Umweltgerecht Planen und Bauen - Finanzministerium Rheinland ...

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Umweltgerecht Planen und Bauen - Finanzministerium Rheinland ...

Ministerium der Finanzen

BAUEN

WOHNEN

Umweltgerecht

Bauen Planen

&

Bauen Planen

UND

Projektbeispiele aus Rheinland-Pfalz


Verehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

seit einiger Zeit vollzieht sich ein

Wandel in der Baubranche. Ökologische

Anforderungen beim

Planen und Bauen dringen als

wichtige Bausteine für eine

nachhaltige Siedlungsentwicklung

zunehmend in unser Alltagsbewusstsein

vor.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz

unterstützt diesen

Prozess aktiv, indem sie Modellprojekte

fördert, die kostengünstiges,

energiesparendes und umweltfreundliches

Bauen verbinden.

Dies beschränkt sich nicht

auf einzelne Gebäude, sondern

umfasst häufig ganze Siedlungen.

Auch das flächensparende Bauen

ist in diesem Zusammenhang

wichtig, um die Zersiedelung der

Landschaft einzudämmen und

möglichst viel Freiraum für

Mensch und Natur zu bewahren.

So sind überall in unserem Land

Orte zum Leben und Wohlfühlen

entstanden durch ein an die Natur

angepasstes Gesamtkonzept.

Gernot Mittler

Minister der Finanzen

Aus unseren Vorstellungen vom

„jungen, modernen Wohnen” sind

die ökologischen Aspekte kaum

noch wegzudenken. Ein natürliches

Wohnambiente ist gefragt

wie nie zuvor. Naturbelassenes

Holz, helle Räume, Licht, Glas,

Wohnen inmitten der Natur - wer

wollte das nicht?

Tatsächlich berühren zahlreiche

Maßnahmen im umweltgerechten

Planen und Bauen zugleich auch

urmenschliche Wünsche und vermitteln

uns ein besonderes Gefühl

der Behaglichkeit. Es wäre jedoch

verkehrt, den Gedanken vom umweltgerechten

Planen und Bauen

auf einige wenige, besonders augenfällige

Aspekte zu reduzieren.

Viele ökologische Ansätze im

Wohnungsbau decken sich darüber

hinaus durchaus mit ökonomischen

Interessen. So ist Holz

als Baustoff heute auch finanziell

interessant. Ein niedriger Energieverbrauch

rechnet sich auf

Dauer nicht nur für die Umwelt,

sondern genauso für Bauherrinnen

und Bauherren.

Wo sich solche sogenannten

Synergieeffekte ergeben, sind sie

zusätzliche Anreize für das umweltgerechte

Planen und Bauen.

Im Mittelpunkt unseres Engagements

sollte aber immer unsere

Umwelt stehen, denn sie ist die

natürliche Lebensgrundlage, auf

die wir morgen ebenso wie heute

bauen möchten.

In dieser Broschüre zeigen wir Ihnen

bereits existierende Beispiele

aus Rheinland-Pfalz. Wir wollen

Ihnen damit Impulse geben

und Sie zur Nachahmung anregen.


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Inhalt

Umweltgerecht Planen & Bauen

Projektbeispiele

Die Sonne fangen - Solarenergie im

Wohnungsbau

Mehr Lebensqualität - Innovative und

ökologische Siedlungsformen

Am Ende der Steinzeit - Holz

als Baustoff

Grüne Inseln - Umweltgerechte

Wohnanlagen in der Stadt

Mit Holz hoch hinaus - Mehrgeschossige

Holzbauwerke

Kontakte und Literatur

4

6

6

12

18

22

26

Bad Neuenahr

Schalkenbach

Trier

Wasserliesch

30

Niederbreitbach

Pirmasens

Bendorf

Übersicht

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Laubenheim

St.Alban

Leistadt

Ludwigshafen

3


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4

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Umweltgerecht Planen und Bauen - Sechs Grundsätze

Umweltaspekte haben sich in

den vergangenen Jahren zunehmend

als feste Größe in

der Baubranche etablieren

können. Dabei strebt ein umfassendes,

umweltgerechtes

Konzept eine möglichst geringe

Belastung des Naturhaushaltes

an und zwar von

der Planung über die Erstellung,

die Nutzung und Modernisierung

bis hin zur Beseitigung

eines Bauwerkes.

Folgende sechs Grundsätze

können als Orientierungshilfe

für ein umweltgerechtes

Planen und Bauen dienen:

Schonender Umgang

mit Grund

und Boden

Grund und Boden sind nur begrenzt

verfügbar, deshalb ist

ein schonender Umgang besonders

wichtig. Hierzu gehört

es, Baugebiete 1und Parzellen

nicht unnötig in den Außenbereich

auszudehnen, sondern so

kompakt wie möglich zu halten.

Gleichzeitig sollte eine

übermäßige Versiegelung des

Bodens mit undurchlässigen

Materialien wie z.B. Asphalt

vermieden werden, beispielsweise

durch die Reduzierung

von Verkehrsflächen im Baugebiet,

oder durch die Verwen-

dung von wasserdurchlässigen

Materialien bei der Befestigung

der Garagenzufahrten

und der Terrasse.

Naturnaher Wasserhaushalt

Eine geringe Versiegelung

wirkt sich auch günstig auf den

Wasserhaushalt aus. Spätestens

seit den Hochwasserwellen

der vergangenen Jahre

ist man 2sich bewusst, dass der

enorme Regenwasserabfluss

von den Dächern und Straßen

unserer Siedlungen die Probleme

zusätzlich verschärft. Man

ist deshalb dazu übergegangen,

das anfallende Regenwasser

nicht mehr mit dem häuslichen

Abwasser zusammen in

die Kanalisation zu leiten, sondern

möglichst vor Ort versickern

zu lassen oder es sogar

für die Biotopgestaltung,

Gartenbewässerung und Toilettenspülung

zu verwenden.

Eine gute Möglichkeit kostbares

Trinkwasser einzusparen

und die Eingriffe in den

Grundwasserhaushalt zu verringern.

Anpassung an das

Lokalklima

Jedes Baugebiet und jede Parzelle

hat 3ihr eigenes, lokales

Klima, das insbesondere durch

Geländeform und Bewuchs

beeinflusst wird. Die Errichtung

von Baukörpern kann das

Lokalklima empfindlich stören.

Wo ehemals Kaltluftströme

entstanden sind, die für

eine Durchlüftung der Sied-

lung gesorgt haben, könnten

beispielsweise Hitzestauungen

oder unangenehme Luftverwirbelungen

entstehen. Solche

Überlegungen sollten darum in

die Planung miteinfließen.

Erarbeitung intelligenterEnergiekonzepte

Besonders große Fortschritte

konnten im Energiebereich erzielt

werden. Das Spektrum

umweltgerechter Gestaltungsmöglichkeiten

reicht hier von

der Minimierung des Wärmeverlustes

über die Einrichtung

alternativer, intelligenter Heizsysteme

bis hin zur Gewinnung

regenerativer Energie auf der

eigenen Parzelle. So spielen


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große Fensterflächen und

Wintergärten auf der Südseite

eines Gebäudes eine bedeutende

Rolle bei der Heizwärmegewinnung

durch Sonneneinstrahlung.

Neue Dämmstoffe

minimieren den Wärmeverlust

4von Gebäuden. Fotovoltaik

und Windkraft ermöglichen

regenerative Stromerzeugung,

Sonnenkollektoren

oder Erdwärmesonden erlauben

eine alternative Warmwasserbereitung.

Die Zahl der Beispiele

und Ideen läßt sich beliebig

fortsetzen. Alle diese

Maßnahmen können sich dann

zu einem umfassenden und intelligenten

Energiekonzept

verbinden. Schon heute gibt es

Ansätze für Nullenergiehäuser,

die für Heizung und Warmwasserbereitung

weder auf Öl,

Erdgas noch auf Strom von

außen angewiesen sind.

Verwendung ökologischerBaumaterialien

Die Verwendung ökologischer

Baumaterialien birgt zahlreiche

Vorteile in sich. Dabei sollte

der Begriff „ökologisch”

nicht alleine an der Natürlichkeit

des Baustoffes festgemacht

werden. Ob Holz oder

Stein, grundsätzlich gilt, wer

auf einheimische und regionaltypische

Materialien zurückgreift,

erspart der Umwelt zu-

5

sätzliche Verkehrsbelastungen

und trägt zu einem unverkennbaren,

regionenspezifischen

Gesamtbild bei.

Die wachsende Beliebtheit von

Holz als Baumaterial liegt in

seiner warmen Ausstrahlung

und seinen zahlreichen baubiologischen

Vorzügen begründet.

Holz ist anpassungsfähig,

wärmedämmend, wohlriechend

und gut für das

Raumklima. Darüber hinaus ist

es als nachwachsender Rohstoff

kostengünstig.

Zum ökologischen Aspekt eines

Baustoffes gehört übrigens

auch die Frage, ob er sich nach

dem Abriss wiederverwerten

oder ohne Belastung für die

Umwelt entsorgen lässt.

Entwicklung naturnaherGrünkonzepte

Neben den Gebäuden zählt

auch der Garten und das

Umweltgerecht

Bauen

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Freiraumkonzept einer Siedlung

zu den ökologischen

Grundbausteinen. Die Querbezüge

zum Wasserhaushalt

und zum Lokalklima sind hier

offensichtlich. Aber auch die

Fauna und Flora sind ein

schützenswertes Naturgut und

so sollte bei Planung und Bau

6

darauf geachtet werden, dass in

die bestehende Vegetation so

wenig wie möglich eingegriffen

wird.

Bei der Gestaltung des Hausgartens

sind einheimische Gewächse

den Exoten vorzuziehen.

Die Begrünung sollte sich

über mehrere Vegetationshorizonte

erstrecken (Gräser,

Sträucher, Bäume). So entstehen

ökologische Nischen für

unsere einheimischen Tierarten.

Selbstverständlich braucht die

Bepflanzung auch vor den Gebäuden

nicht Halt zu machen.

Fassaden- und Dachbegrünung

können neben ihrer Funktion

als Lebensraum für Tiere auch

einen günstigen Einfluss auf das

Wohnklima und die Bausubstanz

ausüben, etwa als Schattenspender,

Regenschutz oder

Luftpolster.

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Die Sonne fangen - Solarenergie im Wohnungsbau

1

Was den Schildbürgern mit ihren Eimern nicht gelang, das gelingt den Architekten und Bauherren

heutzutage mit moderner Technik und Know-how – die Sonne einzufangen. Allerdings

geht es ihnen nicht nur ums Licht, sondern vor allem auch um die Energie in den Sonnenstrahlen.

Mit Sonnenkollektoren wird Heizwärme gewonnen, mit Fotovoltaikanlagen Strom

erzeugt und durch die wohlbedachte Ausrichtung des Gebäudegrundrisses, Verglasung und

Begrünung können Tages- und Jahreszeiten geschickt in das Energiekonzept des Hauses einbezogen

werden.

Solarhaus am Nordhang

Einfamilienhaus als Split-

Level-Typ am Nordhang des

Moseldorfes Wasserliesch

Ziel des Entwurfes war es,

selbst unter den gegebenen

schwierigen Bedingungen

ein Solarhaus zu realisieren.

Das Grundstück befindet sich

an einem steilen Nordhang und

grenzt rückwärtig im Süden an

weiterhin steil ansteigende

Streuobstwiesen.

Der Sonne entgegen...

Als Entwurfslösung wurde ein

von Südost nach Südwest aufgefächerter

Grundriss, bei

halbgeschossig versetzten

Wohnebenen, entwickelt. Damit

konnte eine Südorientierung

fast aller Räume erreicht

werden, so dass das

Gebäude selbst wie ein großer

Sonnenkollektor funktioniert.

Diese Auffächerung bewirkt

zudem einen reichen Gestaltungsspielraum

in den Aufenthaltsräumen

und ermöglicht

Südwest-Ansicht: Grasdach und Fensterfront wirken sich positiv auf die Raumtemperatur aus

die sparsame Befensterung der

Nordfassade. Die großzügige

Öffnung des Gebäudes nach

Süden wirkt wie eine Wärmefalle,

die tief stehende Wintersonne

erreicht mit ihren Strahlen

mühelos die innere Tragwand

und kann diese erwärmen,

während die hoch stehende

Sommersonne nicht sehr

weit ins Gebäude eindringen

kann und somit eine Überhitzung

vermieden wird. Durch

die geschlossene Nordfassade

wird der Wärmeverlust zum

kühlen Norden hin minimiert.

Fotos: U.Welter, Trier


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Sonnenhut und

Winterpelz

In diesem Zusammenhang

wirkt sich auch das Grasdach

über den flach gedeckten Südräumen

ausgleichend aus: Im

Winter wärmt der dichte Pelz

gedorrter Gräser, während im

Sommer das grüne, wasserverdunstende

Gras den

darunterliegenden Raum

kühlt.

Projektbeispiele

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Wohnzimmer: Der Übergang zwischen Innenraum und Außenraum ist fließend

Diele: Hell und freundlich, dank Oberlichtern und naturbelassenem Holz

Das bestehende Gartengrün

wurde während der Bauphase

geschont und mit ins Entwurfsprinzip

übernommen.

Innen- und Außenraum gehen

an der offenen Südfassade beinahe

nahtlos ineinander über

und der Gartenbewuchs kann

von Anfang an seine regulierende

Wirkung im Frischluftund

Temperaturausgleich entfalten.

Nord-Ansicht: Kleine Fenster an der Nordseite vermindern den Wärmeverlust

Sonstige Merkmale: Regenwassernutzung,Sonnenkollektoren,Luft-Luft-Wärmetauscher

Architekt: Dipl.-Ing. Klauspeter

Quiring, Wasserliesch

Fertigstellung: 1990

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2 Wohnhaus

Goosmann-Wilmer

Einfamilienhaus in Niederbreitbach

mit Appartement

im Untergeschoss zur Vermietung

oder als Altenteil

Mit 15 x 32 Meter ist das

Grundstück der Eheleute

Goosmann etwas enger als

für freistehende Einfamilienhäuser

üblich. Der Architekt

begegnete dieser Aufgabe mit

einem traufständigen Baukörper,

der sich zur optimalen

Ausnutzung der Sonnenwärme

nach Süden hin öffnet,

während er nach Norden weitestgehend

verschlossen bleibt.

Im Osten und Westen bringen

Fensterschlitze mit abgeschrägten

Leibungen möglichst

viel Sonnenlicht in die

Räume, so dass alle Wohn- und

Schlafräume immer auch von

Süden und Westen oder von

Süden und Osten belichtet

werden und zu jeder Tageszeit

eine neue Lichtstimmung bieten.

Sonnenfalle Wintergarten

Der Wintergarten dient als

Wärmepuffer und zugleich

Wärmespender für den Wohnraum,

das Treppenhaus und

das Arbeitszimmer. Als Beschattung

wurde vor dem Wintergarten

ein Trompetenbaum

gepflanzt, der sich deshalb besonders

gut eignet, weil er erst

Ende Juni seine Blätter bekommt

und sie schon früh im

Wintergarten: Nicht nur heller Aufenthaltsraum, sondern auch als

Wärmespender und -puffer gut geeignet

Herbst wieder abwirft. Ein

pfiffiger Einfall, denn so kann

die Herbst- und Wintersonne

ungehindert den Wintergarten

erwärmen und helfen, den Energieverbrauch

für die Heizung

zu senken.

Das Dach ist mit zehnprozentiger

Dachneigung als Pultdach

über dem Wohnbereich

konstruiert. Die geringe Dachneigung

erlaubt eine extensive

Dachbegrünung, die sich

wiederum positiv auf das

Raumklima auswirkt und vor

Hitze und Kälte gleichermaßen

schützt. Etwas steiler ist die

Dachneigung nach Süden hin.

Hier wurden Sonnenkollektoren

für die Warmwasserbereitung

und eine Fotovoltaik-


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Offene Südfassade mit Wintergarten und dem schattenspendenden Trompetenbäumchen

anlage in die Dachfläche integriert,

die im Jahr ca. 900-

1000 kWh Strom erzeugt

Sonstige Merkmale: Regenwassernutzung,Gas-Brennwertkessel,

Kachelofen

Architekt: Matthias Hardt,

Hausen/Wied

Fertigstellung: 1997

Oben: Geschlossene Nordfassade und Grasdach

Unten: Wohnzimmer mit Kachelofen

Projektbeispiele

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3 Bio-Solar-Haus

Ökologisches Fertighaussystem

für unterschiedliche

Nutzungsansprüche z.B. in

St.Alban

Etwas ungewöhnlich in seiner

Form ist das Niedrigstenergiehaus

von Dipl.-

Ing. Klaus Becher. Für das

„Fertighaus”, das ein wenig an

den Rumpf einer Arche erinnert,

nahm sich der Ingenieur

die Natur selbst zum Vorbild.

Insbesondere die Solarnutzung

erfolgt nach rein physikalischen

Gesetzen wie Strahlung,

Auftrieb und Temperaturausgleich

und benötigt keine weitere

Unterstützung durch

komplizierte Technik oder maschinelle

Einrichtungen.

Der große Wintergarten wirkt als Klimaschleuse

Das „Haus im Haus“ wird durch eine Luftschicht nach außen abgeschirmt

Wohnen im Iglu

Grundidee war eine dem Iglu

möglichst nahekommende

Tonnenform, die den Vorteil

bietet, im Verhältnis zum Volumen

eine sehr kleine Oberfläche

zu haben und damit den

Wärmeverlust zu minimieren.

Das Bio-Solar-Haus besteht

aus biologisch einwandfreien,

meist nachwachsenden, recyclingfähigen

Rohstoffen.

Wegen seiner umfassenden

Wärmedämmung verbraucht

es nur wenig Heizenergie (90

Prozent unter den Forderungen

der Wärmeschutzverordnung).

Diese wird zum be-


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trächtlichen Teil durch Sonnenenergie

aktiv mittels eines

großen Solarabsorbers unterhalb

des transparent gestalteten

Daches und passiv durch

den Wintergarten gewonnen.

Durch den Wintergarten als

zusätzliche Schleuse gelangt

man in den wärmegedämmten

Wohnbereich. Die großzügige

Verglasung läßt die Globalstrahlung

der Sonne ungehindert

ins Haus. Vor allem auch

in den Wintermonaten ist so

für eine optimale Lichtversorgung

gesorgt.

Neben der Hausform trägt

auch das „Haus-in-Haus-Konzept“

zur Verringerung des

Wärmeverlustes bei: Das

Kernhaus wird durch eine separate

Außenhülle geschützt.

Dazwischen befindet sich eine

Luftschicht, die direkt mit dem

Wintergarten verbunden ist

und durch den ständigen Luftaustausch

zwischen Wintergarten

und Dachboden im

Sommer kühlt, im Winter

wärmt und Schimmelbildung

verhindert.

Flexibles Stahlskelett

Durch die patentierte Stahl-

Tragekonstruktion kommt das

Bio-Solar-Haus ohne tragende

Innenwände aus. Die Aufteilung

des Wohnraumes lässt

sich also frei gestalten. Überhaupt

lässt das Bio-Solar-Haus

dem Bauherren viel Raum für

individuelle Gestaltungswünsche.

So kann die Nordfassade

beispielsweise auch traditio-

Projektbeispiele

Das Konzept

ermöglicht

eine Vielzahl

verschiedener

Nutzungen,

Haustypen

und Fassadengestaltungen

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

nellen Hausformen angepasst

und mit einem Ziegeldach versehen

werden.

Sonstige Merkmale: ggf.

Regenwassernutzung, Wand-

Strahlungsheizung

Konstruktion: Dipl.-Ing

Klaus Becher

Herstellung: Bio-Solar-Haus

Becher GmbH

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4 Rotsteiger

Mehr Lebensqualität - Innovative und ökologische Siedlungsformen

Umweltgerechtes Bauen erfordert ganzheitliches Denken. Besonders wirkungsvoll lassen sich

ökologische Aspekte deshalb gerade dann einbringen, wenn über die einzelne Parzelle hinaus

gedacht wird. Ein ganzes Baugebiet umweltgerecht zu planen und zu realisieren eröffnet dem

Planer zahlreiche zusätzliche Gestaltungsspielräume und günstige Einflussmöglichkeiten. Dass

dabei nicht immer nur die neuesten Erkenntnisse der Stadtplanung innovativ sind, sondern

auch viel Altes neu entdeckt werden kann, zeigen die zwei nachfolgenden Beispiele.

Weg

Ökologische Wohnsiedlung

in traditioneller Haus-Hof-

Bauweise in Bad Dürkheim-

Leistadt

Die Idee für das in Bad

Dürkheim-Leistadt gelegene

und im Rahmen des Programmes

Experimenteller

Wohnungs- und Städtebau

(ExWoSt) von Bund und Land

geförderte Neubaugebiet

„Rotsteiger Weg” wurde anlässlich

der Dorferneuerungsund

Entwicklungsplanung von

1989 bis 1990 geboren.

Leistadt bewahrte sich stets

seinen ländlichen und vom

Weinbau stark geprägten historischen

Charakter. Um diesen

Charakter zu schützen,

übernahm man die Grundform

der ortsüblichen historischen

Bebauung und passte sie den

modernen Wohnbedürfnissen

an. Zielvorgabe war, das 1,2

Hektar große Baugebiet funktionell,

kostengünstig, bewohnerfreundlich

und vor allen

Dingen auch umweltgerecht

zu gestalten. Ein Experiment,

denn schließlich bestand

eine große Schwierigkeit

darin, ohne Bauträger, mit 25

privaten Bauherren flächensparenden

und hochwertigen

Städte- und Wohnungsbau zu

realisieren.

Neu und Alt im Einklang

Grundidee war die gestalterische

Anpassung des Neubaugebietes

an die gewachsene

Ortsstruktur. Die festgesetzte

Haus-Hof-Bauweise und die

Straßenraumgestaltung glie-

dern die privaten und öffentlichen

Räume und lassen „halböffentliche”Kommunikationsräume

entstehen. Durch diese

behutsame ländliche Nachverdichtung

ist der Aspekt der

flächensparenden Bauweise

sehr gelungen in Einklang mit

den ortsüblichen Bauformen

gebracht worden. Boden ist

Altes neu entdeckt:

Die moderne

Haus-Hof-Bauweise

lehnt sich

an gewachsene

Dorfstrukturen

an und mindert

den Flächenverbrauch


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eine begrenzte Ressource und

nicht nur für unsere Umwelt

ein kostbares Gut. Der Zuschnitt

in kleine, kostengünstige

Parzellen kam außerdem

auch den Bemühungen entgegen,

ortsansässige Bauinteressenten

zu bevorzugen. Hintergrund

solcher Überlegungen

ist der Wunsch, eine Identifikation

der Bewohner mit ihrem

Dorf zu erreichen. Die

unter ökologischen Gesichtspunkten

nahe dem Gebiet angelegte

Streuobstwiese wirkt

dabei nur förderlich, ist man

für deren Pflege und Nutzung

doch gemeinsam verantwortlich

und hat freiwillige Baumpatenschaften

übernommen.

Kostbares Wasser

Bei allen öffentlichen Maßnah-

men wurde Wert auf die Verwendung

umweltfreundlicher

Materialien gelegt. Eine weitere

Besonderheit im Bauge-

Projektbeispiele

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

biet ist das alternative Oberflächenentwässerungssystem,

das für einen naturnahen Umgang

mit Regenwasser sorgt.

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Das Niederschlagswasser wird

über drei Versickerungsbrunnen

und zwei Rigolen in tiefer

gelegene, wasseraufnahmefähige

Sandsteinschichten eingeleitet.

Auch in der Straßenraumgestaltung

hat das

Oberflächenwasser seinen

Platz gefunden: es fließt in seitlichen

Rinnen bis zu Gräben,

die in einen Absetz- und Verdunstungsteich

münden.

Das Beispiel Rotsteiger Weg

beweist, dass sich hohe gestalterische

Ansprüche und umweltgerechtes

Planen und

Bauen nicht nur gut miteinander

kombinieren lassen, sondern

sich sogar regelrecht ergänzen

können. Das Projekt

wurde 1995 im Rahmen des

Staatspreis Architektur und

Städtebau mit einer Auszeichnung

bedacht.

Sonstige Merkmale: Begleitung

der Bauherren durch kostenlose

Vorträge und Beratungen

als zusätzlicher Anreiz

zur Umsetzung ökologischer

Ziele.

Planung: WSW + Partner

GmbH, Kaiserslautern

Was nicht in

die Versickerungsschächte

fließt, kommt

in den Verdunstungsteich

Auf dem Dach

sorgen Sonnenkollektoren

für

warmes Wasser

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Trockenmauern aus heimischem

Sandstein bieten Lebensraum für

zahlreiche Tierarten

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5 Olbeschhof

Ökologische Wohnsiedlung

mit Anger als Siedlungsmittelpunk

am Rande eines

Trierer Neubaugebietes

Die Häusergruppe „Olbeschhof”

befindet sich

am Rande des in den letzten

Jahren um die Trierer Universität

entstandenen neuen

Wohngebietes Trier Tarforst.

Das für ökologisches Bauen

ausgewiesene, rund 6000 Quadratmeter

große Baugelände

des Olbeschhof wurde in zehn

Parzellen aufgeteilt. Sechs

Häuser liegen talseitig der

Mittelerschließung leicht fächerförmig

aneinandergereiht,

vier Häuser liegen hangseitig.

Rund um die Mitte

gebaut

Die „Gesellschaft für naturnahes

Bauen und Leben“ hat

es sich zum Ziel gesetzt, kostengünstig,

umweltschonend,

ressourcensparend und naturgerecht

zu bauen. Im Olbesch-

Projektbeispiele

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Viel Raum für Grünpflanzen und spielende Kinder bietet der vom Verkehr freigehaltene Anger

hof verfolgte man dieses Ziel

durch eine ungewöhnliche

Reihenhauskonzeption mit

Sammelstellplätzen, die sich

um einen vom Verkehr freigehaltenen

Anger gruppieren und

dadurch den Flächenverbrauch

und die Bodenversiegelung

minimieren.

Wesentlich für das Konzept ist

aber auch die Berücksichtigung

der Belange von Familien,

insbesondere von Kindern,

und die Pflege einer intakten

Nachbarschaft. Auf den Ge-

meinschaftsflächen sind darum

neben Carports, Fahrradschuppen

und Müllsammelstellen

auch Spiel- und

Freiflächen angelegt, die allesamt

gemeinsam gepflegt und

verwaltet werden. Eine vorgelagerte

landwirtschaftlich genutzte

Fläche wurde angepachtet,

um mit Obstbäumen

bepflanzt und gemeinsam

gepflegt zu werden. So entsteht

auch die Möglichkeit der

Selbstversorgung mit Kräutern,

Obst und Gemüse.

Aufgrund des leichten Gefälles

nach Südosten eröffnet sich

den Bewohnern des Olbeschhof

ein schöner Blick auf die

Talsenke und in die Weite.

Doch trotz dieser Randlage ist

das Wohngebiet nicht „ab vom

Schuss”, denn über den ÖPNV

ist es im Zehn-Minuten-Takt

an die Innenstadt

Triers an-


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gebunden. Außerdem verbindet

ein Fußweg die Universität

mit dem Wohngebiet. Insoweit

handelt es sich also nur

optisch um eine Randlage.

Aus einem Guss

Da hinter dem Siedlungsvorhaben

eine Bauherrengruppe

steht, konnten die ökologischen

Aspekte auch an den

Gebäuden konsequent umgesetzt

werden. Neben den zahlreichenEnergiesparmaßnahmen

sind hier besonders die

aktive und passive Nutzung

der Sonnenenergie anhand von

Sonnenkollektoren und Wintergärten

zu erwähnen. Regenwasserspeicher

in jedem Haus

ermöglichen die Nutzung des

Niederschlags für die Gartenbewässerung

und Toilettenspülung

und helfen so, den

Trinkwasserverbrauch zu senken.

Die Wiederbelebung des klassischen

Dorfangers im Olbeschhof

ist damit ein weiteres

reizvolles Beispiel, wie sich

moderne Wohnbedürfnisse,

ökologische Anforderungen

und traditionelle Siedlungsweisen

zu einer intelligenten

und zeitgemäßen Einheit verbinden

können.

Projektbeispiele

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Für diese Leistung erhielt der

Olbeschhof im Rahmen des

Staatspreises Architektur und

Städtebau 1995 eine Auszeichnung.

Planung: Architekten Prof. Dipl.-Ing. Gerhard Freising und

Dipl.-Ing. Ursula Freising, Trier

Projektträger: Bauherrengruppe Gesellschaft für naturnahes

Bauen und Leben

Fertigstellung: 1995

Fotos: G. Freising, Trier

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Am Ende der Steinzeit - Holz als Baumaterial

Holz ist ein Baustoff mit großer Vergangenheit. Zwar wurde es von Stein und Beton in den

letzten Jahrhunderten aus unseren Städten und Dörfern verdrängt, allmählich aber erobert es

sich auch in Deutschland seinen Platz zurück, denn Holz ist auch oder gerade im Zeitalter

modernster Technologien ein moderner Baustoff. Neue Konstruktionsmöglichkeiten, verbunden

mit der Rückbesinnung auf die stofflichen Qualitäten, lassen den nachwachsenden Rohstoff

zur kostengünstigen Alternative für Bauherren werden. Und wer die warme und wohnliche

Ausstrahlung dieses Baustoffes erlebt, wird sich dessen Charme kaum entziehen können.

Holzhaus Kupka

Einfamilienhaus als Holzrahmen-Bau

mit massivem

Untergeschoss im Eifelort

Schalkenbach

Mit seiner blauen Fassade

und dem apricotfarbenen

Mauerwerk trägt das

Haus des Architekten Hans

Kupka ein wenig skandinavische

Atmosphäre in die Eifel

oder erinnert an die Provence

mit ihren bunten Häuschen und

lässt auch im Winter von warmen

Sommertagen träumen.

Wechselspiel der

Materialien

Seinen Charme verdankt das

Haus aber nicht nur dieser

Farbgestaltung, sondern auch

dem Wechselspiel der Materialien.

Während das Untergeschoss

massiv ist, wurden die

oberen Geschosse im Holzrahmenbau

aus heimischen

Nadelhölzern errichtet. Ein

umweltgerechter Schritt, denn

Holz ist ein nachwachsender

Rohstoff und weist mit seinem

geringen Energieaufwand bei

der Produktion eine günstige

Ökobilanz auf.

Die Außenwandelemente, de-

Material und Farbgebung verleihen dem Haus in der Eifel provenzalischen Charme

ren Konstruktionshölzer speziell

kammergetrocknet sind,

um ein späteres Verdrehen zu

verhindern, wurden in der

Schreinerei vorgefertigt und

vor Ort mit Hilfe eines Kranes

aufgestellt. Die Errichtung des

Rohbaus dauerte so, was die

Holzelemente betrifft, nur wenige

Tage. Dies setzte jedoch

eine sehr sorgfältige Planung

voraus, die Elemente mussten

auf der Baustelle exakt zueinander

passen.

Nach außen sind die Holzwände

als Bodendeckel- oder

Stulpschalung ausgeführt, beziehungsweise

als Vorsatz-

mauerwerk im Sockelbereich,

um das Holz vor Bodenfeuchtigkeit

und Witterungseinflüssen

zu schützen. Farbanstriche

wurden mit umweltfreundlichen

Farben auf Wasserbasis

ausgeführt. Auch die

breiten Dachüberstände an allen

Seiten des Gebäudes dienen

dem Schutz des Holzes,

haben zugleich aber auch den

Vorteil, die Innenräume von

der hochstehenden Sommersonne

abzuschirmen. Die wesentlich

tiefer stehende Wintersonne

kann dagegen ungehindert

eindringen und ihre wärmende

Kraft entfalten.


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Von Mutter Erde

gewärmt

Eine Besonderheit in diesem

Projekt ist die Heizungsanla-

ge. Auch hier hat sich der Bauherr

an skandinavischen Vorbildern

orientiert und sich für

eine Fußbodenheizung entschieden.

Diese bezieht ihr

Wasser allerdings nicht aus einem

handelsüblichen Heizkessel,

sondern aus einer Erdsonden-Wärmepumpe,

ein Gerät,

das die Energie für die Warmwasserbereitung

über zwei 50

Meter tiefe Bohrungen direkt

dem Erdreich entzieht.

Sonstige Merkmale: Regenwassernutzung

über separates

Brauchwassernetz

Projektbeispiele

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Architekt und Bauherr:

Dipl.-Ing. Hans Kupka,

Schalkenbach

Fertigstellung: 1998

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

19


○ ○ ○ ○

7 Wohnhaus

20

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am Hang

In Holzständerkonstruktion

am Hang errichtetes Wohnhaus

nahe der Pirmasenser

Innenstadt

Wer an der Nordseite des

zweigeschossigen

Wohnhauses vorbeischlendert

und dort die ungewöhnliche,

geschlossene, und mit Profilholzleisten

verkleidete Fassade

sieht, ahnt schon, dass dieses

Haus manch Außergewöhnliches

zu bieten hat.

Ein Hochsitz über

dem Pfälzer Wald

Neben der Hangneigung des

Baugrundstückes war es vor

allen Dingen der spektakuläre

und unverbaubare Ausblick

nach Süden über den Pfälzer

Wald, der maßgeblichen Einfluß

auf die Gestaltung des

Gebäudes ausübte. Der Hangneigung

folgend gliedert sich

das Gebäude in mehrere

Wohn- und Erlebnisebenen

auf, die von allen Seiten innerhalb

des Hauses Einblicke und

Durchblicke auf die unterschiedlichen

Nutzungen und

den schönen Fernblick gewähren.

Das Gebäude wurde konsequent

als Holzbau

mit einer

Holzständerkonstruktion errichtet

und erhielt nur hangseits

ein massives Rückgrat

aus Stahlbeton. Auch die Innenwände

wurden als Leichtbaukonstruktion

ausgeführt.

Zur Innenseite hin sind die

Holzwände mit wärmedämmenden

Schichten beschlagen,

in denen auch die

Hausleitungen verlaufen und

die abschließend mit Platten

aus Seekiefernholz gedeckt

und mit Gipsschalen verkleidet

wurden.

Außen sind die Holzwände mit

einer schützenden Folienhaut

überzogen und entweder mit

Faserzementplatten oder mit

Profilhölzern verkleidet. Ein

regelmäßiger Holzschutzanstrich

der Wände entfällt,

weil diese dem Wetter nicht

ausgesetzt werden. Nur die

Profilhölzer bedürfen einer

regelmäßigen Pflege,

will man deren vorzeiti-


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

ge Vergrauung verhindern. Da

diese Profilhölzer in einem Abstand

von ca. vier Zentimetern

zueinander gesetzt sind, lassen

sie genug Licht und Luft

durch, um die dahinterliegenden

Räume über Fensteröffnungen

zu belichten und

belüften. Für die Bewohner

des Hauses ergeben sich daraus

interessante Licht- und

Schattenspiele, wohingegen

ungebetene Gäste kaum Lust

haben dürften, sich mit der

Säge durch die Leisten Eintritt

in das Haus zu verschaffen.

Man kann sein Badfenster darum

getrost auch nachts offen

stehen lassen

Die Galerie wurde als Zwischendecke

durch eine einzige,

nur wenige Zentimeter dicke,

aber extrem tragfähige

Furnierschichtholz-Platte eingehängt.

Nach oben ist diese

Platte zur besseren Schalldämmung

isoliert, auf ihrer Unterseite

aber erspart das sichtbare

helle Holz mit seiner Maserung

eine zusätzliche Deckenverkleidung

und sorgt für eine

wohnliche Atmosphäre.

Alles andere als

hölzern

Zahlreiche weitere Details in

Fotos: A.Keller, Kirchentellinsfurt

diesem Wohnhaus belegen,

dass sich Holz nicht nur als

Ökobaustoff, sondern auch als

formfreudiges Konstruktionselement

eignet. An eine „ärmliche

Holzhütte”, wie manch

einer beim Baustoff Holz vielleicht

denken mag, fühlt sich

angesichts dieser Architektur

sicherlich niemand erinnert.

Sonstige Merkmale: Passive

Solarenergienutzung, Regenwassernutzung

Architekten: Bürling

Schindler, Freie Architekten

BDA, Stuttgart

Fertigstellung: 1998

Projektbeispiele

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

21


○ ○ ○ ○

8 Ökologische

22

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Grüne Inseln - Umweltgerechte Wohnanlagen in der Stadt

Ist von einem Öko-Haus die Rede, so dürften die meisten an ein freistehendes Einfamilienhaus

in ländlicher Idylle denken. Ein Geschosswohnungsbau inmitten der lärmenden Stadt scheint

dagegen wenig geeignet, das Attribut des umweltgerechten Wohnungsbaus zu tragen. Dabei

sind es gerade solche Projekte, die als verdichtete Wohnsiedlungen den Flächenverbrauch minimieren

und es auf Grund der vielen Bewohner erlauben, eine Menge sonst eher kostspieliger

Umweltinvestitionen kostengünstig zu bündeln. Steht hinter dem Bauvorhaben ein engagierter

Bauträger, so können deshalb auch mitten in der Stadt Paradebeispiele für durchdachte und

ansprechende Öko-Häuser entstehen, die zum Teil nicht nur auf ihrer Parzelle wirken, sondern

auch über diese hinaus günstige Einflüsse auf das Quartier entfalten können.

Wohnanlage

Erbgasse

3-geschossige ökologische

Wohnanlage mit Tiefgarage

in Ludwigshafen-Mundenheim

Das Projekt der Firma

ARBOS besteht aus einem

älteren, in diesem Zusammenhang

sanierten Wohnhaus

mit drei Wohneinheiten und einem

daran anschließenden

Neubau mit 16 Wohneinheiten

sowie einer Tiefgarage mit 21

Stellplätzen. Die Kleinteiligkeit

der umgebenden Wohnbebauung

wurde durch eine

Gliederung des Neubaus sowohl

in seiner Längsrichtung

als auch in der Höhe aufgenommen.

Für die Realisierung des über

das Mietwohnungsbauprogramm

des Landes Rheinland-

Pfalz öffentlich geförderten

Bauvorhabens fasste man eine

moderne, der passiven Solarenergie

verpflichtete Architektur

mit großen Fensterflächen

und Wintergartenverglasung

ins Auge. Das Gebäude wurde

in Massivbauweise errichtet,

wobei man bei der Auswahl

der Baustoffe größten

Wert auf deren ökologische

Qualitäten legte.

Single- und Familienwohnungen

Die Grundrisse der Wohnungen

sind den modernen Wohnbedürfnissen

entsprechend gestaltet.

Während die kleineren

Zwei-Zimmer-Wohnungen ein

offenes Wohnen für Singles

oder Paare erlauben, sind die

familiengerechten Drei- bzw.

Dreieinhalb– Zimmer-Wohnungen

entsprechend dem Bedürfnis

nach abgeschlossenen

und gleichwertigen Individualräumen

angelegt. Die großen

Wohnungen „binden

durch” d.h., sie sind sowohl

dem grünen Innenhof über die

Balkone bzw. Terrassen zugewandt

als auch der Nachmittagssonne

über die Wintergartenverglasungen

und Balkone

an der Erbgasse.

Gegliederte Westfassade - die Dächer wurden extensiv begrünt


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Ein Wasserfall im

Garten

Bei der Gestaltung der Außenanlage

wurde auf die Einbindung

vorhandener Baumbestände

geachtet. Zentrales Element

des Freiraumkonzeptes

ist die Teichanlage. Diese wird

von einem Quellstein mit solarbetriebener

Pumpe gespeist, an

dem sich auch der Bewohnertreff

befindet. Von dort ergießt

sich das Wasser malerisch über

eine Kaskade aus Sandstein in

das Teichbecken. Ein solches

Biotop erfüllt dabei aber keineswegs

nur gestalterische

Funktionen. Es wirkt regulierend

auf das Lokalklima des

Gartens und bietet einer Vielzahl

heimischer Tier- und

Pflanzenarten Nahrung und

Unterkunft. Die überwiegend

extensive Begrünung der Außenanlage

macht eine Pflege

des Gartens im herkömmlichen

Sinne nicht mehr nötig. Die

Natur soll hier zu ihren eigenen

Kreisläufen zurückfinden.

Sonstige Merkmale: Dachund

Fassadenbegrünung, Regenwassernutzung

für Gartenbewässerung

Architekten: Böhm &

Ruland, Heidelberg

Bauträger: ARBOS Öko-

Bauträger GmbH, Heidelberg

Fertigstellung: 1997

Projektbeispiele

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Quellstein und Teichanlage sind

über eine Kaskade miteinander

verbunden

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9 Ökologische Wohnbebauung Adlerdamm

Im Experimentellen Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) geförderter

sozialer Wohnungsbau als Lärmschutzbebauung und

Quartiersrandabschluss nach baubiologischen und ökologischen

Gesichtspunkten in Ludwigshafen-Mundenheim

Bei der Planung und dem

Bau dieser Wohnanlage

ging es der GAG um die Berücksichtigung

ökologischer

Aspekte in Verbindung mit einer

optimalen Wohnqualität

und um eine Synthese dieser

Anforderungen mit einer

Lärmschutzfunktion für das

dahinter liegende Wohnquartier,

denn die Wohnanlage liegt

an einer viel befahrenen Straße.

Bebauung als

Lärmschutz

So entstand hinter einer

Lärmschutzmauer eine

geschlossene viergeschossige

Zeile, die ihrerseits wie ein

gewaltiger Lärmschutzwall

das Gebiet von außen abschirmt.

Die Ausrichtung der

Zeile ermöglichte es, alle

Wohn- und Schlafräume nach

Südosten oder Südwesten zur

ruhigen Innenseite hin zu orientieren

- eine wichtige Voraussetzung

auch für die passive

Solarenergienutzung.

Durch die Versetzung der

Gebäude gegeneinander und

deren Verzahnung miteinander

entlang dem Adlerdamm

entstanden abwechslungsreiche

Außenräume, die

man als Sonnenhöfe oder

Grüngassen bezeichnen

kann. Eine stille grüne

Insel inmitten der lärmenden

Umgebung und dichten

Bebauung. Hier kann gemeinsam

gearbeitet, gespielt oder

einfach nur hingesetzt und geplaudert

werden. Die mit vielen

einheimischen Pflanzen-


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

arten und mit Wasser gestalteten

Außenanlagen stellen

hierzu jedenfalls den idealen

Rahmen.

Gesundes Wohnen

Auch am Gebäude selbst wurden

ökologische Belange konsequent

berücksichtigt. Die

Baustoffe wurden beispielsweise

hinsichtlich ihres Herstellungsprozesses,

ihrer

Recyclebarkeit, ihrer baubiologischen

Qualitäten und

auch ihrer gesundheitlichen

Verträglichkeit beurteilt und

ausgesucht. Die Fassade verrät,

dass der Baustoff Holz

eine wichtige Rolle dabei

spielt. Auf Holzschutzmaßnahmen

gegen Pilz- und

Insektenbefall wurde verzichtet

oder, falls unbedingt erforderlich,

auf die Verwendung

ungiftiger Mittel geachtet. Sogar

an die Reduzierung elektromagnetischer

Wellen, dem

sogenannten Elektrosmog,

wurde gedacht. Eltern und

Kinder können sich also bedenkenlos

wohl fühlen, was

sicherlich nicht nur unter sozialen

Gesichtspunkten viel

Wert ist. Eine Wohnanlage mit

solchen Qualitäten wird sich

immer besser vermieten lassen

als ein dürftiger Zweckbau.

In vielerlei Hinsicht führen die

Elemente des umweltgerechten

Bauens in letzter Konsequenz

zu einer neuen Form der

Behaglichkeit. Der Wohnungsmarkt

wird sich darauf einstellen

müssen und die Wohnanlage

Adlerdamm greift dieser

Entwicklung schon heute vor.

Bauträgerschaft: GAG, Aktiengesellschaft

für Wohnungs-,

Gewerbe- und Städtebau,

Ludwigshafen

Fertigstellung: 1997

Planung: Joachim Eble,

Tübingen

Projektbeispiele

Das Regenwasser fließt in offene und begrünte Sandsteinrinnen

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Mit Holz hoch hinaus - Mehrgeschossige Holzbauwerke

10

Die Bäume machen es vor, mit Holz kann man hoch hinaus und in anderen Ländern, wo die

Holzbauweise gang und gäbe ist, sind mehrgeschossige Holzhäuser mit bis zu zehn Stockwerken

keine Seltenheit. Für uns, die wir hohe Häuser nur aus Stahl, Stein und Glas kennen,

sicherlich ein ungewohnter Anblick. Aber auch in Rheinland-Pfalz wurden bereits erste Schritte

in diese Richtung getan. So gibt es im Land mittlerweile einige Beispiele für Holzhäuser mit

drei Geschossen.

Holzhaus Durner-

Heeger

Dreigeschossiger Holzständerbau

mit fünf Mietwohnungen

in Mainz-Laubenheim

Brandsichere Treppe und Laubengang

D en Mut, gewohnte Wege

einmal zu verlassen, bewiesen

die Bauleute Durner

und Heeger, als sie sich entschlossen,

ein ökologisches

Mietwohnungshaus in Auftrag

zu geben. Auf dem Grundstück

in Mainz-Laubenheim

galt es fünf Wohneinheiten zu

realisieren. Ein besonderer

Wunsch der Bauleute war da-

bei die Integration einer rollstuhlgerechten

und einer barrierefreien

Wohnung im Erdgeschoss.

In Ober- und Dachgeschoss

wurden drei Wohnungen

als Maisonettes mit

Dachterrassen entwickelt. Jede

Wohnung hat direkten Zugang

von außen, die Maisonettes

erschließen sich über eine

Außentreppe mit Laubengang.

Haut aus Zedernholz

Markante Zeichen des Gebäudes

sind die über ein Sockelgeschoss

angehobene,

vom Gebäudekörper losgelöste

Außenhaut aus Zedernholz,

die die dahinter liegenden

durchscheinenden Innenund

Außenräume wie eine

Membran umschließt, sowie

das über einem frei aufgesetzten

Dachgeschoss spielerisch

gefaltete Dach, die „Welle”,

die sich im Bereich der Terassen

zu einem Sonnenfilter auflöst.

Das Gebäude wurde von Beginn

an konsequent als Holzbau

geplant und als Holzrahmenbau

ausgeführt. Die

Einzelelemente, die horizontalen

und vertikalen „rahmenbildenden”

Hölzer wurden

nach Maßgabe eines Flächen-

rasters zusammengefasst und

mit einem Plattenwerkstoff

ausgesteift. Die geschosshohen

Wände und die Dachflächenelemente

wurden vorgefertigt,

so dass der Rohbau

mit fünf Zimmerleuten und einem

Kran in nur acht Tagen

fertig gestellt war.

Eine der größten Herausforderungen

bei einem solchen Bauwerk

sind die Brandschutzmaßnahmen.

Nicht zuletzt aus

diesem Grund sind die

Maisonettewohnungen konstruktiv

voneinander getrennt

und stellen im Inneren drei

kleine, zweigeschossige Häuser

dar. Auch die Erschließung

über eine Betontreppe trägt

dem Brandschutz Rechnung.


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Ökologisch und

kostengünstig

Trotz des hohen Standards im

Ausbau, edler Oberflächenmaterialien

und massiver Parkettböden,

sowie moderner

Niedrigenergiehaustechnik betrugen

die Baukosten nicht

mehr als 1960 Mark pro Quadratmeter

Nutzfläche (inklusive

der Dachterrassen und der

vollen Unterkellerung). Das

Beispiel zeigt also, dass sich

die Verwendung von Holz im

Mietwohnungsbau nicht nur

ökologisch rechnet.

Architekten : werk.um, Darmstadt

Projektbeispiele

Bauherren: Christa Durner, Kurt Heeger, Rüsselsheim

Fertigstellung : 1998

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Fotos: Architekturfotografie T. Ott, Herderstraße 17, 64285 Darmstadt

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○ ○ ○ ○

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Holzhaus Engerser

Landstraße

Dreigeschossiges Holzbauprojekt

in Koblenz-Bendorf

Auch für die Rhein-Pfalz

Wohnen GmbH und die

Rhein-Mosel-Wohnen GmbH

(ehemals Heimstätte Rhein-

land-Pfalz und Moselland

Wohnungsgesellschaft) war es

kein leichter Weg, auf dem

schmalen, handtuchartigen

Grundstück den geplanten

dreigeschossigen Holzbau zu

realisieren. Es galt zuerst einmal

die baurechtlichen Bedenken

gegenüber den Genehmigungsbehörden

auszuräumen.

Das rheinland-pfälzische Ministerium

der Finanzen half bei

der Überzeugungsarbeit mit,

so dass die Pläne letztendlich

umgesetzt werden konnten.

Das Holzbauprojekt mit 38

Wohneinheiten gründet auf ei-

ner in konventioneller Betonbauweise

errichteten Tiefgarrage

und gliedert sich in drei

getrennte Baukörper, die sich

je nach umgebender Bebauung

in der Höhe staffeln. Die Wohnungsgrößen

reichen von 38

Quadratmetern für Einpersonenhaushalte

bis hin zu 84

Quadratmetern für Vier-

personenhaushalte. Das Projekt

wurde im Niedrigenergiestandard

realisiert und erhielt

eine vollständige extensive

Dachbegrünung. Zusammen

mit der ausgewogenen Formen-

und Farbgebung gewinnt

das Holzhaus so eine warme

und harmonische Gestalt, wie

es im Mietwohnungsbau dieser

Größe sonst nur selten gelingt.

Planung: Rhein-Pfalz Wohnen

GmbH, Mainz

Bauherr: Rhein-Mosel Wohnen

Gmb, Koblenz

Fertigstellung: 1999


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

12

Dachaufstockung

„Oben drauf”

Errichtung von zwölf Dachgeschosswohnungen

auf einem

älteren Mietwohnungsbau

in Bad Neuenahr

Oben drauf, so nennt der

Architekt H.J.Mertens

selbst sein Projekt, bei dem er

seinen eigenen Weg gefunden

hat, mit Holz hoch hinauszukommen.

Zwar handelt es sich

dabei um kein mehrgeschossiges

Holzhaus, sondern um die

Aufstockung eines sanierungsbedürftigen

Flachdaches einer

älteren Wohnanlage, dennoch

dürfte in Rheinland-Pfalz gegenwärtig

wohl niemand seine

Vorstellungen von Holzbauweise

in größerer Höhe

umgesetzt haben.

Als vierte beziehungsweise

fünfte Etage setzen die zwölf

neuen Penthauswohnungen

auf dem alten Baukörper auf.

Die bestehenden Treppenhausanlagen

wurden in das neu errichtete

Geschoss weitergeführt,

zudem wurden drei

Fotos: A. Hausberg, Bad Neuenahr

Glasaufzüge an der Außenfassade

errichtet. Die Wohnungsgrößen

variieren von 60

bis 140 Quadratmeter und folgen

dem Prinzip der Durchbelichtung.

Allen Wohnungen

ist eine Dachterrasse angegliedert.

Neben der bereits vielfach

erwähnten baubiologischen

Vorzüge des Baustoffes Holz

verdeutlicht dieses Projekt

aber auch noch eine andere

Qualität: Zusammen mit den

nach innen gewinkelten

Schmetterlingsdächern geben

die Dachwohnungen dem ganzen

Bauwerk ein völlig neues

und wesentlich freundlicheres

Gesicht. Die damit verbundene

Aufwertung des Landschaftsbildes

kann ohne Weiteres

auch als Beitrag zu einem

umweltgerechten Bauen gewürdigt

werden.

Architekt: Dipl.-Ing. H.J.

Mertens, Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bauherrin: Maidi Steinborn

Fertigstellung: 1997

Projektbeispiele

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Kontaktadressen

Ministerium der Finanzen

Kaiser-Friedrich-Straße 5

55116 Mainz

06131 - 164399

Rhein-Pfalz Wohnen GmbH

Lindenstraße 13

67433 Neustadt

06321 - 8720

ARBOS Öko-Bauträger

GmbH

Werderstraße 38

69120 Heidelberg

06221 - 64121

Aktiengesellschaft für

Wohnungsgewerbe und

Städtebau GAG

Wittelsbachstraße 32

67061 Ludwigshafen

0621 - 5604 111

Bio-Solar-Haus

Becher GmbH

Sonnenpark

67813 St.Alban

06362 - 8865

Architekt Matthias Hardt

Deutschherrenstraße 27

53547 Hausen

02638 - 5476

Architekt Hans Kupka

Dorfstraße 44

53426 Schalkenbach

02646 - 91111

Architeketen Prof.

G.Freising und U.Freising

Bergstraße 58

54295 Trier

0651 - 41394

Architekt

Klauspeter Quiring

Tannenweg 8

54332 Wasserliesch

06501 - 99613

Planungsbüro für Umwelt,

Städtebau und Architektur

WSW

Hertelsbrunnenring 20

67657 Kaiserslautern

0631 - 34230

Architekten

Bürling Schindler

Werastraße 116

70190 Stuttgart

0711 - 2625556

Architekten werk.um

Mornewegstraße 30

64293 Darmstadt

06151 - 892868

Architekt H.-J. Mertens

Willibrordusstraße 2

53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

02641 -202961

Architekten

Böhm & Ruland

Werderstraße 38

69120 Heidelberg

06221 - 439922

Literaturnachweis

„Kostengünstiges und ökologisches

Bauen“, Dokumentation

einer gemeinsamen Fachveranstaltung

des Ministeriums

der Finanzen Rh.-Pf., des Ministeriums

für Umwelt und

Forsten sowie den deutschen

Bausparkassen, 1994

„Ökologisch orientiertes Planen

und Bauen“, Modellvorhaben

des Ministeriums für

Umwelt und Forsten Rh.-Pf.,

1995

„Leifaden zum ökologisch orientierten

Bauen“, Gerd

Schablitzki,Umweltbundesamt

(Hrsg), 1997

„Das Buch vom gesunden

Bauen und Wohnen: Schritte

zum größeren Wohnbehagen“,

Horst Fischer-Uhlig, 1998


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Internet Kont@kt

Homepage des Ministeriums der Finanzen Rheinland-Pfalz: http://www.fm.rlp.de

Tips und Kontaktadressen zum umweltgerechten Bauen : http://www.bauinfo.de/4oekol.htm

Ratgeber zum umweltgerechten Bauen: http://haus.de/lbs/bauen/oekobau/welcom

Herausgeber

Konzeption, Projektleitung

und Layout

Druck

L

iteratur & Kontakte

Ministerium der Finanzen des Landes Rheinland-Pfalz

Kaiser-Friedrich-Straße 5

55116 Mainz

06131 - 164392

Redaktion: Herbert Sommer, Dorothea Rimbach (verantwortlich)

Hanno Babelotzky

Dipl.-Ing. für Raum- und Umweltplanung

Weinstraße 157

67434 Neustadt a.d.W.

Druckerei Printec

Am Hertelsbrunnenring 30

67657 Kaiserslautern

September 1999

Umweltgerecht

Planen & Bauen

Auf der Homepage des Ministeriums finden Sie diese und andere Broschüren aus der

Reihe Bauen und Wohnen zum Herunterladen bereitgestellt. Auch Bestellungen sind

gegen Zusendung eines ausreichend frankierten DIN A4 Rückumschlages möglich.

Konversion im

Wohnungsbau

Bauen in sozialer

Verantwortung

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

31


Diese Druckschrift darf ganz oder auszugsweise nur mit Zustimmung des Ministeriums der Finanzen veröffentlicht

werden. Sie wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung Rheinland-Pfalz herausgegeben und darf

weder von Parteien noch Wahlwerbern oder Wahlhelfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke

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Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu

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Landesregierung zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Den Parteien ist es gestattet,

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