Markus Heid - WEINBUECHER.de

weinbuecher.de

Markus Heid - WEINBUECHER.de

Markus Heid

Fellbach

„Die Arbeit im

Weinberg ist

wunderbar.

Im Weinberg

entsteht die

Qualität des

Weines, nicht

im Keller. Auf

dem Weg in

die Flasche darf

nichts verloren

gehen.“

In Frankreich heißt es „Terroir“, das

Zusammenspiel von Klima, Boden

und Rebsorte. Schwäbische Winzer

wie Markus Heid nennen es „Bodagfährtle“,

wenn sich diese drei so

wichtigen Bedingungen optimal in einem

guten Wein erfüllen. Zum Beispiel

im Saint Laurent, einer alten, französischen

Sorte, einem fruchtbetonten

Rotwein, der gut ins Remstal passt.

„Besser als nach Südfrankreich“,

sagt Markus Heid. „Bei uns können

wir die längere Vegetationszeit

nutzen und dadurch die Fruchtaromen

erhalten.“ In heißen Ländern

frisst sie die Sonne. Auch

sein Lieblingswein, der Sauvi -

gnon Blanc, ist geradezu geschaffen

für das Remstal,

der braucht schweren Boden

und darf nicht zuviel

Sonne bekommen.“ Merlot

dagegen wächst auf

der ganzen Welt. Diese

Rebe pfl anzt Markus Heid

deshalb nicht an.

Sechs Hektar bewirtschaftet Markus Heid, viel mehr Weinberge sollen

es nicht werden. Er ist und will es bleiben: Meister im Weinberg

und im Keller. „Ich will alles selbst machen. Ich will selbst schneiden,

binden, lesen, einmaischen und auch selbst ausbauen.“ „Eine

wunderbare Arbeit!“, schwärmt er, „denn im Weinberg entsteht die

Qualität meines Weines, nicht im Keller.“ Deshalb ist es so wichtig,

dass nichts von der Güte auf dem Weg in die Flasche verloren geht.

„Wir lesen deshalb zum Beispiel in kleinen Wannen, damit es keinen

Matsch gibt und die Beeren nicht schon auf dem Weg zur Presse zu

gären beginnen, wenn’s ein heißer Tag ist,“ beschreibt Markus Heid

seinen sorgsamen Umgang mit der Traube.

Der Weg zur Presse führt ins Zentrum von Fellbach, das Weingut

Heid liegt gleich neben dem Rathaus. Vor zehn Jahren hat er den

Weinbaubetrieb von seinem Vater übernommen und mit Schick und

Charme „umgemodelt“. Die ehemalige Trottenkammer dient heute als

Verkaufsraum und Probierstube, eine stilvolle und zugleich sachliche

Raumgestaltung, die in Architekturzeitschriften immer wieder als Beispiel

für vorbildliche Restaurierung gepriesen wird. Wo einst gemostet

wurde, stehen heute massive Eichentische und Stühle auf einem

Kieselsteinestrich. „Ich will ein zeitloses Ambiente, denn im Vordergrund

steht immer der Wein.“ Den will er weder glätten noch schönen.

„Wenn mir einer nicht gefällt, lasse ich ihn länger reifen.“ Auch

im Holzfass, wobei seine Weine nicht nach Barrique schmecken sollen,

sondern nach ihrer Heimat. Das gehört zum Bodagfährtle.

Den hat auch Heids Spitzencuvée, die ihm 2003 den Deutschen

Rotweinpreis von VINUM eingebracht hat. Benannt ist er nach

33

46

46 47


Michael Oettinger

Hotel Restaurant Hirsch,

Fellbach-Schmiden

2005 Chardonnay

Fellbacher Lämmler trocken

Lemberger angebaut, der im Holzfass Feuer und Finesse bekommt.

Bei den Weißen ist der Riesling mit 18 Prozent die Leitrebe, er ist wenig

säurebetont, bekommt aber durch die kühlere Gärung eine fruchtige

Reife.

„Man muss den Trauben Zeit lassen, im Weinbau und im Keller“, sagt

Seibold und lässt eine Probe „Amandus“ im kleinen Kelch kreisen.

Die Aromen entfalten sich, ein kleiner Schluck geschlürft, ein bedächtiges

Nicken des Kellermeisters. Der Rest wird weggeschüttet.

Nüchterne Qualitätskontrolle.

Das Angebot der Fellbacher Weingärtner umfasst mehr als ein Dutzend

Rebsorten, von Spätburgunder bis Pinot Meunier, von Grauburgunder

bis Chardonnay, insgesamt an die hundert Kreszenzen

verschiedener Qualitätsstufen, mit Geschmacksrichtungen von „trocken“

über „halbtrocken“ bis „edelsüß“. Und daneben gibt es Sekt

und Likör, Weinessig und Weingelee. Die zweitälteste Genossenschaft

im Land beweist heute, dass sie moderne Kellertechnik und

neuzeitliches Marketing gleichermaßen beherrscht.

„Die zwei verste-

Kalbskotelett. gebratenes rosa Zart

hen sich ganz prächtig: Der 2005er Lämmler Chardonnay

S trocken der Fellbacher Weingärtner harmoniert

mit seinem weichen, nachhaltigen Schmelz besonders

gut mit Kalbsfl eisch und Pilzen. Ich serviere ein zart rosa

gebratenes Kalbskotelett, das ich mit Cremolata, einer

Aromenkruste aus Zitronenabrieb, Petersilie, Knoblauch,

geriebenem Weißbrot und aufgeschlagener Butter,

bestreiche und unter dem Grill gratiniere. Dazu gibt es

eine Röstpilz-Polenta, für die ich Pilze anröste, mit Brühe

und Sahne auffülle und Polenta-Gries unterrühre, bis

ich eine püreeartige Konsistenz habe. Ein geschmortes

Paprika-Zwiebel-Kompott vollendet das Gericht. Durch

das langsame und vorsichtige Glacieren der Zwiebeln

baut sich deren Säure ab, und es entstehen süßliche

Aromen, die sehr schön zum intensiven fruchtbetonten

Aroma des Weins passen, das mich an Melone, Pfi rsich,

Mango und Nüsse erinnert.“

Schwäbisch-klar und ohne Schnickschnack: Dieser Remstäler Vertreter

der international weit verbreiteten und nach wie vor höchst populären

Rebsorte hat etwas Gefasstes, das an den puren, den klassischen

Chablis erinnert. Wer hätte gedacht, dass es in Württemberg

einen solch zarten Chardonnay gibt?

Die Fruchtnoten sind fein und zurückhaltend. Besonders sympathisch:

Dieser Wein weist keine so übertrieben buttrigen Töne auf.

Er zeigt sich vielmehr frisch und ist mit einer unaufdringlich-fi ligranen

Säurestruktur ausgestattet. In der Nase leichte Anklänge an Melone

und Pfi rsich sowie an Nüsse.

Trotz seiner Zartheit bringt dieser Wein genügend Kraft mit, um als

Essensbegleiter bestehen zu können. Sein Vorteil besteht aber sicher

darin, dass er jederzeit auch solo getrunken werden kann. Abends

zu zweit auf der Couch, zum Beispiel.

Die Reben stehen im Fellbacher Lämmler, in bester Süd- und Südwestlage,

in mittlerer Höhe sowie ganz oben. In dieser Lage und aufgrund

der guten Durchlüftung können sie hervorragend und lang reifen,

werden goldgelb. Die vielen kleinen Beeren wirken sich auf die

Aromatik höchst vorteilhaft aus.

Der Chardonnay wird gemeinhin als Gegenstück, als Antipode zum

Riesling betrachtet. Dieser Württemberger Chardonnay freilich weist

ein ganz eigenes Profi l auf: spritzig, feine Säure. Kellermeister Werner

Seibold lässt ihn lange auf der Feinhefe stehen. Dies verleiht ihm

Fülle und Schmelz, ohne ihm etwas von seinem frischen Grundcharakter

zu nehmen.

69

69

68

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine