Tätigkeitsbericht 2008 - Ärzte der Welt e.V.

aerztederwelt.org

Tätigkeitsbericht 2008 - Ärzte der Welt e.V.

Ärzte der Welt

2008 Tätigkeitsbericht

Médecins du Monde Deutschland

Internationale Humanitäre Hilfe

Die Welt vergisst schnell.

Wir helfen weiter.


Impressum

© Ärzte der Welt e.V. , V.i.S.d.P.

Prof. Dr. W.Schilli

(Vorstandsvorsitzender)

Redaktion

Merle Becker

Marion Chenevas

Marc Gemeiner

Damien Perrot

Dr. Nicole Schmidt

Prof. Heinz-Jochen Zenker

Mit Unterstützung von

Rosemarie Elger

Heinz Henghuber

Ermelin Ritzert

Quellen

World Health Organization (WHO)

Human Development

Reports 2007 & 2008 (UNDP)

CIA World Factbook 2008

Fotos

Barmaliejus, Fotolia.com

Jakob Börner

Stéphane Berdoulet

Veronique Burger-Phanie

Marie-Pierre Buttigieg

P. Deloche

Valérie Dupont

Isabelle Eshraghi

Kathy Gomez

iMAGINE, Fotolia.com

Adriana Ignea

Giovanni Marrozzini

MDM /ÄDW

Marc van der Mullen

Dr. Hilke Schneider

Nikolaus Teixeira

Gestaltung

Gestaltungsbüro Schultes

Litho:

D8 Digital Lab, München

Druck

Bosch-Druck GmbH, Ergolding

7/2009

Ärzte der Welt e.V.

ist als gemeinnützige

Organisation anerkannt.

Spenden sind steuerlich

abzugsfähig.

Im April 2006 erteilte das

Deutsche Zentralinstitut für

soziale Fragen/DZI Ärzte

der Welt das DZI-Spendensiegel.

Ärzte der Welt e.V.

Baumbachstraße 15

D-81245 München

Telefon +49 (0)89 45 23 081-0

Fax +49 (0)89 45 23 081-22

info@aerztederwelt.org

www.aerztederwelt.org

www.medecinsdumonde.org

www.mdm-international.org

Sie können unsere Hilfsprojekte

unterstützen.

Für eine Überweisung nutzen Sie bitte

folgendes Spendenkonto:

Bayerische Landesbank

Konto 28888

BLZ 700 500 00

IBAN: DE56700500000000028888

BIC / SWIFT: BYLADEMM


In diesen vergessenen Krisenregionen stehen Menschen

weiter vor existenziellen Notlagen, unbeachtet von der

Weltöffentlichkeit. Hier engagieren wir uns gemeinsam

mit lokalen Partnern und arbeiten daran, nachhaltige

Strukturen zu schaffen.

Liebe Freunde und Förderer,

Das Jahr 2008 war leider wieder geprägt von vielen

Katastrophen und Krisen in der Welt. In den vergangenen

Jahren konnte Ärzte der Welt immer wieder die Lebenssituation

vieler Menschen nachhaltig verbessern. Viele

laufende Projekte, wie zum Beispiel in Mali, El Salvador

oder Indonesien, konnten an die eingebundenen lokalen

Träger übergeben werden.

Doch leider sind auch die Krisen in der Welt zahlreich,

die einen langfristigen Einsatz von Ärzte der Welt erforderlich

machen. Manche sind Ihnen sicherlich bekannt:

sie heißen Darfur oder Gazastreifen. Andere haben

längst das Medieninteresse verloren, wie zum Beispiel

Haiti.

Kinder und Jugendliche sind besonders häufig von

Armut und Ausgrenzung betroffen. Für ihre speziellen Bedürfnisse

engagiert sich Ärzte der Welt mit gezielten

Hilfsprojekten, wie zum Beispiel in Haiti, das mit zur Versorgung

unterernährter Kinder unter fünf Jahren beiträgt.

Auch in Deutschland ist das Thema Kinderarmut aktuell.

Brisant wird es, wenn die Eltern der Kinder keine Aufenthaltsgenehmigung

haben was den Zugang zur Gesundheitsversorgung

noch schwieriger macht – hier hilft das

Münchner Projekt open.med den Hilfesuchenden gezielt

weiter.

Nicht nur Hilfe leisten, sondern auch Menschenrechtsverletzungen

öffentlich machen – nach diesem doppelten

Leitprinzip handelt Ärzte der Welt.

Dies alles wäre ohne Ihre Hilfe nicht möglich.

Ich möchte mich persönlich und im Namen der vielen

ehrenamtlichen Helfer bei Ihnen für Ihr Engagement

für Ärzte der Welt bedanken.

Ich wünsche Ihnen eine anregende und informative

Lesezeit.

Prof. Dr. med. Wilfried Schilli

Präsident Ärzte der Welt

1


Ärzte der Welt

Médecins du Monde

Deutschland

Ärzte der Welt arbeitet seit dem Jahre 1999

als deutscher Zweig der internationalen humanitären

Organisation Médecins du Monde.

Unabhängig von ihrer Herkunft behandeln und

versorgen wir hilfsbedürftige Menschen in Krisensituationen,

wie Krieg und Gewalt, Naturkatastrophen,

Krankheit, Armut und Ausgrenzung.

Nicht nur Hilfe leisten sondern auch Menschenrechtsverletzungen

öffentlich machen – nach

diesem doppelten Leitprinzip ist Ärzte der Welt

an verschiedenen Projekten des internationalen

Netzwerks von Médecins du Monde beteiligt

– seit dem Jahre 2000 zum Beispiel im

Kosovo, Afghanistan, Palästina, Sudan,

Liberia, Angola und nach dem Tsunami auch

in Sri Lanka.

2


Vergessene Krisen

Ärzte der Welt ist an Orten aktiv, die von

der Welt langsam vergessen werden. Wenn

Tausende von Menschen wie in Liberia oder

Sudan vertrieben werden, herrschen menschenunwürdige

Verhältnisse. Ärzte der Welt

setzt sich für den Zugang zu medizinischer

Versorgung als humanitäres Grundrecht für jeden

Menschen ein. Wir bleiben und behandeln,

bauen mit auf und sind somit Augenzeugen

– für die Menschen, die wir nicht vergessen

dürfen.

Schutz vor HIV/AIDS-Übertragung

Weltweit müssen derzeit über 40 Millionen

Menschen mit dieser Infektion leben. In Äthiopien,

einem der ärmsten Länder der Welt, sind

rund 200 000 Kinder davon betroffen. Unser

Projekt in Äthiopien hilft, die Neugeborenen vor

HIV-Infektion zu schützen und den Müttern

durch medizinische Beratung und Betreuung

vor der Geburt zusammen mit ihren Kindern

eine gesunde Zukunft zu geben. Weltweit führt

Ärzte der Welt – Médecins du Monde in

zwölf Ländern HIV / AIDS-Programme durch.

Gemeinsam ans Ziel

Ärzte der Welt arbeitet seit seiner Gründung

mit anderen Hilfsorganisationen und Partnern

zusammen, um gemeinsam Ziele zu erreichen.

Hier eine kurze Aufstellung der Partner,

Förderer und Bündnisse mit denen Ärzte der

Welt arbeitet:

Verband Entwicklungspolitik Deutscher

Nichtregierungsorganisationen e.V. (Venro)

Aktionsbündnis gegen AIDS

Auswärtiges Amt

Arbeitskreis Medizin

in Entwicklungsländern (AKME)

Landeshauptstadt München,

Arbeitskreis Migration und Gesundheit

Nord-Süd-Forum München

Bürgerstiftung Zukunftsfähiges München

Münchner Agenda 21

Sternstunden e.V.

Café 104

Bayerischer Flüchtlingsrat

Reuters Alertnet

HelpDirect.org

Migranten und Nichtversicherte

in Deutschland

Wie das Netzwerk von Médecins du Monde

in Europa, so bietet auch Ärzte der Welt

Menschen ohne Papiere – unabhängig von

ihrer Herkunft basismedizinische Versorgung.

Im September 2006 wurde open.med, die

medizinische Anlaufstelle für hilfsbedürftige

Menschen, im Zentrum Münchens eröffnet.

Nichtversicherte und Migranten erhalten hier

anonym und kostenfrei Zugang zur Gesundheitsversorgung.

3


Das internationale

Netzwerk

Médecins du Monde

Der Wunsch einer kleinen Gruppe von Ärzten,

Menschenrechtsverletzungen, deren Zeuge sie

bei ihren Hilfseinsätzen wurden, nicht länger

zu verschweigen, markiert den Beginn der Arbeit

der internationalen humanitären Organisation

Médecins du Monde.

Bei der Massenflucht vietnamesischer Boat

People Ende der 70er Jahre lenkten sie den

Blick der Weltöffentlichkeit auf die humanitäre

Tragödie auf hoher See. Gemeinsam mit

Journalisten retteten sie in einer spektakulären

Aktion viele der vom sicheren Tod bedrohten

Flüchtlinge. Diese Gruppe von 15 Ärzten

gründete im März 1980 Médecins du Monde.

Humanitäre Hilfe

und Entwicklungszusammenarbeit

Médecins du Monde leistet heute neben humanitärer

Hilfe auch Wiederaufbau-, Vorbeugungs-

und Entwicklungsarbeit in ca. 68 Ländern

und 165 Gesundheitsprogrammen.

Die ehrenamtlichen Fachkräfte aus Medizin und

Logistik arbeiten meist mit lokalen Partnern zusammen.

Für viele Menschen bleibt der Zugang

zum Gesundheitssystem aus finanziellen,

4


sozialen, rechtlichen, religiösen oder ethnischen

Gründen ausgeschlossen. Médecins du Monde

will in den betroffenen Ländern einen Zugang

zur medizinischen Versorgung für hilfsbedürftige

Bevölkerungsgruppen – unter anderem

Frauen, Kinder und Jugendliche – schaffen.

Fast ein Viertel der Projekte von Médecins du

Monde widmet sich dieser Problematik. Afrika

bleibt weiterhin der Kontinent mit den meisten

Projekten des internationalen Netzwerks von

Médecins du Monde.

Den Zugang zur medizinischen Versorgung

auch im eigenen Land verbessern

Die Mitglieder vom Netzwerk Médecins du

Monde betreuen auch in den eigenen Ländern

insgesamt ca. 194 Gesundheitsprojekte.

Ziel ist es, Menschen zu helfen, die aus verschiedensten

Gründen von medizinischer

Versorgung abgeschnitten sind. Zu den Zielgruppen

gehören unter anderem Obdachlose,

Roma, Migranten, Drogenabhängige und

Sexarbeiter.

Menschenrechtsverletzungen

öffentlich machen

Médecins du Monde sieht es bis heute als

wichtigen Teil seiner Arbeit an, Augenzeugenberichte

und Verstöße gegen das humanitäre

Völkerrecht zu dokumentieren und zu veröffentlichen.

Im Dialog mit politischen Entscheidungsträgern

auf europäischer und internationaler

Ebene engagiert sich Médecins du

Monde für einen verbesserten Zugang zu

medizinischer Versorgung als Menschenrecht

für alle – unabhängig von Herkunft oder Status.

Die Direktion des Internationalen

Netzwerks

Die Aufgabe der Direktion des Internationalen

Netzwerks ist, die Arbeit der 16 Mitglieder des

Netzwerks von Médecins du Monde zu koordinieren

und vor allem diese entsprechend ihrer

Möglichkeiten und Bedürfnisse in ihrer eigenen

institutionellen Entwicklung zu unterstützen.

Mitglieder des Netzwerkes von Médecins du

Monde sind Argentinien, Belgien, Deutschland,

Frankreich, Griechenland, Italien, Japan,

Kanada, Niederlande, Großbritannien, Portugal,

Schweden, Schweiz, Spanien, USA und

Zypern.

Ihre Aufgaben liegen in:

der Ausarbeitung von Entwicklungsstrategien

für Projekte des Netzwerks.

der Unterstützung des gegenseitigen

Austauschs innerhalb des Netzwerks und der

Zusammenarbeit zwischen den 16 Mitgliedern.

der Konzeption und Koordination von gemeinsamen

Tätigkeiten.

Die Entwicklung der Aktivitäten vom internationalen

Netzwerk Médecins du Monde stützt

sich auf eine enge Zusammenarbeit seiner Mitglieder,

sowohl im Hinblick auf die medizinische

Versorgung als auch bei der Aufdeckung

und Veröffentlichung von Menschenrechtsverletzungen.

Dabei sollen die Partnerschaften

gemeinsame Synergien nutzen um eine

Erhöhung von finanziellen und personellen Ressourcen

zu erreichen.

Mehr Informationen zum Netzwerk

Médecins du Monde:

www.mdm-international.org

5



Projekt

Kambodscha

Aktion Lächeln

Die Operationen finden unter

unglaublichen Bedingungen

statt, wobei das über die Jahre

in unseren Partnerkrankenhäusern

besser geworden ist. Um

diese positive Entwicklung zu

unterstützen, versuchen wir

unsere Teams möglichst klein

zu halten, damit wir auf unsere

kambodschanischen Kollegen

eingehen und Fachkenntnisse

übermitteln können.


Dr. Hilke Schneider,

Projektkoordinatorin Aktion Lächeln

Das kambodschanische Gesundheitswesen

leidet bis heute unter der von den Roten Khmer

systematisch betriebenen Ermordung bzw. Vertreibung

einheimischer Medizinern.

Man schätzt, dass nur circa 50 der ehemals gut

1000 Ärzte den Genozid überlebten. Die Bekämpfung

von HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose

und Dengue-Fieber ist daher eine nahezu unüberwindbare

Herausforderung für das Gesundheitssystem

des Landes. Da viele Ärzte in

der Hauptstadt praktizieren bzw. an Privatkliniken

tätig sind, ist die Bevölkerung auf dem

Land unterversorgt.

Der Weg zur nächsten Klinik ist vor allem

für die Landbevölkerung weit. Arztbesuche und

Operationen sind für viele unerschwinglich. Die

hohen Kosten und der Verlust von Einkünften

bei Krankheit sind Hauptgründe von Armut und

Verelendung. Nicht von ungefähr lautet ein

kambodschanisches Sprichwort: „Lieber ein

brennendes Haus als krank zu sein“.

6


Viele Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene

leiden bis heute unter sichtbaren Folgen

von Kriegsverletzungen, aber auch unter Verbrennungen,

Tumoren und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten.

In vier Einsätzen in 2008 schenkten

die Spezialisten-Teams von Ärzte der Welt

in den Provinzkrankenhäusern in Kambodscha

und in der Hauptstadt diesen Menschen wieder

ein Lächeln.

Ein Schwerpunkt und die Besonderheit bei

diesem Projekt in Kampong Cham liegen hier

auf der verstärkten Weiterbildung des medizinischen

Fachpersonals vor Ort und der umliegenden

Gegend. Das hierbei vermittelte Fachwissen

wird auf weitere Bereiche, besonders

die Notfallversorgung, Handchirurgie und

Anästhesie ausgeweitet. In die Ausbildungsdemonstrationen

werden auch regelmäßig Studenten

der Universität Phnom Penh miteinbezogen.

Durch einfache bauliche Veränderungen sollen

die hygienischen Verhältnisse im Krankenhaus

verbessert werden.

Die Anästhesieabteilung wurde von Ärzte der

Welt mit Narkose- und Überwachungsgeräten

ausgestattet. Dieses Projekt wird in enger und

vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den

einheimischen Partnern und Behörden durchgeführt.

Wir danken allen Freiwilligen, die dieses

Projekt mit ihrem Engagement ermöglicht

haben:

Prof. Dr. Jozsef Barabás, Peter Dekoleadenu,

Dr. Jörg Hanusch, Dr. Dr. Andreas Müller,

Dr. Dr. Steffen Müller, Dr. Regula Müller-Widmer,

Dr. Arno Mutschler, Dr. Jean Rapidel, Yolande

Sandorfi, Sabine Renate Scholtz, Dr. Dr. Katja

Schwenzer-Zimmerer, Martha Siebold,

Dr. Nikolaus Johannes Wachter, Dr. Dr. Babette

Williger, Dr. Stephan Zimmerer.

Ein besonderer Dank gilt unserem Vorstandsmitglied

Dr. med. dent. Hilke Schneider für

die Projektkoordination.

Projektort

Kampong Cham, O Reang Ov,

Phnom Penh, Kampong Thom

Projektziel

Rekonstruktive Chirurgie für Kinder

mit Entstellungen im Gesichtsbereich

und Fortbildung der lokalen Kräfte

Dauer

2008: 3 Einsätze (ca. je 14 Tage)

Feb./März, Mai u. Nov. / Dezember

Gesamtkosten

47 000 Euro

Kambodscha

Kindersterblichkeit 82 ‰

Lebenserwartung 62 Jahre

Entwicklungsindex 0.575;

Rang 136 von 179

BIP/Einwohner 1 619 US-Dollar

Unterstützung

Olympus Europa Holding GmbH,

Sternstunden e.V., sowie private

Spendengelder

7



Projekt

Haiti

Unsere Aufgabe besteht darin,

der Gesamtbevölkerung eine

kostenfreie medizinische Versorgung

zu gewähren und zwar in

einem qualitativ guten Umfeld,

das den Standards der haitianischen

Gesundheitsbehörden

entspricht. Die Teams, die vor

Ort tätig sind kennen sowohl

das Einsatzgebiet als auch die

Gesundheitseinrichtungen und

können somit die Bedürfnisse

der Bevölkerung genau identifizieren.


Yves Lecorgne,

Mitarbeiter im Lateinamerika-Desk

von Ärzte der Welt

Einst war Haiti ein Land mit Zukunftsperspektiven.

In den 80er Jahren brach jedoch die

Agrarwirtschaft aufgrund struktureller Anpassungen

zusammen. Seit mehreren Jahren ist

das Land mit politischer Instabilität und somit

immer wieder mit Gewalt konfrontiert.

Als 2006 René Préval zum Präsident gewählt

wurde, entschied sich die Regierung in Haiti für

wichtige Reformen zur Etablierung des Rechtsstaates

und der Einhaltung von Menschenrechten.

Mehrere Naturkatastrophen sowie eine

anhaltende Wirtschaftskrise lähmten jedoch die

Durchführung dieser Reformen. In Haiti leben

70 % der Menschen unterhalb der Armutsgrenze.

Hilfe für die Sturmopfer

Binnen weniger Wochen wurde Haiti von vier

Zyklonen heimgesucht. Die schweren Unwetter

verursachten Überschwemmungen und verheerende

Schäden. Die Bevölkerung floh aus

ihren zerstörten Häusern. In den provisorischen

Unterkünften litten vor allem die Kinder an

Hunger und Durst. In Anbetracht dieser humanitären

Katastrophe entschloss sich Ärzte der

Welt zum sofortigen Handeln und setzte ambulante

Kliniken zur Erstversorgung der Sturmopfer

ein. Die Organisation unterstützte zudem

die lokalen Gesundheitszentren im Norden

und Süden Haitis und stellte unentbehrliche Arzneimittel

kostenfrei zur Verfügung. Die Kinder

wurden in Ernährungsprogrammen betreut.

8


Auch Monate nach dem letzen Wirbelsturm ist

die Situation in den schwer betroffenen Regionen

im Süden und im Norden Haitis weiterhin

schwierig. Aus diesem Grund unterstützt Ärzte

der Welt die betroffenen Familien weiter, die

durch den Wirbelsturm ihre Unterkünfte und

ihrem Besitz verloren haben. In Haiti ist die medizinische

Versorgung kostenpflichtig und daher

für arme Bevölkerungsschichten kaum

bezahlbar. Deshalb plädiert Ärzte der Welt für

eine kostenlose medizinische Grundversorgung

für Kinder und schwangere Frauen auch

über die akute Katastrophe hinaus.

Das Programm wird u.a. mit Mitteln der Spendenaktion

Sternstunden des Bayerischen

Rundfunks durchgeführt. Schwerpunkt des Programms

wird die Schwangerschaftsvor- und

nachsorge sein. Dabei soll die Zusammenarbeit

mit den Behörden in Haiti verstärkt werden.

Frauen und Kinder

im Fokus der langfristigen Arbeit

von Ärzte der Welt in Haiti

Seit 1994 liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten

von Ärzte der Welt auf der Verbesserung der

gesundheitlichen Situation im Distrikt Grande

Anse im Südwesten des Landes. Dort bietet

Ärzte der Welt schwangeren Frauen und Kindern

unter fünf Jahren einen kostenfreien Zugang

zu medizinischer Grundversorgung.

Ein spezielles Programm betreut unterernährte

Kinder unter fünf Jahren. Ärzte der Welt führt

medizinische Untersuchungen und Behandlungen,

Ernährungsberatung und -hilfe für Kinder

zwischen sechs und 59 Monaten durch.

Ärzte der Welt betreut Schwangere und bietet

psychosoziale Beratung sowie Aufklärung

zum Thema Gesundheit an. Der Aufbau eines

epidemiologischen Frühwarnsystem ermöglicht

frühe Behandlung beim Ausbruch von Epidemien.

Projektorte

Port-au-Prince, Gonaïves, Jérémie,

Distrikt Grande-Anse

Projektziel

Hilfe für die Sturmopfer,

Medizinische Grundversorgung

und die Bekämpfung endemischer

Gewalt

Gesamtkosten 2008

1 096 057 Euro

Unterstützung

Unterstützt mit privaten Spendengeldern

und Sternstunden e.V.

Haiti

Kindersterblichkeit 80 ‰

Lebenserwartung 61 Jahre

Entwicklungsindex 0.521

Rang 148 von 180

BIP/Einwohner 1109 US-Dollar

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Projekt

Indien

Wir sind nach Jaipur gekommen,

um Arbeit zu finden. Ich möchte

das Lebensnotwendigste haben,

ein Haus und zu essen. Wir leben

nun schon 3 Jahre hier. Mit

dem was wir verdienen können

wir nur von der Hand in den

Mund leben. Ich werde bald entbinden.

Die Unterstützung des

Sozialarbeiters ist sehr hilfreich.

Früher wusste ich nicht, ob

mich eine Klink aufgenommen

hätte.


Varsha,

25 Jahre, Mutter von 5 Kindern,

im 6. Monat schwanger

Trotz des starken Wirtschaftswachstums der

letzten zehn Jahre hat sich in Indien das Schicksal

von 600 Millionen Menschen, die von

weniger als einem Euro pro Tag leben müssen,

nicht verbessert. In medizinischer Hinsicht ist

eine qualitativ hochwertige Behandlung in einem

Land, in dem die Regierung nur 1,3% des

Staatsbudgets für die Gesundheit aufbringt,

ausschließlich den höheren Kasten vorbehalten.

Es gibt zudem starke Unterschiede in der

medizinischen Versorgung zwischen den ländlichen

und städtischen Gebieten. Zu den ärmsten

Gebieten gehört Rajasthan.

10


Im März 2007 begann Ärzte der Welt mit umfangreichen

Aktivitäten in den Elendsvierteln

von Jaipur in Rajasthan. Auf Bitten der lokalen

Organisation JKSMS (Jan Kala Sahitya Manch

Sanstha), wurde ein Programm zur Gesundheitsversorgung

für Frauen im gebärfähigen Alter

und für Kinder unter fünf Jahren eingerichtet.

Die Organisation JKSMS kämpft seit über

20 Jahren gegen die extreme Armut und führt

Ausbildungs- und Entwicklungsprogramme

durch. Gemeinsam mit ihnen analysierten sieben

Gesundheitsberater den Bedarf vor Ort.

Sie begleiteten die Patienten zu den Behandlungszentren,

beispielsweise für Geburten und

setzten sich dafür ein, dass die vom indischen

Ministerium errichteten Gesundheitszentren

auch die Patienten aus den Elendsvierteln regelmäßig

behandeln.

Aus Deutschland war dazu Gabriele Krüger

(Hebamme) als Medizinische Koordinatorin vor

Ort aktiv und konnte gemeinsam mit dem

lokalen Einsatzteam die Durchführung von verschiedenen

Aktivitäten zur Ausbildung und

Gesundheitserziehung begleiten.

Indien

In Aufklärungskampagnen machte die JKSMS

auf den prekären Gesundheitszustand der

Bewohner in den Elendsvierteln, vor allem der

Kleinkinder und Frauen im gebärfähigen Alter,

aufmerksam.

In Jaipur, einer Drei-Millionen-Metropole in Rajasthan,

lebt ein Drittel der Stadtbevölkerung

in diesen Elendsvierteln. Deshalb unterstützen

unter anderem auch Programme von UNICEF

die Verbesserung der dortigen Gesundheitsversorgung

und initiierten gemeinsam mit JKSMS

ein sogenanntes „Welcome-Center Apnaghar“;

ein Ort zur Ausbildung und Integration von

Straßenkindern in die Gesellschaft. Parallel dazu

hat Ärzte der Welt im Rahmen einer Vereinbarung

mit der Partnerorganisation JKSMS die

Aktivitäten im Einsatzgebiet unterstützt.

Projektort

Jaipur – Hauptstadt von Rajasthan

Projektziel

Aufklärung und medizinische Grundversorgung

für Mütter und Kinder

Dauer

März 2007 bis März 2010

Gesamtkosten

56 000 Euro

Unterstützung

Unterstützt mit privaten Spendengeldern

Kindersterblichkeit 76 ‰

Lebenserwartung 63 Jahre

Entwicklungsindex 0,609;

Rang 132 von 180

BIP/Einwohner 2 489 US-Dollar

11



Projekt

Liberia

Mit der Integrierung eines medizinischen

Vorsorgesystems für

psychische Erkrankungen in die

Gesellschaft und in Krankenhäuser

und mit einer verstärkten medizinischen

Aufklärung , die mit dem

Gesundheitsministerium abgestimmt

wurden, wird das Gesundheitsversorgungssystem

mit Angeboten

verbessert, die es dort

zuvor nicht gab.

In der Bong Provinz hat die Organisation

einen großen Beitrag zur

Verbesserung des Gemeinwohls

geleistet.


Abraham Taryor,

medizinischer Koordinator für Ärzte der Welt

in der Bong Provinz, Liberia.

Wiederaufbau der medizinischen

Versorgung in der Bong Provinz

Nach den Erschütterungen durch die Kriegsjahre

verfolgt das neue Liberia, geführt von der

Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, den Weg

des Wiederaufbaus. Trotz der politischen Anstrengungen

der Bevölkerung zu helfen, hat

ein großer Teil der liberianischen Bevölkerung

keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen.

Die Regierung ist alleine nicht in der Lage, neue

Gesundheitseinrichtungen zu errichten. Gemeinsam

mit den Gesundheitsbehörden vor Ort, ist

Ärzte der Welt in der Provinz Bong im entlegenen

Nordosten des Landes tätig.

Anfang 2005 waren hier lediglich 280 Gesundheitseinrichtungen

in Betrieb – gegenüber 420

vor dem Krieg. Die fehlende medizinische Versorgung

führt in Verbindung mit Armut zu einer

extrem hohen Sterblichkeitsrate.

12


In Kooperation mit den örtlichen Kräften sorgt

Ärzte der Welt für die Aufrechterhaltung einer

gesundheitlichen Mindestversorgung durch Ausbildung

und Begleitung von medizinischem Personal,

Versorgung mit Medikamenten und

medizinischem Material sowie durch verbesserte

Versorgung in der Geburtshilfe in dringenden

Fällen. Ein weiteres Anliegen ist die Unterstützung

und Verwaltung des Gesundheitssystems

in Liberia.

Über 100 000 Behandlungen wurden in 2008

in den zehn Gesundheitseinrichtungen durchgeführt.

Neben sexuell übertragbaren Krankheiten

sind Malaria, Atemwegs- und Durchfallerkrankungen

die am häufigsten diagnostizierten

Erkrankungen.

Um das Angebot der Gesundheitsversorgung

weiter zu verbessern, beabsichtigt Ärzte der

Welt, ein Krankenhaus in dem größten Ort der

Provinz wiederaufzubauen sowie weitere Dienste

(Stationäre Behandlung und Entbindungsstation

rund um die Uhr) in drei von Ärzte der

Welt unterstützten Einrichtungen anzubieten.

Alle Maßnahmen erfolgen in enger Zusammenarbeit

mit den regionalen Gesundheitsbehörden,

besonders bei Überweisungen von Notfällen

an speziellere Gesundheitseinrichtungen.

Liberia

Zusätzlich wird in den Gesundheitseinrichtungen

ein Präventionsprogramm zur HIV-Übertragung

mit pränataler Beratung von Mutter zu Kind

durchgeführt. Das medizinische Personal wird

durch Schulungen und Supervisionen in der

Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen

geschult.

In jedem Gesundheitszentrum arbeitet eine

Hebamme, die Schwangerschaftsvor- und nachsorge

anbietet sowie die Geburten betreut. Da

viele Frauen auf dem Lande meist zu Hause

entbinden, führt Ärzte der Welt auch Kurse für

traditionelle Geburtshelferinnen durch und stellt

ihnen eine Grundausstattung für die Entbindung

zur Verfügung. So werden die Geburten für

die jungen Mütter auch auf dem Land sicherer.

Kleinkinder bis fünf Jahre werden regelmäßig

auf ihr Wachstum untersucht, um Mangelernährung

frühzeitig zu erkennen. Stark unterernährte

Kinder werden zur Behandlung an ein

Ernährungszentrum überwiesen. Impfprogramme

und ein epidemiologisches Frühwarnsystem

ergänzen die Aktivitäten.

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Projektort

Bong Provinz, Liberia

Projektziel

Wiederaufbau der medizinischen

Versorgung in der Bong Provinz

Dauer

September 2003 bis auf weiteres

Gesamtkosten

1 331 000 Euro

Unterstützung

Das Deutsche Auswärtige Amt

hat dieses Projekt unterstützt

Kindersterblichkeit 235 ‰

Lebenserwartung 44,5 Jahre

Entwicklungsindex 0,364;

Rang 176 von 179

BIP/Einwohner 335 US-Dollar


Projekt

Myanmar

Dringende Hilfe für die Opfer des

Wirbelsturms

Die Bevölkerung Myanmars leidet sowohl unter

der ständig steigenden Armut aufgrund einer

restriktiven Volkswirtschaft als auch unter der

zu geringen Investitionen in Bildung und Gesundheit.

In Folge dessen ist das Land mit einem

besonders hohen HIV/AIDS-Zuwachsrate konfrontiert.

Die Militärjunta ist zwar gestärkt durch den Sieg

nach dem Referendum vom Februar 2008,

bleibt aber international isoliert und kann sich

nur auf die Unterstützung weniger Länder, vor

allem Chinas, verlassen.

Infolge des gewaltigen tropischen Wirbelsturms

Nargis, der im Mai 2008 über Myanmar wütete

und weite Teiles des Landes verwüstete,

hat Ärzte der Welt seine Aktivitäten vor Ort neu

ausgerichtet, um der betroffenen Bevölkerung

in der Hauptstadt Rangun und Umgebung

mit dem Nötigsten zu versorgen. Außerdem

wurde ein weiteres Medizin- und Logistikteam

zur Verstärkung nach Myanmar geschickt.

Rangun und Irrawaddy, das Deltagebiet

Die Hilfsmaßnahmen ermöglichten die Wiederherstellung

des Zuganges zum Trinkwasser

und medizinischer Versorgung für die Opfer des

Wirbelsturms.

Aufgrund administrativer Hindernisse durften

die Experten von Ärzte der Welt die Hauptstadt

Rangun lange nicht verlassen. Mit intensiven

Trainingsmaßnahmen konnten doch fünf mobile

Kliniken errichtet werden, in denen vorwiegend

einheimisches medizinisches Personal heute

noch tätig ist. Eine der Kliniken deckt das Gebiet

von Rangun ab und die anderen vier das Deltagebiet

(Pyapon, Kunyangung, Dedaye, Bogale).

14


Die Überwachung der Mangelernährung von

Kindern unter 5 Jahren sowie der epidemiologischen

Risiken, wie zum Beipiel Malaria und

Cholera, ist dadurch ebenfalls gewährleistet.

Trotz der zahlreichen politischen Hindernisse

ist es den internationalen Hilfskräften gelungen,

allmählich die Bevölkerung zu erreichen, indem

sie sich unter anderem auf die bereits vorhandenen

Gesundheitsstrukturen stützten und diese

weiter optimierten. Aus dem Noteinsatz heraus

wurde ein langfristiges Projekt initiiert, das den

lokalen Gesundheitseinrichtungen zur weiteren

Durchführung und Betreuung übergeben wurde.

Vorsorge und Behandlung von

übertragbaren Geschlechtskrankheiten

und AIDS/HIV

Seit 1995 führt Ärzte der Welt ein HIV-Projekt

für Drogenabhängige und Prostituierte in der

Provinz Kachin und in der Hauptstadt Rangun

durch. An beiden Standorten arbeiten die Teams

von Ärzte der Welt mit insgesamt ca. 60 lokalen

Angestellten, Ärzten, Krankenpflegern und

Gesundheitsberatern zusammen.

Ärzte der Welt hilft den Betroffenen in diesem

Projekt durch Präventivmaßnahmen bei HIV/

AIDS, durch Früherkennung der Erkrankung sowie

kostenloser Behandlung der Geschlechtskrankheiten,

unterschiedlicher Infektionen und

HIV/AIDS (491 Patienten unter ARV Therapie).

Ein weiteres Angebot ist die Substitutionsbehandlungen

(61 Patienten mit Methadon) und

die Verteilung bzw. Einsammlung von Spritzen

für Drogenabhängige (800 000 in 2008). Verschieden

Selbsthilfegruppen vor Ort, die sich

aus Patienten von Ärzte der Welt gebildet haben,

unterstützen unsere Teams bei dem Empfang

und der Beratung von neu-hinzukommenden

HIV und AIDS infizierten Patienten.

In Rangun wie im Kachin, wird das Programm

der in Behandlung befindlichen Patienten weitergeführt.

Ärzte der Welt bleibt weiter in Kontakt mit der

Gesundheitsbehörde Myanmars und den internationalen

Netzwerken und führt Verhandlungen,

um den Zugang zu ARV-Therapien für die

am wenigsten privilegierten Bevölkerungsschichten

zu verbessern und die Risken bei Drogenkonsumenten

durch Austausch der Spritzen

und durch Ersatztherapien mit Methadon zu

minimieren.

Projektort

Rangun, Provinz Kachin und

Irrawaddy Delta

Projektziel

Hilfe für die Sturmopfer,

Prävention und Behandlung

für HIV-infizierte und weitere

Infektionskrankheiten

Dauer

Seit 1995 bis auf weiteres

Gesamtkosten

1, 5 Million Euro

Unterstützung

Unterstützt mit privaten Spendengeldern

Myanmar

Kindersterblichkeit 104 ‰

Lebenserwartung 60 Jahre

Entwicklungsindex 0.585;

Rang 135 von 179

BIP/Einwohner 881 US-Dollar

15



Projekte

Simbabwe

Das Programm hat wirklich gute

Ergebnisse erzielt und es

kommt vielen Menschen zugute.

Wir brauchen viel Kraft dafür,

aber es macht Sinn. Und es ist

das, was ich sehr, sehr gerne

mache.


Dr. Adriana Ignea,

Ärztin aus Deutschland nach ihrem Einsatz

als Gesamtkoordinatorin des Programms

in Simbabwe.

Ärzte der Welt in Simbabwe –

Der Kampf gegen die Cholera-Epidemie

Einst als „Brotkorb“ Südafrikas gepriesen, hat

sich das Bild von Simbabwe stark verändert.

Das Land leidet unter ständig wiederkehrender

Nahrungsmittelknappheit. Eine rapide steigende

Inflation und umstrittene Landreformen

haben beide ihren Teil zum Anstieg der Armutsrate

beigetragen. Unterernährung ist ein

alltägliches Problem in Simbabwe. Zudem befinden

sich die meisten medizinischen Einrichtungen

in einem katastrophalen Zustand. Die

Gesundheit der Bevölkerung wird zusätzlich

durch den Gebrauch von verschmutztem Wasser

gefährdet, was ebenfalls zu häufigen

Krankheitsausbrüchen führt.

Simbabwe wurde in 2008 von einer schweren

Cholera-Epidemie heimgesucht, die alle Provinzen

des Landes erfasst hat. Die Weltgesundheitsorganisation

WHO berichtete bereits 2008

von 79.613 Verdachtsfällen von Cholera und

3.731 Todesfällen. Als eine der wenigen internationalen

NGO’s, die in Chipinge tätig sind, hat

Ärzte der Welt die Koordination der Programme

zur Bekämpfung der Cholera übernommen.

Ein Notfallteam wurde in die Krisenregion geschickt.

Um die Epidemie einzudämmen wurden

Medikamente und medizinisches Material

an Erwachsenen und Kindern verteilt. Gleichzeitig

wurden als Sofortmaßnahmen beispielsweise

eine saubere Trinkwasseraufbereitung,

der Bau von Latrinen und die Verteilung von sogenannten

Hygiene-Kits eingeleitet um die

Verbreitung der Epidemie einzudämmen. Begleitend

wird die Bevölkerung darüber informiert,

wie man die Cholera mit einfachen hygienischen

Maßnahmen bekämpfen kann.

16


Mangel an Fachkräften in Simbabwe

Die Region Chipinge hat 46 Gesundheitseinrichtungen,

in denen manchmal nur eine einzige

medizinische Fachkraft arbeitet. Auch die vier

Krankenhäuser beschäftigen jeweils nur fünf

Ärzte. Eigentlich ist sehr viel mehr medizinisches

Personal erforderlich. Aus diesem Grund führt

Ärzte der Welt Maßnahmen zur Ausbildung von

medizinischem Personal durch und stellt die notwendigen

Medikamente und Verbrauchsmaterialien

bereit.

AIDS in Simbabwe – Das Familienprogramm

Ärzte der Welt engagiert sich bereits seit 2004

in Chipinge mit einem umfassenden Programm

für HIV/AIDS Betroffene. Hier sind ca. 15,6%

der Bevölkerung Träger des Virus.

AIDS in Simbabwe –

Das Krankenhausprogramm

Das Programm wird in Kooperation mit vier

Krankenhäusern der Region durchgeführt. Ärzte

der Welt ermöglicht dort die medizinische Behandlung

von Aids-Kranken mit antiretroviralen

Medikamenten, was die Lebenserwartung und

-qualität erheblich steigert. Bei Schwangeren

wird damit verhindert, dass sich das HI-Virus

während der Geburt auf das Kind überträgt.

Da die Entfernungen zu den Behandlungszentren

für die Patienten oft weit und die Anreisen

sehr beschwerlich sind, ergänzen mobile Einsätze

in der Region das Angebot.

Simbabwe

Das familiennahe Betreuungsprogramm umfasst

die Betreuung und Pflege von über 1000

aidskranken Menschen in ihrer häuslichen Umgebung.

Diese Aufgabe wird von lokalen ehrenamtlichen

Mitarbeitern von Ärzte der Welt geleistet.

Außerdem hat Ärzte der Welt für 800

AIDS-Waisenkinder neben der medizinischen

Versorgung auch die Schulgebühren übernommen

und das benötigte Schulmaterial zur Verfügung

gestellt. Ärzte der Welt ermöglicht damit

den Kindern eine bessere Perspektive für ihre

Zukunft.

Zusammen mit der lokalen Organisation FACT

(Family AIDS Caring Trust) kümmert sich Ärzte

der Welt auch um die sozioökonomischen Folgen

für Kinder und Angehörige. Im Rahmen von

sogenannten „Nutrition Garden“ erhalten die

Patienten und deren Familien unter anderem

Saatgut von Ärzte der Welt um ihre Ernährungsgrundlage

verbessern zu können.

Projektort

Distrikt Chipinge (Manicaland)

Projektziele

Bekämpfung der Cholera-Epidemie,

Unterstützung des Gesundheitssystems,

Bekämpfung von HIV/AIDS

Dauer

2004 bis auf weiteres

Gesamtkosten 2008

203 993 Euro

Unterstützung

Unterstützt mit privaten Spendengeldern

Kindersterblichkeit 85 ‰

Lebenserwartung 43,5 Jahre

Entwicklungsindex

Entwicklungsindex unbekannt

BIP/Einwohner 200 US-Dollar

17


Projekte

Sudan

Medizinische Grundversorgung

Seit den blutigen Auseinandersetzungen

von 2003 und 2005 bleibt die Sicherheitslage

in der westlichen Provinz Darfur weiterhin

schwierig.

Der Konflikt schränkt die Mobilität und die Versorgungsmöglichkeiten

der Bevölkerung stark

ein. Als Rebellengebiet ist die Bergregion Jebel

Marra weiterhin von den staatlichen regulären

Gesundheitsdiensten abgeschnitten.

Über drei Jahre hatten die Bergbewohner keinerlei

Zugang zu medizinischer Versorgung.

18


Aufgrund dieser Isolation entstehen immer

wieder Mangel- und Notsituationen für die Bevölkerung,

die in erster Linie an akuten Erkrankungen

der Atemwege, Durchfall, Hepatitis

und Malaria leidet. Die kritische Situation vor

Ort lässt sich am erbärmlichen Ernährungszustand

der Einwohner ablesen.

Mit der Erstellung eines Frühwarnsystems vor

potentiellen Epidemien will Ärzte der Welt die

Ausbreitung von Infektionskrankheiten in der

Region vorbeugen. In Zusammenarbeit mit den

Gemeinden der Region geht Ärzte der Welt

auf Gesundheits- und Hygienefragen ein.

Ärzte der Welt ist in der abgelegenen Gegend

um die Stadt Deribat, im Osten von Jebel

Marra, mit einem Programm zum Wiederaufbau

der medizinischen Grundversorgung seit April

2008 im Einsatz.

Das Hilfsprogramm umfasst die Ausstattung

mit Medikamenten sowie medizinischer

Ausrüstung von fünf Gesundheitszentren (Deribat,

Jawa, Sorro, Dera, Fallujah), die zusammen

die medizinische Versorgung von

bis zu 100 000 Menschen abdecken können.

Dabei legt Ärzte der Welt ein spezielles Augenmerk

auf den Gesundheitszustand von Müttern

und Kindern. Dies wird mit verschiedenen

Maßnahmen unterstützt, wie zum Beispiel

durch Ausbildungen von Hebammen und Geburtshelferinnen

in der Region sowie mit

Veranstaltungen zur Sensibilisierung von Risikoschwangerschaften.

Ernährungshilfen werden direkt an die Haushalte

geleistet, um den Ernährungszustand

von Kindern unter fünf Jahren zu verbessern.

Projektort

Jebel Marra (Darfur)

Projektziele

Verbesserung der medizinischen

Grundversorgung

Dauer

November 2004 bis auf weiteres

Kosten 2008

983 500 Euro

Unterstützung

Das Auswärtige Amt hat dieses

Projekt unterstützt

Sudan

Kindersterblichkeit 89 ‰

Lebenserwartung 48,5 Jahre

Entwicklungsindex 0.526;

Rang 146 von 179

BIP/Einwohner 2 887 US-Dollar

19



Projekte

Deutschland

Schon beim ersten Mal, als

Frau R. in die Sprechstunde von

open.med kam, fiel uns ihre starke

Nervosität auf. Sie brauchte

eine Weile, um uns ihre Geschichte

zu erzählen. Vor einem Jahr

hatte sie bereits medizinische Hilfe

aufgesucht, damals bei einem

katholischen Krankenhaus. Hier

hatte man ihr Medikamente gegen

den hohen Blutdruck und ihren

Diabetes gegeben. Die Tabletten

nahm sie so lange ein, bis ihr nach

zwei Monaten das Geld ausging.

Frau R. wagte nicht, das Krankenhaus

noch ein zweites Mal zu

kontaktieren. Als wir die Patientin

sahen, befand sich bereits in

einem kritischen Gesundheitszustand

und benötigte dringend

ärztliche Hilfe.


Frau R., 60 J., aus Kroatien, seit 14 Jahren

ohne Aufenthaltsstatus in Deutschland

Medizinische Grundversorgung im Krankheitsfall:

Formal ist sie für alle Menschen

in Deutschland gewährleistet. Die Realität

sieht oft anders aus.

Menschen, die ohne Aufenthaltsstatus in

Deutschland leben, können im akuten Krankheitsfall

zwar medizinische Versorgung in Anspruch

nehmen – die Kostenerstattung erfolgt

jedoch über die zuständigen Sozialämter,

welche gemäß dem Aufenthaltsgesetz (§ 87),

dazu verpflichtet sind, die Betreffenden der

Ausländerbehörde zu melden. Damit steht der

Weg zur medizinischen Versorgung formal

zwar offen – faktisch ist er aber mit dem Risiko

der Abschiebung verbunden. Aus Angst vor

dieser Konsequenz verzichten viele Betroffene

im Krankheitsfall auf eine Behandlung für sich

oder ihre Kinder oder gehen nur dann zum

Arzt, wenn sie die Therapiekosten selbst zahlen

können. Langfristige Folgen davon sind Chronifizierungen

von Erkrankungen und Schmerzen

sowie kostenintensive Komplikationen.

Auch die Situation von Menschen aus den

neuen EU-Ländern wie Polen oder Rumänien

ist diesbezüglich als kritisch einzustufen. Sie

dürfen sich zwar seit 2004 legal in Deutschland

aufhalten, haben aber meist nur eine beschränkte

Arbeitserlaubnis. Viele von ihnen

sind darauf angewiesen, sich selbstständig zu

machen, um über ein geregeltes Einkommen

zu verfügen. Das verdiente Geld reicht meist

nur knapp für den Lebensunterhalt aus – in den

wenigsten Fällen jedoch kann davon eine

private Krankenversicherung bezahlt werden.

Auch Deutsche bleiben von den Versorgungsdefiziten

nicht verschont. Die Zahl derer, die sich

trotz Gesundheitsreform und Basistarif keine

Krankenversicherung leisten können, ist hoch.

20


Viele scheuen die Inanspruchnahme von medizinischen

Leistungen aufgrund von hohen

Selbstbeteiligungsraten bei Privaten Krankenkassen.

Im Zuge der zahlreichen Neugründungen

von „Ich-AG´s“ hat sich dieses Phänomen

in den vergangenen Jahren noch verschärft.

Das Projekt open.med in München

Aufgrund der beschriebenen Missstände hat

Ärzte der Welt 2006 in München das Projekt

open.med aufgebaut. Das Angebot der medizinischen

Anlaufstelle richtet sich an Menschen

ohne Krankenversicherungsschutz. Zwei Mal

wöchentlich bieten ehrenamtlich arbeitende

Ärzte und Berater Gesundheitsaufklärung, basismedizinische

und fachärztliche Behandlung

sowie psychosoziale Begleitung an.

Ferner kamen allein 35,6% aller Frauen aufgrund

von Schwangerschaft. Zumeist befanden

sie sich in der Endphase ihrer Schwangerschaft,

ohne davor je einen Arzt gesehen zu haben.

In rund der Hälfte der Fälle handelt es sich um

komplexere medizinische Probleme, die nicht

bei open.med gelöst werden können. In diesem

Fall steht ein Netzwerk von über 60 niedergelassenen

Fachärzten zur Verfügung, die kostenlos

oder zu verminderten Kostensätzen die

Hilfesuchenden behandeln. Vor allem Gynäkologen,

Zahnärzte und Internisten übernahmen

2008 die weitere Betreuung der Patienten.

Deutschland

Die Gesamtzahl der Konsultationen belief sich

2008 auf 830. Die Patienten stammten aus

insgesamt 64 Ländern. Am stärksten darunter

vertreten waren die neuen EU-Länder, allen voran

Polen, Rumänien und Bulgarien. Von diesen

behandelten Menschen hatten 15,4% keinen

Aufenthaltsstatus und 13% waren Hilfesuchende

mit deutscher Staatsangehörigkeit. Auffallend

hoch war auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen:

11,4% der Patienten gehörte in die

Gruppe der Unter-18-Jährigen. Um die medizinische

Versorgung für sie zu verbessern, wurde

im Mai 2008 zusätzlich eine zweiwöchentliche

kinderärztliche Sprechstunde eingerichtet.

Die Beschwerden der Patienten entsprechen

einer Bandbreite an Diagnosen, die sich von

den gesundheitlichen Problemen der Allgemeinbevölkerung

nicht auffällig unterscheiden. Ein

Großteil der Befragten litt an Erkrankungen des

Verdauungssystems (13,0%) und des Bewegungsapparates

(11,1%).

21

Projektort

München

Projektziel

Medizinische Versorgung und

psychosoziale Hilfe für Mensche

ohne Versicherungsschutz

Dauer

September 2006 bis auf weiteres

Gesamtkosten 2008

71 300 Euro

Unterstützung

Sternstunden e.V., Bürgerstiftung

Zukunftsfähiges München,

Referat für Gesundheit und Umwelt

der Landeshauptstadt München

Kindersterblichkeit 5‰

Lebenserwartung 79,5 Jahre

Entwicklungsindex 0.940;

Rang 23 von 179

BIP/ Einwohner 31 766 US-Dollar


Wir fordern medizinische Versorgung für

alle in der EU aufhaltenden Menschen –

unabhängig von Ihrem Aufenthaltsstatus.

Ärzte der Welt investiert viel Energie in die Öffentlichkeits-

und Lobbyarbeit. Das Ziel ist eine

Verbesserung des Zugangs zur medizinischen

Versorgung für alle in der EU lebenden Menschen,

unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

Vor diesem Hintergrund organisierte open.med

einen Fachtag zum Thema „Zugang zur Gesundheitsversorgung

von Menschen ohne Aufenthaltstatus

in Deutschland“ zusammen mit

Café 104 und IPPNW München (siehe Seite 26

„Aktionen und Veranstaltungen“).

Mit dem Ziel der Aufklärung über soziale Ungleichheit

und Schwierigkeiten bei dem Zugang

zur medizinischen Versorgung dokumentiert

und veröffentlicht Ärzte der Welt seine

Erfahrungen aus der alltäglichen Arbeit. So

beteiligte sich open.med aktiv an der zweiten

Untersuchung der europäischen Initiative zur

Beobachtung des Zugangs zur medizinischen

Versorgung. Das europäische Netzwerk von

Médecins du Monde hat mit dieser zweiten

Untersuchung sein Augenmerk auf die hilfsbedürftigsten

Menschen gerichtet. Im Zentrum

der Analyse standen unter anderem folgende

Fragestellungen: Wie gut ist der Informationsstand

der Menschen über bestehende Hilfsangebote?

Welchen Anspruch auf Versorgung

haben sie tatsächlich? Welche bürokratischen

Hürden erwarten sie?

Für die Datenerhebung bildete open.med ein

Team von fünf Freiwilligen, die mit 24 betroffenen

Patienten Interviews anhand eines standardisierten

Fragebogens durchführten. Die Ergebnisse

werden im September 2009 veröffentlicht.

Bereits zu diesem Zeitpunkt lässt sich sagen,

dass Menschen ohne Papiere – entgegen immer

wieder geäußerter Vorurteile – nicht nach Europa

reisen, um hier von den Vorteilen einer hoch

technologisierten Medizin zu profitieren. Vielmehr

zeigt sich: Die Lebensumstände der befragten

Personen sind generell schwierig – sowohl im

Hinblick auf ihre prekäre Wohnsituation als auch

auf ihr oftmals geringes Einkommen. Erschwerend

kommen in vielen Fällen Gewalterfahrungen

in der Vergangenheit hinzu. Nur wenige Betroffene

begeben sich im Krankheitsfall in medizinische

Betreuung. In der Regel müssen sie

lange Wartezeiten hinnehmen bis sie adäquate

Hilfe erhalten. Die meisten wissen nicht, dass sie

Anspruch auf medizinische Versorgung haben.

Wir sind der Meinung, dass das international

verbriefte Recht auf Gesundheit in Deutschland

auch für Menschen ohne Aufenthaltsstatus

und ihre Kinder gelten muss, das heißt, dass

der barrierefreie Zugang zum Gesundheitsschutz,

der Gesundheitsförderung und der Gesundheitshilfe

zu gewährleisten ist. Insbesondere

bedeutet dies, dass die Übermittlungspflicht

personenbezogener Daten an die Ausländerbehörde

für öffentliche Stellen (§87 AufenthG),

– wie z.B. für Gesundheitsleistungen

erstattende Sozialbehörden – aufgehoben werden

muss.

Alle Menschen, die sich in Deutschland

aufhalten (auch die ohne Versicherungsschutz

ihres Heimatlandes) und hilfsbedürftig sind,

müssen den gleichen Zugang zur medizinischen

Versorgung wie Empfänger von Sozialleistungen

haben. Dafür sollten tragfähige Lösungen

mit dem Ziel der Harmonisierung auf EU-Ebene

gefunden werden.

22


Das Projekt MedMobil in Stuttgart

Seit 2008 ist Ärzte der Welt nicht nur in München

aktiv: In Kooperation mit den freien Trägern

der Wohnungsnotfallhilfe und der Landeshauptstadt

Stuttgart hat Ende 2008 der Aufbau

eines neuen Projekts begonnen.

MedMobil ist ein mobiles medizinisches Angebot

für Wohnungslose und Menschen, die in

einer unsicheren sozialen Situation leben. Um

die Menschen vor Ort zu erreichen, steuert ein

Bus drei bis fünf Mal in der Woche bekannte

Treffpunkte dieser Zielgruppe an. Ein Team aus

ehrenamtlichen Ärzten und medizinischem

Fachpersonal sowie einer Sozialarbeiterin können

im Krankheitsfall direkte Hilfe leisten.

Darüber hinaus bemühen sie sich um eine Reintegration

der Patienten in das reguläre Gesundheitssystem.

Deutschland

Projektort

Stuttgart

Projektziel

Verbesserung des Zugangs

zur medizinischen Versorgung von

wohnungslosen Menschen

Dauer

November 2008 bis November 2011

Kindersterblichkeit 5‰

Lebenserwartung 79,5 Jahre

Entwicklungsindex 0.940;

Rang 23 von 179

BIP/ Einwohner 31 766 US-Dollar

Gesamtkosten 2008

7 090 Euro

Unterstützung

Landeshauptstadt Stuttgart

23


Kathy Gomez, Trägerin des

Sonderpreises „Immigration und

Menschenrechte in Europa“

widmete ihre Bilder den Menschen,

die in Spanien am Rande

der Gesellschaft leben.

Aktionen und

Veranstaltungen

Die bestechend schlicht komponierten

Porträts des Preisträgers

Giovanni Marrozzini zeigen die

Folgeschäden der Augenkrankheit

Trachom.

Bilder gegen das Vergessen

Berlin, 24. September bis 26. Oktober 2008

Zum dritten Mal in Folge zeigte Ärzte der Welt

die preisgekrönten Bildern des internationalen

Fotopreises Luis Valtueña. In Berlin wurden die

Bilder vom Ende September bis Ende Oktober

in den Räumlichkeiten von Peugeot Avenue,

Unter den Linden gezeigt. Von den Fotos beeindruckt

zeigten sich neben den zahlreichen Besuchern

auch Volker Beck, Bundestagsabgeordneter

für Bündnis 90 / Die Grünen (MdB)

und Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister

von Berlin-Mitte. Gemeinsam mit dem Ärzte der

Welt Präsidenten Prof. Dr. med. Wilfried Schilli

und Katy Gomez, spanische Fotografin und

Trägerin des Sonderpreises „Immigration und

Menschenrechte in Europa“, eröffneten sie die

bemerkenswerte Ausstellung.

Mit den besten Bildern des XI. Fotopreises

konnten wir auch die vielen Besucher des Münchener

Tollwood Winterfestivals auf die vergessenen

Krisen dieser Welt aufmerksam machen.

24


Prof. Zenker äußerte scharfe

Kritik an der Migrationspolitik

der EU

Ärzte der Welt setzt sich für

den Zugang zu Antiretroviralen

Therapien für HIV/AIDS-

Erkrankten in Zimbabwe ein:

Dr. Simona Zompi berichtet

X. Kongress Theorie und Praxis der

humanitären Hilfe: „Hilfe für die Menschen

oder für das Gesundheitssystem:

Was kommt zuerst ?“

Berlin, 24. bis 25. Oktober 2008

Gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen, dem

Deutschen Roten Kreuz, Medair und der Berliner

Ärztekammer veranstaltete Ärzte der Welt in

Berlin zum zehnten Mal den Kongress „Theorie

und Praxis der humanitären Hilfe“. Der Begriff

der Nachhaltigkeit medizinischer Hilfe prägte

die Diskussion. Einen Meilenstein stellte in diesem

Zusammenhang die Deklaration von Alma

Ata dar. Sie definierte 1978 die Gesundheits

versorgung als Menschenrecht und setzte ganz

auf den Auf- und Ausbau von medizinischer

Grundversorgung für alle. 30 Jahre später stellt

sich die Frage, ob die in den 80er- und 90er-

Jahren eingeführten krankheitsbezogenen Ansätzen

dazu geführt haben, dass die Problematik

der Infrastruktur vernachlässigt wurde.

Für Ärzte der Welt griffen fünf Vertreter in die Debatte

ein. Neben den Herausforderungen im

Feld der Behandlung von Infektionskrankheiten

wurden auch der Zugang von Frauen zur Geburtshilfe

in Krisensituationen und die Migrationspolitik

in Europa diskutiert.

Podiumsdiskussion über

die Gesundheit von Frauen mit

Catherine Giboin, Vorstansmitglied

von Médecins du Monde

und Dr. Lecia Feszczak (rechts),

Leiterin „Gesundheit und Entwicklung“

bei Ärzte der Welt.

25


Fachtag open.med

München, 19. November 2008

Ärzte der Welt investiert viel Energie für eine

Verbesserung des Zugangs zur medizinischen

Versorgung für alle in der EU lebenden Menschen,

unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

Vor diesem Hintergrund organisierte open.med

einen Fachtag zum Thema „Zugang zur Gesundheitsversorgung

von Menschen ohne Aufenthaltstatus

in Deutschland“ zusammen mit

Café 104 und IPPNW München.

Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem

Vertreter der Stadtverwaltung 1 , der Politik 2 , der

Ärzteschaft 3 sowie der Nicht-Regierungsorganisationen

4 . In der abschließenden Podiumsdiskussion

konnte ein Konsens bezüglich der

Abschaffung der Übermittlungspflicht bei erreicht

werden.

Im Fokus der Debatte standen

unter anderem die sehr umstrittene

Übermittlungspflicht

und die Frage der Kostenübernahme,

insbesondere für

Therapien und stationäre Behandlungen.

1 Petra Spitzbarth, Sozialreferat, Amt für Wohnen und Migration;

Dr. Margret Spohn, Sozialreferat, Stelle für interkulturelle Arbeit;

Claudia Vollmer, Leiterin der Ausländerbehörde im Kreisverwaltungsreferat

2 Siegfried Benker, Fraktionsvorsitzender der Münchner Grünen

und Julika Sandt, Landtagsabgeordnete der FDP

3 Dr. Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser, stellv. Vorsitzender des

Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte und Dr. Waltraud Wirtgen,

IPPNW/Amnesty International

4 Wilhelm Dräxler, Caritas; Johannes G. Knickenberg, Katholisches Forum

„Leben in der Illegalität“; Dr. med. Maria Heinzlmann, Ärzte der Welt;

Birgit Poppert, café 104; Prof. Dr. med. Heinz-Jochen Zenker, Ärzte der Welt

26


114. Kongress der Deutschen

Gesellschaft für Innere Medizin

Wiesbaden, 29. März bis 2. April 2009

Ein guter Kontakt zu Spezialisten und potentiellen

Ehrenamtlichen Mitarbeitern für internationale

Projekte ist für Ärzte der Welt besonders

wichtig. Bei unserem Infostand informierten

sich Internisten, aber auch Ärzte aus anderen

Fachrichtungen über Einsatzmöglichkeiten in

einem internationalen Projekt von Ärzte der

Welt. Auch bei den verschiedenen Vorträgen erwähnten

anerkannte Spezialisten der Tropenmedizin

die beispielhafte Arbeit von Ärzte der

Welt in Deutschland und im Ausland.

Unsichtbare Welten

München, 2. Juli bis 18. Juli 2008

Ärzte der Welt beteiligte sich mit mehreren

anderen Münchener Vereinen an dem Ausstellungsprojekt

„Unsichtbare Welten“, welches

im Rahmen der 850-Jahr-Feier der Stadt München

organisiert wurde.

Im Foyer des Münchener Gasteigs machten

die ausgestellten Fotos auf die Lebenssituation

der Menschen ohne Aufenthaltsstatus und

ohne Krankenversicherung aufmerksam.

Die Eindrücke aus dem Leben der betroffenen

Menschen löste lebhafte Diskussionen unter

den Betrachtern aus.

Mehr Information zum Projekt

„Unsichtbare Welten“ unter:

www.unsichtbarewelten.de

27


Finanzbericht

2008

Sonstige Erträge 29,86 %

Spenden und Zuschüsse 2008

0,05 % Bußgelder

15,82 % Geldspenden von

Privatpersonen

12,72 % Sternstunden e.V.

Sachspenden

open.med 0,51 %

Landeshauptstadt

Stuttgart 0,79 %

0,71 % Bürgerstiftung

39,53 % Auswärtiges Amt

Ärzte der Welt erhielt im Jahr 2008

Zuwendungen in Höhe von insgesamt

Spenden

Geldspenden von Privatpersonen

987 819,89 Euro

156 314,09 Euro

Zuwendungen von Nichtregierungsorganisationen

Sternstunden e.V. für die Aktion Lächeln

Sternstunden e.V. für Wirbelsturmopfer Haiti

Sternstunden e.V. für open.med

Bürgerstiftung München

11 819,50 Euro

100 000,00 Euro

13 875,77 Euro

7 000,00 Euro

Öffentliche Zuschüsse

Auswärtiges Amt für das Projekt Sudan

Landeshauptstadt Stuttgart für das Projekt MedMobil

Bußgelder

Sachspenden für open.med

Sonstige Erträge *

Gesamt

390 526,20 Euro

7 782,11 Euro

500,00 Euro

5 046,27 Euro

294 955,95 Euro

987 819,89 Euro

28

*

Ärzte der Welt erhielt für

das Jahr 2008 unter anderem

Zuschüsse von Médecins

du Monde Frankreich für

Verwaltungskosten in Höhe

von 200 000 Euro.

aus: Ärzte der Welt,

Finanzbericht 2008,

Wirtschaftsprüfer

Mathes & Fischbacher,

München


Projektausgaben 2008

Rückstellungen 3,8 %

Aktion Lächeln 6,48 %

5,11 % Diverse

Projekte MdMF

9,84 %

open.med

MedMobil 0,98 %

Sudan 59,99 %

13,8 %

Wirbelsturm Haiti

Die Projektausgaben von Ärzte der Welt

betrugen insgesamt

Projektausgaben

Wirbelsturm Haiti

Sudan

Diverse Projekte von Médecins du Monde Frankreich

Aktion Lächeln

open.med

MedMobil

Rückstellung von Projektspenden

Gesamt

724 806,25 Euro

100 000,00 Euro

434 840,89 Euro

37 008,30 Euro

46 996,38 Euro

71 309,35 Euro

7 090,88 Euro

27 560,45 Euro

724 806,25 Euro

Die Projektausgaben werden im Verbund

mit Médecins du Monde Frankreich

durchgeführt. Die Weiterleitung

der Gelder erfolgt dementsprechend

an Médecins du Monde mit Ausnahme

der Gelder, die für selbst durchgeführte

Projekte, wie zum Beispiel

die Aktion Lächeln in Kambodscha

oder open.med in München direkt verwendet

werden.

29

aus: Ärzte der Welt,

Finanzbericht 2008,

Wirtschaftsprüfer

Mathes & Fischbacher,

München


Ärzte der Welt

Büro München

Die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder

von Ärzte der Welt e.V.

Univ.-Prof. Dr. med. Wilfried Schilli,

Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Pierre Rosenstiel,

stellvertretender Vorstandsvorsitzender

Rudolf W. Schmitt, Schatzmeister

Andreas Jungk

Prof. Dr. Dr. med. Günter Lauer

Dr. med. Francois Scheffer

Dr. med. Nicole Schmidt

Dr. med. dent. Hilke Schneider

Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Dr. Dr. h.c.

Norbert Schwenzer

Dr. med. Beatrice Stambul

Dr. Klaus Wieners

Unser Team in München

Odile Beniflah, Recruitment

Marion Chenevas,

Koordination open.med / MedMobil

Dr. Lecia Feszczak,

Gesundheit und Entwicklung

Marc Gemeiner M.A., Geschäftsführung

Hanna Holzbauer,

Sekretariat und Organisation

Gabrielle Jüttner, Verwaltungsassistenz

Damien Perrot,

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Antje Sanogo, Assistenz Projekt open.med

Praktikantinnen und Praktikant open.med:

Iris Eberl, Stephanie Erbacher, Patrick Laerum

30


Ehrenamtliche

Mitarbeiter

anke

Helfer aus unterschiedlichen

Unsere Arbeit sowohl im

In- als auch im Ausland

wäre ohne den stetigen und

unentbehrlichen Einsatz

zahlreicher Freiwilligen nicht

durchführbar. Ehrenamtlich

arbeitende Ärzte, medizinisches

Fachpersonal sowie

Berufsgruppen setzen die

Ziele von Ärzte der Welt

Médecins du Monde um.

An dieser Stelle unseren

aufrichtigen und besonderen

Dank!

Personalentsendung

Prof. Dr. Barabás, Jozsef

Dekoleadenu, Peter

Dr. Hanusch, Jörg

Dr. Dr. Müller, Andreas

Dr. Dr. Müller, Steffen

Dr. Regula Müller-Widmer

Dr. Mutschler, Arno

Dr. Rapidel, Jean

Sandorfi, Yolande

Scholtz, Sabine Renate

Dr. Dr. Schwenzer-

Zimmerer, Katja

Siebold, Martha

Dr. Wachter, Nikolaus

Dr. Dr. Williger, Babette

Dr. Zimmerer, Stephan

Unser besonderer

Dank gilt auch

Fouki, Tassia

(Bündnis 91/Die Grünnen)

Leisgang, Wilfried

Schüßler, Christa

Teixeira, Nikolaus

31

Im Büro München

oder als Übersetzer

Amadougou, Valerie

Assadollahi, Babak

Beniflah, Odile

Brazier, Lawrence

Dr. Strache, Peter

Eickele, Stefanie

Frank, Peter

Fuchs, Tanja

Götz, Beate

Haack, Oliver

Henghuber, Heinz

Huber, Bernadette

Kaupisch, Patricia

Knabl, Juliane

Kozlowska, Kataryna

Krombholz, Alexandra

Krüger, Bettina

Kunz, Mischa

Leiss, Sigrid

Liebelt, Benjamin

Malatray, C.

Mariani, Peter

Müller-Markus, Christina

Nagel, Ursula

Peter, Andrea

Robens, Georg

Salzmann, Bianca

Schretzmeier, Eva-Maria

Schrezenmair, Birgit

Sickel, Stefan

Soler Soler, Fabiola

Steding, Florian

Strobl, Rosemarie

Telsch, Bernadette

Thullner, Carsten

Tisch, Steffen

Triebswetter, Susann

Wetzel, Heribert

Wurmböck, Hans-Peter

Beim Projekt open.med

Behrens, Gudrun

Poppert, Birgit

Bruchner, Niklas

Christ, Saskia

Dreckmann, Inge

Ehrmann, Monika

Erbacher, Stephanie

Fuchs, Regina

Gaigl, Elfriede

Groos, Karl

Grumbach, Helmut

Hackl, Tanja

Harmsen, Dorothée

Heinzlmann, Maria

Helmich, Alexandra

Jüptner, Jutta

Karlovska, Janine

Luhmann, Irmgard

Maier, Friedmann

Maron, Stephanie

Peschel, Georg

Porzelt, Maren

Potyka, Alina

Romberg, Laura

Roosen-Runge, Tobias

Sammet, Stephanie

Schwick, Peter

Semaan, Beate

Sepp, Florian

Theml, Barbara

Ulhorn, Astrid

Wächter, Anton

Wäß, Isabel

Außerdem engagieren

sich über 60 Ärzte und

Mediziner für die

Patienten von open.med

im Referenznetzwerk.


anke

Ärzte der Welt bedankt sich für die

finanzielle, materielle, logistische und

beratende Unterstützung folgender

Firmen, Institutionen und Organisationen

Abendzeitung München

Adelgundenheim

Almus Deutschland GmbH

Alpha Anzeigenagentur

Ärzteblatt Sachsen-Anhalt

Ärztezeitung

Backspielhaus GmbH

Bayerische Landesbank

Bayerischer Rundfunk

Bayerisches Ärzteblatt

Basera Hindi print monthly Magazine

BISS Magazin

Tageszeitung München

Confiserie Lauenstein

Consilium Ultraschalldiagnostik

Sonimed GmbH,

Hennig L. Spölgen

Consol Software, Peter Frank

Die Siegesäule Magazin

Der Strassenfeger Magazin

Deutscher Alpenverein,

Sektion München und Oberland

Die Bunte

Dr. Künzelmann

Excognito, Agentur für Kommunikation

Farbe 8 Kommunikation

FöBE-Förderung von

Bürgerschaftlichem Engagement

först class GmbH

Fotohits Magazin

Fragiacomo & Co. GmbH

Freiwilligen-Agentur Tatendrang, München

Gasteig Kultur für München GmbH

Georg Thieme Verlag KG

Gesellschaft für Innere Medizin, Wiesbaden

Gestaltungsbüro Schultes

GLP medical Group

Going International Information Services

GFW PhotoPublishing GmbH

Gute-tat.de, Julia Al-Hames

Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. KG

Institut français de Munich

32


IPPNW München

Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB)

Klinik München Pasing

Kronen Apotheke

Landeshaupstadt München,

Referat für Gesundheit und Umwelt

Landeszentrale für Gesundheit

in Bayern e.V. (LZG)

Gesund in Bayern

LX-Systems, Stephan und Birgit Feltl

M-net Telekommunikations GmbH

München IN

Münchner Merkur

Münchner Samstagsblatt

Münchner Stadtratsfraktion

Die Grünen – Rosa Liste

NEON Magazin

Olympus Holding GmbH

PEUGEOT Deutschland GmbH

Photoscala Magazin

Piper Verlag GmbH

Radio LORA

SIC Invent AG

Stadtsparkasse München

Danke

Sternstunden e.V.

Steuerkanzlei Mathes und Fischbacher

Stiftung Gute-Tat.de /Heute ein Engel

Süddeutsche Zeitung GmbH

synlab GmbH

Tatendrang, Fr. Nitsche

Tollwood, Gesellschaft für

Kulturveranstaltungen und Umweltaktivitäten

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG

Vierte Welt Kooperative

Widder Apotheke, München

www.multikultitreff.de

www.Photographie.de

Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

Ärzte der Welt bedankt sich auch bei der

Vielzahl der Einzelspenderinnen und -spender,

ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre.

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Die Welt vergisst schnell.

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