Einblick 2012 - Behindertenwerk Spremberg
Einblick 2012 - Behindertenwerk Spremberg
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ein»blick<br />
BWS <strong>Behindertenwerk</strong> GmbH | <strong>Behindertenwerk</strong> <strong>Spremberg</strong> e.V. - BWS<br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
B E S T Ä N D I G K E I T • W E R T S C H Ä T Z U N G • S O Z I A L E K O M P E T E N Z<br />
FRÜHFÖRDERUNG<br />
Inklusion ist (k)ein Problem<br />
BERUFSAUSBILDUNG<br />
Interview im ZAB<br />
FACHLICH FUNDIERT<br />
XXXV. VBS-Kongress in Chemnitz
2<br />
in»halt<br />
3<br />
Impressum<br />
Herausgeber<br />
<strong>Behindertenwerk</strong> <strong>Spremberg</strong> e.V. - BWS<br />
BWS <strong>Behindertenwerk</strong> GmbH<br />
Wiesenweg 58 / 03130 <strong>Spremberg</strong><br />
Telefon 03563 342-180<br />
Fax 03563 342-199<br />
info@bws-spremberg.de<br />
www.bws-spremberg.de<br />
Redaktionsleitung<br />
Olaf Taubenek<br />
Fotos<br />
MitarbeiterInnen des BWS<br />
Abdelkrim Brahimi<br />
»Editorial 3<br />
»BWS-Frühförderung 4<br />
on the road<br />
Inklusion ist (k)ein Problem<br />
Die BWS-Frühförderung<br />
auf dem XXXV. VBS-Kongress in Chemnitz<br />
»BWS-Werkstatt beim VBS-Kongress 7<br />
»Berufsausbildung im BWS 8<br />
Interview im ZAB<br />
EINZIG-ART<br />
Hakuna Matata<br />
Integrationsprojekt BWS und Feuerwehr<br />
»Werkstatt: Mehr als Teilhabe 14<br />
Ein ganz normaler Arbeitstag<br />
Die BWS-Werkstatt ist nach AZAV zertifiziert<br />
Der Landrat zu Besuch in der Betriebsstätte Forst<br />
Mein Arbeitsplatz auf dem Fiedermannhof<br />
»Wohnen individuell und vielfältig 18<br />
Sehkiste – Was ist das?<br />
Krach vertragen<br />
Mobil unterwegs<br />
Weggesperrt! – Mensch geworden! – Und nun?<br />
Inklusive Lebenswelt<br />
»Hilfe für Senioren 25<br />
Seniorenbetreuung im eigenen Zuhause<br />
»Zwei Abteilungen im BWS 26<br />
Rückblick der Therapie<br />
Nicht wieder zu erkennen<br />
Das finde ich blind<br />
»Aktivitäten im BWS 29<br />
2. Flugtag<br />
17. Sportfest im BWS<br />
Go Trabi go<br />
»In regionaler Kooperation 33<br />
„Grenzenlos kreativ“<br />
BWS in der regionalen Presse<br />
Eine Heimat für Blinde und Sehbehinderte<br />
Ehrenamt im BWS<br />
»Mitarbeiterorientierung 38<br />
Ein Team erlebt sich<br />
Liebe Leserinnen und Leser,<br />
auch dieses Jahr möchten wir mit diesem „einblick“ einige<br />
der wichtigsten Geschehnisse und Ergebnisse des letzten<br />
Jahres in den Einrichtungen des <strong>Behindertenwerk</strong> <strong>Spremberg</strong><br />
e.V. - BWS und der BWS <strong>Behindertenwerk</strong> GmbH Review<br />
passieren lassen und Ihnen dabei die vielfältige Arbeit<br />
unserer MitarbeiterInnen näher bringen.<br />
Die Teilnahme und aktive Mitarbeit von 13 MitarbeiterInnen<br />
aus 6 Fachbereichen des BWS am XXXV. VBS-Kongress<br />
in Chemnitz (VBS=Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik<br />
e.V.) war für unsere Einrichtung ein wichtiger<br />
Meilenstein im vergangenen Jahr.<br />
In 9 von uns gestalteten Fachvorträgen und Workshops<br />
konnten wir unsere Arbeit und unser fachliches Knowhow<br />
den deutschen und ausländischen Teilnehmern näher<br />
bringen, aber auch Erfahrungen anderer Fachleute für unsere<br />
Arbeit mitnehmen.<br />
Unsere Frühförderung, einer der wichtigsten Bereiche im<br />
BWS, hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Sie geht<br />
nun ins 20ste Jahr und ist aufgrund ihrer hohen Fachlichkeit<br />
zu einem gefragten Kooperationspartner von großen<br />
Kliniken (CTK Cottbus, Klinikum Frankfurt (Oder), Uniklinik<br />
Dresden und Bavaria Klinik Kreischa) und den Kostenträgern<br />
geworden. Sie agiert auch immer stärker über das<br />
Land Brandenburg hinaus bis weit in den Freistaat Sachsen<br />
hinein.<br />
Einige unserer ersten Kinder in der Frühförderung begegnen<br />
uns jetzt als Erwachsene wieder.<br />
Im Arbeitsbereich unserer Werkstatt für behinderte Menschen<br />
(BWS-Werkstatt) stellen wir Überlegungen an, wie<br />
unsere Werkstattbeschäftigten für Arbeiten auf dem allgemeinen<br />
Arbeitsmarkt noch besser vorbereitet werden<br />
können.<br />
Werkstätten für behinderte Menschen werden auch in Zukunft<br />
gebraucht. Um aber auf dem sich abzeichnenden<br />
Markt der Reha-Dienstleister auf Dauer nicht an Boden zu<br />
verlieren, müssen wir neue Wege gehen und alle Möglichkeiten<br />
nutzen, die der Gesetzgeber uns bietet.<br />
Ein wichtiges Ergebnis war dabei im Jahr <strong>2012</strong> die Zertifizierung<br />
der Beruflichen Ausbildung in unserer WfbM nach<br />
AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung).<br />
Durch ein externes Audit wurde der Nachweis erbracht,<br />
dass im Berufsbildungsbereich der BWS-Werkstatt die Forderungen<br />
der AZAV erfüllt sind.<br />
Trotz der Arbeit im Arbeitsbereich der Werkstatt für behinderte<br />
Menschen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten<br />
darf der gesetzlich fixierte Rehabilitationsauftrag<br />
nicht vernachlässigt werden.<br />
Gerade das BWS, als eine bundesweit anerkannte Einrichtung<br />
in der Betreuung von Menschen mit Behinderung im<br />
Bereich Blind- und Sehbehinderung, muss auf den Rehabilitationsauftrag<br />
fachlich großen Wert legen.<br />
Neben einer ständigen Weiterbildung der MitarbeiterInnen<br />
ist unser eigenes Curriculum, was darauf abzielt, durch intensive<br />
Multiplikatorenarbeit den steigenden fachlichen<br />
und personellen Anforderungen an die MitarbeiterInnen<br />
noch besser gerecht zu werden, weiterhin eine der wichtigsten<br />
Grundlagen für eine hohe fachliche Arbeit in allen Bereichen<br />
des BWS.<br />
Auch die Arbeit in den Wohnstätten wurde weiter qualifiziert<br />
und äußert sich in der engagierten Arbeit der MitarbeiterInnen<br />
aber auch in entsprechenden Ergebnissen hinsichtlich<br />
der Betreuung und Förderung der Bewohner. So wird<br />
gegenwärtig für jeden blind- und sehbehinderten Bewohner<br />
eine „Sehkiste“ erstellt. Was das heißt, auch das lesen<br />
Sie in diesem Heft.<br />
Wir erbringen über 25 Jahre Pflegeleistungen für unsere Senioren<br />
(auch speziell für blind-sehbehinderte Menschen) im<br />
Pflegeheim im Wiesenweg 58. Die Pflegebranche benötigt<br />
eine höhere Wertschätzung und Annerkennung durch alle<br />
Bereiche des öffentlichen Lebens. Nur so wird es möglich<br />
sein, einen sich abzeichnenden Pflegenotstand in der Zukunft<br />
abzuwenden. Wir versuchen hier mit unserem Pflegeheim<br />
diesem Anspruch immer besser gerecht zu werden.<br />
Angenommen und bekannt für seine gute Arbeit in <strong>Spremberg</strong><br />
ist mittlerweile auch der ambulante Pflegedienst des<br />
BWS.<br />
Darüber hinaus sind die vielfältigen anderen ambulanten<br />
Leistungen, sei es im Betreuten Wohnen oder das Orientierungs-<br />
und Mobilitätstraining in unserem Hause, wichtige<br />
Leistungen gerade für die von uns betreuten blind- und sehbehinderten<br />
Menschen.<br />
Auch <strong>2012</strong> unterstützten unsere Arbeit viele ehrenamtliche<br />
Helfer und Förderer in vielfältiger Form. Dafür möchte ich<br />
mich auch hier noch mal ausdrücklich im Namen unserer<br />
MitarbeiterInnen bei allen Vereinsmitgliedern, Partnern,<br />
Förderern, Sponsoren und Freunden bedanken.<br />
Ich wünsche allen noch ein weiteres erfolgreiches Jahr 2013.<br />
Ihr<br />
Olaf Taubenek<br />
Geschäftsführer
4 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 5<br />
»Inklusion ist (k)ein Problem<br />
»BWS-Frühförderung<br />
on the road<br />
Wriezen (2013). Lukas ist ein lebensfroher, sportbegeisterter,<br />
intelligenter Junge im Alter von 6 Jahren. Er trägt<br />
eine Brille und Hörgeräte, fällt im freien Spiel in der Kita<br />
kaum auf. Doch ihn begleitet ein Schicksal: das Stickler-<br />
Syndrom – eine Bindegewebserkrankung, welche sich auf<br />
seine Augen und Ohren bezieht. Die Folgen sind eine<br />
hochgradige Sehbehinderung sowie eine Hörbehinderung.<br />
Der Verlauf der Erkrankung ist fortschreitend und<br />
kann neben Blindheit und Taubheit auch Probleme am<br />
Herzen und den Gelenken hervorrufen. Bereits im vergangenen<br />
Jahr hat sich Lukas Sehvermögen rapide verschlechtert.<br />
Er ist bei Angeboten, die im Rahmen der sinnesspezifischen<br />
Frühförderung und der Vorschule<br />
erfolgen, stets auf optische und optoelektrische sowie<br />
auf auditive Hilfsmittel angewiesen.<br />
Bei herrlichem Sonnenschein durch die schöne<br />
Brandenburger Landschaft fahren, wer käme<br />
bei dieser Aussicht nicht ins Schwärmen und<br />
wünschte sich einen Job, bei dem er dies genießen<br />
könnte.<br />
Wenn man sich dann anschaut, wieviel ihrer<br />
täglichen Arbeitszeit eine FrühförderIn im Auto<br />
verbringt, dann ist man geneigt festzustellen,<br />
dass man hier den Job seines Lebens gefunden<br />
hat. Doch der Schein trügt diese Vorstellung<br />
von der Idylle über den tatsächlichen Alltag in<br />
der Frühförderarbeit hinweg. Denn leider stehen<br />
den MitarbeiterInnen in der Frühförderung<br />
oft der Zeitdruck und gelegentlich<br />
schlechte Witterungsbedingungen mit Eis,<br />
Schnee und Straßenglätte im Wege.<br />
Um seine Frühförderangebote in den einzelnen<br />
Familien gestalten zu können, stehen den MitarbeiterInnen<br />
der BWS-Frühförderung im<br />
Durchschnitt 60 Minuten Fahrtzeit zur Verfügung,<br />
wohlgemerkt für Hin- und Rückfahrt bei<br />
allen möglichen Witterungsbedingungen. Also<br />
gilt es, die täglichen Fahrten effektiv zu planen<br />
und möglichst Fahrtrouten mit nur einer Fördereinheit<br />
zu vermeiden.<br />
So beginnt für die meisten Frühförderinnen der<br />
Arbeitstag gegen 7:00 Uhr mit der Vorbereitung<br />
auf die Fördereinheiten des Tages, d.h.<br />
Material heraussuchen und einpacken und sich ggf. noch<br />
mal mit der Förderung der letzten Woche auseinandersetzen.<br />
Nach 20 bis 30 Minuten geht’s dann meist auf die<br />
Tour, also nach Cottbus, Forst, Guben, Luckau, Herzberg,<br />
Elsterwerda, Senftenberg, oder, oder, oder. Nach anderthalb<br />
Stunden mit Angeboten für das Kind und Beratungsangeboten<br />
für die Eltern geht die Reise weiter zur<br />
nächsten Familie.<br />
Nach 2 oder 3 Fördereinheiten fahren wir zurück in die<br />
Frühförderstelle, wo nach zweihundert zurückgelegten<br />
Kilometern noch die Dokumentationsarbeit wartet.<br />
Auf dieser Grundlage leisteten die FrühförderInnen des<br />
BWS im Jahr <strong>2012</strong> eine erhebliche Anzahl von Fördereinheiten<br />
und legten dabei insgesamt mehr als eine halbe<br />
Million Fahrtkilometer zurück, sind also mehr als 13 mal<br />
um den Erdball gefahren. Um solche Strecken zurücklegen<br />
zu können, ist man auf gute Autotechnik und einen<br />
hervorragenden Service angewiesen. Mit der Automarke<br />
Ford und dem Autohaus E. Neumann aus <strong>Spremberg</strong> hat<br />
das BWS genau die Partner gefunden, mit denen diese<br />
Leistungen möglich sind.<br />
Frank Neumann<br />
Lukas Eltern stehen vor der Entscheidung, in welcher<br />
Schule seine Individualität berücksichtigt wird.<br />
Eine Beschulung in der Schule für Blinde und Sehbehinderte<br />
in Königs Wusterhausen wäre zwar speziell auf<br />
Lukas Bedürfnisse ausgerichtet, würde jedoch mit langen<br />
Fahrtzeiten oder sogar einem Wocheninternat verbunden<br />
sein. Diese frühzeitige Herauslösung aus dem Elternhaus<br />
bedeutet einen tiefgründigen Einschnitt in seine<br />
stabilen Bindungen. Als unmittelbare Folgen werden in<br />
der Entwicklungspsychologie nervöse Störungen und<br />
charakterliche Labilität beschrieben. Vielfältiges Lernen<br />
wäre somit beeinträchtigt, Lukas Entwicklung von Stagnation<br />
gefährdet.<br />
Ist Lukas Einschulung in die örtliche Grundschule, vor<br />
dem Hintergrund der inklusiven Pädagogik, deren Prinzip<br />
die Wertschätzung der Diversität in Bildung und Erziehung<br />
ist, anzustreben?<br />
Prof. Dr. Degenhardt präsentierte am 10.02.<strong>2012</strong> auf dem<br />
Fachtag des VBS in Cottbus seine „Wege zur Inklusion<br />
blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher in<br />
Brandenburg“. Diese fokussieren ein spezifisches pädagogisches<br />
Curriculum, das mit Hilfe einer vielfältigen Didaktik<br />
vermittelt werden soll. Sie beinhalten zudem, dass<br />
das Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen<br />
Förderbedarfes, wie es bei der integrativen Schule durchgeführt<br />
wird, abgelöst werden soll von spezifischen Diagnostiken<br />
und Interventionen. Um einen binnen- und<br />
zieldifferenzierten Unterricht zu gestalten,<br />
müssen folglich spezielle Lehrämter ausgebildet<br />
werden, welche in der bisherigen Pädagogik<br />
noch nicht existieren.<br />
Um Lukas Chancengleichheit gegenwärtig dennoch<br />
so zu stärken, dass er beständig eine kindliche<br />
Entwicklung erfährt und seine Kognition<br />
entsprechend seinem Leistungsvermögen voranschreitet,<br />
muss die sinnesspezifische Frühförderung<br />
in Vorbereitung auf den Übergang in<br />
die Schule so spezifisch und interdisziplinär wie<br />
möglich ausgerichtet sein. Nur so kann einer<br />
generalisierten Lern- und Leistungsstörung und<br />
einer Störung der sozial-emotionalen Entwicklung<br />
vorgebeugt werden.<br />
Christine Muschner
6 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 7<br />
»Voll dabei: Die BWS-Frühförderung<br />
auf dem XXXV. VBS-Kongress in Chemnitz<br />
Es ist schon eine besondere Herausforderung und Verpflichtung,<br />
bei den Nachbarn in Chemnitz würdig aufzutreten.<br />
Dort fand bekanntlich der XXXV. VBS-Kongress<br />
unter dem Motto „Vielfalt und Qualität“ statt. Nach den<br />
Kongressen in Dortmund (2003) und Hannover (2008) war<br />
es auch <strong>2012</strong> der BWS-Frühförderung eine Verpflichtung,<br />
in Chemnitz zu zeigen, was wir in Brandenburg und Sachsen<br />
für die Frühförderung sehbeeinträchtigter Kinder leisten.<br />
Diesmal traten wir in zwei eigenen Workshops auf:<br />
Zum einen stellten wir, Dipl.-Med. Peter Bernt als Leiter<br />
des Sozialpädiatrischen Zentrums Frankfurt (Oder) und<br />
Dr. Gert Heinicke, die Ergebnisse unserer nun schon langjährigen<br />
Kooperation in Ostbrandenburg vor.<br />
Zum anderen gestalteten Katrin Binnenhei und Dr. Gert<br />
Heinicke einen Workshop zu ersten Erkenntnissen zur Untersuchung<br />
und Förderung von Kindern mit visuellen<br />
Wahrnehmungs-, Weiterleitungs- und Verarbeitungsstörungen.<br />
Wie sich zeigte, haben wir damit „den Nerv“ vieler Teilnehmer<br />
getroffen. Unser Workshop war übervoll. Unter<br />
den Teilnehmern beinahe alle Kolleginnen und Kollegen,<br />
die in der europäischen Diskussion Rang und Namen<br />
haben.<br />
Unsere Ergebnisse wurden sehr gut aufgenommen und<br />
heftig diskutiert – die Zeit reichte nicht aus!<br />
Wie sich im Verlauf des Kongresses zeigte, korrespondieren<br />
unsere Ergebnisse mit denen in Östereich (Gerti Jaretz),<br />
in Holland (Marjolein van Dik), in Würzburg (Matthias<br />
Zeschitz) und Schleswig (Susanne Mundhenk).<br />
Auch in diesen Workshops und darüber hinaus fand sich<br />
Gelegenheit für eine intensive Fachdiskussion.<br />
Selbstverständlich nutzten wir auch die Möglichkeiten, für<br />
die fachliche Verständigung in Vorträgen, Workshops,<br />
Ausstellungen und auch außerhalb der wissenschaftlichen<br />
Veranstaltungen.<br />
Schön ist es, dass <strong>Spremberg</strong> ein Ort auf der Karte der Blinden-<br />
und Sehbehindertenpädagogik ist, der bekannt und<br />
geschätzt ist. Die BWS-Frühförderung hat daran einen gewichtigen<br />
Anteil.<br />
Dr. Gert Heinicke<br />
Vernetzung von Frühförderung und Sozialpädiatrie<br />
auch ohne Komplexleistung<br />
Dipl. Med. Peter Bernt, Leiter des Sozialpädiatrischen<br />
Zentrums Frankfurt (Oder), Klinikum Frankfurt (Oder)<br />
Dr. Gert Heinicke, Pädagogischer Leiter im <strong>Behindertenwerk</strong><br />
<strong>Spremberg</strong> e.V. , Überregionale Frühförder- und<br />
Beratungsstelle für sinnesbehinderte Kinder <strong>Spremberg</strong><br />
und Frankfurt (Oder)<br />
Chemnitz, XXXV. VBS Kongress, 30.07.<strong>2012</strong><br />
Kinder mit CVI in der Frühförderung<br />
blinder und sehbehinderter Kinder?<br />
Erste Erfahrungen, Schwierigkeiten,<br />
Projekte<br />
Katrin Binnenhei und<br />
Dr. Gert Heinicke<br />
»BWS-Werkstatt – zum ersten Mal auf dem VBS-Kongress<br />
Die Teilnahme am XXXV. VBS-Kongress in Chemnitz war<br />
für die BWS-Werkstatt eine Premiere, denn sie war zum<br />
ersten Mal dort mit vertreten. Ein Schwerpunkt des Kongresses<br />
war das Thema „Inklusion“, an dem wir uns mit<br />
folgendem Beitrag beteiligten.<br />
„Die Berufliche Bildung in der Werkstatt für behinderte<br />
Menschen im Zeitalter des neuen Fachkonzeptes der<br />
Bundesagentur für Arbeit – Ein Beitrag zur beruflichen<br />
Inklusion?“<br />
Der Beitrag befasste sich mit dem Status des Fachkonzeptes<br />
für das Eingangsverfahren und den Berufsbildungsbereich<br />
in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)<br />
im Hinblick auf die Umsetzung der Inklusion. Es wurden<br />
die wesentlichen Neuerungen, die durch das Fachkonzept<br />
eingeführt wurden, wie beispielsweise die personenorientierte<br />
Maßnahmegestaltung oder die Orientierung<br />
der Maßnahmen am allgemeinen Arbeitsmarkt,<br />
bewertet.<br />
Am Beispiel der BWS-Werkstatt wurde dargestellt, wie<br />
die im Fachkonzept formulierten Anforderungen umgesetzt<br />
wurden und welche Möglichkeiten sich daraus für<br />
sehgeschädigte und mehrfachbehinderte Teilnehmer ergeben<br />
haben.<br />
Weiterhin wurde aufgezeigt, welche Perspektiven<br />
sich für die berufliche Bildung in Werkstätten<br />
für behinderte Menschen aus gegenwärtiger<br />
Sicht erkennen lassen und welche Schritte<br />
notwendig sind, um die beruflichen Chancen<br />
von Teilnehmern aus dem Berufsbildungsbereich<br />
der WfbM zu verbessern. In diesem Zusammenhang<br />
wurden Thesen und Schlussfolgerungen<br />
vorgestellt.<br />
Als ein Ergebnis der anschließenden Diskussion<br />
wurde herausgearbeitet, dass es im Hinblick auf<br />
die berufliche Chancengleichheit von Menschen<br />
mit Behinderungen notwendig ist, das<br />
derzeitig geltende Bildungssystem neu zu<br />
strukturieren und inhaltlich zu modernisieren.<br />
Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Gleichstellung<br />
der Beruflichen Bildung in einer WfbM mit<br />
den derzeitig geltenden Ausbildungsregelungen<br />
und damit die Anerkennung der in einer<br />
WfbM erlangten Bildungsabschlüsse nach dem<br />
Berufsbildungsgesetz.<br />
Obwohl sich alle Diskussionsteilnehmer zur Inklusion<br />
bekannt haben, war auch allen klar –<br />
bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den es sich<br />
aber zu gehen lohnt.<br />
Bis dahin können wir als WfbM das neue Fachkonzept<br />
als Chance nutzen, unsere Leistungen<br />
kontinuierlich weiterzuentwickeln und unser<br />
Know-how, was wir jahrelang in der beruflichen<br />
Bildung von Menschen mit Behinderungen<br />
entwickelt haben, aktiv in den Prozess der<br />
Inklusion mit einzubringen.<br />
Mit unserem Beitrag beim VBS-Kongress wurden<br />
wir von vielen anderen Werkstattträgern<br />
sehr gut wahrgenommen. Es ergaben sich viele<br />
interessante Fachgespräche. Insgesamt also ein<br />
gelungener erster Auftritt der BWS-Werkstatt<br />
bei einem VBS-Kongress.<br />
Marcus Lück
8 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 9<br />
»Interview im ZAB<br />
Julia: Mir gefällt die abwechslungsreiche Arbeit. Die Arbeit<br />
macht mir Spaß. Wir lernen andere Objekte kennen<br />
und man ist nicht nur an einem Ort.<br />
Welche Erfolge habt ihr während eurer beruflichen Bildung<br />
bereits erreicht?<br />
Sie heißen Heike Funke (rechts), Julia Scheffler (links) und<br />
Andrea Lehmann (mitte). Sie sind drei Teilnehmer im Berufsbildungsbereich<br />
im Zentrum für Arbeits- und Berufsförderung<br />
(ZAB), die sich derzeit den Anforderungen der<br />
beruflichen Bildung stellen. Sie sind aber auch drei Jugendliche<br />
mit ihren Träumen und Wünschen, und auch<br />
mit ihren Ängsten und Hoffnungen für ihre Zukunft.<br />
Heike Funke ist bereits im 2. Ausbildungsjahr und wird am<br />
31.10.2013 ihre berufliche Bildung zum BWS-Fachpraktiker<br />
im Ausbildungsbereich Gebäudereinigung beenden.<br />
Julia Scheffler und Andrea Lehmann befinden sich nach<br />
dem Eingangsverfahren im 1. Ausbildungsjahr und interessieren<br />
sich sehr für den Dienstleistungsbereich. Sie werden<br />
entsprechend den Rahmenausbildungsplänen in den<br />
Qualifizierungsfeldern Gebäudereinigung sowie Textilreinigung<br />
ausgebildet. Inhalte und Form der beruflichen<br />
Bildung sowie die Anforderungen an die Teilnehmerinnen<br />
haben sich nach dem Umzug in die neuen Räume am<br />
Standort Dianaweg 4 in <strong>Spremberg</strong> vor allem qualitativ<br />
sehr verändert. Wie die drei Teilnehmerinnen ihre berufliche<br />
Bildung erleben, zeigt das folgende Interview.<br />
Welche Gedanken oder Vorstellungen hattet<br />
ihr, bevor ihr die berufliche Bildung begonnen<br />
habt?<br />
Andrea: Ich hatte keine Vorstellungen. Ich<br />
hatte mich nur riesig gefreut, eine Ausbildung<br />
machen zu dürfen.<br />
Julia: Ich war neugierig, was ich lernen werde.<br />
Heike: Ich war aufgeregt, ängstlich aber auch<br />
neugierig auf alles, was kommen wird.<br />
Weshalb habt ihr euch für die Qualifizierungsrichtungen<br />
Gebäudereinigung sowie Textilreinigung<br />
entschieden?<br />
Heike: Ich mag die abwechslungsreiche Arbeit<br />
und auch das Team gefällt mir. Ich habe das<br />
Team während meines Praktikums kennengelernt.<br />
Andrea: Mir macht es Spaß, Wäsche zu waschen,<br />
zu bügeln und zusammen zu legen.<br />
Heike: Ich habe mich im Rechnen verbessert. Und ich bin<br />
schneller geworden und arbeite ausdauernder.<br />
Andrea: Ich werde im Lesen und Rechnen immer besser.<br />
Ich habe auch gelernt, Aufträge ohne Diskussion zu übernehmen<br />
und sie ordentlich zu erfüllen. Ich kann mich<br />
immer besser konzentrieren und rede nicht mehr so oft<br />
dazwischen.<br />
Julia: Ich bin erwachsener geworden. Vorher war ich sehr<br />
kindisch.<br />
Gab es während eurer bisherigen Ausbildung besondere<br />
Erlebnisse?<br />
Heike: Mir gefallen immer die Exkursionen. Die Fahrt<br />
nach Görlitz war besonders schön. Wir mussten ein Quiz<br />
über Görlitz lösen und haben unsere Reisebegleiterin<br />
dazu ausgefragt. Auch das gemeinsame Eisessen war toll.<br />
Andrea: Mir hat die Projektwoche im Advent und die<br />
Weihnachtsfeier gefallen. Wir haben da so viel gemacht,<br />
gebacken, Marmelade gekocht, Konfekt und Engel hergestellt,<br />
Bilder gemalt….<br />
Julia: Mir gefallen auch immer die Exkursionen. Die Fahrt<br />
nach Cottbus war schön. Ich habe im Einkaufscenter<br />
geübt, mit Geld umzugehen.<br />
Wie gefällt euch der fachspezifische Unterricht?<br />
Heike: Dazu fehlt mir manchmal die Lust. Eigentlich ist es<br />
schön, was Neues zu lernen. Anfänglich fällt mir der Unterricht<br />
immer schwer, aber dann macht es mir Spaß.<br />
Andrea: Es ist für mich ungewohnt, konzentriert zuzuhören.<br />
Julia: Es ist für mich anstrengend. Ich habe oft Probleme,<br />
mit den anderen mitzuhalten.<br />
Habt ihr Angst vor Abschlusstests?<br />
Heike: Ich habe keine Angst. Meine Bildungsbegleiterin,<br />
Frau Riemer, erklärt alles gut.<br />
Andrea: Ich habe auch keine Angst. Ich bin gut<br />
vorbereitet.<br />
Julia: Ja, da ich unsicher bin.<br />
Welcher Teil der beruflichen Bildung gefällt<br />
euch besonders gut?<br />
Heike: Mir gefällt Vieles, z.B. dass wir verschiedene<br />
Sachen machen wie die täglichen Kurse.<br />
Da gefallen mir der Kreativkurs und die Talkrunden<br />
zu aktuellen Themen.<br />
Andrea: Mir gefallen auch die Kurse am Besten.<br />
Julia: Sport und schreiben.<br />
Wie sind eure Bildungsbegleiter?<br />
Heike: Nett und Frau Riemer versteht auch<br />
Spaß.<br />
Andrea: Alle sind in Ordnung.<br />
Julia: Nett.<br />
Stellt euch vor, ihr seid Bildungsbegleiter. Was<br />
würdet ihr verändern?<br />
Heike: Gar nichts, vielleicht mehr Spiele beim<br />
Sport, sonst ist alles o.k.<br />
Julia: Nichts, mir gefällt es so.<br />
Andrea: Nichts.<br />
Silke Riemer
10 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 11<br />
„EINZIG-ART“<br />
ein Projekt vorgestellt vom Berufsbildungsbereich<br />
Im Rahmen der beruflichen Ausbildung im Zentrum für<br />
Arbeits- und Berufsförderung (ZAB), im Dianaweg 2 in<br />
<strong>Spremberg</strong>, wird das Ziel verfolgt, Menschen mit psychischen<br />
Erkrankungen, Hilfe und Unterstützung beim Wiedereinstieg<br />
in das Arbeitsleben anzubieten.<br />
Dieser Wiedereinstieg wird ihnen über das dreimonatige<br />
Eingangsverfahren und den anschließenden Berufsbildungsbereich<br />
mit einer Dauer von 2 Jahren, finanziert<br />
von den zuständigen Rehabilitationsträgern, ermöglicht.<br />
Viele unserer Klienten suchen neben den sozialen Kontakten,<br />
Anerkennung und Wertschätzung in einem kleinen<br />
Arbeitsteam mit einer sinnvollen Beschäftigung.<br />
Dazu gehört u. a. auch, dass handwerkliche Tätigkeiten<br />
neu trainiert und auch soziale Kompetenzen wieder ausgebildet<br />
werden müssen.<br />
Die Idee für unser Projekt „EINZIG-ART“ entstand ganz<br />
spontan im Rahmen eines Kundenauftrages. So vertraute<br />
man uns beispielsweise ein altes Möbelstück zur Aufarbeitung<br />
und Restauration an.<br />
Die Bearbeitung erforderte von jedem einzelnen<br />
Teilnehmer nicht nur ein gewisses handwerkliches<br />
Geschick, sondern auch Kreativität<br />
und Einfallsreichtum. Somit wurden innerhalb<br />
des Ausbildungsteams, unter der Leitung der<br />
Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung,<br />
Marion Ullmann, Ideen für die Entstehung ganz<br />
eigener, ausgefallener und einzigartiger Produkte<br />
zusammengetragen. Getreu dem Motto:<br />
„Aus Alt mach Neu“, entstanden mittlerweile<br />
eine Reihe von interessanten und sehenswerten<br />
Unikaten, welche derzeit in einer kleinen<br />
Ausstellung im Wiesenweg 58 in<br />
<strong>Spremberg</strong>, bewundert werden können.<br />
Geplant ist, zu einem späteren<br />
Zeitpunkt, auch eine Ausstellung<br />
der Galerie im Krankenhaus in<br />
<strong>Spremberg</strong>.<br />
Während der kreativen Umgestaltung<br />
der Einzelstücke beschäftigte<br />
sich das Team nicht nur<br />
mit der qualitativen Ausführung<br />
handwerklicher Arbeiten, sondern<br />
auch mit Fragen wie beispielsweise:<br />
Können wir durch unsere Galerie<br />
„EINZIG-ART“ in Beziehung zu<br />
uns kommen?<br />
Können wir uns selbst kreativ erleben?<br />
Können wir in Beziehung<br />
zum Gegenüber kommen?<br />
Können wir eine Stärkung der Ich-Funktion<br />
über unsere Kreativität erreichen?<br />
Auf all diese Fragen wurden natürlich auch<br />
Antworten gefunden, mit denen sich das Team<br />
identifizieren kann.<br />
Lohnenswert wäre nun, aus dieser Idee eventuell<br />
Interessenten für neue Aufträge zu gewinnen.<br />
Sollten Sie also den Wunsch haben, ihre<br />
Wohnung oder ihr Anwesen mit einem solch<br />
ausgefallenen Unikat zu schmücken oder ihr<br />
altes Möbelstück auf Vordermann bringen zu<br />
lassen, dann melden Sie sich bei uns.<br />
Frau Marion Ullmann steht Ihnen, unter der Telefonnummer<br />
03563/345-506, gern beratend<br />
zur Seite.<br />
„Gestaltung ist Handlung, ein Stück Aneignung<br />
der Welt durch Material.“<br />
Dies ermöglicht es auch, im Alltag sein Leben<br />
wieder mehr gestaltend in die Hände zu nehmen,<br />
seine Welt nach eigenen Wünschen und<br />
Bedürfnissen zu formen.<br />
Dies zu erreichen, stellt uns täglich vor neue<br />
und interessante Heranforderungen und prägt<br />
uns in unserem Tun und Handeln.<br />
Marion Ullmann
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 13<br />
»Integrationsprojekt des Kreisfeuerwehrverbandes mit dem BWS<br />
»Hakuna Matata<br />
Der Förder- und Beschäftigungsbereich (FBB) <strong>Spremberg</strong> im<br />
König der Löwen Fieber. „Die Sorgen bleiben uns immer<br />
fern…“, heißt es in einem Lied aus dem berühmten Disneyfilm<br />
„König der Löwen“.<br />
Im FBB wurde dieses Thema zum Mittelpunkt für die Proben<br />
zu einem neuen Theaterstück. In diesem Jahr wollte<br />
der gesamte Bereich ein Musical im afrikanischen Flair erarbeiten.<br />
Einbezogen wurden alle Werkstattbeschäftigten und die<br />
Gruppenbetreuer unseres Bereiches.<br />
Schon die Ankündigung zu Beginn des Jahres, dieses umfangreiche<br />
Projekt anzugehen, fand großen Zuspruch im<br />
Team des FBB.<br />
Nach der Ideenfindung begannen die zeitintensiven und<br />
anspruchsvollen Vorbereitungen für das neue Bühnenstück.<br />
Individuell auf unser Klientel zugeschnitten, mussten die<br />
Rollen angepasst werden. Sowohl die Rollstuhlfahrer, die<br />
Geh- und Sehbehinderten, die psychisch erkrankten und<br />
gehörlosen sowie die mehrfachbehinderten Teilnehmer<br />
des FBB wurden einbezogen.<br />
Zunächst war der Fokus auf alle vorbereitenden Arbeiten<br />
ausgerichtet. Es entstand das Bühnenbild, die Dekorationen,<br />
es wurden Kostüme und Masken entworfen, diese<br />
anschließend genäht, modelliert und bemalt.<br />
Texte für Einzelrollen und ganze Szenenbilder wurden erstellt<br />
und die erforderliche Musik dazu zusammengestellt.<br />
Wöchentlich liefen nun jeden Mittwoch zwischen<br />
9.30 – 10.30 Uhr erste Teilproben im Bühnenbereich<br />
des BWS im Wiesenweg 58.<br />
Erst dann wurde erkennbar, wie anspruchsvoll<br />
sich diese Probenarbeit gestaltete. In Kleinstschritten<br />
übten wir Szenen, mussten sie umschreiben<br />
oder anpassen, neue Ideen einfließen<br />
lassen und wiederholen. Die Proben bereiteten<br />
allen viel Spaß, wirkten amüsant und dennoch<br />
war dabei viel Konzentration, Durchhaltevermögen<br />
und ein starkes Nervenkostüm bei allen Beteiligten<br />
gefordert. Ende des Jahres wurde das<br />
Stück erstmals im Elternkreis aufgeführt.<br />
Eva Dietrich<br />
Am Donnerstag, den 16.08.<strong>2012</strong> wurden die<br />
neuen Waldbrandwarnstufenschilder im Kreishaus<br />
Forst (Lausitz) enthüllt.<br />
Im Beisein des Landrates des Landkreises Spree-<br />
Neiße, Herrn Harald Altekrüger, der Behindertenbeauftragten<br />
des Landkreises, Frau Monika<br />
Wagschal, der Koordinierungsstelle des Lokalen<br />
Aktionsplanes (LAP), Frau Andrea Müller sowie<br />
weiteren Vertretern des Kreisfeuerwehrverbandes<br />
und beteiligten Werkstattbeschäftigten aus<br />
dem ZAB, enthüllte der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes,<br />
Herrn Wilfried Britze, die<br />
Holzschilder.<br />
Die Schilder wurden im Rahmen des LAP, für das<br />
Projekt „Lasst uns miteinander reden – Feuerwehr<br />
als zivilgesellschaftliche Kraft" von den<br />
Werkstattbeschäftigten des ZAB für den Kreisfeuerwehrverband<br />
entworfen und angefertigt.<br />
Das Resultat kann sich sehen lassen. Entstanden<br />
sind farbenfrohe Warnschilder. Sie zeigen in zwei<br />
Varianten, zum Einen durch eine Drehscheibe mit<br />
Symbolen und zum Anderen durch Zifferntäffelchen,<br />
die aktuelle Waldbrandwarnstufe.<br />
Insgesamt wurden zwanzig dieser Schilder gefertigt,<br />
die in Verwaltungsgebäuden im Landkreis<br />
angebracht wurden.<br />
Im Anschluss waren Daniel Glaser, Jens Langner<br />
sowie in Vertretung für alle Beteiligten, Cornelia<br />
Schadow, Doreen Seiler und Olaf Fuhrmann in<br />
das Ausbildungszentrum für den Brand- u. Katastrophenschutz<br />
des Landkreises in Forst (Lausitz)<br />
eingeladen.<br />
Mit einer Führung durch das Ausbildungszentrum<br />
und anschließendem Gespräch bei Kaffee<br />
und Kuchen bedankten sich die Kameraden des<br />
Kreisfeuerwehrverbandes noch einmal für das<br />
gelungene Projekt.<br />
Es soll nicht das letzte Projekt unter Einbeziehung<br />
von Menschen mit Behinderungen bleiben.<br />
Bereits im November, so kündigte Wilfried Britze<br />
an, wird der Kreisfeuerwehrverband in einem<br />
weiteren Projekt seine erfolgreiche Strategie<br />
fortführen.<br />
Wolfgang Looke<br />
MitarbeiterInnen des ZAB beim Fertigen der Waldbrandwarnstufenschilder<br />
Für die sehr gelungene Zusammenarbeit innerhalb eines Projektes<br />
des Kreisfeuerwehrverbandes erhielten die Verantwortlichen<br />
der Gruppe des BWS eine Ehrenurkunde.<br />
v. l.: Jens Langner, Olaf Fuhrmann, Daniel Glaser
14 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 15<br />
»Ein ganz normaler Arbeitstag<br />
Mein Name ist Michael. Ich arbeite im Metallbau<br />
der BWS-Werkstatt im Wiesenweg. Meine<br />
Wohnung befindet sich ganz in der Nähe, so<br />
dass ich jeden Tag selbständig 1,5 Kilometer als<br />
Arbeitsweg zurücklegen muss. Dazu nutze ich<br />
mein Fahrrad, welches ich aus Gründen der Sicherheit<br />
zweimal im Jahr vom „Radhaus“ an<br />
der Berliner Kreuzung in <strong>Spremberg</strong> überprüfen<br />
lasse.<br />
Um pünktlich auf Arbeit zu erscheinen, fahre<br />
ich gegen 07.15 Uhr zu Hause los. Damit besitze<br />
ich noch ausreichend Zeit, um mich umzuziehen.<br />
Ich mag es nämlich nicht, mit den schmutzigen<br />
Arbeitssachen jeden Tag nach Hause fahren<br />
zu müssen. Außerdem stehen uns Waschund<br />
Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung.<br />
Meine erste Aufgabe besteht jeden Tag darin,<br />
die Frühstücksbestellung für mich und meine<br />
Kollegen fertigzumachen. Im Anschluss erhalte<br />
ich meine Arbeitsaufträge für den laufenden<br />
Tag. Diese können auf Grund der unterschiedlichen<br />
Auftragslage jeden Tag anders aussehen.<br />
Einen sogenannten „Lieblingsarbeitsplatz“<br />
habe ich nicht. Bei uns im Metallbau muss man<br />
flexibel einsetzbar sein. Außerdem lautet<br />
meine Devise: „Was wichtig ist, muss gemacht<br />
werden!“ Das können zum Beispiel Arbeiten an<br />
der Dornbiegemaschine, Bohrarbeiten, Schleifarbeiten<br />
oder Stanzarbeiten an der „Indumaschstanze“<br />
für die Spangenproduktion sein.<br />
Spaß macht mir auch der Zuschnitt von Blechstreifen<br />
an unserer neuen Tafelschere. Die hat<br />
eine Schnittbreite von 3 Meter! Dazu musste ich<br />
lernen, wie die Eingabe der Zuschnittmaße zu<br />
erfolgen hat. Früher funktionierte das an der<br />
alten Maschine manuell, heute geht das elektronisch.<br />
Genau wie das Hochfahren des Computers<br />
an der Dornbiegemaschine. Hier bin ich<br />
immer noch auf die Unterstützung des Personals<br />
angewiesen. Ganz wichtig in unserer Werkstatt<br />
ist der Zuschnitt. Wir haben zwei Bandsägen<br />
und eine Unterflurkreissäge, die den<br />
ganzen Arbeitstag lang gleichzeitig in Betrieb<br />
sind. Das Einstellen der Sägen für die Längenmaße<br />
oder das Wechseln der Sägebänder kann<br />
ich bereits selbständig durchführen. Da die<br />
Bandsägen im Lärmbereich stehen, müssen wir<br />
dort stets Gehörschützer tragen. Das ist so Vorschrift.<br />
Dazu werden wir von unseren Chef`s in<br />
den monatlichen Arbeitsschutzschulungen unterwiesen.<br />
Wenn die Zeit mit den Lieferterminen drückt,<br />
bin ich immer bereit durchzuziehen und zügig<br />
hintereinander zu arbeiten. Als Raucher fällt<br />
mir das aber nicht immer leicht und es schleichen<br />
sich oft kurze Raucherpausen ein. Denn:<br />
„Wer kann schon über seinen Schatten springen?“<br />
Frühstückspause haben wir 20 Minuten. Um<br />
12.00 Uhr ist dann für eine halbe Stunde Mittag.<br />
Zusammen mit den 10 Minuten am<br />
Nachmittag habe ich dann genau<br />
eine Stunde Pause. Der Abschnitt<br />
nach der letzten Pause ist immer<br />
der Schwerste. Hier geht es neben<br />
der Produktion hauptsächlich um<br />
die Reinigung der benutzten Maschinen<br />
oder um Pflege- und Wartungsarbeiten.<br />
Um 14.45 Uhr endet mein Arbeitstag.<br />
Nun heißt es nur noch Umziehen, Waschen,<br />
nach Hause radeln und ausruhen, damit<br />
ich wieder fit für morgen bin. Für mich ist das<br />
ein ganz normaler Arbeitstag.<br />
Michael Frese<br />
Werkstattbeschäftigter<br />
»Die BWS-Werkstatt ist nach AZAV zertifiziert<br />
Im April <strong>2012</strong> wurde vom Bundesministerium für<br />
Arbeit und Soziales (BMAS) die neue AZAV veröffentlicht,<br />
die gleichzeitig im April auch in<br />
Kraft trat. AZAV bedeutet Akkreditierungs- und<br />
Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Das<br />
Ziel dieser neuen Verordnung ist es, die Qualität<br />
der Bildungsmaßnahmen zu steigern und damit<br />
die Chancen von Menschen mit Behinderungen<br />
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbessern.<br />
Da diese Zertifizierung benötigt wird, um Bildungsdienstleistungen<br />
im Bereich der Arbeitsförderung<br />
im Auftrag der Bundesagentur für<br />
Arbeit durchführen zu können, haben auch wir<br />
uns durch eine fachkundige Stelle zertifizieren<br />
lassen.<br />
Wir hatten ca. ein halbes Jahr Zeit, um uns auf<br />
diese anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten.<br />
Obwohl die BWS-Werkstatt schon nach DIN-ISO<br />
9001:2008 zertifiziert ist, galt es doch, die Dokumentation<br />
für die Zertifizierung nach AZAV<br />
komplett neu zu erarbeiten. Das war sehr zeitintensiv,<br />
aber diese Arbeit hat sich gelohnt, denn<br />
wie heißt es doch so schön: „Eine gute Vorbereitung<br />
ist die halbe Miete“.<br />
Im November <strong>2012</strong> war es dann soweit.<br />
Die Zertifizierung wurde durch die externe Auditorin,<br />
Frau Doris Schröder,<br />
vom TÜV-Süd durchgeführt.<br />
Ein Schwerpunkt der<br />
Prüfung war die fachliche<br />
Leistungsfähigkeit der<br />
BWS-Werkstatt. So wurde<br />
beispielsweise das fachliche<br />
Know-how der Einrichtung<br />
bei der Durchführung der<br />
Bildungsmaßnahmen geprüft.<br />
Ein weiterer Schwerpunkt<br />
im externen Audit<br />
war die Prüfung der Fähigkeit der Einrichtung, die Eingliederung<br />
von Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen<br />
Arbeitsmarkt zu unterstützen. Am Ende des Audits erfolgte<br />
eine Auswertung und es war klar, wir haben die<br />
Zertifizierung nach AZAV erfolgreich bestanden.<br />
Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass sich unsere Mitarbeiter<br />
der BWS-Werkstatt sehr schnell auf die aktuellen<br />
gesellschaftlichen und sozialrechtlichen Anforderungen<br />
einstellen können und diese Herausforderungen aktiv und<br />
motiviert im BWS umsetzen wollen. Wir verstehen unser<br />
neues Zertifikat nach AZAV deshalb als Chance, unsere Leistungen<br />
auch zukünftig in exzellenter Qualität erfüllen zu<br />
können.<br />
Marcus Lück
16 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 17<br />
»Der Landrat zu Besuch in der Betriebsstätte Forst (Lausitz)<br />
Es hat schon einige Zeit gedauert bis das Industriegebiet<br />
im süd-westlichen Teil von Forst (Lausitz)<br />
als Gewerbefläche angenommen wurde.<br />
Es gibt inzwischen nicht nur Autohäuser, eine<br />
Druckerei und Hotels, nein auch viele mittelständische<br />
Betriebe haben sich am Rande der Stadt<br />
angesiedelt. Neu dazu sind auch Firmen wie die<br />
Lion-Group (Bereich Logistik) und ein Unternehmen<br />
der FFK-Gruppe (Bereich Abfallwirtschaft<br />
und Recycling), die auch den Anschluss an ein vorhandenes<br />
Schienennetz der Bundesbahn und die<br />
Nähe der Autobahn als Infrastruktur für ihre internationalen<br />
Geschäfte nutzen, gekommen.<br />
Auch die Betriebsstätte Forst (Lausitz) unserer<br />
BWS-Werkstatt liegt mitten in diesem Gebiet und<br />
wächst mit. In der Betriebsstätte, die für 60 Menschen<br />
mit Behinderungen gebaut wurde ist es inzwischen<br />
ganz schön eng geworden. Aber das<br />
BWS hat das bebaute Nebenobjekt im Ebereschenweg<br />
27 käuflich erworben und die Pläne für<br />
den Umbau und Ausbau sind auf den Weg gebracht.<br />
Unsere Betriebsstätte arbeitet für einige<br />
Unternehmen von nebenan, so auch an großen<br />
Aufträgen für zwei Betriebe, die in der Werbemittelherstellung<br />
feste Aufträge weit über die Landesgrenzen<br />
hinaus erfüllen. Die Firma FORwerk<br />
GmbH exportiert Artikel nach ganz Osteuropa<br />
und hat inzwischen auch mit Japan Verbindungen<br />
aufgenommen. Somit geht auch unsere Arbeit<br />
weit durch die Welt.<br />
Die Firma EEB Kabeltechnik GmbH lässt bei uns<br />
ihre Ware von großen Trommeln auf handliche<br />
kleinere Kabeltrommeln wickeln, so wie sie das<br />
Handwerk braucht.<br />
Auch mit anderen Firmen, wie z.B. Vattenfall,<br />
pflegen wir schon seit Jahren enge Kontakte.<br />
Davon konnte sich auch unser Landrat, Herr Harald<br />
Altekrüger, überzeugen. Er besuchte unsere<br />
Einrichtung am 24.8.<strong>2012</strong> und konnte sehen, dass<br />
auch eine <strong>Behindertenwerk</strong>statt ein stabiler und<br />
fester Partner der Wirtschaft ist.<br />
In den einzelnen Produktionsbereichen lernte er<br />
die Produkte unserer Arbeit kennen und überzeugte<br />
sich vom Fleiß der Behinderten und von<br />
der nicht immer leichten Tätigkeit der Betreuer. In<br />
persönlichen Gesprächen hörte Herr Altekrüger<br />
vom Leben der Menschen mit Behinderungen<br />
und sah ihre Probleme. Er nahm die Erkenntnis<br />
mit, dass neben der Produktion auch die Betreuung<br />
und begleitenden Maßnahmen nicht zu kurz<br />
kommen.<br />
Der Landrat war selbst schon Gastgeber für die Ausstellung<br />
„Grenzenlos kreativ“ und auch der Einsatz bei Frühlingsund<br />
Herbstmärkten durch unsere Werkstattbeschäftigten<br />
ist ihm nicht entgangen.<br />
Für die Stadt Forst (Lausitz) und den Rosengarten zeigt die<br />
Betriebsstätte hohen Einsatz. Zur „Nacht der tausend Lichter“<br />
bei den letzten Rosenfesttagen wurden von den MitarbeiterInnen<br />
der Garten-und Landschaftspflege sowie der<br />
Montage 6.000 Teelichter aufgestellt und in den Abendstunden<br />
entzündet.<br />
Freier Eintritt in den Rosengarten war unser „Lohn“ und<br />
viele nutzten die Gelegenheit, die bunten Veranstaltungen<br />
zu besuchen. Dieses Jahr wird der Rosengarten 100 Jahre<br />
alt. Das BWS wird fleißig zum Gelingen der Rosenschau beitragen,<br />
Teile der Anlage „Rosengarten“ pflegen, auch wieder<br />
die Lichterschau wie im Vorjahr begleiten und somit<br />
zeigen: Wir sind dabei.<br />
Michael Wiegeleben<br />
Herr Klausnitzer erklärt die Arbeit von Günter Ernst, einem der<br />
ältesten Werkstattbeschäftigten. Günter war schon zu DDR Zeiten<br />
in einer geschützten Werkstatt tätig.<br />
Spaß gehört dazu. Ein Lachen, ein Scherz kann viele Menschen<br />
anstecken und das Leben leichter machen.<br />
»Mein Arbeitsplatz auf dem Fiedermannhof<br />
Paul absolvierte ein mehrwöchiges Praktikum in der Hotelanlage<br />
Fiedermannhof in Burg / Spreewald, die von<br />
der BWS-Werkstatt, als Teil des Arbeitsbereiches betrieben<br />
wird.<br />
Die Vielfältigkeit der verschiedenen Arbeitsbereiche gefällt<br />
ihm sehr gut und Paul beschloss für sich:<br />
"Ich möchte weiterhin gern hier arbeiten."<br />
Seine Meinung dazu:<br />
Seit Mai <strong>2012</strong> arbeite ich auf dem Fiedermannhof und<br />
die Arbeiten bereiten mir immer wieder Freude. Es gibt<br />
unterschiedliche Arbeitsbereiche, in denen ich immer<br />
wieder Neues dazu lernen kann.<br />
Zum Beispiel konnte ich im Bereich "Küche" schon einiges<br />
über Schnittformen lernen und bei der Zubereitung<br />
von Salaten helfen.<br />
Im Service arbeite ich sehr gern, da ich mich schon in diesem<br />
Bereich um das Eindecken des Frühstücksbuffets<br />
kümmern konnte. Ich war verantwortlich, Tische für das<br />
à la carte Geschäft herzurichten.<br />
Im Bereich der Hauswirtschaft macht es mir besonders<br />
viel Spaß zu sehen, wie schön die Zimmer sind, wenn ich<br />
mit der Reinigung fertig bin.<br />
Auch im Außenbereich gibt es für mich viele Möglichkeiten<br />
für abwechslungsreiche Arbeiten. Besonderen Spaß<br />
hatte ich, als es geschneit hatte und Schnee von den Fußwegen<br />
geschoben werden musste.<br />
Es ist für mich sehr schön, in verschiedenen Bereichen<br />
auf dem Fiedermannhof zu arbeiten.<br />
Dadurch wurde es mir ermöglicht, viele Erkenntnisse<br />
sowie Eindrücke und Erfahrungen<br />
zu sammeln.<br />
Es macht mir sehr viel Spaß im Team zu arbeiten.<br />
Auch habe ich schon einige Kollegen als<br />
gute Freunde gewinnen können.<br />
Bei uns auf dem Fiedermannhof kann sich jeder<br />
auf jeden verlassen.<br />
Die Arbeit macht mir sehr viel Freude und Herr<br />
Lickefett, der Chef des Hauses, ist mein Ansprechpartner,<br />
der mir in allen Situationen mit<br />
Rat und Tat zur Seite steht.<br />
Paul Walter<br />
Werkstattbeschäftigter
18 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 19<br />
»„Sehkiste“– Was ist das?<br />
Würden Sie sich einen Film anschauen,<br />
von dem Sie nur alle paar<br />
Minuten einen undeutlichen Fetzen<br />
sehen?<br />
Dann sagt unser Gehirn: Damit kann ich nichts<br />
anfangen! Da mache ich lieber die Augen zu!<br />
Es ist nachvollziehbar, dass Sehen für behinderte<br />
Menschen mit einer Sehschädigung oftmals<br />
nicht die bevorzugte Wahrnehmung ist.<br />
Für viele Menschen sind deswegen Hören, Tasten<br />
und Fühlen weniger anstrengend und<br />
nützlicher.<br />
Sie setzen ihr Sehen nicht oft ein, weil für sie<br />
elementare, greifbare oder hörbare Reize<br />
scheinbar viel bedeutsamer, einfacher und gewinnbringender<br />
sind.<br />
Damit das Sehen dennoch effektiv und freudvoll<br />
eingesetzt werden kann, werden dazu sogenannte<br />
„Sehkisten“ für Bewohner mit einer<br />
Sehschädigung angefertigt.<br />
Die „Sehkiste“ an sich besteht nicht nur aus<br />
einer „Kiste“, wie der Name vermuten lassen<br />
könnte. Ein Teil dieses ganzen Komplexes ist<br />
eine Simulationsbrille zur Selbsterfahrung für<br />
Mitarbeiter, sowie ein Beobachtungsbogen zur<br />
Beschreibung des funktionellen Sehens. Der andere<br />
Teil ist tatsächlich eine Kiste, in der sich<br />
Materialien oder Gegenstände befinden, die<br />
für den sehgeschädigten Bewohner visuell ansprechend<br />
und reizvoll sind.<br />
Zur Anfertigung der Simulationsbrille ist eine<br />
enge Zusammenarbeit mit Augenärzten sowie<br />
unserer Rehabilitationspädagogin, Annedore<br />
Neigenfind, von großer Bedeutung. Aus deren<br />
Befunden wird der Visus oder die Gittersehschärfe<br />
festgestellt und somit kann eine Simulationsbrille,<br />
auf jeden Bewohner abgestimmt,<br />
angefertigt werden.<br />
Mit Hilfe eines genauen Beobachtens, einer genauen<br />
Diagnostik kann präzisiert werden, ob<br />
und welche Möglichkeiten für das Sehen einer<br />
Person in einzelnen Lebensbereichen oder bei einigen<br />
Sehaktivitäten bestehen und welche Randbedingungen<br />
hierfür geschaffen werden müssen.<br />
Die Diagnostik hilft uns genauer zu wissen, welche visuellen<br />
Möglichkeiten eine Person hat, wie sie ihr Sehen<br />
bislang einsetzt und wo die Grenzen ihres Sehvermögens<br />
liegen.<br />
Aufgrund der genauen Beobachtungen hinsichtlich des<br />
Sehvermögens konnten wir durch gezielte, visuelle Reize<br />
und Abgrenzungen den Alltag unserer Bewohner der<br />
Wohnstätte „Wilhelmsthal“ erleichtern und anregender<br />
gestalten. So zum Beispiel die visuelle Gestaltung der<br />
Kosmetikschränke im Bad, die farbliche Gestaltung von<br />
Einrichtungsgegenständen oder visuelle Markierungspunkte<br />
im Alltag.<br />
Die Benutzung der „Sehkiste“ wird von den meisten unserer<br />
Bewohner gern in Anspruch genommen.<br />
Selbstverständlich gibt es jedoch auch Bewohner unserer<br />
Einrichtung, die die Sehkisten generell ablehnen. Wir<br />
werden diese Bewohner, die „nicht sehen wollen“, nicht<br />
drängen ihr Sehen zu benutzen, denn was eine Person<br />
macht oder eben nicht macht, ist für sie sinnvoll. Und es<br />
ist unsere Aufgabe diesen Sinn zu entdecken.<br />
Daniela Michauk<br />
»Menschen mit Behinderungen vertragen keinen Krach<br />
Wer sagt denn so etwas?<br />
Es gibt viele Interessen und Hobby`s, die Menschen mit Behinderungen<br />
haben. Warum soll es immer nur etwas Ruhiges<br />
sein? Wie alle Menschen zeigen auch unsere Bewohner<br />
Begeisterung beim Besuch von Motocross Veranstaltungen.<br />
Faszinierend sind nicht nur die Motorräder, die über<br />
die Strecke rasen und über die Hügel springen, sondern<br />
auch die Trailfahrer (Hindernis-Fahrer), die Quad`s und Seitenwagen<br />
bei ihrem Einsatz. Unterschiedliche Eindrücke,<br />
wie Lärm, Staub und die vielen begeisterten Anhänger dieses<br />
Sports, machen solche Veranstaltungen immer wieder<br />
besuchenswert. So verpassen einige Bewohner keinen<br />
Renntermin auf der Motocrossstrecke am Windmühlenberg<br />
in <strong>Spremberg</strong>. Mit voller Begeisterung nehmen nicht<br />
nur sehende Menschen teil, sondern auch für unsere blinden-<br />
und sehbehinderten Bewohner ist es ein Highlight.<br />
Der Krach, das Aufheulen der Motoren, das Jubeln der Teil-<br />
Die Herzen der teilnehmenden Bewohner der Wohnstätte<br />
„Wiesenweg“, Haus „Trattendorf“ und Haus „Schulhof“<br />
schlugen an jenem Junitag höher. Wieder einmal trafen sich<br />
unsere Bewohner, Betreuer, Eltern und Gäste zu einem<br />
ganz besonderen Fest am Pavillon im Innenhof.<br />
Mit Seemannsliedern vom Akkordeon und alle im Seemannslook<br />
ging es am 23.06.<strong>2012</strong> an Bord zu einer „romantischen<br />
Schifffahrt“. Begleitet vom warmen Sonnenschein<br />
füllte sich das Deck mit „Kurzzeiturlaubern“. Auch unser<br />
Geschäftsführer Herr Taubenek und seine Frau bestiegen<br />
den „Ozeanriesen“. In der „Pavillon-Kombüse“ bereitete<br />
das Betreuungspersonal fleißig viele Leckereien zu. Es<br />
konnten Fischbrötchen mit Lachs, Forellen, Garnelen,<br />
Shrimps, Matjes, Bismarck, Rollmops und Kaviar sowie frische<br />
Salate und diverse Getränke probiert werden. Wie bei<br />
einem Käpt’n-Dinner füllten sich die Tische mit Delikatessen.<br />
Ein Riesengurkenfass wurde geöffnet. DJ Michael<br />
sorgte für den musikalischen Rahmen zum Tanzen und zur<br />
Polonaise unter dem Fischernetz. Vielfältige Animationsangebote<br />
wurden unterbreitet. So standen zum Beispiel Erbsenweitspucken,<br />
Luftballonspiele, Seifenblasenpusten, Tattoos<br />
kreieren, Angeln und Wurfspiele auf dem Programm.<br />
nehmer und Besucher sowie die Begleitmusik,<br />
die unterschiedlichen Gerüche wie Rizinusöl mit<br />
im Tank, Staub, Parfüm der Zuschauer und die<br />
Schweißgerüche der Rennteilnehmer bieten eine<br />
Kulisse umfangreicher Wahrnehmung. Die pure<br />
Natur stellt dabei die Arena des Geschehens dar.<br />
Die Geräusche werden von jedem Teilnehmer anders<br />
interpretiert. Eine Bewohnerin sagte nach<br />
einem Start: „Das hörte sich an wie ein Bienenschwarm<br />
…“. So findet jeder seinen individuellen<br />
Bezug zu diesem Sport. Im Jahr 2013 werden<br />
wieder die Motorradbegeisterten den Weg zum<br />
Windmühlenberg auf sich nehmen und so keinen<br />
wichtigen Termin verpassen.<br />
Doreen Schmidt<br />
»„Sonne, Wellen, Wind und me(e)hr“<br />
Egal ob auf der Bank, im Liegestuhl oder im<br />
Strandkorb - alle Sitzgelegenheiten konnten ausprobiert<br />
werden. Die besten Kostüme wurden<br />
wieder prämiert.<br />
Der Tanzauftritt eines Karnevalmitgliedes war<br />
ebenso ein Höhepunkt, wie das schöne gelungene<br />
Gruppenfoto auf der Wiese und die tolle<br />
Bademodenschau gestaltet von den Bewohnern<br />
und Betreuern des Hauses „Schulhof“.<br />
Für die sehr gute Vorbereitung und Organisation<br />
danken wir allen Helfern und allen aktiven Teilnehmern<br />
recht herzlich.<br />
Schade, dass die Zeit so schnell verging. In den<br />
Augen unserer Bewohner konnte man Freude,<br />
Wohlgefallen und Zufriedenheit erleben. Für die<br />
Passagiere ging ein unvergesslicher Tag zu Ende.<br />
Am Abend legte das „Traumschiff“ im BWS-<br />
Hafen an … .<br />
Bärbel Schmöche
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 21<br />
Henriette Hartfiel lässt sich von Alfred Mahr „chauffieren“, sie kann zwar mit treten,<br />
aber leider nicht lenken.<br />
an der Bewegung und das Spüren der eigenen<br />
Wirksamkeit und der Geschwindigkeit, die man<br />
erreichen kann, wenn man nur kräftig tritt – das<br />
alles waren Erfahrungen, die unsere Bewohner<br />
nicht so schnell vergessen werden. Zwischendurch<br />
wurde schon die eine oder andere Grillwurst genossen,<br />
denn so ein aktionsreicher Nachmittag<br />
machte natürlich hungrig. Aber dann ging es<br />
gleich noch einmal auf Tour, denn so eine Gelegenheit<br />
bietet sich ja nicht oft. Nebenbei wurden<br />
durch unseren Mitarbeiter, Herrn Brahimi, viele<br />
einzigartige Erinnerungsfotos geschossen und<br />
immer wieder herzlich gelacht. Mit einem herzlichen<br />
Dankeschön und guten Wünschen für das<br />
weitere Wirken des Vogtländer Vereins fand ein<br />
sportlicher und außergewöhnlicher Nachmittag<br />
seinen Ausklang.<br />
Simone Seliger<br />
Ganz schön cool: Julia Scheffler auf dem bequemen Gefährt.<br />
»Mobil unterwegs<br />
Am 22. September besuchte uns der Radkultur-Zentrum<br />
Vogtland e.V. zu einem besonderen Erlebnis:<br />
Fahrrad fahren für mobilitätseingeschränkte Bewohner.<br />
Unsere junge Kollegin, Frau Sarah Nitschke,<br />
verliebte sich auf Anhieb in das wendige<br />
Dreirad.<br />
Angereist waren drei Mitarbeiter des Vereins und mitgebracht<br />
hatten sie zehn verschiedene Fahr- und Dreiräder,<br />
Hilfsmittel, Erfahrungen, Fachwissen und jede Menge<br />
Freude daran, anderen Menschen die Lust am Radfahren<br />
näher zu bringen.<br />
Zunächst waren für ca. eine Stunde die Mitarbeiter dran:<br />
Vorgestellt wurden die verschiedenen Räder, ihre Besonderheiten<br />
und die Einsatzmöglichkeiten. Dieses Angebot nutzten<br />
etwa 15 MitarbeiterInnen aus dem Fachbereich Wohnen<br />
und die Leiterin der BWS-Therapieabteilung, Frau<br />
Rudolph. Alle MitarbeiterInnen konnten viel Wissenswertes<br />
zu den verschiedenen Rädern erfahren und selbst ausprobieren,<br />
wie es sich anfühlt, selbst ein paar Runden mit dem<br />
Dreirad zu drehen. Dabei kam es zu ganz unterschiedlichen<br />
Eindrücken. Einige Gefährte reagierten nicht so, wie man<br />
das üblicherweise von einem Fahrrad gewohnt ist, andere<br />
gingen spielend leicht. Ein besonderes Kribbeln im<br />
Bauch verursachte es, wenn man auf einem Tandem<br />
vorne saß, aber nicht die Möglichkeit hatte zu lenken.<br />
Dies übernahm der Hintermann, dem man<br />
dabei schon großes Vertrauen entgegen bringen<br />
musste.<br />
Ganz besonders beeindruckt waren aber unsere Bewohner<br />
von dem „Radfahren für mobilitätseingeschränkte<br />
Menschen“. Aus allen Wohnstätten und<br />
Betreuten Wohngruppen nahmen Bewohner dieses<br />
Angebot an. Viele von Ihnen hatten es sich noch nie<br />
oder zumindest schon viele Jahre lang nicht mehr<br />
zugetraut, sich auf ein Fahrrad zu setzen. Die Freude<br />
Benjamin Gühler schafft es ganz allein!<br />
Torsten Kleie traut sich, mit Unterstützung von Frau Neumann,<br />
eine Proberunde auf dem Dreirad zu.
22 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 23<br />
»Weggesperrt! – Mensch geworden! –<br />
Und nun?<br />
So lautete der Titel des Workshops auf dem XXXV. VBS-<br />
Kongress <strong>2012</strong>, den Annedore Neigenfind und Corinna<br />
Brzezinski leiteten.<br />
Es war einer von insgesamt neun Veranstaltungen, die<br />
Mitarbeiter des BWS auf diesem internationalen Kongress<br />
mitgestaltet haben. Aber dieser Workshop hatte ein ganz<br />
besonderes Markenzeichen: höchste Emotionalität. Die<br />
Veranstaltung machte betroffen und stolz. Das Thema lautete:<br />
Enthospitalisierung. Unverschönt wurde gezeigt, wie<br />
die DDR mit geistig behinderten blinden Menschen umging,<br />
wie schwer der Weg war, den betroffene Menschen<br />
nach der Wende in den 90er Jahren gingen.<br />
In der damaligen DDR wurde zwischen „förderungsfähigen“<br />
und „bildungs- und förderungsunfähigen“ geistig<br />
behinderten Menschen unterschieden. Letztere hatten<br />
keine Chance auf pädagogische Förderung. Im Jahr 1993<br />
forderte der Magdeburger Appell alle Verantwortlichen<br />
zur Enthospitalisierung geistig behinderter Menschen auf.<br />
Betroffene sollten endlich ein menschenwürdiges Leben<br />
führen dürfen.<br />
Mit diesem Ziel nahm das BWS im Jahr 1993 elf erwachsene<br />
mehrfachbehinderte Menschen in einer Wohnstätte<br />
auf. Diese 11 Menschen waren bis dahin in Landeskliniken<br />
fehlplatziert untergebracht. Wir machten es uns zur Aufgabe,<br />
Lebensbedingungen zu schaffen, damit sie integriert,<br />
entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihrer Bedürfnisse<br />
leben können.<br />
Dieser Weg war sehr schwer und brachte alle Beteiligten<br />
oft an ihre Grenzen. Aber er war überaus lohnenswert,<br />
führte er doch von der Verwahrung und „Bildungs- und<br />
Förderungsunfähigkeit“ über viele Etappen zu einem<br />
hohen Grad an Selbstbestimmung. Ein völlig neues Menschenbild<br />
war entstanden und war Basis der heilpädagogischen<br />
Arbeit.<br />
Einer von den 11 behinderten Menschen war der damals<br />
20-jährige Torsten.<br />
Er zog in ein Zweibettzimmer in der Wohnstätte, schlief<br />
dort mit seiner Decke bedeckt auf dem Fußboden, ein Bett<br />
nahm er nicht an. Er aß sehr schnell und umgrenzte klar<br />
seinen Essbereich.<br />
Und er war aggressiv, sehr aggressiv. Torsten schlug Mitbewohner<br />
und Mitarbeiter, zerstörte täglich viele Gegenstände,<br />
warf sein Bett und seinen Schrank sowie Tische<br />
und Stühle um, riss Scheuerleisten im Flur ab, warf Lam-<br />
pen kaputt und zerschlug Fenster. Trotz seiner<br />
Blindheit traf er genau. Unvergesslich bleibt der<br />
blutige Korridor: Die Wände und der Fußboden<br />
waren voll von Blut beschmiert.<br />
Die Enthospitalisierung war somit eine außergewöhnlich<br />
hohe Herausforderung für alle. Jeder<br />
hatte Angst, Angst um Torsten, die Mitbewohner<br />
und Mitarbeiter, aber auch persönliche<br />
Angst, Angst vor Misserfolg und um das Ansehen<br />
der Einrichtung. „Schaffen wir das?“- diese<br />
Frage quälte uns Tag und Nacht.<br />
Torstens zerrissene Matratze<br />
Aber es gab etwas, was uns stark machte: unser<br />
Wille, das Menschwerden zu ermöglichen!<br />
Zudem hatten wir eine fachlich gute Konzeption<br />
zur Enthospitalisierung entwickelt, das BWS verfügte<br />
über jahrzehntelange Erfahrungen mit<br />
blinden Menschen und die zwei „Einzelfallhelfer“<br />
waren hoch motiviert.<br />
Stück für Stück veränderten wir Torstens Lebensbedingungen<br />
so, dass der ehemals angeblich<br />
„bildungsunfähige“ junge Mann lernen konnte.<br />
Und er lernte eifrig und mit Neugierde! Besonders<br />
wichtig war uns, ihm Privatsphäre zu<br />
geben, die er – wie jeder andere - benötigt, aber<br />
in seinem bisherigen Leben noch nie kennengelernt<br />
hatte. Torsten lernte Geborgenheit und<br />
Verlässlichkeit, aber auch klare Grenzen kennen.<br />
Wir beobachteten sein Verhalten, filmten viele<br />
Situationen und werteten sie im Team aus. Sein<br />
Talent „Kaputt machen“ wurde umgelenkt ins<br />
Demontieren und Montieren und er durfte mit<br />
Werkzeugen umgehen.<br />
Gemeinsam unterstützten wir ihn, allmählich neue Bedürfnisse<br />
zu entwickeln, wie im Bett schlafen, schaukeln,<br />
rasieren, Zähne putzen, Gras rupfen, Schrauben drehen,<br />
Musik hören und mit der Gabel essen. Mit den neuen<br />
Kompetenzen wurde Schritt für Schritt das Bedürfnis „Kaputt<br />
machen“ ersetzt.<br />
So entwickelte Torsten einen neuen Blick auf sich selbst,<br />
seine Fähigkeiten und Möglichkeiten, auf sein Leben.<br />
Wichtig waren auch die ärztlichen Untersuchungen, die<br />
ihm früher nicht ermöglicht wurden. Insbesondere eine<br />
Gallen-Operation und der regelmäßige Gang zum Zahnarzt<br />
trugen und tragen wesentlich zu seinem Wohlbefinden<br />
bei.<br />
Heute bewohnt er ein eigenes Zimmer, schläft in einem<br />
„normalen“ Bett, besitzt eigene Möbel und viele Dinge,<br />
die ihm wichtig sind, die er schätzt und hütet. Er legt Wert<br />
auf sein Äußeres und hat freundschaftliche Beziehungen<br />
zu Mitbewohnern. Sein Interesse für handwerkliche Tätigkeiten<br />
lebt er in der täglichen Arbeit aus. Vor acht Jahren<br />
erlernte er den Umgang mit dem Langstock. Diesen nutzt<br />
er gern auf seinen Wegen zur internen Verkaufsstelle und<br />
in den Garten.<br />
Auch heute testet er, bei Gelegenheit, seine Grenzen aus;<br />
ganz normal, wie jedermann. Torsten ist Mensch geworden,<br />
Torsten ist Mensch!<br />
Wichtig für den Erfolg der Enthospitalisierung war aus<br />
heutiger Sicht die Einstellung der Beteiligten dazu. Sie beinhaltete<br />
ein Umdenken, ein Überwinden der Zweifel und<br />
Ängste. So gelang es gemeinsam, die Bedingungen für<br />
Torsten und die anderen ehemals fehlplatzierten Menschen<br />
so zu verändern, dass sie ihnen gerecht wurden.<br />
Diese Erfahrungen sind für unsere heutige pädagogische<br />
Arbeit von größtem Nutzen. Darauf können wir aufbauen<br />
und gemeinsam den Weg der Inklusion gehen.<br />
Inklusion bedeutet insbesondere, gesellschaftliche Strukturen<br />
so zu gestalten und zu verändern, dass sie der Vielfalt<br />
menschlicher Lebenslagen, gerade auch von Menschen<br />
mit Behinderung, von vornherein gerecht werden.<br />
Sowohl Achtsamkeit und Engagement als auch Mut und<br />
Überzeugungsarbeit in der Gesellschaft sind hierbei von<br />
großer Bedeutung.<br />
Im Mittelpunkt sollte dabei immer die Frage stehen: Wie<br />
gelingt es uns, die Umweltbedingungen zunehmend unterstützend<br />
zu gestalten? Nehmen wir gemeinsam die<br />
Steine aus dem Weg, setzen wir an den Ressourcen der<br />
Menschen an und bauen wir Barrieren in der Umwelt ab.<br />
Gehen wir, unser Wissen und unsere Erfahrungen nutzend,<br />
konsequent und in angemessenem Tempo gemeinsam<br />
den Weg der Inklusion!<br />
Annedore Neigenfind<br />
Torsten als Handwerker – das macht Spaß!<br />
Torsten macht sein Bett.<br />
Torsten kann gut mit dem Langstock umgehen!
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
25<br />
»Seniorenbetreuung im eigenen Zuhause<br />
Wir sind da, wenn sie uns brauchen<br />
»Kann eine Wohnstätte eine inklusive Lebenswelt sein?<br />
Is a residential care home for people with disabilities a realistic concept for inclusion?<br />
Titel des Woksshops auf dem XXXV. VBS-Kongress<br />
Das „Wohngehöft“ Klein Loitz, eine Wohneinrichtung<br />
für mehrfachbehinderte Menschen auf dem<br />
Dorf – eine inklusive Lebenswelt?<br />
The former farmhouse „ Klein Loitz“, now a residential<br />
care home for multihandicapped people in<br />
a village – an environment to live a life of inclusion?<br />
Zuordnung zum Symposium: 3<br />
Zusammenfassung:<br />
Innerhalb eines Einstiegsreferates wurde an dem<br />
Beispiel „Wohngehöft“ Klein Loitz anschaulich demonstriert,<br />
welche konkreten Bedingungen geschaffen<br />
wurden. Diese Wohnstätte bietet Raum<br />
mit vielen Möglichkeiten der individuellen Lebensgestaltung<br />
und kann eine inklusive Lebenswelt<br />
sein. Sie ist dennoch begrenzt, so wie sich jeder<br />
Mensch in Freiräumen, aber innerhalb von Grenzen<br />
bewegt.<br />
Inhalte waren:<br />
Vorstellung der Einrichtung<br />
• Entstehung im Rahmen der Dezentralisierung<br />
im Jahr 1997<br />
• Klientelbeschreibung<br />
• Räumliche Bedingungen/ Ausstattung<br />
• Personelle Ausstattung<br />
Was heißt Inklusion? Bin ich inkludiert?<br />
Das Leben im Dorf<br />
• Was tun, um dazu zu gehören?<br />
• Traditionen pflegen<br />
• Vereine nutzen<br />
• Das Umfeld einbeziehen<br />
Durch die Teilnehmer des Workshops wurden folgende Fragen<br />
bearbeitet:<br />
1. Kann mit Inklusion Personal eingespart werden?<br />
Wozu soll es noch nötig sein, wenn der Mensch mit Behinderung<br />
in seinem Umfeld inkludiert ist? Welche Aufgaben hat<br />
qualifiziertes Personal in der Betreuung behinderter Menschen?<br />
Welche dieser Aufgaben ist nicht notwendig, können<br />
durch Andere gesichert werden? Welche Gefahren sehen Sie?<br />
2. Kann Inklusion auf dem strukturschwachen Lande gelingen?<br />
Kein Kino, Bahnhof, Frisör – und trotzdem glücklich?<br />
Was braucht der Mensch (der behinderte Mensch) zum glücklich<br />
sein? Kann das auf dem Land gesichert werden?<br />
Welche Gefahren sehen Sie?<br />
Der Workshop schloss mit einer Zusammenfassung.<br />
Im Ergebnis kann festgestellt werden:<br />
1. Inklusive Lebenswelten können überall entstehen:<br />
in der Stadt ebenso, wie auf dem Lande.<br />
2. Wichtig ist, dass sich der behinderte Mensch selbst<br />
für diese Wohnform entschieden hat oder zumindest<br />
an der Entscheidung maßgeblich beteiligt wurde.<br />
Dann kann auch eine Wohnstätte Inklusion bieten.<br />
3. Klassische Wohnstätten für behinderte Menschen<br />
werden perspektivisch an Bedeutung verlieren.<br />
4. Umso massiver die Beeinträchtigungen sind, um so<br />
eher ist davon auszugehen, dass eine Wohnstätte<br />
einen guten Lebensraum darstellt.<br />
5. Fachkompetente und engagierte professionelle<br />
Helfer sind auch bei inkludierten Wohnangeboten<br />
unabdingbar.<br />
6. Nichts ist gut, so lange das Bessere möglich ist!<br />
Simone Seliger<br />
Seit 2008 gibt es im Zentrum von <strong>Spremberg</strong> die Seniorenwohnhäuser<br />
in der Töpferstraße und am Kirchplatz. Unweit<br />
der Spree, im Grünen und doch mitten in der Stadt fühlen<br />
sich die Mieter sehr wohl. In den vergangen Jahren hat sich<br />
das Angebot von Service- und Dienstleistungen durch das<br />
BWS bewährt. Gern werden von den Senioren Grundleistungen<br />
entsprechend des Service- und Dienstleistungsvertrages<br />
wie beispielsweise, die Rufbereitschaft rund um die<br />
Uhr, ein Informations- und Beratungsgespräch und der Abwesenheitsservice<br />
in Anspruch genommen. Bei Bedarf können<br />
auch weitere ambulante Betreuungs- und Haushalts-<br />
Serviceleistungen wie z.B. Einkauf, Wohnungsreinigung<br />
dazu gebucht werden. Der ambulante Pflegedienst vom<br />
BWS ist bei einer notwendigen häuslichen Krankenpflege<br />
ebenso schnell vor Ort.<br />
Untereinander helfen die Senioren sich wo sie können. Es<br />
ist in diesen Jahren eine feste Mietergemeinschaft gewachsen,<br />
mit ihren Höhen und Tiefen. Gerade bei Verlust eines<br />
Partners, bei Krankheit oder auch bei der Notwendigkeit in<br />
eine andere Wohnform wechseln zu müssen, sind die Senioren<br />
füreinander da. Aber auch viele schöne Stunden werden<br />
gemeinsam verbracht. So werden Feste zusammen gefeiert.<br />
Am 18. Januar <strong>2012</strong> fand beispielsweise in der<br />
Bücherklause ein gemütlicher Neujahrsempfang für die Senioren<br />
statt. Bei Kaffee und Kuchen haben die Senioren,<br />
gemeinsam mit ihrer Ansprechpartnerin vom Betreuten<br />
Wohnen, Frau Drobig, das vergangene Jahr Revue passieren<br />
lassen und die „Highlights“ für die kommenden Monate<br />
besprochen. Am 21. März fand das alljährliche, traditionelle<br />
Frühlingsfest statt. Die Senioren freuten sich sehr, dieses<br />
Jahr auch erstmals gemeinsam ein Oktoberfest im Mietshaus<br />
der Töpferstraße feiern zu können. Neben anderen<br />
Aktivitäten wurde im Dezember in der Bücherklause eine<br />
gemütliche Weihnachtsfeier organisiert, um das Jahr <strong>2012</strong><br />
gemeinsam ausklingen zu lassen.<br />
Gäste, aber auch informative Veranstaltungen sind für die<br />
Senioren der Töpferstraße/ Kirchplatz immer herzlich willkommen.<br />
So wurde neben dem Neujahrsempfang, auch<br />
über die Möglichkeit der Inanspruchnahme zusätzlicher Leistungen<br />
informiert. Frau Höhna, ausgebildete Ehrenamtsmanagerin<br />
des <strong>Behindertenwerk</strong> <strong>Spremberg</strong> e.V-<br />
BWS, gab umfangreiche Informationen zu ehrenamtlichen<br />
Hilfs- und Leistungsangeboten. Dies<br />
kann beispielweise die Unterstützung im Haushalt,<br />
beim Einkauf oder einfach nur die Begleitung<br />
zum Spaziergang sein. Je nach Bedarf und<br />
Wunsch können die Leistungen bei Anspruchsberechtigung<br />
gemeinsam mit dem Helfer durchgeführt<br />
werden. Einige Senioren zeigten Interesse<br />
für diese ehrenamtlichen Angebote. Bei Bedarf<br />
und Wunsch steht Frau Höhna den Senioren jederzeit<br />
unterstützend zur Seite. Ab Januar 2013<br />
gibt es auch die Möglichkeit für die Senioren,<br />
jeden Mittwochnachmittag Freizeitangebote in<br />
der Bücherklause zu nutzen. Bei all diesen Veranstaltungen<br />
ist es ganz wichtig für die Senioren,<br />
bestehende Kontakte zu pflegen, Neuigkeiten<br />
auszutauschen oder einfach nur dabei zu sein.<br />
Dabei zu sein bedeutet gerade für Senioren, die<br />
Möglichkeit einer sozialen Teilhabe am gesellschaftlichen<br />
Leben, mehr Lebensfreude und<br />
immer noch mitten im Leben zu stehen.<br />
Annett Sauder
26 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
27<br />
»Nicht wieder zu erkennen<br />
»“Der Mensch ist so alt wie seine Wirbelsäule.“<br />
Ein Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt<br />
uns, dass uns <strong>2012</strong> viel Engagement und Einsatz<br />
abverlangt wurde und wir gerne dazu bereit<br />
waren. Denn dies entstand aus einem erfreulichen<br />
Grund, eine Kollegin bekam<br />
Nachwuchs.<br />
Uns gelang es, einen Großteil der durch die Elternzeit<br />
ausfallenden Therapieeinheiten zu<br />
kompensieren und somit eine Regelmäßigkeit<br />
in der Therapie für die Werkstattbeschäftigten<br />
der BWS-Werkstatt und die Bewohner der<br />
Wohnstätten und des Pflegeheimes (Klienten)<br />
zu gewährleisten.<br />
Ein wichtiger Schritt war es, den bis dahin bestehenden<br />
Leistungskatalog zu überarbeiten<br />
und ihn so verständlicher und übersichtlicher<br />
zu gestalten. Dies ermöglicht ein gezielteres<br />
und effizienteres Auswählen der Therapiemöglichkeiten<br />
durch das Betreuungspersonal.<br />
Unser Leistungskatalog sorgt gleichzeitig aufgrund<br />
seiner Übersichtlichkeit dafür, dass das<br />
Betreuungspersonal den Klienten erklären<br />
kann, was sich hinter unseren, einzelnen Therapieangeboten,<br />
verbirgt.<br />
(Joseph Hubertus Pilates)<br />
Das Angebot „Pilates“ fand unter den Mitarbeitern des<br />
BWS guten Zuspruch und so konnte im Frühjahr <strong>2012</strong> der<br />
Kurs stattfinden.<br />
Das positive Ergebnis unser jährlich durchgeführten Kundenbefragung<br />
ließ uns zum Entschluss kommen, mehr<br />
Gruppentherapien in den Wohnstätten anzubieten. So<br />
wurden unmittelbar Kleingruppen aufgebaut, die das<br />
Ziel der Förderung der Gruppendynamik/Teamfähigkeit<br />
in Verbindung mit der Freude an Bewegung in den Fokus<br />
stellen.<br />
Der wöchentliche Besuch der <strong>Spremberg</strong>er Schwimmhalle,<br />
ist eine willkommene Abwechslung für die Klienten,<br />
bei dem natürlich der therapeutische Aspekt im Vordergrund<br />
steht.<br />
Das gesetzte Ziel, möglichst viele Klienten durch Gruppentherapie<br />
zu erreichen, wurde <strong>2012</strong> erfolgreich realisiert<br />
und bleibt auch 2013 Teil unserer Arbeit.<br />
Katharina Schneider<br />
Noch vor einem Jahr war der Anbau vom Haus A für mich eine<br />
fremde Umgebung. Durch die Zusammenarbeit mit Annedore<br />
Neigenfind, Rehapädagogin im BWS, lernte ich mich dort sowie<br />
auch in den anderen Gebäuden vom BWS, zurecht zu finden. Ich<br />
bin dadurch unabhängig von fremder Hilfe.<br />
Damit auch ein nicht sehender Mensch die Büros der Mitarbeiter-<br />
Innen selbstständig findet, wurden die Türschilder in Brailleschrift<br />
mit dem durchsichtigen, selbstklebenden Dymoband beschriftet.<br />
Auf den Schildern stehen der Name des Mitarbeiters<br />
und seine Funktion. Durch die Durchsichtigkeit des Bandes kann<br />
der sehende Mensch trotzdem die Normalschrift erkennen.<br />
Damit auch wir Arbeiten am PC ausführen können, wurden Arbeitsplätze<br />
mit einer Braillezeile und der dazu gehörenden Software<br />
von uns (Nadin Rhode und Enrico Fulst) dem BWS zur Verfügung<br />
gestellt. Die BWS-Werkstatt hat eine neue Braillezeile<br />
gekauft. So können Dokumente in Normalschrift eingescannt<br />
werden, durch das Texterkennungsprogramm wird das Geschriebene<br />
auf dem Monitor und der Braillezeile dargestellt.<br />
Demnächst werden wir Einleger in Brailleschrift für die Flyer der<br />
Wohnstätten und den Fiedermannhof herstellen.<br />
Nadin Rhode<br />
Werkstattbeschäftigte
28 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
29<br />
»Das finde ich blind<br />
Seit Mai <strong>2012</strong> lernte ich beim Mobilitätstraining den Weg<br />
vom Haus „Schulhof“ zum Aldi. Dieser Weg bedeutet für<br />
mich wieder ein Stück Unabhängigkeit. Ich bin in der Lage,<br />
am Wochenende schnell in den Aldi zu gehen und mir fehlende<br />
Ware zu holen. Das ist ein großes Glücksgefühl für<br />
mich.<br />
Auf dem Hinweg zum Aldi mache ich insgesamt zwei Sicherheitsüberquerungen.<br />
Das heißt, zweimal eine Querstraße<br />
gefahrenlos zu überqueren. Man geht rein in die<br />
Querstraße, überquert sie, geht wieder raus und nimmt die<br />
alte Gehrichtung wieder auf. Ich muss mich also viermal<br />
drehen, um die Straße sicher zu überqueren.<br />
Enrico bei der Sicherheitsüberquerung<br />
Dann laufe ich weiter, überquere dabei noch drei<br />
Straßen und bin nach einer dreiviertel Stunde<br />
froh, am Aldi angekommen zu sein.<br />
Ich kaufe dann ein. Wenn ich meine Lieblingsschokolade<br />
habe, bin ich froh und glücklich. Noch<br />
glücklicher macht es mich, wenn ich die Kasse<br />
höre und die Schokolade bezahlt habe und anschließend<br />
kräftig reinbeißen kann.<br />
Auch auf dem Rückweg erwarten mich vier Straßenüberquerungen.<br />
Ich lausche den Autos im<br />
Wiesenweg, die nun immer links von mir sein<br />
müssen, bis ich in die Trattendorfer Straße einbiege.<br />
Nun noch Frau Stürmers Hund begrüßen<br />
und rechts abbiegen. Und dann ist es geschafft.<br />
K. O. bin ich, aber noch viel glücklicher. Und wenn<br />
Ihr Lust habt, dann nehme ich Euch mal mit auf<br />
meine Reise.<br />
Enrico Fulst<br />
Werkstattbeschäftigter<br />
2. Flugtag für Menschen mit Behinderung<br />
auf dem Flugplatz Welzow<br />
Am 16. Juni <strong>2012</strong> hat der Förder- und Fliegerverein Verkehrslandeplatz<br />
<strong>Spremberg</strong> – Welzow e. V. zum zweiten<br />
Mal, in Zusammenarbeit mit der Frühförderung des <strong>Behindertenwerk</strong><br />
<strong>Spremberg</strong> e. V. – BWS, den Wohnstätten<br />
der BWS <strong>Behindertenwerk</strong> GmbH aus <strong>Spremberg</strong> und der<br />
Spree-Neiße Flugschule aus Drewitz, einen Flugtag für<br />
Menschen mit Behinderung ermöglicht.<br />
Der Flugtag war zum wiederholten Male ein großer Erfolg<br />
und hat allen Beteiligten große Freude bereitet. Den<br />
50 großen und kleinen Gästen vom BWS, wurden neben<br />
kleinen Schnupperflügen über das Lausitzer Seenland<br />
auch Rundfahrten mit der Freiwilligen Feuerwehr Welzow<br />
sowie eine Versorgung mit Kaffee und Kuchen im<br />
Cafe Concorde angeboten. Außer den Schnupperflügen<br />
wurde den Kindern und Bewohnern des BWS dank der<br />
Wanderreitstation aus Proschim, als weiteres Highlight<br />
ermöglicht, einmal ihre Umgebung vom Rücken eines<br />
Pferdes aus zu erleben. Der Modelflugclub Senftenberg /<br />
Welzow e.V. hat uns mit einem Fesselflugmodell an diesem<br />
Tag unterstützt, wo die Teilnehmer des Flugtages<br />
auch einmal selbst ein Modelflugzeug steuern durften.<br />
Beim gemeinsamen Grillen am Nachmittag wurde dann<br />
dieser Tag in gemütlicher Runde ausklingen gelassen.<br />
Wir bedanken uns recht herzlich bei den Sponsoren,<br />
die den Bewohnern der Wohnstätte des<br />
BWS aber auch den Kindern der Frühförderung<br />
dieses Erlebnis durch ihre finanziellen Zuwendungen<br />
ermöglicht haben.<br />
Weiterhin möchten wir uns herzlich bedanken<br />
bei dem <strong>Behindertenwerk</strong> <strong>Spremberg</strong> e.V. –<br />
BWS, der BWS <strong>Behindertenwerk</strong> GmbH aus<br />
<strong>Spremberg</strong>, dem Team der Spree-Neiße Flugschule<br />
aus Drewitz, Herrn Holger Vöhl aus Cottbus,<br />
und Herrn René Wiesner aus Lauchhammer,<br />
der Freiwilligen Feuerwehr aus Welzow,<br />
der Wanderreitstation aus Proschim, dem Modelflugclub<br />
Senftenberg / Welzow e.V. sowie<br />
bei allen anderen freiwilligen Helfern, die uns<br />
vor Ort tatkräftig unterstützt haben und dafür<br />
gesorgt haben, dass dieser Tag für alle unvergesslich<br />
in positiver Erinnerung bleibt.<br />
Und auch unsere freiwilligen, tatkräftigen Kuchenbäcker<br />
wollen wir nicht vergessen zu erwähnen,<br />
die uns mit einer leckeren Kuchenspende<br />
unterstützt haben:<br />
Aufgrund der durchweg positiven Resonanz<br />
hoffen wir, dass wir auch im nächsten Jahr wieder<br />
solch einen Flugtag auf die Beine stellen<br />
können.<br />
Jana Döring<br />
Vorstandsmitglied<br />
Förder- und Fliegerverein / Verkehrslandeplatz<br />
<strong>Spremberg</strong>-Welzow e.V.<br />
Die Kasse ist gefunden
30<br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 31<br />
»17. Sportfest<br />
Am 09.06.<strong>2012</strong> sind wieder zahlreiche Teilnehmer aus den<br />
Behinderteneinrichtungen Würzburg, Szprotawa, Wünsdorf,<br />
Weißwasser, Hoyerswerda, Senftenberg, Cottbus und<br />
Rothenburg unserer Einladung zum gemeinsamen Sporttreiben<br />
gefolgt.<br />
Für sie ist das Sportfest in <strong>Spremberg</strong>, unter der Schirmherrschaft<br />
des Bürgermeisters, Herrn Dr. Schulze, immer<br />
ein ganz besonderer Höhepunkt, denn über die Jahre<br />
haben sich unter den Teilnehmern bereits feste Freundschaften<br />
entwickelt, so dass die Wiedersehensfreude für<br />
viele ein ganz besonderes Erlebnis ist.<br />
Bei der Ankunft der Teilnehmer herrschte immer große<br />
Aufregung, denn inzwischen kennt man den Ablauf und<br />
weiß, dass pünktlich um 10.00 Uhr der Einmarsch in die<br />
Sportstätte, erfolgt. Und so reihen sich jährlich sowohl die<br />
Sportler als auch alle Ehrengäste diszipliniert hinter dem<br />
Spielmannszug ein, welcher dann den fröhlichen Zug der<br />
Sportbegeisterten musikalisch in die Sportstätte begleitet.<br />
Dieses sportliche Freizeitangebot für Menschen mit Behinderungen<br />
hat sich inzwischen in der Stadt <strong>Spremberg</strong> und<br />
im Landkreis Spree Neiße einen Namen gemacht, denn inzwischen<br />
finden auch viele Außenstehende den Weg auf<br />
die Sportanlage und erfreuen sich der sportlichen Wettkämpfe,<br />
kulinarischen Leckerbissen und der musikalischen<br />
Unterhaltungsangebote.<br />
Für uns als Veranstalter zeugt dies auch ein Stück weit von<br />
Interesse für unsere Arbeit mit behinderten Menschen.<br />
Auch Frau Bieder, Gleichstellungsbeauftrage bei<br />
der Stadt <strong>Spremberg</strong> und Frau Wagschal, Behindertenbeauftragte<br />
im Landkreis Spree-Neiße,<br />
sind jährlich unsere Gäste. Beide würdigen<br />
immer wieder das hohe Engagement der vielen<br />
ehrenamtlichen Helfer und natürlich auch der<br />
Sponsoren, ohne deren Hilfe und Unterstützung<br />
die Austragung eines solch anspruchsvollen und<br />
sportlichen Events nicht möglich wäre.<br />
So unterstützt beispielsweise Herr Pultermann,<br />
aus <strong>Spremberg</strong> all die Jahre das Sportfest, indem<br />
er seine zahlreichen Flugtauben, als Symbol der<br />
Eröffnung, gen Himmel steigen lässt.<br />
Im Anschluss daran wird dann zur musikalischen<br />
Erwärmung aufgerufen. Demzufolge gehört die<br />
Popgymnastik ebenso zu einem Sportfest, wie<br />
die flotten Rhythmen der Euro-90 Diskothek von<br />
Matthias Schulz.<br />
Bei der Auswahl der Sportarten wurde nicht nur<br />
an das Klientel der geistig Behinderten, sondern<br />
auch an unsere Blinden und Sehbehinderten<br />
sowie an die Rollstuhlfahrer gedacht, die in<br />
jedem Jahr mit vertreten sind.<br />
Unsere Fußballbegeisterten kamen ebenfalls<br />
wieder auf ihre Kosten, denn auf zwei Kleinfeldern<br />
wurde heiß um die ersten 3 Pokale gekämpft.<br />
Sport treiben und sich den ganzen Tag aktiv an<br />
der frischen Luft zu bewegen macht natürlich<br />
auch hungrig und durstig. So standen auch die<br />
Mitarbeiter der Dussmann AG, unter der Leitung<br />
von Frau Carina Wandelt, vorbereitet in den<br />
Startlöchern und hatten neben einem warmen<br />
Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Eis sowie vielfältige<br />
Grillspezialitäten im Angebot.<br />
Um 13.00 Uhr trat dann das Partyduo „Ines und<br />
Tom“ aus Berlin in Erscheinung und innerhalb<br />
kürzester Zeit herrschte eine ausgelassene und<br />
begeisterte Stimmung auf der wundenschön gepflegten<br />
Sportanlage des SV Blau-Weiß <strong>Spremberg</strong><br />
07, im Heidefrieden 13.<br />
Gegen 14.30 Uhr warteten alle Teilnehmer bereits<br />
ungeduldig auf die Siegerehrung, welche<br />
von unserem Geschäftsführer, Herrn Taubenek<br />
und Mitgliedern unseres Vereinsvorstandes, vorgenommen<br />
wurde.<br />
Jubelnde Begeisterung herrschte, als die Sieger<br />
aufgerufen und mit Pokalen geehrt wurden.<br />
Doch den größten Pokal durfte im Jahr <strong>2012</strong> die<br />
Mannschaft aus der Wünsdorfer Werkstatt mit<br />
nach Hause nehmen. Sie schnitten nämlich in der<br />
Gesamtpunktewertung am Besten ab und feierten<br />
ihren Sieg fröhlich und ausgelassen.<br />
Wir, die Organisatoren, sind immer wieder beeindruckt,<br />
mit welch sportlichem Ehrgeiz einzelne<br />
Teilnehmer an den Start gehen und welche<br />
Freude und Ausgelassenheit unter den<br />
Wettkämpfern herrscht.<br />
Dies zeigt uns jährlich, dass sich auch der organisatorische<br />
Aufwand für ein Sportfest dieser Größenordnung<br />
lohnt.<br />
Ohne jedoch die finanzielle Unterstützung<br />
der Stadt <strong>Spremberg</strong> und des<br />
Kreissportbundes sowie unserer<br />
Sponsoren und der vielen fleißigen<br />
Helfer könnten wir das<br />
Sportfest nicht durchführen.<br />
Und somit galt und gilt unser Dank<br />
allen, die zum positiven Gelingen<br />
dieser Veranstaltung mit beigetragen<br />
haben.<br />
Ramona Debowski
32 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
33<br />
»Wanderausstellung am 5. Ausstellungsort eröffnet<br />
<strong>Behindertenwerk</strong> und Corona-Schröter-Schule stellten gemeinsam aus<br />
»Go Trabi go<br />
So hieß es am 25.05.<strong>2012</strong>, als die Bewohner der Wohnstätte „Wilhelmsthal“ in<br />
der Kraftwerkstraße aufgeregt am Tor standen und ihrer neuen Attraktion,<br />
einem alten Trabant, entgegenfieberten. Die Familie Jensch spendete den nicht<br />
mehr fahrbereiten Oldtimer. Dieser wurde im Außenbereich der Wohnstätte<br />
platziert und lud gleich zum Einsteigen und Erkunden ein. Da viele Bewohner<br />
vom „Auto“ so begeistert sind, eröffnete diese Möglichkeit ihnen eine ganz<br />
neue Perspektive im Alltag. Der KFZ-Meister Rene Langner erklärte sich ehrenamtlich<br />
bereit, alle Schadstoffe aus dem Auto zu entfernen und es für die Bewohner<br />
der Wohnstätte bedürfnisgerecht umzubauen. Zur Schulung der Motorik<br />
und der manuellen Geschicklichkeit wurden entsprechende Manipulationsmöglichkeiten,<br />
in Form von Bau- und Schraubvorrichtungen sowie Werkzeugen<br />
installiert. Zur „Trabi“-Einweihung erfolgte eine große Festveranstaltung, bei<br />
der sich alle Bewohner mit Kaffee und Kuchen sowie Geschenken bei Herrn<br />
Langner und der Familie Jensch bedankten. Die „Lausitzer Rundschau“ stellte<br />
dieses Ereignis transparent dar, indem sie ein Artikel veröffentlichte. Noch Stunden<br />
später war diese Attraktion für die Bewohner so aufregend, dass sie sich bis<br />
in den späten Abend im Garten aufhielten und ihr neues „Eigentum“ erkundeten.<br />
Im nächsten Jahr ist eine Lackierung geplant und die Bewohner werden bei<br />
der Reinigung, Inspektion und Instandhaltung unmittelbar dabei sein und<br />
selbst agieren können. Im Umgang mit dem Fahrzeug ist zu beobachten, dass<br />
eine Förderung der sozialen Kompetenz im zwischenmenschlichen Bereich, ein<br />
„Reparieren“ Hand in Hand, möglich wird. Die Bewohner lernen, sich miteinander<br />
zu arrangieren, so dass jeder die Möglichkeit hat, seine technischen Kompetenzen<br />
auszuleben bzw. einmal selbst „Fahrer, Beifahrer oder Mitreisender“ zu<br />
sein. Ziel war es, eine Wohlfühlatmosphäre im Außenbereich zu schaffen, die<br />
ein Stück Normalität im Alltag bringt und die barrierefrei auch für Rollstuhlfahrer<br />
erschließbar ist. Durch das Fahrzeug werden Geschicklichkeit, Beweglichkeit,<br />
Mut und Selbstvertrauen gefördert und es stärkt darüber hinaus die Konzentration,<br />
Entschlossenheit und die soziale Kompetenz. Ein Gewinn für die<br />
gesamte Wohnstätte.<br />
Christine Grimm<br />
Am 23.10.<strong>2012</strong> pünktlich 14.00 Uhr erfolgte die<br />
Eröffnung der Wanderausstellung „Grenzenlos-<br />
Kreativ“ nun in der Stadtverwaltung Guben, dem<br />
5. Ausstellungsort seit einem Jahr.<br />
Der stellv. Bürgermeister von Guben, Fred Mahro,<br />
und der Geschäftsführer des BWS, Olaf Taubenek,<br />
begrüßten Gäste und Akteure auf das Herzlichste.<br />
Gäste aus dem öffentlichen Leben der Stadt<br />
Guben waren gekommen, aber auch Akteure, die<br />
Schüler der 7. Klasse der Corona-Schröter Grundschule<br />
Guben sowie behinderte Mitarbeiter des<br />
FBB, Betriebsstätte Forst (Lausitz). Fred Mahro erläuterte<br />
das Ansinnen der Stadtverwaltung und<br />
seine persönliche Sichtweise zu diesem Vorhaben.<br />
Die Integrations- und Behindertenbeauftragte<br />
des Landkreises Spree-Neiße, Monika Wagschal,<br />
hob insbesondere die Bedeutung der Einbeziehung<br />
Behinderter in das „normale Leben“ hervor.<br />
Das gemeinsame Arbeiten von Schülern und behinderten<br />
Menschen in diesem Projekt ist praktische<br />
Inklusion und soll weit darüber hinaus<br />
wirken.<br />
Zahlreiche Gäste hatten die Einladung angenommen<br />
und folgten interessiert den Ausführungen<br />
des Projektleiters, Hartmut Klausnitzer. Aber auch<br />
die anschließenden Worte von Frau Berger und<br />
von der Schülerin, Paula Reinke, sowie eine DVD, mit der<br />
durch einen Beitrag des rbb das Enstehen der Kunstwerke<br />
im BWS dargestellt wird, machten sehr deutlich, warum dieses<br />
Projekt und diese Ausstellung so erfolgreich sind.<br />
Mit Farben jeglicher Art, Farbbomben, Schwämmen, Malerrollen,<br />
große Papierbahnen, Pappen, Decken- und Styroporplatten,<br />
Sprühflaschen, Staffeleien, Leinwänden und anderen<br />
Gestaltungsmöglichkeiten wurde gearbeitet und es<br />
entstanden kleine Kunstwerke.<br />
Die Wanderausstellung war bereits in <strong>Spremberg</strong>, Cottbus,<br />
Schwarze Pumpe und Forst (Lausitz) zu sehen. An den verschiedenen<br />
Orten holte sich das BWS jeweils eine Schule mit<br />
ins Boot.<br />
Der rbb, der das Projekt ein Stück begleitete, produzierte<br />
einen Beitrag für die Sendereihe „Theodor“ sowie die vorgenannte<br />
Demo-DVD.<br />
Wolfgang Looke<br />
Reges Interesse zeigten die Gäste an der Ausstellung.
34 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 35<br />
»Bürgermeisterzimmer zum Ertasten<br />
LR, Lokalteil, 14. September <strong>2012</strong><br />
»Fachkundige Aufmerksamkeit für Blinde und Sehbehinderte<br />
LR, Lokalteil: 24. Oktober <strong>2012</strong><br />
Die blinde <strong>Spremberg</strong>erin Nadin Rhode, Bürgermeister Klaus-<br />
Peter Schulze und Bettina Peter (v.l.n.r.) vom BWS freuen sich<br />
über die Brailleschrift-Schilder im Rathaus.<br />
Foto: Catrin Würz<br />
SPREMBERG Im <strong>Spremberg</strong>er Rathaus sind die Türschilder<br />
von Fachbereichen mit viel Besucherverkehr jetzt nicht nur<br />
zweisprachig deutsch und sorbisch, sondern auch in der<br />
Blindenschrift zu lesen. Die schmalen Streifen aus selbstklebendem<br />
Dynamoband mit der tastbaren Brailleschrift<br />
darauf wurden in dieser Woche angebracht.<br />
Erstes Zimmer, das auf diese Weise "ertastbar" wurde, war<br />
das von Bürgermeister Klaus-Peter Schulze.<br />
Die Idee dazu war vor wenigen Wochen beim diesjährigen<br />
<strong>Spremberg</strong>er Aktionstag für Sehbehinderte geboren worden.<br />
"Der Aufwand für die Ausschilderung ist vergleichsweise<br />
gering. Aber es steht uns als öffentlicher Verwaltung<br />
sicher gut zu Gesicht. Damit wird für sehbehinderte<br />
und blinde Menschen in unserer Stadt eine Voraussetzung<br />
geschaffen, sich in der Stadtverwaltung und bei Behördengängen<br />
selbstständig zu orientieren", sagte die<br />
Gleichstellungsbeauftragte Christina Bieder.<br />
Die Brailleschrift-Beschilderung soll an der Mehrzahl der<br />
fast 60 Zimmer im Rathaus und im Bürgerhaus der Stadt<br />
angebracht werden. Die Beschriftung wird vom <strong>Behindertenwerk</strong><br />
<strong>Spremberg</strong> (BWS) hergestellt.<br />
An der Tafelunterkante befindet sich die<br />
Brailleschrift (Blindenschrift)<br />
Wolfgang Looke vom BWS lobte das Vorangehen<br />
der Stadt <strong>Spremberg</strong> auf diesem Gebiet: Es<br />
sei ein weiterer Schritt zur Barrierefreiheit im öffentlichen<br />
Raum. "Denn die Behindertenarbeit<br />
hat ja in <strong>Spremberg</strong> schon eine lange Tradition."<br />
Die Stadt <strong>Spremberg</strong> dürfte damit sogar überregional<br />
eine Vorreiterrolle eingenommen haben.<br />
"Bisher ist es uns lediglich vom Landesamt für<br />
Versorgung in Cottbus bekannt, dass Ähnliches<br />
in den Amtsstuben schon vorhanden ist", so Bürgermeister<br />
Schulze. "Wir würden uns freuen,<br />
wenn das in anderen Verwaltungen noch mehr<br />
Nachahmer findet", erklärte er.<br />
Auch für die unlängst in der RUNDSCHAU kritisierte<br />
Situation bei Behindertenparkplätzen in<br />
der Stadt kündigte der Bürgermeister eine baldige<br />
Lösung an. Damals wurde die ungünstige<br />
Beschaffenheit der Behindertenparkplätze und<br />
ein Mangel davon am Krankenhaus moniert.<br />
"Wir haben das auf dem Schirm. Dazu wird es<br />
Lösungsvorschläge geben", stellte er in Aussicht.<br />
cw<br />
SPREMBERG Zu einem Tag der offenen Tür hat<br />
am Dienstag das <strong>Behindertenwerk</strong> <strong>Spremberg</strong><br />
(BWS) in sein Pflegeheim "Jahresringe" eingeladen.<br />
Der Tag stand unter dem Motto "Hand in<br />
Hand – Gemeinsam aktiv".<br />
Rehabilitationspädagogin Annedore Neigenfind erläuterte,<br />
wie blinde und sehbehinderte Senioren betreut<br />
werden. Foto: Arlt/mat1<br />
Zur offiziellen Eröffnung begrüßten Olaf Taubenek<br />
als Geschäftsführer des BWS sowie <strong>Spremberg</strong>s<br />
Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU)<br />
die Gäste im Café Wilhelmsthal.<br />
"Wir möchten uns natürlich auch für andere Bereiche<br />
öffnen. Neben den Werkstätten gibt es<br />
eben auch unser Pflegeheim, das wir heute den<br />
Besuchern vorstellen möchten", sagt Olaf Taubenek.<br />
<strong>Spremberg</strong>s Bürgermeister betonte in seinem<br />
Grußwort, dass auch die Stadtverwaltung<br />
Im Gespräch – Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze, der GF des<br />
BSVB, Achim Haar und der GF des BWS, Olaf Taubenek v.l.<br />
bezüglich der Blinden- und Sehbehindertenarbeit auf dem<br />
richtigen Weg sei. "Denn vor wenigen Wochen wurde in<br />
unserem Haus die Türbeschilderung mit tastbarer Brailleschrift<br />
vorgenommen", so Klaus-Peter Schulze. Sehr lobend<br />
sprach sich auch Joachim Haar als Geschäftsführer<br />
des Brandenburgischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes<br />
über die <strong>Spremberg</strong>er Aktivitäten aus, die teilweise<br />
Vorbildwirkung für andere Städte hätten.<br />
Im BWS-Pflegeheim "Jahresringe" gibt es 48 stationäre<br />
Plätze sowie vier Kurzzeitpflegeplätze. Neugierige Blicke<br />
warfen die Besucher während der Führung in das eine<br />
oder andere Zimmer und schauten sich die Wohngruppen<br />
an. Diana Heinicke, Leiterin des Pflegeheimes, und Rehabilitationspädagogin<br />
Annedore Neigenfind hatten an diesem<br />
Tag viele Fragen zu beantworten. Informationen gab<br />
es auf der ersten Etage zum Augenlicht, denn besonders<br />
diesbezüglich werden die Blinden und Sehbehinderten betreut.<br />
Besucher bekamen zum Tag der offenen Tür Informationen<br />
zur Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Ambulanten<br />
Pflege sowie stationären Pflege. Beim ambulanten<br />
Pflegedienst bestand die Möglichkeit eines kostenlosen<br />
Gesundheitsschecks.<br />
"Das Besondere an unserer Einrichtung ist eben die Arbeit<br />
mit Blinden und Sehbehinderten. Dafür bieten wir besonders<br />
gute Voraussetzungen. Doch auch die Kurzzeitpflege<br />
oder das betreute Wohnen sind Bereiche, worüber wir informieren<br />
möchten. So kommen wir auch in Berührung<br />
mit anderen ambulanten Pflegediensten", betonte Diana<br />
Heinicke.<br />
mat1<br />
Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte
36 BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong> 37<br />
Wochenkurier<br />
Traditionsunternehmen unserer Region Mittwoch, 28.März <strong>2012</strong> 7<br />
»Ehrenamt im BWS – Auch eine Möglichkeit für Sie?<br />
Was wären soziale Einrichtungen heutzutage ohne<br />
die engagierte und unterstützende Hilfe, der vielen<br />
fleißigen ehrenamtlicher Helfer. Deren Einsatz<br />
kann eigentlich nicht genug gewürdigt und anerkannt<br />
werden, denn sie sind es, die seit vielen Jahren<br />
die Lebensbereiche der Bewohner oder Personen<br />
in der Häuslichkeit, unterstützen und somit<br />
auch ein Stück weit zur Bereicherung ihrer persönlichen<br />
Lebenssituation beitragen. Viele Hilfebedürftige<br />
freuen sich einfach nur über deren Anwesenheit,<br />
denn nette und aufbauende Gespräche, gemeinsame<br />
Spaziergänge oder auch die Unterstützung<br />
bei Freizeitaktivitäten lassen unsere Ehrenamtler<br />
zu wichtigen Bezugspersonen werden.<br />
Die Nachfrage hinsichtlich der Erbringung dieser<br />
Unterstützungsleistungen steigt stetig. Aus diesem<br />
Grund beschäftigt sich unsere Einrichtung konzeptionell<br />
seit nunmehr zwei Jahren zielgerichtet mit<br />
dem Aufbau des Ehrenamtes.<br />
Für die Ehrenamtsmanagerin des BWS, Gabi Höhna,<br />
bedeutet dies insbesondere noch einmal eine völlig<br />
neue berufliche Herausforderung.<br />
Sie koordiniert und begleitet nicht nur deren Einsatz<br />
sondern ist auch bemüht, den Personenkreis<br />
mit Interesse für dieses Ehrenamt weiter auszubauen.<br />
Bei einem ausführlichen Gespräch lernt man sich<br />
gegenseitig kennen und verständigt sich dann über<br />
mögliche Einsatzbereiche. So besteht beispielsweise<br />
die Möglichkeit, in fast allen Bereichen im BWS ehrenamtlich<br />
tätig werden zu können.<br />
Eine Vereinbarung zwischen unserer Einrichtung<br />
und dem „Ehrenamtler/In“ setzt den Rahmen für<br />
das gemeinsame Miteinander und sichert insbeson-<br />
dere den weitreichenden Versicherungsschutz für die ehrenamtlich<br />
Tätigen, denn die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen<br />
bildet dabei eine wichtige Grundlage.<br />
Bislang konnten in den zurückliegenden zwei Jahren zwei Bereiche<br />
des Ehrenamtes etabliert werden.<br />
Dies sind zum Einen das „klassische Ehrenamt“, wo die Möglichkeit<br />
des Einsatzes in den Wohnstätten und der Werkstatt sowie<br />
im Pflegeheim gegeben ist und zum Anderen das Ehrenamt<br />
nach dem Pflegeleistungsergänzungsgesetzt, wo interessierte<br />
Bürger vor ihrem Einsatz in einem 30-stündigen Weiterbildungskurs<br />
das nötige Rüstzeug für ihren Einsatz erhalten.<br />
Im zurückliegenden Jahr wurden im Bereich des Ehrenamtes,<br />
nach dem Pflegeleistungsergänzungsgesetzt, sieben “Helferinnen“<br />
(der Gesetzgeber gibt diese Bezeichnung vor) in den bedürftigen<br />
Häuslichkeiten tätig.<br />
Dieses Hilfsangebot kann man aber nur in Anspruch nehmen,<br />
wenn dem Nutzer ein „erhöhter Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung<br />
und Betreuung“ durch den Medizinischen Dienst der<br />
Pflegekassen bescheinigt wurde.<br />
Zudem wurden auch im „klassischen Ehrenamt“ zusätzlich 445<br />
Betreuungsstunden in den unterschiedlichen Bereichen unserer<br />
Einrichtung erbracht.<br />
Wie vielmehr Lebensfreude bei den Hilfeempfängern dadurch<br />
vermittelt wurde, kann man nicht statistisch erfassen, man kann<br />
es aber täglich erleben und in den lächelnden, von Dankbarkeit<br />
gezeichneten Gesichtern sehen.<br />
Auch wir sagen danke und sind erfreut darüber, wenn sich Menschen<br />
für Menschen einsetzen. Jeder von uns kann auf unterschiedliche<br />
Art und Weise selbst innerhalb kürzester Zeit hilfebedürftig<br />
werden. Umso wichtiger ist es, dass man Menschen an<br />
seiner Seite weiß, die sich kümmern und für einen da sind.<br />
Am „Tag des Ehrenamtes“ am 05.12.<strong>2012</strong> nutzte das BWS offiziell<br />
die Gelegenheit, um sich bei den „Ehrenamtler/Innen“ unserer<br />
Einrichtung zu bedanken.<br />
Die Veranstaltung wurde im Freizeitzentrum<br />
Bergschlösschen durchgeführt<br />
und von der Stadt <strong>Spremberg</strong>, in Zusammenarbeit<br />
mit der „Freiwilligen<br />
Agentur <strong>Spremberg</strong>“ organisiert.<br />
Die „Ehrenamtler/Innen“ Frau Schröder<br />
und Frau Fesser wurden zudem vom<br />
Bürgermeister, Dr. Klaus-Peter Schulze,<br />
ausgezeichnet.<br />
Sollten wir Ihre Neugier für dieses lohnenswerte<br />
Ehrenamt geweckt haben,<br />
steht Ihnen Frau Gabi Höhna unter der<br />
Telefonnummer 03563/342-174 gern<br />
zur Verfügung.<br />
Gabi Höhna
38<br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
BWS»Jahresbericht»<strong>2012</strong><br />
39<br />
„Zusammenkommen<br />
ist ein Anfang, Zusammenbleiben ist ein<br />
»Ein Team erlebt sich<br />
In diesem Sinne unternahm das Team der Wohnstätte<br />
Wilhelmsthal, Kraftwerkstraße 74, im Juni vergangenen<br />
Jahres eine ungewöhnliche teambildende Maßnahme.<br />
Ansinnen der Gruppenleiterin, Frau Lüdtke, war es, ihr<br />
Team in einer arbeitsunabhängigen Atmosphäre kennen<br />
zu lernen. Wie lösen die MitarbeiterInnen gemeinsam<br />
Aufgaben und Probleme? Werden Lösungswege beraten<br />
und in der Gruppe abgestimmt oder setzt sich eine einzelne<br />
Meinung durch? Wie wird das gemeinsame Scheitern<br />
oder Erfolg haben, erlebt? Ist Platz für Solidarität<br />
oder überwiegen Schuldzuweisungen? Um diese Fragen<br />
beantworten zu können, begab sich das gesamte Team<br />
an den See in Geierswalde zu einer BBQ-Bootsfahrt. Die<br />
erste Herausforderung war es, bei einer vorbereiteten<br />
Schnipseljagd verschiedene Aufgaben zu lösen. Hier war<br />
nicht nur der logische Kopf gefragt, sondern auch handwerkliches<br />
Geschick und Kreativität, um alle Aufgaben zu<br />
lösen und damit die Bonuspunkte zu ergattern. Dann<br />
kam die zweite spannende Aufgabe. Das Boot gemeinsam<br />
in die richtige Richtung zu steuern. Ein gewagtes Zusammenspiel<br />
– was einige Diskussionen provozierte, um<br />
in die richtige Richtung zu steuern. Aufregende Stunden<br />
wurden erlebt, die ihren Ausklang am Lagerfeuer mit<br />
Forschritt, Zusammenarbeiten<br />
einem gemeinsamen Grillen am Strand fanden.<br />
Am Ende des Tages bleibt ein positiver Eindruck.<br />
Die MitarbeiterInnen haben beim Lösen<br />
der Aufgaben ganz unbewusst gelingende<br />
Teamarbeit vollzogen. In der Gruppe aufgehoben<br />
wurden diskutiert, mögliche Lösungen,<br />
Ideen beraten und verworfen und letzten<br />
Endes abgestimmt. Doch bei Gefahr war es der<br />
Einzelne, der schnell für die gesamte Gruppe<br />
agiert hat, um das Ergebnis nicht zu gefährden.<br />
Jede Mitarbeiterin hat eine Stimme, die gehört<br />
wird, aber am Ende ist es das Team, das zusammen<br />
die Leistung vollbringt. Voller Stolz konnten<br />
die Sieger ihren Triumph genießen und die<br />
Verlierer sich solidarisch trösten – mit einem kritischen<br />
Blick zurück, welche Fehler begangen<br />
worden sind. Mit einem ganz neuen „Wir“-Gefühl<br />
konnte in den Arbeitsalltag zurück gekehrt<br />
werden.<br />
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