Schalom - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

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Schalom - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

Schalom

39. Jahrgang · Nr. 2/3 · September 2006

ZEITSCHRIFT DER ÖSTERREICHISCH-ISRAELISCHEN GESELLSCHAFT

Der Hadassah-Einsatz

im Israel-Hisbollah-

Konflikt Seite 5

Sommergespräch –

Susi Shaked

im Interview mit

Hella Pick Seite 6

Der israelische

Einsatz im Libanon

Seite 8

Raketen auf

Nes Ammim –

Zwölfter Tag im

Katjuschaland Seite 14

50 Jahre –

Österreich-Israel

Seite 17

SPME Austria –

Als ginge es um die

Existenz Seite 18

Chava Gurion

Recht und

Unverhältnismäßigkeit


Schalom

EDITORIAL

VON RICHARD SCHMITZ

Nun ist es da, das neue Schalom. Und ist doch ganz anders ausgefallen, als

wir es uns noch vor drei Monaten vorgestellt haben. Der Krieg und der

umstrittene Waffenstillstand haben die Situation grundlegend geändert. Auch in

dieser schwierigen Zeit ist es Aufgabe unserer Gesellschaft

zu unseren Freunden in Israel zu stehen und das Verständnis für die existenzbedrohte

Lage dieses Vorpostens der westlichen Demokratie und

Marktwirtschaft zu wecken.

Gleichzeitig gilt es auch auf den neuen Antisemitismus in

unserem Land hinzuweisen, der unter dem Deckmantel einer falsch verstandenen

Neutralität wieder aufflammt.

Mag. Eva Mühlhofer-Gurion nimmt in ihrem Artikel zu jener Verhältnismäßigkeit

Stellung, die die österreichischen Medien anwenden.

Einen Einblick in die grauenhaften Zustände in Nes Ammim, einem

europäischen Friedensdorf in Galiläa, gewährt uns Sebastian. Sie werden bei

vielen älteren Österreichern die Erinnerung an die letzten Tage des

Zweiten Weltkriegs wieder wachrufen. Hochinteressant ist auch der Brief des

ehemaligen Vorsitzenden der Knesset, Dov Ben-Meir, der vor allem auf die

Konsequenzen für die gesamte westliche Welt hinweist. Israels

Botschafter in Wien, Dan Ashbel, fasst die Lage aus Sicht des israelischen Staates

zusammen. Sehr informativ sind auch die Ausführungen von Dan Diner, die wir

dem „Standard“ entnommen haben. Susi Shaked hat in Altaussee ein

Sommergespräch mit Hella Pick und Prof. Silvio Yeshuah geführt.

Aus dem ZENIT haben wir die Stellungnahme des Vatikans

zur UNO-Resolution 1701 entnommen. Selbstverständlich darf in unserer

Zeitschrift der Spendenaufruf der Hadassah Austria nicht fehlen.

Unser Präsidiumsmitglied Susi Shaked wurde

vom Sozialministerium als „Freiwillige des Jahres 2006“ ausgezeichnet,

unter anderem für das erfolgreiche Peace Camp im Waldviertel. Darüber werden

wir ausführlich in unserer nächsten Ausgabe berichten.

Auch ein Protestbrief einer Kärntner Aktivistin zeigt, wie sehr unsere Mitglieder

am Geschehen in Israel und an der Berichterstattung in den

österreichischen Printmedien Anteil nehmen.

Ein fundierter Beitrag von Mag. Mühlhofer-Gurion legt die Grundlagen der

Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet dar.

Ein soeben erschienenes Buch über die österreichische Einwanderung nach Israel

empfehlen wir unseren Lesern.

Ein kleiner Rückblick auf unsere Veranstaltung im Jüdischen Museum der Stadt

Wien weist auf die Aktivität des Dialogforums für Israel und der ÖIG hin.

Mit großer Freude hat uns die Nachricht erfüllt,

dass Gideon Eckhaus, unser Freund aus der Israelisch-Österreichischen

Gesellschaft Tel Aviv, geehrt wurde.

2

Schalom


Liebe Freunde

und Mitglieder

der ÖIG

Ich freue mich beim neuen

Schalom" in seinem neuen

Gewand mitzumachen. Ich

möchte auch diese Gelegenheit

benützen, um dem neu gewählten

Präsidium viel Erfolg zu

wünschen.

Seit der gründenden Generalversammlung

der Gesellschaft

am 16. Juli 1963 sind schon

mehr als 43 Jahre vergangen.

Es ist interessant und lehrreich,

auch heute, die Aufgaben und

Ziele der Gesellschaft zu studieren

und dabei festzustellen,

dass sie an Aktualität nichts

verloren haben. Die ÖIG sei

eine Sammlung von Österreichern

und Österreicherinnen,

die ihr positives Verhältnis zum

– nicht mehr so – jungen Staat

Israel und zu seiner Bevölkerung

dokumentieren wollten.

Die Auseinandersetzung mit

dem Antisemitismus und die

Bestrebungen zu seiner Überwindung

waren und sind ein

ständiges Thema der Aktivitäten

der Gesellschaft. Sie war

immer offen für alle, die bereit

waren, an der Aussöhnung und

Verständigung zwischen den

Juden und den Angehörigen

anderer Glaubensgemeinschaften

mitzuwirken, um so auch an

der allgemeinen menschlichen

Verständigung über Grenzen,

Weltanschauungen und soziale

Herkunft ihren Teil beizutragen.

Es ist fast unglaublich, dass

diese Sätze schon vor mehr als

vier Jahrzehnten geschrieben

worden sind. Es gibt auch

Gründe darüber nachzudenken,

warum diese Aussagen noch

immer aktuell sind. Obwohl

Israel in dieser Zeit vieles

unternommen hat, um in Frieden

mit seinen Nachbarn zu

leben, befinden wir uns, im Jahr

2006, vor einer Realität, in der

es noch immer oder wieder

Staatschefs gibt, die laut über

ihren Willen, den Staat Israel

von der Weltkarte auszuradieren,

reden. Wichtig ist es wahrzunehmen,

dass sie nicht nur

reden, sondern sich auch darauf

vorbereiten, diese Ziele zu verwirklichen.

Mehr als über die

Aussagen des iranischen Präsidenten

oder des palästinensischen

Ministerpräsidenten

muss die Weltöffentlichkeit

beachten, dass kein arabisches

oder moslemisches Land sich

gegen diese Äußerungen

gestellt hat. Das ist der Boden,

auf dem terroristische Organisationen

wie die Hamas oder

die Hizbollah, gedeihen können.

Die vergangenen Wochen

haben auch demonstriert, wie

gefährlich die Gleichgültigkeit

der internationalen Staatengemeinschaft

ist. Hat doch Israel

jahrelang vor der Gefahr der

Hisbollah gewarnt. Haben wir

doch versucht zu überzeugen,

dass die Entwaffnung aller

Milizen im Libanon lebenswichtig

für diesen Staat ist.

Unsere Warnungen wurden, im

besten Fall, ignoriert. Als diese

Zeitbombe explodierte, und

tausende Raketen auf Israel

geschossen wurden, hat man

über eine „unangemessene“

Reaktion Israels gesprochen.

Auch hier in Österreich wurde

von einer „israelischen Offensive

im Libanon“ berichtet. Was

in den lezten Wochen entlang

der Grenze zwischen Israel und

dem Libanon geschehen ist,

muss eine Warnung sein für

alle, denen der Frieden im

Nahen Osten und die Existenz

des Staates Israel am Herzen

liegen. Niemand, besonders

nicht die Freunde Israels, darf

sich das Schweigen leisten,

wenn totalitäre Regime – in der

arabischen Welt oder woanders

– zur Vernichtung eines Staates

aufrufen.

Ich könnte es nicht besser

sagen als es der Präsident

der ÖIG, Vizebürgermeister

Dr. Sepp Rieder, in seinem letzten

Brief geschrieben hat, „Die

Österreichisch-Israelische Gesellschaft

hat sich zur Freundschaft

zum Staat Israel und seinen

Bürgern verpflichtet – und

sie sieht dringenden Handlungsbedarf!

... Besonders die

vertiefte Information und Sympathiewerbung

in Österreich ist

dringend vonnöten!“

Ich hoffe, dass wir gemeinsam

die alten und bewährten

Aufgaben und Ziele der ÖIG

erfüllen und erreichen werden

und verbleibe

mit besten Wünschen

Ihr

Dan Ashbel

Botschafter des Staates Israel

in Österreich

Schalom

3


Recht und

Historikerin,

Unverhältnismäßi

Israel und die österreichische Rezeption des

Nahostkonfliktes im Juli 2006

Manchmal wäre es vielleicht

klüger, nicht im Recht zu sein.

Jedenfalls ist es sinnlos, das europäische,

insbesondere das österreichische,

Verständnis für Israels

Militäroperationen im Libanon

fördern zu wollen, indem man

Europäern, ja Österreichern, die

phantasievolle Vorstellung abverlangt,

sie wären in einem Konflikt

mit einem Nachbarstaat täglich

selbst betroffen. Das heutige

Österreich hat aus seiner nicht

immer rühmlichen Geschichte

gelernt, viele anerkannte Friedensvermittler

und eine Menge

Friedensbewegter hervorgebracht,

ist ein über jeden Verdacht

erhabener Rechtsstaat, eine untadelige

Demokratie westlicher

Prägung und christlicher Werte,

eingebettet in die Friedens- und

Wohlstandsfestung der Europäischen

Union. Die Vorstellung von

über Jahre zu erduldendem Raketenbeschuss

eines feindlichen

Nachbarn auf Zwettl, Illmitz, Ferlach

oder Schruns, die Vorstellung

von eigenen Verletzten,

Getöteten, zerstörten Häusern,

das ist der österreichischen Friedensseele

zu abstrakt, unzumutbar.

Nicht zu reden von jener,

irgendeine politische Gruppierung

wollte – unterstützt von

anderen Staaten in der näheren

Region – den Staat Österreich

„von der Landkarte tilgen“ und

ganz für sich beanspruchen.

Die Insel der Seeligen

Hier lebt man in einem Land,

in dem Nachbarschaftskonflikte

in mehrsprachigen Ortstafeln, in

Lärmbelästigung durch Schanigärten

oder Stereoanlagen und

der Hundekot auf Gehsteigen ihre

Höhepunkte finden und auch der

Rechtsstaat die Unverhältnismäßigkeit

der Gegenwehr verhältnismäßig

strenger bestraft als die

Attacke oder die Provokation

selbst. Die Aufnahmefähigkeit für

komplexere Konflikte muss hier

in diesem glücklichen, unbedrohten,

gerechten und auch ziemlich

selbstgerechten Land als verhältnismäßig

gering bezeichnet werden

und scheitert meist auch an

emotionalen Hürden. Selbstverständlich

hat man dem Antisemitismus

als größtes Pfui dieser

Geschichte von offizieller Seite

her längst abgeschworen. Selbst

der latente Antisemitismus hat,

unter Zurechtbiegen statistischer

Werte aus Meinungsumfragen, in

den letzten Jahren doch abgenommen.

Gut, dass es Israel gibt, den

Ahasver-Bock der internationalen

Staatengemeinde, dessen Politik

man bequem von jedem Wohnzimmersessel

aus kritisieren darf,

ohne den Nachweis wenigstens

allgemeinen Grundwissens über

die Nahostregion erbringen zu

müssen. Alle Versuche, die israelische

Position erklären und vermitteln

zu wollen, sind sinnlos.

Egal wie Israel handelt, in den

Augen der großen Mehrheit der

Weltöffentlichkeit ist es ist immer

das Falsche.

Unverhältnismäßigkeit in der

Berichterstattung

Mitverantwortlich für die antiisraelische

Stimmungslage hier

ist aber die Unverhältnismäßigkeit

in der österreichischen

Berichterstattung, besonders in

den Informationssendungen des

ORF, aber auch in einigen Tageszeitungen.

In Österreich, Jahrzehnte

lang aufgebaut im politischen

Klima der Geschichtsklitterung

und erst gegen Ende des 20.

Jahrhunderts davon wenigstens

offiziell genesen, kann man nach

erfolgter Entschuldigung endlich

wieder die Sau gegen Israel heraus

lassen. Diese Haltung ist verhältnismäßig

risikoarm, ist doch

die jüdische Gemeinde in Österreich

eine winzige Minderheit,

und sind doch auch die wenigen,

sich mit Israel solidarisch erklärenden,

kleinen Gruppen österreichischer

„Gutmenschen“, die sich

auch aus aktuellem Anlass nicht

zum Antisemitismus zurück

bekehren lassen, weder gesellschaftlich

noch politisch ein

beachtlicher Faktor.

Die sich in den Hirnen festsetzende

Hauptbotschaft wird von

versiertem Journalismus heute

nahezu ausschließlich über Bilder

und Schlagzeilen transportiert.

Wer die Gelegenheit nützte,

schon von Beginn an die Informationssendungen

der deutschen

Kanäle über den Libanonkonflikt

mit jenen des ORF zu vergleichen,

glaubte sich in zwei völlig

divergierte Realitäten versetzt.

In Deutschen Fernsehen zeigte

man Zerstörungen im Libanon

wie im Norden Israels, Angriffe

der israelischen Armee wie jene

der Hisbollah und deren Treffer

im Norden Israels und Haifa,

brachte ausführliche Interviews

mit libanesischen wie israelischen

zivilen Überlebenden, zeigte

libanesische Flüchtlinge aus

dem Süden wie israelische aus

dem Norden– alles in ziemlicher

Ausgewogenheit des Entsetzens.

Hier zeigte man nur Zerstörungen

im Libanon, die Stereotype

der wehklagenden Muslimfrau im

Tschador vor den Trümmern

eines Wohnhauses, des verletzten

muslimischen Kindes, des libanesischen

Geschäftsmannes vor seiner

zerstörten Existenz, eindrucksvolle

Bilder der Opfer der

„israelischen Aggression". Für

die Raketentreffer und Toten auf

israelischer Seite war da in den

ersten beiden Wochen nur mehr

Platz in Form einer kurzen

Erwähnung.

Anfangs einseitig auch die

Printmedien

Die österreichischen Printmedien

folgten zunächst diesem

asymmetrischen Schema, dem

sich nicht einmal die so genannten

Qualitätszeitungen entzogen. Erst

nach NEWS (Nr. 29 und 30), das

auch Hisbollah-Aggression und

Zerstörungen in Israel in Bildern

zeigte, fühlte sich die Tagespresse

mehr oder weniger bemüßigt,

auch diese Seite des Krieges

etwas näher zu beleuchten. Der

ORF passte sich zögerlich dem

„Objektivierungstrend“ an – so

knapp wie möglich, so ausführlich

wie nötig, ohne bis heute tatsächlich

Ausgewogenheit zu bringen.

Bevor diese Milderung der

Asymmetrie jedoch eine Chance

auf Wahrnehmung hatte, passierte

der israelischen Airforce – zum

großen Leid der Betroffenen, zum

„Glück“ aller Israelgegner – der

Bombentreffer auf den unbewaffneten

UN-Beobachtungsposten

im Südlibanon, nahe an der israelischen

Grenze, und kostete vier

UN-Soldaten das Leben, wobei

eines der Opfer ein österreichischer

UN-Soldat ist. In Österreich

wurde die Empörung über den

Vorfall weidlich dazu genützt,

endlich wieder einmal unreflektierte

Israelkritik abzusondern

4 Schalom


Chava Gurion

Mitglied des Vorstandes der ÖIG

keit

und latenten Antisemitismus

durch Verbalinjurien gegen alle

Juden an die Oberfläche zu

befördern.

Berichterstattung im Wahljahr

Dazu kommt, dass die aktuelle

Nahost-Krise ausgerechnet in ein

österreichisches Wahljahr fällt.

Sie füllt dem Journalismus daher

nicht nur das gefürchtete Sommerloch,

sondern erspart auch

die innerösterreichische Auseinandersetzung

mit ebenso aktuellen,

aber weitaus komplexeren

Themen wie etwa die atomare

Aufrüstung des Iran.

Israel muss sich verteidigen

Wer mit der verhältnismäßig

hohen Verteidigungsbereitschaft

Israels kalkuliert, liegt immer

richtig. Im kleinen Israel auch

den Stellvertreter und Vorposten

der westlichen Demokratie zu

sehen, wie es der islamistische

Fundamentalismus schon längst

tut und daher dessen Vernichtung

anstrebt, ist dem durchschnittlichen

Medienkonsumenten nicht

zumutbar. Zu diesem Aspekt

auch einmal zugunsten Israels

Stellung zu nehmen, ist daher

kein journalistisches Sommerthema

in einem österreichischen

Wahljahr. Denn im Vergleich zur

kleinen jüdischen Gemeinde und

zu den wenigen Israel freundlich

gesinnten Gruppierungen und

Organisationen ist die islamische

Gemeinde in Österreich verhältnismäßig

groß und zumindest

wahlarithmetisch ein zu beachtender

Faktor. Mit deutlicher,

auch unreflektierter und unverhältnismäßiger,

Kritik an Israel

aus manchen politischen Parteien

war also auch aus diesem Grund,

nicht nur dem langzeitigen österreichischen

Mainstream folgend,

heuer zu rechnen.

Schalom

DER HADASSAH-

EINSATZ IM

ISRAEL-HISBOLLAH

KONFLIKT

Seit einiger Zeit schickt das

Hadassah Krankenhaus

von Ein Karem ein rotierendes

Team von medizinischen

Fachkräften jeden Tag in den

israelischen Norden, vor allem

nach Naharia, um der dort in

Bunkern ausharrenden Bevölkerung

zu helfen. In jeder

Ambulanz, die um 6.30 morgens

den Campus von Israels

größtem Krankenhaus verlässt,

sind ein Kinderarzt, ein Psychologe,

ein Sozialarbeiter und ein

Clinic-Clown. In Naharia angekommen

begeben sich die Sozialarbeiter

einmal in das

Gemeindeamt, um das völlig

überlastete Sozialarbeiterpersonal

zu entlasten. Die Ärzte

gehen in die Bunker, um dort

medizinische Hilfe zu geben.

Mehr als fünf Bunker pro Tag

sind kaum möglich, so groß ist

der Bedarf an medizinischer

und vor allem an psychologischer

Hilfe.

Laut Esti Galili, Vorstand der

Kinder und Adoleszenten

Psychiatrischen Abteilung an

der Hadassah Medical Organization,

ist die Situation für die

Menschen, die in den Bunkern

zurückgeblieben sind, extremst

schwierig. „Zurückgeblieben

sind jene Menschen, die weder

die finanziellen noch andere

Mittel hatten, den Norden Israels

zu verlassen, andere kamen

zurück aus Unruhe. Die Situation

in den Bunkern ist äußerst

schwierig, wenn nicht unerträglich.

Die Bunker sind sehr klein,

ohne jegliche Möbel und sicher

ohne Air Condition. In manchen

ist nur eine Familie, meistens

sind zwei bis drei Familien, bis

zu 22 Menschen auf kleinstem

Raum zusammengedrängt. Arabische

und jüdische Familien

sind beisammen auf engem

Raum. Manchmal geht es gut,

manchmal kommt es zu Streitigkeiten.

Wir warten immer die

Raketen-Angriffe ab und laufen

dann in die uns zugeteilten

Bunker.“

Das Team sah ein autistisches

Kind, das sich schon zwei

Wochen in dem Bunker aufhielt.

Auch ein Kind mit hohem

Fieber wurde behandelt, das

sich als ein nervöses Fieber

infolge der Angst und der engen

Situation herausstellte. Die

Menschen in den Bunkern entwickeln

vor allem eine Art

Lagerkoller.

Viele von den Menschen, die

geflüchtet sind und keine Familie

hatten, bei der sie in der

Mitte des Landes unterkommen

konnten, hat Hadassah in den

Kinderdörfern der Hadassah

aufgenommen, ungefähr 600

Kinder und 90 Familien sind in

den Kinderdörfern Hadassah

Neurim und Kfar Szold untergebracht.

Hadassah Ärzte und Krankenschwestern

gehen in die

Spitäler des Nordens, um das

Personal dort zu unterstützen

und zu entlasten, wie in Safed

und in Naharia.

Angehörige der Hadassah-

Spitäler, die aus dem Norden

nach Jerusalem geflüchtet sind,

schlafen in den Schlafsälen des

Hadassah Staff. Die aus dem

Norden geflüchteten Menschen

werden medizinisch von der

Hadassah versorgt und auch das

Rambam Spital in Haifa wird

von der Hadassah unterstützt.

Obwohl viele unserer Ärzte

und unser Pflegepersonal im

Einsatz im Norden des Landes

sind, versucht die Hadassah die

schwierige Situation zu meistern

mit dem besten Service, der

möglich ist.

Die Situation ist äußertst

gespannt und wir bitten um

Unterstützung der Hadassah.

Susi Shaked

Präsidentin der Hadassah

Austria

Spenden Konto: Österreichische

Freunde der Hadassah-Spitäler

BA-CA, BLZ 12.000

Konto Nr. 05210822200

5


SOMMERGESPRÄCH

Susi Shaked (Bildmitte) im Interview mit Hella Pick,

Autorin der Wiesenthal-Biographie und ehemalige

diplomatische Redakteurin beim „The Guardian”,

London, und Prof. Silvio Yeshuah, Prof. emeritus

der Universität Tel Aviv. Dieses Gespräch fand in

Altaussee statt.

Susi Shaked: Frau Pick, Sie

waren lange diplomatische

Redakteurin von „The Guardian“,

haben eine Biographie

über Wiesenthal geschrieben

und sich viel mit Israel und seiner

Politik beschäftigt.

Prof. Yeshuah, Sie als Israeli

und Mann der Literatur, mit vielen

Kontakten in der arabischen

Welt, darf ich Sie beide fragen

wie Sie die Situation in Israel im

Augenblick sehen?

Hella Pick: Ich habe eine sehr

klare Meinung zu dem Konflikt

Israel-Hisbollah. Ministerpräsident

Olmert wollte mit Hamas

nicht verhandeln, solange sie

das Existenzrecht Israels nicht

anerkennt. Sollte die Hamas

aber nicht zustimmen, dann

würde Israel einen einseitigen

Rückzug aus den besetzten

Gebieten ohne Gespräche mit

der Hamas beschließen, und

dabei die größeren jüdischen

Siedlungen im Westjordanland

annektieren. Dieser einseitige

Rückzug der Israelis führt zu

nichts, meiner Meinung nach.

Man muss auf jeden Fall mit seinem

Feind verhandeln. Ein einseitiger

Entschluss des Rückzuges

ohne Einbeziehung des

Feindes kommt mir sinnlos vor.

Susi Shaked: Auch wenn der

Feind ein Fanatiker ist? Es erinnert

an Hitler, mit dem Chamberlain

verhandelte, er hat es

doch versucht, es hat zu nichts

geführt.

Hella Pick: Dies ist eine rhetorische

Frage und der Vergleich

stimmt nicht. Diese Situation

wird sich nie mehr wiederholen.

Susi Shaked: Es handelt sich in

diesem Fall doch auch um

Fanatiker.

Hella Pick: Es gibt aber auch

dieses Gegenargument von Seiten

der Palästinenser, wenn sie

die fanatischen Siedler betrachten.

Verhandlungen mit einem

Freund sind einfach, aber mit

einem Feind schon schwieriger,

das Ziel wäre ein palästinensischer

lebensfähiger Staat.

Silvio Yeshuah: Im Großen und

Ganzen bin ich Ihrer Meinung.

Ich lebe nun schon seit über 65

Jahren in Israel. Ich bedaure,

dass es 1967 den Siedlern

erlaubt wurde, in Gegenden zu

siedeln wie Sebastia in Samaria

nahe bei Nablus. Das hat zu

großen Verwicklungen geführt.

Ich bin auch für Verhandlungen,

aber bis jetzt haben wir keine

zweiseitige Lösung. Um Verhandlungen

zu führen brauchen

sie einen Partner, zumindest

einen Feind, mit dem sie kommunizieren

können.

Hella Pick: Die Verhandlungen

müssen von einer dritten Macht,

also der UNO, den Gegnern aufgedrängt

werden. Sonst kommt

jede Partei mit Vorbedingungen.

Silvio Yeshuah: Das Problem

sind aber nicht nur die Regierungen

sondern auch die Bevölkerungen.

Ich diskutiere dieses

Problem oft mit meinen palästinensischen

Freunden, feinen

kultivierten Menschen und

plötzlich bringen sie die Frage

der Flüchtlinge auf. Nun, das ist

doch kein Thema und völlig

unrealistisch. Nakba, was die

Palästinenser als ihren Holocaust

betrachten, nämlich die

Gründung des Staates Israel und

die damit verbundene Flucht

von vielen Arabern aus Israel

und auch die Vertreibung von

manchen Arabern, also Nakba,

wird oft von gebildeten Arabern

ins Gespräch gebracht.

Hella Pick: Da haben Sie recht.

Auch haben die Araber verhältnismäßig

mehr Kinder als die

Israelis. Im Falle einer Rückkehr

der Flüchtlinge würden mehr

Araber als Juden in Israel leben.

Also niemand sieht die Flüchtlingsfrage

und deren Rückkehr

ins Land als eine realisierbare

Möglichkeit.

Silvio Yeshuah: Ich nehme seit

Jahren an einem israelisch-palästinensischen

Seminar teil. Dabei

habe ich sehr viel Einsichten

gewonnen und die Seite der Araber

kennen gelernt, aber es gibt

Dinge, die man nun einmal mit

ihnen nicht diskutieren kann.

Auf eine gewissse Weise hat dieser

Konflikt auch unser persönliches

Leben erweitert. Wenn ich

mit meinen palästinensischen

Freunden die Rückkehr der

Flüchtlinge diskutiere, zeigt es

sich, dass sie diese Möglichkeit

auch nicht ernsthaft in Betracht

ziehen. Ich glaube, manche Araber

denken an einen binationalen

Staat. Bei diesen Gedanken

angekommen erinnere ich mich,

wie wir glaubten, dass Oslo zu

etwas hätte führen können.

Susi Shaked: Haben Sie an Oslo

geglaubt?

Hella Pick: Ich habe an Oslo

geglaubt.

Susi Shaked: Glauben Sie, Oslo

hat noch eine Chance?

Hella Pick: Nein, nun ist es zu

spät. Außerdem haben wir bis

jetzt noch nicht die Rolle Amerikas

in diesem Gespräch in die

Diskussion gebracht. Amerika

hat in diesem Konflikt eine

negative Rolle gespielt wegen

des Terrors. Amerika befürwortete

diesen Krieg gegen die Hisbollah,

das war kontraproduktiv

und radikalisierte die Schiiten.

Die politische Motivation von

Amerika ist nicht sehr produktiv.

Dieser Präsident Bush ist kein

politischer Gewinn.

Silvio Yeshuah: Sie sind sehr

optimistisch, wenn Sie glauben,

dass eine Abwahl von Bush die

Situation ändern würde. Ich

fürchte, dass es keine Lösung für

diesen Konflikt gibt. Auch ich

bin gegen den Angriff auf den

Libanon, mir scheint, dass es mit

der Hisbollah keine mögliche

Verhandlungsbasis gibt. Die Entführung

zweier israelischer Soldaten

und die gleichzeitige

Tötung von acht anderen auf

israelischem Gebiet waren unakzeptabel

Hella Pick: Ich sehe in diesem

Konflikt eine Parallele zur IRA,

die Argumente klingen ähnlich.

In Irland ist nun Friede. Natürlich

ist das Vokabular noch das

alte, aber die Situation hat sich

dort geändert, vor allem weil die

Menschen genug hatten.

Silvio Yeshuah: So etwas Ähnliches

wäre auch im Nahen Osten

möglich, aber ich sehe es noch

nicht. Jede Seite will von der

anderen Seite total akzeptiert

werden.

Hella Pick: Ich will auch noch

einmal die demographische

Frage ins Gespräch bringen. Das

ist ein wichtiger Grund für die

Schaffung eines palästinensischen

Staates neben dem jüdischen

Staat. Ich habe den Eindruck,

dass Scharon sich mit

dieser Frage sehr beschäftigte.

Die zwei voneinander unabhängigen

Staaten waren ihm sehr

wichtig.

Susi Shaked: Ich danke Ihnen

für dieses Gespräch.

6 Schalom


Der israelis

1. Warum reagiert Israel militärisch

auf die Angriffe aus

dem Libanon?

Israel wurde am 12. Juli 2006

von der Terrororganisation Hisbollah,

die auch in der libanesischen

Regierung vertreten ist,

unprovoziert von libanesischem

Territorium aus angegriffen. Der

Angriff wurde auf israelischem

Boden gegen israelische Bürger

– Zivilisten und Soldaten – gerichtet.

Darum hat Israel keine Alternative,

als von seinem Recht auf

Selbstverteidigung Gebrauch zu

machen. Die beiden Ziele der

Operation sind zum einen, die

entführten Soldaten zu befreien

und zum anderen, die Terrorbedrohung

im Norden Israels zu

beseitigen.

Aus Israels Sicht ist Libanon

für die derzeitige Situation verantwortlich

und muss die Konsequenzen

dafür tragen.

2. Wie wird Israel auf die

Bombardierung des Nordens

reagieren?

Die Tausenden von Raketen,

die andauernd vom Libanon auf

Haifa und den Norden Israels

abgeschossen werden, wodurch

bereits 18 Zivilisten getötet und

zahlreiche verletzt wurden, sollte

ein für alle mal den Mythos

von der Hisbollah als eine

schlecht ausgerüstete „Guerillatruppe“

ausräumen. Als verlängerter

Arm des Irans führte die

Hisbollah in den 80-er Jahren

feindliche Angriffe gegen Israel

aus, unter Nichtbeachtung und

Verletzung der Souveränität

Libanons, und erhielt massive

Unterstützung durch modernste

Waffen aus dem Teheraner Arsenal,

die über Syrien in den Libanon

geliefert wurden. Bis zum

heutigen Tag wurden der Hisbollah

mehrere Tausend Raketen

modernster Bauart mit

Reichweiten bis zu 150 km

geliefert.

In Anbetracht dieser schweren

Aggression der Hisbollah wird

Israel alles tun, um diese Terrorbedrohung

seiner Bevölkerungszentren

zu beseitigen, wie es

jeder andere Staat auch tun

würde.

3. Warum setzt Israel so viele

Bodentruppen ein, wenn es

keine Gebietsansprüche gibt?

Der gegenwärtigen Krise vorausgehend

wurden entlang der

gesamten israelisch-libanesischen

Grenze Stellungen der

Hisbollah errichtet. Von diesen

Stellungen aus hat die Hisbollah

unprovozierte Angriffe mit

Maschinenpistolen, Granaten,

Panzerabwehrraketen und anderen

Waffen gegen israelische

Städte, private Fahrzeuge und

Grenzpatrouillen durchgeführt.

Direkte militärische Konfrontationen

mit den Terrorbefestigungen,

die entlang der Grenze aufgestellt

sind, sind im Hinblick

auf das Planziel, nämlich der

Beseitigung der Terrorbedrohung

des Nordens Israels, kritisch.

Daher sind Bodentruppen

notwendig, um die Luft- und

Artillerie-Operation zu ergänzen

und die Infrastruktur der Hisbollah

noch effektiver zu

bekämpfen.

Israel wird keine groß angelegte

Bodeninvasion wie 1982 in

Gang setzen und hat auch keine

Bestrebungen, libanesisches

Territorium einzunehmen. Die

Bodentruppen verfolgen nur das

Ziel, die Präsenz der Hisbollah

von der Grenze zu beseitigen,

sodass die libanesische Armee

ihre Souveränität entsprechend

der Resolution 1559 ausweiten

kann.

4. Was hat Israel mit der Operation

gegen die Hisbollah

bereits erreicht?

Die militärische Operation

mit dem Namen „Richtungswechsel“

hat der Hisbollah

einen bedeutenden Schlag versetzt.

Die Terrororganisation

wurde von ihren Positionen entlang

der Grenze vertrieben,

womit die direkte Bedrohung

der israelischen Gemeinden

nahe der Grenze durch Gewehrschüsse

aller Art beseitigt

wurde.

Darüber hinaus sind die Langstrecken-Raketen-Systeme,

die

Kommando- und Kontrollsysteme

sowie die Hauptquartiere

und die Infrastruktur der Hisbol-

8 Schalom


he Einsatz im Libanon

lah innerhalb Libanons beschädigt

worden. Die Aufstellung der

Katyusha-Raketen im Süden

Libanons ist massiv reduziert und

der Nachschub der Munition aus

Syrien an die Hisbollah ist signifikant

unterbunden worden.

Gleichzeitig ist der beispiellose

internationale Rückhalt wie zum

Beispiel bei dem jüngsten G-8-

Gipfel, den Israel bei seiner Operation

gegen die Hisbollah

erfährt, eine große Unterstützung

bei der endgültigen Entwaffnung

dieser Terrororganisation.

Erstmals sind Bedingungen

für die Implementierung der

UN-Resolution 1559 geschaffen

worden, die die Entwaffnung der

Hisbollah, ihre Entfernung aus

dem Grenzgebiet und die dortige

Stationierung der libanesischen

Armee fordert. Die internationale

Gemeinschaft steht bereit,

konkrete Schritte zur Umsetzung

dieser Resolution zu unternehmen:

durch die Stationierung

einer mulinationalen Truppe an

der israelischen Grenze und an

den syrisch-libanesischen Übergängen,

die des Weiteren

die militärischen Fähigkeiten

der Hisbollah nachhaltig auflösen

soll.

5. Ist Israels Reaktion verhältnismäßig?

Verhältnismäßigkeit muss

man an dem Maß der Bedrohung

festmachen. Israels Einsatz richtet

sich nicht nur gegen die

unprovozierten Angriffe und die

Entführung der israelischen Soldaten,

sondern gegen die tatsächliche

und konkrete Gefährdung

der eine Million israelischen

Bürger im Norden Israels.

Die Terrororganisation Hisbollah,

die sich der Vernichtung

Israels verschrieben hat und den

Süden Libanons kontrolliert, hat

über 12.000 Raketen auf Israel

gerichtet und bereits Tausende

davon in den letzten Tagen auf

Israel abgeschossen. Der massive

Einsatz dieser Raketen durch

die Hisbollah, der Hunderte von

zivilen Verletzten und Todesopfer

fordert, und weite Zerstörungen

anrichtet, macht Israels

Aktion unumgänglich.

Man muss die Frage stellen,

„was würden andere Staaten tun,

wenn sie mit einer Bedrohung

dieses Ausmaßes konfrontiert

wären“?

6. Warum beschießt Israel

zivile Gebäude und Infrastruktur?

Die Hisbollah feuert wahllos

Raketen auf israelische Bevölke-

Das israelische Außenministerium

antwortet auf die meistgestellten Fragen

rungszentren. 36 Zivilisten,

Juden ebenso wie Araber, sind

getötet und 522 verletzt worden

– darunter auch kleine Kinder.

Anschläge gegen große Städte

wie Haifa, kleine Farmen wie

Meron, arabische Dörfer wie

Majdal Krum und christliche

und jüdische Ortschaften wie

Safed und Nazareth sind ausgeführt

worden.

Im Gegensatz dazu zielt Israel

nur auf Einrichtungen, die der

Hisbollah direkt in der Ausübung

ihres Terrors helfen.

So zum Beispiel ist der Internationale

Flughafen Beirut zum

Transport von Waffen und Ausbildern

aus dem Iran genutzt

worden, so wie die Brücken im

Norden Libanons und die Beirut-Damaskus-Autobahn,

die

ebenfalls dem Transport von

Waffen, Nachschub von Munition

und Terroristen dienen. Ebenso

ist der Hisbollah-TV-Sender

„Al-Manar“ getroffen worden,

der für die Kommunikation der

Terroristen von großer Bedeutung

ist und unablässig antisemitische

Hetze verbreitet.

7. Ist Israel nicht über die steigende

Anzahl der zivilen

Opfer besorgt?

Israel bedauert den Verlust von

unschuldigem Leben. Israel hat

keine Zivilisten zum Ziel, ist

jedoch gezwungen, bestimmte

Maßnahmen gegen die rücksichtslose

Terrororganisation

Hisbollah zu ergreifen, die

12.000 Raketen auf Israels Städte

gerichtet hat. Wie jedes andere

Land hat Israel die Pflicht,

seine Bürger zu schützen und

diese ernste Bedrohung von

Millionen seiner Bürger abzuwenden.

Hinsichtlich der zivilen Opfer

muss der Fakt genannt werden,

dass die Terroristen sich und ihre

Raketen vorsätzlich inmitten der

Wohnviertel verstecken und

damit die Bevölkerung gefährden.

Tatsächlich sind viele der

bereits auf Israel abgeschossenen

Raketen aus Privathäusern

abgefeuert worden, um Israels

Reaktion zu erschweren, da die

Hisbollah-Terroristen die sie

umgebenden Zivilisten als

Schutzschilde für ihre Angriffe

missbrauchen. Trotz dieses grausamen

Missbrauchs ist Israel

ausgesprochen bedacht, das

Risiko für die Zivilbevölkerung

so gering wie möglich zu halten,

oft auf Kosten strategischer

Vorteile.

Während seiner kürzlichen

Reise nach Beirut hat der UN-

Koordinator für Nothilfe, Jan

Egeland, öffentlich die Hisbollah

verurteilt, den Tod von hunderten

Zivilisten zu verursachen:

„Hisbollah muss damit aufhören,

sich feige unter Frauen und

Kinder zu mischen.“ Auf die

Aussage der Hisbollah zu den

internationalen Medien, dass sie

nur wenige Kämpfer verloren

hätten und die Zivilisten diese

Last tragen müssten, sagte er:

„Ich denke nicht, dass irgendjemand

darauf stolz sein sollte,

mehr tote Kinder und Frauen zu

haben als bewaffnete Männer.“

Hätte die Hisbollah nicht eine

solche Raketenstaffel aufgestellt,

müsste Israel nicht aktiv

werden. Hätte die Hisbollah sich

dafür entschieden, dieses Arsenal

entfernt von dicht bevölkerten

Gegenden aufzustellen,

müssten keine Zivilisten darunter

leiden, wenn Israel die offensichtlich

notwendigen Maßnahmen

ergreift. Die Verantwortung

für diese tragische Situation

liegt einzig und allein bei der

Hisbollah.

8. Was hat Israel dafür getan,

die libanesische Bevölkerung

vor den Operationen gegen die

Hisbollah zu schützen?

Wiederholt wurden die

Bewohner im südlichen Libanon

– durch Radioansagen, Flugblätter

und sogar Telefonanrufe –

einige Tage im Voraus gewarnt,

die Gegend aufgrund bevorstehender

IDF-Angriffe zu verlassen.

Spezielle Anordnungen

betreffend der Routen und Fahrzeugtypen

wurden gegeben,

damit die Flüchtlinge nicht mit

Hisbollah-Kämpfern und Lieferungen

verwechselt würden. Die

Sorge um ziviles Leben ist ein

Bestandteil der operativen Vorgehensweise

der IDF, die besondere

Vorsicht gebietet, das Risiko

für Zivilisten möglichst

gering zu halten, auch auf

Kosten operativer Vorteile. So

wurden zum Beispiel am 25. Juli

Flugblätter über Kfar Qana

abgeworfen, die die Bewohner

davor warnten, dass Angriffe auf

Hisbollahstellungen bevorstünden,

obwohl dadurch auch die

Hisbollah informiert wurde und

Israel den Überraschungseffekt

verlor und seine eigenen Truppen

gefährdete.

9. Warum hat Israel ein Wohnhaus

in Kfar Qana angegriffen

und Dutzende Zivilisten getötet?

Am frühen Sonntagmorgen

des 30. Juli 2006 hat die Israelische

Luftwaffe die Hisbollah-

Raketen-Stellungen und andere

militärische Ziele in und um

Kfar Qana angegriffen, von wo

aus über 150 Raketen auf israelische

Gemeinden in Westgalliläa

abgeschossen wurden. Eines der

getroffenen Gebäude brach

zusammen, wobei 28 libanesische

Zivilisten getötet wurden.

Israel wusste nicht, dass sich

Zivilisten in dem Gebäude aufhielten

und hätte unter diesen

Umständen den Angriff auf dieses

Haus nicht ausgeführt.


Schalom

9


Es gibt sich mehrende Dokumentationen

über den Missbrauch

der Hisbollah von libanesischen

Zivilisten als menschliche

Schutzschilde, indem sie

inmitten aus Dörfern und von

Wohnanlagen aus schießen.

Zynischer Weise nutzt die Hisbollah

die Taktik, wenn es bei

der israelische Gegenreaktion zu

zivilen Opfern kam, diese dann

sofort für ihre Propaganda zu

benutzen.

Israel bedauert zutiefst den

Verlust von unschuldigen Leben

in dem Konflikt mit der Hisbollah

und hat Zivilisten auch nicht

zum Ziel. Israel muss jedoch

entschieden gegen die Hisbollah

vorgehen, um seine eigenen Bürger

vor den Raketenbeschüssen

zu schützen.

11. Verwendet Israel Waffen,

die durch internationales

Recht verboten sind?

Die Israelischen Verteidigungskräfte

(IDF) sind verpflichtet,

ihre Operationen in

voller Übereinstimmung mit

dem Recht für den Bewaffneten

Konflikt durchzuführen. Diese

Regeln sind fester Bestandteil

des IDF Regelwerks für Bewaffnete

Konflikte, welches beinhaltet,

dass militärische Operationen

nur gegen militärische Ziele

gerichtet sein dürfen, und dass

nur Waffen, die diese Ziele erreichen,

eingesetzt werden. Zusätzlich

verlangt der Kodex, dass

eine Operation nicht ausgeführt

werden darf, wenn das Risiko

überwiegt, dass versehentlich

Zivilisten Schaden nehmen

könnten.

In Anbetracht der Behauptung

der illegalen Verwendung von

Streubomben und Phosphorwaffen,

muss hinzugefügt werden,

dass der Einsatz dieser Waffen

nicht durch die von Israel akzeptierte

UN-Konvention über Konventionelle

Waffen verboten ist.

Israel betont, dass es alle

Anstrengungen unternimmt, um

sicherzustellen, dass militärische

Operationen mit dem geringst

möglichen Schaden für Zivilisten

und ihr Eigentum durchgeführt

werden.

12. Was tut Israel bezüglich

der humanitären Nöte der

libanesischen Bevölkerung?

Trotz der sehr gefährlichen

Sicherheitslage ist sich Israel

über die humanitäre Lage stark

bewusst. Daher hat Israel

gemeinsam mit den Vereinten

Nationen einen Korridor errichtet,

um den Not leidenden

Betroffenen auf libanesischer

Seite entgegenzukommen. Dieser

Korridor dient der Lieferung

von humanitären Hilfslieferungen

und der Evakuierung von

Zivilisten, die medizinischer

Versorgung bedürfen und von

ausländischen Staatsbürgern, die

evakuiert werden möchten. Zurzeit

verläuft die Route durch den

Hafen in Beirut. Israel arbeitet

mit der internationalen Gemeinschaft

daran, den Korridor zu

erweitern und weitere Korridorzugänge

zu schaffen.

13. Warum hat die IDF einen

UN-Posten bombardiert und

vier UN-Soldaten getötet?

Als Teil der anhaltenden Operation

gegen die Hisbollah war

die IDF am 25. Juli 2006 auch in

der Gegend von Al Khiyam

aktiv, von wo die Hisbollah

ebenfalls Raketen auf Israel

abgeschossen hatte.

Entsprechend der unmittelbaren

Untersuchung hat sich herausgestellt,

dass im Rahmen dieser

Operation versehentlich ein

UN-Posten getroffen wurde,

wobei vier UN-Soldaten ums

Leben kamen. Die IDF hat ihr

großes Bedauern darüber zum

Ausdruck gebracht und betont,

niemals mit Absicht eine UN-

Einrichtung oder UN-Personal

beschossen zu haben.

Sofort nach dem tragischen

Zwischenfall hat Ministerpräsident

Ehud Olmert mit UN-Generalsekretär

Kofi Annan gesprochen,

ihm sein tiefes Bedauern

über die versehentliche Tötung

der vier Soldaten ausgedrückt

und zugesichert, dass die IDF

eine umfassende Untersuchung

vornehmen werde, deren Ergebnisse

dem UN-Generalsekretär

vorgelegt würden.

14. Warum hat Israel nicht

Zurückhaltung geübt und

zuerst diplomatische Wege

gesucht?

Israel hat seit über sechs Jahren

Zurückhaltung geübt. Im

Mai 2000 hat Israel die schwere

politische Entscheidung getroffen,

sich vollständig aus dem

südlichen Libanon zurückzuziehen,

nachdem es einige Jahre

zuvor dazu gezwungen war, dort

eine Sicherheitszone einzurichten,

um Terroranschläge und

Raketenbeschüsse auf israelische

Städte zu unterbinden. Der

UN-Sicherheitsrat hat Israels

Rückzug aus Südlibanon als

vollständige Umsetzung der

Resolution 425 anerkannt. Die

libanesische Regierung bekam

die Gelegenheit, die volle Kontrolle

über den Süden zu übernehmen

und eine friedliche

Grenze zu Israel zu gewährleisten.

Stattdessen wurde der Terrorismus

nicht nur nicht

bekämpft, sondern der Hisbollah

erlaubt, das Gebiet bis zur Grenze

zu besetzen und ein riesiges

Waffen- und Raketenarsenal

anzusammeln.

Israel hat wiederholt Warnungen

ausgesprochen und die internationale

Gemeinschaft ersucht,

den Libanon dazu aufzufordern,

die Hisbollah in Schach zu halten,

sie von ihren Stützpunkten

an der Grenze zu entfernen und

ihre Raketenlager auszuheben.

Bedauerlicherweise ist Libanon

den Aufforderungen der Weltgemeinschaft

nicht nachgekommen,

seiner Souveränität gerecht

zu werden, weshalb heute das

libanesische Volk unter den

Konsequenzen der Tatenlosigkeit

seiner Regierung leiden

muss.

15. Was erwartet Israel von

der libanesischen Regierung

nach Jahren der Passivität

endlich etwas zu unternehmen?

Die kürzliche Verminderung

der Präsenz des syrischen Militärs

hat Beirut zwar mehr Freiheit

gegeben, libanesische Interessen

zu verfolgen, jedoch sind

Der israelische E

bis jetzt keinerlei Handlungen

gegen die Hisbollah unternommen

worden.

Die Regierung Libanons trägt

die volle Verantwortung für die

Bedrohung durch die Hisbollah.

Sie gibt ihr die offizielle Legitimation

und hindert sie nicht

daran, ihre bewaffneten Angriffe

auszuführen. Hisbollah hätte nie

die Raketen und die militärische

Ausrüstung besorgen und lagern

können, wenn die libanesische

Regierung dies nicht zugelassen

hätte. Hisbollah hätte nie zu einer

Bedrohung für Israel werden

können, wenn die libanesische

Regierung ihre Truppen im südlichen

Libanon stationiert hätte.

Es ist die Verantwortung der

libanesischen Regierung, ihren

Verpflichtungen als souveräner

Staat nachzukommen und ihre

Kontrolle auf alle Gebiet in ihrer

Staatlichkeit auszudehnen, wie

auch in den UN-Resolutionen

425 und 1559 gefordert. Durch

die gegenwärtigen Operationen

erhofft sich der Staat Israel

Druck auszuüben, damit die

Regierung in Beirut die Initiative

ergreift und die internationalen

Ermutigungen und das günstige

operative Umfeld zur Entwaffnung

der Hisbollah und zur

Stationierung der libanesischen

Armee an der israelisch-libanesischen

Grenze nutzt.

16. Warum behauptet Israel,

dass Syrien und Iran in den

Terrorismus der Hamas und

der Hisbollah verwickelt sind?

10 Schalom


Syrien beherbergt in seiner

Hauptstadt Damaskus die

Hauptquartiere verschiedener

palästinensischer Terrororganisationen,

einschließlich der

Hamas.

Seit Jahren stellt Syrien dem

Hamas-Führer Khaled Maschal

Unterkünfte und logistische

Unterstützung zur Verfügung.

Von Damaskus aus kommandiert

Maschal Terroristen innerhalb

der palästinensischen Gebiete,

die die andauernden Angriffe

gegen Israel und seine Bürger

ausführen, einschließlich der

Kassam-Beschüsse und den

jüngsten Angriff sowie die Entführung

des israelischen Soldaten

Gilad Shalit.

Syrien unterstützt die Hisbollah,

indem sie den Transport von

Waffen, Munition und Personal

über den internationalen Flughafen

in Damaskus und über Land

in den Libanon ermöglicht. Die

Hisbollah könnte nicht im Libanon

operieren, würde sie nicht

von Syrien unterstützt.

Iran, Hauptfinanzier der Hisbollah,

gibt Anweisungen und

stellt Waffen sowie den Kader

der Revolutionsgarde bereit. In

jeder Hinsicht ist die Hisbollah

lediglich ein Arm des iranischen

Djihadregimes.

Iran hat ebenso beträchtlichen

Einfluss auf die palästinensischen

Terrororganisationen, einschließlich

der Al-Aqsa-Brigaden

(Fatah) und Iz a-Din al Kassam-

Gruppe (Hamas) und unterstützt

deren Terrorzellen mit Geldern,

technischen Instruktionen und

erteilt Handlungsanweisungen.

17. Warum werden Hamas

und Hisbollah von Syrien und

Iran unterstützt?

Syrien und Iran unterstützen

diese Terrororganisationen nicht

nur, weil sie ihre Ideologie des

internationalen Djihad und der

sofortigen Vernichtung Israels

unterstützen, sondern auch, um

in Damaskus und Teheran ihre

eigenen Regime zu stärken, um

von anderen Themen abzulenken,

auf die sich der internationale

Druck richtet.

nsatz im Libanon

Syrien sieht sich wegen der

Verwicklung in die Ermordung

des früheren libanesischen Ministerpräsidenten

Rafik Hariri

und der Einmischung in libanesische

Angelegenheiten wachsender

internationaler Kritik

ausgesetzt.

Auf Iran wächst der internationale

Druck wegen seines

Atomprogramms. Zusätzlich

werden beide Regime von der

internationalen Gemeinschaft

für ihre Verstöße gegen die Menschenrechte

verurteilt.

Konsequenterweise betrachtet

Israel die Hamas, die Hisbollah,

Syrien und Iran als Hauptelemente

der Djihad-Terror-Achse,

die nicht nur Israel sondern die

gesamte westliche Welt bedroht.

18. Wenn Syrien und Iran hinter

dem Terrorismus stehen,

warum attackiert Israel den

Libanon?

Israel greift nicht die Regierung

Libanons an, sondern die

Hisbollah-Stützpunkte innerhalb

Libanons. Israel vermeidet, auf

libanesische Militärstützpunkte

zu schießen, sofern diese nicht

dazu dienen, die Hisbollah zu

unterstützen, wie zum Beispiel

die von Israel zerstörten Radaranlagen,

die dazu eingesetzt

wurden, den Terroristen den

Abschuss einer Land-zu-See-

Rakete auf eine israelische Korvette

zu ermöglichen.

In Bezug auf Syrien und Iran

hat Israel keine Interessen, die

Operationen über den Gazastreifen

und den Libanon hinaus auszuweiten,

sondern ist sich im

Klaren, dass die beste Reaktion

auf die Terrorbeteiligung

Syriens und Irans gemeinsamer

diplomatischer Druck ist.

Das Thema Iran wird die Welt

in den kommenden Monaten

beschäftigen, und die derzeitige

Situation ist nur ein Schritt in

diese Richtung. Israel hat seinen

Verbündeten zu verstehen gegeben,

dass, wenn es die freie Welt

nicht einmal schafft, eine vereinte

Front gegen die Hisbollah zu

formen, es unmöglich wird, den

Iran davon zu überzeugen, dass

sie ernsthaft den Stopp seines

Atomprogramms fordert.

In Bezug auf Syrien hat Israel

klar zum Ausdruck gebracht,

dass Angriffe auf syrische Ziele

nicht beabsichtigt sind. Daher

hat Syrien keine Berechtigung,

sich in die derzeitige Operation

gegen die Hisbollah einzumischen.

Wenn Syrien dennoch

interveniert, wird Israel energisch

reagieren.

19. Wie wird Israel Syrien und

Iran unter Druck setzen?

Es gibt einen immer breiteren

Konsens in der internationalen

Gemeinschaft, dass der Terror

der Dschihadisten eine globale

Bedrohung ist, der mit Entschlossenheit

begegnet werden

muss. Israel steht in engem Kontakt

mit anderen Regierungen

und internationalen Organisationen,

um den Druck auf diese

Regime zu koordinieren und

damit sicherzustellen, dass der

Preis, den sie international für

die Unterstützung der Terroristen

bezahlen, unerträglich hoch

sein wird.

20. Es scheint, dass Israel

einem Zwei-Fronten-Konflikt

ausgesetzt ist. Stehen beide

Schauplätze miteinander in

Zusammenhang?

In seiner Pressekonferenz

nach den Angriffen am 12. Juli

präsentierte der Generalsekretär

der Hisbollah, Hassan Nasrallah,

eine Liste mit Forderungen zur

Freilassung der entführten Soldaten.

Diese beinhaltete die Forderung,

Hamas-Terroristen

sowie Mitglieder der Hisbollah

freizulassen. Dieser Umstand

weist darauf hin, dass zwischen

den beiden radikal-islamischen

Terrororganisationen nicht nur

eine Koordination auf ideologischer

Ebene, sondern auf operativer

Ebene stattfindet.

21. Israel hat geäußert, dass

man nicht mit der Hamas verhandeln

wird, was ist mit der

Hisbollah?

In Folge der Angriffe vom 12.

Juli 2006 sagte Ministerpräsident

Ehud Olmert: „Israel wird


Schalom

11


sich nicht der Erpressung beugen

und wird nicht mit Terroristen

über das Leben israelischer Soldaten

verhandeln.“

22. Welche diplomatischen

Bemühungen können zum

Ende der Krise führen?

In Bezug auf den Libanon ist

sich Israel bewusst, dass die

Situation letztendlich nur diplomatisch

zu lösen ist, auch wenn

momentan militärische Aktionen

notwendig sind, um Israels

Bürger vor der akuten Bedrohung

durch die Hisbollah zu

schützen.

In dieser Hinsicht gibt es

keine Differenzen zwischen der

israelischen Position und der der

internationalen Gemeinschaft.

Die Forderungen der G-8 und

Israels für eine solche Lösung

sind:

– die unversehrte Rückkehr der

Soldaten Ehud Udi Goldwasser

und Eldad Regev

– ein umfassender Waffenstillstand

– die Stationierung der libanesischen

Armee im gesamten

südlichen Libanon

– die Vertreibung der Hisbollah

aus der Region und

– die Erfüllung der UN-Resolution

1559.

An der palästinensischen

Front wird Israel weiterhin Terrorbekämpfungsmaßnahmen

unternehmen, bis die Hamas

den Terror einstellt, die Geisel

Gilad Shalit sicher nach Hause

zurückgekehrt ist und die Kassam-Raketenbeschüsse

auf

israelische Städte eingestellt

wurden.

Es wird keine Verhandlungen

über eine Freilassung von

Gefangenen geben.

23. Was ist Israels Position zur

G-8-Erklärung zur Situation?

Israel begrüßt die Anerkennung

der G-8-Staaten, dass die

Hisbollah und die Hamas für die

Auslöser der derzeitigen Gewalt

durch unprovozierte Angriffe

auf Israels Zivilisten und Entführungen

von israelischen Soldaten

von israelischem Staatsgebiet

verantwortlich sind. Die

G-8-Erklärung beweist, dass

Israel und die Weltgemeinschaft

gemeinsame Werte haben und

sich einem gemeinsamen Problem

gegenübersehen – die

ernste Bedrohung durch extremistische

Terrororganisationen

wie Hisbollah und Hamas. Wie

auch die G-8-Staaten glaubt Israel,

dass eine Lösung darin zu finden

ist, dass die entführten Soldaten

freigelassen werden, die

Raketenbeschüsse auf Israel

beendet werden, der Libanon die

Resolution 1559 des UN-Sicherheitsrates

umsetzt und die Hisbollah

entwaffnet.

24. Was ist mit der Initiative,

eine internationale Friedenstruppe

zu entsenden?

Israel wird alle internationalen

Bemühungen unterstützen, deren

Ziel es ist, die entführten Soldaten

zurückzubringen und den

Libanon zur vollständigen

Umsetzung der UN-Resolution

1559 zu bewegen.

In dieser Hinsicht ist Israel

einverstanden, eine Truppe von

Soldaten aus europäischen Mitgliedsstaaten

zu stationieren, die

militärisch fähig und erfahren

sind, das ihnen erteilte Mandat

zu erfüllen. Dieses noch zu formulierende

Mandat muss die

Kontrolle der Grenzübergänge

zwischen Syrien und Libanon

einschließen, die Stationierung

im südlichen Libanon und die

Unterstützung der libanesischen

Armee, um die Resolution 1559

implementieren zu können.

25. Wie lange wird der israelische

Einsatz dauern?

Die internationale Gemeinschaft

ist sich im Klaren, dass

der Einsatz nicht beendet werden

kann, bis die G-8-Forderungen

umgesetzt werden. Während

diplomatische Verhandlungen

notwendig sind, um die Umsetzung

zu fördern, kann der

Beginn dieser Verhandlungen

nicht die Einstellung des Einsatzes

bedeuten. Dies wird nur nach

der Freilassung der entführten

Soldaten und der Beseitigung der

Raketenbedrohung gegen Israel

geschehen.

q

UN Sicherheitsrat

Resolution 1559 (2004) verabschiedet auf

der 5028. Sitzung des Sicherheitsrats am

2. September 2004

Der Sicherheitsrat, unter Hinweis auf alle seine früheren Resolutionen über Libanon,

insbesondere die Resolutionen 425 (1978) und 426 (1978) vom 19. März 1978, die

Resolution 520 (1982) vom 17. September 1982 und die Resolution 1553 (2004) vom

29. Juli 2004, sowie die Erklärungen seines Präsidenten über die Situation in Libanon,

insbesondere die Erklärung vom 18. Juni 2000 (S/PRST/2000/21), mit dem

erneuten Ausdruck seiner nachdrücklichen Unterstützung für die territoriale Unversehrtheit,

Souveränität und politische Unabhängigkeit Libanons innerhalb seiner

international anerkannten Grenzen, feststellend, dass Libanon entschlossen ist, den

Abzug aller nicht-libanesischen bewaffneten Kräfte aus Libanon sicherzustellen,

ernsthaft besorgt darüber, dass sich nach wie vor bewaffnete Milizen in Libanon aufhalten,

welche die libanesische Regierung an der Ausübung ihrer vollen Souveränität

über das gesamte libanesische Hoheitsgebiet hindern, bekräftigend, wie wichtig

es ist, dass die Regierung Libanons ihre Kontrolle auf das gesamte libanesische

Hoheitsgebiet ausdehnt, eingedenk der bevorstehenden libanesischen Präsidentschaftswahlen

und unterstreichend, wie wichtig freie und faire Wahlen im Einklang

mit libanesischen Verfassungsbestimmungen sind, die ohne ausländische Einmischung

oder Einflussnahme ausgearbeitet wurden,

1. bekräftigt seine Forderung nach strikter Achtung der Souveränität, territorialen

Unversehrtheit, Einheit und politischen Unabhängigkeit Libanons unter der alleinigen

und ausschließlichen Hoheitsgewalt der Regierung Libanons im gesamten Land;

2. fordert alle noch verbleibenden ausländischen bewaffneten Kräfte zum Abzug aus

Libanon auf;

3. fordert die Auflösung und Entwaffnung aller libanesischen und nicht-libanesischen

Milizen;

4. unterstützt die Ausweitung der Kontrolle der Regierung Libanons auf das gesamte

libanesische Hoheitsgebiet;

5. erklärt seine Unterstützung für einen freien und fairen Wahlvorgang bei den bevorstehenden

Präsidentschaftswahlen in Libanon, der im Einklang mit libanesischen

Verfassungsbestimmungen durchgeführt wird, die ohne ausländische Einmischung

oder Einflussnahme ausgearbeitet wurden;

6. fordert alle beteiligten Parteien auf, mit dem Sicherheitsrat uneingeschränkt und

umgehend zusammenzuarbeiten, um diese und alle einschlägigen Resolutionen

über die Wiederherstellung der territorialen Unversehrtheit, der vollen Souveränität

und der politischen Unabhängigkeit Libanons durchzuführen;

7. ersucht den Generalsekretär, dem Sicherheitsrat innerhalb von dreißig Tagen über

die Durchführung dieser Resolution durch die Parteien Bericht zu erstatten, und

beschließt, mit der Angelegenheit aktiv befasst zu bleiben.

12 Schalom


Raketen auf Nes Ammim

Seit Anfang der 60-er Jahre gibt es dieses einzigartige Projekt in Israel, aus Spendenmitteln

aus Europa aufgebaut und finanziert. Nes Ammim (hebr.: „Zeichen für die Völker”)

steht seitdem für Friedensarbeit in Galiläa. Einige tausend Freiwillige, meist junge Menschen

aus Europa, haben inzwischen einen freiwilligen Friedensdienst in Nes Ammim geleistet.

Und seitdem hat Nes Ammim viele politische Krisen im Nahen Osten überstanden.

„Gestern nachmittag hat's

auch uns erwischt. Eine Katjuscha

schlug am Ostrand des

Dorfes Nes Ammim in einem

Avocado-Garten ein, eine zweite

hinter unseren Glashäusern am

Nordrand unseres Ackerlandes,

berichtet Sebastian für „Schalom“.

Jeder Tag ist neu, jeder

Tag ist anders, die Gefühle spielen

verrückt, durch den Verstand

wabbern irrationale Gedanken.

Jede und jeder steht auf seine

eigene Art unter Anspannung,

die eine kompensiert es mit

erhöhter Putzgeschwindigkeit,

die Leute, die sonst sehr kontrolliert

sind und alles, und besonders

sich selbst, gut im Griff

haben, funktionieren plötzlich

gar nicht mehr, die Starken

bekommen Durchfall ...

Die ersten Tage waren für die

einen damit ausgefüllt, das tägliche

Leben und die Arbeit neu zu

organisieren, Bunker zu reinigen

und mit allem Notwendigen auszustatten

(von der Wasserflasche

bis zum Klopapier), im Gästehaus

wurden die Stornierungen

der Wochenend- und Sommergäste

aus dem In- und Ausland

zu einem hohen Papierstapel

aufgeschichtet, bei den Zivildienern

des Bundesheeres, die in

einem Monat abreisen sollten,

wurde die vorzeitige Rückfahrt

diskutiert.

Die ersten Raketeneinschläge

in den Nachbardörfern ängstigten

und erschütterten besonders

die jungen Freiwilligen, vier von

ihnen reisten ab, zwei weitere

nahmen eine Aus- und Erholungszeit

für ein paar Tage in

Jerusalem. Fast alle Bewohner

werden im Rotationverfahren in

den nächsten Wochen diese Freiräume

bekommen.

Die Gemeinschaft ist zusammengerückt,

es werden Abendprogramme

und Gemeinschaftsaktionen

organisiert und plötzlich

erleben wir uns als verantwortungsbewusste

Kibbuzniks.

Dennoch werden wir immer wieder

von der Sirene an die Gefahr

und Heimtücke der Raketen

erinnert.

Am Donnerstag wird Nazareth

von einer Mittelstreckenrakete

getroffen, zwei arabische Kinder

Zwölfter Tag im Katjuschaland

sterben, am Freitag wird in

Nahariya ein Mensch direkt von

einer Katjuscha getötet. Täglich

„regnen“ 120 – 190 missiles auf

den Norden von Israel nieder

(bis jetzt insgesamt 2.200).

Haifa, Safed und Naharija sind

die beliebtesten Ziele, aber auch

arabische und drusische Dörfer

und Siedlungen stehen unter

Beschuss.

Der Beginn des Erev Shabbat

wird wieder von einem Alarm

unterbrochen, die gesamte Freiwilligen

Gemeinschaft, eine holländische

Familie, die ihren

Urlaub im Village verbringt und

einige Mieter, mit denen wir täglich

zusammen im Bunker sitzen,

feiern gemeinsam ein besonders

schönes Willkommen des

Shabbat.

Allmählich entsteht eine

absurde Normalität, in der man

sich zunächst der Nähe eines

Bunkers versichert, bevor man

sich an einen bestimmten Ort

begibt. Es entsteht eine Bunkerkultur,

z.B. gibt es einen Schlafbunker,

in dem sich einige Frauen

eingerichtet haben, die Nächte

zu verbringen, im anderen

Bunker steht der große Fernseher

und dort gibt es Spiele und

zwei Computer mit Internetanschluss.

Auf Anfrage der Borderpolice

ist das Gästehaus wieder geöffnet,

in den Zimmer wohnen jetzt

in den Norden verlegte Soldaten.

Auch die Appartments sind an

einige Familien vermietet, die

ihr Dorf an der Grenze zum

Libanon verlassen haben. Aus

Galiläa und dem Norden Israels

sind inzwischen 70 % der Bevölkerung

„auf der Flucht“ vor den

Raketen in die Mitte und den

Süden Israels fortgegangen.

Heute abend findet in der

Lobby des Gästehauses ein Konzert

„The spirit of Woodstock”

statt. Die Kreisverwaltung

(Moatza) sendet uns gratis

Unterhaltung und Kurzweil in

dieser belastenden Zeit.

Aus den vielen Anrufen and

Emails erfahren wir viel Unterstützung,

es gibt so viele Menschen,

die an uns denken und für

Nes Ammim beten, das stärkt uns

sehr und bewahrt und schützt

uns hier ganz offensichtlich.

Dafür sind wir euch sehr dankbar!“

Sebastian

P.S.: Aus der Ferne dröhnen

das nächtliche Artilleriefeuer

und die Jets der Israelis, die

nach einem erneuten Katjuscha-

Angriff weiter versuchen, die

unterirdischen Bunker und

Raketenlager der Hisbollah an

der Grenze, in den Siedlungen

und in Beirut auszuschalten. q

14 Schalom


PROTEST Konfrontationen beinhalten

Sehr geehrte Herren des

Präsidiums,

mit wachsendem Entsetzen

muss ich in den letzten

Tagen sehen, dass die

„Nahostexpertin" in der Kleinen

Zeitung täglich Israel als

blindwütenden Aggressor

darstellt. Höhepunkt: In der

heutigen Ausgabe behauptet

die Dame, eine Karin

Kneissl, der Beschuss des

UNO-Postens wäre „klare

Absicht" gewesen (Kleine

Zeitung, 28.07.2006, S. 4).

Ich erwarte, dass die Österreichisch-Israelische

Gesellschaft

gegen diese Behauptung

– die eine Diskreditierung

von Israels Kampf

gegen den langjährigen Terror

darstellt – schärfstens

protestiert.

Mit freundlichen Grüßen

Astrid Wenninger

Mag. Astrid Wenninger

Abt-Moser-Gasse 14

9073 Viktring

gefährlichen Sprengstoff

Dov Ben Meir, Vizepräsident der Knesset a. D.

Die jüngsten Ereignisse im

Gazastreifen (die Entführung

eines Soldaten und die Bombardierung

von Wohngebieten)

sowie im Libanon (auch hier die

Entführung von Soldaten und

Bombenterror in Dutzenden von

Städten und Wohngebieten)

erfordern eine ernste und gründliche

Behandlung. Diese Konfrontationen

beinhalten Sprengstoff,

der nicht nur im Nahen

Osten, sondern auch inmitten der

ganzen westlichen Welt explodieren

kann. Dies ist eine sich

windende Schlange, die ihren

Weg bei der palästinensischen

Hamas beginnt, diesen über die

militante Hisbollah nach Syrien

und den Iran fortsetzt und sich

dann irgendwo mit der Al Quaida

Organisation in deren verschiedenen

Quartieren (im Irak, in

Afghanistan, Indonesien, Somalia

und im Sudan) vereinigt, um

mit moslemisch-fundamentalistischer

Anstrengung ihr erklärtes

Ziel, nämlich die Vorherrschaft

über die „christlich-jüdische“

Welt, zu erreichen.

Der Gazastreifen

Der schmerzliche Abzug

Israels aus dem Gazastreifen

(die Zerstörung von 17 Wohnsiedlungen

hat 8.000 Israelis zu

Flüchtlingen in ihrem eigenen

Land verwandelt) sollte der ganzen

Welt die Bereitschaft Israels

beweisen, den Friedensplan

„Road Map“ einzuleiten und die

Errichtung eines friedlichen

palästinensischen Staates an

ihrer Seite zu ermöglichen. Man

hätte erwarten können, dass sich

die Palästinenser jetzt unter

ihrer gewählten Regierung

zusammentun und der ganzen

Welt beweisen würden, dass sie

in der Lage sind, ihren souveränen

Staat zu gründen und zu

führen.

Die Sympathie der ganzen

Welt wäre ihnen sicher gewesen,

zusammen mit großzügigen

Unterstützungsmaßnahmen und

vielversprechenden Investitionen,

um diese Erwartung zu realisieren.

Aber anstatt mit dem

Bau eines Seehafens und eines

Flughafens sowie der Errichtung

eines Wirtschafts- und Erziehungsapparates

zu beginnen,

wählte die palästinensische

Regierung, Strassenbanden und

„Hamas“-Anhängern zu erlauben,

die Angriffe auf die grenznahen

israelische Wohngebiete

fortzusetzen.

Dieses Verhalten hat in erster

Linie die Fortsetzung diplomatischer

Bemühungen blockiert,

Israel zum Rückzug aus der

Westbank zu bewegen und die

Aufteilung Jerusalems zwischen

den beiden Ländern zu regeln.

Die Hisbollah im Libanon

Die 11.000 Raketen, die Iran

über Syrien seit dem Truppenabzug

Israels aus dem Libanon an

die Hisbollah geliefert hat, dienen

vor allem den Interessen dieser

beiden Länder, die in den

letzten Monaten unter schwerem

internationalen Druck stehen:

dem Iran – dass es den Galopp

nach Kernwaffen beendet und

Syrien, dass es aufhört wie ein

aufgebrochenes Tor zu fungieren,

durch das Kämpfer, Waffen

und Gelder in den Irak gelangen.

In Israel ist man heute der Auffassung,

dass die Entführung des

Soldaten neben dem Gazastreifen

verhindern soll, dass sich

Ministerpräsident Hanija (von

Hamas) dem internationalen

Druck ergibt und das Existenzrecht

Israels sowie die in der Vergangenheit

mit der palästinensischen

Autonomiebehörde abgeschlossenen

Vereinbarungen

anerkennt!

Die Verpflichtung, einen

unmöglichen Krieg zu führen

Der Staat Israel sieht sich einer

fast unmöglichen Realität ausgesetzt,

in der er einen Kampf

gegen Terroristen führen muss,

die ihre Zivilbevölkerung mitleidslos

als kugelsichere Weste

für ihre Aktionen benutzen:

– Der Abschuss von Kassam-

Raketen aus dem Gazastreifen

von Schulhöfen und Krankenhausgeländen

und sogar aus

dichtbesiedelten Straßen der

palästinensischen Flüchtlingslager.

– Das Verstecken von Raketen in

Kellern von Wohnhäusern und in

Wohnungen friedlicher Zivilisten

im Südlibanon.

– Der verständliche Widerstand,

mit dem die ganze Welt in

Kriegszeiten auf Angriffe auf die

Zivilbevölkerung reagiert, spielt

besonders den Terroristen im

Nahen Osten in die Hände:

– Sie haben keine Skrupel, arabische

Zivilisten zu opfern,


Schalom

15


wie Hunderte Selbstmordattentäter,

die mit einem Sprengstoffgürtel

um ihre Hüften explodierten

oder wie die Benutzung von

Zivilisten als Schutz vor israelischen

Vergeltungsmaßnahmen

beweisen.

– Parallel hierzu haben sie auch

keinerlei Skrupel, die israelische

Zivilbevölkerung so massiv wie

möglich anzugreifen. Sie versuchen

ebenso, Widerstände innerhalb

der israelischen Bevölkerung

gegen Militäraktionen der

israelischen Armee zu aktivieren,

wodurch natürlich ihre eigene

militärische Stärke zunimmt.

Zu meinem Bedauern gelang

es der arabischen Propaganda

auf der ganzen Welt, ein öffentliches

Bewusstsein zu entwickeln

das einen Terrorvergleich

anstellt. Dieser Vergleich

behauptet, dass der zionistische

Staat als Reaktion auf die arabischen

Terrorakte, die sie als

„gerechten Kampf gegen den

zionistischen Besatzer" deklarieren,

parallel auch Terror auf das

palästinensische und libanesische

Volk ausübt.

Es gibt keine größere Lüge als

diese! Während der palästinensische

und libanesische Terror

wahllos die israelische Zivilbevölkerung

attackiert, anfänglich

mit Selbstmordattentätern und

momentan mit Raketenbeschuss,

reagiert die israelische Armee

auf „chirurgische“ Weise, indem

sie versucht, die Terroristen und

Waffen, die sich inmitten der

Zivilbevölkerung befinden, mit

möglichst geringem Schaden aus

dieser herauszuziehen.

An dieser Stelle sollte erwähnt

werden, dass Israel vermeidet,

die Infrastruktur zu beschädigen,

es sei denn, diese dient dem Terror.

So wurden Straßen und

Brücken auf der Strecke Damaskus-Beirut

angegriffen, um die

Versorgung mit Waffen und

Freiwilligen aus Syrien in den

Libanon zu unterbinden. Der

Flughafen und der Seehafen

wurden aus dem gleichen Grund

neutralisiert. Das schiitische

Wohnviertel in Südbeirut – die

Kommandozentrale der Hisbollah

– wurde zerstört, um die

Organisation operationsunfähig

zu machen und um nach Bunkern,

die Raketen verbergen, zu

suchen. Hierbei kann es mitunter

auch zu Beschädigungen von

Gebäuden und zur Verletzung

der Zivilbevölkerung kommen.

Soweit versuchte ich, die Realität,

wie sie auf den beiden Seiten

der Gefechtslinien gesehen

wird, darzustellen. Aber es verbietet

sich, die Ursache dieses

Krieges, genausowenig wie die

der Kriege, die diesem vorausgegangen

sind, zu vergessen:

– Die Araber und die Mosleme

sprechen Israel das Existenzrecht

ab

– Die Araber versuchen mit Blut

und Feuer die Erinnerung an ihre

Demütigung, dass Israel aus

allen Kriegen, die Israel aufgezwungen

wurden, als militärischer

Sieger hervorging, auszuradieren.

– Der fundamentalistische

Islam, der von Zeit zu Zeit periodisch

in der arabischen

Geschichte ausbricht, strebt

danach, nach Europas bis vor die

Tore Wiens zurückzukehren.

Denn jedes Stück Erde, das

irgendwann einmal von Arabern

Die europäische Nachbarschaftspolitik

(ENP) ergänzt

den multilateralen Barcelona-

Prozess, der weiterhin ein

Schlüsselelement der Beziehungen

zwischen EU und den

Mittelmeerländern darstellt.

Neben vielen gemeinsamen

Zielen aus dem Barcelona-

Prozess bietet die ENP zusätzliche

bilaterale Anreize und

Möglichkeiten, entsprechend

den Fortschritten der jeweiligen

Länder beim Reformprozess.

Trotz des virtuellen Kollapses

des Middle East Peace

Process (MEPP) hat auch die

Euro-Mediterranean Partnership

(EMP) überlebt. Israel ist

seit der Gründung 1995 Mitglied

dieser Partnerschaft,

erhält aufgrund seiner hohen

wirtschaftlichen Entwicklung

zwar keine bilaterale finanzielle

Unterstützung aus

MEDA-Mitteln, hat aber auf

diese Anspruch im Rahmen

der Förderung der regionalen

Zusammenarbeit. Auch bei der

10. EMTC (Euro-Mediterranean

Economic Transition

erobert wurde, muss arabisch

bleiben.

– Der neue weltweite Terror, der

nach dem Muster von Al Quaida

in den letzten Jahren als weltweite

Wirklichkeit ausbrach,

gibt sich nicht mehr damit

zufrieden „in den früheren

Zustand zurückzukehren", sondern

will die Beherrschung der

gesamten Welt und verspricht

gemäß den Ausführungen Bin

Ladens in seinem Brief an das

amerikanische Volk ein Ende des

Terrors, wenn es den islamischen

Glauben annimmt......

– Zu unserem Bedauern hält

auch ein Teil der Millionen Mosleme,

die in europäischen Ländern

leben, an diesem Glauben

fest und erwartet, dass Europa

im Laufe der nächsten Jahrzehnte

moslemisch wird.

Ich habe all diese Punkte

erwähnt, um Ihnen zu zeigen,

welche unangenehme aber notwendige

Aufgabe dem kleinen

Israel auf die Schultern geladen

wird: Es muß ganz vorne an der

Conference) am 6. Juni 2006

in Brüssel wurde die Absicht

betont, die Nachbarländer

näher heranzubringen

und ihnen einen Anteil am

europäischen Binnenmarkt zu

bieten.

Das zwischen EU und Israel

1994 geschlossene und im

Juni 2000 in Kraft getretene

Assoziationsabkommen (AA)

geht weit über ein Freihandelsabkommen

hinaus, sieht

ständigen Dialog und kontinuierliche

Zusammenarbeit,

sowie eine flexiblere Regelung

der Einfuhr von Waren

vor. Der 2004 für drei Jahre

ausgelegte EU-Israel Action

Plan ist ein erster Schritt der

engen Zusammenarbeit zur

Erfüllung des Association

Agreements. Im Jänner 2006

wurde ein neues Abkommen

für den Agrarhandel geschlossen,

der damit beiderseitig

größtenteils liberalisiert

wurde. Israel verfügt heute

über eine wissenschaftsbasierte

Wirtschaft, die sich durch

international wettbewerbsfähi-

Front stehen und die neue weltweite

Expansionsbewegung des

fundamentalistischen Islams

aufhalten.

Ich weiß, dass es viele gibt,

die denken werden und sogar

sagen werden, dass der jüdische

Staat ein weiteres Mal versucht,

sie in einen Konflikt hineinzuziehen,

der überhaupt nicht ihr

Konflikt ist. Vielleicht ist es

ihrer Meinung nach besser, der

Zerstörung Israels zuzustimmen

und „dieses Ärgernis von der

weltweiten Tagesordnung zu

entfernen".

Wir Israeli werden nicht aufhören,

bis Frieden in unsere

Region einkehrt, wir hier unser

Leben in Ruhe aufbauen und wir

unseren Nachbarn Partner bei

der Umgestaltung des Nahen

Ostens in ein blühendes und

aufstrebendes Gebiet zum Wohle

aller seiner Bewohner sein

können.

q

Wirtschaftsbeziehungen Europa – Israel

ge Industrie- und Dienstleistungssektoren

auszeichnet

(Platz 20 auf der 2003 vom

WWF aufgestellten Liste der

wettbewerbsfähigsten Länder).

2002 entfielen ca. 60%

des BIP auf Kommunikations-

Dienstleistungen, Software-

Herstellung und Tourismus,

30% des BIP auf Industrie,

wobei die Vorteile Israels bei

der Produktion von High-

Tech-Gütern liegen und 57%

der Industrieexporte ausmachten.

Der hoch entwickelten

Landwirtschaft (3% des BIP)

sind durch Wasserknappheit

Grenzen gesetzt. Im Bereich

Forschung und Entwicklung

ist Israel einziges Nicht-EU-

Land, das seit 1996 voll mit

EU-Rahmenprogrammen

assoziiert ist.

Inwieweit diese Assoziationsbemühungen

EU-Israel

von der aktuellen politischen

Krise in Nahost und deren

Folgen für Israels Wirtschaft

beeinträchtigt sein werden, ist

nicht abschätzbar.

16 Schalom


50 Jahre

angelangt – auf wenige Wortmeldungen,

die von unserem

Vizepräsidenten der ÖIG, Dr.

Richard Schmitz, kompetent

moderiert wurden.

Ein musikalisches Erlebnis

der Sonderklasse, nicht nur

Umrahmung, sondern künstlerischer

Höhepunkt des Abends,

waren die Beiträge des Kantoralensembles

Wien mit dem Dirigenten

Rami Langer. Unbeeindruckt

von widrigen klimatischen

Verhältnissen und langen

Pausen während der Vorträge

beeindruckten die Damen und

Herren dieses Chors mit hoher

Professionalität, Sensibilität,

Dynamik und dem faszinierenden

Klangkörper ihrer wunderbaren

Stimmen. Der Chor

schloss die Veranstaltung mit

beiden Hymnen. Ein herzliches

Danke für dieses Erlebnis. q

Die Gemeinschaftsveranstaltung

des Österreichischen Dialogforums

für Israel und der

Österreichisch-Israelischen

Gesellschaft „50 Jahre Österreich-Israel/Israel-Österreich,

historische und aktuelle Aspekte

der diplomatischen Beziehungen“

im Jüdischen Museum

Wien, am 19. Juni 2006, war

sehr gut besucht. Nach den

eröffnenden Worten des Hausherrn,

Direktor Dipl. Ing. Georg

Haber, übernahm Vizepräsident

Dr. Richard Schmitz die Begrüßung

seitens beider Institutionen,

ÖDFI und ÖIG, und entschuldigte

bei dieser Gelegenheit

Herrn Botschafter Dan

Ashbel, der ursprünglich als

Vortragender vorgesehen war,

aber aus familiären Gründen, die

seine Anwesenheit in Israel

erforderlich machten, leider

absagen musste. Unter den zahlreichen

prominenten Gästen

durften wir als Vertreter des

Bundesministeriums für Auswärtige

Angelegenheiten Herrn

Botschafter Dr. Ralf Scheide,

weiters einen Vertreter der Botschaft

Deutschlands, einen Vertreter

der Botschaft Tschechiens,

die Frau Abgeordnete zum

Kärntner Landtag und Obfrau

der ÖIG-Landesgruppe Kärnten,

Mag. Sieglinde Trannacher –

samt eindrucksvoller Kärntner

Abordnung, den früheren Präsidenten

der ÖIG, Dr. Walter

Schwimmer, Vertreter der

Christlichen Botschaft Jerusalem,

österreichischer Zweig, und

viele andere hohe Gäste begrüßen.

Botschafter Dr. Ralf Scheide

übermittelte die Grußbotschaft

der Frau Außenministerin und

schloss dieser auch einen ausführlichen

Überblick über den

Verlauf der diplomatischen

Beziehungen zwischen beiden

Staaten aus Sicht des BMAA an,

der den Ausführungen des ersten

Vortragenden,

Botschafter

Dr. Kurt

Hengl, schon

einiges vorwegnahm. Dieser

beleuchtete dann in seinem

ebenso ausführlichen wie konsensual

ausgerichteten Vortrag

sowohl den historischen Überblick

als auch etliche Details und

Fakten aus der Beziehungsgeschichte

und bereicherte sie mit

seinen persönlichen Erfahrungen

als diplomatischer Vertreter

Österreichs in Israel. Das Publikum

gewann durch seine Ausführungen

einen Einblick in die

Kunst der hohen Diplomatie, die

sich in Zurückhaltung übt, ja

manchmal sogar im Weglassen

kritischer Aspekte äußert.

Die Sichtweise der diplomatischen

Vertretung Israels in

Österreich wurde, in Vertretung

von Botschafter Dan Ashbel, in

bester Weise vom israelischen

Gesandten, Herrn Eitan Levon,

dargeboten, der uns die Grußworte

des Botschafters übermittelte

und in seinem anschließenden

einprägsamen Beitrag auch

alle Ecken und Kanten der

gegenseitigen diplomatischen

Beziehungen näher brachte, die

von österreichischer Seite nach

wie vor gerne diplomatisch

geglättet dargestellt werden.

Darüber hinaus sprach er auch

wichtige Aspekte an, die einer

zukünftigen Zusammenarbeit

der beiden Staaten, vor allem im

Wirtschaftsbereich, in beiderseitigem

Interesse dienen könnten.

Er brachte vor allem zum Ausdruck,

dass die Beziehungen

zwischen Österreich und Israel

derzeit gut seien, aber aufgrund

der Faktizität der historischen

Ereignisse niemals normal werden

könnten. Auf Basis seiner

Ausführungen hätte noch eine

längere, interessante Diskussion

mit dem Publikum stattfinden

können, doch beschränkte sich

dieses an dem schwül-heißen

Sommerabend – bei ausgefallener

Klimaanlage an die Grenzen

der physischen Belastbarkeit

Schalom

17


Promoting Academic Integrity and

Honest Debate – SPME AUSTRIA

Als ginge es um die Existenz. – Historiker Dan Diner

erklärt, wieso ausgerechnet ehemalige israelische Friedensaktivisten

den Libanon-Feldzug am heftigsten befürworten.

– Kommentar der anderen.

Israel kämpft im Libanon –

und die israelische Bevölkerung

steht fast einmütig zu ihrer Krieg

führenden Regierung. Über 90

Prozent aller befragten Israelis

geben ihre Zustimmung zu der

kriegerischen Aktion gegen die

Hisbollah kund – und damit

auch zu den dabei angerichteten

Zerstörungen im Zedernland.

Woher dieses enorme Einvernehmen?

Blickt man auf den

1982 geführten Libanon-Krieg

zurück, ein Unternehmen, das

das Land tief spaltete und zu

gewaltigen Protesten Hunderttausender

von Israelis führte,

springt der Unterschied zur heutigen

Haltung drastisch ins

Auge.

Die Veränderung wird nicht

zuletzt an der Zusammensetzung

der gegenwärtigen israelischen

Regierung deutlich. Juli Tamir

etwa, bis vor kurzem Professorin

der Philosophie an der Universität

Tel Aviv, vormals führende

Friedensaktivistin der Bewegung

„Frieden jetzt“, war eine

Art Jeanne d’Arc der israelischen

Peaceniks und sitzt heute

als Erziehungsministerin am

Kabinettstisch von Ministerpräsident

Ehud Olmert, der sich von

weit rechts bis in die linke Mitte

bewegt hat. Bemerkenswert ist

auch der Wandel des neuen Verteidigungsministers

Amir Peretz:

Vor wenigen Monaten noch galt

er als politische Ikone und radikalster

Verteidiger des Sozialstaates.

Nichts lag ihm ferner, als

sich auf kriegerische Händel einzulassen.

Kraft seines Amtes traf

er soeben Anstalten, weitere

Siedlungen in der Westbank zu

räumen. Jetzt aber treibt Amir

Peretz das ihm unterstehende

israelische Militär pausenlos

dazu an, der Hisbollah den

Garaus zu machen.

Auch Haim Ramon, der

anlässlich des Rückzuges aus

dem Gaza-Streifen von der

Arbeitspartei in die gerade von

Scharon gegründete zentristische

Kadima überwechselte, ist

im Vergleich zu früheren Zeiten

kaum wiederzuerkennen. Er

gehört zu den Ideengebern des

umstrittenen Trennungswalls

zwischen Israel und den Palästinensern.

Früher war Ramon ein

beliebter Tribun auf Protestkundgebungen

der Friedensbewegung

gegen die israelische

Siedlungspolitik – und gegen

den Krieg im Libanon.

Was also ist in Israel gefahren?

Was hat sich verändert, dass

im Unterschied zum Jahre 1982

eine erdrückende Zahl von Israelis

einen Feldzug im Libanon

befürwortet? Ist alles vergessen,

was sich von 1982 bis zum

Rückzug aus dem Südlibanon im

Jahre 2000 an Schrecken zugetragen

hat, als der Libanon zum

Albtraum Israels wurde? Leiden

die Israelis an Gedächtnisschwund?

Es trifft eher das

Gegenteil zu. Viel zu gut erinnern

sie sich an den Rückzug

hinter die internationale Linie

zwischen Israel und Libanon

sowie an die Hoffnungen, die

damit verbunden waren. Wenn

schon keine Friedensgrenze, so

glaubte man, sei damit doch eine

Trennungslinie gezogen worden,

die von der anderen Seite

respektiert wird. Auf die Verletzung

dieser Linie reagieren die

Israelis daher besonders empfindlich.

Diese Empfindlichkeit

wurde durch die Erfahrungen

nach dem Abzug aus Gaza Ende

des vergangenen Jahres noch

gesteigert – umso mehr, als er

mit der Ankündigung weiterer

Rückzüge aus dem Westjordanland

verbunden war. Sie erfolgte

in der erkennbaren Absicht, sich

von allen 1967 besetzten, von

Palästinensern bewohnten, Gebieten

zu trennen.

Doch aus dem gerade geräumten

Gaza-Streifen gingen täglich

Geschoße auf das benachbarte

israelische Kernland nieder. Das

sorgte gerade bei jenen für

besonders heftige Verstimmung,

die sich stets für den Abzug

engagiert hatten, vor allem aber

bei denen, die in der Vergangenheit

für einen israelisch-palästinensischen

Ausgleich standen

und inzwischen Regierungsverantwortung

tragen.

Sicher, Israel hätte von sich

aus mehr auf die Palästinenser

zugehen können, hätte eine eigene

Friedensinitiative starten sollen,

als bloß abzuwarten, wie die

andere Seite auf den Rückzug

reagiert. Israel hätte Präsident

Mahmud Abbas damit das

Regieren erleichtert und seine

Legitimität gestärkt. Da ist vieles

unterlassen worden. Die

Wahl der Hamas im Januar 2006

komplizierte die Verhältnisse

weiter. Hamas will Israel unter

keinen Umständen anerkennen.

Im Prinzip könnte Israel über

eine solche weltanschaulich und

religiös imprägnierte Fundamentalverweigerung

sogar hinwegsehen.

Aber auf die Unverletzlichkeit

seiner Grenzen von

1948 kann der jüdische Staat bei

Strafe seines Untergangs nicht

verzichten.

Bei ihnen handelt es sich für

das israelische Bewusstsein

gewissermaßen um die Grenzen,

die von Auschwitz gezogen wurden.

Das Einzige, was diese

Grenzen zu schützen vermag, ist

die Abschreckung. Und

Abschreckung kennt keine Verhältnismäßigkeit,

sie ist absolut.

Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen

gleichen dem

Libanon-Krieg von 1982 also

nur wenig. Damals ging es

darum, die PLO zu treffen, die

sich im Libanon festgesetzt

hatte, eine mögliche israelische

Einverleibung von West-Bank

und Gaza zu erleichtern und gar

eine neue Ordnung im Libanon

zu etablieren. Es ging um einen

„großen Plan“, wie er dem

damals noch jungen Ariel Scharon

vorschwebte.

Die heutige Lage erinnert aus

israelischer Perspektive mehr an

den Juni-Krieg 1967, den Sechs-

Tage-Krieg. Bei diesem Krieg

handelte es angesichts der arabischen

Vernichtungsdrohungen

zunächst um einen bloßen

Abschreckungskrieg. Mit der

Zerschlagung der arabischen

Streitkräfte hatte er eigentlich

bereits sein Ziel erreicht. Erst als

sich Israel am siebten Tag nicht

zu einem Rückzug entschließen

konnte, verwandelte sich der

Waffengang im Nachhinein in

einen Eroberungskrieg.

Die gegenwärtige israelische

Koalitionsregierung kam aufgrund

eines breiten Konsens

zustande, den Rückzug aus den

besetzten Gebieten einzuleiten.

Jetzt verteidigt Israel mit dem

Feldzug im Libanon bereits die

Grenzen, die es erst nach seinem

Rückzug aus den palästinensischen

Gebieten als endgültig

festschreiben wollte. Deshalb

die große Zustimmung in der

Bevölkerung.

DER STANDARD, Printausgabe,

26.7.2006

Zur Person

Dan Diner ist Historiker an

der Hebrew University in

Jerusalem und leitet das

Simon-Dubnow-Institut für

jüdische Geschichte und

Kultur in Leipzig. Letzte

Buchveröffentlichungen:

„Feindbild Amerika“ und

„Versiegelte Zeit. Über den

Stillstand in der islamischen

Welt“

(Propyläen).25. Juli 2006

© derStandard.at

CULTURAL AND RELIGIOUS VIEWS ON EARLY LIFE:

GENETIC COUNSELLING IN ISRAEL

Vortrag in englischer Sprache von Dr. Yael Hashiloni-Dolev, The Hebrew

University, Jerusalem.

Mit anschließenden Kommentaren von Dr. Robert Gmeiner, Leiter der

Geschäftsstelle der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt und

Lektor am Institut für Ethik und Recht in der Medizin.

Montag, 13.11.2006, 19:30 Hörsaal D, Universitätscampus Altes AKH

18 Schalom


EHRUNG FÜR

GIDEON ECKHAUS –

DEM VORSITZENDEN

DES ZENTRALKOMITEES

DER JUDEN AUS

ÖSTERREICH IN ISRAEL

Gideon Eckhaus, seit Jahren

der Vorsitzende des Vorstands

des Zentralkomitees der Juden

aus Österreich in Israel, wurde

dieser Tage eine große Ehrung

zuteil: Der Vorstand beschloss,

im Namen aller Mitglieder, ihn

im sogenannten „Goldenen

Buch“ des Jüdischen Nationalfonds

(Keren Kajemeth Le-Israel)

einzutragen.

Das „Goldene Buch“ hat den

Zweck, gegen eine entsprechende

Spende,

besonders

würdige

Personen zu

registrieren.

Die dabei

eingeflossenen

Gelder

werden zum

Umweltschutz,

wie Aufforstung und

Anlage von Raststätten in Wälder,

verwendet.

Gideon Eckhaus erhielt

diese Ehrung anlässlich seines

83. Geburtstags (Anfang Juli)

für seine jahrzehntelange,

ehrenamtliche Tätigkeit für die

Interessen der aus Österreich

stammenden Juden in Israel.

Einer der Höhepunkte dieser

Bemühungen war auch die Ehre,

welche ihm erwiesen wurde, als

er vor einigen Jahren – bei der

jährlichen Sitzung beider Häuser

des österreichischen Parlaments

(Nationalrat und Bundesrat)

am 5. Mai, des Jahrestages

der Befreiung von Mauthausen

1945, im historischen Sitzungssaal

des alten Reichstags im

Gebäude des Parlaments, gebeten

wurde, die Hauptansprache

bei diesem Anlass zu halten.

Wir gratulieren Gideon Eckhaus

zu dieser Ehrung und wünschen

ihm und seiner Familie

noch viele und gesunde Jahre.

Peter F. Michael Gewitsch

Eigentümer, Herausgeber und Verleger:

Österreichisch-Israelische Gesellschaft,

1080 Wien, Langeg. 64.

Hersteller: Buch- und Offsetdruck

Otto Koisser & Co. KG. 1070 Wien,

Zieglergasse 77.

Schalom

Verleihung der Voluntaria 2006 an Susi Shaked

Unter dem Motto „Freiwillige bewegen Österreich

– Freiwillige bewegen Europa“, zeichnet das

Sozialministerium Susi Shaked für ihr Engagement

und ihre Tätigkeit im Rahmen der Hadassah-

Austria aus. Die österreichischen Freunde der

Hadassah sind eine Masche in einem weltweiten

Netzwerk von Freunden der Hadassah-Spitäler,

Hadassah International, mit dem Ziel, die wissenschaftlichen

und humanitären Anliegen der in Jerusalem

gelegenen Hadassah-Spitäler zu unterstützen

und die dazu nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Die Hadassah-Spitäler beschäftigen und behandeln

Juden wie Araber. Sie sind in ihrer Art ein Beispiel

dafür, wie Frieden im Nahen Osten funktionieren

könnte und wurden sogar im Jahr 2005 für den

Friedensnobelpreis nominiert. In diesem Sinne

engagiert sich Susi Shaked mit ihrer kleinen Truppe

für die Verständigung der Menschen im Nahen

Osten. Der Gedanke, dass die jungen Menschen von

heute die zukünftigen Entscheidungsträger von

morgen sein werden, veranlasst Hadassah-Austria

seit drei Jahren Friedenscamps mit arabischen und

jüdischen Jugendlichen aus Israel und österreichischen

Jugendlichen zu veranstalten. Zuerst ganz auf

Spendengelder angewiesen, wurde dieses Projekt

im nächsten Jahr auch von der EU unterstützt.

Jugendliche aus Konfliktzonen kommen mit europäischen

Jugendlichen zusammen und entwickeln

in gemeinsamen Projekten,

Gesprächen und gemeinsamen

Lernen eine Gesprächskultur. Sie

lernen einander kennen und

sehen, wie andere junge Menschen

aus anderen Kulturen leben

und denken.

Im Jahr 2006 trafen sich 32

Jugendliche aus Israel – Araber

und Juden – , aus Ungarn und

Österreich.

Als im Jahr 2002 bekannt

wurde, dass eine Überschwemmung

in der Ukraine auch ein

Waisenhaus in Mitleidenschaft

brachte, organisierte Susi Shaked

mit einem österreichischen Kindergarten

einen Sommeraufenthalt

für ukrainische Kinder in

einem Kindergarten in Tulln, wo

es auch ukrainisch sprechende

Mitarbeiter gab. Die Unterstützung

der Umgebung von Tulln

war fast null und dennoch gelang

dieses Projekt.

Am Höhepunkt der Intifada

bemerkte Susi Shaked in einem

persönlichen Gespräch mit der

Chefpsychologin der Hadassah-

Spitäler in Jerusalem, dass die

extra Belastung der psychologischen

Betreuung der Traumaopfer

und deren Angehörigen für

die Psychologen kaum mehr zu

ertragen seien und lud das gesamte

Team zu einem Supervisions-

Wochenende mit hebräisch

sprechenden

Fachkollegen aus

Österreich nach Wien

ein. Dieses Vorhaben

wurde vom Hadassah-Austria-Vorstand

tatkräftig unterstützt,

so dass alle israelischen

Psychologen

Gäste in den Privathäusern

der Hadassah-

Austria-Mitglieder

waren. Der Aufenthalt

in Wien hat sehr

zur entspannenden Situation auf dieser Abteilung

beigetragen.

Zur Finanzierung all dieser Vorhaben veranstaltet

Hadassah-Austria regelmäßig Lesungen, Konzerte

und Versteigerungen.

Susi Shaked betrachtet ihr humanitäres Engagement

als Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft,

in der sie lebt und wünscht sich noch mehr freiwilliges

Engagement ihrer Mitbürger.

Susi Shaked vertritt außerdem die Hadassah als

NGO an der UNO in Wien und hatte zwei Jahre lang

den Vorsitz im Committee on the Status of Women

an ebendieser Institution inne.

19


SCHALOM

Zulassungsnummer: GZ 02 Z 031415 M

Erscheinungsort Wien · Verlagspostamt 1080 Wien · P.b.b.

Wenn verzogen, bitte nachsenden Wien, September 2006

FLUCHT

IN DIE

FREIHEIT

Dieses Buch hat gefehlt – so

unwahrscheinlich das klingen mag,

ist doch das Literaturangebot zum

Thema zahlreich und umfassend. Das von

Angelika Hagen und Joanna Nittenberg herausgegebene

Werk befasst sich mit (ehemaligen)

Österreichern in Israel, sei es durch dramatische

Flucht, romantisch-zionistische Auswanderung

oder Emigration in weiser Voraussicht

lange vor der großen Katastrophe.

"Challenge by Escape" war der passende

Arbeitstitel, der unübersetzbar blieb. Es ist eine

unaufgeregte Wissensvermittlung, die besonders

auf den positiven Blick in die Zukunft der

Einwanderer in Israel und deren dem europäischen

Leser oft unbekannten beachtlichen

Leistungen und Karrieren eingeht.

Was nach Hitlers Einmarsch in Österreich zu

einer dramatischen Flucht werden sollte, war

vor 1938 eine zionistische Sehnsucht, die zur

Emigration österreichischer Juden führte,

erläutert Anton Pelinka in einem historischen

Aufsatz, der auch Österreichs innenpolitische

Situation ins wahre Licht setzt.

Fast ein Buch für sich ist das Kapitel „Ein

ruhmreiches, unbeachtetes Epos“ aus der Feder

des aus Wien stammenden Ari Rath, der über

Jahrzehnte Chefredakteur der „Jerusalem Post“

werden sollte. Auch für den Kenner der

Geschichte vor Israels Staatswerdung ist dieser

Bericht voll Überraschungen. Österreicher sind

wahre Helden als abenteuerliche Fluchthelfer

Tausender bedrohter Juden, wie auch bei der

illegalen Beschaffung von Waffen zur Verteidigung

des jungen Staates, sie finden sich in der

großen Politik, sind Generäle in der Armee.

Die meist hebräisierten Namen verschleiern

die Herkunft.

In zahlreichen Porträts schildert Gabriele

Anderl das Leben einiger nach Israel ausge-

BUCH ECKE

wanderter Österreicher. Diesem Teil folgen die

Gespräche, mehr als dreißig Interviews mit

besonderem Blick auch auf das heutige Verhältnis

der Befragten zu Österreich.

Der weit ausholende philosophische Aufsatz

von Felix de Mendelssohn zum Thema „Funktionen

und Folgen der Auswanderung und der

Integration aus psychologischer Sicht“ rundet

diese Anthologie gleichsam ab: „Bereits die

erste Elterngeneration der Menschheit erleidet

eine Vertreibung aus dem Paradies als

Trauma.“ (Zitat)

Das Werk ergibt eine ganzheitliche Sicht, die

ein tieferes Verständnis der Geschichte und der

Beziehungen zwischen Österreich und Israel

ermöglicht.

Ein Fototeil in der Mitte des Buches, jeweils ein

Bild von damals und von heute, bringt so manches

Gesicht zu seiner Lebensgeschichte.

Last but not least ein alphabetisch geordnetes

Namensverzeichnis mit Kurzbiographie, ein

verdienstvolles Geschenk an den Leser.

Inge Dalma

Zu beziehen bei: Edition INW

Illustrierte Neue Welt

1010 Wien, Judengasse 1a/V/25

Telefon: 01/535 63 01

648 Seiten, Preis: € 35,–

20 Schalom

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