Download Jubiläumskonzert Broschüre - IOCO

ioco.de

Download Jubiläumskonzert Broschüre - IOCO

J u b i l ä u m s k o n z e r t

50 Jahre Leipziger Opernhaus


Sonntag, 7. November 2010, 11.00 Uhr, Opernhaus

Jubiläumskonzert

50 Jahre Leipziger Opernhaus

Dirigent: Ulf Schirmer

Solisten:

Soula Parassidis, Sopran / Eun Yee You, Sopran / Jean Broekhuizen, Mezzosopran

Norman Reinhardt, Tenor / Jürgen Kurth, Bariton

Chor der Oper Leipzig (Einstudierung: Volkmar Olbrich)

Kinderchor der Oper Leipzig (Einstudierung: Sophie Bauer)

Gewandhausorchester

Programmfolge

Richard Wagner (1813 -1883)

Vorspiel zur Oper Die Meistersinger von Nürnberg

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791)

Aus der Opera buffa Così fan tutte

Nr. 10 Terzettino (Fiordiligi, Dorabella, Don Alfonso) „Soave il vento“

Nr. 11 Recitativo accompagnato ed Aria (Dorabella) „Ah scostati! … Smanie implacabili“

Nr. 12 Aria (Despina) „In uomini, in soldati“

Nr. 14 Recitativo accompagnato ed Aria (Fiordiligi) „Temerari … Come scoglio“

Nr. 17 Aria (Ferrando) „Un’aura amorosa“

(Einstudierung: Bo Price)

Carl Maria von Weber (1786 -1826)

Aus der Oper Der Freischütz

Ouvertüre

Volkslied „Wir winden dir den Jungfernkranz“

Jägerchor „Was gleicht wohl auf Erden“

Engelbert Humperdinck (1854 -1921)

Aus der Märchenoper Hänsel und Gretel

„Erlöst, befreit, für alle Zeit“ (Vater, Kuchenkinder)

„Abends will ich schlafen gehn, vierzehn Englein um mich stehn“ (Gretel, Hänsel)

Ludwig van Beethoven (1770 -1827)

Sinfonie Nr. 5, c-Moll op. 67

Allegro con brio / Andante con moto / Allegro / Allegro

Inspizient: Peter Makswitat


Wolfgang Amadeus Mozart (Büste von Walter Arnold)

Am 24. Januar 1782 bereits wurde im Gewandhaus eine Sinfonie von Mozart – und damit

erst mals eine seiner Kompositionen – aufgeführt. Geleitet wurde das Konzert von Johann

Adam Hiller und man vermutet, dass es sich bei der nicht näher bezeichneten Sinfonie um

jenes festliche D-Dur-Werk KV 338 gehandelt hat, welches im Frühjahr 1781 in großer

Besetzung in Wien erklungen war. Damals musste noch der Zusatz „Der Jüngere“ auf dem

Programmzettel einer Verwechslung mit dem Vater Leopold vorbeugen. Auf den 12. Mai

1789 datiert dann jenes legendäre Konzert, welches Mozart mit eigenen Werken im Ge -

wand haus gab. Zu Mozarts einzigem Auftreten im Gewandhaus, wo nach Johann Friedrich

Rochlitz’ Augenzeugenbericht „gleichwohl … ich weiß nicht warum – gar nicht zahlreich“

die Besucher erschienen waren und außerdem „gewiss die Hälfte der Anwesenden Frey -

billets“ hatten, gibt es eine Vielzahl von Anekdoten. So wird berichtet, dass er bei der Probe

den ersten Satz der Prager Sinfonie KV 504 sehr schnell genommen hätte. Als das Or ches -

ter dennoch ins Schleppen geriet, ließ er wiederholen und „stampfte einmal den Takt so ge -

waltig, dass ihm eine prächtig gearbeitete stählerne Schuhschnalle in Stücken zersprang …“.

Zu dieser Zeit war Mozart den Theater besuchern der Messestadt längst vertraut. Und

aus gerechnet an jenem Konzertabend stand im Komödienhaus Le nozze di Figaro auf dem Programm.

Als erste Mozart-Oper in Leipzig führte die Gesellschaft der „Churfürstlich privilegierten deutschen Schau spieler“ unter dem

Prinzipal Pasquale Bondini im Komödienhaus auf der Ranstädter Bastei am 4. Oktober 1783 Die Ent füh rung aus dem Serail auf.

Die „Gesellschaft Italiänischer Opernvirtuosen“ unter der Direktion von Domenico Guarda soni, aus Prag kommend, brachte am

1. Juni 1788 Don Giovanni auf die Bühne, wobei darauf verwiesen wird, dass diese Prager Produktion die originale Einstudierung

Mozarts war. Am 3. August 1788 folgte dann Le nozze di Figaro.

Und auch die vierte Leipziger Erstaufführung, Così fan tutte (1792), verantwortete Guardasoni. Zur Erstaufführung liegt kein

Theaterzettel vor, das Datum ist ungenau. Auf einem späteren Theaterzettel ist dann die Inhaltsangabe der Oper beigefügt:

„Wilhelm und Ferdinand behaupten gegen ihren Freund Don Alfonso, dass ihre Mädchen ihnen unverbrüchlich treu wären;

dieser lacht sie aus und bleibt dabey, Fiordiligi und Dorabella wären um nichts besser als

andere ihres Geschlechts. Es kömmt darüber zu Händeln …“. Die „Joseph Secondaische

deutsche Schauspieler gesellschaft“ (die Nachfolger der Bondinischen Truppe) brachte

diese Oper dann am 1. Februar 1795 unter dem Titel Weibertreue oder Die Mädchen von

Flandern in Christian Friedrich Bretzners deutscher Nachdichtung auf die Leipziger

Bühne. Ihren Höhepunkt erreichte die Mozartbegeisterung in Leipzig jedoch mit der

Erst auf füh rung der Zauberflöte am 25. Januar 1793 durch Joseph Seconda, mit fünfzehn

Wieder holungen bis Ende der Spielzeit. Auch der Prager Impressario Guardasoni brachte

im gleichen Jahr eine Produktion der Zauberflöte nach Leipzig, kurioserweise in italienischer

Sprache.

Ludwig van Beethoven (Büste von Walter Arnold)

Musik von Ludwig van Beethoven erklang erstmals am 21. November 1796 in Leipzig, als

Josepha Duschek, Mozarts Prager Freundin, im Komödienhaus auf der Ranstädter Bastei ein

Extrakonzert gab und dort Szene und Arie „Ah perfido“ sang; laut Programmzettel „für

Madam Duschek geschrieben von Beethoven“.

Mit der Leipziger Erstaufführung der Ersten Sinfonie von Beethoven am 16. November 1801 im Saal des Thomäischen Hauses

und am 26. November des gleichen Jahres im Gewandhaus begann eine intensive Pflege der Werke von Beethoven im Ge -

wand haus, bisweilen standen die Sinfonien nur wenige Monate nach der Uraufführung auf dem Programm. Die Chronisten des

Gewandhaus orchesters verweisen darauf, dass „sie … beim Publikum begeisterte Aufnahme (fanden) und … häufig bessere

Pressekritiken als in Wien (erhielten)“. Zwischen 1801 und 1827 sind 137 Sinfonieaufführungen im Gewandhaus nachweisbar.

Beethovens Fünfte Sinfonie ist am 23. Januar 1809 erstmals im Gewandhaus gespielt worden, allerdings nicht in einem Abon -

nements konzert, sondern im Rahmen eines Sonderkonzertes. Dort muss sie aber so gefallen haben, dass sie bereits am 9.

Februar 1809 in einem Abonnementskonzert wiederholt wurde.

Wenige Jahre später, am 15. Februar 1815 erlebten die Leipziger im Theater auf der

Ranstädter Bastei die Erstaufführung des Fidelio. Allein während der Direktionszeit von

Karl Theodor Küstner, 1817 bis 1828, sind im inzwischen durch Friedrich Weinbrenner

umgebauten Komödienhaus zwölf Aufführungen nachgewiesen – zu einer Zeit, in der die

meisten Stücke nicht einmal zwei bis drei Wiederholungen fanden.

Carl Maria von Weber (Büste von Walter Arnold)

„Der größte Opernerfolg der Küstnerzeit aber war einem lebenden Meister, Carl Maria

von Weber beschieden, dem mit Freischütz, Euryanthe, Oberon und Silvana bis 1828

(Küstner eröffnete das Stadttheater am 26. August 1817) 122 Aufführungen zufallen.

Davon kommen allein 68 auf den Freischütz, 42 auf den Oberon. Rechnet man auch

Preciosa, wie es unter künstlerischem Gesichtspunkt doch wohl notwendig wäre, hierher

zu den Werken Webers, so erhöht sich die Zahl noch um weitere 40 Aufführungen“,

berichtet der Theaterchronist Friedrich Schulze.


Die Leipziger Erstaufführung des Freischütz datiert auf Sonntag, den 23. Dezember 1821, „zur Feier des Geburtstagsfestes seiner

Majestät des Königs“, ein halbes Jahr nur nach der Berliner Uraufführung. Die Chronisten des Gewand haus orchesters vermerken,

dass die Aufführungen des Freischütz „zugleich die ersten mit verstärkter Orchesterbesetzung waren: sechs 1. und

sechs 2. Violinen, drei Bratschen und drei Violoncelli (bisher 4, 4, 2, 2,). Der Freischütz wird in der Folgezeit die beliebteste

Oper für das Leipziger Publikum. Bis 1846 wird er 127mal aufgeführt“. Ein Höhepunkt der Küstnerzeit aber war ohne Zweifel

die deutsche Erstaufführung des Oberon am 24. Dezember 1826. Die Ausstattung schuf der Theatermaler Ferdinand Gropius

nach „Skizzen der Londoner Dekoration“, wie der Theaterzettel vermerkt.

Richard Wagner (Büste von Walter Arnold)

Richard Wagners Werk hatte es zunächst schwer, auf der Leipziger Bühne Fuß zu fassen.

Zwar kam am 24. Dezember 1830 im Stadttheater die Ouvertüre B-Dur zur Aufführung

(da war er gerade 17 Jahre alt). Doch mit seinen Opern konnte das Theater nichts anfangen.

Und so erklangen nach dem triumphalen Dresdner Uraufführungserfolg des Rienzi

erstmals im Gewandhaus im Rahmen eines Extrakonzertes Arien aus dieser Oper, mit

Wagners Dresdner Protago nisten Wilhelmine Schröder-Devrient (Adriano) und Joseph

Tichatschek (Rienzi). Bemühungen um Aufführungen des Rienzi und des Fliegenden Hol -

länders scheiterten zunächst. Am 31. Januar 1853 kam als erste Wagner-Oper Tann häuser

und der Sängerkrieg auf Wartburg auf die Leipziger Bühne und erlebte in den dreißig Jahren

bis zu Wagners Tod 145 Aufführungen.

Erstaufführungen von Lohengrin am 7. Januar 1854 und Holländer am 27. September

1862 waren kein Erfolg. Damit freilich begnügte man sich auch. Und als Wagner am 1. No -

vem ber 1862 ein Extrakonzert im Gewandhaus gab, wo er seine Ouvertüren zu Tann -

häuser und – als Uraufführung – zu den Meistersingern von Nürnberg dirigierte, war der

Saal fast leer. Trotzdem schrieb die „Neue Zeitschrift für Musik“: „Nach dem Vorspiele zu

den Meistersingern brach ein Beifallssturm los, welcher nicht eher nachließ, bis Wagner sein Werk wiederholte …“. Und so

schrieb dann Wagner am 6. März 1869 verärgert seinem Jugendfreund, dem Theaterdirektor Heinrich Laube: „Lieber Laube!

Sie würden mich zu aufrichtigem Dank verbinden, wenn Sie Ihre Stellung zu dem Leipziger Stadttheater dafür verwenden wollten,

dass meine Opern auf demselben ganz und gar nicht mehr gegeben würden. In der Hoffnung auf eine freundliche Erfüllung

meiner Bitte verbleibe ich Ihr ergebener Richard Wagner.“

Schließlich kamen am 15. September 1869 Rienzi und am 6. Dezember 1870 Die Meistersinger von Nürnberg erstmals auf

die Leipziger Bühne. Mit diesem Werk, so berichtete die „Neue Zeitschrift für Musik“ kam das Theater deutlich an Grenzen.

Es wurden „… vom 27. Sept. an abgehalten: 42 Clavierproben, 34 Chorproben mit dem … verstärkten Chor …, 5 Theaterund

Arrangierproben, 5 Proben mit dem Orchester allein sowie außerdem verschiedene Separatproben mit einzelnen

Orchesterabtheilungen oder Instrumenten, 6 große Theaterproben mit Orchester und einzelne Arrangierproben, also im

Ganzen nahe an 100 Proben“. Und es wird zudem vermerkt, dass keine Vorstellung in Oper oder Schauspiel ausgefallen sei.

Erst aber, als Theaterdirektor August Förster und sein Operndirektor Angelo Neumann 1878 den ersten Ring des

Nibelungen außerhalb von Bayreuth mit triumphalen Erfolg auf die Leipziger Bühne brachten, sandte Wagner jenes berühmte

Telegramm nach Leipzig, welches die Aussöhnung mit seiner Vaterstadt dokumentierte: „Heil meiner Vaterstadt, die eine so

kühne Theaterdirektion hat!“ Am Ende seines Lebens 1883 standen zehn seiner Opern auf dem Spielplan der Leipziger Bühnen.

Engelbert Humperdinck (1854 -1921) gehört zu der Komponistengeneration, die maßgeblich durch Richard Wagner beeinflusst

wurde. Seine Märchenoper Hänsel und Gretel (uraufgeführt 1893 in Weimar) erlebte ihre Erst aufführung in Leipzig am

21. September 1894 und fand in der gleichen Spielzeit 20 Wiederholungen. Sein Sohn Wolfram Humperdinck, Schüler von

Max Reinhardt und Regieassistent von Siegfried Wagner in Bayreuth, war von 1933 bis 1941 als Oberspielleiter der Oper unter

dem Generalintendanten Hans Schüler am Leipziger Stadttheater tätig. Die Neuproduktion Hänsel und Gretel – Premiere ist

am 4. Dezember 2010 – hat GMD Prof. Ulf Schirmer zum „Chefstück“ erklärt, Regie führt Birgit Eckenweber.

Walter Arnold (1909 -1979) war Sohn eines Steinmetzen aus Leipzig. Er absolvierte 1924 bis 1928 eine Aus bildung als

Holz- und Steinbildhauer, um anschließend an der Leipziger Kunstgewerbeschule bei Alfred Thiele zu studieren, dessen

Assistent er bis 1933 war. Von 1933 bis 1940 arbeitete Arnold als freischaffender Künstler, wurde Soldat der Wehrmacht und

kam in Kriegsgefangenschaft. Ab 1946 war er Lehrer an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 1949 folgte er

einem Ruf an die Hochschule für Bildende Künste Dresden, an der er bis 1970 als Professor tätig war. Er wechselte noch einmal

an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach seiner Emeritierung 1974 betreute er weiterhin eine

Meisterklasse in Dresden. Seit 1952 war er Mitglied der Deutschen Akademie der Künste und 1958 bis 1964 als Nachfolger

Otto Nagels Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler der DDR. Für das neue Leipziger Opernhaus schuf er neben den

vier Komponistenbüsten auch jene von Wilhelm Pieck, die ihren Platz an jener Stelle im Parkettfoyer hatte, wo heute die aus

den Trümmern des Neuen Theaters geborgene Wagnerbüste des Bildhauers Melchior Anton zur Strassen steht. Walter

Arnold schuf auch den plastischen Schmuck der Außenfassade und die Tauben auf dem Bühnenturm des Opernhauses.

Verwendete Literatur: Böhm, Claudius/Staps, Sven-W. (Hrg.) Das Leipziger Stadt- und Gewandhausorchester. Dokumente einer 250jährigen

Geschichte, Leipzig 1993 | Hennenberg, Fritz Geschichte der Leipziger Oper von den Anfängen bis zur Gegenwart, Leipzig 2009 | Richter, Brigitte/

Oehme, Ursula (Hrg.) Mozart in Kursachsen, Leipzig 1991 | Schulze, Friedrich Hundert Jahre Leipziger Stadttheater, Leipzig 1917 | Wolf, Werner

Richard Wagner und Leipzig in: Leipziger Volkszeitung vom 5./6.2.1983 | Sammlung Leipziger Theaterzettel, Stadtarchiv Leipzig

OPER LEIPZIG | Kommissarischer Intendant und Geschäftsführender Direktor Alexander von Maravić | Spielzeit 2010/2011 | Redaktion: Dr. Heidi Zippel | Fotos: Andreas Birkigt

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine