In kürzester zeit – Bau einer Kompressoranlage - Ferrostaal

ferrostaal

In kürzester zeit – Bau einer Kompressoranlage - Ferrostaal

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lANd UNd lEUtE

In kürzester zeit Bau einer

Kompressoranlage

Im November 2009 erhielt Ferrostaal einen EPCC- (Engineering, Procurement,

Construction, Commissioning) Auftrag über rund 65 Millionen Euro für den

Bau einer modernen Kompressorstation in Bulbuceni, einem Dorf etwa 200

Kilometer westlich von Bukarest. Die Kompressorstation spielt eine wichtige

Rolle bei der Erneuerung des rumänischen Gasnetzes.


DAS ECHO August 2010

Baufortschritt im April

Im rumänischen Bulbuceni errichtete Ferrostaal für

ihren Kunden Petrom, den staatlichen Erdöl- und

Erdgaskonzern, an dem die OMV eine 51-prozentige

Beteiligung besitzt, eine Kompressorstation. Diese dient

der Modernisierung der Einspeisung von Gas in das Transportsystem

von Transgaz, dem nationalen, staatlichen

Gastransportunternehmen. Ende Mai konnte planungsgemäß

die erste Unit fertiggestellt werden, eine Woche später

folgten die zweite sowie die dritte und damit letzte Einheit.

Die Anlage wurde damit in nur 16 Monaten Vertragslaufzeit

einschließlich der vorgeschalteten Early Works errichtet.

Petrom-Manager Leopold Kroupa dazu: „Ein ambitionierter

Zeitplan, denn üblicherweise beträgt die Bauzeit

für diese Art von Anlagen 24 Monate. Wir sind mit dem

Fortschritt des Projekts sehr zufrieden. Selbst für österrei-

Petrom AG eine Beteilung der OMV

Die rumänische Petrom wurde 1997 als staatlicher Erdöl-

und Erdgaskonzern gegründet. 2004 privatisierte der

Staat das Unternehmen, seither befinden sich die Mehrheitsanteile

mit 51 Prozent im Besitz des österreichischen

Erdöl- und Erdgaskonzerns OMV. Das Unternehmen ist

im Aktienindex BET 10 an der Bukarester Börse gelistet

und beschäftigt etwa 35.800 Mitarbeiter. Der Konzern fördert

Öl und Gas in Rumänien und Kasachstan, verfügt

über zwei Raffinerien und eine Düngemittelfabrik sowie

ein dichtes Tankstellennetz in Rumänien und Moldawien.

Seit 2006 betreibt Petrom auch das Marketinggeschäft

(Retail, Commercial) der OMV in Rumänien, Bulgarien und

Serbien. Die OMV ist dabei, den Ölkonzern neu zu strukturieren

und seine Anlagen zu modernisieren. Einen Beitrag

dazu leistete Ferrostaal mit dem Bau der Kompressorstation

im rumänischen Bulbuceni.

chische Verhältnisse ist der Bau mit außergewöhnlicher

Geschwindigkeit erfolgreich vorangetrieben worden. Dass

dies so in Rumänien funktioniert hat, ist beachtenswert.“

Das knappe Timing gefährdete ein extrem harter Winter

mit Temperaturen von bis zu minus 27 Grad Celsius. In dieser

Zeit wurden die Arbeiten für die Fundamente durchgeführt.

„Um die Pfähle betonieren zu können, mussten Boden

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Petrom-Manager Leopold Kroupa (Bild l.) und Ferrostaal-Projektleiter Hans Schmitt (Bild r.)

„Ein ambitionierter zeitplan, denn üblicherweise beträgt die Bauzeit für diese

Art von Anlagen 24 Monate. Wir sind mit dem Fortschritt des Projekts sehr

zufrieden.“

und Material erwärmt werden“, sagt Ferrostaal-Projektleiter

Hans Schmitt. „Daneben ist der oberirdische Slugcatcher

eine Besonderheit. Er liegt normalerweise unterirdisch

und dient der Reduzierung der im Gas verbleibenden

Flüssigkeitsanteile. Der hohe Sicherheitsstandard, den

Petrom vorgab, machte einen oberirdischen Bau notwendig“,

führt er weiter aus.

Den Auftrag für den Bau der Kompressorstation erhielt

Ferrostaal im November 2009. Zunächst hatte Petrom während

der Early Works, mit denen das Unternehmen im

Februar des gleichen Jahres beauftragt wurde, die Zusammenarbeit

getestet. Im November erfolgte dann die Umwandlung

in einen Lump-Sum-Turnkey-Vertrag für die

Kompressorstation. Sie sollte eine Anlage in unmittelbarer

Nähe ersetzen. Durch diese Station wird das von einer

Ethangewinnungsanlage in Turburea und einer Gastrocknungsanlage

in Bulbuceni stammende Gas auf einen Druck

von 35 bis 45 Bar gebracht, um es von dort in das transnationale

Netz einspeisen zu können.

Von hoher Bedeutung

Die Kompressorstation ist ein wichtiger Meilenstein bei der

Erneuerung des rumänischen Gasnetzes und zurzeit die

modernste ihrer Art im Land. Sie ist nach höchsten Sicherheitsstandards

gebaut, vermindert die früher vorhandene

hohe Lärmbelästigung für die Anwohner und ist weit weni-

ger reparaturanfällig. Die ehemalige Kompressorstation war

technisch veraltet und sollte daher so schnell wie möglich

durch eine moderne abgelöst werden. Für den Betrieb und

die Wartung (O&M) der neuen Anlage schult das Ferrostaal-

Team seit einigen Wochen die Mitarbeiter von Petrom.

Petrom beabsichtigt in den kommenden Jahren weiter in

die Modernisierung ihrer Öl- und Gasanlagen zu investieren.

Ferrostaal-Projektleiter Schmitt hofft, dass die guten

Leistungen den Kunden überzeugt haben und das Unternehmen

mit Folgeaufträgen rechnen darf.

Joint Venture mit der Christof-Gruppe

Zu Akquisition und Abwicklung zukünftiger Öl- und Gasprojekte

im Land gründeten Ferrostaal und die österreichische

Christof-Gruppe ein Joint Venture (70/30 Prozent), die

Ferrostaal Christof Romania. Die Kompetenzen der beiden

Unternehmen ergänzen sich ideal. „Wir sind gut in EPC,

Christof in Montage und Maintenance“, sagt Schmitt. Potenzielle

Kunden könnten neben Petrom auch Rompetrol,

Lukoil oder Transgaz sein.

Weitere Informationen und Bildergalerie:

www.ferrostaal.com/petrom


DAS ECHO August 2010

Ethanrück-

gewinnungsanlage

in Turburea

Regeneriertes

Gas

Gastrocknungsanlage

in

Bulbuceni

Hinweis 2

14

barg.

Hinweis 2

Hinweis 2

Kompressorstation

in Bulbuceni

Hinweis:

1. Der Druck wird oberhalb von Regelventil und Gaskühler gemessen.

2. Anschlüsse an die vorhandenen Gaspipelines.

* Die Kompressorstation in Bulbuceni umfasst Ausrüstung und Anschlüsse.

Kompressorstation in Bulbuceni*

46

barg.

Hinweis 1

Pipeline

Vorhandene

Gasmessstation

Gasmessstation

40

barg.

Vorhandene

Endverbraucher

Legende

Transgaz-

Pipeline

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Neue Ausrüstung

Vorhandene Ausrüstung

Vorhandene Pipeline

Neue Pipeline

Kompressorstationen

und internationale Hochdrucknetze

Nach der Förderung wird Erdgas in Aufbereitungsanlagen

von unerwünschten Begleitkomponenten gereinigt.

Der Transport vom Erdgasfeld bis zum Endverbraucher

erfolgt dann in mehreren Druckstufen. Der

Druck in Gasleitungsrohren gestaltet sich je nach

Transport und Verteilung unterschiedlich. Kompressorstationen

sorgen dafür, dass das Gas mit einem

Druck zwischen 70 und 80 Bar oft über Tausende von

Kilometern durch meist unterirdisch verlegte Pipelines

bis ins Bestimmungsland transportiert wird. Die aus

Stahl bestehenden Ferntransport-Rohrleitungen auf

dem Festland haben einen Durchmesser von etwa 1,4

Metern und sie sind in der Regel etwa ein Meter unter

der Erde verlegt. Kompressorstationen folgen alle 150

bis 200 Kilometer aufeinander, um den nötigen Druck

im Transportsystem aufrechtzuerhalten. Das europäische

Erdgas-Transportnetz hat eine Länge von rund

190.000 Kilometern. Es erstreckt sich von Nord- bis

Südeuropa und vom Atlantik bis nach Sibirien.


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12

8 7,9 6,2 7,1

4

0

4

8

12

12

8

4

0

4

8

12

POLEN

SLOWAKEI

UNGARN

0

SERBIEN

Wirtschaftswachstum

(BIP in % real)

7,1

2006 2007 2008 2009

6,6

200 km

Inflationsrate

(in %, Jahresdurchschnitt)

4,8

Oradea

Reschitza

7,8

4,7

2006 2007 2008 2009

RUMäNIEN

BULGARIEN

7.000

6.000 5.651

5.000 4.503

4.000

3.000

2.000

1.000

BIP pro Kopf

(in Euro)

12

8

4

0

4

8

12

UKRAINE

6.100

5.600

2006 2007 2008 2009

2,2

Haushaltssaldo

(% des BIP)

Barchau

Bukarest

Quellen: Germany Trade & Invest, Stand November 2009; Auswärtiges Amt, Stand März 2010

2,5

MOLDAWIEN

5,4

7,2

2006 2007 2008 2009

Schwarzes Meer


DAS ECHO August 2010

Rumänien Land im Aufbruch

Mit Rumänien verbinden viele Armut und Rückständigkeit.

Nicht nur Dracula-Fans schwebt zudem etwas

Dunkles und Nebulöses vor Augen. Seit 1989 ist die Bukarester

Politik vom Auf und Ab sozialdemokratischer und

konservativer Regierungen sowie dem Kampf gegen Misswirtschaft

und Armut bestimmt. Die Außensicht schwankt

zwischen Problemfall und Boomstaat. Im Westen dominieren

seit Jahren vor allem Horrorgeschichten über hohe Kriminalitätsraten,

Probleme im Umgang mit Minderheiten,

das Leid von Kindern in den Straßen von Bukarest und den

Waisenhäusern des Landes sowie von Schlepperorganisationen,

die ganze Roma-Sippen über die Karpaten schleusen.

Dabei sieht die Wirklichkeit des Vielvölkerstaates ganz

anders aus: Rumänien trat nach Jahrzehnten der Isolation

2004 der NATO bei, erlangte 2007 die EU-Mitgliedschaft

und präsentiert sich als ein Land mit einzigartigen Kulturund

Naturschätzen. Die Kriminalitätsrate ist nicht höher

als die seiner westlichen Nachbarn, die Minderheitenpolitik

als gut zu bewerten, rumänische Staatsbürger kommen

auch gut ausgebildet und legal in den Westen. Laut Bill Gates

sind beinahe ein Fünftel seiner Microsoft-Computerspezialisten

rumänischer Abstammung. Dennoch ist das

Alltagsleben von einigen Entbehrungen geprägt, vor allem

außerhalb der großen Städte, weshalb der Karpatenstaat

seit 1945 ein Auswandererland ist. Viele Landstriche sind in

ihrer Ursprünglichkeit faszinierend, aber nur beschwerlich

zu erreichen. In der Infrastruktur hakt es gewaltig, Investitionen

in ihren Ausbau sind dringend nötig. So stehen beispielsweise

auf einer Fläche, die dreimal größer als Österreich

ist, lediglich 321 Kilometer Autobahn zur Verfügung.

Jüngste wirtschaftliche entwicklung

Nach mehreren Jahren eines beeindruckenden Wachstums

des Bruttoinlandsprodukts (zuletzt im Jahr 2008 mit 7,1

Prozent) wurde Rumänien von der Wirtschafts- und Finanzkrise

unmittelbar getroffen. 2009 lag das Negativwachstum

der Wirtschaft bei 7,1 Prozent. Zuletzt war ein Negativwachstum

1999 verzeichnet worden (-1,1 Prozent). Im Jahr

2010 wird wieder mit einem leichten Positivwachstum

(1 bis 1,5 Prozent) gerechnet. Die Inflationsrate lag 2009 bei

4,7 Prozent. Damit verfehlte die Nationalbank ihr Inflationsziel

von 3,5 Prozent. Für 2010 hat sie sich dieses Ziel erneut

gesetzt derzeit scheint es auch realistisch. Rumänien

verzeichnet einen hohen Anstieg der Arbeitslosenquote

von 4,4 Prozent im Dezember 2008 auf 8,3 Prozent im

Februar 2010. Dieser Wert wird aufgrund der in diesem Jahr

anstehenden Entlassungen im Staatssektor voraussichtlich

noch ansteigen, mit den zu erwartenden negativen Auswirkungen

auf den privaten Konsum. Zur Stützung seiner Wirtschaft

hat das Land im Mai 2009 ein umfangreiches Finanzierungspaket

von IWF, EU, Weltbank und Europäischer

Bank für Wiederaufbau (EBWE) erhalten. Rumänien strebt

für 2015 die Einführung des Euros an, 2012 will der 22-Millionen-Einwohner-Staat

die Vorstufe zur Euro-Einführung

erreichen und dem Europäischen Wechselkursmechanismus

(ERM II) beitreten.

Basisdaten Rumänien

Fläche: 238.390 km²

einwohner: 22,25 Mio. (Juli 2008)

Hauptstadt: Bukarest (1,9 Mio. einwohner)

Landessprache: Rumänisch

Geschäftssprachen: Rumänisch, Deutsch, englisch,

Französisch

Währung: Leu, 1 Leu = 100 Bani; Wechselkurs

Regierungsform: Republik

1 euro = 4,1981 Lei (November 2009)

Staatsoberhaupt: Präsident Traian Basescu

Regierungschef: Premierminister emil Boc

Quellen: Germany Trade & Invest, Stand November 2009; Auswärtiges Amt,

Stand März 2010

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