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Tutorenaufgaben

werden zu scheint Kompetenzen zu klären, worauf beide im Studialltag erprobte

Seiten nur allzu leicht anspringen. Wie auch immer die Tutoren sich verhalten, Sie

sind wohl nie neutral bezüglich des Diskussionsprozeß in Anamnesegruppen, sondern

zumindest zu Beginn, bedingt durch die sonstigen Lehrveranstaltungserfahrungen,

eher in einer exponierten Stellung.

Zu erwähnen ist auch die Ausbildung der Tutoren . Wird in den Tutorentraininqs

durch das learning by doing einerseits die Möglichkeit geboten sich als Tutor auszuprobieren

und feedback zu bekommen und andererseits sich inhaltlich mit

Schwerpunktthemen wie Sterben oder der Sexualanamnese auseinanderzusetzen

scheint es abgesehen von der begleitenden Supervision wenig Elemente zu geben

sich mit Problemen auseinanderzusetzen, die dadurch entstehen, daß sich in

Anamnesegruppen (zumindest zu Beginn) Menschen mit ganz unterschiedlichen

Ansprüchen an die Anamnese treffen. Ein Grund könnte sein, daß unter den Tutoren

, die sich bei einem Training treffen viele Diskussionspunkte schon vorab geklärt

zu sein scheinen- Sicherlich ist es fraglich inwieweit völlig unterschiedliche

Einstellungen zur Medizin in einer Anamnesegruppe integriert ^werden können andererseits

sorgen ja gerade Meinungsunterschiede für die Diskussion und möglicherweise

auch für ein Weiterkommen der Anamnesegruppen insgesamt. Zumindest

wenn der Anspruch besteht das Konzept weiterzutragen und man sich nicht

darauf beschränkt z.B. beim Abspringen von Teilnehmern oder beim allmählichen

abbröckeln einer Gruppe darauf zu verweisen , daß es für Anamnesegruppen eben

„besondere Medizinstudenten braucht kann es sinnvoll sein eigene festgefahrene

Vorstellungen kritisch zu überprüfen.

Einbringen

Die Anamnesegruppe lebt vom feedback der beobachtenden Vorgänge. Wie wichtig

diese Tatsache für die Teilnehmer ist, zeigt sich häufig schon zu Beginn, wenn

gleichzeitig der Wunsch nach einer sachlich fairen Kritik, aber auch die Furcht vor

persönlich verletzender Kritik zur Sprache kommt. So stehen die Tutoren auch vor

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der Frage, wie es denn zu schaffen ist, eine Atmosphäre aufzubauen, in der einerseits

das persönliche Einbringen in der Diskussion gefördert, andererseits aber

auch die unterschiedlichen Grenzen der Einzelnen respektiert werden.

Strukturell wird in Berlin zumindest darauf geachtet, daß keine Cliquen sich geschlossen

wieder in der Anamnesegruppe wiederfinden und auch Bekannte von

Tutoren besser an einer anderen Gruppe teilnehmen. Auch auf die Parität bezüglich

der Geschlechterverteilung, sowohl beim Tutorenpaar, als auch bei den Teilnehmern

wird soweit möglich geachtet. Das diese „Berliner Vorstellungen" in anderen

Städten wieder ganz anders gehandhabt werden zeigt, daß sich offensichtlich allgemein

darüber Gedanken gemacht wird, aber unterschiedliche Schlüsse daraus

gezogen werden.

Auch bezüglich der laufenden Anamnesegruppen gibt es unterschiedliche Ansichten

darüber, wie ein möglichst konstruktives Arbeitsklima geschaffen wird. Findet

zumindest in Berlin üblicherweise in allen Gruppen eine Art Kennenlerntreffen statt,

schwören die einen darüber hinaus auf die Kneipenrunde nach dem Nachgespräch,

während andere einwenden, daß es unter Umständen besser für die Diskussion ist

unvoreingenommen zu sein und nicht zuviel privat voneinander zu wissen, zumal es

einigen Tutoren auch schon mal mulmig wird sich plötzlich in einer Art Vertrauensposition

für private Probleme gegenüber Teilnehmenden wiederzufinden. Natürlich

findet man diese Thematik von persönlicher Beziehung und Abgrenzung auch

im Arzt/Student-Patient Verhältnis oder auch innerhalb der Tutorengruppe wieder.

Im Gespräch drückt sich das Thema bekanntermaßen darin aus, daß bestimmte

Themen im Anamnesegespräch nicht angesprochen werden. Im Nachgespräch

wird dann drauf hingewiesen, man wolle die Privatsphäre der Patienten nicht aufwirbeln,

obgleich sich manchmal angesichts der Angebote der Patienten und der

Reaktion der Anamneseführenden die Frage stellt, für welche Seite es denn nun

aufwühlender wäre, über Ängste im Zusammenhang mit der Krebskrankheit beispielsweise

zu sprechen. Auch im Nachgespräch scheint es dann oft einen unausgesprochenen

Pakt zu geben das Thema auf sich beruhen zu lassen was Tutoren

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