Der ultimative Dunkelhainführer

ingerigar

Bogumil Bouvier

Der ultimative Dunkelhainführer

Teil 5 Dunkelwasser ‐ Das Reich der Hexen


Ich bin Bogumil Bouvier, Reiseschriftsteller, Fan des Übernatürlichen und nun schon recht

lange Stadtschreiber von Dunkelhain. Die Stadtschreiberwohnung teile ich mir mit meiner

Lebensgefährtin Lätitia Leibovitz, die für die Bilder zuständig ist und mich natürlich auch

sonst in allen Fragen berät. Wir haben uns in Dunkelhain schon ganz prächtig eingelebt.

Aber dennoch lernen wir immer wieder neue und interessante Leute kennen.

Dieses Mal war das allerdings noch schwieriger als bei

unseren Recherchen auf Silberfels. Denn Feen und Elben

mögen zwar scheu sein, aber meist sind es doch auch

freundliche Wesen. Die Hexen und Werwölfe, die in

Dunkelwasser hausen, scheuen dagegen im wahrsten

Sinne des Wortes das Licht. Und der dichte Nebel im

morastigen Sumpf macht es ihnen leicht, sich zu

verstecken.

Zu unserem Glück lernten wir durch die Vermittlung von

Luzibald Levandovsky, der Archivar der Düsterbibliothek

ist, Apollonius von Tyana kennen, einen freundlichen

alten Herrn, Hexer von Beruf, aber das im positivsten

Sinne. Um seinen Lebensabend sinnvoll zu gestalten,

leitet er ein kleines privates Sanatorium, in dem er

leidende Gefährten aus dem Moor betreut.

Er konnte uns Auskunft über Dunkelwasser geben und uns mit einigen, die hier leben

bekannt machen. Auf diese Weise bekamen wir Kenntnis von ganz selten gehörten

Geschichten, von geheimen Ritualen und vielem mehr, das wir mit Ihnen ­ soweit es uns

erlaubt ist ­ gerne teilen werden.

Wir danken auch den Mitarbeitern des Hokuspokus­Verlags, die uns bei allen

Schwierigkeiten wie immer eine große Hilfe waren.

So können wir Ihnen nun auch den fünften Teil des Führers vorstellen, der sich mit

Dunkelwasser, dem ausgedehnten sumpfigen Moor und düsteren Tummelplatz dunkler

Gestalten, beschäftigt.

Bogumil Bouvier

2


Inhalt

Stadtrundgang 5 (Karte) 4

­ Konditorei und Café "Zum Hexenkessel" 5

­ Gespräch mit Messie Kojote 11

­ Besuch bei der bekennenden Hexe Mallalai Kolika 14

­ Malefica Bruja ­ eine Hexe aus dem Bilderbuch 17

Alles Wissenswerte über Werwölfe 20

Werwolfsagen 21

Alles Wissenswerte über Hexen und Hexenmeister 22

Uralte Rituale: Hexen plaudern aus dem Nähkästchen 23

Noch mehr Bilder aus dem Moor 24

So leben Prominente in Dunkelhain: Apollonius von Tyana 26

3


Stadtrundgang 5

Unser Stadtrundgang führt uns von der Feeninsel kommend über die Brücke auf die

Weissebenen­Chaussee im Sumpfgebiet Dunkelwasser. Wir biegen dann ein in Herschels

Teichweg, der den gesamten westlichen Teil des Moores umrundet, bis er in die Sumpfloch­

Chaussee einmündet, wo wir uns zunächst nach rechts wenden. Später gehen wir die

Sumpfloch­Chaussee entlang zurück.

Ähnlich wie schon auf Silberfels gibt es nur ganz wenige öffentlich zugängliche Grundstücke,

da sich hier meist Wohngebäude befinden.

Durch unsere guten Beziehungen sind aber einige Bewohner bereit, nach Verabredung,

Besucher zu empfangen und ihnen Haus und Garten zu zeigen. Wir bedanken uns dafür

ausdrücklich bei Apollonius von Tyana für seine vertrauensbildenden Maßnahmen. Die

anderen bitten um Verständnis für ihre schwierige Lage, die ihnen das nicht ermöglicht.

Apollonius von Tyana öffnet die Pforten zu seinem Sanatorium gerne für jeden interessierten

Besucher und das Café "Zum Hexenkessel" ist selbstverständlich für jedermann zugänglich.

1 Café "Zum Hexenkessel"

2 "Haus Rosenberg"

3 "Olles Haus" (Kojote)

4 "Wasserburg" (Kolika)

5 "Hexenhütte" (Bruja)

6 "Hexenreich" (Troll)

7 "Moorhaus" (Grumpel)

8 "Die Wolfshöhle" (Moondancer)

9 "Sumpfhaus" (Schwarzhaupt)

10 "Hospital Eichenhain" (von Tyana)

4


Von der Brücke nahe der "Feenquelle" biegen wir rechts in die Sumpfloch­Chaussee ein, bis

wir auf Herschels Teichweg treffen. Dieser führt uns nach einiger Zeit durch ödes

Sumpfgebiet zu Konditorei und Café "Zum Hexenkessel" ­ oder? Die Frage ist

berechtigt, denn von einem Gebäude ist hier keine Spur!

1

Das in Nebelschwaden eingehüllte Gelände scheint aus nichts als seltsam angeordneten

Steinen und schwarzbraunem Pflanzengewirr zu bestehen. Ist das eventuell ein alter

ritueller Ort? Kein Weg, kein Haus weit und breit. Hier dürfen Sie nicht aufgeben. Wer

hierher kommt, ist hoffentlich für vielerlei gewappnet. Streben Sie einfach auf die Mitte zu,

vielleicht kommen Sie auch an einem Wegweiser vorbei ... und dann schließlich, zwischen

Schilfgras verborgen, treffen Sie mit etwas Glück auf eine Treppe, die nach unten führt.

Keine Angst, sie führt nicht ins Innere der Erde, sondern zur Konditorei!

5


Für Kundige gibt es auch noch einen

anderen Zugang: Eine Lama­Verbindung

führt direkt zum Jungbrunnen, der auch von

Touristen gerne aufgesucht wird, so es ihnen

gelingt, hierher zu finden. Die Einheimischen

geben diesen Ort nämlich nicht so gerne

preis.Hier finden Sie auch einen Wegweiser,

der Ihnen zeigt, wo's lang geht, nämlich zur

Treppe! Haben Sie keine Scheu, sie zu

benutzen. Schließlich handelt es sich um

eine öffentliche Einrichtung.

Das Café ist von 6.00 bis 0.00 Uhr

durchgehend geöffnet.

6


Die Treppe führt direkt mitten ins Café. Hier erwartet Sie ein zwar dunkler, aber sehr

wohnlicher Raum. Im Mittelpunkt der Kamingruppe findet sich der riesige Hexenkessel, der

dem Café seinen Namen gab. Kundige können darin mancherlei Dinge heraufbeschwören

oder einen Zaubertrank brauen.

7


Die Konditorei besticht durch eine riesige wohl gefüllte Kuchentheke mit Gebäck jeder Art

und herrlichen Festtagstorten. An der Theke bekommt man allerlei Heißgetränke und

Kräutertees, Energydrinks und organische Getränke, wie zum Beispiel einen "Maui­

Klatschiato".

Im Nebenzimmer können Sie gemütlich lesen, Schach spielen oder Einblicke in die Magie

gewinnen.

Ein Rat zu guter Letzt: Verweilen Sie hier nicht bis in die

Abendstunden, das Publikum könnte an Ihren Nerven zerren!

9


Denn so, wie sich die Bilder an der Wand bei Einbruch der Dunkelheit plötzlich verändern,

kann das auch mit manchem Gast ganz unvermittelt geschehen! Sie sind in Dunkelwasser!

10


Gespräch mit Messie Kojote

3

Der leidenschaftliche Sammler, Bastler und Erfinder hat durchaus einen Ruf in Dunkelhain

am Teufelsmoor. Er ist zwar exzentrisch und chaotisch, aber immer hilfsbereit, wenn

jemand seinen Rat sucht oder etwas braucht, das es sonst nirgendwo gibt. Heute also

besuchen wir ihn in seinem idyllisch gelegenen "Ollen Haus", wie er sein Anwesen

selbstironisch nennt. Hemmungen hat er auch keine ­ insofern ist das die ideale Grundlage

für unser Gespräch. So werden wir sowohl von ihm als auch von seinem Hund Ringo freudig

begrüßt.

11


Messie Kojote hat nur leider nicht viel Zeit

für uns. "Auftragsarbeiten", murmelt er und

das war's fürs Erste. Aber umschauen dürfen

wir uns, wo wir wollen, fotografieren auch.

An dem ganzen gesammelten Krempel

sollten wir uns nicht stören, wir müssten nur

aufpassen, dass wir nicht drüber fallen.

Sollten noch mehr Leute kommen ­ wir

weisen vorsichtig auf Touristen hin, die

durch unseren Führer angelockt werden

könnten ­ ist ihm das auch egal. Sollen sie

ruhig kommen, wenn es ihnen Spaß macht

und sie hierher finden. Ringo wird schon

nicht beißen, er auch nicht ­ jedenfalls

meistens nicht ­ haha! Höchstens bei

Vollmond ...

Wir weisen unsere Leser also ausdrücklich

darauf hin, dass sie das "Olle Haus" zwar

jederzeit besuchen können ­ jedoch ganz auf

eigenes Risiko.

So ist das nun mal in Dunkelwasser ­ alles

ist ein bisschen anders als anderswo!

12


Besuch bei der bekennenden Hexe Mallalai Kolika

4

Da stehen wir nun vor den "Magischen Türmen", einer imposanten Wohnanlage mitten in

den morastigen Sümpfen von Dunkelwasser, die sich im Unterschied zu anderen

Behausungen hier so gar nicht versteckt, sondern ihre Zinnen trotzig in den bleigrauen

Himmel reckt.

14

Und da steht sie schon ­ eine

imponierende Gestalt, ihren Kater

entschlossen unterm Arm haltend.

Sie wartet bereits auf uns und

mustert uns mit kühlem Blick.

Und wir schätzen uns glücklich, dass

sie, nachdem Apollonius von Tyana

darum gebeten hatte, bereit war,

uns zu empfangen. Ein Interview

wollte sie uns zwar nicht geben,

aber zeigen, wie sie lebt, und die

eine oder andere Frage beantworten

­ das ja!

Mallalai Kolika hat eine solche

Präsenz und strahlt so viel

Willensstärke aus, dass uns plötzlich

doch etwas mulmig wird. Worauf

haben wir uns da eingelassen?


Mallalai Kolika bittet uns zunächst in die

Küche. Während sie uns einen Nektar

einschenkt, schauen wir uns verblüfft um. In

einer Hexenküche sieht es offensichtlich

doch etwas anders aus, als in gewöhnlichen

Küchen. Leicht beunruhigt überlegen wir, ob

man diesem Getränk wohl trauen kann. Aber

Mallalai lässt keinerlei Argwohn zu.

Charmant plaudernd erklärt sie uns erst

einmal das Geheimnis ihres Namens: "Der

Name Mallalai bedeutet "schön" und ich

frage mich immer wieder, was meine Eltern

sich gedacht haben, als sie mir diesen

Namen gaben. Seit ich denken kann, werde

ich nämlich wegen meines Aussehens nur

gehänselt. Mein Nachname, Kolika, bedeutet

soviel wie "aus dem Meer". Meinen Kater

habe ich Kadir genannt. Sein Name bedeutet

"grün" ­ das ist wegen seines Fells." Dankbar

für die Ablenkung lassen wir uns den ­ im

Übrigen ausgezeichneten! ­ Nektar dann

doch schmecken. Unterdessen beantwortet

sie uns unsere drängendsten Fragen.

15


Es war ihr wichtig, folgende Botschaft zu übermitteln, die ihr am Herzen liegt: "Hexen sind

zwar etwas Besonderes, aber nichts, wovor man sich von vornherein fürchten müsste. Hier

wie da gibt es die Guten und die Bösen. Hexen haben besondere Kenntnisse von den

Wirkkräften der Natur. Diese zu beherrschen ist eine Kunst, die langes und fleißiges Studium

erfordert und eine prinzipielle Offenheit und Sensibilität zunächst unerklärlichen Phänomenen

gegenüber verlangt. Ist es einem gelungen genügend Wissen und Erfahrung zu erwerben,

kann man vielerlei bewirken: hervorbringen und verschwinden lassen, heilen und schaden ..."

Wir durften uns dann noch im ganzen Haus umsehen und Fotos machen. Mallalai ist auch

bereit, anderen interessierten Besuchern, Zutritt zu gewähren, wenn sie sich rechtzeitig

anmelden. (Besichtigungsanfragen unter: Dunkelhainer Verkehrsamt DH87117733)

16


Malefica Bruja ­ eine Hexe aus dem Bilderbuch

3

Unser Besuch in der "Alten Hexenhütte" ist nun etwas ganz Besonderes, sagt man

Malefica Bruja doch nach, sie sei nicht nur eine mürrische alte Einzelgängerin, die

höchstens mit ihren Katzen rede, sondern auch, dass sie durch und durch böse sei ­ eine

richtige alte Hexe eben!

Nun die Hütte selber ist nicht gerade pittoresk zu nennen, eher alt, schäbig und verkommen

­ nahezu unerreichbar. Wir können dorthin nur über einen zerfallenden Steg gelangen.

Puh ­ was für ein Empfang! Besser gesagt gar keiner!

17


Malefica Bruja hat uns ja persönlich

eingeladen, hierher zu kommen, nachdem

sie von unserem Vorhaben, einen Führer zu

schreiben, Wind bekommen hatte. Gut

informiert ist sie ­ das muss man ihr lassen!

Wir sollten nur kommen und die Armut einer

alten Frau zur Schau stellen, meinte sie

höhnisch. Und dann könnten ruhig auch die

anderen kommen, die Touristen zum Gaffen

­ warum nicht? Notfalls wisse sie sich gut zu

wehren ­ und wie hehe!

(An dieser Stelle müssen wir mal anmerken,

dass es sich bei den besuchten Haushalten

um die ausgesprochen "aufgeschlossenen"

Bewohner des Viertels handelt. Die anderen

wollten ja nun gar nicht kooperieren.)

Was Malefica betrifft, hatten wir den

Eindruck, dass sie äußerst stolz auf ihre

Bedürfnislosigkeit ist und ein solches Bild

auch kultivieren möchte. Interessant ist es

allemal, zu sehen, wie sie hier mit ihren

vielen Katzen lebt und zu erzählen weiß sie

auch so allerlei. (siehe Artikel Seite 23)

18


Alles Wissenswerte über Werwölfe

Wegen ihrer ungeheuren Kraft und Blutrünstigkeit sind Werwölfe für den Menschen

eigentlich unbesiegbar. Doch bei Silber bekommen auch diese Bestien Angst. Wird ein

Werwolf mit einer Silberkugel erschossen, bleibt er für immer tot. Aber auch den Anblick

einer Mondfinsternis überlebt das ansonsten unverwundbare Geschöpf nicht. Einmal

Werwolf, immer Werwolf? Nein! Der Fluch lässt sich brechen, indem der betroffenen Person

Bergeisenhut verabreicht oder eine Teufelsaustreibung veranlasst wird.

Berichte über Lykanthropie (von griech. lykos: ‚Wolf‘, anthropos: ‚Mensch‘), das heißt über

Verwandlungen zwischen Mensch und Wolf sind in der Geschichte sehr weit

zurückzuverfolgen.

Schon in der Antike hatte man in Geheimbünden und kriegerischen Bruderschaften

Wolfsgötter verehrt. Vor allem junge Männer verkleideten sich als Wölfe. Um in den Bund

aufgenommen zu werden, musste der Kandidat an einem Ritual teilnehmen und danach ein

Jahr lang wie ein Wolf unsichtbar in den Bergen leben und durfte sich nur von Raub

ernähren.

In der isländischen Egils saga wird vom Großvater Egils berichtet, dass er ein Werwolf sei

und daher den Namen Kveldulf (‚Abendwolf‘) erhalten habe.

„En dag hvern, er að kveldi leið, þá gerðist hann styggur, svo að fáir menn máttu orðum við

hann koma; var hann kveldsvæfur. Það var mál manna, að hann væri mjög hamrammur;

hann var kallaður Kveld­Úlfur.“

„Aber jedes Mal, wenn es zum Abend ging, wurde er so unwirsch, dass nur wenige Leute

mit ihm ins Gespräch kamen. Beim Dunkelwerden pflegte er schläfrig zu werden. Man

erzählt sich, dass er des Nachts häufig in verwandelter Gestalt umging. Die Leute nannten

ihn Abend­Wolf.“ (Egils saga, Kap 1, übersetzt von Felix Niedner)

Sie sind nicht sicher, ob Sie einen Menschen vor sich haben, der eigentlich ein Werwolf ist?

Tief sitzende Ohren, zusammengewachsene Augenbrauen, gekrümmte Fingernägel und ein

schwingender Gang sind sichere Merkmale, dass Sie schleunigst das Weite suchen sollten,

bevor Ihr Gegenüber bei Vollmond zu einer Bestie wird.

20

Ein Werwolf (von germanisch wer

‚Mann‘) althochdeutsch auch Mannwolf

genannt, ist in Mythologie, Sage und

Dichtung ein Mensch, der sich in einen

Wolf verwandeln kann.

Wie wird man ein Werwolf? Nicht nur der

Biss eines dieser Geschöpfe leitet die

gefürchtete Metamorphose ein, man kann

sich ebenso durch verschiedene Rituale in

einen Werwolf verwandeln. Dazu zählt das

Tragen eines Gürtels aus Wolfsfell, zum

Beispiel, wenn das Wasser aus einem

Wolfspfotenabdruck getrunken oder gar

an einem bestimmten Tag ein "Mondbad"

genommen wird. Auch ein dämonischer

Spruch kann einen unliebsamen

Widersacher zu einem Werwolf­Dasein

verfluchen.


Werwolfsagen

Der Werwolf und seine Frau

Eine der bekanntesten Erzählungen

ist die von einer jungen Frau und

ihrem Ehemann, der ohne echten

Grund häufig unterwegs war.

Eines Tages arbeiteten beide auf

dem Feld, als sich der Mann wieder

von seiner Frau entfernte. Plötzlich

kam ein Wolf aus dem Gebüsch,

lief auf sie zu, schnappte nach ihr

und erfasste ihren roten Rock. Er

war nicht zu vertreiben, sondern

zerrte an ihr. Die Frau schrie und

schlug den Wolf mit der Heugabel,

bis er sie endlich los ließ. Ein wenig

später kam ihr Mann aus dem

Gebüsch zurück, in dem eben der

Wolf verschwunden war. Sie

erzählte ihm von ihrem Erlebnis.

Der Mann lachte sie aus wegen

ihrer Angst. Da zeigten sich

zwischen seinen Zähnen rote

Wollfäden, die von ihrem Rock

stammten. Daraufhin zeigte ihn die

Frau beim Richter an und der ließ

ihn verbrennen.

Anmerkung: Wie beim Hexenwahn

reichten geringste Beschuldigungen aus,

um einen "Werwolf" auf den

Scheiterhaufen zu bringen. Das Urteil

stand fast immer von vornherein fest.

Völsunga­Saga

Der Junge Sinfjötli wurde im Alter von 10 Jahren von seiner Mutter zu seinem Onkel Sigmund

in den Wald geschickt. Sigmund beschloss, den Jungen an ein abenteuerliches Leben zu

gewöhnen und so zogen sie den ganzen Sommer durch den Wald und überfielen Männer, um

sie zu berauben.

So geschah es eines Tages, als sie auszogen, Beute zu machen, dass sie ein Haus fanden. In

dem Haus befanden sich zwei Männer mit dicken Goldringen, die schliefen. Über ihren Köpfen

hingen Wolfsfelle. Die Männer waren verwunschene Königssöhne, die als Wölfe leben

mussten. Nur alle fünf Tage konnten die Prinzen aus ihrem Wolfsfell schlüpfen. Sigmund und

der Junge schlüpften in das Wolfsfell, und sie verwandelten sich augenblicklich in Wölfe. Sie

heulten und sie verstanden gegenseitig ihr Geheul. Von nun an mussten sie als Wölfe durch

die Wälder ziehen. Erst als sie es schafften, an einem fünften Tag aus den Wolfsfellen zu

schlüpfen, entkamen sie ihrem Wolfsdasein.

21


Alles Wissenswerte über Hexen und Hexenmeister

Eine Hexe (von althochdeutsch hagzissa

bzw. hagazussa – Zaun­ oder

Hagreiterin), war im Volksglauben eine

mit Zauberkräften ausgestattete, meist

weibliche, unheilbringende Person, die

häufig mit Dämonen oder dem Teufel im

Bund geglaubt wurde. Die männliche

Bezeichnung lautet Hexenmeister.

Zur Zeit des sog. Hexenwahns wurde

diese Vorstellung auf reale Frauen und

Männer bezogen, wodurch Verfolgungen

legitimiert wurden. In jüngster Zeit wird

der Begriff häufig in positiver Weise neu

verstanden und mit einer Tradition

bestimmter weiser Frauen und Männer

verknüpft.

Das Stereotyp der Hexe, nämlich einer

alten Frau, die auf einem Besen reitet

(hinzu kommt dann oft die Begleitung

durch einen schwarzen Vogel oder eine

schwarze Katze), leitet sich von der

Vorstellung eines Dämons ab, der sich in Hecken oder Hainen aufhält oder auf Zäunen reitet;

aus der Zaunstange des althochdeutschen Ausdrucks, meist gegabelte Äste, wurde in

bildlichen Darstellungen der Hexenbesen.

Im frühen 15. Jahrhundert setzt sich jedoch die oben erwähnte Auffassung der Hexerei als

Teufelspakt durch. Zudem festigt sich das Bild der Hexen als Hexensekte mit

Zusammenkünften und Riten, das später zusammen mit der Folter als Verhörmethode zu der

explosionsartigen Ausbreitung der Beschuldigungen führen sollte. Das Zeitalter der legalen

Hexenverfolgungen hatte begonnen. Gegenüber der mittelalterlichen Rechtspraxis bedeutete

dies einen Fortschritt, da die Anwendung der Folter streng reglementiert war und auf

Gottesurteile verzichtet wurde.

Obwohl die Hexenprozesse sicherlich teils zur Beseitigung unliebsamer Nachbarn oder

Geschäftspartner genutzt worden sind, entspringt die Initiative dazu einer realen Angst vor

Verhexung, die für den modernen Menschen schwer nachzuvollziehen ist. Die größte Welle

der Hexenprozesse Ende des 16. Jahrhunderts fällt zusammen mit der sog. kleinen Eiszeit

und mit einem Ansteigen der Verfolgung anderer Delikte, wie z.B. Abtreibung oder Sodomie

(in der damaligen, homosexuell geprägten Bedeutung). Einerseits scheint also die

Klimaverschlechterung und die damit zusammenhängenden Missernten den Hexen wegen der

ihnen zugeschrieben Macht der Wetterzauber zur Last gelegt worden sein, andererseits ist

das Bedürfnis nach der Bestrafung von abweichendem Verhalten mit der wirtschaftlichen Not

gestiegen.

Das feststehende Konzept der Hexe, das dazu führte, dass man sich regelmässige Treffen

(Hexensabbate) einer Art Hexensekte vorstellte, erwies sich als ebenso verhängnisvoll wie

die Erzwingung des Geständnisses unter Folter: Da die Angeklagten ihre Reue zeigen sollten,

indem sie ihre Mitverschwörer verrieten, zog ein Hexenprozess so immer gleich etliche

andere in einer regelrechten Welle nach sich.

Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass sich immer wieder auch Menschen

selbst als Hexen bezeichneten.

22


Uralte Rituale: Hexen plaudern aus dem Nähkästchen

Hexenmagie ist eng mit der europäischen Kultur verknüpft. Beim Ausführen dieser Rituale

sind die alten überlieferten Kräfte stark zu spüren. Oft sind Rituale an bestimmte Orte und

Räume gebunden. Rituale, die nur von „Eingeweihten“ verstanden oder praktiziert werden

können, können auch der Ausgrenzung oder Beherrschung „Unwissender“ dienen.

Einen großen Einfluss hat speziell der

Mond. Es ist wichtig, dass für Zauber

und Rituale die richtige Mondphase

gewählt wird.

Man sollte die Zeit des zunehmenden

Mondes wählen, um Liebe, Glück,

sexuelles Verlangen und Wohlstand zu

steigern. Vollmond verstärkt die

übersinnliche Wahrnehmung und ist die

richtige Zeit für Fruchtbarkeitsrituale

und solche Zauber, die übersinnliche

Fähigkeiten und prophetische Träume

fördern. Die Phase des abnehmenden

Mondes dagegen eignet sich am besten

für eine Magie die etwas auflösen soll,

Zauber, Flüche, Verhexungen und

Unglück zu beseitigen, Liebeszauber

aufzuheben und um Krankheiten zu

lindern.

Hexenzubehör

Alle Gegenstände, die bei einer Hexenmagie, wie z.B. bei Ritualen, Zauber usw. benutzt

werden, sind bloß die Vertreter unsichtbarer Kräfte, da nur der eigene, magisch wirkende

Geist jene Kraft lenken kann und niemals ist es der liebevoll geschmückte Hexenaltar oder

ein Zauberstab usw. Das sind einfach Hilfsmittel, die zur leichteren Verständigung mit

unserem Unterbewusstsein beitragen, welches eben besser auf Konkretes reagiert, als auf

Abstraktes.

Hexenkräuter und Teufelspflanzen

Pflanzen wurden in "gut", dazu zählten viele Küchenkräuter, und in "böse" unterteilt. Die

"guten" Hexenpflanzen vertrieben alles Böse, brachten Gesundheit und Reichtum etc. Die

"schlechten" Teufelspflanzen waren meist die hochgiftigen Pflanzen, die z.B. zur Herstellung

von Hexen­ bzw. Flugsalben verwendet wurden, um das Gefühl des Fliegens hervorzurufen

oder um erotische Träume zu bringen. Die bekannteste Zauberpflanze, die Alraune, zählte

sowohl zu den Hexen­ als auch zu den Teufelspflanzen.

Kräuter spielen eine sehr wichtige Rolle in der Hexenmagie, denn sie werden meist als

Opfergabe, zum Schutz, als Unterstützung verwendet. Ihr großer Einfluss auf den

Hexenglauben ist wohl auf die keltische Vorstellung zurückzuführen, dass jedes Kraut einem

Gott geweiht ist, denn man folgt noch immer den magischen Analogien zwischen Göttern,

Planeten und den korrespondierenden Pflanzen. Kräuter beeinflussen nicht nur durch ihre

Inhaltsstoffe, Duft, Geschmack etc. die Magie, sondern auch durch das eigene Verhältnis zu

der Pflanze und man kann solcherart sogar zum besseren Gelingen eines Zaubers beitragen.

23


Noch mehr Bilder aus dem Moor

22


So leben Prominente in Dunkelhain: Apollonius von Tyana

Das "Hospital Eichenhain" liegt gut versteckt hinter uralten hohen Eichen an Herschels

Teichweg. Aber das soll schließlich auch dem Bedürfnis seiner Patienten nach Geborgenheit

dienen, darauf legt der Leiter dieses kleinen privaten Sanatoriums allergrößten Wert.

Ansonsten ist Apollonius von Tyana nämlich

ein sehr aufgeschlossener älterer Herr, der uns

den Zugang zu Dunkelwasser ja erst ermöglichte.

Er sagt, er habe schon in frühester Jugend

bemerkt, dass er besondere Kräfte besitzt.

Damals war es ihm nur peinlich, anders als die

Gleichaltrigen zu sein. Als er dann aber nach

Dunkelhain zog, spürte er sogleich eine tiefe

Seelenverwandschaft mit all diesen Wesen, die

hier leben. Und manchen galt auch sein Mitleid.

Um ihnen helfen zu können, bildete er seine

Heilerfähigkeiten ständig weiter aus. Und jetzt

im Alter gönnt er sich den bescheidenen Luxus,

ganz seinen Träumen zu leben mit seinem

kleinen Privathospital inmitten eines Eichenwäldchens,

seiner Pilzzucht, dem Kräutergarten

und der Herstellung heilkräftiger Elixiere und

Tränke, die seinen Patienten helfen.

26


Sein liebster Gefährte ist ihm seine Katze

Kaja, in deren unergründlichen Augen er

tiefe Weisheit findet. Kaja ist schon als

kleines Kätzchen zu Apollonius gekommen.

Keiner wollte die merkwürdige Katze mit den

verschieden farbigen Augen. Dabei beweist

doch die eine etwas weiße Pfote, dass sie

keine Teufelskatze ist! Sie lieben sich innig

und spenden einander Kraft und Stärke.

Und nun einige Bilder von Haus und Garten:

27


Außer dem Aufenthaltsraum gibt es zwei

Patientenräume und diverse Arbeitsräume

für Apollonius.

Diese Räume befinden sich im Keller und

sollen eine Höhle simulieren, damit die

Werwolf­Patienten sich heimisch fühlen. Zur

Zeit werden hier ein Teenager mit dem

Lebenswunsch Herzensbrecher und ein

junger Erwachsener mit dem Wunsch,

Zauberprofi zu werden, behandelt.

Einrichten dürfen sie sich ganz nach ihrem

Geschmack.

29


Das erwartet Sie im nächsten Heft

Finstermoor ­ das ehemalige Industriegebiet

Freuen Sie sich auf tolle Freizeitangebote

­ die Diskothek "Milchbar" in einer alten Fabrik

­ das Fitnessstudio "Muskel Production Inc."

­ den Filmpark "ShotaMovie"

­ den Angelplatz "Chitang"

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