NIGERIA

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Samstag, 20 Januar 2007

Wenn es in Afrika ein Land gibt, über das man Vieles und meistens auch Schlechtes

hört, dann ist es Nigeria. Es gibt immer wieder bewaffnete Raubüberfälle in den

großen Städten und sehr oft korrupte Militär- bzw. Polizeikontrollen.

Jeder, der Afrika am Landweg und mit dem eigenen Fahrzeug durchqueren will, hat

schon einen gewissen Respekt vor diesem Land.

Der Großteil der Bevölkerung ist sehr arm, es leben über 120 Millionen Menschen in

Nigeria und im Allgemeinen ist das Land sicherheitstechnisch nicht völlig unter

Kontrolle.

Dazu kommen professionell agierende Verbrechersyndikate, die sich mitunter auch

als Polizisten ausgeben und selbstverständlich die Größe des Landes mit den vielen

unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die nicht unbedingt im Frieden miteinander

leben.

So ist der Norden des Landes streng Moslemisch. Dort wurde mit der Sharia wieder

die strenge Rechtssprechung gemäß dem Koran eingeführt.

Dieben wird die Hand abgehackt und der Umgang mit Frauen in der Öffentlichkeit gilt

als verboten.

Im Süden wiederum herrscht im Moment ziemliches Chaos und neben den

terroristischen Übergriffen auf ausländische Ölfirmen ist mit brutaler

Straßenkriminalität in den großen Städten zu rechnen.

Aus all diesen Informationen die zur Verfügung standen war es jetzt wichtig eine

mögliche Reiseroute durch das Land zu finden und natürlich das Risiko so gering wie

nur möglich zu halten.

Aus diesem Grund haben wir uns für eine Durchquerung in der Mitte entschieden.

Erstens fahren wir so viel über Buschpisten und Strassen dritter Ordnung mit kaum

Verkehr und zweitens umfahren wir so die großen Städte und die zahlreichen

Kontrollposten und Straßensperren.

Urwaldwege werden auch in Nigeria nicht unbedingt stark frequentiert, da es ja ein

ausgezeichnetes Straßennetz gibt.

Wenige Meter vor der Brücke geht mir noch einmal alles durch den Kopf was ich

über dieses Land gehört habe und ich muss zugeben, ich bin ein wenig besorgt.

Einige Sekunden später sind wir dann selber dort.

Der Beamte am Grenzposten deutet uns anzuhalten und die Maschinen abzustellen.

In seiner Hand hält er eine Pistole und fragt nach dem Visum. Als wir ihm das Visum

zeigen will er unsere Reiseabsicht sowie die Route wissen. Als wir darauf antworten,

dass wir Nigeria in Richtung Kamerun durchreisen wollen sagt er sogleich, dass wir

nur ein Transitvisum bekommen können.

Wir weisen den Mann darauf hin, dass wir ein Visum für 30 Tage haben und dass wir

kein neues Visum kaufen zu brauchen.

Darauf muss er mit seinem Chef telefonieren. Freilich gibt es kein Telefon am

Grenzposten und für sein Handy hat der Mann keinen Kredit.

Nach etwa 15 Minuten bringt jemand eine neue Wertkarte und er kann seinen Boss

kontaktieren. Dieser bestätigt ihm, dass Reisende mit gültigem Visum kein neues

Visum brauchen und so bekommen wir nach einer halben Stunde unseren

Einreisestempel.

Als der Beamte mit seiner Arbeit fertig ist, bittet er mich alleine zu sich ins Büro.

Irgendwie weiß ich was jetzt kommt, er legt seine Waffe auf den Tisch und fragt mich

Felix Bergmeister – Reisebericht Nr. 11 – Nigeria – 20.1.2007-29.1.2007


ganz einfach nach Geld. Darauf bedanke ich mich bei ihm für seine Arbeit und

versichere ihm, dass ich froh bin in Nigeria angekommen zu sein.

Darauf wiederholt er seine Forderung und droht damit wieder seinen Chef zu

verständigen um sich rückzuversichern ob wir nun wirklich einreisen dürfen.

Daraufhin deute ich aus dem Fenster auf mein Motorrad und zeige auf das Unicef

Logo. Als er das Telefon in die Hand nimmt, lasse ich ihn wissen, dass ich für Unicef

unterwegs bin, mich für die Kinder von Afrika einsetze und seinen Chef gerne selber

sprechen würde.

Darauf wünscht er mir erwartungsgemäß eine gute Weiterfahrt.

Gut, die erste Hürde haben wir genommen, es geht aber gerade erst los.

Der nächste Weg führt uns zum Zoll um die Motorräder einzuführen. Als wir vor der

Baracke anhalten werden wir unerwartet freundlich begrüßt und der Beamte erzählt

mir von seinem Sohn, der in Innsbruck lebt. Damit war der Rest einfach, ich erzähle

von der Schönheit Nigerias und der gute Mann von der Österreichs. Es gibt einen

Stempel ins Carnet und wir können weiterfahren.

Die teilweise sehr gute Piste führt durch den Busch entlang an kleinen Dörfern.

Bei einem dieser Dörfer stoppt uns ein Mann in Zivil. Er will unsere Pässe sehen.

Daraufhin frage ich ihn nach seinem Ausweis, doch er trägt ihn nicht bei sich.

Zum Glück wohnt der Mann in der Nähe und er ist wirklich Polizist. Nach wenigen

Minuten kehrt er ganz außer Atem zurück und zeigt uns seinen Ausweis. Daraufhin

zeige auch ich meinen Pass her und wir geben uns die Hand.

Die Reise geht weiter.

Wieder in einem anderen Dorf werden wir von der Polizei gestoppt. Quer über die

Strasse liegen Nagelbretter und 5 Mann deuten uns sofort zu stoppen. Als wir

unseren Pass hervorholen wollen, sagt einer der Männer, wir dürften nicht mehr

weiterfahren. Angeblich haben wir einen Polizeicheckpoint überfahren und bei einer

Straßensperre nicht angehalten.

Als wir jedoch auf die Nagelbretter und Waffen der Männer deuten und erwähnen,

dass wir bei der Polizei immer anhalten, lässt man uns passieren.

Bis jetzt läuft alles mal nicht so schlecht. Die Präsenz der Sicherheitskräfte ist zwar

extrem hoch, aber im Prinzip läuft alles korrekt ab.

Über Buschpisten geht es weiter. Je schmaler und abgelegener der Pistenverlauf ist,

desto problemloser ist auch das Vorankommen.

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Es ist schon ein tolles Erlebnis diese Teile des Landes zu sehen. Den Blicken der

Einheimischen nach zu schließen haben sie noch nicht viele Motorradfahrer

gesehen.

Gegen Abend schaffen wir es nicht mehr in die nächste große Stadt und so

beschließen wir einfach in einem kleinen Dorf beim Polizeiposten zu fragen, ob wir

dort übernachten dürfen.

Die Beamten sind äußerst freundlich und man bietet uns sofort an, das Zelt vor ihrem

Posten aufzuschlagen.

Ganz einfach ist die Situation natürlich auch für die Polizei nicht, denn schließlich hat

auch der Dorfchef noch ein Wort mitzureden. Er kommt offiziell mit Gefolgschaft

vorbei und erkundigt sich bei den Polizisten ob auch alles mit rechten Dingen zugeht.

Gemäß alter afrikanischer Tradition ist nämlich der Chef de Village alleine für das

Wohl der Leute in seinem Dorf verantwortlich, und nicht die Polizei.

Er will wissen, ob wir ehrbare Leute sind und ob unsere Übernachtung für sein Dorf

keine Gefahr darstellt. Nach einer kurzen Diskussion ist der Chef aber beruhigt und

lässt uns gewähren.

Wir packen den Kocher aus und es gibt Pasta mit Tomatensauce.

Freilich sind die vielen Kinder nicht weit, die ständig genau im Auge behalten, was

die weißen Männer da so treiben.

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Sonntag, 21. Januar 2007

Nach einem guten Kaffee mit den Jungs von der nigerianischen Polizei geht es

zurück auf die Piste. Durch einsame Landschaft geht es über verschlungene

Buschwege weiter in Richtung Hauptstadt.

Die 150 Pistenkilometer bis zur nächsten Asphaltstrasse sind bei weit über 30 Grad

teilweise recht anstrengend, das Fahren macht aber auch mit der schwer beladenen

Maschine irrsinnig viel Spaß.

Gegen Abend erreichen wir dann die kleine Stadt Jabba in der es einmal ein schönes

Guesthouse gab. Dieses legendäre Hotel liegt auch immer noch auf einem Felsen

hoch über dem Nigerfluss, leider ist es aber mittlerweile geschlossen.

Uns bleibt keine andere Möglichkeit als in einer üblen Truckerraststätte für fast 20

Dollar pro Person zu übernachten. Das ist schon verdammt viel für Nigeria und den

miesen Standart des Etablissements.

Als wir am Abend nur wenige Meter vor dem Hotel noch etwas Trinken wollen,

kommen drei Männer auf uns zu, halten uns auf und sagen, dass sie unsere

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Motorräder haben wollen. Dem Verhalten und dem Alkoholgeruch der Drei nach zu

schließen, sieht die Sache nicht besonders nach Spaß aus.

Die Männer versperren uns den Weg und wiederholen ihre Forderung. Das Einzige

was uns jetzt überbleibt ist die Sache lustig zu nehmen. Wir fragen, ob sie denn

überhaupt einen Führerschein haben, und wissen wie schwer es ist mit einem

großen Motorrad im Sand zu fahren.

Außerdem erzähle ich ihnen, dass ein Zylinder gut 3 Liter Benzin auf 100 Kilometer

verbraucht, und zwei Zylinder dann sogar 6 Liter brauchen. Drauf sagen sie offenbar

ganz erstaunt Oh, Ah, Uh...

Auf jeden Fall ist das Eis jetzt gebrochen und wir lachen alle miteinander. Als einer

der Männer dann meinen Reisebegleiter fragt, ob er ihn nicht als Sohn adoptieren

möchte, sind wir restlos davon überzeugt, dass es Zeit ist zu gehen.

Die Nacht über schlafen wir recht gut und ziemlich ermüdet.

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Montag, 22. Januar 2007

Als wir heute unsere Reise nach Abuja fortsetzen wollen, gibt es in der Früh noch

eine Überraschung. Beim ersten Checkpoint will mir einer der Polizisten offenbar

seine besondere Zuneigung beweisen. Er umarmt mich mit seiner linken Hand und

drückt mir dabei mit seiner Rechten seinen Gewehrlauf gegen die Brust. Dabei sagt

er mir ins Ohr, ob ich nicht vielleicht ein paar Dollar für ihn habe. Ganz erstaunt

antworte ich, dass man in Nigeria doch mit Naira bezahlt und ich darum keine Dollar

bei mir habe.

Darauf fängt er an zu lachen, schüttelt mir die Hand und deutet mir weiterzufahren.

Im Laufe des Tages werden wir noch bei vielen Checkpoints angehalten und

mittlerweile muss ich sagen, dass ich eigentlich noch nirgendwo in Afrika so lustige

und meist auch freundliche Kontrollen erlebt habe.

Der erste Anschein ist zwar meist bedrohlich, wenn die Männer mit Sturmgewehren

und Nagelbrettern die Strasse sperren und Fahrzeuge aufhalten; nach einem kurzen

Gespräch und ein paar freundlichen Worten sieht aber die Situation immer anders

aus. Wir dürfen selten einen Checkpoint verlassen, ehe wir nicht jedem Beamten die

Hand gegeben haben und man uns gute Weiterfahrt gewünscht hat.

Natürlich fragen viele Polizisten ob man ein Geschenk für sie hat, wenn man aber

nichts dabei hat, ist es genauso in Ordnung und mit etwas Humor ist jede Situation

gut zu meistern.

Man darf nicht vergessen, dass diese Männer extrem schlecht und manchmal lange

Zeit auch gar nicht bezahlt werden. Ihr Job ist zudem extrem gefährlich, wenn man

bedenkt, dass sie auf der Strasse stehen, damit eben keine Banditen dort stehen.

Auf teilweise holprigen Schlaglochasphalt und vorbei an einigen Buschfeuern

erreichen wir gegen Nachmittag dann Abuja.

Die Hauptstadt ist so unterschiedlich vom ländlichen Nigeria wie man sich das nur

vorstellen kann. Die Stadtautobahnen erinnern an Los Angeles und die Märkte und

Basare an eine orientalische Metropole.

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Stadtautobahnen

Basar

Den Abend verbringen wir im Hotel African Safari, in dem es automatisch einen

Discountpreis gibt, ohne dass wir danach fragen. Das hat man auch noch nirgends

gesehen. Ja, Nigeria ist eben anders.

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Dienstag, 23. Januar 2007

Heute ist ein Arbeitstag im klassischen Sinne eines Fernreisenden. Zuerst fahren wir

auf die Botschaft von Angola. Dort sagt man uns, dass die Botschaft heute nicht

arbeitet und wir morgen wieder kommen sollen.

Das war eigentlich für Angola auch nicht anders zu erwarten und wir machen uns

sogleich auf den Weg nach der Botschaft von Kamerun zu suchen. Das ist allerdings

nicht ganz einfach, denn es gibt in Nigeria weder ein Telefonbuch noch sonst eine

offizielle Stelle, wo man eine Adresse erfragen könnte. Nach einigen lustigen

Taxifahrten durch das riesige Abuja kommen wir endlich ins Botschaftsviertel.

Dort sieht es dann aber etwas anders aus als in anderen Städten dieser Welt. Die

meisten Länder sind nur durch eine Flagge oder ein Schild vertreten! Das

Botschaftsviertel befindet sich seit einigen Jahren im Aufbau und die meisten

Auslandsvertretungen sind immer noch Baugrundstücke. Etwas amüsiert über die

Tatsache, dass ich gerade ein paar Stunden nach einem Rübenacker gesucht habe,

beschließe ich der Irakischen Botschaft einen Besuch abzustatten. Wie man sieht mit

Erfolg.

Und das eigentlich gesuchte Anwesen der Kamerunbotschaft wird momentan so

repräsentiert:

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Für uns bedeutet das jetzt einmal, dass wir in den Süden des Landes müssen. In

Calabar gibt es ein Konsulat von Kamerun und dort können wir dann unser

Ansuchen stellen.

Im Laufe des Nachmittags machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, ohne viel

weitergebracht zu haben. Wenigsten bekommen wir noch ein paar schöne Eindrücke

von Abuja, der schönsten und angenehmsten afrikanischen Hauptstadt die ich bis

jetzt gesehen habe.

Danach gehe ich noch gemütlich in der Nachbarschaft laufen.

Als ich mich am Abend dann in die Hotellounge setzte um noch etwas am Computer

zu arbeiten vernehme ich ein seltsames Geräusch unter dem Tisch. Nach genauerer

Untersuchung der Lärmquelle stelle ich fest, dass es sich um den laut

schnarchenden Hotelboy handelt.

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Mittwoch, 24. Januar 2007

Als wir uns heute zum zweiten Mal auf den Weg zur Botschaft von Angola machen

erwarten wir uns nicht allzu viel.

Vor dem Botschaftsgebäude steht bereits eine Schlange von wartenden

Geschäftsleuten und das Betreten des Geländes ist generell verboten.

Durch ein kleines Fenster mit Gitterstäben werden die Antragsteller auf die Strasse

hinaus bedient. Auf den Mauern liegen Stacheldrahtrollen und die Wachleute tragen

Sturmgewehre.

Plötzlich erkennen wir unter den wartenden einen Radfahrer. Jan ist aus Tschechien

und will mit dem Fahrrad nach Kapstadt. Er versucht gerade den verständnislos

blickenden Businessleuten zu erklären, warum jemand mit dem Fahrrad durch Afrika

fährt.

Nach ungefähr einer Stunde werden wir zum Fenster gerufen. Ich mache den Anfang

und lege mein Dossier mit Formularen und Empfehlungsschreiben vor. Dazu

erwähne ich sofort, dass seine Exzellenz der Botschafter von Angola in Lomé bereits

seine Exzellenz den Botschafter in Abuja über meine Ankunft informiert hat, mein

Ansuchen in Lomé höchstpersönlich mit Empfehlungsschreiben akkreditiert hat und

meine dringende Arbeit es unumgänglich macht, dass das Visum noch heute

ausgestellt wird.

Darauf braucht der zuständige Beamte einmal eine kurze Pause und zieht sich

zurück um meine Formulare zum Botschafter zu bringen. Kurz darauf erhalte ich

meinen Reisepass und mein Visum. Mir bleibt für einen Moment die Sprache weg,

ganz so einfach hätte ich es nicht erwartet.

Nach einigen bangen halben Stunden passiert dann etwas fast Lustiges. Der Beamte

erscheint am Gitter und meint zu meinen Freunden, dass auch sie ein Ansuchen

stellen dürfen. Einzig die Formulare sind ausgegangen und sie müssten selber

welche kopieren fahren.

Wenige Minuten später kommt Taco mit einem Taxi zurück und versorgt die

Botschaft wieder mit dem nötigen Material. Es kann weiter gehen.

Nervenaufreibende Minuten verstreichen, die Formulare werden hastig auf der

Strasse ausgefüllt und der Beamte ruft aus dem Fenster, dass die Konsularabteilung

gleich schließt und wer nicht schnell genug fertig ist, kein Visum bekommt.

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Es geht zu wie in einem schlechten Film. Nachdem dann 60 US Dollar, wie immer

nur in US Dollar zahlbar, pro Person den Besitzer gewechselt haben, passiert das

Unglaubliche.

Der Beamte übergibt schließlich allen!! das vielbegehrte Visum. Gültig für 60 Tage

Einreise, Aufenthalt 30 Tage und doppelter Eintritt.

Drei glückliche Reisende haben es also geschafft.....

Nach einem herzlichen Dankeschön und einer kurzen Feierlichkeit beim nächsten

Wirten

geht es zurück ins Hotel.

Ich mache mich heute wieder auf den Weg auf die Laufstrecke und muss sagen,

dass Abuja wirklich eine tolle Stadt ist. So ungestört wie hier konnte ich in Afrika

selten laufen gehen.

Morgen geht unser Reise dann wieder weiter.

Wir haben das Visum für Angola im Reisepass und damit ist zumindest der Weg

durch den bürokratischen Dschungel Afrikas geöffnet.

Was nun vor uns liegt ist der echte Dschungel.

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Wir müssen nun hoffen, dass wir noch gerade vor dem Beginn der Regenzeit durch

die Urwaldpisten Kameruns kommen und wir werden im Kongo sowie in Angola auf

die teilweise schlechtesten Pisten Afrikas treffen. Fahrer und Material werden noch

auf eine harte Probe gestellt werden, bis es endlich soweit ist und wir die Grenze zu

Namibia überqueren und auf mich mein nächstes UNICEF-Projekt wartet.

Donnerstag, 25. Januar 2007

Wir fahren heute in Richtung Süden gegen Calabar. Die Strasse führt anfangs noch

durch trockenes Grasland und dann schließlich durch immergrünen Wald.

Als wir den Nigerfluss wieder überqueren, ändern sich das Klima und die Vegetation

fast schlagartig.

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Es gibt immer mehr Palmen und die Luftfeuchtigkeit wird immer stärker. Unter der

Motorradjacke bleibt das Shirt nun kaum mehr trocken.

Den Abend verbringen wir in einem lustigen Hotel und Freizeitzentrum, im etwas

abgelegenen Princessgarden. Die Gäste sind mehr oder weniger erlesene

Nigerianische Geschäftsleute, die Stille und Ruhe abseits der Großstadt schätzen.

Vor der Zimmertür nimmt ein Mann mit Gewehr Platz und dieses Schild an der Türe

ist durchaus ernst gemeint.

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Freitag, 26. Januar 2007

Nach einer angenehmen Nacht geht es heute weiter. Da wir auf unserem Weg nach

Calabar sowieso sehr nahe an der Grenze zu Kamerun vorbei müssen, beschließen

wir einfach unser Glück zu versuchen und zu probieren ob wir ein Visum direkt an

der Grenze bekommen können. In der Vergangenheit war das ohne Probleme

möglich.

Die Strecke führt vorbei an afrikanische Lehmhütten und die Landbevölkerung

verrichtet alle ihre Arbeit noch von Hand.

Bevor man die kamerunische Grenze erreicht kommt man noch in die kleine Stadt

Ikom. Dort gibt es einen Geldwechsler. Dieser Mann hat sein Büro mitten in den

Markstrassen der Stadt und man kann ihn nur durch die Hilfe der Einheimischen

finden.

Hier wechseln wir einen Teil unserer nigerianische Naira in kamerunische CFA.

Was noch zu früh ist, wie sich später herausstellt.

Auf jeden Fall kommen wir nach rund 20 weiteren Kilometern an die Grenze und die

nigerianischen Beamten wollen uns schon ausstempeln.

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Im letzten Moment, wie der Polizist den Stempel schon in der Hand hat, sage ich,

dass wir noch kein Visum haben und er mit dem Ausreisestempel noch warten soll.

Ist der nämlich einmal im Pass, gibt es kein zurück mehr in das Land und wenn es

kein Visum für das Nachfolgeland gibt, auch kein Weiterkommen.

Ich werde also heute mein Glück ohne Reisepass und zu Fuß versuchen und einfach

in Kamerun fragen ob wir einreisen dürfen. Ohne irgendetwas überquere ich darauf

die Brücke über den Grenzfluss und fühle mich etwas verloren.

Als mich der kamerunische Grenzbeamte sieht, traut er seinen Augen nicht. Da

kommt ein weißer Mann ohne Gepäck und Fahrzeug zu Fuß über die Grenze. Noch

dazu mit einem T- Shirt der nigerianischen Fußballnationalmannschaft!

Er stellt mir auf französisch die üblichen Fragen nach Visum, Pass und Reiseziel.

Als ich darauf antworte, dass ich weder Pass noch Visum habe und eigentlich nur

einmal kurz vorbeikommen wollte um zu fragen, ob man ein Visum an der Grenze

bekommen könnte, greift der Soldat nach seiner Pistole um dann kurz darauf zu

lachen zu beginnen.

Er bittet mich herein und fragt, wie ich denn ohne Pass überhaupt hierher gekommen

bin. Darauf antworte ich, dass die nigerianischen Kollegen so nett waren und mich

ohne Papiere und zu Fuß passieren ließen.

Leider ist es nicht mehr möglich an den Landgrenzen ein Visum zu bekommen und

ich muss wieder zurück marschieren.

Die Männer auf der nigerianischen Seite finden das offenbar lustig und klopfen mir

auf die Schulter.

Auf jeden Fall bedeutet das, dass wir eben doch nach Calabar fahren müssen und

nun bis Montag Zeit haben, ein angenehmes Wochenende am Meer zu verbringen.

Nicht freilich, ohne noch einmal in Ikom das Geld zurück zu wechseln. Der

Geldwechsler denkt sich seinen Teil, aber wenigstens ist unsere Rate gleich wie

beim ersten Mal. Auch wenn wir versprechen müssen, vor unserer endgültigen

Ausreise wieder zu ihm zu kommen.

Gegen Abend und mehr als 500 Tageskilometern erreichen wir Calabar.

Total ermüdet endet der Tag im Hotel.

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Samstag, 27. Januar 2007

In Calabar laufen einige Dinge etwas anders als in Abuja. Das lernen wir heute

Vormittag als wir zum Bankomaten wollen.

Es gibt hier nämlich weder Benzin noch Strom von Seiten der Stadt oder der

Regierung. Die sonst recht moderne Stadt am Meer wird fast rein über den

Schwarzmarkt versorgt!

Hat zum Beispiel eine Bank keinen eigenen Stromgenerator, kann sie nicht arbeiten.

Dasselbe gilt natürlich auch für computerisierte Automatentransaktionen und

Telefonleitungen.

Am Nachmittag gehe ich eine Runde laufen und genieße dann den wunderschönen

Sonnenuntergang von meiner Terrasse.

Sonntag, 28. Januar 2007

Heute ist ein wunderschöner Tag zum Erholen. Aufgrund der großen Hitze und

Luftfeuchtigkeit verlege ich mein Lauftraining auf die frühen Morgenstunden.

Gegen Mittag geht es dann zur Betankung der Fahrzeuge. Offiziell gibt es in Calabar

keinen Sprit und der Schwarzmarkt blüht nur so. Die Preise sind natürlich

dementsprechend hoch. Ein Liter kostet schon etwas über ein Euro fünfzig, Tendenz

steigend! Die Schwarzmarkttankstellen müssen sich zudem noch gut tarnen, wenn

die Polizei so eine Station aushebt, wird der Treibstoff beschlagnahmt und der

Betreiber bestraft.

Ich bin froh, dass wir einen bewachten Parkplatz bei unserem Hotel haben. Ich

glaube, ein voller Benzintank würde hier kaum eine Nacht auf der Strasse überleben.

Den restlichen Tag über verbringe ich mit Arbeit am Computer und den Schreiben

von Berichten.

Es gibt sogar ein recht gutes Internet Cafe mit einem funktionierenden

Stromgenerator.

Denn: nur wer Strom hat kann auch ins Internet. Energie ist nicht selbstverständlich,

zumindest nicht überall auf der Welt.

Felix Bergmeister – Reisebericht Nr. 11 – Nigeria – 20.1.2007-29.1.2007


Montag, 29. Januar 2007

Als wir heute auf die Botschaft von Kamerun kommen, hat diese aus irgendeinem

unerfindlichen Grund geschlossen. Visumansuchen werden heute nicht bearbeitet

und wir müssen morgen wieder kommen.

Wir beschließen heute den freien Tag für eine Bootsfahrt zu nützen.

Mit dem Schnellboot geht es durch das Delta des Calabarflusses durch einsame

Wasserstrassen in den Regenwald.

Wir fahren in die ehemalige Kolonial- und Handelsstadt Creek Town.

Dieses kleine Dschungeldorf ist über den Wasserweg zu erreichen und Tourismus ist

weitgehend unbekannt. Die Männer im Dorf heißen uns willkommen und bieten uns

Hundefleisch an. Hier eine Spezialität, wir lehnen aber dankend ab.

Felix Bergmeister – Reisebericht Nr. 11 – Nigeria – 20.1.2007-29.1.2007

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