Festspielhaus um jeden Preis?

probeethovenhalle.de

Festspielhaus um jeden Preis?

Leserbriefe sind eine wichtige Form der Meinungsäußerung durch die Bürger, werden aber

im Allgemeinen nicht in elektronischer Form veröffentlicht. Daher stellen wir sie als

Abschrift zur Verfügung. Die folgenden Leserbriefe erschienen am Samstag, 6. November

2010 auf Seite 32 des Bonner GENERAL-ANZEIGER unter der Überschrift:

Festspielhaus um jeden Preis?

Diskussion um Beethovenhalle und Festspielhaus

Ich kann die Deutsche Telekom nur beglückwünschen. Ihre auch im Sinne Bonns getroffene

Entscheidung, aus der Finanzierung des nach WCCB zweiten Bonner Millionengrabes

Festspielhaus auszusteigen, zeigt die Kompetenz eines erfolgreichen Unternehmens. Auch

die - natürlich im „neutralen“ General-Anzeiger - prominent abgedruckten Kritiken an der

alten Beethovenhalle vom 2. Oktober sind da nicht überzeugend. Wenn Frau Wulf-Mathies

die Bonner mahnt, endlich aufzuwachen oder Beethovens Intendantin die Bonner mutiger

wünscht am 9. Oktober. Gute Frauen, wir sind es längst! Es wird kein Stuttgart 21 oder

Elbharmonie in Bonn geben, und mit dem WCCB haben wir schließlich unser Steuergrab

schon. Also packt eure Koffer und zieht weiter - was ihr sowieso tun würdet, wenn es an

den geldfressenden Betrieb geht und dann doch statt Schulen bezahlt werden muss, Herr

Steinmeier vom 7. Oktober.

Bei aller Wertschätzung für die Musik Beethovens, mir sind gut ausgestattete Schulen,

eine vernünftige Infrastruktur et cetera wichtiger.

Otto Schwarz, Bonn

Zwei Fragen müssen angesichts des Heulens und Zeterns mancher Festspielhausfreunde

erlaubt sein:

Wie hoch ist der Eigennutz einzelner Akteure, das heißt wer will das Festspielhaus um

jeden Preis? Wie (un-)verantwortlich ist es angesichts der finanziellen Schieflage der Stadt

Bonn, so knapp am Nothaushalt vorbeigeschrammt an aktuellen Festspielhausplänen

festzuhalten?

Auch bei einem „Geschenk“ der nunmehr noch verbliebenen Dax-Unternehmen, die den

Bau (noch?) sponsern, verbleibt als „Geschenk für den Bonner Steuerzahler“ die enorme

Zeche des Festspielhausbetriebs zu zahlen. Schätzungen des von den Sponsoren mit einem

Konzept beauftragten Karsten Witt zufolge sind jährliche Betriebskostenzuschüsse seitens

der Stadt in Höhe von 4,7 Millionen Euro zu erwarten. Seriöser ist es, dann ein

Festspielhaus anzugehen, wenn 2014 nach den kommenden zwei Doppelhaushalten der

Haushalt ausgeglichen sein könnte, was eine derartige Bezuschussung überhaupt erst

ermöglichen kann. Es ist anzuraten, die - trotz allem - funktionstüchtige, denkmalgeschützte

Beethovenhalle zu sanieren.

Doro Schmitz, Bonn

Zu Recht schmückt sich die Stadt Bonn mit dem Titel „Beethovenstadt“ und mit Recht sind

Stadtverwaltung, Kulturpolitiker und Musikfreunde stolz auf das hohe Niveau, das das

Beethovenfest dank der hervorragenden Arbeit seiner Intendantin erreicht hat. Doch welcher

Kontrast, wenn man den desolaten Zustand der Spielstätte Beethovenhalle betrachtet. Mit


einigen kosmetischen Operationen sind die grundlegenden Mängel der Beethovenhalle im

Hinblick auf einen anspruchsvollen Konzertbetrieb, der den Anforderungen der heutigen

Zeit gerecht werden soll, allerdings nicht zu beheben, erst recht nicht die Saalgestaltung

ohne aufsteigende Sitzreihen.

Bis vor ein paar Monaten konnte man ja noch auf eine bessere Zukunft in Gestalt eines

neuen Festspielhauses hoffen, das OB Nimptsch freilich vorerst auf Eis gelegt hat. Die

Kosten, die eine unumgängliche Grundsanierung der Beethovenhalle erfordert, dürften

deutlich unter dem liegen, was die Stadt in die Stiftung zum Betrieb eines künftigen

Festspielhauses einzubringen hat. Das Problem „Denkmalschutz“ sollte überwindbar sein.

Dr. Hansjörg Dellmann, Bonn