Taschenatlas Augenheilkunde (Thieme Verlag, 2004)

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Taschenatlas Augenheilkunde (Thieme Verlag, 2004)

13 Netzhaut und Glaskörper

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A. Netzhautablösung

Als Netzhautablösung (Ablatio retinae) wird

die Ablösung der neurosensorischen Netzhaut

vom retinalen Pigmentepithel durch Einströmen

von Flüssigkeit in den subretinalen Raum

bezeichnet. Es werden verschiedene Formen

(rhegmatogen, exsudativ, traktiv) unterschieden.

B. Rhegmatogene Netzhautablösung

Die rhegmatogene (= rissbedingte) Netzhautablösung

wird durch einen durchgreifenden

Defekt (Foramen) ausgelöst. Es handelt sich um

einen ophthalmologischen Notfall, der unbehandelt

zur Erblindung führen kann.

Ätiologie/Pathogenese. Am häufigsten sind

eine altersbedingte Destruktion und die Verflüssigung

des Glaskörpers ursächlich beteiligt.

Die der Degeneration folgende Glaskörperabhebung

kann über Traktion (Glaskörperzug)

auf die periphere Netzhaut Löcher und Risse

verursachen, durch die der flüssige Anteil des

Glaskörpers eindringen und die neurosensorische

Schicht der Netzhaut von der Pigmentepithelschicht

trennen kann. Andere prädisponierende

Faktoren sind hohe Myopie,

Kataraktoperation und okuläre Traumen.

Epidemiologie. Die Inzidenz der rhegmatogenen

Netzhautablösung beträgt 0,01 %. Die rhegmatogene

Amotio retinae wird zwischen dem

50. und 70. Lebensjahr am häufigsten diagnostiziert.

Das Risiko der rhegmatogenen Ablatio

am Partnerauge liegt bei 10 %.

Klinik. Wichtigste Symptome sind Photopsie

(Blitze am Auge), fliegende Mücken („Mouches

volantes“) und ein absolutes Skotom („Vorhang“).

Ist die Makula nicht betroffen (Ba),

kann die Sehschärfe relativ gut sein.

Klinisch zeigt die abgelöste Netzhaut eine

weißliche und faltige Oberfläche (Ba – c). Es

finden sich Netzhautdefekte, Pigmentzellen

und Erythrozyten im Glaskörper sowie ein häufig

subnormaler Augeninnendruck.

Diagnose. Die Diagnose erfolgt klinisch durch

eine ausführliche indirekte Ophthalmoskopie

in Mydriasis. Ziel der Untersuchung ist es, alle

ursächlichen Netzhautdefekte zu erfassen. Sollte

sich kein Netzhautdefekt zeigen, ist eine

Echographie zum Ausschluss einer exsudativen

Netzhautablösung erforderlich.

Typen von Netzhautlöchern:

● Hufeisenforamen (Bd). Der anteriore Teil der

Netzhaut ist durch Glaskörperzug eleviert. Es

kann sich ein Brückengefäss zeigen. Das

Risiko der Netzhautablösung ist hoch.

● Rundes Loch mit Deckel. Der Deckel liegt frei

oberhalb des Netzhautloches. An den Lochrändern

besteht kein Glaskörperzug. Somit

ist das Risiko für die Ablösung gering.

● Atrophisches Loch. Oftmals zeigt sich ein

rundes Netzhautloch ohne Glaskörperzug

mitten in einer Palisade. Das Risiko für eine

Netzhautablösung ist gering.

● Dialyse. Der Netzhautdefekt zeigt sich im Bereich

der Ora serrata. Die Ursache ist oftmals

ein Trauma (s. Ablösung bei Orariss).

C. Exsudative Netzhautablösung

Bei der exsudativen Ablatio erfolgt die Trennung

der neurosensorischen Netzhaut vom

Pigmentepithel durch einen vermehrten Flüssigkeitsaustritt

(Leckage) aus intraokularen

Tumoren, eine Störung der Blut-Retina-Schranke

oder durch die mechanische Blockade des

venösen Abflusses der Netzhaut.

Ätiologie/Pathogenese. Aderhaut oder Netzhauttumore

(Hämangiom, malignes Melanom,

Retinoblastom, Angiomatosis retinae, Metastasen,

periphere vasoproliferative Netzhauttumore),

systemische Erkrankungen (Leukämie,

fortgeschrittene arterielle Hypertension, Niereninsuffizienz,

Schwangerschaftsgestose), vaskuläre

Netzhauterkrankungen (ischämischer

Zentralvenenverschluss, Morbus Coats, Aderhautischämie),

Entzündungen (Skleritis, Morbus

Harada, orbitale Echinococcus). Eine internistische

Untersuchung ist zum Ausschluss von

Fernmetastasen bei Tumorverdacht durchzuführen.

Diagnose. Die Grenzen der exsudativen Ablösung

ändern sich mit der Lage (im Gegensatz

zur rhegmatogenen und traktiven Ablatio) und

die Oberfläche ist glatt. Sie wird oftmals in der

unteren Fundushälfte gesehen (C). Eine prominente

Masse, auffällig dilatierte Netzhautvenen

oder andere Entzündungszeichen sind wegweisend.

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Aus T. Schlote u.a.: Taschenatlas Augenheilkunde (ISBN 3-13-131481-8) © 2004 Georg Thieme Verlag, Stuttgart

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