POM 15

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POM 15

Die gleichen Probleme wie vor 25 Jahren - und keine Besserung in Sicht?

Die mangelhafte Verzahnung von Theorie und Praxis machen ein problem- und

patientinnenorientiertes Lernen (POL- und Anamnesegruppen!) schwer, wenn nicht

unmöglich, "77 Prozent der Studenten beklagten mangelnden Praxisbezug ihrer

Ausbildung, rund 47 Prozent die fehlende Studienplanung. (...) Vor allem verstärkte

Integration der Studenten in den Krankenhausbetrieb wäre für die Befragten die effektivste

Methode, um 'in den ersten klinischen Semestern zum Lernen zu motivieren'."

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gefragt. Etwa zwei Drittel der Interviewten meinten: 'Keiner würde etwas unternehmen,

weil alle befürchten, daß der Chefarzt es übelnehmen könnte.'" 2

Dabei ist zu bedenken: "Hierarchische Strukturen innerhalb des ärztlichen Berufes

sind meines Erachtens inkonsequent (...). Die explosionsartige Wissensvermehrung

innerhalb der naturwissenschaftlichen Medizin (...) ist hierarchischen Gliederungen

der Ärzte kaum mehr vereinbar." 3

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Die starke Verschulung der Ausbildung führt zu vielen Problemen, wie der

Schwierigkeit der freien Einteilung des eigenen Studiums (mit der Möglichkeit, Interessenschwerpunkte

zu setzen oder "nebenbei" Geld zu verdienen). "Das Medizinstudium

muß als äußerst reglementiertes Studium angesehen werden. (...) Die

Ausarbeitung von regelrechten Stundenplänen für jede Sernesterstufe, die verbindlich

sind und keine Wahlmöglichkeiten offenlassen, ist an vieien medizinischen Fakultäten

üblich," 1

Die Beurteilung von Professorinnen in der akademischen Öffentlichkeit wird eher

nach ihren Publikationen und Forschungen erfolgen als nach ihrer Leistung in der

Lehre, und sie können ihr Einkommen durch die Behandlung von Privatpatientinnen

vervielfachen, während ihr Professorinnengehalt unabhängig von der Qualität ihrer

Lehre gezahlt wird; aus diesen Gründen wird sich ihre Aufmerksamkeit eher NICHT

auf die Lehre richten. "Wissenschaftliche Leistung wird im allgemeinen höher bewertet

als die eigentliche ärztliche Tätigkeit." 3

Es ist erschreckend, daß sich anscheinend in 25 Jahren in vielen Bereichen nichts

verändert hat! Jetzt bin ich nicht mehr ganz so optimistisch, was eine baldige Verbesserung

der Zustände angeht.,,

Allerdings ist für mich noch unklar, was für Konsequenzen man daraus ziehen

kann. Soll man eigene Anstrengungen zur Verbesserung der Situation verstärken,

oder hat man sowieso keine Chance, wirklich etwas zu verändern, und man kann

genau so gut gleich resignieren und mit einer "Augen-zu-und-durch"-Einstellung den

Weg des geringsten Widerstandes gehen, sich "dem System" anpassen und hoffen,

daß man möglichst bald eine eigene Praxis hat, wo man natürlich "alles viel besser

machen" wird?

Oder überdenkt man seinen Berufswunsch noch einmal gründlich und sucht nach

Perspektiven außerhalb des medizinischen Bereiches?

Die stark ausgeprägte Hierarchie im Krankenhaus (Chefarzt - Oberarzt - Stationsarzt

- Assistenzarzt - ÄiPlerln) führt, besonders im Zusammenhang mit der

Konkurrenzsituation unter den "Gleichgestellten", zu einem unangenehmen und unproduktiven

Arbeitsklima und zur Vertuschung von Fehlern: "'Was würde Ihrer Meinung

nach geschehen, wenn dem Chefarzt ein schwerer Fehler passiert?' so wurde

Als Schlußwort ein Zitat aus dem Artikel 1: "Die Bemerkungen zur Flexibilität des

Studiengangs sollen nicht etwaigem Pessimismus Vorschub leisten; sie sollen vielmehr

helfen, auch die Schwierigkeiten einzuschätzen, die nach kritischer Reflexion

der Berufsperspektive dem Einzelnen beim Einlösen der Ergebnisse seiner Überlegungen

entstehen. (...) Resignation und Anpassung sind der schlechteste

Ausweg: 'Eine Übermacht der Verhältnisse ins Feld zu führen, wenn es darum geht

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