DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNG

Dr. Todt Generalbevollm ächtigter für das Bauwesen

Der Beauftragte für den Vierjahresplan, Ministerpräsident

G eneralfeldm arschall Göring, hat durch Erlaß vom 9. D ezem b er

1933 d en G eneralinspektor für das Deutsche Straßenw esen,

Dr. Todt, zum G eneralbevollm ächtigten für die R egelung der

Bauw'rtschaft ernannt. Durch diese Bestellung soll künftig eine

O rdnung der gesam ten Bautätigkeit, und zw ar sow ohl d es H ochb

au es w ie auch d es Tiefbaues, gesichert w erden, die insbesondere

den Erfordernissen d es Arbeitseinsatzes und der Rohstoffbewirtschaftung

Rechnung trägt.

Mit dieser Bestellung eines G eneralbevollm ächtigten für das

B auw esen ist einem Bedürfnis entsprochen w orden, das sich bei

der Steigerung der Bautätigkeit immer stärker g e ze ig t hatte. Vor

allem w urde in diesem Jahr immer häufiger der Ruf nach einer

Rangordnung der Bauvorhaben ihrer Dringlichkeit entsprechend

erh oben und e b e n s o häufig darauf hingew eisen, d a ß der Kräfteeinsatz

und M aterialeinsatz einheitlich geregelt w erd en müssen.

D iese A u fg a b en sind nunmehr Dr. Todt übertragen w orden, der

nach d em W ortlaut der Beauftragung drei H aup tgebiete zu erledigen

h a b en wird: 1. Ordnung der Bautätigkeit einschließlich

d es T iefbaues, 2. Rohstoffragen, 3. Arbeitseinsatz.

Eine g ew isse Rangordnung aller Bauten ergibt sich naturnotw

end ig aus ihrer. Zweckbestim mung. O h n e etw a eine Rangordnung

hier aufstellen zu w ollen, wird sich stets für alle solche

Bauten der un bedingte Vorrang ergeb en , die dem Interesse des

V olksganzen und d er Verstärkung der W ehr und W a ffe der

N ation dienen. Infolgedessen w erd en auch alle Bauten für Befestigungen

und Schaffung neuer A nlagen für W ehrm acht, Luftw

a ffe und M arine unbedingt an erster Stelle stehen. D aneben

ergibt sich w eitere Dringlichkeit für alle diejenigen A ufgaben,

die der Vierjahresplan mit dem Ziel der Freimachung Deutschlands

von ausländischen Rohstoffen stellt, die Errichtung neuer

Erzeugungsstätten, Industriewerke usw. Unmittelbar folgt aber

auch die Vordringlichkeit d es W ohn ungsbaues, vor allem des

Baues von Arbeiterwohnstätten sow oh l in den Industriebezirken

w ie auch auf dem Lande für Landarbeiter. G e ra d e jetzt ist durch

reichliches Zahlenm aterial vom Institut für Konjunkturforschung

n ac h g e w iese n w orden, w elch er Rückstand an W ohn ungsbauten

aufzu holen ist. Es w ürde zu w eit führen, alle übrigen Baua

u fg a b en , z. B. solche der Repräsentation, d er Industrie, der Verw

altung, aufzuführen. Auch sie können je nach ihrer Zw eckbestim

m ung im Einzelfalle Vordringlichkeit beanspruchen.

Auf dem G eb iete der Rohstoffbewirtschaftung kennt g e ra d e

das B auw esen eine Vielzahl von Einzelregelungen. Der Kontingentierung

d es Eisens folgte diejenige d e s H olzes, N ichteisenm

etalle sind vielfachen Vorschriften unterworfen, Zement, zum Teil

auch Z iegel nur unter beson d eren V oraussetzungen zu haben.

Den praktischen A nforderungen entsprechend ist im Laufe der

Zeit je nach dem Um fang der N a ch fra g e eine R egelung oder

Kontingentierung gefolgt, ein wirtschaftlich durchaus richtiger

V organg. Allmählich aber ergibt sich die N otw endigkeit, diese

einzelnen Bestim mungen miteinander in Einklang zu bringen.

Denn schließlich ist niem andem gedient, w enn zw ar die eine

Stelle g e n ü g e n d Eisen zuteiit, die an d ere ab er Holz, Ziegel oder

Zem ent nicht bew illigen kann. G era d e hier bei der Rohstoffbewirtschaftung

wird eine Zusam m enfassung in einer H and verstärkte

Ausnutzung der vorhandenen Baustoffe gew ährleisten.

Auch auf dem G e b iete d es A rbeitseinsatzes sieht sich der B auherr,

Architekt und Unternehmer einer Vielzahl von Bestimmungen

g eg en ü b er, sei es durch Festsetzung von H öchstlöhnen o d er

Verbot der Einstellung von Arbeitskräften.

Auch hier wird der

fast schwierigste E ngpaß der H erbeischaffung von Arbeitskräften

in Zusam m enarbeit mit d en Treuhändern der Arbeit und

Reichsanstalt für A rbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung

durch d en G eneralbevollm ächtigten in straffer gem einsam er

Arbeit überw unden od er w enigstens erleichtert w erd en müssen.

D an eb en erg e b en sich viele w eitere Tätigkeiten und A u fgab en ,

die auch zum Teil bereits von einzelnen O rganisation en a u f­

gegriffen wurden.

der

Es sei an die verstärkte Lehrlingsausbildung

ged a ch t, die bei der Bauindustrie bisher nicht im Vordergrund

stand und erst jetzt anläuft, an d ie Umschulung und die Einstellung

auf n eu e W erkstoffe, verstärkten M aschineneinsatz,

Typisierung der M aschinen, Reichsberufswettkam pf usw. Eine

Reihe dieser A u fg a b en wird d ie e n g e V erbindung mit G en er a l­

bevollm ächtigten anderer G eb iete, z. B. d em jen igen für d a s

M aschinenw esen, o d er Reichswirtschaftsminister Funk als Bevollm

ächtigten für die Rationalisierung d e s A rbeitseinsatzes notw

en d ig m achen.

Inwieweit sich hierbei auch eine R egelung d es

K apitaleinsatzes erg e b en wird, b leib e noch dahingestellt.

M an könnte fast versucht sein anzunehm en, d a ß die A u fgab en

so um fassend sind, d a ß ein M ann sie angesichts der sprunghaften

Steigerung der Bautätigkeit und der Fülle der Problem e

nicht lösen kann.

In der Person von Professor Dr. Todt ist a b er

zw eifellos der M ann vorhanden, der auf Grund seiner bisherigen

Tätigkeit, seiner politisch w eltanschaulichen Haltung, fachlich und

persönlich der beste in Deutschland ist, dem d iese A u fgab en

übertragen w erd en konnten. W eltbekan nt sind sein e Leistungen

als G eneralinspektor für d as S traß en w esen . Die von ihm g e ­

schaffenen Straßen d es Führers w erd en allgem ein bew undert,

nicht zuletzt w e g e n der gen ialen V erbindung zw ischen künstlerischer

Einordnung und technischer A nlage.

Als Bevollm ächtigter

d es Führers für den A ufbau der W estb efestig u n g en hat

Dr. Todt seine B efähigung n ach gew iesen , größ te A u fgab en

organisatorisch und vor allem menschlich zu b ew ältigen .

W ie

kaum einem an d eren steht ihm die G efolgsch aft zur Seite, der

in erster Linie auch die sozialen Verpflichtungen em pfindet, die

solch e A u fgab en mit sich führen.

Ais Ehrenzeichenträger der

Partei und Leiter d e s H auptam tes Technik hat Dr. Todt bisher

schon den besten Einblick in alle in Deutschland wirksamen a u f­

bauwilligen technischen Kräfte.

Dem NS.-Bund D eutscher T echnik,

an d essen Spitze er steht, hat er ein e straffe G liederung

g e g eb en . G leichzeitig leitet er d en größten technisch-w issenschaftlichen

Fachverband, d en.V erein deutscher Ingenieure.

Ober die Bew ältigung der a n g ed eu teten Problem e hinaus läßt

die Bestellung von Dr. Todt zum G eneralbevollm ächtigten für

das B auw esen erwarten, d a ß er, w ie es schon bei dem Bau der

Reichsautobahnen g e sch eh e n ist, auch auf w eiteren G eb ieten

eine Synthese zw ischen den künstlerisch schöpferischen Kräften

der Baukunst und den en der Technik herbeiführen wird.

Alle in

der Bauwirtschaft tätigen M enschen sehen seiner neuen A u fg a b e

mit vollstem Vertrauen en tg eg en . G o,

Die Bereinigung alter Schulden

D er Aufsatz behandelt d ie Voraussetzungen, d ie zur Anwendung

des G esetzes führen können, ausg ieb ig er, w ährend der übrige Teil

des G esetzes kurz skizziert d arg esteilt ist.

Das G e se tz über eine Bereinigung aller Schulden vom 17. August

1938 (RGBl. I, S. 1033) b ezw eck t d ie Bereinigung alter Schulden

derjenigen V olksgenossen, die infolge der W irtschaftsnot vor der

M achtübernahm e wirtschaftlich zu sam m en geb roch en w aren, oh n e

d a ß sie ein V erschulden traf.

Dies soll ab er nicht heißen, d a ß

nun alle aus der Zeit vor 1933 entstand en en Schulden gestrichen

w erd en sollen o d er d a ß die berechtigten B elan ge der G läu biger

hinter die Interessen der Schuldner ein geord n et sein sollen. Das

G e se tz will d a g e g e n die G esam tb elasiu n g d es Schuldners mit

d en alten Schulden in ein a n g em essen es Verhältnis zu seiner

g e g en w ä rtig en Leistungsfähigkeit bringen. Die Schuldenbereinigu

n g soll m öglichst Im W e g e der freien V ereinbarung durch die

Beteiligten herbeigeführt w erd en .

DBZ 1938 Heft 52 28. Dezember B 1407

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