JOURNAL - Caritas Werkstätten

cwfb.de

JOURNAL - Caritas Werkstätten

Winter 2001/2002 AUSGABE 3

JOURNAL

Regelmäßige Information für Kunden, Mitarbeiter und Freunde der Caritas Werkstätten

Kehrtwende

Behinderte Menschen

keine Objekte

der Fürsorge

Seiten {6-7}

Interview

Neue Geschäftsführung

über Firma

und Fakten

Seiten {4-5}

Hauptverwaltung

Wer packt die

Umzugskartons?

Seite {16}

Kultur

Karten für das

„Phantom der Oper“

zu gewinnen

Seite {27}

www.

caritaswerkstaetten

.de

Starker Auftritt im weltweiten Netz

Seiten {8-10}


EDITORIAL

EDITORIAL

Heike van Braak

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Internet ist eines der Kommunikationsmittel unserer Zeit. Es bietet irre

Möglichkeiten – auch für behinderte Menschen. Allerdings gibt es auch dort

Barrieren, die genau diese Menschen ausschließen. Diese Hindernisse gilt es

im world-wide-web zu überwinden. Genauso wichtig ist es für die Caritas

Werkstätten aber, die Chancen des weltweiten Netzes bestmöglich zu nutzen.

Und genau das machen wir ab sofort. Denn wir liefern im Internet jetzt

einen starken Auftritt und stellen uns dort mit den einzelnen Einrichtungen

und Angeboten vor. Einen ersten Eindruck davon können Sie sich jetzt gleich

im JOURNAL verschaffen. Wir helfen Ihnen aber nicht nur dabei, wie Sie Klick

für Klick zur gewünschten Information kommen. Sie erfahren auch, wo

behinderte Menschen ohne eigenen Computer im Netz surfen können und

vermitteln wichtige Ansprechpartner für einen barrierefreien Start ins Netz.

Doch auch intern haben wir die Weichen in Richtung Zukunft gestellt: Zum

1. Januar 2002 wird die Geschäftsleitung erweitert. Michael Kröselberg,

Direktor der Caritas Werkstätten, wird dann unterstützt von Franz-Josef

Bell, dem bisherigen Leiter der Werkstatt St. Stephan in Polch. In einem

Interview spricht das zukünftige Führungsduo über Firma, Fakten und nicht

zuletzt auch über Philosophie.

Bereits zum 1. Juli 2001 ist das neue SGB IX in Kraft getreten. Lesen Sie

jetzt, wie sich die Gesetzesänderungen im Alltag auswirken und welche

Folgen die neue Mitwirkungsverordnung hat.

Außerdem möchten wir Ihnen in dieser Ausgabe eine ehrliche Frage stellen,

auf die nur Sie eine Antwort kennen. Mitmachen lohnt sich, denn Sie können

einen von zwei Reisegutscheinen im Wert von jeweils 500 DM gewinnen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen

Ihre

Heike van Braak

Redaktionsleitung JOURNAL

IMPRESSUM

JOURNAL des Caritas Werkstättenverbundes Mayen, Cochem, Sinzig und Polch

Redaktion:

Karin Kohlhaas, Ellen Coltro, Claudia Kramer, Markus Mies, Franz-Josef Spohr, Werner von Wassenberg, Hans-Werner Allard

Redaktionsleitung: Heike van Braak

Konzeption & Design: Rottmann Kommunikation, Düsseldorf

Fotografie:

Ellen Coltro, Heike van Braak, Reiner Plehwe, Hans-Werner Allard, Mayen; Schwartz-Foto Design, Mayen; Tom Geisbüsch, Mertloch

Rottmann Kommunikation, Düsseldorf

Druck:

Heinendruck, Düsseldorf

Das JOURNAL erscheint zweimal im Jahr. Veröffentlichte Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung oder

Übersetzung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung der Herausgeberin. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung

der Redaktionsleitung wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos kann keine Gewähr übernommen werden.

Das JOURNAL ist umweltfreundlich auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt.

Anschrift und Vertrieb: Caritas Werkstätten, JOURNAL, Ludwig-Erhard-Straße 17, 56727 Mayen, Telefon: 0 26 51/49 68-0

Herausgeberin: Caritas Werkstätten Mayen, Cochem, Sinzig und Polch im Caritasverband für die Diözese Trier e.V.

JOURNAL {2}


INHALT

{4-7}

{4-5}

{6-7}

{7}

{8-12}

{8-10}

{11}

{12}

{13-15}

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AKUT

TITEL

Interview: Ein entscheidender Schritt in die Zukunft

Behinderte Menschen nicht länger Objekte der Fürsorge

Auf einen Blick: SGB IX

www.caritas-werkstaetten.de

Hotline Internet-Zugang / Internet-Beratung / Auftritt ohne Barrieren

Sechs Tipps für den Einstieg

FOCUS PRODUKTION

Intec-Betriebe für psychisch Kranke unter Dach und Fach

Hoffnung auf Förderung aus zwei Töpfen

Die süßeste Art der Integration

NAH DRAN

INHALT

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{17}

{18}

{19-21}

{19-20}

{21}

{22}

{22}

{23-26}

{23}

{23}

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{26}

{27-29}

{27}

{28}

{29}

{30-31}

{30-31}

Wer besorgt eigentlich die Umzugskartons?

Berufliche Bildung in den Caritas Werkstätten

Mit dem Rad zur Fränkischen Seenplatte

REHABILITATION

Hilfe für ein selbstbestimmtes Leben

Im Wandel der Zeit: Vom Umgang mit Behinderung

NACHGEFRAGT

NEWS

Wie human ist E-Commerce?

Zusatzausbildung erfolgreich absolviert

Zertifikat für Beschäftigte

Sinzig ehrte 600ste Beschäftigte / Neue Leitung in Polch

Neue Mitarbeiter verstärken das Team / Steuertipps

Goldene Nadel für 25 Jahre / Wir trauern um / Lesenswert

EIFELTOUR

Ungebrochene Phantomania

Integration durch Kunst / Wer kennt wen? – Bilderrätsel

Harlem Gospel Singers in Koblenz

IN FORM

Arbeitssicherheit

{3} JOURNAL


AKUT

AKUT

Ein entscheidender

Schritt in die Zukunft

Die Geschäftsleitung der Caritas Werkstätten wird erweitert. Neben Michael

Kröselberg als Direktor der Werkstätten wird der bisheriger Leiter der Werkstatt

St. Stephan in Polch, Franz-Josef Bell, als stellvertretender Geschäftsführer Mitglied

der Geschäftsleitung. Er übernimmt diese Position zum 1. Januar 2002.

DIE ERWEITERTE

GESCHÄFTSLEITUNG DER

CARITAS WERKSTÄTTEN

ÜBER FIRMA, FAKTEN UND

PHILOSOPHIE

Das JOURNAL sprach mit dem

zukünftigen Führungsduo über

Gründe und Perspektiven der

neuen Geschäftsleitungsstruktur.

Herr Kröselberg, warum wurde die

Geschäftsleitung erweitert?

Kröselberg: Das Unternehmen

wächst langsam, aber stetig und

hat jetzt fast 200 Mitarbeiter. Es

sind einfach mehr Aufgaben zu

erledigen als noch vor fünf Jahren,

als ich meine Tätigkeit in der

Geschäftsleitung begonnen habe.

Wir haben in den letzten Jahren die

Leitungsebene bei uns erweitert,

Verantwortungsbereiche dezentralisiert

und das Verhältnis zwischen

Hauptverwaltung und Einrichtungen

bestimmt. Dass die Geschäftsleitung

nun erweitert wird, war mein

ausdrücklicher Wunsch. Ich bin

froh, dass unser Träger diese neue

Geschäftsleitungsstruktur vollzieht,

weil sie auch Ausdruck der bei uns

gepflegten Teamarbeit ist.

Wieso wurde die Entscheidung

gerade jetzt getroffen?

Kröselberg: Der Zeitpunkt hat sich

angeboten, da mit dem Neubau der

Hauptverwaltung sowie einigen

Eine gutes Gespann: Michael Kröselberg und Franz-Josef Bell

wichtigen Personalveränderungen

in der Leitung, Herr Schäfer wird als

Werkstattleiter in Cochem und Herr

Müller als Sachgebietsleiter in der

Hauptverwaltung ausscheiden,

ohnehin Strukturanpassungen notwendig

geworden sind. So war es

nur folgerichtig, diesen Schritt jetzt

zu vollziehen. Zudem sind mit den

weiter anstehenden Projekten zum

Aufbau eines Intec-Betriebes für

psychisch kranke Beschäftigte im

Kreis Ahrweiler sowie den Planungen

für eine Großwäscherei mit

Werkstatt in Ulmen bereits jetzt

Erweiterungen angezielt, die eine

personelle Verstärkung der Geschäftsleitung

zum jetzt gewählten

Zeitpunkt sinnvoll machen.

Wieso ist die Entscheidung auf

Herrn Bell gefallen?

Kröselberg: Uns beide verbindet

eine sehr gute und vertrauensvolle

Zusammenarbeit. Herr Bell bringt

als Dipl.-Ingenieur und langjähriger

Werkstattleiter wichtige Qualifikationen

mit, die der Bewältigung der

vielfältigen Aufgaben der Geschäftsleitung

gut tun werden. Er

wird sich im Schwerpunkt mit der

standortübergreifenden Steuerung

unserer Produktions- und Fertigungsbereiche

beschäftigen und

die Leitung der Technischen Abteilung

in der Hauptverwaltung übernehmen.

Mit der Berufung von

Herrn Bell gehen wir zudem sehr

konsequent unseren bereits eingeschlagenen

Weg weiter, interne

JOURNAL {4}


Ein optimistischer Blick in die Zukunft

Personalentwicklung auch auf der

Leitungsebene zu praktizieren.

Was ändert sich denn für den

Führungsstil?

Kröselberg: Unternehmensverantwortung

mit anderen zu teilen, habe

ich bereits in den vergangenen Jahren

als wichtigen Ansatz in der Leitungsarbeit

gesehen. Diese Verantwortung

zu teilen ist auch menschlich-psychologisch

ganz wichtig. Es

wirkt der Vereinsamung an der

Spitze ebenso entgegen wie eventuellen

autoritären Tendenzen, die

Ein-Mann/Frau-Führungsmodelle in

sich tragen. Für die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter hat es den

Vorteil, dass mehr Zeit für ihre

Belange aufgrund von Aufgabenteilungen

bleibt und wichtige Entscheidungen

noch stärker gemeinsam

vorbereitet werden können.

Das entspannt das Arbeitsklima

und trägt hoffentlich dazu bei, die

vielen Ideen und Projekte noch

intensiver vorantreiben zu können.

Wir werden uns zum Beispiel in der

Geschäftsleitung die Erstzuständigkeit

für die einzelnen Werkstätten

und Dienste aufteilen, was

sicherlich dem Zeitbudget und der

Präsenz zugute kommt.

Herr Bell, wie sehen Sie Ihrer neuen

Aufgabe entgegen?

Bell: Der neuen Aufgabe und den

damit verbundenen Herausforderungen

sehe ich mit Freude entgegen.

Ich bin davon überzeugt, dass

sich die personelle Erweiterung der

Geschäftsleitung positiv auf

unser Unternehmen auswirken

wird. Unsere Werkstätten

sind in den letzten

Jahren rasant gewachsen

und die Aufgaben der Geschäftsleitung

ständig gestiegen.

Daher ist eine

Aufgabenteilung innerhalb

der Geschäftsleitung aber

auch eine gegenseitige Vertretung

durchaus sinnvoll.

Ich denke, dass meine technische

Ausbildung und meine

Erfahrungen als Werkstattleiter

innerhalb der Caritas Werkstätten

ein gutes Rüstzeug für die neue

Aufgabe sind.

Können Sie uns etwas zu den

Perspektiven Ihrer Arbeit in der

Geschäftsleitung sagen?

Bell: Neben meiner persönlichen

Gut gerüstet für neue Aufgaben

Einarbeitungsphase wird die Einarbeitung

der neuen Werkstattleiter

an den Standorten Polch und

Cochem eine wichtige Aufgabe im

kommenden Jahr sein. Es ist sehr

wichtig, dass die neuen Werkstattleiter

auch über die Einarbeitungsphase

hinaus unterstützt werden.

Mit dem Ausscheiden von Manfred

Müller im September nächsten

Jahres geht es um die Neustrukturierung

der Technischen Abteilung.

Eine weitere Perspektive besteht

darin, die Planungen für den

Standort Ulmen voranzutreiben,

damit mit dem Bau der fünften

Werkstatt im Eifel-Maar-Park

schnellstmöglich begonnen werden

kann.

Sind sonst weitere Änderungen

konkret geplant?

Kröselberg: Nein. Für die Leitungsebene

in unseren Werkstätten

und Diensten und damit für die

Führungsstruktur unserer Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter ändert sich

ja direkt nichts. Zudem sind wir der

Meinung, den weiteren Prozess der

Unternehmensentwicklung gemeinsam

mit den übrigen Leitungsmitarbeitern

zu gestalten. Dies

muss sich auch aus den gemeinsamen

Erkenntnissen und Erfahrungen

ergeben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Heike van Braak

1. Juli 2001:

Stiller

Revolutionstag

Berlin. Es gibt keine Werkstätten

für Behinderte mehr. Seit dem 1.

Juli 2001 hat der Deutsche Bundestag

diese Bezeichnung für alle

Rechtsnormen verbindlich in

„Werkstätten für behinderte Menschen“

geändert. Und diese Umbenennung

soll mehr sein als nur

sprachliche Kosmetik. Denn hervorgehoben

werden soll, dass

auch Werkstattbeschäftigte gleichwürdige

Menschen mit einem Anspruch

auf gesellschaftliche

Akzeptanz sind. Schon die Menge

der neuen Rechtsnormen, die am

selben Tag in Kraft getreten sind,

ist beispiellos in der Rehabilitationsgeschichte.

AKUT

AKUT

{5} JOURNAL


AKUT

AKUT

Behinderte Menschen nicht

länger Objekte der Fürsorge

Die Bundesregierung hat eine Kehrtwendung in der Behindertenpolitik eingeleitet:

Unter dem Leitmotiv „Teilhabe und Selbstbestimmung“ ist am 1. Juli ein Gesetzesentwurf

für das Sozialgesetzbuch in Kraft getreten. Erreicht werden soll damit die

Rehabilitation behinderter und chronisch kranker Menschen durch medizinische,

berufliche und soziale Leistungen. Anlaufstellen für Betroffene sind spezielle Serviceeinrichtungen.

SERVICESTELLEN FÜR

SCHNELLE UND UNBÜRO-

KRATISCHE HILFE

Berlin. Durch die Einrichtung gemeinsamer

Servicestellen aller

Rehabilitationsträger auf Kreisebene

soll es wohnortnahe, umfassende

sowie trägerübergreifende

Beratung und Hilfe geben. „Diese

Servicestellen sind Anlaufstellen,

um allen, die eine Rehabilitation

brauchen, schnell und unbürokratisch

zu helfen“, erklärte Bundesarbeitsminister

Walter Riester. Dort

erhalte jeder eine qualifizierte Beratung

und Unterstützung – und zwar

unverzüglich, trägerübergreifend,

Fit für den Alltag: Die Werkstattbeschäftigten werden mit dem Euro vertraut gemacht

anbieterneutral und zugleich verbindlich.

Ziel sei es, dass behinderte

Menschen ihr Leben selbst

gestalten können – ohne länger ein

Objekt der Fürsorge zu sein. Die

Servicestellen sollen auch dann

Ansprechpartner bleiben, wenn

zwischen mehreren Rehabilitionsträgern

und anderen Beteiligten

koordiniert werden muss. Streitigkeiten

über die Frage der Zuständigkeit

entfallen damit.

ZUSAMMENARBEIT

DER TRÄGER

Von einer verbesserten und zielgerichteteren

Zusammenarbeit der

zuständigen Träger und einer zügigen

Abwicklung sollen alle profitieren:

Leistungsträger und -erbringer.

Für die Werkstätten für behinderte

Menschen bedeutet dies an einigen

Stellen eine Umorientierung. Denn

die Rechtsgrundlagen für das eigene

Handeln stehen nicht mehr in

vertrauten Paragraphen, sondern

sind im neuen Gesetz verankert.

Beispielsweise sieht das Gesetz

vor, dass das so genannte Überbrückungsgeld

künftig für alle

Träger eingeführt wird, die Leistungen

zur Teilhabe am Arbeitsleben

erbringen. Bislang wurde

diese Unterstützung lediglich

Arbeitslosen bei der Aufnahme

einer selbständigen Tätigkeit gewährt.

In der Sozialhilfe soll bei

Leistungen der medizinischen

Rehabilitation und zur Teilhabe am

Arbeitsleben auf die Bedürftigkeitsprüfung

verzichtet werden.

Außerdem haben Versicherte während

einer medizinischen und

beruflichen Rehabilitation einen

Anspruch auf Übergangsgeld zur

Deckung ihres Lebensunterhalts.

Dies ist unabhängig davon, ob die

Behandlung stationär, teilstationär

oder ambulant erfolgt. Jeder behinderte

Mensch hat künftig, unabhängig

von seinem Einkommen und

Vermögen, Anspruch auf Leistungen

zur medizinischen Rehabili-

JOURNAL {6}


AKUT

tation und zur Teilhabe am Arbeitsleben

der Sozialhilfeträger - einschließlich

der Leistungen im

Arbeitsbereich von Werkstätten für

Behinderte. Eine Überprüfung der

Einkommens- und Vermögensverhältnisse

entfällt. Und das wiederum

heißt, dass keine Beteiligung

mehr an den Kosten des Werkstattbesuches

anfallen. In den letzten

Jahren waren zahlreiche Werkstattbeschäftigte

gerade aus diesem

Grund ausgeschieden. Dies galt

besonders für die Bezieher einer

Erwerbsminderungsrente. Einige

von ihnen haben die neue gesetzliche

Regelung jetzt zum Anlass

genommen, eine Wiederaufnahme

zu beantragen.

EIGENVERANTWORTUNG

BEI LEISTUNGSGESTALTUNG

Um eine Gleichbehandlung gewährleisten

zu können, werden

außerdem von Geburt an behinderte

Kinder nicht mehr anders behandelt

als Kinder, die beispielsweise

durch einen Unfall behindert sind.

Und bei der Ausführung der Rehabilitationsleistungen

sollen behinderte

Menschen durch weitere

Wunsch- und Wahlrechte möglichst

weitgehenden Raum zu eigenverantwortlicher

Gestaltung ihrer Leistungen

erhalten. Beispielsweise

werden sie die Möglichkeiten

haben, erforderliche Leistungen

unter Inanspruchnahme eines persönlichen

Budgets selbst einzukaufen.

Vor allem sollen behinderte

Frauen gleiche Chancen im Erwerbsleben

erhalten – sowohl im

Vergleich zu nichtbehinderten

Frauen als auch im Vergleich zu

behinderten Männern.

Neu ist auch, dass hörbehinderte

Menschen demnächst im Sozialbereich

das Recht haben, die

Gebärdensprache zu verwenden.

Dies gilt auch für ärztliche Untersuchungen.

Die Kosten für Gebärdendolmetscher

werden von der

Behörde oder vom Sozialleistungsträger

übernommen.

Heike van Braak

AKUT

Auf einen Blick: SGB IX

Jetzt ist es da: Am 1. Juli 2001 ist das neue SGB IX in Kraft getreten. Mit diesem

Sozialgesetzbuch wurde ein Werk geschaffen, das alle bestehenden Rehabilitations-,

Teilhabe- und Schwerbehindertenrechte zusammenfasst. Und es sorgt zudem dafür,

dass der Beitrag an den Werkstattkosten entfällt.

NEUES LEISTUNGSGESETZ

MACHT SICH FÜR

REFORMEN STARK

Berlin/Mayen. Für behinderte

Menschen in Werkstätten sind die

wichtigsten Neuerungen durch das

neue SGB IX unter anderem, dass

alle Werkstattbeschäftigten im

Arbeitsbereich ein monatliches

Arbeitsförderungsgeld (AföG) von

50 DM erhalten. Außerdem wurde

eine neue Mitwirkungsverordnung

für behinderte Menschen in Werkstätten

geschaffen. Neben dem

bestehenden Berufsbildungsbereich

und dem Arbeitsbereich gibt

es seit dem 1. Juli jetzt zusätzlich

das obligatorische Eingangsverfahren,

das in der Regel drei

Monate dauert. Neu geregelt

wurde auch der Kostenbeitrag der

Werkstattmitarbeiter. Nach dieser

§

Hans-Albert Schwall

Regelung entfällt nun ein Beitrag

zu den Werkstattkosten von den

Werkstattbesuchern.

Durch das neue SGB IX entfällt

außerdem das komplette Schwerbehindertengesetz

(SchwbG), das

als Teil 2 in diesem Gesetzbuch

übernommen wurde. Und noch

etwas hat sich geändert: Es wurden

neuen Begriffe eingeführt.

Beispielsweise wurde aus der

Werkstatt für Behinderte die Werkstatt

für behinderte Menschen. Neu

sind auch Teilhabe am Arbeitsleben

sowie am Leben in der

Gemeinschaft und Berufsbildungsbereich.

Die Ziele, die das neue

SGB IX erreichen soll, sind:

· Förderung der Selbstbestimmung

behinderter Menschen;

· Schaffung von Gleichberechtigung

behinderter Menschen in

der Gesellschaft;

·Vermeidung und Bekämpfung

von Benachteiligungen;

·Berücksichtigung der besonderen

Bedürfnisse von behinderten

Frauen und Kindern.

Künftig werden die Leistungen für

behinderte Menschen in vier Gruppen

gegliedert, für die die

Zuständigkeit der Rehabilitationsträger

jetzt klar festgelegt ist.

Unterteilt wird in:

· Leistungen zur medizinischen Rehabilitation

· Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben

· Unterhaltssichernde ergänzende

Leistungen

· Leistungen zur Teilhabe am

Leben in der Gemeinschaft.

{7} JOURNAL


TITEL

TITEL

www.

caritas-werkstaetten

.de

Die erste Euphorie ist vorbei. Präsent ist das Thema Internet jedoch noch immer.

Und auch für soziale Einrichtungen erweist es sich als ein wichtiges Instrument der

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Doch die Frage lautet nicht länger ob, sondern

vielmehr wie die Präsenz im weltenweiten Netz aussehen wird. Die Entscheidung

ist jetzt auch in den Caritas Werkstätten gefallen. Für einen Auftritt, der sich sehen lassen

kann!

CARITAS WERKSTÄTTEN

JETZT AUCH IM WELT-

WEITEN NETZ

Mayen. Mit dem Erscheinen dieses

JOURNALS sind die Caritas Werkstätten

im neuen Gewand im worldwide-web

vertreten. Mitarbeiter

und Beschäftigte sind nicht mehr

unter sich, sondern mittendrin.

Mitten im weltweiten Netz! Die

Internetbesucher haben nun die

Möglichkeit, sich über die Caritas

Werkstätten mit ihren Standorten

Mayen, Cochem, Sinzig und Polch

zu informieren. Und sie können

über den Bereich KONTAKT direkt

mit den Caritas Werkstätten kommunizieren.

JOURNAL {8}


TITEL

TITEL

DIE ENTSTEHUNGS-

GESCHICHTE

Die Caritas Werkstätten haben

bereits vor einiger Zeit für sich „Den

Wandel gestalten“ zum Leitsatz

geprägt. Und damit war bald klar,

dass dazu auch das Medium

Internet gehört. Als ersten Schritt in

die richtige Richtung bekam die

Düsseldorfer Werbeagentur Rottmann

Kommunikation den Auftrag,

einen Leitfaden für die Caritas

Werkstätten zu erstellen. Der sollte

so gestaltet sein, dass sich die

Caritas Werkstätten als Ganzes und

auch ihre Niederlassungen präsentieren

können. Ziel war es, die

Leistungsfähigkeit durch dieses

Medium vorzustellen. Keine leichte

Aufgabe, die zudem einem ständigen

Wandel und einer permanenten

Verbesserung unterworfen ist.

Denn eins ist sicher: Auch der

Internetauftritt ist keine statische

Angelegenheit. Er ist dynamisch

wie das Unternehmen Caritas

Werkstätten und seine Mitarbeiter

und Beschäftigten selbst.

Im Sommer 2001 wurde der Leitfaden

von Rottmann Kommunikation

vorgestellt. Die eigens dafür

eingerichtete Projektgruppe – bestehend

aus Jörg Büsch als EDV-

Fachkraft, Peter Bleidt, Werkstattleiter

aus Sinzig, Einkaufsleiter

Manfred Müller, Verwaltungsleiter

Hans-Albert Schwall und Karin

Kohlhaas, Assistentin der Geschäftsleitung

– war

mit der vorgestellten

Arbeit auf Anhieb sehr

zufrieden.

Nach der Präsentation

musste die Projektgruppe

die einzelnen

Frames so mit Leben

füllen, dass eine aktuelle

und möglichst

homogene Darstellung

der Caritas Werkstätten

im Internet präsentiert

werden konnte.

Und dies in einer schlichten, klaren

Weise. Hierzu wurden vorab die

Ziele und die unterschiedlichen

Zielgruppen definiert. Um die

{9} JOURNAL


TITEL

TITEL

Corporate Identity insgesamt zu

wahren, wurden Form und Inhalte

an die bereits existierenden und

schon in Planung befindlichen

Informationsbroschüren angepasst.

KLICK FÜR KLICK

ZUR INFORMATION

Herausgekommen ist ein übersichtlich

gegliederter Auftritt. Nutzer

haben unter der Überschrift HOME

die Möglichkeit, sich über die einzelnen

Einrichtungen zu informieren.

Unter der Überschrift PRO-

DUKTION findet sich ein Leistungskatalog,

aufgeteilt in die einzelnen

Arbeitsbereiche. Unter

REHABILITATION stehen Informationen

über das, was die Caritas

Werkstätten zum Beispiel im

Bereich Berufliche Bildung und

soziale Absicherung anbieten.

Neuigkeiten erfahren Nutzer über

die Seite NEWS, und unter der

Rubrik JOURNAL können alle bis

dato erschienenen Ausgaben eingesehen

und heruntergeladen werden.

Wer auf der Suche nach Arbeit

ist, findet unter JOB alle ausgeschriebenen

Stellen. Die LINKS

führen auf andere Homepageseiten,

beispielsweise von Kooperationspartnern

und Kunden. Und

wer KONTAKT aufnehmen möchte,

kann unter der gleichnamigen

Rubrik mit den Einrichtungen kommunizieren

– immer mit dem Versprechen,

innerhalb der nächsten

drei Arbeitstage eine Antwort zu

erhalten.

Interessenten können die Caritas

Werkstätten über die Adressen

www.caritas-werkstaetten.de

und zusätzlich unter www.cwfb.de

erreichen.

SCHNELL UND FLEXIBEL

PER MAIL

Eng verknüpft mit dem Internetauftritt

ist auch die elektronische

Post (E-Mail). Die Caritas Werkstätten

haben die E-Mail-Adressen

der einzelnen Einrichtungen sowie

die der Mitarbeiter überarbeitet. Da

insgesamt 150 Adressen zur Verfügung

stehen, wurde eine Struktur

entwickelt, von der die einzelnen

Adressen abgeleitet werden können.

Es gibt jeweils eine Adresse

für die Einrichtung selbst sowie für

Personen, die bereits über einen

Zugang zum E-Mail-Service verfügen.

Die Syntax der Schreibweise

ist für die Werkstätten immer der

Ortsname mit der Endung @. Zum

Schluss folgt das Kürzel cwfb.de

(cwfb steht für „Caritas Werkstätten

für behinderte Menschen“). Beispiel:

sinzig@cwfb.de.

Für die Mitarbeiter steht am Anfang

der erste Buchstabe des Vornamens,

getrennt mit einem Punkt

von dem komplett ausgeschriebenen

Nachnamen. Dann folgt wiederum

@cwfb.de Beispiel: k.kohlhaas@cwfb.de;

j.buesch@cwfb.de

Der Internetauftritt soll jedoch keinesfalls

nur Mittel zur Selbstdarstellung

sein. Ziel ist es vielmehr,

die Werkstätten im vorrangig

nationalen Markt zu positionieren,

also die Fühler über die regionalen

Grenzen hinweg auszustrecken.

„Wir möchten dem behinderten

Menschen, dessen Angehörigen

und Betreuern die Möglichkeit

geben, sich über das Medium

Internet, direkt von zu Hause die für

ihn passende Werkstatt auszuwählen“,

so die Projektgruppe. Dies

bedeutet im Zeitalter der Globalisierung,

die vorhandenen Kunden

zu erhalten und neue Kunden,

auch außerhalb der unmittelbaren

geografischen Gegebenheiten, zu

gewinnen. Deshalb ist ein Platz auf

dem virtuellen Markt heute unumgänglich.

Nur so können die Caritas

Werkstätten, auch in Zukunft, den

Auftrag der Kostenträger, die

Teilhabe behinderter Menschen am

Arbeitsleben und Eingliederung in

das Arbeitsleben, langfristig und

auf zeitgemäßem Niveau entsprechen.

Karin Kohlhaas

JOURNAL {10}


Hotline für Internet-Zugänge

Sie interessieren sich fürs Internet,

haben aber noch keinen Zugang?

Unter der Rufnummer 01802 - 24

26 23 erfahren Sie täglich von 8 bis

22 Uhr, wo Sie behindertengerecht

ins Netz gehen können. Außerdem

sind in der Datenbank des „Netzwerks

Digitale Chancen“ alle

geeigneten Internet-Cafés oder

andere Einrichtungen eingetragen.

Die Datenbank steht im Internet

unter www.internet.fuer.alle.de zur

Verfügung.

TITEL

TITEL

Internet-Beratung

Brauchen Sie Beratung, was bei

einer Behinderung zu beachten ist

und welche Hilfsmittel zum Surfen

zur Verfügung stehen? Eine Internet-Beratung

vermittelt den Kontakt

zu den Selbsthilfeorganisationen

behinderter Menschen, die

weiterhelfen können. Es gibt auch

eine spezielle Beratung für behinderte

Frauen. Ansprechpartner finden

Sie im Internet unter www.

internet-ohne-barrieren.de.

Auftritt ohne Barrieren

Jeder zwölfter Mensch in Deutschland

hat eine Behinderung. Doch

im weltweiten Netz bestehen zum

Teil erhebliche Barrieren, die behinderten

Menschen den Zugang erschweren

oder unmöglich machen.

Mit der kostenfreien Software

„Bobby“ können Internet-Auftritte

auf Barrieren hin getestet werden.

Außerdem werden konkrete Hinweise

gegeben, wie diese Hindernisse

für Nutzer beseitigt werden

können. Informationen über

„Bobby“ finden Sie im Internet

unter www.cast.org/bobby. Fundierte

Anhaltspunkte zur Programmierung

liefern die WAI-Richtlinien

unter www.w3.org/WAI/. Die

Richtlinien „Design for All“ des

„Information and Communications

Technologies Standards Board“ zur

Web-Gestaltung finden Sie unter

www.ict.etsi.fr/.

Wer einen barrierefreien Internet-

Auftritt realisieren möchte, findet

zehn konkrete Regeln, Tutorials

und ein Diskussionsforum im Internet

unter www.einfach-fuer-alle.de

von der Aktion Mensch. Kompetente

Ansprechpartner für eine

Beratung gibt's unter der Telefonnummer

0611- 505 09 12. Oder

schicken Sie eine E-Mail an

info@internet-ohne-barrieren.de

{11} JOURNAL


TITEL

TITEL

Info

Sechs Tipps für

den Einstieg

1. Ausprobieren

Erst mal reinschnuppern ins

Internet! Wenn Sie in der Familie, im

Freundeskreis oder im Betrieb

keine Gelegenheit dazu haben,

suchen Sie ein Internet-Café oder

andere öffentliche Zugänge.

2. Beratung

Sie wollen wissen, welche Hilfsmittel

speziell für Ihre Behinderung

zur Verfügung stehen? Ihre Hilfsorganisation

hilft Ihnen weiter.

3. Partnerschaftshilfe

Ihre Selbsthilfeorganisation kann

Ihnen Kontakt zu Menschen vermitteln,

die in einer ähnlichen Lage

sind wie Sie. Erfahrungsaustausch

und Partnerschaftshilfe sind ein

guter Weg ins weltweite Netz!

4. Training und Schulung

In Schule und Berufsausbildung

gehört der Umgang mit dem

Internet fast schon zum Standard.

Nutzen Sie bestehende Angebote.

Informieren Sie sich bei Ihrem

Arbeitgeber oder beim Arbeitsamt

nach Möglichkeiten zur Fortbildung.

5. Barrieren überwinden

Wenn Sie im Internet auf für Sie

wichtige Seiten stoßen, die Sie aber

aufgrund einer fehlerhaften Gestaltung

oder Programmierung nicht

lesen können, informieren Sie den

Anbieter dieses Auftritts. Barrieren

sollten beseitigt werden.

6. Hilfen

Wird das Internet für Ausbildung

und Beruf benötigt, kann für die

behindertengerechte Ausstattung

eine finanzielle Förderung beantragt

werden. Auskunft geben die

Integrationsämter (bisher Hauptfürsorgeämter)

und die Arbeitsämter.

JOURNAL {12}


Intec-Betriebe für

psychisch Kranke

unter Dach und Fach

Endlich. Nach jahrelanger Planung und vielen Gesprächen

im Vorfeld steht jetzt fest: Es wird eine neue

Werkstatt für psychisch Kranke am Standort Sinzig

geben. Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit

bewilligte den Caritas Werkstätten 35 Werkstattarbeitsplätze.

Zusätzlich sollen in Sinzig fünf bis zehn

Integrations-Arbeitsplätze entstehen.

PLANUNG FÜR NEUBAU

IN SINZIG LÄUFT AUF

HOCHTOUREN

Sinzig. Die Raumnot ist groß. Über

150 Beschäftigte arbeiten in der

bestehenden Werkstatt in Sinzig,

und darunter leiden die Arbeitsbedingungen

erheblich. Für die

Realisierung der neuen Werkstatt

im Kreis Ahrweiler bedeutet dies,

dass das Projekt der Caritas Werkstätten

Mayen, Polch, Cochem und

Sinzig unter großem Zeitdruck vorangetrieben

werden muss. Angestrebt

wird, dass die Baumaßnahmen

bereits im Sommer 2003

beginnen können. Der Einzug ist für

das Jahr 2004 vorgesehen.

Doch die Caritas Werkstätten planen

nicht nur einen Neubau.

Gleichzeitig haben sie beim Land

beantragt, die immensen Lagerprobleme

in der Sinziger Werkstatt

durch eine Erweiterung der Lagerflächen

zu lösen. Dies soll im

Rahmen des neuen Projektes

geschehen.

Beauftragt mit der Planung des

Bauvorhabens wurde das Architekturbüro

Rumpf in Andernach,

das unterstützt wird vom Kommunalbau

Rheinland-Pfalz als Projektsteuerer.

Die Gespräche zum

Raumprogramm mit dem Landesarbeitsamt

haben bereits begonnen.

Folgende Arbeitsbereiche sind für

die neue Werkstatt geplant:

· Angebotserweiterung des Gartenbaus

der bestehenden Werkstatt,

durch z. B. Gewächshäuser;

Das Modell steht, der Bau beginnt im Sommer 2003

FOCUS PRODUKTION

· Angebotserweiterung der Wäscherei

der bestehenden Werkstatt

durch eine Annahmestelle

für Privatkunden und einen

Wäscherei-/Reinigungsbereich;

· Cafeteria;

· Montage und Verpackung;

· Mailing-Shop und

· KFZ-Schilderdienst.

Peter Bleidt

{13} JOURNAL

FOCUS PRODUKTION


FOCUS PRODUKTION

FOCUS PRODUKTION

Hoffnung auf Förderung

aus zwei Töpfen

Gleich aus zwei Töpfen erhoffen sich die Caritas Werkstätten Unterstützung für das

Projekt auf dem ehemaligen Kasernengelände im Ulmen. Nämlich aus Konversionsmitteln

und aus dem Sozialministerium. Gedacht sind die Mittel für einen neuen sozialen

Standort: Dort entsteht ein Arbeits- und Beschäftigungsangebot für schwerbehinderte

Menschen direkt im Eifel-Maar-Park. Geplant sind rund 120 Arbeitsplätze.

Und zwar für behinderte und nicht behinderte Menschen.

LANDESZUSCHÜSSE FÜR

WERKSTATT IM EIFEL-

MAAR-PARK BEANTRAGT

Cochem/Ulmen. Das Projekt der

Caritas Werkstätten sieht auf einer

Grundstücksfläche von 8.400 m≈

eine Zentralwäscherei für alle

Caritas-Einrichtungen Bernkastel-

Wittlich, eine Werkstatt mit verschiedenen

Arbeitsbereichen sowie

Integrations- und Fördermöglichkeiten

für behinderte Menschen vor.

Förderungswürdigen Modellcharakter

habe die Kooperation mit der

Behinderteneinrichtung St. Martin,

erklärte Michael Kröselberg,

Direktor der Caritas Werkstätten.

St. Martin schaffe im Eifel-Maar-

Park neben dem Integrationsbetrieb

Gastronomie neue Wohnund

Fördermöglichkeiten für Menschen

mit geistiger Behinderung.

Die in Ulmen lebenden werkstattfähigen

St. Martin-Bewohner

erhalten mit der Einrichtung der

Caritas Werkstatt erstmals die

Möglichkeit, zu Fuß zur Arbeit

gehen zu können. Dazu Michael

Kröselberg: „Das spart hohe Beförderungskosten

ein und verbessert

gleichzeitig die Lebensqualität der

behinderten Mitarbeiter.“

Weitere Argumente im Zuschussantrag

sei eine Vereinbarung mit St.

Martin. Sie beinhalte, dass die

Werkstatt ihre Mitarbeiter in der

bestehenden Gastronomie verpflegen

werden, während St. Martin ein

sicherer Kunde für die Zentralwäscherei

sei. Durch die Einrichtung

von Teilzeit- und so genannten

Frauenarbeitsplätzen kann das

geplante Unternehmen ebenfalls

Pluspunkte für die Zusage der

Förderung bekommen.

Gute Chancen für die Bezuschussung

durch die Koppelung

von Konversion und

Soziales sieht auch

die SPD-Landtagsabgeordnete

Heike

Raab, die die Vermittlerrolle

beim

Zuschussantrag an

das Land Rheinland-Pfalz

übernommen

hat. Dem

stimmte auch der

Abgeordnete des

Europaparlaments

Ralf Walter, SPD,

zu. Schließlich sei ein neues

Konversionsprogramm des Landes

in Arbeit, so dass sich der ausgewiesene

Sozialstandort Ulmen weitere

Finanzmittel erhoffen könne.

Die Unterstützung des Landes

Rheinland-Pfalz sagte zudem Dr.

Richard Auernheimer, Staatssekretär

und Landesbehindertenbeauftragter,

bei einem Besuch in

Ulmen zu. Er zeigte sich beeindruckt

von den Planungen der

Caritas, die Konversionsanstrengungen

durch dieses Vorhaben

nachhaltig zu unterstützen und zu

verbessern.

Als Konversionsprojekt zielt der

Eifel-Maar-Gewerbepark darauf ab,

die durch den Weggang der Bundeswehr

entfallenen militärischen

Ein echter Hingucker: das Modell der neuen Werkstatt

und zivilen Arbeitsplätze durch die

Ansiedlung neuer Arbeitsplätze auf

dem ehemaligen Kasernengelände

auszugleichen.

Heike van Braak

JOURNAL {14}


Die süßeste Art der

Integration

Ein Modellprojekt der besonders süßen Art initiiert jetzt

die Firma Griesson - de Beukelaer. Der Backwarenhersteller

hat in Zusammenarbeit mit der Caritas Werkstatt

St. Stephan sechs externe Arbeitsplätze eingerichtet.

Für behinderte Menschen - und für deren Integration.

GRIESSON-DE BEUKELAER

STARTET MODELLPROJEKT

Polch. Es ist eine echte Premiere.

Zum ersten Mal überhaupt findet

derzeit ein Modellprojekt der Firma

Griesson - de Beukelaer zur Integration

von behinderten Menschen

statt. Dieses Projekt gibt den

Beschäftigten der Caritas Werkstätten

die Möglichkeit, sich außerbetrieblich

in einem Produktionsablauf

zu integrieren. Eingesetzt

werden sie bei Verpackungs- und

Sortierarbeiten von rund 10.000

Einheiten. Die Arbeiten erfolgen

ausschließlich für das Weihnachtsgeschäft

und enden in der fünfzigsten

Kalenderwoche.

„Die Caritas Werkstätten hoffen,

auch in Zukunft Kooperationspartner

für ähnliche Projekte zu finden“,

freut sich Franz Josef Bell,

Werkstattleiter der Caritas in Polch,

über dieses Modell. Denn durch die

erbrachten Leistungen wird auch

die Persönlichkeitsentwicklung der

Beschäftigten gefördert. Dazu

Franz Josef Bell: „Hierbei wird ein

wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen

Integration behinderter Menschen

geleistet.“

Außerdem erhalten die Werkstattbeschäftigten

eine hervorragende

Möglichkeit, Erfahrungen auf dem

allgemeinen Arbeitsmarkt zu sammeln.

Angeleitet und begleitet werden

sie dabei von Mitarbeitern der

Caritas Werkstätten.

Carmen Rink, Franz Josef Bell

Bereit für den süßen Einsatz: Gruppenleiter Jürgen Scherer (hinten links),

der Auszubildende Martin Conrad (hinten rechts) und die Werkstattbeschäftigten

NAH DRAN

FOCUS PRODUKTION

{15} JOURNAL


NAH DRAN

NAH DRAN

Wer besorgt eigentlich

die Umzugskartons?

Er hat zwar nicht die Dimension des Bonn-Berlin-Umzugs, aber ein Pappenstiel ist er

dennoch nicht: Für die Caritas Mitarbeiter aus der Polcher Straße ist der Auszug der

Hauptverwaltung jedenfalls ein echter Kraftakt. In ihren Augen konnte der Umzug der

Politiker in die Bundeshauptstadt kaum aufwendiger gewesen sein.

HAUPTVERWALTUNG

RÜSTET FÜR DAS NEUE

DOMIZIL

Mayen. Der Industriepark Osteifel

wird nicht länger nur die Mitarbeiter

des Service- und Logistikzentrum

der Caritas Werkstätten beheimaten.

Ab dem 1. Dezember sind dort

auch die derzeit 14 Mitarbeiter der

Hauptverwaltung untergebracht.

Mit dem Bezug der neuen Räumlichkeiten

fiel gleichzeitig der

Startschuss für die Entwicklung

des eigenen Profils. Zwingend notwendig

war dies, weil die Aufgaben

der Hauptverwaltung immer umfangreicher

und spezifischer geworden

sind. Und deshalb trafen

sich Michael Kröselberg, Direktor

der Caritas Werkstätten, mit seinen

Mitarbeitern im Frühjahr zu einer

Klausurtagung in Daun. Es sollten

vor allem strukturelle Fragen

geklärt werden, die mit dem Umzug

in ein eigenes Gebäude verbunden

waren.

·Was bedeutet der Auszug der

Hauptverwaltung speziell für die

Werkstatt in Mayen? Immerhin

übernahmen die Verwaltungsmitarbeiter

Aufgaben, die demnächst

auf die Mayener übergehen.

·Wer organisiert den Umzug mit all

seinen Details?

zu gewährleisten. Natürlich wurde

auch die Frage behandelt, welche

Rolle die Hauptverwaltung im Kontext

der Einrichtungen und Werkstätten

zu leisten hat. Dabei wurde

versucht, Betriebsabläufe zu optimieren,

versteckte Ressourcen zu

entdecken und abschließende

Regelungen zu treffen. Bis in die

Abendstunden wurde im Plenum,

aber auch in Kleingruppen daran

gearbeitet.

Im Rahmen der Tagung beschäftigten

sich die Caritas Mitarbeiter mit

vier Schwerpunktbereichen:

· Wie gestaltet sich künftig die

Arbeit innerhalb der Hauptverwaltung?

· Wie sieht dann das Zusammenspiel

der Hauptverwaltung auch

als räumlich eigene Einheit mit

den vier Standorten aus?

Sind die Kisten schon gepackt? Die Mitarbeiter der Hauptverwaltung

rüsten für den Umzug

Zwei Tage lang wurden in Daun

Meinungen ausgetauscht, Problemfelder

aufgezeigt und Lösungen

erarbeitet. Alles mit dem Ziel,

eine effektive und effiziente

Umsetzung dieser Fragestellungen

Reiner Plehwe

JOURNAL {16}


Berufliche Bildung in

den Caritas Werkstätten

Es ist das oberste Ziel der Caritas Werkstätten: die

Eingliederung von Menschen mit Behinderung ins

Arbeitsleben. Im Berufsbildungsbereich wird sich jetzt

die Praxis ändern, denn am 1. Juli 2001 ist das neue

Sozialgesetzbuch (SGB IX) in Kraft getreten.

UMSETZUNG DES NEUEN

SGB ÄNDERT ALLTAG

Umgekrempelt wird der Alltag der

behinderten Menschen

Mayen. Der Berufsbildungsbereich

ist ein bedeutender Teil der Caritas

Werkstätten. Dazu gehört die

Berufliche Bildung im Berufsbildungsbereich

(früher Arbeitstrainingsbereich)

und die Berufliche

Bildung im Arbeitsbereich. Bei der

konkreten Umsetzung ergeben sich

nun durch das neue SGB IX diverse

Änderungen. Beispielsweise

erfolgt eine Aufnahme in die

Werkstatt mittlerweile nur noch im

Rahmen eines dreimonatigen

Eingangsverfahrens. Dabei wird

überprüft, ob die Werkstatt die

geeignete Einrichtung für den

behinderten Menschen ist.

Hieran schließt sich eine bis zu

zwei Jahren dauernde Ausbildung

im Berufsbildungsbereich an. In

dieser Ausbildung werden Neigungen

und Fähigkeiten festgestellt

und grundlegende Arbeitstechniken

sowie die Handhabung

von Werkzeug vermittelt. Nach

Ablauf dieser zwei Jahre wird überprüft,

ob eine Übernahme in den

Arbeitsbereich erfolgt oder ob eine

Vermittlung initiiert werden kann.

BERUFLICHE BILDUNG IM

ARBEITSBEREICH

Aufgrund der großen Aufgabenvielfalt

wurden in den vergangenen

Monaten personelle und konzeptionelle

Entscheidungen getroffen.

Völlig neu ist die konzeptionelle

Einbindung der Fachkräfte für die

Berufliche Bildung im Arbeitsbereich.

An allen vier Standorten

wurden Fachkräfte in den letzten

Wochen eingestellt, um den

Beschäftigten ab dem 1. Januar

2002 auch im Arbeitsbereich berufliche

Bildung mittels eines anerkannten

Lernwegesystems zu vermitteln.

Die Fachkräfte koordinieren alle

Maßnahmen, um eine adäquate

berufliche Bildung auch nach der

Ausbildung sicherzustellen. Sie

sind somit das Pendant zu den

Arbeitstrainingsverantwortlichen,

die seit dem 1. Juli 2001 Fachkräfte

für Berufliche Bildung im Berufsbildungsbereich

genannt werden.

Somit wird jedem Beschäftigten

beispielsweise die Möglichkeit

gegeben, über modulare Kurssysteme,

außerhalb der Arbeitsgruppe

eine weitere berufliche

Qualifikation zu erlangen. Für das

Jahr 2002 sind Maßnahmen - wie

der Erwerb des Staplerführerscheins

und EDV-Kurse – geplant.

Die Entwicklung wird kontinuierlich

überprüft, der aktuellen Situation

angepasst und entsprechend

dokumentiert.

Ziel der beruflichen Rehabilitation

in den Caritas Werkstätten ist, denjenigen,

die das Potential und die

Belastbarkeit besitzen, eine

Perspektive auf dem allgemeinen

Arbeitsmarkt zu eröffnen. Zu den

bereits realisierten Maßnahmen

gehört beispielsweise die Aktion 3

Prozent. Anderseits sollen für die

schwerer behinderten Menschen

Wege gefunden werden, um ihnen

eine angepasste und stufenweise

Integration in das Arbeitsleben zu

ermöglichen.

ZAUBERFORMEL

SCHLÜSSELQUALIFIKATION

Angemessene berufliche Bildung,

wie es die Werkstatt als Träger der

beruflichen Rehabilitation versteht,

muss den Erwerb von Schlüsselqualifikationen

ermöglichen. Sie

sollen auf künftige Arbeitsaufgaben

vorbereiten. Entscheidend ist

dabei, die dann notwendigen

Kenntnisse und Fertigkeiten möglichst

rasch und selbständig zu

erwerben.

„Im Mittelpunkt all unserer Bemühungen

im Berufsbildungsbereich

steht der Mensch mit Behinderung

Schlüsselqualifikationen als Vorbereitung

auf künftige Arbeitsaufgaben

mit seinen Bedürfnissen, Wünschen

und Anforderungen“, so

Michael Kröselberg, Direktor der

Caritas Werkstätten. „Arbeitsabläufe

werden so gestaltet, dass sie

für ihn förderlich sind und dass er

sie trotz seiner Einschränkungen

erledigen kann.“

Reiner Plehwe

NAH DRAN

NAH DRAN

{17} JOURNAL


REHABILITATION

NAH DRAN

Mit dem Rad zur

Fränkischen Seenplatte

Sie verbindet nicht nur die Arbeit - sondern auch das Hobby. Sechs Mitarbeiter der

Caritas Werkstatt Sinzig machten sich auf den Weg zur Fränkischen Seenplatte. Sie

legten 510 Kilometer zurück. Und zwar mit dem Rad.

CARITAS MITARBEITER

LEGTEN ÜBER 500

KILOMETER ZURÜCK

Sinzig. Zunächst sah alles recht

harmlos aus: Es sollte eine gemeinsame

Fahrradtour der Caritas-

Mitarbeiter aus Sinzig werden - in

der Freizeit und ganz gemütlich.

Doch die im Herbst 2000 von Klaus

Nun begann die heiße Phase dieses

Unternehmens. Vieles musste

geplant und organisiert werden. Mit

viel Geschick und Organisationstalent

wurden die einzelnen Etappenziele

von Werner Meier festgelegt.

Und auch Alfred Langen engagierte

sich bereits im Vorfeld der

Tour. Er suchte mit viel Umsicht die

Hotels und Pensionen für die

Radsportler aus und sorgte zudem

für das leibliche Wohl.

In vielen gemeinsamen Trainingsfahrten

wurde dann die nötige

Fitness für diese anspruchsvolle

dortigen Einrichtung auf Tour

geschickt wurden.

Erstes Etappenziel war nach 100

km Bacharach. Die zweite Tagestour

führte über 150 km von Bacharach

nach Aschaffenburg, und von

dort ging es weiter ins 130 km entfernte

Bad Mergentheim. Das Ziel

der Fahrradtour, Markt Weidenbach

im Altmühltal, wurde am vierten Tag

erreicht. Insgesamt legten die

sechs Caritas-Mitarbeiter 510 km

zurück. Eine gemeinsame Kanufahrt

auf der Altmühl bildete den

Abschluss dieser gelungenen Tour,

Geschafft: Am 4. Tag erreichten die

Teilnehmer Markt Weidenbach.

Serger vorgetragene Idee entpuppte

sich sehr bald als eine sportliche

Herausforderung. Denn als Ziel

wurde Gunzenhausen an der neuen

Fränkischen Seenplatte im

Altmühltal festgelegt.

Nach einigen Anfragen nach dem

Wie und Wo war schnell klar, dass

nur sechs Radsportler die Idee

umsetzen wollten. Mit von der

Partie waren Markus Mies, Klaus

Serger, Werner Meier, Alois Müller,

Andreas Ries und Werner Nickenig.

Außerdem wurde schon bei der

ersten Besprechung deutlich, dass

für ein solches Vorhaben ein

Begleitfahrzeug und ein Fahrer

gefunden werden mussten. Diese

Aufgabe übernahm Alfred Langen.

Radtour geschaffen. Der Startschuss

fiel am 12. Juni 2001 pünktlich

um 13 Uhr, als die Teilnehmer

von Peter Bleidt, Werkstattleiter in

Sinzig, und den Beschäftigten der

Gut gerüstet: Die Radsportler vor dem Start

in deren Mittelpunkt vor allem

Teamgeist und Kameradschaft

stand.

Werner Nickenig

JOURNAL {18}


Hilfe für ein

selbstbestimmtes

Leben

Manfred hat einen Elektrorollstuhl. Doch dieses Hilfsmittel ist nicht seiner Sitzhaltung

angepasst. Vielmehr fördert er Manfreds Spastik und schränkt seine Mobilität unnötigerweise

ein. Der Ambulante Dienst kann in diesem Fall nach Absprache mit den

Eltern helfen. Und zwar bei der Beschaffung eines geeigneten Rollstuhls.

AMBULANTER DIENST

ENTLASTET ALLTAG IM

HÄUSLICHEN UMFELD

Schwimmbadbesuch als Leistung zur Teilhabe am

Leben in der Gemeinschaft

Mayen/Sinzig. Gemeinsam mit

dem Ambulanten Dienst wird ein

Arzt aufgesucht. Er stellt für Manfred

die entsprechende Verordnung

aus und nach der Kontaktaufnahme

mit einer Hilfsmittelfirma wird dieser

Rollstuhl entsprechend ausgearbeitet

und dann Manfred angepasst.

Anschließend erfolgt eine Schuhversorgung,

die aufgrund der Spastik

erst nach der Einrichtung

des Sitzes optimiert

erfolgen kann.

Dieses Beispiel zeigt

nur einen Ausschnitt

aus den Aufgaben des

Ambulanten Dienstes.

Es verdeutlicht

aber, dass nicht nur

eine Familienentlastung

durch die

Übernahme der Arztbesuche,

der Verhandlungen

mit den

Hilfsmittelfirmen und

der Krankenkasse geleistet

wird. Verbessert

wird darüber hinaus

auch die Mobilität

für den Menschen mit

einer Behinderung

durch einen individuell

angepassten Rollstuhl.

Seit der Ambulante Dienst (AD) der

Caritas Werkstätten im Januar 2000

seine Arbeit aufgenommen hat, bietet

er Beratungs-, Vermittlungs-,

Bildungs- und familienentlastende

Leistungen rund um den Begriff

Behinderung an. Das auf regen

Zuspruch stoßende Modellprojekt

für den Kreis Ahrweiler ist zunächst

auf vier Jahre befristet und wird

durch Zuschüsse der Aktion

Mensch und Eigenmitteln finanziert.

Dadurch sind die Angebote

kostenfrei oder es entfallen lediglich

geringe Entgelte.

„Die direkten familienentlastenden

Dienste und die Hilfen für ein

selbstbestimmtes Leben des AD

richten sich nach den Bedürfnissen

der Menschen mit Behinderungen

und deren Angehörigen. Sie werden

individuell angepasst“, erklärt

Andreas Rieß. Der Sozialpädagoge

leitet den Dienst, der von der Heilerziehungspflegerin

Melanie Mrosek

komplettiert wird.

Die Betreuungsleistungen im häuslichen

Umfeld verfolgen das Ziel,

den Angehörigen Zeit für persönliche

Interessen zu geben. Im

{19} JOURNAL

REHABILITATION

REHABILITATION


REHABILITATION

REHABILITATION

Andreas Rieß am Dienstfahrzeug, das zur familienentlastenden Arbeit eingesetzt wird

Vordergrund steht hierbei eine

Entlastung, um Spannungen innerhalb

der Familie zu vermeiden.

Dadurch soll erreicht werden, dass

Menschen mit einer Behinderung

möglichst lange in ihrem gewohnten

häuslichen Umfeld bleiben können.

Außerdem bietet der AD im Rahmen

der direkten Leistungen

Gruppenaktivitäten an Wochenenden

sowie in den Abendstunden

an. Diese Freizeit-, Sport- und Bildungsangebote

sollen die Gesundheit

fördern, das soziale Miteinander

verbessern und besonders

behinderte Menschen dabei unterstützen,

im Rahmen ihrer Möglichkeiten

ein selbständiges Leben zu

führen.

„Um dieses Ziel zu erreichen, sind

Bildungsangebote wie Kochkurse,

Verkehrserziehung sowie das Erlernen

kultureller Fertigkeiten und die

Integration in die Gesellschaft

unbedingt notwendig“, so Andreas

Rieß, dessen Büro sich in der

Tagesförderstätte der Caritas Werkstätten

in Sinzig befindet. Die

Integration erfolgt in diesem Jahr

u.a. durch die Zusammenarbeit mit

örtlichen Vereinen, mit deren Hilfe

Turniere mit behinderten und nichtbehinderten

Menschen durchgeführt

werden. Besonders stolz ist

der AD auf eine integrative

Segelfreizeit im vergangenen Juli.

Sie wurde in Kooperation mit zwei

Jugendpflegern des Kreises durchgeführt.

Teilgenommen haben an

diesem zweiwöchigen Turn auf

dem Ijsselmeer und der Nordsee

insgesamt 50 behinderte und nichtbehinderte

Menschen.

Ein starkes Team: Andreas Rieß und

Melanie Mrosek

Neben all diesen direkten Leistungen

versteht sich der AD aber auch

als eine zentrale Beratungs- und

Vermittlungsstelle für alle Fragen

rund um Behinderungen. Es werden

Hilfestellungen beim Umgang

mit Ämtern und anderen öffentlichen

Institutionen gegeben.

Gesucht werden REHA-Einrichtungen,

Fachkliniken und -kräfte

oder einfach einmal ein geeignetes

Urlaubsdomizil. Außerdem berät

und vermittelt der AD technische

Hilfsmittel, Kurzzeitpflege, eine

geeignete Schule oder Freizeitbeschäftigungen.

Aufgrund dieser Vielfalt an Aufgaben

ist eine Vernetzung mit weiteren

sozialen Institutionen des

Kreises notwendig, um Hilfsaktivitäten

gezielt zu bündeln. Zu diesem

Zweck arbeitet der AD u.a. mit den

vier Sozialstationen des Kreises,

deren Beratungs- und Vermittlungsstellen

sowie mit ansässigen

Vereinen, der Kreisvereinigung Lebenshilfe,

der Kindertagesstätte St.

Hildegard und der Levana Schule

zusammen. Alles mit kräftiger Unterstützung

der ehrenamtlichen

Mitarbeiter.

Weitere Informationen, eine Broschüre

und das Jahresprogramm

mit den verschiedenen Kursen,

Tagesangeboten und Freizeiten

können kostenlos beim Ambulanten

Dienst der Caritas Werkstätten

bezogen werden.

Andreas Rieß, Kripper Straße 37,

53489 Sinzig

Tel.: 0 26 42-97 02 73

Fax: 0 26 42-97 02 71

E-Mail: ambulante.dienste@cwfb.de

Andreas Rieß

JOURNAL {20}


IM WANDEL DER ZEIT:

1500 - 1600 - 1700 1800 - 1900 - 2000

Es ist ein erklärtes Ziel unserer

Gesellschaft: das Recht auf Arbeit.

Und zwar für alle. Um allen eine

Existenzsicherung sowie die Teilhabe

und Mitwirkung an der Gestaltung

unserer Gesellschaft zu ermöglichen.

Doch wie weit ist dieses Ziel entfernt?

Eine Vollbeschäftigung aller scheint

ein Traum, der in immer weitere Ferne

rückt. Welchen Stellenwert soll Arbeit

und Leistung also in Zukunft haben?

Und welche politischen, gesellschaftlichen

und ökologischen Entscheidungen

sind dazu notwendig? Neue

Wege können einen Ausweg aufzeigen

- einen Weg hin zu einer Umverteilung

von Arbeit und zu einer

Anerkennung einer gesellschaftlich

notwendigen, nicht an Erwerbsarbeit

orientierten Tätigkeit.

Doch die Realität sieht anders aus.

Noch immer gilt, dass nur wer Mehrwert

schafft, auch mehr wert ist. Aber

wer bestimmt denn eigentlich, wer

arbeiten darf? Wer mehr wert ist? Der

Prototyp des Normalen? Den gibt es

nicht. Dennoch fällt es denen, die

davon abweichen, schwer, sich in das

allgemeine Erwerbsleben einzugliedern.

Sie gelten als „beruflich eingeschränkt“.

Beurteilt, abgestempelt

und verworfen. Vorschnell, gedankenlos,

manchmal auch teilnahmslos.

Aber waren schon immer die ohne

Arbeit, die nicht der Norm entsprachen?

Die anders waren?

Grabsäulen und Schriften belegen,

dass die alten Ägypter ganz anders

mit behinderten Menschen umgegangen

sind. Damals hatten sie alle ihre

Aufgabe - und ihren Beruf. Zum

Beispiel der Schreiber Ray, über den

folgende Personenbeschreibung

erhalten ist: „Komm, dass ich dir das

Aussehen des Schreibers Ray schildere,

den man den Grillspieß der

Scheune nannte. Der konnte sich

nicht bewegen noch rennen seit seiner

Geburt. Anstrengende Arbeit

konnte er nicht ausführen, das konnte

er nicht...“ Und auch vom törichten

Rinderzähler Kasa wird da berichtet.

Kleiner als eine Katze und größer als

eine Meerkatze soll er gewesen sein.

Sein Zuhause hatte er auf seine

Körpergröße abgestimmt. Nur wenn

Vom Umgang mit Behinderung

er sein Heim verließ, stimmten die

Proportionen nicht mehr. Dann war

plötzlich alles viel zu groß.

Auch aus der Streitschrift von Hori,

einem Militärschreiber um 1400 v.

Chr., sind Hieroglyphen für ganz

unterschiedliche Behinderungsarten

bekannt. In zahlreichen Papyrusrollen

werden „Zwerge“, „Buckelige“ und

„Lahme“ erwähnt. Da gibt es zudem

„Blinde“, „geistig Minderbemittelte“,

„Besessene“ und „Menschen mit

übermäßig vergrößerten Geschlechtsteilen“.

Doch all diese

Menschen, die in den altägyptischen

Schriften schonungslos beschrieben

wurden, lebten nicht im Abseits. Sie

hatten trotz - oder gerade wegen -

ihrer Behinderung eine Arbeit. Und

damit verfügten sie über ein

Einkommen und besaßen automatisch

einen sozialen Status. Sie waren

Schreiber, Altgediente des

Schatzhauses, Sorgende in der

Weinkammer, Vorsteher der Weberei,

Musiker, Sänger, und Tierwärter. Und

sie waren Hofnarren. Die so genannten

Spottveziere trugen hochtrabende

Namen, aber schon der Begriff

selbst war nichts als eine spöttische

Anmaßung. Schließlich waren die

Veziere die ranghöchsten Beamten

im Staat. Spottveziere hatten keine

Macht, aber Narrenfreiheit.

Später ging man sogar noch weiter

und verurteilten all jene, die die

Menschen mit einer Behinderung verspotteten.

So schrieb Amenemope

(ca. 1200 v. Chr.) in seiner

Weisheitslehre: „Lache nicht über

einen Blinden und verspotte keinen

Zwerg! Erschwere nicht das Befinden

eines Gelähmten. Verspotte nicht

einen Mann, der in der Hand Gottes

ist, und sei nicht aufgebracht gegen

ihn, als ob du ihn angreifen wolltest.

Der Mensch ist Lehm und Stroh, der

Gott ist sein Baumeister.“

Haben Sie es gelesen? Gott ist unser

Baumeister. Und er baut uns nicht

nach Schema F, sondern mit kleinen

Besonderheiten und Eigenarten, mit

Ecken und Kanten, mit Stärken und

Schwächen. Folglich ist jeder

Mensch normal. Und jeder hat das

Recht auf Arbeit. Ist es da nicht nur

natürlich, wenn auch ein behinderter

Mensch genau dieses Recht einfordert?

Und er hat dieses Recht – auch

außerhalb einer Werkstatt für behinderte

Menschen! Schließlich ist er

nicht automatisch beruflich eingeschränkt.

Sicher, es gibt Tätigkeiten,

für die er nicht geeignet ist. Aber trifft

das nicht auch auf uns zu, die wir auf

den ersten Blick als ganz normal

erscheinen? Können wir alle gleich

gut rechnen, schreiben, tischlern und

montieren?

Es gibt aller Skepsis zum Trotz

Bereiche, in denen ein behinderter

Mensch gleichwertige, manchmal

sogar bessere Arbeit verrichtet als ein

nicht behinderter. Zudem hat die

Praxis immer wieder gezeigt, dass

Menschen, die etwas wirklich wollen,

auch zu großen Leistungen in der

Lage sind. Sie müssen nur eine

Chance bekommen!

In unsere Grundgesetz steht seit dem

15. November 1994: „Niemand darf

wegen seiner Behinderung benachteiligt

werden.“ Aber leben wir diesen

Satz? Nehmen wir ihn ernst? Und

glauben wir von ganzem Herzen an

ihn? Oder zweifeln wir? Verdrängen

und bewerten wir? Setzen wir uns gar

über alles hinweg und legen unseren

eigenen Maßstab fest? Und sind es

nicht unsere Besonderheiten und

Eigenarten, Ecken und Kanten,

Schwächen und Stärken, die diesen

Maßstab formen? Verlassen wir dieses

wackelige Gebäude aus festgefügten

Vorstellungen stimmen plötzlich

die Dimensionen nicht mehr. Wie

beim törichten Rinderzähler Kasa.

REHABILITATION

Heike van Braak

REHABILITATION

{21} JOURNAL


NACHGEFRAGT

NACHGEFRAGT

Wie human ist

E-Commerce?

Die Bedeutungszuweisungen für New Economy und

E-Commerce sind beeindruckend. Ihre Bedeutung wird

verglichen mit der Industriellen Revolution oder der

Erfindung von Telefon und Fernsehen. Doch wie human

ist E-Commerce?

HIGHTECH ODER HEISSE

KOHLEN?

Das Ersetzen personaler geistiger

Fähigkeiten durch High-tech

scheint unser Koordinatensystem

erheblich verunsichert zu haben.

Und in diese gärende Situation begeben

wir uns als Einrichtungen der

freien Wohlfahrtspflege mit unseren

Menschen mit Behinderungen.

Weil wir soziales Engagement mit

ökonomischer Vernunft vereinen,

fragen wir, ob wir mit E-Commerce

Problemlösungen finden können

und, ob wir damit die Zukunft unter

dem Gesichtspunkt der Lebensdienlichkeit

für Klientel und

Mitarbeiterschaft werden gestalten

können.

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit

von E-Commerce ist eine Grundfrage

der Wirtschafts- und Sozialethik.

Wir dürfen christliche Erfahrungen

mit Ökonomie aufnehmen. Das

Kriterium der Gottes- und Nächstenliebe

ist hier eine hilfreich distanzierende,

einige Alltagsscharmützel

relativierende Kategorie -

und eine eminent politische dazu.

Die Grundfrage heißt nämlich: Wie

human, sozial, ökologisch ist E-

Commerce bzw. die Form, die wir

mitbetreiben? Was fordern E-

Commerce, E-Business, New Economy

unseren Zielgruppen und

Mitarbeitern ab? Auf welche Felder

begeben wir uns? Auf heiße Kohlen

- oder aufs Glatteis? Wollen wir

vielleicht modernistisch das große

Rad mitdrehen und geraten dabei

mit den Fingern zwischen die

Speichen oder kommen gar unter

die Räder? Spüren das auch unsere

Menschen mit Behinderungen?

Um gemeinsam voranzukommen,

müssen wir solche Ängste ernst

nehmen, unsere Absichten mit E-

Commerce profilieren.

Trotz Globalisierung und Unübersichtlichkeit

wollen wir regionale

Märkte und Überschaubarkeit bewahren.

Die Frage „Wer braucht

mich?“ ist dem modernen, flexiblen

Wirtschaften fast völlig fremd. Die

Systeme strahlen Gleich-Gültigkeit

aus. Menschen werden über Kontinente

problemlos ersetzbar.

Flexibilität und Kurzfristigkeit geraten

in Konflikt mit dem menschlichen

Charakter, der auf Verbindlichkeit,

Verlässlichkeit, Beständigkeit

und Entwicklung und nicht auf

ständige Umstellungen angewiesen

ist – dies gilt besonders für Menschen

mit Behinderungen.

Das System, in dem wir uns zurecht

finden müssen, um Hilfen für Menschen

mit Behinderungen zu

gestalten, stellt uns vor herbe

Herausforderungen und vor einen

heftigen Spagat.

Peter Göbel-Braun, Direktor des

Diakonie-Zentrums Hephata

Schwalmstadt und Mitarbeiter der

Internetplattform „Hessen-Markt.de“

DIE PERSPEKTIVE DER

LEBENSWELT

Eingedenk des Diktums: „Die

Wirtschaft gibt es, weil es den

Menschen gibt“ (A. Rich) gilt es,

konsequent die Perspektive der

Lebenswelt einzufordern. Das kann

bedeuten, bewusst auf technische

Optionen zu verzichten, um dem

Kriterium Lebensdienlichkeit gerecht

zu werden. Wir sind auf dem

Weg und hoffen, nicht unter die

Räuber zu fallen, sondern gelobtes

Land zu erreichen. Uns Christen

stehen Aufbrüche und Veränderungen

gut an. Doch Veränderungen,

die unsere gewohnten

Landschaften berühren, machen

auch Angst. Allein das Vertraute

und Gewohnte scheint uns zu

schützen. Aber das Neue lockt und

wird erprobt. Und hier sehe ich

durchaus etliche Chancen für

Menschen mit Behinderungen - von

der zeitlichen Entzerrung der

Arbeitsprozesse über ihre flexible

Anpassung an individuelle Fähigkeiten

bis hin zu optimierten

Vermarktungsstrategien.

Peter Göbel-Braun

JOURNAL {22}


Zusatzausbildung erfolgreich absolviert

Mayen. Fünf Mitarbeiter der Caritas

Werkstätten haben vom 17. Januar

2000 bis zum 13. September 2001

am Sonderpädagogischen Lehrgang

für Fachkräfte zur Arbeitsund

Berufsförderung in Werkstätten

und sonstigen Einrichtungen für

Behinderte teilgenommen. Sie

schlossen die Zusatzausbildung

mit dem Kolloquium am 13. September

erfolgreich ab. Die Prüfung

bestanden Toni Port, Robert

Krämer und Norbert Nohles aus der

Werkstatt in Mayen, Jürgen Hürter

aus der Werkstatt St. Vinzenz in

Cochem-Brauheck sowie Frans

Viveen aus der Werkstatt

St. Elisabeth in

Sinzig. Die Zertifikatsübergabe

fand

im Rahmen einer

Feierstunde der Behindertenhilfe

Kühr

e.V. in Niederfell

statt, an der auch der

Direktor Michael

Kröselberg und die

Werkstattleiter teilnahmen.

Ellen Coltro

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurden die

Zertifikate den erfolgreichen Teilnehmern überreicht

NEWS

NEWS

Zertifikat für Beschäftigte

Sie haben´s geschafft: 36 Werkstattbeschäftigte aus

Mayen, Cochem, Sinzig und Polch beendeten ihre

Ausbildung im Berufsbildungsbereich erfolgreich. Nach

zwei Jahren wurde den Teilnehmern für ihren Abschluss

ein Zertifikat überreicht.

36 TEILNEHMER

ERHIELTEN URKUNDE

Mayen/Sinzig. Sie kommen aus

Mayen, Cochem, Polch und Sinzig.

Und alle 36 Beschäftigten der

Caritas Werkstätten haben mit

Zu ihren Leistungen beglückwünscht wurden die 36 Beschäftigte,

die mit Erfolg ihre Ausbildung im Berufsbildungsbereich

absolvierten. Sie erhielten ein Zertifikat von Michael Kröselberg

Erfolg ihre Ausbildung im Berufsbildungsbereich

absolviert. Zum

Abschluss war in der Tagesförderstätte

Sinzig eine kleine Feierstunde

angesagt. Und dazu kamen

alle, die die Teilnehmer zwei Jahre

lang begleitet und gefördert

haben: Michael

Kröselberg, Direktor

der Caritas

Werkstätten,

das gesamte

Leitungsteam,

der Werkstattrat,

die begleitenden

Fachdienste,

Gruppenleiter

und

ein Vertreter der

Rehabilitationsträger.

Beglückwünscht zu ihrer Leistung

wurden die Beschäftigten nicht nur

von Michael Kröselberg, sondern

auch von Beate Fritz, Werkstattsprecherin

in Sinzig. Anschließend

wurde jeder Teilnehmer einzeln

nach vorne gerufen, und die begleitenden

Fachdienste und Fachkräfte

für berufliche Bildung umrissen

kurz den Werdegang der Absolventen

während der letzten zwei

Jahre. Michael Kröselberg und der

jeweilige Betreuer überreichten

jedem ein Zertifikat und ein kleines

Präsent und sprachen ihre

Glückwünsche aus. Dankbarkeit

und Stolz zeigte sich in den

Gesichtern der Teilnehmer, die

anfängliche Aufregung war verschwunden.

Die gemeinsame

Feierstunde endete mit einem liebevoll

angerichteten Imbiss, und

viele der Gruppenleiter und Teilnehmer

nahmen die Gelegenheit

eines Werkstattrundgangs wahr.

Cornelia Staden

{23} JOURNAL


NEWS

NEWS

Sinzig ehrte

600ste Beschäftigte

Endlich eine sinnvolle Beschäftigung - und ein runde

Zahl: Annemarie Bender wurde als 600ste Beschäftigte

in der Caritas Werkstatt St. Elisabeth aufgenommen.

Happy: Annemarie Bender freute sich

über Blumen und Glückwünsche

RUNDE ZAHL IN DEN

CARITAS WERKSTÄTTEN

Sinzig. Einen besonderen Grund

zum Feiern gab es in der Caritas

Werkstatt St. Elisabeth in Sinzig.

Mit Annemarie Bender aus Bad

Bodendorf wurde die 600ste

Beschäftigte in den Caritas

Werkstätten aufgenommen. Die

Rollstuhlfahrerin freute sich nicht

nur über die kleine Aufmerksamkeit

und die vielen guten Wünsche aller

Beteiligten. Sie war vor allem darüber

froh, endlich eine sinnvolle

Beschäftigung gefunden zu haben.

Im Rahmen einer kleinen

Feierstunde betonte Michael

Kröselberg, Direktor der Caritas

Werkstätten, die besondere

Bedeutung, neben der materiellen

Wertschöpfung auch die berufliche

und soziale Rehabilitation für diesen

Personenkreis zu gewährleisten.

Klaus Hameyer vom

Arbeitsamt lobte als Vertreter des

Leistungsträgers die qualifizierte

Arbeit, die die Caritas Werkstätten

seit Jahren vor allem im

Berufsbildungsbereich leisten.

Dass die 600ste Beschäftigte gerade

in Sinzig und nicht in Mayen,

Cochem oder Polch aufgenommen

wurde, ist Zufall. Es spiegelt aber

auch die enormen personellen

Zuwächse an diesem Standort wieder.

„Als ich 1987 in Sinzig angefangen

habe, umfasste der zu

betreuende Personenkreis gerade

einmal 66 Beschäftigte“, erinnerte

sich Werkstattleiter Peter Bleidt.

Heute seien es knapp 160, und

langsam werde es eng. Doch nicht

nur das räumliche Problem setzt

Peter Bleidt und seinen

Mitarbeitern zu. Erschwerend

kommt hinzu, dass sich das

Klientel deutlich gewandelt hat.

Während es früher vor allem geistig

behinderte Menschen betreut wurden,

werden heute zunehmend

psychisch Kranke aufgenommen.

Dazu Peter Bleidt: „Deshalb bin ich

froh, dass der Neubau für psychisch

Kranke bewilligt wurde.“

Neue Leitung

in Polch

Polch. Ein Wechsel in der Leitung

der Werkstatt Polch steht zum 1.

Januar 2002 an. Aufgrund der Berufung

des bisherigen Werkstattleiters

Franz-Josef Bell in die Geschäftsleitung

war die Neubesetzung

der Stelle notwendig geworden.

Sie wird zukünftig in den

Händen von Frank Mehnert liegen.

Der 31-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieur

wird seit dem 1. Oktober

2001 in seine neue Aufgabe eingearbeitet.

Mehnert war vor seinem

Wechsel zu den Caritas Werkstätten

in verschiedenen Funktionen

in der Bauindustrie tätig.

Neuer Chef in Polch:

Frank Mehnert

Ellen Coltro

JOURNAL {24}


Neue Mitarbeiter

Mayen. Die Fördergruppe in Mayen

hat Verstärkung: Seit dem 15. Juli

gehört Thomas Schumacher zum

Team. Er ist in der Fördergruppe als

Heilerziehungspfleger tätig.

Zum 1. August wurde Holger

Klemp, von Beruf Elektroinstallateur,

als Hausmeister eingestellt.

Außerdem begann Manuela

Schäfer ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin,

nachdem sie

vorher ein Freiwilliges Soziales Jahr

in den Caritas Werkstätten absolviert

hat.

Und auch Sinzig hat tatkräftige

Unterstützung bekommen: Dort

arbeitet die Hauswirtschafterin

Claudia Arbach seit dem 15. April

als Teilzeitkraft in der Küche.

Im Juli begann Astrid Daum als

Heilerziehungspflegerin, nachdem

sie nach dreijähriger Ausbildung in

den Caritas Werkstätten die

Prüfung abgelegt hat. Außerdem

wurde Martin Will als Gruppenmitarbeiter

eingestellt. Der gelernte

Siebdrucker hatte vorher in der

Werkstatt seinen Zivildienst abgelegt.

Im August konnte dann die

neue Auszubildende beginnen:

Wanda Keller. Seit dem 1. September

verstärkt zudem Gundel Jonda

die Verwaltung in Sinzig als Teilzeitbeschäftigte.

Auch in Polch wollten zwei ehemalige

Zivildienstleistende weiter für

die Caritas arbeiten. Michael Molitor

wurde zum 1. Juli als Gruppenmitarbeiter

eingestellt, und Martin

Conrad begann am 1. August seine

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.

Ellen Coltro

NEWS

NEWS

Neu in Mayen: Thomas Schumacher,

Holger Klemp

Neu in Sinzig: Martin Will, Claudia

Arbach, Gundel Jonda, Wanda Keller,

Astrid Daum

Neu in Polch: Michael Molitor,

Martin Conrad

Steuertipps

für Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderung

kämpfen immer wieder mit besonderen

Schwierigkeiten. Deshalb

hat der Gesetzgeber für sie einzelne

Steuererleichterungen vorgesehen.

Und damit diese Steuerhilfen

voll ausgeschöpft werden

können, hat das Finanzministerium

einen Ratgeber herausgegeben.

Die Broschüre „Steuertipps

für Menschen mit Behinderung“

kann beim Bayerischen Staatsministerium

der Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit,

Postfach 220003,

80535 München, gegen Einsendung

von Briefmarken im Wert

von 1,50 DM angefordert werden.

Der Ratgeber ist außerdem bei

allen Finanzämtern in Bayern

erhältlich und kann im Internet

eingesehen werden. Interessenten

finden sie unter der Internetadresse

des Bayerischen Staatsministeriums

der Finanzen,

www.stmf.bayern.de, unter der

Rubrik Info-Broschüren.

{25} JOURNAL


NEWS

NEWS

Goldene Nadel für 25 Jahre

Mayen. Auf eine 25-jährige

Betriebszugehörigkeit in der

Caritas Werkstatt Mayen kann Rolf

Mieden zurückblicken. Zu diesem

Jubiläum gratulierte ihm

Werkstattleiter Alfred Schmitz am 1.

Oktober. Rolf Mieden begann

bereits 1976 im damaligen

Provisorium der Werkstatt. Die offizielle

Ehrung des 44-Jährigen, bei

der ihm die goldene Nadel des

Deutschen Caritasverbandes übergeben

wird, erfolgt im feierlichen

Rahmen bei der diesjährigen

Weihnachtsfeier. Bei dieser

Gelegenheit wird auch den anderen

Werkstattleiter Alfred Schmitz

gratulierte Rolf Mieden

Jubilaren gratuliert, die in diesem

Jahr auf 10, 15 oder 20 Jahre in

den Caritas Werkstätten zurückblicken

können.

Ellen Coltro

Wir trauern um

Bruno Mohrs

*17.02.1930 † 15.08.2000

Werkstatt Cochem

Erich Lips

*09.02.1959 † 21.09.2000

Werkstatt Mayen

Renate Dann

*09.02.1958 † 17.03.2001

Werkstatt Cochem

Rita Harst

*26.01.1960 † 13.04.2001

Werkstatt Sinzig

Siegfried Benden

*22.03.1944 † 13.10.2001

Werkstatt Sinzig

Lesenswert

RATGEBER NIMMT SGB

UNTER DIE LUPE

Welche medizinische Rehabilitation

steht mir bzw. meiner Tochter zu?

Welche Pflegeleistungen werden

mir bewilligt? Habe ich Anrecht auf

einen Schwerbeschädigtenausweis,

und wo muss ich den Antrag

stellen? Bekomme ich Eingliederungshilfe,

und habe ich in der

Werkstatt für behinderte Menschen

das Recht, an Veränderungen mitzuwirken?

Solche und viele andere

Fragen werden zumindest ansatzweise

im neuen „Ratgeber für

behinderte Menschen“ geklärt. Der

zuletzt 1997 vom Bundesministerium

für Arbeit und Sozialordnung

herausgegebene Leitfaden wurde

nach dem In-Kraft-Treten des

neuen Sozialgesetzbuch IX stark

überarbeitet. Brachte es der alte

Ratgeber auf gerade einmal 264

Seiten, überzeugt der neue (Stand

Juli 2001) mit 416 Seiten und einer

geballten Ladung an Informationen

und Rechtsgrundlagen.

Der Aufbau des Buches erweist

sich als sehr informativ. Zunächst

wird der Begriff des Behindertseins

im rechtlichen Sinne definiert.

Daran schließen sich ausführliche

Erörterungen der aktuellen Schlagwörter

an. Dazu gehören beispielsweise

Leistungen zur Teilhabe

durch die Kostenträger, soziale

Pflegeversicherung, steuerliche

Erleichterungen und viele praktische

Tipps. Wichtige Gesetzestexte

sind entweder ganz oder auszugsweise

aufgeführt. Insgesamt

werden Teile der SGB I, III, V, VI, VII,

VIII, IX und X besprochen.

Einen besonders großen Raum

nimmt das SGB IX ein. So werden

neben anderen Bestimmungen alle

Änderungen in der Werkstättenverordnung

und die neue, wenn

auch umstrittene Werkstätten-Mitwirkungsverordnung

für die Beschäftigten

in allen Punkten ausführlich

vorgestellt. Dieser Ratgeber

ist ein echtes Muss für jeden

Haushalt, in dem behinderte Menschen

leben.

Werner von Wassenberg

Der „Ratgeber für behinderte

Menschen“ kann kostenlos beim

Bundesministerium für Arbeit und

Sozialordnung, Referat Publikation,

Postfach 500, 53105 Bonn,

oder unter www.bma.de angefordert

werden.

JOURNAL {26}


Ungebrochene

Phantomania

EINTRITTSKARTEN ZU

GEWINNEN

Koblenz. Die Phantomania geht

wieder um und kommt jetzt mit

einer ungeheuren Mischung aus

Gefühl und Geheimnis, Schatten

und Licht nach Koblenz: Am 26.

EIFELTOUR

EIFELTOUR

Eine Liebe zwischen Schatten und Licht - mit internationaler Besetzung

und in deutscher Sprache.

Ein Musical der großen Gefühle:

das „Phantom der Oper“

Dezember 2001 wird in der

Koblenzer Rhein-Mosel-Halle der

Musical-Thriller „Phantom der

Oper“ in deutscher Sprache aufgeführt.

Das Musical von Karlheinz

Freynik und Ingfried Hoffmann

wurde ursprünglich für den amerikanischen

Markt geschrieben. Im

Herbst 1996 ging es als neuste

Produktion von Karl-

Heinz Stracke auf Europatournee

– und das mit

einem überragendem

Erfolg. „Phantom der

Oper“ wurde in weniger

als vier Jahren mehr als

1.000-mal gezeigt. Wegen

seiner besonderen

Leistungen bereits mehrfach

ausgezeichnet

wurde Musikproduzent

Ingfried Hoffmann. Er ist unter

anderem der musikalische Leiter

der deutschen „Sesamstraße“.

MACHEN SIE MIT!

Sie haben für den zweiten Weihnachtstag

noch keine Pläne gemacht?

Wie wär's denn damit, sich

einmal der Phantomania hinzugeben?

Sie können mit Ihrem Partner

das Musical „Phantom der Oper“ in

Koblenz live erleben. Die JOURNAL-

Redaktion verlost zwei Eintrittskarten

für die Aufführung am 26.

Dezember.

Hier die Preisfrage: Mit welcher

deutschen Fernsehserie machte

sich der Musikproduzent des Phantoms

einen Namen? Mit Ihrer Antwort

sind Sie schon in der engeren

Wahl! Schreiben Sie an das JOUR-

NAL, Caritas Werkstätten, Hauptverwaltung,

Ludwig-Erhard-Straße 17,

56727 Mayen oder hauptverwaltung@cwfb.de,

Stichwort Phantom.

Einsendeschluss ist der 12. Dezember

2001.

{27} JOURNAL


EIFELTOUR

EIFELTOUR

Integration durch Kunst

Polch. Es waren alles Unikate –

und jedes auf seine Weise etwas

ganz Besonderes. Rund 20 Gemälde

waren vom 16. Oktober bis zum

9. November in der Kundenhalle

der Polcher Kreissparkasse zu

sehen. Die Caritas Werkstatt St.

Stephan stellte dort unter dem

Motto „Integration durch Kunst“

aus. Die Werke entstanden im Rahmen

der arbeitsbegleitenden Maßnahmen

von den behinderten Menschen

der Caritas Werkstatt.

Die Teilnehmer des Projektes „Integration durch Kunst“

stellten ihre Werke aus.

Haben Sie erkannt, wer sich 1988

als Weihnachtsmann getarnt hat?

WER KENNT WEN?

Richtig, es war Hans Kaes, Gruppenleiter

in Mayen. Mit auf dem Bild sind Helga

Göderz (v.li.n.re.), Diplom Pädagogin im

Service- und Logistikzentrum, Heike

Klinge, ehemals Sportlehrerin Mayen, und

Toni Diederich, Leiter des Service- und

Logistikzentrum.

JOURNAL {28}


Harlem Gospel Singers

in Koblenz

Ihr Name steht für Authentizität

und für ein unnachahmliches

Original: Die Harlem Gospel

Singers gastieren jetzt in Koblenz.

Sie bringen ihre Botschaft am 29.

Dezember um 20 Uhr in die Rhein-

Mosel-Halle. Und mit ihnen kommen

auch ein ganz besonderes

Lebensgefühl, eine bestimmte

Sprache und spezielle Rhythmen.

Denn die Harlem Gospel Singers

begeistern mit einem musikalischen

Crossover, das wesentlich

beeinflusst wird von den Entwicklungen

der neueren Gospelgeschichte.

Die Harlem Gospel

Singers wurden bereits mehrmals

von Johannes Paul II. zu

Auftritten im Vatikan eingeladen

und gaben bereits

ein Konzert für den

Präsidenten der Vereinigten

Staaten.

EIFELTOUR

EIFELTOUR

{29} JOURNAL


IN FORM

IN FORM

Sicherheit zwischen

Musterbau und

Montage

Sie sind bunt lackiert und aus Holz gefertigt: Schaukelpferde und Lastwagen,

Bauklötze und Eisenbahnen werden meist mit Werkstätten für behinderte Menschen

in Verbindung gebracht. Doch der Alltag dort sieht inzwischen industrieller aus -

zumindest in den Caritas Werkstätten Mayen, Cochem, Sinzig und Polch. Und der

erfordert ein großes Maß an Arbeitssicherheit.

FERTIGUNGSVIELFALT

STELLT HOHE ANSPRÜCHE

AN ARBEITSSICHERHEIT

Mayen. In den Caritas Werkstätten

werden in der Holzverarbeitung

Fertigungsmethoden angewendet,

die den Forderungen der Industrie

sowohl an Qualität als auch an

Quantität gerecht werden. Um das

leisten zu können, sind eine entsprechende

Ausstattung und Qualifikation

der Mitarbeiter und der

Werkstattbeschäftigten notwendig.

Hierzu gehören besonders die Arbeitssicherheit

und der Gesundheitsschutz.

Die Vielfalt der Tätigkeiten

erfordert umfangreiche

Kenntnisse im Bereich der Arbeitsorganisation.

Unfallgefahren sind

bislang nicht selten durch eine

geeignete Ablaufgestaltung vermieden

oder stark vermindert worden.

Die Gefährdungen an den großen

Maschinen - wie Kreissäge, meterlange

Bandschleif- und Bandsägemaschine

sowie Fräsen - lässt sich

auch für Laien gut nachvollziehen.

Hier sind entsprechende Schulungen,

Einweisungen sowie Schutzeinrichtungen

an den Maschinen

und natürlich der richtige Umgang

damit wichtige Bestandteile der

kontinuierlichen Qualifizierungsmaßnahmen.

Durchgeführt werden

sie von umfassend ausgebildeten

Fachkräften.

Nicht ungefährlich: die industrielle Holzverarbeitung

Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:

In der Holzverarbeitung

werden Tag für Tag Tausende von

Nägeln mit mobilen Druckluftnaglern

geschossen. Und diese

Nägel können starke Verletzungen

verursachen. Solche Nagler haben,

je nach Größe der bis zu neun

Zentimeter langen Nägel, ebenfalls

Schutzeinrichtungen. Sie verhindern

ein unbeabsichtigtes Auslösen.

Diese Schutzeinrichtungen

sind aber auch auf ein entsprechendes

Handling des Naglers

abgestimmt. So müssen diese

JOURNAL {30}


Große Maschinen, große Gefahren: Schulungen, Einweisungen und

Schutzvorrichtungen sind ein Muss

Nagler in der Regel an einer so

genannten Balance aufgehangen

sein. Sie haben die Aufgabe, bei

einem akzeptabel eingeschränktem

Aktionsradius die mehrere Kilogramm

schweren Nagler mit Hilfe

eines Gegengewichtes leichthändig

über die Holzteile zu führen.

Deshalb ist in den Caritas Werkstätten

der Einsatz solcher Balancen

bereits Standard. Ein falsches

Ablegen, beispielsweise auf

den Boden, könnte unter ungünstigen

Umständen zu einem Auslösen

mit entsprechenden Verletzungen

führen.

Um solchen Gefahrenpotentialen

zu begegnen sind die Unterweisungen

über mögliche Gefährdungen

und die sichere Handhabung

notwendig.

Frank Schmitt

IN FORM

IN FORM

Wird der Nagler nicht eingesetzt,

gleitet er an einem Seilzug über

Kopfhöhe und lässt die Hände sowie

Ablageflächen frei.

Mit mobilen Druckluftnaglern werden Tag für

Tag Tausende von Nägeln geschossen.

Aufgehangen: Die Nagler sind an einer Balance befestigt, damit die schweren

Maschinen ohne Kraftaufwand über die Holzteile geführt werden können

{31}

JOURNAL


Kreissparkasse Mayen

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