POM 15

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POM 15

Was können sie, die Anamnesler, nun aber „besser"?

Der dritte?? Fehlt, oder wird eher zufällig und nebenbei angesprochen mit der

Hoffnung, es werde sich schon von selber regeln (schließlich ist man Akademiker!}.

Die Anamnesegruppen sind natürlich keine vollständiger Ersatz dafür, daß dieser

Mangel ausgeglichen wird, sie können das nicht komplett leisten. Doch ist in ihnen

für die Teilnehmenden eine Chance gegeben, sich im Rahmen der eigenen Bereitschaft

vorwärts zu bewegen. So ist es möglich, auf der einen Seite sensibilisiert zu

werden für sich und für die Zwischentöne im Umgang mit Kranken und anderen

Menschen, auf der anderen Seite souveräner zu werden, was emotionale Störfaktoren

angeht und Kritik an angeblich äußeren Sachzwänge und festgefahrenen hierarchisch-autoritäre

Strukturen des Medizinsystems. Die Unzufriedenheit über die

Mängel der Ausbildung wird damit also nicht bloß ausgesprochen sondern aktiv angegangen,

die Kritik an den Zuständen wird gewendet in den Spaß daran, die Dinge

selbst besser organisieren zu können, auf eigene, interessante und lehrreiche Weise.

So gehört eine ausgeprägte Neugierde auf Menschen und auf sich selbst zu

den wichtigen Eigenschaften von vielen Anamneslern, sowie ein Mut dazu, sich

durch die studentische Anamnesegruppe etwas aus der Unmündigkeit im Medizinstudium

herauszubewegen.

Und noch mehr: Ein paar Vorschläge für Variationen und Erweiterungen der Anamnesegruppenarbeit:

Man kann neben den „psycho-sozialen" Aspekten durchaus auch konkreteren

„Lern"-Stoff mit in die Anamnesegruppe bringen, also Informationen, die in theoretischen

Lehrbüchern oft zu kurz kommen (z.B. Kosten-Nutzen-Überlegungen bei

Diagnostik und Therapie). Dies kann als Teil einer üblichen Sitzung geschehen oder

als gesonderter Themenabend ohne Patient. Allerdings läuft das dann evtl. auf zusätzliche,

womöglich echte Arbeit für die Tutoren hinaus. Also Vorsicht, daß kein

„Kurs" daraus wird, in dem übergroße klinische Kompetenz bewiesen werden muß.

So gelten die drei Vorschläge hier eher für „Fortgeschrittene", die z.B. schon ein

gemeinsames Anamnesegruppensemester hinter sich haben und unterscheiden

(können) zwischen reinem Lernen einerseits und Erfahren andererseits.

Dann kann man z.B. einmal gemeinsam „Treffer- oder Ausschlußfragen"

ts

sammeln

und darstellen, wenn sie diagnostisch relevant sein können (z.B. Bauchweh - vor

dem Essen oder nach dem Essen?). Die Zielsetzung solcher Fragen ist weniger

zwischenmenschlich sondern eher künisch-differentialdiagnostisch, was ohne professionellen

Dozenten vielleicht etwas schwieriger wird, aber nicht unmöglich sein

muß. Aber warum nicht schon jetzt mal ausprobieren? (vgl. POL-Gruppen)

Das Aufschreiben von den Informationen, die man im Gespräch erhalten hat kann

man auch systematisch üben - indirekt geschieht dies ja über die Anfertigung von

Protokollen, welche man dazu etwa in einer Sitzung einmal diskutieren könnte.

Oder man begutachtet einmal den Anamnesebogen des Krankenhauses, in dem

die Gruppe stattfindet.

Und nicht zuletzt wäre es auch durchaus möglich zu üben, die gewonnenen Daten

mündlich so darzustellen, daß man möglichst auch bei einer Chefvisite bestehen

würde. Dies wird kaum irgendwo oder irgendwann im Studium richtig problematisiert,

aber es wird später unbedingt gebraucht. So könnte ein kleines Training vermutlich

einigen Stress beim Einstieg in PJ oder AiP mildern. Da ein Konzept für eine

solche Darstellung leider in Büchern fehlt (oder?!), hier ein Vorschlag:

Du hast fünf Sätze zur Verfügung und insgesamt maximal 50 Sekunden.

Erster Satz: Beschwerden und Diagnose (wer - was - wann - wie)

Zweiter Satz: relevante Vorerkrankungen, Risikofaktoren etc.

Dritter Satz: Diagnostik

Vierter Satz: bisherige Therapie und aktueller Zustand

Fünfter Satz: weiteres Vorgehen

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