Neue Konsolidierungsregelungen nach IFRS – Umsetzung und ...

ifu.rub.de

Neue Konsolidierungsregelungen nach IFRS – Umsetzung und ...

Neue

Konsolidierungsregelungen

nach IFRSUmsetzung und

Auswirkungen in der Praxis

IFRS-Forum am 30.11.2012

Ruhr-Universität Bochum

WP/StB Prof. Dr. Bernd Stibi


Agenda

■ Überblick

■ Der Vollkonsolidierungskreis gem. IFRS 10

■ Die neue Beherrschungskonzeption

■ Anwendungsbeispiele

■ Gemeinschaftliche Vereinbarungen gem. IFRS 11

■ Klassifizierung und Bilanzierung

■ Anwendungsbeispiele

■ Schlussbemerkungen

(Der Referent vertritt seine persönliche Meinung)

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

1


Überblick

Wesentliche Änderungen der Abbildung von Unternehmensverbindungen durch IFRS 10-12

IFRS 10

„Consolidated Financial

Statements“

IFRS 11

„Joint Arrangements“

IFRS 12

„Disclosure of Interests in Other

Entities“

■ Beseitigung von Inkonsistenzen in

der Bilanzierung nach IAS 27 und

SIC-12

Neue Definition der Beherrschung

■ Regelungen zu De-facto-Control,

Principial-Agent, Schutzrechten,

Zweckgesellschaften

■ Klassifizierung nicht mehr anhand

der Struktur

■ Abschaffung des Wahlrechtes für

die quotale Einbeziehung von

Gemeinschaftsunternehmen

■ Höhere Konsistenz der

Anhangangaben für alle Arten von

Unternehmensverbindungen

Erstanwendung für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2013 beginnen aber: Endorsement der

Europäischen Union wahrscheinlich erst für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2014 beginnen

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

2


Die neue Beherrschungskonzeption (I)

CONTROL

„An investor controls an investee when the investor is exposed, or has rights, to variable returns from its involvement with the

investee and has the ability to affect those returns through its power over the investee“

■ Sämtliche Kriterien müssen erfüllt sein

■ Möglichkeit zur Ausübung der Entscheidungsgewalt ausreichend

■ Neubeurteilung der einzelnen Kriterien bei Änderung von Umständen bzw. Sachverhalten

Power over investee

Entscheidungsgewalt über die

relevanten Aktivitäten

Exposure to variability

in returns

Investor ist variablen Rückflüssen

ausgesetzt

Link between

power and returns

Entscheidungsgewalt kann zur Beeinflussung

der Rückflüsse genutzt

werden

NEUES MODELL ZUR IDENTIFIZIERUNG DER BEHERRSCHUNGSMÖGLICHKEIT

Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3 Schritt 4

Schritt 5

Identifizierung der

Konsolidierungseinheit

Identifizierung der

relevanten Prozesse

und Aktivitäten

Entscheidungsgewalt

über relevante Prozesse

und Aktivitäten

Variabilität der

Rückflüsse

Verbindung zwischen

Entscheidungsgewalt und

Rückflüssen

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

3


Die neue Beherrschungskonzeption (II)

„Substantive rights“ über die relevanten Aktivitäten können aus unterschiedlichen

Konstellationen entstehen:

“Substantive rights” zur Beherrschung der relevanten Aktivitäten

Stimmrechte relevant

Stimmrechte NICHT

relevant

Mehrheit der Stimmrechte

Keine Mehrheit der

Stimmrechte, aber

Stimmrechtsvereinbarungen

„De facto control“

„Potential voting rights“

Würdigung

Zweck und Design

„investee“

Spezifische

Beziehungen

Verteilung der variablen

Rückflüsse

„Andere Verträge“

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

4


Entscheidungsgewalt über die relevanten Prozesse –

Anwendungsbeispiel I

Unternehmen E

20%

Unternehmen C

Darlehen Darlehen

Bank

80%

Sachverhalt:





Unternehmen E will den Vertrieb seiner Espresso-Geräte mit

Franchise-Nehmern (F1 und F2) intensivieren.

Das Unternehmen C („structured entity“) ist mit einem

nominalen Eigenkapital ausgestattet; die Bank B hält 80% der

EK-Anteile, E die übrigen 20%.

Über C werden die Franchise-Nehmer mit Fremdkapital

ausgestattet.

Die Darlehensvergabe wird durch E nach Maßgabe des

Liquiditätsbedarfs von F1 und F2 bestimmt.

F1

F2

Lösungsvorschlag:





Die relevante Aktivität von C ist die Finanzierung und

Darlehensgewährung an die Franchise-Nehmer.

E bestimmt die Darlehensgewährung und hat damit

Entscheidungsgewalt über C.

B hat über ihren Mehrheitsanteil an C keine

Einflussmöglichkeit auf die relevanten Aktivitäten von C.

SIC-12: Mehrheit der Risiken liegt aufgrund der

ausschließlichen Finanzierung bei B.

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

5


Beherrschung durch „andere Verträge“ –

Anwendungsbeispiel II

Sachverhalt:





Zulieferer Z liefert Zulieferteile an den Automobilhersteller A. Die Zulieferteile sind für A maßgeschneidert und wurden von Z für A

entwickelt.

A gründet eine Produktionsstätte in China, um vor Ort von Kostenvorteilen zu profitieren und auf dem chinesischen Markt präsent zu

sein. Z gründet ebenfalls eine Produktionsstätte in China, um A vor Ort beliefern zu können. Z-China erhält hierfür eine Lizenz von Z.

Aufgrund lokaler Anforderungen beteiligt sich der chinesische Partner C an Z-China. Der Zulieferer Z hält mit 60% die Mehrheit der

Kapitalanteile. Lt. Gesellschaftsvertrag bedürfen die folgenden Beschlüsse allerdings der Einstimmigkeit:

– Mittel- und Langfristpläne,

– Budget,

– Ernennung und Entlohnung des Senior Management,

– Verträge mit den Gesellschaftern.

Die Belieferungen von Z-China an A-China entsprechen den Qualitätsanforderungen von A-Deutschland. Z-China beliefert

ausschließlich A-China, für die Zukunft ist eine Erweiterung der Geschäftstätigkeit möglich.

Zulieferer Z

Z-China

Automobilhersteller

A

A-China

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

6


Beherrschung durch „andere Verträge“ –

Anwendungsbeispiel II - Lösungsvorschlag

Entscheidungsgewalt

über die

relevanten Aktivitäten

Investor ist variablen

Rückflüssen ausgesetzt

Entscheidungsgewalt kann

zur Beeinflussung der

Rückflüsse genutzt werden

Einschätzung

Relevante Prozesse bei Z-

China

■ Produktion Zulieferteile

■ Know-how

■ Einkauf

Lieferantenbeziehungen

■ Verkauf an A-China

Variable Rückflüsse

■ Lizenzgebühren

■ Vergütungen aus

Gesellschafterrechten

■ Zinsen

■ Kostenvorteile

■ Lizenzkonditionen

■ Finanzierungskonditionen

■ Kostenvorteile

■ Gesellschafterrechte

■ Customizing der Zulieferteile

■ Finanzierung

Folge

Z-Deutschland hat die

Entscheidungsgewalt über

die relevanten Prozesse

Z-Deutschland erhält variable

Rückflüsse aus seiner

Beteiligung an Z-China

Es besteht ein Zusammenhang

zwischen der Entscheidungsmacht

des Zulieferers

und den variablen

Rückflüssen.

■ Z beherrscht Z-China nach dem neuen Beherrschungsbegriff des IFRS 10.


Nach bisherigem IAS 27/IAS 31 wurde von einem Gemeinschaftsunternehmen ausgegangen.

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

7


Beherrschung durch „andere Verträge“ - Grundfrage

Entscheidungsgewalt bei < 50% der Stimmrechte?

■ Welche „anderen Verträge“ außerhalb des Gesellschaftsrechts

können zu Entscheidungsgewalt führen?

■ Sind Stimmrechte (< 50%) in jedem Fall erforderlich?

IFRS 10 nennt explizit die Einflussnahme auf den Produktionsprozess oder auf

andere wesentliche operative/finanzielle Aktivitäten.

■ Beispiel: Vertraglich festgelegte integrierte Fertigungsprozesse/Wertschöpfungsketten.

■ Entscheidungsgewalt wohl auch ohne Stimmrechte möglich (IFRS 10 diskutiert z.B.

explizit Franchise-Verhältnisse).

■ Bloße ökonomische Abhängigkeit ist nicht ausreichend.

■ Wirtschaftliche/Technologische Abhängigkeit kann aber wohl (zusammen mit

Rechten) zu Entscheidungsgewalt führen!

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

8


Nutzung der Beherrschung zur Beeinflussung der Rückflüsse

Sofern Entscheidungsmacht über die relevanten Aktivitäten besteht, ist zu untersuchen,

ob die Entscheidungsmacht für eigene Zwecke („principal“) oder für Dritte

(„agent“ aufgrund „delegated power“) besteht.

Würdigung “principal” vs. “agent”

Umfang der

Entscheidungsbefugnisse

■ Umfang der durch die vertraglichen Regelungen bestehenden Entscheidungsbefugnisse

■ Ermessensgrad bei den Entscheidungen

Rechte der

anderen Parteien

■ Bestellungs- und Abberufungsrechte hinsichtlich desjenigen, auf den die

Entscheidungsmacht übertragen wurde

■ Grad der Notwendigkeit der Kooperation anderer Parteien zur Bestellung/Abberufung

Vergütung

■ Angemessenheit der Vergütung im Hinblick auf die Leistungen, die erbracht werden

■ Marktüblichkeit der vereinbarten Bedingungen, Merkmale etc.

Variabilität der

Rückflüsse

■ Berücksichtigung sonstiger Beziehungen zum „investee“

■ Analyse auf Grundlage der erwarteten Rückflüsse unter Berücksichtigung des maximalen

Verlustrisikos

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

9


Nutzung der Beherrschung zur Beeinflussung der

Rückflüsse – Anwendungsbeispiel III

Unternehmen A

100%

Unternehmen B

100% der

Vorzugsaktien,

95% der

Dividenden

M1

Geschäftsbesorgung

M2

100% der

Stammaktien,

5% der

Dividenden

M3

Unternehmen C

Sachverhalt:





Unternehmen C ist als Venture Capital-Unternehmen tätig

und soll sich an innovativen Unternehmen beteiligen.

Das Kapital von C wird von Unternehmen A gehalten. A hält

dabei ausschließlich stimmrechtslose Vorzugsaktien und

bekommt 95% der Ausschüttungen. Die Stammaktien von C

werden durch Mitarbeiter von A gehalten, die 5% der

Ausschüttungen bekommen und hinsichtlich ihrer Tätigkeit

bei C nicht weisungsgebunden sind.

Die Finanzierung der VC-Aktivitäten erfolgt ausschließlich

über A. Die Zielunternehmen werden von M1-M3 bestimmt,

allerdings begrenzt durch den Finanzierungsrahmen von A

Das operative Geschäft von C wird über einen Geschäftsbesorgungsvertrag

von B, einem Tochterunternehmen von A,

abgewickelt. Die Gebühr, die B für die Geschäftsbesorgung

erhält, ist marktüblich.

Lösungsvorschlag nach IAS 27:


Aufgrund der fehlenden Stimmrechtsmehrheit keine

Vollkonsolidierung von C im Konzernabschluss von A.

Lösungsvorschlag nach IFRS 10:


Die Mitarbeiter M1, M2, und M3 sind nicht als Prinzipal zu

klassifizieren, so dass eine Konsolidierung von C im

Konzernabschluss von A erfolgen muss.

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

10


Gemeinschaftliche Aktivitäten –

Klassifizierung und Bilanzierung (IAS 31 vs. IFRS 11)

IAS 31

IFRS 11

Jointly controlled

operation/asset

Übernahme der zurechenbaren

Vermögenswerte,

Schulden,

Aufwendungen und

Erträge

Jointly controlled

entity

Equity-Methode oder

Quotenkonsolidierung

Keine „separate entity“

„Separate entity“;

Separierung wird aber durch

die rechtliche Form, Verträge

oder andere Sachverhalte

und Umstände unwirksam

Beteiligung an einer

„separate entity“

Joint operation

Übernahme der zurechenbaren

Vermögenswerte,

Schulden,

Aufwendungen und

Erträge

Joint venture

Equity-Methode

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

11


Gemeinschaftliche Vereinbarungen - Klassifizierung

Struktur

Ist die Vereinbarung der Parteien durch ein „separate

vehicle“ eindeutig abgegrenzt ?

Nein

Ja

Rechtsform

Vertragliche

Vereinbarungen

Haben die Parteien Rechte an den Vermögenswerten

und Verpflichtungen für die Schulden aufgrund der

Rechtsform des „separate vehicle“?

Nein

Haben die Parteien Rechte an den Vermögenswerten

und Verpflichtungen für die Schulden aufgrund einer

vertraglichen Vereinbarung?

Ja

Ja

Joint

ope-ration

Nein

Sonstige relevante

Tatsachen und

Umstände

Haben die Parteien im Wesentlichen die wirtschaftlichen

Vorteile aus den Vermögenswerten und Verpflichtungen

für die Schulden?

Ja

Nein

Joint venture

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

12


Gemeinschaftliche Vereinbarungen – Klassifizierungskriterien

und Implikationen (für den deutschen Rechtsraum)

Rechtsform

Vertragliche

Vereinbarungen

Sonstige Fakten und

Umstände

Kriterien

■ Trennung der Sphäre

zwischen Gesellschafter und

Gesellschaft

■ Anspruch aus Anteilen auf

das Nettoreinvermögen vs.

anteilige Vermögenswerte

und Schulden

■ Vereinbarungen, die zu einer

Unterscheidung der wirtschaftlichen

von den rechtlichen

Gegebenheiten führen

■ Rechtliche Strukturierung

kann durch wirtschaftliche

Bedingungen unerheblich

werden

■ Ausrichtung von Zweck und

wirtschaftlicher Tätigkeit

■ Ausgestaltung der Liefer- und

Leistungsbeziehungen zu den

Gesellschaftern

■ Grad der Abhängigkeit

Implikationen

■ Für die Rechtsformen in

Deutschland Trennung in der

Regel vorliegend (auch bei

Personenhandelsgesellschaften

und BGB-Außengesellschaften)

■ Steuerliche oder gesetzliche

Gründe können ursächlich

sein

■ Rechte an Vermögenswerten

bei Liquidation bzw.

Beendigung der Kooperation

nicht ausreichend

■ Vertraglich fixiertes, exklusives

Recht der Gesellschafter

zur Abnahme der Produkte

führt zur Abhängigkeit des JA

■ Bürgschaften bzw. sonstige

finanzielle Garantien

begründen noch keine

Zurechnung der Schulden zu

den Gesellschaftern

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

13


Gemeinschaftliche Vereinbarungen – Klassifizierung –

Anwendungsbeispiel IV

Unternehmen A

Unternehmen B

50%

50%

Unternehmen C

Sachverhalt:

■ Unternehmen A schließt mit Unternehmen C einen

Darlehensvertrag ab.

■ A hat eine Mindestabnahmeverpflichtung in Höhe von 70%

der Produktion von C.

■ B hat eine Mindestabnahmeverpflichtung in Höhe von 30%

der Produktion von C.

■ Die Preise sind festgelegt („cost plus“).


Mit Z (Mutterunternehmen von A) besteht ein Liefervertrag,

wonach Z der C einen wesentlichen Rohstoff zu einem

bestimmten Preis zur Verfügung stellen muss.

Lösungsvorschlag:





Durch die Mindestabnahmeverpflichtungen hat die Einheit

kein Vorratsrisiko; die ungleichmäßige Risikoverteilung auf

die Partner (70:30) schadet nicht.

Durch die festgelegten Preise besteht auch kein Absatzrisiko.

C hat auch kein Beschaffungsrisiko.

Da sämtliche relevanten Risiken von C auf die Partner

übertragen werden, handelt es sich um eine

gemeinschaftliche Tätigkeit („Joint Operation“).

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

14


Gemeinschaftliche Vereinbarungen – Klassifizierung –

Anwendungsbeispiel V

Unternehmen A

Unternehmen B

50%

50%

Unternehmen C

Sachverhalt (Variation):





A hat eine Mindestabnahmeverpflichtung in Höhe von 70% der

Produktion von C. B hat eine Mindestabnahmeverpflichtung in

Höhe von 30% der Produktion von C.

Mit Z (Mutterunternehmen von A) besteht ein Liefervertrag,

wonach Z der C einen wesentlichen Rohstoff zu einem

bestimmten Preis zur Verfügung stellen muss.

Die Abnahmepreise richten sich nach den aktuellen Marktpreisen

der Vorprodukte.

Für den Fall von Liquiditätsengpässen von C garantieren A und

B den Ausgleich von sämtlichen Verbindlichkeiten.

Lösungsvorschlag:




C ist abhängig von den umsatzbedingten Einzahlungen der

Partner, die notwendig sind für die Bedienung der eigenen

Verbindlichkeiten.

Das Risiko, dass die Verbindlichkeiten von C nicht bedient

werden, ist durch die Bürgschaften auf A und B übertragen

worden.

Die Kombination von marktpreisbasierten Verkaufspreisen

und der Bürgschaft führt zur Klassifizierung als

gemeinschaftliche Tätigkeit („Joint Operation“).

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

15


Gemeinschaftliche Vereinbarungen – „Technik“ der

Einbeziehung in den Anwendungsbeispielen IV und V

Welche Einbeziehungsquote ist zugrunde zu legen?

■ Gesellschaftsrechtliche Beteiligungsquote/Kapitalanteil?

■ Vertraglich festgelegte Abnahmequoten der Parteien?

Lösungsvorschlag:

■ Die starke wirtschaftliche Betrachtungsweise bei der Klassifizierung verlangt auch

eine Einbeziehung entsprechend der vereinbarten Abnahmequoten.

■ Eine Aufrechnungsdifferenz zwischen Beteiligung und anteiligem Reinvermögen ist

als „Ausgleichverpflichtung/-anspruch“ in die „Anteile anderer Gesellschafter“

einzustellen.

■ In der GuV ist dann analog zu verfahren.

■ Einbeziehung nach dem Kapitalanteil aus Gründen der Praktikabilität?

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

16


Schlussbemerkungen

IFRS 10 verlangt in deutlich stärkerem Maß als bisher Ermessensentscheidungen, da

der Standard in weiten Teilen auf „Indikatoren“ basiert.

■ Der Konsolidierungskreis wird (zumindest in seinen „Randbereichen“) deutlich

„unschärfer“ und ggf. auch volatiler ( Potentielle Stimmrechte, Präsenzmehrheiten).

■ Die „Quotenkonsolidierung“ lebt u.U. weiter, allerdings mit ggf. komplexerer

„Einbeziehungstechnik“.

■ Für Beherrschungsverhältnisse, die auf den bisherigen „konzerntypischen

Rechtspositionen“ basieren, dürften sich regelmäßig keine Änderungen im

Vollkonsolidierungskreis nach IFRS 10 ergeben.

■ Bei Änderungen aufgrund der Erstanwendung von IFRS 10 und IFRS 11 sind die

speziellen Übergangsvorschriften zu beachten.

■ Teils deutlich komplexere Anhangangaben gem. IFRS 12.

© 2012 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzerngesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KPMG

International Cooperative („KPMG International“), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das

Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International Cooperative.

17


© 2011, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, a subsidiary of

KPMG Europe ELLP and a member firm of the KPMG network of

independent member firms affiliated with KPMG International

Cooperative (KPMG International), a Swiss entity. All rights reserved.

The KPMG name, logo and ‘cutting through complexity’ are registered

trademarks or trademarks of KPMG International Cooperative (KPMG

International).

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine