Hünenburg - Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg Stiftung
Hünenburg - Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg Stiftung
Hünenburg - Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg Stiftung
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong><br />
<br />
Hünenburg<br />
Ev.-luth. <strong>Stiftung</strong> Hünenburg<br />
Melle - Riemsloh<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
Neues von Unterwegs<br />
Von uns – mit uns – über uns<br />
Ausgabe No. 16 ● Sommer 2010
Editorial 3<br />
Superintendent Wolfgang Loos<br />
Seid mutig <strong>und</strong> stark! 4<br />
Ehrenamtlichentag 2010 in Hannover<br />
„Bitte (nicht) lächeln!“ 5<br />
Fotoaktion am Sonnenblick Nicolé Adämmer<br />
Ein Konzept, dass nicht hart genug ist? 7<br />
Zur Anwendbarkeit der „Gewaltfreien Kommunikation“<br />
in der <strong>Jugendhilfe</strong> Gisela Metka<br />
„Mir wird etwas zugetraut!“ 10<br />
Arbeiten in der Jugendwerkstatt Reinhard Kortus<br />
& Sebastian Ahrens<br />
Impressum<br />
Herausgeber:<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg<br />
Ev.-luth. <strong>Stiftung</strong> Hünenburg<br />
Die Kita Identität Björn Süfke 13<br />
Inhalt<br />
Seite 1<br />
Redaktion & Layout: Thomas Brodhuhn<br />
Fotos im Heft:<br />
Nicolé Adämmer, Anne Behrendt,<br />
Thomas Brodhuhn, privat, Ralf Propach,<br />
Brigitte Niggemann-Schipper, Christian<br />
Vakonic<br />
Fotos Inhaltsverzeichnis:<br />
Diastreifen: © SSilver - Fotolia.com<br />
Werkstatt: © Uwe Bumann - Fotolia.com<br />
Justiz: © nicolas souyris - Fotolia.com<br />
Studium: © zimmytws - Fotolia.com<br />
Burglogo: Heiko Heise-Grunwald<br />
Fotos Front:<br />
Werkstattleiter Michael Ziegler (Mitte) mit<br />
zwei Zivildienstleistenden/Die FWG Janke<br />
auf Mallorca/Mitarbeiter der Ferdinand<br />
Rohde-Schule<br />
Druck:<br />
Gemeindebriefdruckerei<br />
Martin-Luther-Weg 1<br />
29393 Groß Oesingen<br />
Nr. 16 Juli 2010<br />
© Hünenburg 2010<br />
Spendenkonto:<br />
Sparkasse Melle<br />
Kto.-Nr. 501 197<br />
BLZ 265 522 86<br />
<strong>Kinder</strong>, wie die Zeit vergeht… 16<br />
Impressionen aus der Ferdinand Rohde-Schule<br />
„Was können wir besser machen?“ 18<br />
Qualitätssicherung <strong>und</strong> Evaluation Christian Vakonic<br />
Zur (notwendigen) Kooperation<br />
von <strong>Jugendhilfe</strong> <strong>und</strong> Justiz 22<br />
Spannungen zwischen Wahrheit <strong>und</strong> Wirklichkeit<br />
Thomas Brodhuhn<br />
Neue Küche für die<br />
<strong>Kinder</strong>krippe Hünenburg 26<br />
F<strong>und</strong>stücke aus der Zeitung<br />
Wie der Frosch in der Milch? 27<br />
Das Einführungsheft der Hünenburg Christian Vakonic<br />
Studieren an der Saxion 29<br />
Berufsbegleitendes Studium an der Hochschule<br />
Enschede Nicolé Adämmer<br />
Landeskirche <strong>und</strong> Diakonie<br />
bitten um Vergebung 33<br />
Zur Situation in Heimen der Jugendfürsorge<br />
in den 50er <strong>und</strong> 60er Jahren<br />
Neue Gesichter stellen sich vor 35<br />
Sonst noch was? 38<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Inhalt<br />
5<br />
„Bitte (nicht) lächeln!“<br />
Fotos als Fenster zur Seele<br />
Fotoaktion am Sonnenblick<br />
„Mir wird<br />
etwas zugetraut!“<br />
Arbeiten in<br />
der Jugendwerkstatt<br />
10<br />
22<br />
Zur (notwendigen)<br />
Kooperation von<br />
<strong>Jugendhilfe</strong> <strong>und</strong> Justiz<br />
Spannungen zwischen<br />
Wahrheit <strong>und</strong> Wirklichkeit<br />
Studieren an der Saxion<br />
Berufsbegleitendes Studium<br />
an der Hochschule Enschede<br />
29
Liebe Leserin,<br />
lieber Leser des R<strong>und</strong>briefes,<br />
die 150 Jahre alte <strong>Stiftung</strong> Hünenburg in Melle war<br />
in den vergangenen Monaten in vieler M<strong>und</strong>e. Aus<br />
ernstem Gr<strong>und</strong>. Der Vorstand musste sich vom Geschäftsführer<br />
<strong>und</strong> weiteren Mitarbeitern wegen<br />
nachgewiesener, erheblicher Veruntreuungen trennen.<br />
Die Unterschlagung war eine schockierende Enttäuschung<br />
für die übrigen Mitarbeitenden, die sich mit<br />
Herzblut, verlässlicher <strong>und</strong> pädagogischer Kompetenz<br />
ihren Aufgaben in der Einrichtung widmen.<br />
Viele über Jahrzehnte.<br />
Für den ehrenamtlichen Vorstand, der für die gr<strong>und</strong>sätzliche Ausrichtung <strong>und</strong> die<br />
Aufsicht der <strong>Stiftung</strong>sarbeit verantwortlich ist, waren die erheblichen Pflichtverletzungen<br />
gr<strong>und</strong>legende, erschreckende Vertrauensbrüche.<br />
Seite 3<br />
Krisenzeiten drängen auf Entscheidungen. Selbstverständlich hat der Vorstand die<br />
nötigen arbeits- <strong>und</strong> strafrechtlichen Prozesse eingeleitet <strong>und</strong> geführt.<br />
Wir haben aber auch nach intensiven Prüfungen <strong>und</strong> sorgfältigen Beratungen entschieden,<br />
mit den vorhandenen Ressourcen an Kompetenz <strong>und</strong> Erfahrung, an Vertrauen<br />
<strong>und</strong> Motivation die Hünenburg in eine neue Zukunft zu führen. Die hohe<br />
Identifizierung der Mitarbeitenden mit dem diakonischen Auftrag der <strong>Stiftung</strong> hat<br />
uns in dieser Entscheidung bestärkt. Parallel dazu sind der Personal- <strong>und</strong> Wirtschaftsführung<br />
die Kontrollsysteme neu aufgestellt worden.<br />
Soweit es die Leitung der <strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg betrifft, hat der<br />
Vorstand mit großer Zustimmung der Mitarbeitenden zum 1. Juni 2010 den Diplom-<br />
Pädagogen Thomas Brodhuhn, der bisher als Gruppen- <strong>und</strong> Fachbereichsleiter<br />
in der Einrichtung tätig war, zum Geschäftsführer ernannt. Stellvertreter ist Herr<br />
Christian Vakonic.<br />
Der Vorstand ist überzeugt, dass unter den neuen Rahmenbedingungen neues<br />
Vertrauen wachsen wird. So werden wir die traditionelle, angesehene <strong>und</strong> bewährte<br />
Ev.-luth. <strong>Stiftung</strong> Hünenburg zukunftsorientiert fortführen.<br />
Superintendent Wolfgang Loos<br />
Vorsitzender der Ev.-luth. <strong>Stiftung</strong> Hünenburg<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
großen Fragen unserer Zeit?“) wird ein<br />
umfangreicher Markt der Möglichkeiten<br />
in Halle 9 im Convention Center<br />
<strong>und</strong> auf dem Freigelände entstehen, auf<br />
dem sich unter dem Motto „Galerie der<br />
guten Praxis von Bildung“ gelungene<br />
Projekte, kirchliche <strong>und</strong> diakonische<br />
Einrichtungen, Intiativen <strong>und</strong> Unternehmen<br />
im Umfeld der Kirche präsentieren.<br />
EHRENAMTLICHENTAG<br />
am 04. September 2010<br />
Joachim Gauck wird den Hauptvortrag<br />
beim „Ehrenamtlichentag 2010“ der<br />
hannoverschen Landeskirche halten.<br />
Der 70-jährige Pastor unterlag am 30.<br />
Juni bei der B<strong>und</strong>espräsidentenwahl<br />
dem ehemaligen niedersächsischen<br />
Ministerpräsidenten Christian Wulff<br />
(CDU). Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler<br />
<strong>und</strong> spätere Beauftragte für die<br />
Stasi-Unterlagen spricht zum Motto des<br />
Tages „Seid mutig <strong>und</strong> stark“.<br />
Seite 4<br />
Am 4. September wird auf dem<br />
Messegelände in Hannover unter<br />
dem Motto „Seid mutig <strong>und</strong> stark!“<br />
der 2. Ehrenamtlichentag der Ev.-<br />
luth. Landeskirche Hannovers stattfinden.<br />
Der Tag soll den Charakter eines Kirchentages<br />
haben. Neben Bibelarbeit,<br />
Bühnenprogramm <strong>und</strong> Workshops<br />
(Themen u.a. „Aufatmen im Ehrenamt<br />
– Zeit <strong>und</strong> Raum zum Kraftschöpfen“,<br />
„Und wer kocht dann noch Kaffee? –<br />
Das Ehrenamt im Strukturwandel“,<br />
„Fremder Nachbar Muslim – was sagen<br />
muslimische Gesprächspartner zu den<br />
Mit dem Ehrenamtlichentag möchte<br />
sich die größte evangelische Landeskirche<br />
in Deutschland für das Engagement<br />
ihrer r<strong>und</strong> 100.00 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen<br />
<strong>und</strong> Mitarbeiter bedanken.<br />
Ehrenamtliche zahlen nach Angaben<br />
der Landeskirche für die Teilnahme<br />
nichts, auch die Verpflegung ist kostenfrei.<br />
Der letzte Ehrenamtlichentag fand<br />
im August 2001 statt.<br />
Weitere Informationen:<br />
Evangelisch-lutherische<br />
Landeskirche Hannovers<br />
Rote Reihe 6<br />
30169 Hannover<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
„“Bitte<br />
(nicht)<br />
lächeln!“<br />
Seite 5<br />
Fotos als ein Fenster zur Seele:<br />
Fotoaktion in der Mädchenwohngruppe „Sonnenblick“<br />
Bilder <strong>und</strong> Fotos geben uns u.a. die Möglichkeit,<br />
eine Stimmung oder einen bestimmten<br />
Moment in vielfältigen Variationen<br />
<strong>und</strong> Gestaltungsmöglichkeiten auszudrücken<br />
<strong>und</strong> festzuhalten. Realistische<br />
<strong>und</strong> unrealistische Anteile können dabei<br />
ineinander übergehen <strong>und</strong> damit Wünsche<br />
<strong>und</strong> Fantasien hervorheben. Trotzdem<br />
schimmert fast immer ein kleiner Teil<br />
Realität über die bildnerische Fassade<br />
hinweg <strong>und</strong> lässt dahinter blicken (bei<br />
genauem Hinsehen kann sich also hinter<br />
einem schönen Gesicht eine Fratze verbergen<br />
oder hinter einem Lächeln Tränen.)<br />
Auf dem Gelände der Mädchenwohngruppe<br />
„Sonnenblick“ fand vor einiger<br />
Zeit eine Fotoaktion statt, an der sich vier<br />
Bewohnerinnen der Wohngruppe beteiligten.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Ziel war es, den Mädchen ein Medium<br />
der Selbstdarstellung zur Verfügung zu<br />
stellen, mit welchem sie sich nicht nur in<br />
ihrem aktuellen Sein, sondern auch mit<br />
ihren Wünschen <strong>und</strong> Vorstellungen von<br />
sich selbst darstellen können. So hatten<br />
die Mädchen die Wahl zwischen diversen<br />
Kostümen, Accessoires <strong>und</strong> Masken,<br />
die sie je nach individuellem Geschmack<br />
nutzen konnten. Im Ergebnis dieser<br />
Aktion sind viele herausragende Fotos<br />
entstanden, welche in erster Linie für die<br />
Mädchen selbst <strong>und</strong> als Dokumentation<br />
ihrer aktuellen Lebenswelt fungieren<br />
sollen. Gleichzeitig bieten die Bilder an<br />
einigen Stellen einen kleinen Blick hinter<br />
alltägliche Maskierungen <strong>und</strong> Inszenierungen,<br />
gerade weil die Möglichkeit<br />
gegeben wurde, diese hinter einer Maske<br />
fallen lassen zu können.<br />
Seite 6<br />
Ein großer Dank gilt an dieser Stelle den<br />
Mädchen, die sich mit Witz, Charme, Spaß<br />
<strong>und</strong> Fantasie an der Aktion beteiligt haben.<br />
Kostüme, Accessoires <strong>und</strong> Masken wurden<br />
von der Waldbühne Melle in der Person<br />
von Dagmar Feller (Gruppenleiterin der<br />
Mädchenwohngruppe „Libellen“ in Melle-<br />
Buer) zur Verfügung gestellt. Hierfür an<br />
dieser Stelle vielen Dank!<br />
(Fotos & Text: Nicolé Adämmer)<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Seite 7<br />
Ein Konzept, das nicht<br />
„hart“ genug ist?<br />
Zur Anwendbarkeit der<br />
„Gewaltfreien Kommunikation“<br />
in der <strong>Jugendhilfe</strong><br />
Ab Herbst 2009 nahm ich an einer einjährigen,<br />
berufsbegleitenden Fortbildung zum<br />
Thema der Gewaltfreien Kommunikation<br />
(GFK) in Bremen teil. Ich erhoffte mir, ein<br />
Konzept zu finden, mit dem ich der konfliktträchtigen<br />
Arbeit in der Wohngruppe besser<br />
gewachsen wäre <strong>und</strong> ich suchte nach einer<br />
effizienten Form der Lösungsfindung.<br />
Entwickelt wurde das Konzept von dem<br />
amerikanischen Psychologen <strong>und</strong> Konfliktmediator<br />
Dr. Marshall B. Rosenberg. Ziel<br />
seines Konzepts ist, den Menschen ein Instrument<br />
an die Hand zu geben, sich auch in<br />
Konfliktsituationen so zu verhalten, dass<br />
man sich respektvoll begegnet <strong>und</strong> gleichzeitig<br />
seine Meinung vertreten kann, ohne dabei<br />
Abwehr oder Feindseligkeit zu erwecken.<br />
Mehrere Gr<strong>und</strong>annahmen, bzw. Gr<strong>und</strong>haltungen<br />
liegen seinem Konzept zu Gr<strong>und</strong>e:<br />
1. Jeder Mensch hat immer einen Gr<strong>und</strong> für<br />
seine Handlungsweise. Dieser Gr<strong>und</strong> ist<br />
nicht zu bewerten, sondern zu begreifen.<br />
2. Jeder Mensch weiß eine Lösung, wie ein<br />
unerfülltes Bedürfnis erfüllt werden kann.<br />
Diese Lösung gilt es zu finden. Selbst noch so<br />
gut gemeinte Ratschläge sind nicht erwünscht.<br />
Dies gilt natürlich für alle Beteiligten<br />
in einer Konfliktsituation.<br />
3. Schuld <strong>und</strong> Scham sind unproduktive<br />
Zustände <strong>und</strong> sollten vermieden werden.<br />
4. Bewertungen <strong>und</strong> Analysen sollen vermieden<br />
werden.<br />
Rosenberg ist der Meinung, dass eine friedfertige<br />
<strong>und</strong> einvernehmliche Lösung in einem<br />
Konflikt gr<strong>und</strong>sätzlich nur gef<strong>und</strong>en<br />
werden kann, wenn ich meinem Gegenüber<br />
<strong>und</strong> mir selbst empathisch, offen <strong>und</strong> wertfrei<br />
begegne.<br />
Rosenberg schlägt ein 4-Schritte-Modell vor:<br />
1. Beobachtung der Handlungsweise<br />
(„Wenn ich sehe/höre, dass du....)<br />
2. Welches Gefühl löst dies bei mir aus?<br />
(... fühle ich mich...)<br />
3. Welches Bedürfnis möchte ich erfüllt sehen<br />
(... <strong>und</strong> ich hätte gerne ...)<br />
4. Welche Bitte kann ich aussprechen, damit<br />
das Bedürfnis erfüllt wird<br />
(Darum bitte ich dich, dass du ....)<br />
Den meisten Menschen fällt es schwer, ihre<br />
Gefühle eindeutig zu beschreiben. Sie sagen<br />
beispielsweise: „Ich fühle mich schlecht“<br />
oder: „Ich fühle mich missverstanden.“ Im<br />
ersten Fall ist die Beschreibung uneindeutig<br />
<strong>und</strong> es lässt sich kaum ein Bedürfnis finden,<br />
das erfüllt werden könnte. Im zweiten Fall ist<br />
das Gefühl abhängig von anderen Personen<br />
oder Situationen, es wird die Schuldfrage<br />
gestellt <strong>und</strong> der Mensch stellt sich in die<br />
Opferrolle. In der GFK wird nach Gefühlsbeschreibungen<br />
gesucht, die bei dem Menschen<br />
selbst bleiben <strong>und</strong> ihm die Möglichkeit geben,<br />
unerfüllte Bedürfnisse zu erkennen <strong>und</strong><br />
darüber Lösungen für die Erfüllung der<br />
Bedürfnisse zu finden. Wer weiß, was er<br />
braucht, kann konkrete Bitten an sich selbst<br />
oder andere stellen. Dem Menschen soll<br />
damit die Möglichkeit eröffnet werden, sein<br />
Schicksal selbst zu bestimmen <strong>und</strong> damit,<br />
eine Wahl zu haben. Oft stellt sich heraus,<br />
dass die Erfüllung der Bedürfnisse nicht von<br />
Einzelpersonen abhängig sind, sondern es<br />
eröffnen sich eine Vielfalt von Möglichkeiten.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Vorerst klingt die Methode einfach <strong>und</strong><br />
schlüssig. Wer es ausprobiert wird merken, dass<br />
im Dialog ein hohes Maß an Empathie, Geduld<br />
<strong>und</strong> Schwingungsfähigkeit nötig ist. Nach<br />
meiner Erfahrung ist die größte Herausforderung<br />
das einfühlende Zuhören, in dem versucht wird,<br />
die Gefühle <strong>und</strong> Bedürfnisse des anderen <strong>und</strong> oft<br />
auch von sich selbst zu erkennen <strong>und</strong> wert zu<br />
schätzen, aber nicht zu bewerten.<br />
Erfahrungen im persönlichen<br />
<strong>und</strong> beruflichen Leben<br />
Die Menschen, die meisten von ihnen Fre<strong>und</strong>e<br />
<strong>und</strong> Kollegen, denen ich von meiner Fortbildung<br />
berichtete, reagierten schon bei der Bezeichnung<br />
„gewaltfreie“ Kommunikation mit Abwehr. Sie<br />
glauben, dass in der <strong>Jugendhilfe</strong>, in der die<br />
Jugendlichen der Umwelt häufig mit verbaler<br />
<strong>und</strong> körperlicher Gewalt begegnen, eine<br />
gewaltfreie Methode kein adäquates Instrument<br />
ist. Sie befürchten, dass die Jugendlichen eine<br />
„gewaltfreie“ Reaktion nicht ernst nehmen<br />
würden <strong>und</strong> dass lange Gespräche nicht effizient<br />
genug wären.<br />
Natürlich habe ich vom ersten Tag an versucht,<br />
das neu Gelernte an meiner Umwelt auszuprobieren.<br />
Die Fragen, schön nach dem 4-Schritte-<br />
Konzept aufwendig überdacht <strong>und</strong> formuliert,<br />
kamen holperig <strong>und</strong> natürlich haben mich vor<br />
allen Dingen die Jugendlichen anfangs nicht<br />
wirklich ernst genommen. Also bin ich dazu<br />
übergegangen, mich im Stillen zu fragen, welche<br />
Gefühle <strong>und</strong> Bedürfnisse vor allen Dingen auch<br />
bei mir selbst im Spiel waren. Über die Monate<br />
hin wurde ich virtuoser <strong>und</strong> inzwischen nehmen<br />
mich auch die Jugendlichen aus der Wohngruppe<br />
ernster, wenn ich feststelle: „Du schimpfst<br />
jetzt schon seit du aus der Schule zurück bist. Es<br />
macht auf mich den Eindruck, als wärst du<br />
tierisch wütend!“ In jedem Fall kommt dann ein<br />
ausführlicher Bericht über einen Vorfall, der sie<br />
geärgert hat, in der Regel nicht sehr sozialverträglich<br />
formuliert.<br />
Diesem Ausbruch versuche ich, wenn möglich,<br />
empathisch zuzuhören <strong>und</strong> weder<br />
Sprache noch Taten zu bewerten. Das fällt oft<br />
schwer, weil wir in der Pädagogik häufig<br />
glauben, wir müssten vermitteln, was Recht<br />
<strong>und</strong> Unrecht ist.<br />
Welche Bedürfnisse unerfüllt waren, wenn sie<br />
„runtergekommen“ sind, können die Mädchen<br />
fast durchgängig benennen <strong>und</strong> haben, ohne dass<br />
ich groß nachhaken muss, auch eine Lösung<br />
bereit. In den meisten Fällen muss ich dann<br />
natürlich prüfen, ob diese Lösung sich auch mit<br />
meinen Bedürfnissen, bzw. denen des Teams, der<br />
Jugendarbeit im Allgemeinen <strong>und</strong> der Gesellschaft<br />
vereinbaren lässt <strong>und</strong> diese formulieren.<br />
Gemeinsame Lösungen werden immer öfter möglich.<br />
Erstaunlicherweise habe ich die Erfahrung<br />
gemacht, dass Erwachsene viel weniger<br />
bereit sind, herauszufinden, wie sie sich<br />
fühlen, bzw. welche Bedürfnisse unerfüllt<br />
sind. Sie neigen viel mehr dazu, Situationen<br />
oder Menschen zu analysieren <strong>und</strong> zu bewerten,<br />
von denen sie glauben, sie wären die<br />
Ursache ihres Übels. Im Vergleich zu den<br />
Jugendlichen sind sie oft die „härteren Nüsse“.<br />
Nach meinen Erfahrungen gibt es in der <strong>Jugendhilfe</strong><br />
mehr unerfüllte Bedürfnisse bei allen beteiligten<br />
Personen als im „normalen“ Leben.<br />
Bei den Jugendlichen zeigen sich häufig<br />
ziemlich ambivalente Bedürfnisse wie einerseits<br />
der Wunsch nach Heimat, Sicherheit,<br />
Zuverlässigkeit etc. <strong>und</strong> andererseits der<br />
Wunsch nach Freiheit, Selbstbestimmung,<br />
Selbstständigkeit etc. Wünsche, die Pubertät<br />
<strong>und</strong> das Erwachsenwerden ebenso mit sich<br />
bringen <strong>und</strong> auch in intakten Familien<br />
schwer zu erfüllen <strong>und</strong> auszuhalten sind.<br />
Als „schwierige“ Jugendliche vom sozialen Umfeld<br />
bewertet, fühlen sie sich falsch <strong>und</strong> möchten<br />
doch gerne richtig sein. Sie bräuchten mehr<br />
Verständnis <strong>und</strong> Anerkennung als andere. „Sie<br />
bräuchten Liebe dann, wenn sie diese am wenigsten<br />
verdienen“.<br />
Seite 8<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Wohngruppen sind trotz aller Mühe, die wir<br />
Mitarbeiter uns geben, im Gefühl einzelner<br />
auch immer wieder ein Ort, an dem sie sich<br />
nicht immer geborgen <strong>und</strong> sicher fühlen.<br />
Seite 9<br />
Die beteiligten Erwachsenen fühlen sich<br />
häufig hilflos, müde, erschöpft <strong>und</strong> wütend.<br />
Wir Kollegen bräuchten oft mehr Klarheit,<br />
bessere Absprachen im Team, mehr Gemeinsamkeit,<br />
mehr Anerkennung, wenn Eltern<br />
sich beschweren, mehr Erfolgserlebnisse...<br />
Durch die teilweise unvorhersehbaren Arbeitsbelastungen<br />
in der Vier<strong>und</strong>zwanzig-<br />
St<strong>und</strong>en-Versorgung in den Wohnbereichen<br />
können wir häufig private Verabredungen<br />
nicht einhalten <strong>und</strong> eigentlich wären wir<br />
gerne zuverlässige Fre<strong>und</strong>e <strong>und</strong> Familienmitglieder.<br />
Die Kollegen aus den Jugendämtern klagen<br />
zum Teil über Überforderung durch Personaleinsparungen,<br />
zu hohe Verantwortung<br />
<strong>und</strong> hätten gerne mehr Zeit, um sich um die<br />
einzelnen Fälle zu kümmern.<br />
Eltern fühlen sich möglicherweise schuldig,<br />
als Versager, ausgegrenzt. Sie hätten gerne<br />
Absolution, Anerkennung dessen, was sie<br />
ohne Frage geleistet haben <strong>und</strong> mehr Mitsprache<br />
bei der Erziehung ihrer <strong>Kinder</strong>.<br />
Autorin: Gisela Metka<br />
Ergotherapeutin & Erzieherin<br />
in der Außenwohngruppe LOGO<br />
Die Liste der unerfüllten Bedürfnisse ist möglicherweise<br />
endlos. Es gilt also, eine Menge Lösungen zu<br />
finden. Ich glaube, dass diese möglich sind. Jeder von<br />
uns wird wahrscheinlich eine andere Lösung für ein<br />
unerfülltes Bedürfnis finden. Wir müssen uns nur auf<br />
die Suche machen. Dabei kann, davon bin ich<br />
überzeugt, die GFK eine Hilfe sein. Nicht für jeden in<br />
jeder Situation, aber für einige manchmal.<br />
Ich glaube, dass die Lösungen, die sowohl Jugendliche<br />
als auch Erwachsene über die GFK finden, nachhaltiger<br />
<strong>und</strong> damit effizienter sind, auch wenn es Zeit<br />
braucht <strong>und</strong> wir vielleicht auch manchmal das Gefühl<br />
haben, dass wir Umwege gehen.<br />
Für mich ist die GFK ist ein friedfertiges Konzept,<br />
aber nicht weich. Sie verhilft mir zu persönlicher<br />
Klarheit <strong>und</strong> ermöglicht mir dadurch eine eindeutigere<br />
<strong>und</strong> konsequentere Haltung.<br />
Leben im alten Herrenhaus:<br />
Die Wohngruppe LOGO<br />
in Melle-Mitte<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
„Mir wird etwas zugetraut!“:<br />
Arbeiten in der Jugendwerkstatt<br />
„Arbeit war <strong>und</strong> ist mehr als Broterwerb.<br />
Sie entscheidet über Zugehörigkeit <strong>und</strong> Außenseitertum.<br />
Eingliederung in die Arbeitswelt oder Teilhabe am Arbeitsleben<br />
verhindern also Ausgrenzung.“ (Wittwer 2001)<br />
<strong>und</strong> den betroffenen Jugendlichen im<br />
Rahmen eines niedrigschwelligen Angebots<br />
den Einstieg in ein sich anschließendes<br />
Berufsleben zu erleichtern.<br />
Die Motivation des Vorhaltens einer<br />
einrichtungsinternen Werkstatt entstand<br />
durch den Gr<strong>und</strong>gedanken, Jugendlichen<br />
<strong>und</strong> jungen Erwachsenen,<br />
welche aufgr<strong>und</strong> eingeschränkter individueller<br />
Fertig- <strong>und</strong> Fähigkeiten keine<br />
Eingliederung im „freien Arbeitsmarkt“<br />
fanden oder finden, ressourcenorientierte<br />
Hilfen anzubieten. Ziel ist es, die<br />
häufig aus Chancenlosigkeit entstehende<br />
Hoffnungslosigkeit aufzubrechen<br />
Wenn man bedenkt, wie sehr sich Menschen<br />
- trotz aller Erosionen bisheriger<br />
traditioneller Bilder v.a. Jungen <strong>und</strong><br />
junge Männer - neben anderen Aspekten<br />
insbesondere über ihre Berufstätigkeit<br />
definieren <strong>und</strong> welchen zeitlichen<br />
Rahmen der Beruf im Lebensalltag<br />
einnimmt, wird deutlich, daß die Jugendwerkstatt<br />
damit nicht nur praktische<br />
Möglichkeiten bietet, jungen Menschen<br />
in ihrer individuellen Berufsfindungsphase<br />
eine besondere Hilfe, Förderung<br />
<strong>und</strong> Unterstützung zu geben,<br />
sondern auch identitätsstiftend wirken<br />
kann.<br />
Seite 10<br />
Die Jugendwerkstatt hilft Jugendlichen <strong>und</strong> jungen Erwachsenen<br />
in der Berufsfindungsphase, welche die Schulpflicht erfüllt haben <strong>und</strong> nicht<br />
bzw. noch nicht ausbildungsfähig sind,<br />
die schon verschiedene Maßnahmen der Arbeitsämter durchlaufen haben <strong>und</strong><br />
aufgr<strong>und</strong> ihrer noch nicht abgeschlossenen altersentsprechenden Persönlichkeitsentwicklung<br />
nicht auf dem „freien Arbeitsmarkt“ eingliederungsfähig sind,<br />
die bei vorübergehendem Ruhen der Schulpflicht (Beantragung bei der zuständigen<br />
Schulbehörde) in Qualifizierungsplätzen untergebracht werden,<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
welche dauerhafter Unterstützung bedürfen, da sie den gesellschaftlichen Anforderungen<br />
auch künftig nicht gerecht <strong>und</strong> z.B. mit Leistungseinbrüchen, Versagensängsten<br />
<strong>und</strong> Verweigerung reagieren werden,<br />
die aufgr<strong>und</strong> der Art <strong>und</strong> Schwere ihrer Lernstörung für eine Berufsausbildung<br />
nicht in Betracht kommen, andererseits durch die Beschäftigung in einer Werkstatt<br />
für Behinderte unterfordert wären,<br />
Jugendliche <strong>und</strong> junge Erwachsenen, die weder einen Schulabschluss noch eine<br />
f<strong>und</strong>ierte persönliche Bildung vorweisen können.<br />
Seite 11<br />
Ziele<br />
Ziel des Projektes ist die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Die jungen<br />
Menschen sollen in Begleitung lernen, sich mit einer Situation eigenständig auseinanderzusetzen,<br />
sie zu gestalten <strong>und</strong> zu bewältigen, um dadurch Handlungskompetenz<br />
zu erlangen. Der Begriff Schlüsselqualifikationen<br />
ist in den siebziger Jahren<br />
von Mertens geprägt worden. Er versteht<br />
darunter „Kenntnisse, Fähigkeiten <strong>und</strong><br />
Fertigkeiten, welche nicht unmittelbar<br />
<strong>und</strong> begrenzten Bezug zu bestimmten<br />
disparaten praktischen Tätigkeiten erbringen,<br />
sondern sich für eine große Zahl<br />
von Positionen, Funktionen <strong>und</strong> die Bewältigung<br />
von Anforderungen im Laufe<br />
des Lebens eignen“. Den Jugendlichen <strong>und</strong> jungen Erwachsenen soll das Gefühl<br />
vermittelt werden, als Mensch ernst genommen zu werden. Sie sollen erfahren, daß<br />
sie gebraucht werden <strong>und</strong> daß ihnen etwas zugetraut wird. Durch ressourcenorientierte<br />
Förderung versuchen wir, gemeinsam mit ihnen eingeschränkte Arbeitsfelder<br />
zu erschließen. Das bedeutet im Einzelnen:<br />
Eigenständiges Bewältigen von Arbeitssituationen<br />
Steigerung der individuellen Handlungskompetenz<br />
Stärkung des Selbstwertgefühls (ich kann etwas, mir wird etwas zugetraut)<br />
Abbau von Diskriminierungen<br />
Beteiligung am gesell. Leben<br />
Ausarbeitung <strong>und</strong> Sicherung einer Tagesstruktur (Gr<strong>und</strong>lagenbildung)<br />
Auseinandersetzung mit Leistungsanforderungen<br />
Einüben <strong>und</strong> Ausbau von Kooperationsfähigkeit<br />
Vorbereitung auf einen Schulabschluss bzw. das Arbeitsleben<br />
Berufliche Orientierung <strong>und</strong> vorberufliche Qualifizierung<br />
Vorbereitung auf den Mofa- oder Autoführerschein<br />
Bewerbungstraining<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Ein typischer Arbeitstag mit wiederkehrenden Strukturen:<br />
08.00 – 08.15 morgendliche Besprechung<br />
08.15 – 10.45 Projekt- <strong>und</strong> Auftragsarbeiten<br />
10.45 – 11.00 Gemeinsame Pause<br />
11.00 – 12.30 Projekt- <strong>und</strong> Auftragsarbeiten<br />
12.30 – 13.00 Gemeinsame Pause<br />
13.00 – 15.45 Projekt- <strong>und</strong> Auftragsarbeiten<br />
(oder wöchentliches Sportangebot)<br />
15.45 – 16.00 Reflexion <strong>und</strong> Tagesabschluss<br />
Berufliche Hinführung<br />
Durch die vielseitigen Aufgabenstellungen aus dem Holz-, Metall- <strong>und</strong> Elektrobereich<br />
sowie dem der Garten- <strong>und</strong> Landschaftspflege stehen den jungen Menschen<br />
eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten offen, die je nach Interessenlage, Fähigkeiten,<br />
Fertigkeiten <strong>und</strong> Wissensstand genutzt werden. Die Aufgaben, die an die Jugendlichen<br />
<strong>und</strong> jungen Erwachsenen gestellt werden, sind konkret. Das heißt, sie<br />
kommen im alltäglichen Arbeitsprozeß des Betriebes vor <strong>und</strong> sind nicht fiktiv. So<br />
sind morgendliche Besprechung, Projekt- <strong>und</strong> Auftragsarbeit, Pausen etc. immer<br />
wiederkehrende Strukturen, die die Arbeitswelt kopieren.<br />
Die Jugendlichen <strong>und</strong> jungen Erwachsenen sollen an regelmäßiges, individuelles<br />
<strong>und</strong> gemeinsames Arbeiten heran geführt werden. Je nach Bedarf wird der Arbeitsalltag<br />
durch individuelle Pausen aufgelockert. Die Voraussetzung, daß Arbeiten<br />
wieder (oder vielleicht zum ersten Mal) zu ihrer eigenen Sache wird, ist, sie interessant<br />
<strong>und</strong> bedeutsam zu gestalten.<br />
Seite 12<br />
Persönlichkeitsstabilisierung <strong>und</strong> Motivierung<br />
Einmal wöchentlich findet ein Sportangebot statt. Hier sollen aktiv <strong>und</strong> spielerisch<br />
die Beziehungen gefestigt, das Gruppengefühl gestärkt <strong>und</strong> Frustrationen abgebaut<br />
werden. Gemeinsame Festlichkeiten <strong>und</strong> Freizeitaktivitäten bieten adäquate Abwechslung<br />
zum Arbeitsalltag <strong>und</strong> fördern / festigen die Beziehungen. Die Jugendlichen<br />
<strong>und</strong> jungen Erwachsenen haben an ihren Arbeitstagen den Werkstattleiter<br />
Sebastian Ahrens, der seit 2006 für die Hünenburg tätig ist, als Ansprechpartner,<br />
der auch die täglichen Besprechungen <strong>und</strong> Reflexionen begleitet.<br />
Die Arbeitsvorhaben der Werkstatt sind projekt- <strong>und</strong> produktorientiert, d.h. Arbeitsschritte<br />
<strong>und</strong> erwartetes Ergebnis werden zu Beginn beschrieben <strong>und</strong> erläutert,<br />
sind während des Arbeitsprozesses nachvollziehbar <strong>und</strong> am Ende als Leistung<br />
begreifbar. Den Jugendlichen <strong>und</strong> jungen Erwachsenen soll die Freude an der Arbeit<br />
durch anerkennende Arbeit nahe gebracht werden. Arbeit soll nicht Frust vor<br />
dem Versagen <strong>und</strong> Resignation bedeuten, sondern sie kann motivierend, lebenswichtig<br />
<strong>und</strong> positiv sein.<br />
Autoren: Reinhard Kortus & Werkstattleiter Sebastian Ahrens<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Seite 13<br />
Die Kita Identität<br />
Es begann mit ein paar Schrammen.<br />
Sie haben gesagt, er wäre von einem<br />
Klettergerüst gefallen. Als wenn ich als<br />
Psychotherapeut das nicht schon tausendmal<br />
gehört hätte: „Nein, nein, ich<br />
habe meinen Sohn nicht geschlagen,<br />
wirklich nicht, er ist die Treppe hinuntergefallen.“<br />
Vom Klettergerüst gefallen,<br />
mein Sohn! Der doch die Vorsicht<br />
in Person ist! Der sich noch nicht einmal<br />
traut, ohne Hilfe auf einen <strong>Kinder</strong>stuhl<br />
zu klettern.<br />
Die Frage ist nun: Was genau haben<br />
sie mit ihm gemacht in der Kita? Haben<br />
sie ihn geschlagen, um ihn gefügiger<br />
zu machen? Damit er nicht aus der<br />
Reihe tanzt? Damit sie weniger Arbeit<br />
mit dem aufmüpfigen Kleinen haben?<br />
Oder steckt da etwa mehr dahinter?<br />
Am Freitag habe ich nachmittags seine<br />
Frühstücksdose aufgemacht <strong>und</strong> fand<br />
darin: sein gesamtes Frühstück! Ein<br />
halbes Vollkornrosinenbrötchen <strong>und</strong><br />
eine halbe Banane – völlig unberührt.<br />
Wenn Sie meinen Sohn <strong>und</strong> sein Verhältnis<br />
zum Essen kennen würden,<br />
dann wüssten Sie, dass da etwas nicht<br />
mit rechten Dingen zugegangen sein<br />
kann. Tom hat noch niemals, ich betone:<br />
niemals, irgendetwas Essbares<br />
liegen gelassen. Wir haben das mal<br />
extra getestet <strong>und</strong> ihm einem Teller<br />
mit entkernten Oliven, Auberginenstücken,<br />
Kapern <strong>und</strong> Sardellen hingelegt.<br />
Dann verließen wir das Esszimmer.<br />
Nach zwei Minuten hörte man ein<br />
unglückliches Jaulen. Katharina sagte:<br />
„Na siehste, alles mag er doch nicht!“<br />
Wir gingen wieder hinein, Tom zeigte<br />
auf den leeren Teller <strong>und</strong> rief gierig:<br />
„Mehr, mehr!“<br />
Sie müssen ihn also bewusst auf Essensentzug<br />
gesetzt haben. Fragen Sie<br />
mich bitte nicht warum. Die kruden<br />
Überzeugungen einer Sekte? Ich kenne<br />
mich da nicht so aus, aber vielleicht<br />
gibt es gewisse esoterische Vereinigungen,<br />
die mit Essensentzug arbeiten,<br />
irgendetwas mit „sich nur von<br />
Luft <strong>und</strong> Liebe ernähren“, was weiß<br />
ich denn. Oder was ist mit Scientology?<br />
Die sind doch angeblich auch in<br />
Deutschland schwer im Kommen.<br />
Ja, ich weiß, Sie denken jetzt sicher, ich<br />
wäre paranoid. Den Vorwurf habe ich<br />
schon häufiger gehört, meine Eltern<br />
sagen das, meine Fre<strong>und</strong>e, selbst Katharina.<br />
Aber das besagt gar nichts.<br />
Auch die Mehrheit kann sich täuschen.<br />
Denken Sie mal an die Wahlsiege von<br />
Barabas gegen Jesus oder George Bush<br />
junior gegen John Kerry. Wobei da ja<br />
auch Manipulation im Spiel war, in<br />
beiden Fällen, ganz klar. Wie dem<br />
auch sei: Ich bin nicht paranoid. Und<br />
selbst wenn ... Wie heißt es so schön in<br />
einer Liedzeile der englischen Band<br />
Radiohead: „Nur weil du paranoid<br />
bist, heißt das nicht, dass sie nicht<br />
vielleicht hinter dir her sind!“ Aber sie<br />
sind ja vermutlich nicht hinter mir her,<br />
sondern hinter meinem Jungen. Und<br />
die Krönung kommt ja erst noch ...<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Vorgestern holte ich meinen Sohn aus<br />
der Kita ab. Er war deutlich unleidig,<br />
wollte sofort auf den Arm <strong>und</strong> kuschelte<br />
sich an. Die Erzieherin guckte<br />
ihn mit sanftem Blick an <strong>und</strong> sagte:<br />
„Er ist sehr müde, der Süße, war auch<br />
viel los heute, wir haben draußen<br />
gespielt <strong>und</strong> waren dann noch im<br />
Toberaum.“ Zu Hause habe ich dann<br />
erstmal Fieber gemessen: 39,2 Grad!<br />
Was sagen Sie nun? Ich bringe meinen<br />
Sohn an einem herrlichen Sommertag<br />
ohne jegliche Erkältungsgefahr kernges<strong>und</strong><br />
in die Kita <strong>und</strong> kriege ihn<br />
knappe vier St<strong>und</strong>en später mit 39,2<br />
Grad Fieber zurück. Bloß Fieber, kein<br />
Schnupfen, kein Husten, keine neuen<br />
Zähne, nix! Finden Sie das etwa normal?<br />
Ich jedenfalls musste sofort an den<br />
Film Die Bourne Identität denken. Psychische<br />
Folter! Das muss es sein, keine<br />
Frage! Eben wie bei der Bourne Identität,<br />
wo die CIA mit Hilfe aller möglichen<br />
Psychoterror-Tricks aus einem<br />
einfachen Soldaten eine Killermaschine<br />
macht. Vielleicht steckt das dahinter,<br />
vielleicht fangen die jetzt schon<br />
ganz früh an, bevor sich der eigene<br />
Wille des zukünftigen Agenten überhaupt<br />
entwickelt. Dann müssen sie ihn<br />
gar nicht mehr groß brechen, ist doch<br />
viel einfacher.<br />
Dass sie da meinen Tom aussuchen,<br />
kann ich schon verstehen, der bringt<br />
natürlich alles mit, was man so<br />
braucht als Killermaschine, den Körper,<br />
den Willen, die Cleverness, den<br />
linken Haken. So züchten die sich also<br />
ihre Geheimagenten für die Kämpfe<br />
des 21. Jahrh<strong>und</strong>erts heran. Der BND<br />
steckt dahinter. Oder aber die Leute in<br />
der Kita Heinzelmännchen kooperieren<br />
mit der CIA, beziehungsweise dem<br />
KGB – oder wie auch immer die jetzt<br />
heißen. Wer weiß?<br />
Also habe ich Tom das Mikrofon an<br />
den Körper geklebt. Unter die linke<br />
Achselhöhle, das habe ich kürzlich in<br />
einem brandneuen Politthriller gesehen,<br />
ist wohl die modernste Methode<br />
im Moment. Sicherlich, unriskant ist<br />
das nicht. Sollte Tom sich an dem<br />
betreffenden Tag unter dem Druck der<br />
psychischen Folter extrem einnässen,<br />
würden sie natürlich seine Klamotten<br />
wechseln müssen. Dann könnte das<br />
Mikrofon entdeckt werden. Aber was<br />
blieb mir für eine Wahl – es geht<br />
schließlich um meinen einzigen Sohn,<br />
der zu einem Schergen von Scientology,<br />
BND oder der „Kreuzritter der<br />
Apokalypse“ herangezüchtet werden<br />
soll. Ich erzählte den angeblichen<br />
Erzieherinnen, dass ich heute leider<br />
seine Ersatz-Kleidung vergessen hätte<br />
<strong>und</strong> dass sie mich einfach anrufen<br />
sollten, falls die Windeln mal nicht<br />
alles gehalten hätten; ich würde ihn<br />
dann sofort abholen.<br />
Zum Glück hielten die Windeln. Auch<br />
Tom überstand den Tag schadlos. Tja,<br />
<strong>und</strong> die Auswertung des Bandes ergab<br />
eigentlich auch nichts Auffälliges. Im<br />
Gegenteil, die Erzieherinnen kümmern<br />
sich wirklich sehr liebevoll um ihm,<br />
sprechen viel mit ihm – <strong>und</strong> zu essen<br />
<strong>und</strong> zu trinken kriegt er auch.<br />
Seite 14<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Seite 15<br />
Die machen wirklich schöne Sachen da<br />
in der Kita, gestern haben sie zum<br />
Beispiel Drachen gebastelt. Das hätte<br />
ich mir früher auch gewünscht, dass<br />
jemand mal Drachen mit mir bastelt.<br />
Die anderen <strong>Kinder</strong> schließlich sind<br />
sehr nett zu ihm. Er ist ja der Jüngste<br />
in der Gruppe <strong>und</strong> kann noch nicht so<br />
schnell laufen <strong>und</strong> so kräftig zuschlagen<br />
wie die anderen, daher kommen<br />
die <strong>Kinder</strong> immer wieder zu ihm hin,<br />
nehmen ihn an der Hand oder geben<br />
ihm Küsschen <strong>und</strong> Spielzeugautos<br />
<strong>und</strong> so.<br />
Einmal konnte ich sogar hören, wie<br />
Tom „Papa“ sagte, ganz klar <strong>und</strong> deutlich:<br />
„Papa!“ Da eilte sofort eine Erzieherin<br />
herbei <strong>und</strong> sagte zärtlich zu ihm:<br />
„Dein Papa kommt gleich nach dem<br />
Mittagessen, Tom!“ Darauf sagte er<br />
wieder „Papa, Papa!“ <strong>und</strong> juchzte ein<br />
wenig dabei – es war sehr anrührend.<br />
Dann muss er wohl ein Auto entdeckt<br />
haben, denn er machte sein typisches<br />
„brummbrumm“.<br />
Ach so, die Sache mit dem unangerührten<br />
Frühstück hat sich auf diesem<br />
Wege ebenfalls aufgeklärt. Es scheint<br />
in der Kita üblich zu sein, dass Mütter<br />
von Zeit zu Zeit übriggebliebene Haferkekse<br />
oder frisch gebackene Dinkelplätzchen<br />
mitbringen, die dann<br />
zum Frühstück gereicht werden. Man<br />
konnte nämlich an einer Stelle sehr<br />
schön hören, wie eine Mutter in den<br />
Raum hineinflötete: „Guckt mal, ihr<br />
Süßen, was ich mitgebracht habe!“<br />
Und gleich darauf ein mir sehr vertrautes<br />
euphorisches „Da, da, da!“,<br />
gefolgt von unmissverständlichen<br />
krachenden Kaugeräuschen. Unglaublich,<br />
man kann den Jungen bis unter<br />
seine Achselhöhle essen <strong>und</strong> schmatzen<br />
hören.<br />
Insofern können wir die CIA, Scientology<br />
<strong>und</strong> ähnliche finstere Vereinigungen<br />
wohl ausschließen. Dennoch<br />
hat sich die kleine Abhörmaßnahme<br />
durchaus gelohnt: Nicht nur, dass ich<br />
etwas beruhigter bin. Auf dem Band<br />
war zudem klar <strong>und</strong> deutlich ein Gespräch<br />
zwischen einer Erzieherin <strong>und</strong><br />
der Köchin zu hören, aus dem ersichtlich<br />
wurde, dass es mittags zum Nachtisch<br />
gezuckerte Pl<strong>und</strong>erteilchen vom<br />
ALDI gab. Ist das zu fassen? Die geben<br />
meinem Sohn gezuckerte Pl<strong>und</strong>erteilchen!<br />
Und nicht mal aus kontrolliert<br />
biologischem Anbau! Unglaublich!<br />
Morgen werde ich mal ein sehr ernstes<br />
Wörtchen mit denen reden müssen. Da<br />
zeigt sich doch mal wieder: Man kann<br />
wirklich nicht misstrauisch genug sein.<br />
Autor:<br />
Björn Süfke<br />
Abdruck erfolgt mit fre<strong>und</strong>licher Genehmigung<br />
des Autors. Alle Rechte verbleiben beim Autor.<br />
Keine unerlaubte Nutzung, Veröffentlichung<br />
oder Vervielfältigung.<br />
Nach „Männerseelen – ein psychologischer<br />
Reiseführer“ erscheint im September 2010 das<br />
zweite Buch Björn Süfkes unter dem Titel „Die<br />
Ritter des Möhrenbreis – Geschichten von Vater<br />
<strong>und</strong> Sohn“ im Patmos-Verlag.<br />
Mehr über Björn Süfke, der von 1998 bis 2010<br />
als Therapeut für die Hünenburg tätig war,<br />
erfahren Sie unter www.maenner-therapie.de<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Ein Jahr Gr<strong>und</strong>schule – mehr als Unterricht!<br />
Impressionen aus der einrichtungsinternen Ferdinand Rohde-Schule<br />
Was für ein Winter!<br />
Seite 16 1<br />
Rosenmontag<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Lernen (<strong>und</strong> Spielen) vor Ort:<br />
Ausflug in den Tierpark Olderdissen<br />
Seite 17<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
„Was können wir besser machen?“<br />
Qualitätssicherung <strong>und</strong> Evaluation<br />
Für alle Bereiche der Hünenburg gelten<br />
verbindliche Kriterien, um Qualitätssicherung<br />
<strong>und</strong> -entwicklung als<br />
komplexes Ereignis anschaulich zu<br />
dokumentieren. Die Struktur der Kriterien<br />
ergibt sich aus dem Aufbau der<br />
Gesamteinrichtung, die differenzierte<br />
qualitätsorientierte Vorgehensweisen<br />
gewährleistet, welche die Verfahrenswege<br />
aufzeigen <strong>und</strong> Entwicklungen<br />
ermöglichen. Folgende Maßnahmen<br />
sind die Basis der Qualitätssicherung<br />
aller Bereiche:<br />
Eingangsqualität<br />
Der Eingangsqualität misst die Einrichtung<br />
einen hohen Stellenwert bei,<br />
da hier die Entscheidung für eine<br />
bedarfsgerechte <strong>und</strong> zielgerichtete<br />
Hilfe im Einzelfall getroffen wird.<br />
Gemäß des Wunsch- <strong>und</strong> Wahlrechtes<br />
werden Informationsgespräche zum<br />
gegenseitigen Kennenlernen vereinbart.<br />
Im ersten Hilfeplangespräch<br />
informiert die Einrichtung über ihr<br />
Angebot <strong>und</strong> ihre Verfahrensweise. Sie<br />
legt Wert darauf, dass der Auftrag<br />
zielgerichtet mit allen am Hilfeprozess<br />
Beteiligten abgeklärt <strong>und</strong> vereinbart<br />
wird.<br />
Prozess- <strong>und</strong> Strukturqualität<br />
Die vereinbarten Handlungsziele werden<br />
in der jeweiligen Hilfeplanung<br />
festgehalten <strong>und</strong> während der Zeitdauer<br />
der Hilfe angepasst. Dieses<br />
Verfahren ist für alle transparent. Zu<br />
den Hilfeplangesprächen, die in vereinbarten<br />
Abständen <strong>und</strong> mindestens<br />
alle sechs Monate erfolgen, werden<br />
Vorberichte erstellt. Die Leistungen<br />
der Einrichtung werden regelmäßig<br />
evaluiert <strong>und</strong> ggf. novelliert. Diese<br />
Ergebnisse fließen in die Teamarbeit<br />
<strong>und</strong> in die Weiterentwicklung der<br />
Leistungsangebote ein.<br />
Ergebnisqualität<br />
Im direkten Anschluss an die Beendigung<br />
der Hilfe wird nach Möglichkeit<br />
eine Abschlussbefragung aus Sicht<br />
aller Beteiligten bezüglich der Wirksamkeit<br />
der Hilfe durchgeführt. Noch<br />
interessanter gestaltet sich die Befragung<br />
der begleiteten Jugendlichen<br />
nach ca. einem halben Jahr, ist doch<br />
davon auszugehen, dass bestimmte<br />
Eindrücke erst „sacken mussten“, um<br />
aus der Rückschau noch einmal anders<br />
interpretiert zu werden. Sofern der<br />
Verbleib der Jugendlichen noch zu<br />
klären ist, werden diese angeschrieben<br />
<strong>und</strong> gebeten, einen leicht zu bearbeitenden<br />
Fragebogen, den wir im Folgenden<br />
vorstellen möchten, auszufüllen<br />
<strong>und</strong> an die <strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong><br />
Hünenburg zurückzusenden, so<br />
dass auch diese Eindrücke in die Gesamtevaluation<br />
der jeweiligen Maßnahme<br />
sowie die Planung künftiger<br />
Hilfeverläufe einfließen können.<br />
Autor: Christian Vakonic (Sozialpädagoge B.A.)<br />
Seite 18<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Deine Meinung ist uns wichtig!<br />
Wir freuen uns, wenn Du diesen Fragebogen ausfüllst, damit wir unsere Arbeit<br />
besser machen können <strong>und</strong> gezielter auf die Wünsche unserer Klienten eingehen.<br />
In welcher Wohngruppe hast Du zuletzt gelebt?<br />
__________________________________________<br />
Wie lange hast Du insgesamt in der Hünenburg gelebt?<br />
1 Jahr 2-3 Jahre mehr als 3 Jahre<br />
Wie lange lebst Du nicht mehr in der Hünenburg?<br />
1 Jahr 2-3 Jahre mehr als 3 Jahre<br />
Wo wohnst Du derzeit?<br />
Bei den Eltern Eigener Wohnraum Wohngemeinschaft<br />
Seite 19<br />
Andere Einrichtung Sonstiges: ___________________________<br />
Wie ist Dein Familienstand?<br />
ledig feste Partnerschaft verheiratet<br />
geschieden<br />
verwitwet<br />
Was machst Du zurzeit beruflich?<br />
Arbeitsstelle Ausbildung arbeitsuchend<br />
Hilfe vom Staat Sonstiges: _____________________________<br />
Bitte beantworte die folgenden Fragen mit Hilfe der Symbole:<br />
sehr zufrieden zufrieden weniger zufrieden gar nicht zufrieden<br />
Gesamteindruck von der Hünenburg<br />
Wie hat es Dir in der Wohngruppe gefallen?<br />
Wie hat es Dir in der gesamten Hünenburg gefallen?<br />
Hast du die Hilfe bekommen, die Du Dir gewünscht hattest?<br />
Würdest du einem Fre<strong>und</strong>/einer Fre<strong>und</strong>in unsere Einrichtung<br />
empfehlen, wenn er/sie ähnliche Hilfe benötigen würde?<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Trifft völlig zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft überhaupt nicht zu<br />
Angebote in der Hünenburg<br />
Ich war insgesamt zufrieden mit der Betreuung in der<br />
Wohngruppe.<br />
Ich war insgesamt zufrieden mit den Einzel- <strong>und</strong> Gruppengesprächen<br />
in der Wohngruppe.<br />
Ich war insgesamt zufrieden mit den Therapiegesprächen beim<br />
internen Psychologen.<br />
Ich war insgesamt zufrieden mit meiner schulischen & beruflichen<br />
Förderung (Schule, Arbeit, Arbeitssuche, Ausbildungssuche etc).<br />
Ich fand den Wochenablauf mit den verschiedenen Angeboten<br />
(Arbeit, Schule, Therapie, Freizeit etc.) ausgewogen.<br />
Kompetenzen der Mitarbeiter<br />
Ich hatte Vertrauen zu den Mitarbeitern in der Wohngruppe.<br />
Die Mitarbeiter hatten Zeit für mich, wenn ich sie brauchte.<br />
Ich hatte das Gefühl, von den Mitarbeitern als Mensch<br />
akzeptiert <strong>und</strong> nicht verurteilt zu werden.<br />
Seite 20<br />
Ich wurde von den Mitarbeitern in meiner Entwicklung<br />
unterstützt <strong>und</strong> gefördert.<br />
Ich halte die Mitarbeiter für fachlich kompetent.<br />
Das Leben nach der Hünenburg<br />
Der (Wieder)einstieg in das Leben nach der Hünenburg wurde<br />
genügend beachtet <strong>und</strong> gefördert.<br />
Wenn ich jetzt Probleme habe, weiß ich, an wen ich mich<br />
wenden kann.<br />
Ich glaube, dass sich durch den Aufenthalt in der Hünenburg<br />
mein Leben positiv verändert hat.<br />
Bis zum heutigen Zeitpunkt habe ich meine wichtigsten<br />
Ziele (Teilziele) erreicht.<br />
Ich bin mit meiner Entwicklung zufrieden.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Sonstige Anmerkungen:<br />
Was hat mir besonders gefallen…<br />
_________________________________________________________________<br />
_________________________________________________________________<br />
_________________________________________________________________<br />
Was hat mich besonders gestört…<br />
_________________________________________________________________<br />
_________________________________________________________________<br />
_________________________________________________________________<br />
Sonstige Anregungen <strong>und</strong>/oder Kritik:<br />
_________________________________________________________________<br />
Seite 21<br />
_________________________________________________________________<br />
_________________________________________________________________<br />
Deine Angaben werden vertraulich behandelt<br />
<strong>und</strong> lediglich zu Auswertungszwecken verwendet.<br />
Vielen Dank fürs Mitmachen!<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Zur (notwendigen) Kooperation<br />
von <strong>Jugendhilfe</strong> <strong>und</strong> Justiz<br />
Spannungen zwischen Wahrheit <strong>und</strong> Wirklichkeit<br />
War ursprünglich beabsichtigt, das Folgende<br />
unter der Überschrift „Gelingende Kooperation<br />
zwischen <strong>Jugendhilfe</strong> <strong>und</strong> Justiz“ zu beginnen,<br />
wurde zunehmend deutlich, dass es eigentlich<br />
„notwendige Kooperation“ heißen muss, da dem<br />
Erfordernis der Kooperation - so begrüßenswert<br />
die kollegiale Zusammenarbeit an der „gleichen<br />
Sache“, wenngleich aus anderen Richtungen<br />
kommend auch immer sein mag – letztlich ein<br />
wie auch immer gearteter Bruch von <strong>Jugendhilfe</strong>bemühungen<br />
vorausging.<br />
Darüber hinaus wird von etlichen Akteuren<br />
das Verhältnis von <strong>Jugendhilfe</strong><br />
<strong>und</strong> Justiz aus den verschiedensten<br />
Gründen immer wieder <strong>und</strong> an vielen<br />
Stellen durchaus nachvollziehbar als<br />
schwierig <strong>und</strong> geprägt von gegenseitigem<br />
Misstrauen beschrieben, was eine<br />
interdisziplinäre gelingende Kooperation<br />
erschwert. 1<br />
Unausweichlich mit dem zu beleuchtenden<br />
Thema verb<strong>und</strong>en ist die häufig<br />
1<br />
Neben Unterschieden bei den Aufgabenstellungen <strong>und</strong><br />
Zielen, den Befugnissen, den Handlungsformen, den<br />
Rahmenbedingungen, der Entlohnung, der zunehmenden<br />
Sorge, als päd. Fachkraft selbst ins Visier der Justiz genommen<br />
zu werden (z.B. bei Fragen der Aufsichtspflicht oder<br />
des Kindeswohls) <strong>und</strong> nicht zuletzt dem gesellschaftlichen<br />
Prestige der beteiligten Berufsstände ergibt sich eine wesentliche<br />
Trennlinie nicht zuletzt auch durch die Differenzierung<br />
in ganzheitlichere, das gesamte Wesen berücksichtigende<br />
„Wirklichkeit“ (für die <strong>Jugendhilfe</strong>) <strong>und</strong> mehr oder weniger<br />
faktenforschende „Wahrheit“ (für die Justiz), wenn man von<br />
der marginalen Einbeziehung vergangener <strong>und</strong> gegenwärtiger<br />
Lebensumstände der jeweiligen Täter einmal absieht<br />
(vgl. T.Mörsberger 2002, http://www.sgbviii.de/S129.html).<br />
anzutreffende Ausblendung aller (auch<br />
positiven) Anteile <strong>und</strong> Wesenszüge der<br />
betroffenen Jugendlichen sowie der<br />
erfolgreichen Arbeitsschritte der betroffenen<br />
Helfersysteme – der Fokus der<br />
Aufmerksamkeit hinsichtlich der<br />
Schnittstellenproblematik von <strong>Jugendhilfe</strong><br />
<strong>und</strong> Justiz widmet sich i.d.R. eben<br />
nicht den Fällen, die man gemeinhin als<br />
„positive Verlaufsfälle“ bezeichnen<br />
würde – der nur ansatzweise mit einer<br />
intensiven <strong>und</strong> um Verständnis werbenden<br />
Darstellung des jeweiligen biographischen<br />
Hintergr<strong>und</strong>s der Betroffenen<br />
begegnet werden kann.<br />
Zur Kooperation zwischen<br />
<strong>Jugendhilfe</strong> <strong>und</strong> Justiz:<br />
Zum theoretischen Anspruch<br />
Etliche <strong>Jugendhilfe</strong>- bzw. Jugendstrafvollzugsfälle<br />
verdeutlichen den Einfluss<br />
erzieherischer Versäumnisse der betroffenen<br />
Eltern bzw. Elternteile. Ein inkonsequenter<br />
Erziehungsstil, gekoppelt an<br />
emotionale Vernachlässigung, Gewalt<br />
<strong>und</strong> fehlende Struktursetzung, führen –<br />
wenngleich sicherlich nicht begreifbar<br />
als unumkehrbarer Automatismus –<br />
häufig zu extrem unangemessenen<br />
Verhaltensweisen, da zu erbringende<br />
Sozial- <strong>und</strong> Anpassungsleistungen in<br />
der Vergangenheit nicht erlernt wurden<br />
bzw. erworben werden konnten <strong>und</strong> die<br />
Seite 22<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Seite 23<br />
betroffenen <strong>Kinder</strong> sich ihren eigenen<br />
Wertekanon schaffen mußten, der nicht<br />
zuletzt auch ein resignatives Ergebnis<br />
vorheriger Enttäuschungen <strong>und</strong> Misserfolge<br />
ist.<br />
Dies berücksichtigend wird deutlich,<br />
dass es zu keinem Zeitpunkt ausschließlich<br />
darum gehen darf, geschehene<br />
Straftaten ohne Einbeziehung des ausführenden<br />
Individuums (Täterorientierung)<br />
auf den faktischen Vorgang (Tatorientierung)<br />
zu beschränken <strong>und</strong> ob<br />
eben dieses eine Verurteilung vorzunehmen,<br />
die weniger den erzieherischen<br />
als vielmehr den strafenden Aspekt<br />
betont. Neben dem Bereich der <strong>Jugendhilfe</strong><br />
hat auch das Jugendstrafrecht dies<br />
schon seit Jahren <strong>und</strong> nicht erst seit dem<br />
Urteil des B<strong>und</strong>esverfassungsgerichts<br />
zur Reform des Jugendstrafvollzugs<br />
erkannt: Ausgehend von der Annahme,<br />
dass es sich bei jungen Tätern um harmlosere,<br />
vorübergehende Erscheinungen<br />
(Episodenhaftigkeit der Jugendkriminalität)<br />
handelt, die bei der gesellschaftlichen<br />
Eingliederung auftreten können,<br />
soll den Tätern durch ernsthafte Ermahnungen<br />
oder leichte Sanktionen<br />
erzieherisch begegnet werden, während<br />
auf eine übermäßige Strafe angesichts<br />
ihres entwicklungsschädigenden Charakters<br />
verzichtet werden soll.<br />
Durch die Überarbeitung der Jugendstrafvollzugsgesetze<br />
in den einzelnen<br />
B<strong>und</strong>esländern 1 – in Bayern, Hamburg<br />
<strong>und</strong> Niedersachsen ist das Jugendstrafvollzugsgesetz<br />
in den Erwachsenenvoll-<br />
zug integriert, was von etlichen Fachleuten<br />
als unsachgemäß kritisiert wird -<br />
sollte neben dem Schutz der Allgemeinheit<br />
(mithin von Bayern <strong>und</strong> Hamburg<br />
zum primären Ziel des Jugendstrafvollzugs<br />
erklärt) insbesondere der erzieherische<br />
Anspruch des Vollzugs betont<br />
werden:<br />
§ 113<br />
Im Vollzug der Jugendstrafe sollen die<br />
Gefangenen vor allem fähig werden, künftig<br />
in sozialer Verantwortung ein Leben ohne<br />
Straftaten zu führen. Der Vollzug der Jugendstrafe<br />
dient auch dem Schutz der Allgemeinheit<br />
vor weiteren Straftaten.<br />
§ 114<br />
Der Vollzug ist erzieherisch zu gestalten.<br />
Zur Erreichung des Vollzugszieles nach<br />
§ 113 ist die oder der Gefangene in der<br />
Entwicklung von Fähigkeiten <strong>und</strong> Fertigkeiten<br />
sowie der Bereitschaft zu einer eigenverantwortlichen<br />
<strong>und</strong> gemeinschaftsfähigen<br />
Lebensführung in Achtung der Rechte<br />
anderer zu fördern. Die Förderung der oder<br />
des Gefangenen ist insbesondere auf soziales<br />
Lernen <strong>und</strong> die Ausbildung von Fähigkeiten<br />
<strong>und</strong> Kenntnissen, die einer künftigen beruflichen<br />
Integration dienen, auszurichten. 2<br />
In speziellen Jugendstrafanstalten, die<br />
von den Haftanstalten Erwachsener<br />
institutionell <strong>und</strong> räumlich getrennt<br />
sind, um Kontakte zu „ausgewachsenen<br />
Straftätern“ zu vermeiden, sollen besonders<br />
geschulte Vollzugsbeamte <strong>und</strong><br />
Sozialarbeiter die inhaftierten Jugendlichen<br />
im Rahmen eines bei Aufnahme<br />
1<br />
Seit der Föderalismusreform ist der Strafvollzug Sache der<br />
Länder.<br />
2<br />
vgl. NJVollzG in der Fassung aus 12.2007<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
erstellten Vollzugsplans (ausgehend<br />
von einer psychologischen Untersuchung)<br />
betreuen. Insbesondere Sport<strong>und</strong><br />
Arbeitsangebote sowie die Durchführung<br />
einer Berufsausbildung sollen<br />
die Monotonie des Alltags durchbrechen,<br />
Selbstvertrauen aufbauen <strong>und</strong> auf<br />
ein selbstständiges Leben nach der<br />
Haftstrafe vorbereiten. Psychotherapeutische<br />
Angebote (Gruppen- oder Einzeltherapie,<br />
soziale Trainingskurse, AAT,<br />
Drogenentzugsmaßnahmen) vervollständigen<br />
die Arbeit mit den betroffenen<br />
Jugendlichen. Soweit in aller Kürze<br />
der begrüßenswerte gesetzliche Anspruch<br />
an die Ausformung des Jugendstrafvollzugs,<br />
doch zusammenfassend<br />
lassen sich aus etlichen Praxisbeispielen<br />
verschiedene verbesserungswürdige<br />
Aspekte entnehmen, aus denen sich<br />
diverse Forderungen ableiten lassen.<br />
Zur Kooperation zwischen<br />
<strong>Jugendhilfe</strong> <strong>und</strong> Justiz:<br />
Die praktische Wirklichkeit<br />
Den erzieherischen Aspekt von Jugendstrafen<br />
aufgreifend <strong>und</strong> den Ausbau<br />
sozialpädagogischer Begleitung innerhalb<br />
der Jugendhaftanstalten berücksichtigend<br />
bleibt aus <strong>Jugendhilfe</strong>sicht zu<br />
fordern,<br />
dass dem ganzheitlichen Entwicklungsverlauf<br />
von <strong>Kinder</strong>n <strong>und</strong> Jugendlichen<br />
bzw. dem jeweiligen Tempo<br />
dieser Entwicklung Rechnung zu<br />
tragen ist [<strong>Jugendhilfe</strong> „heilt nicht sofort“,<br />
sondern wirkt im Rahmen eines<br />
langen Beziehungsprozesses, der (auch<br />
strafrechtlich relevante) Rück- <strong>und</strong><br />
Fehlschläge beinhalten kann, die es als<br />
Teil der individuellen Entwicklung<br />
gemeinsam zu bearbeiten gilt <strong>und</strong><br />
nicht „wegsanktioniert“ werden können],<br />
dass Haft erst dann als letztes Mittel<br />
gewählt werden sollte, wenn alle bisherigen<br />
Bemühungen fehlschlugen,<br />
insbesondere bei denen, von denen anzunehmen<br />
ist, dass eine Haftstrafe –<br />
so gerechtfertigt sie aus juristischer<br />
Perspektive auch sein mag – ihre<br />
Entwicklung nochmals negativ beeinflußt,<br />
dass, wenn denn das Argument des<br />
Schutzes der Bevölkerung vor weiteren<br />
Straftaten ins Feld geführt wird,<br />
auch wieder vermehrt intensivpädagogische<br />
Einzelbetreuungsmaßnahmen,<br />
ggf. auch im Ausland, forciert<br />
werden sollten. Sind diese auch –<br />
nicht zuletzt aus Kostengründen (<strong>Jugendhilfe</strong><br />
speist sich eben aus einem<br />
anderen Topf als Jugendstrafe) – im<br />
Laufe der vergangenen Jahre sehr<br />
rückläufig, respektieren sie doch das<br />
legitime Sicherheitsbedürfnis der Bürgerinnen<br />
<strong>und</strong> Bürger (die sich bei<br />
Aufenthalt eines Jugendlichen im<br />
Ausland durchaus geschützt fühlen<br />
dürfen),<br />
dass die quantitative <strong>und</strong> qualitative<br />
personelle Ausstattung der Haftanstalten,<br />
jedoch auch die der anderen<br />
beteiligten Instanzen <strong>und</strong> Institutionen<br />
so zu gestalten ist, dass die gesetzlichen<br />
Vorgaben des Jugendstrafrechts<br />
<strong>und</strong> des novellierten Jugendstrafvollzugsgesetzes<br />
auch eine Chan-<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010<br />
Seite 24
Seite 25<br />
ce haben, realisiert zu werden (u.a.<br />
weiterer Ausbau der Partizipationsmöglichkeiten<br />
an der eigenen Maßnahme,<br />
gesellschaftliche Wiedereingliederung<br />
als oberstes Vollzugsziel)<br />
<strong>und</strong> mögliche Überlastungsreaktionen<br />
des vorhandenen Personals vermieden<br />
werden,<br />
dass inhaftierte Jugendliche <strong>und</strong> junge<br />
Erwachsene durch entsprechende Angebote<br />
des in ausreichender Anzahl<br />
vorhandenen Personals in offeneren<br />
Vollzugskonzepten in die Lage versetzt<br />
werden, künftig ein Leben in sozialer<br />
Verantwortung zu führen, was<br />
eine weitere Anpassung des Vollzugs<br />
an die allgemeinen Verhältnisse (z.B.<br />
im Kontext von Schule <strong>und</strong> Ausbildung)<br />
erfordert, um den schädlichen<br />
Folgen eines geschlossenen Freiheitsentzugs<br />
entgegenzuwirken,<br />
dass sich das Ausschöpfen des erzieherischen<br />
Spielraums, den der Gesetzgeber<br />
dem Jugendstrafrecht <strong>und</strong> dem<br />
sich daraus ergebenden Vollzug nicht<br />
auf das Engagement einzelner beschränkt,<br />
sondern qua Gestaltungsrahmen<br />
formalisierter, strukturierter<br />
<strong>und</strong> somit weniger beeinflußt von individuellen<br />
Einschätzungen „automatisierter“<br />
(nicht im Sinne einer Maschine,<br />
sondern im Sinne der Ressourcennutzung<br />
als automatisches Selbstverständnis)<br />
abläuft,<br />
dass die vorhandenen Ressourcen der<br />
<strong>Jugendhilfe</strong>, konkreter der Freien Träger<br />
– denn es muß ja nichts neu geschaffen<br />
werden, stehen doch die fachlichen<br />
Angebote zur Verfügung – unter<br />
Berücksichtigung der Vermeidung<br />
eines beziehungsgefährdenden „Doppelten<br />
Mandats“ verbindlich in die<br />
Arbeit des Jugendstrafvollzugs einbezogen<br />
werden,<br />
dass eine flexiblere Bereitschaft der<br />
einzelnen Kostenträger (Entsäulung<br />
bisheriger Refinanzierungsvorgänge)<br />
entsteht, so dass nicht nur gerichtlich<br />
auferlegte Sanktionen wie beispielsweise<br />
die Absolvierung eines Sozialen<br />
Trainingskurses auch durchgeführt<br />
werden können, sondern auch <strong>und</strong><br />
insbesondere Mitarbeiterinnen <strong>und</strong><br />
Mitarbeiter von <strong>Jugendhilfe</strong>einrichtungen<br />
in die Lage versetzt werden,<br />
vor, in <strong>und</strong> nach Haft passgenaue Hilfen<br />
anbieten zu können.<br />
Es ist zu begrüßen, dass sich neben allen<br />
großen Wohlfahrtsverbänden auch<br />
andere Zusammenschlüsse <strong>und</strong> Vereine<br />
wie die Arbeitsgemeinschaft für <strong>Kinder</strong><strong>und</strong><br />
<strong>Jugendhilfe</strong> (AGJ), der B<strong>und</strong>esverband<br />
für Erziehungshilfe e.V. (AFET)<br />
oder der Evangelische Erziehungsverband<br />
e.V. (EREV) in ähnlich lautenden<br />
Stellungnahmen äußerten, was den<br />
thematisierten notwendigen Aspekten<br />
<strong>und</strong> nicht zuletzt den betroffenen Jugendlichen<br />
zu einer noch deutlicheren<br />
Lobby verhelfen dürfte.<br />
Autor:<br />
Thomas Brodhuhn<br />
Dipl.-Päd.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Neue Küche für die <strong>Kinder</strong>krippe Hünenburg<br />
Kochen können die <strong>Kinder</strong> in der<br />
<strong>Kinder</strong>krippe Hünenburg zwar noch<br />
nicht, doch gemeinsam mit ihren drei<br />
Erziehungsfachkräften freuen sie sich<br />
über eine neue Küche.<br />
Schränke, Elektrogeräte <strong>und</strong> eine große<br />
Arbeitsfläche im Wert von mehreren<br />
tausend Euro wurden gespendet<br />
<strong>und</strong> aufgebaut von der Löhner Firma<br />
Nolte Küchen.<br />
„Die neue Küche fügt sich hervorragend<br />
in unsere großzügigen Räumlichkeiten<br />
ein“, sagt <strong>Kinder</strong>krippenleiterin<br />
Sigrid Steinmetzger (Foto). Die<br />
von einem gemeinnützigen Verein<br />
getragene <strong>Kinder</strong>krippe auf dem Gelände<br />
der <strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong><br />
Hünenburg in Melle-Riemsloh betreut<br />
bis zu 12 <strong>Kinder</strong> im Alter von bis zu 3<br />
Jahren.<br />
(ON am Sonntag vom 06.06.2010)<br />
Ehrlicher Finder<br />
Das habe ein dickes Lob verdient, schilderte<br />
eine Anruferin Else einen Vorfall. Es sei ihr ein<br />
Herzensanliegen, auf diesem Wege noch einmal<br />
Dank zu sagen, denn sie habe kürzlich Ihr<br />
Portemonnaie verloren.<br />
Der Tag sei von Beginn an sehr hektisch gewesen.<br />
So habe sie die Geldbörse vor dem Einsteigen<br />
ins Auto auf das Dach gelegt, was man ja<br />
eigentlich nicht tun sollte. Sie sei losgefahren<br />
<strong>und</strong> schon war es passiert: Geld weg, Papiere<br />
fort. Als sie das Malheur bemerkte war es zu<br />
spät.<br />
Die Suche verlief ergebnislos. Dann habe ihre<br />
Tochter sie angerufen. Jemand habe sich gemeldet,<br />
ihre Mutter könne das Portemonnaie im<br />
Büro der Hünenburg abholen. Dort erzählte ihr<br />
ein Erzieher, dass ein junger Mann der dort<br />
betreut werde, den F<strong>und</strong> abgeliefert habe. Ganz<br />
gerührt war die Riemsloherin angesichts des<br />
ehrlichen Finders. Schön das es so etwas noch<br />
gibt.<br />
(Meller Kreisblatt vom 12.05.2010)<br />
Seite 26<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Wie der Frosch in der Milch?<br />
Das Einführungsheft der Hünenburg<br />
Es gibt die alte<br />
Geschichte vom<br />
Frosch, der in ein<br />
Fass mit Milch<br />
fällt <strong>und</strong> so lange<br />
strampelt, bis die<br />
Milch zu Butter<br />
wird <strong>und</strong> er dadurch<br />
wieder<br />
festen Halt unter<br />
den Füßen bekommt.<br />
Inzwischen über 150 Jahre alt: Historische Postkarte der Hünenburg<br />
Seite 27<br />
Dieses „Ins kalte Wasser werfen“ <strong>und</strong> mal hoffen, dass sich die neuen MitarbeiterInnen durch<br />
eigene Kraft <strong>und</strong> Initiative retten, praktizieren manche Unternehmen bei der Einführung<br />
neuer MitarbeiterInnen. Diese Unternehmen wünschen sich, dass die MitarbeiterInnen durch<br />
diese Art der Einarbeitung innerlich gestärkt werden <strong>und</strong> ihre Kompetenzen erweitern. Leider<br />
wird dabei oft übersehen, dass lange nicht alle Frösche überleben werden <strong>und</strong> dass wahrscheinlich<br />
ein großer Teil dieser Frösche ängstlich <strong>und</strong> verstört wären. Ihrem inneren Gefühlszustand<br />
entsprechend würden sie sich verunsichert in ihrer neuen Umgebung bewegen <strong>und</strong><br />
Aufgaben verängstigt aus dem Weg gehen. So ähnlich<br />
könnte es vielen neuen MitarbeiterInnen gehen.<br />
Die Hünenburg um 1920<br />
Um dieser Art der Einfügung entgegenzuwirken, verfügt<br />
die Hünenburg seit geraumer Zeit u.a. über ein so<br />
genanntes Einführungsheft, dessen Aufgabe es ist,<br />
neuen MitarbeiterInnen den Arbeitseinstieg in die <strong>Kinder</strong>-<br />
<strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg zu vereinfachen <strong>und</strong><br />
ein ganzheitliches Bild der Einrichtung entstehen zu<br />
lassen. Zu diesem gehören die Philosophie, die Aufgaben<br />
<strong>und</strong> verschiedenen Arbeitsbereiche, aber auch, was<br />
die Einrichtung zu bieten hat <strong>und</strong> was sie sich von ihren<br />
MitarbeiterInnen wünscht. Ein Organigramm, die Vorstellung<br />
des ehrenamtlichen <strong>Stiftung</strong>svorstands <strong>und</strong><br />
eine Auflistung der Ansprechpartner für die jeweiligen<br />
Bereiche r<strong>und</strong>en das Einführungsheft ab, aus dem wir<br />
im Folgenden Ausschnitte darstellen.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
So könnte Ihre<br />
Einstellung verlaufen:<br />
Vorstellungsgespräch<br />
Hospitation<br />
Einstellung<br />
Empfang des Arbeitsvertrages <strong>und</strong> Besprechung<br />
der Rechte <strong>und</strong> Pflichten<br />
Aufklärung über die Mitarbeitervertretung<br />
Der Pate/Mentor stellt sich vor<br />
(Einführungsbegleitung)<br />
R<strong>und</strong>führung durch die Einrichtung<br />
Einführung durch die/den GruppenleiterIn<br />
<strong>und</strong> das Team<br />
Einführung in die Arbeit mit den Klienten<br />
Doppeldienste <strong>und</strong> Begleitdienste in der<br />
Eingangsphase<br />
Raum für Fragen <strong>und</strong> Anleitung (Teamgespräche,<br />
Dienstbesprechungen, Dienstübergaben,<br />
Kompetenzkurse etc.)<br />
Erklärung des Rufbereitschaftsmodells<br />
Einführung in die administrative Arbeit<br />
Regelmäßige Mitarbeiterbewertungsgespräche/kollegiale<br />
Intervision<br />
Was die Hünenburg bietet:<br />
Ein angenehmes, kollegiales Betriebsklima<br />
In der Einrichtung wird eine kollegiale <strong>und</strong><br />
intervisorische Atmosphäre unterstützt.<br />
Professionelle, moderne Arbeitsumgebung<br />
…die zeitgemäß weiterentwickelt wird.<br />
Professionelle Konzepte<br />
Das Arbeiten nach zeitgemäßen <strong>und</strong> professionellen<br />
Methoden <strong>und</strong> Konzepten.<br />
Begleitung<br />
In der Einarbeitungszeit (s.links) <strong>und</strong> darüber<br />
hinaus in verschiedenen Gremien.<br />
Kompetenzkurse<br />
Austausch <strong>und</strong> Beratung für neue MitarbeiterInnen<br />
<strong>und</strong> solche in Ausbildung.<br />
Fortbildung<br />
Uns ist es wichtig, dass sich die MitarbeiterInnen<br />
weiterentwickeln, bilden <strong>und</strong> einrichtungsinterne<br />
„Karrieremöglichkeiten“ erhalten können. Es<br />
besteht damit nicht nur das Recht, sich fortzubilden,<br />
sondern es wird ausdrücklich gewünscht<br />
<strong>und</strong> unterstützt (vgl. S. 29).<br />
Einzel-, Gruppen- <strong>und</strong> Teamsupervision<br />
Es ist uns wichtig, dass die MitarbeiterInnen mit<br />
ihren Problemen bei der Arbeit nicht alleine sind<br />
<strong>und</strong> die Möglichkeit haben, sich zu reflektieren<br />
<strong>und</strong> weiterzuentwickeln.<br />
Gemeinschaftliche Aktivitäten<br />
Aktivitäten wie Feste oder Ausflüge schaffen die<br />
Möglichkeit, auch andere MitarbeiterInnen<br />
kennenzulernen. Die Erfahrungen zeigen, dass es<br />
dadurch einfacher wird, miteinander zu arbeiten<br />
<strong>und</strong> Konflikten zuvorzukommen oder einfacher<br />
zu lösen.<br />
LOB<br />
Möglichkeit der Teilnahme am Modell der leistungsorientierten<br />
Bezahlung.<br />
Tarif AVR-K<br />
Eingruppierung in das Tarifwerk der Konföderation<br />
evangelischer Kirchen in Niedersachsen.<br />
Seite 28<br />
Autor: Christian Vakonic (Sozialpädagoge B.A.)<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Studieren an der Saxion<br />
Seite 29<br />
Auswirkungen des demographischen<br />
Faktors? Befürchtete Kürzungen im<br />
Bereich der Sozialen Arbeit? Unattraktive<br />
Stellenanteile bei schlechter Bezahlung?<br />
Lieber in Komm-Strukturen beraten<br />
als sich auf Beziehungsarbeit in<br />
arbeitsintensiven Schichtdienstmodellen<br />
einlassen? Die Ursachen für den vielerorts<br />
beklagten Fachkräftemangel, der<br />
aktuell auch die Landesarbeitsgemeinschaft<br />
der Freien Wohlfahrtspflege in<br />
Niedersachsen (LAG) zur Kampagne<br />
„TYPEN GESUCHT. Deine Wahl – sozial“<br />
bewogen hat, sind vielfältig, die<br />
Auswirkungen vielerorts gleich: Es fehlt<br />
an qualifiziertem Personal, das bereit ist,<br />
in der vollstationären <strong>Jugendhilfe</strong> tätig<br />
zu werden.<br />
Aus diesem Gr<strong>und</strong> ist die <strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong><br />
Hünenburg stets bemüht, „Nachwuchs<br />
aus den eigenen Reihen zu rekrutieren“,<br />
um die Attraktivität eines Arbeitsplatzes<br />
auf der Hünenburg zu erhöhen, individuelle<br />
Aus- <strong>und</strong> Fortbildungswünsche angemessen<br />
zu berücksichtigen <strong>und</strong> Bindungswünsche<br />
der MitarbeiterInnen zu fördern<br />
sowie eine zukunftsgerichtete Personalplanung<br />
durchführen zu können, die darauf<br />
abzielt, frei werdende oder neu zu schaffende<br />
Stellen zeitnah wiederbesetzen zu können.<br />
Drei ErzieherInnen wurden gebeten,<br />
im Rahmen eines Interviews über ihr<br />
berufsbegleitendes Sozialpädagogik-<br />
Studium an der Hochschule Enschede<br />
(NL) zu berichten. Im Folgenden ihre<br />
Aussagen:<br />
Mit welchem Ziel studiert ihr an der Saxion Hochschule Enschede?<br />
MA 1:<br />
Mein Ziel ist es, Sozialpädagogin zu werden. Hier habe ich mehr berufliche<br />
Möglichkeiten.<br />
MA 2:<br />
Der Abschluss ermöglicht es mir, mit guten praktischen Kenntnissen ins<br />
Berufsleben zu gehen.<br />
Welche Faktoren haben euch dazu bewogen, gerade diesen Studiengang an dieser Hochschule<br />
zu belegen?<br />
MA 1:<br />
Mich sprach das Konzept an, als ich beim Tag der offenen Tür an der<br />
Saxion war. Zudem hörte ich von guten Erfahrungen meiner Kolleginnen.<br />
MA 2:<br />
Für mich war der wichtigste Faktor, dass dieses Studium berufsbegleitend<br />
ist <strong>und</strong> ich somit nicht nur in der Uni sitze <strong>und</strong> jede Menge Theorie lerne,<br />
aber kaum Erfahrungen in der Praxis habe.<br />
MA 3:<br />
Der Studiengang Sozialpädagogik an der Saxion wird auf Teilzeit <strong>und</strong> in<br />
Deutsch angeboten. Für mich war klar, dass ich neben dem Studium, aus<br />
finanziellen Gründen, arbeiten muss. Außerdem ist der Studiengang dort<br />
sehr praxisnah.<br />
In welchem Semester studiert ihr Sozialpädagogik an der Saxion Hochschule Enschede?<br />
MA 3:<br />
An der Saxion ist die Studienzeit nicht in Semester eingeteilt. Das Studium<br />
erstreckt sich über vier Jahre. Ich bin im zweiten Jahr.<br />
MA 1:<br />
Ein Jahr besteht aus vier Perioden. Ich befinde mich im zweiten Jahr.<br />
MA 2:<br />
Ich bin im dritten Studienjahr.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Worauf wird in den Studieninhalten besonders viel Wert gelegt?<br />
MA 3:<br />
Besonders viel Wert wird auf die persönliche Entwicklung gelegt. Im<br />
Laufe des Studiums sollen eine deutliche Entwicklung <strong>und</strong> Kompetenzzuwachs<br />
erkennbar sein.<br />
MA 1:<br />
Man beschäftigt sich viel mit dem Gruppen- sowie individuellen Lernprozess.<br />
Hierfür verfasst man in regelmäßigen Abschnitten seinen Entwicklungsstand.<br />
Begleitet wird das Studium anhand eines Portfolios, in dem<br />
man seine individuellen Fachhochschulkompetenzen nachweist.<br />
MA 2:<br />
Neben der persönlichen Entwicklung werden Dynamiken <strong>und</strong> Prozesse in<br />
der Studiengruppe viel betrachtet. Ein ständiger Bestandteil ist das Erlernen<br />
des Reflektierens, Evaluieren <strong>und</strong> Feedback geben/nehmen. Generell<br />
kann man sagen, dass in Enschede viel Wert auf eine eigene Verantwortung<br />
zum Erlangen von Kenntnissen <strong>und</strong> Fertigkeiten gelegt wird.<br />
Wie verteilt sich das Verhältnis zwischen Studium (Theorie) <strong>und</strong> Berufstätigkeit (Praxis)?<br />
MA 2:<br />
Ein großer Teil des Studiums besteht in berufsbezogenem Unterricht.<br />
MA 1:<br />
Vorgesehen sind ca. 20 Std. Theorie <strong>und</strong> mindestens 20 Std. Praxis.<br />
MA 2:<br />
Es gibt einen festen Studientag in der Woche. Für die Praxis muss man<br />
eine Praktikumsstelle mit mindestens 20 Arbeitsst<strong>und</strong>en pro Woche haben.<br />
Sind diese beiden Ebenen für euch persönlich miteinander vereinbar?<br />
MA 3:<br />
Im Studium werden sehr praxisnahe Themen bearbeitet, die man gut in<br />
die Wohngruppe mitnehmen kann. Außerdem wird hier natürlich auch<br />
meine persönliche Entwicklung deutlich, die ich durch Lernziele erreiche.<br />
Zeitlich ist es natürlich hin <strong>und</strong> wieder schwer, alles unter einen Hut zu<br />
bekommen. Hier muss man gut organisiert sein. Gerade in den Wochen,<br />
in denen sich die Abgabetermine häufen ist es schon mal stressig. Hier ist<br />
ein gutes Zeitmanagement sehr wichtig, um alles zu schaffen.<br />
Seite 30<br />
Wie erfolgt die Unterstützung auf der Praxis-Ebene?<br />
MA 2:<br />
Insgesamt sind zwei Gespräche pro Jahr mit der Praxisanleitung angesetzt,<br />
in denen neue Lernziele entwickelt werden sowie geschaut wird, wo<br />
ich stehe <strong>und</strong> welche Fertigkeiten noch erlangt werden müssen.<br />
MA 3:<br />
Bei meiner Praxisanleitung kann ich auch äußern, wenn mal etwas gar<br />
nicht gut läuft <strong>und</strong> ich Unterstützung brauche.<br />
Wie reagieren eure Kollegen auf euer Studium?<br />
MA 1:<br />
Dienstags ist MA 3’s <strong>und</strong> meine Studientag. Somit können wir uns an<br />
diesem Tag aus der Praxis ausklinken.<br />
MA 3:<br />
Dienstplantechnisch ist es natürlich hin <strong>und</strong> wieder nachteilig für meine<br />
KollegInnen, dass wir beide Dienstags keinen Dienst übernehmen können.<br />
Jedoch reagieren die Kollegen gr<strong>und</strong>sätzlich sehr positiv auf das Studium<br />
<strong>und</strong> motivieren wenn nötig.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Wo seht ihr die besonderen Vor- <strong>und</strong> Nachteile dieses speziellen Systems?<br />
MA 2:<br />
Der Vorteil ist, dass man die Möglichkeit bekommt, theoretische Inhalte<br />
mit in die Praxis zu nehmen, auszuprobieren oder anzuwenden.<br />
MA 3:<br />
Ich empfinde den praktischen Anteil im Studium als sehr angenehm <strong>und</strong><br />
abwechslungsreich. Ich kann schon während meines Studiums eine Menge<br />
wichtiger Berufserfahrung sammeln. Als klaren Vorteil des Teilzeitstudiums<br />
sehe ich außerdem, dass ich nebenbei ganz normal angestellt sein<br />
<strong>und</strong> Geldverdienen kann. Ansonsten wäre es mir nur schwer möglich zu<br />
studieren. Nachteilig ist, dass das Studium sehr arbeitsintensiv ist <strong>und</strong> eine<br />
Menge Eigenstudium erfordert.<br />
Seite 31<br />
Gibt es Punkte, die ihr bereits in eurem Studium gelernt habt <strong>und</strong> als besonders wichtig<br />
für eure praktische Tätigkeit erachtet?<br />
MA 1:<br />
Im ersten Jahr habe ich bereits viele Methoden erlernt, die ich bereits in<br />
der Praxis umsetzen <strong>und</strong> in mein Handeln einbeziehen konnte.<br />
MA 3:<br />
Ich konnte mich innerhalb des ersten Jahres durchaus weiterentwickeln.<br />
Ich habe viel über mich <strong>und</strong> meine Wirkung auf Menschen bzw. Klienten<br />
gelernt <strong>und</strong> auch Tipps bekommen damit umzugehen. Außerdem habe<br />
ich zum Thema Kommunikation, sowohl mündlich als auch schriftlich,<br />
viele Erfahrungen sammeln können. Auch kann ich neues theoretisches<br />
Wissen in mein alltägliches Handeln einbeziehen.<br />
MA 2:<br />
Das wichtigste das ich gelernt habe ist, dass ich für meine eigene Entwicklung<br />
verantwortlich bin, sowohl in der FH als auch in der Praxis.<br />
Ihr studiert an einer holländischen Hochschule. Welche Erfahrungen zieht ihr daraus,<br />
im europäischen Ausland zu studieren?<br />
MA 3:<br />
Es ist sehr positiv die niederländische Kultur durch das Studium etwas<br />
kennen zu lernen. Hierdurch bekommt man für einige Dinge eine andere<br />
Sichtweise. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Niederländer zwar etwas<br />
unregelmäßige, aber sehr fre<strong>und</strong>liche Menschen sind.<br />
MA 2:<br />
Alles in allem erleichtert es einem sicher, eine gewisse „Relaxtheit“ in<br />
diesem Feld zu haben. Positiv zu werten ist, dass die holländischen Dozenten<br />
engagiert <strong>und</strong> motiviert die Unterrichtsst<strong>und</strong>en leiten. Auch existiert<br />
an der Saxion eine sehr persönliche, gleichgestellte Ebene zwischen<br />
Studenten <strong>und</strong> Dozenten. Da der Studiengang auf Deutsch ist <strong>und</strong> so gut<br />
wie alle Dozenten gut deutsch sprechen, habe ich nicht das Gefühl, im<br />
Ausland zu studieren.<br />
Seht ihr konkrete Unterschiede zu einem Studium in Deutschland?<br />
MA 1:<br />
Wenn ich das Studium beendet habe, kann ich von mir behaupten, Praxiserfahrung<br />
zu haben. In Deutschland ist das Studium sehr theorielastig. Ich<br />
empfinde das niederländische Studium als prozessorientiert während das<br />
deutsche eher leistungsorientiert erscheint.<br />
MA 3:<br />
Außerdem sticht hervor, dass meine persönliche Entwicklung an der<br />
Saxion als der wesentlichste Teil gesehen wird.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Nennt insgesamt sechs Punkte (je drei pro <strong>und</strong> drei contra), die euch spontan zu eurem<br />
Studium an der Saxion einfallen.<br />
MA 1 MA 2 MA 3<br />
Pro<br />
Contra<br />
praxisnah<br />
Berufserfahrung<br />
sammeln<br />
größere Berufschancen<br />
(der Studiengang<br />
an der<br />
Saxion ist hoch<br />
angesehen)<br />
man benötigt ein<br />
gutes Zeitmanagement<br />
Selbststudium<br />
seltener Austausch<br />
mit den<br />
Kommilitonen<br />
möglich<br />
praktische Tätigkeit<br />
Eigenverantwortung<br />
Flexibilität (es gibt zwar<br />
feste Abgabetermine, jedoch<br />
ist einem frei gestellt,<br />
wie man sich seinen<br />
Zeitplan einteilt)<br />
teilweise bleiben die<br />
Unterrichtsinhalte sehr an<br />
der Oberfläche <strong>und</strong> wiederholen<br />
sich häufig<br />
häufige konzeptionelle<br />
Umstrukturierungen<br />
hohe Studiengebühren<br />
<strong>und</strong> zusätzlich hohe Ausgaben<br />
für Unterrichtsmaterialien<br />
praxisnaher Studiengang<br />
Berufserfahrung<br />
sammeln<br />
Möglichkeit, neben<br />
dem Studium Geld<br />
zu verdienen<br />
sehr zeitintensives<br />
Studium<br />
schwer, alles unter<br />
einen Hut zu bekommen<br />
(Arbeit,<br />
Studium, Freizeit)<br />
hoher Anteil an<br />
Selbststudium<br />
Seite 32<br />
Unser herzlicher Dank gilt den drei interviewten MitarbeiterInnen für ihre Bereitschaft, von ihren<br />
Erfahrungen an der Saxion Hochschule Enschede zu berichten.<br />
Einleitungstext: Thomas Brodhuhn (Dipl.-Päd.)/Interview: Nicolé Adämmer (Erziehungswissenschaftlerin)<br />
__________________________________________________________________________<br />
Studienganginformationen:<br />
Hochschule:<br />
Saxion Hochschule Enschede (NL)<br />
Studienrichtung:<br />
Sozialpädagogik / Social Work (berufsbegleitender<br />
Teilzeitstudiengang in deutscher Sprache)<br />
Abschluss:<br />
Bachelor of Social Work<br />
Dauer:<br />
4 Jahre (Studienverkürzung ist für pädagogisch<br />
<strong>und</strong>/oder heilpädagogisch ausgebildete Bewerber<br />
möglich)<br />
Zugangsvoraussetzungen: Abitur, Fachhochschulreife, eine abgeschlossene<br />
Ausbildung als Erzieher, Heilerziehungspfleger oder<br />
Heilpädagoge (bei anderen, gleichwertigen Vorausbildungen<br />
wird die Zulassbarkeit im Einzelfall geprüft).<br />
Für die Dauer des Studiums ist ein Praktikums-<br />
oder Arbeitsplatz von wenigstens 20 Wochenst<strong>und</strong>en<br />
im sozialpädagogischen Bereich erforderlich<br />
Weitere Informationen:<br />
www.saxion.de<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Seite 33<br />
Landeskirche <strong>und</strong> Diakonie<br />
bitten um Vergebung<br />
Gemeinsame Erklärung der Evangelisch-lutherischen<br />
Landeskirche Hannovers<br />
<strong>und</strong> des Diakonischen Werkes<br />
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche<br />
Hannovers e.V. zu der<br />
Situation in Heimen der Jugendfürsorge<br />
in den 50er <strong>und</strong> 60er Jahren.<br />
Mit Trauer stellen wir fest, dass in unseren<br />
Einrichtungen der Jugendfürsorge in<br />
den 50er <strong>und</strong> 60er Jahren schlimmes Unrecht<br />
geschehen ist.<br />
1. Uns beschämt, dass in den 50er <strong>und</strong><br />
60er Jahren unser christlicher Anspruch<br />
von der Wirklichkeit oft nicht<br />
gedeckt wurde. Insbesondere sehen<br />
wir, dass es häufig zu Gewaltanwendungen<br />
kam, ein oft massiver psychischer<br />
Druck herrschte <strong>und</strong> in den<br />
Heimen nicht individuell fördernd auf<br />
die <strong>Kinder</strong> <strong>und</strong> Jugendlichen eingegangen<br />
worden ist.<br />
Dadurch ist die Würde der uns anvertrauten<br />
<strong>Kinder</strong> <strong>und</strong> Jugendlichen oft<br />
nachhaltig verletzt <strong>und</strong> ihr Leben<br />
beschädigt worden.<br />
Wir setzen uns dafür ein, dass in<br />
unseren Einrichtungen ohne Gewalt,<br />
in einer Atmosphäre des Respekts,<br />
einfühlsam <strong>und</strong> achtsam miteinander<br />
umgegangen wird. Wir wollen die<br />
Fähigkeiten <strong>und</strong> Entwicklungspotentiale<br />
des Einzelnen fördern.<br />
2. Uns beschämt, dass die bedrückenden<br />
Einzelschicksale über lange Jahre<br />
verschwiegen <strong>und</strong> weder aufgearbeitet<br />
noch öffentlich gemacht wurden. Die<br />
ersten Veröffentlichungen in der Mitte<br />
der 60er Jahre wurden nur wenig<br />
beachtet. Sie trugen jedoch dazu bei,<br />
dass unsere Einrichtungen sich damals<br />
pädagogisch neu orientierten. Es sind<br />
aber fast vierzig Jahre verstrichen, bis<br />
die Betroffenen in einer breiten Öffentlichkeit<br />
Gehör gef<strong>und</strong>en haben.<br />
Wir setzen uns zusammen mit unseren<br />
Einrichtungen dafür ein, dass die<br />
Betroffenen therapeutisch <strong>und</strong> seelsorgerlich<br />
begleitet werden. Außerdem<br />
lassen wir eine wissenschaftliche Dokumentation<br />
über die damalige Situation<br />
in den Heimen erstellen, auch um<br />
weitere Konsequenzen aus den Versäumnissen<br />
der Vergangenheit zu<br />
ziehen.<br />
3. Uns beschämt, dass Mitarbeitende<br />
in den Einrichtungen für ihre verantwortungsvolle<br />
Aufgabe oft unzureichend<br />
qualifiziert waren, ihre Einbindung<br />
in ein streng hierarchisches System<br />
oft demütigend <strong>und</strong> die personelle<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Besetzung unzureichend war. Wir<br />
achten die Mitarbeitenden, die unter<br />
schwierigen Bedingungen Gutes wollten<br />
<strong>und</strong> dies auch erreicht haben. Wir<br />
wissen, dass viele ehemalige Mitarbeitende<br />
bis heute unter Schuldgefühlen<br />
leiden.<br />
Wir setzen uns gemeinsam mit unseren<br />
Einrichtungen dafür ein, dass<br />
unsere Mitarbeitenden qualifiziert<br />
ausgebildet sind <strong>und</strong> ständig entsprechend<br />
dem aktuellen Bedarf fortgebildet<br />
werden. Dazu brauchen die Teams<br />
<strong>und</strong> die Leitungen der Einrichtungen<br />
eine permanente Supervision <strong>und</strong> ein<br />
ständiges Beratungsangebot. Gr<strong>und</strong>voraussetzung<br />
ist, dass unsere Einrichtungen<br />
die Besetzung haben, die den<br />
berechtigten Ansprüchen der Jugendlichen<br />
<strong>und</strong> <strong>Kinder</strong> gerecht wird.<br />
4. Uns beschämt, dass die Heime der<br />
Jugendfürsorge oft nicht auskömmlich<br />
finanziert waren. Deshalb erhielten die<br />
dort untergebrachten <strong>Kinder</strong> <strong>und</strong><br />
Jugendlichen keine adäquate Ausbildung,<br />
sondern mussten für ihre tägliche<br />
Versorgung oft hart arbeiten.<br />
Wir setzen uns dafür ein, dass <strong>Kinder</strong><br />
<strong>und</strong> Jugendliche in Einrichtungen der<br />
<strong>Jugendhilfe</strong> eine qualifizierende Ausbildung<br />
erhalten <strong>und</strong> alle Kosten ihres<br />
Aufenthaltes durch die Solidargemeinschaft<br />
gedeckt sind.<br />
5. Uns beschämt, dass die staatliche<br />
Einweisungspraxis oft leichtfertig war,<br />
dass es an einer kompetenten Heimaufsicht<br />
gefehlt hat <strong>und</strong> das Miteinander<br />
von Jugendämtern <strong>und</strong> Fürsorgeeinrichtungen<br />
meist unreflektiert <strong>und</strong><br />
unkritisch gestaltet wurde.<br />
Wir setzen uns gemeinsam mit dem<br />
Gesetzgeber dafür ein, dass die Lebenssituation<br />
der Betroffenen <strong>und</strong> die<br />
Arbeitssituation der Mitarbeitenden<br />
sowohl durch die staatliche Heimaufsicht<br />
als auch durch eine kritische<br />
Begleitung <strong>und</strong> Beratung ständig verbessert<br />
werden.<br />
Wir, die kirchlichen <strong>und</strong> diakonischen<br />
Einrichtungen wissen heute, dass bei der<br />
Erziehung <strong>und</strong> Förderung vieler <strong>Kinder</strong><br />
<strong>und</strong> Jugendlicher, die uns in den Erziehungseinrichtungen<br />
anvertraut waren,<br />
vielfach versagt wurde. Wir bitten bei den<br />
betroffenen ehemaligen Bewohnerinnen<br />
<strong>und</strong> Bewohnern um Entschuldigung <strong>und</strong><br />
Vergebung. Wir haben aus der Vergangenheit<br />
gelernt. Deshalb setzen wir uns in<br />
unseren Einrichtungen konsequent für<br />
eine Pädagogik ein, die erfahrbar von der<br />
bedingungslosen Annahme jedes Menschen<br />
durch die Liebe Christi geprägt ist.<br />
Für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers<br />
Dr. Margot Käßmann, Landesbischöfin<br />
Für das Diakonische Werk der Evangelischlutherischen<br />
Landeskirche Hannovers e.V.<br />
Dr. Christoph Künkel, Direktor<br />
Hannover, 7.Oktober 2009<br />
(Quelle: http://www.diakoniehannovers.de/service/4955.htm)<br />
Auch die Hünenburg beteiligt sich an der<br />
gesellschaftlichen <strong>und</strong> speziell die Einrichtung<br />
betreffenden Aufbereitung der damaligen<br />
Vorgänge <strong>und</strong> stellt beispielsweise<br />
allen ehemaligen BewohnerInnen deren<br />
Akten in zwischenzeitlich digitalisierter<br />
Form zur Einsicht zur Verfügung. Darüber<br />
hinaus wurde speziell ein Mitarbeiter<br />
mit der Aufarbeitung (Begleitung von<br />
Besuchen etc.) beauftragt.<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010<br />
Seite 34
Für die „Väter von Morgen“:<br />
Marcel Heßler neuer Gruppenleiter<br />
der Jungenwohngruppe<br />
Zum 01.06.2010 hat Marcel Heßler<br />
(Jahrgang 1979) die Gruppenleitung<br />
der Jungenwohngruppe Oldendorf<br />
übernommen, in der gegenwärtig<br />
sechs Jungen im Alter von vierzehn<br />
bis siebzehn Jahren leben.<br />
Ursprünglich aus dem handwerklichen<br />
Bereich stammend, ist er seit seiner Ausbildung<br />
im Jahr 2006 in der Wohngruppe<br />
tätig, um mit einem weiteren Stellenanteil<br />
im schulsozialpädagogischen Dienst der<br />
einrichtungseigenen Ferdinand Rohde-<br />
Schule zu arbeiten.<br />
Seite 35<br />
Ist Herr Heßler sowohl den Mitarbeiterinnen<br />
<strong>und</strong> Mitarbeitern der Gesamteinrichtung<br />
als auch den Jungen der Wohngruppe<br />
seit Jahren bekannt, erscheint mit ihm im<br />
Kontext der Zusammenarbeit mit Ämtern<br />
<strong>und</strong> Behörden ein neues Gesicht, das wir<br />
hiermit gerne vorstellen.<br />
Nötig geworden war die personelle Umstrukturierung<br />
innerhalb der Jungenwohngruppe<br />
durch die Übernahme der Geschäftsführung<br />
der Hünenburg durch<br />
Thomas „Tom“ Brodhuhn, der bis dato die<br />
Stelle des Fachbereichsleiters <strong>und</strong> Gruppenleiters<br />
der Wohngruppe innehatte (s. S. 3).<br />
Wir sind sicher, dass Herr Heßler die positiven<br />
Beziehungen zu den Jungen innerhalb<br />
des Hauses <strong>und</strong> die gewachsenen Kontakte<br />
zu Eltern <strong>und</strong> Jugendämtern fortleben<br />
lassen wird! Gemeinsames Projekt: Bau eines Gartenhauses<br />
im Garten der Jungenwohngruppe<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Kontinuität in der<br />
therapeutischen<br />
Begleitung<br />
Im April diesen Jahres verabschiedete sich der<br />
langjährig für die Einrichtung tätige Therapeut<br />
Björn Süfke aus privaten Gründen von der<br />
Hünenburg (s. Artikel auf S. 13). Wir danken<br />
ihm für all das, was er für die <strong>Kinder</strong> <strong>und</strong><br />
Jugendlichen, die er therapeutisch begleitete,<br />
erreichen konnte, wünschen für den weiteren<br />
Lebensweg alles Gute <strong>und</strong> freuen uns, dass es<br />
gelang, zeitnah einen ihm nachfolgenden<br />
Diplom-Psychologen <strong>und</strong> Psychologischen<br />
Psychotherapeuten einstellen zu können, der<br />
sich hier vorstellen möchte:<br />
Mein Name ist Klaus Rolfs, ich bin 47<br />
Jahre alt. Aufgewachsen in einem Vorort<br />
von Köln, war ich als Jugendlicher<br />
<strong>und</strong> junger Erwachsener in der <strong>Kinder</strong><strong>und</strong><br />
Jugendarbeit meiner damaligen<br />
Gemeinde <strong>und</strong> einem kirchlichen Jugendverband<br />
aktiv. Beruflich erfolgte<br />
zunächst eine Ausbildung sowie mehrjährige<br />
Berufstätigkeit in kaufmännischen<br />
Bereichen. Schließlich entschloss<br />
ich mich zu einem Psychologiestudium<br />
in Wuppertal. Während des Studiums<br />
konnte ich praktische Erfahrungen<br />
unter anderem im Rahmen eines Praktikums<br />
in einer Erziehungsberatungsstelle<br />
der Caritas, durch eine systemische<br />
Beratungsausbildung sowie durch die<br />
mehrjährige ehrenamtliche Mitarbeit bei<br />
der katholischen Telefonseelsorge in<br />
Köln sammeln.<br />
Nach dem Studium absolvierte ich dann<br />
am Lehrinstitut in Bad Salzuflen eine<br />
Weiterbildung zum Psychologischen<br />
Psychotherapeuten in tiefenpsychologisch<br />
f<strong>und</strong>ierter Psychotherapie. Im<br />
Rahmen dieser Weiterbildung arbeitete<br />
ich 15 Monate in einer psychosomatischen<br />
Rehabilitationsklinik,<br />
danach erfolgte die Durchführung<br />
der ambulanten Psychotherapien.<br />
Seit fünf Jahren arbeite ich nun im<br />
psychologischen Dienst einer Rehabilitationsklinik<br />
für Onkologie<br />
<strong>und</strong> Orthopädie in Bad Salzuflen.<br />
Seite 36<br />
In der Hünenburg bin ich mit den<br />
Therapien schwerpunktmäßig für<br />
die Bewohner der Außenwohngruppe<br />
LOGO sowie mit diagnostischen<br />
Aufgaben betraut. Die therapeutische<br />
Arbeit verstehe ich als einen<br />
Beitrag <strong>und</strong> Teil an der gemeinsamen<br />
Arbeit mit allen Beteiligten zur Förderung<br />
der Entwicklung <strong>und</strong> Unterstützung<br />
der hier lebenden <strong>Kinder</strong>, Jugendlichen<br />
<strong>und</strong> jungen Erwachsenen. Ich<br />
freue mich auf diese gemeinsame Arbeit.<br />
Ihr Klaus Rolfs<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
Eine berufliche Laufbahn:<br />
Simone Richter neue Leiterin<br />
der Wohngruppe „Südhaus“<br />
U r l a u b s g r ü s s e<br />
Seite 37<br />
Begann sie im Jahr 2005 parallel zum<br />
berufsbegleitenden Studium der Sozialpädagogik<br />
an der Fachhochschule Enschede<br />
(vgl. S. 29) mit zunächst 30 Wochenst<strong>und</strong>en<br />
als Praktikantin in der<br />
sozialpäd. Wohngruppe „Südhaus“ auf<br />
dem Hauptgelände der Hünenburg in<br />
Melle-Riemsloh, in der bis zu sechs<br />
Jungen ab 13 Jahren Aufnahme finden<br />
können, schloß Simone Richter (Jahrgang<br />
1979) dieses Studium 2009 erfolgreich<br />
ab, um zum zurückliegenden<br />
Jahreswechsel die Gruppenleitung der<br />
Wohngruppe „Südhaus“ zu übernehmen.<br />
Vorausgegangen waren mehrere Semester<br />
eines Lehramts- <strong>und</strong> eines Studiums der<br />
katholischen Theologie an den Universitäten<br />
Osnabrück <strong>und</strong> Münster sowie etliche Jahre<br />
kirchlicher Jugendverbandsarbeit, war Frau<br />
Richter doch lange Zeit ehrenamtliche<br />
Diözesanenvorsitzende der DPSG (Deutsche<br />
Pfadfinderschaft Sankt Georg) in Osnabrück<br />
<strong>und</strong> leitete somit einen <strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> Jugendverband<br />
mit ca. 1.150 Mitgliedern.<br />
Wir freuen uns, dass wir nicht nur den Studienweg<br />
von Frau Richter begleiteten, sondern<br />
ihr über das Studienende hinaus einen<br />
attraktiven Arbeitsplatz anbieten konnten!<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010
„Mal verliert man <strong>und</strong> mal gewinnen die anderen“<br />
Zur Erinnerung an die WM: Wortgewandtheiten des Fußballs<br />
© fotodesign-jegg.de - Fotolia.com<br />
„Man darf ihn jetzt nicht übers Knie brechen.“<br />
(Rudi Völler)<br />
Da gehe ich mit Ihnen ganz chloroform.“<br />
(Helmut Schön)<br />
„Ich weiß auch nicht, wo bei uns der Wurm<br />
hängt.“ (Fabrizio Hayer)<br />
„Ich hoffe, dass dieses Spiel nicht mein einziges<br />
Debüt bleibt.“ (Sebastian Deisler)<br />
„Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert.“<br />
(Olaf Thon)<br />
„Ja, der FC Tirol hat eine Obduktion auf mich.“<br />
(Peter Pacult)<br />
„In einem Jahr hab ich mal 15 Monate<br />
durchgespielt.“ (Franz Beckenbauer)<br />
„Ich glaube nicht, dass wir das Spiel verloren<br />
hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.“ (Uli<br />
Hoeneß)<br />
„Unsere Chancen stehen 70:50.“ (Thorsten<br />
Legat)<br />
„Der ist mit allen Abwassern gewaschen.“<br />
(Norbert Dickel )<br />
„Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Niederlage<br />
oder Unentschieden.“ (Franz Beckenbauer)<br />
„Ich hab ‚ ne Oberschenkel-Zerrung im linken<br />
Fuß.“ (Guido Buchwald)<br />
„Dann kam das Elfmeterschießen. Wir hatten<br />
alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz<br />
flüssig.“ (Paul Breitner)<br />
„Das Schiff hat Schlagseite. Es lässt<br />
sich nur wieder aufrichten, wenn wir<br />
alle auf dieselbe Seite gehen.“ (Willi<br />
Entenmann)<br />
„W<strong>und</strong>erbar, wie er seinen Körper<br />
zwischen sich <strong>und</strong> den Gegner schiebt.“<br />
(Udo Lattek)<br />
„Mailand oder Madrid – Hauptsache<br />
Italien.“ (Andy Möller)<br />
„Im ersten Moment war ich nicht nur<br />
glücklich, ein Tor geschossen zu haben,<br />
sondern auch, dass der Ball reinging.“<br />
(Mario Basler)<br />
„Wir können so was nicht trainieren,<br />
sondern nur üben.“ (Michael Ballack)<br />
„Wenn der Mann in Schwarz pfeift,<br />
kann der Schiedsrichter auch nichts<br />
mehr ändern.“ (Andy Brehme)<br />
„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein<br />
Schrecken mit Ende.“ (Pierre Littbarski)<br />
„Vor der Saison haben alle gedacht,<br />
dass wir gegen Bayern kleine Brötchen<br />
kochen müssen. Aber wie man sieht,<br />
backen die auch nur mit Wasser.“<br />
(Helmut Schulte)<br />
„Wenn wir hier nicht gewinnen, dann<br />
treten wir ihnen wenigstens den Rasen<br />
kaputt.“ (Rolf Rüssmann)<br />
„Die Kroaten sollen ja auch alles treten,<br />
was sich bewegt – da hat unser<br />
Mittelfeld ja nichts zu befürchten.“<br />
(Berti Voigts)<br />
„Bei der Fußball-WM damals habe ich<br />
mir Österreich gegen Kamerun angeschaut.<br />
Auf der einen Seite Exoten,<br />
fremde Kultur, wilde Riten - <strong>und</strong> auf<br />
der anderen Seite Kamerun! (Dieter<br />
Nuhr)<br />
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg • Neues von Unterwegs – 16/2010<br />
Seite 38
<strong>Kinder</strong>- <strong>und</strong> <strong>Jugendhilfe</strong> Hünenburg<br />
Ev.-luth. <strong>Stiftung</strong> Hünenburg<br />
mit Förderschule für emotionale <strong>und</strong> soziale Entwicklung<br />
Leitung <strong>und</strong> Verwaltung<br />
Geschäftsführer:<br />
Thomas Brodhuhn<br />
Hünenburgweg 64<br />
49328 Melle<br />
Tel.: 05226 / 98 61 – 0<br />
Fax.: 05226 / 98 61 - 11<br />
Email: huenenburg@aol.com<br />
www.huenenburg.com<br />
Angebot Standort Ansprechpartner<br />
Familienanaloge<br />
Wohngruppe (FWG)<br />
Sozialpäd. Wohngruppe<br />
„Südhaus“<br />
Jungenwohngruppe<br />
Oldendorf (JWG)<br />
Mädchenwohngruppe<br />
„Libellen“ (MWG I)<br />
Mädchenwohngruppe<br />
„Sonnenblick“ (MWG II)<br />
Außenwohngruppe<br />
LOGO<br />
Mobile Betreuung<br />
Ferdinand-Rohde-Schule<br />
für emotionale <strong>und</strong> soziale Entwicklung<br />
Jugendwerkstatt<br />
Therapeutischer Dienst<br />
Hünenburgweg 64<br />
49328 Melle<br />
Hünenburgweg 64<br />
49328 Melle<br />
Osnabrücker Straße 153<br />
49324 Melle<br />
Kampingring 2<br />
49328 Melle<br />
Meller Berg 33<br />
49324 Melle<br />
Engelgarten 33<br />
49324 Melle<br />
diverse<br />
Standorte<br />
Hünenburgweg 64<br />
49328 Melle<br />
Hünenburgweg 64<br />
49328 Melle<br />
Hünenburgweg 64<br />
49328 Melle<br />
Jochen Janke<br />
Tel.: 05226 / 98 61 – 34<br />
Simone Richter<br />
Tel.: 05226 / 98 61 – 33<br />
Marcel Heßler<br />
Tel.: 05422 / 75 26<br />
Dagmar Feller<br />
Tel.: 05427 / 66 15<br />
Iris Griese<br />
Tel.: 05422 / 9 289 161<br />
Christian Vakonic<br />
Tel.: 05422 / 53 31<br />
Jochen Janke<br />
Tel. 05226 / 98 61 - 12<br />
Lilo Fischer-Windels<br />
Tel.: 05226 / 98 61 – 36<br />
Sebastian Ahrens<br />
Tel.: 05226 / 98 61 – 30<br />
Stefan Reinisch &<br />
Klaus Rolfs<br />
Tel.: 05226 / 98 61 - 29