Livigno Comer See - Kultourbikes.de

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Wheelie_05_2008 27.04.2008 22:27 Uhr Seite 30

Country Rider im Schneetreiben

Traumkulisse „Lago

Leise rieselt der Schnee

7-Tagestour Livigno/Comer See

Text: Präsi | Fotos: COUNTRY RIDER

Mit dem Motorrad in die majestätische

Welt der Alpen. Kurven schwingend

über die höchsten Pässe, bis

über die Baumgrenze hinaus. Klare

Gebirgsseen, in denen sich schneeweiße

Gletscherfelder spiegeln. Das

Bollern der eigenen Maschine, vermischt

mit dem fröhlichen Gebimmel

der Kuhglocken in den Ohren.

Abends dann in trauter Runde fröhliche

Lieder zum Gitarrenklang, dazwischen

geniale Witzrunden Marke

„lach’ mich tot“ – traumhafte Klischeevorstellungen?

Mit Nichten!

Denn seit über 20 Jahren erleben die

Motorradfreunde COUNTRY RIDER

Unterrot bei ihren jährlichen Mehrtagestouren

die oben aufgeführten

Attribute. Vom 1. bis 5. September

stand in diesem Jahr Livigno auf

dem Routenplan und für einen kleinen

Teil der Gruppe danach noch

drei Tage Comer See als Zugabe

(oder Belohnung fürs „Bravsein“).

Schon die Anzahl der Teilnehmer erreichte

in diesem Jahr Rekordwerte:

45(!) Urlaubshungrige haben sich zu

dieser Ausfahrt angemeldet. Die 25

Biker darunter konnten sich auf die

fachkundige Führung der erfahrenen

Tourguides Hans-Joachim, Peter,

Gundel, Schimmel und Präsi verlassen.

Als Appetithappen für das

kommende Bikerjahr 2008 soll der

nun folgende Bericht stehen:

Nass und Grau – alles andere als gemütliches

Mopedwetter, so stellt

sich der frühe Morgen Anfang September

vor. Trotzdem treffen alle mit

ihren Maschinen pünktlich zu den

vereinbarten Treffpunkten ein. Der

Regenkombi bleibt im Tankrucksack.

Wäre doch gelacht – so leicht geben

wir uns nicht geschlagen! Die ersten

knapp 200 Kilometer auf der A7 –

öde Autobahnbolzerei.

Muss eben

sein, wenn du so

eine Strecke vor dir

hast. Am Autobahnkreuz Allgäu verlassen

wir den Highway und erreichen

über Immenstadt und Oberstaufen

bei Riefensberg die Grenze

nach Österreich. Weiter geht die

Tour über den Hochtannbergpass

nach Warth – Lech – Zürs – Flexenpass

in die Wintersporthochburg St.

Anton. Über Landeck geht es weiter

Richtung Reschenpass, dann in die

Schweiz – in das Untere Engadin.

Zur wunderschönen verkehrsarmen

Route, vorbei an vielen Burgen und

Schlössern, immer entgegen den

grünen Fluten des Inns, passt die

wärmende Sonne, die sich nun

durch die Wolken schiebt, hervorragend.

In Zernez beginnt mit der Auffahrt

zum Ofenpass der Schweizer


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Alpen-Fun

Relaxen am Comer See

Lago di Como”

Nationalpark. Immer wieder

erinnert mich diese grandiose Landschaft

mit ihren großen Nadelbaumwäldern

und den steil aufragenden

schneebedeckten Gipfeln an die

Bergwelt der kanadischen Rocky

Mountains.

Auf halber Strecke des Ofenpasses

zweigt die Zufahrt ins italienische Livigno

ab. Und die hat es echt in sich.

Ein, von einer Ampelanlage geregelter

einspuriger Tunnel (7 Euro Maut

pro Motorrad) bringt uns – noch

nicht – nach Livigno. Zuerst fahren

wir, meist unter schützenden Galerien,

am fünf Kilometer langen Livigno-See

entlang. Dieser aufgestaute

See dient zur Stromgewinnung für

das Engadin und wurde in den 60-er

Jahren erbaut.

Mit dem letzten Tropfen Sprit im

Tank stürzen wir uns gierig in eine

der vielen Tankstellen, die der 1000-

Seelen-Ort aufzuweisen hat. Dies

hat seinen Grund. Wegen des Sonderstatus

als „zollfreie Zone“ hat Livigno

den Ruf eines Preisparadieses

für alle hoch besteuerten Artikel, wie

Tabak, Alkohol, Kaffee, Parfüm und

eben – Sprit. Knapp 88 Cent pro Liter

Superbenzin lassen die Herzen eines

jeden Bikers höher schlagen. Gar

nicht so leicht gestaltet sich das Unterfangen

unser Hotel zu finden.

Über 130 Hotelbetriebe freuen sich

in dem Hochtal mit fast 1.900 Höhenmetern

auf Gäste. Als echten

Glücksgriff soll sich unser Quartier,

das Bikerhotel Paradiso, erweisen.

Die Familie Canepari führt das

schmucke Haus mit einer liebevollen

Freundlichkeit und verwöhnt uns

Oldie-Express

mit einer erlesenen Auswahl

heimischer Spezialitäten (plus

1 Kilo/Tag „Zusatzranzen“ sind einzuplanen!).

Dieses Haus darf ich

ohne Abstriche weiter empfehlen

(www.hparadiso.info). Gegen

Abend sind sowohl die Biker als

auch die Familien, die mit dem PKW

gestartet sind, wohlbehalten in Livigno

angekommen.

Strahlender Sonnenschein empfängt

uns am nächsten Morgen.

„Auf die Pässe, fertig, los!“ Über

den Passo d’ Eira und den Passo

Foscagno verlassen wir Livigno und

gelangen in das italienische Wintersportmekka

Bormio, am Fuße des

Stilfser Jochs. Da wir die dritthöchste

Passstraße der Alpen erst

im letzten Jahr unter die Räder genommen

haben, muss nun der Ga-

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… und tschüss!

Bernina-Express vor dem

Morteratsch-Gletscher

Country-Rider-Wellness

Zweiradimpressionen der

unterschiedlichen Art

via „dran glauben“. Früher als berüchtigter

Schotterpass bekannt und

gefürchtet, hat er nun, durchgehend

geteert, viel von seinem Schrecken

verloren. Allerdings zeigt sich der

Zustand der schmalen Straße als

teilweise katastrophal. An eine flüssige

Fahrt ist allenfalls mit einer Enduro

zu denken. Da hat so ein

schwerer Brocken wie meine MT-01

(mitsamt seinem Piloten) doch

schon gewisse Schwierigkeiten,

sauber auf einer Linie zu bleiben.

Auch die schmale, teilweise spektakuläre

Abfahrt nach Ponte di Legno

fordert, so würde unser Bundestrainer

sagen, „hegschde Konzentration!“.

Dafür entschädigt der Blick

auf den gletscherbedeckten „König

Ortler“ und die umliegenden Gipfel

für den entgangenen Fahrspaß. Da

kommt die Belohnung in Form von

einem Riesen-Eisbecher in Edolo gerade

recht. Während wir über Tirano

und den Bernina-

Pass wieder unser Quartier in

Livigno ansteuern, nehmen die notorischen

Vielfahrer, unsere „Power-

Oldies“, mit ihren BMWs noch den

Abstecher nach Sondrio unter die

der. Nach spektakulärer kehrenund

tunnelreicher Auffahrt zum

Lago di Alpe Gera haben sie sich den

umwerfenden Blick zu den 4000-ern

des Piz Bernina und Piz Palü wirklich

verdient.

„Wenn wir erklimmen schwindelnde

Höhen“ – am Tage mit den Bikes

praktiziert, am Abend aus vielen

Kehlen zum Gitarrensound geschmettert!

Seit über 20 Jahren – ein

COUNTRY RIDER versteht zu feiern!

Einer meiner persönlichen „favourits“

steht am nächsten Morgen (natürlich

mit Sonnenschein und wolkenlosem

Himmel) auf dem Roadbook:

entlang der Bahnlinie der Rätischen

Bahn, die mit dem Bernina-

Express die höchste Bahntrasse der

Alpen mit spektakulären Kehrtunnels

und unzähligen Viadukten überwindet.

Der Bernina-Pass ist mit seinen

flüssigen recht weiten Kurven

ein Gedicht für jeden Biker. Wenn

am Scheitelpunkt der Kurve die

Hand am Gashahn dreht, das Triebwerk

unter dir den Ton erhebt und

die Fuhre druckvoll nach vorne

schiebt, dabei sich sanft am Übergang

zur Geraden in die Senkrechte

hebt – das ist es doch, was den Unterschied

zu allen sonstigen Fortbewegungsmitteln

ausmacht und warum

wir verrückten Jungs (und Mädels)

uns jedes Jahr auf diese Dinger

setzen. Einfach geeeeeiiiiil!

An der Passhöhe ein Muss: Foto vor

dem Bernina-Gletscher. Dasselbe

ca. 5 Kilometer talabwärts noch mal

– das noch schönere ewige (?) Eis

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Kurvenparadies Stilfser Joch

am Gavia-See

Abendsonne am Comer See

ein bischen Rast muß sein

des Morteratsch. Wenn dann noch

der rote Bernina-Express mit ins Bild

fährt – perfekt! Die technischen Ingenieursleistungen

der Schweizer dürfen

wir dann am Albula-Pass bestaunen.

Eisenbahntrassen, wohin man

schaut. Aufgrund der vielen Kehrtunnels

und der Viadukte weiß man

gar nicht mehr, wie sich der Streckenverlauf

gestaltet. Vesper- Pinkel-

und Fotopause werden hier

komprimiert. Über den Julierpass

stoppen wir kurz vor Silvaplana und

genießen die prächtige Aussicht auf

die dortige Seenplatte, auf der sich

eine große Anzahl bunter Kytesurfer

tummelt.

Nach dem obligatorischen Fotostopp

vor der Kulisse des mondänen

St. Moritz nehmen wir den Bernina-

Pass nochmals von der anderen

Seite unter die Räder, bevor wir nach

der Passhöhe wieder in das mondlandschaft-ähnliche

Hochtal über

den Forcola di Livigno abzweigen.

Der erste Preis für die Mammut-Tour

geht an diesem Tage allerdings an

die Gruppe mit Hans-Joachim als

Guide, die meist über kleine Passsträßchen

dem Lago di Garda einen

Besuch abgestattet haben und nach

gut 400 Kilometern Fahrt erst bei

Dunkelheit, geschafft aber glücklich,

im „Paradiso“ eintreffen. Dunkle

Wolken kündigen am nächsten Tag

einen Wetterumschwung an und so

beschränken sich die meisten auf

kleinere Touren in die nähere Umgebung,

bzw. lassen das Bike stehen

und decken sich im „Schnäppchenparadies“

Livigno mit allerhand

Duftwässerchen, hochprozentiger

Medizin oder Tabakstengeln ein.

Während dem abendlichen gemütlichen

Beisammensein in froher

Runde macht plötzlich die Hiobsbotschaft

die Runde: Es fängt an zu

schneien! Tatsächlich – leise rieselt

der Schnee aus dem mit Wolken verhangenen

Nachthimmel. Ein Novum

in der langjährigen Geschichte der

COUNTRY RIDER-Touren.

Mehrmals stehen wir in dieser Nacht

vom Bett auf und schauen sorgenvoll

nach draußen. Weißer und weißer

färbt sich die Natur – und das zu

Anfang September. Die Abreise am

nächsten Morgen muss so mit Verzögerung

stattfinden. Zum Glück ist

der Asphalt noch recht warm, so

dass die weiße Pracht schnell wieder

verschwindet und die einzelnen

Eisplatten, die sich bei minus 3 Grad

in der Nacht gebildet haben, nach

kurzer Zeit wieder abgetaut sind.

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VIP’s in St. Moritz

Silzer Seenplatte

„Peter, das Holz bitte

nicht aufessen”

Oldies starten den Schneewalzer

Was nachts als Schnee aus den Wolken

gerieselt ist, hat sich am Tag zu

einem ergiebigen Regenband gewandelt.

So gestaltet sich die Rückreise

zum persönlichen Härtetest,

mehr für Mensch als für Maschine.

Teilweise begleitet Platzregen, gemischt

mit Hagelschauern, die Unterroter

Biker die kompletten gut 400

Kilometer! Als Organisator kann

man nichts fürs Wetter – trotzdem

fühlt man sich irgendwie doch verantwortlich.

So bin ich froh und

glücklich, als ich von den einzelnen

Tourguides am Abend die Meldung

bekomme: Nass, aber unbeschädigt

im Ländle gelandet! Zumal ich an

diesem Abend bei 25 Grad und

blauem Himmel in Menaggio am

Comer See am Hotelpool liege und

über meinen Bauch die Sonnenstrahlen

streicheln lasse. Mit Ute,

Peter, Tine, Achim und meiner Jutta

haben wir uns über den schneebedeckten

Bernina-Pass hinunter nach

Tirano „gekämpft“. Passend dazu

die Faustregel: Pro Kehre abwärts

ein Grad Celsius aufwärts! In Sondrio

fallen schon die ersten Pullover

und wie gesagt: Am Comer See hat

uns der Sommer – und wir den Sommer

wieder!

So steht einer Tour zu den schönsten

Stellen des Comer Sees und ins

bergreiche Hinterland am nächsten

Tage nichts mehr im Wege. Gut gelaunt

nehmen wir die schaukelige

Fähre hinüber in den Nobelort Bellagio,

um von dort aus über Erba und

Lecco ins Val Sassina zu fahren. Auf

der anschließenden Fahrt über eine

kleine Passstraße nach Varenna am

Ostufer eröffnen sich immer wieder

grandiose Blicke über den in der

Abendsonne silbern glänzenden Comer

See.

Eine ereignisreiche aber wunderschöne

Woche geht mit der Heimfahrt

über den anspruchsvollen

Splügenpass – die Via Mala-

Schlucht – Chur – Vaduz – und den

Bodensee zu Ende. Eine gelungene

Woche mit vielen guten Freunden,

an die sich wohl jeder gerne zurück

erinnert, was die die Vorfreude auf

die Tour 2008 umso größer werden

lässt, wenn es heißt: COUNTRY RI-

DER goes Trentino – diesmal allerdings

ohne Schnee! Nehmt den guten

alten Präsi ruhig beim Wort!

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