DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNG

DEUTSCHE BAUZEITUNG

WOCHENSCHRIFT FÜR

BAUGESTALTUNG*BAUTECHNIK 66 ■ JAHR 1932

STÄDTEBAU »SIEDLUNG »WETTBEWERBE 23. N O VEM B ER

BAUWIRTSCHAFT U. BAURECHT rr / | g

S C H R I F T L E I T E R • R E G I E R U N G S B A U M E I S T E R D R .- I N G . E . h . F R I T Z E I S E L E N

A L L E R E C H T E V O R B E H A L T E N > F Ü R N I C H T V E R L A N G T E B E I T R Ä G E K E I N E G E W Ä H R B E R LIN S W 4 8

REICHSBAUDARLEHEN FÜR EIGENHEIME

Professor Dr. Friedrich Schmidt, Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium, Berlin

ln d ie se r neuen Aktion d e r R eichsregierung zur Förderung d es Eig en heim bau es sehen w ir grundsätzlich einen Fortschritt in dem

Bemühen d e r R eg ieru n g , d e r B autätig keit entsprechend ihrer Bedeutung für d ie W irtschaft Im pulse zu g eben . W ir erteilen im Nachfolgenden

einem V ertreter d e r R eich sregierung unm ittelbar d a s W o rt zur D arleg ung d er G e d a n k e n g ä n g e d e r Regierung bei d e r Aufstellung

d e r neuen Bestim m ungen, d ie nebst den Richtlinien und Ausführungsbestim m ungen am Schluß d ie se s Heftes einzuseh en sind .

Die Frag e d e r Förderung d es E ig en h eim b au es ist für d ie Entwicklung d e r g an zen W irtschaft in den nächsten Jahren so w ichtig, d a ß eine

eingehende Stellu n g nah m e au s w eiten Kreisen d e r Bauw irtschaft nötig ist. Einen bem erkensw erten Vorschlag zum A usbau d e r M a ß ­

nahmen von oben brachten w ir b ereits in Heft 47 unter dem Titel „V o rsch lä g e zur Eigenheim förderung über d ie B ausp arka ssen".

Die Schriftleitung

Die Erschöpfung d e r in den bish e rig e n Jahren zu r Belebung

d e r B a u tä tig k e it zu r V e rfü g u n g stehenden M itte l

der ö ffe ntlich e n Stellen und d e r R ealkred itin stitu te z w in g t

dazu, W e g e zu suchen, um in m öglichst w eitem U m fange

privates K a p ita l dem B a u m a rkt zu zuführe n . D ie Entwicklung

d e r letzten Ja h re h a t b e re its g e z e ig t, d a ß d er

D rang, g e h orte te s S p a rk a p ita l zum Bau von Eigenheim en

am Rande d e r S tä d te a n z u le g e n , in ständigem W achsen

b e g riffe n ist.

Es scheint, d a ß d ie E rfahrungen, d ie m it

der aus Reichsm itteln g e fö rd e rte n vorstädtischen E rw erbslosensiedlung

gem acht w u rd e n , den A n trie b zu r Errichtung

e in fa che r E igenheim e w e ite r verstä rkt h aben. Diese

A ktion h a t b ish e r b ereits g e z e ig t, daß es bei entsprechender

P lanung und V e rg e b u n g m öglich ist, mit

wesentlich g e rin g e re n M itte ln , als vo rd e m angenom m en

w urde, durchaus so lid g e b a u te und zw eckm äß ig ausgestattete

E igenheim e zu erstellen. H inzu kom m en die

V ergünstigungen, d ie d ie V e ro rd n u n g des Reichspräsidenten

vom 6. O k to b e r 1931, d ie A u sfü h ru n g sve ro rd n u n g

der R eichsregierung vom 23. D e ze m b e r 1931 und d e r a u f

dieser G ru n d la g e b e ru h e n d e Erlaß des Reichskommissars

für die vorstädtische K le in sie d lu n g vom 22. M ä rz 1932

auch solchen vorstädtischen S ie d lu n g svo rh a b e n zukommen

ließ en, fü r d ie keine Reichsmittel in Anspruch

genom m en w e rd e n ; diese V e rg ü n s tig u n g e n h aben zu e iner

Erleichterung d e r In a n g riffn a h m e e in fa c h e r E igenheim e und

zu e iner S enkung d e r B aukosten g e fü h rt. In d e r überaus

großen N a c h fra g e nach den m it Reichsm itteln errichteten

vorstädtischen K le in sie d lu n g e n und in d e r g ro ß e n A n z a h l

„w ild e r" S ie d lu n g e n , d ie — le id e r m eist m it unzureichenden

B austoffen und in p la n lo s e r, ästhetisch und stä d te ­

baulich u n b e frie d ig e n d e r Form — aus dem B oden

wachsen, kom m t d e r starke Drang nach Heraussiedlung

aus den städtischen Mietszentren

und nach dem Besitz eineswenn auch

bescheidenen Eigenheimes b e sonders d e u t­

lich zum A usdruck.

Die R eichsregierung ist d a h e r d a z u ü b e rg e g a n g e n , einen

verstärkten A n re iz z u r A n la g e von S p a rk a p ita l in E igenheimen

durch Bereitstellung von Reichsmitteln

zu schaffen und d ie E rrichtung solcher B a u vo rha b e n

zu e rleichte rn , fü r d ie z w a r S p a rk a p ita l z u r V e rfü g u n g

steht, a b e r nicht in e in e r H öhe, d a ß aus ihm a lle in d ie

D urchführung d er g e p la nte n Bauten m öglich w ä re .

Die

Bestim mungen über R eichsbaudarlehen fü r Eigenheim e

vom 11. N o ve m b e r 1932 b ild e n d ie G ru n d la g e fü r die

H e rg a b e dieser M itte l. In dem B e g le ite rla ß an d ie Land

e sregierungen vom 11. N o ve m b e r 1932 sind d ie w ichtigsten

Erläuterungen zu einzelnen Punkten d er Bestim

m ungen e nthalten. D ie Bestim mungen enthalten nach

kurzen allg e m e in e n A usführungen über den Zw eck d er

M aß n a h m e und d ie allg e m e in e n G ru n d la g e n (I) Bestim

m ungen ü b e r d ie A rt d e r E igenheim e (II), d ie A usw

a h l d e r B ew erber (III), d ie H öhe

des R eichsbaudar-

lehns (IV), d ie B edingungen fü r die G e w ä h ru n g d e r D a r­

lehen (V) sow ie das V e rfa hre n (VI) und geben in d er

Schlußbestim m ung (VII) den Ländern d ie Erm ächtigung

zum

Erlaß d e r E inzelvorschriften fü r d ie D urchführung

dieser Bestim m ungen. Da als Z iel d ie B elebung des Baum

arktes im V o rd e rg rü n d e steht und d ie Reichsmittel nur

einen ve rh ä ltn ism ä ß ig g e rin g e n Teil des B auaufw andes

decken, beschränken sich d ie Bestim mungen ausschließlich

a u f d ie V orschriften, d ie zu r zw eckentsprechenden

D urchführung d er Bauten und zu r Sicherung d e r Reichsd

a rle h e n u n b e d in g t n o tw e n d ig sind, und sehen von alle n

E inzelvorschriften a b , w ie sie beim Bau d e r E rw erbslosensiedlungen

n o tw e n d ig w a re n , w o es sich um d ie F örderung

von

Bauten fü r besonders leistungsschw ache Bevölkerungsschichten

h a n d e lt und m eist d er gesam te Baua

u fw a n d , je d e n fa lls im m er d e r w eitaus ü b e rw ie g e n d e

Teil, a u f Reichsmittel übernom m en w ird . D ie G renze n

fü r den E igenheim bau m ußten so w e it g e zo ge n w e rd e n ,

d a ß keine unnötigen E inengungen zu befürchten w a re n ,

die d ie H e ranzie h u n g des S p a rka p ita ls erschw ert hätten.

D i e technischen Vorschriften beschränken

sich dem gem äß a u f grundsätzliche Bestim m ungen, d ie die

Errichtung d er Eigenheim e als gesunde, zw eckm äß ig e in ­

g e te ilte und solide D auerw o h n u n g en ve rla n g e n und

einen M in d e s tb e d a rf an Räumen festlegen, d ie das E igenheim

e n thalte n muß.

D am it scheiden a lle B ehelfsw ohnungen

m it zu kleinen G rundrissen und in u n g e n ü g e n d e r

Bauw eise und a lle auch im üblichen

nicht b e le ih b a re n Bauten von vo rn h e re in aus.

H yp o th e ke n m a rkt

Die bei

d e r E rw erbslosensiedlung fe stg ele g te n M in d e s tg rö ß e n ­

m aße fü r d ie einzelnen Räume sind w eggela ssen w o r­

den. Ebenso ist d ie F orderung nach einem zw e ite n

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Schlafraum neben dem Elternschlafraum hier a u fg e g e b e n ,

an die Stelle des zw eiten Schlafraum es kann ein w e ite re r

W o h n ra u m treten.

Die fü r einen kleineren Wirtschaftsbetrieb

e rfo rd e rlich e n A n la g e n — insbesondere zur S elbstversorgung

d er S iedler — sind ausdrücklich zugelassen. Bei

d e r A usw ahl der B ew erber sollen sogar Personen b e ­

sonders b e v o rz u g t w e rd e n , d ie sich

dieser S elbstversorgung

w idm en w o lle n .

D ie Hergabe der Mittel ist ausdrücklich

auf Eigenheime beschränkt. Als solche gelten

E infam ilienhäuser, w o b e i es g le ich g ü ltig ist, o b sie als

Einzelhäuser, D oppelh äu se r o d e r Reihenhäuser — le tz ­

teres zum Unterschied von d er E rw erbslosensiedlung, bei

d er d er S iedlungscharakter den Zusam m enbau m ehrerer

H äuser v e rb o t — errichtet w e rden.

D er C h a ra k te r als

Eigenheim geht nicht dadurch ve rlo re n , daß auch eine

z w e ite W o h n u n g e in g e b a u t w ird . In dem B e g le ite rla ß ist

d a ra u f hingew iesen, daß hierunter besonders E in liegerw

ohnungen gem eint sind, also W o h n u n g e n , d ie an

G rö ß e sich dem Einfam ilienhaus e in g lie d e rn ; h ie rfü r ist

a lle rd in g s ve rla n g t, daß sie in sich abgeschlossen sind

und die erfo rd e rlich e n N e b e n rä u m e enthalten.

Die Höchstgrenze d er zul. W o h n flä c h e ist nicht festg ele g t.

D agegen sind die Herstellungskosten nach oben

begrenzt.

Die H öchstkostengrenze ist m it 8000 RM, in

b esonders g e la g erte n Fällen m it 10 000 RM, beim Einbau

e iner zw eiten W o h n u n g m it 12 000 RM reichlich b e ­

messen, d a m it d e r Bau solcher E infam ilienhäuser g e ­

fö rd e rt w e rden kann, bei denen E ig e n ka p ita l in g rö ß e ­

rem U m fang investiert w ird .

Die E rfahrung z e ig t, daß

sich m it diesen B eträgen ein Eigenheim , das alle n b e ­

rechtigten A n fo rd e ru n g e n entspricht, das sich a lle rd in g s

von unnötigem A u fw a n d fre ih a lte n muß, ohne S chw ierigkeiten

schaffen läßt, zum al d ie Kosten des G ru n d e rw e rb s

und d e r G eländeerschließung in den vo rg e n a n n te n Beträ

g e n nicht in b e g riffe n sind.

D er in d e r letzten Z eit

b e vo rzu g te E igenheim typ h ie lt sich erheblich unter diesen

G re n z e n ; es ist das Haus m it 4000 RM bis höchstens

8000 RM G esam therstellungskosten (also Baukosten e in ­

schließlich G rund und Boden und alle n N ebenkosten).

So w e rde n z u rZ e it in S tu ttg a rt in unm ittelbarem Anschluß

an eine g ro ß e E rw erbslosensiedlung ein p a a r h u n de rt gut

g e p la n te r und solid a u sg efü h rter Eigenheim e m it 6000 RM

G esam therstellungskosten errichtet.

D ie N a c h fra g e nach

einem g rö ß eren Typ m it 8000 RM Kosten w a r schon g e ­

rin ger. D em gem äß ist im B e g le ite rla ß ausdrücklich h e rv o r­

g e h oben, daß d er Typ m it 4000— 6000 RM Kosten als Regel

bezeichnet w e rden soll. Um d ie B aulustigen von der

Ü bernahm e von

D auerlasten a b zu h a lte n , d ie sie w irtschaftlich

zu stark belasten w ü rd e n , und ein A nsteigen

d er Baukosten h in ta nzu h a lte n , ist ausdrücklich bestim m t,

daß nur Eigenheim e berücksichtigt w e rden d ü rfe n , deren

Kosten angem essen und deren Lasten voraussichtlich a u f

d ie D auer w irtschaftlich tra g b a r sind.

Für Aufschließungskosten und Anliegerleistungen

sind zum Teil d ie Bestim m ungen ü b e r­

nom m en w o rd e n , d ie in den Reichsrichtlinien vom Ja n u ar

1931 fe stg e le g t sind und d ie sich in d e r Praxis als zw eckm

äß ig erw iesen haben. D er B e g le ite rla ß le g t den G e ­

m einden nahe, G rundstücke aus ihrem Besitz zu günstigen

Bedingungen fü r den E igenheim bau herzu g e b e n .

Ein w e ite re r A b sa tz d e r Bestim m ungen beschränkt die

D arle hnsh e rgabe a u f Eigenheime, die erst

nach Erteilung des Darlehnsbescheides

begonnen werden, w o b e i indes nach dem Beg

le ite rla ß gewisse Ausschachtungs- und V o rb e re itu n g s-

a rb e ite n , d ie v o rh e r b e g onnen sein sollten, kein Hindernis

fü r die B eleihung zu sein brauchen.

Im g a n zen stehen zunächst 20 M illio n e n RM fü r Reichsb

a u d a rle h e n zur V e rfü g u n g . Um m öglichst viel Eigenheim

e fö rd e rn und d a m it den N u tz e ffe k t der A ktion möglichst

erhöhen zu können, m ußte an einer Beschränkung

des Reichsdarlehns im E in zelfa lle festgehalten werden.

Da h ie rfü r als H öchstgrenze 1500 RM festgelegt sind,

w ü rd e , sofern dieser B etrag ü b e ra ll gegeben würde,

aus den v o rg e n a n n te n M itte ln d e r B a u v o n insgesamt

rund 13500 Eigenheimen finanziert

w e rden können. Es muß indes angestre b t w erden, das

R eichsdarlehn, so w e it irg e n d m öglich, unter der Höchstg

re n ze zu h alten, sodaß d ie v o rg e n a n n te Eigenheimzahl

das M in de stm a ß des zu Erreichenden darstellt. Eine

Erhöhung des Reichsdarlehns a u f 2000 RM ist zw ar zugelassen,

muß jedoch a u f besondere Fälle beschränkt

b le ib e n . Beim Einbau e in e r zw eiten W o h n u ng d a rf das

Reichsdarlehn um bis zu 1000 RM e rh ö h t w erden, sodaß

a lso als äußerste G renze , d ie in besonderen Fällen beim

E inbau e iner zw e ite n W o h n u n g ausnahmsweise zugelassen

w e rd e n kann, ein D arlehn von 3000 RM in Frage

kom m t. Ein zusätzliches Reichsdarlehn d a rf nur für

K inderreiche g e g eben w e rd e n . Die fü r dieses Zusatzd

a rle h n bei den E rw erbslosensiedlungen zugelassene

H öhe von 500 RM ist übernom m en w o rd e n , desgleichen

d ie V o ra u setzu n g fü r d ie H e rg a b e des Zusatzdarlehns,

näm lich d ie Z ah l d e r K in d e r und die Schaffung eines

w e ite re n S chlafraum es ü b e r den oben festgelegten M ind

e s tb e d a rf hinaus.

Eine w esentliche Beschränkung stellt d ie Bestimmung dar,

daß das Reichsdarlehn im höchsten Falle ein

Viertel der Herstellungskosten betragen

d a rf, w o b e i, a b w e ich e nd von der obengenannten A rt der

Berechnung d e r H öchstkostengrenze, neben den Bauund

N e benkosten d e r W e rt von G ru n d und Boden eing

erechnet w ird . Zu verstehen ist hierunter der gegenw

ä rtig e W e rt, nicht also etw a die Beschaffungskosten

des G ru n d und Bodens, d ie u. U. von dem W e rt insb

e sondere dann abw eichen w e rd e n , w enn das G rundstück

zu Z eiten e in e r H ochkonjunktur a u f dem G rundstücksmarkt

o d e r zu te u er beschafft w o rd e n ist. Bei der

Festlegung des Prozentsatzes, den das Reichsdarlehn

b e tra g e n d a rf, w ird das Z usa tzd a rlehn fü r Kinderreiche

indes nicht m it eingerechnet. Es w ird sich also bei

6000 RM Bau- und N e benkosten einschließlich der G rundstückswertes

ein H öchstdarlehn von 1500 RM, fü r Kinderreiche

von 2000 RM e rg e b e n , bei 8000 RM Kosten ein

H öchstdarlehn von 2000 b zw . 2500 RM, b e i 10 000 RM

Kosten ein H öchstdarlehn von 2500 bzw . 3000 RM. Die

A u fb rin g u n g des R estbetrages ist ausschließlich Sache

des B auherrn. Festgelegt ist lediglich, daß mindestens

30 v. H. d er Bau- und N ebenkosten einschließlich

des W e rte s des Grundstücks durch Eigenkapital

des Bauherrn b e ig e b ra ch t w erden müssen.

H ie rb e i d ü rfe n S elbsthilfeleistungen in Anrechnung geb

racht w e rd e n . D ie Deckung des Restbedarfs über diese

30 v. H. hinaus kann also durch G e ld e r aus dem freien

H yp o th e ke n m a rkt e rfo lg e n . S o w e it dies nicht möglich

ist, m uß auch dieser B etrag durch eigenes G eld des

B auherrn a u fg e b ra c h t w e rd e n .

Verzinsung und Tilgung des Reichsbaudarlehns

sind im a llg e m e in e n in g le icher H öhe w ie bei den Erw

e rbslose n sie d lu n g e n g e h a lte n . D ie Verzinsung beträgt

ebenso w ie d o rt 4 v. H., d ie T ilg u n g 1 v. H. Sofern a llerdings

d e r D a rle h n s b e tra g d ie fü r erststellige Hypotheken

übliche G re n ze von 40 v. H. dem Range nach über­

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schreitet, e rh ö h t sich d e r Z insfuß fü r das gesam te Reichs-

darlehn um 1 v. H.

Eine e in m a lig e B e a rb e itu n g sg e b ü h r

und la u fe n d e jä h rlich e V e rw a ltu n g s g e b ü h re n sow ie

den Fall e in e r unpünktlichen Entrichtung d e r Zins- und

T ilg u n g sb e trä g e sind V e rzugszin sen fe stg e le g t.

Für den Rang des Reichsbaudarlehns ist

m aß gebend, d a ß es keinesfalls m it einem höheren Betra

g e als 70 v. H. d e r Bau- und N e b e n koste n einschließlich

des G rundstücksw ertes abschneiden d a rf.

fü r

Bei einem

K ostenbetrag v o n 6000 RM d a rf es also m it 4200 RM a b ­

schließen, so d a ß b e i einem R eichsdarlehn von 1500 RM

2700 RM v o ra n g e h e n d ü rfe n , b zw . bei G e w ä h ru n g eines

Z usatzdarlehns fü r K in d e rre ich e 2200 RM.

Bei 8000 RM

Baukosten m uß das Reichsdarlehn m it höchstens 5600 RM,

bei 10 000 RM Kosten m it 7000 RM abschneiden.

Die M ö g lic h k e it je d e rz e itig e r Zurückzahlung des

Da rieh ns ist dem S chuldner o ffe n g e h a lte n . Das Reich

als G lä u b ig e r kann a u ß e rh a lb d e r T ilg u n g sein D arlehn

nur u nter gew issen V ora u ssetzu n g e n zurückverlangen,

näm lich m it e in m o n a tig e r K ündigungsfrist,

wenn d ie Zins- und T ilg u n g s b e trä g e nicht fristg e m ä ß g e ­

za h lt w e rd e n , s o fo rt o hne E inhaltung e in e r Frist unter

gewissen e in zeln fe s tg e le g te n V ora u ssetzu n g e n , w ie sie

bei H yp o th e k e n g e w ä h ru n g e n üblich sind. V on B edeutung

ist, d aß d ie s o fo rtig e Z u rü c k fo rd e ru n g auch dann m ög ­

lich ist, w e n n ohne E in w illig u n g des Reiches erhebliche

bauliche V e rä n d e ru n g e n am

G rundstück vorgenom m en

w e rde n o d e r sich d ie A n g a b e n , d ie b e i S tellung des

A ntrages gem acht w u rd e n , als u n z u tre ffe n d erw eisen

sollten.

Die Verfahrensvorschriften beschränken sich

a u f g ru n d sä tzlich e Bestim m ungen. Das D arlehn w ird

z w a r als R eichsdarlehn g e g e b e n , a b e r im Interesse eines

vereinfachten und

beschleunigten V e rfa h re n s durch die

Länder im N a m e n des Reiches zu g e sagt, so d a ß sich die

V o rla g e d e r A n trä g e an d ie R eichszentralstelle e rü b rig t.

W esentlich ist, d a ß b e i Stellung des Antrages

der N ach w e is des Besitzes des e rfo rd e rlic h e n Eigenkapitals

b e ig e b ra c h t w e rd e n m uß.

D arlehns e rfo lg t erst nach F ertigstellung.

D ie A u sza h lu n g des

Zur D urchführung d e r A k tio n w ird im B e g le ite rla ß eine

Zusammenfassung der Bauvorhaben als

zulässig und s o g a r besonders e m p fe h le n sw e rt b e ­

zeichnet, so d a ß B augenossenschaften usw. als T rä g e r

auftre te n kö n n e n ; a lle rd in g s d a rf nicht e tw a a u f V o rra t

g e b a u t w e rd e n , sondern nur d a n n, w enn fü r d ie E inzelgrundstücke

b ereits d ie A b n e h m e r v o rh a n d e n sind. Daß

d ie V e rg e b u n g d e r A u fträ g e in Schwarzarbeit

ausdrücklich ausgeschlossen sein muß, ergibt, sich

z w a n g lä u fig aus dem e ig e n tlich en Z w eck d e r G e ld h e r-

g a b e, näm lich e in e r m öglichst um fa n g reichen B elebung

des B a u g e w e rb e s. Es w ird Sache d e r m a ß g e b enden

A uß enstellen sein, g e ra d e diesem Punkt b e so nd e re A u f­

m erksam keit zu z u w e n d e n .

D ie A u s z a h lu n g des D arlehns

ist ausdrücklich d a v o n a b h ä n g ig gem acht, d a ß d e r Bau

nicht in S ch w a rza rb e it ausg efü h rt w ird . D er B e g le ite rla ß

b e to n t fe rn e r, d a ß besonders das kle in e re und m ittlere

B a u g e w e rb e berücksichtigt w e rde n muß. Bezüglich der

Einschaltung von freien Architekten gelten

d ie fü r d ie E rw erbslosensiedlung fe stg ele g te n G esichtspunkte.

Aus dem Zw eck d e r A k tio n heraus e rk lä rt sich

auch d ie Bestim mung, daß solche B ew erber in erster Linie

zu berücksichtigen sind, die besonders viel Frem d- und

E ig e n kapita l fü r den Bau nachw eisen k ö n n en; denn je

g rö ß e r dieses K a p ita l in n e rh a lb des festgesetzten zulässigen

H öchstaufw andes ist und je g e rin g e r d e r A n te il

des R eichsbaudarlehns g e halten w e rd e n kann, um so

g rö ß e r w ird d e r N u tz e ffe k t fü r d ie B auw irtschaft sein.

Die so zia le N o tw e n d ig k e it b e sonderer Berücksichtigung

von Schwerkriegsbeschädigten

und Kinderreich en ist selbstverständlich. Für den

Fall eines A nziehens des B aukostenindexes ist die sofo

rtig e Einstellung je d e r w e ite re n F örderung ausdrücklich

vorgesehen.

D ie Lage des Reichsfiskus hat es le id e r nicht m öglich

gem acht, d ie M itte l des Reiches frü h e r als im H aushaltsja

h re 1933 zu r V e rfü g u n g zu stellen. D i e Zahlung

der Reichsdarlehen beginnt daher erst

am 1. Mai 1933 und erstreckt sich in 15 gleichm äß igen

M o n a tsra te n bis in das H aushaltsjahr 1934. D am it die

Bauten bereits je tzt b e g onnen w e rden können, erw eist

sich d a h e r eine Zwischenfinanzierung als n o t­

w e n d ig . N ach den g e p flo g e n e n E rhebungen w ird diese

Z w isch e n fin a n zie ru n g indes keinen erheblichen Schwierig

keite n b e g egnen. A ls Stelle, d ie fü r das Reich d ie

H y p o th e ke n ve rträ g e abschließt und d ie D arlehen ausz

a h lt, ist, ebenso w ie bei d er E rw erbslosensiedlung, die

Deutsche Bau- und B odenbank eingeschaltet. H ierdurch

w ird auch d ie Z w isch enfin a n zie ru n g w esentliche Erleichterungen

e rfa h re n können. D ie Einzelheiten w e rden

zwischen der Deutschen Bau- und B odenbank und den

D arlehnsnehm ern durch V e rträ g e g e re g e lt, w o b e i die

V e rtra g s fo rm u la re fü r d ie E rw erbslosensiedlung m it entsprechenden

Ä n d e ru n g e n als M uster dienen w e rd e n .

Die Lage d e r deutschen B auw irtschaft e rfo rd e rt d rin g e n d

e ine beschleunigte In a n g riffn a h m e des E igenheim baues.

In den meisten Fällen w e rd e n sich a lle rd in g s d ie V e r­

h a n dlungen nicht so beschleunigen lassen, d a ß d ie

Bauten v o r Ende des W in te rs in A n g riff genom m en

w e rd e n können. Um so w ich tig e r ist es, d ie V o ra rb e ite n

zu den Bauten so zu fö rd e rn , d a ß so fo rt m it dem Eintritt

von B auw etter d e r E igenheim bau in a lle n T eilen des

Reiches b e g in n e n kann. Alle Bauten müssen

spätestens bis 1. April 1933 begonnen und

am 31. D e zem ber 1933 fe rtig g e s te llt sein. Som it e r­

g ib t sich dann fü r das F rühjahr 1933 d ie Aussicht, d a ß

d ie A k tio n in V e rb in d u n g m it d e r g e p la nte n Fortsetzung

d e r vorstädtischen K leinsiedlung einem T eil des B aug

e w e rb e s ein gewisses M a ß von B elebung zuführen und

dem E igenheim bau einen w e ite re n k rä ftig e n A u ftrie b

g e b en w ird .

EICHENDORFF UND DIE MARIENBURG

Z u m 7 5 . T o d e s ta g d e s D ich ters a m 2 6 . N o v e m b e r

Seit d e r Ü b e rg a b e an Polen im Ja h re 1457 hatte d ie 19. Ja h rh u n d e rt b e in a he in d e r v ö llig e n N ie d e rle g u n g

M a rie n b u rg , einst das stolze B o llw e rk des Deutschtums d e r Burg v o lle n d e t h ä tte ; und das, o b w o h l d ie

im O sten, d e r S itz d e r H ochm eister vom Deutschen M a rie n b u rg b e i d e r ersten T eilun g Polens im Jahre

O rd e n , ein trostloses S chicksal zu e rle id e n g e h a b t, 1772 w ie d e r deutsch und preußisch g e w o rd e n w a r.

ein S chicksal, das sich um d ie W e n d e vom 18. zum A b e r d ie „ Z o p fz e it" hatte kein V erständnis fü r dieses

939


D enkm al des M itte la lte rs ; ebensow enig hatte es der

Klassizismus des späten 18. Jahrhunderts.

So konnte es

geschehen, daß niem and anderes als D avid G illy den

Plan b e a rb e ite te , d ie Reste des Schlosses n ie d e rzu le g e n

und aus dem gew onnenen A bbru chsm a te ria l M a g a z in e

zu errichten.

Dieser Plan scheiterte ledig lich d a ra n , daß

die K ostenanschläge kein günstiges Bild fü r dieses U nternehmen

e rg a b e n . W ä h re n d noch D avid G illy von Amts

w e gen solche Pläne in M a rie n b u rg selbst v e rfo lg te , saß

sein g e n ia le r Sohn Friedrich in und v o r den Trüm mern

d er Burg und suchte w enigstens durch zeichnerische A u f­

nahm en das A ndenken des Baues zu retten.

Fünf seiner

A ufnahm en dienten als V o rla g e n fü r g ro ß e A q u a tin ta ­

b lä tte r, d ie Friedrich Frick in einem W e rk e über das

„S chloß M a rie n b u rg in P reußen" 1799 h erausgab, und

sie trugen viel dazu bei, das Interesse an d er G o tik neu

zu w ecken, das durch d ie dam als erw achende Rom antik

m ächtig g e fö rd e rt w urde.

Die deutsche Rom antik ist am Rheine entsprossen; d o rt,

angesichts des dam als noch g e w a ltig e n Torsos vom Dom e

zu Köln, g in g schon einem G e o rg Förster der Sinn a u f

fü r die G röß e und Schönheit d er m ittelalterlichen Baukunst.

A b e r erst rund 15 Jahre später e n tw a rf Friedrich

Schlegel als Folge einer im W in te r 1804/05 unternom m enen

Rheinreise die ersten „G ru n d z ü g e der gotischen Baukunst".

In dieser Schrift w eist Schlegel a ußer a u f die

B edeutung d er kirchlichen G o tik auch a u f d ie d e r P ro fa n ­

g o tik hin und erblickt in den Burgen an den U fern des

Rheines g e ra d e zu „e in e Veranlassung, jene kühne, b a u ­

künstlerische Phantasie zu erregen und zu nähren, w elche

d ie gotische Baukunst in allen ihren Epochen ausgezeichnet

h a t".

Bei dieser Einstellung zu r künstlerischen Bedeutung des

m ittelalterlichen P rofanbaues konnte es nicht fe h le n, daß

auch d i e Marienburg endlich das ihr zukommende

Interesse fand.

Bau d er v ö llig e U ntergang erspart.

D am it b lie b diesem

1803 ließ Schenken-

d o rf einen flam m enden A u fru f erscheinen, um d er

w eiteren Z erstörung des Schlosses Einhalt zu tun.

Und

im Jahre d a ra u f b e fa h l eine K a b in e ttso rd e r des Königs

von Preußen, „d a ß fü r die Erhaltung des Schlosses, als

eines so vorzüglichen Denkm als a lte r Baukunst, a lle

S orge g e tra g e n w e rd e n so lle ".

A lle rd in g s ließen es die

b a ld danach einsetzenden K riegsw irren d e r n a p o le o -

nischen Z e it erst 1817 zu r tatsächlichen A u fn a h m e der

W ie d e rh e rste llu n g sa rb e ite n kom m en.

V ie r Jahre später

fin d e n w ir Eichendorff als Regierungs- und Schulrat

in D a n zig , von w o aus er le b h a fte n A n te il an den A r ­

beiten zur W ie d e rh e rs te llu n g d er M a rie n b u rg nahm ,

A rb e ite n , d ie ihm als R om antiker besonders am H erzen

la g e n .

Denn ihm erschien d er W ie d e ra u fb a u g e ra d e zu

als ein Sym bol des Umschwunges, den d ie Rom antik im

V erhältnis d e r G e b ild e te n je n e r T age zum M itte la lte r

und seiner Kunst zu r Folge hatte.

So schreibt Eichend

o rff gelegentlich selbst: „D a s a u g e n fä llig s te Bild dieser

U m w a n dlun g a b e r g ib t d ie G eschichte d e r M a rie n b u rg ,

des H aupthauses des deutschen R itterordens in Preußen.

D ieser m erkw ü rd ig e Bau hatte nicht einm al d ie G e n u g ­

tuung, in m alerische Trüm m er z e rfa lle n zu dürfe n , er

w u rd e m ethodisch . . . verstüm m elt und zu g e rich te t."

D am it spielt E ichendorff, d e r 1844 im am tlichen A u ftra g

eine auch heute noch lesensw erte D enkschrift über „D ie

W ie d e rh e rs te llu n g des Schlosses d e r deutschen O rd e n s ­

ritte r zu M a rie n b u rg " v e rö ffe n tlich te , an a u f d ie Einrichtung

von Weberwerkstätten in der

einstigen M eis te rw o h n u n g :

M an schrieb das Jahr 1785; d a w u rd e , w ie E ichendorff

m eint, dem Schlosse „ d ie härteste B elagerung, die es

jem als e rlitte n . . ., b e re ite t. D er G eist d er Z eit unterw

ühlte und u m zingelte es m it seinen M inen und Approchen

w ie ein M a u lw u rf, im m er näher und enger. W ir

m einen jenes p h ilis te rh a fte U tilitätssystem , das keinen

W a s s e rfa ll d u ld e te , w enn er nicht w enigstens eine Mühle

trie b , das d ie Schönheit nur als einen sehr überflüssigen

Schnörkel d e r sogenannten ö ffe ntlich e n W o h lfa h rt beg

riff und dem a lle r G enius, w e il er sich nicht sofort bei

dem kla p p e rn d e n R äderw erk d e r Staatsm aschine appli-

cierte, ü b e ra ll hinderlich im W e g e stand. Ihm w a r besonders

des H ochm eisters g ro ß e r Remter, d er sich’s noch

im m er herausnahm , a u f seine e ig e n e H and in müßiger

H errlichkeit zu p ra n g e n , schon la n g e ein Ä rg e rn iß gewesen,

und hier fe ie rte es denn auch zunächst seinen

kostbarsten T riu m p h " — so höhnt d e r rom antische Dichter

E ichendorff. W a s ihn zu diesem Ausbruch reizte, w ar

a b e r auch schmählich g e n u g : in des M eisters großem

Remter, e in e r G ip fe lle is tu n g d e r p ro fa n e n G o tik vom

Ende des 14. Jahrhunderts, w u rd e n W ohnung e n und

W e rkstätte n fü r B a u m w o llw e b e r eingerichtet, w o b e i Spitzhacke

und Brecheisen übel genug hausten. Drei Jahre

sp ä ter w a r d ie g a n ze W e b e rh e rrlic h k e it in M arienburg

zu Ende — w as d a vo n b lie b , w a r d ie Verschandelung

des B auw erkes; freilich nur eine m ehr, die der stolze

Bau im Laufe d e r Ja h rh u n d e rte hatte über sich ergehen

lassen müssen. Denn hin te r ihm la g dam als schon eine

la n g e Z e it des V e rfa lls, eine Z e it v o ll dram atischen, geschichtlichen

Geschehens, d ie E ichendorff in seiner Denkschrift

im Sinne e in e r Schicksalstragödie darstellt als

„G rö ß e , Schuld und B uß e" des Deutschen O rdens, dessen

Geschichte er den ersten Teil d e r Schrift w idm et:

V e rh ä ltnism ä ß ig spät, 1280, d .h . rund ein halbes Jahrh

u ndert nach den ersten N ie d e rlassu n g e n des O rdens in

Preußen, w a rd die M a rie n b u rg als Sitz e iner Komturei

g e g rü n d e t und erst 1309 zum Sitze des Hochmeisters

selbst bestim m t. Infolgedessen e rfu h r das Schloß bed

e u te n d e E rw eiterungen und tie fg re ife n d e Änderungen,

B a u a rbeite n , die sich Ja h rze h n te hindurch erstreckten.

Die Remter des Hochmeisters selbst entstanden erst

zwischen 1380 und 1389. Ein M enschenalter später aber

w a r bereits d er G la n z des O rde n s h a lb erloschen: am

15. Juli 1410 e rlitt er durch d ie Polen a u f den G efilden

um T an n e n b e rg jene entsetzliche N ie d e rla g e , die die

O rdensm acht zu vernichten d ro h te . Ja, alles schien verlo

ren , „n u r die Ehre nicht, denn sie w a r durch sechzigtausend

erschlagene Polen b lu tig e rk a u ft" — so endet

E ichendorff seinen dichterisch beschw ingten Bericht über

jene Schlacht, um sich d ann dem H eldenkam pfe der

O berle b e n d e n unter dem S ta tth a lte r Heinrich von Plauen

zu zuw e n den, d er nach dem T ode des Hochmeisters auf

d e r W a h ls ta tt d ie M a rie n b u rg selbst gegen die polnische

M acht hielt, bis des Königs Ja g je l H eer unverrichteter

Sache w ie d e r a b zie h e n m uß te." A b e r der M arschall

von Liefland fo lg te ihm a u f d er Ferse und eroberte alle

Burgen w ie d e r, Preußen w a r fre i, und noch einm al hatte

d e r h e ld e nm ü tig e S ta tth a lte r das deutsche Banner über

dem Lande a u fgerich te t. . . N och im N ovem ber desselben

Jahres w u rd e Plauen einstim m ig zum O rdensm

eister g e w ä h lt. Seine erste S orge . . . w a r die W ie d e r­

herstellung und stärkere B efestigung des Haupthauses,

dessen V o rb u rg sow ie des M eisters Gem ach durch die

B e la g e rung am m eisten g e litte n hatten. . . A llein durch

d ie W ie d e rh e rs te llu n g des H aupthauses und der anderen

Burgen w a r d er O rdensschatz v ö llig erschöpft. So beschloß

er denn kühn, des Lebens G ü te r an das Höchste

zu setzen. Eine w ie d e rh o lte S chatzung, welcher Geist-

(Fortsetzung auf Seite 949)

940


CHEMISCH-PHARMAZEUTISCHE FABRIK

IN DOLNI MECHOLUPY BEI PRAG

Architekt Jaroslav Fragner, Prag / 6 Abbildungen

E rs te r B a u a b s c h n itt . D er linke Baublock bildet einen Teil d es projektierten 5gescho ssig en Hochbaus für Büros und Lab oratorien, d ah inter

d er erste Teil d e s mit S h ed s gedeckten Flachbaus für d ie Fabrikationsräum e. Rechts im Vordergrund W ohn b au mit Pförtnerwohnung. Im H intergrund

Fabrikschornstein mit W a sserh o ch b eh älter

Die chem isch-pharm azeutische F abrik in D olni M ech o lu p y

liegt an d e r P e rip h e rie des G ro ß -P ra g e r Industriegebiets.

Der bisher a u sg efü h rte Teil d e r F abrik b ild e t den ersten

Bauabschnitt eines g ro ß e n Projekts; an ihn sollen sich mit

fortsch re iten d e r P ro d u ktion d e r F abrik re g e lm ä ß ig w e ite re

B aueinheiten anschließen.

Der zu r Z eit erstellte erste B auabschnitt um fa ß t sow ohl

einen Teil d e r F a b rika tio n srä u m e , als auch den ersten

Abschnitt des V e rw a ltu n g s g e b ä u d e s . Den verschiedenen

Zwecken entsprechend Ist auch d ie bauliche A n la g e

dieser b e id e n B a u te ile unterschieden: fü r d ie F a b rika tio n s­

räum e sind g ro ß e e b e n e rd ig e H a lle n m it S heddächern

errichtet, w ä h re n d d ie V e rw a ltu n g , d ie L a b o ra to rie n usw.

in einem v o rlä u fig zw eigeschossigen, sp ä te r fünfgeschossigen

H och b a u u n te rg e b ra c h t sind.

Die F a b rika tio n shalle n bestehen aus Einheiten mit einer

Fläche von 7 ,7 0 ’ 35 m. D ie gegen N o rd e n g e w a n d te n

S heddächer h a b en am First, e tw a 7 m ü b e r dem Fußboden,

ein d u rchla u fe n d es V e n tila tio n s b a n d , d ie g a n z e nördliche

Schräge d e r Sheds ist v e rg la st. Diese eingeschossigen

F ab rika tio n shalle n sind als E isenbetonrahm enkonstruktion

mit e iner B in d e re n tfe rn u n g von 5 m errichtet. Die Rahmen

sind m it „L in d b e to n "-S te in e n a u sg em a u e rt, e in e r A rt

Leichtbeton, d e r in seiner A rt und W ä rm e sch u tzw irkung

etwa unserem deutschen Bim sbeton entspricht. Die in den

F abrika tio n shalle n a u fg e s te llte n M aschinen haben eigene,

von d e r K o n struktio n d e r H a lle u n a b h ä n g ig e F undamente,

w o d u rc h Erschütterungen des G e b ä u d e s v e r­

mieden w e rd e n .

Das V e rw a ltu n g s g e b ä u d e ist e b e n fa lls ein E isenbetonskelettbau

m it e in e r F e ld g rö ß e von 5-7m. D ie Eisenb

e to n p fe ile r des je tzt zw eigeschossigen Baues sind schon

fü r die Belastung d e r vorgesehenen fü n f Geschosse

dim ensioniert.

Im Kellergeschoß dieses H ochbaues, das

w e g e n des hohen G rundw asserspiegels als vo llstä n d ig e

B etonw anne m it a lls e itig e r A sp h a ltiso lie ru n g konstruiert

ist, b e fin de n sich Lagerräum e fü r R ohm aterialien und

C hem ikalien. Die K ellerräum e stehen mit dem Erdgeschoß

durch Lasten- und P ersonenaufzüge in V e r­

b indung. Das Erdgeschoß b e fin d e t sich in gleicher H öhe

m it dem F ab rik h o f; bei seiner A n la g e mußte a u f den

starken W a g e n v e rk e h r Rücksicht genom m en w e rd e n ; aus

diesem G ru n d e w u rd e eine bre ite , überdeckte D urchfa

h rt a n g e o rd n e t, die nach A usführung des G esam t­

p rojekts zw e i Feldbreiten umfassen w ird . Im ersten Bauabschnitt

ist d a vo n nur die eine H ä lfte ausg efü h rt w o r­

den. Um eine m öglichst g ro ß e Lichtmenge in die L a b o ra ­

to rie n und Büros zu leiten, sind die Felder zwischen den

B e to n p feile rn in ih re r ganzen Breite v e rg la s t; zu r S te ig e ­

rung d e r Lichtzufuhr w u rd e an einigen Stellen auch noch

das B rüstungsm auerw erk, das in d e r Regel w ie bei den

F abrikhallen aus „L in d b e to n " besteht, aus G la szie g e ln

hergestellt.

In einem besonderen eingeschossigen N e b e n g e b ä u d e ist

d ie N ie d e rd ru c k d a m p fh e iz u n g s a n la g e fü r das ganze

W e rk m it Kohlenspeicher, G a ra g e n usw. u n tergebracht.

Am gro ß e n Fabrikschornstein b e fin d e t sich ein W a sse r­

h och be h ä lte r, d e r m it Errichtung des zw e ite n Schornsteins

in einem späteren Bauabschnitt noch e rw e ite rt w e rd e n

soll. Das e b e n fa lls im ersten B auabschnitt errichtete

P förtnerhaus an d e r Zugangsstraße e n th ä lt zunächst d re i

W o h n u n g e n und d ie D iensträum e des Pförtners.

D ipl.-Ing. Richard Rothschild, Berlin

941


S c h n itt d u rc h d ie p r o je k t ie r t e G e s a m t a n

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G r u n d r iß d e s E rd g e sc h o s s e s m it L a g e p la n 1 : 6 0 0

942


P r o je k t d e r G e s a m t a n la g e

Chemisch-pharm azeutische Fabrik in Dolni M echolupy bei Prag

W o h n g e b ä u d e

m it F a b r i k e i n ­

g a n g u n d P f ö r t

n e r l o g e


FRAUENBERUFSSCHULE IN BRUNN

Architekten Bohuslav Fuchs und Josef Polasek, Brünn / 10 Abbildungen

D u rch b lick n a c h N O . Links die Frauenberufsschule, rechts das zugehörige Wohnhaus. Der vorkragende Teil im ersten Geschoß der Berufsschule

dient zur Erweiterung der dort gelegenen Klassenräume

Die Frauenberufsschule in Brünn u m faß t Lehrräum e fü r

die verschiedensten Frauenberufe und eine A u sb ild u n g s­

a b teilu ng fü r Fachlehrerinnen an Hauswirtschaftsschulen.

D er Bau lie g t in einem d e r landschaftlich schönsten

A u ß e nbezirke Brünns. Er erstreckt sich in seiner H a u p t­

achse in nord-südlicher Richtung. Das G e b ä u d e u m faß t

v ie r Geschosse. Im Erdgeschoß b e fin d e t sich a u ß e r d er

Z entra lh eizungsa n la g e m it ihren N ebenrä u m en noch eine

Z e n tra lg a rd e ro b e ; diese d ie n t fü r das g a n ze G e b ä u d e

und muß v o r Beginn d e r A rb e it von säm tlichen Schülerinnen

zw a n g s lä u fig passiert w e rd e n . Das erste O b e r­

geschoß e nthält sechs Klassen d e r S chneiderabteilung

und zw e i Lehrm ittelräum e. Im zw eiten O bergeschoß b e ­

finden sich V e rw a ltu n g , D irektorzim m er, K onferenzzim m er,

B ib lioth e k m it großem Lese- und Studierraum , zwei

Klassen, S am m lungszim m er und ein großes Laboratorium

m it besonderem H ö rsaal.

In diesem Geschoß befindet

sich auch d e r Z ug a n g zu d e r einen Stock tie fe r liegenden

T urnhalle, die

durch eine e igene T reppe von der im

z w e ite n O berg e sch o ß gele g en e n T urnhallengärderobe

aus zu g ä ng lich ist. Im dritte n O bergeschoß endlich

liegen d ie säm tlichen W irtsch aftsle h rrä u m e , zw ei große

Küchen m it je einem G roß kochherd und v ie r Lehrboxen,

ein gem einsam er Speisesaal, eine W aschküche, Trocken-

und B ügelraum .

Um d ie a n deren Unterrichtsräum e vo r

D unstbelästigung zu schützen, sind a lle diese W irtschaftslehrräum

e im obersten G eschoß untergebracht. Das von

diesem

G eschoß aus zu g ä n g liche Dach d er Turnhalle

d ie n t zum A u fe n th a lt w ä h re n d d e r Unterrichtspausen.

Interessant ist d ie g ru n d riß liche G estaltung des Klassenelem

ents: d ie einzelnen Unterrichtsklassen bestehen aus

dem eigentlichen Lehrraum und dem A rbeitsraum , die zusammen

eine räum liche Einheit bilden,- sie sind durch

F altw ä n d e v o n e in a n d e r zu trennen. Zu dieser Einheit

e in e r U nterrichtsklasse g e h ö rt auch noch d er eigene

W aschraum , eigenes W C und — bei den Schneiderklassen

— die A n p ro b e k a b in e n . Die einzelnen Klassen

sind u n te re in a n d e r durch Schiebetüren verbunden. Durch

den F ortfa ll des M itte lflu rs ist es m öglich gew orden, alle

Klassen von zw e i g e g e n ü b e rlie g e n d e n Selten zu belichten,

w as bei g a n z tä g ig e m U nterricht nicht zu unterschätzende

V o rte ile bietet. Da sich d e r Lehrbetrieb auch

im w esentlichen stets in derselben Klasse abspielt, macht

sich das Fehlen des sonst üblichen M ittelflu rs auch gar

nicht störend b e m e rkb a r. Einen Ersatz fü r diesen Flur

b ild e t d e r vom T re p p e nhaus zu g ä ngliche offene Balkon,

944


A n s ic h t v o n N o r d e n

Vom vorgezogenen Treppenhaus führen

die als Flur dienenden Balkone an der

ganzen Westseite des Gebäudes entlang.

Auf sie münden die als Arbeitsräume ausgebildeten

Teile der Klassen

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der in a lle n S tockw erken an d e r W e stse ite des g a n zen Längsbalken erreicht. H ierdurch w u rd e es erm öglicht,

S e b ä u d e s e n tla n g lä u ft und d ie e in ze ln e n Klassen er- säm tliche S teig e le itu n g en ohne V e rk rö p fu n g an den

;ch |ieß t Stützen in besonderen Leitungsschächten hochzuführen.

. r . , , - . „ .. , . D l Die Fensterbrüstungen sind m it d e r T ra g e ko nstru ktio n zu-

Der g a n z e Bau ist als E.senbetonske le tt mit d re i Rahmen- jn ßefon und ^ die

gruppen in d e r Langsric ung ers e le uss ei ung ü b rjg e n A u ß e n w ä n d e sind m it H o h lzie g e ln ausgem auert,

/vird durch je z w e i b e id e rse its d e r S tu tze n re ih e la u fe n d e

D iol.-Inq. Richard Rothschild, Berlin

945


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K la s s e . D u rc h b lic k v o m L e h r r a u m z u m A r b e it s r a u m . Zwischen beiden geöffnete Faltwand. Im Arbeitsraum links Tür

zu Waschraum und W C . und Blick in die Anprobekabine. — Die Tafeln im Lehrraum sind gegeneinander ausbalanciert und

lassen sich — durch die einseitige Aufhängung — umlegen und so während des Unterrichts beiderseitig benutzen, so daß, die

darunter liegenden festen Tafeln mitgerechnet, während einer Unterrichtsstunde 6 Tafelflächen ohne Ablöschen zur Verfügung stehen

E in e K ü c h e n b o x e In d e r L e h rk ü c h e

Links Gasherd, darüber hochgelegener

Wasserschwenkhahn; anschließend Arbeitstisch,

darüber Gewürz- und Geräteschrank

(mit Rolljalousiel; unter dem Arbeitstisch

Ausziehplatten zum Gemüseputzen und Handtuchhalter;

anschließend Spültisch mit aufklappbarem

Tropfbrett; unter dem Tropfbrett

Ausgußbecken, über dem Spültisch elektrischer

Heißwasserbereiter; rechts Regale, anschließend

Geschirrschrank (oben! und

Topfschrank (unten)

946


T u r n h a lle

Die Treppe rechts führt zu

der auf der Empore gelegenen

G arderobe. Auf dieser

Empore liegt in der Mitte

noch ein kleines Turnlehrerzimmer.

Die Tür zwischen

Geräteraum und der Treppe

führt zu den Duschen, die

zum Teil unter dem Treppenpodest

liegen

P lä t t r a u m

Die elektrischen Kabel für

die Plätteisen sind an der

Decke aufgehängt, um den

Durchgangsraum nicht zu behindern

Z e n t r a lg a r d e r o b e

im E rd g e s c h o ß

Frauenberufsschule

in Brünn

A rchitekten Bohuslav

Fuchs und Josef Polasek

Brünn

947


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LADENUMBAU IN DER SCHILLSTRASSE IN BERLIN

Architekt: Friedrich Hirz, Berlin / 3 Abbildungen -evel

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Von den vielen

Ladenum bquten d er letzten

Jahre unterscheidet sich dieser durch die

au ß e ro rd e n tlich e S parsam keit d er architek- ,4 ei.

tonischen w ie d e r fin a n z ie lle n M ittel. Er zeigt

a b e r auch, daß es zu g uter künstlerischer , De

W irk u n g keines A u fw a n d s an kostbaren Bau-

sto ffen , sondern nur eines klaren G edankens

b e d a rf, d e r mit den einfachsten M itteln seinen ¡,

besten A usdruck fin d e t.

D er Laden in d e r Schillstraße in Berlin dient

als V erkaufs- und Ausstellungsraum fü r Stahl- ..,¡¡¡¡[1

m öbel. Zu diesem Zw eck w a r es nötig, die Jer

ga n ze T iefe d e s ' Ladens dem Einblick vom .:-e!

Schaufenster zu erschließen; bestehende

W ä n d e g a b e n A n la ß zu reizvolle r räum ­

licher S tufung, b e to n t durch den braunen

S a tin vo rh a n g , d e r auch M öglichkeiten zu

v a ria b le r D e kora tio n b ie te t; im H intergrund

des Ladens ist ein kleiner W aschraum durch

eine B ic e lla -W a n d a b g etre n n t, deren Trans-

p a re n tw irk u n g die Raum tiefe steigert. Der

g a n ze Raum w ird durch einen einzigen

„L u m in a to r", d e r sein Licht gegen die neu ein-

g e zo g e n e N esseldecke strahlt, beleuchtet.

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Die V isitenkarte des Ladens, das große

Firmenschild, besteht aus v ie r in den Fugen

g e b ö rte lte n w eiß en

S tahlblechplatten, deren

Breite sich aus d e r N o rm a lb le ch b re ite ergab,

m it a u f Stielen m ontierten, verchrom ten Kupferrohrbuchstaben,

d ie von oben beleuchtet

w e rde n .

Die Kosten des ganzen Um baues betrugen

nur 1800 RM. R. R.

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E in b lic k v o n d e r S t r a ß e

Foto G. Bienelc, Berlin

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Eichendorff und die M arienburg (F o rtsetzu n g von S e ite 9 4 0 )

liehe, H e rre n und Knechte u n te rla g e n , e rg in g ü b e r das

ganze Land, a lle s S ilb e rg e rä t d e r Burgen und Kirchen

w urde verschm olzen, d ie Landesritter m ußten d ie D a r­

lehen, d ie sie in besseren T a g e n vom O rd e n e rh a lte n ,

unnachsichtlich z u rü ckzahle n . Da a b e r w u rd e es a u f e in ­

mal fu rc h tb a r k la r, d a ß d e r O rd e n sich selbst nicht m ehr

b e g riff; ein Schrei des M ißm uts g in g durch das g a n ze

Land, d ie G e m e in h e it scharte sich ü b e ra ll um ih re Fleischtöpfe.

D er H e ld , d e r in den T agen d e r G e fa h r den

O rden ü b e rw a ch t und g e h a lte n , m ußte sich nun selbst

hinter Schloß und R iegel v o r tückischem V e rra t bew achen

lassen. Er w u rd e a u f einem K a p ite l zu M a rie n b u rg 1413

seiner M e is te rw ü rd e entsetzt und sta rb im Jahre 1429

arm und vergessen in d e r einsam en Burg zu Lochstädt,

ein tragisches V o rb ild d e re r, d ie ü b e r ih re r Z e it stehen.

„K ein M enschenalter s p ä te r, am 6. Juni 1457, zo g e n

polnische Reiter in d ie M a rie n b u rg ein, d ie von den

S öldnerführern des O rd e n s, denen d ie Burg fü r rückständigen

S old v e rp fä n d e t w a r, an Polen v e rk a u ft w u rd e .

Der H ochm eister (Ludw ig von Erlichshausen) a b e r e n t­

floh, b itte rlich w e in e n d , b e i N a ch t a u f einem Fischerkahn

nach K ö n ig s b e rg , das seitdem zum H a u p tsitz e r­

koren w u rd e . M a rie n b u rg sah keinen M eiste r w ie d e r."

Die Z eiten, d ie d a n n bis 1772 fo lg te n , fa ß t E ichendorff

unter d e r Bezeichnung „D ie polnische W irts c h a ft" zu ­

sammen. W ie d ie Burg v e rfie l, w ie sie 1626 fa s t m ühelos

G ustav A d o lf von S chw eden in d ie H ä n d e fie l und

w ie schließlich am 2. Juni 1710 A u g u s t d e r S tarke, K urfürst

von Sachsen und K ö n ig von P olen, in dieser letzteren

Eigenschaft in d ie M a rie n b u rg e in z o g und d o rt bis in

den W in te r h inein H o fla g e r h ie lt — das m ag man in

Eichendorffs le b e n d ig e r D a rste llun g selbst nachlesen. Inzwischen

a b e r w a r das Schloß im m er m ehr v e rfa lle n .

1696 stürzte ein Brückenturm zusam m en, b a ld d a ra u f das

Brückentor, 1735 fie l d ie N o g a tb rü c k e selbst einem Eisgang

zum O p fe r. S eit dem 16. J a h rh u n d e rt hatte sich

auch g e g en g e rin g e A b g a b e n a lle rle i V o lk a u f den

S chloßgründen e in g e n iste t und b a ld sich auch d e r V o r­

burg b e m ä ch tig t und diese „im m e r w e ite r und w e ite r

nach Südost hin m it H öckern, K rä m e rb u d e n , W e in -, Bierund

B ranntw einschenken überschw em m t. . . U nd so w a r

denn nach und nach bis zu r M itte des 18. Jahrhunderts

das g a n ze Schloß von e in e r schachernden G e sin d e lsta d t

um zingelt und um q u a lm t, d e ren e le n d e H äuser die Burg,

nam entlich an d e r N o g a ts e ite , bis w e it ü b e r d ie Fenster

d e r Erdgeschosse hinaus m it dem Schmutze des Lebens

v e rd e c k te n ." Im Innern des Schlosses a b e r trie b e n

w ie d e rh o lt betrügerische S ch a tzg rä b e r ih r Unwesen, 1644

ze rstö rte ein B rand das g a n ze Dach des hohen Schlosses,

das dann sechzig Jahre hindurch schutzlos W in d und

W e tte r p re isg e g e b e n b lie b .

So w a r d er Zustand des

Schlosses zu r Z e it d e r preußischen Besitznahm e tra u rig

g e n u g .

D aß es a b e r auch dann noch über ein M enschena

lte r d a u e rte , bis d e r Z erstörung des Bauw erkes w irk ­

sam e n tge g e n g e tre te n w u rd e , ist schon oben berichtet

w o rd e n .

Im Jahre 1842 aber war die erste W iederherstellung

der Burg, zum Teil unter d er O b e r­

le itu n g Schinkels, beendet und w u rd e als ein w ahres

V olksfest g e fe ie rt. E ichendorff, d e r die zum Bau e in ­

kom m enden G e ld e r von Am ts w e g e n als O b e rp rä s id ia l­

ra t in K ö n ig sb e rg v e rw a lte t h atte, e m p fa n d tie f die

n a tio n a le B edeutung dieser W ie d e rh e rste llu n g sa rb e ite n .

„D a s V o lk — schreibt er — hat in M a rie n b u rg nicht nur

m itge b a u t, sondern auch sich selber d a ra n e rb a u t.

N icht

e tw a b lo ß sogenannte Kenner o d e r v o rw itz ig e Touristen

fü lle n d ie aufgeschlagenen Frem denbücher m it ihren

E xklam ationen. Ein buntes W a llfa h rte n den ganzen

S om m er hindurch fü h rt Preußen, d ie frü h e r nichts v o n ­

e in a n d e r g e w u ß t, aus alle n G e g en d e n des Landes in

den Remtern zusam m en, und z w a r nicht zu jenem fa d e n

S om m ervergnügen, das m it C aroussels, Feuerw erken und

sonstigen G rille n eines verschm itzten Restaurateurs a lljä

h rig la u n e n h a ft d ie M o d e n wechselt. Es ist d ie g e ­

heim nisvolle, id e a le Ü berm acht, d ie d o rt p lö tzlich m itten

aus d e r fu rc h tb a r la n g w e ilig e n Fläche a lltä g lich e n W o h l­

b ehagens g e dankenreich w ie d e r em p o rg e stieg e n .

Es ist

d ie gesunde, k rä ftig e und in ih re r Einfachheit A lle n klare

Schönheit d e r Form en, in w elche das V o lk unbew uß t und

zu innerem Frommen sich a llm ä h lich h in e in le bt. . . . Es

ist endlich d e r deutsche Sinn und

G eist, d e r w ie ein

frischer W a ld h a u c h durch diese S äle w e h t und d ie auf

d ie V o rh u t gestellten Preußen m it ihren Stam mgenossen

im W esten fo rtd a u e rn d ve rb rü d e rt, d ie stete, durch den

g a n zen Bau und seine G eschichte hindurch g e h en d e H inw

eisung a u f das K reuz, unter dem das V o lk schon e in ­

m al fü r K ö n ig und V a te rla n d gestritten und g e sie g t."

D r.-Ing. Leo A d le r, Berlin

WASSERWIRTSCHAFTLICHE ARBEITEN IN HAMBURG

O b e rb a u d ire k to r Dr.-Ing. E. h. Leo, Ham burg / 13 A bbildungen

Von 1921 bis 1931 h a t H a m b u rg e in ig e w a sse rw irtsch a ftliche

A rb e ite n von kulturtechnisch, stä d te b a u lich und

arbeitspolitisch g rö ß e re r B edeutung g e p la n t und ausgeführt.

Sie entsprechen z .T . den durch d ie deutsche

N o t b e d in g te n und heute a n e rka n n te n F ord e ru n g e n nach

v o rü b e rg e h e n d und d a u e rn d w e rts c h a ffe n d e r B eschäftigung

A rb e its lo s e r, nach V o rb e re itu n g la n d w irts c h a ftlic h e r

und S ta d tra n d s ie d lu n g e n , nach E rtrag sste ig e ru n g und

A usnutzung des deutschen Bodens. Das und d e r Z u­

sam m enhang m it den A rb e ite n des S tä d te b aues und der

L andesplanung b e g rü n d e n h ie r ein Eingehen a u f d ie

G ru n d g e d a n k e n d e r w asse rw irtsch a ftlich e n Pläne und

A rb e ite n.

H am burg n ö rd lic h d e r Elbe lie g t im V o rflu tg e b ie t dieses

Stromes und seiner N e b e n flü sse A ls te r und B ille. Die

A b g re n z u n g d e r a u sg e d e h n te n ham burgischen und

preußischen V o rflu tg e b ie te und die Lage d e r nachstehend

b e h a n d e lte n A rb e ite n g e h t aus A b b . 1 hervor.

I. M eliorationen

1. Ent- und Bewässerung der Marsch

zwischen Strom - und Doveelbe (s. A b b . 1 u. 2)

D ie fru ch tb a re n Elbm arschen liegen tie fe r als n o rm a le

E lb flu t; sie w e rd e n vo r ih r und den H ochfluten durch

D eiche geschützt. Ihre Entw ässerung geschah bis in die

z w e ite H ä lfte des vo rig e n Jahrhunderts durch w in d ­

g e trie b e n e S chöpfm ühlen nach holländischem M uster.

Sie reichten bei höheren W a sserständen nicht aus, v e r­

sagten bei W in d s tille und ve rfie le n im letzten D rittel des

v o rig e n Jahrhunderts. N achdem schon in den 80er Jahren

die B illw ä rd e r M arsch zwischen Bille und D o ve e lb e durch

D a m p fp u m p e n entw ässert w o rd e n w a r, entschloß sich

949


Generalsiedlungsqebiet von.

H am burg und Umqaqend

1 U bersichtsp lan rd . 1 : 4 0 0 0 0 0

1. Ent- und Bewässerung der Marsch

2. Schleusengraben und Freimachung

des Lehfeldes

3. Regulierung der Tarpenbeck

4. Alster-Kanalisierung

2 L a g e p la n d e s E n t- u n d B e w ä s s e ru n g s ­

g e b ie te s d e r E lb m a rs c h PI bis P VIII Pumpstationen,

P = Dampf-Pumpstation vom Billwärder

Lohbrugge

Sande*.

Wentorf'

Allermöhe

b Er g e d o r f

Moof-'-rs

warder 'hsenwqLOer

im term t1om~

Reftelnburg

Börnsen

Reitbrook.

Bergedortertch/euse

Heu^j

Börnsen

Escheburg

E n tw ässerp n q stieb iet.

Eritwässerunasaebiet' u h ,

hausen

Hohcrdenh

Seefeld\

Ä fteuengamme

\Curslak,

«n«

■f Atbe'

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is seru n a s a eb ie l

IntwassVuriqsqebiet

Altengamme

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■Selbe

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Rosen wente-

Elbstorf

Drennhausen

V ti

Achter-

rnegenberg

Teufels or

*»bei

Eyt/enbu)

Uhlenbusch

«fc,

S \

Jzolten

\'spieket

Leis

'•’pen

950


Sammelgraben

Unter Denkmalschutz erhaltene

Schöpfmöhle

Goseelbe

3 S c h le u s e n a n lag e und

P u m p s ta tio n Ochsenw

ä r d e r

Reitschleuse

Pumpstation I (Ochsenwärder)

dfadt

B d rg e d o rf

WajJtraujglfich ivischtnMtJeusengraben undOoveZJbe.

Bijhenger Zujtand.

zffadf

Beryedorf

(f+oeorndttung

Trtideldoidi

t/ch/eujengrabon Ib e r/o //*4,20

3§&5.MC

-tfaejje s,b

tfeutr Zustand.

dchematijche Oarjfe//ung der Ooue-£/öe als Lehfe/derjatz..

Umleifut

Bergedorfer ddileuje

AbgeJChhvJte D o w -Obe

Hidirtor IdmMorjtortl

’M ‘ I 'I 'I 'M ' I ‘ I'I'1'1

100 0 S00 7000 m

A. Bisheriger Zustand B. Neuer Zustand

4 H a m b u rg e r M a rs c h g e b ie t rd . 1 : 5 3 0 0 0 (Verbesserung der Wasserhaltung in Dove-Elbe und im Schleusengraben bei Bergedorf)

H am burg 1921 d a z u , das rd. 6000 ha g ro ß e M a rsch g e b ie t

zwischen S trom - und D o v e e lb e (A b b . 2) künstlich zu entwässern

und auch zu bew ässern.

Die A rb e ite n w u rd e n 1921 bis 1926 m it 6,75 M ill. RM

K o ste n a u fw and a u sg e fü h rt. Sie um fassen: ausged e h n te

Sammelgräben z u r A b le itu n g des überschüssigen

W assers in d ie als V o rflu te r d ie n e n d e G o s e e lb e und zu r

Bew ässerung in trocke n e n Z e ite n ; 7 P um pstationen (19 m3

größte secl. Leist.) elektrisch (z .T . autom atisch) b e trie b e n ;

eine Schiffahrtsschleuse am unteren Ende d e r

G oseelbe, d ie d ie E lbhochw ässer von den V o rlä n d e rn

des abgeschleusten E lbarm es fe rn h ä lt, einen fü r das

Pumpen g ü n stigen g le ich m ä ß ig e n W a s s e rsp ie g e l (+ 4 ,5 0 m

H. N.) sichert und d ie S ch iffa h rt verbessert. A b b . 3 z e ig t

einen b e so nders interessanten Punkt: d ie S chleusenanlage

und d ie w ich tig ste , v ie ls e itig e n A u fg a b e n d ie n e n d e Pum p­

station I b e i O c h s e n w ä rd e r (Ent- und Bew ässerung,

W a s s e rre g u lie ru n g d e r abgeschleusten G o s e e lb e usw.).

Die Leistung d e r künstlichen Ent- und B ew ässerung mit

Pumpen g e h t d a ra u s h e rv o r, d a ß in sechs Jahren 145 M illio

n e n m3 W a sser a b g e p u m p t und 29 M illio n e n m3 zug

e p u m p t w u rde n .

N ach Feststellungen des Statistischen Am tes und dem

G utachten eines ersten preußischen S achverständigen hat

sich d ie neue A n la g e durch V erm e id u n g d e r früheren

Ü berschw em m ungen und Erzielung eines günstigen

G rundw asserstandes als stark ertra g ssteigern d erw iesen.

N o rm a le Preis- und W irtsch a ftsla g e vorausgesetzt, w e r­

den d ie jährlichen Zinsen und T ilg u n g sb e trä g e des A n ­

la g e k a p ita ls (tro tz ve rh ä ltn ism ä ß ig g ro ß e r H öhe von

1100 RM je 1 ha) einschl. d er Betriebs- und U n te rh a ltu n g s­

kosten vom W e rt d e r M e h re rträ g e ü b e rtro ffe n . P riva t­

w irtschaftlich — fü r d ie Landw irte — günstig ist d ie N e u ­

a n la g e , w e il d e r W e rt d e r M e h re rträ g e d ie gesetzliche

A b g a b e (30 RM je 1 ha und Jahr) um das M ehrfa ch e

ü b e rste ig t.

Staats- und volksw irtschaftlich e rg ib t sich d e r

V o rte il e in e r gesteigerten S te u e rkra ft d e r B evölkerung,

d ie M ö g lic h k e it e in e r verm ehrten A n sie d lu n g a u f kle i­

neren, m it G em üse h öher kultivie rte n Flächen, sow ie

fe rn e r e ine V e rrin g e ru n g d e r ausländischen Einfuhr.

In

951


Schleusengraben

O berer Arm

Alte Schleuse

K ra p p h o f-S c h le u s e

Dove-Elbe

6 Schem a d e r Entlastung des Schleuseng

ra b e n s b e i H ochw asser

7 a c R e g u lie ru n g d e r T a rp e n b e c k

Lageplan, Längs- und Querschnitte

K l- K t 'r a n / a f f e ,

/? .- R u c k h a lte b e c k e n

KU

¿»X. JH *_____________

Querprofil.

r

A e u

952


den vo rste h e n d e n B eziehungen kann d ie neue A n la g e als

eines u nter v ie le n B eispielen fü r d ie h e u tig e B edeutung

von M e lio ra tio n e n in D eutschland die n e n.

Städtebaulich ist aus vorste h e n d e n A usführungen

der Schluß zu zie h e n , d a ß das b e h a n d e lte G e b ie t a u f

absehbare Z e it d e r Landw irtsch a ft und dem intensiven

G em üsebau zu e rh a lte n ist, und d a ß b e i durch d ie Raumnot

H am burg s e tw a b e d in g te r Inanspruchnahm e von

M arschflächen fü r Industrie - und W o h n s ie d lu n g e n die

w eiter n ö rd lich g e le g e n e n M a rsch g e b ie te von B illw ä rd e r

zwischen D o v e e lb e und U n te rb ille (s. A b b . 2) zu v e r­

wenden sind.

II. W asserwirtschaftlich und städtebaulich bedingte

A rbeiten

2. Verbesserung der Wasserverhältnisse

in S c h I e u s e n g r a b e n und Doveelbe und

Freimachung des Lehfeldes (A b b . 1 und 4— 6)

Bereits im 15. Ja h rh u n d e rt w u rd e d ie O b e rb ille von d er

unteren B ille durch einen K a n a l, den Schleusengraben,

ab g etre n n t und u n m itte lb a r m it d e r D o ve e lb e verb u n d e n .

Die B e rg e d o rfe r Sperrschleuse (A b b . 4 A ) an d e r Einmündung

sicherte den S chleusengraben und d ie benachbarte

Elbm arsch v o r den H och flu ten d e r schleusenfreien

D o ve e lb e ; sie e rla u b te b e i a usgeglichenen W a sse r­

ständen den V e rk e h r nach d e r S ta d t B e rg e d o rf.

W enn das aus d e r O b e rb ille b e i Schneeschmelze und

Regen in den S chleusengraben a b flie ß e n d e H ochwasser

in fo lg e g le ic h z e itig e n H ochw assers in d e r D o ve e lb e in

letztere nicht a b flie ß e n konnte und d a h e r im Schleusengraben

hoch a n stie g , tra te n o ft Brüche d e r b e id e rse itig e n

Deiche und w e ite Ü berschw em m ungen ein. Um 1830

w urde eine E ntlastung

durch Inanspruchnahm e d e r sogenannten

L e h fe ld e r zu r A u fsp e ich e ru n g von H ochw asser

geschaffen.

Seither fa n d das fo lg e n d e interessante W a sserspiel

(s. A b b . 4 A und 5) sta tt:

Ü b e rtritt des von + 4 ,5 0 bis

+ 5,72 H. N . a u fg e la u fe n e n W assers ü b e r einen Ü b e r­

fa ll, den Schw einsrücken, in d ie U n te rb ille ; bei w e ite re m

Ansteigen a u f + 6,21 m Ü b e rla u f ü b e r eine rd . 130 m

lange Deichsenke in d ie L e h fe ld e r, und z w a r zunächst in

das staatliche, so d a nn ü b e r einen Q u e rd e ich in das

B e rg e do rfe r Lehfeld.

In diesen rd. 60 ha g ro ß e n Leh-

feldern konnten bis 1 M ill. m3 H ochw asser aufgesp e ich e rt

w erden.

D adurch g e la n g es, d ie D eichbrüche und die

Ü berschw em m ungen a u f sonstigen Landflächen zu v e r­

hüten.

V or und nach dem K rie g e tra t a b e r im m er stärker das

Bedürfnis nach in te n sive re r V e rw e rtu n g d e r Lehfelder

hervor, so w ie d ie N o tw e n d ig k e it, den bisher gehem m ten

W a sserverkehr von d e r Elbe zum In d u s trie g e b ie t d er

Stadt B e rg e d o rf durch A n la g e e in e r Kam m erschleuse

wesentlich zu verbessern.

Im F ebruar 1929 w u rd e d ie A u sfü h ru n g eines vom

Ingenieurw esen nach u m fa n g re ichen w a sserw irtschaftlichen

Untersuchungen a u fg e s te llte n P rojektes m it einem K ostenbe

tra g von 5,8 M ill. RM g e n e h m ig t.

Es g e h t aus A b b . 4 B

hervor und u m fa ß t: ein e n neuen 70 m b re ite n A rm des

S chleusengrabens; e ine neue Kam m erschleuse — die

K rapphofschleuse — fü r 1000-t-Schiffe an d e r M ü n d u n g

des vorst. A rm e s ; e in e k le in e re Kam m erschleuse in d er

D oveelbe. Letztere e rm ö g lic h t durch F ern h a ltung der

Elbhochw ässer eine intensive G e m ü se ku ltu r d e r V o r­

lä n d e re ie n ; sie und d ie e rw e ite rte n Flächen des Schleusengrabens

so lle n d ie A u fn a h m e eines Teiles des bisher

im B ezirk Lehfe ld a u fg e sp e ich e rte n H ochw assers e rm ö g ­

lichen.

D er W asserausgleich ist w ie fo lg t v o rg e sehen: Ü b e rtritt

des a u f 5,72 H. N . im Schleusengraben a ngestiegenen

Hochwassers (s. oben) über einen neuen, an d e r K am p­

b ille geschaffenen „S ch w e in srü cke n "; bei w eiterem A n ­

steigen ö ffn e n d e r Schosse im Freigerinne neben d e r

neuen K rapphofschleuse und A b la u f in den a b g e ­

schleusten Teil d e r D o v e e lb e ; fa lls dessen Entlastung

n ö tig w ird , A b la u f durch einen neuen G ra b e n in die

abgeschleuste G o seelbe, die durch P um panlage I bei

O chse nw ärd e r (s. oben) w e ite r zu entlasten ist, und

endlich Ü b e rla u f in das staatliche Lehfeld.

W e n n später in fo lg e des w achsenden B edarfs d er s tä d te ­

baulich o d e r landw irtsch a ftlich n u tzbare n Flächen eine

Freim achung auch des staatlichen Lehfeldes n ö tig w e rde n

sollte, so kann d er n ö tig e w e ite re E rsatzspeicherrraum in

d e r U n te rb ille und in dem bei H a m burg m it ih r v e rb u n ­

denen K analnetz nach v o rh e rig e r R egulierung d e r U nterb

ille fü r H ochw asser und S chiffahrt gew o n nen w e rden.

Bisher ist d er neue A rm des Schleusengrabens m it der

ihn gegen d ie D o ve e lb e b e g re n ze n d en gro ß e n Schifffahrtsschleuse,

d e r K rapphofschleuse, a u sg efü h rt (siehe

A b b . 5). Die W irtschaftskrise von 1931 z w a n g zu r Einstellung

d e r w e ite re n A rb e ite n , so d a ß bisher nur die

V erbesserung des Schiffahrtsw eges w irksam w u rd e , w ä h ­

rend d ie Freim achung des B e rg e d o rfe r Lehfeldes fü r

intensive landw irtschaftliche N u tzu n g und sonstige Zwecke

noch nicht e rfo lg e n konnte.

3. Regulierung der Tarpenbeck (A b b . 1 und

A b b . 7 a — c).

D ie T arpenbeck (A b b . a), ein d er nordw estlichen G renze

zwischen H a m burg und Preußen fo lg e n d e r N ebenba ch

d er A lster, b ild e t den V o rflu te r fü r d ie beiderseits angre

n ze n d e n Ländereien. Bei Regengüssen und Schneeschmelze

w u rden d ie a n g re n ze n d en tie flie g e n d e n Ländereien

stets überschw em m t und in ih re r la n d w irtsch a ftlichen

A usnutzung schwer b e n a ch te ilig t. Eine diese

Schäden ve rm e id e n d e R egulierung d er T arpenbeck als

V o rb e d in g u n g fü r eine M e lio ra tio n des zum T eil ve r­

sum pften Landes w u rd e in d er N a ch krieg sze it im m er

d rin g e n d e r g e fo rd e rt. M it d e r A usdehnung d e r Beb

a u ung des nördlichen G ebiets n äherte sich fe rn e r d er

Z e itp u n kt fü r eine d u rch g re ifen d e Besielung (K analisation).

Das g ilt insbesondere fü r das nördliche G e b ie t H am burgs

(G roß -B orstel, Fuhlsbüttel, Langenhorn). A u f preußischem

G e b ie t w a r d ie M ö g lic h k e it e iner A usdehnung d e r Besielung

durch d ie von einem preußischen Entwässerungsv

e rb a n d geschaffene K lä ra n la g e m it in te rm ittie re n d e r

B o d e n filtra tio n bereits g e g eben (s. A b b . 7). Aus w irtschaftlichen

G ründen kam fü r d ie Besielung des n ö rd ­

lichen H a m b u rg e r G e b ie ts nur eine T re n n ka nalisatio n

m it A b fü h ru n g d e r Regenwässer in die entsprechend zu

e rw e ite rn d e T arpenbeck und ihre N e b e n bä ch e (Rackm

oo r-, D iekm oor- und B ornbach), sow ie eine A b le itu n g

d e r Schm utzwässer in einem besonderen K a n a ln e tz und

ih re R einigung in e iner z e n tra le n K lä ra n la g e an d er

T arp e n beck in Betracht.

Es w a re n h ie r also sow ohl landw irtsch a ftlich e w ie stä d te ­

b auliche G esichtspunkte, die zur R egulierung d er T a rp e n ­

beck d rä n g te n .

N ach la n g e n V e rh a n d lu n g e n schloß im Jahre 1930 H am ­

b u rg einen V e rtra g m it einem n e u g e b ild e te n preußischen

Z w e ckve rb a n d unter Zustim m ung d e r preußischen R egierung

ü b e r d ie R egulierung d e r T arpenbeck zunächst a u f

e in e r rd . 9 km la n g e n Strecke. Die veranschlagten

kosten von 631 000 RM w u rd e n — nach A b z u g eines a lle in

a u f H a m b u rg e n tfa lle n d e n Betrages von 46 000 RM —

953


unter Berücksichtigung der G röß en des b e id e rse itig b e ­

te ilig te n landw irtschaftlichen G eländes (zusammen rd.

3000 ha) und des G rades d er zu e rw a rte n d e n stä d te b a u ­

lichen Entw icklung a u f zusammen rd. 2100 ha G e lä n de s

zu 67 v. H. von H am bu rg , zu 33 v. H. vom preußischen

Z w eckverband übernom m en. Beide Parteien verpflichteten

sich, d er T arpenbeck in Z uku n ft nur e in w a n d fre i g e klä rte

Schm utzwässer zuzuführen, einzelne H a u sklä ra n la g e n

nicht m ehr zuzulassen sow ie eine gem einsam zu e r­

bauende und b e tre ib e n d e K lä ra n la g e fü r die Z uku n ft in

Betracht zu ziehen.

D er ve re in b a rte R egulierungsplan bezw eckt eine fü r Landw

irtschaft und B ebauung n ö tig e Senkung des M itte l- und

Hochw asserspiegels im Tarpenbeck (s. A b b . 7 b) sow ie

eine E rw eiterung seines Fassungsraumes (s. A b b . 7 c) zur

A ufnahm e d er mit d er Zunahm e d er M e lio ra tio n e n und

d er Bebauung wesentlich sich steigernden A b flu ß ­

m engen. Dieses Z iel ist durch G e ra d e le g u n g und d a ­

mit V erkürzung und G e fä lls te ig e ru n g des Bachlaufes

sow ie durch eine wesentliche V e rg rö ß e ru n g d er Q u e r­

schnitte v e rfo lg t. Um an Kosten zu sparen und sich

d er voraussichtlich nur langsam fortschreitenden b a u ­

lichen Entwicklung anzupassen, w u rd e zunächst eine nur

40 v. H. A usnutzung d e r B auflächen durch Bebauung

angenom m en und eine dem entsprechend ve rrin g e rte

A b flu ß m e n g e den Berechnungen des neuen Bachlaufes

zu g ru n d e g elegt.

Bei Eintritt e iner noch w e ite re n Bebauung

ist fü r später vorgesehen, g rö ß e re n S peicherraum

fü r verm ehrte A b flu ß m e n g e n durch a n z u le gende

Rückhaltebecken zu schaffen. Z u r Einschränkung des

W a sse ra n g riffs in fo lg e des starken G e fä lle s ist die Bachsohle

stufenförm ig a u sg efü h rt; S om m erw ehre ve rh in d e rn

ein T rockenlaufen in w asserarm en Zeiten.

Die A rb e ite n sind unter O b e rw in d u n g m ancher S chw ierigkeiten

(D urchbrüche bei H ochwasser usw. w ährend des

Baues) fe rtig g e s te llt.

D a b e i sind rd. 33 000 Tagewerke

d a ru n te r 26 000 von Erw erbslosen, geleistet; das Reich

trug dem gem äß zu den Kosten teils als G rundförderung,

teils als D arlehn fü r ve rstärkte Förderung mehr als ein

D rittel bei. Eine Fortsetzung d e r Regulierung nach

N o rd e n ist d e r Z uku n ft V orbehalten.

Die Trasse des neuen Bachlaufes ist so gew ählt, daß die

beiderseits abgeschnittenen G rundstücksteile sich ann

ä hernd ausgleichen und ein fü r d ie Bewirtschaftung

g ünstiger Flächenaustausch m öglich ist. Die neue Landesg

re n ze soll in d e r M itte des neuen Bachlaufes liegen. Die

fo rm e lle G ren z b e ric h tig u n g ist fü r später Vorbehalten.

Die a usgeführte A rb e it erw eist sich schon heute durch die

S enkung d e r M itte l- und H ochw asserspiegel, Vermeidung

de r frühere n Ü berschw em m ungen und Erzielung niedrig

e re r G rundw a sse rstä n d e als günstig fü r die Landw irtschaft.

D ie fin a n z ie lle Belastung der landwirtschaftlich

g enutzten Flächen des preußischen Zw eckverbandes liegt

zwischen 400 bis 500 RM je 1 ha und w ird durch die

M e h re rträ g e gedeckt.

Die Senkung des W asserspiegels d e r Tarpenbeck hat eine

A u fh e b u n g d e r Entw ässerungspum pe a u f dem Flughafen,

eine g ünstigere Entwässerung fü r die neu im Bau befindlichen

S ta d tran d sie d lu n g en und eine v o rte ilh a fte Ausd

ehnung d e r landw irtschaftlichen M e lio ra tio n durch Senkung

d e r o b e n a n g e g e b e n e n N e benbäche ermöglicht.

W ie aus V orstehendem h e rvo rg e ht, hande lt es sich bei

d e r R egulierung d e r T arpenbeck um eine heute la n d w irtschaftlich

und in fe rn e re r Z uku n ft städtebaulich bedeutsame

A rb e it; sie b ild e t eine n o tw e n d ig e G run d la g e für

d ie ham burgisch-preußische Landesplanung, die mit

G rünzü g e n und B ebauung sich d er neuen A n la g e anpassen

w ird .

(Schluß folgt)

TECHNISCHE FORTSCHRITTE

Eine neue selbsttätige Einstellung für Aufzüge zuges sich nicht b ü n d ig m it dem G eschoßfußboden ein-

S ow ohl an Personen- w ie an Lastenaufzügen macht m an stellt und d a ß es d ann w ie d e rh o lte r Steuerungshand-

o ft die w e n ig erfreuliche B eobachtung, daß an den ein-

9 r‘ffe des F ahrstuhlführers am H ebel o d e r Seil bedarf,

zelnen Stockw erkshaltestellen die F ahrbühne des A u f- um diese B ündigstellung herb e izu fü h re n . Die nichtbündige

Einstellung ist natürlich ein offensichtlicher M angel der

A u fz u g s a n la g e , d e r bei P ersonenaufzügen leicht zu Unfä

lle n fü h re n kann, je d e n fa lls a b e r d ie g la tte Abw icklung

des V erkehrs beim Ein- und Aussteigen beeinträchtigt

(„A chtu n g , S tu fe !").

Auch beim Lastenaufzug behindert

d ie N ich tb ü n d ig e in s te llu n g den störungsfreien Betrieb beim

Ein- und A u sb rin g en d e r Last m it o d e r ohne Karren. An

1 (oben) Feinsteuergerät

2 (rechts) Drehzahlgeber angebaut an

Doppelnutaufzugmotor

3 (unten) Bündigschalter

954


W as das b ish e rig e S tie fkin d d e r E lektrizitä tsw irtsch a ft,

den Elektroherd, a n b e la n g t, so ste llt sich heute b e i­

spielsweise d e r V e rb ra u c h b e i dem B e rlin e r K ochstrom ­

preis von 8 Pf. und e in e m S tro m ve rb ra u ch von 3,3 K ilo ­

w att je T a g , w ie e r sich e rfa h ru n g s g e m ä ß b e i e in e r v ie r­

köpfigen F am ilie e rg e b e n hat, a u f n ur u n g e fä h r 8 RM

m onatlich. H ie rb e i m uß b e to n t w e rd e n , d a ß b e i d e r Behandlung

des E le ktro h erd e s o ft in so fe rn g e s ü n d ig t w ird ,

als d ie S p e ich e rw ä rm e d e r K o ch p la tte n nicht richtig a u s­

genützt w ird , d. h. es e rfo lg t d ie A usschaltung d e r Koch-

einen o rd n u n g s m ä ß ig fu n k tio n ie re n d e n A u fz u g d a rf m an p la tte n erst dann, w enn man das b e tre ffe n d e K ochgerät

aber b e re ch tig te rm a ß e n w o h l d ie F o rd e ru n g stellen, d a ß entfern t, w o b e i recht erhebliche W ä rm e m e ngen fü r den

er an |e d e r S tockw erkshaltestelle sich b ü n d ig m it dem e igentlichen Kochzw eck ve rlore n g e he n Den E inw and

G eschoß fußboden einstellt.

d ie Elektroküche sei zu kalt, brauche ich hier w o h l nicht

M it den bisher üblichen A n trie b sm itte ln ist diese B ü n d ig ­ ausführlich zu w id e rle g e n . Für Kleinstküchen und Kochnischen

einstellung nicht u n ter a lle n U m ständen zu erreichen, w e il

der Brem sw eg so w o h l von d e r je w e ilig e n B elastung des

Fahrkorbes, w ie von dem Z ustand d e r Bremse a b h ä n g ig

tr ifft dieser E inw and dem G asherd g e g e n ü b e r

kaum zu, und bei g rö ß e re n Küchen w ird dieser a n g e b ­

liche N a ch te il, d e r sich ja durch eine Z usatzheizung b e ­

ist. Um diese B ü n d ig e in ste llu n g a b e r u nter a lle n Um ­ heben läßt, dadurch a u fg e w o g e n , daß er sich w ä h re n d

ständen m it S icherheit zu erreichen, w u rd e n e uerdings

eine so g e nannte „S e lb s ttä tig e F eineinstellung fü r A u f­

züge" entw ickelt, durch w elche d ie A u fz u g s k a b in e kurz v o r

jeder S to ckw erkshaltestelle m it v e rrin g e rte r G e sch w in d ig ­

keit in d ie B ü n d ig la g e e in fä h rt, w o d u rc h diese in jedem

Fall mit a b s o lu te r S icherheit und Z uve rlä ssig ke it g e w ä h r­

leistet ist. Diese Feineinstellung fü r A u fz ü g e e rz ie lt die

verringerte E in fa h rg e s c h w in d ig k e it ohne V e rw e n d u n g

eines H ilfsm otors durch den v o rh a n d e n e n H a u p tm o to r

mit d e r gleichen A u fzugsm aschine, w ie sie auch bei

A ufzügen o hne Feineinstellung b e n u tz t w ird . A u ß e r den

norm alen S te u e rg e rä ten fü r d ie U m kehrung d e r U m la u f­

richtung des M o to rs , fü r das A nlassen und selbsttätige

Stillsetzen des M o to rs sind le d ig lic h fo lg e n d e Zusatzapparate

e rfo rd e rlic h :

1. Die Feinsteuerung, bestehend aus dem Feinsteuerg

e rä t (Bild 1) und dem D re h z a h lg e b e r (Bild 2);

2. der B ündigschalter (Bild 3) m it je e in e r einfachen A b -

lenkschiene an je d e r S tockw erkshaltestelle.

Die F eineinstellung ist so w o h l b e i A u fz ü g e n m it D ruckknopfsteuerung

w ie b e i A u fz ü g e n m it H ebelsteuerung

anw e n dbar. (Text: O b e rin g . Förster, Füßen, Bay.)

H e rste ller: A llg e m e in e E lektrizitätsgesellschaft (AEG),

Berlin N W 40

Vierplattenherd mit untergebauter Bratröhre und angebautem

Kohleteil (kombinierter Herd)

Neue elektrische H erde

W enn auch d ie Küche lä n g st a u fg e h ö rt hat, vom entw

erfenden A rch ite kten ve rn a ch lä ssig t zu w e rd e n , so

kümmern sich d a g e g e n heute noch d ie B aufachkreise viel

zu w e n ig um d ie A u s w a h l d e r richtigen E nerg ie fo rm fü r

H aushaltzw ecke. Es w ä re sonst kaum m öglich, d a ß das

m ietende P ublikum m it den V e rm iete rn re g e lm ä ß ig , sog

ar bei N e u b a u te n , einen „K a m p f um d ie S teckdose"

führen muß. Bei d e r n a c h trä g lichen In s ta lla tio n e rg e b e n

sich dann aus E rsp a rn isg rü n den und aus dem W id e r­

streben heraus, d ie A n la g e beim W e g z u g dem H a u sw irt

unentgeltlich zu überlassen, schw ere M ä n g e l d e r A u s­

führung. W ie w e it a lle rd in g s auch d ie deutschen Elektrizitätsw

e rke durch u n zw e ckm ä ß ig e M e th o d e n bei d er

Berechnung d e r Z ä h le rm ie te an die se r E ntw icklung mit

Schuld sind, soll nicht untersucht w e rd e n : Es b le ib t nur

zu h o ffe n , d a ß sich h ie r b a ld d ie bessere Einsicht Bahn

brechen w ird , in sb e so nd e re b e i d e r A u fte ilu n g von G ro ß ­

w ohnungen, b e i d e r E inrichtung von E inzelräum en mit

Kochnischen o d e r Kochschränken und b e i d e r Planung

von K leinstsiedlungen.

Zweiplatten-Tischherd

4 #

Von links nach rechts: Normenkochplatte 18 cm Dm mit aufgeschnittenem

Gußdeckel — Leerer Gußdeckel — Heizspirale mit

keramischen Perlen — Untere keramische Abstützplatte

d e r S om m erm onate g e ra d e bei G roß küchen in einen

nicht zu unterschätzenden V o rte il v e rw a n d e lt. D azu

kom m t d ann bekanntlich noch d e r w e ite re d e r u n ü be r­

tro ffe n e n S a u b e rke it und d e r noch g rö ß e re , d a ß d e r

E lektro h erd beim Kochen fa st keiner B eaufsichtigung

b e d a rf.

Ein gebräuchliches A rg u m e n t gegen den E lektroherd b e ­

steht in d e r B e hauptung, daß d ie Kochplatten nicht

re p a ra tu rfä h ig seien. D ieser Zustand ist längst ü b e r­

w u n d e n.

Die sogenannten M assekochplatten hatten den

955


N a ch te il, d a ß im Falle ih rer U n b ra u ch b a rke it d ie ganze

Platte ersetzt w e rde n mußte. Die hier a b g e b ild e te Kochp

la tte ist v ö llig in ihre E inzelteile z e rle g b a r, so daß nur

d er schadhaft g e w o rd e n e T eil ersetzt w e rden muß. Ein

w e ite re r V o rte il dieser Platte besteht d a rin , daß d ie H e izs

pirale nicht w ie sonst in Scham otte g e b e tte t ist, d ie stark

hyroskopisch w irk t und d a h e r zu S törungen V eranlassung

g a b . Die äußerst harten keram ischen Perlen saugen im

G egen sa tz zu Scham otte keinerlei Feuchtigkeit an, w o ­

durch d ie Lebensfähigkeit d e r H e izsp ira le wesentlich e r­

höht w ird . (Text: A rch ite kt A lb e rt G ericke, Berlin)

H e rste ller: Erich & G ra e tz A . G ., Berlin SO 36

Eine selbstdichtende Kupplung

Gezeigt auf der Leipziger Baumesse

M-Tei

V-Teil

Die neue Stahlholztür

Gezeigt auf der Leipziger Baumesse

Diese V erbesserung ist als K la p p -, Schiebe- und Pendeltü

r mit und ohne V erglasung, vorzugsw eise g la ttw a n d ig ,

auch m it Füllungen, fü r a lle w ohnhausähnlichen Bauten

v e rw e n d b a r. Im P rinzip ist sie eine S p e rrh o lztü r, d ie a llseitig

mit einem Stahlm antel e in g e fa ß t ist. D ieser ist mit

dem S perrholzkern nach einem besonderen V e rfa hre n

unter hohem hydraulischen Druck unlöslich verb u n d e n .

Höchstm aße: E inflügl. Tür, H öhe 2,3 m, Breite 1,15 m.

Z w e iflü g l. Tür, H öhe 2,3 m, B reite 2,3 m. Schlösser und

Beschläge nach W unsch. Vorzüge: H ohe Festigkeit,

U nve rziehbarkeit, Schall- und W ärm eschutz, Feuerhemmung

usw.

H ersteller: Deutsche M e ta lltü re n w e rke , A ugust Schw arze

A . G ., Brackw ede i. W .

Diese K upplu n g (D. R. P.) ist u n b e d in g t zuverlässig, W e rkzeuge

und A npressung sind überflüssig gew orden. Ein

im M -T eil lie g e n d e r G u m m irin g w ird beim Einschieben

des V-Teils in die Tasche des M -Teils leicht zurückgedrückt.

D er im B etrieb a u ftre te n d e Innendruck preßt

den G u m m irin g in den kleinen Zwischenraum vom M-

und V-Teil. Je g rö ß e r d er Druck, desto stärker die

Dichtung.

H e rste ller: J. H. M ichaelis & Co., K.-G., Berlin W 15

Eine neue T o rfo tektplatte

G ezeigt auf der Leipziger Baumesse

Lötloser Rohrverbinder

Gezeigt auf der Leipziger Baumesse

Dieser R ohrverbinder mit dem S chlüpfring ist fü r jede

R ohrart und fü r jeden V erw endungszw eck. O h n e S onderw

e rkzeu g e geht die M o n ta g e rasch vonstatten. In allen

Fällen ist d ie D ichtung a b so lu t e in w a n d fre i, gegen G as,

gegen Flüssigkeiten und bei Rohren m it g rö ß e re n T o le ­

ranzen im A ußendurchm esser und u n ebener O b e rflä ch e .

Zum Einklemmen des Rohres d ie n t ein zylindrischer

S chlüpfring, d er beim A n zie h e n d er Ü b e rw u rfm u tte r in

den Konus des V e rb in d ers schlüpft und d a b e i um so

m ehr im Durchmesser zusam m engeschnürt w ird , je stärker

d ie Ü b e rw urfm utte r a n g e zo g e n w ird . In fo lg e d e r Federw

irku n g des S chlüpfringes e rfo lg t kein U ndichtw erden,

auch bei Erschütterungen. A u sfü h ru n g : M essing (b la n k ­

g e d re h t b zw . gegossen).

H e rste ller: M e ta llw e rk e Z ö b litz A .-G ., Z ö b litz i. E rzgeb.

T o rfo te k t ist eine feuerhem m ende Leichtbauplatte ohne

H o lz le iste n a rm ie ru n g aus la n g fase rig e m H olzstoff, die

m it hydraulischen B indem itteln ohne C hlorm agnesium oder

C h lo rv e rb in d u n g e n g e b un d e n ist. W e d e r M eta lle noch

sonstige B austoffe w e rd e n vom B indem ittel angegriffen.

D ie P la tte n g rö ß e ist 2,0 X 0,5 m = 1 m2; die bisherigen

S tä rke n: 2y2, 3V2, 5, l'/ i, 10 und 121/2 cm -

N un kommt

als N e u e ru n g eine Platte von l ' / j cm Stärke auf den

M a rk t. Ein g roß es Anwendungsgebiet solcher

Platten in i y 2 und 2y2 cm Stärke ist d ie unterseitige V erkle

id u n g von Balkendecken an Stelle d er sonst üblichen

H olzschalung und Rohrung.

H e rste lle r: E duard D yckerhoff, Poggenhagen

Holzstahl

Gezeigt auf der Leipziger Baumesse

Für Türen und Einrichtungen ist hier ein v ö llig neuer Stoff

a u f dem B aum arkt erschienen.

Durch das „H o lz s ta h l"-

ve rfa h re n w ird d e r Stahl m it e in e r H o lzh a u t überzogen;

a u f diese W e is e w ird d ie Festigkeit des Stahls mit der

A n n e h m lich keit des H olzes ve rb u n d e n .

ist m it vo rzü g lich e m ä u ß eren Eindruck vereint.

Feuersicherheit

H e rste lle r: E. O . H a b e rfe ld , Berlin C 25

956

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