheit unter dem Stichwort Depression nicht zu finden

ist. Doch hier genau befinden wir uns an der Stelle, wo die Problematik beginnt,

In unserem Sprachgebrauch und Gefühl fällt es uns schwer Depression als eine

Krankheit anzuerkennen. Gründe mögen darin liegen, daß wir bei dem Versuch

Depression mit Krankheit zu verbinden, auf eine Krankheit des Gehirns schließen

müßten und nun davor zurückschrecken, denn wer möchte schon gerne im Kopf

krank sein? Auch wenn noch nicht klar ist, ob bei der Suche nach Ursachen für die

Depression immer ein rein naturwissenschaftlicher Grund gefunden werden kann,

so stehen "dieser Suche oft traditionelle und kulturell verankerte Vorstellungen im

Wege.

Doch was genau wurde mit Depression bisher ausgedrückt ? In der Umgangssprache

ist es ein Sammelbegriff geworden für Gefühlszustände, die sich individuell

verschieden mit motivationslos, introvertiert, spaßlos, lebensmüde umschreiben

lassen. Dies ist sicher keine befriedigende Antwort für eine Definition.

Die Definition

(maior depression und minor depression) gebraucht. Dort ist eine Depression als

ein mindestens zwei Wochen anhaltendes Stimmungs-, Motivations- und Lebenstief

definiert, bei der eine bestimmte Anzahl charakteristischer Zustände, die in einer

Liste vordefiniert sind, vorhanden sein müssen. Daneben würden und werden zum

Teil immer noch unterschiedliche Untersuchungsinstrumente, wie DSMIII, DSMII,

MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory) oder HAMD (Hamilton Depression

Skala) für die Diagnose von Depression genutzt. Diese gleichzeitige Nutzung

verschiedener Diagnoseinstrumente ist eine der Hauptschwierigkeiten bei der Metaanalyse

bisheriger Studien,

Der Stand

Es ist deshalb notwendig geworden, verschiedene ältere Studien auszuwerten, um

einen Ansatzpunkt und vor allem einen Überblick über die bisher gemachten Beobachtungen

zu bekommen. Diese Aufgabe stellte sich Prof. H.J. Staab und stellte die

Ergebnisse seiner und anderer Kollegen zusammen mit M. Ludwig in dem Büchlein

Depression bei Turnorpatienten zum 2. Salzburger Symposium zur Lebensqualität

chronisch Kranker (1992) zusammen. Die aus seinem Beitrag der Literaturforschung

entstandenen Ergebnisse sind in Abbildung 2 graphisch zusammengefaßt.

Die darin gezeigten Prävalenzfaktoren sind zwar kritisch zu bewerten, da sie zum

einen aus unterschiedlichen Patientenkollektiven und zum anderen unterschiedliche

Diagnoseinstrumente zugrunde legen, aber zeigen dennoch ein beachtliches Spektrum,

in dem Depression eine Rolle spielen kann.

In der Fachsprache der Medizin wurde bis jetzt auch sehr oft eine individuelle Charakterisierung

dieses Begriffes benutzt. Die wenigen klassisch definierten Begriffe,

wie endogene, reaktive und larvierte Depression erhielten von verschiedenen Doktoren

diagnostiziert auch verschiedene Bedeutungen - ein Phänomen, das bis heute

auch bei anderen Krankheiten bekannt ist. Erst nach der Einführung eines einheitlichen

Disease Manual (DSM) und der Forderung, Depressionen nach diesem zu

charakterisieren, werden jetzt größtenteils einheitliche Definitionen im DSM III

Auf die einzelnen Punkten werde ich nun noch etwas genauer eingehen. Um den

Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, verzichte ich auf die Verweise zu den

unterschiedlichen Statistiken. Diese können in eben erwähntem Büchlein Depression

bei Tumorpatienten von H.-J. STAAB und M.LUDWIG nachvollzogen werden.

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