tadt gespräche - Stadtgespräche Rostock

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TITELTHEMA: PRAXIS „Den eigenen Umgang mit Geld neu bewerten“ BeRATung und GELD als Werte unserer Zeit. Überlegungen aus Sicht der Einkommens- und Budgetberatung (eibe e.V.) Rostock Immer mehr Haushalte in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern geraten in die sogenannte „Schuldenfalle“ - diese Meldung und auch entsprechende Zahlen kennen wir seit Jahren aus den Medien. Für viele eine abstrakte Zahl, ein eher theoretisches Problem. Falsch, mein Bettina Sobkowiak von der Rostocker Einkommensund Budgetberatung eibe e.V. - es kann fast jeden von uns treffen und ist mit der einfachen Suche nach „Schuld“ nicht zu erfassen. Und es gibt sehr unterschiedliche Formen des Umgangs mit dem Problem ... Dr. phil. Bettina Sobkowiak Diplom-Philosophin, arbeitet derzeit als Schuldner-Insolvenzberaterin InsO § 305, Supervisorin DGSv und Organisationsberaterin. Sie ist Leiterin der Einkommens- und Budgetberatung e.V. und ehrenamtliche Vorsitzende des Landesfrauenrates MV. Kontakt über: redaktion@stadtgespraeche-rostock.de Im allgemeinen Sprachgebrauch finden sich viele Sprichwörter und Redewendungen zum Thema: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“, „Geld regiert die Welt.“ oder „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Beispielsweise. Die Komplexität der Thematik zu reduzieren, scheint von Anfang an ein unmögliches Unterfangen. Deshalb konzentriere ich mich auf einige Anregungen zur Diskussion. Wann können wir in der Schuldner- und Insolvenzberatung von einer erfolgreichen Beratung sprechen? Welcher Maßstab kann für die Bewertung gewählt werden? Muss es eine bestimmte Anzahl von bearbeiteten Fällen sein? Ist es die Anzahl von Verbraucherinsolvenzanträgen, die Summe der Spenden auf dem Vereinskonto? Oder sind es zufriedene Ratsuchende? Was ist überhaupt ein zufriedener Ratsuchender? Ist das einer, der beim ersten Ansturm auf die Beratungsstelle große Plastiktüten mit Unterlagen abgeben kann und dann erleichtert das Weite sucht? Oder ist das ein Ratsuchender, der im „Schweiße seines Angesichtes“ mit Hilfe der Beratungsstelle über mehrere Jahre seine Schulden reguliert? Oder einer, der schnellstens ins Verbraucherinsolvenzverfahren kommt? Den Wert einer Beratung zu bestimmen, ist schwierig. Es scheint verlockend, alles beim Berater abzugeben und der „macht“ das dann. Deshalb nutzen selbst Ratsuchende, die kein ausreichendes Einkommen haben, kommerzielle Beratungsstellen. Sie scheinen hier das Gefühl zu haben, eine Dienstleistung zu bezahlen und sich selbst zurücklehnen zu können - leider in der Regel nicht sehr lange. Andererseits bekommt ein Ratsuchender in geförderten Schuldnerberatungsstellen kostenfreie Unterstützung, also warum hier etwas ausgeben, wenn man auch so Hilfe bekommt? Die Ansichten, wieviel Beratung wert ist und wann eine Beratung erfolgreich ist, gehen weit auseinander. Das reicht von regelmäßigen Spenden, über gelegentliche Kleinstspenden bis hin zum Eben-gar-nichts-Geben. Nach unserer Erfahrung besteht ein Zusammenhang zwischen der aktiven Einbeziehung des Ratsuchenden und der Bereitschaft, zum Erhalt der Beratungsstelle (in unterschiedlichster Form) beizutragen. Zum Beginn der Beratung fühlen sich viele Ratsuchende als Versager „entwertet“, vom wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen wächst mit der finanziellen Stabilität ihrer Haushalte und den neu entdeckten Handlungsspielräumen. Es erhöht sich mit jedem Kompetenzzuwachs im Rahmen der Schuldensanierung. Oft sind es kleine eigene Aktivitäten. Wenn der Ratsuchende mit einer Bank oder mit mehreren Banken verhandelt, um wieder ein eigenes Konto zu bekommen, festigt und steigert jeder erfolgreiche Schritt sein Selbstbewußtsein. Gleichzeitig kann er wieder unter eigenem Namen und „Adresse“ am wirtschaftlichen Leben teilhaben. 18

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