zur Handlungshilfe

gefaehrdungsbeurteilung.de

zur Handlungshilfe

Betriebspolitische Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Im Anhang ist ein gut strukturierter Fragebogen (Oppolzer)

zur Orientierung abgedruckt. Dieser kann, wenn er zu den

betrieblichen Bedingungen passt, so eingesetzt werden. Er

ist unterteilt nach den negativen Beanspruchungsfolgen

wie Stress, psychische Ermüdung usw. und fragt diejenigen

Arbeitsbedingungen bzw. Risikofaktoren ab, die zu diesen

Beanspruchungsreaktionen beim Menschen führen können.

Sinnvoll ist es, den Fragebogen als Baukasten zu betrachten.

Diejenigen Fragen, die zum eigenen Betrieb passen,

werden genommen; andere werden rausgelassen oder verändert.

Ratsam ist es, Platz für Anmerkungen der Beschäftigten

zu lassen. Hierbei ergeben sich oft Hinweise, die

bereits auf sinnvolle Maßnahmen hindeuten. Lediglich die

Auswertung wird ein wenig aufwendiger.

Die Auswahl der Ermittlungsverfahren unterliegt dem Mitbestimmungsrecht

des Betriebsrats und ist somit Gegenstand

der Aushandlung mit dem Arbeitgeber. Die Erfahrung zeigt,

dass auch diese - ähnlich wie die Betriebsräte selbst - häufig

großes Interesse daran haben, die Methoden und Instrumente

nach ihrer Praktikabilität und Handhabbarkeit auszuwählen.

Auch besteht arbeitgeberseitig oft ein Interesse

daran, die Gefährdungsbeurteilung mit eigenen betrieblichen

Ressourcen durchzuführen.

Nach der Beschäftigtenbefragung, die anonym sein sollte,

müssen die Fragebögen ausgewertet werden. Die Auswertung

ist mit gängigen Computerprogrammen (z.B. Excel)

durchführbar. Wichtig ist die Aufbereitung und Visualisierung

der Befragungsergebnisse. Ziel ist das Kenntlichmachen

von Belastungsschwerpunkten, das dann eine

schrittweise Weiterführung der Gefährdungsbeurteilung hin

zu Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ermöglicht.

Die so ermittelten Belastungen können nun mit betrieblichen

Daten erhärtet werden. Routinedaten über Fehlzeiten,

Fluktuation usw., Ergebnisse betrieblicher Gesundheitsberichte

der Krankenkassen oder von vielleicht durchgeführten

Gesundheitszirkeln können das Bild über psychische Belastungsschwerpunkte

komplettieren.

Die über die Selbsteinschätzung der Beschäftigten identifizierten

Schwerpunktbereiche können, wenn es weiteren

Analysebedarf gibt, durch Vor-Ort-Analysen oder gezielte

Betriebsbegehungen tiefergehend untersucht werden. Der

Einschätzung der Beschäftigten kann so der Fremdeinschätzung

der Arbeitsschutzexperten gegenüber gestellt

werden. Dies ist eine weitere Aufgabe der Analyseteams

oder der Steuerungsgruppe.

Die so durch das Analyseteam ermittelten psychischen Belastungsschwerpunkte

müssen nun in einem Ist-Soll-Vergleich

beurteilt werden. Konkret ist also die Frage zu beantworten,

ob festgestellte psychische Belastungen den Beschäftigten

auch weiterhin zumutbar sind oder ob ein Gesundheitsrisiko

besteht und deshalb Maßnahmen des Arbeitsschutzes

erforderlich sind.

Dieser Ist-Soll-Vergleich ist bereits in dem vorgestellten

Fragebogen eingebaut. Er ergibt sich aus den Punktwerten:

bei 0 oder 1 sind keine Maßnahmen des Arbeitsschutzes

abzuleiten, bei den Punktwerten 2 oder 3 aber sehr wohl.

Wenn diese Beurteilung vom Arbeitgeber bzw. seinen Beauftragten

im Analyseteam bestritten wird, sollte man sich

19

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine