POM 15

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Geht die Psychosomatik in Berlin den Bach hinunter?

Geht die Psychosomatik in Berlin den Bach hinunter?

Von Tillmann Jacobi, Berlin

Erst schien es so, als sei es ein generelles

Solidaritätsbezeugungen von Innen

Problem, der Psychosomatik (aus dem Klinikum), und von Außen

ihre Anerkennung zu erhalten im (z.B. bei einer deutschlandweiten

Weülauf mit Gesundheitsreform, Kostendeckung

usw. Dann stellte sich

heraus, daß es vielmehr darauf ankommt,

Proteste-Faxaktion) für die Abteilung

waren sicherlich meist ehrlich gemeint

und auch ganz nett. Doch unterm

ob man die Zeichen der Zeit Strich hilft gutmütiges bzw. naiv-

sieht, erkennt und frühzeitig entsprechend

handelt, Der Abteilung für Psychosomatische

Medizin im Klinikum

abwartendes Verhalten nicht, wenn

eine aggressivere, zumindest offensivere

Vorgehensweise notwendig ist.

Steglitz der Freien Universität (FU) in Aber können Psychosomatiker aggressiv

Berlin ist das ganz offensichtlich mißlungen,

oder kämpferisch sein?

denn am Jahresende 1997

waren die 13 Betten der Station endgültig

Zwar ist in der ganzen Stadt die Kli-

weg. Dem vorausgegangen war nikbettenstreichung immer noch in

ein halbes Jahr zähes Ringen mit dem

Klinikumsvorstand, welches allerdings

die Hilflosigkeit des Abteilungsleiters

Prof. H.-H. Studt gegenüber der Realität

vollem Gange, im Jahre 1997 wurden

insgesamt rund 2000 (zweitausend!)

Stationsplätze abgebaut. Und 1998

geht es munter weiter mit dem Ge-

mehr als einmal offensichtlich sundschrumpfen. Sicherlich trifft es

machte. Viele Chancen für Unterstützung

wurden verpasst, da man zu sehr

dabei fast alle Disziplinen irgendwo an

ihren empfindlichen Stellen, jedoch ist

auf freundliche Worte und Appelle auf diese komplette Abräumung einer

der eigenen Seite setzte, sowie auf Abteilung eher ungewöhnlich. Nicht

unverbindliche und damit wertlose nur, daß damit ein bestimmtes Patientenkollektiv

Versprechungen auf der anderen. Die

seiner Chance auf Therapie,

und ideologisch fast seiner „Existenzberechtigung"

Virchow-Charite richtete kurz vor La-

beraubt wurde - denschluß (1996) noch zusätzliche

die Weiterbildung zum Facharzt für Betten ein, die der internistischpsychosomatischen

Psychotherapie in Berlin ist durch die

Schließung in hohem Maße vermindert.

Und der (noch!) Pflichtkurs Psychosomatik

im Medizinstudium an der

FU wird von nun an wohl überwiegend

Versorgung die-

nen. Beachte: die Bettenstreichung bei

der Steglitzer Abteilung für Psychosomatik

lag nicht unbedingt an der Qualität

der Behandlung, denn die FU

an der Tafel stattfinden oder per Diskussion

konnte sich ohne weiteres mit

von Lehrvideos, die die eigene Virchow-Charite messen. Es haperte

Erfahrung natürlich nicht ersetzen also anscheinend an der Flexibilität -

können.

mag das vielleicht damit zusammenhängen,

daß Steglitz stark klassischanalytisch

Doch zeigte es sich, daß die Psychosomatik

aber nicht in ganz Berlin insgesamt

oder gezielt plattgemacht wurde:

orientiert ist?! Doch für die

heutige Situation gilt: wer zu langsam

guckt, der geht als erster. Schade ei-

die Abteilung des Klinikums gentlich.

„Na, da ist wohl wirklich nichts mehr zu retten, aber vielleicht können

mich die Marburger ja wieder ein bißchen aufmuntern". Immer noch

deprimiert (was sein Immunsystem dazu sagt, lest Ihr auf Seite 66)

kommt er in Marburg an, die erhoffte Ablenkung ist in Sicht: Ein Sexualanamneseworkshop

ist geplant. Mit gemischten Gefühlen macht

er sich auf den Weg...

Gute Gelegenheit, vorher nochmal bei Prof. Schüffei, der gerade an

seinem neuen Buch schreibt (siehe Seite 42).

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