POM 15

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POM 15

Die gleichen Probleme wie vor 25 Jahren - und keine Besserung in Sicht?

Probleme der ärztlichen Ausbildung und der ärztlichen Tätigkeit

Im gesamten medizinischen Betrieb gibt es damals wie heute vieles, das dringend

verbessert werden müßte. An einigen Beispielen möchte ich die Stagnation in der

Entwicklung verdeutlichen.

Dabei fallen mir als Medizinstudent natürlich in erster Linie Mängel an der derzeitigen

Medizinerinnenausbildung auf (wobei Anamnesegruppen ein Versuch sind, einige

dieser Mängel des "offiziellen" Ausbildungssystems durch "private" studentische

Aktivität auszugleichen).

Auch der Krankheitsbegriff ist durchaus fragwürdig. Nach vorherrschender wissenschaftlicher

Auffassung ist Krankheit "eine Störung im normalen Körpergeschehen,

eine Störung, die man glaubt, allein mit naturwissenschaftlichen Kategorien

erfassen zu können, (...) ein naturhaftes Ereignis und Geschehen, das losgelöst ist

von soziokulturellen Einflüssen - und losgelöst vom Patienten." 1

Professor Begemann dazu: "Wir werden uns in der Zukunft nicht nur mit den Naturwissenschaften

in der Medizin begnügen können. (...) Ich glaube, wir können uns

nicht mehr damit begnügen, die Krankheiten des Menschen nur auf der Ebene des

Körperlichen zu untersuchen. Die menschliche Existenz spielt sich in sehr verschiedenen

Bereichen ab, in körperlichen, in psychischen und in sozialen." 3

Schon Art und Weise der Ausbildung und die Auswahl der zukünftigen Ärztinnen

zeigt, worin der Sinn der Ausbildung liegt: "Als solches seien hier nur die Tatsachen

genannt, (...) daß der größte Teil des Lehrstoffes Faktenwissen ist und die

Studenten dadurch an der Entwicklung eigenständigen Denkens hindert, (.,,) daß

schließlich der Numerus clausus verbunden mit den derzeitigen Auswahlkriterien u.

a. auch die Auswirkung haben könnte, anpassungsfähige und zur Reflexion ihrer

gesellschaftlichen Rolle weniger bereite Abiturienten bevorzugt Eingang ins Medizinstudium

finden zu lassen: Die Funktion der medizinischen Ausbildung besteht u.

a. in einer beinahe fehlerfreien Anpassung an die derzeitige soziale Rolle des Arztes.

(..,}'"

Dabei bleibt vieles von dem, was junge Menschen dazu bewegen kann, diese Ausbildung

zu machen, auf der Stecke, zum Beispiel"(...) die Einstellung vieler Abiturienten,

anderen helfen zu wollen, die in der Wahl des Studienfaches Medizin häufig

eine spezifische Sicht der späteren Berufspraxis bestimmt: unmittelbare Sorge

des Menschen um den Menschen. (...) 'Aber während des Studiums schwinden

diese fürsorglichen Empfindungen mehr und mehr, und am Ende stellt sich der Mediziner

als jemand dar, der sich so selten wie niemand sonst unter den Studentengruppen

sorgenvolle Gedanken um andere Menschen macht.' (Aus einer Arbeit der

Gießener Psychosomatischen Universitätsklinik)" 1

Der vorherrschende Krankheitsbegriff führt auch zu einer Entfremdung vom Patienten.

"Phänomenalistisch bestätigt sich dies im Jargon der Klinik: 'Der Magen auf

Station A und Zimmer B'." ' Damit ist möglich, das der Kranke als "Objekt, Mittel

und als unerwünscht" erscheint: "Objekt naturwissenschaftlicher Forschung und

entsprechender Therapie, Mittel zur Selbsterhaltung von Ärzten und der Gewinnsteigerung

der Pharmaindustrie, und unerwünscht des Produktionsausfalls und

staatlicher Aufwendungen wegen, die er verursacht. (...) !

Wer die Verhältnisse in Krankenhäusern kennt, weiß, "daß unser Krankenhaus eigentlich

nicht auf den Patienten zugeschnitten ist, sondern auf die ärztlichen Funktionen."

3

Ein möglicher Lösungsansatz dieser Problematik: "Ich bin der Ansicht, daß wir in

der Medizin zu neuen Interaktionsmöglichkeiten zwischen Arzt und Patient kommen

müssen. Die Patienten wünschen von ihren Ärzten mehr als bisher auch im

medizinischen Aktionsfeld als gleichberechtigte Partner anerkannt zu werden." 3

(Dies ist ein Punkt, der auch in Anamnesegruppen eine wichtige Rolle spielt!)

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