PROJEKTBERICHT ERDBEBENKATASTROPHE IN HAITI UNICEF ...

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PROJEKTBERICHT ERDBEBENKATASTROPHE IN HAITI UNICEF ...

PROJEKTBERICHT

zu Ihren Spenden für die kleinen Opfer

des Erdbebens vom 12. Jänner 2010 in Haiti

Stanley und seine Cousine Marie vor ihrem Zelt im Parc Jean Marie Vincent Lager in Port-au-Prince.

Die Familie wurde durch das Beben obdachlos.

ERDBEBENKATASTROPHE IN HAITI

UNICEF-NOTHILFE FÜR DIE KINDER

UNICEF Österreich

Hietzinger Hauptstrasse 55, 1130 Wien

www.unicef.at


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LE gRAND SERPENT –

DIE gROSSE SCHLANgE

Am Dienstag, dem 12. Jänner 2010 um zirka 16.53 Uhr

Ortszeit erschütterte ein Beben der Stärke 7.0 auf der

Richterskala Haiti, das Epizentrum lag 17 Kilometer

südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Katastrophe

dauerte nur wenige Sekunden, doch an die

Folgen werden sich die Kinder Haitis ihr Leben lang

erinnern.

Über 222.000 Menschen wurden getötet und mehr

als 300.000 verletzt. 1,6 Millionen wurden obdachlos,

davon sind etwa die Hälfte Kinder. Auch Regierungsgebäude,

Krankenhäuser und Schulen wurden

dem Erdboden gleichgemacht. Die Vereinten Nationen

verloren über 100 Mitarbeiter.

Cecilie Modvar von UNICEF bei den ärmsten Kindern

Weitaus mehr als diese Zahlen sagt allerdings die

Bildsprache der Kinder. Noch immer sprechen sie

von „le grand serpent“ – der großen Schlange. Die

große Schlange war zornig und glitt unterirdisch

herum. Sie stieß und schlug von unten gegen die

Häuser und Schulen und machte sie zu Staub und

Schutt.

Das Erdbeben war eine doppelte Katastrophe, denn

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land

blickt auf Jahre geprägt von Gewalt, Instabilität und

Unsicherheit zurück. Schon vor dem Beben starben

in Haiti so viele Kinder unter fünf Jahren an vermeid-

baren Krankheiten wie sonst nirgendwo in der westlichen

Hemisphäre. Und über die Hälfte aller Kinder

im schulpflichtigen Alter gingen nicht zur Schule.

DIE UNICEF-NOTHILFE

Trotz schwierigster Bedingungen startete UNICEF

seine Nothilfe wenige Stunden nach dem Beben.

glücklicherweise überlebten alle MitarbeiterInnen

von UNICEF Haiti die Katastrophe, aber viele verloren

Familienmitglieder und Freunde. Ein Mitarbeiter

verlor drei seiner Kinder und arbeitete dennoch uner-

müdlich weiter für die Bebenopfer.

Die UNICEF-Hilfe läuft an

Auch unser UNICEF-Büro und das Warenlager in

Port-au-Prince wurden zerstört. Rasch wurden daher

Zelte als behelfsmäßiges Büro eingerichtet und

mobile Speichereinheiten aufgestellt. Heute arbeitet

UNICEF von der Hauptstadt Port-au-Prince aus und

hat Unterbüros in Léogane und Jacmel. In den Orten

Jérémie, Les Cayes, Gonaives und Hinche wurden

mobile Außenposten eingerichtet.

Das provisorische UNICEF-Büro

Allein zwischen Jänner und Juni brachte

UNICEF mit Flugzeugen und Schiffen

4.159 Tonnen Hilfsgüter nach Haiti.

MEDIzINISCHE VERSORgUNg

Über 20 Prozent der Gesundheitseinrichtungen und

Krankenhäuser wurden zerstört oder beschädigt.

Schon vor der Katastrophe hatte Haiti die höchste

Kinder- und Müttersterblichkeit in der Region, auf

10.000 Menschen kamen nur vier Ärzte.

UNICEF hat ein Impfprogramm gegen die gefährlichsten

Infektionskrankheiten gestartet. Bis heute

wurden über 500.000 Kinder in 772 Lagern erreicht.

Dazu kommen weitere 47.000 Kinder im

Grenzgebiet zur Dominikanischen Republik.

• Medikamente wurden von UNICEF bereitgestellt,

um 1,7 Millionen Menschen drei Monate lang zu

versorgen.

UNICEF verteilt 400.000 imprägnierte Moskito-

netze zum Schutz vor Malaria.

• Geburtshilfesets für 12.250 Geburten wurden von

UNICEF geliefert.

UNICEF unterstützt auch den Wiederaufbau der

Krankenschwesternschule in Port-au-Prince.

Nadine Perrault von UNICEF kümmert sich um ein verletztes Kind

ERNäHRUNg

Unmittelbar nach dem Erdbeben hat UNICEF

gemeinsam mit Partnern begonnen, Nahrungsmittelhilfe

für Kinder und schwangere Frauen zu organisieren.

Denn jedes dritte Kind in Haiti litt bereits an

chronischer Mangelernährung.

Mittagessen im Waisenhaus

• Über 500.000 Kinder und schwangere Frauen

wurden mit Zusatznahrung versorgt. 187.000 Klein-

kinder haben Vitamin-A-Tabletten zur Stärkung

ihrer Abwehrkräfte erhalten.

UNICEF unterstützt derzeit 126 Ernährungsprogramme.

Hier erhalten die Familien therapeutische

Zusatznahrung für mangelernährte Kinder.

2.000 schwer unterernährte Kinder haben zusätzlich

medizinische Hilfe erhalten.

• In Zelten wurden 107 Beratungsstellen für junge

Mütter eingerichtet. Sie erhalten hier Hilfe für die

richtige Ernährung ihrer Babys. 3.000 Kleinkinder,

die nicht gestillt werden können, erhalten hier

unter Anleitung spezielle Fertignahrung.

UNICEF führt ein Trainingsprogramm für 200 Ge-

sundheitsmitarbeiter und 300 Gemeindehelfer durch,

um Mangelernährung langfristig zu bekämpfen.

Sofia füttert ihre 5 Monate alte Tochter mit Nahrung von UNICEF


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WASSER UND HygIENE

Die Wasserversorgung und Sicherstellung von Hygiene

in überfüllten Notunterkünften ist eine enorme

Herausforderung. Schon vor der Katastrophe hatten

40 Prozent der Kinder kein sauberes Wasser.

Lamonisa hat von UNICEF ein Hygieneset mit Seife bekommen

UNICEF und seine Partner verteilen täglich mit

Tankwagen 1,66 Millionen Liter Trinkwasser an

über 330.000 Menschen.

• Bisher wurden 9.000 Latrinen eingerichtet.

UNICEF organisiert auch die regelmäßige Entsor-

gung und Reinigung. Weitere 4.000 Latrinen

werden in den kommenden Wochen aufgebaut.

• Über 210.000 Menschen haben von UNICEF

Hygieneartikel erhalten.

• 2.200 Gesundheitshelfer wurden in Hygieneauf-

klärung ausgebildet.

UNICEF hilft den lokalen Wasserbehörden, die

Wasserversorgung dauerhaft wieder aufzubauen.

Toiletten schützen Kinder vor tödlichen Krankheiten

KINDERSCHUTz

Schon vor der Katastrophe waren viele Kinder in

Haiti Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung und Kinderhandel

schutzlos ausgeliefert.

Nach dem Beben verschärfte sich die Situation.

Viele Eltern sind so verzweifelt, dass sie ihre Kinder

in Heimen abgeben oder Fremden anvertrauen.

UNICEF hat geholfen 225 Kinderzonen einzu-

richten. Täglich können hier über 62.800 Kinder

spielen, Sport treiben und lernen.

• Gemeinsam mit seinen Partnern hat UNICEF

bislang 2.903 allein stehende Kinder registriert.

479 von ihnen sind jetzt wieder bei ihren Familien!

• Die Behörden haben mit Unterstützung von

UNICEF mehr als 6.000 Fälle von Kindern über-

prüft, die das Land verlassen sollten. Dafür wurden

MitarbeiterInnen der Kinderschutzbehörden und

Polizisten ausgebildet.

• 60 lokale Partnerorganisationen erhielten Schu-

lungen, um sexueller Gewalt in den Lagern vorzubeugen.

• Über Radiostationen werden Familien informiert,

wie sie ihre Kinder besser schützen können.

UNICEF unterstützt auch ein Nottelefon. Hier

können Sozialarbeiter verlassene Kinder melden.

UNICEF setzt sich dafür ein, die Standards in

Kinderheimen zu verbessern und die Risiken für

illegale oder voreilige Adoptionen zu verringern.

Inspector Principal Louis Jeune absolvierte eine UNICEF-Schulung

für Kinderschutz. Neben seiner Polizeistation ist jetzt eine Kinderzone.

DIE gESCHICHTE

DER KLEINEN STERLINg

Das ist die geschichte der fünfjährigen Sterling

Vincent aus Haitis Hauptstadt Port-au-Prince.

Nach dem Erdbeben lebte sie mit ihrem Vater

Iste Mui Vincent bei ihrer Tante Elude. Eines Tages

schickte die Tante sie zum Brot holen. Sterling verlief

sich in der zerstörten Stadt und fand in den Trümmern

den Heimweg nicht mehr.

Ein junger Mann, Pierre France, fand das weinende

Kind und brachte die Kleine zu seiner Mutter. Dort

lebte Sterling über einen Monat. UNICEF-Mitarbeiter

erfuhren von Sterlings Schicksal und kümmerten

sich um das kleine Mädchen.

2

Sterling malt alles

auf, was ihr zu ihrem

Heim und ihrer

Familie einfällt.

Die Helfer rekonstruieren

aus ihren Angaben den

Weg nach Hause.

1

Die fünfjährige Sterling

spricht mit der UN|CEF-

Kinderschutz-Spezialistin

Marie de la Soudiére.

Sie will so viel wie

möglich über Sterlings

Herkunft herausfinden.

3

Sterling hält die

Hand ihres Pflegebruders

Pierre France und geht

los, vorbei an Schutt und

Trümmern, die das Erdbeben

hinterlassen hat.

Sie versucht, sich zu

erinnern.

5

Endlich - Tante Elude

ist gefunden. Aber wo

ist Sterlings Vater?

Er kann telefonisch

verständigt werden und

eilt sofort von der Arbeit

nach Hause.

7

Iste Mui und Sterling

feiern ihr Wiedersehen

und besuchen auch

Familie France, die

Sterling über einen

Monat bei sich aufnahm.

Sterling wird ausgelassener.

Sie erkennt ihre Umgebung

wieder.

Iste Mui weint, als er

seine Tochter nach über

einem Monat wieder

in die Arme schließen

kann.

Sterling ist endlich

wieder zu Hause.

Sie hat es geschafft.

4

6

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BILDUNg

Das Beben vom 12. Jänner tötete etwa 38.000 Schüler-

Innen sowie 1.300 LehrerInnen und zerstörte über

4.000 Schulen sowie das Unterrichtsministerium.

Schule im UNICEF-Zelt

UNICEF hat eine große Bildungskampagne ge-

startet und bisher 1.297 Großzelte für 225 Notschulen

aufgebaut. Weitere 2.000 kommen noch

dazu.

• 185.000 Kinder haben Lern- und Arbeitsmaterial

erhalten, 45.000 Kinder von Spiel- und Lernangeboten

profitiert.

• Über 5.000 LehrerInnen haben Kurse besucht, um

besser auf die Bedürfnisse traumatisierter Kinder

einzugehen.

UNICEF hilft, das Unterrichtsministerium wieder

arbeitsfähig zu machen. So wurden acht Großzelte

und weitere Ausrüstung bereitgestellt.

• Auch der Wiederaufbau der Schulen wird vorbereitet.

UNICEF wird zunächst Übergangsschulen

einrichten, die dann nach und nach durch dauerhafte

Gebäude ersetzt werden sollen.

Erster Schultag im Dorf Jacquot Merlin

DANKE!

Dank der massiven Hilfe der UNICEF-Spender-

familie ist es bisher in Haiti gelungen, Hunger und

Epidemien zu verhindern. Auch die österreichischen

Spenderinnen und Spender leisteten wieder einen

wichtigen Beitrag für das Überleben der Kinder:

Bis jetzt hat die österreichische UNICEF-

Familie die UNICEF-Nothilfe in Haiti mit rund

720.000 Euro unterstützt.

Ein großes DANKE im Namen der Kinder an alle

Spenderinnen und Spender! Und ein besonderer

Dank an dieser Stelle gilt unseren UNICEF-Nothilfe

PartnerInnen.

Allerdings sind weiter über 800.000 Kinder in Haiti

extrem gefährdet. Sie sind von Krankheiten, Mangel-

ernährung, Ausschluss von Bildung sowie Missbrauch

und Gewalt bedroht. UNICEF geht davon aus,

dass die eigentliche Nothilfe noch mindestens 18

Monate weitergehen muss, damit die humanitäre

Krise sich nicht verschärft und das Leben der Kinder

bedroht.

DIE HILFE gEHT WEITER

UNICEF ruft weiter zu Spenden für die Kinder in

Haiti auf – vielen Dank!

• Etwa 13 Euro kostet der Impfschutz für ein

Kind gegen die sechs gefährlichsten

Infektionskrankheiten.

• Rund 20 Euro kostet ein Platz in einer

zeltschule.

• Für rund 200 Euro kann UNICEF einfache

Latrinen für 100 Kinder zur Verfügung stellen.

DIE UNICEF-NOTHILFE BEDEUTET ÜBERLEBEN UND SCHUTz FÜR DIE

äRMSTEN KINDER. BITTE HELFEN SIE WEITER MIT. DANKE.

Fotos: UNICEF

Spendenkonto:

PSK 15 16 500, BLz 60.000 www.unicef.at/spenden


Wenn Menschen vor dem Nichts stehen, ist Ihre Hilfe alles.

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© UNICEF/NYHQ2010-0025/LeMoyne

© Philippe Tarbouriech/Phitar

PSK 15 16 500

BLz 60.000

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