Meine Familie und ich - ein Projekt der Medienwerkstatt der ...

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Meine Familie und ich - ein Projekt der Medienwerkstatt der ...

Meine Familie und ich -

ein Projekt der Medienwerkstatt der

Immanuel-Kant-Schule Bremerhaven

mit Susanne Carstensen

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Familie ist etwas, dass - glaube ich - deshalb bei uns so hoch gehalten wird, nicht nur weil

wir alle darin aufgewachsen sind, sondern weil Familien mehr und mehr in Gefahr sind.

Die Idee einer Familie, zunächst einmal eines Mannes und einer Frau, die ein Leben lang zusammenleben,

die Kinder haben und immer zusammen bleiben ist die große Traumvorstellung von allen.

Die Wirklichkeit - vor allen in den großen Städten, sieht anders aus. Viele Leute trennen sich,

oft bevor die Kinder groß sind.

Um so mehr idealisieren wir die Idee der Familie, die funktioniert, in der die Eltern und die

Kinder sich möglicherweise alle miteinander verstehen.

Dieses ist aber ein ewiger Prozess, ein ewiges mit einander Streiten, ein sich für einander

Interessieren, damit man eine lebendige Gemeinschaft darstellt.

Davon aber glaube ich träumen wir alle, dass wir in einer lebendigen Gemeinschaft leben, in einer

Welt, in der sonst unendlich viele Leute sich unendlich einsam fühlen.

Hans-Hermann-Klare

(Stern, Ressortleiter Ausland)

im Interview auf der Oldenburg Model United Nations (OLMUN), 31. März 2010

Familienbilder und Geschichten

Projektbeginn März 2010

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Die Familie

Heute kennt die Familiensoziologie mehrere typische

Formen. Die Familie hat nach wie vor eine hohe

Wertigkeit und gehört fest in den Lebensplan vieler

junger Menschen. Die Form der Familie entspricht

jedoch immer seltener dem Familienideal der

bürgerlichen Familie.

Frühere Fotos zeigen häufig Großfamilien, heute sind

auf Fotos eher Klein- und Patchworkfamilien zu sehen.

Viele Kinder haben sehr unterschiedliche Familieneinige

haben uns ihre Geschichten aufgeschrieben und

uns Bilder dazu gemalt.

Ich lebe zuhause mit meiner Mutter und ihrem Freund, mit dem sie schon 7 Jahre zusammen ist. Davor war sie mit meinem

Vater verheiratet. Meine Mutter ist eine Deutsche, mein Vater ist ein Araber. Als ich 7 war, haben sie sich getrennt

und sind geschieden. Schon fast 10 Jahre. Von da an haben uns meine Großeltern, die Eltern meiner Mutter, unterstützt.

Wofür wir ihnen sehr dankbar sind. Sie waren immer für uns da und haben uns geholfen, wo es ging. Da ich schon seit

Geburt eine chronische Krankheit habe und meine Mutter früher so jung war, um das alles alleine zu schaffen, haben uns

meine Großeltern in allem geholfen. Durch diese Situation sind wir alle stark zusammen geschweißt worden.

Wir sind zwar eine kleine Familie, aber wenn's drauf an kommt, halten wir zusammen, und in schweren Zeiten auch.

Jeder hilft jedem, die großen den älteren und die älteren den kleinen. Ich liebe meine Familie, weil sie immer da sind.

In guten und in schweren Zeiten. Wie eine Ehe. Meine Familie versucht mir und dem Umfeld alles recht zu machen.

(M.S. 16 Jahre)

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Meine Eltern kommen ursprünglich aus der

Türkei bzw. Libanon und zwar kommt meine

Mutter aus der Türkei und mein Vater aus

den Libanon. Mein Vater lebte 9 Jahre in

Beirut, die Hauptstadt des Libanon, mit

seinen Cousins und seiner Tante.

Mein Vater hat als Landarbeiter 2 oder

3 Jahre gearbeitet.

Zu meiner Familie gehören meine Mutter, mein Vater, meine 2 Brüder, meine 2 Schwestern und meine Katze.

Ich habe nur einen leiblichen Bruder, aber ich sehe meine anderen 3 Geschwister auch als meine richtigen Geschwister.

Meine Eltern sind seit 15 Jahren verheiratet und leben glücklich zusammen.

Es gibt sehr schöne Zeiten in meiner Familie, aber es gibt auch Zeiten, wo ich denke: "Ich will hier weg."

Oft streiten meine Eltern sich mal, aber sie vertragen sich sehr schnell wieder.

Ich liebe meine Familie über alles und bin froh, dass ich sie habe, denn ohne sie wäre ich nicht auf der Welt!

Meine Mutter lebte mit ihrer Mutter und

ihren Geschwistern. Meine Mutter ging

nicht zur Schule. Sie musste nämlich

Hausarbeit machen in einem kleinen Dorf

in der Türkei. Dort gab es kaum Arbeit.

Essen mussten sie selber machen.

Ca. 1980-1985 haben sie zusammen in

einer Stadt in der Türkei geheiratet.

(X.A., 14 Jahre)

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„Den Kopf etwas nach oben. Und nicht so ernst. Ach, die machen auch nie, was wir wollen.“ Susanne Carstensen albert

hinter dem Kamerastativ herum, schon lachen Vater, Mutter und Sohn auf der Holzbank. „Jetzt abdrücken“:

Die Sozialpädagogin schaut der türkischen Schülerin Derya Gök über die Schulter, wie sie wieder eine Familie aus

Grünhöfe fotografiert.

Etwa 20 Schülerinnen und Schüler der Medienwerkstatt der Immanuel-Kant-Schule sind seit August damit beschäftigt,

mit Foto- und Videokameras Gesichter und Familiengeschichten aus Grünhöfe zu sammeln. Dazu gehört auch die Fotoaktion

am Sonnabendnachmittag in der Boschstraße 9l. Die leere Wohnung im ersten Stock, von der Gewoba zur Verfügung gestellt,

ist mit Hilfe der Aktion „Wohnen in Nachbarschaften“ (Win) in ein Atelier verwandelt worden.

Das beste Foto wird gleich kostenlos ausgedruckt. Es ist bereits der vierte Termin, und um Lehrer Jens Carstensen,

der das Projekt mit seiner Frau betreut, wird es manchmal richtig eng.

Da stiefelt etwa der achtjährige Agash herein, mit seinen großen Brüdern Manojithan (12) und Prakas (14) im Schlepptau.

Erst lassen sie sich im Sitzen gemeinsam ablichten, wobei Nesthäkchen Agash immer den fröhlichen Mittelpunkt gibt.

Dann holen sie ihre Mutter dazu: Indradevi Ratnakumara, die aus Sri Lanka stammt und seit 14 Jahren in Deutschland

lebt, ist sichtlich stolz auf ihre drei Jungs.

Gut 30 solcher Familienporträts haben die Carstensens bereits zusammen. Ihr Ziel ist es, die Vielfalt der Nationen in

Grünhöfe vorzustellen. In der Fotogruppe etwa arbeiten Jugendliche türkischer, irakischer, afghanischer, brasilianischer

und peruanischer Herkunft mit.

Einige haben ihre Familien auch zu Hause fotografiert. Oder sie haben vor der Videokamera von ihrem Leben in

Deutschland erzählt. Lara aus Brasilien etwa findet es hier schön, aber zu kalt, und stellt ihre beste Freundin, Inez

aus Peru, vor.

„Nach einer neuen Shell-Studie ist vielen Jugendlichen die Familie wieder wichtig“, sagt Carstensen. Und reicht schon

wieder türkischen Tee an die nächste Familie, die hereinkommt.

Grünhöfe hat viele Gesichter

Von Sebastian Loskant

(Kulturredaktion, Nordsee-Zeitung Bremerhaven)

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Wir sind vor 14 Jahren aus Sri Lanka nach

Deutschland gekommen. In Sri Lanka herrschte

Bürgerkrieg und das Leben war sehr unsicher.

In Deutschland fühlen wir uns sehr sicher!

Wir sind sehr froh, hier zu leben.

Unser Sohn Prakas wurde dann in Bremen

geboren. Nach Bremerhaven sind wir mit dem

Zug gekommen. Unsere erste Wohnung hatten wir

in der Sperlingstraße. Unsere beiden Söhne

Manojithan und Agash sind dort geboren.

Alle Frauen in Sri Lanka sind Haufrauen.

Obwohl ich selbst nur als Hausfrau arbeite,

finde ich es sehr schön, dass Frauen in

Deutschland einen Beruf haben können.

Prakas und Manojithan möchten später einmal

einen Beruf als Verkäufer bei C&A oder

Karstadt erlernen. Agash gefällt die Schule

gut. Deshalb will er Lehrer werden.

Familie Ratnakumara

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Habibe: Wir sind mit meinen

Eltern 1994 nach Deutschland

gekommen. 2003 habe ich meinen

Mann Önder geheiratet. Wir haben

zwei Kinder, Lara und Ammar. Ich

liebe meine Familie. Sehr wichtig

ist der Zusammenhalt. Ehrlichkeit

und Vertrauen. Gülseren ist meine

Schwester mit ihren Kinder Kerem,

Irem (ältere Tochter) und Gizem

(jüngere Tochter).

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Barbara

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Stephan: „Familie ist Vertrautheit, Wärme, Geborgenheit und die

Gewissheit, dass jemand für Dich da ist und an Dich denkt!“

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Markus und Ralf:

Uns fällt dazu nur die

große alte Familie, die

"Mothers and Fathers

Italian Association"

kurz Mafia ein..;-)...

ansonsten gibt es auch

Familien, die alle keinen

Kontakt miteinander

haben und der Rest ist

und bleibt privat...

Marcel & Kevin

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Marco: „Ich mag meine Mutter, weil sie immer für mich da ist. Weil sie immer mit mir redet. Mit meiner Mama mache ich

Späße. Mit meiner Mama spiele ich. Mit meiner Mama glupsche ich Fernsehen. Mit meiner Mama gehe ich nach Bremen.“

Melissa: „Meine Oma ist nett und ich male sehr gerne mit meiner Oma.

Mit ihr kann ich vieles besprechen und kann Späße mit ihr machen.“

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Miriam:“ Ich mag meine Familie, weil sie immer für mich da ist wenn

ich in Schwierigkeiten bin. Ich finde meine Familie gut, weil wir

immer was zu lachen haben. Wir sind eine

glückliche und harmonische Familie

und das ist das wichtigste.“

Fenja

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Erhan Erdönmez und seine beiden kleinen

Brüder Adem und Mikail. Bruder Kadir schaute

mit seinen Freunden Marcel und Kevin vorbei.

„Für mich ist Familie Liebe und Rückhalt,

etwas, wo man hingehört, wo man zurückgeht,

um Ruhe und Vertrautheit zu finden. Sich zu

entspannen und auszusprechen, sich geborgen

zu fühlen und fallen zu lassen.

Familie ist mein privater Lebensraum, mit

allen persönlichen Emotionen, die es gibt und

die man in der Öffentlichkeit oder im

Berufsleben nicht zeigt oder auslebt.“

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Die Seestadt Bremerhaven hat viele Gesichter. Ein paar hundert davon gibt es zu sehen in einer sehr interessanten

Fotoausstellung. Sie heißt "meine Familie und ich", wurde heute eröffnet und zwar - das ist das außergewöhnliche- in

einer zwei Zimmerwohnung in Grünhöfe, in der Boschstrasse, 9l. Gleich wenn man reinkommt ist der Hausflur in eine

spektakuläre Galerie verwandelt worden, und bis vor kurzem war diese Wohnung noch ein Fotostudio. Bremen 1 Reporter

Mario Neumann hat dort bei diesem Fotoshooting ganz aktuell vorbei geguckt:

"Majed kann noch ein bisschen dahin und Hashen kann noch ein bisschen dorthin gehen- ja so! Könnt ihr ein bisschen

lachen?" Derya hat Familie Arslan vor der Linse. Eine Mischung aus deutschen - libanesischen- und türkischen

Einflüssen. Vor den beiden Jungs sitzen die Damen auf einer Bank - Schwester Jasmin, Mutter Andrea und die kleine Rabea

in der Mitte. Der Papa ist auf der Werft. Arbeiten.

"Tatsächlich geht es auch bei der Idee zu diesem Fotoprojekt darum, die Vielfalt der Nationen in Grünhöfe vorzustellen,"

sagt Lehrer Jens Carstensen. "Wir haben Polnisch, Russisch, Tschetschenisch, Türkisch, Kurdisch, wir haben Leute

mit tamilischen Hintergrund, wir haben Deutsche natürlich auch dabei, wir haben brasilianisch, wir haben portugiesisch,

wir haben Menschen aus Peru, die gerade in Bremerhaven gelandet sind, abgelichtet oder sie haben auch selber fotografiert-

Schüler und Schülerinnen aus unserer Schule. Eine schon sehr bunte Vielfalt."

Gerechnet hatte Carstensen mit rund 20 Familien, die mitmachen. Doch es sind schon jetzt mindestens doppelt so viele.

Das bedeutet ganz schön schuften, denn Familienportraits schüttelt man nicht so aus dem Ärmel weiß Fenja. "Das ist

schon schwer wenn mehrere da sind, denn steht der eine nicht richtig, dann stimmt das ganze Bild nicht. Aber es macht

Spass." Sie fotografiert nicht nur andere Leute sondern hat heute ihre eigene Familie im Schlepptau. Sogar der siebenmonatige

Jonas ist dabei und schläft noch im Maxi Cosi.

“Warum nicht, wenn eine Ausstellung ist, kann man auch mal was tun und wenn keiner hingeht und sich fotografieren

ließe, dann wäre das ja eine traurige Ausstellung."

Wie die Familie Rauschenberg-Luba freuen sich viele, dass es für die Bereitschaft, ein Familienbild für die Ausstellung

zuzulassen, als Dankeschön ein paar Abzüge mit nach Hause gibt. Susanne Carstensen arbeitet als Pädagogin an der IKS:

"Wir finden es gut und wichtig, wenn Familien zusammen kommen. Familien haben einen großen Wert. Iranische, Irakische,

Kroatische, Serbische - hier war schon alles an Familien- der Stadtteil gibt ja auch alles her, was es so an

Multikulti gibt."

Mario Neumann,

Reporter, Radio Bremen 1

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