Vortrag - Schnittstellenkonferenzen Sport- und Jugendhilfe

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Vortrag - Schnittstellenkonferenzen Sport- und Jugendhilfe

Engagement in Sport und Jugendhilfe

Persönliche Motivationen und gesellschaftliche Anforderungen

Dritte Schnittstellen-Konferenz Sport(pädagogik) – Jugendhilfe

im Rahmen des Nationalen Jahres der Jugendarbeit im Sport

Potsdam

24. November 2004

Prof. Dr. Sebastian Braun

Universität Paderborn

Department Sport & Gesundheit

Arbeitsbereich Sport & Gesellschaft

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft

LEITENDE THESEN

(1)

Die (Weiter-)Entwicklung von Kompetenzen

als individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Dispositionen

bildet ein zentrales Motiv zu Engagement und Partizipation des

„Neuen Ehrenamts“ und somit insbesondere

von Jugendlichen und Heranwachsenden

in (Sport-)Vereinen!

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft


(2)

Diese Motivkonstellation zu Engagement und Partizipation

korrespondiert mit einem der zentralen gesellschaftspolitischen

Themen:

dem „lebenslagen Lernen“

und der

„außerschulichen Kompetenzentwicklung“!

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft

LEITENDE FRAGESTELLUNGEN

- Welche organisationalen Gelegenheitsstrukturen können

Sportvereine bieten, damit Engagement und Partizipation im Sportverein

zur Kompetenzentwicklung bei Kindern und Jugendlichen beitragen

können?

- Welche organisationalen Rahmenbedingungen sind dazu

erforderlich?

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft


Was Sie erwartet

1. Bürgerkompetenz und Sozialkapital

Zwei zentrale Diskussionslinien über die Kompetenzentwicklung

von Mitgliedern in (Sport-)Vereinen

2. Warum gerade (Sport-)Vereine?

Gelegenheitsstrukturen zur (Weiter-)Entwicklung von

bürgerschaftlicher Kompetenz und Sozialkapital in (Sport-)Vereinen

3. Fazit

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft

1.

„Bürgerkompetenz“ und „Sozialkapital“

Zwei zentrale Diskussionslinien über die Kompetenzentwicklung

von Mitgliedern in (Sport-)Vereinen

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft


Der „kompetente Bürger“ als aussterbende Spezies

in einer Gesellschaft der „Ichlinge“?

„Jedes Jahr nimmt der Tod der amerikanischen

Gesellschaft wieder eine Zahl engagierter

Bürger weg, und die werden ersetzt durch

wesentlich weniger engagierte Menschen. […]

Wenn wir also nicht bald etwas tun, dann wird

das Problem immer schlimmer werden“

(Robert Putnam)

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Die Suche nach dem „Homo democraticus“

in einer modernen „Bürgergesellschaft“

• Vereine als „Schulen der Demokratie“, in denen das „Einmaleins

demokratischen Handelns“ bzw. „Bürgerkompetenz“ erlernt werde

• Vereine als Verbindungsglied zwischen dem verselbstständigten

politischen System und der alltäglichen Nahraum-Demokratie

• Vereine als überschaubare Interaktionsräume, in denen sich

Vertrauen zwischen den Mitgliedern herausbilde

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft


2.

Warum gerade (Sport-)Vereine?

Gelegenheitsstrukturen zur (Weiter-)Entwicklung von

bürgerschaftlicher Kompetenz und Sozialkapital in (Sport-)Vereinen

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Kompetenzentwicklung

im Prozess der Selbstorganisation

a) (Sport-)Vereine als „Radiatoren“

kognitiv-prozeduraler Bürgerkompetenz

im Sinne generalisierter Interventionsfähigkeit

b) (Sport-)Vereine als „Treibhäuser“

habitueller Bürgerkompetenz

im Sinne uneingennützigen Handelns für Gemeinschaften

c) (Sport-)Vereine als „Generatoren“ von

Sozialkapital

im Sinne generalisierten Vertrauens

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft


3.

Fazit

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Sportvereine -

die unangefochtene Nr. 1 unter den Jugendorganisationen,

an die sich die Jugendlichen längerfristig binden!

60% Vereinsmitglieder in der 6. Klasse

43% Vereinsmitglieder in der 12. Klasse

18% der Heranwachsenden haben keine

Sportvereinserfahrungen

Fazit: längerfristige Mitgliedschaften

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Fluktuationsverhalten

zwischen 12 und 16 Jahren

Bruttoverlust: ca. 37%

Nettoverlust: ca. 19%

Fazit: Die Verluste durch Austritte

werden zur Hälfte durch Beitritte

kompensiert

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Altersrelative Mitgliedschaftsdauer

gesamt

37.25

Geschlecht

Männer

Frauen

Alter

15 – 19 Jahre

20 – 29 Jahre

30 – 49 Jahre

50 – 69 Jahre

40.44

31.86

43.00

39.43

34.64

37.33

t (1 322) = 6.91, p < .001, d = 0.35

F (3, N = 1 612) = 7.02, p < .001, η 2 = .013

Altersrelative Mitgliedschaftsdauer in Prozent des Lebensalters (gewichtete Mitgliederstichprobe).

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft


Erste leitende Fragestellung

Welche organisationalen Gelegenheitsstrukturen können

Sportvereine bieten, damit Engagement und Partizipation im Sportverein

zur Kompetenzentwicklung in kognitiver, prozeduraler, sozialer und

affektiv-habitueller Hinsicht bei Kindern und Jugendlichen beitragen

können?

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft

Im Vergleich zu anderen Organisationsformen können

(Sport-)Vereine aufgrund auf ihrer

Strukturbesonderheiten prinzipiell besonderen günstige

Gelegenheitsstrukturen bieten!

(1) Freiwilligkeit der Mitgliedschaft

(2) Orientierung der Organisationsziele an den Mitgliederinteressen

(3) demokratische Entscheidungsstrukturen

(4) freiwilliges Engagement

(5) Autonomie

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Zweite leitende Fragestellung

- Welche organisationalen Rahmenbedingungen sind im Sportverein

erforderlich, damit Engagement und Partizipation zur Entwicklung

bürgerschaftlicher Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen

beitragen können?

Prof. Dr. Sebastian Braun ● Universität Paderborn ● Department Sport & Gesundheit ● Sport & Gesellschaft

Voraussetzungen:

Praktizierung der zivilgesellschaftlichen Prinzipien

• Verständigung auf der Grundlage geteilter Werte

• Transparenz der Interessen

• Offenheit der Themen und Verfahren

• Partizipation als Möglichkeit zum Ausdruck des Status- und

Rollenanspruchs engagierter Jugendlicher und

Heranwachsender

• Kooperation zwischen freiwillig Engagierten und

Hauptamtlichen

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