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Erstklassig

Janson freut sich über den prominenten Besuch.

Ann-Katrin Kramer vor einem Plakat mit bunten Kinderhänden, das eine Schulklasse

gestaltet hat. Es signalisiert den Kindern im Hospiz: Ihr seid nicht allein.

Erinnerung an verstorbene Kinder.

Ein Haus

Ann-Katrin Kramer ist seit einem Jahr

als Botschafterin für die Bundesstiftung

Kinderhospiz e.V. aktiv. Anfang Dezember

besuchte sie das „Regenbogenland“.

voller Trost

Ihre blauen Augen leuchten,

blondes halblanges Haar umrahmt

das sympathische Gesicht.

Als das BARMER Gesundheitsmagazin

sich zum Gespräch

mit der beliebten Schauspielerin

Ann-Katrin Kramer trifft, herrscht

gerade Vorweihnachtszeit – wohl

deshalb denkt man eine Sekunde

an Engel. Vielleicht aber auch, weil

die geflügelten Himmelsboten irgendwie

etwas mit dem Thema

zu tun haben. Nein, es geht nicht

um die Hauptrolle in einem neuen

Weihnachtsfilm. Es geht um Ann-

Katrin Kramers ehrenamtliches Engagement.

Einige Tage später vor

Ort zu erleben, im Kinderhospiz

Regenbogenland in Düsseldorf.

Frau Kramer, es gibt sicher Ehrenämter,

die emotional leichter

zu verkraften sind, warum

haben Sie sich für dieses entschieden?

Kramer: Ich meine, das Thema

„Kinder“ ist eines, das immer noch

zu kurz kommt in Deutschland.

Wir richten zu wenig Augenmerk

auf unsere kleinen Mitmenschen

und zeigen viel zu wenig Geduld

und Großmut. Das erlebe ich in

den südlichen Ländern Europas

oft ganz anders.

Als die Stiftung mich gefragt hat,

habe ich erst überlegt, ob ich mir

diese Aufgabe zumuten und ob

ich dafür einstehen möchte. Sterben

gehört zum Leben dazu, das

macht mir keine Angst, vor allem

dann nicht, wenn ein langes, erfülltes

Leben zu Ende geht. Aber

die Kinder im Hospiz treten diese

Reise viel, viel zu früh an. Diese Gewissheit

war für mich der Knackpunkt

darüber nachzudenken, ob

ich das kann. Andererseits halte

ich es für wichtig, dieses Thema

aus der Tabuzone zu holen. Den

Menschen zu signalisieren „Schaut

nicht weg! Hier sind Kinder, die

doppelten Schutz brauchen.“

Sie haben dann gesagt ”yes,

I can“ – wie kam es zu dieser

Entscheidung?

Mein erster Besuch im Kinderhospiz

hat mich sehr bewegt,

aber auch sehr erstaunt. Ich hatte

eine Art Krankenhaus erwartet.

Aber so ist es nicht. Eher wie eine

große Familie. Ich habe erlebt, wie

viel Trost, Zuneigung und Hilfe

die Kinder und ihre Familien dort

erfahren. Es ist eine Atmosphäre

voller Hoffnung, Glaube und

Mitmenschlichkeit. Am meisten

hat mich die tröstliche Grundstimmung

erstaunt. Ich bin getröstet

nach Hause gefahren. Und meine

Überlegung war: wenn das gelingen

kann, diesen Kindern und ihren

Familien ein so gutes Zuhause

zu geben, dann müssen da viele

Menschen vieles richtig gemacht

haben. Ich will meinen Teil dazu

beitragen, so gut ich kann.

16 BARMER 1/2009


Erstklassig

Das Kinderhospiz -

ein Ort ganzheitlicher Begleitung

Der Snoezelraum – Ort des Rückzugs,

Nachdenkens, Entspannens.

In Deutschland leben über 20.000 Kinder, Jugendliche

und junge Erwachsene mit lebensbegrenzenden

Erkrankungen. Jährlich sterben daran etwa

2.500 junge Menschen. Ambulante Kinderhospizdienste

und stationäre Kinderhospize

unterstützen Betroffene und Angehörige

während der oft langen Krankheitsverläufe,

bis zum Lebensende und in der Trauer.

Kinderhospize in Deutschland

Die Mitglieder des Bundesverbandes Kinderhospiz

setzen sich aus verschiedenen Einrichtungen

zusammen. Dies sind sowohl stationäre

Kinderhospize (derzeit 8 bundesweit)

und ambulante Kinderhospizdienste (50), als

auch Initiativen, die sich mit der Gründung eines

Kinderhospizes befassen. Ebenso gehören

zum Bundesverband Organisationen, die die

Satzungsziele unterstützen, wie z.B. Selbsthilfegruppen.

Vorweihnachtliche Bastelstunde (v.l.n.r.): Egzon, Saskia, Ann-Katrin Kramer, Linn, Sabine

Kraft (Vorstand Bundesstiftung Kinderhospiz e.V.), Schwester Karina und Janson.

Mehr Infos zur Arbeit der Kinderhospize sowie

ehrenamtlicher Hilfe und Spendenmöglichkeiten

unter: www.bundesstiftung-kinderhospiz.de

Sie sind eine gefragte und viel

beschäftigte Schauspielerin.

Wie sieht Ihr Engagement für

Ihr Ehrenamt im Alltag aus?

Sprechen Sie mit Ihren Kollegen

darüber? Sammeln Sie

Spenden? Verteilen Sie Flyer?

Kramer: (lacht) Nein, Flyer verteile

ich nicht. Aber: ja, ich rede

darüber. Nicht nur mit Kollegen.

Ich repräsentiere die Stiftung in

der Öffentlichkeit, infomiere darüber

und starte Spendenaufrufe.

Prominenz ist dabei von Vorteil,

allerdings nur im Gespann mit

Glaubwürdigkeit. Ehrenamtliches

Engagement sehe ich als einen

Teil meiner Aufgaben. Mein Leben

ist privilegiert. Meine Familie ist

gesund. Wir leben in einem Land,

das Gutes bereit hält – an oberster

Stelle: Freiheit. Ich habe vor

kurzem in Afrika gedreht. Wenn

man sieht, wie die Menschen dort

leben müssen, rückt einem einmal

mehr ins Bewusstsein, dass es uns

verdammt gut geht. Verglichen

mit anderen Teilen dieser Welt, ist

Europa die Insel der Glückseligen.

Deshalb will ich etwas geben und

sehe es als eine Lebensaufgabe an,

Schwächeren zur Seite zu stehen.

Spenden ist sicher eine Möglichkeit,

die Hospizarbeit zu

unterstützen. Werden auch

ehrenamtliche Hilfskräfte gebraucht?

Ja. Vor allem für die Betreuung

von Geschwisterkindern. Für

sie ist die Situation oft besonders

belastend. Wenn ein schwerkrankes

Kind im Hospiz seine verbleibende

Lebenszeit verbringt, ist

es nur natürlich, dass Eltern und

Angehörige rund um die Uhr vor

Ort sind. Geschwisterkinder leiden

oftmals doppelt. Sie fürchten

den nahenden Verlust von Bruder

oder Schwester und fühlen sich

manchmal sogar schuldig, weil

sie gesund sind und weiter leben

dürfen. Eine solche Situation kann

Kinderseelen extrem belasten.

Deshalb ist viel gewonnen, wenn

ehrenamtliche Betreuer die Geschwisterkinder

aus dieser Situation

herauslösen. Man hilft ihnen

durch Normalität auf neutralem

Boden, durch Spaß, Fröhlichkeit,

Glück. Wer Zeit hat und sich engagieren

will, kann sich an die Stiftung

wenden.

Möchten Sie uns Ihr bisher

schönstes und traurigstes Erlebnis

in Verbindung mit Ihrem

Ehrenamt erzählen?

Es klingt vielleicht widersprüchlich,

aber es gibt viele schöne

Erlebnisse mit den Kindern, denen

ich dort begegnen darf. Mir

fehlen die Worte, um zu beschreiben

was geschieht, wenn ein Kind,

dessen Lebenszeit endlich ist, sich

freut, dass ich da bin und meine

Hand hält. In einer solchen Situation

komme ich manchmal an meine

Grenzen, aber sie gibt mir auch

die Kraft weiterzumachen.

Beeinflussen solche Erfahrungen

das Verhalten zum eigenen

Kind?

Kramer: Ich war schon immer

unendlich glücklich, dass mein Sohn

gesund ist. Gott sei Dank. Die Erfahrungen

im Hospiz rücken nur näher

heran und machen deutlich: Nichts

auf der Welt ist selbstverständlich.

Was wünschen Sie sich für das

neue Jahr?

Etwas Grundsätzliches, das eigentlich

längst Normalität sein sollte:

die Menschen sollten offener

zueinander sein und freundlicher

miteinander umgehen. Der Habitus

vieler Menschen bei uns ist oft

so abweisend, so verschlossen. Ich

wünsche mir eine andere Tonart:

eine kleine Nettigkeit, ein freundliches

Wort, ein Lächeln – so beginnt

ein guter Tag.

BARMER 1/2009 17

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