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N I E D E R W I L D H E G E M I T W E S L E Y H E N N

Der englische

Krähenzehnter

Schwärme von Jungkrähen bevölkern zur Zeit die Reviere. Eine gute Gelegenheit, dem

versierten Krähenjäger Wesley Henn über die Schulter zu schauen. FRANK MARTINI war

mit dem Briten einen Tag unterwegs.

FOTO: FRANK MARTINI

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FOTO:


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FOTOS: FRANK MARTINI

Wesley Henn lockt mit „Haydel´s

Game Caller“. Zur Sicherheit hat er

immer zwei Stück am Mann.

Es ist noch dunkel. Ich parke meinen Wagen

am verabredeten Treffpunkt und

halte Ausschau nach einer bis über die

Ohren in Camouflage gehüllten Gestalt. Denn

gute Tarnung soll neben frühem Aufstehen am

wichtigsten für eine erfolgreiche Krähenjagd

sein. Ich habe mich mit dem englischen Berufsjäger

Wesley Henn im östlichen Ruhrgebiet verabredet.

Ganz kurzfristig, denn wenn man viele

Krähen schießen will, muss man erst einmal

wissen, wo welche sind. So hatte Henn erst Tage

zuvor von einem Revierpächter im Norden

Dortmunds die Nachricht erhalten, die schwarzen

Gesellen seien jetzt im August wieder zu

Hunderten auf der Stoppel eingefallen.

Doch statt der erwarteten „Tarnkappengestalt“

nähert sich mir ein schelmisch lächelnder

Enddreißiger in „Räuberzivil“: „Herr Martini?

Freut mich, Sie zu sehen, Wesley Henn.“,

begrüßt mich der freundliche Engländer mit

unverkennbar britischem Akzent. Ein paar Minuten

sollen wir von hier aus noch weiterfahren

zum Treffpunkt mit dem Revierinhaber

Wilhelm Tappe, der uns an diesem Morgen einweisen

will. Wenige Minuten später halten wir

zu dritt am Straßenrand gegenüber einem großen

Stoppelfeld.

„Den Waldrand da hinten könnt ihr erkennen?

Das sind die Schlafbäume. Davor habe ich

euch ein paar Strohballen aufgebaut. Der Wind

steht euch also im Rücken, so dass sie euch,

wenn sie aufwachen und Kohldampf kriegen,

von vorne anfliegen müssten“, weist Tappe uns

kurz ein. Gute 500 Krähen will er hier in den

letzten beiden Tagen gesichtet haben. „Am besten

fahren wir schnell mal hin, damit alles steht

und die Autos wieder weg sind, ehe es richtig

hell wird.“

Schemenhaft erkenne ich drei brusthohe

Strohballen, die rund einhundertfünfzig Meter

vor der Waldkante zu einem Dreieck zusammengelegt

sind. Henn und Tappe fangen sogleich

an, innerhalb dieses Dreiecks noch ein

Tarnnetz in Augenhöhe zu spannen. „Du

brauchst eine wesentlich bessere Tarnung als

bei der Taubenjagd“, klärt Henn mich darüber

auf, warum er das Netz noch zusätzlich auf der

Innenseite des Dreiecks aufstellt. Generell bevorzugt

er für den Krähenansitz deswegen auch

dichtere Tarnnetze als die transparenten Leichtgewichte

für die Taubenjagd.

Langsam dämmert schon ein unfreundlicher

Morgen herauf. Etwas links vor dem Stand in

Richtung eines heckenbewehrten Grabens stellt

Henn ein Lockbild aus etwa 20 Krähen-Imitaten

auf. Wie bei der Taubenjagd in U-Form lässt er

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das geschlossene Ende in die Richtung zeigen,

aus der der heftig böige Wind kommt. Außerdem

garniert er die Plastikkrähen-Anordnung

noch mit ein paar mitgebrachten echten Huckebeinen,

die er in ein eigens dafür gefertigtes

Drahtgestell drapiert. Zwei weitere werden mit

aufgespannten Flügeln auf ein längeres Gestell

gespannt, das sich unter der Last der toten Vögel

im Wind wiegt, als wären sie im Landeanflug.

Nur ein Karussell fehlt, ansonsten erinnert

mich bislang alles, abgesehen von der Höhe des

Tarnnetzes, an die Taubenjagd. „Wart‘ mal ab!

Ein paar feine Unterschiede gibt es, die enorm

wichtig sind“, sagt Wesley Henn, als wir die

Autos am benachbarten Hof abgestellt haben.

Kaum machen wir uns zum Stand auf,

steht schon ein erster Krähenschwarm krächzend

direkt über unserem Schirm. Nachdem er

sich mit dem Wind wieder Richtung Waldkante

verzogen hat, schieben wir uns ein. „Runter,

die kommen gleich wieder“, raunt Henn mir zu

und schmiegt sich dabei in Hockstellung ganz

dicht an die windabgewandte Seite unseres

Strohdreiecks. „Bloß den Kopf unten halten,

die sehen alles“, so der englische Experte.

Ich wage kaum, mich zu bewegen, und

merke, dass Krähenjagd auch körperlich eine

anspruchsvolle Angelegenheit ist. Anders als

ich hat Wesley Henn keinen Sitzstock dabei.

Ständig lauscht er, halb stehend, halb hockend

nach dem nächsten Anflug und riskiert nur selten

einen Blick durchs Netz. Plötzlich taucht er

ab, einen der durchsichtigen Kunststofflocker

zwischen den Zähnen, von denen er zwei um

den Hals hat. „Krähkräh – krääh krääh krääh“

lässt er dem Gerät zwei kurze schnelle Luftstöße

entweichen, gefolgt von drei einzelnen lang gezogenen

Rufen. Als er noch weiter in die Hocke

geht, lässt er den Locker aus den Zähnen fallen

und ahmt die Rufe der Vögel mit halb geöffnetem

Mund in einem wilden Stakkato nach.

Morgen ist er heiser, denke ich. In genau diesem

Augenblick stößt Henn über den Schirmrand

hoch, zwei Schüsse brechen in verschiedene

Richtungen. „Ha, Dublette“, freut er sich.

Ein Blick über die Netzkante zeigt, dass er die

Vögel auf höchstens 25 Meter beschossen hat.

Die Uhr zeigt halb sieben, langsam wird es heller.

Henn läuft aus dem Schirm und legt die

ersten beiden Schwarzen mit ins Lockbild. „Mit

das Wichtigste ist, sie sehr nahe und tief kommen

zu lassen. Deswegen immer so lange wie

möglich unten bleiben.“ Weite Schüsse passen

nicht in Henns Strategie. Er verschießt nur

Trap-Patronen mit 28 Gramm Vorlage aus seiner

12-er Silver Pidgeon.

Hier prüft der Brite die

Lage. Gleich hockt er

sich mit der Flinte

hinter das Tarnnetz.

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Expertentipps

. Abends Schlafbäume und Flugrouten

ausmachen und unter Berücksichtigung

des Windes den Stand planen.

. Den Stand möglichst vor Tagesanbruch

beziehen.

. Tarnung ist alles – die Netze müssen

bis zur Nasenspitze reichen. Die Tarnung

dabei optimal an den Hintergrund

anpassen. Bei Ständen auf der Stoppel

die Netze also innerhalb der Ballen aufspannen.

Vor Wald- und Heckenrändern

Netze zweireihig spannen.

. Regungslos in Deckung bleiben und

„mit den Ohren jagen“. Man gewöhnt

sich schnell an das Entfernungsschätzen

nach Gehör.

. Keine „dicken Vorlagen“ – Schrotstärke

2,5 Millimeter reicht völlig.

. Locken, locken und noch mal locken.

Und warten – erst auftauchen, wenn

die Schwarzen kurz vor dem Einfallen

sind, und sie auf kurze Entfernung beschießen!

. Die erste Beute ins Lockbild aufnehmen

und in Drahtkörbe setzen, damit

es möglichst natürlich aussieht.

. Bei sehr großen Schwärmen vor dem

Stand lieber mal auf einen Schuss verzichten

und auf „Konversation“ beschränken.

Meist fallen nur wenige ein,

der größere Teil des Schwarms, der

dann gewarnt sein könnte, streicht

meist ab – erst danach schießen!

. Weite Flüge genau beobachten und

das Lockbild gegebenenfalls umstellen

oder den Standort entsprechend wechseln.

Aber nicht vorschnell – Geduld ist

gefragt!

. Konsequent jagen und sich auf Krähen

beschränken!

Kaum ist er wieder im Schirm, kommandiert

er erneut: „Runter!“ Nun geht es

Schlag auf Schlag. Mal fliegt uns eine

einzelne Krähe an, mal zwei oder drei.

Bei wesentlich größeren Trupps beschränkt

er sich auf‘s Rufen, schießt aber

nicht immer. „Die lernen schnell und

petzen gern, also immer nur schießen,

wenn sie fast einfallen und nie, wenn es

zu viele auf einmal sind“, sagt er. „Und

immer mit ihnen ‚reden‘“. Deswegen, so

Henn, habe er auch zwei Locker parat –

bei permanentem Gebrauch verkleben

die feinen Blättchen gerne. So kann er

bei Bedarf schnell wechseln.

Ein leises „Kräh-Kräh“ aus Richtung

des Waldrandes verrät uns, dass bereits

„Nachschub“ im Anflug ist. Kurz

darauf geht erneut eine Dublette zu Boden.

Die erste der beiden Krähen kommt

inzwischen so nah, dass ich trotz meiner

Hockstellung hinter Henn zuschauen

kann, wie er sie aus nur zehn Metern

Entfernung vom Himmel pflückt.

Als leichter Regen einsetzt, zeigt die

Uhr kurz nach sieben. Der Wind aus Südwest

hat dazu deutlich aufgelebt, doch

die Krähen fliegen nach wie vor. Gut 20

Stück müssten inzwischen zur Strecke

gekommen sein – in gerade mal einer guten

halben Stunde! Bislang hatte ich die

Schwarzen eigentlich immer nur als

„Beifang“ bei spätsommerlichen Taubenjagden

oder als vereinzelte „Streckenverbunter“

bei herbstlichen Treibjagden erlebt.

Allerdings können sie sich nun bei

Bei der Jagd auf Krähen

muss man flexibel sein

und das Lockbild dem

Wind anpassen.

dem starken Gegenwind hubschraubergleich

auf etwa 40 Meter Höhe weit

vor uns ohne einen Flügelschlag am

Himmel halten und die Lage genau peilen.

Da hilft selbst das lauteste Rufen

kaum noch, die meisten Vögel drehen

nach kurzer Zeit ab.

Und nun steigert sich der Regen auch

noch zu einem wahren Wolkenbruch.

Ich bin froh, dass wir noch einen großen

Schirm dabei haben, unter den wir uns

nun verkriechen können. Nicht einmal

an Abbrechen ist zu denken, zu den Autos

müssten wir jetzt schwimmen. Doch

den regengewohnten Engländer scheint

das nicht zu entmutigen – er grient mich

zufrieden an.

Dass er eigentlich beim Krähenjagen

von zwei Leuten in einem Stand überhaupt

nichts hält, erfahre ich nun auch.

Nicht nur der Sicherheit, sondern auch

des Erfolges wegen. Wie „ausgeschlafen“

und buchstäblich weitsichtig die schwarzen

Vögel sind, konnte ich schon vor

Einsetzen des Regens erleben. Nur eine

vorschnelle Bewegung oder ein zu spätes

Abtauchen aus der Beobachtungsposition,

schon blieben die Vögel außer Flintenreichweite

und nutzten den starken

Gegenwind, um aus sicherer Entfernung

sorgfältig nach uns zu spähen. Bis neun

Uhr fiel nun kein Schuss mehr, dafür

umso heftiger aber der Regen.

Als der Himmel wieder aufhellt, interessieren

sich immer mehr Ringeltauben

für unser Krähenlockbild. Doch so nah

sie auch kommen, Wesley Henn lässt

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sich zu keinem Schuss verleiten.

„Wenn Du Krähen jagen willst, jage

Krähen, sonst nix. Wenn wir jetzt anfangen,

auf die Tauben zu schießen,

können wir das mit den Krähen gleich

vergessen. Die sind empfindlich gegen

Knallerei“, lerne ich.

Nur eine halbe Stunde später hören

wir wieder ein paar Schwarze herannahen.

Vorsichtig kommt der Berufsjäger

aus der Hocke, um Richtung Waldrand

durch das Tarnnetz zu spähen.

Der Wind hat leicht gedreht. Plötzlich

fährt Henn herum, zwei Schüsse brechen.

Aus den Augenwinkeln sehe ich,

dass die Schwarzen uns – offenbar in

großem Bogen – nun von hinten, also

mit dem Wind, anfliegen. Damit kommen

sie wesentlich schneller, und so

bleibt ihnen für ein ausgiebiges Ausspähen

unseres Standes keine Zeit –

entweder sie fallen ein, oder überfliegen

uns schnell. Nachdem in kürzester

Zeit vier weitere Krähen die neue Flugroute

mit dem Leben bezahlen, dafür

aber ein gutes Dutzend schnell über

uns hinweg gestrichen ist, stellt sich

Henn auf die neue Situation ein.

Person und Ausrüstung

Gemeinsam sammeln wir Beute und

Plastikvögel auf, um das Lockbild neu

auszurichten – diesmal hinter uns, und

ein wenig weiter Richtung Feldgraben

und Hecke, mit der Spitze allerdings

weiter in Hauptwindrichtung weisend

(s. Skizze). Die uns nun von hinten mit

Wind anstreichenden Vögel können

bei passender Höhe nicht so leicht in

unseren Strohverhau spähen. Und was

aus vorheriger Flugrichtung gegen den

Wind anstreicht, bleibt näher an der

Hecke und fühlt sich offenbar sicherer.

Die Strategie scheint aufzugehen.

Kaum, dass wir wieder in unserem

Stand sind, naht aus mehreren Richtungen

erneut das vertraute „Krähkräh“.

Meist sind es nur noch einzelne

Exemplare. Das geht bis etwa elf Uhr

so, danach lässt der Flug spürbar nach.

Gegen halb zwölf packen wir ein. 51

Krähen liegen nach fünf Stunden Jagd

inklusive zweistündiger Regenpause

auf der Strecke. Für Krähenspezialist

Henn ein durchschnittliches Ergebnis,

und dennoch ein wichtiger Beitrag

für die Niederwildhege.

e

Fusion

Evolve Plus

Fusion

Evolve New Elite

Fusion

Evolve II Gold












Wesley Andrew Henn, Jahrgang 1967, aus Birmingham, absolvierte in England

eine Ausbildung zum Berufsjäger. Von 1983 bis 1995 war er Angehöriger der

britischen Rheinarmee in Paderborn. Danach wechselte er in das 1 500 Hektar

große Niederwildrevier von Schloss Moyland am Niederrhein.

Seine Ausrüstung, wie Locker, Bodenhalter usw., bezieht Wesley Henn aus

Großbritannien sowie den USA. Einen Katalog können Sie anfordern von Mielke

& Henn GbR, Moyländer Allee 6, 47551 Bedburg Hau, Telefon und Fax 0 28 24/23 20,

Fragen Sie Ihren Waffenhändler nach Browning Produkte

oder rufen Sie unsere Hotline in Deutschland an:

E-mail: wesley-henn@t-online.de. 02166/125 881

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