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Sexualanamnese - kein Problem!? 15

Sexualanamnese • kein Problem!?

Ein Experiment

Von Kathrin Oüen, Marburg

Angeregt durch eine AG zum Thema males" Anamnesegespräch. Das

„HIV und Sexualanamnese" beim nächste Mai herrschte dann anfängliche

letzten Maitreffen entstand die Idee,

Verunsicherung: „Ach so, das

etwas Ähnliches mit einer regulären Rollenspiel war noch gar nicht? Oh-"

Anamnesegruppe auszuprobieren und

dort Themen wie Sexualität, AIDS und

Anamnese aufzugreifen. Da ein Gespräch

mit einem/einer Patientin für

uns als Grundlage nicht denkbar war,

schlugen wir unserer Gruppe, die damals

bereits fast ein Semester zusammen

gearbeitet hatte, ein Rollenspiel

Wir teilten die Gruppe in zwei Hälften.

Eine sollte sich eine Patientinnenbiographie

ausdenken, dfe andere sich

mit der Rolle des Arztes / der Ärztin

auseinandersetzen. Vorgegeben hatten

wir nur die Situation: Erstgespräch

mit jemandem, der/die einen HIV-Test

zum Thema Sexualanamnese machen möchte.

vor. Die Begeisterung war groß, kein

Einwände, keine Befürchtungen. Bei Die Patientingruppe konnte gerade

der nächsten Gruppensitzung waren

ganze vier von acht Teilnehmerinnen

anwesend. Nanu? Grippewelle? Klausurtermine?

noch davon abgehalten werden, den

Fall eines AIP, der sich versehentlich

an einer Kanüle infiziert hat, zu konstruieren.

Aber dann stand der Sexualanamnese

nichts mehr im Weg.

Spontan entschlossen wir uns, das

Rollenspiel zu verschieben, „damit alle

etwas davon haben", und organisierten

für diesmal doch noch ein „nor-

Das Rollenspiel selbst schien vor allem

der „Patientin" viel Spaß zu machen.

Im Nachgespräch wurde allerdings

bald klar, wie schwierig es - trotz gefühl, Grenzen und „fremdem" Sexualverhalten

wiederholter gegenteiliger Beteuerungen

hätte mehr Raum ge-

- ist, selbst (also in der „eigenen

Rolle") über Sexualverhalten und -

braucht.

Praktiken zu sprechen. Selbst biologiebuchfähige

Begriffe wie Oralverkehr

zu benennen erwies sich als schwierig.

Die Fragen, um die das Nachgespräch

kreiste, waren „Wieviel darf ich

fragen? Wieviel sollte ich einfach als

Information weitergeben (z. B. Übertragungsrisiken

bei HIV)? Wie vermeide

ich peinlichen Situationen?" - wobei

vieles offen blieb, etwa was „peinlich"

ist und für wen peinlich oder was der

Preis eines solchen „Vermeidens" sein

könnte. Für eine Klärung dieser Fragen

war die Zeit zu kurz, und die Auseinandersetzung

Das Experiment „Rollenspiel zur Sexualanamnese"

hatten wir aber für geglückt

- es hat Spaß gemacht, Tabuthemen

wenigstens einmal angekratzt

und viele Fragen aufgeworfen, die eine

weitere Auseinandersetzung erfordern

aber auch ermöglichen; - z. B.

darüber, wie ich Patientinnen erklären

soll, daß sie unbefangen und ohne

„Peinlichkeiten" über ihr Sexualleben

erzählen können, so sie es möchten,

wenn ich selbst nicht einmal das Wort

„Analverkehr" über die Lippen bringe

ohne rot zu werden...

mit eigenem Scham-

Nachdenklich denkt er auf dem Rückweg zum Bahnhof, daß er sowas

auch mal organisieren will. Um sich ein paar Ideen dafür zu holen

blättert er auf Seite 123. Motiviert nimmt er den nächsten Zug

nach Süden, Richtung Ulm, Max hat doch gesagt, die hätten so viele

neue interessante Strategien umgesetzt, und der muß es ja wissen,

schließlich schreibt er gerade seine Doktorarbeit über Anamnesejjruppen.

„Ah, da steht er ja schon am Bahnhof, wie nett!"

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