„Neue Kraft für die globale - Deutsche Bank

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„Neue Kraft für die globale - Deutsche Bank

„Neue Kraft für die globale

Thesen

u Obama: Auf der Welt gibt es einen Trend

zum Protektionismus. Obama ist einer

der wenigen, die sich dagegen wehren.

u Position: Die USA werden schnell zu

alter Stärke zurückfinden und

auch in Zukunft weltweit eine Führungsrolle

einnehmen.

u Konjunkturprogramme: Viele Elemente

der amerikanischen wie der deutschen

Konjunkturprogramme sind eher

Maßnahmen der Strukturpolitik – und

entsprechend wenig hilfreich.

Professor Walter, angesichts der schweren

weltweiten Rezession richtet sich der Blick vieler

Menschen nach Amerika, auf den neuen US-

Präsidenten Barack Obama. Hat er und hat sein

Land überhaupt noch die Macht, der globalen

Ökonomie entscheidende Impulse zu geben?

Die aktuelle Situation hat massive Zweifel

am Fortbestehen der unbestrittenen Führungsrolle

der USA genährt – politisch wie

ökonomisch. Und ich vermute, dass es diese

Zweifel auch in den nächsten Jahren geben

wird. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass

Amerika – auch dank Obama – mittelfristig

zu alter Stärke zurückfindet.

36 results Deutsche Bank


Märkte

USA und Weltkonjunktur

Der Chefvolkswirt

der Deutschen Bank,

Norbert Walter, über den

neuen Hoffnungs träger

Barack Obama, die

Defizite der aktuellen

Konjunktur programme

und die Möglichkeiten

des deutschen

Mittelstands, auf den

Abschwung zu reagieren

Wirtschaft“

Prof. Dr. Norbert Walter,

geboren 1944, ist

seit fast zwei

Jahrzehnten Chef -

volkswirt der

Deutschen Bank

und äußert sich auf

interna tionalen

Konferenzen und in

zahlreichen Medien zu

wirtschaftspolitischen

Fragen. Website:

www.dbresearch.de

FOTOS: GETTYIMAGES (LINKS), VARIOIMAGES

Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

In den vergangenen beiden Jahren hat mich

die Entwicklung innerhalb der politischen Diskussion

sehr beeindruckt. Amerika hat gezeigt,

dass es mehr als jedes andere Land für die Bereitschaft

zur Veränderung und zur Innovation

steht. Man ist in hohem Maße bereit, Pfade zu

betreten, die nicht ausgetrampelt sind.

Woran lässt sich das festmachen?

Barack Obama ist bereits ein paar Monate

im Amt und sein Opponent John McCain

hierzulande schon fast vergessen. Dennoch

lohnt es sich, noch einmal darauf hinzuwei-

sen: McCain ist außerhalb des Staatsterritoriums

der USA geboren. Und mit Obama

wurde ein Nichtweißer gewählt. Schon das

sind Beweise für große Erneuerungsfähigkeit

und Risikobereitschaft. Auch die Art,

wie McCain seine Niederlage eingeräumt

hat, war enorm unterstützend für Obama.

McCain hat seinen Wählern den klaren Impuls

gegeben, nun den anderen Kandidaten

von ganzem Herzen anzunehmen.

Geht also tatsächlich der vielbeschworene

Ruck durch die amerikanische Gesellschaft?

Anders als in vielen europäischen Ländern ist

eine Reihe Amerikaner aus ganz verschiedenen

Netzwerken bereit, Obama und seinem Team

ihre Kraft und ihr Herz zu geben: Menschen aus

der Wissenschaft und aus der Wirtschaft. Auch

aus politischen Zirkeln, die nicht in unmittelbarer

Nähe zu Obamas Demokraten stehen,

wirken Menschen mit, diese große Aufgabe

jetzt anzupacken. Es ist ein Aufbruch, und das

macht mir Hoffnung.

Ganz konkret ist der Aufbruch auch damit

ver bunden, dass über ein Konjunkturprogramm

fast 800 Milliarden Dollar in die Wirtschaft

gepumpt werden. Der frühere Finanzminister

R

results Deutsche Bank 37


Märkte

USA und Weltkonjunktur

R Lawrence Sum mers, der jetzt Obamas erster

Wirtschaftsberater ist, sagt: „In dieser Krise

ist es gefährlicher, zu wenig zu unternehmen

als zu viel.“ Stimmen Sie zu?

Mir wird nicht nur bei den Zahlen, die in den

USA herumgereicht werden, schwindlig. Mir

wird auch angesichts dessen schwindlig, was

in China an Stimulierungsprogrammen auf den

Weg gebracht worden ist. Und es nimmt mir

ebenfalls den Atem, was in Frankreich, Großbri

tan nien oder Deutschland geschieht. Erst riesengroße

Sicherungsprogramme für die Finanzindustrie,

dann die Konjunkturprogramme. Es

ist aber wichtig, alle diese Zahlen nicht einfach

zu addieren und den Eindruck entstehen zu

lassen, dass das Geld als unwiederbringlicher

Zuschuss ausgegeben wurde, der jetzt abzuschreiben

ist.

FOTOS: DPA (LINKS), DEUTSCHE BANK

Wie muss man es dann sehen?

Viele der Hilfen für Finanzinstitute sind entweder

Kredite. Oder es ist Eigenkapital – und

man darf erwarten, dass sich der Staat in

den nächsten Jahren wieder aus dieser Rolle

zurückzieht. Die Rettungspakete sind damit

nichts, was den Schuldenstand der öffentlichen

Haushalte in Zukunft um die jetzt

zitierten Beträge dauerhaft erhöhen wird.

Gilt das auch für die Konjunkturprogramme?

Auch hier haben nennenswerte Teile einen

solchen Charakter – dort nämlich, wo man

Finanzmittel für ins Straucheln geratene Unternehmen

bereitstellt. Bei den echten Konjunkturprogrammen

jedoch, Steuersenkungen

oder Ausgaben für staatliche Investitionen,

muss man damit rechnen, dass sich die staatliche

Verschuldung verlässlich um diese Beträge

erhöht.

Ist das Geld gut angelegt?

Viele Elemente der Konjunkturprogramme

sind eher Maßnahmen der Strukturpolitik.

Man will für eine höhere Sicherheit bei der

Energieversorgung sorgen, den Umweltschutz

oder die Ausbildung verbessern. Hier und da

werden Veränderungen bei den Steuern und

Abgaben vorgenommen, um für mehr Gerechtigkeit

zu sorgen. Das kann man aus vielerlei

Gründen für gut halten. Aber die Programme

entsprechen in den seltensten Fällen einer

Wirtschaftspolitik, die konzentriert einer

kurzzeitigen zykli schen Schwäche entgegenwirkt

– durch Anregung privater Ausgaben

oder der zügigen Verwirklichung staatlicher

Ausgaben im Jahre 2009. Auch in Amerika ist

das nicht der Fall.

Sorgt Obama damit für eine erste Enttäuschung?

Ich hätte mir schon gewünscht, dass man in

den USA Maßnahmen ergreift, die die Spiralbewegung

der Wirtschaft nach unten noch

im Jahr 2009 einfangen könnten. Das hätte

auch der Weltwirtschaft genutzt. Ich verstehe

aber, dass die Amerikaner ihr Geld für die

Verbesserung der Infrastruktur ausgeben wollen.

Da klappen immer mal wieder Brücken

zusammen. Und da gibt es viele Straßen mit

„ Da klappen immer

mal wieder

Brücken zusammen“

Gegen die ersten Auswirkungen

des Wirtschaftsabschwungs hätten

schnellere Maßnahmen besser

geholfen – dennoch zeigt Walter

Verständnis für die hohe Bedeutung von

Infrastrukturmaßnahmen in der

amerikanischen Ausgabenpolitik: Dort

wird das Geld dringend gebraucht

38 results Deutsche Bank


Märkte

Thema Blindtext

„Wir hätten unsere

Nachbarn frühzeitig für

uns einnehmen sollen“

Norbert Walter hält die deutsche Wettbewerbsposition

im Euroraum für gut und

glaubt, dass Deutschland gestärkt

aus der Krise hervorgeht – zum Nachteil

der schwächeren Nachbarn. Darin

sieht er für die Zukunft Konfliktpotenzial

FOTOS: DPA (2)

vielen Löchern und keine Gleise für schnelle

Züge. Zwar ist diese Umorientierung in den

USA höchst begrüßenswert. Aber es dauert

nun mal mehrere Jahre, bis man das Geld

dafür ausgibt.

Gibt es eine Regierung, die es besser macht?

Das einzige Programm mit einer präziseren

Orientierung am antizyklischen Ziel ist das des

britischen Premiers Gordon Brown. Er hat die

Mehrwertsteuersätze zeitweise gesenkt. Nur

wenn die Briten jetzt etwas vorzeitig kaufen,

bekommen sie eine Steuer ent lastung.

Sie haben für Deutschland eine Absenkung um

drei Prozentpunkte gefordert. Gilt das noch?

Diese Forderung war nur die Anregung,

über ein vernünftiges Konzept nachzudenken.

Mit dem riesengroßen Programm, das

die Koalition vor ein paar Wochen verabschiedet

hat, ist das Pulver im Grunde verschossen.

Wenn jetzt auch noch die Senkung

der Mehrwertsteuer um drei Punkte käme,

würde die Staatsverschuldung außerordentlich

stark steigen. Und viele würden mich,

wenn ich diese Forderung aufrechterhielte,

als einen Menschen sehen, der in Bezug auf

die Belastung künftiger Generationen ohne

jede Sorgfalt ist. Und ein solcher Mensch

bin ich nicht. Mein Vorschlag war aber der

bessere Vorschlag.

Die aktuellen Programme scheinen auch

nicht der Verantwortung gegenüber künftigen

Generationen gerecht zu werden.

Wenn das eigentliche Problem ein Konjunkturproblem

ist und wenn mein Urteil richtig ist,

dass die jetzigen Pakete zu viel Zeit benötigen,

bis sie umgesetzt worden sind, dann sind die

jetzigen Antworten nicht die richtigen Antworten

auf die Herausforderungen. Es wurden

zwar die Schulden erhöht, aber die Konjunktur

wurde nicht gerettet.

Ihre zweite Forderung war, die Ausgaben

von Unternehmen über mehr Spielraum bei den

Abschreibungen anzuregen ...

Das ist etwas, das die Bundesregierung zum

Glück erledigt hat. Die degressive Abschreibung

ist Teil dieses Paketes. Ich vermute, dass

Unternehmen, die ohnehin investieren wollen,

nun an geregt werden, die Investitionen

vorzuziehen.

Dank hoher Produktivität, flexibleren Arbeitszeitmodellen

und einer breiten industriel len Basis

gilt die deutsche Wirtschaft als vergleichsweise

gut aufgestellt. Wird sich das auszahlen, wenn

der nächste Aufschwung kommt?

Unsere relative Wettbewerbsposition im

Euro raum ist gut. Das heißt aber auch, dass

die relative Wettbewerbsposition unserer

italie nischen und spanischen Nachbarn relativ

schlecht ist. Ich vermute, es gibt in der

nächsten Zeit wegen unserer relativen Stärke

im Euroraum böses Blut. Man stelle sich vor,

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi

führt in den nächsten Jahren ein Land, das

in permanenter Stagnation verharrt. Und die

Deutschen fangen wieder an zu wach sen.

Das wird nicht lustig.

Was kann die Regierung da tun?

Sie sollte europäisch koordiniert vorgehen. Wir

hätten unsere Nachbarn, die demnächst unter

unserer relativen Stärke leiden werden, frühzeitig

für uns einnehmen sollen. Anstatt bei

der Diskussion über die Konjunkturprogramme

die Briten vor den Kopf zu stoßen, wie das

unser Finanzminister getan hat. Wir haben uns

leider besonders nationalistisch gebärdet.

Einige Regierungen, wie die russische,

bekennen sich ohne Umschweife zu ihren

nationalen Interessen und zu einer

protektionistischen Haltung. Werden sich

einzelne Staaten nun einen Wettlauf bei

der Abschottung ihrer Wirtschaft liefern?

Die protektionistischen Reflexe sind schon in

einer Reihe von Ländern sichtbar geworden.

Nicht nur in Russland, das inzwischen sogar

Importzölle auf Gebrauchtwagen erhebt.

Wenn die Arbeitslosigkeit steigt und mehr und

mehr nationale Unternehmen zusammenbre- R

results Deutsche Bank 39


Märkte

Thema Blindtext

„ Die Kreditausweitung

ist auch in jüngster

Zeit beachtlich“

Kredite gibt es auch in schwierigen Zeiten

wie diesen, sagt Norbert Walter, von

einer allgemeinen Kreditkrise kann keine

Rede sein. Einige Sektoren wie die

Autobranche haben dennoch besonders

zu kämpfen – hier ist die Politik gefragt

R chen, wird diese Neigung wohl noch zunehmen.

Meine Sorge ist, dass vor allem dort,

wo der Staat Unternehmen übernommen hat,

die Neigung zu protektionistischem Verhalten

sehr stark zunehmen wird. Warum sollte man

erst ein Unternehmen mit Steuergeld retten,

um es dann der internationalen Konkurrenz

zum Fraß vorzuwerfen?

FOTOS: AP (LINKS), DPA

Könnte die Krise die politische Kultur nicht

auch zum Positiven verändern?

Die Globalisierung war im Verlauf der vergangenen

20 Jahre selten so gefährdet, wie sie es

heute ist. Doch es gibt auch Kräfte, die dem

entgegenwirken – der neue amerikanische

Präsident etwa mit seiner klar international

orientierten Haltung. Es ist wichtig, dass das,

wofür Obama steht, von anderen Regierungen

als etwas Nachahmenswertes anerkannt wird.

Barack Obama ist heute eine ganz wichtige

Kraft für die globale Wirtschaft mit ihren vielfältigen

Vernetzungen. Dafür müssen wir ihn

loben und ihm dankbar sein.

In Amerika wird erneut ein „New Deal“ beschworen,

wie ihn Präsident Franklin Roosevelt auf dem

Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise schmiedete.

Wäre so etwas in Europa überhaupt denkbar?

Genau das wäre der Ansatz gewesen. Und ich

hätte den Deutschen auch noch empfohlen,

die Führung für diesen europäischen Deal

möglichst nicht für sich selbst zu reklamieren.

Ich hätte mir nach dem fulminanten

Start unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel

gedacht, dass sie auch im Krisenjahr

2008 und im Krisenjahr 2009 eine international

orientierte Regierungschefin ist. Das

ist sie leider nicht. Die Krise zeigt: Wir sind

immer noch nicht Europäer. Wir ticken,

nach wie vor, wie Italiener, Spanier, wie Deutsche

und Franzosen.

Hätte die Gemeinschaftswährung Euro da

mehr bringen können?

Der Euro hat seine Pflicht getan und tut weiter

seine Pflicht. Ich bin auch sehr zufrieden mit

dem Agieren und Kommunizieren der Europäischen

Zentralbank.

Und wie bewerten Sie das Wirken des amerikanischen

Pendants, der Federal Reserve? Sie

operiert nicht nur mit einem De-facto-Nullzins,

sondern kaufte zuletzt auch Wertpapiere.

Ich halte das für extrem gefährlich. Die Fed

sagt: Im Moment ist der Wirkungszusammenhang

zwischen der Geldversorgung von

Banken und deren Fähigkeit, die Finanzierung

von Unternehmen sicherzustellen,

gestört. Es gibt so hohe Risikoaufschläge,

dass die Weiterleitung des billigen Geldes

nicht gelinge, das die Zentralbank bereitstellt.

Mit dem Kauf von Wertpapieren von

Unternehmen aus schwachen Sektoren wie

Bauwirtschaft und Immobilien macht die

Fed den Versuch, Ersatzkreditgeber zu sein,

und darüber bin ich entsetzt. Wenn man solchen

Sektoren Hilfe zukommen lassen will,

dann ist das Aufgabe der Regierung.

In Deutschland will die Regierung selbst die

Liquidität auch über Beteiligungen und

Sperr minoritäten bei Banken steuern. Ist das

ein besserer Kurs?

Besser ja, aber nicht gut genug.

Was sind die Gefahren?

Die Gefahr ist, dass der Staat nicht mehr aus

dieser Rolle hinauskommt. Und wenn er in

ihr bleibt, wird unser System verändert – weg

von einer Marktwirtschaft hin zum Staatskapitalismus.

Wie real ist denn die Kreditklemme – wird das

Geld für Unternehmen wirklich knapp?

Die Kreditausweitung ist in Deutschland auch

in jüngster Zeit noch immer beachtlich. Wir

sollten darauf achten, dass in nächster Zeit

nicht bestimmte Phänomene falsch interpretiert

werden, die sehr wahrscheinlich auftreten.

Die Investitionstätigkeit geht wegen der

Rezession dramatisch zurück. Und damit ist

die Wahrscheinlichkeit gering, dass es eine

gleich hohe Kreditnachfrage wie in der Vergan-

40 results Deutsche Bank


Märkte

USA und Weltkonjunktur

Selten wird irgendwo so effektiv, zeitnah und

sachkundig geprüft wie hier. Ohne die Wettbewerbskommissarin

wären die Hilfen, die die

deutsche Regierung Banken gewährt, nicht so

sorgfältig darauf abgeklopft worden, ob sie mit

dem Beihilferecht der EU in Einklang stehen.

Neelie Kroes ist derzeit die wichtigste Person,

wenn es um die Herstellung von fairen Wettbewerbsverhältnissen

im Finanzsektor geht. Und

die Amerikaner würden gut daran tun, sich an

einigen europäischen Regeln zu messen – auch

auf dem Finanz- und Wertpapiermarkt.

Wie reagieren die Banken denn strategisch

auf die Krise?

In den vergangenen zwei Jahre haben die besonders

lohnenden Kapitalmarktgeschäfte vom

Umfang her an Bedeutung verloren. Traditionelle

Geschäfte mit durchaus auch niedrigeren

Renditen scheinen dagegen vergleichsweise

attraktiv. Ich vermute, dass der Kredit nun zum

attraktiveren Teil des Geschäfts zählt.

FOTOS: DPA (2)

genheit gibt. Die Kreditausweitung nimmt also

vor allem wegen sinkender Nachfrage ab.

Es bekommt also noch jeder Geld, der es

braucht?

Es wird in der nächsten Zeit einige Kreditnachfragen

geben, die nicht bedient werden.

In einer Reihe von Unternehmen und Sektoren

haben sich die Ausfallrisiken so dramatisch

erhöht, dass die Kreditgeber zögern,

obwohl sie günstig mit Einlagen versorgt

sind. Besonders gefährlich erscheint etwa

die Finanzierung von Zulieferern für die Automobilwirtschaft.

Es gibt also in bestimmten

Sektoren eine Situation, die man vielleicht als

Klemme bezeichnen kann.

Gibt es einen Ausweg?

Wenn man sagt: Das müssen wir aber retten,

dann ist das ein Auftrag an die Politik. Man

muss überlegen, ob man dafür Steuergeld

verwenden will.

Und welche Rolle soll die Politik künftig

im Finanzsektor spielen?

Wir sind in Europa ganz gut aufgestellt. Wir haben

die Europäische Kommission und die europäische

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

Viele Unternehmen wurden von dem plötzlichen

Abschwung überrascht. Was kann ein typischer

Mittelständler in einer Phase wie dieser tun?

Ein Unternehmer muss das eigene Geschäftsmodell

sehr sorgfältig anschauen. Wenn es

Rückgänge der Nachfrage gibt, muss er nach

Ausgleichsmöglichkeiten suchen. Wenn es diese

nicht gibt, dann hilft nur: Kosten senken,

Kosten senken, Kosten senken. Und falls auch

das nicht mehr geht, helfen nur frühzeitige

Überbrückungskredite. Die Situation ist schwierig,

aber ich betone noch einmal: Die deutschen

Unternehmen haben sich vor der Krise gut aufgestellt,

und sie werden nach der Krise eine

besonders gute Ausgangsposition haben.O

DAS GESPRÄCH FÜHRTE THOMAS MERSCH

„Kommissarin Kroes

fördert den

fairen Wettbewerb“

Lob für die europäische Wettbewerbskommissarin:

Neelie Kroes ist nach Ansicht

Walters Dreh- und Angelpunkt für die

Sicherung fairer Wettbewerbsverhältnisse

im Finanzsektor – und sollte seiner Ansicht

nach Vorbild auch für die Amerikaner sein

results Deutsche Bank 41

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