Ein Spaziergang durch die Mittelalterliche Stadt

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Ein Spaziergang durch die Mittelalterliche Stadt

Ein Spaziergang durch die Mittelalterliche Stadt


Recht selten ist es, dass einem die Möglichkeit geboten wird durch

die vierundzwanzig jahrhundertealte Geschichte und unzählbare

vorausgegangene Jahrhunderte menschlichen Daseins zu

schlendern, und all dies innerhalb von mittelalterlichen

Festungsmauern, die eine Fläche von 58,37 Hektar an Land

einnehmen. Noch seltener ist es, dass man in solch einem

ergreifenden Ort seine Zeit verbringen kann, wo heute 2.500

Einwohner noch immer eine bunte Palette multikultureller

Einflüsse miteinander teilen. Solch ein Ort ist die mittelalterliche

Stadt von Rhodos, ein lebendiger Teil der modernen Stadt Rhodos,

welche von der Organisation UNESCO als Weltkulturerbe im Jahre

1988 ausgewiesen wurde.

Eine Erkundungstour durch die größte, lebendige,

mittelalterliche Stadt Europas.

Einer bunten Palette verschiedener Kulturen und unterschiedlicher

Epochen in faszinierender Vielfalt begegnet man sobald man

durch das Freiheitstor die Altstadt von Rhodos betritt. Mittelalterliche

festungsähnliche Gebäude, schmale Gassen, Minaretts, alte

Wohnhäuser mit ihren Balkonen, Brunnen die dekorativen

Zwecken dienen oder zum Trinken und Waschen gedacht waren,

einsame oder vor Leben sprühende Plätze mit Schatten spendenden

Bäumen, alles trägt dazu bei, die Atmosphäre einer

hochinteressanten Vergangenheit mit zu erleben.


Ein Spaziergang auf den Altstadtmauern bietet die Möglichkeit, die

enorme Festung und die gesamte Altstadt zu überblicken. Der

Weg geht an den Festungswallen, an den Bollwerken und Bastionen

entlang und führt bis zu den Eingangstoren, die sich vor dem Blick

des erstaunten Besuchers erheben. Von der Festungsmauer aus

überschaut man den komplett restaurierten Festungsgraben.

Heute steht dieser Graben den Besuchern offen und lädt zu einer

Erkundungstour ein. Hier befindet sich auch das bekannte “Melina

Merkouri” Theater, in welchem zahlreiche Sommerfestivals mit

Konzerten und Vorführungen von griechischen und internationalen

Künstlern beherbergt werden.

Die Kiesel bepflasterte Ritterstraße, eine der am besten erhaltenen

mittelalterlichen Straßen die noch existieren, ist umsäumt von den

Herbergen des Johanniterordens, dessen Mitglieder aus

verschiedenen Ländern Europas stammten. Jedes Land, auch als

“Sprache“ bezeichnet, verfügte über eine eigene Herberge. Am

Fuße der Ritterstraße befindet sich auf dem Museumsplatz das

Hospital der Ritter, welches heute das archäologische Museum

beherbergt.

Gleich quer gegenüber steht die Kirche “Gottesmutter der Burg“.

Hierbei handelte es sich um die orthodoxe Kathedrale von Rhodos

während der byzantinischen Periode, deren Bau auf das 11.


Jahrhundert zurückgeht, während sie als katholische Kathedrale

genutzt wurde nachdem die Johanniterritter die Insel einnahmen.

Bei der Rittrstraße handelt es sich um die zentrale Straße die vom

Hafen bis zum, im 14. Jahrhundert erbauten, Großmeisterpalast

führt. Der Palast, ursprünglich eine byzantinische Festung, deren

Bau auf das 7. Jahrhundert zurückgeht, wurde als Residenz des

Großmeisters des Johanniterorden aber auch als

Verwaltungsgebäude des Ordens im 14. Jahrhundert genutzt. Der

Palast wurde 1856 durch eine Explosion von Dynamit zerstört,

welches in der Ritterkirche des Heiligen Johannes, gleich

gegenüber dem Palast gelagert war. Während der Italienerherrschaft

wurde der Palast gegen Ende der 30er Jahre wieder errichtet und

diente als Wohnresidenz des italienischen Gouverneurs. Die

Räumlichkeiten im Erdgeschoß beherbergen heute zwei große

permanente Ausstellungen mit Thema “Die Stadt Rhodos”. Die

erste Ausstellung orientiert sich auf die Zeit von der Gründung der

Stadt im Jahre 408 v. Chr. bis hin zur römischen Periode und die

zweite vom 4. Jahrhundert n. Chr. bis zur Einnahme der Insel vom

osmanischen Reich (1522). Die Ausstellungsstücke sind thematisch

eingeordnet -frühchristliche und altchristliche Jahre, Wirtschaft,

Alltagsleben, Abwehr und Verwaltung- während Landkarten und

audiovisuelles Material dem Besucher Einblick in die Geschichte


dieser Insel von der Antike bis hin zum Mittelalter bieten. Der

Innenhof des Palastes ist der Austragungsort vieler kultureller,

griechischer und internationaler Ereignisse mit hoch angesehenen

Künstlern.

Nachdem man das “Collachium” mit den rauen Fassaden hinter

sich lässt, betritt man die Polidorou Straße, welche zu einem Platz

mit zahlreichen Restaurants und Cafes führt und wo man unter

freiem Himmel entspannen kann. Ein ganz besonderes Szenenbild

bleibt hier in der Erinnerung des Besuchers haften. Weiter geht es

über die Sokrates Straße, der größten Durchgangsstraße der

Altstadt. Ein Ort, der durch die vielen Cafeterias und Geschäfte

förmlich vor Leben sprüht. Die Sokrates Straße führt von der

Moschee des Suleiman dem Prächtigen bis zum Hafen hinunter.

Diese Moschee wurde im Jahre 1808 errichtet, an der gleichen

Stelle wo einst die, von Suleiman dem Prächtigen, im frühen 16.

Jahrhundert erbauten Moschee stand.

Südlich der Sokrates Straße befinden sich in den gewundenen

schmalen Gassen zahlreiche kleine Hotels und Pensionen, die im

Vergleich zu den luxuriösen, großen Hotelanlagen der modernen

Stadt eine alternative Unterkunftsmöglichkeit bieten. “Burgum“,

wie diese Region genannt wird vermag es auch in der Nacht ein

überaus faszinierendes Bild zu schenken.

Abbiegen kann man von hier aus zum Arionos Platz, um die

Mustafa Pasha Moschee und die im 16. Jahrhundert erbauten


türkischen Bäder “Yeni Hammam” zu besichtigen. Es handelte

sich hier um die zweiten Bäder, die die Osmanen auf Rhodos

erbauen ließen, womit auch der Name “Yeni hammam” (neue

Bäder) zu erklären ist.

Als wäre man von mysteriösen Kräften angezogen, wandert man

hier durch die überwältigende Ritterstraße und fühlt sich wie ein

Pilger des Mittelalters, der glücklich auf der Sonneninsel

verweilt.

Die mittelalterliche Stadt von Rhodos ist ein Mosaik verschiedener

Kulturen und Zivilisationen, dessen Einzigartigkeit man durch

das Lesen dieser wenigen Zeilen nur schwer nachvollziehen

kann. Es handelt sich um eine “lebendige“ Stadt, die es vermocht

hat stets jung zu bleiben, die Jahrhunderte überbrückt hat und

weiter gen Zukunft schaut und dabei schöner ist als je zuvor.

Photos von links im Uhrzeigersinn

Das byzantinische Kloster des Heiligen Georgios

Die Kirche der “Gottesmutter der Burg“

Die Suleiman Moschee

Die Kahal Shalom Synagoge

AM design / Bearbeitung der Auflage & Photos © Kasseris Publications

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