Download - KJF Regensburg

kjf.regensburg.de

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aus dem Inhalt …

Soziale Arbeit macht Freude.

Dienste an Menschen

müssen jedoch besser bezahlt

und anerkannt werden.

Zu Besuch bei der KJF:

Kindernobelpreisträgerin

Anna Mollel

Aus der Arbeit der Katholischen Jugendfürsorge

der Diözese Regensburg e. V.

„Wie ich Deutschland erlebe…“

Nachgefragt bei jungen

Frauen aus anderen Ländern


Impressum

Titelfoto:

Anna Mollel, Kindernobelpreisträgerin

2012, mit Kindern des Pater-Rupert-

Mayer-Zentrums

Foto: Juliane Zitzlsperger, neverflash.com

Herausgeber:

Katholische Jugendfürsorge der Diözese

Regensburg e. V., Direktor Michael Eibl

Redaktionsleitung:

Michael Eibl, Isolde Hilt

MitarbeiterInnen dieser Ausgabe:

Christine Allgeyer, Martina Dommer,

Prof. Dr. Josef Eckstein, Christoph Escherle,

Isolde Hilt, Flora Jädicke, Anja Zankl

Fotos:

Archiv, Christine Allgeyer, altrofoto.de,

Günther Ciupka, Flora Jädicke, Renate Höning,

Johannes Schoppelrey, Juliane Zitzlsperger,

Fotolia.com (© Christian Nitz, © industrieblick,

© Marina Lohrbach, © S.Kobold)

Gestaltung:

grafica-design.de

Astrid Riege

Druck:

hm Druck, Regensburg

Auflage:

8.000

Kontakt Redaktion:

Katholische Jugendfürsorge

der Diözese Regensburg e. V.

Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Orleansstraße 2a · 93055 Regensburg

Telefon: 0941 79887-220 · Telefax: 0941 79887-177

E-Mail: presse@kjf-regensburg.de

www.kjf-regensburg.de

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Kontakte 1/2013


aktuell

Einander wertschätzen tut gut.

Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Förderer,

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Die Wertschätzung der Menschen,

die sich uns anvertrauen, und die

Wertschätzung unserer Mitarbeiter

ist uns in unserer Arbeit sehr

wichtig. Sie ist die Anerkennung

für den Dienst an Menschen und

motiviert immer wieder neu.

Große Wertschätzung erfuhren

wir auch von unserem neuen Bischof

Dr. Rudolf Voderholzer, der

die Geschäftsstelle und mehrere

Einrichtungen der KJF besuchte. Er

nahm sich viel Zeit für die Betreuten

und die Mitarbeiter und informierte

sich ausführlich über unsere

Arbeit. Vor wenigen Tagen

bedankte er sich handschriftlich

mit einer Karte an Prälat Dr. Josef

Schweiger und mich: „Mittlerweile

durfte ich ja schon Ihre Zentrale

und mehrere Einrichtungen besuchen

und mir ein Bild machen von

der großartigen Arbeit der KJF.

Nochmals auch an dieser Stelle

herzlichen Dank und Grüße an die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!“

Seinen Leitspruch „Christus

ist unter Euch; ER ist die Hoffnung

auf Herrlichkeit!“ (Kol 1,27) gibt er

uns mit auf den Weg.

Das Titelthema lautet dieses Mal

„Für soziale Arbeit begeistern“. Es

ist ein wunderbares Berufsfeld,

das aber noch mehr Wertschätzung

erfahren muss. Im „Standpunkt“

macht Prof. Dr. Josef

Eckstein, Präsident a. D. der Technischen

Hochschule Regensburg

und Vorsitzender des Vereins

„Zweites Leben e. V.“, deutlich,

dass soziale Arbeit mehr ist als

„nur“ der Dienst am Menschen:

Sie bildet eine tragende Säule für

den sozialen Frieden in unserer

Gesellschaft.

Es ist richtig, dass wir Politik und

Gesellschaft noch mehr herausfordern

müssen, die Arbeit von Menschen

an Menschen anzuerkennen.

Wir sollten aber auch bei uns

selbst beginnen. Haben wir die

Sensibilität für die kleinen Gesten

der Wertschätzung? Sehen wir

auch die kleinen Fortschritte bei

Kindern, Jugendlichen, erwachsenen

Menschen mit und ohne Behinderung?

Freuen wir uns gemeinsam

über die kleinen Erfolge

des Alltags? Schaffen wir es immer

wieder, auch Ärger und Konflikte

frühzeitig und offen anzusprechen?

Gelingt es uns, von Herzen

„Danke“ zu sagen?

Bei der KJF führen wir viele sozialpolitische

Gespräche, verhandeln

mit unseren Partnern, entwickeln

neue Konzepte… Wir üben Kritik an

zu viel Bürokratie, zu geringen Entgelten

etc. Wir konnten uns aber

auch über positive Entwicklungen,

ordentliche Verhandlungsergebnisse

und den gefundenen Kon-

sens freuen. Dafür sage ich von

Herzen „Danke“ bei unseren Partnern

in Politik und Gesellschaft.

Dankbar sind wir auch für den Besuch

von Anna Mollel aus Tansania,

der Kindernobelpreisträgerin

2012. Sie leistet in ihrem Land bewundernswerte

Pionierarbeit für

Kinder mit Behinderungen. Gleichzeitig

sehen wir durch ihren Bericht,

wie viel bei uns bereits zum

Guten hin passiert ist und dass

unsere Hilfe nicht vor Landesgrenzen

Halt machen darf.

Ich sage den Menschen „Danke“,

die sich uns anvertrauen, unseren

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,

die jeden Tag Großartiges

leisten, unseren Freunden und Förderern,

ohne deren Unterstützung

vieles nicht möglich wäre.

Ich wünsche viel Freude mit der

neuen Aktion Kontakte.

Ihnen und Ihren Lieben einen

schönen Sommer und viele wertschätzende

Begegnungen!

Ihr

Michael Eibl

Direktor der KJF

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Aktuell

6

24

Inhalt

Titelthema

aktuell

31

Für soziale Arbeit begeistern

>>> Es macht Freude, anderen Menschen 6

zu helfen und für sie da zu sein.

Soziale Arbeit und die Menschen, für

die sie da ist, müssen jedoch eine andere

Wertschätzung erfahren, macht

KJF-Direktor Michael Eibl deutlich.

>>> Wir lieben unseren Job! 8

Der Beruf macht einfach Spaß,

wenn man gerne mit Menschen

zusammenarbeitet.

>>> Bewerben Sie sich bei uns. 10

Die KJF, eine attraktive Arbeitgeberin

>>> Kloster St. Klara wird inklusiv. 12

Mitten in Regensburg entsteht u. a.

Wohnraum für Menschen mit Behinderung

und für junge Mütter mit ihren Kindern.

>>> Kunst ist unsere gemeinsame Sprache. 18

Im Atelier „Kunst inklusiv“ im Regensburger

Andreasstadel sind Menschen

mit und ohne Behinderung kreativ.

>>> Alles wirkliche Leben ist Begegnung. 20

Junge Frauen aus anderen Ländern,

zu Gast in Haus Hemma, erzählen, wie

sie Deutschland erleben.

>>> Kinderpreisträgerin Anna Mollel 24

aus Tansania zu Gast

Über eine außergewöhnliche Frau, die

ihr Leben mit Liebe und Beharrlichkeit

Kindern mit Behinderung widmet

>>> Ins Leben zurückgekämpft 28

Ein Mann überlebt mit schwersten

Schädel-Hirn-Verletzungen.

Seine Frau gibt nicht auf und geht mit

ihm in ein neues Leben.

>>> Ich habe immer ein offenes Herz für Sie! 31

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer lernt die

Katholische Jugendfürsorge kennen.

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20

18

kurz notiert

>>> Ihr gutes Werk lebt weiter. 34

KJF nimmt Abschied von Franz Randak,

Begründer der Aktionsgemeinschaft

„Kind in Not“

>>> Wer erinnern uns in Dankbarkeit an Sie. 35

Abschied von Dr. Birgit Böhm, Leiterin

der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle

Kelheim der KJF

>>> Jugendliche über die aktuellen Medien 42

erreichen

„Wir können nur empfehlen, den Schritt

in die Facebook-Welt zu wagen“, so das Fazit

aus dem Haus des Guten Hirten.

Standpunkt

>>> Soziale Arbeit – der Gerechtigkeit 14

Genüge tun.

Soziale Arbeit ist eine tragende Säule

für den sozialen Frieden. Sie ist nicht nur

wichtig, sie ist systemrelevant, führt

Prof. Dr. Josef Eckstein, Präsident a.D. der

Technischen Hochschule Regensburg, aus.

>>> Erziehungsberatung hilft 17

Infos dazu bietet ein neues Web-Portal.

>>> Meine Lieblingstorte 38

Die besten Rezepte für einen guten Zweck

>>> Es ist normal, anders zu sein. 39

Dokumentation zu Regensburg inklusiv

>>> Ein Beruf für Menschenfreunde 39

Alles über Beruf und Ausbildung zur

Heilpädagogik auf der neuen Website der

Fachakademie Regensburg

>>> Für trauernde Kinder und Jugendliche 45

„Kindertrauerbegleitung e.V.“ hilft

aus der Welt der KJF

Im Gespräch

>>> Menschen, die bewegen 13

Neues aus den Einrichtungen

>>> Neuentwicklungen, Jubiläen, Projekte 32

Vergelt’s Gott!

>>> Spenden 16

Innehalten 47

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Titelthema

„Es macht Freude,

anderen Menschen zu helfen

und für sie da zu sein.“

Soziale Arbeit und die Menschen, für die sie da ist,

müssen jedoch eine andere Wertschätzung erfahren.

Interview: Isolde Hilt • Fotos: Juliane Zitzlsperger · altrofoto.de

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Titelthema

Fachkräfte fehlen in vielen Branchen, auch im sozialen

Bereich. Was spricht dafür, einen sozialen Beruf

zu ergreifen?

Man kann mit seiner ganzen Persönlichkeit, seinen

Kompetenzen etwas für andere Menschen leisten.

Man bringt Professionalität ein, die sehr wichtig ist,

und persönliches Engagement. Das Besondere ist,

dass man sehr schnell eine Rückmeldung zur geleisteten

Arbeit bekommt.

In anderen Branchen oder bei Behörden habe ich

auch mit Menschen zu tun. Was macht speziell den

sozialen Bereich aus?

Der soziale Bereich geht tiefer, er ist mehr als eine

Dienstleistung: Es geht um persönliche Probleme,

um Situationen, in denen man Hilfe und Unterstützung

braucht, wo eine enge Vertrauensbeziehung

entsteht. Das betrifft vor allem die Kolleginnen und

Kollegen, die direkt mit Klienten arbeiten, setzt sich

aber auch fort bei den Mitarbeitern, die Führungsverantwortung

haben.

zieht ein Jugendlicher bei uns aus, den ich

drei Jahre lang betreut habe. Er bringt alles selbst auf

„Momentan

die Reihe. Darüber bin ich wahnsinnig glücklich! … Der

Beruf macht einfach Spaß, wenn man gerne mit Menschen zusammen

arbeitet.“ So wie Anja Zankl, Erzieherin im Haus des

Guten Hirten der KJF, würden viele, die einen sozialen Beruf

ergreifen, mit niemandem tauschen wollen. Ihre Arbeit gibt

ihnen etwas, das mit nichts aufzuwiegen ist. Vielleicht

liegt das Geheimnis darin, dass man sich in

der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen

Menschen selbst am ehrlichsten erfährt. Tatsache

ist aber auch, dass sich in sozialen Berufen

ein Fachkräftemangel abzeichnet. Viele Stellen

sind unterbezahlt, die Anerkennung sozialer Arbeit

wird der hohen Professionalität, dem Engagement

und der Leistung, die etwa in der Kinder- und

Jugendhilfe, der Arbeit für Menschen mit Behinderung,

im Gesundheits- und Pflegebereich erbracht

wird, nicht gerecht.

Politik und Gesellschaft sind dringend zum Handeln

aufgefordert. Doch kann man auch viel in den eigenen

Reihen bewirken, wie Michael Eibl, Direktor der Katholischen

Jugendfürsorge Regensburg, im Gespräch ausführt: Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in ihrer Arbeit wertschätzen, vernünftige

Rahmenbedingungen hinsichtlich Weiterentwicklung und

Einkommen schaffen, in persönlichen Krisensituationen ein

verlässlicher Arbeitgeber bleiben.

Was spricht dafür, sich bei der KJF zu bewerben?

Ich glaube, wir schaffen in besonderer Weise sinnstiftende

Arbeit. Das liegt an unserer Wertehaltung, die

dem christlichen Glauben entspringt, an der Haltung

Menschen gegenüber und an einem Arbeitsklima,

wo wir einander mit Wertschätzung begegnen. Das

gelingt uns in den allermeisten Fällen. Auch in kritischen

Situationen stehen wir zueinander.

Es geht bei der KJF also besonders menschlich zu?

Ja, davon bin ich überzeugt. Garanten dafür sind für

mich Menschen, die bei uns schon seit Jahrzehnten

tätig sind, die die KJF prägen wie mein Vorgänger

Prälat Dr. Josef Schweiger oder

viele andere in Verwaltungsrat

und Vorstand, langjährige Mitarbeiter

oder Einrichtungsleiter.

Werte entstehen durch Menschen,

die sie prägen. Ich kann

nach 21 Jahren mit aufrichtiger

Überzeugung sagen, dass hier

viele Menschen am Werk sind, die

die Werte und das Klima bei der

KJF sehr positiv beeinflussen.

Michael Eibl

Direktor der KJF

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Titelthema

Können Sie das an einem Beispiel deutlich

machen?

Ich glaube, unsere Mitarbeiter merken,

dass sie hier gut aufgehoben sind, zum

Beispiel dann, wenn sie selbst in eine

Krisensituation kommen. Ihnen so zu

begegnen, wie wir es selbst erwarten

und uns wünschen würden, halte ich

für sehr wichtig. Nehmen Sie einen 50-,

60-jährigen Mitarbeiter, der schwer erkrankt und

länger ausfällt. Wir überlegen uns, wie wir ihn in dieser

Zeit stützen können und wie sein Wiedereinstieg

gelingen kann. Wenn er schwerer beeinträchtigt ist,

leistet das Betriebliche Eingliederungsmanagement

gute Dienste.

Wenn jemand vorzeitig in Ruhestand gehen will,

prüfen wir das sorgfältig, versuchen, uns in den Mitarbeiter

oder die Mitarbeiterin einzufühlen und die

persönlichen Motive zu verstehen.

Wenn sich Mitarbeiter um ein schwer erkranktes

Familienmitglied kümmern wollen, soll das bei uns

mit der Arbeit vereinbar sein. An erster Stelle muss

natürlich unsere Arbeit stehen, dass wir für unsere

Klienten bestmögliche Arbeit leisten und ihnen helfen.

Das Ganze geht aber nur, wenn wir Mitarbeiter

haben, die zufrieden sind und in sich ruhen.

Diese Glaubenserfahrung,

diese Glaubenssehnsucht tragen

sehr viele Menschen in sich.

Es ist nur in unserer heutigen Zeit

nicht mehr ‚in‘, es so zu formulieren.

Wenn man sich bei der KJF bewirbt, muss man katholisch

sein, oder?

Ja. Das gehört zur Grundhaltung, dass wir unseren

Glauben als kirchlicher Träger leben wollen. Wir haben

auch evangelische Christen in unseren Reihen.

Wichtig ist, dass man zu unserem Glauben steht

und ihn lebt. Jeder, der an sich selbst die Erfahrung

macht, dass der Glaube Kraft gibt, kann das so auch

weitergeben.

Viele glauben zwar, haben mit der Kirche aber

Schwierigkeiten. Diese Haltung harmoniert nicht so

gut mit den Einstellungskriterien eines katholischen

Arbeitgebers…

Die Einstellungskriterien sind durch die Grundordnung

des kirchlichen Dienstes vorgegeben, durch die

Erklärung der deutschen Bischöfe zum kirchlichen

Dienst und die AVR. Was ich bemerke, ist, dass das

oft so negativ besetzt ist. Wir wollen die Mitarbeiter

doch gewinnen! Ich versuche, das Ganze positiv zu

besetzen und zu sagen: Wichtig ist, dass Mitarbeiter

zu unserem Glauben stehen und sich bewusst sind,

dass wir alle Kirche sind.

Dass Glaube etwas Positives ist, versuchen wir unseren

Mitarbeitern zu vermitteln, indem wir ihnen

Wir lieben unseren Job!

Aufgezeichnet: Isolde Hilt • Fotos: Johannes Schoppelrey

Anja Zankl ist nach einer fünfjährigen Ausbildung staatlich

anerkannte Erzieherin. Ihr Kollege Christoph Escherle, ebenfalls

Erzieher, hat noch eine Zusatzausbildung als Spielpädagoge.

Beide arbeiten im Haus des Guten Hirten bei Schwandorf,

einem Zentrum für Berufsvorbereitung und berufliche

Ausbildung mit den Teilbereichen Internat, Sonderberufsschule

und verschiedenen Berufsfeldern. In der Einrichtung

der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg

werden junge Menschen unterstützt, denen es wegen einer

Lernbeeinträchtigung oder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten

schwer fällt, sich für einen Beruf zu entscheiden

und eine Ausbildung zu machen. Anja Zankl und Christoph

Escherle könnten sich keine schönere Arbeit vorstellen. Warum,

erzählen sie hier:

Wie haben viele Jugendliche, die Entwicklungsverzögerungen

haben. Meistens

brauchen sie circa zwei Jahre, bis

sie in der Lage sind, eine Ausbildung zu

schaffen. Wir unterstützen sie dabei,

hier aufzuholen. Wir begleiten sie auf

ihrem Weg bis nach der Ausbildung,

unterstützen und fördern sie im emotionalen

und lebenspraktischen Bereich.

Uns freut es zu sehen, wie sich die jungen

Menschen entwickeln, wie sie bei

uns aufblühen, reifen, wie es ihnen bei

uns oft besser geht. Es ist schön, ihnen

auch ein Vorbild sein zu können.

Die Jugendlichen kommen um 17.00

Uhr von der Arbeit. Wir reden darüber,

wie der Tag war. Danach bereiten wir

zusammen das Abendessen vor. Wir

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Kontakte 1/2013


Titelthema

pastorale Angebote ermöglichen, um für sich selbst

Kraft aus dem Glauben zu schöpfen. Das ist kein

aufgesetzter, sondern ein authentischer Glaube, der

Kraft gibt. Erst dann kann ich so etwas auch weitergeben.

Das ist auch kein überzogener oder überhöhter

Anspruch, sondern etwas, das den Menschen

wirklich hilft. Diese Glaubenserfahrung, diese Glaubenssehnsucht

tragen sehr viele Menschen in sich.

Es ist nur in unserer heutigen Zeit nicht mehr ‚in‘, es

so zu formulieren.

Viele finden den sozialen Bereich zwar attraktiv, heikel

ist aber bei Berufen wie der der Erzieherin oder

des Heilerziehungspflegers die Bezahlung. Von einem

solchen Gehalt kann eine Familie nur schwer

leben.

Wir haben den Vorteil, dass wir tariflich bezahlen.

Wir wenden die Arbeitsvertragslinien des Deutschen

Caritasverbandes an, die mit denen des öffentlichen

Dienstes vergleichbar sind. Das ist eine wichtige

Grundlage, aber leider nicht selbstverständlich.

Gleichzeitig kämpfen wir darum, dass Mitarbeiter

in sozialen Berufen mehr finanzielle Anerkennung

erhalten. Hier müssen bei den Tarifverhandlungen

andere Sätze erreicht werden. Für soziale und Gesundheitsberufe

muss man bereit sein, mehr Geld

zu bezahlen. Bei Kommunen, die auch Arbeitgeber

und Tarifpartner sind, bei Staatsregierungen und

der Bundesregierung muss ein Bewusstseinswandel

stattfinden.

Sehen Sie ein Licht am Horizont, dass sich da etwas

tut?

Wir müssen den Finger in die Wunde legen. Angenommen,

man will die offene Ganztagesschule

in Bayern und stellt den Trägern einen Betrag von

26.000 Euro zur Verfügung. Die Caritas kommt aber,

wenn sie ihre Mitarbeiter tariflich bezahlen und die

Mindestqualitätsanforderung erfüllen will, bei ihrer

Berechnung auf 42.000 Euro. An solch einem Punkt

muss ich offenlegen, dass dahinter eine politische

Strategie steckt: möglichst viele Ganztagsschulen

einrichten, um gut dazustehen, aber nicht bereit

sein, für diese Qualität auch zu zahlen. Das heißt, hier

dürfen wir die Politiker nicht aus der Verantwortung

nehmen und müssen auf diese Details hinweisen,

denn das kriegt normalerweise in der Bevölkerung

niemand mit.

Das Einkommen ist immer auch ein Ausdruck, wie

hoch eine bestimmte Arbeit wertgeschätzt wird. So

gesehen stimmt die Bezahlung in sozialen Berufen

eher traurig.

Ja, der Wert von Arbeit wird häufig über das Einkommen

definiert. Wir haben genügend Beispiele aus der

Wirtschaft oder teilweise der Medizin. Diesem Trend

müssen wir entgegensteuern. Eine höhere Bezahlung

für soziale Berufe ist notwendig. Auf der anderen

Seite sollten wir als Wert auch die Sinnstiftung

sozialer Arbeit sehen: dass hier besonders wertvolle

Arbeit geleistet wird, die den Menschen dient und

machen Sport, gehen raus... Das Alltägliche

- wie in einer normalen Familie

auch.

Unser Beruf macht einfach Spaß, weil

du jeden Tag gefordert bist. Es ist nicht

eintönig, sondern sehr abwechslungsreich.

Jeden Tag, jede Stunde musst du

dich neu darauf einlassen. Man kann

sich auch selbst verwirklichen.

Wenn die Jugendlichen unser Haus

verlassen, laufen oftmals Tränen. Viele

melden sich später noch und erzählen,

was ihnen die Zeit bei uns gebracht hat

und bedanken sich. Besonders freuen

wir uns darüber, dass die Erfolgsquote

bei 95 Prozent liegt, das heißt, nahezu

alle Jugendlichen werden von

einem Betrieb übernommen.

wird. Man verdient in diesem Bereich wenig, obwohl die Ausbildung

so lange dauert. Physisch ist unser Job nicht anstrengend,

aber manchmal vom Kopf her. Man will mit

seinen Worten ja niemanden verletzen.

Wir würden trotzdem nie etwas anderes

machen wollen. Der Beruf macht

einfach Spaß, wenn man gerne mit

Menschen, in unserem Fall mit Jugendlichen,

zusammen arbeitet.

Schade finden wir, dass unsere

Arbeit in der Öffentlichkeit

kaum erwähnt oder gesehen


Titelthema

Wenn ich Angebote schaffe, muss ich auch bereit sein, nach Tarif zu bezahlen.

Das betrifft die Staatsregierung, die Bundesregierung,

aber auch Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit.

dadurch auch persönliche Erfüllung bringt. Wichtig

ist aber, einer Familie, einem Haupternährer oder

zwei Partnern, die im sozialen Bereich arbeiten, ein

Gehalt zu zahlen, von dem sich eine Familie ernähren

kann. Nur wer selbst eine Perspektive hat, kann anderen

Perspektiven ermöglichen.

Man muss keine astronomischen Gehälter anstreben,

die in anderen Bereichen Formen angenommen

haben, die nicht mehr vertretbar sind. Im sozialen Bereich

muss niemand im Jahr 200.000 Euro verdienen.

Es darf nicht sein, dass bei Banken und Unternehmen

das Gehalt von Vorstandspositionen das eines Mitarbeiters

um das Dreißigfache und mehr übersteigt.

Man muss auch in anderen Branchen

mehr für Ausgleich sorgen.

Da ist etwas in unserer Gesellschaft

gründlich schief gelaufen.

In vielen sozialen Diensten und

Einrichtungen fehlt es an männlichen

Bewerbern, Leitungsstellen

ausgenommen. Was läuft da

schief?

Das hat sicher mit dem Verdienst

zu tun. Die Tradition, dass man

Führungspositionen früher mehr

an Männer vergeben hat, ändert

sich jedoch langsam im sozialen

Bereich. Hier sind wir auf einem

guten Weg. Bei der Leitungskonferenz

der KJF zum Beispiel haben

wir bald je zur Hälfte Männer und

Frauen. Ich glaube, da entstand in

den letzten Jahren ein Bewusstsein,

dass Frauen genauso gut führen

können, in manchen Bereichen

sogar besser. An der gesellschaftlichen

Diskussion über eine Quote

für Vorstandspositionen in der

Wirtschaft sieht man, dass sich Politik

und Wirtschaft da noch sehr

schwer tun. Wir reden nicht so viel

darüber, wir machen es einfach.

heißt, die Arbeit der Mitarbeiter wertschätzen, ihnen

das signalisieren und auch nach außen tragen. Ich

halte es für wichtig, dass sich soziale Organisationen

selbstbewusst in der Öffentlichkeit darstellen, auf

den Wert der Arbeit hinweisen, worin die Leistungen

für Kinder, Jugendliche, Familien, kranke Menschen,

Menschen mit Behinderungen bestehen. Das stärkt

Mitarbeiter in ihrem beruflichen Selbstbewusstsein.

Wir müssen uns auch überlegen, wie wir den Wert sozialer

Arbeit für die Gesamtgesellschaft darstellen: Da

ist zum einen und an erster Stelle der Nutzen für die

Menschen selbst, zum anderen aber auch der volkswirtschaftliche

Nutzen, der nicht zu übersehen ist.

Bewerben Sie sich!

Die Katholische Jugendfürsorge

… eine attraktive Arbeitgeberin für Fach- und Führungskräfte

„Gute Leute“, heißt es im Volksmund, „werden überall

gebraucht.“ Für den sozialen Bereich, in dem es vorwiegend

um Menschen geht, die sich in einer schwierigen Lebenslage

befinden, gilt dies besonders. Wir suchen Profis mit Herz!

Das haben wir zu bieten:

• Als sozial-karitativer Träger von Einrichtungen und

Beratungsstellen der Kinder- und Jugendhilfe, Heim- und

Heilpädagogik, beruflichen Rehabilitation und zur Teilhabe

von Menschen mit Behinderung sowie des Pflege- und Gesundheitswesens

decken wir ein breites Berufsspektrum ab.

• Das Gehalt stimmt. Wir garantieren Tariftreue.

• Wir bieten eine Zusatzversorgung und die KJF-Rente.

• Supervision, Coaching und Weiterbildung stehen bei uns

nicht nur auf dem Papier.

• Wir legen Wert auf ein gutes und familienfreundliches

Arbeitsklima sowie individuelle Beschäftigungs- und

Entwicklungsmöglichkeiten.

Was kann man Ihrer Meinung

nach in gesellschaftspolitischer

Hinsicht tun, damit soziale Berufe

ein besseres Ansehen genießen?

Auch wenn es ein gesellschaftspolitisches

Thema ist, ist es wichtig,

bei sich selbst anzufangen. Das

• Das Langzeitkonto – die Möglichkeit für berufliche Auszeiten

oder den vorzeitigen Ruhestand – ist ein weiteres

KJF-Plus.

Wir haben Ihre Neugierde geweckt?

Bitte nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

E-Mail: personal@kjf-regensburg.de

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Kontakte 1/2013


Titelthema

Was fordern Sie von der Politik?

Nicht nur schöne Worte, sondern

konkrete Entscheidungen,

Gesetze, die einen Rahmen

schaffen, der es vor allem

freien Trägern ermöglicht, in

ihrer subsidiären Rolle gute

soziale Arbeit zu leisten. Das

heißt, wenn ich Angebote

schaffe, muss ich auch bereit

sein, nach Tarif zu bezahlen.

Das betrifft die Staatsregierung,

die Bundesregierung,

aber auch Institutionen wie

die Bundesagentur für Arbeit.

Dass ich nicht danach trachte,

soziale Arbeit immer billiger

zu machen, sondern wertzuschätzen,

indem ich genügend

Finanzmittel zur Verfügung

stelle.

Bei den Leistungen für Menschen mit Behinderung

ist zum Beispiel ein wichtiger Schritt, dass diese aus

der Sozialhilfe herausgenommen werden und wir in

der nächsten Legislaturperiode ein Bundesleistungsgesetz

erhalten. Der lang anhaltende Diskussionsprozess

in dieser wichtigen Frage gibt mir allerdings

zu denken.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte ein

junger Mensch mitbringen, der sich für einen sozialen

Beruf interessiert?

Er sollte Interesse an Menschen haben, ein Menschenfreund

sein. Er sollte Freude daran haben, anderen

Menschen zu helfen. Er sollte begeisterungsfähig

sein für soziale Berufe und auch eine Erfüllung

darin finden, sich in dieser Rolle weiter zu entwickeln.

Wir brauchen in unserer fachlich sehr anspruchsvollen

Arbeit Persönlichkeiten, die ein professionelles

Verständnis von Pädagogik, Therapie etc. haben.

Bitte den Satz vervollständigen: „Ein sozialer Beruf

ist das Höchste für mich, weil…“

… weil ich hier persönliche Erfüllung erlebe, tagtäglich,

und weil es Freude macht, anderen Menschen zu

helfen, für andere da zu sein.

Wichtig ist mir, für diese wunderbare Arbeit bei der KJF

viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen

und ihnen zu vermitteln, dass es etwas Schönes ist,

in einem kirchlichen Sozialverband wie der KJF zu arbeiten

und viel für andere Menschen zu bewegen.

Was ist für Sie persönliche Erfüllung?

Das sind für mich gelungene Beziehungen, auch das

gemeinsame Durchstehen von kritischen, schwierigen

Situationen und sich über kleinste Teilerfolge

freuen können.

Auf der nächsten ConSozial werben die vier Jugendfürsorge-Vereine

um Nachwuchs. Wird es bereits

eng mit gutem Personal oder möchten Sie nur früh

genug damit anfangen?

Wir wollen früh genug damit anfangen zu werben

und das weiter intensivieren. In bestimmten Regionen

der Diözese ist der Fachkräftemangel bereits

absehbar. Es wird einen Konkurrenzkampf um künftige

Fachkräfte geben, wenn es darum geht, Auszubildende,

aber auch Fachkräfte für die soziale Arbeit

zu gewinnen.

Kontakte 1/2013 11


aktuell

Eine gute Entscheidung für Regensburg:

Kloster St. Klara

wird inklusiv

Text und Foto: Christine Allgeyer

Ein Stahlrohr mit Tageszeitung, Geldstücke, die Pläne

und eine Papierrolle mit einem Bibelzitat mauerten KJF-

Direktor Michael Eibl, der Unternehmer Peter Trepnau

und Architekt Georg Kartini bei der Grundsteinlegung in

der ehemaligen Klosteranlage St. Klara in das alte Gemäuer

ein.

Prälat Dr. Josef Schweiger, 1. Vorsitzender der KJF,

hatte das Evangelium des Tages nach Johannes 10,

Vers 11-18 ausgesucht: „Ich bin der gute Hirte.“ Mit

dem Projekt „St. Klara“ zeige die KJF, dass sie sich im

Dienste der ihr anvertrauten Menschen aktuellen

Anforderungen stellt.

Es ist ein in der Immobilienbranche hoch bewertetes

Filetstück im denkmalgeschützten Ensemble der

Regensburger Altstadt in der Ostengasse, für das die

Unternehmensgruppe Peter Trepnau den Zuschlag

erhielt. Zwei Jahre vergingen, bis die KJF für das Projekt

gewonnen werden konnte. „Eine gute Entscheidung!“,

sind sich alle Beteiligten einig.

Bezahlbarer Wohnraum in Regensburg

„Über das Projekt freuen wir uns besonders“, erklärte

Direktor Michael Eibl, „weil wir damit Menschen

mit und ohne Behinderung und alleinerziehenden

Müttern mit ihren Kindern den in Regensburg so

dringend benötigten Wohnraum bieten können.“

Für St. Klara gibt es aus Sicht von Peter Trepnau

nichts Besseres als ein inklusives Wohnmodell und

soziale Nutzungen: „Dieser Herausforderung stellen

wir uns gerne, um möglichst vielen Menschen in

diesem historischen Ambiente in absolut zentraler

Lage ein neues Zuhause zu geben.“

Auf rund 4.000 qm Grund befindet sich die sanierungsbedürftige,

barocke Klosteranlage. Bisher waren

in ihr das Ostkirchliche Institut, die städtische

Jugendschutzstelle und Verwaltungseinrichtungen

untergebracht. Bezahlbarer Wohnraum in Regensburg

ist rar. Menschen in sozialen Notlagen oder

mit einem besonderen Unterstützungsbedarf

blieben auf der

Suche nach Wohnraum chancenlos,

gäbe es nicht Projekte wie St.

Klara.

Das inklusive Wohnkonzept, das

eine stationäre und eine ambulante

Wohngruppe für Menschen

mit körperlicher Behinderung oder

auch für nichtbehinderte Mieter

sowie Appartements für junge

Mütter mit Kindern vorsieht, überzeugt.

Mitten in der Altstadt gelegen,

ist von St. Klara aus alles mit

dem Rollstuhl zu erreichen, was

man im Alltag braucht – Ladengeschäfte,

Ärzte, Bushaltestelle –

oder was ihn bunt macht: Donaustrand,

Kino, Kneipen, Restaurants,

Museum.

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Kontakte 1/2013


aus der Welt

der KJF

Menschen

im Gespräch

Er macht

es einfach

gut!

Einstimmig wurde Hans Horn, Geschäftsführer der

KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH, erneut zum

1. Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft der

Werkstätten für behinderte Menschen in Bayern

e.V. gewählt.

Damit steht der 46-jährige Diplomingenieur weiterhin

an der Spitze der landesweiten Interessenvertretung,

die sich insbesondere für die Teilhabe am Arbeitsleben

für Menschen mit Behinderung einsetzt.

Mehr Bewusstsein für Menschen

mit Behinderung

Mit Regionalkonferenzen in allen sieben Regierungsbezirken

Bayerns hat Irmgard Badura, Behindertenbeauftragte

der Bayerischen Staatsregierung, zu

mehr Bewusstsein in der breiten Öffentlichkeit für

die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung

beigetragen.

Für die Veranstaltungen im April und Mai in Regensburg

und Plattling hatte die KJF als Kooperationspartner

die Veranstaltungsorte – das Pater-Rupert-

Mayer-Zentrum und die Berufsschule St. Erhard – zur

Verfügung gestellt. „Es war uns eine große Ehre, dass

wir Gastgeber sein durften“, so KJF-Direktor Michael

Eibl. Alle Träger seien gefordert, zusammenzuarbeiten,

wenn es um die Inklusion von Menschen mit Behinderung

gehe.

Gott ist die Liebe.

Und wer in der Liebe wohnt,

der wohnt in Gott

und Gott in ihm.

Meister Eckhart

Helga Kagerbauer

geb. 27.01.1945 – gest. 24.03.2013

Verwaltungsangestellte bei den Straubinger

Werkstätten St. Josef

Im Gebet und im Glauben wissen wir

uns den Verstorbenen über den Tod hinaus

verbunden und zu Dank verpflichtet.

Direktor Michael Eibl

Kontakte 1/2013 13

Fortsetzung

Seite 40


Standpunkt

Soziale Arbeit –

der Gerechtigkeit Genüge tun!

Text: Prof. Josef Eckstein · Fotos: Juliane Zitzelsperger · fotolia © industrieblick

Soziale Arbeit ist mehr als „nur“ wohltätige Hilfe für notleidende Menschen.

Prof. Dr. Josef Eckstein, Präsident a. D. der Technischen Hochschule Regensburg

und Vorsitzender des Vereins „Zweites Leben e. V.“, sieht in Sozialer Arbeit

eine tragende Säule für den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft. Soziale

Arbeit ist nicht nur wichtig, sondern systemrelevant!

Der Ausbau der Sozialen

Arbeit gehört zu den positiven Errungenschaften

der deutschen Sozialpolitik. Dies zeigt nicht zuletzt

der Blick auf die aktuelle Situation in unseren europäischen

Nachbarländern, in denen oft ähnlich gut

ausgebaute Strukturen und Einrichtungen fehlen.

Heute umfasst die Soziale Arbeit bei uns ein breites

Spektrum von Arbeitsfeldern und Tätigkeiten, mit

denen Menschen unterstützt, beraten, betreut und

begleitet werden – Menschen, die sich schwer tun

oder es schwer haben, mit ihrem Leben und dem

Leben in der Gemeinschaft gut zurechtzukommen,

die daran scheitern oder die Gefahr laufen, diese

Eigenständigkeit und Souveränität über ihre Lebensgestaltung

zu verlieren. Damit sind komplexe

Problemlagen angesprochen, die Soziale Arbeit zu

bearbeiten hat und die hohe Anforderungen an die

fachliche Kompetenz und Professionalität der Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter stellen.

Die sozialen Problemlagen sind gerade in den letzten

Jahren weiter gewachsen. Damit steigt auch

der Bedarf an Sozialer Arbeit. Verantwortlich dafür

sind sozialstrukturelle Veränderungen, die sich mit

Begriffen wie Individualisierung der Lebensformen,

demografischer Wandel (mit der Zunahme

hilfebedürftiger alter Menschen), Fortsetzung und

Verschärfung sozialer Ungleichheit und der Kluft

zwischen den sozialen Schichten, Verstetigung von

Armut etc. beschreiben lassen. Gleichzeitig kollidiert

dieser steigende Bedarf mit dem Spardiktat

der öffentlichen Haushalte. Die Folge: Mittel zur Bekämpfung

sozialer Probleme fehlen, der Druck zur

betriebswirtschaftlichen

„Optimierung“ steigt, soziale Dienstleistungen

sind als preiswerte Handelsware anzubieten (unter

Inkaufnahme von Qualitätsverlust). „Auszubaden“

haben dies letztlich die betroffenen Menschen, denen

Hilfeleistungen vorenthalten werden; auszubaden

haben es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

mit höheren Belastungen und verstärkt anfallenden

Kontrollaufgaben.

Es ist an der Zeit, die

gesellschaftliche Bedeutung

und den Wert Sozialer Arbeit

neu und deutlich ins

Bewusstsein der Politik und

der Gesellschaft zu rücken.

Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, die gesellschaftliche

Bedeutung und den Wert Sozialer Arbeit

neu und deutlich ins Bewusstsein der Politik und

der Gesellschaft zu rücken. Hilfreich könnte dafür

ein Vorschlag wie der von Matthias Möhring-Hesse

sein, der fordert, Soziale Arbeit als ein „öffentliches

Gut“ zu betrachten. Damit würden wichtige Arbeitsbereiche

der Sozialen Arbeit die Beliebigkeit der so

genannten „freiwilligen Leistungen“ verlieren und

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Kontakte 1/2013


Standpunkt

Prof. Dr. Josef Eckstein

Präsident a. D. der Technischen

Hochschule Regensburg

Vorsitzender des Vereins

„Zweites Leben e. V.“

zugleich die ethischen Grundlagen, denen

Soziale Arbeit wie staatliche Sozialpolitik verpflichtet

sind, zur Geltung kommen:

• Gerechtigkeit: „Zuerst muss man den Forderungen

der Gerechtigkeit Genüge tun, und man darf

nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus

Gerechtigkeit geschuldet ist.“ (Zweites Vatikanisches

Konzil: Dekret über das Apostolat der Laien,

Nr. 8)

• Menschenwürde (Art. 1 des Grundgesetzes

schließt den Anspruch auf rechtliche Achtung als

Subjekt ein.)

• Teilhabe (Anspruch aller Menschen auf gleichberechtigte

Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft

– politisch, wirtschaftlich, kulturell, gesellschaftlich)

Von diesen ethischen Leitlinien geprägt, ist Soziale

Arbeit mehr als „nur“ wohltätige Hilfe für notleidende

Menschen (wenngleich auch dies nicht wenig

ist). Sie ist eine tragende Säule für den sozialen Frieden

in einer Gesellschaft gleichberechtigter Bürgerinnen

und Bürger, für ein friedliches Miteinander in

Gerechtigkeit und Solidarität. Solche Arbeit ist nicht

nur wichtig, sie ist systemrelevant!

Dieses Bewusstsein vom Wert der Sozialen Arbeit

gilt es immer wieder zu schärfen und bei den Entscheidungsträgern

in Politik und Gesellschaft einzufordern.

Zu wünschen bleibt, dass auch die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern in der Sozialen Arbeit

die gebührende Wertschätzung und Anerkennung

erfahren – und dass sich diese nicht nur in lobenden

(Politiker-)Worten, sondern auch in der Sorge für

eine angemessene Bezahlung ausdrückt.

Zu wünschen bleibt, dass

auch die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in der

Sozialen Arbeit die gebührende

Wertschätzung und

Anerkennung erfahren.

Kontakte 1/2013 15


Vergelt s G

Ihre Spende, Ihr Geschenk ist gut angekommen. Herzlichen Dank!

Bambini im Glück

Die 5.000-Euro-Spende der Stiftung „Für junge Menschen“

sorgt für noch mehr gute Ausstattung und

Spielzeug im integrativen Kinderhaus BAMBINO im

Regensburger Westen. Max Harreiner, Vorsitzender

der KJF-nahen Stiftung, überreichte gemeinsam mit

Michael Eibl, dem Stiftungsratsvorsitzenden, Bernadette

Dechant aus dem Stiftungsrat und Ingeborg

Gerlach, Leiterin des Rechnungswesens bei der KJF,

den Spendenscheck an Patricia Hoffmann, Leiterin

von BAMBINO, und Reinhard Mehringer, Gesamtleiter

des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums, zu dem das

Kinderhaus gehört.

Gut gerüstet

Gerade recht zur Sommerzeit kann der Fuhrpark der

Bildungsstätte St. Wolfgang erweitert werden. Johann

Braun, dessen Enkel Jonas das Förderzentrum

besucht, verzichtete auf eigene Geschenke zum 65.

Geburtstag und spendete stattdessen 600 Euro für

neue Räder. Weitere 500 Euro nahm der Gesamtleiter

von St. Wolfgang, Johann Listl, vom Kreativkreis

„Hand in Hand“ in Empfang. Sie werden in die Ausstattung

der neuen Schulküche investiert.

Das ist … spitze!

Großartig!

Seit vielen Jahren verzichtet ein Großteil der Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter des E.ON Energie-

Konzerns am Monatsende auf die Auszahlung ihrer

Netto-Cent-Beträge – freiwillig und für einen guten

Zweck. Die daraus entstehende Summe wird durch

den Konzern verdoppelt.

Thomas Barth, Vorsitzender des Vorstands der E.ON

Bayern AG, und Hans Wollitzer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats

der E.ON Energie AG, übergaben

eine Spende in Höhe von 10.000 Euro an Reinhard

Mehringer, den Leiter des Pater-Rupert-Mayer-

Zentrums in Regensburg. „Wir müssen alles dafür

tun, um es behinderten Kindern und Jugendlichen

möglich zu machen, aktiv in ihrem sozialen und gesellschaftlichen

Umfeld teilzunehmen“, unterstrich

Thomas Barth.

Was da an Spenden im vergangenen halben Jahr

zusammenkam, ist für die Harl.e.kin-Nachsorge Regensburg

ein wahrer Segen. Insgesamt spendeten

Freunde und Förderer 5.700 Euro.

Die kirchliche Stiftung „Für junge Menschen“ erlöste

mit dem Extrachor Hemau 450 Euro für Harl.e.kin.

Mitarbeiter/innen von Infineon spendeten 1.172 Euro,

der Unternehmer Eduard Wagner gar 2.500 Euro.

1.000 Euro übergab Elisabeth Storck, die auf Geschenke

zu ihrem sechzigsten Geburtstag verzichtete.

Der Frauenbund Thalmassing spendete 750 Euro.

Angelina Ernst, Koordinatorin von Harl.e.kin, und

Prof. Dr. Hugo Segerer, Klinik St. Hedwig der Barmherzigen

Brüder, bedankten sich bei allen herzlich.

Fortsetzung Seite 36

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Kontakte 1/2013


kurz notiert

Kurz notiert

Erziehungsberatung

hilft

ott!

Eines der größten Abenteuer, das uns diese

Welt bietet, ist das Leben mit Kindern. Nichts

kommt der Beziehung zu eigenen Kindern gleich,

mit niemandem sonst fühlen wir uns

so eng verbunden.

Trotzdem ist Erziehung nicht immer ein „Kinderspiel“

und oft genug ganz schön anstrengend.

Wie einen jungen Menschen gut auf den Weg

bringen – hin zu einem selbstbestimmten, verantwortungsbewussten

Leben? Als Eltern fühlt man

sich öfter einmal ratlos und weiß nicht so recht

weiter.

Kindern und Jugendlichen ergeht es nicht anders.

Nicht alle Sorgen, die sie bedrücken, können sie

mit ihren Eltern oder Lehrern besprechen.

Die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen

der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese

Regensburg e. V. helfen gerne weiter – vertraulich

und kostenfrei.

Auf dem neuen Internet-Portal

www.erziehungsberatung-kjf.de

finden sich viele Hilfen, unter anderem auch

die nächste Beratungsstelle in der Nähe des

eigenen Wohnorts.

Kontakte 1/2013 17


aktuell

Kunst ist unsere

gemeinsame Sprache.

Im Atelier „Kunst inklusiv“ sind Menschen mit und ohne Behinderung kreativ.

Text: Flora Jädicke · Fotos: Renate Höning · Flora Jädicke

Der Inklusionsgedanke ist einen wesentlichen Schritt weitergekommen. Im Atelier „Kunst inklusiv“

sind seit Anfang des Jahres Menschen mit und ohne Behinderung kreativ. Das inklusive Kunstprojekt

ist bewusst im Zentrum der Regensburger Kulturschaffenden – im Künstlerhaus Andreasstadel – und

im Umfeld nicht behinderter Menschen angesiedelt. „Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte

der Gesellschaft“, hob Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg,

bei der offiziellen Eröffnung des Ateliers hervor. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt

und wurde von der „Aktion Mensch“ mit rund 130.000 Euro finanziell ausgestattet.

Vom Gedanken der Inklusion geleitet,

hatte Michael Eibl bereits

den „Kunst.Preis“ 2010 und 2012

auf den Weg gebracht – gemeinsam

mit dem Kunst- und Gewerbeverein

Regensburg. In zwei großen

Ausstellungen waren geistig

behinderte Künstlerinnen und

Künstler aus dem gesamten ostbayerischen

Raum eingeladen,

ihre Werke der Öffentlichkeit zu

präsentieren. Die überwältigende

Resonanz schaffte in der Gesellschaft

ein neues Bewusstsein für

das meist unerkannte künstlerische

Potenzial von Menschen mit

geistiger Behinderung. „Mit ihrer

Kunst bringen sie Lebendigkeit,

Lebenslust und Authentizität, die

uns nicht mehr loslässt“, sagte Michael Eibl bei der

Atelierseröffnung vor mehr als 130 geladenen Gästen

im Künstlerhaus Andreasstadel. Eibl liegt die

Kunst besonders am Herzen. „Sie kennt keine Grenzen“,

sagt er, „und ist in der Lage zu verbinden.“

„Durch die Anerkennung ihrer Kunst sollen Menschen

mit Behinderung eine gesellschaftliche Integration

erfahren“, ergänzt Renate Höning, die seit Februar

das Atelier leitet und mit einem Künstler aus

der KJF-Wohngemeinschaft St. Hildegard arbeitet.

Die Künstlerin und Heilpädagogin unterstreicht die

„gemeinsame Sprache der Kunst, weil uns Bilder unmittelbarer

berühren als Worte“. Aus diesem Grund

könne Kunst niemals behindert sein. Es gebe gute

Kunst und schlechte Kunst, provokante und belanglose

Kunst, Kunst, die in den Bann ziehe oder sofort

vergessen werde: „Kunst ist nicht

behindert, sie wird höchstens

behindert – von der Gesellschaft

und von Vorurteilen, gegen die

Menschen mit Behinderung jeden

Tag zu kämpfen haben.“ Dabei

brauche die Kunst „nur“ einen

Raum, um zu gedeihen, so Renate

Höning.

Raum bietet das Atelier 19/20 im

zweiten Stock großzügig an. In

den kommenden Jahren will die

Leiterin von „Kunst inklusiv“ von

dort aus den gesamten ostbayerischen

Raum für das inklusive

Kunstprojekt erschließen. Sie

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Kontakte 1/2013


aktuell

„ Kunst ist nicht

behindert,

sie wird höchstens

behindert.“

blickt auf mehr als 20 Jahre künstlerische und heilpädagogische

Tätigkeit zurück und verfügt über ein

großes Netzwerk, das sie für das Projekt nutzen will.

Das Atelier wird überwiegend während der Freizeit

geöffnet sein. „Kunst soll für jedermann erreichbar

sein“, stellt Renate Höning das Konzept vor.

In diesem Sinne werden in den kommenden Jahren

Künstler mit und ohne Behinderung zu Sommerakademien

eingeladen. Geplant sind Kooperationen

mit weiteren inklusiven Kunstprojekten wie den

oben: Atelierleiterin

Renate Höning

mit Kevin von der

Lebenshilfe e. V.

Lappersdorf, der

ebenfalls regelmäßig

im Atelier

arbeitet und

Teilnehmer des

Kunst.Preis 2012 ist.

Im Rahmen der

Feierlichkeiten zur

Eröffnung des

Ateliers wurden

Bilder von Künstlern

im Atelier verlost.

KulturFormen Hartheim aus Österreich, Atelier- und

Museumsbesuche. Seit Beginn des Ateliers arbeiten

Künstler an einer Ausstellung beim SSV Jahn Regensburg,

die im Oktober eröffnet werden soll. Der Kern

der Arbeit aber wird darin bestehen, Spielräume zu

eröffnen, in der die Wahrnehmung der Künstler im

Mittelpunkt steht. „Wir wollen kreative Prozesse

anstoßen, verborgene Talente entdecken und sie

fördern. Unser vorrangiges Ziel ist es, einen Ort für

Kunstschaffende zu errichten, der von behinderten

und nicht behinderten Menschen besucht werden

kann. Das Atelier ‚Kunst inklusiv‘ soll Arbeitsraum

und Begegnungsstätte im Herzen der Regensburger

Kulturwelt sein“, sagt Höning. Mit diesem Standort

könne es gelingen, die Künstler und ihre Werke in

das kulturelle Leben einzubinden.

Kontakte 1/2013 19


aktuell

„Alles wirkliche Leben

ist Begegnung.“ *

Haus Hemma ist ein Raum für interkulturelle Begegnung

und interreligiöse Erziehung.

Text: Martina Dommer, stellvertretende Einrichtungsleiterin in Haus Hemma

Fotos: Juliane Zitzlsperger

Im Zuge der Globalisierung studieren und arbeiten immer mehr junge Menschen aus anderen

Ländern in Deutschland. Regensburg zieht Studentinnen und Studenten aus nah

und fern an. In Haus Hemma, einer Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge, können

99 junge Frauen, die eine Ausbildung machen, Wohnung und ein Stück Heimat finden.

Das Haus liegt zentral und trotzdem ruhig.

Martina Dommer

Wir haben uns die Aussage von Martin Buber „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ als

Leitsatz gewählt. Uns ist der internationale Aspekt im Haus als große Bereicherung im

Bezug auf wertschätzenden Umgang miteinander, das Kennenlernen anderer Kulturen,

Verständnis für anderes Denken wichtig geworden. Wir möchten Situationen schaffen,

in denen junge Menschen ins Gespräch kommen und ein gleichberechtigtes Miteinander

leben können. Echte Offenheit für Neues und Fremdes soll zu Herzen gehen; aufgeschlossen

sein hält jung und beweglich. In der Konfrontation mit dem Fremden erfahre ich, was mich in meiner

Kultur mit all ihrem Reichtum geprägt hat.

Haus Hemma hat mit seiner Arbeit ein Netzwerk in alle Himmelsrichtungen der Welt geschaffen und kann

sich gedanklich bei den weltweiten gesellschaftlichen Ereignissen mit konkreten Personen verbinden. Wirkliche

Begegnungen fördern vor allem auch den Frieden.

Fünf junge Frauen, die bei uns in Haus Hemma wohnen oder gewohnt haben, berichten, wie sie Deutschland

und die Menschen hier, auch im Vergleich zu ihrer Kultur, erleben.

„Deutschland

ist ein Land, das

vorausschauend

denkt..“

Paola Stephanie Apaolaza Gallegos

aus Spanien

Ich mache meinen Doktor in Pharmazie. Mein Aufenthalt

in Deutschland war vom ersten Tag an in jeder

Hinsicht bereichernd. Ich habe sehr nette und unterhaltsame

Menschen getroffen. Ich kehre mit vielen

neuen Freunden, die ich nicht mehr vergessen werde,

nach Spanien zurück. Ich glaube, dieses Land unterstützt

Studenten sehr. Es ist ein Land, das vorausschauend

denkt.

Zu meinem Land: Spanien ist ein Land voller Geschichte

mit wunderschönen Landschaften. Abgesehen

davon kann man einen unglaublichen Gegensatz

zwischen den Menschen vom Norden und Süden feststellen.

Trotz unserer verschiedenen Schwierigkeiten

bewältigen wir bereitwillig, was auch kommen mag.

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Kontakte 1/2013


aktuell

Nour Yassin aus Jordanien

Ich studiere Logistik an der German Jordanian University in Amman.

Im Moment absolviere ich ein Austauschjahr in Deutschland

und mache gerade ein Praktikum bei Siemens in Regensburg.

Es gibt mehrere Gründe, warum ich gerne hier leben würde. Einer

ist, dass alles so gut organisiert ist. Alles geht nach Plan und jeder

muss sich daran halten. Die Leute sind immer pünktlich und somit

wird Rücksicht darauf genommen, wie wertvoll Zeit ist.

Die Menschen sind sehr freundlich, besonders in

Bayern. Täglich grüßen fremde Leute auf der Straße

und sagen mir „Hallo“ und „Guten Morgen“.

Ich empfinde das als eine wunderbare Geste. Die

Menschen behandeln einander gleich; sie betrachten

dich nicht mit anderen Augen – gleichgültig,

woher man kommt.

Es gibt aber auch negative Dinge, z. B. das Wetter.

Der Winter ist zu lang! Die Sprache ist schwer zu

erlernen. Und das Essen hier mag ich nicht sonderlich.

Man isst hier hauptsächlich Schweinefleisch,

das ich nicht essen darf.

Das Leben in Jordanien ist auch sehr schön. Das

Beste und Wichtigste ist die Familie, die ständig

um einen herum ist. Normalerweise leben die

Studenten so lange zu Hause, bis sie entweder

das Land verlassen oder heiraten.

Das Essen ist sehr gut, die arabische Küche allgemein.

Es gibt nichts Besseres als warmes Essen,

das die Mutter jeden Tag zubereitet.

Nachteile in Jordanien sind, dass es keine öffentlichen

Transportmittel gibt, dafür umso mehr

Autos. Das verursacht ständig Staus und Luftverschmutzung.

„Täglich grüßen mich

fremde Leute.

Ich empfinde das als eine

wunderbare Geste.“

Kontakte 1/2013 21


aktuell

Beatriz Mateos Toset aus Spanien

„Die deutschen

Leute sind nicht so

streng wie man im

Ausland denkt.“

Ich habe ein Stipendium für eine Ausbildung zur

Dolmetscherin in „Deutsch – Spanisch“.

Für meinen Aufenthalt in Deutschland habe ich

nur schöne Worte. Ich habe viele neue Erfahrungen

gemacht und alle sind positiv für mich gewesen.

Die deutschen Leute sind nicht so streng

wie man im Ausland denkt, besonders die jungen

Menschen. Sie haben mir immer geholfen, wenn ich etwas nicht verstanden oder falsch

gemacht habe. An der Uni ist die Stimmung auch gut.

Andererseits habe ich mit der deutschen Pünktlichkeit andere Erfahrungen gemacht.

Kommt der Stadtbus früher an der Haltestelle an, fährt er auch früher ab und ich muss

auf den nächsten Bus warten. Hier ist es unabdingbar, die rote Ampel zu akzeptieren,

auch wenn kein Auto kommt. In Spanien ist das nicht so.

Die Feste sind anders als in Spanien, aber sie haben mir immer gefallen.

Ich hoffe, ich kann wieder nach Deutschland kommen und ein paar Jahre hier

bleiben!

„Solange man die Gesetze befolgt,

ist man in Deutschland sicher.“

Chunhong Zhao aus China

Die meisten Leute in Deutschland sind freundlich und hilfsbereit. Wenn jemand wirklich

Hilfe braucht, helfen sie schnell mit viel Geduld.

Weltweit gesehen, hat Deutschland die wenigsten Verbrechen und Unfälle. Solange man

die Gesetze befolgt, ist man in Deutschland sicher.

Deutschland hat ein erstaunlich ausgebautes Verkehrssystem. Reisende können in oder

zwischen Städten leicht vorankommen. Unser öffentlicher Verkehr ist besser ausgebaut,

aber das Verkehrssystem ist nicht so gut wie in Deutschland.

Das Leben schreitet in Deutschland langsamer voran. Die Menschen planen alles und

handeln danach. In China stehen die Leute unter Druck, alles schnell zu erledigen. Die

meisten Deutschen führen ein ruhiges Leben, während die Mehrheit der Chinesen ein

turbulentes, lautes Leben bevorzugen.

Die Bürokratie ist ein typisch deutsches Problem – wie in China auch.

Deutschland ist ein wunderschönes Land. Ich bin froh, dass ich hier leben durfte.

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Kontakte 1/2013


aktuell

Katarzyna Guderska aus Polen

Ich habe in der Schule Deutsch gelernt. Trotzdem war der Start in

Regensburg nicht einfach. Aber nach zwei Wochen war es normal,

immer auf Deutsch zu sprechen.

Es gibt keinen großen Unterschied zwischen meinem Land und

Deutschland. Die Deutschen brauchen vielleicht etwas länger, bis

sie Freundschaften schließen. In Polen geht alles schneller. Wir können

sofort Party machen und viel sprechen. Deutsche sind ein bisschen

kühl und ernst.

Ich hatte anfangs Probleme mit dem Einkaufen. In Regensburg

schließen die Supermärkte spätestens um 20 Uhr. Das darf ich

nicht vergessen, sonst habe ich nichts zu essen. In Polen gibt es

viele 24 h-Geschäfte.

Ein weiterer Unterschied ist an der Uni. Hier ist der Professor nett

und er hilft. In meiner Heimat sieht es ganz anders aus.

„Die Deutschen

brauchen etwas

länger, bis sie

Freundschaften

schließen.“

Kontakte 1/2013 23


Kindernobelpreisträgerin Anna Mollel

aus Tansania zu Gast bei der KJF

Über eine außergewöhnliche Frau,

die ihr Leben mit Liebe und Beharrlichkeit

Kindern mit Behinderung widmet

Text und Interview: Isolde Hilt • Fotos: Juliane Zitzlsperger


aktuell

Zweieinhalb Millionen Kinder auf der ganzen Welt haben sie gewählt und ihr den „World‘s Children‘s Prize

for the Rights of the Child 2012“ zugedacht: Anna Mollel, 62 Jahre alt, vom Volk der Massai aus dem Norden

Tansanias. Die Auszeichnung gilt als alternativer Nobelpreis für Menschen, die sich in besonderer Weise für

die Rechte von Kindern einsetzen. Damit wurde die ehemalige Leiterin des Zentrums Haduma ya Walemavu

in Tansania für ihr über 20-jähriges Engagement für Massaikinder mit Behinderungen geehrt.

Der „World‘s Children‘s Prize“ soll Botschaft sein für

eine Welt, in der die Rechte von Kindern uneingeschränkt

respektiert werden. An dem Wettbewerb

können sich alle Schulen beteiligen; mehr als 27 Millionen

junge Menschen von 58.000 Schulen aus 107

Ländern unterstützen ihn. Durch die Ausschreibung

erfahren jedes Jahr Millionen von Kindern mehr über

Kinderrechte, Demokratie, Freundschaften, die nicht

vor Landesgrenzen Halt machen, und dass es lohnt,

sich für andere einzusetzen.

„The World‘s Children‘s Prize for the Rights of the

Child“,von der schwedischen Regierung und mehreren

Wohltätigkeitsorganisationen ins Leben gerufen,

wird seit dem Jahr 2000 verliehen. Er ist mit 100.000

Euro dotiert – Geld, das Anna Mollel dafür verwendet

hat, eine Schule für Kinder mit und ohne Behinderung

zu bauen, mit größeren Klassen und Toiletten.

Es reicht bei weitem noch nicht, der Preis aber hat sie

bekannt gemacht, macht neugierig auf ihre Arbeit

und zieht – hoffentlich – weitere Spenden nach sich.

Anfang Juni kam Anna Mollel auf Einladung des Bundesverbands

Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie

e. V. (CBP) und der Katholischen Jugendfürsorge

der Diözese Regensburg e. V. für eine Woche nach

Deutschland. Erste Station: Regensburg.

Mittwoch, 5. Juni 2013: Wir freuen uns sehr, dass uns

Anna Mollel ein Interview gibt. Victoria Mehringer, die

nach ihrem Abitur 2011 als Missionarin auf Zeit nach

Tansania ging, hat die Sprache der Massai – Swahili

– in nur wenigen Monaten gelernt und steht als Dolmetscherin

zur Verfügung.

Anna Mollel beginnt zu erzählen und wäre da nicht

bereits eine Stunde später der nächste Termin, könnte

man ihr gerne noch eine kleine Ewigkeit länger zuhören.

„Behinderte Kinder gelten als Schande,

als eine Strafe Gottes, die man versteckt

und von anderen fern hält.“

Die Massai leben sehr verbunden mit der Landschaft.

Sie ziehen von Ort zu Ort, um nach Wasserstellen

für ihre Tiere zu suchen. Tiere sind ihr

Lebensinhalt. Die Nomaden haben Probleme

mit der Regierung, die die Nationalparks erweitern

möchte und dadurch die Massai vertreibt.

In Anna Mollels Volk muss jeder zum Überleben

beitragen, auch die Kinder, die bereits sehr früh

zuarbeiten. Sie werden zu Wasserstellen geschickt,

die oft weit entfernt sind, melken Kühe,

helfen im Haushalt. Auch wenn es gesetzlich

das Recht dazu hätte, geht ein Kind der Massai

selten zur Schule.

Behinderte Kinder gelten als Schande, als eine

Strafe Gottes, die man versteckt und von anderen

fern hält. Sie werden in doppeltem Sinn als

Last gesehen, die man auf dem Rücken tragen

muss, weil es keine Hilfen wie einen Rollstuhl

gibt.

Mädchen werden bereits ab 12 Jahren zwangsverheiratet;

ihre Väter suchen den Ehemann aus.

Anna Mollel schmunzelt – in Erwartung der ihr

inzwischen vertrauten Reaktion –, als sie kurz

Einblick in ihre Lebensumstände als kleines

Mädchen gewährt: „Ich bin das dritte und letzte

Kind meiner Mutter. Mein Vater hatte viele

Frauen. Er war mit neun Frauen verheiratet und

hatte 45 Kinder mit ihnen. Meine Mutter war

Kontakte 1/2013 25


seine vierte Frau.“ Familienstrukturen, die Anna Mollel

mit anderen Mädchen ihres Volkes teilt, nicht aber

den weiteren Lebensweg, bei dem es ihrer Mutter

gelang, die Weichen anders zu stellen. „Mein Vater

wollte mich zwangsverheiraten, er stand bereits mit

einem Mann vor der Tür. Ich sagte nein. Ich wollte

erst meinen Schulabschluss und eine Ausbildung zur

Krankenschwester machen. Meine Mutter hat mich

dabei sehr unterstützt, obwohl sie deshalb von meinem

Vater geschlagen wurde. Sie verkaufte unsere

Kühe, um damit das Schulgeld bezahlen zu können.“

Ihre erste Begegnung mit einem behinderten Kind

hat Anna Mollel im Alter von sechs Jahren. Rufe aus

einer Hütte machen sie auf die gleichaltrige Naurei

aufmerksam: Deren Familie hält das Mädchen versteckt,

schämt sich für es, weil es nicht laufen kann,

sein Körper so klein und der Kopf sehr groß ist. Anna

spielt mit Naurei, was nicht gerne gesehen ist, aber

sie setzt sich trotzdem weiter für sie ein. Sie spürt,

wie schlimm es sein muss, nicht mit anderen Kindern

spielen zu dürfen und darüber zu vereinsamen. Wenige

Jahre später ergeht es Annas Freundin zunächst

wie allen anderen Massai-Mädchen: Sie wird schwanger

von einem Mann, den sie nicht kennt. Das Kind

kommt per Kaiserschnitt auf die Welt, stirbt aber. Für

Naurei wendet sich trotzdem noch alles zum Guten.

Das zweite Kind überlebt, ist gesund und besucht mit

Hilfe von Anna Mollel die Schule. Naurei lebt heute in

einem eigenen Haus und ist glücklich.

Anna Mollel sucht die Familien auf,

spricht mit den Eltern, bittet sie,

ihre Kinder in das Zentrum Huduma

ya Walemavu zu bringen, damit

man ihnen dort helfen kann.

Dem ersten Schritt heraus aus

dem Versteck folgen die nächsten:

regelmäßige Behandlungen,

Operationen für die Kinder und

langsam fällt auch das Gefühl

der Schande in den Familien ab.

1996 steigt Caritas International

Deutschland in das Projekt mit ein

und unterstützt es bis heute.

Manche Begegnungen bringen besonders

viel in Bewegung. So geschehen

auf einer Fachreise durch

Tansania im letzten Jahr, an der

Reinhard Mehringer teilnahm und

dabei Anna Mollel kennen lernte:

„Als sie in unseren Bus einstieg,

habe ich sofort gemerkt, diese Frau

ist etwas ganz Besonderes.“ Der

Gesamtleiter des Pater-Rupert-

Mayer-Zentrums war endgültig

begeistert, als er von der Idee der

Bildung ist der Schlüssel zu Veränderung: Die Nobelpreisträgerin

für Kinderrechte wird nicht müde, in abgelegene

Dörfer zu fahren, um ihr Volk davon zu überzeugen.

An ihr sehen sie, dass Kinder eine Zukunft, ein

besseres Leben haben, wenn sie zur Schule gehen und

eine Ausbildung machen dürfen.

Dass die Massai in Tansania Kinder mit einer Behinderung

besser annehmen können, ist ebenfalls Anna

Mollel zu verdanken. 1990 bietet ihr Elfrieda Steffen,

eine deutsche Entwicklungshelferin, an, gemeinsam

mit ihr ein Rehabilitationszentrum für behinderte

Kinder aufzubauen. Die ersten sechs Jahre sind mühevoll,

die beiden Frauen erhalten wenig Unterstützung.

26

Kontakte 1/2013


aktuell

„Ich bin begeistert, dass es überall Wasser

aus der Wasserleitung gibt und dass die Toiletten

funktionieren!“

Auch in Berlin, einem weiteren Halt auf ihrer Reise,

hat die Kindernobelpreisträgerin Spuren hinterlassen.

In vielen Gesprächen konnte sie ihre Arbeit vorstellen,

zu denen sie der CBP und dessen Vorsitzender, Johannes

Magin, eingeladen hatte.

inklusiven Schule hörte, die die Afrikanerin aufbauen

wollte. Was macht man mit jemandem, von dem man

begeistert ist? Einladen! „Mir lagen mit einem Besuch

von Anna mehrere Sachen am Herzen: Ich wollte unseren

Schülerinnen und Schülern die Welt öffnen und

ihnen zeigen, wie es Menschen mit Behinderung in

anderen Ländern geht. Außerdem möchte ich viele

andere Menschen dafür gewinnen, die inklusive Schule

in Tansania voranzubringen.“

Anna Mollel ist nicht alleine heimgefahren, viele Herzen

aus Deutschland haben sie begleitet. Auch ein

Kooperationsvertrag mit der Bildungsstätte St. Wolfgang

war dabei, die die inklusive Schule in Tansania

unterstützen will. Über Spenden sollen Lehrkräfte bezahlt,

die Einrichtung der Schule verbessert und ein

Spielplatz für Kinder gebaut werden.

Ein Tag zurück, Dienstag 4. Juni in Straubing: Der Gast

aus Tansania ist gespannt auf den Besuch in der Bildungsstätte

St. Wolfgang, einer Einrichtung, die sich

um Kinder und Jugendliche sorgt und sie fördert, die

geistig beeinträchtigt oder von geistiger Behinderung

bedroht sind. Hier gibt es auch eine inklusive

Schulklasse, die Kinder mit und ohne Behinderung

besuchen. Besonders beeindrucken Anna Mollel die

verschiedenen Hebemöglichkeiten für behinderte

Kinder; so etwas gibt es in ihrer Heimat nicht. Da ist

bereits ein Rollstuhl ein kostbares Gut. Wie gut es uns

gehen muss, lässt sich erahnen, wenn Anna Mollel

sagt: „Ich bin begeistert, dass es überall Wasser aus

der Wasserleitung gibt und dass die Toiletten funktionieren!“

Wer gerne

spenden möchte,

erhält weitere

Informationen

bei Reinhard

Mehringer,

Tel. 0941 2980-0

Kontakte 1/2013 27


aktuell

Ins Leben

zurückgekämpft

Christine Allgeyer im Gespräch mit

Rosi und Siegi Macht sowie dem Neuropsychologen Armin Dunkel

Mit 26 Jahren stürzt Siegi Macht vom Dach seines Stadels in

die Tiefe. Schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen überlebt der

gelernte Elektriker wie durch ein Wunder. Sein Leben

ist nach dem tragischen Unfall ein anderes, er

selbst ist ein anderer. Seine Frau Rosi gibt die

Hoffnung nicht auf und geht mit ihm in das

neue Leben. Gemeinsam schaffen sie es.

Vieles hat sich seitdem verändert. Eines

nicht: Siegi und Rosi Macht sind ein Paar

geblieben.

Der Neuropsychologe Armin Dunkel

hat in ganz schweren Zeiten geholfen

und ist auch heute noch da, wenn

er gebraucht wird. Ohne ihn und

die Bruder Konrad Werkstätte

in Mitterfels hätte Siegi Macht

nicht wieder ins Arbeitsleben

zurückgefunden. Seit 2007

begleitet der Diplom-Psychologe

nicht nur Siegi

Macht und dessen Frau,

sondern vermittelt den

Gruppenleitern in der

Werkstätte in Einzelsupervision

und

edukativen Maßnahmen

Hintergrundwissen

über die Auswirkungen

von

Schädel-Hirn-

Verletzungen

und wie man

Verletzte fördern

und unterstützen

kann.

28

Kontakte 1/2013


aktuell

Erzählen Sie mir Ihre Geschichte, Herr Macht?

Siegi M.: Am 6. Oktober 2004 ist mein Unfall passiert.

Wir hatten auf dem Stadel Windbretter befestigt.

Der Stadel hat ein ziemlich hohes Dach.. Ich bin

durchgebrochen und es ging es neun Meter abwärts.

Ich bin mit dem Kopf auf dem Boden aufgekommen.

Rosi M.: Die erste Aussage der Ärzte war, dass Siegi

wahrscheinlich nicht überleben wird. Sie meinten,

es habe keinen Sinn, etwas zu machen. Auf den Bildern

waren keine Gehirnstrukturen mehr zu erkennen.

Wir sollten einfach abwarten. Doch da schlug

er zweimal gezielt nach einer Schwester. Daraufhin

entschieden die Ärzte zu operieren.

Herr Dunkel, in welchem Zustand war

Herr Macht nach dem Unfall?

In einem akut lebensbedrohlichen Zustand:

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist

immer eine durch äußere Gewalteinwirkung

entstandene Verletzung des

Gehirns. Durch die Gewalteinwirkung

folgen häufig raumfordernde Blutungen

im Gehirn. Dieser raumfordernde

Prozess schädigt das Gehirn zusätzlich

zu den eigentlichen Sturzverletzungen.

Durch die Blutung entsteht ein enormer

Druck auf das Gehirn, das dann

entlastet werden muss. In der Akutbehandlung

wird die Schädeldecke geöffnet

und das Blut abgesaugt. Wenn aber

die Neurochirurgen keine Überlebenschance

mehr sehen, werden diese Maßnahmen

nicht mehr vorgenommen. Herr Macht hat

seinen Lebenswillen im letzten Moment noch

geäußert, sodass die Notfallmaßnahmen doch

noch eingeleitet wurden.

Frau Macht, war Ihnen bewusst, welche Art von Verletzungen

vorliegen und wie Sie die Situation Ihres

Mannes einschätzen müssen?

Als gelernte Krankenschwester hatte ich das Fachliche

schon irgendwo im Hinterkopf. Aber wenn Gefühle

mit ins Spiel kommen, gerät das alles durcheinander.

Worauf wartet man? Stirbt er oder gibt es doch noch

eine Möglichkeit? Die Aussage war: Sie müssen abwarten.

Und dann wartet man eben.

Wie lange haben Sie gewartet?

Das lässt sich nicht in einem Zeitraum fassen. Auch

heute nach acht Jahren warten wir, denn es gibt immer

wieder Fortschritte. Das sehe ich an Siegis Verhalten

und an seiner Motivation. Es hieß, nach zwei Jahren

sei ein Endzustand erreicht, aber das ist nicht der

Fall. Mit entsprechender Unterstützung oder Hilfsmitteln

kann man vieles kompensieren und verbessern.

Hatten Sie immer Hoffnung?

Ja. Schon im Krankenhaus habe ich abends beim Verabschieden

immer gesagt: „Du kannst nicht einfach

sterben, Siegi.“ Jedes Anzeichen einer Reaktion gab

mir Hoffnung.

Sie haben beide nicht aufgegeben. Was passierte

dann?

Rosi M.: Im November 2004 kam Siegi für fast 10 Monate

in die neurologische Frühreha ins Bezirksklinikum

Regensburg, danach in die Rehaklinik nach Freyung.

Er hatte dazwischen einen epileptischen Anfall,

später nochmals zwei.

Siegi M.: Jetzt nehme ich Medikamente, damit dass

nicht wieder passiert.

Was haben Sie während der Reha gemacht?

Siegi M.: Ich musste Elektrosachen zusammenbauen,

konnte es aber nicht. 2006 habe ich dann für zwei

Wochen in meiner alten Firma gearbeitet. Aber es

ging überhaupt nicht mehr, weil ich das von der Leistung

her nicht mehr geschafft habe. Herr Dunkel hat

uns dann die Werkstätte empfohlen.

Kontakte 1/2013 29


aktuell

Herr Dunkel, seit wann begleiten Sie Frau und Herrn

Macht?

Ich habe Herrn Macht nach der stationären neurologischen

Reha kennengelernt. Die Berufsgenossenschaft

hatte mich beauftragt, die neuropsychologische

Reha ambulant fortzuführen. Der Kostenträger

gab Herrn Macht eigentlich keine große Chance,

dass eine Beschäftigung wieder funktionieren würde.

Dagegen sprachen die Vorerfahrungen in den

Rehabilitationskliniken und die Schwere der Symptomatik.

Rosi M.: Für Siegi war es sehr schwer, keine Aufgabe

mehr zu haben. Es war allerdings für ihn auch nicht

einfach, sich auf die Werkstätte einzulassen. Hier hat

er aber einen geschützten Rahmen, in dem er einer

sinnvollen Aufgabe nachgeht und der ihm wieder

Struktur im Alltag gibt. Das tut ihm gut.

Armin Dunkel: Mit der Zeit fand sich Herr Macht hier

ein. Er hat gelernt, mit der Behinderung, die durch

den Unfall entstanden ist, zunehmend besser und

kompetenter umzugehen, bestimmte Defizite auszugleichen

und wieder eine Arbeitsstruktur, einen

Lebensrhythmus zu finden. Das sind Ziele, die man

nicht unmittelbar greifen kann, aber Lebensqualität

ausmachen. In diesem Sinne hat sich Herr Macht

wieder ins Leben zurückgekämpft und nimmt aktiv

am Leben teil. Von einer sehr schlechten Prognose,

die anfangs das Überleben und später das soziale

Leben in Frage gestellt hat, hin zu heute stabilen

Lebensverhältnissen, in denen der familiäre Kontext

und die Ehe erhalten blieb, ist das eine großartige

Leistung. Dabei waren die Rahmenbedingungen, die

Herr Macht in der Werkstatt vorgefunden hat, ganz

entscheidend.

Was war für Sie in dieser Zeit besonders

wichtig, Frau Macht?

Die Sicherheit, dass ich mich immer

bei Herrn Dunkel melden

konnte. Ganz besonders wichtig

waren seine Hinweise zu Siegis

Verhalten, dass er mich damit

nicht persönlich treffen oder verletzen

will. Seine Persönlichkeit

und sein Verhalten hatten sich ja

komplett verändert. Herr Dunkel

hat mir geholfen, damit umzugehen

und uns Möglichkeiten aufgezeigt,

wie wir es gemeinsam

schaffen.

Sie haben Ihren Mann ganz neu

kennenlernen müssen?

Ja. Das war alles sehr schwierig

trotz Unterstützung. Der Siegi

war vor dem Unfall ruhig und

wollte immer mit jedem gut

auskommen. Das ist jetzt ganz

anders. Wenn er heute der Meinung

ist, das ist so, dann ist das

so. Da geht er keinen Schritt zur

Seite, komme, was wolle. Alles ist anders. Das fängt

schon in der Früh beim Aufstehen an. Ich kann das

gar nicht beschreiben. Es gab auch Momente, in denen

ich dachte, es geht nicht mehr. Da hat uns Herr

Dunkel sehr geholfen. Er kam anfangs zweimal die

Woche. Das hat mir Sicherheit gegeben. Auch der

Vorschlag mit der Werkstätte war für mich eine

riesige Entlastung. Wir haben beide wieder einen

Rhythmus und eine Alltagsstruktur gefunden.

Was genau machen Sie in der Werkstatt, Herr

Macht?

Ich arbeite in der technischen Fertigung mit Schläuchen

für Waschanlagen. 2007 habe ich im Berufsbildungsbereich

angefangen, war in der Wäscherei

und in der Montage. In die Küche durfte ich nicht.

Frau Mittnacht sagte: „Bis du in der Früh kommst, ist

schon alles gekocht.“ (lacht) Ich komme ja erst um

zehn Uhr, nicht schon um acht, weil ich das einfach

nicht schaffe. In einer Firma brauchst du damit gar

nicht anfangen. Da bist du gleich weg vom Fenster.

Im Anschluss an das Gespräch führt Siegi Macht die

Gesprächsgruppe durch die Werkstätte zu seinem

Arbeitsplatz. Auf dem Weg dorthin grüßen seine

Kolleginnen und Kollegen: „Servus Siegi!“ Er erklärt

uns, woran andere Gruppen arbeiten, was in den

einzelnen Abteilungen gefertigt und produziert

wird. Man spürt, er gehört hier her. Siegi Macht hat

in der Werkstätte viel mehr gewonnen als nur einen

Arbeitsplatz.

30

Kontakte 1/2013


aktuell

„Ich habe immer

ein offenes Herz für Sie!“

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer lernt die KJF kennen

Text: Christine Allgeyer

„Sie können sich auf mich verlassen. Ich betrachte die Caritas und die Katholische Jugendfürsorge

als wesentliche Bereiche des kirchlichen Lebens. Ich bin für Sie da, wo Sie mich

brauchen“, versicherte Bischof Rudolf bei seinem Antrittsbesuch in der Regensburger

Geschäftsstelle. Seitdem hat er erste KJF-Einrichtungen in Eggenfelden und Mitterteich

besucht, demnächst folgt das Cabrini-Zentrum in Offenstetten.

Er ist ein Mann, der die Herzen

der Beschäftigten der

KJF im Sturm eroberte: Der

neue Diözesanbischof nahm sich

viel Zeit für persönliche Gespräche

und ein geselliges Miteinander.

Wie bei seinem Besuch in der

Geschäftsstelle im April angekündigt,

bereist Bischof Rudolf derzeit

sein neues Bistum, um dort, „wo

sich das Leben entfaltet – in Pfarreien,

Schulen und Einrichtungen“,

mehr über die Arbeit der Katholischen

Jugendfürsorge und anderer

kirchlicher Träger zu erfahren.

In allen Häusern, die sich auf den

hohen Besuch vorbereitet hatten,

herrschte große Freude. Prälat Dr.

Josef Schweiger, 1. Vorsitzender der KJF, hieß den Bischof

gemeinsam mit Direktor Michael Eibl im Namen

aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herzlich

willkommen. Etwa 90 Beschäftigte der Geschäftsstelle

und Nebenstellen der KJF hatten sich in der

Hauskapelle zu seinem Empfang eingefunden. „Ich

freue mich sehr, heute bei Ihnen zu sein und mehr

über Sie und Ihre Arbeit zu erfahren“, erklärte der Bischof.

In seiner Begrüßungsrede erinnerte Prälat Dr.

Schweiger an die bescheidenen Anfänge der Katholischen

Jugendfürsorge vor 100 Jahren und an das große

Fest anlässlich ihres runden Geburtstags auf dem

Domplatz im vergangenen Jahr. „Wir setzen große

Hoffnung in Sie, dass Sie dem karitativen Bereich

und der Katholischen Jugendfürsorge wohlwollend

zur Seite stehen“, so Schweiger.

KJF-Direktor Michael Eibl stellte die Geschäftsstelle

mit ihren Abteilungen, Stabsstellen und Referaten

vor. Er gab einen Überblick über die Fachbereiche

und die Arbeit in den KJF-Einrichtungen in der Diözese.

Bischof Rudolf zeigte sich beeindruckt von den

vielfältigen Hilfeleistungen, die dort an die 25.000

Menschen jährlich erfahren.

Den jüngsten Bischof Bayerns zeichnet viel aus, zum

Beispiel, dass er sich Zeit nimmt – etwa bei seinem

Besuch in den KJF Werkstätten in Eggenfelden und

Mitterteich, bei dem ihm Geschäftsführer Hans Horn

und die Werkstattleiter Alfred Miller und Josef Fick

die Beschäftigten sowie den Betriebsablauf vorstellten.

In den Wohngemeinschaften St. Benedikt in Mitterteich

verweilte er besonders lange. Einrichtungsleiterin

Elke Bauer freute sich sehr darüber, Bischof

Rudolf so vertieft im Gespräch mit den Betreuten zu

sehen. Sie dankten es ihm mit einem Theaterstück,

bei dem ihm die Herzen zuflogen: „Hurra, hurra, der

Bischof kommt!“

Kontakte 1/2013 31


aus der Welt

der KJF

Neues

aus den Einrichtungen

Reingeschnuppert

Acht Einrichtungen der KJF haben sich am bundesweiten

„Jungen- und Mädchen-Zukunftstag“ mit

insgesamt 38 Plätzen beteiligt. Am Schnuppertag

kamen die jungen Leute mit Fachkräften ins Gespräch

und lernten unterschiedliche Arbeitsfelder

in der sozialen Arbeit kennen. Die KJF nutzt den

BOYS’ und GIRLS’ DAY, um junge Leute für Berufe im

sozialen Bereich zu gewinnen. In der Bildungsstätte

St. Gunther unterstützte Staatssekretär Markus

Sackmann den bundesweiten Aktionstag mit seinem

Besuch.

Gemeinsam Teilhabe ermöglichen

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Integrationsfachdienste

Bayern e.V. hatte Grund zum Feiern: „15 Jahre gibt es die LAG

jetzt schon!“ freute sich Vorsitzender Johannes Magin. In einer

hochkarätig besetzten Diskussionsrunde brachte Michael Eibl,

Direktor der KJF, zum Jubiläum die Akteure zur Sicherung der

Teilhabe am Arbeitsleben aus dem Bayerischen Sozialministerium,

dem Zentrum Bayern Familie und Soziales und der Bundesagentur

für Arbeit zusammen. Ein Unternehmer aus der

Region zeigte beeindruckend seine positiven Erfahrungen mit

dem IFD auf. Die Integrationsfachdienste unterstützen Menschen

mit Behinderung dabei, eine Beschäftigung auf dem

ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen und auf Dauer auszuüben.

Damit das gelingt, kooperieren sie mit Arbeitgebern, einem

engmaschigen Partnernetzwerk und den Kostenträgern.

Frech und kunterbunt

Malermeister Franz Rebl kennt in Regensburg jeder.

Er bringt Farbe ins Leben, am liebsten auf Fassaden.

Und weil für Kinder Farben in ihrer Umgebung

besonders wichtig sind, hatte der Landauer Malermeister

seine Idee der „Bunten Häuser“ mit einem

Wettbewerb in Schulen, Kindergärten und anderen

Einrichtungen weitergetragen. Das Pater-Rupert-

Mayer-Zentrum beteiligte sich daran und gewann

prompt den 1. Preis: eine Rebl-Fassade, so bunt, wie

es nur gerade geht! Gestaltet von Künstler Carsten

Kruse ist sie ein bunt-fröhlicher Hingucker, der auch

für die Kreativität der Kinder und Jugendlichen des

Förderzentrums steht.

32


aus der Welt

der KJF

Spatenstich

Die KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH errichtet derzeit die erste

Werkstätte für Menschen mit Körperbehinderung in Ostbayern. Beim

Spatenstich war Markus Sackmann mit dabei: „Es freut mich sehr, dass

der Freistaat Bayern den Bau der St. Johannes Werkstätte für körperbehinderte

Menschen in Regensburg mit über 850.000 Euro ermöglichen

kann. Damit entstehen in Regensburg 30 neue Beschäftigungsplätze

für Menschen mit einer Körper- oder auch Mehrfachbehinderung.“

Ein Arbeitsplatz nahe am Wohnort erleichtere die Teilhabe am Arbeitsleben

enorm, meinte der Sozialstaatssekretär. „Außerdem bin ich

überzeugt, dass die St. Johannes Werkstätte für körperbehinderte Menschen

auch den Wirtschaftsstandort Regensburg weiter stärken wird.“

Der Befreiungshalle zu Ehren

150 Jahre Befreiungshalle waren

für die Stadt Kelheim Anlass,

Schülerinnen und Schüler verschiedener

Schularten aus Kelheim und Umgebung zu einem Kunstprojekt

einzuladen. Die Cabrini-Schule Offenstetten produzierte ein

Video und beeindruckte mit ihrer Percussion Group „Die Schlagfertigen“

sowie der Veehharfengruppe „Saitenklang“ bei der Ausstellungseröffnung

im Maximilianeum in München.

Darüber hinaus beteiligten sich die Cabrini-Schule und die Prälat-

Michael-Thaller-Schule aus Abensberg am Projekt „Audioguides“. Die

elektronischen Hörbücher entstanden im Rahmen der Aktion „Hörbilder

150 Jahre Befreiungshalle“ der Stiftung Zuhören, des Bayerischen

Rundfunks und der Stadt Kelheim.

„mittendrin!“ berichtet weiter

Nach zwei Jahren Projektlaufzeit fand im

Februar die „mittendrin!“-Abschlussparty

statt. Unter dem Dach der Offenen Behindertenarbeit

bei der KJF-Einrichtung

„Magdalena – von Mensch zu Mensch“ wird

jedoch das „mittendrin!“-Reporterteam weiterhin

unterstützt. Auch Petra Ellert bleibt

bei „mittendrin!“, damit die Reporter wie

bisher im „mittendrin!“-Internetblog: www.

mittendrin-kelheim.blogspot.de berichten

können. Die Projektleiterin hat im Laufe

von zwei Jahren Beachtliches auf die Beine

gestellt, damit Menschen mit Behinderung

in allen Lebensbereichen „mittendrin“ sind.

Fortsetzung

Seite 44

Kontakte 1/2013 33


aktuell

Ihr gutes Werk lebt weiter!

KJF nimmt Abschied von Franz Randak, dem Gründer

und Ehrenvorsitzenden der Aktionsgemeinschaft „Kind in Not“

Text: Christine Allgeyer

„Kind in Not“: In Eggenfelden und im Landkreis Rottal-Inn wird es kaum jemanden geben, der diese

Aktionsgemeinschaft nicht kennt: eine Initiative, die sich seit über 40 Jahren für Menschen, insbesondere

für Kinder mit Behinderung stark macht. Ihr Gründer und Ehrenvorsitzender Franz Randak starb

am 22. Mai im Alter von 87 Jahren. Prälat Dr. Josef Schweiger, Vorsitzender der KJF, verabschiedete sich

von einem „Mann, der in seinem tiefen Glauben an einen menschenfreundlichen Gott, in seiner Liebe

zu den Menschen, insbesondere den Menschen mit Behinderung, und in seiner geistigen Kraft für uns

alle ein Vorbild war“.

Franz Randak wurde am 24. März

1926 in Kaltenbach im Böhmerwald

als Ältester von neun Kindern

in einfache Verhältnisse

hineingeboren. Schon früh übernahm

er Verantwortung für die

jüngeren Geschwister und entwickelte

so ein Gespür für die Anliegen

seiner Mitmenschen. Vor dem

Einzug zum Militär 1944 begann

Franz Randak sein Lehramtsstudium.

1946 aus der Kriegsgefangenschaft

heimgekehrt, unterrichtete

er zunächst in Heiligenberg, dann

an der katholischen Knabenschule

in Eggenfelden. 1959/60 studierte

er Sonder-und Sozialpädagogik

und unterrichtete anschließend

an Sonderschulen in Plattling und

Eggenfelden, 1967 wurde er Sonderschulrektor,

1977 folgte die Beförderung

zum Schulamtsdirektor

im Staatlichen Schulamt im Landkreis

Rottal-Inn. Dieses Amt übte

er bis zu seinem Ruhestand 1989

aus.

Franz Randak hat in seinem über

40 Jahre währenden Wirken und

Engagement in der Kommunal-,

der Bildungs- und Schulpolitik,

insbesondere mit seiner Pionierarbeit

im Förderschulbereich viel

für Menschen mit Behinderung

bewegt und erreicht. Neben seinem

sozial caritativen Wirken engagierte

er sich in Verbänden und

in der Gesellschaft, setzte sich unermüdlich

für Menschen ein, die

sich in besonderen Notlagen oder,

von allen vergessen, am Rande der

Gesellschaft befanden.

Prälat Dr. Josef Schweiger stellte

besonders heraus, was Franz

Randak in 40 Jahren vertrauensvoller

Zusammenarbeit mit der

KJF geschaffen hatte. In seiner

Aufzählung fanden sich die Einrichtungen

der Behindertenhilfe und Rehabilitation,

der Jugend- und Erziehungshilfe und ein Bildungswerk

für Erwachsene mit Behinderung. „Alle diese

Einrichtungen verdanken wir der Pionierarbeit von

Franz Randak“, so Schweiger, „sie tragen seine Handschrift.“

Die Handschrift eines Menschen mit der Vision,

dass jedes Kind bildungsfähig sei, wenn es nur

rechtzeitig und kompetent gefördert werde.

Gemäß dem Leitwort von „Kind in Not“ – „Leben

schützen, Leben stützen“ – mühte sich Franz Randak

ein Leben lang um die Teilnahme und Teilhabe hilfebedürftiger

Menschen. KJF-Direktor Michael Eibl

schätzte Franz Randak ebenfalls sehr: „Wir haben in

ihm einen starken Charakter und einen vorbildlichen

Kämpfer für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung

verloren. Sein Wirken war kraftvoll und segensreich.

Mutige Pioniere wie Franz Randak bereichern

unsere Gesellschaft.“ Die KJF werde dem Gründer

der Aktionsgemeinschaft „Kind in Not“ ein ehrendes

Andenken bewahren.

34

Kontakte 1/2013


aktuell

„Wir erinnern uns

in Dankbarkeit an sie.“

Abschied von Dr. Birgit Böhm, Leiterin

der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle

Kelheim der KJF

Nachruf von Birgitta Hable

Am 29. Mai 2013 verstarb Dr. Birgit Böhm nach kurzer, schwerer Erkrankung.

Frau Dr. Böhm war Psychologische Psychotherapeutin und Kinderund

Jugendlichen-Psychotherapeutin. Seit 1. Januar 2002 arbeitete sie

als Diplom-Psychologin und Leiterin an der Erziehungsberatungsstelle

in Kelheim.

Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Sorge um traumatisierte Menschen:

Menschen, die sich in Ausnahmesituationen befanden, sei es durch Unfälle,

Gewalterfahrungen oder familiäre Krisensituationen – kurz gesagt,

Situationen, die die Menschen überforderten. Hier stellte sich Frau Dr.

Böhm zusammen mit den KlientInnen den schwierigen Themen, um

eine Verarbeitung, eine Integration der schlimmen Erfahrungen in die

Biographie der Betroffenen zu begleiten und zu erreichen.

Frau Dr. Böhm engagierte sich auf vielerlei Weise für traumatisierte Menschen,

sei es durch persönliche Beratung,

Debriefing von betroffenen

Gruppen, Vorträge, Artikel, Untersuchungen

oder Netzwerkarbeit.

Vielfältigkeit prägte Frau Dr. Böhms

Leben. Sie interessierte sich für

viele Wissensgebiete und strebte

danach, sich immer weiter zu qualifizieren.

Frau Dr. Böhm zeigte bei all den

schwierigen Themen und Aufgaben

Optimismus und Standfestigkeit

– auch bei ihrer schweren

Erkrankung. Bis zuletzt engagierte

sie sich für ihre Arbeit, bis an die

Grenzen ihrer Kräfte. Durch ihren

Tod hinterlässt Frau Dr. Böhm eine

große Lücke.

Die Katholische Jugendfürsorge

und alle Kolleginnen und Kollegen

der Erziehungsberatungsstellen

erinnern sich in Dankbarkeit an

Frau Dr. Böhm. Möge sie in Frieden

ruhen.

Kontakte 1/2013 35


Vergelt s G

Ihre Spende, Ihr Geschenk ist gut angekommen. Herzlichen Dank!

Fortsetzung

von Seite 16

Olympioniken gut unterwegs

Eine 1.000-Euro-Spende des Skiclubs Beratzhausen

überbrachten Sarah Achhammer, Elena Ruppelt

und Sandra Plog. Damit unterstützte der Club die

Teilnahme von Schülerinnen und Schülern aus KJF-

Einrichtungen an den Special Olympics. Das ist die

weltweit größte, vom Internationalen Olympischen

Komitee (IOC) offiziell anerkannte Sportbewegung

für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.

Die Olympioniken freuten sich riesig.

Gemeinsam mit KJF-Direktor Michael Eibl und dem

Einrichtungsleiter Ludwig Faltermeier der Bischof-

Wittmann-Schule bedankten sie sich herzlich für die

großartige Unterstützung.

Reich beschenkt

Aus Painten erhielt die Bischof-Wittmann-Schule

Anfang des Jahres gleich zwei gute Nachrichten –

oder besser gesagt Spenden. Die Katholische Landjugend

übergab 600 Euro und das „Paintner Weihnachtsmarkt-Team“

1.470 Euro. Darüber freuten sich

Schulleiter Ludwig Faltermeier, das Kollegium und

die Schülerinnen und Schüler riesig.

Auch der Frauenbund Sinzing hatte die gute Idee,

den Erlös aus dem Verkauf ihrer köstlichen Torten

und Kuchen bei ihren Kaffeekränzchen in Höhe von

400 Euro dem Cafe „Titanic“ in der Bischof-Wittmann-Schule

zu spenden. Christa Beer, die Teamleiterin

der „süßen Runden“, übergab mit Irene Brix,

der Vorsitzenden des Frauenbunds Sinzing, den

Spendenscheck.

Weihnachtsfreuden

Wie kann es anders sein? An Weihnachten wollen

Menschen anderen eine Freude bereiten und helfen,

wo Unterstützung gebraucht wird. Für die KJF ist

die segensreiche Weihnachtszeit deshalb auch die

spendenreichste Zeit des Jahres.

Für Freude strahlende Augen sorgten Jasmin und

Christina aus dem SFZ Hemau mit ihren Geschenkpäckchen

für Kinder in der Bischof-Wittmann-

Schule. Ebenfalls schön verpackte Geschenke übergaben

REAL-Geschäftsleiter Mansuet Zenger, seine

Kolleginnen Birgitt Schott und Elke Zigalke. Auch die

Firma Innstolz beschenkte das Förderzentrum mit

1.000 Euro.

Bereits vier Jahre in Folge spendete die Schneider

Electric Energy GmbH insgesamt rd. 10.000 Euro für

Teilhabeeinrichtungen der KJF in Offenstetten. Alle

Jahre wieder beschenkt auch Richard Deml, AOK-

Direktor das Kinderzentrum St. Vincent mit einer

großzügigen Sachspende. Dasselbe gilt für das Ingenieurbüro

Butz, Hausmann & Hiller GmbH aus Amberg,

die 1.500 Euro für unterschiedliche inklusive

Projekte spendeten.

Das Ingenieurbüro Zott übergab einen 1.000-Euro-

Spendenscheck und die Firma Birnthaler 500 Euro

für Sport- und Kunstprojekte für Menschen mit Behinderung.

Im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum freuten

sich die Kinder und Jugendlichen über 80 Päckchen

aus der Aktion „Charity-Baum“ der Galeria Kaufhof.

1.000 Euro übergaben die Inhaber des Fitnesscenters

Vitadrom in Straubing Laura und Christian

Daems für die Straubinger Förderzentren der KJF. Allen

Spendern ein herzliches Vergelt’s Gott!

36

Kontakte 1/2013


ott!

Digital Power

Ihre Hausaufgaben können sie künftig bequem

zuhause an ihren Laptops erledigen. Gleich zehn

davon hat IT-Leiter Jörg Bublath der Firma Intel Mobile

Communications am Standort Regensburg in

das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum der KJF gebracht.

„Wir sind für die Spende sehr dankbar, weil öffentliche

Mittel für solche Zwecke nicht zur Verfügung

stehen“, so Reinhard Mehringer, Gesamtleiter des

PRMZ.

Engagierte Frauen

„Für die tollen Angebote braucht es sicher Geld“,

war sich Anna Bach, Vorsitzende des Frauenbunds

der Dompfarrei, sicher. Gemeinsam mit Frauenbundmitbegründerin

Georgine Lingel überbrachte

sie den 1.000-Euro-Spendenscheck in die Epilepsie

Beratungsstelle Regensburg.

Über die großzügige Spende freuten sich die Leiterin

der Beratungsstelle Petra Klein und ihre Kolleginnen

Elisabeth Seifert, Lidwina Böhm-Westermeier und

Claudia Lieblich.

Wunderbare Klänge

… Und langsam wird es Tradition: Das Blechbläser-

Consort Regensburg und der Organist Andreas Merl

gaben erneut ein Konzert zugunsten der Stiftung

„Für junge Menschen“ in der Kirche St. Martin in

Barbing. Stimmungsvoll führten sie in das neue Jahr

2013. Den Erlös über 500 Euro überreichten Bernhard

Mitko und Bernadette Dechant an Stiftungsratsvorsitzenden

Michael Eibl, der sich herzlich bedankte.

Für Januar 2014 ist bereits das nächste Konzert in

Barbing geplant.


kurz notiert

Kurz notiert

Meine Lieblingstorte

Wir schwören es Ihnen: Aus diesem Buch wird es nicht nur eine Torte auf Ihre persönliche

Hitliste schaffen! Zu gut sind die einzelnen Rezepte, zig-fach erprobt, leicht

nachzubacken, von vielen getestet, um sämtliche Kalorienbedenken zu ignorieren.

Ob Torten-Neuling oder Torten-Profi, für jede und jeden findet sich die Torte, mit

der man beim nächsten Auftischen Eindruck machen kann.

Das Buch enstand, weil die Katholische Jugendfürsorge

der Diözese Regensburg letztes Jahr ihren 100. Geburtstag

feierte und sich Stilla Maria Lachner vom Referat Öffentlichkeitsarbeit

dachte, „ein Geburtstag ohne Torte geht

gar nicht!“. Viele liebe Leute, die sich der KJF verbunden

fühlen, ganz besonders Stiftungsrätin Bernadette Dechant,

haben deshalb im Jubiläumsjahr ihr Lieblingstortenrezept

herausgerückt, um ein gutes Werk zu tun: Die

KJF-nahe Stiftung „Für junge Menschen.“, die diese ‚süße

Verführung‘ herausgibt, unterstützt mit dem Erlös aus

dem Verkauf Projekte für Kinder, Jugendliche und Menschen

mit Behinderung.

Backbegeisterte werden „Meine Lieblingstorte“ noch in

anderer Weise zu schätzen wissen: Lästiges Umblättern

der Buchseiten mit klebrigen Teig- oder Cremefingern ist passè. Das Buch im DIN

A4-Querformat mit Ringspiralenbindung steht dank einer ausgetüftelten Konstruktion

wie eine Eins, jedes Rezept passt auf eine Seite, die Schrift ist gut und leicht

zu lesen.

Es gibt eigentlich keinen Grund mehr, dieses Buch nicht vorzubestellen.

„Meine Lieblingstorte … gelingt, schmeckt fein, ist die Beste!“ erscheint im Herbst,

versüßt einem die kalte, oft graue Jahreszeit, ist ein wertvolles Geschenk zu Weihnachten

und tut obendrein noch Gutes!

Preis 10,- Euro zuzüglich Versandkosten

Ihre Vorbestellung bitte an:

Stilla Maria Lachner

E-Mail: presse@

kjf-regensburg.de

38

Kontakte 1/2013


kurz notiert

Es ist normal, anders zu sein:

Regensburg inklusiv – die Dokumentation

…oder anders ausgedrückt: Eine Stadt macht sich auf den Weg zu einem selbstverständlichen

und unverkrampften Miteinander von Menschen mit und ohne

Behinderung.

„Ziel ist es, dass alle Menschen in Regensburg gleichberechtigt an allen

Lebensbereichen teilhaben können. Mit Neugierde für den Alltag zum

Beispiel des Nachbarn, der Kollegin, des Mitarbeiters, der Klassenkameradin

kann es gelingen, Barrieren im Kopf abzubauen und Regensburg so zu

gestalten, dass alle gleichberechtigt und „un“behindert leben können“,

beschreibt Thomas Kammerl, Projektkoordinator, das große Vorhaben.

Dass möglichst viele der guten Ideen, die bei der Auftaktveranstaltung im

Herbst vergangenen Jahres zur Sprache kamen, auch Wirklichkeit

werden, dazu wollen u. a. die Stadt Regensburg, die Hochschule Regensburg,

die Katholische Jugendfürsorge Regensburg, die Lebenshilfe, die

Diakonie und der Caritas-Verband ihren Teil beitragen.

Mehr erfahren Sie in der Dokumentation „Regensburg inklusiv“,

die unter www.regensburg-inklusiv.de als Download zur Verfügung

steht.

Heilpädagogik:

ein Beruf für Menschenfreunde

… und ein Beruf, der gefragt ist und beste Voraussetzungen bietet, um sich anschließend in

einem Bachelor-Studium der Heilpädagogik oder der Sozialen Arbeit an einer Hochschule

weiterzuqualifizieren.

Heilpädagogen und Heilpädagoginnen arbeiten in Einrichtungen der Behinderten- und

Jugendhilfe, zum Teil auch in eigener Praxis.

Ihr fachliches Know-how ist in der Frühförderung, in schulvorbereitenden Einrichtungen,

Förderschulen, heilpädagogischen und therapeutischen Heimen, Werkstätten, Wohnheimen,

Fachkliniken wie

Kinder- und Jugendpsychiatrie

und in Beratungsstellen

gefragt.

Interesse an einer Ausbildung?

Erste Informationen

bietet die Fachakademie

für Heilpädagogik

Regensburg auf ihrer

neuen Website:

www.fachakademiefuer-heilpaedagogik.de

Kontakte 1/2013 39


aus der Welt

der KJF

Menschen

im Gespräch

Fortsetzung von Seite 13

Bitte alle mal herhören!

Was haben Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer,

Ministerpräsident Horst Seehofer, Graf von und zu

Lerchenfeld und die Preisträgerin des Weltkinderpreises

2012 Anna Mollel gemeinsam?

Sie wurden von einem Radioteam des inklusiven

Radioprojektes „Radio sag‘ was!“ der KJF interviewt.

Ganz große Klasse ist, was die Radiojournalisten

mit Behinderung aus Einrichtungen in Eggenfelden,

Straubing, Mitterteich und Regensburg gemeinsam

mit Moderator Carl Prämaßing auf die Beine stellen.

Ihre Interviews zu hören macht Spaß und … neugierig

auf mehr!

Neuwahlen bei Kind in Not

Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft Kind in Not wurden

Dr. Stephan Gaisbauer sowie seine Stellvertreter Ingrid Prinz und Dr. Thomas Pröckl

im Amt bestätigt. Schriftführerin bleibt Anita Meister und neue Schatzmeisterin ist Monika

Bachmeier.

Diesen Vorstandsmitgliedern stehen im Gesamtvorstand zur Seite: Josef Auer (neu), Josef

Borchi (neu), Pfarrer Egon Dirscherl, Andrea Hillig (neu), Maria Jürgas, Christiane Kasper,

Dr. Franz Lichtnecker, Willi Schwibach (neu), MdL Reserl Sem und Manfred Weindl.

KJF-Direktor Michael Eibl und Stephan Gais-

bauer überreichten den ausgeschiedenen

Vorstandsmitgliedern Johann

Fischer, Josef Lindemann und

Karl-Heinz Wimmer die Rupertimedaille

mit Dankurkunde. Otto Geier

– seit 1985 Schatzmeister –

wurde zum Ehrenvorstandsmitglied

ernannt.


aus der Welt

der KJF

Jugend braucht Perspektive.

Der bundesweite Josefstag stellt junge Menschen

in den Mittelpunkt, deren Leben perspektivlos erscheint.

„Wir sind seit Jahren an dieser Aktion beteiligt“,

erklärte Michael Eibl, „ und nutzen den Tag, um

unsere Abgeordneten bundesweit zu sensibilisieren,

wie notwendig und wichtig unsere Angebote sind.“

MdB Peter Aumer war der Einladung in die Lernwerkstatt

gefolgt, um sich vor Ort zu informieren. Eibl wies

kritisch auf die derzeit problematischen Rahmenbedingungen

zur Förderung und Begleitung der jungen

Menschen hin. „Wir fühlen uns von der Staatsregierung

im Stich gelassen. Die fehlende Investitionsförderung

in der Jugendhilfe und auch im Bereich des

Jugendwohnens erschwert die Bildung und Ausbildung

benachteiligter junger Menschen. Wenn wir die

jungen Leute wirklich fördern wollen, dann brauchen

wir hier mehr Unterstützung“, so Eibl.

Nah am Bundespräsidenten

Beim Bürgerempfang des Bundespräsidenten Joachim

Gauck im Historischen Reichssaal des UNESCO-

Welterbes mit dem bayerischen Ministerpräsidenten

Horst Seehofer, Polit- und Regensburger

Lokalprominenz waren die Werkstatträte Wolfgang

Sollfrank und Hans Peter Fendl aus den Straubinger

Werkstätten St. Josef mittendrin.

Doch dabei sein ist ja nicht alles, dachte sich Wolfgang

Sollfrank und ging beherzt auf Joachim Gauck

zu. „Ihre Rede hat mich sehr beeindruckt“, sagte er

dem Bundespräsidenten, der sich über die kurze Begegnung

sichtlich freute.

Besuch aus dem

afrikanischen Niger

Bischof Ambroise Ouédraogo besuchte

als Gast der diesjährigen

MISEREOR-Fastenaktion „Wir

haben den Hunger satt“ das Jugendzentrum

Kontrast der KJF im

Stadtosten.

Er zeigte sich beeindruckt von den

vielfältigen Angeboten. Auf großes

Interesse stießen bei Bischof

Ouédraogo die Bemühungen um

die Integration von Migrantinnen

und Migranten in Regensburg.

Das Jugend- und Familienzentrum

Kontrast, so sein anerkennendes

Fazit, leiste dazu einen besonders

wertvollen Beitrag.

Kontakte 1/2013 41


Titelthema

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„Wir können nur empfehlen,

den Schritt in die Facebook-W

Text: Anja Zankl und Christoph Escherle, Haus des Guten Hirten/Ettmannsdorf

Im digitalen Zeitalter ist es wichtig, auf dem neuesten Stand zu sein und

Jugendliche auch über die aktuellen Medien zu erreichen. Wir wollten sowohl

den jungen Erwachsenen, die sich zur Zeit bei uns im Haus des Guten

Hirten beruflich orientieren oder eine Ausbildung machen, als auch Ehemaligen

die Möglichkeit geben, mit uns in Kontakt zu bleiben und über

die neuesten Vorkommnisse informiert zu werden. Kurzum, eine Facebook

Seite musste her!

Als soziale Einrichtung sollte einem

bewusst sein, dass Facebook

nicht einfach nebenbei laufen

kann. Es bedarf der täglichen

Pflege und nimmt viel Zeit in Anspruch.

Mails müssen beantwortet,

Kommentare durchgesehen

und die neuesten Informationen

gepostet werden.

Die Jugendlichen waren begeistert; innerhalb der

ersten Wochen stieg die Liste der Freunde auf einige

Hundert an. Mittlerweile schreiben uns zukünftige

Praktikanten an, um sich zu informieren oder einfach

mit uns in Kontakt zu treten.

Es bereitet uns große Freude, über dieses Medium

zu kommunizieren. Die anfänglichen Bedenken, die

Jugendlichen könnten sich zu sehr „kontrolliert“

fühlen, waren auch schnell beseitigt. Bis zum heutigen

Tag hat uns noch niemand darauf angesprochen,

sich überprüft zu fühlen – im Gegenteil: Die Jugendlichen

sind begeistert, durch Kommentare oder

Posts unsererseits einmal im Mittelpunkt stehen zu

dürfen.

Auch Nachwuchskräfte verweisen wir gerne auf unsere

Facebook Seite, da wir auf der „Like“-Seite sämtliche

Informationen verarbeitet haben, die auch auf

der Homepage zu finden sind. So können sich Interessierte

ein Bild von unserer Einrichtung und dem

Leben im Internat zu machen.

Facebook kann nicht

nebenbei laufen.

Es bedarf der täglichen

Pflege und nimmt viel Zeit

in Anspruch.

Junge Menschen müssen

ein Gefühl für

angemessenes Arbeiten

mit dem Medium „Facebook“

bekommen.

Eine Aufklärung für junge Menschen

ist extrem wichtig, da

oftmals das Bewusstsein für Privatsphäre

fehlt und häufig persönliche

Probleme über diese

Plattform ausgetragen werden.

Hier setzen wir an und bearbeiten

unsere Facebook Seite gelegentlich

gemeinsam mit den Jugendlichen,

damit es ihnen möglich

ist, ein Gefühl für angemessenes

Arbeiten mit dem Medium „Facebook“

zu bekommen.

Wir können nur empfehlen, den

Schritt in die Facebook-Welt zu

wagen, um auf diesem Weg die

Einrichtung zu repräsentieren. Ein

herzliches Dankeschön an Einrichtungsleiter

Otto Storbeck, der

diesen Weg unterstützt!

42

Kontakte 1/2013


Titelthema

elt zu wagen.“

Besuchen Sie uns gerne unter:

https://www.facebook.com/

hausdes.gutenhirten

Kontakte 1/2013 43


aus der Welt

der KJF

Neues

aus den Einrichtungen

Fortsetzung von Seite 33

Erziehungsberatung stärken

2012 wandten sich insgesamt 4.904 Familien

mit Kindern und Jugendlichen an die zehn

Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen

der KJF. „Die Anzahl der Ratsuchenden“, so

KJF-Direktor Michael Eibl, „ist damit im Vergleich

zu den Vorjahren erneut leicht gestiegen und

bleibt auf einem enorm hohen Niveau“.

Im 100. Jahr des Bestehens der Katholischen

Jugendfürsorge zeigt die Statistik der Beratungsdienste,

dass 36,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen

bei einem alleinerziehenden Elternteil

aufwuchsen, 44,6 Prozent der jungen Menschen

hatten eine Trennung der Eltern erlebt.

Angesichts dieser Entwicklungen sei es erforderlich,

die Erziehungsberatungsstellen mit ihren

hohen fachlichen Kompetenzen zu stärken. Das

jahrzehntelange Know-how auf- und auszubauen

sei ein Gebot nachhaltiger Sozialpolitik, so Eibl.

Innovatives Wohnprojekt

Mit dem Bau von vier Reihenhäusern für Auszubildende

haben die KJF als Träger und das B.B.W.

neue Wege des Wohnens für Internatsschüler

beschritten. „Damit gelingt es dem Berufsbildungswerk,

den Verselbständigungsprozess der

Auszubildenden weiter nachhaltig zu fördern“,

meint Walter Krug.

Den Segen für die vier Häuser spendete Prälat Dr.

Josef Schweiger. Für ein gelingendes Leben, so der

1. Vorsitzende der KJF, brauche es Brot, ein Dach

über dem Kopf, eine gute Ausbildung, Freunde,

Anerkennung und Liebe. Das innovative Wohnprojekt

bietet jungen Menschen während ihrer Ausbildung

die bestmöglichen Rahmenbedingungen.

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Kontakte 1/2013


kurz notiert

Kurz notiert

Hilfe für trauernde

Kinder und Jugendliche

Patenklasse für Medienstar

Ein braun-weiß geflecktes

Kälbchen, geboren am 13. April

2013, dem Tag, als im Vatikan

weißer Rauch aufstieg, wurde

schnell berühmt. Denn Maria

Necker-Kraus und ihr Mann Josef

Kraus gaben ihm den Namen des

neuen Papstes und suchten für

ihren prominenten Franzi eine

Patenklasse. „Wir wollen damit

Kindern mit Behinderung die

Arbeit auf unserem Biohof näher

bringen“, so die patente Bäuerin

aus Untersanding. In der Bischof-

Wittmann-Schule fanden sich

schnell 15 Schülerinnen und

Schüler, die die Patenschaft gerne

übernahmen.

In diesen Tagen nimmt ein Verein seine Arbeit auf, der Kindern und Jugendlichen

zur Seite stehen will, die ein Elternteil, ein Geschwisterkind

oder einen anderen lieben Menschen

verloren haben. Bei Kindertrauerbegleitung e. V. engagieren sich ehrenamtlich

Menschen, die vom Fach sind und sich mit Kindern und Jugendlichen

gut auskennen.

Kinder und Jugendliche trauern anders als Erwachsene. So kann beispielsweise

auf Momente größter Traurigkeit ein fröhliches Spiel folgen. Manche

ziehen sich wechselweise sehr zurück oder gehen dann wieder stark

nach außen. Wieder andere schwanken zwischen Aggressivität und starker

Fürsorge für andere. Erwachsene haben oftmals Schwierigkeiten, mit

solchen zunächst widersprüchlichen Ausdrucksweisen von Trauer umzugehen.

Im September startet eine erste Gruppe, die bis zu acht Kindern und Jugendlichen

die Möglichkeit geben will, ihre Trauer auf ihre Weise auszudrücken.

Bei Interesse oder Fragen bitte Kontakt aufnehmen zu:

Barbara Pustet

Physiotherapeutin, Heilpädagogin, Kinder- und Jugendtrauerbegleiterin

Matthias Keitel

Fachkraft für Kinder- und Jugendpalliativmedizin, Kinder- und Jugendtrauerbegleiter

E-Mail:

b.pustet@kindertrauerbegleitung-regensburg.de

m.keittel@kindertrauerbegleitung-regensburg.de

Telefon: 0941 20052761 • mobil: 0176 61863462

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Werden Sie Mitglied oder

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Katholische Jugendfürsorge

der Diözese Regensburg e. V.

Orleansstraße 2a · 93055 Regensburg

Tel.: 0941 79887-0 · Fax: 0941 79887-177

Beitrittserklärung:

Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V.,

deren Aufgabe es ist, hilfsbedürftigen Kindern und Jugendlichen zu helfen. Der Mindestbeitrag beträgt

EUR 10,– pro Jahr; unsere Mitgliederzeitschrift Aktion Kontakte erhalten Sie dafür kostenlos.

Ich bin bereit, einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von EURO

Ich bin bereit, eine Spende in Höhe von EURO

zu zahlen.

zu zahlen.

der Mitgliedsbeitrag/die Spende kann von meinem Konto

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Nachname:

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Mitarbeiter/in bei der KJF: ja nein

Datum

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Rücksendung oder Fax bitte an obige Anschrift

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


Innehalten

So ein Glück

Geb mir ein Stük fom Glük

Ich Geb ich dir 2 zurük.

Valentin, 7 Jahre

Quelle:

25 Jahre krass, Jubiläumsausgabe

„SO EIN GLÜCK“

Gedanken, Meinungen, Wünsche,

(Stil-)Blüten, Gedichte, Geschichten

und mehr von Kindern und Jugendlichen


Bist du gerne mit Menschen zusammen?

Willst du einen abwechslungsreichen Beruf?

Macht es dir Freude, etwas für andere zu tun?

Komm zu uns!

Besuche uns auf der ConSozial 2013,

der Fachmesse für Soziales,

am 6. und 7. November 2013

im Messezentrum Nürnberg.

Am Stand des V•KJF – Verband Katholische

Jugendfürsorge e.V. – informieren wir dich

über verschiedene Berufe im sozialen und

Gesundheitsbereich.

Weitere Infos findest du

ab Oktober 2013 unter

www.kjf-regensburg.de

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