Sachbericht Projekt „Frühe Hilfen“ - Deutscher Kinderschutzbund ...

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Sachbericht Projekt „Frühe Hilfen“ - Deutscher Kinderschutzbund ...

Sachbericht

Projekt „Frühe Hilfen“

2009

Entwicklungsbegleitung und Betreuung junger Mütter (Väter)

mit Säuglingen zur Stärkung der Bindungsfähigkeit


Sachbericht 2009

Frühe Hilfen Bereich „Junge Mütter“

„Ressourcenorientierte Entwicklungsbegleitung und Betreuung junger Mütter (Väter) mit

Säuglingen zur Stärkung der Bindungsfähigkeit“

1.Allgemeines

Der Bereich „Junge Mütter“ im Rahmen Früher Hilfen besteht seit dem 01.01.2008. Träger

ist der Kinderschutzbund Kreisverband Landau, finanziert wird er mit einer

Personalstelle vom Stadtjugendamt Landau.

Das Einzugsgebiet ist die Stadt Landau. Die angebotene Unterstützung ist Einzelfallhilfe,

d. h. die Hilfe wird auf die Bedürfnisse des jeweiligen Mutter-Kind-Paares abgestimmt

und ist somit individuell unterschiedlich. Den Hilfen gemeinsam ist das Ziel,

ressourcenorientierte Entwicklungsbegleitung zu leisten.

Die Aufgabe des Projektes ist es „junge“ Mütter mit Kind, die auf Grund sozialer

Benachteiligung oder individueller Beeinträchtigung auf sozialpädagogische Hilfe

angewiesen sind, zu begleiten und zu unterstützen. Die Schwangeren bzw. jungen

Mütter benötigen aufgrund ihrer Selbständigkeit keine intensive Rund-um-die-Uhr-

Betreuung, brauchen aber eine kontinuierliche Unterstützung bei der Betreuung und

Versorgung ihres Kindes, insbesondere bei der Förderung des Bindungsverhaltens zu

ihrem Säugling sowie bei der selbständigen Lebensführung. Ferner ist aufgrund der

Persönlichkeit der Mütter und weiteren Risikofaktoren, wie das Fehlen eines sozialen

Netzes, immer wieder mit Krisen zu rechnen. Daher bedarf es einer flexiblen, manchmal

sehr intensiven Form der Familienhilfe mit dem speziellen Ziel, die Bindungsfähigkeit der

Mütter zu ihren Kindern zu fördern und zu stabilisieren.

2. Personalstruktur, Qualifikationen und Qualitätssicherung

Das Betreuungsteam besteht aus:

-einer Dipl.-Sozialpädagogin mit zertifiziertem Abschluss als PEKiP Gruppenleiterin und

Ausbildung zur Fachberaterin für Kinder- und Säuglingsernährung (UGB)

Aufgabenschwerpunkte:

• Stärkung der Mutter-Kind-Interaktion

• Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung

• Ernährungsberatung

• Netzwerkpflege

Projektleitung

-einer Dipl.-Pädagogin mit der Zusatzqualifikation in Sozialpädagogischer

Familienhilfe nach dem Heidelberger Modell

Aufgabenschwerpunkte:

• Alltagsbegleitung

• Stärkung der Mutter-Kind-Interaktion

• Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung

Beide Mitarbeiterinnen teilen sich seit April 2009 eine Stelle (jeweils 50%).


-einer Studentin der Sozialarbeit im Hauptstudium

Aufgabenschwerpunkte:

• Stärkung der Mutter-Kind-Interaktion

• Entlastung der Frauen durch Kinderbetreuung unter Berücksichtigung der

persönlichen Situation der Frauen hinsichtlich ihrer Geschichte und ihrer

Ressourcen

• Hilfestellung bei Einkäufen, Behördengängen, Arztbesuchen

Bis zum März 09 war im Projekt außerdem eine Dipl. Psychologin mit einer viertel Stelle

beschäftigt. Nach Ihrem Weggang wird diese viertel Stelle seither von der Dipl.-

Pädagogin ausgefüllt. Ferner steht eine Mitarbeiterin des Kinderschutzdienstes zur

Fachberatung und Projektentwicklung zur Verfügung.

Durch die Arbeit im multiprofessionellen Team ist die Problemsicht und Hilfeplanung

ganzheitlich möglich, da sich die unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen

ergänzen. Ferner kann eine Kontinuität der Betreuung während Urlaubs- und

Krankheitszeiten einer Mitarbeiterin gewährleistet werden. Durch mehrere

Mitarbeiterinnen wird die zeitliche Flexibilität erhöht und die betreuten Mütter können

diese besser telefonisch erreichen.

Zur Qualitätssicherung und -entwicklung finden regelmäßig Teamsitzungen mit

Fallbesprechungen sowie externe Supervisionen statt. Die Arbeit wird standardisiert

dokumentiert.

Ferner besteht eine enge Kooperationen mit MitarbeiterInnen des Jugendamtes, sowohl

auf der Arbeits- als auch auf der Leitungsebene. Die Erstellung von Hilfeplänen mit den

Betroffenen und in der Verantwortung des Jugendamtes spiegelt ebenfalls den

respektvollen Umgang mit den Menschen, die die Hilfe in Anspruch nehmen, wider und

sorgt für Transparenz in der Kommunikation. Auch ist gewährleistet, dass diesem

Handeln stets die Grundsätze der Schweigepflicht und des Kindeswohls zu Grunde

liegen.

Professionelles Arbeiten muss immer wieder reflektiert und auf seine Verantwortung

gegenüber den betreuten Menschen hin überprüft werden, dies dient der

Qualitätssicherung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Qualitätssicherung ist die Fort- und Weiterbildung der

Mitarbeiterinnen. Die Mitarbeiterinnen nahmen an folgenden Fortbildungen/

Fachtagungen teil:

• „Lösungsorientierte Elternarbeit“

• „ Umgang mit Trauma“.

3. Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationsstrukturen

3.1. Öffentlichkeitsarbeit

Die Kooperationen in diesem Projekt sind aufgrund des Auftrags vorrangig an die

Einzelfälle gebunden. Lediglich die Teilnahme an Arbeitskreisen ist fallunabhängig.

• Netzwerktreffen des Jugendamtes Kreis Südliche Weinstrasse zum Thema

Kindeswohlgefährdung in Bad Bergzabern mit Fr. Dr. Navarro (18.02.2009)

• Kooperationstreffen Kinderschutzbund intern mit Eltern-Kind-Treff und

Elternbesuchsdienst (09.03.2009)


• Arbeitskreis „Frühe Hilfe“ des Stadtjugendamtes (07.05.2009)

3.2. Kooperationsstrukturen

Der wichtigste Kooperationspartner für das Projekt ist das Stadtjugendamt. Die Fälle

werden über das Jugendamt zugewiesen. Aufgrund der risikohaften Fallkonstellationen

ist die Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen Jugendamtsmitarbeitern intensiv

und wirkt sich äußerst positiv auf den Fallverlauf aus.

2009 entstanden neue Kontakte u.a. zu der Sozialberatungsstelle der Caritas. Dort

nehmen zwei Mütter am Trainingsprogramm Lirum-Larum-Löffelstiel teil.

Auch die Spielgruppenangebote im Haus der Familie werden hinsichtlich des Aufbaus

von Sozialkontakten der jungen Mütter in die Arbeit mit diesen einbezogen. Bei einem

Mutter-Kind-Paar ist es gelungen die Hemmschwelle abzubauen und die Teilnahme an

einem Gruppenangebot in die Wege zu leiten.

Ferner konnte ein Mutter-Kind-Paar in ein Gruppenangebot der Kreismusikschule

integriert werden. Dies wirkt sich äußerst positiv auf die Mutter-Kind Beziehung aus.

Kontakte entstanden auch zum Städtischen Krankenhaus. Hier bewährt sich die enge

Zusammenarbeit mit dem Elternbesuchsdienst des Kinderschutzbundes. Ein Eltern-Kind-

Paar nahm hier an mehreren Kursangeboten teil.

Weiterhin findet ein loser Austausch mit dem Stadtteiltreff des Ökumenischen Sozial

Zentrums statt. Leider wird das Angebot der Krabbelgruppe von den in diesem Stadtteil

lebenden Frauen abgelehnt. Da wir dieses Angebot wichtig finden, arbeiten wir daran,

dass die betreuten Mütter dies annehmen.

Ein Mutter-Kind-Paar nutzt sehr regelmäßig das Angebot des Eltern-Kind-Treffs des

Kinderschutzbundes am Danziger Platz, auch hier bewährt sich die gute interne

Zusammenarbeit. Für die Mutter ist dieses Angebot ein großer Stabilisierungsfaktor.

Sonderveranstaltungen wie zu Fasching, in den Ferien, in der Adventszeit oder der

Mittagstisch im Mehrgenerationenhaus des Kinderschutzbundes werden von uns nach

Möglichkeit, manchmal auch durch Fahrdienste, unterstützt.

4. Spezifische Aufgabenschwerpunkte

4.1. Problematik der betreuten Mutter-Kind-Paare

Da es im Folgenden um Einzelfallhilfe geht, werden die Fälle stichpunktartig vorgestellt,

aus Datenschutzgründen werden die Interventionen und Aufgabenschwerpunkte

zusammenfassend, d.h. unabhängig von den betreuten Personen dargestellt.

Ende 2009 wurden fünf Frauen mit sechs Kindern, im Alter von neun Monaten bis sechs

Jahren, die bei ihnen leben, betreut. Zwei weitere Kinder dieser Mütter leben in

Pflegefamilien. Eine Mutter, die im Projekt betreut wird, erwartet aktuell ihr drittes Kind.

Sie lebt das erste Mal in einer stabilen Partnerschaft mit einem nicht gewalttätigen

Mann. Prognostisch ist die Entwicklung äußerst positiv.

Im ersten Halbjahr 2009 wurden zwei Fälle abgeschlossen. Seit November 2009 wird

eines dieser Mutter-Kind-Paar erneut betreut. Anlass war die Überforderung der Mutter

durch die weiteren Entwicklungsschritte des Kindes. Deutlich wurde, dass bereits

eingeführte Strukturen und positive Bindungsmuster nicht mehr ausreichend vorhanden

waren, so dass die erneute Betreuung sehr intensiv war. Diese Betreuung wird über

Fachleistungsstunden finanziert.

Zwei Mutter-Kind-Paare werden schon seit über einem Jahr durch das Projekt begleitet.

Hier finden in der Regel ein bis zwei Kontakte pro Woche statt. Diese Mütter zeichnen

sich inzwischen durch eine relativ große Selbständigkeit aus. Betreuungsinhalte sind


hier vor allem die Reflektion der Entwicklungsschritte des Kindes, Aufbau geeigneter

Konfliktlösungsstrategien im Dialog mit dem Kleinkind, die Integration in ein soziales

Umfeld und die Vorbereitung einer Ablösung des Kindes für den Besuch einer

Kindertagesstätte.

2009 kam es zur Aufnahme von zwei neuen Fällen ins Projekt.

Die fünf betreuten Mütter sind zwischen 17 und 27 Jahren alt.

Gründe für die Aufnahme ins Projekt waren:

Gewalterfahrungen in der Herkunftsfamilie und Partnerschaft, Lernbehinderung, keinen

Schulabschluss, psychiatrische Erkrankung, Betreuung für Gesundheits- und

Vermögenssorge, sozial Isolierung, Schulden, traumatische Trennung aufgrund von

Vernachlässigung vom ersten Kind, alleinerziehend, dependente

Persönlichkeitsstruktur, Drogenproblematik in der Vorgeschichte, problematische

Beziehung zum Kindesvater, Heimaufenthalt, Suizid in der Herkunftsfamilie.

Die betreuten Kinder sind zwischen 9 und 24 Monaten, die mitbetreuten

Geschwisterkinder bis 6 Jahre. Mehrere Kinder benötigen aktuelle Förderung, aufgrund

folgender Verhaltensprobleme: entwicklungsverzögert, extrem angepasst, ängstlich,

starke Neurodermitis, Schlafprobleme, Sprachentwicklungsprobleme, Anpassungsprobleme

nach der Geburt, unruhiger Säugling (Störung in der Selbstregulierung).

Die Betreuung dieser fünf Mütter zeichnete sich in 2009 durch folgende Schwerpunkte

aus:

Begleitung des Mutter-Kind-Paares: Förderung von Interaktionen, d.h.

*Spiegelung von und Reflexion über kindliche Feinzeichen/ Fähigkeiten;

*Ernährungsberatung und praktische Anleitung beim Füttern;

*Beratung hinsichtlich angemessener Einrichtung des Kinderzimmer/ Bekleidung/

Spielmaterial sowie Sensibilisierung für Gefahrenquellen; Hilfestellung bei

*Gesundheitsfürsorge (Pflege, Hygiene, Medikamentengabe, Physiotherapie), auch

Kontrolle der verordneten Massnahmen

*Einschlafbegleitung; Erziehungsberatung (Grenzen setzen, Einführung von Ritualen,

natürliche Konsequenzen) Vorbereitung der Ablösung/Kitabesuch und

*Sicherstellung des Kitabesuchs

Familienhilfe

*Hilfe bei Organisation des Haushaltes/ Strukturierung des Alltages mit Kind

*Unterstützung beim Aufbau sozialer unterstützender Kontakte (Tagesmutter,

Familienbildung, Besuch einer Krabbelgruppe)

*Hilfe bei Wohnungssuche und Umzug;

*Unterstützung bei Behördengängen und Anträgen;

Beratung der Mutter:

*Stärkung der vorhandenen Ressourcen und des Selbstvertrauens;

*Beratung und Aufarbeitung von konflikthaften Erfahrungen und

*Beziehungsproblemen (Partner, Herkunftsfamilie, eigene Kinder, Kindesvater);

*Gespräche über Umgang mit Schuld- und Versagensgefühlen,

*Bedrohung durch Kindesvater;

*Krisenintervention;

*Bewältigung eines Schwangeschaftsabbruchs;

*Motivation für und Unterstützung bei der eigenen Gesundheitsfürsorge der Mütter

(Zahnbehandlung, Kur, Therapie, Verhütung);

*Anregungen und Hilfen für eine sinnvollen Freizeitgestaltung;


*Hilfe bei der Entwicklung von realistischen Zukunftsperspektiven,

Ausbildung/Schulbesuch

*Unterstützung der Mütter hinsichtlich deren älterer Kinder (Hausaufgabenbegleitung

und Schulkontakte; Kontakte zu Pflegefamilien)

*Krisenintervention bei Paarkonflikten und Paarberatung sowie bei Konflikten mit

Kindesvater

4.2. Phasen der Begleitung, Ziele und Prinzipien der Arbeit

Idealerweise wird der Kontakt zur Mutter bereits in der Schwangerschaft hergestellt, um

diese für ihre neue Rolle und die damit verbundenen Anforderungen zu sensibilisieren,

um Ängste abzubauen und um realistische Einschätzungen für das Leben mit einem

Säugling zu erreichen. Dies war 2009 bei einem Fall möglich.

Direkt nach der Geburt gab es erfahrungsgemäß eine intensive Begleitphase, in der

Themen wie Pflege, (Ein)Schlafen, Handling, Erkennen von Feinzeichen des Säuglings

im Vordergrund standen. Die Mitarbeiterinnen achteten auch 2009 auf Überforderungssignale

der Mütter, um Überforderungen frühzeitig entgegenwirken zu können, damit es

nicht zu einer Kindeswohlgefährdung kommt. Geeignete Maßnahmen zur Vorbeugung

sind Entlastung, das Lernen von Strategien im Umgang mit Stress, Aufbau eines

sozialen Netzes, sowie Intensivierung der Betreuung. Diese wurden je nach Einzelfall

eingeleitet. Häufig mussten die Mütter auch angehalten werden, ihrer medizinischen

Fürsorgepflicht nachzukommen. Bei älteren Säuglingen, standen bei der Beratung der

Mütter Themen wie Entwicklungsbegleitung, altersentsprechendes Anregungsmilieu

durch Spielzeug schaffen, kindliche Signale verstehen und Kommunikation fördern,

Grenzen setzen, Einführung von strukturierenden Ritualen, Informationen über kindliche

Entwicklung, Ernährungsberatung etc. im Vordergrund. Neben den Themen, die den

Säugling betrafen, spielten jetzt die Hilfen bei der Alltags- und Zukunftsgestaltung

(Haushaltsführung, Finanzen, Umgang mit Behörden, Kontakt zu Herkunfts- und

Pflegefamilie sowie Konflikte mit den Vätern der Säuglinge, Sicherheit im Haushalt...)

eine größere Rolle. Ab diesem Zeitpunkt gab es auch immer wieder Testphasen, in denen

die entwickelte Selbstständigkeit in einzelnen Bereichen getestet wurde. Exemplarisch

sei die Gesundheitsfürsorge genannt, überprüft wird: ist die Mütter in der Lage

Krankheiten bei Säugling wahrzunehmen, unternimmt sie die angemessenen Schritte,

z.B. Arztbesuch und hält sie die angeordnete medizinische Behandlung konsequent

durch.

Die Arbeitshaltung der Mitarbeiterinnen war gekennzeichnet von den Prinzipien der

Ressourcenorientierung, der Bindungs- und Beziehungsförderung sowie vom Respekt für

die Mütter und ihre Leistungen. Die Mitarbeiterinnen legten großen Wert auf

Zuverlässigkeit, Kalkulierbarkeit der Konsequenzen, Wertschätzung und

Vertrauenswürdigkeit, damit die Mütter den Kontakt mit Ihnen als Modell erleben, so

dass die Mütter diese Beziehungserfahrung auf die Beziehung zum Kind, aber auch auf

andere vertrauenswürdige Personen und Institutionen zukünftig übertragen können.

Die Mitarbeiterinnen knüpften an die bei den Müttern vorhandenen Ressourcen, die je

nach Mutter sehr unterschiedlich sind, an. Sie benannten diese Ressourcen den Müttern

gegenüber und wiesen auch auf die Ressourcen der Säuglinge hin, um einen positiven

Feedbackkreislauf einzuleiten, um damit die Mütter zu stärken. Durch wiederholtes,

positives Feedback war es möglich, die Mütter in ihrer Feinfühligkeit so zu schulen, dass

sie hinsichtlich der Mutter –Kind –Beziehung zu einer eigenen Sicherheit kamen. Ebenso

nutzten die Mitarbeiterinnen die erkannten intuitiven Kompetenzen der Mütter


hinsichtlich ihrer Kinder, spiegeln diese, damit die Mütter diese Kompetenzen stärken

und ausbauen konnten.

Gesetzte Ziele (die in den meisten Fällen erreicht wurden) waren 2009:

• gelungener Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind

• positive Entwicklung der Kinder

• Abbau tradierter negativ destruktiver Verhaltensmuster

• Stabilisierung der Paarbeziehungen bzw. Vermeidung von häufig wechselnden

Partnern

• Aufbau sozialer Netzwerke

• Inanspruchnahme von Therapien/Kuren,

• angemessenerer Umgang mit Behörden.

5. Entwicklungen und Ausblick

Zum Ende des ersten Projektjahres 2008 entstand ein ausführliches Konzept, das die

Erfahrungen der praktischen Arbeit in die theoretischen Grundlagen der Arbeit mit den

jungen Frauen integrierte .Das Projekt erhielt in diesem Schritt den Namen „ MUM (&

DAD) – Mehr Unterstützung für Mehr Bindung.“

Da diese Konzeptentwicklung vom Jugendamt nicht mitgetragen wurde, hat sich 2009

eine klare Ausrichtung an sozialpädagogischer Familienhilfe mit dem spezifischen

Schwerpunkt ressourcenorientierte Entwicklungsbegleitung von „jungen“ Müttern mit

Säuglingen ergeben. Die im ersten Jahr gemachten Erfahrungen haben viele Standards

und Strukturen wachsen lassen, die die konkrete Arbeit prägen und zuverlässig

bestimmen. Neue Fallkonstellationen erfordern allerdings eine enorme Flexibilität.

Bewährt hat sich das Betreuungsgeld, das in diesem Projekt jeder Mutter zusteht. Nur

dadurch ist die Heranführung dieser Mütter an Familienbildungsangebote möglich. Die

Inanspruchnahme von Familienbildungsangeboten, je nach alterstypischen Problemfeldern,

hat langfristig präventive Effekte hinsichtlich der positiven Entwicklung von

Kindern. Da die Mütter, die im Projekt betreut werden, oft bildungsfernen Schichten

angehören und Angebote der Familienbildung nicht spontan nutzen, wird im Projekt

darauf geachtet, dass diese Mütter an bestehenden Kursangeboten teilnehmen, um sich

alternative Erfahrungen und Wissen an zueignen und mit anderen Eltern in Kontakt zu

kommen. Es ist bei mehreren Müttern trotz anfänglich großer Blockaden gelungen, dass

sie an Bildungs- und anderen Unterstützungsangeboten teilgenommen haben. Dies

entspricht auch dem Ziel dieses Bereiches langfristig präventiv zu wirken und damit

auch zukünftig zur Sicherung des Kindeswohls in diesen Fällen beizutragen.

In der Arbeit mit diesen Müttern zeigt sich, dass auch bei der Betreuung und Beratung

finanzielle Mittel erforderlich sind. Bewährt hat sich in der Arbeit mit den Müttern gezielt

konkret die Themen aufzugreifen, die im aktuellen Lebenszusammenhang stehen, zum

Beispiel: der Säugling einer Mutter hat das Breikostalter erreicht. Die Mutter, die sich

selbst vorrangig von Fast Food ernährt, keine regelmäßigen Mahlzeiten kennt, da sie

diese auch in ihrer Herkunftsfamilie nicht erlebt hat, hat als einzige Idee, wie sie ihr

Baby zukünftig ernährt kann, Gläschenkost. Gläschenkost ist nur vorübergehend eine

ausreichende und gute Ernährungsform, bei einer ausschließlichen Ernährung mit

Gläschenkost fehlen den Kleinkindern schon früh wichtige Nährstoffe, und es kommt zu

einer ungesunden Ernährung. Die praktische Anleitung, eine Säuglingsmahlzeit herzustellen

ist insofern Struktur gebend, als das bei dieser Mutter dazu führte, das sie

erstmalig lernte eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Mit der Zeit wurde das Kochen

routinierter und selbstverständlich, ferner entstand das positive Gefühl von

Selbstwirksamkeit, und auch das Gefühl eine „gute Mutter“ zu sein. Um diese Anleitung


zum Kochen von Säuglingsnahrung zu ermöglichen, fehlen den Müttern häufig die dafür

notwendigen Küchengeräte: scharfe Messer, Messbecher, geeignete Töpfe, Reibe, etc.

Diese konnten dank des Betreuungsgeldes, bedarfsgerecht und zeitnah angeschafft

werden.

In der Betreuung der Mütter, auch im Fall der Mutter, die in das Projekt

wiederaufgenommen wurde, zeigt sich, dass der Bedarf hinsichtlich Betreuungsdauer

und -intensität, zumindest bei einzelnen Müttern, wesentlich höher ist als zu Projektbeginn

gedacht. Auch zeigt die Erfahrung, dass trotz einer Betreuung der Kleinkinder bei

einer Tagesmutter oder in der Kita, eine Betreuuung der Mütter durch die Mitarbeiterinnen

übergangsweise wichtig ist, um den Ablösungsprozess zwischen Mutter

und Kind zu begleiten. Häufig haben die Mütter selbst traumatisierende

Beziehungsabbrüche erlebt und sind deshalb nicht in der Lage die Trennungssituation

mit dem Kind kompetent und angemessen zu gestalten. Diese Entwicklungsanforderung

bedeutet unter diesen Umständen eine Überforderung für die Mütter und kann die

erarbeitete stabile Mutter-Kind-Bindung gefährden. Sinnvoll erscheint daher eine

Betreuungsdauer bis über den Kita Eintritt hinaus, also etwa bis zum 3. Lebensjahr.

Die Betreuung der Mütter verlangt von den Mitarbeiterinnen ein hohes Maß an

Flexibilität, Belastbarkeit und Engagement. Zum einen fordern die Mütter, auf dem

Hintergrund ihrer Problematik, die Mitarbeiterinnen immer wieder heraus, zum anderen

orientieren sich Krisen und Unterstützungsbedarf nicht an regulären Arbeitszeiten. Diese

starke Belastung würde durch eine Erweiterung des Teams auf mehr Schultern verteilt,

was sicher für die Mitarbeiterinnen wichtig wäre. Leider zeichnet sich aktuell die

Möglichkeit einer Erweiterung nicht ab.

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