POM 15

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POM 15

Die gleichen Probleme wie vor 25 Jahren - und keine Besserung in Sicht?

Positionen zu überdenken, bedeutet, die Tradition der Aufklärung, aus der ja die

moderne Medizin selbst hervorging, zu verlassen.' (Mitscherlich et at.}"

Medien, Werte, Risiken: Drei Stichworte und ihre Wirkung

auf die Arzt-Patienten-Beziehung

/s

Von Gabriele Blome, Berlin

Artikel 1: "Medizinische Ausbildung - Soziale Wissenschaft Medizin?" von Eberhard

Zimmermann, erschienen in der Zeitschrift "analysen", Ausgabe Juli 1972, herausgegeben

von der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg

Artikel 2: "Mangelhafte Ausbildung der Medizinstudenten / Im Ernstfall "böhmische

Dörfer" von Martin Urban in der Süddeutschen Zeitung vom 17./18. Februar 1973.

(An der Freien Universität Berlin wurden "angehende Medizinalassistenten" nach

ihrer Meinung über ihre Ausbildung befragt; der Autor stellt einige Ergebnisse dieser

Umfrage vor.)

Artikel 3: "Der Patient - mehr als nur ein medizinischer Fall / Wege zur Emanzipation

im Krankenhaus"; SZ-Gespräch mit dem Präsidenten der deutschen Gesellschaft

für Innere Medizin Herbert Begemann von Wilhelm Girstenbrey in der Süddeutschen

Zeitung vom 27. April 1973

Das naturwissenschaftliche Medizinsystem gerät seit Jahren immer mehr in die Kritik

der Öffentlichkeit. Die klassische Medizin ist verschrien als "Apparatemedizin",

als "stumme Medizin". Viele Menschen sind mit dem System und den Ärzten unzufrieden,

und immer häufiger wenden sich enttäuschte Patienten hin zu Alternativmedizin-Methoden,

die wiederum zum größten Teil von der Schulmedizin als

Scharlatanerie denunziert werden.

Die Medizin geht jeden Menschen an, und vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb

die Öffentlichkeit so anhaltend und auch ungehalten über Zu- und Umstände

im System Medizin diskutiert. Die Macht der Ärzte gründet auf dem Wissen, das sie

über den menschlichen Körper haben. Der Kranke - und potentiell ist jeder Mensch

ein Kranker - fühlt sich diesem Wissen und Nicht-Wissen weitgehend ausgeliefert,

weshalb er auf jeden Mißstand, jeden Fehler, der in den Medien oder in seinem sozialen

Umfeld zur Sprache kommt, verunsichert und negativ reagiert.

Trotz dieser Einsicht erscheint es paradox, daß in einer Zeit, in der viele früher unheilbare

Krankheiten therapierbar werden, die öffentliche Meinung das System der

Medizin derartig negativ kritisiert. Es stellt sich die Frage, wo die Gründe für diese

Kritik liegen?

• Medien

Die Massenmedien, vornweg Tageszeitungen und das Fernsehen, etablieren mit

ihrer Berichterstattung über Medizinerpfusch (falsch amputierte Gliedmaßen; über

Patienten, die offensichtlich im Recht sind, aber im Rechtsstreit gegen das syn-

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