POM 15

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POM 15

Der Patient in der Anamnesegruppe: Das „einmalige Objekt"

P6W 15

Thema. Damit auch die Anamnesegruppe zu belasten, mag vielleicht übertrieben

erscheinen, denn im Klinikalltag wird mit ihr oft auch einigermaßen leger umgegangen.

Was ist schon dabei, denn ein Patient unterwirft sich bei Aufnahme im Krankenhaus

sowieso insgesamt einer Welt mit eigenen Gesetzen, in der Hoffnung und

dem Vertrauen, daß alles nur zum Guten verwendet werde - die objektiven Fakten

ebenso wie die persönlichen, privaten Informationen. So schien es uns hier in der

Anamnesegruppe auch gerechtfertigt, diese Pflicht zur Wahrung der Privatsphäre

der Patientinnen insofern zu durchbrechen, indem wir ohne besondere Zustimmung

der Betroffenen nur den Hinweis auf das Thema und nichts konkretes weitergaben.

Natürlich sind das eher Ausnahmen. Es sollte nicht vergessen werden zu erwähnen,

daß es manche Patienten offensichtlich auch genießen, die beruhigende Unverbindlichkeit

in der Gruppe geradezu gezielt dazu zu benutzen, sich einmal richtig

auszuschütten, mit Lust über das Gesundheits- und Arztesystem herzuziehen, oder

sich als tapferes Opfer zu produzieren. Welche Freude scheint es zu bereiten, die

erschrockenen und verschüchterten Gesichter der angehenden Ärztinnen und Ärzte

zu sehen und den Eindruck zu bekommen, man habe - „endlich einmal" - an einer

entscheidenden Stelle durch das eigene Schicksal einen Anstoß zur Verbesserung

der Zustande in Krankenhaus und Gesundheitssystem bewirkt.

Insgesamt gesehen ist wohl die Feststellung gerechtfertigt, daß der Schutz des Patienten

ausreichend gewährleistet sein dürfte, wenn in den seltenen Ausnahmefällen

z.B. von Tutorenseite aus eingegriffen wird. Auf der Grundlage dieser Sicherheit

sollte die Vorstellung für die Beteiligten zu akzeptieren sein, daß die Einmaligkeit

der Begegnung auch für den Patienten etwas Einmaliges, also: Einzigartiges bedeuten

kann.

Noch Fragen?

{Versuch zur Anregung einer Diskussion über

Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einer Frage)

Von Amelie Kreuz, Berlin

Es gilt zu lernen, mittels der Anamnese schnell, aber dennoch erschöpfend relevante

Information über den Patienten und seine Krankheit in Erfahrung zu bringen.

Im Studium allgemein ist der Anspruch, viele Fakten zu lernen. Beide Aufgaben

stellten mich vor die Schwierigkeit, zum einen Information zu bekommen zum anderen

zu integrieren.

In diesem Text möchte ich das Thema „die Frage" als das bis dahin für mich stets

wichtigste Eroberungs- und Integrierungsinstrument für Erkenntnisse angesehen,

kurz anreißen. Es begann mich seit Studienbeginn und der damit verbundenen Informationsschwemme

immer wieder zu beschäftigen, verstärkt aber erst seit meiner

ersten Begegnung mit Anamnesegruppen, und schließlich wurde es als Instrument

seither sogar in Frage gestellt.

Als Kind soll ich sehr viel gefragt haben. Als Jugendliche kann ich mich gut erinnern

viel gefragt zu haben, und zwar oft ganz bewußt. Ich habe viel Zuwendung über

Frage-Antwort-Dialoge bekommen, habe mein Akzeptieren einer Hierarchie über

Fragen mitgeteilt und habe auch oft für mich unübersichtliche Situationen durch

Fragen strukturiert, Das ist sicherlich nichts Ungewöhnliches. Es mag aber mehr

Gründe, andere Motivationen für das Stellen einer Frage.ganz unabhängig von ihrer

praktischen Funktion eine Information zu bekommen geben, über die es sich vielleicht

nachzudenken lohnt.

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