Region schafft Zukunft - Verein für Regionalentwicklung Werra ...

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Region schafft Zukunft - Verein für Regionalentwicklung Werra ...

Inhalt

1. Grußworte................................................................................................................3

2. Zusammenfassung.......................................................................................................6

3. Vorgehensweise, Methodik und Ablauf zum Masterplan.............................................8

4. Auswahl der Infrastrukturen (Handlungsfelder).........................................................13

5. Organisations- und Entscheidungsstrukturen.............................................................15

6. Bevölkerungsentwicklung und -prognose..................................................................21

7. Ergebnisse in den Infrastrukturbereichen...................................................................25

7.1 Kindertagesbetreuung.......................................................................................26

7.2 Senior/innen, ambulante und stationäre Pflege..................................................35

7.3 Gesundheit........................................................................................................43

7.4 Nahversorgung und Begegnung.........................................................................48

7.5 Kultur und außerschulische Bildung...................................................................54

7.6 Schule................................................................................................................58

7.7 Siedlungsflächenentwicklung.............................................................................64

7.8 Erreichbarkeiten, Orte mit lokaler und regionaler Bedeutung............................70

7.9 Energie.............................................................................................................78

8. Ausblick, Umsetzung und Verstetigung – Region hat Zukunft....................................82

9. Kurzberichte der Projekte.........................................................................................84

10. Anhang...................................................................................................................97

2 Inhalt


1. Grußworte

Landrat

Liebe Leserin, lieber Leser,

nun liegt er vor ihnen, der Masterplan für den Werra-

Meißner-Kreis, um in und mit der Region Zukunft zu

schaffen.

Rund zwei Jahre haben ganz viele engagierte Akteure

in drei Arbeitsgruppen, zwei Projektgruppen und

einer Lenkungsgruppe den Prozess des Modellprojektes

Region schafft Zukunft’ umgesetzt und mit

zahlreichen Projekten dem Werra-Meißner-Kreis

Chancen und Perspektiven aufgezeigt , die es nun

weiter umzusetzen gilt, aber auch die bereits erfolgreich

gestarteten Projekte weiter voranzubringen,

neue zu gründen und viele weitere Akteure zusammenzubringen.

Die Themen der Daseinsvorsorge, wie Nahversorgung,

Pflege, Gesundheit, Mobilität, Siedlungsflächenentwicklung,

Bildung und Kultur sind nur einige,

die im Rahmen des Modellprojektes bearbeitet wurden

und uns veranlassen positiv in die Zukunft zu

schauen.

Die eng geknüpften Netzwerke, das Zusammenspiel

mit unserer Partnerregion Nordfriesland, die vielen

aktiven Akteure hier vor Ort und auch die Unterstützung

der Politik haben in den letzten Monaten

viel Mut gemacht.

Ich bin sehr glücklich, dass wir in so kurzer Zeit so

viele Projekte umgesetzt haben, uns Aufgaben für die

Zukunft stellen und die Erkenntnis gewonnen haben,

dass es nicht ausreicht, sich seinem Schicksal zu

fügen, sondern dass wir mit gemeinsamen Anstrengungen

ganz viel für die Region bewegen können.

Für die gute Zusammenarbeit und intensive Begleitung

des Modellvorhabens möchte ich mich beim

Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

(BMVBS), dem Bundesinstitut für Bau-,

Stadt- und Raumforschung (BBSR), der Forschungsassistenz

von der Hochschule Neubrandenburg und

dem Büro proloco aus Bremen bedanken. Ohne diese

Externe Unterstützung hätten wir das Modellvorhaben

in dieser Intensität

und dem Zeitrahmen

nicht umsetzen

können.

Mein herzlicher Dank

gilt auch besonders

allen Mitstreiterinnen

und Mitstreitern, allen

Akteuren, Beratern,

Tip-Gebern, unseren

Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern, dem

Verein für Regionalentwicklung

und den

vielen Bürgerinnen

und Bürgern, die sich

bislang aktiv eingebracht haben.

Die Anstrengungen haben sich gelohnt und wir

blicken mit Stolz auf unsere Heimat, denn Region hat

Zukunft!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gute und

erfolgreiche Zukunft.

Stefan G. Reuß

Landrat

Grußworte 3


Verein für Regionalentwicklung

Liebe Leserinnen und Leser,

als wir vor zwei Jahren in unserer Region mit der Arbeit

an unserem Modellvorhaben ‚Demografischer

Wandel – Region schafft Zukunft’ begonnen haben,

waren wir neben der Begeisterung auch etwas skeptisch,

was wir am Ende mit so viel Forschungsansatz

und Planwerk beginnen können. Doch schon bald erkannten

wir den Wert und die Tiefe, die der Masterplan

‚Daseinsvorsorge’ für unsere zukünftige

Entwicklung bedeuten wird, denn nicht nur Experten

haben ihn erarbeitet, sondern viele engagierte

Akteure unseres Kreises mit einer sehr professionellen,

wertvollen Unterstützung und Moderation von

Experten. Zusätzlich verstärkten der Austausch und

die Auseinandersetzung mit unserer Partnerregion

Nordfriesland die Kreativität und das Gelingen für

unsere Arbeit.

Nun liegen die Ergebnisse aus den drei Arbeits- und

zwei Projektgruppen in Form des Masterplans ‚Daseinsvorsorge’

für den Werra-Meißner-Kreis vor uns

und es erfüllt mich mit Staunen und mit Stolz, wie

dieses Werk – ein Wegweiser für die zukünftige Arbeit

unserer Region – entstanden ist: Viele engagierte

Akteure aus unterschiedlichen Bereichen – Verwaltung,

Vereine, Verbände und auch Privatpersonen –

haben ehrenamtlich und hauptamtlich zusammengewirkt

und an einem Strang gezogen. Stolz bin ich

ebenfalls über die vielen unterschiedlichen Projekte,

die in enger Verknüpfung zu den Themen der Arbeitsgruppen

entwickelt und umgesetzt wurden.

Herzlich danken möchte ich an dieser Stelle für die

intensive Begleitung vom Bundesministerium für Verkehr,

Bau und Stadtentwicklung, dem Bundesinstitut

für Bau-, Stadt- und Raumforschung, der Forschungsassistenz

von der Hochschule Neubrandenburg

und die herausragende

Unterstützung

durch das Büro

proloco aus Bremen.

Mein besonderer

Dank gilt allen Akteuren

unserer Region,

die ihre Zeit, Kreativität

und Kraft für das

Gelingen des Modellprojektes

eingesetzt

haben. Herausheben

möchte ich dabei das

Engagement der Geschäftsführerin

des

Vereins für Regionalentwicklung,

Sabine Wilke, die mit viel Mut und

Überzeugung die Initiative zur Beteiligung am Modellvorhaben

ergriffen hat.

Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, dass Sie angeregt

werden beim Lesen des vorliegenden Masterplans

für den Werra-Meißner-Kreis und dass Sie

dabei sein werden beim Wirken für die Zukunft unserer

Region.

Anne-Marie Truniger

Vorsitzende des Verein für

Regionalentwicklung werra-Maißner e.V.

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Grußworte


Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Werra-Meißner-Kreis setzt sich seit Jahren intensiv

mit demografischen Herausforderungen für

die Sicherung der Daseinsvorsorge auseinander. Bereits

2004 vernetzten sich beispielsweise Akteure

aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung im „Forum

Demografischer Wandel“, der Landrat richtet 2006

eine „Stabsstelle Demografie“ ein und der Verein

für Regionalentwicklung (VfR) organisiert Veranstaltungen

und Projekte zur Anpassung an den Demografischen

Wandel.

Diese guten Voraussetzungen führen dazu, dass der

Werra-Meißner-Kreis als eine der Modellregionen

im Modellvorhaben des Bundesministeriums für

Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) „Demografischer

Wandel – Region schafft Zukunft

einen „Masterplan Daseinsvorsorge“ erarbeitet und

Maßnahmen mit begleitenden Projekten umsetzt.

Für den Bund sind mit der Förderung des Masterplanprozesses

durch das Aktionsprogramm „Modellvorhaben

der Raumordnung“ (MORO) ganz

konkrete Forschungsziele verbunden. Es geht

darum, einen Ansatz zu erproben und weiter zu

entwickeln, der Anpassungsstrategien überfachlich

und überörtlich aus thematischen Arbeitsgruppen

mit Vertretern der Gemeinden, der Infrastrukturbetreiber,

der Fachplanung, der Kreisverwaltung

der Kommunalpolitik sowie der Bürgerschaft heraus

erarbeitet. Dieser Ansatz stützt sich auf empirische

Grundlagen, um kleinräumig die künftige

Bevölkerungsentwicklung, Versorgungsbedarfe, Erreichbarkeitsverhältnisse,

Kostenfolgen… von Anpassungsszenarien

abzuschätzen.

Dies eröffnet den Spielraum, sich über die angestrebten

Versorgungsstandards und über mögliche

Organisationsformen in der Region erst einmal klar

zu werden. Der Masterplan Daseinsvorsorge ist ein

informelles Instrument der regionalen Daseinsvorsorgeplanung.

Der Masterplanprozess ist nicht formal

eingeengt sondern beruht auf breiter

Vernetzung und Flexibilisierung. Er stellt auf transparente

Weise eine Informationsgrundlage zusammen,

die es so nicht gab. Liegt der Masterplan

Daseinsvorsorge erst einmal vor, kann er durch

Kreistagsbeschluss auch eine gewisse Bindungswirkung

entfalten.

Mit dem Masterplan Daseinsvorsorge fördert der

Werra-Meißner-Kreis die Umsetzung des Leitbilds

„Daseinsvorsorge sichern“ der 2006 von der Ministerkonferenz

für Raumordnung (MKRO) beschlossenen

Grußworte

„Leitbilder und Handlungsstrategien

für die

Raumentwicklung in

Deutschland“. Ein

Handlungsansatz dieses

Leitbildes ist es

gerade, den Menschen

notwendige

Anpassungsprozesse

zu vermitteln und

über Kernbereiche

und räumliche Konzentrationen

der

künftigen regionalen

Daseinsvorsorge zu informieren. Weiterhin sollen

Standort- und Netzstrukturen interkommunal und

fachübergreifend so gestaltet werden, dass Versorgungs-

und Erreichbarkeitsstandards aus Nutzersicht

eingehalten werden, dass die Strukturen gleichzeitig

aber auch unter Kostengesichtspunkten tragfähig sind.

Die mit dem Masterplan Daseinsvorsorge vorgelegten

Ergebnisse zeigen nun, wie der Landkreis

das Instrument Masterplan für sich interpretiert

und das Spannungsfeld zwischen Erreichbarkeit,

Tragfähigkeit und Qualität von Angeboten und Einrichtungen

der Daseinsvorsorge optimiert. Der Erfolg

des Prozesses ist auf die hohe Wahrnehmung

des Problemdrucks der Akteure und auf die gute

Zusammenarbeit mit Partnern und Wissenschaft,

Dienstleistern und engagierten Bürgern unter dem

Dach von „Region schafft Zukunft“ zurückzuführen.

Über diese Übersetzung des Masterplan Daseinsvorsorge-Anatzes

auf die spezifische Situation im

Landkreis und über die aus den Ergebnissen abgeleiteten

Schlussfolgerungen und Maßnahmen gibt

die vorliegende Veröffentlichung Auskunft. Die eigentliche

Arbeit im Kreis beginnt erst, wenn es gilt,

den Masterplan Daseinsvorsorge in konkretes Handeln

umzusetzen. Fest steht aber: Die erfolgreiche

Umsetzung im Werra-Meißner-Kreis und der inzwischen

mit sieben Modellvorhaben erlangte

hohe Reifegrad des Masterplan Daseinsvorsorge

sprechen für seine Verstetigung und Verbreitung.

Martin Spangenberg

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2. Zusammenfassung

Der Werra-Meißner-Kreis hat sich erfolgreich im

Modellvorhaben „Region schafft Zukunft – alte

Länder“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau

und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesinstitut

für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

beworben. Ziel des Modellvorhabens ist, an Beispielen

zu zeigen, wie sich eine Region den Herausforderungen

des demografischen Wandels

stellen kann und welche Strategien dabei zum Erfolg

führen. Das Modellvorhaben „Region schafft

Zukunft“ umfasste einen eineinhalbjährigen Prozess,

in dem ein Masterplan erarbeitet und über 25

Projekte umgesetzt wurden.

Der Masterplan Daseinsvorsorge ist bezüglich Inhalt,

Vorgehen, Organisations- und Entscheidungsstrukturen,

Beteiligte und Prozessgestaltung durch

folgende acht Punkte gekennzeichnet:

Entwicklung von Handlungs- und Anpassungsstrategien:

Kern des Modellvorhabens

ist die Erarbeitung eines Masterplans

Daseinsvorsorge, in dem für verschiedene, von

demografischen Änderungen betroffene Themenbereiche,

Handlungs- und Anpassungsstrategien

entwickelt werden.

Anpassen und Gestalten: Dabei wird

grundsätzlich die parallele Vorgehensweise aus

„Anpassen“ und „Gestalten“ in allen Infrastrukturbereichen

gewählt, denn die Folgen des demografischen

Wandels stellen Regionen nicht nur

vor die Herausforderungen etwas anders als bisher

zu machen, sondern eröffnen ihnen auch

Handlungsmöglichkeiten, die über ein reines Anpassen

und meist Schließen, Konzentrieren oder

Zurückbauen hinaus gehen. Wesentlich ist außerdem,

dass nicht von außen sondern durch die Beteiligten

innerhalb der Modellregion festgelegt

wird, welche Themenbereiche wichtig sind und

wie Anpassung und Gestaltungen vorgenommen

werden sollen.

Ein beschleunigter Prozess: Die Herausforderungen

zur Entwicklung von Handlungsstrategien

zur Anpassung an demografische

Herausforderungen sind für den Werra-Meißner-

Kreis (WMK) nicht neu. Seit spätestens dem Jahr

2004, in dem das erste Regionalforum zum demografischen

Wandel stattfand, wird das Thema

in unterschiedlicher Art und Weise innerhalb des

Kreises und des Vereins für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V. (VfR) bearbeitet. Dabei ist

der VfR die Schnittstelle zwischen den öffentlichen

und privaten Akteuren. Hierdurch ist eine

breite Beteiligung und Kooperation von Bürger,

Initiativen, Vereinen und Verbänden aus den Bereichen

Ökologie, Ökonomie und Sozialem gegeben.

Der Verein stellt seit 15 Jahren die Lokale

Aktionsgruppe (LAG), mit der er das EU-Förderprogramm

LEADER im Landkreis umsetzt. Im

Jahr 2007 wurde ein regionales Entwicklungskonzept

zur Aufnahme in das LEADER-Programm

erarbeitete, das als Kern die demografischen

Herausforderungen nennt. Im Frühjahr 2009

stellte der Kreis seinen ersten Demografiebericht

vor. Mit der Aufnahme in das Modellvorhaben

konnten acht Themenbereiche konzentriert und

vertieft bearbeitet werden, die ohne die Förderung

weder bis zum jetzigen Zeitpunkt oder mit

der Anzahl der eingebundenen Akteure noch in

der hier vorliegenden Tiefe aus eigener Kraft erarbeitet

worden wären

Langer Planungszeitraum: Für die Erarbeitung

des Masterplans in den einzelnen Themenbereichen

wurde ein langer Zeitraum für die

Vorausschau bzw. die jeweiligen Prognosen bis

zum Jahr 2034 zugrunde gelegt. Damit besteht

zwar eine vergleichsweise hohe Unsicherheit der

jeweiligen Prognosen auf Gemeinde oder Ortsteilebene,

auf der anderen Seite kann aber über

einen langen Zeitraum deutlich gemacht werden,

welche künftigen Entwicklungen auf die Region

zukommen und dass es sich dabei nicht um kurzfristige

Trends sondern i.d.R. um langfristige stabile

Entwicklungen handelt.

Integrierte Vorgehensweise: Im Rahmen

des Masterplans Daseinsvorsorge war es möglich,

acht Themenbereiche in drei Arbeitsgruppen parallel

und integriert zu bearbeiten. Damit liegt

weit mehr als eine sektorale Betrachtung einzelner

wichtiger Themen vor, sondern es wurden jeweils

im Erarbeitungsprozess Wechselwirkungen

zu anderen Themenbereichen und zu den beispielhaften

Projekten aufgezeigt. In allen Arbeitsgruppen

war ein breites und ausgeglichenes

Spektrum von Experten aus dem öffentlichen

sowie privaten Leben vertreten, durch das die

Themen zum überwiegenden Teil sehr detailliert

bearbeitet wurden. Im Ergebnis haben dadurch

die Arbeitsgruppen die Themen und Handlungsempfehlungen

in Abstimmung mit der Lenkungsgruppe

festgelegt.

6

Zusammenfassung


Breite Beteiligung: Der Masterplan Daseinsvorsorge

wurde nicht von den Mitarbeiter/innen

der Kreisverwaltung allein bearbeitet sondern

gemeinsam mit weiteren Akteuren aus Politik

und Verwaltung, Fachpersonen, etc. Insgesamt

wurden zwischen 80 und 200 Personen regelmäßig

in die Bearbeitung einbezogen.

Doppelverantwortung: Der Prozess zur Erarbeitung

des Masterplans Daseinsvorsorge im

WMK wurde als gemeinsames Projekt vom Verein

für Regionalentwicklung und der Kreisverwaltung

angelegt. Landrat Stefan G. Reuß, der Erste Kreisbeigeordnete

Henry Thiele sowie die verantwortlichen

Leiter/innen der verschiedenen Fachbereiche

(Frau Baumgärtel-Blaschke Fachdienst Ländlicher

Raum, Frau Friedrich Fachbereich Jugend und Senioren,

Familien und Soziales) und der Stab Demografische

Entwicklung (Leiter Herr Pipper) auf

Seiten der Kreisverwaltung und auf der anderen

Seite der Verein für Regionalentwicklung, die Lokale

Aktionsgruppe, mit Wirtschafts- und Sozialpartnern

(Frau Truniger, 1. Vorsitzende des VfR,

Herr Rauer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner-Kreis mbH und

Frau Wilke, Geschäftsführerin des VfR sowie der

Leiterin der VHS in Eschwege, Frau Steinhaus).

Diese Doppelverantwortung hat von Anfang an

den Prozess zur Erarbeitung des Masterplans Daseinsvorsorge

auf viele Schultern verteilt. Denn die

Umsetzung kann nur gelingen, wenn ein breiter,

alle politischen Parteien und Vertreter/innen von

Vereinen, Verbänden sowie regionale Schlüsselakteure

umfassender Prozess gestartet wird.

Verstetigung: Bei den Verantwortlichen und

Beteiligten des Masterplans Daseinsvorsorge im

Werra-Meißner-Kreis besteht ein breiter Konsens

darüber, den begonnenen Prozess über das Modellvorhaben

hinaus fortzusetzen. Hierzu zählt,

die erarbeiteten Ergebnisse umzusetzen, aber

auch weitere Themen in die bewährte Bearbeitung

einzubeziehen. Für die Implementierung des

Masterplans werden derzeit die politischen, finanziellen

und strukturellen Voraussetzungen geschaffen

(s. Kapitel 8).

Von Beginn an wurde von den Verantwortlichen

Wert auf eine Vernetzung zwischen der Ebene der

Projekte und den Masterplan-Arbeitsgruppen gelegt.

Strukturell ist jedes Projekt einer Masterplan-Arbeitsgruppe

zu geordnet. Eigene Vernetzungstreffen

aller Projektträger und Arbeitsgruppen organisierten

die gegenseitige Information und den Austausch. Die

insgesamt 24 Projekte, die im Rahmen des Masterplan-Prozesses

umgesetzt wurden, können in zwei

Projektgruppen unterteilt werden:

Experimenteller Wohnungs- und

Städtebau – Schwerpunkt Innovationen

für familien- und altengerechte Stadtquartiere:

Das Anliegen des Forschungsfelds

„Innovationen für familien- und altengerechte

Stadtquartiere – IFAS“ des BMVBS und des

BBSR ist es, die Wohn- und Lebensqualität für

alle Generationen in den Städten und Gemeinden

zu stärken. 19 Projekte befassten sich während

der Laufzeit des Modellvorhabens im

Werra-Meißner-Kreis damit, mit konkreten

Maßnahmen Wohnquartiere kinder-, familienund

seniorenfreundlich zu gestalten und die Infrastruktur

hierfür entsprechend anzupassen. Besonderer

Wert wurde dabei auf Nachbarschaft

stärkende und Generationen zusammenführende

Wirkungen gelegt.

MORO - Wachstum und Innovation

Dieses Forschungsfeld im Modellvorhaben der

Raumordnung (MORO) zielt darauf ab, neue

Strategien für Wachstum und Innovation in den

Regionen zu erarbeiten und zu erproben. Mit

fünf ausgewählten Projekten wurden in der Modellregion

Werra-Meißner innovative und beispielhafte

Lösungen für Anpassungsstrategien

und neue Strategieansätze zur Stärkung der regionalen

Wirtschaftsentwicklung entwickelt und

umgesetzt.

Nachfolgend werden die Ergebnisse der neun inhaltlichen

Schwerpunkte vorgestellt. Alle Themenbereiche

sind innerhalb der drei Masterplan-

Arbeitsgruppen „Soziale Infrastrukturen“, „Kultur

und Bildung“ sowie „Siedlungsflächen, Energie und

Erreichbarkeiten“ bearbeitet worden. Darüber hinaus

enthält dieser Bericht einen kurzen Überblick

über wesentliche Daten des WMK, insbesondere

die Bevölkerungsprognose, die für alle Infrastrukturbereiche

als Grundlage verwendet wurden. Nähere

und ausführlichere Informationen zu den

relevanten Bevölkerungsdaten sind z.B. dem Demografiebericht

des Kreises aus dem Jahr 2009

oder dem Regionalen Entwicklungskonzept des VfR

zu entnehmen.

Zusammenfassung 7


Vorgehensweise, Methodik und Ablauf zum Masterplan

3. Vorgehensweise, Methodik

und Ablauf zum Masterplan

Der Prozess zur Erarbeitung des Masterplans Daseinsvorsorge

startete im Rahmen des Modellvorhabens

Region schafft Zukunft“ im Dezember 2008 mit

der Bewerbung und der Erarbeitung des regionalen

Handlungskonzeptes bis März 2009. Nach der Auswahl

durch das BMVBS und das BBSR erfolgte der

Start im Werra-Meißner-Kreis im Juli 2009.

Der Masterplan Daseinsvorsorge hat zwei Schwerpunkte:

Erstens die Erarbeitung von Anpassungsstrategien

und Handlungsempfehlungen in verschiedenen

Themenbereichen (Masterplan Arbeitsgruppen) und

zweitens die beispielhafte Umsetzung von Projekten

im Schwerpunkt „Innovationen für familien- und altengerechte

Stadtquartiere“ (im Bundesprogramm Experimenteller

Wohnungs- und Städtebau) sowie im

Schwerpunkt Modellvorhaben der Raumordnung

„Wachstum und Innovation“.

Das Handlungskonzept des Werra-Meißner-Kreises

hat zur Bewerbung insgesamt ca. 20 Projekte in beiden

Förderschwerpunkten benannt, die eng mit der

inhaltlichen Bearbeitung der Masterplan-Arbeitsgruppen

verknüpft sind. Im Zuge der Konkretisierung

und Umsetzung von Projekten gab es einige Umstellungen

und Änderungen, so dass Fördermittel während

der 1,5-jährigen Laufzeit neu vergeben werden

konnten. In der Folge sind einzelne Projekte, die

während des Modellvorhabens weitere Schwerpunkte

entwickelt haben, mit einer weiteren Summe

gefördert worden (wie z.B. das Projekt Marktwert

Datterode) und es wurde ein Wettbewerb durchgeführt

(„Nahdabei“), bei dem insgesamt sechs neue

Projekte aufgenommen werden konnten (s. Abbildung

1).

8 Vorgehensweise, Methodik und Ablauf zum Masterplan


Abb. 1: Übersicht Masterplan-Arbeitsgruppen und Projekte

9


Zur inhaltlichen Bearbeitung von Anpassungsstrategien

und Handlungsempfehlungen wurden drei Masterplan-Arbeitsgruppen

gegründet, die jeweils nach

einem ähnlichen Schema arbeiteten, jedoch unterschiedliche

inhaltliche Schwerpunkte hatten:

AG 1 „Soziale Infrastrukturen“

AG 2 „Kultur und Bildung“

AG 3 „Siedlungsflächen, Energie und

Erreichbarkeiten“.

Die Gründung der Arbeitsgruppen sowie die ersten

Veranstaltungen wurden auf der Startveranstaltung

im Juli 2009 öffentlich bekannt gegeben und es gab

einen breiten Aufruf zur Beteiligung. Parallel wurden

Schlüsselakteur/innen direkt angesprochen.

Alle Arbeitsgruppen wurden durch ein externes Fachbüro

für Datenanalyse und -aufbereitung (Gertz Gutsche

Rümenapp, Stadtentwicklung und Mobilität

GbR), eine externe Moderation (Büro proloco) sowie

zu Beginn der Bearbeitung durch eine studentische

Arbeitsgruppe der Universität Kassel für die Erhebung

von Nachfrageanalysen unterstützt.

Masterplan-Prozess

Grundsätzlich orientierte sich das Vorgehen in den

Arbeitsgruppen an folgender Struktur:

1. Sitzung: Überprüfung der Handlungsnotwendigkeit

der im Vorprozess vorgeschlagenen

Themenfelder, Definition von Fragestellungen

und Hauptzielsetzungen.

2. Sitzung: Überprüfung und Konkretisierung

der Zielsetzungen und Fragestellungen mit Unterstützung

durch das extern beauftragte Fachbüro,

Sammlung von Fragestellungen für die

qualitative Nachfrageanalyse (studentische Arbeitsgruppe

der Universität Kassel).

3. Sitzung: Vernetzung von Projektträgern und

Arbeitsgruppen mit dem Ziel, Fragestellungen

aus der Umsetzung der Projekte für die Masterplan-Arbeitsgruppen

zu erarbeiten und Projekte

mit den Arbeitsgruppen zu vernetzen.

7. Sitzung: Abschließende Diskussion der

Handlungsempfehlungen und Vereinbarung weiterer

Schritte zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen.

Durch die thematische Bandbreite der drei Masterplan-Arbeitsgruppen

und unterschiedliche Schwerpunktsetzungen

wurde von der Struktur der sieben

Sitzungen teilweise abgewichen. In der AG 1 „Soziale

Infrastrukturen“ wurden nach anfänglicher Festlegung

von zwei Schwerpunkten „Begegnungsstätten und

Pflegeeinrichtungen für ältere Personen“ und „Beratungs-

und Serviceeinrichtungen für Familien, Jugend

und Kindertageseinrichtungen“ zwei weitere Themen

aufgenommen: „Nahversorgungs- und Begegnungsstätten“

sowie „Gesundheit / Hausärzte“. Die ersten

beiden Themen wurden im Laufe der Bearbeitung hin

zu „Pflege und Senioren“ sowie „Kindertagesstätten

und Krippenplätze“ jeweils mit generationenübergreifenden

Ansätzen geändert. Da die vier Themenbereiche

nicht in jeder AG-Sitzung bearbeitet werden

konnten, sind inhaltliche Schwerpunkte gebildet

worden. In jeweils zwei Sitzungen wurden die Themen

„Gesundheit“ und „Nahversorgung und Begegnungsstätten“

sowie die Themen „Pflege und

Senioren“ und „Kindertagestätten und Krippenplätze“

bearbeitet. In der Summe ergaben sich folglich neun

Sitzungen der AG 1.

In Arbeitsgruppe 2 „Kultur und Bildung“ wurde nach

der dritten Sitzung der Schwerpunkt im Rahmen von

Modellrechnungen im Bereich Schule gelegt, da für

den Bereich Kultur und außerschulische Bildung keine

konkrete Fragestellung für die Modellrechnungen entwickelt

werden konnte. Diese Themenbereiche sind

stattdessen im Rahmen von weiteren Projekten / Vernetzungsveranstaltungen

und konkreten nächsten

Schritten und nicht über Modellrechnungen bearbeitet

worden. Die grundsätzliche Herausforderung zur

Entwicklung von Anpassungs- und Handlungsstrategien

an demografische Veränderungsprozesse ist auch

im Bereich Kultur und außerschulische Bildung vorhanden.

Da die Arbeitsgruppe nicht einzelne Aspekte

4. Sitzung: Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse

der qualitativen Nachfragenanalyse.

5. Sitzung: Vorstellung und Diskussion der ersten

Ergebnisse des externen Fachbüros (GGR) -

Trendfortschreibung und erste Szenarien, Diskussion

von Alternativszenarien.

6. Sitzung: Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse

der Modellrechnungen, erste Diskussion

von Handlungsempfehlungen.

10

Vorgehensweise, Methodik und Ablauf zum Masterplan


des Bereichs Kultur oder außerschulische Bildung bearbeiten

wollte, sondern einen möglichst breiten Ansatz

verfolgte, ist eine andere Vorgehensweise als in

AG 1 mit Modellrechnungen gewählt worden (s. Kap.

7.5 Kultur und außerschulische Bildung)).

Die Arbeitsgruppe 3 hat die Themen Siedlungsflächenentwicklung,

Energie und Erreichbarkeiten bearbeitet.

Da im Werra-Meißner-Kreis das Thema

Energie seit vielen Jahren ein Schwerpunktthema ist,

was sich u.a. auch in den Projekten, die im Rahmen

des Modellvorhaben gefördert wurden, widerspiegelt,

wurde hier kein eigener Schwerpunkt für Modellrechnungen

gewählt. Auch das Thema

Siedlungsflächenentwicklung/Innenentwicklung

wurde nicht mit Hilfe von Modellrechnungen bearbeitet,

sondern in Form von einzelnen Bausteinen,

wie guten Beispielen der Innenentwicklung, Ergebnissen

von Wohnstandortbefragungen sowie aktuellen

Projekten. Als dritter Themenbereich wurde in

der Arbeitsgruppe 3 das Thema Erreichbarkeiten bearbeitet,

bei dem in Form von Analyse nach gewichteten

Standorten und unterschiedlichen

anlassbezogenen Verkehren die ÖPNV-Erreichbarkeit

aufgezeigt wurde und Handlungsempfehlungen für

deren Verbesserung erarbeitet wurden.

Wesentlicher Bestandteil der Vorgehensweise im

Rahmen der Erarbeitung des Masterplans Daseinsvorsorge

im Werra-Meißner-Kreis war die enge

Kopplung der inhaltlich bearbeiteten Themenfelder

in den Arbeitsgruppen mit der Umsetzung der Projekte,

die im Zuge des Modellvorhabens

gefördert wurden.

Auf der einen Seite sind einzelne

Projektumsetzungen im

Rahmen der Arbeitsgruppentreffen

vorgestellt worden und

auf der anderen Seite führte

die Auswahl der Projekte u.a.

dazu, dass thematische

Schwerpunkte der Arbeitsgruppen

geändert wurden

(z.B. die Neuaufnahme des

Themas Nahversorgung und

Begegnung in AG 1). Darüber

hinaus haben das Vernetzungstreffen

sowie die Zwischenpräsentation

der

Projektergebnisse dazu geführt,

dass einzelne Fragestellungen

neu aufgegriffen

wurden oder während des Bearbeitungsprozesses

einzelne Projekte neu hinzugekommen

sind. Dies ist einerseits als positiver Effekt

einer flexiblen Ausgestaltung der Förderbedingungen

im Rahmen des Modellvorhabens zu bewerten und

andererseits als Teil einer schnell und effektiv agierenden

Lenkungsgruppe, die sich im gesamten Bearbeitungszeitraum

neun Mal getroffen hat, zu sehen.

Kleinräumige Bevölkerungsprognose

Die Grundlage für alle Arbeitsgruppen bildet die

kleinräumige Bevölkerungsprognose bei der der

Werra-Meißner-Kreis das Modell der Hildesheimer

Planungsgruppe verwendet, das jährlich fortgeschrieben

wird. In einer gemeinsamen Veranstaltung

aller Arbeitsgruppen wurde die kleinräumige Bevölkerungsprognose

vorgestellt und im Zuge von internen

Abstimmungen leicht angepasst (s. Kap.

Bevölkerungsprognose).

Vernetzung und Netzwerk

Während der Bearbeitungszeit fanden drei Vernetzungsveranstaltungen

zwischen den Projektträger

Lenkungsgruppe

Zentrales Steuerungsgremium im Prozess war die

Lenkungsgruppe, die im Abschnitt Organisationsund

Entscheidungsstrukturen beschrieben ist.

Masterplan-Arbeitsgruppen / Projekte

Vorgehensweise, Methodik und Ablauf zum Masterplan 11


innen der beiden inhaltlichen Förderschwerpunkte

und den Masterplan-Arbeitsgruppen statt.

Auf der Austauschveranstaltung im Frühjahr 2010

wurden die Zwischenstände der Projekte vorgestellt

und es wurde im Gespräch geklärt, ob aus

Sicht der Projektumsetzung Hinweise auf die Bearbeitung

in den Masterplan-Arbeitgruppen abzuleiten

sind. Darüber hinaus wurden

Zwischenergebnisse einzelner Projekte auch in den

Masterplan-Arbeitgruppen vorgestellt.

Zwischenevaluierung

Nach gut der Hälfte der Bearbeitungszeit fand eine

interne Zwischenevaluierung innerhalb der drei Masterplan-Arbeitsgruppen

statt, in der die bisher erreichten

Ergebnisse, Vorgehensweise und weitere

Punkte, wie z.B. die Zusammenarbeit und der inhaltliche

Fortschritt, bewertet

wurden. Insgesamt

zeigte sich eine sehr hohe

Zufriedenheit mit der Arbeit

in den Arbeitsgruppen. Einzelne

Kritikpunkte bzw. Vorschläge

zur Verbesserung

betrafen die Kontinuität der

Teilnahme an den verschiedenen

Veranstaltungen, die

in einzelnen Bereichen

höher sein konnte. Insgesamt

gab es in allen Arbeitsgruppen

einen beständigen

Kern, der über die Hälfte

der Teilnehmer/innen ausmachte

und Personen, die

zu einzelnen Veranstaltungen

hinzukamen. Darüber

hinaus bestand in den Themenbereichen,

die nicht mit

Unterstützung von Modellrechnungen

konkrete Frage

künftiger Nachfrage bearbeiteten,

teilweise die Schwierigkeit,

den inhaltlichen

Zusammenhang zwischen

Fragestellung und Vorgehensweise

nachzuvollziehen,

dies vor allem bei den Personen,

die nicht immer kontinuierlich teilnahmen.

Vernetzung mit der Partnerregion

in Nordfriesland

Es gab drei Vernetzungstreffen mit Nordfriesland,

der „anderen“ Modellregion, die im Rahmen des

Programms „Region schafft Zukunft – alte Länder“

im Zeitraum zwischen Mitte 2009 bis Frühjahr 2010

gefördert wurde. Es gab in beiden Modellregionen

gleiche Themen, die bearbeitet wurden, in denen

ein Austausch über Vorgehensweise und erzielte Ergebnisse

stattfand genauso wie auch über unterschiedliche

Themen, wie z.B. Bibliotheken,

Wasser/Abwasser und Brandschutz in Nordfriesland

oder Nahversorgung und Gesundheit im Werra-

Meißner-Kreis. Darüber hinaus fand ein Austausch

beider Modellregionen über Vorgehensweise und

strategische Zielsetzungen statt, da jeweils ein unterschiedlich

breiter Ansatz in der Bearbeitung gewählt

wurde. In Nordfriesland lag die Bearbeitung

schwerpunktmäßig bei der Kreisverwaltung, wohingegen

im Werra-Meißner-Kreis die Bearbeitung

von Kreisverwaltung und Verein für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V. gemeinsam stattfand.

12 Vorgehensweise, Methodik und Ablauf zum Masterplan


Auswahl der Infrastrukturen (Handlungsfelder)

4. Auswahl der Infrastrukturen

(Handlungsfelder)

Die Auswahl der zu bearbeiteten Themenbereiche

bzw. Infrastrukturen wurde im Rahmen des Masterplan-Prozesses

in der Modellregion Werra-

Meißner in zwei Schritten vorgenommen: Während

der Bewerbung und Erstellung des Handlungskonzeptes

wurde eine Vorauswahl relevanter Themenbereiche

durch die Lenkungsgruppe sowie weitere

Vertreter/innen der Kreisverwaltung und des Vereins

für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

vorgenommen. Bei den jeweils ersten Sitzungen der

Arbeitsgruppen wurde diese Auswahl überprüft,

teilweise ergänzt und bis zur dritten Sitzung der Arbeitsgruppen

sind Änderungen erfolgt. Alle Änderungen

gegenüber der Vorauswahl sind von der

Lenkungsgruppe bestätigt worden. Durch die Förderbedingungen

des Masterplans Daseinsvorsorge

war von Anfang an die Anzahl der zu bearbeiteten

Themenbereiche auf sechs begrenzt, da für diese im

Rahmen von Modellrechnungen eine externe Unterstützung

zur Verfügung stand.

Die Auswahl wurde nach inhaltlichen Kriterien und

vor dem Hintergrund der ausgewählten Projekte getroffen.

Als Kriterien wurden vor dem Hintergrund

des demografischen Wandels die Bereiche „Handlungsnotwendigkeit“,

„Handlungsmöglichkeiten“

und „Datenverfügbarkeit“ festgelegt und die Einstufung

gemeinsam diskutiert. Den Zusammenhang

zwischen den ausgewählten Themenbereichen und

den parallel umgesetzten Projekten zeigt die Abbildung

in Kapitel 3. Die Projekte im Bereich „Mittendrin

statt Außenvor – hier will ich leben“, die

über das Bundesprogramm „Experimenteller Wohnungs-

und Städtebau, Innovationen für familienund

altengerechte Stadtquartiere“ gefördert werden,

sind den Themenbereichen der Arbeitsgruppen

1 und 2 zuzuordnen. Zusätzlich gibt es eine

Auswahl der Infrastrukturen (Handlungsfelder)

13


enge Verknüpfung zum Thema städtebauliche Entwicklung

der Arbeitsgruppe 3. Die Projekte im Themenfeld

Zukunft im Fokus – hier will ich

investieren“, die über das Modellvorhaben gefördert

werden, entsprechen den inhaltlichen Schwerpunkten

der Arbeitgruppe 3.

Im Ergebnis wurden folgende Infrastrukturbereiche

für die Bearbeitung im MORO-Masterplan ausgewählt,

die in drei Infrastrukturgruppen zusammengefasst

wurden:

Arbeitsgruppe 1:

„Soziale Infrastrukturen“

Begegnungsstätten und Pflegeeinrichtungen für

ältere Personen, Gesundheit (Schwerpunkt Hausärzte),

Kindertageseinrichtungen und Krippen

und Nahversorgung und Begegnung (wurde in

der 3. Sitzung aufgenommen).

Arbeitsgruppe 2:

„Kultur und Bildung“

Kultur (Kunst- und Kultureinrichtungen, ca. 200

Vereine und außerschulische Bildung, VHS,

Bibliotheken) und Schulen

Arbeitsgruppe 3:

„Siedlungsflächen, Energie

und Erreichbarkeit“

Städtebauliche Entwicklung (Schwerpunkt Innenentwicklung/Wohnen),

Energiegewinnung,

Energieversorgung, Energiekonzepte und Erreichbarkeitsinfrastrukturen

(ÖPNV, alternative Bedienformen,

Bürgerbus, Anruf Sammeltaxi).

Die Erreichbarkeitsinfrastrukturen liegen quer zu

den anderen Infrastrukturen und werden deshalb in

den beiden anderen Arbeitsgruppe mit bearbeitet.

Die Auswahl der Infrastrukturen berücksichtigt die

Bereiche mit der höchsten Handlungsnotwendigkeit.

Für drei der neu ausgewählten Themenfelder

fand die Bearbeitung ohne eine differenzierte Modellrechnung

statt. Im Thema „Kultur und außerschulische

Bildung“ wurde nach der ersten

Diskussion von Zielsetzungen und Fragestellungen

von der Arbeitsgruppe entschieden, keine längerfristige

und themenübergreifende Modellrechnung

durchzuführen und stattdessen konkrete Projekte

(z.B. Netzwerktreffen) umzusetzen.

In der Arbeitsgruppe „Siedlungsflächen, Energie

und Erreichbarkeiten“ wurde von Anfang an für

zwei Themenbereiche ein anderes Vorgehen gewählt.

Für das Thema „Siedlungsflächen“ mit

Schwerpunkt Innenentwicklung wurde festgelegt,

dass gute Beispiele der Innenentwicklung und einzelne

Fragestellungen nach Wohnqualitäten und

dem Nachfrageverhalten (Innenstadt gegenüber

Randlagen) im Mittelpunkt stehen sollen. Folglich

wurde kein quantitativer sondern in erster Linie ein

qualitativer Bearbeitungsansatz gewählt. Auch für

das Thema Energie wurde ein anderes Vorgehen

von der Arbeitsgruppe festgelegt. Im Werra-Meißner-Kreis

wurden in der Vergangenheit verschiedene

Studien (z.B. Biomasse, regenerative Energien)

erarbeitet und konkrete Projekte im Themenbereich

Energie umgesetzt. Die Handlungs- und Steuerungsmöglichkeit

des Kreises wird hier in erster

Linie als Unterstützer gesehen. Darüber hinaus

wurde festgelegt, dass in den Treffen der Arbeitsgruppe

3 sowie der Projektgruppe „Zukunft im

Fokus - hier will ich investieren“ beispielhafte Umsetzungen

vorgestellt werden.

Weitere Themen mit hoher Priorität in Bezug auf

die Kriterien „Handlungsnotwendigkeit“ und

„Handlungsmöglichkeiten“ sind im Rahmen der

Vorauswahl benannt worden. Aufgrund der notwendigen

Auswahl der wichtigsten Themen sind

diese zurückgestellt worden. Für das Thema Wasserver-

und –entsorgung wurde ein Projekt erarbeitet,

das zur Aufgabe hatte zu prüfen, ob alternative

Versorgungsmöglichkeiten der leitungsgebundenen

Infrastrukturen künftig umgesetzt werden können.

Hier standen rechtliche Rahmenbedingungen und

der Zeitpunkt zum Handeln in Bezug auf Abschreibungszeiträume

und Kosten im Mittelpunkt (s. Projektbeschreibung

Leitungsgebundene Ver- und

Entsorgung versus Insellösung).

Im Zuge der Verstetigung des Masterplans Daseinsvorsorge

soll eine erneute Prüfung relevanter Themen

vorgenommen werden und es soll entschieden

werden, ob, und wenn ja, welche Themen künftig

neu bearbeitet werden.

14

Auswahl der Infrastrukturen (Handlungsfelder)


Organisations- und Entscheidungsstrukturen

5. Organisations- und

Entscheidungsstrukturen

Die Organisations- und Entscheidungsstrukturen für

das Handlungskonzept des Modellvorhabens bauen

auf den vorhandenen Strukturen der Region auf und

werden auch wieder in diese zurückgeführt.

Grundsätzlich wurden für die Erarbeitung und Umsetzung

des Modellvorhabens, vom Masterplan bis

hin zu den Projekten, die vorhandenen Strukturen

der Kreisverwaltung sowie des Vereins für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V. aufgegriffen

und in den Erarbeitungsprozess des Handlungskonzeptes

für das Modellvorhaben integriert.

Die Akteure/innen innerhalb des Werra-Meißner-

Kreises arbeiten in unterschiedlichen personellen

und inhaltlichen Zusammenhängen seit vielen Jahren

intensiv zusammen, mit dem Ziel, die demografisch

bedingten Herausforderungen in der Region

gemeinsam zu bewältigen und Handlungschancen

dieses Anpassungsprozesses zu erkennen und zu

nutzen.

Im Schwerpunkt baut der Erarbeitungsprozess zur

Erstellung des Handlungskonzeptes auf regionale

und interkommunale Formen der Zusammenarbeit

auf: Stab Demografie (kreisinterne Stabsstelle, Demografiebericht

2009), Steuerungsgruppe zur Umsetzung

des Regionalforums (seit 2006), Lokale

Aktionsgruppe zur Umsetzung von LEADER (Verein

für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.) und

Handlungsfeldarbeitsgruppen sowie Tagungen, Studien,

Konzepte und Impulsprojekte des LEADER-

Prozesses.

Für das Modellvorhaben wurden drei Ebenen unterschieden:

Erste Ebene Lenkungsgruppe inklusive

Geschäftsführung und operative Lenkungsgruppe

und zweite und dritte Ebene Arbeitsgruppen für die

Organisations- und Entscheidungsstrukturen 15


ausgewählten Infrastrukturen und Projektgruppen

(s. Abb. 2).

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Aufgaben der

operativen Lenkungsgruppe, die in der konstituierenden

Sitzung festgelegt wurden, entweder doch

von der eigentlichen Lenkungsgruppe wahrgenommen

wurden oder auf dem kleinen Dienstweg zwischen

Geschäftsführung und dem Landrat geklärt

werden konnten. Dies ist darauf zurückzuführen,

dass die Zusammenarbeit der Gremien ausgesprochen

unbürokratisch und praxisorientiert war. Einerseits

wurden alle Entscheidungen zum

Finanzplan sowie zum strategischen Vorgehen direkt

in der Lenkungsgruppe getroffen, andererseits

erhielt die Geschäftsführung in Absprache mit dem

Landrat notwendige Entscheidungsbefugnisse.

Wichtig war hier, dass eine hohe Transparenz gegeben

war.

Insgesamt berücksichtigt die Festlegung der hier

aufgeführten Entscheidungs- und Organisationsstrukturen

die Erfahrungen und Erkenntnisse aus

den beiden bisherigen (Neuen Bundesländer) Modellvorhaben

Region schafft Zukunft“ und integriert

die Erfahrungen und Strukturen aus der

Region.

Zentrale Steuerungs- und Lenkungsfunktion

des Landrats

Der Landrat leitet nicht nur die Lenkungsgruppe

sondern nimmt auch an zentralen Sitzungen der

Arbeitsgruppen und an regionalen Vernetzungstreffen

teil. Damit wird das Modellvorhaben zum zentralen

Aufgaben- und Handlungsfeld des Kreises.

Lenkungsgruppe ist das zentrales Entscheidungsgremium

Das zentrale Entscheidungsgremium für die Erarbeitung

des Masterplans sowie die Entscheidung,

welche Projekte umgesetzt werden sollen, ist die

Lenkungsgruppe. Sie hat die Prozesse in den Infrastrukturarbeitsgruppen

intensiv begleitet und auch

in Phasen der Entscheidungsfindung Rückmeldungen

gegeben. Im Bereich der Projektarbeitsgruppen

und der Projektumsetzung hat die Lenkungsgruppe

einerseits den Finanzplan überwacht, anderseits

aber auch bei Mittelverschiebungen neue Projektentwicklungen

oder Projektideen mit eingebracht

(z.B. Entwicklung Wettbewerb ‚Nahdabei’). Neben

ihrer ordinären Aufgabe der Lenkung und Begleitung

der Arbeits- und Projektgruppen hat die Lenkungsgruppe

ebenfalls immer wieder kreative

Beiträge (Herausgabe des Newsletters – Neues aus

der Modellregion) zur Weiterentwicklung des Modellvorhabens

geliefert. Dies ist ein wichtiger

Aspekt für die Lebendigkeit des Prozesses zum demografischen

Wandel.

Der Vorsitz der Lenkungsgruppe obliegt Herrn

Landrat Reuß in seiner Funktion als zentraler

Schnittstellenakteur und als Promotor der Region.

Hierdurch wurde sichergestellt, dass die Verwaltungsspitze

des Kreises, die einen wesentlichen Beitrag

für die Umsetzung der erarbeiteten

Handlungsempfehlungen der Infrastrukturarbeitsgruppen

leisten soll, direkt in den Prozess eingebunden

ist. Des Weiteren hat der zentrale

„Spielmacher der Region“ auch die Aufgabe, die

einzelnen Fachbereiche der Verwaltung in den Prozess

zu integrieren, allen voran den Stab Demografie.

Dass der Landrat die zentrale Leitungsfunktion

der Lenkungsgruppe wahrnimmt, ist ein wichtiges

Signal für die Motivation der Akteure, da hierin

deutlich wird, dass das Modellvorhaben zu seiner

zentralen Aufgabe gehört und er nicht nur Beteiligter

ist. Damit ist auch für alle anderen Mitglieder

16

Organisations- und Entscheidungsstrukturen


Abb. 2: Organisationsstrukturen des Modellvorhabens

Region schafft Zukunft

17


der Lenkungsgruppe der hohe Stellenwert des Modellvorhabens

deutlich. Getreu der Gesamtstruktur

zur Umsetzung des Modellvorhabens als Kooperationsprojekt

zwischen den Verantwortlichen des

Kreises und dem Verein für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V. gehört die Vereinsvorsitzenden

(Anne-Marie Truniger) zur Lenkungsgruppe und

übernimmt die Vertretung des Vorsitzenden. Weitere

Mitglieder sind der Erste Kreisbeigeordnete

Herr Thiele, die Leiter/innen der Projektgruppen

(Frau Baumgärtel-Blaschke und Herr Rauer), zwei

Bürgermeister (Herr Nickel und Herr Fissmann), der

Stab Demografische Entwicklung des Werra-Meißner-Kreises

(Herr Pipper) sowie die drei Leiterinnen

der Arbeitskreise (Frau Baumgärtel-Blaschle, Frau

Friedrich und Frau Steinhaus). Jedes Mitglied hat

eine Stimme.

Zusätzlich zu den Akteur/innen mit Stimmrecht gibt

es beratende Akteur/innen, zu denen die Universität

Kassel in Person von Prof. Dr. Ulf Hahne gehört,

der schon seit mehreren Jahren forschend und beratend

in der Region tätig ist, Vertreter/innen des

BBR/BBSR sowie die Forschungsassistenz der Hochschule

Neubrandenburg, die Geschäftsführerin des

VfR (Sabine Wilke), die auf operativer Ebene tätig

ist, und Dr. Glatthaar (proloco) der für das Prozessmanagement

und die Moderation zuständig ist.

Diese Arbeitsstrukturen werden auch nach Abschluss

des Modellvorhabens weitergeführt. Dabei

werden auf Grund der guten Erfahrungen die Fachbereiche

der Kreisverwaltung (FB 4, FD 8.1), die

Volkshochschule Eschwege für die kulturellen Themen

sowie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner Kreis mbH fest in den Strukturen

verankert. Wenn dementsprechend keine Personalunion

mit den Leitungen der Arbeitsgruppen für

den Masterplan besteht, werden diese zusätzlich in

die Lenkungsgruppe mit aufgenommen.

Verwaltungsinterne und verwaltungsexterne

Geschäftsführung

Die Geschäftsführung und Koordination des gesamten

Modellvorhabens ist auf der einen Seite

innerhalb der Kreisverwaltung über den Stab Demografische

Entwicklung (Herr Pipper) angesiedelt,

der nach seiner Rolle und Funktion die

verschiedenen Fachressorts integriert. Auf der

anderen Seite obliegt die Geschäftsführung zum

gleichen Teil der Geschäftsführerin des Vereins

für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

(VfR) (Sabine Wilke), die außerhalb der Verwaltung

angesiedelt ist. Die Geschäftsführerin des

VfR bringt dabei vielfältige Erfahrungen im Aufbau

und der Steuerung von regionalen Entwicklungsprozessen

sowie der Zusammenarbeit mit

Wirtschafts- und Sozialpartnern ein und ist die

Schnittstelle, um einen breiten Kreis relevanter

Akteur/innen in den Prozess zur Erarbeitung des

regionalen Handlungskonzeptes zu integrieren.

Diese Kombination zwischen Verwaltung und Vereinsstrukturen

bildet die Grundlage, dass der Prozess

zur Gestaltung des demografischen Wandels, im

Rahmen des Masterplans genauso wie bei der Umsetzung

von Projekten, von einem breiten Spektrum

der Bevölkerung getragen wird. Hierdurch wird ein

hohes Maß an Bürgerbeteiligung gewährleistet.

Infrastrukturarbeitsgruppen

- Masterplan

Für die ausgewählten Infrastrukturbereiche wurden

drei Arbeitsgruppen eingerichtet: AG 1 „Soziale Infrastrukturen““,

AG 2 „Kultur und Bildung“, AG 3

„Energie, Siedlungsflächen und Erreichbarkeiten“.

Die Arbeitsgruppen sind die zentrale Ebene zur Erarbeitung

des Masterplans – in ihnen findet die eigentliche

inhaltliche Arbeit statt. Der Auftakt für die

Arbeitsgruppen war am 7. Juli 2010. Dort wurden

erstmals die Themen der Infrastrukturarbeitsgruppen

vorgestellt und bei den über 150 Anwesenden

für ihre Teilnahme an den Arbeitsgruppen geworben.

Zusätzlich wurden Schlüsselpersonen, die maßgeblich

für die verschiedenen Themenfelder sind,

persönlich für die Teilnahme an den Arbeitsgruppen

angesprochen.

Die Anzahl der Akteur/innen in den jeweiligen Arbeitsgruppen

lag zwischen 10 bis 28 Personen. Die

jeweiligen Arbeitsgruppentreffen wurden von einer

Vertreterin der Kreisverwaltung, des/der jeweiligen

Fachbereichs-/-dienstleiter/in, geleitet und durch

Herrn Dr. Glatthaar (proloco) moderiert. Darüber

hinaus war in der Rolle eines weiteren Dienstleisters

das Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp in allen

Arbeitsgruppen mit der Aufgabe betraut, Status-

18

Organisations- und Entscheidungsstrukturen


im Kreistag das gesamte Modellvorhaben und die

Ergebnisse der Infrastrukturarbeitsgruppen in folgenden

Ausschüssen vorgestellt und diskutiert:

• Ausschuss für Kreis- und

Regionalentwicklung

• Gesundheits- und Sozialausschuss

• Schulausschuss

• Umweltausschuss

Quo Fortschreibungen zu machen, Alternativszenarien

zu entwickeln, zur Diskussion zu stellen und abzuwandeln.

Gemeinsam wurden von allen Teilnehmer/innen

und der externen Unterstützung

Handlungsempfehlungen entwickelt. Die Arbeitsgruppen

wurden mit Vertretern/innen aus Politik, Verwaltung,

Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Vereinen

und Vertretern/innen betroffener Einrichtungen (stakeholder)

besetzt. Eine Übersicht relevanter Gruppen

ist in den jeweiligen Themenbereichen aufgeführt.

Die Leitung der Arbeitsgruppen wurde hierbei nicht

von der Arbeitsgruppe selbst bestimmt, sondern auf

Vorschlag der Lenkungsgruppe eingerichtet. Hintergrund

dieser Festlegung ist, dass die ausgewählten

Infrastrukturen innerhalb des Landkreises

umgesetzt werden sollen und durch die Bestimmung

der Arbeitsgruppenleitung des jeweiligen

Fachbereichs deutlich wird, dass die jeweils relevanten

Akteure/innen auf Kreisebene in zentraler

Funktion beteiligt sind.

In den Arbeitsgruppen wurde zu Beginn grundlegend

die Auswahl der zu bearbeitenden Infrastrukturbereiche

diskutiert und beschlossen. Dabei gab

es in den Arbeitsgruppen auch den Spielraum Infrastrukturbereiche

außen vor zu lassen oder neue

selbst zu benennen, wenn dies so mehrheitlich gewollt

war. Dies wurde natürlich auch mit der Lenkungsgruppe

rückgekoppelt.

Die Infrastrukturarbeitsgruppen haben zu den jeweiligen

Themen die Fragestellungen, Ziele, Vorgehensweise,

verschiedene Szenarien und

Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die Ergebnisse

mit den jeweiligen Handlungsempfehlungen wurden

in die Lenkungsgruppe eingebracht und ohne

Änderungen beschlossen. Danach wurde auf Antrag

Die Ausschüsse haben nach Abschluss der Sitzungen

einstimmig eine Beschlussempfehlung an den

Kreistag weitergeleitet. Der Kreistag hat in seiner

Sitzung vom 4.Feb. 2011 die Beschlussempfehlung

der Ausschüsse mit Mehrheit aus allen Fraktionen

beschlossen. Darin unterstützt der Kreistag, dass

der Masterplan aus dem Modellvorhaben ‚Region

schafft Zukunft’ umgesetzt und auch weiterverfolgt

wird. Im Zuge des Verstetigungsprozesses soll die

Kreisverwaltung und der Verein für Regionalentwicklung

die Zusammenarbeit unter Federführung

einer Lenkungsgruppe fortführen. Ebenso wird die

aktive Beteiligung lokaler Akteure befürwortet. Der

Kreistag möchte den Prozess politisch begleiten und

regelmäßig informiert werden

In diesem Beschluss wird deutlich, dass das Modellvorhaben

mit seinen Ergebnissen ebenso wie

dessen Fortsetzung aktiv von den ehrenamtlichen

sowie hauptamtlichen politischen Akteuren des

Werra-Meißner-Kreises unterstützt wird. Dies ist ein

wichtiges Signal für eine Erfolg versprechende Weiterführung.

Die Infrastrukturarbeitsgruppen haben ihre Arbeit

im Rahmen des Modellvorhabens erfolgreich abgeschlossen.

In der letzten Sitzung wurde festgehalten,

dass die Arbeitsgruppen über das

Organisations- und Entscheidungsstrukturen 19


Modellvorhaben hinaus, mit neuen und alten Themen

weiterarbeiten werden und die meisten der

Teilnehmer/innen haben ihre Mitarbeit in den Arbeitsgruppen

zugesagt. Darüber hinaus können

nach Bedarf auch weitere Arbeitsgruppen gegründet

werden.

Projektgruppen

Die Projekte aus dem Bereich: „Klein- und Mittelstädte

für alle Generationen – Innovationen für familien-

und altengerechte Stadtquartiere“ (IFAS)

sowie die Projekte auf dem Bereich „Förderung von

Innovation und Wachstum“ werden jeweils in eigenen

Projektgruppen bearbeitet.

Für den Themenbereich IFAS wurde die Arbeitsgruppe

„Mittendrin statt Außenvor – hier will ich

leben“ gebildet, die vom FD 8 Ländlicher Raum geleitet

wurde. Die Vertretung der Leitung übernimmt

die Sprecherin des LEADER-Arbeitskreises Regionalentwicklung

(Forum Demografischer Wandel).

Sie ist ebenfalls 1. Vorsitzende des Vereins für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V.. Im Themenbereich

Wachstum und Innovation wird analog

die Projektgruppe „Zukunft im Fokus – hier will ich

investieren“ gebildet, die Leitung obliegt dem Geschäftsführer

der Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner-Kreis mbH. Die Vertretung des Leiters

wird dabei vom Sprecher des LEADER-Arbeitskreises

Wirtschaft und Finanzen (Forum

Demografischer Wandel), dem Leiter des IHK Servicezentrums

Werra-Meißner, übernommen.

Die Projektgruppen haben sich während der Laufzeit

viermal getroffen.

Die Gesamtkoordination übernimmt die Geschäftsführung

des Modellvorhabens. Dadurch ist auch

eine enge Kooperation der Arbeitsgruppen zu den

ausgewählten Infrastrukturbereichen mit den Projektgruppen

gewährleistet. Es fanden zwei Vernetzungstreffen

statt.

Das erste war am 25. Januar 2010 im E-Werk in

Eschwege. Die Leiterinnen der Infrastrukturarbeitsgruppe

haben ihren aktuellen Arbeitsstand vorgestellt

und alle Projekte wurden von den jeweiligen

Projektträgern anhand von Plakaten im Saal präsentiert.

Die Vorstellung war frei organisiert, so dass

nach Bedarf auf Projektträger zugegangen werden

und man sich informieren konnte. Bei diesem ersten

Treffen standen die Projekte mit ihrer Zielrichtung

und dem Stand der Umsetzung der

Maßnahmen im Vordergrund.

Das zweite Vernetzungstreffen fand am 17. Juni

2010 im Schloss Ermschwerd statt. Hier standen die

Zwischenergebnisse der Infrastrukturarbeitsgruppen

im Vordergrund, die beispielhaft anhand der durchgeführten

Projekte belegt wurden.

Zusätzlich gab es im Rahmen vom ‚Tag der Regionen’

(Bundesweiter Aktionstag zur Stärkung der Regionen)

zwei Veranstaltungen jeweils im Süd- und

Nordteil des Kreises (Historischer Hafen in Wanfried

und Schloss Ermschwerd) an denen zahlreiche Projekte

aus dem Modellvorhaben präsentiert wurden.

Hier fand ein reger Austausch zwischen den Projektträgern

und interessierten Bürgern statt.

Die Projektgruppen selbst bestanden jeweils aus

den Träger/innen der einzelnen Projekte sowie weiteren

relevanten Akteur/innen der Region (Unternehmen,

Vertreter/innen der Kommunen,

Vertreter/innen der Politik) und der wissenschaftlichen

Beratung (Universität Kassel). Zusätzlich sind

in den Projektarbeitgruppen regional bedeutsame

Akteur/innen eingebunden, wie Vertreter des Regierungspräsidiums,

deENet (Kompetenznetzwerk

Dezentrale Energietechnologien), Vertreter der

Kreisverwaltung, BioRegion Holz, etc..

Die Projektgruppen und insbesondere die Projektträger

werden während des Erarbeitungsprozesses

von der Geschäftsführung sowie der zentralen Finanzabwicklungsstelle

unterstützt.

20 Kapitelbeschreibung Kapitelbeschreibung Kapitelbeschreibung


Bevölkerungsentwicklung und -prognose

6. Bevölkerungsentwicklung

und -prognose

Der Werra-Meißner-Kreis gehört zu den Regionen in

Hessen, die in der Vergangenheit überdurchschnittlich

hohe Bevölkerungsrückgänge zu verzeichnen

hatten. Ein Blick auf die beiden Elemente zur Bevölkerungsentwicklung,

die natürliche (Geburten minus

Sterbefälle) sowie die Wanderungsentwicklungen

zeigen, dass seit 1996 die negativen natürlichen Entwicklungen

nicht mehr durch Wanderungsgewinne

ausgeglichen werden konnten. Im Vergleich mit anderen

Regionen sind die natürlichen Entwicklungen

keine Besonderheit und auch der Rückgang der Zuwanderungsgewinne,

die zu Beginn der 1990er Jahre

vor allem auf Zuwanderungen aus Ostdeutschland

zurückzuführen sind, zeichnet sich als genereller

Trend in vielen Regionen ab.

Zu beachten ist, dass vor allem die natürlichen Entwicklungen

seit langer Zeit vergleichsweise konstant

sind und folglich auch für die Zukunft mit hoher

Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden

kann, dass die Geburtenrate ähnlich gering bleibt.

Bevölkerungsentwicklung und -prognose

Das Zu- und Abwanderungsverhalten hängt von der

Anzahl der Arbeitsplätze und generellen Trends wie

bevorzugte Wohn- und Lebensräume ab. In der Vergangenheit

gab es unter dem Stichpunkt der Subur-

21


zeigt die kleinräumigen Unterschiede. So wird voraussichtlich

die Einwohnerentwicklung in Herleshausen

bis zum Jahr 2019 noch Zunahmen zu

verzeichnen haben, was vor allem auf die Nähe zur

Stadt Erfurt zurückgeführt werden kann. Im Gegensatz

dazu sind einzelne Gemeinden in der Mitte und

im Süden überproportional vom Einwohnerrückgang

betroffen.

banisierung deutliche Einwohnerverluste großer

Städte und Bevölkerungsgewinne im Umland dieser

Zentren. Aktuell sind eher Zuzüge in den großen

Städten zu verzeichnen. Folglich sind die Wanderungsentwicklungen

bei Prognosen mit höherer Unsicherheit

zu bewerten.

Eine niedrige Geburtenrate sowie eine eher negative

Wanderungsbilanz werden in der Bevölkerungsprognose

fortgeschrieben. Im Ergebnis zeigt sich bei

einer kreisweiten Betrachtung, dass der negative

Trend der Vergangenheit fortgeschrieben wird.

Eine Differenzierung auf Gemeindeebene (s. Abb. 4)

Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass Bevölkerungsverluste

vor allem in den Altersgruppen

der unter 6jährigen und der 18-65jährigen zu verzeichnen

sind und Bevölkerungszunahmen nicht nur

relativ sondern in absoluten Zahlen bei der Bevölkerungsgruppe

der über 65jährigen erwartet werden.

Als positives Signal müssen an dieser Stelle die aktuellen

Bevölkerungsentwicklungen für das erste Halbjahr

2010 benannt werden, die belegen, dass der

Bevölkerungsrückgang zwischen 0,5 und 1 % geringer

ist, als die Prognosen bisher voraussagten.

Die hier vorgestellte Bevölkerungsprognose ist als

Grundlage aller Modellrechnungen in den Arbeitsgruppen

verwendet worden, wohl wissend, dass

damit Aussagen für die Zukunft getroffen werden, die

auf Modellen und Annahmen beruhen. Die Entwicklung

von Anpassungs- und Handlungsoptionen verfolgt

u.a. das Ziel, die Attraktivität des Kreises zu

erhöhen und somit die Abwanderung der Bevölkerung

möglichst zu verringern.

































Abbildung 1: Natürliche Bevölkerungsentwicklung im Werra-Meißner-Kreis, 1990-2009

22

Bevölkerungsentwicklung und -prognose


Abbildung 2:

Wanderungsbewegungen

im Werra-Meißner-Kreis,

1990-2009




























Abbildung 3:

Bevölkerungsentwicklung

nach Altersklassen

(2009-2034)

110.000

100.000

Einwohnerveränderung nach Altersklassen

90.000

80.000

Anzahl der Einwohner

B ewohner

z

h lder n a A

70.000

60.000

50.000

40.000

30.000

65 Jahre und älter

19 bis unter 65 Jahre

11 bis unter 18 Jahre

6 bis unter 11 Jahre

bis unter 6 Jahre

20.000

10.000

0

2009 2019 2034

Abbildung 4:

Bevölkerungsentwicklung

bis zum Jahr 2019

Einwohnerveränderung bis 2019

- > 80%

- 80% - 60%

- 60% - 40%

- 40% - 20%

- 20% - 0%

+ 0% - 20%

+ 20% - 60%

+ 60% - 80%

+ > 80%

Bevölkerungsentwicklung und -prognose 23


1.000

900

800

700

Altersklasse: unter 6 Jahren

Abbildung 5:

Bevölkerungsprognose,

Altersklasse unter 6 Jahre

(2009-2034)

Anzahl der Einwohner

600

500

B ewohner

z

h lder 400

n a 2009

A

2019

300

2034

200

100

0

14.000

13.000

12.000

11.000

10.000

Anzahl der Einwohner

9.000

8.000

7.000

Altersklasse: 18 bis unter 65 Jahre

B ewohner 6.000

z

h lder n a 2009

A 5.000

2019

4.000

2034

3.000

2.000

1.000

0

Abbildung 6:

Bevölkerungsprognose,

Altersklasse 18 bis unter 65 Jahre

(2009-2034)

7.000

6.000

Altersklasse: 65 Jahre und älter

Abbildung 7:

Bevölkerungsprognose,

Altersklasse über 65 Jahre

(2009-2034)

Anzahl der Einwohner

5.000

4.000

B ewohner 3.000

z

h lder n a 2009

A

2019

2.000

2034

1.000

0

24

Bevölkerungsentwicklung und -prognose


Ergebnisse in den Infrastrukturbereichen

7. Ergebnisse in den

Infrastrukturbereichen

Im Rahmen der Erarbeitung des Masterplans Daseinsvorsorge

sind neun Infrastrukturbereiche in den

drei Masterplan-Arbeitsgruppen bearbeitet worden.

Die Ergebnisse sind nachfolgend in einzelnen Abschnitten

dargestellt. Die Vorgehensweise in den einzelnen

Themenbereichen kann in zwei Gruppen

unterschieden werden: a) die sechs Themenbereiche,

in denen konkrete Fragestellungen mit Hilfe von Modellrechnungen,

die das Büro GGR erstellte, erarbeitet

wurden (Kinderbetreuung, Senioren/Pflege,

Hausärzte, Nahversorgung und Begegnung, Schulen

und Erreichbarkeiten) sowie b) die drei Themenbereiche,

für die ein anderes Vorgehen gewählt wurde,

das sich eher an guten Beispielen und ersten umgesetzten

Projekten orientiert (Kultur / außerschulische

Bildung, Siedlungsflächenentwicklung und Energie).

Die Themen wurden in den drei Masterplan-Arbeitsgruppen

bearbeitet (s. Kap. 4 und 5). Die Besetzung

der Arbeitsgruppen wurde für alle Arbeitsgruppen

ähnlich vorgenommen: Die Leitung der Arbeitsgruppen

wurde jeweils von den Fachdiensten bzw. den

verantwortlichen Leiterinnen des Kreises übernommen:

AG 1 „Soziale Infrastrukturen“, Frau Friedrich,

Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie, Senioren

und Soziales des Werra-Meißner-Kreises, AG 2

„Kultur und Bildung“, Frau Steinhaus, Leiterin der

Volkshochschule Eschwege und AG 3 „Siedlungsflächen,

Energie und Erreichbarkeiten“, Frau Baumgärtel-Blaschke,

Leiterin des Fachdienstes Ländlicher

Raum. Weiterhin wurden Schlüsselakteure durch die

Leiterinnen sowie die Lenkungsgruppe benannt, die

persönlich angesprochen wurden und es wurde bei

der Auftaktveranstaltung für die Teilnahme an den

Arbeitsgruppen geworben.

Im Ergebnis haben jeweils zwischen 10 und 28 Personen

an den insgesamt 24 Sitzungen der Arbeitsgruppen

teilgenommen (s. Anhang). Durch das breite

Spektrum der Teilnehmer/innen und den damit sehr

unterschiedlichen Sichtweisen konnte eine große Bandbreite

an Aspekten in den verschiedenen Themenfeldern

diskutiert werden. Dies spiegelt sich auch sehr

positiv in den Ergebnissen wieder. Insgesamt haben die

Teilnehmer/innen sehr engagiert mitgearbeitet.

In AG 1 ‚Soziale Infrastruktur’ arbeiteten Vertreter/innen

des Kreises, der Ärzteschaft, sozialer,

kirchlicher und ambulanter Dienste, Bürgermeister

sowie weitere Vertreter/innen der Kommunen

und eine Vertreterin der Kassenärztlichen

Vereinigung in Hessen mit.

In AG 2, ‚Kultur und Bildung’ nahmen Vertreter/innen

des Kreises, der Kommunen, Vertreter/

innen von Kulturinstitutionen und Vereinen, Vertreter/innen

von Kirchen und den Chören im

Kreis, Schulleiter/innen und Lehrer/innen sowie

weitere interessierte Personen teil.

An den Treffen der AG 3, ‚Siedlungsflächenentwicklung,

Energie und Erreichbarkeit’ haben Vertreter/innen

des Kreises, Bauamtsleiter/innen der

Städte und Gemeinden, Vertreter des Regierungspräsidiums

Kassel und weitere interessierte

Personen teilgenommen.

Ergebnisse in den Infrastrukturbereichen 25


Kindertagesbetreuung

7.1 Kindertagesbetreuung

Das Thema Kindertagesstätten und Krippen wurde

bereits während der Bewerbung ausgewählt und in

der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe „Soziale Infrastrukturen“

als wichtiges Thema bestätigt (s. Kap.

Infrastrukturauswahl). Hintergrund für diese Entscheidung

war der hohe Handlungsbedarf in zwei

Bereichen:

Die Anzahl von Kindern geht zurück. Damit besteht

die Gefahr, dass Einrichtungen nicht mehr

genügend nachgefragt werden und schließen

müssen, womit die Attraktivität ländlicher

Räume sinkt (Ausdünnung der Angebote).

Demgegenüber gibt es eine wachsende Nachfrage

nach Betreuungsangeboten für unter 3-jährige.

Der Schwerpunkt beim Thema Kinderbetreuung

wurde von der Arbeitsgruppe auf die Altersgruppe

der 0 bis 6-Jährigen gelegt. Vereinzelt wurden auch

die Betreuung in Hortplätzen sowie Angebote für Jugendliche

in der Arbeitsgruppe diskutiert, diese wurden

jedoch nicht als Schwerpunkt bearbeitet und

sind in den folgenden Darstellungen deshalb nicht

enthalten. Im gewählten Schwerpunktthema wurden

folgende Zielsetzungen verfolgt:

Erstellung einer Nachfrageabschätzung und darauf

aufbauend eine Prognose der künftigen Auslastung

von Kinderbetreuungseinrichtungen

Abstimmung von Annahmen über die künftige

Nachfrage verschiedener Altersgruppen mit

einem breiten Kreis an beteiligten Personen als

Grundlage gemeinsamen Vorgehens

Die Zielsetzungen wurden durch folgende Fragestellungen

konkretisiert:

Sind Gemeindegrenzen übergreifende Lösungen

vor dem Hintergrund eines Nachfragerückganges

ein möglicher Anpassungsweg?

Müssen durch die künftig höhere Nachfrage

nach Krippenplätzen (0 bis unter 3-Jährige)

neue Einrichtungen geschaffen werden? Wird

die höhere Nachfrage nur temporär oder dauerhaft

bestehen?

26 Kindertagesbetreuung


Welche Nachfragequoten der unter 3-jährigen

sind für den Werra-Meißner-Kreis realistisch?

Hier soll eine gemeinsame Diskussion zu einer

Vereinbarung der für den Kreis künftig anzulegenden

Nachfragequoten führen (Anpassung des

bundesweit diskutierten Wertes von 35 % auf

den Werra-Meißner-Kreis) 1 .

Welche Kosten kommen in diesem Bereich künftig

auf die Städte und Gemeinden zu?

Über die Nachfrageabschätzungen und die Entwicklung

von Handlungs- und Anpassungsstrategien

hinaus werden bereits Maßnahmen zur Anpassung,

wie die Umwidmung von Kinder- in Krippenplätze

oder Angebotserweiterungen, wie im Projekt Witzenhäuser

Familienhäuser, umgesetzt. Diese Beispiele

sind in der Arbeitsgruppe vor dem

Hintergrund der Diskussion möglicher Anpassungswege

vorgestellt und diskutiert worden.

Der Werra-Meißner-Kreis hat eine kleinräumige

Bedarfsplanung für die Altersgruppe 0-10 Jahre

(Krabbelgruppen bis Hortbetreuung) auf Gemeindeebene

erstellt. Diese Bedarfsplanung ist als eine

Grundlage in die Modellrechnungen des Masterplans

eingegangen. Sie wurde differenziert und

konkretisiert.

Witzenhausen kann als „Sonderfall“ bezeichnet

werde, da es eine vergleichsweise lange Tradition

der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren gibt und,

bedingt durch den Universitätsstandort, eine sehr

hohe Nachfrage nach Betreuungsplätzen besteht, so

dass in Witzenhausen teilweise eine Betreuungsquote

von knapp 50 % der Altersgruppe unter 3-

Jahren erreicht wird.

Entwicklung der Kinderzahlen in der Altersklasse „Elementar“

Die folgenden Ausführungen sind eine gekürzte

Fassung der Dokumentation der Modellrechnungen

und Analysen im Masterplan-Prozess des Werra-

Meißner-Kreises, die vom Büro GGR aus Hamburg,

erstellt wurde (Stand Jan. 2011).

Kindertagesbetreuung im

„Elementarbereich“

(3-Jährige bis zum Schuleintritt)

Zentrale Fragestellung im Rahmen der Modellrechnungen

zum Thema Kindertagesbetreuung im Elementarbereich

war diejenige nach der zukünftigen

Entwicklung des Versorgungsbedarfs (Nachfrage nach

Betreuungsplätzen) im Verhältnis zum Versorgungsangebot

(Betreuungsplätze) und die sich daraus ergebenden

Versorgungsquoten

Versorgungsangebot und

Versorgungsbedarf auf Kreisebene

Z. Zt. werden im Werra-Meißner-Kreis an 55 Standorten

in institutionellen Einrichtungen ca. 2.950

Plätze angeboten. Es gibt „reine“ Elementargruppen

mit maximal 25 Kindern und altersgemischte Gruppen

mit maximal 15 Elementar- und fünf Krippenkindern.

Die Gesamtkapazität dieser Einrichtungen liegt derzeit

bei etwa 2.920 Plätzen für den „Elementarbereich“. 2

Der Versorgungsbedarf hängt zum einen von der Bevölkerungsentwicklung

in der Altersklasse ab, der aus

der kleinräumigen Bevölkerungsprognose für den

Werra-Meißner-Kreis übernommen wurde 3 . Zum anderen

hängt er davon ab, für wie viele Kinder der Altersklasse

Interesse an einer Betreuung besteht. Im

Rahmen der Modellrechnung wird angenommen, dass

dieses Interesse für alle

Kinder der Altersklasse

besteht, die Gesamtzahl

der Kinder also dem Versorgungsbedarf

entspricht.

Die Zahl der

Kinder in der Altersklasse

„Elementar“ wird von ca.

2.850 Kindern im Jahr

2008 auf knapp unter

2.000 Kinder im Jahr

2034 zurückgehen (vgl.

Abbildung 1).

Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in der Altersklasse „Elementar“ auf Kreisebene

Kreisweit übersteigt

demnach bereits heute

das Angebot an Betreuungsplätzen

die Nachfrage.

Bei in den

nächsten Jahren sinkender

Nachfrage würden

sich die Überkapazitäten

– bei gleichbleibendem

Angebot – weiter

erhöhen.

Kindertagesbetreuung

27


Versorgungsangebot

und Versorgungsbedarf

auf Gemeindeebene

„Elementar“: Anzahl der Kinder (2009) und Betreuungskapazitäten

Die Ausgangssituation ist in den einzelnen

Gemeinden leicht unterschiedlich.

Abbildung 2 zeigt das

heutige Verhältnis von Versorgungsangebot

und Versorgungsbedarf auf

Gemeindeebene.

Es zeigt sich, dass in allen Städten und

Gemeinden das Versorgungsangebot

für die 3 bis 6-jährigen über der

Nachfrage liegt. Teilweise sind deutliche

Überkapazitäten vorhanden, die

einen Hinweis auf weitere Umwidmungspotentiale

geben (s. u.).

Die Entwicklung des Versorgungsbedarfes

– also die Anzahl der Kinder

in der betrachteten Altersklasse

– ist im Zeitraum bis 2034 in nahezu

allen Gemeinden rückläufig. Eine Ausnahme ist Berkatal,

wobei sich der dortige Anstieg von einem sehr

geringen Ausgangsniveau vollzieht. Besonders deutliche

Rückgänge ergeben sich für Sontra und Meinhard.

Für Herleshausen und Waldkappel ergeben sich

kurzfristige Anstiege der Kinderzahl, die langfristige

Entwicklung ist jedoch auch dort rückläufig.

Zukünftige Versorgungssituation:

Ergebnisse der Modellrechnungen

Da für die meisten Kinder und ihre Eltern nur Betreuungsplätze

innerhalb einer bestimmten Entfernung

(bzw. Wegezeit) infrage kommen, muss für eine

Schätzung der Versorgungssituation weiter räumlich

differenziert werden: Zum einen können Einrichtungen

in der eigenen Gemeinde zu weit entfernt liegen,

zum anderen können Einrichtungen außerhalb

der Gemeinde gut erreichbar sein. Um diesen Sachverhalten

Rechnung tragen zu können wurden im

Rahmen der Modellrechnung für das Jahr 2013 folgende

Annahmen getroffen:

Mit Hilfe eines im Projekt aufgebauten Siedlungsstrukturmodells

wurden die Kinder auf

kleinräumige Siedlungsbereiche innerhalb einer

Gemeinde „verteilt“. Im Ergebnis liegt eine

Schätzung darüber vor, wo die Kinder der betrachteten

Altersklasse wohnen (werden).

In der Arbeitsgruppe wurde folgende Setzung

vorgenommen: Eltern von Kindern der Altersklasse

„Elementar“ suchen zunächst einen Betreuungsplatz

• in der Wohnwortgemeinde innerhalb eines Entfernungsbereiches

von 10 Minuten (Pkw-Fahrtzeit),

• wenn dabei kein Betreuungsplatz gefunden wurde, innerhalb

eines Entfernungsbereiches von 15 Minuten auch über Gemeinde

grenzen hinaus.

Abb. 2: Betreuungskapazitäten (Versorgungsangebot) und Anzahl der

Kinder (Versorgungsbedarf), 2009

Weitere mögliche Suchkriterien für einen Betreuungsplatz

(z. B. Öffnungszeiten oder Angebotsformen

der Einrichtungen) blieben unberücksichtigt.

Abbildung 3 stellt entsprechend dieser Modellrechnung

die Versorgungsquote im Jahr 2013 dar: Die

Einfärbung der Siedlungsbereiche erfolgt nach dem

Anteil des zugeordneten Versorgungsbedarfes (= Anteil

der Kinder, die einen Betreuungsplatz erhalten

an Kindern, die einen Betreuungsplatz „suchen“).

Eine Zuordnung eines Kindes zu einer Einrichtung erfolgt,

sofern innerhalb des vorgegebenen Entfernungsbereiches

ausreichende Kapazitäten in einer

Einrichtung vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall erfolgt

keine Zuordnung.

In weiten Teilen des Kreises werden hohe Versorgungsquoten

(=grüne Einfärbung der Siedlungsbereiche)

erreicht, es konnten also viele Kinder einer

Einrichtung zugeordnet werden. Für einige wenige

Siedlungsbereiche ist die Versorgungsquote jedoch

eher gering, wenn innerhalb des eingestellten Entfernungsbereiches

entweder überhaupt keine Einrichtung

oder keine Einrichtung mit ausreichenden

Kapazitäten vorhanden ist.

Der Anteil des zugeordneten Versorgungsbedarfes (=

Kinder mit Betreuungsplatz) am gesamten Versorgungsbedarf

(= Kinder, die einen Betreuungsplatz suchen)

auf Ebene der einzelnen Gemeinden ergibt

Versorgungsquoten zwischen 85 und 100 Prozent.

Ausbaubedarf und Überkapazitäten

Für verschiedene Standorte im Kreisgebiet ergeben

sich nach der räumlichen Zuordnung entsprechend

der Modellannahmen (s.o.) Überkapazitäten bzw.

nicht belegte Betreuungsplätze (vgl. Abbildung 4). Je

28 Kindertagesbetreuung


Szenario Elementar:

Versorgungsquote

2013

Standort mit

Angebot

„Elementar“

Das heutige Verhältnis von Versorgungsangebot und

Versorgungsbedarf ist in den einzelnen Gemeinden

unterschiedlich (vgl. Abbildung 6 und 7): Zu den Geunter

20%

20 bis unter 40%

40 bis unter 60%

60 bis unter 80%

80 bis 100%

Anteil des zugeordneten

Versorgungsbedarfes

am Gesamtversorgungsbedarf

Unter den gewählten Szenariobedingungen

Abb. 3: Versorgungsquote Elementarbereich: Anteil des zugeordneten

Versorgungsbedarfs am Gesamtversor- gungsbedarf im Jahr 2013

„Elementar“: Ausbaubedarfe und Überkapazitäten (Gemeinde)*

2013 (Standortstruktur: Status Quo)

Kindertagesbetreuung für

die Altersklasse „Krippe“

(unter 3-Jährige)

Auch im Bereich der Kindertagesbetreuung

für die Altersklasse der unter

3-Jährigen war die zentrale Fragestellung

diejenige nach der zukünftigen

Entwicklung des Versorgungsbedarfs.

Das Versorgungsangebot im Kreis

setzt sich z. Zt. aus rund 400 Plätzen

in Einrichtungen und 120 Betreuungsplätze

bei Tagesmüttern oder –

vätern zusammen.

Der Versorgungsbedarf hängt neben

der Bevölkerungsentwicklung in der

Altersklasse davon ab, für wie viele

Kinder Interesse an einem Betreuungsplatz

besteht. Für die Modellrechnung

wurden in der

Arbeitsgruppe altersabhängige Versorgungsquoten

für das Kreisgebiet

festgelegt. Die Arbeitsgruppe entschied

sich für das mittlere von drei

Szenarien mit folgenden Festlegungen:

* Unter den gewählten Szenariobedingungen

Abb. 4: Ausbaubedarf und Überkapazitäten für Kinder der Altersklasse

„Elementar“ für das Jahr 2013

weiter die Säulen dabei in den negativen Diagrammbereich

ragen, desto größer ist die Anzahl der Überkapazitäten.

Zumindest für Waldkappel und

Eschwege muss jedoch davon ausgegangen werden,

dass die bestehenden Kapazitäten in der institutionellen

Kindertagesbetreuung in der Altersklasse „Elementar“

für die künftigen Bedarfe nicht ausreichen

könnten (Ausbaubedarfe werden durch in den positiven

Diagrammbereich wachsende Säulen gekennzeichnet).

Dies ist jedoch nur eine kurzfristige

Entwicklung und auch dort wird langfristig vermutlich

kein Bedarf nach einem deutlichen Ausbau bestehen.

Unter den gewählten Szenariobedingungen

werden im Jahr 2019 nur in Waldkappel mehr Plätze

benötigt als heute bestehen.

Unter 1-Jährige: Versorgungsbedarf

für 6 % der Kinder

1-Jährige: Versorgungsbedarf

für 20 % der Kinder

2-Jährige: Versorgungsbedarf

für 40 % der Kinder

Unter diesen Annahmen zeigt sich,

dass es im Werra-Meißner-Kreis nicht

möglich sein wird, diesen Versorgungsbedarf

mit den bestehenden

Kapazitäten zu decken (vgl. Abb. 5,

die gestrichelte Linie zeigt die heute

bestehenden Kapazitäten).

Die Annahmen zum altersspezifischen

Versorgungsbedarf können sich

in Zukunft ändern, da allgemein

davon ausgegangen wird, dass die

Nachfrage nach Betreuungsplätzen für unter 3-jährige

steigen wird. Das Beispiel aus Witzenhausen

zeigt schon heute eine deutlich höhere Nachfrage für

die bereits ein höheres Angebot geschaffen wurde.

Die Nachfrage wird jedoch voraussichtlich nicht in

allen Städten und Gemeinden in gleichem Maße steigen,

da einzelne Gemeinden bereits heute mehr

Krippenplätze anbieten als nachgefragt werden.

Versorgungsangebot und Versorgungsbedarf

auf Gemeindeebene

Kindertagesbetreuung

29


Entwicklung des Versorgungsbedarfes in der Altersklasse „Krippe“

Gesamtkapazität (Status Quo)

Abb. 5: Entwicklung des Versorgungsbedarfes in der Altersklasse

„Krippe“ auf Kreisebene nach den Setzungen der Arbeitsgruppe

(mittlere Szenariovariante)

„Krippe“: Versorgungsbedarf (2009) und Betreuungskapazitäten

es hier deutliche Nachfrageschwankungen

gibt. Den Versorgungsbedarf ohne

die Betreuungskapazitäten von Tagesmüttern

und -vätern zeigt Abbildung 7.

Die Entwicklung des Versorgungsbedarfs

verläuft auf Gemeindeebene

recht unterschiedlich: Während in Sontra,

Neu- Eichenberg, Ringgau oder

Meinhard mit rückläufigem Versorgungsbedarf

gerechnet werden muss,

kann für andere Kommunen von einem

kurzfristigen Anstieg ausgegangen werden.

Dies betrifft neben den bezogen

auf die Bevölkerungszahl eher „kleinen

Gemeinden“ Berkatal und Weißenborn

z.B. auch Waldkappel, Herleshausen

und Bad Sooden-Allendorf.

Eine rückläufige Entwicklung des Versorgungsbedarfes

bedeutet jedoch

nicht automatisch, dass die bestehenden

Kapazitäten ausreichen, die künftigen

Bedarfe zu befriedigen. So

können auch in Gemeinden trotz sinkender

Zahl der unter 3-Jährigen Ausbaubedarfe

bestehen, da nicht davon

ausgegangen werden darf, dass der

heutige Versorgungsbedarf überall gedeckt

ist.

Abb. 6: Versorgungsangebot und aktueller Versorgungsbedarf in

der Altersklasse „Krippe“ in den Gemeinden (inkl. Tagesmüttern

mit reduzierter Kapazitätsannahme)

meinden mit einem aktuellen Ausbaubedarf (= weniger

Betreuungsplätze als nachgefragt) gehören

demnach neben Eschwege mit einem sehr deutlichen

Ausbaubedarf die Gemeinden Großalmerode, Hessisch

Lichtenau, Meinhard, Sontra. Einen geringeren

Ausbaubedarf haben Berkatal, Herleshausen, Ringgau

und Waldkappel.

In der Arbeitsgruppe wurde festgelegt, dass die Kapazität

von Tagesmüttern und -vätern mit der Hälfte der

tatsächlichen Kapazität berücksichtigt wurde, da die

Erfahrungen der Vergangenheit im Kreis zeigen, dass

Zukünftige Versorgungssituation

- Ergebnisse der

Modellrechnungen

Für eine Schätzung der zukünftigen

Versorgungssituation wird räumlich

genauer differenziert. Für die Kinder

der Altersklasse „Krippe“ werden die

gleichen Annahmen getroffen wie bei

der Ermittlung der zukünftigen Versorgungssituation

für Kinder der Altersklasse

„Elementar“ (s.o.).

Abbildung 8 stellt die Versorgungsquote

im Jahr 2013 dar, also den Anteil

der Kinder, die einen

Betreuungsplatz bekommen, an allen,

die sich grundsätzlich für einen Betreuungsplatz

interessieren. Vor allem

im Bereich Eschwege und Umgebung sowie in Großalmerode

wird der künftige Versorgungsbedarf mit

den bestehenden Betreuungskapazitäten nicht befriedigt

werden können. Die nur geringen Versorgungsquoten,

die in den Siedlungsbereichen

zwischen den Siedlungsschwerpunkten der Region

bestehen, sind dabei stellenweise darauf zurückzuführen,

dass dort kein ausreichend wohnortnahes

Angebot (im Sinne der Setzungen) verfügbar ist. 4

Zum anderen gibt es jedoch räumliche Bereiche mit

recht hohen Versorgungsquoten, zum Beispiel Hes-

30 Kindertagesbetreuung


sisch Lichtenau, Wanfried und Wehretal.

Für den Bereich Witzenhausen

(und die Nachbargemeinde Neu-Eichenberg)

sind unter den gewählten

Rahmenbedingungen besonderes

hohe Versorgungsquoten errechnet

worden – allerdings ist nach Auffassung

der Arbeitsgruppe unklar, inwieweit

die Ergebnisse aufgrund der

Sondersituation in Witzenhausen (Universitätsstandort

mit ggf. abweichendem

Versorgungsbedarf) in dieser

Form tatsächlich belastbar sind. 5

Der Anteil des zugeordneten Versorgungsbedarfs

(= Kinder mit Betreuungsplatz)

am gesamten

Versorgungsbedarf (= Kinder, die einen

Betreuungsplatz suchen) auf Gemeindeebene

und unter Berücksichtigung

sowohl der Plätze in Einrichtungen als

auch bei Tagesmüttern und –vätern ergibt

für die meisten Gemeinden im

Jahr 2013 einen Wert von über 80 %. 6

Nur die Gemeinden Berkatal,

Eschwege, Großalmerode und Sontra liegen unter

diesem Wert.

Ausbaubedarf und Überkapazitäten

Auf Gemeindeebene ergeben sich die in Abbildung 9

dargestellten Ausbaubedarfe und Überkapazitäten.

Berücksichtigt sind Betreuungsplätze in Einrichtungen

und die Hälfte der Plätze bei Tagesmüttern oder

–vätern. Demnach besteht vor allem in Eschwege

und Großalmerode, aber auch im Bereich Sontra und

Waldkappel Ausbaubedarf. Für alle anderen Gemeinden

ist zumindest für das Jahr 2013 unter den

Szenario Krippe „mittel“

Versorgungsquote

2013

Standort mit

Angebot

„Krippe“

„Krippe“: Versorgungsbedarf (2009) und Betreuungskapazitäten

Abb. 7: Versorgungsangebot und aktueller Versorgungsbedarf in

der Altersklasse „Krippe“ in den Gemeinden (ohne Tagesmütter/-

väter)

Anteil des zugeordneten

Versorgungsbedarfes

am Gesamtversorgungsbedarf

Unter den gewählten Szenariobedingungen

gewählten Szenariobedingungen kein deutlicher Ausbau

der Betreuungsplätze für unter 3-Jährige notwendig.

7

Umwidmung nicht benötigter

Elementarplätze in Krippenplätze

Die Umwidmung der aufgrund von Überkapazitäten

nicht benötigten Betreuungsplätze für die Altersklasse

„Elementar“ in Krippenplätze für unter

3-Jährige ist im Werrra-Meißner-Kreis bereits seit

Jahren gängige Praxis. Im Projekt „Masterplan

Daseinsvorsorge“ ist mit Hilfe von Modellrechnungen

überprüft worden, wie sich

eine Fortsetzung der Umwidmungsstrategie

auswirken würde. 8 Bei dieser

(modellhaften) Umwidmung ist durch

ergänzende Berechnungen sichergestellt

worden, dass nicht „Elementar“-

Plätze, die nur vorübergehend nicht

benötigt werden, quasi „voreilig“ zu

Krippenplätzen umgewidmet werden.

unter 20%

20 bis unter 40%

40 bis unter 60%

60 bis unter 80%

80 bis 100%

Abb. 8: Versorgungsquote Krippe – Anteil des zugeordneten Versorgungsbedarfes

am Gesamtversorgungsbedarf 2013

(mittlere Szenariovariante)

Die Ergebnisse dieser Berechnungen

zeigt Abbildung 10 für den Anteil des

zugeordneten Versorgungsbedarfes

(mit Umwidmung) im Vergleich zu Abbildung

8 (ohne Umwidmung). Für

Ausbaubedarf und Überkapazitäten

erfolgt die Gegenüberstellung mit

Hilfe der Abbildungen 11 und 9.

Positive Effekte der Umwidmung ergeben

sich vor allem für Großalmerode

und Sontra. Hier können die bestehenden

Ausbaubedarfe praktisch vollständig

durch Umwidmungen

Kindertagesbetreuung

31


„Krippe“: Ausbaubedarfe und Überkapazitäten (Gemeinde)*

Tagespflegeplätze

berücksichtigt

2013 (Standortstruktur: Status Quo)

* Unter den gewählten Szenariobedingungen

Abb. 9: Ausbaubedarf und Überkapazitäten für Kinder der Altersklasse

„Krippe“ im Jahr 2013 (mittlere Szenariovariante)

der Bereich Eschwege mit den Nachbargemeinden

untersucht. Wenn sich

dadurch höhere Auslastungsgrade erzielen

lassen, könnten Kosten verringert

werden. Daher wurde eine

detaillierte Betrachtung der Situation

für das Jahr 2013 unter der Annahmen

der mittleren Nachfragevariante

durchgeführt. Er ergibt sich, dass für

die Einrichtungen der Kreisstadt der

Versorgungsbedarf die Kapazität

übersteigt, während es in den Nachbargemeinden

Einrichtungen gibt,

die nicht völlig ausgelastet sind (z. B.

in Meinhard und Wanfried). Die Betrachtung

der absoluten Zahlen verdeutlicht

jedoch, dass unter den

gewählten Bedingungen vermutlich

kaum Möglichkeiten für eine gemeinsame

Versorgungsplanung gegeben

sind. Insgesamt ergibt sich

Folgendes:

überzähliger „Elementarplätze“ kompensiert werden.

Die Ausbaubedarfe in Eschwege lassen sich durch

Umwidmungen voraussichtlich minimieren – gleichwohl

besteht hier besonderer Handlungs- und Ausbaubedarf,

der sich nicht allein durch Umwidmungen

befriedigen lässt. 9

Kostenschätzung

Mit Hilfe von Kostenberechnungen konnte gezeigt

werden, dass die Kosten pro Gruppe mit sinkender

Auslastung tendenziell ansteigen. Abbildung 12 zeigt,

dass sich die Umwidmung von nicht benötigten Elementarplätzen

in Krippenplätze unter der Annahme

der weitestgehenden Auslastung durch

Kinder aus der Altersklasse „Krippe“

auch unter Kostengesichtspunkten begründen

lässt. 10

Eine Abschätzung von Ausbau- oder

Umwidmungskosten ist im Rahmen

des Projektes „Masterplan Daseinsvorsorge“

nicht erarbeitet worden, da

aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten

eine hohe Einzelfallabhängigkeit

besteht.

Szenario Krippe „mittel“

Versorgungsquote

Umwidmung 2013

Standort mit

Angebot

„Krippe“

Wie bereits gezeigt wurde, bestehen in Eschwege

Ausbaubedarfe in beträchtlicher Höhe. In der Gemeinde

Meißner wird es voraussichtlich 2013 keine

Überkapazitäten geben. Meinhard wird Versorgungsbedarf

und Kapazitäten gemeindeintern „verrechnen“

können. In Einrichtungen in Wanfried und

Weißenborn bestehen ggf. Möglichkeiten, einzelne

Kinder aus Eschwege aufzunehmen (diese Einrichtungen

sind von Eschwege aus gesehen jedoch vergleichsweise

weit entfernt). Überkapazitäten in der

Gemeinde Wehretal werden vermutlich nicht im Zentralort

selbst, sondern im Ortsteil Hoheneiche entstehen.

Dieser ist von Eschwege aus gesehen

allerdings auch weit entfernt.

Anteil des zugeordneten

Versorgungsbedarfes

am Gesamtversorgungsbedarf

Unter den gewählten Szenariobedingungen

Gemeindegrenzen

überschreitende

Zusammenarbeit

Bei der Betrachtung, inwieweit eine

gemeinsame, Gemeindegrenzen überschreitende

Versorgungsplanung zu

einer Verbesserung der Versorgungsquote

vor allem im Krippenbereich

beitragen kann, wurde insbesondere

unter 20%

20 bis unter 40%

40 bis unter 60%

60 bis unter 80%

80 bis 100%

Abb. 10: Versorgungsquote Krippe einschließlich Umwidmung –

Anteil des zugeordneten Versorgungsbedarfes am Gesamtversorgungsbedarf

2013 (mittlere Szenariovariante)

32

Kindertagesbetreuung


Damit gibt es in näherer Zukunft wohl

kaum Potenziale für eine interkommunale

Zusammenarbeit im Bereich der

gemeinsamen Krippenversorgungsplanung.

Zusammenfassung der

Ergebnisse und

Handlungsempfehlungen

Lokale Anpassungsmöglichkeiten

überall vorhanden:

von Seiten der Jugendhilfeplanung

werden jährlich Bedarfserhebungen

vorgenommen, auf deren Grundlage

die weitere Planung der Versorgung

in der Planungsgruppe Kindertagesstätten

und in Einzelgesprächen mit

den Kommunen vorgenommen wird.

Derzeit sind alle Kommunen jeweils

für sich in der Lage, notwendige Anpassungsschritte

zu unternehmen.

Entweder, weil es jeweils mehrere

Gruppen je Einrichtung gibt und folglich

bei geringerer Auslastung einzelne

Gruppen geschlossen werden

könnten oder weil einzelne Einrichtungen

(z.B. eingruppige) geschlossen

werden könnten, ohne dass die Versorgung

mit Betreuungsplätzen in der

Gemeinde damit nicht mehr gewährleistet

werden könnte.

„Krippe“: Ausbaubedarfe und Überkapazitäten (Gemeinde)*

Tagespflegeplätze

berücksichtigt

2013 (Standortstruktur: Umwidmung)

* mittlere Nachfragevariante

Abb. 11: Ausbaubedarf und Überkapazitäten 2013 einschließlich

Umwidmung (mittleres Szenario)

Gesamtkosten nach Gruppenarten und Auslastung

Nur temporäre einzelne Versorgungslücken

bei der Kindertagesbetreuung:

Es ist davon auszugehen, dass die

Versorgungsquote im Bereich der Betreuung

der 3-Jährigen bis zum Schuleintritt

(„Elementar“) auch zukünftig

nahezu flächendeckend gut sein wird.

Ausbaubedarf besteht vorübergehend

in Waldkappel (und ggf. in Eschwege)

– die demografischen Entwicklungen

werden jedoch dazu führen, dass sich

der dortige Versorgungsbedarf bereits

bis 2019 den heutigen Kapazitäten

angenähert haben wird.

Betreuungslücken für einzelne Gemeinden für die

unter 3-Jährigen: Im Bereich der Betreuung der unter

3-Jährigen werden sich bis 2013 voraussichtlich vor

allem für Eschwege, aber auch für Großalmerode und

Sontra Ausbaubedarf ergeben.

Kompensation des Ausbaubedarfs durch Umwidmung:

Durch Umwidmung von Elementar- in Krippenplätze

kann ein guter Teil des Ausbaubedarfes

kompensiert werden. Dies verringert die Versorgungsquote

im Elementarbereich nicht und führt voraussichtlich

dazu, dass die Krippenbetreuung in

Elementargruppe Altersgemischte Gruppe Krippengruppe

Abb. 12: Kosten in € pro Gruppe und Jahr in Abhängigkeit von

Betreuungsform und Auslastung

Großalmerode und Sontra nicht anderweitig ausgebaut

werden muss. Die Umwidmung und damit die

Stärkung der Auslastung von Einrichtungen ist dabei

auch unter Kostengesichtspunkten sinnvoll.

Ausbaubedarf in Eschwege: Für Eschwege verbleibt

jedoch auch nach Umwidmung und unter Berücksichtigung

der Betreuungsplätze bei Tagesmüttern/-

vätern ein Ausbaubedarf in der Größenordnung von

rund 30 Betreuungsplätzen für unter 3-Jährige bis

zum Jahr 2013. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse

der Modellrechnungen für den Bereich Kindertagesbetreuung

kommt die Arbeitsgruppe zu folgenden

Handlungsempfehlungen:

Kindertagesbetreuung 33


Ausbaubedarf in Eschwege mit Nachbargemeinden

diskutieren: Insbesondere

in der Stadt Eschwege ist für die unter 3-Jährigen

ein Mehrbedarf an Einrichtungen bzw. an

Betreuungsplätzen vorhanden, der nicht in den

bestehenden Einrichtungen/Standorten gedeckt

werden kann. Der nach den vorliegenden Berechnungen

notwenige Ausbau an Versorgungskapazitäten

sollte mit den Nachbargemeinden

diskutiert werden. Hierbei ist zu prüfen, ob der

Ausbau in Eschwege über den ermittelten Bedarf

hinausgehen soll, um ggf. die Nachfrage aus den

Nachbargemeinden (wenn sich hierdurch eine

räumlich bessere Versorgung ergibt) teilweise mit

abzudecken.

Kommunen sensibilisieren: Die Ergebnisse

aus Szenarien und Modellrechnungen im Bereich

Kindertagesstätten und Krippen (Umwidmungsmöglichkeiten

und Ausbaubedarf) sollen allen

Städten und Gemeinden im WMK vorgestellt

bzw. übermittelt werden.

Umwidmungs- und Ausbauempfehlungen

lokal prüfen: Lokal sollen die Ergebnisse

geprüft werden und es soll diskutiert und entschieden

werden, ob den Handlungsempfehlungen

(Umwidmung und Ausbau) gefolgt wird. Die Kostenaufstellung

soll als Entscheidungsgrundlage für

Umwidmungen und ggf. neue Angebote dienen.

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• Witzenhäuser Familienhäuser (14)

1) Vgl. Pressemitteilung Nr. 427 des Statistischen Bundesamtes,

11.11.2009

2) Eine präzise Aussage zur Gesamtzahl der Betreuungsplätze ist deshalb

schwer zu treffen, weil sich mit jedem Betreuungsplatz für ein Kind mit

besonderem Integrationsbedarf aufgrund des besonderen Betreuungsbedarfs

die Gesamtkapazität der Einrichtung verringert.

3) Hierfür werden die Gesamtzahlen der 3-, 4- und 5-Jährigen herangezogen

und die Hälfte der 6-Jährigen (unter der Annahme, dass die andere

Hälfte dieses Jahrgangs in der ersten Jahreshälfte 6 Jahre alt wurde und

eingeschult wird).

4) Dies betrifft jedoch überwiegend Siedlungsbereiche, in denen ein recht

geringer Versorgungsbedarf (im Sinne von wenigen Kindern) besteht.

5)Auf Wunsch der Arbeitsgruppe erfolgt in den folgenden Diagrammen

keine Darstellung der Indikatoren zur Versorgungssituation in Witzenhausen.

6)Die Tagesbetreuungsplätze wurden nach Setzung der Arbeitsgruppe mit

der Hälfte ihrer Kapazität eingerechnet, da nicht für alle Kinder ein entsprechender

Platz gleichwertig zum institutionellen Angebot und damit

als gleichwertige Alternative empfunden wird.

7) Das Modell berücksichtigt die Möglichkeit, dass Kinder in Nachbargemeinden

in die Kita gehen. Der zugeordnete Versorgungsbedarf enthält

demnach auch die Kinder die in einer Nachbargemeinde einen Platz bekommen,

die Angaben zu Ausbaubedarf und Überkapazitäten enthalten

auch die Kinder, die aus Nachbargemeinden als Nachfragende „ankommen“.

8) Dabei wurde die Setzung getroffen, dass eine reine Elementargruppe

dann in eine altersgemischte Gruppe (15 Elementarkinder und 5 Krippenkinder)

umgewandelt wird, wenn zehn oder mehr Elementarplätze nicht

mehr benötigt werden und eine reine Elementargruppe in eine reine Krippengruppe

mit einer Maximalkapazität von 10 Plätzen umgewandelt wird,

wenn 25 Plätze nicht mehr benötigt werden eine altersgemischte Gruppe,

in der 15 Plätze im Elementarbereich nicht benötigt werden, in eine reine

Krippengruppe umgewandelt wird.

9) Erwartungsgemäß zeigt sich, dass die Anwendung der Zuordnungsvorschrift

– „Umwidmung mit dem Schlüssel 2:1, wenn 10 oder mehr Elementarplätze

,übrig’ sind“ – in Gemeinden, in denen auch ohnehin

Überkapazitäten im Elementarbereich bestehen (werden), weitere Überkapazitäten

produziert.

10) Bei der Kostenschätzung sind folgende Positionen berücksichtigt worden:

Personalkosten für eine sechsstündige Betreuung nach Hessischer

Mindestverordnung (MVO) in Höhe von insgesamt 72.000 €/Jahr (Krippe)

bzw. 64.000 €/Jahr (altersgemischte und reine Elementargruppen) Landeszuschüsse

(„Trägerausgleich“) für eine sechsstündige Betreuung pro

Kind in Höhe von 250 €/Monat (Krippe) bzw. 80 oder 160 €/Jahr (Elementarbereich

in kommunaler und nicht-kommunaler Trägerschaft) sowie

Elternbeiträge für eine sechsstündige Betreuung in Höhe von 125 € pro

Monat und Kind.

34 Kindertagesbetreuung


Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege

7.2 Senioren/innen, ambulante

und stationäre Pflege

Das Thema Senioren / ambulante und stationäre

Pflege wurde bereits während der Bewerbung ausgewählt

und in der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe

„Soziale Infrastrukturen“ bestätigt. (s. Kap. Infrastrukturauswahl).

Hintergründe für diese Entscheidung

waren

die erwartete Zunahme an älteren Personen und

damit eine erwartete Steigerung der Kosten für

ambulante und stationäre Pflege,

Unklarheiten, wie sich der Anteil häuslicher

Pflege künftig entwickeln wird und

ein vorhandener Mangel an hospizlicher Versorgung

(sowohl ambulant wie stationär).

Beim Thema Senioren/innen wurde der Schwerpunkt

auf die ambulante und stationäre Pflege gelegt. Hierbei

wurden folgende Zielsetzungen verfolgt:

Abschätzung, wie viele Menschen im Werra-

Meißner-Kreis voraussichtlich zukünftig Pflegedienstleistungen

in Anspruch nehmen werden.

Vermeidung weiterer größerer stationärer Einrichtungen

im Kreis, damit verbunden eine Entwicklung

von Alternativen (Zielsetzung des

Kreises und der Teilnehmer/innen).

Wunsch kleinerer Gemeinden nach dezentralen,

stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen

mit 10 bis 20 Plätzen im Sinne eines

Pflegemixes.

Unterstützung des Aufbaus von selbstorganisierten

Strukturen in den Kommunen (Ehrenamt

oder in Kombination mit Ehrenamtlichen) durch

den Kreis.

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege

35


Die Zielsetzungen wurden durch folgende

Fragestellungen konkretisiert:

Anzahl der in der Pflegestatistik erfassten Personen (WMK)

Wie können im Sinne eines Altenhilfemixes/Pflegemixes

mehr ambulante,

teilstationäre und

ehrenamtliche Hilfestrukturen

kombiniert werden (statt der stationären

Einrichtungen)?

Welche Art an Leistungen kann

dabei erbracht werden?

An welchen Orten (dezentral)

kann die Leistung erbracht

werden?

Wie können Strukturen geschaffen

werden, damit ältere Menschen

möglichst lange zu Hause leben

können (Voraussetzung ist eine

Kombination verschiedener

Angebote)?

Wie können mehr Leistungen

teilstationärer und dezentraler Pflege im Kreis

bzw. den Gemeinden angeboten werden?

Welche Formen der Betreuung können nach oder

neben einer professionellen Betreuung durch

Pflegekräfte erbracht werden?

Abb. 1: Anzahl der in der Pflegestatistik des WMK erfassten Personen

nach Altersklassen und Leistungsart (Stand: 15.12.2007)

(Quelle: Berechnungen auf Basis der Pflegestatistik des Kreises,

GGR 2011)

Im Rahmen der Erarbeitung des Masterplans Werra-

Meißner-Kreis konnten nicht alle gestellten Fragen

beantwortet werden. Das Thema wird auch in Zukunft

mit hoher Priorität weiter bearbeitet werden.

Bereits heute gibt es im Werra-Meißner-Kreis verschiedene

Angebote im stationären, teilstationären,

ambulanten und ehrenamtlichen Bereich. Vereinzelt

gibt es Wohnprojekte, die eine Kombination verschiedener

Hilfeleistungen anbieten. Außerdem gibt

es erste Modellprojekte mit Kombinationen verschiedener

Hilfeleistungen. Insgesamt gibt es viele

Ideen, die aber noch in zu geringer Anzahl praktisch

umgesetzt werden (s.u.).

Anzahl der in der Pflegestatistik erfassten Personen (WMK)

Die folgenden Ausführungen sind

eine gekürzte Fassung der Dokumentation

der Modellrechnungen und

Analysen im Masterplan-Prozess des

Werra-Meißner-Kreises, die vom Büro

GGR aus Hamburg, erstellt wurde

(Stand Jan. 2011).

Aktueller Pflegebedarf

In der Pflegestatistik des Werra-Meißner-Kreises

ist die Anzahl der Menschen

mit Pflegebedarf erfasst (Stand:

15.12.2007). Hierbei wird nach Altersklassen,

Leistungsart (ambulant, stationär,

Pflegegeldbezug) und Pflegestufe

differenziert (vgl. Abbildung 1 und 2).

Abb. 2: Anzahl der in der Pflegestatistik des WMK erfassten Personen

nach Altersklassen und Pflegestufe (Stand: 15.12.2007)

(Quelle: Berechnungen auf Basis der Pflegestatistik des Kreises,

GGR 2011)

Erwartungsgemäß steigt der Anteil der

in der Pflegestatistik erfassten Personen

an der Gesamtbevölkerung (Pflegebedarfsquote)

mit zunehmendem

Alter sehr stark an: Die Pflegebedarfsquote

liegt bei den unter 70 bis 75-

36

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege


Jährigen noch bei unter 10 Prozent,

steigt dann kontinuierlich an und liegt

bei den 80 bis 85-Jährigen bereits bei

50 Prozent. In der Altersklasse der

über 90-Jährigen liegt sie bei über 80

Prozent. In allen Altersklassen ist die

Pflegebedarfsquote bei den Frauen

leicht höher als bei den Männern.

Entsprechende Auswertungen liegen

auch differenziert nach Leistungsarten

und Pflegestufen vor.

Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt

Abb. 3: Trendszenario: Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen

insgesamt

Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen nach Pflegestufe

+25% in den nächsten 10

Jahren (Pflegest. 3)

Abb. 4: Trendszenario: Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen

nach Pflegestufe (2009 = 100 %)

Vorausschätzung des zukünftigen

Pflegebedarfes:

Trendszenario

Mit Hilfe der Pflegebedarfsquoten und

der ebenfalls nach Alter und Geschlecht

differenzierten Bevölkerungsprognose

für den Werra-Meißner-Kreis

(s. Kap. 6 Bevölkerungsentwicklung

und -prognose) kann die künftige Anzahl

der Menschen mit Pflegebedarf vorausgeschätzt

werden. Im Rahmen des Trendszenarios wird dabei

davon ausgegangen, dass die Pflegebedarfsquoten

nach Alter, Geschlecht, Leistungsart und Pflegestufe

konstant bleiben. Unter diesen Annahmen würde die

Zahl der Menschen mit Pflegebedarf von 5.000 im

Jahr 2009 auf ca. 6.000 im Jahr 2019 steigen (vgl. Abbildung

3), das entspricht einer Zunahme um insgesamt

20 %.

Die Auswertung nach Pflegestufen ergibt im Trendszenario

starke Anstiege im Bereich der Pflegebedürftigen

der Pflegestufen II und III (jeweils um 25 %

bis 2019); der Anstieg bei Pflegestufe I liegt leicht

darunter (vgl. Abbildung 4). Im Ergebnis steigt demnach

nicht nur die Anzahl der Pflegebedürftigen

insgesamt an, sondern

auch der Anteil der Personen mit

hoher und höchster Pflegebedürftigkeit

an den Pflegebedürftigen insgesamt

steigt an.

Bis 2019 steigt der Bedarf im stationären

Sektor am deutlichsten(+ 30 %),

im ambulanten Bereich liegt die Steigerung

bei 25 % und beim Pflegegeldbezug

bei 15 % (vgl. Abbildung 5).

Rückläufiges häusliches

Pflegepotenzial:

Alternativszenario

Während sich die Bereitstellung von

Pflegedienstleistungen im Bereich professioneller

stationärer und ambulanter

Angebote vor allem an

Finanzierung und Finanzierbarkeit orientieren,

stellt sich für den Bereich der

privaten häuslichen Pflege durch Angehörige,

insbesondere unter den Bedingungen rückläufiger

Bevölkerungszahlen die Frage, wer diese

Leistungen zukünftig übernehmen soll. Das Alternativszenario

berücksichtigt daher die Entwicklung der

Möglichkeiten privater häuslicher Pflege unter den

Bedingungen des demografischen Wandels. Die

häusliche Pflege wird hauptsächlich von Frauen ab

45 Jahren übernommen (vgl. Untersuchungen der

häuslichen Pflegestatistik auf Bundesebene – Dokumentation

GGR 2011). Sinken die Möglichkeiten privater

häuslicher Pflege durch Angehörige, steigen die

Anforderungen an professionelle Pflegedienstleistungen.

1 Im Werra-Meißner-Kreis wurden Ende

2007 rund 2.800 Menschen von Angehörigen ge-

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege 37


Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen nach Pflegeform

+30% in den nächsten 10

Jahren (stationär)

Abb. 5: Trendszenario: Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen

nach Leistungsart (2009 = 100 %)

Szenario 2: Entwicklung der Pflegebedürftigen nach Pflegeform

pflegt. Aufgrund von Forschungsarbeiten 2 lässt sich

der Anteil der in der häuslichen Pflege tätigen Personen

nach Geschlecht und Alter schätzen.

Auf Basis dieser allgemeinen Schätzungen und der

Bevölkerungsprognose für den Werra-Meißner-Kreis

ist eine Vorausschätzung der Anzahl der zukünftig in

häuslicher Pflege durch Angehörige zu versorgenden

Menschen möglich. Aufgrund der demografischen

Entwicklung wird es demnach kurzfristig nur zu

einem geringen, langfristig jedoch – bei unveränderten

Quoten – zu einem deutlichen Rückgang des

Pflegepotenzials durch häusliche Pflege kommen: Im

Jahr 2008 wurden 2.842 Menschen durch private

häusliche Pflege versorgt, der Prognose folgend werden

es im Jahr 2019 noch 2.741 Menschen

sein und im Jahr 2034 nur noch

2.327 Menschen (was einem Rückgang

um ca. 20 % entspricht). Da parallel

die Anzahl der Pflegebedürftigen

steigen wird, wird sich der Anteil der

durch private häusliche Pflege zu versorgenden

Personen an allen Pflegebedürftigen

deutlich verringern.

Dadurch erhöhen sich die Anforderungen

an die professionellen Pflegeangebote.

In der Arbeitsgruppe

wurde folgende Zuordnung für die

Menschen, die nicht mehr in häuslicher

Pflege versorgt werden können,

für die weiteren Modellrechnungen

festgelegt:

Pflegegeldbezug, Pflegestufe I und II

=> ambul. Pflege, Pflegestufe I und II

Pflegegeldbezug, Pflegestufe III

=> station. Pflege, Pflegestufe III

Quantitativ wird sich dies überwiegend

im Bereich der ambulanten professionellen

Pflegeangebote auswirken und

weniger im Bereich der stationären

Pflege, da Menschen mit Pflegestufe III

nur selten in privater häuslicher Pflege

versorgt werden (vgl. Abbildung 6 im

Vergleich zu Abbildung 5).

Zusammenfassung

Insgesamt ergeben die Modellrechnungen

demnach folgendes Bild:

Rückgang häusliche Pflege

Bei konstanten Pflegewahrscheinlichkeiten

muss mit einem deutlichen Anstieg

der Pflegebedürftigen im Werra-

Meißner-Kreis gerechnet werden.

Abb. 6: Alternativszenario „Rückläufiges häusliches Pflegepotenzial“:

Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen nach Leistungsart

(2009 = 100 %).

Am deutlichsten steigt der Anteil im

stationären Bereich an, wenn die

Quoten von 2007 fortgeschrieben

werden. Der Modellrechnung zufolge

sind die heutigen Kapazitäten der stationären

Dauerpflege voraussichtlich im Jahr 2014 erschöpft

(vgl. Abbildung 7). Sollen diese Menschen

zukünftig stärker durch dezentrale

ambulante Pflegeangebote versorgt werden,

müssen auch hier die Kapazitäten untersucht und

ggf. entsprechend angepasst werden.

Der Anteil der Personen mit hoher und höchster

Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe II und III) an

den Pflegebedürftigen insgesamt wird ansteigen.

Werden die Auswirkungen der demografischen

Entwicklung auf das Pflegepotenzial durch Ange-

38

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege


hörige berücksichtigt, erhöhen sich aufgrund des

Rückganges dieses Pflegepotenzials vor allem die

Anforderungen an professionelle ambulante Pflegedienstleistungen.

Kostenschätzung „Hilfen zur Pflege“

Eine Erhöhung der Anzahl der Pflegebedürftigen bedeuten

nicht nur die Notwendigkeiten der Anpassung

von Angeboten und Kapazitätssteigerungen

vor allem im teilstationären und ambulanten Bereich,

sondern auch Kostensteigerungen: Personen

mit Pflegebedarf, die diesen nicht selbst finanzieren

können, erhalten gemäß den Regelungen des SGB

XII (§§ 61 ff.) „Hilfen zur Pflege“. Die Zunahme der

Anzahl der pflegebedürftigen Menschen führt – bei

konstanten Quoten – dazu, dass auch die Anzahl

derjenigen, die „Hilfe zur Pflege“ beziehen, ansteigt.

Die Finanzierung erfolgt in Hessen über die Landkreise

und kreisfreien Städte. Die Kostensätze pro

Person, die „Hilfen zur Pflege“ bezieht, wurden aus

den tatsächlichen Kosten des Kreises der vergangenen

Jahre hergeleitet und als Basis für die Kostenschätzungen

verwendet:

6.366 € pro Person und Jahr

außerhalb von Einrichtungen

7.239 € pro Person und Jahr

in Einrichtungen (Pflegestufe I)

8.057 € pro Person und Jahr

in Einrichtungen (Pflegestufe II)

10.570 € pro Person und Jahr

in Einrichtungen (Pflegestufe III)

zum Jahr 2034 sind die Kosten dann aufgrund des

Rückgangs der älteren Bevölkerung leicht rückläufig

(vgl. Abbildung 8). Der Unterschied zwischen den

beiden Szenarien ist dabei im Lauf der Jahre ansteigend,

bleibt jedoch insgesamt – bezogen auf die Gesamtkosten

– relativ niedrig. Er liegt im Jahr 2014 bei

10.731 Euro und steigt bis zum Jahr 2034 auf

148.242 Euro an. Dies erklärt sich dadurch, das der

überwiegende Teil der Menschen, die im Szenario 2

statt in häuslicher Pflege in professioneller Pflege betreut

werden, ambulant versorgt wird und die Sätze

für „Hilfe zur Pflege“ für private wie professionelle

ambulante Pflege gleich hoch sind.

Die Mehrbelastung für den Kreis für die wenigen

Menschen, die statt in häuslicher Pflege stationär betreut

werden müssen (Pflegestufe III), liegt pro Person

bei ca. 4.200 Euro.

Exkurs: Entwicklung der Anzahl der

Demenzkranken

Die Entwicklung der Anzahl der Demenzkranken im

Werra-Meißner-Kreis wurde auf Grundlage der Bevölkerungsprognose

für den Kreis und von Demenzquoten

nach Altersklassen vorausgeschätzt. Die

Demenzquoten wurden vom Kreis zur Verfügung gestellt

(Datengrundlage: Deutsche Alzheimer Gesellschaft).

Mit zunehmendem Alter steigt die

Demenzquote stark an: Sie liegt bei den 65 bis unter

70-Jährigen bei unter zwei Prozent, bei den 80 bis

unter 85-Jährigen bei ca. 13 Prozent und bei den

über 90-Jährigen bei 35 Prozent.

Bezogen auf den Werra-Meißner-Kreis bedeutet dies

eine Zunahme der Demenzkranken von ca. 1.800 im

Der Anteil der Pflegebedürftigen, die

„Hilfen zur Pflege“ beziehen, ist vor

allem in stationären Einrichtungen

hoch, da die Pflegekosten hier besonders

hoch sind und deshalb viele Menschen

zusätzlich auf „Hilfen zur Pflege“

angewiesen sind. Außerhalb von Einrichtungen

liegt der Anteil der Empfänger/innen

von „Hilfe zur Pflege“ in allen

drei Pflegestufen bei unter einem Prozent,

innerhalb von Einrichtungen liegt

dieser Anteil zwischen 19,3 % (Pflegestufe

I) und 35,6 % (Pflegestufe III).

In beiden Szenarien (Trendszenario und

Alternativszenario „Rückläufiges häusliches

Pflegepotenzial“) erhöhen sich

die Kosten für die „Hilfen zur Pflege“.

Im Trendszenario steigen die Kosten

von 2,97 Mio. Euro im Jahr 2009 auf

4,02 Mio. Euro im Jahr 2029; das entspricht

einer Erhöhung um ca. 35 %. Bis

Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen (stationäre Dauerpflege)

Abb. 7: Entwicklung de Anzahl der Pflegebedürftigen in der stationären

Dauerpflege und bestehende Kapazitäten (gestrichelte Linie) entsprechend

dem Trendszenario

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege 39


Szenarienvergleich: Kosten für „Hilfen zur Pflege“ pro Jahr

Abb. 8: Gesamtkosten für „Hilfen zur Pflege“ in Mio. Euro pro Jahr

im Trendszenario (Szenario 1) und im Alternativszenario „Rückläufiges

häusliches Pflegepotenzial“ (Szenario 2)

Jahr 2009 auf ca. 2.500 Menschen im Jahr 2024 mit

einer anschließenden Stabilisierung bis 2034 auf diesem

Niveau.

Grobschätzung künftiger Nachfrage

auf kommunaler Ebene

Auf Wunsch der Arbeitsgruppe wurde eine Schätzung

der künftigen Nachfrage auf kommunaler Ebene vorgenommen,

da sie für die zukünftig notwendigen

Maßnahmen eine wichtige Orientierung ist.

Das Ziel der Arbeitsgruppe war und ist, möglichst

Modelle eines Altenhilfemixes/Pflegemixes in Kombination

von ambulanter, teilstationärer und stationärer

Pflege und in Kombination von ehrenamtlicher,

teilprofessioneller und professionellen Angeboten zu

kombinieren. Als erster Schritt zum Verdeutlichung

des künftigen Nachfragepotentials in den Städten

und Gemeinden des Werra-Meißner-Kreises und um

deutlich zu machen, dass es Chancen für Initiierung

und Umsetzung lokaler Projekte gibt (s. gute Beispiele),

wurden eine Bevölkerungsprognose der über

60-Jährigen auf Gemeinde- ebene erstellt (s. Abbildung

9).

Wenn die Pflegequoten des Werra-Meißner-Kreises

auf die Gemeinden übertragen werden, so würde sich

folgende Nachfrage ergeben (s. Abb. 10).

Hierbei handelt es sich nicht um eine Prognose sondern

um eine grobe Schätzung. Die Werte sollen lediglich

verdeutlichen, dass in allen Städten und

Gemeinden des Kreises ein Nachfragepotential vorhanden

ist. Ob es jeweils lokale Möglichkeiten gibt,

diese Nachfrage auch lokal zu befriedigen, muss im

Einzelfall geprüft werden.

Praxisbeispiele für kleinräumige

Konzepte und Angebote

An verschiedenen Stellen sind kleinräumige

dezentrale Einrichtungen entstanden

oder Prozesse initiiert

worden, die den oben genannten Zielen

entsprechen: Vermeidung großer

stationärer Einrichtungen, dem

Wunsch, möglichst dezentrale Einrichtungen

in Form eines Altenhilfe- und

Pflegemixes zu initiieren und der Aufbau

selbstorganisierter Strukturen

sowie die stärkere Vorsorge, damit

Personen erst später Pflegebedürftig

werden. Generell gilt, dass es allgemeingültige

Konzepte und Ansätze

nicht gibt, da jedes Beispiel an spezifischen

lokalen Bedingungen und der

jeweils unterschiedlichen lokalen Unterstützung

anknüpfen muss. Nachfolgend

sind einige im Arbeitskreis

diskutierte Beispiele aufgeführt, die

zeigen sollen, dass es neue Angebotsformen,

alternative Konzepte und teilweise geänderte

Vorgehensweisen gibt. Die Auflistung hat

keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll im

Sinne von Anregungen einzelne beispielhafte Ansätze

und Projekte darstellen.

Nachfolgend aufgeführt sind ein Projekt in Eichstetten,

bei dem ein multifunktionales Dienstleistungs-,

Wohn- und Pflegeprojekt eröffnet wurde, ein Projekt

in Zierenberg, das beispielhaft Ansätze von Beteiligung

und Projektinitiierung zeigt, ein Projekt im

Ringgau, bei dem ein umfassender lokaler Beteiligungsprozess

initiiert wurde und zu einer Reihe von

Projekten führt und führte, ein Quartiersprojekt in

Eschwege, bei dem u.a. der barrierefreie Umbau von

Wohnungen geplant ist und ein virtuelles Netzwerk

aus Rheinland-Pfalz.

„Bürger, Kommunen, Eichstetten

- Ein Dorf übernimmt den

Generationenvertrag“

- Gemeinde Eichstetten mit ca. 3.300 Einwohner/

innen, Breisgau-Hochschwarzwald: Das Konzept des

Vereins in Eichstetten besteht im Einzelnen aus folgenden

Bausteinen: Pflegewohngruppe, Betreutes

Wohnen, Tagesbetreuungsgruppen, Alltagsbegleitung,

Sozialstation, Bürgerbüro. Insgesamt sind 17 barrierefreie

Wohnungen, 2 Wohnungen für junge Familien/Paare,

Gemeinschaftsräume und ein Bürgerbüro

eingerichtet worden, sowie verschiedene Dienstleistungen

(Arztpraxis, Geschäfte, Sparkasse und Bistro).

Das Projekt wird als Mix aus ehrenamtlichem Engagement

in Kombination mit Honorartätigkeiten sowie

durch hauptamtliche Pflegekräfte betrieben. Von der

Idee, über die Vereinsgründung bis zur Realisierung

verging ein Zeitraum von fünf Jahren.

40 Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege


Das Projekt „Älter werden

– Mut zum Alter“

Entwicklung der Anzahl der 60-Jährigen und Älteren 2009-2034

in Zierenberg ist der Start eines im Jahr

2009 begonnen umfangreichen Beteiligungs-

und Aktivierungsprozesses zur

aktiven Gestaltung, Planung und Umsetzung

konkreter Projekte. Dabei werden

verschiedene Ansätze miteinander

kombiniert: die Einrichtung eines runden

Tisches aus Bürger/innen, Kirchenvorstand

und Pfarrerin, dem

Bürgermeister sowie des Diakonischen

Werkes, die Einrichtung einer Zukunftskommission

sowie die Einführung von

zwei Arbeitsgruppen zu den Themen

„Soziales“ und „Stadtentwicklung“.

Hieraus sind erste Projekte umgesetzt

worden, so wurde eine „Nachbarschaftshilfe“

im Juni 2010 gestartet, die

regelmäßig im Rathaus an zwei Tagen

die Woche erreichbar ist und das Projekt

„Großelternpatenschaft“ wurde mit

einem ersten Treffen von „Großeltern“ und „Eltern“ gestartet.

Außerdem soll mittelfristig ein offener Treffpunkt

eingerichtet werden, für den noch geeignete

Räumlichkeiten gesucht werden.

Zukunft gestalten

– älter werden in unseren Dörfern“

in der Gemeinde Ringgau: Kern des Projekts war ein

offener Planungsprozess mit älteren Personen zu Fragen

des demografischen Wandels – Was passiert mit

den Infrastrukturen (Arzt, Einkaufen,…) wenn wir

immer weniger werden. Die Ergebnisse dieses in allen

Ortsteilen durchgeführten Beteiligungsprozesses sind

in einer Zunahme bürgerschaftlichen und nachbarschaftlichen

Engagements, der Stärkung der lokalen

Einrichtungen und der konkreten Umsetzung von Projekten

zu sehen. Zu den Projekten gehörten konkrete

Maßnahmen zur barrierefreien Umgestaltung öffentlicher

Räume und neue Angebote, wie ein lokales Kino.

Darüber hinaus hat u.a. das lokale Engagement dazu

geführt, dass der Verein Aufwind e.V. im Jahr 2010 den

„marktwert“ Datterode in Form eines multifunktionalen

Nahversorgungszentrums eröffnet hat, denn die

Verantwortlichen für den marktwert haben nicht nur

die Gesamteinwohnerzahl berücksichtigt, sondern vor

allem das lokale Engagement und die Unterstützung

durch die Bevölkerung und Schlüsselakteure als Voraussetzung

angesehen, die Einrichtung zu eröffnen.

Im Projekt „Wohnen im Alter

auf dem Heuberg“

sollen drei Schwerpunkte umgesetzt werden: Wohnen,

Pflege und Soziales. Der Stadtteil Heuberg in

Eschwege ist durch Geschosswohnungsbauten geprägt,

die bedarfsgerecht an die Bedürfnisse der älter

Abb. 9: Entwicklung der Anzahl der 60-Jährigen und Älteren

2009-2034

werdenden Bevölkerung angepasst werden sollen.

Weiterhin ist eine Vernetzung ambulanter und stationärer

Angebote unter Einbeziehung nachbarschaftlicher/bürgerschaftlicher

Hilfen vorgesehen. Als

dritter Schwerpunkt soll ein Netzwerk von hauptund

ehrenamtlichen Personen zu Verbesserung der

sozialen und kulturellen Infrastrukturen und damit

der Verbesserung der Lebensqualität im Quartier entwickelt

und umgesetzt werden.

Das Beispiel des virtuellen Netzwerkes der Senioren-

Wohngemeinschaft Külz in Rheinland-Pfalz zeigt einen

Ansatz, bei dem Kommunikation im Mittelpunkt steht.

In der Gemeinde mit knapp über 500 Einwohner/innen

wurde eine Internet-Plattform entwickelt, die barrierefrei

ist und ein Forum für den Austausch, Fragen und

Hilfen bietet. Folgende Hilfen werden angeboten: Beaufsichtigung

des Hauses bei Abwesenheit, Versorgung

von Tieren, Hilfe bei Einkäufen, Besuch bei Erkrankung,

Ernten von Gartenfrüchten bei Abwesenheit, Fahrten

zu Arzt oder Behörden und gemeinsame Nutzung von

Geräten. Parallel wurde auch ein persönlicher Treffpunkt

eingerichtet, in dem regelmäßig Veranstaltungen

wie z.B. ein „Seniorenstammtisch“ oder „Lesenächte“

stattfinden.

Zusammengefasste Handlungsempfehlungen

der Arbeitsgruppe für den Bereich

Senioren/innen, ambulante,

teilstationäre und stationäre Pflege

Vor dem Hintergrund einer steigenden Anzahl von

Personen mit Pflegebedarf und den damit verbundenen

deutlichen Kostensteigerungen für den Kreis bei

der Finanzierung der „Hilfen zur Pflege“ kommt die

Arbeitsgruppe zu folgenden Handlungsempfehlungen.

Die Entwicklung einer Gesamtstrategie zum Thema

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege

41


Altenhilfe und Senioren als gemeinsame

Aufgabe von Kreis und Kommunen

sowie öffentlicher und privater

Akteure ist das übergeordnete Ziel der

Arbeitsgruppe. Dabei sind vor dem

Hintergrund der zu erwartenden Entwicklungen

die Bereiche der Vorsorge,

bürgerschaftliches und ehrenamtliches

Engagement genauso wie verschiedenen

Kombinationen mit professionellen

Angeboten zu berücksichtigen.

Hierbei gilt, dass spezifische lokale Ansätze

und Lösungen entwickelt werden

müssen, die die individuellen

Bedürfnisse genauso wie die spezifischen

Potentiale der Bewohner/innen

berücksichtigen.

Als erste Schritte

sind zu nennen:

Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen 2009-2034*

* Die Ergebnisse sind unter der

Annahme kreisweit einheitlicher

alters- und geschlechtsabhängiger

Pflegequoten zustande gekommen.

Abb. 10: Schätzung der Anzahl der Pflegebedürftigen 2009-2034

Kommunen sensibilisieren:

Allen Städten und Gemeinden sollen die Daten

und Angaben über die prognostizierte Anzahl an

Personen über 60 Jahre sowie die geschätzte

(Kreisdurchschnitt) Pflegenachfrage durch Vertreter/innen

des Fachdienstes Sozialplanung der

Kreisverwaltung vorgestellt werden.

Lokale Prozesse initiieren: Es sollen lokale

Prozesse initiiert werden, um bürgerschaftliches

und ehrenamtliches Engagement zu initiieren und

zu prüfen, ob und welche dezentrale Einrichtungen

und Angebote im Sinne einer Gesamtstrategie

aus Altenhilfe- und Pflegemix realisiert

werden können.

Gute Beispiele sollen die Gesamtstrategie

verdeutlichen. Diese sollen in verschiedenen Veranstaltungen

präsentiert werden und ggf. sollen

Exkursionen angeregt und durchgeführt werden.

Die Beispiele sind als Anregung zu verstehen und

es ist lokal zu prüfen, ob ähnliche Projekte initiiert

werden können.

Dabei sollten folgende Ansatzpunkte beachtet werden:

Die Initiierung von Pflegewohngruppen und die

Schaffung von barrierefreien Wohnungen werden

als eine mögliche Alternative zu stationären Einrichtungen

betrachtet. Im Zuge der Konzeptentwicklung

ist zu prüfen, ob und wo Pflegewohngruppen

bzw. barrierefreie Wohnungen eingerichtet

/ geschaffen werden können.

Unklar ist, ob auch das hierfür notwenige Pflegepersonal

(Stichwort Fachkräftemangel) in den

Einrichtungen bzw. bei den ambulanten Pflegediensten

vorhanden ist. Dies wurde jedoch nicht

im Rahmen des Masterplans erhoben, sondern es

ging darum, die künftige Nachfrage abzuschätzen.

Dies kann und sollte als Thema bei Verstetigungsprozessen

berücksichtigt werden.

Die potentielle Nachfrage für Alten-Wohngemeinschaften

wurde von den Teilnehmer/innen

der Arbeitsgruppe zurzeit als gering eingeschätzt.

Allerdings wurde auch deutlich, dass es in absehbarer

Zeit eine Nachfrage geben wird. Allerdings

wollten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe weder

eine Einschätzung über die Höhe des Potentials

noch über die verschiedenen Arten der Wohnformen

wagen. Es sollen im Rahmen der Entwicklung

einer Gesamtstrategie geprüft werden, ob,

in welcher Form und wo Alten-Wohngemeinschaft

eingerichtet werden können.

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• Nachbarschaftsgarten für alle (3)

• Schloss Ermschwerd – Haus der Generationen (6)

• FamilienZentrum für Jung und Alt (8)

• Dorfmittelpunkt für Jung und Alt (11)

1) In den Annahmen zum künftigen häuslichen Pflegepotenzial sind die

wirtschaftlichen Entwicklungen und damit die Anzahl der Beschäftigten

nicht mit berücksichtigt worden. Obwohl ein eindeutiger Zusammenhang

zwischen dem häuslichen Pflegepotenzial und der Anzahl der Personen

ohne Erwerbsarbeit besteht (geringere Arbeitslosigkeit bedeuten auch geringeres

häusliches Pflegepotenzial) wurden aus Gründen der hohen Unsicherheit

von Wirtschafts- und Beschäftigungsprognosen diese Annahmen

nicht berücksichtigt.

2) Pochobradsky, Elisabeth et. al. (2005): Situation pflegender Angehöriger.

Endbericht. Im Auftrag des Bundesministeriums für soziale Sicherheit,

Generationen und Konsumentenschutz. Wien/Österreich sowie Meyer,

Martha (2006): Pflegende Angehörige in Deutschland. Überblick über den

derzeitigen Stand und zukünftige Entwicklungen. LIT Verlag: Berlin, Münster,

Wien, Zürich, London.

42

Senioren/innen, ambulante und stationäre Pflege


Gesundheit

7.3. Gesundheit

Das Thema Gesundheit wurde in der ersten Sitzung

der Arbeitsgruppe „Soziale Infrastrukturen“ neu mit

aufgenommen (s. Kap. Infrastrukturauswahl). Hintergründe

für diese Entscheidung waren:

Ein hoher Handlungsbedarf, da schon im Frühjahr

2009 auf dem Fachvortrag des Regionalforums

von Vertreter/innen aus Politik und Verwaltung

von Kreis und Kommunen, des VfR, der Ärzteschaft,

der Kassenärztlichen Vereinigung (KV)

und interessierten Personen der künftige Ärztemangel

Thema war, ohne dass konkrete Lösungen

entwickelt werden konnten.

Die Tatsache, dass lt. Berechnungen der KV (Anzahl

der Ärzte in Relation zu den Einwohnern auf

Kreisebene) eine gute Versorgungssituation besteht

und somit, trotz aktuell vorhandener Engpässe

in der Versorgung, die KV keine

Handlungsnotwendigkeit sieht.

Eine notwendige Stärkung der Position des Kreises

bei Verhandlungen mit der KV durch die Erarbeitung

konkreter Zahlen über die absehbaren

Versorgungslücken im Kreis.

Das übergeordnete Ziel einer wohnortnahen Versorgung

mit hausärztlichen Leistungen für alle

Bewohner/innen des Kreises. Damit wird die

kreisweite Berechnung der Anzahl der Ärzte je

Einwohner/innen, wie sie die KV als Grundlage

vorsieht, als unzureichend angesehen.

Beim Thema Gesundheit wurde der Schwerpunkt auf

die hausärztliche Versorgung gelegt. Hierbei wurden

folgende Zielsetzungen verfolgt:

Erstellung einer Übersicht über die aktuelle Versorgungssituation

der Bevölkerung mit Hausärzten.

Untersucht werden sollte zum einen die

Pkw-Erreichbarkeit, zum anderen die Erreichbarkeit

zu Fuß und mit ÖPNV.

Gesundheit 43


Erstellung einer Prognose über den Wiederbesetzungsbedarf

bestehender Praxen vor dem Hintergrund

der Altersstruktur der heute

praktizierenden Ärzte.

Erstellung einer Prognose über die künftige

Nachfrage (wie verhält sich die Nachfrage nach

ärztlichen Leistungen in Abhängigkeit von der

„Alterung der Bevölkerung“).

Die folgenden Ausführungen sind eine gekürzte

Fassung der Dokumentation der Modellrechnungen

und Analysen im Masterplan-Prozess des Werra-

Meißner-Kreises, die vom Büro GGR aus Hamburg,

erstellt wurde (Stand Jan. 2011).

Im Werra-Meißner-Kreis sind derzeit 88 Mediziner/innen

an 64 Standorten hausärztlich tätig (Allgemein-,

Haus- und praktische Ärzte sowie

hausärztliche Internisten). Hinzu kommen vier Kinderärzte

an drei Standorten (in Eschwege, Witzenhausen

und Herleshausen). Auch Arztpraxen

außerhalb des Kreises, die Leistungen für Bewohner/innen

des Werra-Meißner-Kreises erbringen,

wurden berücksichtigt.

Bei der Versorgung der Bevölkerung mit hausärztlichen

Leistungen kommt insbesondere der Wohnortnähe

des Versorgungsangebotes eine entscheidende

Bedeutung zu. Daher sind im Rahmen des Projektes

Auswertungen der räumlichen Zugänglichkeit der

Standorte hausärztlicher Versorgung mit Hilfe von Erreichbarkeitsmodellen

vorgenommen worden. Unabhängig

von der Kapazität der Arztsitze (also der

Anzahl der zu behandelnden Patient/innen) wurde

im Modell davon ausgegangen, dass der jeweils

nächstgelegene Arzt aufgesucht wird. Es konnten leider

keine Daten der KV-Hessen zu Kapazitäten zur

Verfügung gestellt werden.

Erreichbarkeit eines Standortes

mit hausärztlicher Versorgung

Unter 5 Minuten

5 bis


Im gewählten Beispiel ist es für rund

ein Drittel der Bewohner/innen des

Kreises innerhalb von 10 Minuten

möglich, den eigenen Wohnort zu erreichen.

Etwa 60 % gelingt dies innerhalb

von 30, rund zwei Dritteln der

Kreisbevölkerung innerhalb von

45 Minuten. Im ausgewählten Beispiel

verfügen etwa 17 % der Kreisbevölkerung

über keine Verbindung. Erwartungsgemäß

ist die aktuelle

Erreichbarkeit eines Hausarztstandortes

mit dem ÖPNV und zu Fuß

schlechter als mit dem Pkw.

Altersstruktur der Hausärztinnen

und -ärzte und Wiederbesetzungsbedarf

Rund ein Viertel der Mediziner/innen

ist 60 Jahre und älter (Stand: 2009); d.

h. ein Viertel der Ärzte/innen wird in

den nächsten Jahren aus Altersgründen

ausscheiden. Insbesondere vor

dem Hintergrund, dass die Nachbesetzung von freiwerdenden

Standorten durch junge Mediziner/innen

gerade in ländlichen Regionen häufig schwierig ist,

stellt sich hier eine große Herausforderung. Abb. 3

zeigt die heutige Altersstruktur der Hausärzte/innen.

Unter der – recht optimistischen – Annahme, dass

die Ärzte/innen bis zum Alter von 67 Jahren praktizieren,

müssten zum Erhalt des Status quo bis zum

Jahr 2014 neun Praxen wiederbesetzt werden. Schon

bis zum Jahr 2019 erhöht sich der Wiederbesetzungsbedarf

auf 35 Praxen, im Jahr 2024 sind es 47

Praxen, d. h. über die Hälfte des heutigen Bestandes

im Kreis.

Abschätzung der Entwicklung des

hausärztlichen Versorgungsbedarfes

Rückweg:

Früheste Ankunft bei

Abfahrt ab 11h

Für eine Beurteilung des zukünftigen Versorgungssituation

muss neben der Angebotsseite (= Standorte

hausärztlicher Versorgungsangebote) auch die Nachfrageseite

berücksichtigt werden. Diese wird wesentlich

durch die demografische Entwicklung

geprägt. Neben einem generellen Bevölkerungsrückgang

im Werra-Meißner-Kreis (vgl. Kapitel 6 Bevölkerungsprognose)

ist dabei gerade in Bezug auf die

Nachfrage nach hausärztlicher Versorgung die steigende

Zahl älterer und alter Menschen zu berücksichtigen:

Die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme hausärztlicher

Leistungen steigt mit zunehmendem Alter

grundsätzlich an.1 Dies führt im Ergebnis im Werra-

Meißner-Kreis dazu, dass die Nachfrage nach hausärztlicher

Versorgung nicht im gleichen Maß

zurückgehen wird wie die Anzahl der Gesamtbevölkerung.

Abbildung 4 stellt diese Entwicklung dar.

vor 11:15h

11:15h bis 11:30h

11:30h bis 11:45h

11:45h bis 12:00h

nach 12:00h

Keine Verbindung

Wegezeit ÖPNV und zu Fuß

vom am schnellsten zu

erreichenden

Hausarztstandort

Hausarztstandorte

(ohne Standorte in

Nachbarkreisen)

Abb. 2: Wegezeit ÖPNV und zu Fuß vom am schnellsten zu erreichenden

Hausarztstandort (Früheste Ankunft bei Abfahrt in der

Praxis ab 11 Uhr)

Schlussfolgerungen:

Rahmenbedingungen für die zukünftige

hausärztliche Versorgungsqualität

Für den Werra-Meißner-Kreis könnte sich also in den

kommenden Jahren folgende Herausforderung ergeben:

Zahlreiche Hausärzte treten in den altersbedingten

Ruhestand ein. Dies wird dazu führen, dass

für verschiedene Praxisstandorte Nachfolgeregelungen

gefunden werden müssen.

Gleichzeitig bestehen schon heute Schwierigkeiten,

junge Mediziner für ländliche Regionen mit

ausgeprägten durch die demografischen Entwicklungen

verursachten Herausforderungen zu gewinnen.

Es muss also davon ausgegangen werden,

dass nicht alle Praxisstandorte mit sofortiger Wirkung

wiederbesetzt werden können. Es steht vielmehr

zu befürchten, dass einzelnen Praxen auch

längerfristig unbesetzt bleiben könnten.

Der hausärztliche Versorgungsbedarf der Bevölkerung

geht nicht in dem Maße zurück, wie es

die Betrachtung der absoluten Bevölkerungsentwicklung

erwarten lassen könnte.

Schon heute ist die Erreichbarkeit von Hausärzte/innen

für Personen ohne eigenen Pkw in

Teilen des Kreises problematisch. Und dies trotz

eines vergleichsweise guten ÖPNV-Angebots (s.

Kap. 7.8). Es wird erwartet, dass die Erreichbarkeit

mit dem ÖPNV künftig aufgrund der Zunahme

älterer und alter Menschen, die weniger

häufig über einen Pkw verfügen oder diesen noch

fahren dürfen, stärker ins Gewicht fallen wird.

Gesundheit

45


Altersstruktur „heute“ praktizierender Hausärzte

Einzugsbereich eines solchen Standortes ist (z.B.

durch eine vergleichsweise „alte“ Bevölkerung). Das

Ergebnis der Modellrechnung ermöglicht es, die

Standorte hinsichtlich ihrer Bedeutung für die

wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung in eine

Reihenfolge zu bringen. Abbildung 5 stellt damit

eine Grundlage für die strategische Wiederbesetzung

von Standorten dar.

Stand: 2009

Abb. 3: Altersstruktur der im Werra-Meißner-Kreis

tätigen Hausärzte (Stand: 2009)

Priorisierung von Hausarztstandorten

Unter der Annahme, dass eine Wiederbesetzung aller

heutigen Hausarztstandorte unrealistisch ist, wurden

die bestehenden Standorte im Rahmen einer Modellrechnung

hinsichtlich ihrer Bedeutung für die

wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung priorisiert.

Die Kenntnis darüber, welche Standorte für die Versorgung

besonders wichtig sind, ist eine Voraussetzung

für strategische Wieder- besetzungen.2

Grundlagen der Modellrechnung waren die bestehende

Standortstruktur, die kleinräumige Verteilung

des Versorgungsbedarfs und die Erreichbarkeit (mit

Pkw und ÖPNV bzw. zu Fuß).

Im Ergebnis wird deutlich, dass vor allem Standorte

außerhalb der Siedlungsschwerpunkte des Kreises

eine herausgehobene Bedeutung für die wohnortnahe

Erreichbarkeit hausärztlicher Versorgungsangebote

haben. Dies ist überaus plausibel,

zeigt das Ergebnis damit doch,

dass der Wegfall einer Hausarztpraxis

z.B. in Eschwege zwar schmerzhaft ist

(und möglicherweise zu Kapazitätsengpässen

in anderen Praxen führen

kann), die grundsätzliche Möglichkeit

zur Inanspruchnahme hausärztlicher

Leistungen in der Kreisstadt dürfte

damit aber sicher nicht gefährdet werden.

Dies sieht jedoch anders aus,

wenn ein Standort dort wegfallen

würde, wo die nächstgelegenen Hausarztpraxen

schlecht erreichbar sind

(z.B. in Waldkappel). Der Wegfall einer

solchen Hausarztpraxis verschlechtert

für vergleichsweise viele Menschen die

Möglichkeiten einer wohnortnahen

Versorgung in entscheidendem Maße.

Die negativen Auswirkungen sind

dabei umso deutlicher, je höher der

Versorgungsbedarf der Menschen im

Auf die Darstellung der Ergebnisse einer standortscharfen

Verschneidung von den ermittelten Kennwerten

zur wohnortnahen Versorgungsbedeutung

einzelner Standorte und dem Alter der dort praktizierenden

Mediziner wurde aus Datenschutzgründen

verzichtet. Gleichwohl stehen dem Kreis nun

die Datengrundlagen zur Verfügung, um die Standorte

zu identifizieren, für deren Wiederbesetzung

aufgrund ihrer Versorgungsbedeutung und des Alters

der dort praktizierenden Ärzte in Zukunft besonderer

Handlungsbedarf besteht. Im Überblick

lässt sich sagen, dass schon in den kommenden

Jahren Mediziner/innen aus Altersgründen auch an

Standorten ausscheiden werden, denen für die

wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung mit

hausärztlichen Leistungen eine herausgehobene

Bedeutung zukommt.

Zusammengefasste Handlungsempfehlungen

der Arbeitsgruppe für den

Bereich der hausärztlichen Versorgung

Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass der Steuerungsauftrag

der KV, die Anzahl der Arztpraxen pro

Region zu begrenzen, angesichts der aktuellen Entwicklungen

in ländlichen Räumen und vor dem Hintergrund

der geringen Anzahl der Absolvent/innen

überholt ist. Die KV hat gleichwohl einen Koordinierungs-

und Unterstützungsauftrag und sollte dies in

Bevölkerungsentwicklung und hausärztlicher Versorgungsbedarf

Abb. 4: Vorausschätzung der Entwicklung der Gesamtbevölkerung

sowie des hausärztlichen Versorgungsbedarfs

46 Gesundheit


Ergebnis:

Standortbewertung

Auswirkungen eines Standortwegfalls

auf die räumlichen

Zugangsmöglichkeiten zu

allgemeinmedizinischen

Versorgungsleistungen

Strategische Bedeutung:

Priorisierung der Standorte

Unter den gewählten Szenariobedingungen

2014 aus Altersgründen ihre Praxis

aufgeben), bleibt nicht viel Zeit, um

strukturelle Änderungen anzustoßen.

Der Werra-Meißner-Kreis sollte Modellregion

der KV in Hessen werden,

in der verschiedene Anpassungsmöglichkeiten

erprobt werden. Parallel

dazu sind grundsätzliche Änderungen

(z.B. bei Bedarfsberechnung, Delegationsvereinbarung)

einzuleiten.

Geringere Priorität

Eher geringe Priorirät

Hohe Priorität

Sehr hohe Priorität

Höchste Priorität

Abb. 5: Priorisierung von Hausarztstandorten nach ihrer Bedeutung

für die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung als Ergebnis der

Modellrechnung.

ihren Gremien zur künftigen Diskussionsgrundlage

machen. Die Arbeitsgruppe kommt im Wesentlichen

zu drei Handlungsempfehlungen:

Die Priorisierung von Standorten (mit besonderer

strategischer Bedeutung für die wohnortnahe

Versorgung) soll künftig bei der Entwicklung von

Handlungsstrategien berücksichtigt werden.

Hierzu sollte zum einen ein interkommunaler und

kreisweiter Konsens erzielt werden, zum anderen

sollte über neue Förderstrategien der KV eine

strategische Wiederbesetzung möglich werden.

Änderung der Delegationsvereinbarung der KV:

Die KV in Hessen soll die Bemessungsgrundlage

der Delegationsvereinbarung ändern, damit die

Versorgung der Bevölkerung ergänzend durch

ärztliches oder ambulantes Pflegepersonal bereitgestellt

werden kann. (Anpassung der Bewertungs-

kriterien von Unterversorgung oder

zusätzlichem Bedarf an die tatsächliche Versorgungssituation).

Zu hinterfragen ist, ob das Projekt

AGnES3 hierzu der richtige Ansatz ist, oder

ob nicht ähnliche Modelle mit geringerem Qualifizierungs-

und Fortbildungsaufwand ausreichend

sind.

Über die drei o. g. Handlungsempfehlungen

hinaus empfiehlt die Arbeitsgruppe

folgende flankierende und

ergänzende Maßnahmen:

Für künftig unterversorgte Bereiche

oder zur Überbrückung von zeitlicher

Unterversorgung soll die Erreichbarkeit

der Hausarztstandorte erhöht

werden (Projektbeispiel: Kooperation

von Hausärzten mit Taxiunternehmen).

Die KV soll dies als neue Förderstrategie

künftig berücksichtigen.

Der Kreis soll prüfen, ob die Facharztausbildung

zum Hausarzt im Krankenhaus (in Eigentum des

Kreises) künftig angeboten werden kann.

In der Bürgermeister-Dienstversammlung sollen

die Ergebnisse der Arbeitsgruppe vorgestellt

werden. Dies ist bereits im Nov. 2010 erfolgt.

In der Diskussion ist derzeit noch, ob ein Konsens

über die strategische Wiederbesetzung der

für die wohnortnahe Versorgung besonders

wichtigen Standorte von allen Bürgermeister/

innen getragen wird.

Die Maßnahmen und Vorschlage verstehen sich als

Teil einer Gesamtstrategie zur Erhöhung bzw. zum

Erhalt der Attraktivität und Lebensqualität im Werra-

Meißner-Kreis (Masterplan WMK).

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• marktwert ... Leben im Ringgau (4)

Die begrenzte Zulassung von Zweigstellen (2

Jahre) sollte seitens der KV aufgehoben werden.

Eine bessere Vergütung bzw. höhere Abschreibungsmöglichkeiten

für Hausärzte, die Zweigstellen

betreiben, sollte eingerichtet werden.

Akuter Handlungsbedarf und stufenweises Vorgehen:

Da der Handlungsbedarf im Werra-Meißner-

Kreis deutlich ist (ca. 10 Hausärzte werden bis Ende

1) Quelle: GEK –Gmünder Ersatzkasse – Bereich Medizinisches Versorgungsmanagement

(Hg.) (2008): GEK-Report ambulant-ärztliche Versorgung

2008. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 67.

2) Berücksichtigt wurde dabei lediglich die räumliche Zugänglichkeit.

Behandlungskapazitäten und mögliche Unterschiede in der Behandlungsqualität

wurden nicht mit berücksichtigt.

3) AGnES (Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Healthgestütze, Systemische

Intervention) ist ein Projekt, das an die Modelle der Gemeindeschwester

anknüpft und seit mehreren Jahren in verschiedenen

Bundesländern zuerst erprobt und nun umgesetzt wird. Teilweise wird

es auch unter anderen Titeln verwendet.

Gesundheit

47


7.4 Nahversorgung und Begegnung

7.4 Nahversorgung und Begegnung

Das Thema Nahversorgung und Begegnung wurde in

der dritten Sitzung der Arbeitsgruppe „Soziale Infrastrukturen“

ausgewählt und ersetzt die Modellrechnungen

im Thema Kultur und außerschulische

Bildung, für das ein anderes Vorgehen gewählt wurde

(s. Kap. 7.5). Die Arbeitsgruppe thematisierte bewusst

den breiten Ansatz aus Versorgung mit Lebensmitteln

(Nahversorgung) und Begegnung, da es

nicht allein um den Versorgungsaspekt geht, der teilweise

auch durch verschiedene mobile Angebote gewährleistet

werden kann, sondern die soziale

Dimension als Teil der Lebensqualität über Treffpunkte

und Orte der Begegnung als gleichwertiger

Schwerpunkt mit betrachtet werden soll.

Hintergrund

Seit vielen Jahrzehnten sind Konzentrationsprozesse

bei den Nahversorgungseinrichtungen zu

beobachten, in deren Folge viele Ortschaften in

ländlichen Räumen heute nicht (mehr) über eine

eigene Nahversorgungseinrichtung verfügen. Der

Bevölkerungsrückgang führt dazu, dass traditionelle

Supermarkt- und Betreiberkonzepte für

viele Orte als nicht tragfähig eingeschätzt werden.

Mancherorts musste auch schon die Erfahrung

gemacht werden, dass sich eine

Nahversorgungseinrichtung „auf dem Dorf“ nicht

mehr „rechnet.“ Für eine sukzessiv alternde Bevölkerung

bedeutet dies in aller Regel die Inkaufnahme

von zum Teil sehr weiten Wegen zur

Befriedigung des täglichen Bedarfes (Lebensmittel,

Drogerieartikel etc.).

Trotz dieser Tendenzen gibt es bundesweit verschiedene

Modelle, um eine wohnortnahe Nahversorgung

zu erhalten oder neu aufzubauen.

Allen voran sei das Konzept Markttreff in Schles-

48 Nahversorgung und Begegnung


wig-Holstein genannt, das mit Hilfe von Landesfördermitteln

finanziert wird und in dem bisher

über 25 neue Einrichtungen geschaffen wurden.

Im Zuge einer Vernetzungsveranstaltung im Frühjahr

2010 (Demografiekonvent in Husum) wurde

der Markttreff in Witzwort besichtigt, einem Ort

mit nur 1.000 Einwohner/innen.

Das Thema Nahversorgung und Begegnung ist

seit vielen Jahren eines der Kernthemen des VfR

in der Arbeitsgruppe Regionalentwicklung. Trotzdem

ist es in der Vergangenheit nicht gelungen,

neue Einrichtungen zu eröffnen. Es wurden jedoch

Machbarkeitsstudien für einzelne Einrichtungen

gefördert, die den Betrieb eines

klassischen Nahversorgers in den jeweiligen Teilräumen

aufgrund mangelnder wirtschaftlichrer

Tragfähigkeit für wenig aussichtsreich hielten.

Aktuell gibt es die These einer Trendumkehr in

der Nahversorgung. Im Werra-Meißner-Kreis

sind während der Bearbeitungszeit des Modellvorhabens

zwei Konzepte umgesetzt worden, die

eine Reaktion auf die teils unzureichende Nahversorgungssituation

im ländlichen Raum darstellen:

Der marktwert in Datterode wurde im Juli

2010 eröffnet und der Dorfladen „Lädchen für

alles“ in Gertenbach öffnete im September 2010.

Das Betriebsmodell beider Einrichtungen umfasst

Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Einschränkungen,

die staatlich geförderte Arbeitsund

Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten und

hat somit eine andere wirtschaftliche Grundlage

als der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel.

Darüber hinaus wurde eine Tagung zum Thema

Nahversorgung und Begegnung im Herbst 2010

in Datterode durchgeführt, deren Ergebnisse im

Frühjahr 2011 veröffentlicht werden sollen. Derzeit

gibt es darüber hinaus Überlegungen, weitere

Nahversorgungseinrichtung (wieder) zu

eröffnen. Interesse besteht dabei vor allem aus

Abterode und Germerode, zwei Ortsteilen der

Gemeinde Meißner.

Die grundsätzliche Einschätzung, dass Nahversorgung

fußläufig erreichbar sein soll, wird von den

Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe so definiert,

dass der nächstgelegene Versorger innerhalb von

15 Min. zu Fuß erreicht werden soll.

Nicht berücksichtigt werden bei der Bearbeitung

des Themas Nahversorgung und Begegnung die

mobilen Angebote, da sie nicht der Zielsetzung

Begegnungsmöglichkeiten entsprechen, denn die

Verweildauer dieser Angebote vor Ort ist i.d.R.

unter 15 Minuten.

Fragestellungen

Welche Bereiche sind im Besonderen

unterversorgt?

Lassen sich günstige Standorte für Dorfläden

o.ä. bestimmen?

Welche Betreibermodelle (Ehrenamt, tegut als

Partner, Kombination mit geförderten Beschäftigungsverhältnissen

usw.) sind aussichtsreich?

Zielsetzungen

Aufgabenstellung für die zur Unterstützung der

Diskussion durchgeführten Modellrechnungen

war es, eine Auswertung der räumlichen Zugänglichkeit

von Nahversorgungseinrichtungen im

Werra-Meißner-Kreis mit Hilfe einer Erreichbarkeitsanalyse

durchzuführen.

Darauf aufbauend sollten Teilräume identifiziert

werden, in denen eine Unterversorgung mit Nahversorgungseinrichtungen

besteht und die Wege

für die Bevölkerung zur nächsten Einkaufsmöglichkeit

sehr weit sind.

Die Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten durch

den Kreis sind im Themenfeld Nahversorgung und

Begegnung sehr eingeschränkt, da es ein Bereich ist,

der privatwirtschaftlich betrieben wird. Die Arbeitsgruppe

hat das Thema aus den o.g. Gründen ausgewählt

und verbindet mit der Darstellung möglicher

Potentialräume für weitere Einrichtungen die Hoffnung,

Anregungen vor Ort zu geben, um ggf. weitere

Einrichtungen zu eröffnen oder alternative

Konzepte wie z.B. andere Formen der Nahmobilität

zu prüfen. Wohl wissend, dass dies ein enormes bürgerschaftliches

Engagement vor Ort und Schlüsselakteure

(Bürgermeister, Vereinsvorsitzende oder

weitere Personen) braucht.

Nahversorgung und Begegnung

49


Die folgenden Ausführungen sind eine gekürzte

Fassung der Dokumentation der Modellrechnungen

und Analysen im Masterplan-Prozess des Werra-

Meißner-Kreises, die vom Büro GGR aus Hamburg,

erstellt wurde (Stand Jan. 2011).

Zentrales Element zur Erfassung

der Ausgangssituation

- Bürgermeisterbefragung

Zentrale Datengrundlage für die Modellrechnungen

im Themenfeld Nahversorgung ist eine im Rahmen

des Projektes in Zusammenarbeit von Sabine Wilke,

Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

(VfR), Michael Glatthaar (proloco, Bremen) und dem

Büro GGR konzipierte, durchgeführte und ausgewertete

schriftliche Befragung aller Bürgermeister im

Werra-Meißner-Kreis. 1 . Die Fragen bezogen sich

dabei insbesondere auf

den Standort der Einrichtung (räumliche Lage,

Parkplatzsituation, Einzugsbereich, Rolle des

ÖPNV),

die Beschreibung der Angebotsform (Angebotskategorie

[z.B. Supermarkt], Größe der Verkaufsfläche,

Öffnungszeiten) sowie

die Vielfalt und die Qualität des Warenangebotes

(z.B. Vorhandensein von Frischebereichen für

Obst, Gemüse, Fleisch oder Käse).

Erfasst wurden 168 Standorte von Versorgungseinrichtungen.

Davon befinden sich 167 im Werra-

Meißner-Kreis. Ein in der an Neu-Eichenberg

angrenzenden Gemeinde Friedland gelegener Supermarkt

wurde in die Analyse mit aufgenommen, da

dieser für die Bevölkerung im Nordosten des Kreises

von Bedeutung ist (vgl. Abb. 1).

Klassifizierung der Standorte

Neben der räumlichen Lage der Standorte von Nahversorgungseinrichtungen

wurde im Rahmen der Befragung

auch die Art der Einrichtung abgefragt. Dabei

waren folgende Kategorien zur Auswahl vorgegeben:

• Supermarkt

• Dorfladen / „Tante-Emma-Laden“

• Bäckerei mit erweitertem Angebot2

• Schlachterei mit erweitertem Angebot

• Hofladen/Direktverkauf beim Erzeuger

• Kiosk oder Tankstelle mit erweitertem

Angebot3

• die Kategorie Sonstiges mit einem freien

Eingabefeld4

Die in den Fragebögen vorgenommenen Klassifizierungen

sind überprüft worden. Der Arbeitskreis hat

Eingruppierungen vorgenommen, die sich an der

Verkaufsfläche orientieren (unter 200 m2 Verkaufsfläche

- Dorfladen, über 200m² - Supermarkt).

Nicht in die Auswertungen einbezogen wurden

„Lemkes rollender Supermarkt“ oder andere mobile

Versorgungsangebote. Die Bedeutung mobiler Angebote

für die Nahversorgung der Bevölkerung ist

vorhanden, jedoch unter der Zielsetzung, dass es um

Nahversorgung und Begegnungsmöglichkeiten geht

und mobile Angebote nur eine kurze Verweildauer

vor Ort haben (i.d.R. unter 15 Minuten), wurden sie

ausgeschlossen.

Folgende Kategorien wurden betrachtet: Supermarkt,

Dorfladen, Bäcker/Fleischer (jeweils mit erweitertem

Angebot) und Hofladen.

Versorgungssituation

Die fußläufige Erreichbarkeit bildet den Schwerpunkt

der Betrachtung, da das Versorgungsziel von 15 Minuten

von der Arbeitsgruppe definiert wurde (s.o.).

Im Sinne einer Vollversorgung mit Lebensmitteln

wurde die Auswahl der betrachteten Versorgungsstrukturen

noch einmal eingeschränkt, da Bäcker

oder Fleischer mit erweitertem Sortiment oder Hofläden

nicht als vollwertige Versorger bezeichnet werden

können. Einbezogen wurden: Supermärkte,

Dorfläden sowie „Nahversorgungscluster“. Der letztgenannte

Begriff bezeichnet zwei oder mehr Einrichtungen,

die nicht mehr als 200 Meter voneinander

entfernt liegen. Die meisten „Nahversorgungscluster“

bestehen dabei aus einem Dorfladen sowie einem

Einzelhändler mit erweitertem Angebot (ggf. noch erweitert

um einen Hofladen). 5

Diesem Vorgehen liegt die Überlegung zugrunde,

dass damit eine gewisse Angebotsvielfalt durch die

räumliche Nähe der einzelnen Standorte zueinander

erreicht wird, die eine ausreichende Befriedigung

des täglichen Bedarfes ermöglicht – auch ohne

dass das Angebot mit dem eines Vollversorgers vergleichbar

wäre.

50 Nahversorgung und Begegnung


In den Modellrechnungen wurde die

PKW-Erreichbarkeit der ausgewählten

Versorgungsbereiche analysiert. Im Ergebnis

zeigt sich, dass die PKW-Versorgung

als gut zu bezeichnen ist, da

über 80 % der Bevölkerung die

nächstgelegene Nahversorgungseinrichtung

innerhalb von 10 Minuten

Fahrtzeit erreichen (bis 15 Minuten

sind es 98 %).

Die ÖPNV-Nutzung spielt für die Nahversorgung

nach den Ergebnissen der

Befragung nur eine sehr untergeordnete

Rolle, da keine oder nur sehr

wenig Kunden/innen überhaupt den

ÖPNV zum Einkaufen nutzen.

Erhebung

Nahversorgung

Standorte erfasster

Einrichtungen

Nahversorgungseinrichtungen

im Werra-

Meißner-Kreis:

168 Standorte erfasst

Erwartungsgemäß ergeben sich für

viele Ortsteile im Kreisgebiet lange

Wegezeiten, die zur Erreichung der

nächstgelegenen Nahversorgungseinrichtung

zurückgelegt werden müssen.

Unter den gewählten Bedingungen erreichen

nur 10 % der Bevölkerung zu

Fuß einen Nahversorgungsstandort innerhalb

von fünf Minuten, weniger als

30 % innerhalb von 10 Minuten. Für

etwa 55 % der Bevölkerung ist dies

hingegen nicht innerhalb von 15 Minuten,

für deutlich mehr als 40 %

nicht innerhalb von 20 Minuten möglich

(vgl. Abb. 4).

Identifikation von Teilräumen ohne

fußläufig erreichbares Nahversorgungsangebot

Auf Basis der durchgeführten Erreichbarkeitsauswertungen

wurden nun die

Ortsteile identifiziert, in denen für

einen Großteil der Bevölkerung kein

fußläufiges Nahversorgungsangebot

erreichbar ist. Dafür wurden folgende

Setzungen getroffen:

als Nahversorgungsangebot gelten

Supermärkte, Dorfläden und

„Nahversorgungscluster“, als nicht fußläufig erreichbar

werden Bereiche eingestuft, aus denen

nicht innerhalb von 15 Minuten ein Angebot erreichbar

ist.

Dabei wurden nur Ortsteile mit mindestens 500

Einwohnern einbezogen, in denen mindestens 80

% der Bevölkerung ein Nahversorgungsangebot

nicht innerhalb von 15 Minuten erreicht.

Die Ortsteile, auf die diese Bedingungen zutreffen,

sind als weiße Flächen dargestellt (vgl. Abb. 5 und

6). Die jeweils 500 bis 1.000 Einwohner/innen der

Abb. 1: Erfasste Nahversorgungseinrichtungen mit Versorgungsbedeutung

für die Bevölkerung

Supermärkte, Dorfläden

„Nahversorgungcluster“

Supermarkt

Dorfladen

„Nahversorgungscluster“

Unter 10 Minuten

10 bis


Supermärkte, Dorfläden

„Nahversorgungscluster“

Supermarkt

Dorfladen

„Nahversorgungscluster“

Unter 10 Minuten

10 bis


Nahversorgung und

Mobilitätsangebote

Ein weiterer Baustein der Nahversorgung

bzw. des Nahversorgungsangebotes

ist die Kombination

bestehender Einrichtungen mit

neuen nahräumlichen Mobilitätsangeboten,

wie dies für Datterode

(marktwert) im Rahmen des Modellvorhabens

parallel erfolgte.

Dieses neue Mobilitätskonzept,

das dem Konzept von Bürgerbussen

angelehnt ist, soll ab Sommer

2011 umgesetzt werden (s. Projekte

Mobilitätskonzept Ringgau).

Folglich sollte im Rahmen der Verstetigung

geprüft werden, welche

Ansätze der Kombination von

Nahversorgung und Begegnung

mit welchen Mobilitätsangeboten

kombiniert werden können und ob

sich daraus übertragbare Ansätze

entwickeln lassen.

Weitergehende Konzepte

von Versorgung und

Begegnung

Ob weitergehende Konzepte von

Versorgung und Begegnung im

Werra-Meißner-Kreis umgesetzt

werden können, wie dies in den

verschiedenen Kombinationen der

Markttreffs in Schleswig-Holstein

der Fall ist oder mit dem Schwerpunkt

Begegnung in Kombination

mit Bildungsangeboten im weitesten

Sinne bei den Familienzentren

in Eschwege und Witzenhausen

vorhanden ist, war nicht Gegenstand

der Arbeitsgruppendiskussion

und der Untersuchungen. Hier

sind weitere Ansätze zu untersuchen

und ggf. umzusetzen.

Supermärkte, Dorfläden

„Nahversorgungcluster“

Ziegenhagen

Roßbach

Dohrenbach

Walburg

Ortsteile ohne fußläufig

erreichbares Angebot

(im Sinne der Setzungen)

Germerode

Eichenberg

Wendershausen

Abterode

Oberrieden

Weidenhausen

Oberhone

Jestädt

Abb. 5: Ortsteile ohne fußläufig erreichbares Nahversorgungsangebot

(Ausschnitt Nord)

Masterplan Daseinsvorsorge

Walburg

Supermarkt

Dorfladen

„Nahversorgungscluster“

Supermarkt

Dorfladen

„Nahversorgungscluster“

Germerode

Abterode

Weidenhausen

Oberhone

Jestädt

4

1

Langenhain

Röhrda

5

2

3

Weißenborn

1) Schwebda

2) Frieda

3) Aue

4) Oberdünzebach

5) Niederdünzeb.

Abb. 6: Ortsteile ohne fußläufig erreichbares Nahversorgungsangebot

(Ausschnitt Süd)

Projekte aus dem Modellvorhaben siehe Kapitel 9:

• Bürgerraum Schachtelhalm (1) • marktwert … Leben im Ringgau (4)

• Dorfladen Gertenbach (5) • Mehrgenerationenplatz Jestädt (10)

• Dorfmittelpunkt für Jung und Alt (11) • Tagung für Nahversorgung und Begegnung (20)

1) Unterstützt wurde die Durchführung der Befragung auch durch Landrat

des Werra-Meißner-Kreises, Herrn Reuß.

2) Im Fragetext der entsprechenden Frage wurde das „erweiterte Angebot“

näher eingegrenzt: Gemeint ist damit nicht der Dorfschlachter, der für seine

Kunden auch ein Wurstbrötchen streicht. Es geht vielmehr um Geschäfte,

in denen eine gegenüber dem Schwerpunktangebot Fleisch und Wurstbzw.

Backwaren deutlich erweiterte Produktpalette angeboten wird (z.B.

Milch, Butter, Nudeln, Reis, Obst und Gemüse).

3) In der Auswertung der Standorte wurden Kioske und Tankstellen mit erweitertem

Sortiment ausgeschlossen, da sie einerseits dem „Vergesslichkeitseinkauf“

dienen und nicht wirklich als Versorgungsmöglichkeit im engeren

Sinne bewertet werden können und andererseits die räumliche Lage

aller erfassten Einrichtungen so ist, dass sie in keinem Fall weiter entfernt

als 500m von der nächsten Einrichtung ist und folglich vernachlässigt werden

konnten.

4) z.B. Getränke- oder Drogeriemarkt

5) Es konnte zusätzlich ein Bereich identifiziert werden, in dem ein Fleischer,

ein Bäcker (jeweils mit erweitertem Angebot) und ein Hofladen/Direkterzeuger

zu einem sog. „Nahversorgungscluster“ zusammengefasst

werden konnte (in Hessisch-Lichtenau).

Nahversorgung und Begegnung

53


Kultur und außerschulische Bildung

7.5 Kultur und außerschulische

Bildung

Das Thema Kultur und außerschulische Bildung

wurde bereits während der Bewerbung ausgewählt

und in der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe „Kultur

und Bildung“ bestätigt. (s. Kap. Infrastrukturauswahl).

Schwerpunkt im Themenfeld Bildung war

die außerschulische Bildung (Volkshochschulen, Bibliotheken).

Hintergründe für diese Entscheidung waren folgende:

Kultur leistet einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität

in ländlichen Räumen

Es besteht möglicher Weise ein Handlungsbedarf,

dass das Kulturangebot auf die veränderten Altersstrukturen

angepasst werden sollte

die Kulturstätten sollten auf Erreichbarkeit und

Barrierefreiheit überprüft werden

es sollte für alle Generation ein bedarfsorientiertes,

gutes Angebot für außerschulische Bildung geben.

Die Zielsetzungen für die Themen Kultur und außerschulische

Bildung waren:

das Kulturangebot in der Region muss erhalten

und verbessert werden, dabei sind die Kulturschaffenden

genauso wie die Kulturveranstalter

zu berücksichtigen und

es muss ein außerschulisches Bildungsangebot für

alle Generationen geben, damit lebenslanges Lernen’

in der Region möglich ist.

54

Kultur und außerschulische Bildung


Die Arbeitsgruppe hat in ihren ersten Sitzungen überwiegend

über die Themen Kultur und außerschulische

Bildung diskutiert, da das Thema Schule nach

Benennung der ersten Parameter zur Erstellung des

Status-Quo-Szenarios sowie der ersten Alternativszenarien

sehr schnell an das Büro für die Modellrechnungen

(GGR in Hamburg) ging. Die letzten

Sitzungen waren demgegenüber überwiegend dem

Thema Schule gewidmet.

Außerschulische Bildung

Außerschulische Bildung für alle Generationen ist ein

notwendiger Bestandteil der Daseinsvorsorge im

ländlichen Raum. In der Arbeitsgruppe wurde ein

sehr breiter Bildungsbegriff von den

Teilnehmern/innen definiert, der auch den Kulturbereich

einschließt. Während das Kerngeschäft von Institutionen

wie der Volkshochschulen, Musikschule

Werra-Meißner, Werkstatt für junge Menschen, Familienbildungsstätten,

Kulturakademie Eschwege

oder der Historischen Gesellschaft wahrgenommen

wird, gibt es ein weiteres Spektrum an sozialen und

kulturellen Lernfeldern. Beispiele hierfür sind die

Ausbildungen zu Jugendgruppenleitern in der Jugendförderung

des Werra-Meißner-Kreises über die

Ausbildung zur Tagesmutter oder ehrenamtlichen Seniorenbegleiterinnen

in der e.v. Familienbildungsstätte

in Eschwege bis hin zur Organisation und

Durchführung des Open Flair Festivals an dem Jugendliche

oder junge Menschen ganzjährig oder am

Festival selber eigenverantwortlich mitarbeiten. Insgesamt

ist es hier notwendig eine Übersicht über die

Angebote im Kreis zu schaffen.

In einzelnen Bereichen wurden bereits Angebotserweiterungen

bzw. neue Angebote eingerichtet, um

weiter Zielgruppen und damit insgesamt eine höhere

Nachfrage nach außerschulischen Bildungsangeboten

zu erreichen. Beispielweise hat die Volkshochschule

in Eschweg auf Grundlage von Evaluierungen und der

Auswertung der bisher erreichten Zielgruppen spezifischen

Angebot für Männer entwickelt, die mittlerweile

sehr erfolgreich angeboten werden.

Die Arbeitsgruppe hat verschiedene Aspekte aus den

Angeboten für außerschulische Bildung aufgegriffen

und Handlungsnotwendigkeiten diskutiert. Dabei

wurde deutlich, dass es einen Bedarf an spezifischen

Angeboten für die Altersgruppe 50 plus und Jugendliche

(unter 18) sowie eine stärkere Nachfrage

für die Themen Familienbildung und Erziehung gibt.

Hier sollte eine Angebotserweiterung stattfinden.

Parallel zu den Arbeitsgruppensitzungen fand die Bewerbung

des Werra-Meißner-Kreis als Standort für

das Projekt „Hessencampus“ des Land Hessen statt.

Die Zusage zur Förderung des „Hessencampus

Werra-Meißner“ erhielt der Kreis am 06.05.2010.

Ziel des Hessencampus ist die Transparenz und die

Zugänglichkeit der regionalen Bildungslandschaft zu

erhöhen, um so lebensbegleitendes Lernen zu ermöglichen

und strukturell im gesamten Bildungssystem

zu verankern. Wesentliche Ziele der Initiative

sind die Steigerung der Transparenz in der regionalen

Bildungslandschaft sowie Bildungsmanagement und

Bildungsberatung im Kontext des lebensbegleitenden

Lernens. Der Hessencampus wird von den Volkshochschulen,

den Beruflichen Schulen und dem

Werra-Meißner-Kreis umgesetzt. Vor diesem Hintergrund

wurde mit der Arbeitsgruppe konsensual beschlossen,

dass das Themenfeld außerschulische

Bildung im Hessencampus das richtige Umfeld zu Bearbeitung

hat und dorthin abgegeben wird.

Kultur

In der Arbeitsgruppe wurde die Kultur als unabdingbarer

Teil der Daseinsvorsorge benannt. Sie ist ein

wichtiger, weicher Standortsfaktor, der prägend für

die Lebensqualität in unserem Kreis ist. Daher leistet

das kulturelle Leben, neben der Sicherung der wirtschaftlichen

Existenz, einen wesentlichen Beitrag

dazu, dass die Menschen in unserer Region bleiben

bzw. zugewanderte sich hier einen neuen Lebensmittelpunkt

suchen.

Kulturschaffende und kulturelle Initiativen oder -an-

Kultur und außerschulische Bildung

55


das Angebot selbst auch sehr individuell durch die

jeweils ehrenamtliche Gruppe geprägt. Trotz den

ländlichen Strukturen gibt es im Verhältnis viele Angebote,

die auch alle überwiegend ihr Publikum

haben.

Vor dem Hintergrund der sehr heterogenen, ehrenamtlich

geprägten und gut funktionierenden kulturellen

Strukturen wurde in diesem Bereich keine

weitere Modellrechnung durchgeführt. Die Problemfelder,

die es natürlich auch in der Kultur gibt,

wurden im Einzelnen diskutiert.

Öffentlichkeitsarbeit

bieter sind dabei insgesamt von der Altersverschiebung

betroffen, auch wenn die bisherigen Erfahrungen

eher zeigen, dass die Nachfrage nach den

verschiedenen Angeboten und auch die Anzahl an

Veranstaltungen steigen. Gleichwohl ist absehbar,

dass die sich teilweise zeigenden Nachwuchsprobleme

von Kulturschaffenden künftig noch zunehmen

werden und unklar ist, welche Auswirkungen

sich in welchen Kulturbereichen zeigen.

Dies liegt daran, dass Kultur selbst nur schwer spezifizierbar

ist. Das Kulturspektrum, das in der Arbeitsgruppe

diskutiert wurde, umfasst ein weites

Spektrum. Es reicht von Theater-, Kleinkunst-, Tanz-

, Chor- und Musikveranstaltungen, von klassischen

Theateraufführungen bis zur Standup-Comedy, vom

klassischen Orchester über Jazz bis hin zu Rockkonzerten.

Dabei ist immer die ‚Kultur aus der Region

und die ‚Kultur in die Region’ zu sehen, vom Kulturmacher

bis zum Kulturveranstalter. Insgesamt wurde

in der Arbeitsgruppe festgestellt, dass es qualitativ

sowie quantitativ ein sehr gutes Kulturangebot in der

Region gibt. Das Angebot von Kulturmachern genauso

wie von Kulturveranstaltern wird im Wesentlichen

ehrenamtlich getragen. Dementsprechend ist

Kulturveranstalter genauso wie Kulturschaffende

haben oft ein großes Defizit in der Öffentlichkeitsarbeit.

Trotz der kreisweit geführten, digitalen Veranstaltungskalender

Werra-Meißner-Kreises gibt es viele

Veranstalter, die ihre Termine nicht benennen bzw.

sie mit dem Kalender auch nicht abstimmen. Daher

kommt es immer wieder zu Terminüberschneidungen,

die manchmal vermeidbar wären. Darüber hinaus

wäre es für die ehrenamtlichen Kulturträger eine

große Hilfe, wenn sie Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit

bekommen würden. Ein Wunsch der

Kulturakteure war einen Veranstaltungskalender in

Printform für den gesamten Kreis zu erstellen, wobei

eine Definition der Zielgruppe und der Kulturangebote

noch erarbeitet werden müsste.

Nachwuchs

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

ist auch die Kulturarbeit meist von fehlendem Nachwuchs

betroffen. Dies betrifft besonders die Kulturschaffenden,

wie beispielsweise die traditionellen

Chöre. Allerdings wurde von den Teilnehmer/innen

auch angemerkt, dass moderne Chöre, wie der ‚Hausener

Chor’, die Theatergruppe des Familienzentrums

Bad Sooden-Allendorf oder auch der Arbeitskreis

Open Flair zurzeit kaum Nachwuchsprobleme haben.

Insgesamt ist es wichtig eine Verbindung zwischen

Jugendlichen und Kulturschaffenden herzustellen.

Ein Weg ist hier das Projekt ‚Kultur und Schule’. Im

Rahmen des Netzwerkes Kultur wurde in der Sitzung

am 19.05.2010 das Thema Kultur und Schule mit

Vertretern aus den Bereichen Kultur, Städte/Gemeinden

und Schulen (43 Teilnehmer/innen) bearbeitet.

Als Referentin war Frau Anja Krüger

(Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung, Niedersachsen)

eingeladen, um über das in Niedersachsen

erfolgreiche Projekt „Kultur macht Schule“ zu

referieren. Die positive Resonanz und der von vielen

Teilnehmer/innen dieses Treffens geäußerte Bedarf

hat zur Gründung eines Arbeitskreises „Kultur und

Schule“ geführt, bestehend aus fünf Vertreter/innen

von Schulen und fünf Vertreter/innen aus dem kulturellen

Bereich. Beim ersten Treffen des Arbeitskreises

am 07.09.2010 wurden Bedarfe und Wünsche

der Akteure aus Kultur und Schule (13Teilneh-

56 Kultur und außerschulische Bildung


mer/innen) gesammelt sowie vorhandene Ressourcen

bzw. Förderbedarfe gelistet. Beim zweiten Treffen

am 26.10.2010 wurden Eckpunkten für ein

Konzept zur Einrichtung einer Koordinierungsstelle/Anlaufstelle

Kultur und Schule zusammengetragen.

Der Antrag ist zurzeit in der Bearbeitung.

Kulturelle Angebote

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

sollte das Kulturangebot in Bezug auf die sich veränderte

Altersstruktur der Bevölkerung überprüft werden.

Zurzeit finden die verschiedenen

Veranstaltungen alle noch ihr Publikum. Aber mit

den weiterhin zurückgehenden Bevölkerungszahlen

und der Überalterung sind verschiedene Aspekte zu

berücksichtigen. Beispielsweise sollten die Veranstaltungsorte

dem jeweiligem Zielpublikum angepasst

werden. Das heißt, Veranstaltungen die besonders

von älterem Publikum besucht werden, sollten barrierefrei

zugänglich sein. Dementsprechend müssten

sich auch Veranstalter ggf. zu bestimmten Veranstaltungen

einen geeigneten Veranstaltungsort suchen.

Auch sollte überprüft werden, ob es einen Wandel im

Angebotsbedarf gibt. Dabei sollten u.a. folgende Fragen

beantwortet werden:

des Netzwerks Kultur, ein ‚Tag der Kultur’ zum

gegenseitigen Austausch stattfinden.

Die ehrenamtlichen Kulturträger sollen von den

Kommunen und dem Kreis unterstützt werden,

besonders im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Wunsch der Arbeitsgruppe hierzu war z.B.

einen Veranstaltungskalender in Printform für

den gesamten Kreis zu erstellen.

Die Vernetzung von Kultur und Schule sollte professionell

gestärkt werden. Dafür soll eine Managementstelle

für Kulturprojekte und

Kooperationen eingerichtet werden (Aufgabe für

Verstetigung).

Es sollte eine Bedarfsanalyse zum Thema kulturelle

Angebote durchgeführt werden (Aufgabe für

Verstetigung).

Gibt es genügend Musikveranstaltungen für

Jugendliche? Muss hier ein neues Angebot

geschaffen werden?

Gibt es ein ausreichendes Kulturangebot für die

Generation 50 plus?

Gibt es neu kulturelle Schwerpunkte, die aufgenommen

werden sollten?

Zusammengefasste Handlungsempfehlungen

der Arbeitsgruppe

für den Bereich Kultur

Vor dem Hintergrund die Kulturarbeit und die Angebote

der außerschulischen Bildung im Kreis langfristig

zu erhalten und zu verbessern kommt die Arbeitsgruppe

zu folgenden Handlungsempfehlungen:

Die außerschulischen Bildungsangebote sollen

ausgebaut und vernetzt werden.

Die Kulturakteure im Kreis sollten mehr für den

demografischen Wandel sensibilisiert werden.

Dies betrifft einerseits die Nachwuchsarbeit, andererseits

aber auch das bedarfsorientierte Angebot

sowie die Barrierefreiheit der Auftrittsorte.

Die Netzwerkarbeit und die weiteren Aktivitäten

im Kulturbereich sollten kontinuierlich fortgeführt

und unterstützt werden.

Die Kulturträger sollten stärker untereinander

vernetzt werden. Dazu soll neben dem Treffen

Die Maßnahmen und Vorschläge verstehen sich als

Teil einer Gesamtstrategie zur Erhöhung bzw. zum

Erhalt der Attraktivität und Lebensqualität im Werra-

Meißner-Kreis (Masterplan WMK).

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9

• Quartierstreff für alle Generationen (7)

• Offener Musikübungsraum (12)

• Kino der Generationen (15)

• Omnibus – die Freiwilligenagentur (16)

• Schaffung eines Netzwerks Kultur (17)

• Projekt Z – Zukunftsentwürfe von

Kindern und Jugendlichen (19)

Kultur und außerschulische Bildung

57


Schule

7.6 Schule

Das Thema Schule wurde in der ersten Sitzung der

Arbeitsgruppe Kultur und Bildung neu mit aufgenommen

(s. Kap. 4 Infrastrukturauswahl). Hintergründe

für diese Entscheidung waren:

Ein hoher Handlungsbedarf, denn die Anzahl der

Schüler/innen geht schon seit mehreren Jahren zurück,

was u.a. schon zu Schulschließungen führte.

Eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten des Kreises,

der Schulträger ist, da er an die Landesvorgaben

gebunden ist, gleichzeitig jedoch will der

Kreis Handlungsmöglichkeiten wie z.B. besondere

Schulformen oder neue Schulmodelle diskutieren,

um Anpassungsmöglichkeiten und Alternativen

aufzeigen und ggf. umsetzen zu können.

Eine längerfristige Schulstandortplanung soll aufgezeigt

werden, die deutlich über den ca. 5 – 7-

jährigen Zeitraum des Schulentwicklungsplans

hinausgeht. Damit sollen u.a. Investitionsentscheidungen

in Gebäuden längerfristig abgesichert

werden und es soll untersucht werden,

welche Schulstandorte künftig wie stabil sind

und zu welchen Zeitpunkten Entscheidungen zu

treffen sind.

Die Schulstandortplanung und Diskussion von

Szenarien soll mit breiterer Beteiligung im Rahmen

des Modellvorhabens geführt werden und

dann in die Diskussion des zuständigen Fachbereichs

und in den Schulausschuss des Kreistags

gehen.

58 Schule


Auf Anregung der Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe

fand im Sommer 2010 eine Exkursion zur

Modellschule Kerbersdorf in Bad Soden-Saalmünster

statt, an der zehn Personen teilnahmen.

Die Besonderheit im Themenfeld Schule bestand

darin, dass die Teilnehmer/innen vereinbart haben,

die Zwischenergebnisse der Erarbeitung nicht an die

Öffentlichkeit zu geben. Dieses Vorgehen wurde gewählt,

damit auf der einen Seite auch über unpopuläre

Zielsetzungen, wie z.B. ein Konzentrationsszenario

diskutiert werden konnte und somit auch

weitreichende Vorschläge und Handlungsmöglichkeiten

in den Szenarien berücksichtigt werden konnten.

Auf der anderen Seite sollten die

Zwischenergebnisse einzelner Szenarien (Anzahl der

gefährdeten Standorte) nicht am nächsten Tag in der

lokalen Presse stehen, denn es handelte sich um

einen Diskussionsprozess und nicht

um Handlungsempfehlungen.

Die Zielsetzung für die Erarbeitung von

Szenarien wurde nach den drei Schulstufen

differenziert. Grundlage für die

350

nachfolgenden Szenarien ist die kleinräumige

Bevölkerungsprognose (s.

300

Kap. 6), die vom externen Gutachterbüro

Gertz Gutsche Rümenapp (GGR)

250

auf Ortsteilebene differenziert wurde,

200

damit die Einzugsbereiche der Schulen

in den Modellrechnungen den aktuellen

Schulbezirken

150

entsprechen.

Die folgenden Ausführungen sind

eine gekürzte Fassung der Dokumentation

der Modellrechnungen und

Analysen im Masterplan-Prozess des

Werra-Meißner-Kreises, die vom Büro

GGR aus Hamburg, erstellt wurde

(Stand Dez. 2010).

Es gibt jeweils unterschiedliche Steuerungsmöglichkeiten

nach den Schulstufen

Grundschulen, Sekundarstufen

I und II, so dass im Folgenden die

Schulstufen einzeln dargestellt werden.

In den Grundschulen besteht die

höchste Steuerungs- und Handlungsmöglichkeit,

da Schuleinzugsbereiche

vom Kreis festgelegt werden. Für die

Sekundarstufen I und II besteht Schulwahlfreiheit,

die indirekt durch den

Schülerverkehr, der vom Kreis als Aufgabenträger

organisiert wird und i.d.R.

die nächstgelegenen Schulen bedient,

eingeschränkt wird.

Grundschulen

Aktuell gibt es 22 Grundschulen im

Werra-Meißner-Kreis. Eine Grundschule

in Herleshausen wurde im Jahr 2009 bereits

aufgrund mangelnder Nachfrage geschlossen. Zusätzlich

gibt es eine freie Schule, die Waldorfschule in

Eschwege, die bei den Modellrechnungen insgesamt,

jedoch nicht bei der Entwicklung von Szenarien berücksichtigt

wurde, da sie eine Sonderstellung einnimmt.

1

Abbildungen 1 und 2 zeigen die prognostizierte Entwicklung

der Schülerzahlen an den 22 Grundschulen

unter Berücksichtigung der Einzugsbereiche. In Abbildung

2 wird deutlich, dass aktuell zwei Schulen,

die nach dem hessischen Schulgesetz geforderte Mindestschülerzahl

von 52 Schüler/innen nicht erreichen.

Diese beiden Schulen haben Ausnahmegenehmigungen

für jahrgangsübergreifenden Unterricht. Bis zum

Jahr 2024 werden weitere zwei Schulen unter die

Marke von 52 Schüler/innen fallen (entspricht 13

Prognostizierte Schülerzahlentwicklung in den Grundschulen

100

50

Min GS 4 Jgst.

0

2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035

A.-v.-Humboldt-Schule (Eschwege)

Am Brunnen vor dem Tore (Bad S.-A.)

Fr.-Ebert-Schule (Wehretal)

Grundschule Witzenhausen

Grundschule Hessisch Lichtenau

Regenbogenschule (Sontra)

Gelstertalschule Hundelshausen (Whs)

Gerhart-Hauptmann-Schule (Wanfried)

Karlheinz-Böhm-Schule (Waldkappel)

Struthschule (Eschwege)

Meißnerland-Schule (Hess. Lichtenau)

Frau-Holle-Schule (Meißner)

Abb. 1 und 2: Prognose der Schülerzahlen an den aktuellen Standorten,

GGR 2010

Prognostizierte Schülerzahlentwicklung in den Grundschulen (2)

140

120

100

80

60

40

20

Min GS 2 Jgst.

Min GS 4 Jgst.

0

2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035

Südringgauschule (Herleshausen)

(ab 2009 inkl. Löwenzahnschule)

Bilsteinschule (Großalmerode)

Meinhard-Schule (Meinhard)

Ernst-Reuter-Schule (Neu-Eichenberg)

Geschwister-Scholl-Schule (Eschwege)

Mittelpunktgrundschule (Ringgau)

Lindenhofschule (Witzenhausen)

Schule Fürstenhagen (Hess. Lichtenau)

Waldorfschule (Eschwege)

Löwenzahnschule (Herleshausen)

Graburg-Schule (Weißenborn)

Wiesenschule Ulfen (Sontra)

Schule

59


Szenario „Konzentration“

(2034) geschlossen (~ 2018)

würde dazu führen, dass zwei der vier

bedrohten Standorte erhalten werden

könnten. Die Standorte in Weißenborn

und Ulfen, die schon aktuell eine

Ausnahmegenehmigung für jahrgangsübergreifenden

Unterricht haben,

könnten jedoch auch in diesem Szenario

nicht gehalten werden.

Schülerzahlindex

unter 0,5

0,5 bis 1,0

1,0 bis 1,5

1,5 bis 2,0

über 2,0

1,0 = 52 Schüler

geschlossen (~ 2014)

geschlossen (~ 2013)

geschlossen (~ 2012)

Aus dem Szenario 3 „Kleinststandorte“

wird deutlich, dass schon in den nächsten

Jahren eine Entscheidung gefällt

werden muss, ob über den jahrgangsübergreifenden

Unterricht hinaus auch

einklassige Grundschulen im WMK

betrieben werden sollen (s. Abschnitt

Handlungsoptionen).

Abb. 3: Szenario 1 Konzentration (2034)

Schüler/innen je Jahrgang). In der Abbildung noch

aufgeführt ist die Löwenzahnschule in Herleshausen,

deren Schüler/innen auf andere Standorte im Rahmen

der Modellrechnungen verteilt wurden und die

Waldorfschule in Eschwege.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Arbeitsgruppe

auf drei Szenarien möglicher Handlungsoptionen verständigt:

Szenario 1 „Konzentration“ (Schließung

aller Standorte unterhalb der Mindestschülerzahl)

Szenario 2 „Kleine Standorte“ (Erhalt

aller Standorte mit jahrgangsübergreifendem

Unterricht der Klassen 1-2 und 3-4)

Szenario 3 „Kleinststandorte“

(Erhalt aller Standorte mit

einklassigen Grundschulen)

Das Szenario 1 Konzentration hätte

zur Folge, dass von den 22 Standorten

vier geschlossen werden müssten. Im

Zeitraum der Jahre 2024 bis 2034,

dem Ende des Prognosezeitraums,

wäre die Standortstruktur stabil.

Das nachfolgende Szenario 2 „kleine

Standorte“ geht davon aus, dass eine

flächendeckende Einführung des jahrgangsstufenübergreifenden

Unterrichts,

der heute schon als Ausnahme

möglich ist, die notwendige Mindestschülerzahl

zum Erhalt eines Standortes

von 52 auf 26 herabsetzen würde.

Schülerzahlindex

unter 0,5

0,5 bis 1,0

1,0 bis 1,5

1,5 bis 2,0

über 2,0

1,0 = 52 Schüler

Sekundarstufe I

Aktuell gibt es im Werra-Meißner-Kreis

11 Standorte der Sekundarstufe I, meist

in Form von kooperativen Gesamtschulen, weiterhin

gibt es zwei ‚Verbundene Haupt- und Realschulen’ und

ein Gymnasium3. Aufgrund der rückläufigen Schülerzahlen

der letzen Jahre sind bereits einige Änderungen,

vor allem in Hinblick auf die notwendige

Dreizügigkeit, beschlossen worden. So läuft die Friedrich-Ebert-Schule

in Wehretal aus, die Anne-Frank-

Schule in Eschwege hat einen Außenstandort in

Wanfried (E.-Seibert-Schule, die zweizügig ist) und die

Südringgauschule in Herleshausen ist einzügig.

Insgesamt ist in den Schulen der Sekundarstufe I von

allen Schulstufen der größte Handlungsbedarf aufgrund

rückläufiger Schulerzahlen vorhanden. Die prognostizierten

Schülerzahlen zeigen, dass sieben der

11 Schulen in der Sekundarstufe I bis zum Jahr 2034

oberhalb der derzeit vom Land Hessen geforderten

Dreizügigkeit mit einer Mindestschülerzahl in Höhe

Szenario „Kleine Standorte“

(2034)

geschlossen (~ 2018)

geschlossen (~ 2013)

Das Szenario 2 „Kleine Standorte“

Abb. 4: Szenario 2 „Kleine Standorte“ (2034)

60 Schule


Szenario „Konzentration“

(2034) geschlossen (~ 2018)

Schülerzahlindex

unter 0,5

0,5 bis 1,0

1,0 bis 1,5

1,5 bis 2,0

über 2,0

1,0 = 52 Schüler

geschlossen (~ 2014)

geschlossen (~ 2013)

Abb. 5: Szenario 3 „Kleinststandorte“ (2014)

geschlossen (~ 2012)

Prognostizierte Schülerzahlentwicklung Sek. I: KGS und Gymnasien

900

800

700

600

500

400

300

200

100

Min. KGS.

Min. Gymnasium (Sek I).

0

2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035

Brüder-Grimm-Schule (Eschwege)

Johannisberg-Schule Witzenhausen

Fr.-vom-Stein-Schule

(Hess. Lichtenau)

Rhenanus-Schule (Bad Sooden-A.)

Adam-von-Trott-Schule (Sontra)

Valentin-Traudt-Schule

(Großalmerode)

Friedrich-Wilhelm-Schule (Eschwege)

(Gymnasium)

Abb. 6 u. 7: Prognostizierte Schülerzahlenentwicklung (2009-2034)

Sekundarstufe I

Prognostizierte Schülerzahlentwicklung in der Sek. I: IGS / Hs+Rs

900

800

700

600

500

400

300

200

Min. IGS

Min. Hs+Rs

Sonderregelung IGS Wanfried

100

Sonderregelung Hs/Rs

Südringgau

0

2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035

A.-Frank-Schule (ESW)

(ohne Außenstelle in Wanfried)

A.-Frank (Außenstelle Wanfried) /

Reste E.-Selbert-Schule

(theoretische Fortschreibung, real

aktuell sehr wenige Anmeldungen)

Friedrich-Ebert-Schule (Wehretal)

(reine Fortschreibung)

Friedrich-Ebert-Schule (Wehretal)

(reales Auslaufen der Sek. I)

Südringgauschule (Herleshausen)

(aktuell fortbestehend auf Basis

einer Ausnahmegenehmigung)

von ca. 250 Schüler/innen bleiben.

Dies betrifft das Gymnasium sowie

alle kooperative Gesamtschulen

(KGS). Die KGS in Großalmerode wird

lt. Prognosemodell, basierend auf den

Zugangszahlen bis einschließlich 2009

(Grundlage aller Prognosen im Masterplan)

langfristig nicht die erforderliche

Schülerzahl erreichen. Aktuelle

Daten aus den Jahren 2010 und 2011

weisen jedoch daraufhin, dass die Anmeldezahlen

sehr deutlich (+40%)

über den Prognosezahlen liegen. Da

dies auch ein Ergebnis einer Verschiebung

der Schülerzahlen zwischen den

Schulstandorten im WMK ist, besteht

mittelfristig die Notwendigkeit einer

Fortschreibung/Aktualisierung der

Prognose. Eine weiterführende Handlungsempfehlung

kann sinnvollerweise

erst danach entwickelt werden.

Losgelöst von den aktuellen Entwicklungen

hinsichtlich der Zugangszahlen

gibt es zwei Schulen, die aktuell bzw. in

absehbarer Zeit wohl mit größter Wahrscheinlichkeit

unter die Mindestschülerzahl

fallen werden: die Schule

Wanfried als Außenstelle der A.-Frank-

Schule in Eschwege und die Südringgauschule.

Für die Schule in Wehretal

gibt es schon den Beschluss für ein Auslaufen.

Die Südringgauschule verfügt

derzeit schon über eine Sondergenehmigung

für eine einzügige Haupt- und

Realschule, die auf das große Engagement

vor Ort zurückzuführen ist. Die

Integrierte Gesamtschule IGS in Wanfried

wird ab ca. 2012 unter die geforderte

Mindestschülerzahl fallen. Es

besteht die Gefahr, dass der Rückgang

der Schülerzahlen schon zu einem früheren

Zeitpunkt deutlich stärker ausfallen

wird, da die Anmeldezahlen für das

Schuljahr 2010 in der IGS Wanfried so

gering waren, dass keine Klasse 5 eingerichtet

werden konnte, auch unter

den Bedingungen einer nur zweizügigen

IGS.

Insgesamt kann festgehalten werden,

dass sich Standorte der Schulform

„Verbundene Haupt- und Realschule“

im Werra-Meißner-Kreis nur noch mit

Sondergenehmigungen für einen

Schulbetrieb unterhalb der eigentlich

vorgesehenen Dreizügigkeit halten

können. Damit wird auch deutlich,

dass das aktuell im Hessischen Kultusministerium

diskutierte Modell einer

Mittelstufenschule voraussichtlich

keine Relevanz für den Werra-Meiß-

Schule

61


Szenario „Kleine Standorte“ (2034)

Endzustand des Szenarios

Schülerzahlindex

unter 0,7

0,7 bis 1,0

1,0 bis 1,5

1,5 bis 2,0

über 2,0

KGS

IGS

HS/RS

GYM

WAL

Die gefährdeten Sekundarstufen I-Standorte im

Werra-Meißner-Kreis liegen räumlich so weit

auseinander, dass sich durch jede der denkbaren

Schließungen keine Besserstellung eines anderen

gefährdeten Standortes ergibt. Stattdessen werden

die verbleibenden Schüler/innen

im Falle einer Schließung von ungefährdeten

Standorten (in einigen Fällen

auch außerhalb des Kreises)

aufgenommen.

Im Zentrum des Erhalts oder der

Schließung gefährdeter Sekundarstufe

I-Standorte steht die Frage, wie klein

Schulstandorte der Sekundarstufe I

werden dürfen, um noch eine gute und

ausreichend breite Schulbildung anbieten

zu können.

Folglich können zwei zeitlich zu differenzierende

Entscheidungsphasen unterschieden

werden:

Abb. 8: Szenario „Kleine Standorte“, Sekundarstufe I

Sekundarstufe II (2009)

Schülerzahlindex

unter 0,5

0,5 bis 1,0

1,0 bis 1,5

1,5 bis 2,0

über 2,0

1,0=150 Schüler

KGS

GYM

BGY

Abb. 9: Sekundarstufe II, KGS (Kooperative Gesamtschule), GYM

(Gymnasium), BGY (Berufliches Gymnasium)

Kurzfristiges Handeln/Reagieren: Die

erste Entscheidungsphase hat mit der

Entscheidung zur Schließung der Sekundarstufe

I in Wehretal begonnen

und erfordert kurzfristig Entscheidungen

über die Standorte Wanfried und

– etwas später – erneut über den

Standort Herleshausen. In beiden Fällen

geht es vor allem um ein Reagieren

auf die Schülerzahlentwicklungen,

da für Gegensteuerungsstrategien

kaum Zeit bleibt. Im Mittelpunkt

steht daher die Frage, wie klein Sekundarstufen

I-Standorte sinnvollerweise

werden dürfen, um noch eine

gute und ausreichend breite Schulbildung

anbieten zu können.

Mittelfristiges Handeln/Gestalten:

Der Veränderungsdynamik der letzten

Jahre geschuldet, sollte mittelfristig

eine Neuprognose zu den Schülerzahlen

erstellt werden, um auf dem dann

aktuellen Ergebnis basierend, Handlungsempfehlungen

zu entwickeln.

ner-Kreis haben wird, da die vorgesehenen Mindestschülerzahlen

denen der bisherigen Verbundenen

Haupt- und Realschulen ähneln werden.

Wird auch für die Sekundarstufe I ein Szenario „Kleine

Standorte“ angenommen (s. Abb. 8) , in dem alle

Schulstandorte über Sonderregelungen bis hin zur

Einzügigkeit erhalten bleiben, mit Ausnahme der bereits

beschlossenen Schließung der Sekundarstufe I in

Wehretal, so sind zwei Ergebnisse herauszustellen:

Vor dem Hintergrund der Gestaltungsmöglichkeiten

wurde überprüft, ob eine Änderung der Grundschuleinzugsbereiche

zu einer Stärkung der Valentin-

Traudt-Schule in Großalmerode führen könnte. Die

diesem Gestaltungsansatz zugrunde liegende Annahme

lautet, dass Grundschüler bei einem Wechsel

zur Sekundarstufe I mit hoher Wahrscheinlichkeit

einen Schulstandort in der Nähe ihrer jeweiligen

Grundschule aufsuchen werden, im Falle von Großalmerode

das benachbarte Schulzentrum.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die Grundschüler/innen

von Großalmerode zu einem erheblichen

Teil anderen Grundschulen als der Bilsteinschule in

Nachbarschaft zur Valentin-Traudt-Schule zugeordnet

sind. Ein Neuzuschnitt würde nicht zur Gefährdung

der Grundschule Meißnerland führen, da diese auch

62 Schule


weiterhin eine ausreichende Anzahl an Schüler/innen

haben würde. Folglich könnte die Sekundarstufe I in

Großalmerode durch einen geänderten Zuschnitt der

Grundschuleinzugsbereiche gestärkt werden.

Sekundarstufe II

Von den sechs Oberstufen in öffentlicher Trägerschaft

in fünf Gemeinden des Kreises haben bereits heute

zwei Standorte (Bad Sooden-Allendorf und Sontra)

eine so geringe Anzahl an Schüler/innen, dass ein regulärer

Oberstufenbetrieb fraglich ist (Abbildung 9).

Wenn im Sinne eines Konzentrationsszenarios die Sekundarstufen

II geschlossen werden würden, die nicht

mehr über die notwendige Anzahl an Schüler/innen

verfügen, hätte dies zur Folge, dass im Jahr 2030 nur

noch die beiden (ehemaligen) Kreisstädte Witzenhausen

und Eschwege über Oberstufenangebote verfügen

würden. Es kristallisieren sich ähnlich der Sekundarstufe

I dabei auch bei den Oberstufen zwei schulentwicklungspolitische

Entscheidungsphasen heraus:

Die erste Entscheidungsphase (2014) steht unmittelbar

bevor und betrifft die Oberstufen in

Bad Sooden-Allendorf und Sontra. Es stellt sich

die Frage, wie „dünn“ Jahrgangsstufen werden

dürfen, bevor die Qualität der schulischen Ausbildung

(Fächerangebot, Fachlehrerausstattung) zu

sehr leidet. In der Diskussion der Arbeitsgruppe

bestand Konsens, dass im Bereich der Sekundarstufe

II dem Kriterium der Mindestbreite eine

deutlich größere Bedeutung zukommt als im Bereich

der Sekundarstufe I.

Die zweite Entscheidungsphase betrifft den Umgang

mit dem mittelfristig gefährdeten Ober-stufenstandort

Hessisch Lichtenau (2029). Hier

stehen noch etwa 10 Jahre zur Verfügung, um –

sofern gewollt – eine Gegenstrategie zu entwikkeln

und umzusetzen.

Zusammengefasste Ergebnisse der Arbeitsgruppe

Die Ergebnisse zeigen, dass jeder Schulstandort

seine eigene Strategie entwickeln muss, denn es

gibt keine strategischen Abhängigkeiten in der

Form, dass ein Standort zugunsten eines anderen

gefährdeten Standortes geschlossen werden

könnte, da die gefährdeten Standorte zu weit

auseinander liegen.

Angebotsvielfalt versus Qualität: Es wird in der

Diskussion der Arbeitsgruppe deutlich herausgestellt,

dass ein fachlich breites Angebot (Vielfalt)

nicht unbedingt Auswirkungen auf die Qualität

der Standorte und andere Faktoren, wie z.B. das

Erlernen sozialer Kompetenzen hat. In der Arbeitsgruppe

wurde weiterhin herausgestellt, dass

im Bereich der Sekundarstufen II das Kriterium

der Mindestschülerzahl eine größere Bedeutung

zukommt als in der Sekundarstufe I.

Schulcampus: Die Kombination von Schulstandorten

mit z.B. städtischen Büchereien und einer

pädagogischen Mittagsbetreuung sowie verschiedenen

Freizeitangeboten ist eine Möglichkeit,

die Attraktivität von Standorten zu erhöhen.

Einig sind sich die Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe,

dass Schulstandorte nicht nur Lernorte

sind, sondern auch zu wesentlichen Teilen die Attraktivität

ländlicher Räume ausmachen. Folglich

ist die Schulstandortdiskussion nicht nur einseitige

in Richtung Angebotsvielfalt und pädagogische

Konzepte zu führen sondern insgesamt in

Bezug auf die Zukunft ländlicher Räume.

Die Kosten für die Schulstandorte standen in der

bisherigen Betrachtung im Rahmen des Modellvorhabens

nicht im Mittelpunkt. Es gibt jedoch

die eindeutige Vorgabe, dass nur an den Standorte

künftig investiert werden soll, die durch

tragfähige Konzepte (z.B. Sonderformen) über

eine gewisse Planungssicherheit verfügen.

Die hier dargestellten Ergebnisse sollen im Kreistag

sowie in den Städten und Gemeinden diskutiert werden

und es ist darauf aufbauend zu entscheiden, ob,

wo und unter welchen Voraussetzungen alternative

Schulmodelle weiterhin bzw. künftig ermöglicht und

unterstützt werden sollen. Diese Diskussionen sind

mit den politischen Vertreter/innen innerhalb der Region,

mit Vertreter/innen der Städte und Gemeinden,

den Schulen sowie des Landes zu führen.

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• Schaffung eines Netzwerks Kultur

- Kultur macht Schule (17)

1) Die Waldorfschule ist nach den Absprachen der Arbeitsgruppe bezogen

auf die Gesamtschülerzahl mit berücksichtigt worden. Der Nachfragerückgang

entspricht dem durchschnittlichen Rückgang des Kreises.

2) Der Index berücksichtigt die Vorgaben des Hessischen Schulgesetztes:

unter 0,5 bis 1,0 bedeutet, dass zwischen 52 und 26 Schüler/innen die jeweilige

Schule besuchen. Unter 0,5 bedeutet, dass die Anzahl der Schüler/innen

unter 26 fällt. Der Index wurde für alle Abbildungen konstant

gehalten. Die Interpretation fällt je nach Szenario unterschiedlich aus.

3) In der Prognose wurde das derzeitige Anwahlverhalten der einzelnen

Schulformen konstant fortgeschrieben.

Schule

63


Siedlungsflächen

7.7 Siedlungsflächen

Das Thema Siedlungsflächen wurde in der ersten Sitzung

der Arbeitsgruppe „Siedlungsflächen, Energie

und Erreichbarkeiten“ als Schwerpunktthema von

den Teilnehmer/innen bestätigt (s. Kap. Infrastrukturauswahl).

Der Schwerpunkt im Thema Siedlungsflächenentwicklung

wurde auf Innenentwicklung und

Wohnen gelegt.

Die Vorgehensweise weicht von der Bearbeitung der

anderen Infrastrukturen ab, da keine Modellrechnungen

über das künftige Nachfrageverhalten durch

das externe Begleitbüro (GGR) erarbeitet wurden.

Die Teilnehmer/innen waren sich darüber einig, dass

sie mit quantitativen Nachfrageschätzungen i.d.R.

nicht die spezifischen lokalen Bedingungen erfassen

können und dass für die grobe Abschätzung der Gesamtnachfrage

die vorhandene Bevölkerungsprognose,

die in einem gemeinsamen Termin präsentiert

wurde, ausreichend ist. Folglich wurden als Ziele der

Arbeitsgruppe im Thema Siedlungsflächen die Diskussion

guter Beispiele und möglicher Lösungswege

zur Vermeidung von Leerstand und damit zur Initiierung

von Innenentwicklung sowie einzelne qualitative

Nachfrageaspekte zum Thema Wohnqualität und

Wohnstandort definiert.

Das Thema Siedlungsflächenentwicklung/Innenentwicklung

ist seit vielen Jahren ein Schwerpunktthema

von Städten und Gemeinden sowie des Kreises innerhalb

der Modellregion. Dies zeigt sich in verschiedenen

Aktivitäten und Programmen, die

umgesetzt werden. Die wichtigsten sind:

64 Siedlungsflächen


• Stadtumbau Hessen (in Form verschiedener

Kooperationen der Städte und Gemeinden,

auch über Kreisgrenzen hinaus),

• Städtebauförderprogramme wie z.B.

Stadtsanierung,

• Programm Soziale Stadt,

• ländliche und regionale Förderprogramme

wie z.B. Dorferneuerung oder LEADER und

• Aktivitäten im Forum Demografie z.B.

Leerstandskataster.

Ausgangssituation und Hintergrund

Im gesamten Werra-Meißner-Kreis gibt es Leerstände,

darüber hinaus sind die Immobilienpreise

vergleichsweise niedrig und auch die Nachfrage nach

Wohnraum – insbesondere nach Neubauaktivitäten –

ist gering. Vor diesem Hintergrund wird ein kreisweites

Leerstands- und Baulückenkatasters erstellt.

Einige Städte und Gemeinden haben bereits ihre

brachliegenden Flächen und leerstehenden Gebäude

benannt, andere sind noch bei der Bearbeitung. Darüber

hinaus gibt es Projekte in den Kommunen bzw.

des Kreises, die eine stärkere Vermarktung leerstehender

Bausubstanz zum Ziel haben, so z.B. in Wanfried

oder die bundesweite Werbeaktion des Kreises

„Leben Arbeiten Wohnen im Werra-Meißner-Kreis“.

Auch das Projekt mit dem Titel „Innerörtliches Flächenmanagement“

will in einer Gemeinde die Innenentwicklung

durch Zusammenlegung geeigneter

Flächen in zentraler Lage stärken.

In allen Städten und Gemeinden des Werra-Meißner-

Kreises gibt es einen Konsens, dass keine neuen Baugebiete

ausgewiesen werden sollen. Dieser Konsens

wurde in der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe bestätigt.

• Wie ist die aktuelle Nachfrage nach

Neubauflächen?

• Welche Wohnqualitäten und Wohnformen in

Abhängigkeit zur Lage werden aktuell und

künftig nachgefragt? Hierbei kann eine Typisierung

der Wohnungsnachfrage ein erster

Ansatz sein, um bedarfsorientiert die vorhandenen

Angebote weiterzuentwickeln

und zu klassifizieren.

• Welche Förder-/Anreizinstrumente können

eine stärkere Nachfrage nach Bestandsimmobilien

in den Kernbereichen hervorrufen? Wie

kann die Nachfrage nach freistehenden

Einfamilienhäusern beeinflusst werden und in

Richtung Innentwicklung gelenkt werden?

• Welche Immobilien sollen/können abgerissen

werden? Hierfür ist eine differenzierte

Bestandsbewertung notwendig (auch unter

städtebaulichen Gesichtspunkten – ortsbildprägende

Gebäude).

Mit Antworten auf die o.g. Fragestellungen soll die

Effektivität des Einsatzes vorhandener Instrumente

und lokaler Strategien erhöht werden. Insbesondere

erhoffen sich die Teilnehmer/innen Angaben über die

Anforderungen von Nutzer/innen im Bezug auf

Wohnqualität und Wohnformen.

Neubauflächen

In der Arbeitsgruppe wurden die durchschnittlichen

Wohnungsbauaktivitäten der Jahre 2005 bis 2007

vorgestellt und diskutiert (s. Abb. 1). Im Ergebnis

wurde die geringe Anzahl an Neubauaktivitäten von

allen Teilnehmer/innen bestätigt. Die tatsächlichen

Bauaktivitäten liegen jedoch nach Aussagen der Lei-

Die Hauptakteure im Thema Siedlungsflächenentwicklung

sind die Städte und Gemeinden, da sie über

die bestehenden Instrumente (z.B. Bauleitplanung)

den Rahmen der künftigen Entwicklungen vorgeben.

Dabei besteht die Schwierigkeit, dass die Instrumente

der Kommunen meist auf Neubauflächenentwicklungen

ausgerichtet sind und Innenentwicklung

hierbei nur indirekt gefördert werden kann bzw. die

o.g. Programme zur Bestandsentwicklung verwendet

werden können.

Zielsetzung und Fragestellung

Die Zielsetzung im Thema Siedlungsflächenentwicklung

umfasst die Stärkung der Innenentwicklung

und den Erhalt ortsbildprägender Bausubstanz.

Folgende Fragen wurden hierbei von der Arbeitsgruppe

definiert:

Siedlungsflächen

65


ter der Bauämter über den statistisch erfassten Angaben,

da die amtliche Statistik z.B. keine Dachgeschossausbauten

umfasst.

Trotzdem wird von allen die Grundaussage bestätigt,

dass Neuausweisung kein vorrangiges Thema innerhalb

des Kreises ist. In allen Städten und Gemeinden

stehen ausreichend planungsrechtlich

abgesicherte Neubaugebiete zur Verfügung, die als

Reserve verstanden werden können. Neubau spielt

bei der künftigen Siedlungsflächenentwicklung eine

untergeordnete Rolle. Kernthema künftiger Siedlungsflächenentwicklung

ist das Thema Innen- und

Bestandsentwicklung.

• Welche Hemmnisse sind vorhanden, die eine

Nachfrage nach Bestandsimmobilien behindern

(z. B. Baumängel, unklare Modernisierungskosten,

Nutzungseinschränkungen,

Denkmalschutzvorgaben)?

• Welche Qualitäten sind im Innenbereich

vorhanden, die sich positiv auf eine Nachfrage

auswirken?

• Welche Wohnformen werden nachgefragt?

• Welche rechtlichen Rahmenbedingungen

behindern die Nachfrage?

Zur Differenzierung der tatsächlichen Bauaktivitäten

wird darauf hingewiesen, dass kommunale Bautagebücher

ausgewertet werden könnten. Sie beinhalten

u.a. Dachgeschossausbauten und Umbauten und

geben ein differenzierteres Bild der tatsächlichen Aktivitäten

im Wohnungsbestand wieder. Die Erhebung

und Auswertung könnte über die Städte und Gemeinden

erfolgen.

Nachfragenanalyse

– Wohnqualitäten und Wohnformen

Die Erhebung des Nachfrageverhaltens wurde für

verschiedene Fragestellungen von einer Studentengruppe

des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung,

Landschaftsplanung der Universität Kassel übernommen

und im Februar 2010 in einer gemeinsamen Sitzung

aller Arbeitsgruppen vorgestellt1. Die 15

Student/innen haben die Themen Wasser/Abwasser,

Kultur, Nahversorgung und Wohnqualitäten erhoben.

Für die Bedarfserfassung in Form von qualitativen Interviews

wurden einige Fragestellungen im Bezug auf

Wohnwünsche und Wohnwirklichkeit durch die Arbeitsgruppe

zusammengetragen.




























• Wie können vorhandene Angebote besser

vermarktet werden? Welche Anreizmodelle

sind erfolgreich? (z.B. Bau- und Architekturberatung

für leerstehende Gebäude)

Die Nachfrageanalyse erfolgte durch eine qualitative

Befragung, bei der individuelle Meinungen zu Wohnwünschen

und wirklichkeiten erhoben und miteinander

verglichen wurden. Im Rahmen der

studentischen Untersuchung wurden aus den oben

genannten Fragen die folgenden zwei Forschungsfragen

bearbeitet:

• Warum bevorzugen neu Hinzuziehende den

Randbereich vor dem Ortskern?

• Welche Qualitäten, Mängel und Potentiale

besitzt der Kernbereich aus Sicht der

Bewohner/innen?

Um die genannten Fragen beantworten zu können,

bekamen die Bewohner/innen des Randbereichs andere

Fragen gestellt als die Bewohner/innen von Ortskernen.

An dieser Stelle muss kurz die Schwierigkeit

bei der Definition von Rand und Kernbereich genannt

werden. Die Projektgruppe ist

auf die subjektive Einschätzung der befragten

Personen, ob sie im Rand

oder Kernbereich eines Ortes wohnen,

angewiesen. Dabei kann es eventuell

zu unterschiedlichen Einschätzungen

kommen. Insbesondere besteht die

Gefahr, dass aufgrund der Zufallsauswahl

der Befragten Einzelmeinungen

zu starkes Gewicht erhalten.

Aufgrund einer geringen Zahl der Befragten

und der räumlichen Eingrenzung

auf die Stadt Witzenhausen, sind

die Ergebnisse als Thesen zur weiteren

Diskussion und als Hinweise für weitere

Untersuchungen zu verstehen.

Abbildung 1: Baufertigstellung von Wohngebäuden (jährlicher

Durchschnitt, 2005-2007), Datengrundlage Hessisches Statistisches

Landesamt Wiesbaden.

Eigentumsverhältnis: Als Ergebnis der

Befragung stellt sich heraus, dass alle

Befragten, die im Randbereich woh-

66 Siedlungsflächen


nen, in einer Eigentumswohnung bzw. in ihrem eigenen

Haus leben. Im Kernbereich hingegen stehen

die Befragten öfter in einem Mietverhältnis, als dass

sie Eigentümer/innen des bewohnten Objekts sind.

Hieraus lässt sich schließen, dass im Kern des Orts

eventuell ein zu geringes Angebot an Eigentumswohnungen/

häusern besteht und folglich die

These aufgestellt werden kann, dass wer in Witzenhausen

Eigentum sucht, offenbar eher an den Rand

zieht. Die These des zu geringen Angebots muss in

Bezug auf andere Gründe, wie z.B. Marktintransparenzen,

Ausstattungsmerkmale, unklare Eigentums

und Verfügungsrechte, ungeeignete Objekte etc.) geprüft

werden.

Die Frage nach den Stärken und Schwächen des

Kernbereichs wird damit beantwortet, dass im Kern

zu wenig Parkplätze vorhanden seien, die Einkaufsmöglichkeiten

eher am Rand lägen, die Grundstücksgrößen

und -zuschnitte unattraktiv und die

Energiekosten zu hoch seien. Hierbei handelt es sich

um Schwächen des Kernbereichs, deren Ausgleich

vonnöten ist, um neue Bewohner/innen anzuziehen.

Teilweise besteht ein sehr hoher Sanierungsbedarf

bei den Altbauten. Diese Schwäche wurde

bei der Befragung jedoch nicht mit einer langen Sanierungsdauer

oder starken praktischen Umsetzungsprobleme

gleichgesetzt. Daraus lässt sich

schließen, dass es entweder eine realistische Einschätzung

des Sanierungsbedarfs gibt oder vergleichsweise

kurze Sanierungszeit und kaum

praktische Umsetzungsprobleme bei der Altbausanierung

vorhanden sind.

Seltener wird genannt, dass der Gebäudezustand in

der Umgebung schlecht, die Raumaufteilung unattraktiv

und die Denkmalschutzrichtlinien kompliziert

seien. Auch hier sind Schwächen erkennbar, an denen

gearbeitet werden muss beziehungsweise werden Potentiale

deutlich, die genutzt werden sollten.

Es wurde außerdem nach den Qualitäten des Randbereichs

gefragt, um einen Vergleich zwischen Kernund

Randbereich durchführen zu können. Demnach

wird der Ortsrand als grün und ruhig empfunden, die

Wohnflächen sind größer als im Kern, das Wohnungsangebot

ist günstiger und das Angebot an Eigentumswohnungen/-häusern

größer. Das

Wohnumfeld wird als attraktiv bezeichnet, ebenso

wie die Grundstücksgrößen und -schnitte, die Nachbarschaft

ist angenehm und die Aufteilung der

Räume in den überwiegenden Neubauten attraktiv.

Als Handlungsempfehlungen ließe sich daraus ableiten,

dass der Ortskern attraktiver gestaltet werden

muss und größere Wohnflächen und mehr Eigentumsangebote

vorhanden sein müssten, damit die Interessent/innen

sich für den Ortskern statt für den

Ortsrand entscheiden. Eine weitere Frage bezog sich

auf die Bereitschaft der Befragten, vom Randbereich

in den Kernbereich zu ziehen und umgekehrt. Ergebnis

hierbei ist, dass ein Großteil der im Kernbereich

lebenden Befragten sich vorstellen kann, selbst

zu bauen, beziehungsweise in einen Neubau am

Ortsrand zu ziehen. Von den Befragten aus dem

Randbereich kann sich keiner vorstellen, in den Kern

zu ziehen. Ihre Gründe dafür sind: Sie haben dort

Neubauwohnen bezogen, Sie wohnen schon immer

dort, Sie mögen die ruhige, schöne, naturnahe Lage

und die Weitläufigkeit am Ortsrand und die Gebäude

im Kern sind ihnen zu alt. Hieraus lässt sich die These

ableiten, dass das Potential an neuen

Bewohner/innen für den Ortskern bei neu hinzuziehenden

Personen liegt und nicht bei denen, die bereits

am Rand wohnen.

In der Bewertung zeigt sich deutlich, dass die Randbereiche

trotz vieler Qualitäten der Kernbereiche die

beliebteren Wohnstandorte sind. Wenn weiterhin

der Kurs der Innenentwicklung verfolgt werden soll,

müssen die vorhandenen Schwächen der Ortskerne

beseitigt werden, um für den Zuzug von Menschen

beziehungsweise den Erhalt von Einwohner/innen

sorgen zu können. In weiteren Befragungen mit

eventuell angepassten Fragebögen sollte geklärt werden,

inwieweit die genannten Thesen wirklich zutreffen

und auf andere Städte und Gemeinden

übertragbar sind oder aufgrund der geringen Menge

an Befragungen Fehler aufweisen. Die genannten

Handlungsempfehlungen sollen nur als Anregung für

Diskussionen dienen und müssen gegebenenfalls

konkretisiert werden. Im Zusammenhang mit der geringen

Nachfrage nach Neubauten und einer geringen

Gesamtbauaktivität (s. o. Bautätigkeit) ist generell

zu fragen, ob und wann sich Investitionen in die Bausubstanz

amortisieren. Hierzu wurde im Arbeitskreis

einerseits auf die Tatsache hingewiesen, dass von

Leerstand nicht sanierte oder modernisierte Gebäude

Siedlungsflächen

67


etroffen sind und nicht qualitativ höherwertiger

Wohnraum. Darüber hinaus zeigt die Um- und Zuzugsbefragung

aus Eschwege, dass ein Hauptgrund

für Umzug die qualitative Verbesserung der Wohnsituation

ist (s.u.). Folglich ist eher der Umkehrschluss

zu ziehen, dass gerade bei einer geringen Bauaktivität

nur die Immobilien vermarktet werden können,

die über ein ausreichendes Maß an Qualität und

Standard verfügen.

Beispiele und Studien

Im Rahmen des Masterplanprozesses wurden verschiedene

Beispiele, Projekte und aktuelle Studien

vorgestellt und diskutiert, die als Anregungen dienen

sollen.

Verminderung von Leerständen: Wächterhäuser Leipzig.

Wesentliches Element von Wächterhäusern ist die

Verminderung von Leerstand. Das Modell der mietfreien

Überlassung von Gebäuden an Nutzer/innen für

einen Zeitraum von fünf Jahren wurde zuerst in der

Stadt Leipzig erprobt und ist mittlerweile in viele andere

Städte und Kleinstädte „exportiert“ worden. Wesentliche

Elemente sind: die Renovierung und

Instandsetzung durch Mieter/innen (inkl. Materialkosten),

eine Laufzeit von fünf Jahren die über eine Gestattungsvereinbarung

geregelt ist sowie die

Kombination des mietfreien Wohnens mit einem Konzept

als Grundlage (wie z.B. Künstleratelier oder Werkstatt).

Zusätzlich wird ein kommunaler Zuschuss für

Instandsetzung gewährt, der z.B. für Dachreparaturen

verwendet wird. Darüber hinaus wird in vielen Fällen

die Bewohnbarkeit des Gebäudes zu Beginn erst noch

hergestellt und es werden Anschlüsse, etc. bis an die

Mieträume gelegt. In Leipzig gibt es mittlerweile 16

Gebäude mit 200 „Wächter/innen“, die Nachfrage ist

deutlich größer, jedoch sind die Eigentümer/innen

noch vergleichsweise verhalten.

Kommunale Strategie / Innenentwicklung: Richtlinie

der Stadt Eschwege zur Gewährung städtischer Zuschüsse

für das Bauen im Bestand: Die Richtlinie gilt

seit 2009. Sie gewährt städtische Zuschüsse für

Bauen im Bestand bei Modernisierung und Instandsetzung,

Um- und Ausbau zur Schaffung bedarfgerechter

Grundrisse, Barrierefreiheit, Neubau (in

Baulücken), Abriss ortsbildstörender Anlagen/Bauteile.

Weitere Bedingungen sind, dass die Gebäude

älter als 50 Jahre sein müssen (außer bei Baulückenbebauung

und Abriss) und Investitionen von mind.

300€/m² getätigt werden. In diesen Fällen erhält der

Antragstellende einen einmaligen Zuschuss in Höhe

von 20 %, höchstens 15.000.- €. Im Ergebnis wurden

im Jahr 2009 sechs Maßnahmen gefördert, trotz

deutlich größerem Interesse, da die Förderbedingungen

nur bei diesen Antragsteller/innen erfüllt wurden.

Vor allem die Bedingungen des „Alters der Gebäude“

und des Investitionsvolumens von 300.-€/m² führten

zum Ausschluss. Die Übertragbarkeit dieses kommunalen

Instruments zur Förderung der Innenentwicklung

wurde von den Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe

teilweise skeptisch eingeschätzt, da die

kommunale Haushaltslage teilweise kein eigenes Förderprogramm

zulässt und die notwendige Investitionshöhe

teilweise als zu hoch angesehen wurde.

Wohnqualitäten / Um- und Zuzugsbefragung der

Stadt Eschwege. Es handelt sich hierbei um eine

quantitative schriftliche Befragung, die sich an alle

zu- und umgezogenen Personen der Stadt Eschwege

im Jahr 2009 wendet. Der Rücklauf betrug knapp

18%. Generell konnten im Rahmen der Befragung

zwei Prozesse in der Stadt Eschwege genauer beobachtet

werden: einerseits der Zuzug von außen (vor

allem im Rahmen von Standortoptimierungen) und

andererseits der Umzug innerhalb der Stadt. Wesentliche

Ergebnisse sind u.a., dass Qualitätsverbesserungen

an erster Stelle stehen und nicht, wie

andere Befragungen zeigen, individuelle Gründe. Anders

ausgedrückt handelt es sich um Mängel der

alten Wohnung, die zu Umzügen führen. Folglich

kann durch die Studie abgeleitet werden, dass es eine

Nachfrage nach qualitativ höherwertigem Wohnraum

in der Stadt Eschwege gibt.

Lokale Beratung / Wohn-Lotsen in Cuxhaven oder

Bürgergruppe Wanfried: Das Projekt der Wohn-Lotsen

und die Aktivitäten der Bürgergruppe in Wanfried

sind jeweils als lokale und niedrigschwellige

Ansätze für Modernisierungs- und Sanierungsaktivitäten

anzusehen. In Cuxhaven wurden ehemalige

Handwerker gewonnen, mit ihren Nachbarn über

Bausubstanz, Investitionen o.ä. zu reden. Denn eines

der wesentlichen Hemmnisse bei regionalen oder

auch teilweise stadtweiten Programmen und Angeboten

ist, dass sie die Hausbesitzer/innen teilweise

nicht erreichen. Die Bürgergruppe in Wanfried engagiert

sich in ähnlicher Weise und verbindet dies mit

kostenfreien Bauberatungen bis hin zu Finanzierungsberatungen

und Kontakten zu Unternehmen.

Ergebnisse

Kontrovers diskutiert wurde, ob bestehende Bebauungspläne

zurückgenommen werden sollten. Da

Neubau kaum noch Thema ist, wurde von einigen

die Meinung vertreten, dass die Bebauungspläne

auch nicht geändert werden müssen. Da jedoch einzelne

Neubauten immer noch stattfinden und nicht

überall Bebauungspläne mit Teilabschnitten definiert

wurden, besteht die Gefahr, dass die vermeintlich

attraktiven Randbereiche zuerst bebaut

werden und dann viele Baufelder leer bleiben. Um

dies zu verhindern könnte eine Rücknahme von Bebauungsplänen

ein geeignetes Mittel sein. Die mögliche

Symbolwirkung eines solchen Vorgehens auf

andere Kommunen wurde von einigen Teilnehmer/innen

bestätigt. Insgesamt konnte kein Konsens

über die Rücknahme von Neubaugebieten in

68 Siedlungsflächen


Als mögliche Weiterentwicklung des Leerstandskatasters

wurde die Einbindung einer „prognostizierenden

Komponente“ angedacht (Immobilien

mit Alleinnutzung, Alter der Bewohner). Es ist zu

überprüfen, ob damit Aussagen über zu erwartende

Flächen als interne Planungshilfe getroffen

werden können.

Auch wurde vorgeschlagen zu prüfen, wie das

Baulücken- und Leerstandskataster dazu genutzt

werden kann, Zusammenhänge von Infrastrukturangeboten

(Qualitäten) und Leerständen

quantitativ zu belegen.

Handlungsempfehlungen

Bebauungsplänen erreicht werden. Für die Zukunft

wurde empfohlen, dass möglichst in einzelnen Gemeinden

hierzu erste Ansätze und Änderungen vorgenommen

werden sollten und die damit erzielten

Effekte den anderen Städten und Gemeinden mitgeteilt

werden sollen.

Nach einem Hinweis des Regierungspräsidiums Kassel

will das Land Hessen ab 2011 einen neuen Fördertopf

zur Innenentwicklung auflegen, bei dem im

ersten Schritt Innenentwicklungspotentiale erfasst

werden und darauf aufbauend im zweiten Schritt

Projekte gefördert werden sollen. Die weitere Ausgestaltung

dieser neuen Förderung ist noch unklar.

Im Sinne von weiteren und noch offenen Fragen, die

im Rahmen eines Verstetigungsprozesses zu klären

sind, wurden folgende Bereiche genannt:

Welche Möglichkeiten haben Kommunen, eigene

Instrumente zur Förderung der Innenentwicklung

aufzulegen? Hier sollten weitere Untersuchungen

über Erfolg und Misserfolg von verschiedenen Instrumenten

erfolgen.

Weiterhin wurde vorgeschlagen zu prüfen, ob

kommunale Baugesellschaften gegründet werden

könnten, um leerstehende Gebäude aufzukaufen,

zu sanieren und wieder am Markt zu platzieren.

Nicht behandelt wurde im Zusammenhang mit

dem Thema Innenentwicklung die Gruppe der

Personen, die über ein geringes Einkommen verfügen,

aber als Nachfrager für Gebäude im Innenbereich

potentiell in Frage kommt. In diesem

Zusammenhang sind weitere Untersuchungen

oder Konzepte zu entwickeln.

Eine Regelförderung als Anreizinstrument ist notwendig.

In der Vergangenheit sind viele positive

Effekte mit der einfachen Stadterneuerung erzielt

worden. Beispielsweise konnten in Bad Sooden-

Allendorf mit diesem Anreizinstrument 80 Gebäude

saniert werden (Förderung 30 % zu 70 %

Eigenanteil. Die Teilnehmer/innen stellen die Forderung

an Bund und Land, einfache Anreizinstrumente

als Regelförderung wieder aufzulegen.

Das Instrument des „Bürgerrundgangs“ sollte über

die Möglichkeiten der Dorferneuerung hinaus eingesetzt

werden, um eine Bewertung von Gebäuden

im Hinblick auf „ortsbildprägend“ bis hin zu

„keine Bedeutung, kann abgerissen werden“ vorzunehmen.

Darauf aufbauend sollen im Sinne

einer Prioritätensetzung die Gebäude mit ortsbildprägendem

Charakter vordringlich im Rahmen lokaler

und regionaler Strategien erhalten werden

und ggf. neuen Nutzungen zugeführt werden.

Die Denkmalschutzbehörde sollte bei allen Konzepten

zur Innenentwicklung stärker in die Auseinandersetzung

einbezogen sein. Gleichzeitig

wird gefordert, dass die Denkmal schutzvorbehalte

gelockert werden.

Im Arbeitskreis wird der Vorschlag formuliert,

dass die Mittel für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen,

die bei Flächenverbrauch und Versiegelung

im Außenbereich anfallen, für eine

Förderung der Innenentwicklung umgewidmet

werden sollten. Dies ist aktuell nicht umsetzbar,

da damit eine Quersubvention vorgenommen

würde. Im Zuge des Modellvorhabens und seiner

Verstetigung sollte geprüft werden, ob solche

Ansätze im Sinne einer Anreizstrategie künftig

aufgelegt werden könnten.

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• Wettbewerb Wohn(t)räume für jung und alt (2)

• Studie ‚Generationenübergreifende

Wohnqualitäten’ (13)

• Sanieren im Bestand (22)

1) Der Abschnitt zur Nachfrageanalyse ist eine gekürzte Fassung des Ergebnisberichts der Universität Kassel, Qualitative Bedarfsabschätzungen für die

Infrastruktur im Werra-Meißner-Kreis, Juni 2010. Dort sind weitere Informationen zu Fragebögen, Interviewpartner und –orten zu entnehmen.

Siedlungsflächen

69


Erreichbarkeiten

7.8 Erreichbarkeiten

Die Sicherung der Mobilität gehört zu einer der

grundlegenden Aufgaben in der Daseinsvorsorge in

ländlichen Räumen, da sie für die Inanspruchnahme

vieler Angebote von der Grundversorgung bis zu Bildungs-

und Kulturangeboten Voraussetzung ist. Erreichbarkeit

ist ein Querschnittsthema, das alle

anderen Infrastrukturbereiche berührt. Organisatorisch

wurde das Thema Erreichbarkeit in der AG 3

verortet, um Grundlagen der Bewertung und von

Entwicklungsstrategien zu erarbeiten. Die Arbeitsergebnisse

wurden in den beiden anderen Arbeitsgruppen

vor- und zur Diskussion gestellt. Ggf.

abweichende Standpunkte der Arbeitsgruppen sind

im Text vermerkt.

In der Arbeitsgruppe haben zwischen 15 und 25 Personen

aus unterschiedlichen Bereichen an insgesamt

acht Sitzungen teilgenommen. Zu den Teilnehmer/innen

gehörten Vertreter/innen des Kreises

(Kreisauschuss, Bauen und Umwelt, Ländlicher

Raum), Vertreter der kommunalen Bauverwaltungen

sowie weitere Vertreter/innen der Kommunen, ein

Vertreter der Nahverkehr Werra-Meißner GmbH, ein

Vertreter der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement,

ein Vertreter der Kreistagsfraktion Bündnis

90/die Grünen, ein Vertreter des BUND,

Unternehmer, eine Vertreterin des Regierungspräsidiums

Kassel und interessierte Privatpersonen. Geleitet

wurde die Arbeitsgruppe von Frau Ursula

Baumgärtel-Blaschke, Leiterin des Fachdienstes

Ländlicher Raum des Werra-Meißner-Kreises.

Zielsetzung

Die Arbeitsgruppe verständigte sich auf folgende

Zielsetzung zum Thema Erreichbarkeiten:

Entwicklung von Konzepten für eine flächendekkende

ÖPNV-Anbindung im Sinne einer Daseinsvorsorge.

70 Erreichbarkeiten


Nahversorgungszentren Zentralere Orte im WMK Sehr zentrale Orte, auch

(14 Orte) (5 Orte) außerhalb WMK (5 Orte)

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3

Abterode Eschwege Eschwege

Bad Sooden-Allendorf Witzenhausen Kassel

Datterode Hessisch Lichtenau Göttingen

Eschwege Bad Sooden-Allendorf Eisenach

Frankershausen Sontra Bad Hersfeld

Grebendorf

Großalmerode

Herleshausen

Hessisch Lichtenau

Reichensachsen

Sontra

Waldkappel

Wanfried

Witzenhausen

Tab 1: Arbeitsergebnis AG 3 „Auswahl und Zuordnung der Zentralörtlichkeit“

(folgt nicht der zentralörtlichen Gliederung des Landesentwicklungsplans,

ist aber vielfach deckungsgleich).

Grundlagen der Analyse der

Ausgangssituation

Die Vorgehensweise sah in einem nächsten Schritt

vor, mit Hilfe des Büros GGR aus Hamburg, das aktuelle

ÖPNV-Angebot zu analysieren. Prinzipiell

war die vorhandene Datengrundlage hierfür sehr

gut geeignet (s.u.), allerdings erforderte eine Bewertung

der Ist-Situation eine vorherige Bestimmung

von Bewertungsparametern, anhand derer

die Qualität beurteilt werden kann. Entsprechend

befasste sich die Arbeitsgruppe mit der Definition

der Art und Qualität des gewünschten ÖPNV-Angebotes

im Sinne der Daseinsvorsorge und folgenden

Fragestellungen:

Welches System lässt sich für den Bedarf an

Mobilität im Werra-Meißner-Kreis aufstellen?

(Wer möchte von wo wohin?)

Welche Wegeanlässe erfordern welche unterschiedlichen

Zielorte?

Lassen sich die Mobilitätsbedarfe auf Zeiträume

eingrenzen?

Ist eine Priorisierung der unterschiedlichen

Mobilitätsbedarfe möglich?

Die folgenden Ausführungen sind eine gekürzte

Fassung der Dokumentation der Modellrechnungen

und Analysen im Masterplan-Prozess des Werra-

Meißner-Kreises, die vom Büro GGR aus Hamburg,

erstellt wurde (Stand Dez. 2010).

Das Ergebnis der Diskussionen in der Arbeitsgruppe

ist eine Matrix, die folgende wesentlichen Bewertungsgrundlagen

umfasst:

Stufen der Zentralörtlichkeit

Hier wurden die zu erreichenden Orte in ihrer Bedeutung

aufgrund verschiedener Wegeanlässe geordnet.

Stufe 1: Nahversorgungszentren (im Sinne der

Grundversorgung)

Stufe 2: Orte höherer Zentralität innerhalb

des Kreises (multifunktionale Orte, die Angebote

über die Grundversorgung hinaus bündeln z.B.

Ärzte, Freizeit, Kultur u.a.)

Stufe 3: Orte sehr hoher Zentralität innerhalb

und außerhalb des Kreises

Zeitfenster

Für die verschiedenen Wegeanlässe wurden jeweils

fünf Zeitfenster definiert, innerhalb dessen die Ankunft

bzw. Abfahrt liegen soll.

Priorisierung der Erreichbarkeit

Es erfolgte eine Gewichtung der Kombination aus

Zentralitätsstufe, Wegeanlass und Zeitfenster nach

der Bedeutung für die Grundversorgung mit ÖPNV-

Angeboten im Sinne der Daseinsvorsorge.

Folgende Auswahl und Zuordnung der Zentralörtlichkeit

wurde von den Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe

3 diskutiert und zur Bearbeitung der

weiteren Analyse vorgeschlagen:

Durchführung der Analyse der Ausgangssituation

Die Analyse basiert auf 1

dem NVV- bzw. Bahnfahrplan (Stand: Anfang

2010), Werra-Meißner-Kreis und Nachbarkreise,

der räumlichen Lage der Haltestellen im Werra-

Meißner-Kreis und in den angrenzenden Kreisen,

Erreichbarkeiten

71


einer detaillierten Abbildung aller

bewohnten Siedlungsbereiche des

Kreisgebiets in Form von ca. 5.000

„Siedlungszellen“ 2 .

Jede der drei Zentralitätsstufen wurde

für jede der fünf Zeitfenster zu 15 flächendeckenden

Fahrplanauswertungen

analysiert. Zusätzlich wurden für

jede Siedlungszelle jeweils die drei

folgenden Auswertungsparameter ermittelt:

Zeitaufwand in Minuten (vom

Fußweg zur Starthaltestelle bis zur

Zielhaltestelle, alternativ zur Fahrzeit

wurde der direkte Fußweg bis

max. 30 Minuten berücksichtigt))

Gewählter Zielort (ermittelt den

Zentralort, der in „Bestzeit“ erreicht

wird)

Anzahl Optionen (ermittelt, wie viele Zentralorte

der jeweiligen Stufe erreichbar wären)

Die Ergebnisdokumentation der Modellrechnungen

von GGR umfasst insgesamt 135 Grafiken, die die Bewertungsparameter

in allen verschiedenen Kombinationen

zeigen. Auf Wunsch können diese bei Herrn

Pipper (Stab Demografische Entwicklung im Werra-

Meißner-Kreis) zur Ansicht angefordert werden.

Auswertung der Analyse

Zusammenfassend lassen sich folgende Grundtendenzen

festhalten.

Räumlich – Gebiete mit mehrfach auftretenden Erreichbarkeitsdefiziten

sind:

• der Ringgau

• der nördliche, ländlich geprägte Teil

von Herleshausen

• die Gemeinde Meinhard

• der Ortsteil Langenhain der Gemeinde Wehretal

Zeitlich - Der Vergleich der Erreichbarkeit in den

einzelnen Zeitfenstern ergibt:

Bei den Arbeitswegen zeigt das frühere Zeitfenster

(an 6:30 bis 7:30, ab 15:30 bis 16:30 Uhr)

bessere Erreichbarkeiten als das spätere Zeitfenster

(an 8:00 bis 9:00, ab 17:30 bis 18:30 Uhr).

Das Zeitfenster „Vormittag“ zeigt deutlich bessere

Erreichbarkeiten als das Zeitfenster „Nachmittag“.

Im Zeitfenster „Abend“ haben große Teile des

Kreises – insbesondere abseits der Zentren und

Bahnstrecken – keine Hin- und Rückwegverbindungen

mehr.

Zielebenen – Der Vergleich der Ergebnisse für die

drei Zentralörtlichkeitsebenen ergibt:

Die Erreichbarkeit der Nahversorgungszentren ist

fast im gesamten Kreisgebiet gut.

Auf der Ebene der zentraleren Orte im Kreisgebiet

(Stufe 2) zeigt der Südosten des Kreises

deutliche Erreichbarkeitsnachteile (lange Wegzeiten).

Durch die nachträgliche Aufnahme von

Sontra in die Liste der Zentralorte der Stufe 2 der

Analyse wurde dieser Effekt gegenüber früheren

Berechnungen etwas abgemildert. Er bleibt jedoch

deutlich erkennbar.

Bei der Erreichbarkeit der sehr zentralen Orte

(Stufe 3) spielt Eschwege aufgrund der günstigeren

Fahrzeiten eine auffallende Rolle. Die gegenüber

früheren Versionen der Analyse nachträgliche

Hinzunahme von Bad Hersfeld hat kaum Einfluss

auf das Ergebnis. Hintergrund sind die in aller

Regel längeren Fahrzeiten nach Bad Hersfeld.

Einwohnergewichtete Auswertung

der Erreichbarkeit

Nachfolgende Grafiken verknüpfen die Erreichbarkeitsqualitäten

und –defizite mit der Anzahl der

hiervon betroffenen Einwohner zu einer einwohnergewichteten

Auswertung.

Für die beiden Zeitfenster „Arbeit“ zeigt sich eine re-

72 Erreichbarkeiten


Zur Auswertung

Arbeit („früher“)

an: 6:30 – 7:30

ab: 15:30 – 16:30

Arbeit („später“)

an: 8:00 – 9:00

ab: 17:30 – 18:30

Vormittag

an: 8:30 – 9:30

ab: 11:30 – 12:30

Nachmittag

an: 13:30 – 14:30

ab: 17:00 – 18:00

Abend

an: 19:30 – 20:30

ab: 22:00 – 23:00

Auch für die von der Arbeitsgruppe als besonders

wichtig im Sinne einer Grundversorgung mit ÖPNV-

Leistungen angesehenen Zeitfenstern „Vormittag“

und „Nachmittag“ ergeben sich somit relative gute

Erreichbarkeitswerte. Ansatzweise kritisch sind die

etwa 2.200 Einwohner ohne Anbindung im Zeitfen-

Nahversorgungszentren

(14 Orte im Kreis)

Zentralere Orte

im Kreis

(5 Orte im Kreis)

Sehr zentrale Orte,

auch außerhalb des

Kreises (5 Orte)

Arbeit Arbeit Arbeit

Arbeit Arbeit Arbeit

Einkaufen

Hausarzt, Bank,

Apotheke,

Verwaltung

Sport, Vereine

Freibad, Einkaufen, Arzt,

Bank, Apotheke,

Verwaltung

Einkaufen (Aperiodischer

Bedarf)

Facharzt, Krankenhaus

Hallenbad, Sport,

Vereine, Einkaufen

(Aperiodischer Bedarf)

Spezialisierter Einkauf

Facharzt,

Krankenhaus

Spezialisierter Einkauf

Facharzt,

Krankenhaus

Kultur, Vereine Kultur Kultur

Abb. 1: Arbeitsergebnis AG 3 “Bewertungsmatrix Erreichbarkeit“

(mit Priorisierung im Sinne der Daseinsvorsorge von dunkelgrün =

sehr wichtig über hellgrün und gelb bis rot = weniger wichtig)

Zeitaufwand für den

Hin- und Rückweg

zum wegezeitoptimalen

Nahversorgungszentrum

(Vormittag)

über 7.000 Einwohner keine oder nur

eine sehr zeitaufwändige (120 Minuten

und mehr) Verbindung zu den

Zentralorten der Stufe 2.

In der Abendzeit beschränkt sich die

Erreichbarkeit weitestgehend auf das

unmittelbare Umfeld der Zentren (bis

30 Minuten z.T. reine Fußwege ohne

ÖPNV-Anteil) sowie auf Orte im Einzugsbereich

der Bahnstrecken. Für

eine Vielzahl von Orten gibt es keine

Verbindung für einen Hin- und Rückweg

zu den Zentralorten in den

Abendstunden.

Anmerkung:

Die Arbeitsgruppe 2 „Kultur und Bildung“

beurteilt die Priorität der Erreichbarkeit

in den Abendstunden

deutlich höher. Abweichend von AG 3

sieht sie hierfür einen höheren Bedarf

und im Sinne der Daseinsvorsorge eine

stärkere Bedeutung. Teilnehmer/innen

der AG 3 weisen demgegenüber darauf

hin, den anzustrebenden Standard

der Mobilitätsangebote an der Quantität,

Häufigkeit und damit auch Realisierbarkeit

zu orientieren. Eine klarere

Bewertungsgrundlage könnte in diesem

Fall der Vorschlag beider Arbeitsgruppen

liefern, die Bedürfnisse

verschiedener Zielgruppen künftig genauer

zu erfassen (Befragungen).

Zudem befürworten beide Arbeitsgruppen

den Ausbau spezieller Veranstaltungsverkehre.

Abb 2: Wegezeit hin und zurück zum ÖPNV-günstigstgelegenen

nächsten Nahversorgungszentrum am Vormittag (Ankunft Hinweg:

8:30 – 9:30 Uhr, Abfahrt Rückweg: 11:30 – 12:30 Uhr)

lativ gute Erreichbarkeit der zentraleren Orte im

Kreis. Für etwa 90 % der Einwohner sind Hin- und

Rückweg zum jeweils best erreichbaren Zentralort

der Stufe 2 im früheren Arbeitszeitfenster nicht länger

als 60 Minuten. Wie in den grundsätzlichen Ergebnistendenzen

bereits beschrieben, sind die

Wegzeiten im späteren Arbeitszeitfenster etwas ungünstiger.

Bei den beiden Zeitfenstern „Vormittag“

und „Nachmittag“, denen durch die Arbeitsgruppe

vor allem Nutzungen im Bereich „Einkauf und Erledigungen“

zugewiesen wurden (s. Abb. 1), erhöhen

sich die Fahrzeiten zusätzlich. Dies gilt insbesondere

für den Nachmittag. In diesem Zeitfenster haben

Die einwohnergewichtete Auswertung

der Erreichbarkeit der Nahversorgungszentren

(Stufe 1) ergibt ein insgesamt

relativ gutes Ergebnis. Im

Vergleich zur Erreichbarkeit der Orte

höherer Zentralität (Stufe 2) sind die

Wegezeiten deutlich kürzer. Angesichts

der deutlich höheren Zahl an Nahversorgungszentren

(14 statt 5) und der

damit verbundenen geringeren Luftlinienentfernung

ist dies plausibel. Rund 70.000 Einwohner/innen

im Werra-Meißner-Kreis erreichen mit

max. 25 Minuten gesamt für Hin- und Rückweg eines

der 14 Nahversorgungszentren in allen vier über den

Tag verteilten Zeitfenstern („Arbeit früher“, „Arbeit

später“, „vormittags“, „nachmittags“).

Erreichbarkeiten

73


Stufe 2: Orte höherer Zentralität innerhalb des Kreises

Abb 3: Einwohnergewichtete Erreichbarkeit der Orte höherer Zentralität (Stufe 2) in den Zeitfenstern

„Arbeit früher“ und „Arbeit später“ (vgl. Abb.1)

Stufe 2: Orte höherer Zentralität innerhalb des Kreises

Die Hintergrundfarbe der Abbildungen

entspricht der Bewertung der Wichtigkeit

der dargestellten Zeitfenster-Zentralitäts -

kom bination durch die Arbeitsgruppe

(s. Abb 1).

Dunkelgrün steht für eine sehr hohe, gelb

für eine eher niedrige Wichtigkeit einer

guten Erreichbarkeit für die Daseinsvorsorge

leistung „ÖPNV“ im Werra-Meißner-Kreis.

Abb 4: Einwohnergewichtete Erreichbarkeit der Orte höherer Zentralität (Stufe 2) in den zu Abb. 3 ergänzenden

drei Zeitfenstern (vgl. Abb.1)

ster „Nachmittag“ (Langenhain und Ortsteile Meinhard).

Ein deutlicher Abfall des Erreichbarkeitsniveaus

ist in den Abendstunden zu verzeichnen.

Die Ergebnisse der einwohnergewichteten Auswertung

der Erreichbarkeit der Orte hoher Zentralität

inner- und außerhalb des Kreises (Stufe 3) sind durch

häufig sehr lange Wartezeiten geprägt (Eschwege,

Kassel, Göttingen, Eisenach, Bad Hersfeld). Die kürzeren

Wegzeiten beziehen sich nahezu ausschließlich

auf Eschwege.

74 Erreichbarkeiten


Künftige Entwicklung

Hinsichtlich der künftigen Entwicklung

der Erreichbarkeitsangebote wurden

folgende Einflussfaktoren diskutiert:

Über das ÖPNV-Hauptliniennetz im

Werra-Meißner-Kreis hinaus besteht

für viele Orte ein Busangebot, das

überwiegend auf den Schülerverkehr

ausgerichtet ist. Die Einbeziehung der

Schülerzahlenentwicklung der nächsten

zehn Jahre führte im Arbeitskreis

zu der Einschätzung, dass die Hauptlinienverkehre

dadurch kaum gefährdet

sind. Eine mögliche Änderung von

Schulstandorten (s. Kap. 7.6) kann

aber natürlich deutliche Auswirkungen

auf das ÖPNV-Angebot haben.

Diskutiert wurde auch der Aspekt, dass durch die höhere

Anzahl an älteren Personen, die Nachfrage nach

ÖPNV-Angeboten leicht steigen könnte. Kritisch

wurde allerdings angemerkt, dass es für viel ältere

Menschen verschiedene Hemmschwellen bzw. Hindernisse

gibt, den ÖPNV zu nutzen und dass es dies

ebenfalls zu bearbeiten gilt.

Handlungsansätze

In der dargestellten Erreichbarkeitsanalyse wurden in

einigen Teilräumen Angebotslücken identifiziert, die

die Nutzbarkeit des ÖPNV für die Ausübung verschiedener

Aktivitäten (Arbeit, Einkauf, Erledigung,

Freizeit) deutlich einschränken. Darauf aufbauend

wurden von dem Büro GGR Maßnahmenvorschläge

erarbeitet und in der Arbeitsgruppe 3 diskutiert, wie

die festgestellten Erreichbarkeitsdefizite angegangen

werden könnten (s. Abb. 5).

Maßnahmenrichtung

Taktlücken prüfen

Zusätzliche flexible

Angebotsformen

Stärkung des Bezugs

auf das Nahversorgungszentrum

bei

vorhandener flexibler

Angebotsform

Richtungsbandbetrieb

Meißner

Bischhausen

Westliches Sontra/

Südliches Waldkappel

entlang der B 400

Ulfen / Breitau

Neu Eichenberg

Nördl. Bad Sooden-Allendorf

Meinhard

Langenhain

Wanfried-Heldra

Ringgau / Versorgungsraum

von Datterode

Orte nördlich von

Herleshausen

Abb. 5: Maßnahmenvorschläge zur Optimierung de ÖPNV-Angebotes

Weitergehende flexible Bedienungsformen

Zweitens könnten zusätzliche bedarfsgesteuerte Angebotsformen

die ÖPNV-Versorgung in einigen Bereichen

sicherstellen. Hier sind mehrere Varianten

denkbar, die nachstehend näher erläutert werden.

Dabei könnten auch vorhandene, schlecht ausgelastete

Linienangebote durch bedarfsgesteuerte Angebote

ersetzt werden.

Prüfung von Taktlücken

In einem ersten Ansatzpunkt sollte geprüft werden,

ob Taktlücken auf bestehenden Hauptlinien geschlossen

werden können, um die Erreichbarkeitsdefizite

insbesondere am Vor- und Nachmittag zu

beseitigen und den ÖPNV für Einkaufs- und Erledigungsaktivitäten

besser nutzbar zu machen. Dies ist

in der Regel ohne Investitionen in neue Fahrzeuge

möglich, erfordert aber ggf. Mehrausgaben für Personal-

und Betriebskosten.

Insbesondere für den Korridor zwischen Bad Sooden-

Allendorf und Witzenhausen, für den Bereich zwischen

Waldkappel und Wehretal (Bischhausen) und

für den Norden der Gemeinde Herleshausen könnte

durch die Verdichtung des Fahrtenangebots auf vorhandenen

Buslinien die Erreichbarkeit verbessert

werden.

Anruf-Sammel-Taxi (AST)

Im Gegensatz zu den heute vorhandenen AST-Angeboten

sollte darüber nachgedacht werden, ob in einigen

Bereichen nicht auch Gemeindegrenzenübergreifende

AST-Verkehre eingerichtet werden

könnten. Grundsätzlich muss dabei vermieden werden,

dass zu große Fahrtweiten entstehen, die zu

sehr hohen Kosten je km führen. Für längere Distanzen

ist auf jeden Fall eine Verknüpfung mit Linienbussen

und der Bahn anzustreben. Für neue

Erreichbarkeiten

75


edarfsgesteuerte Verkehre sollten insbesondere die

folgenden Räume mit Erreichbarkeitsdefiziten näher

betrachtet werden:

die Orte der Gemeinde Meinhard (zum Nahversorgungszentrum

Grebendorf und nach

Eschwege),

Langenhain (zum Nahversorgungszentrum Reichensachsen

und mit Anschluss an Bus oder Bahn

Richtung Eschwege, Sontra und Hessisch-Lichtenau

- Priorität der Verknüpfung wäre zu klären),

Richtungen zu erhöhen. Dies betrifft insbesondere

die Verbindungen von Berkatal und Meißner nach

Bad Sooden-Allendorf und Eschwege.

Richtungsbandbetrieb

Bei einem Richtungsbandbetrieb werden nur wichtige

Haltestellen regelmäßig angefahren und weniger

nachgefragte Haltestellen nur nach Voranmeldung.

Dadurch kann der Busbetrieb wirtschaftlicher und

schneller durchgeführt werden und im Vergleich zu

AST-Verkehren auch auf längeren Wegstrecken orga-

Wanfried-Heldra (zum Nahversorgungszentrum

Wanfried und mit Anschluss an den Bus Richtung

Eschwege)

die Orte im Bereich Ulfen/Breitau/Weißenborn/

Lindenau (nach Sontra).

Es existieren einige flexible Angebotsformen (Anruf-

Sammeltaxis), z.B. in den Bereichen Witzenhausen/Neu

Eichenberg, westlich Sontra/südlich

Waldkappel, westlich Sontra (Richtung Ulfen und der

B 400) oder Meißner/Berkatal. Dennoch wurden

auch diesen Bereichen Erreichbarkeitsdefizite der

Nahversorgungsangebote am Vor- und Nachmittag

festgestellt. Hier könnte eine stärkere zeitliche Ausrichtung

der vorhandenen Angebote auf die Einkaufs-

und Erledigungsaktivitäten in den jeweiligen

Nahversorgungszentren (Witzenhausen, Waldkappel,

Sontra, Abterode, Frankershausen) ausgerichtet werden.

Dies könnte z.B. durch eine Verschiebung oder

Verdichtung der angebotenen Fahrten erfolgen.

Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob in diesen

Bereichen die Angebote stärker gemeindegrenzenübergreifend

ausgerichtet werden können, um die

Erreichbarkeit der benachbarten Orte höherer Zentralität

für die Aktivitäten Arbeit und Einkauf/Erledigung

(aperiodischer Bedarf) zu verbessern – und

dabei ggf. die Auslastung der AST-Angebote in beide

76 Erreichbarkeiten


nisiert werden. Zur Prüfung eines Richtungsbandbetriebes

vorgeschlagen wurden die Verbindungen

Ringgau – Herleshausen (Eisenach) und Sontra – Herleshausen

(Eisenach).

Projektbeispiel:

Mobilitätskonzept Ringgau - Weißenborn

Im Rahmen des Modellvorhabens wurde mithilfe

eines eigenen Projektes das Thema Mobilität für die

Gemeinden Ringgau und Weißenborn bearbeitet. Anlass

war das neu entstandene Versorgungszentrum in

Datterode, dessen Erreichbarkeit aus allen Ortsteilen

der Gemeinden Ringgau und Weißenborn sichergestellt

werden sollte. Das Ergebnis eines intensiven Beteiligungsprozesses

ist das Konzept eines „Ärzte- und

Einkaufsbusses Ringgau – Weißenborn“, das alle Versorgungseinrichtungen

der Ortsteile berücksichtigt

und auch die Ortsteile untereinander verbindet. Der

Betrieb soll mit ehrenamtlichen Fahrern/innen organisiert

werden, als nutzbare Fahrzeuge steht ein Pool

innerhalb der Gemeinden zur Verfügung (gemeindeeigene

Fahrzeuge, marktwert, Diakonie). Mit dem

„Einkaufsbusmodell“ wird gezielt versucht, die Einstiegsanforderungen

gering zu halten (z. B. keine Personenbeförderungsscheine).

Der Betriebsbeginn ist

für Sommer 2011 geplant.

Zusammenfassende Handlungsempfehlungen

der Arbeitsgruppe für den Bereich

Erreichbarkeit von Orten mit

lokaler und regionaler Bedeutung

Aufgrund der von der Arbeitsgruppe erstellten Bewertungsgrundlagen,

den Bewertungsergebnissen

der Ist-Situation und den diskutierten Handlungsansätzen

kommt die Arbeitsgruppe zu folgenden Handlungsempfehlungen:

Prüfung der Ergebnisse durch die Bürgermeister/in

a) die Zuordnung der Orte und b) die Taktungen

Zu prüfen ist einerseits der Bewertungsrahmen

(z.B. gewählte An- und Abfahrtszeiten) und ob

dieser für die einzelnen Kommunen mit den daraus

ermittelten Erreichbarkeitsdefiziten stimmig

ist. Zum anderen kann mit dem Blick auf „Taktlücken“

und deren Verminderung in Einzelfällen

eine deutliche Verbesserung erreicht werden. In

einer Bürgermeister-Dienstversammlung im November

2010 wurden die Ergebnisse erstmals

vorgestellt. Die Weiterverfolgung sollte von den

Vertreter/innen des Kreises betreut werden.

Handlungsbedarfe prüfen und ggf. erfassen

Nicht jedes konzeptionell ermittelte und berechnete

Erreichbarkeitsdefizit muss sich zwangsläufig

in der Realität auch als solches darstellen.

Daher wird der Vorschlag unterbreitet, die ermittelten

„Erreichbarkeitslücken“ im einzelnen zu

prüfen und zu hinterfragen, ob sich hieraus ein

konkreter Handlungs- und Verbesserungsbedarf

ableitet. Dies kann durch die Bürgermeister/in

erfolgen und/oder durch Befragungen der Bevölkerung.

Der Anstoß hierzu sollte von den Vertreter/innen

des Kreises ausgehen.

Umsetzung alternativer Angebotsformen prüfen

Ist ein Optimierungsbedarf überprüft und erfasst

worden, sollten auch alternative Angebotsformen

in Betracht gezogen werden (z.B. „Bürgerschaftlicher

ÖPNV“, Bürgerbus, AST oder andere alternative

Bedienformen). Diese Aufgabe obliegt der

kommunalen Nahverkehrsgesellschaft (Nahverkehr

Werra-Meißner GmbH).

Berücksichtigung der Ergebnisse im Nahverkehrsplan

Soweit möglich sollten die Ergebnisse bei der

derzeit laufenden Fortschreibung des Nahverkehrsplans

berücksichtigt werden.

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• Mobilitätskonzept Ringgau (18)

1) Die datentechnische Methode der flächendeckenden Fahrplanauswertung

ist ein Verfahren des Büros Gertz Gutsche Rümenapp, Hamburg.

2) abgeleitet aus einem Verschnitt des Amtlichen Liegenschaftskatasters

mit den Einwohnermeldedaten. Die Größe der Siedlungszellen liegt i.d.R.

unter 200x200 Metern. Jeder Ortsteil bzw. jede Ortslage besteht somit

aus einer Vielzahl einzelner Siedlungszellen. Dies ermöglicht eine sehr feinräumige

Differenzierung, mit der u.a. die Lage der Haltestellen innerhalb

der Orte berücksichtigt werden kann.

Erreichbarkeiten

77


Klimaschutz und Erneuerbare Energien

7.9 Klimaschutz und Erneuerbare

Energien

Neben dem Demografischen Wandel gibt es wohl

kaum ein Thema, das in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit

einen höheren Stellenwert eingenommen

hat, als der Umgang mit Klima und Energie. Dabei

handelt es sich um ein Querschnittsthema, das in

allen Bereichen unseres Lebens eine eminent wichtige

Rolle spielt. Innerhalb des Modellvorhabens „Region

schafft Zukunft“ wurde es daher ebenfalls als

Querschnittsthema in allen anderen Arbeitsgruppen

behandelt. In der Vergangenheit wurde. das Thema

im Werra-Meißner-Kreis schon von verschiedenen

Akteuren aufgegriffen und mit konkreten Maßnahmen

unterlegt. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner-Kreis mbH (WFG) genauso wie der

Werra-Meißner-Kreis sind einige der Akteure, die

kontinuierlich an dem Thema arbeiten. Wie für die

Vergangenheit gilt dies in besonderer Weise auch für

die Zukunft.

Bereits im Dezember 2005 beschloss der Kreisausschuss

des Werra-Meißner-Kreises, dass bis zum Jahr

2015 zwanzig Prozent des Energiebedarfs des Kreises

aus heimischen erneuerbaren Energieträgern zur Verfügung

gestellt werden sollen. Anschließend hat der

Kreistag den Kreisausschuss beauftragt, diesen Beschluss

fortzuschreiben und kreisseitig bis 2030 alle

Anstrengungen zu unternehmen, um schrittweise alle

fünf Jahre den Anteil heimischer erneuerbarer Energieträger

am Energieverbrauch um 10 % zu erhöhen

und verbindliche Ziele für die Einsparung von Energie

für die eigenen Gebäude und Fahrzeuge zu beschließen.

Außerdem soll in Zusammenarbeit mit den

78 Klimaschutz und Erneuerbare Energien


den vermehrten Einsatz des Brennstoffs Holz

aktiv ist. So konnten z.B. bisher mehrere Holzhackschnitzelanlagen

in Schulen errichtet werden.

Weitere sind geplant.

Energieberatung für Bürger des Kreises, mit

Schwerpunkt Gebäudebestandssanierung.

1999 Gründung eines Eigenbetriebs Gebäudemanagement

des Kreises mit dem Ziel, den

Energieverbrauch der Kreiseigenen Liegenschaften

zu senken. Darüber hinaus befinden sich auf

einigen der Schuldächer ca. 6.0000 qm Solarzellen

mit einer Leistung von ca. 700 KW

Aufbauend auf einer Biomassepotenzialstudie

wurde in den Jahren 2007 und 2008 eine Bioenergieoffensive

mit dem Ziel gestartet,

Einsatzmöglichkeiten von Biomasse in Unternehmen

zu eruieren und Nutzungsmöglichkeiten

aufzuzeigen.

Kommunen ein Konzept zur Erreichung dieser Ziele

vorgelegt werden. Im Laufe des Jahres 2009 zeichnete

sich die Möglichkeit ab, für die Erstellung eines

interkommunalen integrierten Klimaschutzkonzeptes

Fördermittel des Bundes zu erhalten. Dies hat sich jedoch

aus Fördermittelknappheit zerschlagen. Ende

2010 wurde ein neuer Anlauf gestartet, der dann im

Januar 2011 zur Beauftragung eines kompetenten Instituts

für die Konzepterstellung führte.

Durchführung eines Standortwettbewerbs Biogasanlage.

Ausgewählt wurden Standorte in

vier Kommunen, für die die Kosten der Vorplanung

entsprechender Anlagen vom Kreis übernommen

wurden.

Bürgerphotovoltaikanlage:

Ab einer Mindestbeteiligung von 1.000 EUR

Wie vom Werra-Meißner-Kreis selbst, wurden auch

von zahlreichen kreisangehörigen Kommunen politische

Beschlüsse zur CO2 –Reduktion, zur Energieeffizienz

und zum Einsatz erneuerbarer Energien gefasst

und umgesetzt. Beispielhaft seien hier einige dieser

Aktivitäten genannt:

Ökostrom

Seit dem 01.01.2008 hat der Werra-Meißner-

Kreis die Stromversorgung komplett auf Öko-

Strom umgestellt. Die Versorger E.ON und

Lichtblick liefern Strom aus Wasser- und Windkraft

sowie aus Biomasse. Für diesen Umstieg ergibt

sich für alle Kreisgebäude eine CO2 -

Einsparung von etwa 2.240 Tonnen jährlich.

Kreisweite Auslobung eines jährlichen Umweltschutzpreises.

Klimaneutrale Briefversendung mit „GoGreen“

als Partner der Deutschen Bundespost.

Seit 2007 ist der Kreis Teil der „BioRegio

Holz Meißner-Kaufunger-Wald“, die für

Klimaschutz und Erneuerbare Energien

79


können sich Bürger, Unternehmen, Vereine und

sonstige Organisationen bzw. Institutionen in

Form eines an die erneuerbare energien |

ESCHWEGE GmbH & Co. KG ausgegebenen Darlehens

in Solarprojekte einbringen.

Entwicklung und Umsetzung von Energieeinsparkonzepten

in mehreren Kommunen des

Kreises. Darin enthalten sind verschiedene Maßnahmen,

so z. B. Abschaltung oder Reduzierung

bestimmter Straßenbeleuchtungen in den Nachtstunden.

Von der Stadt Witzenhausen wurde kürzlich ein

Klimaschutz- und Energiekonzept in

Auftrag gegeben.

Beitritt der Städte Eschwege, Bad Sooden-Allendorf

und Großalmerode zur Umweltschutzcharta

„100 Kommunen für den Klimaschutz“.

Auswahl und Prämierung der Stadt Eschwege als

„Klimaneutrale Kommune“.

An mehreren Standorten im Werra-Meißner-

Kreis sind bereits Windkraftanlagen realisiert.

Zuletzt in Berneburg bei Sontra, wo vier Anlagen

mit einer Gesamtleistung von 6 Megawatt vom

Regierungspräsidium Kassel genehmigt wurden.

Bau mehrerer Blockheizkraftwerke und

Photovoltaikanlagen von Privat, Gewerbe

und öffentl. Einrichtungen innerhalb des gesamten

Kreises.

Bau der größten Biogasanlage Nordhessens in

Wanfried zur Strom- und Wärmeproduktion.

Im Zusammenhang mit dem Modellvorhaben

Region schafft Zukunft“ wurde die Internetplattform

www.energienetz-werrameissner.de

aktualisiert und um einige Module

ergänzt. Ein nachhaltiges Ziel dieser Plattform ist,

Wissenswertes und Interessantes aus dem Bereich

der Erneuerbaren Energien im Werra-Meißner-

Kreis an einer Stelle zu erfassen. Gleichzeitig soll

eine gebündelte Transparenz aller hier vorhandenen

Aktivitäten, Angebote und Kompetenzen -

kontinuierlich ergänzt - präsentiert werden. Diese

Plattform enthält nun auch eine Anbieterdatenbank

und eine kartografische Übersicht der umgesetzten

und geplanten Projekte im

Werra-Meißner-Kreis.

Energieeffizienzberatung

Die stetig steigenden Kosten und die Endlichkeit

fossiler Energieträger machen deutlich, dass

sich auch Unternehmer mit dem Thema „Energie“

konfrontiert sehen müssen. Wie und wo

Energie in einem Betrieb eingespart bzw. sinnvoller

eingesetzt werden kann – dies sind bereits

heute und werden besonders auch in Zukunft

wichtige und unternehmens-relevante

Fragestellungen sein.

Zugleich ist es sinnvoll, sich mit Alternativen zu

fossilen Energieträgern auseinanderzusetzen, die

ebenfalls für ein Unternehmen relevant sein

können. Deshalb hat sich die WFG dieses Themenfeldes

angenommen, ist Regionalpartner der

KfW geworden und sensibilisiert die heimischen

Unternehmen, geförderte Energieeffizienzberatungen

in Anspruch zu nehmen. Dabei übernimmt

sie alle Formalitäten der Fördermittelgewährung

und ist bei der Umsetzung der Beratung

behilflich. Bisher haben 21 Unternehmen

eine solche Beratung in Anspruch genommen,

denen z. T. konkrete betriebliche Investitionsmaßnahmen

gefolgt sind.

Ein weiteres Projekt während der Förderphase

Region schafft Zukunft“ war und ist die Abwärmenutzung

aus der im Raum Großalmerode

beheimateten Feuerfestindustrie.

80 Klimaschutz und Erneuerbare Energien


Aus sieben Unternehmen wurden die Abwärmepotenziale

ermittelt, technische Nutzungsmöglichkeiten

erarbeitet und Umsetzungsstrategien

entwickelt. Aktuell wird mit den Stadtwerken

Großalmerode und Kassel als Erstmodell ein Finanzierungs-

und technisches Umsetzungskonzept

für eine größere Investition erarbeitet, das

dann auf weitere, in diesem Netzwerk eingebundene,

Unternehmen modular übertragbar ist. Das

Projekt dient(e) neben der alternativen Energienutzung

auch der Sicherung der Unternehmensstandorte

und der Arbeitsplätze.

Aus den vorstehenden Aktivitäten ist unschwer zu

erkennen, dass das Thema Klimaschutz und erneuerbare

Energien im Werra-Meißner-Kreis einen

hohen Stellenwert hat, der in Zukunft eine noch

stärkere Bedeutung erfahren wird, wie die nachfolgenden

Handlungsansätze verdeutlichen. Bisher war

der Kreis auch auf Nordhessenebene in verschiedene

Projekte und Initiativen eingebunden, so auch

in dem Clustermanagement „Dezentrale Energietechniken“

- angesiedelt bei deENet in Kassel. Zukünftig

wird das Clustermanagement „Erneuerbare

Energien und Energieeffizienz“ von der Regionalmanagement

Nordhessen GmbH betreut, an der der

Werra-Meißner-Kreis beteiligt ist. In enger Zusammenarbeit

mit dem Kreis und der WFG wird das

Thema verstärkt in die Öffentlichkeit und in die Unternehmen

getragen sowie die gemeinsame Handlungsstrategie

festgelegt.

Ohnehin ist der Kreis bereits in das nordhessische

Modellprojekt KLIMZUG mit der Verortung der Klimaanpassungsbeauftragten

bei der WFG in die themenspezifischen

nordhessischen Handlungsansätze

eingebunden.

Auch auf Kreisebene sind weitere Aktivitäten und

Vorhaben eingeleitet oder in Vorbereitung, die nicht

zuletzt auch im Zusammenhang mit „Region schafft

Zukunft“ stehen. Zu nennen sind hier:

Die erstmalige Realisierung einer kreisweiten

Energiemesse Anfang April 2011, auf der zu

den Themen regenerative Energien, Bauen und

Sanieren, Beratung und Finanzierung sowie Energieeinsparung

Informatives aus dem Werra-

Meißner-Kreis präsentiert wird.

Umsetzung eines Energieeffizienzhauses in

der Kreisstadt Eschwege

Erarbeitung eines kreisweiten Klimaschutzund

Energiekonzeptes

Gründung einer EnergieAgentur, in der alle kreisweiten

Aktivitäten gebündelt und transparent

gemacht werden, die als Erstanlaufstelle für alle

Ratsuchenden fungiert, eine Lotsenfunktion

wahrnimmt und sich öffentlichkeitswirksam für

Klima und erneuerbare Energien engagiert.

Auch mit diesen Aktivitäten zeigen der Werra-Meißner-Kreis

und seine Städte und Gemeinden ihr nachhaltiges

Engagement für diese Thematik. Es ist davon

auszugehen, dass sich auf diesem Weg weitere Handlungsansätze

ergeben werden.

Projekte aus dem Modellvorhaben

siehe Kapitel 9:

• Unternehmen fit für die Zukunft (21)

• Leistungsgebundene Ver- und Entsorgung

versus Insellösung (22)

• Sanieren im Bestand – Gründung einer

Energieagentur (23)

• Enerdieeffizienzberatung für Unternehmen (24)

• Abwärmenutzung aus der Feuerfestindustrie (25)

Klimaschutz und Erneuerbare Energien

81


Ausblick, Umsetzung und Verstetigung – Region hat Zukunft

8. Ausblick, Umsetzung und

Verstetigung – Region hat Zukunft

Mit dem hier vorliegenden Masterplan Daseinsvorsorge

konnten in neun Infrastrukturbereichen Handlungsempfehlungen

und Anpassungsstrategien

innerhalb des Modellvorhabens „Region schafft Zukunft

erarbeitet werden. Der Kreistag hat in seiner

Sitzung am 04.02.2011 den Masterplan zur Kenntnis

genommen und beschlossen, dass er umgesetzt und

weiterentwickelt wird. Auch wurde vom Kreistag beschlossen,

dass die bisherige Organisationsstruktur

bezüglich der Kooperation öffentlicher und privater

Partner, in Form der Kreisverwaltung und dem Verein

für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V., fortgesetzt

wird. Dabei wurde besonderer Wert auf die Einbindung

regionaler Akteure gelegt.

Der Kreistag möchte den Prozess zur Gestaltung des

Demografischen Wandels weiter politisch begleiten.

Hierzu ist eine kontinuierliche Berichtserstattung

notwendig. Für die Verstetigung und Prozessbegleitung

ist auf der inhaltlichen Ebene weiterhin die

Lenkungsgruppe zuständig. Die konkrete Umsetzung

von Projekten findet in den Projektgruppen statt

und der Masterplan wird in den Arbeitsgruppen weiter

bearbeitet. Dabei ist die Struktur offen für neue

Themenbereiche und die Bildung neuer dafür notwendiger

Arbeitsgruppen.

Die Verstetigung des Masterplans

Daseinsvorsorge kann in drei

Bausteine untergliedert werden:

1. Umsetzung der

Handlungsempfehlungen

Für die einzelnen Infrastrukturthemen wurden

unterschiedliche Handlungsempfehlungen erarbeitet,

die künftig umgesetzt werden sollen.

Dabei handelt es sich um konkrete Aufgaben,

die vom Kreistag bzw. seinen Ausschüssen zu

entscheiden und umzusetzen sind, wie beispielsweise

das Themenfeld Schule. Genauso

gibt es weitere konkrete zu bearbeitende Aufgaben

für die Kreisverwaltung sowie für Vereine

und Verbände. Weiterhin geht es um die Information

und Übermittlung der erarbeiteten Ergebnisse

auf kommunaler oder interkommunaler

Ebene verbunden mit Unterstützungsangeboten

zur konkreten Umsetzung von Projekten. Und

letztlich soll die intensive Diskussions- und Erarbeitungskultur

zum Thema Demografischer

Wandel weiter fortgesetzt werden, was insbesondere

die Fortführung des Forums Demografischer

Wandel, die Netzwerktreffen im Bereich

Kultur etc. einschließt.

82 Ausblick, Umsetzung und Verstetigung – Region hat Zukunft


2. Kontinuität im Prozess und weitere

Themenbereiche

Die Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppen haben

in den jeweils letzten Sitzungen ihr großes Interesse

bekundet, auch künftig bei der Bearbeitung

von Anpassungsstrategien und Handlungsempfehlungen

mitwirken zu wollen. Dies bezieht sich

auf der einen Seite auf die Begleitung und weitere

Konkretisierung der bisherigen inhaltlichen

Schwerpunkte, auf der anderen Seite ist die Bearbeitung

weiterer Themenbereiche vorgesehen.

Hierzu soll eine Abfrage relevanter Themen bei

Schlüsselakteuren innerhalb des Werra-Meißner-

Kreises stattfinden. Weiterhin soll in den drei Arbeitsgruppen

diskutiert und festgelegt werden,

wie die weitere Bearbeitung stattfinden soll.

Insgesamt ist vorgesehen, weitere Themenbereiche

in ähnlicher Art und Weise wie die hier im

Endbericht genannten neun Themenfelder zu bearbeiten.

Ob dies im Rahmen der bestehenden

drei Arbeitsgruppen stattfindet, oder ob neue Arbeitsgruppen

gebildet werden, wird sich in den

Arbeitsgruppen und in Abhängigkeit der inhaltlichen

Schwerpunktsetzung entscheiden. Zur weiteren

Kontinuität und Vernetzung wird auch die

Fortschreibung des erstmals in 2009 erschienenen

Demografieberichtes beitragen. Die Fortschreibung

für 2011 ist bereits in Arbeit.

3. Neue Projekte / Vernetzung

Neben den konkreten Projekten im Rahmen der

beiden Förderprogramme MORO und ExWoSt

(IFAS), s. Kapitel 10, und der Arbeit in den Masterplan-Arbeitsgruppen

sind weitere Projekte im

Werra-Meißner-Kreis umgesetzt worden, wie z.B.

das Projekt Hessencampus, Prozesse und Maßnahmen

in den Dorferneuerungsgebieten, Projekte

der Regionalentwicklung durch das LEADER-Programm

oder Projekte in den verschiedenen Stadtumbau-Gebieten.

Im Bereich der sozialen

Infrastruktur sind neben dem kontinuierlichen

Ausbau der Kinderbetreuungsangebote weitere

Projekte im Rahmen des Lokalen Bündnis für Familie

wie Frühe Hilfen und Familienbildung in

Kindertagesstätten sowie das Projekt im Rahmen

des Bundesprogramms „aktiv im Alter“ umgesetzt

worden. Darüber hinaus werden weitere Projekte

durchgeführt, wie beispielsweise „Bürgerforum

2011 - eine Initiative des Bundespräsidenten“.

Eine wesentliche Aufgabe der Lenkungsgruppe

und der Arbeitsgruppen ist, dass ein kontinuierlicher

Austausch über diese weiteren Aktivitäten

stattfindet, damit die hier gemachten konkreten

Erfahrungen bei der Umsetzung der Handlungsempfehlungen

berücksichtigt werden können.

Zusätzlich zur weiteren Konkretisierung innerhalb des

Werra-Meißner-Kreises soll der Austausch mit anderen

Modellregionen – insbesondere der Partnerregion

in Nordfriesland – fortgesetzt werden. Denn in den

letzten eineinhalb Jahren sind sehr positive Erfahrungen

im Rahmen von Vernetzungsveranstaltungen

gemacht worden.

Über das BMVBS und das BBSR konnten weitere Finanzmittel

für das Jahr 2011 zur Verfügung gestellt

werden, um die Verstetigung des Prozesses zu unterstützen.

Hier ist eine Unterstützung in den oben genannten

drei Schwerpunkten vorgesehen. Darüber

hinaus hat der Kreistag des Werra-Meißner-Kreises

beschlossen, Finanzmittel für die Umsetzung von Projekten

sowie die zusätzliche Bearbeitung weiterer

Themenfelder zur Verfügung zu stellen. In Verhandlungen

mit der Landesaufsicht muss es nun gelingen,

diese Finanzmittel genehmigt zu bekommen. Trotz

defizitärer Haushalte dürfen wichtige Weiterentwicklungen

der Region nicht gestoppt werden.

Insgesamt haben wir in den letzten eineinhalb Jahren

viel bewegt. Es ist vor allem auch gelungen, das

Thema in die Region zu tragen und regionale Akteure

aus Politik, Verwaltung, Sozialem, Kultur und der

Wirtschaft für eine kontinuierliche Mitarbeit zu gewinnen.

Der Rückblick über die umgesetzten Projekte

genauso wie über die Erarbeitung der verschiedenen

Themenfelder im Masterplan fiel bei den regionalen

Akteuren sehr positiv aus. Vielfach ist es gelungen,

überregionales Interesse für die umgesetzten innovativen

Projekte zu wecken. Bestätigt wurde dies

ebenso von unserer Partnerregion Nordfriesland, die

ähnlich gute Erfahrungen gemacht hat. Diese positive

Bilanz über das Modellvorhaben haben nicht nur die

direkt beteiligten Akteure gezogen, sondern auch

viele Menschen in der Region, die erlebt haben, wie

Projekte umgesetzt wurden. Die zahlreichen Projekte

haben mit dazu beigetragen, die Auseinandersetzung

mit demografischen Themen positiv zu besetzen, insbesondere

der Region ein neues positives Image und

ein ganz neues ‚Wir-Gefühl’ zu verleihen.

Diesen Weg wollen wir weiter gehen und gemeinsam

mit den Menschen der Region unseren Lebensraum

aktiv gestalten.

Ausblick, Umsetzung und Verstetigung – Region hat Zukunft

83


Kurzberichte der Projekte

1. Projekt: Nahversorgung in der Stadt – ökologisch und regional –Schachtelhalm e.V.

Ziele

• Nahversorgung im Stadtkern von Witzenhausen sichern

• Breites Angebot an ökologisch erzeugten und regionalen Lebensmitteln schaffen

• Leerstehendes Fachwerkhaus im Stadtkern sanieren und - wo möglich - barrierefrei umbauen

• Treffpunkt für „Jung und Alt“ schaffen

• Über gesunde Ernährung informieren und Kochkurse anbieten

Vorgehen

Vereinbarung einer öffentlich/privaten Partnerschaft

• Kauf und Sanierung des Hauses durch ein Vorstandsmitglied des Schachtelhalm e.V.

• Abschluss eines langjährigen Mietvertrages für Laden und Gemeinschaftsraum zwischen

• dem Eigentümer und Schachtelhalm e.V.

• Entstehung eines barrierefrei zugänglichen Ladenlokals im Erdgeschoss

• Ausbau eines Gemeinschaftsraumes mit Küche im Obergeschoss

Ergebnisse

• Am 01. Dezember 2009 wurde die Eröffnung des Ladens gefeiert.

• Schon jetzt ist der Laden Ort für Kommunikation und Austausch.

• Am 16. November 2010 wurde der der sanierte Bürgerraum mit eingerichteter Küche eingeweiht

und der Öffentlichkeit vorgestellt. Er wird für Seminare und Sitzungen genutzt.

Ansprechpartner

Schachtelhalm e.V.

Markus Klett, Sabine Marten

Walburger Straße 19

37213 Witzenhausen

Tel.: 05542 - 2065

Email: markus.klett@gmx.net

2. Projekt: Wettbewerb Wohn(t)räume für Jung und Alt

Ziele

Mit dem Wettbewerb sollte der Entwicklung von zunehmenden Leerständen in den Dörfern des Werra-Meißner-Kreises etwas

entgegen gesetzt werden. Ziel war es, Häuser - vor allem ortsbildprägende - und Nebengebäude wieder einer Nutzung zuzuführen

bzw. die Nutzung an geänderte Lebensumstände anzupassen (barrierefreie, altengerechte Wohnungen etc.). Die Zielgruppe

waren alte und junge Menschen bzw. Familien.

Vorgehen

• Flyer und Plakat wurden entwickelt und an alle Ortsvorsteher und Bürgermeister des Kreises verteilt.

Außerdem wurde der Wettbewerb über die Zeitung bekannt gemacht und zusätzlich regional tätige Planungsbüros

als Multiplikatoren angesprochen.

• Eine Jury wurde gebildet, die sich aus der Uni Kassel, Fachgebiet Bauaufsicht und Denkmalschutz,

Verein für Regionalentwicklung und dem Fachgebiet Dorf- und Regionalentwicklung zusammensetzte.

• Die Laufzeit begann am 1.4.2010 und endete letztendlich nach Verlängerung am 15.9.2010.

Ergebnisse

• Aus den Bewerbungen wurden von der Jury fünf Gewinner ausgewählt. Sie sind über das Kreisgebiet verteilt

und betreffen altenfreundliche wie auch familiengerechte Umbauten, Anbauten und Sanierungen.

• Die Planungsbüros fertigen aufgrund der Ideen der Besitzer einen Planungsentwurf etc. an, der als Grund-lage

für weitere Überlegungen dient, und letztendlich in die Baumaßnahme münden soll.

• Eine abschließende Dokumentation fasst die Bewerbungen (Ausgangssituation) und die Planungsentwürfe

der Architekten zusammen und macht das Vorgehen deutlich.

• Der Wettbewerb kann modellhaft auch von anderen Kreisen oder Kommunen genutzt werden.

Ansprechpartner

Werra- Meißner-Kreis

Fachdienst Ländlicher Raum

Martina Frese

Honer Straße 49, 37269 Eschwege

Tel.: 05651 - 302-4857

Email: martina.frese@werra-meissner-kreis.de

84 Regionale Akteure


3. Projekt: Nachbarschaftsgarten für alle

Ziele

Der Nachbarschaftsgarten ist Bestandteil eines Gesamtkonzeptes zur Steigerung der Wohn- und Lebensqualität von Menschen mit

und ohne Behinderung. Das Gesamtkonzept sieht vor, im Kernstadtbereich von Eschwege eine neue Wohnanlage zu errichten, die

sich auf die Pflege von seelisch behinderten Menschen spezialisiert. Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass durch die

Öffnung in das Stadtquartier hinein Begegnung, Kommunikation und Kennenlernen von behinderten und nicht behinderten Menschen

gewährleistet werden soll. Sowohl die Bewohner und Bewohnerinnen des Wohnprojekts als auch ande re betreute Personen

sollen den Nachbarschaftsgarten gemeinsam mit den Bürgern des Stadtteils nutzen und soweit möglich pflegen.

Vorgehen

• Die Immobilie wurde von Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V. erworben.

• Es sind umfangreiche Rekonstruktionen und Grundsanierungen im Altbau erforderlich. Zudem werden im hinteren

Hofteil zwei Neubauten erstellt.

• Derzeit arbeiten verschiedene Arbeitsgruppen an der konkreten Umsetzung des vorgesehenen Konzepts.

Unter anderem geht es hierbei auch um konkrete Planungen zur Integration des Nachbarschaftsgartens in den

Innenstadtbereich (Bekanntmachung, Nutzungsmöglichkeiten, …).

Ergebnisse

• Die Kombination verschiedener Leistungsgewährungen im Rahmen der Sozialgesetzgebung erwies sich bei diesem

innovativen Projekt als besondere Herausforderung.

• Auf der Grundlage von Vorschlägen der Landschaftsarchitekten wurden stabile, zweckmäßige Gartenmöbel

und Beleuchtung angeschafft. Bis in den Sommer 2011 hinein soll die Gartengestaltung umgesetzt werden.

• Die Eröffnung der Wohnanlage mit Begegnungszentrum ist für November 2011 geplant.

Ansprechpartner

Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V.

Matthäus Mihm, Hartmut Kleiber

Bremer Str. 1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 7438-0

Email: info@aufwind-wmk.de

4. Projekt: marktwert ... Leben im Ringgau!

Ziele

• Betrieb einer Einrichtung als integriertes dörfliches Versorgungszentrum mit den Bereichen Lebensmittel,

Dienstleistungen und Begegnung

• Förderung der Kommunikation durch Café und Treffbereich

• Sicherstellung der Nahversorgung mit Lebensmitteln

• Therapeutische Angebote und medizinische Grundversorgung

• Integration von Menschen mit und ohne Behinderung auf Tarifarbeitsplätzen

Vorgehen

• Örtliche Vereine aktivieren

• Bürgerversammlung – Wünsche der Bürger zu Sortiment, räumlicher Gestaltung und weiteren Dienstleistungen aufnehmen

• Konzept und Machbarkeitsstudie erstellen

• Partner suchen – Netzwerke bilden

• Zusammenarbeit mit Kirchengemeinde und Kommunalpolitik, ortsnahe Firmen berücksichtigen

Ergebnisse

• Eröffnung des Marktes am 29.7.2010

• Einstellung von 15 Personen mit und ohne Schwerbehinderung inkl. Azubi

• Banken, Bäcker, Metzger, Therapeuten, Arzt, Apotheker, Florist

• Eröffnung des Begegnungs- und Gesundheitszentrums am 26.11.2010

• Nutzung des Kommunikations-/Beratungsbereiches (Diakonie, Erzählcafé, Cafétreff, Infoveranstaltungen,

Vereine, Bürgerinfo, Seniorenbüro)

Ansprechpartner

Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V.

Matthäus Mihm, Rolf Eckhardt

Bremer Str. 1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 7438-0

Email: info@aufwind-wmk.de

Regionale Akteure

85


5. Projekt: Dorfladen Gertenbach

Ziele

• Betrieb eines Dorfladens als integriertes dörfliches Versorgungszentrum mit den Bereichen Lebensmittel,

Dienstleistungen und Begegnung

• Vernetzung und Aktivierung bürgerschaftlicher Initiative

• Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsleben von Menschen mit Behinderungen

Vorgehen

• Von einer Bürgerinitiative zur Vereinsgründung des „Dorfladen Gertenbach e.V.“ mit ca. 80 Mitgliedern

• Bürgerversammlung mit einstimmigem Beschluss zur Zusammenarbeit mit Aufwind e.V. und TEGUT

• Bürgerbefragung durch den Dorfladen Gertenbach e.V. zu Kundenwünschen zum Sortiment und der

räumlichen Ausgestaltung

• Einbindung der VR-Bank Werra-Meißner zum Thema der Geldversorgung im Ort

• Einbindung einer Apotheke mit einer Rezeptannahmestelle

Ergebnisse

• Um- und Ausbau des Ladens und des kleinen Café-Bereiches ist erfolgt

• Einrichtung des Ladens in zeitgemäßem, technisch anspruchsvollem Standard

• Geldversorgung ist über die Ladenkasse sichergestellt

• Sortiment mit ca. 1000 Artikeln sichert die Nahversorgung im Dorf

• Vier Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung sind eingerichtet

• Der Dorfladen e.V. hat die „Patenschaft“ für den Dorfladen übernommen

• Eröffnung am 29.9.2010

Ansprechpartner

Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V.

Matthäus Mihm, Rolf Eckhardt

Bremer Str. 1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 7438-0

Email: info@aufwind-wmk.de

6. Projekt: Schloss Ermschwerd – Haus der Generationen

Ziele

Vorhandene Infrastruktur optimieren und generationenfreundlich gestalten

Stärkung der Dörfer/Stadtteile durch neue Funktionen

Schloss Ermschwerd:

- sinnvolle Nutzung eines hochkarätigen Kulturdenkmals ( öffentliche Veranstaltungsräume, Kindergarten, Wohnungen)

- Schaffung einer Begegnungsstätte für alle Generationen

- Barrierefreiheit durch Einbau eines Personenaufzugs

- Zentrum der Seniorenarbeit für ganz Witzenhausen mit 16 Stadtteilen

Vorgehen

• Februar – Juni 2010 aktivierende Konzeptentwicklung mit externer Moderation: Gründung eines Lenkungskreises,

Durchführung einer Ideenwerkstatt, Gründung von Arbeitsgruppen

• Juni bis November 2010 Einbau eines Personenaufzugs

• Regelmäßige Treffen von Arbeitsgruppen und Lenkungskreis

• Erarbeitung eines Raum- und Ausstattungskonzepts und eines Veranstaltungsprogramms ab 2011

Ergebnisse

Die Eröffnung des „Schloss Ermschwerd – Haus der Generationen“ im Januar 2011 mit Gastredner Dr. Henning Scherf (OB a. D., Bremen.)

war ein sehr großer Erfolg. In seinem Vortrag ging Herr Scherf insbesondere auf die Herausforderungen und die Möglichkeiten

des Demografischen Wandels ein, das Verständnis zwischen den Generationen weiterzuentwickeln und so gemeinsam die Zukunft

gestalten zu können. Anlässlich dieser Eröffnung wurde auch das Programm 2011 vorgestellt, das Angebote der Schloss-Arbeitsgruppen

wie Spielkreis und Heimatwissen und auch regelmäßige Sprechzeiten des Tauschrings und des Seniorenrates umfasst.

Ansprechpartner

Stadt Witzenhausen

Katja Eggert, Michael Zimmermann

Am Markt 1

37213 Witzenhausen

Tel.: 05542 - 508105

Email: katja.eggert@witzenhausen.de

86 Regionale Akteure


7. Projekt: „Quartierstreff für alle Generationen“ Kulturzentrum E-Werk Eschwege

Ziele

• Öffnung des Kulturzentrums zum Stadtteil „Brückenhausen“

• Umgestaltung einer Spielplatzfläche zum „Quartierstreff für alle Generationen“

• Beteiligung der Anwohner/innen bei der Umgestaltung (Auswahl der Geräte, Raumaufteilung)

• Engagement der Stadt Eschwege:

- Konzentration der kommunalen Mittel 2010/2011 zur Umgestaltung von Spielplätzen auf das Vorhaben

- Langfristige Pflege und Unterhaltung des „Quartierstreff für alle Generationen“

Vorgehen

• Durchführung von Anwohnergesprächen (Aktivierung)

• 1. Workshop: Interesse klären, Fläche auswählen, Ideen sammeln

• 2. Workshop: Ideen konkretisieren, Ideen für Infosäule entwickeln, Auswahl von Geräten für Kinder

• Aufstellung und Inbetriebnahme (1. Teil)

• 3. Workshop: Exkursion zum Mehrgenerationenplatz in Jestädt, Auswahl von Bewegungsgeräten für Senioren festlegen,

Infosäule konkretisieren

• Aufstellung und Eröffnung (2. Teil)

Ergebnisse

• Erweiterung der Fläche mit Integration eines alten Kirschbaums

• Umbau und Neuaufstellung von Spielgeräten

• Aufstellung eines Kletterwürfels, Aufstellen von Bewegungsgeräten für Senioren

• Aufstellen einer Infosäule

• Eröffnung des „Quartierstreff für alle Generationen” mit Angrillen

• Der Quartierstreff ist zum Kommunikationsort geworden.

Ansprechpartner

Kulturfabrik e.V.

Kulturzentrum E-Werk Eschwege

Alexander Feiertag

Mangelgasse 19, 37269 Eschwege

Tel.: 05651 -96158

Email: alexander.feiertag@open-flair.de

8. Projekt: FamilienZentrum für Jung und Alt

Ziele

• Erweiterung der Angebote durch generationsübergreifende Projekte

• Öffnung des Hauses für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

• Umbau des Erdgeschosses im FamilienZentrum zur Schaffung barrierefreier, und damit behindertengerechter

Räumlichkeiten, incl. Bad und WC sowie des Gartens

Vorgehen

• Interne Besprechung und Beschluss, sowie Gespräche mit potentiellen Geldgebern, Konzeption und Antragsstellung

(Diakonie, Stadt, private Kredite)

• Gewinnung von etwa 40 Ehrenamtlichen zur Unterstützung der Baumaßnahmen

• Teilweise Entkernung des Erdgeschosses und Neugestaltung des Gartens durch die Ehrenamtlichen (ca. 1500 Stunden)

• Bauphase

• Neueinweihung des Hauses am 24.09.2010

Ergebnisse

• Barrierefreier Zugang ins Haus, uneingeschränkter Durchgang durch die Räume im Erdgeschoss

• Fertigstellung eines großen, hellen, von der Straße einsehbaren Raumes im Erdgeschoss, der seitdem zu 70% mehr genutzt wird

• Schaffung eines großen, farbenprächtigen Bades mit Behinderten-WC u. sanitären Anlagen für Kinder incl. einer Wickelkommode

• Zugang zum Garten über eine großzügig gestaltete Rampe

• Gestaltung des Gartens für eine optimale Nutzung durch Kinder, Senioren , Singles und Familien

Ansprechpartner

FamilienZentrum BSA e.V.

Annette Ruske-Wolf

Weberstr. 48

37242 Bad Sooden - Allendorf

Tel.:05652 - 917265

Email: familienzentrum-bsa@gmx.de

Regionale Akteure

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9. Projekt: Wettbewerb ’Nahdabei’ – Demografischen Wandel gestalten

Ziele

• Dienstleistungs- und Nahversorgungsstrukturen im ländlichen Raum wie auch Begegnungs stät ten und

Kommunikationsräume für alle Generationen sollen gestärkt und initiiert werden.

• Das Engagement und die Kreativität der Akteure vor Ort zur Entwicklung und Umsetzung demo gra fiegerechter Lösungen soll

unterstützt und gefördert werden.

• Bürgerbeteiligung als fester Prozessbestandteil soll geübt und gefördert werden.

Vorgehen

Konzeption des Förderwettbewerbs für Städte, Gemeinden, Vereine, Verbände und Bür gerinitiativen mit folgenden Elementen:

• Nachbarschaft stärkender und Generationen zusammenführender Ansatz, interdisziplinäre Umsetzung, innovativer

Charakter, Ausstrahlung und Einbindung in die Handlungsebene Quartier

• Preisgelder für investive und kon zep tionelle Maßnahmen zur Umsetzung der erarbeiteten Ideen und für Prozesse zur

Beteiligung bei einem Eigenanteil der Antragsteller von 20%

Ergebnisse

• Bis zum Ende der Ausschreibungsfrist am 01.03.2010 waren 14 Bewerbungen eingegan gen.

• Eine kompetente Jury mit Vertretern der Bereiche Regionalentwicklung, Regio nalplanung und des Fachbereichs

Architektur wählte sechs Preisträger aus. (folgende Projekte 10 bis 15)

• Die Ergebnisse unterstützen den Ansatz, die Akteure mit Fördermitteln auszustatten, damit ihre Initiativen

des „aktiven Gestaltens“ umgesetzt werden können.

Ansprechpartner

Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

Sabine Wilke

Niederhoner Str. 54

37269 Eschwege

Tel.:05651 - 70511

Email: sabine.wilke@vfr-werra-meissner.de

10. Projekt: Mehrgenerationenplatz Jestädt

Ziele

Zusammen mit dem Ortsbeirat, der Gemeinde Meinhard sowie der ev. Kirchengemeinde will der "Förderverein Jestädt e.V."

den ehemaligen Kinderspielplatz am Anger in einen Mehrgenerationenplatz umbauen. Der Platz liegt in der Nähe der Ortsmitte,

ist 1.300 qm groß, hat einen alten, Schatten spendenden Baumbestand und ist barrierefrei erreichbar. Ältere Menschen sollen

sich körperlich betätigen und ihre Feinmotorik trainieren können. Spielgeräte für Kleinkinder sollen den Platz zum Begegnungsort

für Jung und Alt machen.

Vorgehen

Vor Ort wurde eine Baubesprechung mit allen Beteiligten (Bürger, Helfer, Gemeinde, Energieversorger etc.) durchgeführt. Der

Spatenstich fand am 12. April 2010 statt. 1.500 ehrenamtliche Stunden wurden in 16 Wochen in das Projekt eingebracht. Insgesamt

14 Firmen unterstützten die Baumaßnahme durch die kostenlose Bereitstellung von Maschinen, rabattiertes Baumaterial,

finanzielle Hilfen und fachliche Beratung. Die Vereine und die Nachbarschaft versorgten die Ehrenamtlichen über die

gesamte Bauzeit mit Essen und Getränken. Nach Herstellung von Geh- und Standflächen wurden fünf Fitnessgeräte, sechs

Spielgeräte, ein Brunnen, ein Pavillon und mehrere Bänke aufgestellt .Die Einweihung des Platzes fand am Sonntag, den 22.

August 2010 statt.

Ergebnisse

Die örtlichen Vereine - Sportverein, Landfrauen, VdK, die Teestube der ev. Kirchengemeinde, die Alters- und Ehrenabteilung

der Feuerwehr - nutzen den Platz bereits aktiv. Darüber hinaus wird er auch von Radwanderern genutzt, um sich hier zu entspannen

und auch um dieses Pilotprojekt zu begutachten. Dank umfangreicher Berichterstattung über den Mehrgenerationenplatz

im Landkreis kommen täglich, auch von außerhalb des Landkreises, Anfragen zu Konzept und Zielen des Platzes.

Ansprechpartner

Förderverein Jestädt e.V.

Gerhold Brill

Klingenstraße 17

37276 Meinhard-Jestädt

Tel.: 05651 - 12852

Email: gusa.brill@t-online.de

88 Regionale Akteure


11. Projekt: Germerode – Dorfmittelpunkt für Jung und Alt

Ziele

Entwicklung eines generationenübergreifenden Ortsmittelpunktes auf dem Areal „Schulgebäude, Lehrerhaus und Haus des Gastes“

mit folgenden Elementen: Wiedereinrichtung einer Nahversorgung, Ausbau der vorhandenen Bücherei in Kombination mit einem

Café, Schaffung von generationenübergreifendem Wohnen im Ortsmittel punkt, Einrichtung einer Mittagsversorgung, Schaffung

einer Wohnanlage für betreutes Wohnen, Berücksich ti gung von touristischen Aspekten, angepasste Freiraumgestaltung.

Vorgehen

• Aktivierung von örtlichen Schlüsselpersonen zur Beteiligung am Projektvorhaben

• Aktivierung von verschiedenen Institutionen

• Durchführung von drei öffentlichen Workshops

• Auftaktveranstaltung und Ergebnisdarstellung durch zwei Bürgerversammlungen

Ergebnisse

• Sanierung und Umbau des alten Schulgebäudes und des ehem. Lehrerhauses; Rückbau „Haus des Gastes“

• Zukünftige Nutzung des Schulgebäudes: Dorfladen und Lagerfläche, Bücherei, Café, Ambulanzraum

• Ehem. Lehrerhaus und Neubau: Schaffung von generationenübergreifenden, barrierefreien, kleineren Wohneinheiten

• Einrichtung einer öffentlichen Mittagsversorgung im Dorfgemeinschaftshaus

• Barrierefreie Erschließung des Dorfgemeinschaftshauses

• Generationenübergreifende Gestaltung des angrenzenden Freiraums

Ansprechpartner

Gemeinde Meißner

Bürgermeister Friedhelm Junghans

Hinterweg 4

37290 Meißner

Tel.: 05657 - 9896-0

Email: gemeindeverwaltung@gemeinde-meissner.de

12. Projekt: Offener Musikübungsraum Großalmerode

Ziele

• Schaffung einer generationsverbindenden und für alle Bürgerinnen und Bürger offenen Begegnungsstätte

unter dem Motto: „Musik verbindet“

• Öffnung und Erweiterung des lokalen Bildungs- und Kulturangebotes

• Förderung der Öffnung und Durchlässigkeit in die Schule hinein und aus der Schule in das kommunale Umfeld hinaus

Vorgehen

• Nutzungsvereinbarungen mit dem Eigentümer (Schule)

• Planung und Konzeption eines offenen Musikübungsraums unter Beteiligung verschiedener Nutzergruppen

• Umbau der bisher als Schul-WC genutzten Räumlichkeiten mit erheblicher Eigenleistung

• Anschaffung bzw. Ergänzung der Tontechnikausstattung

• Regelmäßige Nutzung und Öffnung des Raums im Rahmen von Veranstaltungen und Bewerben des Angebots in

allen musizierenden Vereinen und Gruppen der Stadt

Ergebnisse

• Abschluss der Arbeiten im Dezember 2010, offizielle Einweihung geplant im April 2011

• Schaffung einer attraktiven und aufgrund der Lage und Örtlichkeit nicht störenden kulturellen Einrichtung

• Verwendung frei stehender Räumlichkeiten unter Nutzung der vorhandenen gebäudetechnischen Infrastruktur

• Regelmäßige (2 – 3 x wöchentliche) Belegung des Musikübungsraums durch verschiedene Nutzergruppen

Ansprechpartner

Magistrat der Stadt Großalmerode

Bürgermeister Andreas Nickel

Marktplatz 11

37247 Großalmerode

Tel.: 05604 - 9335-0

Email: info@grossalmerode.de

Regionale Akteure

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13. Projekt: Generationenübergreifende Wohnqualitäten im Ortskern von Herleshausen

Ziele

Ziel der Untersuchung ist die Förderung vorhandener und die Erschließung neuer Wohnqualitäten für alle Generationen im Ortskern

von Herleshausen – ausgehend von der Erkenntnis, dass (insbesondere im Kontext der demografischen Herausforderungen im ländlichen

Raum) nur auf diese Weise eine zukunftsbeständige Ortskernentwicklung möglich ist. Als Instrument wird eine zielgruppen-,

objekt- und lageorientierte Typologie erarbeitet, die die ortsspezifischen Qualitäten, Defizite und Potenziale aufzeigt sowie für konkrete

Projekte nutzbar macht. Ein zentraler Baustein dieses Prozesses ist dabei die Einbindung der Bewohner Herleshausens.

Vorgehen

• Analyse von Handlungs- und Projektfeldern: Gute Ansätze, gute Beispiele

• Analyse zielgruppenorientierter Wohnqualitäten in Herleshausen

• Entwicklung einer zweistufigen Typologie auf Gebiets- und auf Gebäude-/Grundstücksebene

• Durchführung von zwei Workshops zur Einbindung der Bevölkerung und Erschließung ergänzender fachlicher Perspektiven

• Exemplarische Anwendung der typologischen Erkenntnisse auf acht Fallbeispiele (Beratung Eigentümer)

• Übertragbarkeitsprüfung auf andere Orte

Ergebnisse

Die Erkenntnisse aus der Untersuchung bieten eine lokal verankerte Grundlage für die Beratung modernisie rungs- und umbauwilliger

Eigentümer, für die Vermarktung leerstehender Immobilien, für die Suche nach Koopera tionspartnern und auch für

die Realisierung öffentlicher Maßnahmen.

Sichtbar geworden ist zudem die Notwendigkeit, über bauliche Maßnahmen hinaus (gemeinsam mit Koopera tions partnern) die

Entwicklung sozialer Netze und sozialer Dienstleistungen als wichtige Elemente einer genera tionenübergreifenden Wohnqualität

vor Ort zu fördern (Stichwort „Anger der Generationen“).

Ansprechpartner

Der Gemeindevorstand der Gemeinde Herleshausen

Bürgermeister Helmut Schmidt

Bahnhofstrasse 15

37293 Herleshausen

Tel.: 05654 - 9895-0

Email: gemeinde@herleshausen.de

14. Projekt: Witzenhäuser Familienhäuser

Ziele

• Vernetzung der Kindertageseinrichtungen aus Witzenhausen

• Unterstützung der Eltern bei der Bewältigung von Alltags- und Erziehungsaufgaben

• Intensivierung von generationsübergreifendem Lernen in der Kita

• Etablierung von niedrigschwelligen Familien- und Beratungsangeboten

• Öffnung der Kitas zum Gemeinwesen durch vielseitige Angebotsstruktur

Vorgehen

• Schaffung von Kooperations- und Vernetzungsstrukturen

• Abfrage der Bedarfe der Familien

• Planung von passgenauen und aufeinander abgestimmten Angeboten in den Kitas

• Regelmäßige gemeinsame Besprechungsrunden

• Erstellung eines gemeinsamen Programms aller Witzenhäuser Kitas mit dem Motto: „von allen für alle“

Ergebnisse

• Planung, Organisation und Durchführung von Einzelveranstaltungen, offenen Treffs und Kursen, z.B. mit Themen wie:

Eltern-Kind-Gruppen, Kreativangebote, Waldangebote für Jung und Alt, Koch- und Backangebote,

Bewegungsangebote für Väter und Kinder, Elternkurse, Bücherei etc.

• Halbjahresprogramm von allen Einrichtungen mit einem vielfältigen, gemeinsamen Angebot für alle Generationen

Ansprechpartner

Ev. Familienbildungsstätte-

Mehrgenerationenhaus Eschwege

Irma Bender, Birgit Elbracht

An den Anlagen 14a, 37269 Eschwege

Tel.: 05651 - 3377001

Email: fbs-eschwege@t-online.de

90 Regionale Akteure


15. Projekt: Kino der Generationen - Das 3G-Kino

Ziele

Ziel des Vereins 'Freunde des Capitol Kinos e.V.', einem Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern aus Witzenhausen, ist es,

das kleine aber feine Capitol Kino in Witzenhausen von einer Filmabspielstätte zu einem städtischen Begegnungs- und Kommunikationsraum

für alle Generationen umzugestalten. Programm ist: Kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Musikkonzerte, Theateraufführungen

und Kleinkunst. Kinoveranstal tungen, themenbezogene Filmreihen und Gespräche. Herstellen von regionalen

Filmen und Präsentation in Form eines neuen Formats – der Regioschau, die in Form einer 'Wochenschau' im Kino gezeigt wird.

Vorgehen

Vereinsgründung, Bildung von Projekt- und Arbeitsgruppen, Einrichtung eines Projekt- und Vereinsraumes

• Kauf einer Filmkamera mit EDV-Anlage und Software zur Filmbearbeitung

• Organisation von Schulungen für die AGs

• Umgestaltung des Leinwandbereichs zur Bühne und Ausrüstung mit Mikroanlage und Beleuchtung etc.

• Neugestaltung der Sitzanordnung im Kinosaal

Ergebnisse

Der noch junge Verein 'Freunde des Capitol Kinos e.V.' brachte in kurzer Zeit 4 viel beachtete Veranstaltungen ins Capitol Kino:

Kindertheater, Konzert, Musical für große und kleine Kinder, Film- und Veranstaltungsreihe 'Migration in einer vernetzten Welt'

mit Theaterstück. Die bislang 20 Vereinsmit glieder wirkten erfolgreich an der inhaltlichen und baulichen Umgestaltung des Capitol

Kinos zu einer multifunk tionale Kultur- und Kommunika tions stätte mit. Die Möglichkeiten, die sich durch die neue Bühne ergeben,

bilden die Grundlage für eine noch stärkere Vernetzung mit anderen kulturell engagierten Institutionen in Witzenhausen.

Das bürger schaft liche Engagement der Vereinsmitglieder ermöglichte auch die Herstellung von zwei Kurzfilmen ('Regioschau').

Ansprechpartner

Verein 'Freunde des Capitol Kinos e.V.'

Mühlstraße 16

37213 Witzenhausen

1. Vorsitzende Ursula Einzmann

Tel.: 05545 - 969555

Email: freunde@capitolkino.de

16. Projekt: Omnibus – die Freiwilligenagentur

Ziele

• Aufbau eines kreisweiten, neutralen und unabhängigen Informations-, Beratungs- und Vermittlungs angebotes

für freiwilliges Engagement

• Qualitätssicherung in der Arbeit mit freiwillig Engagierten

• Förderung der Anerkennungskultur und Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements

• Weiterentwicklung des „Netzwerks Freiwilligenengagement“

Vorgehen

• Abstimmung mit dem Werra-Meißner-Kreis über das Vorgehen und die Inhalte der Zusammenarbeit in der Ehrenamtsförderung.

• Aufbau einer Online-Datenbank mit Mitmach-Angeboten für Freiwillige.

• Seminare „Freiwillige gewinnen“ und „Freiwillige halten“ für gemeinnützige Organisationen.

• Konzept und Umsetzung des Fotowettbewerbs „Engagement im Fokus“ mit 140 teilnehmenden gemein nützigen

Organisationen und rund 3.000 Bürger/innen, die online abgestimmt haben.

• Engagementwünsche aufgreifen und in Projekten umsetzen, z.B. „Vorlesepaten“.

Ergebnisse

• Der Werra-Meißner-Kreis überträgt seine Funktion als Ehrenamtsagentur an Omnibus.

• Omnibus wird zur kreisweiten Anlaufstelle für Konzeption und Organisation von Qualifizierungsangeboten

in der Freiwilligenförderung.

• Die Generationenhilfe „Aktive Nachbarschaft“ in und um Eschwege startete am 29.8.2010. Initiativen für

Nachbarschaftshilfe werden in zwei weiteren Kommunen unterstützt.

• Die Zusammenarbeit im „Netzwerk Freiwilligenengagement“ mit Vereinen, Kommunen und Institutionen wird

systematisch ausgebaut.

Ansprechpartner

Ev. Familienbildungsstätte - Mehrgenerationenhaus

Omnibus – die Freiwilligenagentur

Kathrin Beyer, Gudrun Lang

An den Anlagen 14a, 37269 Eschwege

Tel.: 0 56 51 – 3377002

Email: omnibus@fbs-mgh-eschwege.de

Regionale Akteure

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17. Projekt: Schaffung eines Netzwerks Kultur

Ziele

• Anstoß eines Prozesses, durch den das kulturelle Angebot in der Region vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

nachhaltig erhalten werden soll.

• Entwicklung von neuen Wegen der Kooperation und Bündelung.

Vorgehen

• Am 17. März 2009 erfolgte die Auftaktveranstaltung zum kreisweiten Netzwerk Kultur mit 25 Teilnehmer /innen.

Anhand eines Vortrages wurde die demografische Entwicklung im Werra-Meißner-Kreis thematisiert und deren

Auswirkungen auf das kulturelle Angebot diskutiert.

• Idee und Planung eines Kreiskulturtages mit dem Ziel, der Öffentlichkeit die Vielfalt des kulturellen Angebots

zu prä sentieren sowie Netzwerkarbeit und neue Wege der Kooperation konkret zu fördern.

• Netzwerktreffen mit Fachreferat zum Thema Kultur und Schule mit Vertretern aus den Bereichen Kultur, Städte/Gemeinden

und Schulen. Gründung eines AK „Kultur und Schule“.

• Konzept für eine Koordinierungsstelle „Kultur und Schule“.

Ergebnisse

• Kulturträger sind für das Thema Demografie sensibilisiert und haben neue Ideen und Angebote für neue Zielgruppen

oder mit neuen Kooperationspartner geplant/umgesetzt.

• Kulturträger arbeiten verstärkt in Netzwerken zusammen. Dies ermöglicht eine gemeinsame, pro duktive und

effiziente Nutzung von Ressourcen.

• Schulen und Kulturträger haben sich gegenseitig geöffnet und sind auf dem Weg, gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Ansprechpartner

Volkshochschule Eschwege e.V.

Tanja Steinhaus

Vor dem Berge 1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 - 742915

Email: steinhaus@vhs-eschwege.de

18. Projekt: Mobilitätskonzept Ringgau

Ziele

• Unterstützung der Versorgungs-, Dienstleistungs- und Begegnungsfunktionen des neuen „marktwert“ (siehe Projekt 4)

• Schaffung eines Mobilitätsangebotes, v.a. für Bevölkerungsgruppen ohne eigenen Pkw

• Ermittlung grundsätzlicher Anforderungen, Nachfragepotenziale und Hemmnisse für ein Mobilitätskonzept

• Erhebung und Berücksichtigung der unterschiedlichen Nutzerinteressen

• Entwicklung von alternativen Betreiberformen und eines umsetzbaren Betriebskonzeptes

Vorgehen

• Kommunikationsorientiertes Vorgehen im Rahmen des Projekts:

• Analyse der Bus- und Nahversorgungsangebote in den Gemeinden Ringgau und Weißenborn

• Interviews mit Akteuren aus den Gemeindeverwaltungen, Einrichtungen und Initiativen

• 1. Workshop am 26. Juli 2010 zur Entwicklung von Zielen u. zur Diskussion erster Mobilitätskonzepte

• 2. Workshop zur Diskussion des Betriebs- und Detailkonzepts am 06. Januar 2011

• Gründung der Lenkungsgruppe „Ärzte- und Einkaufsbus Ringgau – Weißenborn“

Ergebnisse

• Anbindung aller Ortsteile beider Gemeinden sowie wichtiger Versorgungseinrichtungen insbesondere von Ärzten

über die reine Anbindung des Nahversorgungsstandortes hinaus

• Nutzung vorhandener Ressourcen ( Fahrzeuge, ehrenamtliche Fahrer sowie Organisation) und Bündelung in dem

„Ärzte- und Einkaufsbus Ringgau – Weißenborn“

• Start eines Angebots an zwei Tagen pro Woche mit der Möglichkeit einer späteren Ausweitung (Bürgerbus)

• Kooperatives Vorgehen gemeinsam mit der im Aufbau befindlichen ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe

• Ziel: Betriebsstart im Sommer 2011

Ansprechpartner

Gemeinde Ringgau

Bürgermeister Klaus Fissmann

Am Anger 3,

37296 Ringgau-Netra

Tel.: 05659 - 9797-0

Email: klaus.fissmann@ringgau.de

92 Regionale Akteure


19. Projekt: Projekt Z – Zukunftsentwürfe von Kindern und Jugendlichen

Ziele

• Die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen sollen in die Auseinandersetzung mit dem demo grafischen Wandel

eingebunden und von den Entscheidungsträgern wahr- und ernst genommen werden.

• Kinder und Jugendliche sollen durch ihre Ideen, Beiträge und konkreten Projektvorschläge den demografischen

Wandel mit gestalten.

Vorgehen

• Ein „Entdeckerbus“ besucht Grundschulen im Werra-Meißner-Kreis und befragt Kinder nach ihren Wünschen und Ideen.

• Jugendliche der Beruflichen Schule in Witzenhausen stellen ihre Lebensträume Schlüsselpersonen aus Politik, Wirtschaft,

Regionalentwicklung, etc. vor und kommen ins Gespräch.

• Jugendverbände und Kreisjugendringe treffen sich zu einer Zukunftswerkstatt, um neue Impulse für die Vereinsstrukturen

zu bekommen.

• Die Zukunftswerkstatt mit den sogenannten „Ehemaligen“ aus dem Werra-Meißner-Kreis findet mangels Teilnahme

nicht statt. Es wird ein Fragebogen entwickelt, um daraus Bedürfnisse und Wünsche dieser Zielgruppe gewinnen zu können.

Ergebnisse

• Der Nordhessische Verkehrsverbund soll für das Pilotprojekt „Kindertaxi“ in den Sommerferien angefragt und begeistert

werden.

• Ein Kinderraum soll im Rahmen der Dorferneuerung in Weidenhausen exemplarisch umgesetzt werden.

• Berufsschüler/-innen beteiligen sich zukünftig an der Gestaltung der Ausbildungsmesse in Witzenhausen.

• Kinder und Jugendliche sollen Fördergelder für sogenannte „Miniprojekte“ beantragen können.

Ein Projektpate/-in begleitet die Kinder und Jugendlichen bei der Durchführung.

Ansprechpartner

Jugendförderung

Werra-Meißner-Kreis

Schlossplatz 1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 - 1451

Email: jugendfoerderung@werra-meissner-kreis.de

20. Projekt: Tagung „Nahversorgung und Begegnung“

Ziele

• Präsentation erfolgreicher Modelle als Kombination aus Nahversorgung und Begegnung.

• Aktivierung und Motivation von Entscheidungsträgern und Bürgerinnen und Bürgern zur Über tragung erfolgreicher Modelle.

• Definition eines Versorgungsniveaus, Erhebung der aktuellen Versorgungssituation und Aufzeigen von unterversorgten Bereichen.

• Erarbeitung eines Leitfadens als Anregung zur Nachahmung über die Tagung hinaus.

Vorgehen

• Über eine Bürgermeisterbefragung, die im Rahmen des Masterplans erfolgte, wurden alle Versorgungs einrichtungen

mit ihren jeweiligen Sortimenten erfasst.

• In der Masterplan-Arbeitsgruppe (AG 1) wurde definiert, dass Nahversorgungseinrichtungen innerhalb von 15 Minuten

bzw. 900 Metern zu Fuß erreicht werden sollen.

• Auf der Tagung wurden neben den beiden neuen Beispielen im Werra-Meißner-Kreis auch mobile Versorgungsangebote

diskutiert.

Ergebnisse

• Ein Ergebnis der Tagung war, dass die beiden neuen Einrichtungen nur durch das hohe persönliche Engagement

einzelner Schlüsselpersonen sowie einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung realisiert werden konnten.

• Weiterhin kann nicht überall (mangels zu geringer Nachfrage) eine Vollversorgung erreicht werden, so dass alternative

Angebote für Nahversorgung und Begegnung geschaffen werden müssen. Dies kann z.B. durch alternative

Mobilitätsangebote (s. Projekt Mobilitätskonzept Ringgau) stattfinden.

Ansprechpartner

Aufwind – Verein für seelische Gesundheit e.V.

Matthäus Mihm, Hartmut Kleiber

Bremer Str. 1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 - 7438-0

Email: info@aufwind-wmk.de

Regionale Akteure

93


21. Projekt: Unternehmen fit für die Zukunft

Ziele

• Kurzfristig: Sensibilisierung der Unternehmen, Bildung eines regionalen Netzwerkes aus Unternehmen, Institutionen

und kommunalen Einrichtungen, Entwicklung gemeinsamer Maßnahmen/Anpassungsstrategien

• Mittelfristig: Umsetzung von Maßnahmen, Transfer der Erfahrungen auf die Region Nordhessen

• Langfristig: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der Implementierung des demografischen Wandels

in die Unternehmensstrategie

Vorgehen

• Vorbereitung: Entwurf zeiteffizienter Messinstrumente, Ansprache und Auswahl der Pilotunternehmen

• Analyse: Messinstrument 1: Durchführung Kurz-Check, Messinstrument 2: Demografie-Rechner der IHK,

Messinstrument 3: Interview mit Pilotunternehmen, Auswertung und Entwurf Anpassungsstrategien

• Umsetzung: Darstellung der Ergebnisse und Gründung Netzwerk, Umsetzung kurz-, mittel- und langfristiger

Maßnahmen, Laufzeit über Projektende hinaus

Ergebnisse

• Fakten: Durchschnittsalter 44,6 Jahre, Anstieg bis 2015 um ca. 2,2 Jahre. Es wird bis 2015 mit einem Anstieg

der Mitarbeiter gerechnet. Die Folgen des demografischen Wandels sind allgemein bekannt.

Das Einzugsgebiet der Belegschaft hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert.

• Ansätze: Gründung eines Netzwerks zur Entwicklung gemeinsamer, abgestimmter Maßnahmen.

Einbin dung des demografischen Wandels in die Unternehmensstrategien inkl. Benennung von Ansprechpartnern.

Entwicklung gezielter Qualifizierungsmaßnahmen für den Nachwuchs. Entwicklung eines gezielten betrieb lichen

Gesundheitsmanagements. Aufbau von Marketingmaßnahmen für regional wichtige Berufsbilder.

• Netzwerkgründung März 2011

Ansprechpartner

Regionalmanagement Nordhessen GmbH

Michael Kluger

Ständeplatz 13

34117 Kassel

Tel.: 0561 – 97062-27

Email: kluger@regionnordhessen.de

22. Projekt: Leitungsgebundene Ver- und Entsorgung versus Insellösungen

Ziele

Vor dem Hintergrund steigender Wasserver- und Abwasserentsorgungskosten bei gleichzeitig zurückgehenden Bevölke rungszahlen wird

die Fragestellung betrachtet, ob zerstreut liegende Siedlungseinheiten langfristig kosten günsti ger mit „Insellösungen“ versorgt werden

können. Ziel ist es, Entscheidungsgrundlagen für den Kreis, seine Kommunen und die Wasser- und Abwasserverbände zu erhalten. Darüber

hinaus sollen Änderungsvor schläge für ggf. hemmende Rechtsvorschriften für dezentrale Insellösungen unterbreitet werden.

Vorgehen

Die Bearbeitung des Projektes erfolgte durch die Universität Kassel:

1. Technisch-ökonomische Bestandsaufnahme der Anlagen und Leitungen

2. Überblick über neuere technische Lösungen zur Dezentralisierung

3. Rechtliche Bestandsaufnahme

4. Auswahl von Fallbeispielen im Werra-Meißner-Kreis

5. Bewertung der Umsetzungsmöglichkeiten und Weiterentwicklung der Rechtsgrundlagen

6. Ableitung von Handlungsempfehlungen

Ergebnisse

• Mit einem kombinierten System zentraler und dezentraler Ver- und Entsorgungslösungen sind in zerstreuten

Siedlungsbereichen u. a. durch die Verringerung der Überleitungsdistanzen Kosteneinsparungen möglich.

• Es steht den Gemeinden frei, auch „Insellösungen“ in ihr Konzept der Abwasserentsorgung und Wasserversorgung zu integrieren.

• Gemeinden können durch Satzungen einen Anschluss- und Benutzungszwang (ABZ) für zentrale und dezentrale Modelle

regeln oder für dezentrale Modelle eine Ausnahme vom ABZ vorsehen.

Ansprechpartner

Werra-Meißner-Kreis

Erster Kreisbeigeordneter Henry Thiele

Schlossplatz1

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 302-1020

Email: henry.thiele@werra-meissner-kreis.de

94 Regionale Akteure


23. Projekt: Sanieren im Bestand – Gründung einer Energieagentur

Ziele

• Beseitigung von Leerständen durch Anreize für eine zeitgemäße, bedarfsorientierte und orts bild erhaltende

Modernisierung erhaltenswerter historischer Gebäude.

• Motivation von Hausbesitzern durch „gute Beispiele“.

• Bildung eines kompetenten und engagierten Fachleute-Netzwerkes zur Unterstützung sanie rungsbereiter Hausbesitzer.

• Bildung einer Energiegesellschaft mit einem breiten Themenspektrum in den Bereichen Erneuerbarer Energien, Klimaschutz

und Sanieren im Bestand mit energetischer und baulicher Beratung

Vorgehen

• Austausch mit Organisationen und Regionen, die ebenfalls daran arbeiten, dass Leerstände in neue Nutzungen gebracht

werden (Bürgergruppe Wanfried, Landkreis Kassel, Hessische Regionalforen)

• Entwicklung eines Kompetenzpools auf regionaler Ebene

• Erweiterung des Themenfelds mit neuen Schwerpunkten wie Klimaanpassungsmaßnahmen, Klimaschutzkonzept

für die Region, Stärkung der Nutzung von erneuerbaren Energieträgern, Energieeffizienzberatung

• Entwicklung verschiedener Umsetzungsmodelle

Ergebnisse

• Vorbereitung einer Energiegesellschaft für den Werra-Meißner-Kreis

• Klärung der Trägerschaft

• Klärung der Gesellschaftsform

• Das Themenspektrum der Energiegesellschaft soll u.a. Klimaschutz, erneuerbare Energien und Sanieren im Bestand umfassen.

Ansprechpartner

Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner-Kreis mbH

Niederhoner Str. 54

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 7449-0

Email: info@wfg-werra-meissner.de

24. Projekt: Energieeffizienzberatung für Unternehmen

Ziele

• Energieberatung für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU´s) – lokale und kooperative Energieeffizienzberatung

und Fördermittelbeantragung.

• Sensibilisierung von KMU´s für den Einsatz alternativer Energien und effizienter Einsatz von Energien.

• Entwicklung und Vermittlung von betriebsindividuellen und zukunftsfähigen Möglichkeiten der Energieeinsparung

und des effizienten Energieeinsatzes.

• Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Werra-Meißner-Kreis durch effizienten Energieeinsatz.

Vorgehen

• Kontaktaufnahme zu Unternehmen, insbesondere im Zusammenhang mit geplanten Investitionsvorhaben.

• Vor-Ort-Termine in den Betrieben.

• Aufzeigen von Schwachstellen der bisherigen Energieverwendung und Initiierung einer Detailberatung für energieund

kostensparende Verbesserungsmaßnahmen.

• Übernahme der Fördermittelantrags- und Abrechnungsmodalitäten.

• Durchführung von Informationsveranstaltungen.

Ergebnisse

• Umsetzung von Energieeffizienzberatungen in 21 KMU´s.

• Zur Schaffung von mehr Transparenz im Bereich „Erneuerbare Energien“: Realisierung des Internetportals

„Energienetz-werra-meissner.de“ mit Firmendatenbank.

• Aktuell: Vorbereitung einer ersten kreisweiten Energiemesse.

• Vorbereitungen zur Gründung einer Energie-Agentur (s. Projekt 23 „Sanieren im Bestand“).

Ansprechpartner

Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner-Kreis mbH

Niederhoner Str. 54

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 7449-0

Email: info@wfg-werra-meissner.de

Regionale Akteure

95


25. Projekt: Abwärmenutzung der Feuerfestindustrie

Ziele

• Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen

• Stärkung des Wirtschaftsstandortes Werra-Meißner-Kreis

• Abwärme zur Energieversorgung nutzen (kommunal/privat)

• Konkretisierung der Abwärmenutzungsmöglichkeiten

• Erstellung von Individualkonzepten für Teilstandorte

• Darstellung der technischen und wirtschaftlichen Auswirkungen

• Umweltaspekte (Co2-Reduktion)

Vorgehen

• Betriebe gewinnen (Auftaktveranstaltung)

• Vor-Ort-Termine in den Betrieben

• Analyse der Abwärme (Mengen, zeitlicher Anfall) und Analyse des räumlichen Umfeldes

• Suche nach Schnittmengen für gebündelte Lösungen (Unternehmen, Kommunen, Privathaushalte)

• Marktanalyse der Technologien und Umsetzungsempfehlungen

Ergebnisse

• 90 % des Energiebedarfs entfällt auf Gas

• Gasverbrauch entspricht dem von ca. 5700 deutschen Haushalten

• Großes Abwärmepotenzial auf hohem Temperaturniveau mit Gesamtabwärmepotenzial von 12 GWh/a

• Abwärmenutzungstechnologien existieren

• Abwärmenutzung wirtschaftlich sinnvoll

• Teilkonzepte für Verbundlösungen

• Umsetzungsempfehlungen

Ansprechpartner

Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Werra-Meißner-Kreis mbH

Niederhoner Str. 54

37269 Eschwege

Tel.: 05651 – 7449-0

Email: info@wfg-werra-meissner.de

96 Regionale Akteure


Anhang

Region schafft Zukunft - AG 1

Leitung:

Ilona Friedrich, FB 4 Jugend und Familie, Senioren und Soziales des Werra-Meißner-Kreises

Moderation, Modellrechnung, Prozesssteuerung:

Dr. Michael Glatthaar, proloco, Bremen

Dr. Jens-Martin Gutsche, Gertz Gutsche Rümenapp - Stadtentwicklung und Mobilität, Hamburg

Sabine Wilke, Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e. V.

AG-Mitglieder:

Bax, Burkhard

Bender, Irma

Bertram, Hans-Joachim

Beutler, Hannelore

Brill, Reiner

Eggert-Kondi, Katja

Engel, Günter

Fricke, Regina

Holzhauer, Wilhelm

Keller, Markus,

Kiese, Brigitte,

Kirch, Dr. Joachim

Kleiber, Hartmut

Kohlhase, Waltraud

Lamotte-Heibrock, Myriam

Mihm, Matthäus

Müller, Gabriela

Neuser, Dieter

Purr, Dr. med. Jan

Ruhnau, Erwin

Schimke, Antje

Simon, Ute

Strube, Anke

Thiele, Jutta

Wolter, Hartmut

Volkshochschule Witzenhausen e.V.

Ev. Familienbildungsstätte - MGH, Eschwege

Werkstatt für junge Menschen Eschwege e.V.

Gemeindepflege der Diakonie Eschwege/Witzenhausen

Magistrat der Stadt Eschwege, Erster Stadtrat

Bündnis für Familien Witzenhausen

AWO-Kreisverband Witzenhausen e.V.

Liga der freien Wohlfahrtsverbände

Kreisbeigeordneter WMK, Sontra

Diakonisches Werk Eschwege/Witzenhausen

Hospiz- u. PalliativNetz Werra-Meißner e.V.

Werbegemeinschaft Meißner

Aufwind - Verein für seelische Gesundheit e.V., Eschwege

Stadtverordnete Stadt Großalmerode

Werra-Meißner-Kreis / FB 4 Jugend und Familie, Senioren und Soziales, FD 4.3 Soziale Dienste

Aufwind - Verein für seelische Gesundheit e.V., Eschwege

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Werra-Meißner-Kreis / FB 5 Gesundheit, Verbraucherschutz und Veterinärwesen, FD 5.3 Sozialer Dienst

Arzt für Allgemeinmedizin, Großalmerode

Praxis für Mediation und Supervision, Meißner

Gästeführerin, Eschwege

Werra-Meißner-Kreis / FD 4.4 Kinderbetreuung u. Fachaufsicht

Werra-Meißner-Kreis / FD 4.3.1 Sozialplanung

Stadtverordnete Stadt Eschwege

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Region schafft Zukunft - AG 2

Leitung:

Tanja Steinhaus, Volkshochschule Eschwege e.V.

Moderation, Modellrechnung, Prozesssteuerung:

Dr. Michael Glatthaar, proloco

Martin Albrecht, Gertz Gutsche Rümenapp - Stadtentwicklung und Mobilität, Hamburg

Sabine Wilke, Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

AG-Mitglieder:

Arnold, Dr. Martin,

Bernhardt, Ulrich,

Bittner, Rainer,

Feiertag, Alexander,

Gerke, Miriam,

Goebel, Astrid,

Götting, Ekkehard,

Grüning, Jochen,

Hartmann, Horst,

Hübenthal, Horst,

Kerl, Friedhelm,

Kühnapfel, Veronika,

Lorenz-Roth, Ute,

Müller, Heidi,

Rathgeber, Mark,

Sandrock, Gita,

Siebert, Kai,

Thiele, Henry,

von Bültzingslöwen, Wolf

Weisbecker, Martin,

Dekan Evangelisches Dekanat Eschwege

Musikschule Werra-Meißner e. V., Eschwege

Alexander-von-Humboldt-Schule, Eschwege

Kulturfabrik e. V., Eschwege

Pro Witzenhausen GmbH

Touristinformation Bad Sooden-Allendorf

Kreistagsabgeordneter Werra-Meißner-Kreis

Eschweger Werbegemeinschaft e.V.

Werra-Meißner-Kreis / FB 6 Schule, Kultur, Sport

Werra-Meißner-Kreis / FB 6 Schule, Kultur, Sport

Bürgermeister der Gemeinde Weißenborn

Architektin, Witzenhausen

Kreistagsabgeordnete, Werra-Meißner-Kreis

Valentin-Traudt-Schule, Großalmerode

Arbeitskreis Open Flair e. V., Eschwege

Bioland Regionalgruppe Eschwege, Wehretal

Werra-Meißner-Kreis / FB 4 Jugend und Familie, Senioren und Soziales, FD 4.3 Soziale Dienste

Erster Kreisbeigeordneter des Werra-Meißner-Kreises

BUND Kreisverband Werra-Meißner

Verein für Waldorfpädagogik Eschwege e.V.

Anhang

97


Region schafft Zukunft - AG 3

Leitung:

Ursula Baumgärtel-Blaschke, FD 8. 1 Ländlicher Raum des Werra-Meißner-Kreises

Moderation, Modellrechnung, Prozesssteuerung:

Dr. Michael Glatthaar, proloco

Dr.-Ing. Jens-Martin Gutsche, Gertz Gutsche Rümenapp - Stadtentwicklung und Mobilität, Hamburg

Sabine Wilke, Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e. V.

AG-Mitglieder:

Bornholdt, Dr. Miriam

Conrad, Wolfgang

Doerwald, Arvid

Frank, Otto

Franke, Helmut

Frese,Martina

Heuckeroth, Ralf

Jung, Armin

Klinge, Jörg

Kothe, Joachim

Kull, Rüdiger

Lang, Gudrun

Linnenweber, Susanne

Maxisch, Gabriele

Nießen, Gabriele

Nimmrich, Gudrun

Pipper, Horst

Reimann, Thomas

Rödiger, Jürgen,

Schenke, Michaela

Schnepel, Bernd

Seeger, Lothar

Thiebes, Erwin

Thiele,Henry

von Bültzingslöwen, Wolf

Westermann, Bernd

Wilhelm, Bodo

Klimaanpassungsbeauftragte, Werra-Meißner-Kreis

Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Kreisstadt Eschwege

Biomo, Weißenborn-Rambach

Bürgerstiftung Werra-Meißner

Stadt Bad Sooden-Allendorf, Bauamt

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.1 Ländlicher Raum

Wirtschaftsjunioren Werra-Meißner

Kreistagsabgeordneter, Werra-Meißner-Kreis

Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerreferent, Werra-Meißner-Kreis

Hessische Landgesellschaft mbH, Kassel

Werra-Meißner-Kreis / FD 7.3 Wasser- u. Bodenschutz

Projektassistenz, Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

Regierungspräsidium Kassel, Siedlungsentwicklung + Städtebau

BioRegio Holz Meißner-Kaufunger Wald

Kreisstadt Eschwege / FB 4 Planen und Bauen

Werra-Meißner-Kreis / FD 1.5 Steuerungsunterstützung

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.2 Wirtschaftsförderung, Tourismus, Verkehr, Stabstelle Demografie

BUND Kreisverband Werra-Meißner

Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser, Wanfried

Ökologische Hofherberge gGmbH, Bad Sooden-Allendorf

Werra-Meißner-Kreis / FB 7 Bauen und Umwelt

Stellv. Kreistagsvorsitzender Werra-Meißner, Vorsitzender des Umweltausschusses

Werra-Meißner-Kreis / FD 7.2 Bauaufsicht und Denkmalschutz

Erster Kreisbeigeordneter des Werra-Meißner-Kreises

BUND Kreisverband Werra-Meißner

Stadt Witzenhausen / Bauverwaltung

Architekt, Eschwege

Lenkungsgruppe

Leitung:

Stefan G. Reuß, Landrat des Werra-Meißner-Kreises

Mitglieder:

Baumgärtel-Blaschke, Ursula

Eyink, Prof. Dr. Hagen

Fissmann, Klaus

Friedrich, Ilona

Glatthaar, Dr. Michael

Hahne, Prof. Dr. Ulf

Kaether,Johann

Klinge, Jörg

Nickel, Andreas

Pipper, Horst

Rauer, Siegfried

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.1 Ländlicher Raum

Bundesministerium für Verkehr, Bau u. Stadtentwicklung, Berlin Abteilung Raumordnung,

Stadtentwicklung, Wohnen Referat SW 25 - Ländliche Infrastruktur, Kulturlandschaften

Bürgermeister der Gemeinde Ringgau

Werra-Meißner-Kreis / FB 4 Jugend und Familie, Senioren und Soziales

proloco, Bremen

Universität Kassel / FB 6 Architektur, Stadtplanung,Landschaftsplanung

Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung

Hochschule Neubrandenburg, Forschungsassistenz

Werra-Meißner-Kreis / Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerreferent

Bürgermeister der Stadt Großalmerode

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.2 Wirtschaftsförderung, Tourismus, Verkehr, Stabstelle Demografie

Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner-Kreis mbH

Rittmeier, Dr. Bernd Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Abt. NL 2 Angelegenheiten der neuen Länder, Berlin (bis 2009)

Spangenberg, Martin

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- u. Raumforschung (BBSR) im BBR, Ref. I 1, Bonn

Steinhaus, Tanja

Volkshochschule Eschwege e.V.

Thiele, Henry

Erster Kreisbeigeordneter des Werra-Meißner-Kreises

Truniger, Anne-Marie

Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

Wilke, Sabine Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e. V.

98 Anhang


Region schafft Zukunft - PG 1

Leitung:

Ursula Baumgärtel-Blaschke, FD 8. 1 Ländlicher Raum des Werra-Meißner-Kreises

Vertretung:

Anne-Marie Truniger, Verein für Regionaleentwicklung Werra-Meißner e.V.

Moderation:

Dr. Michael Glatthaar, proloco

Mitglieder:

Baumann, Otto

BI Dorfladen Gertenbach

Bender, Irma

Ev. Familienbildungsstätte - MGH, Eschwege

Beyer, Axel

Planersocietät - Stadtplanung, Verkehrsplanung, Kommunikation, Dortmund

Beyer, Kathrin

Ev. Familienbildungsstätte / MGH, Omnibus - die Freiwilligenagentur, Eschwege

Brandt, Heike

akp - Stadtplanung und Regionalentwicklung, Kassel

Brill, Gerhold

Ortsvorsteher Meinhard-Jestädt

Eckhardt, Rolf

Aufwind - Verein für seelische Gesundheit e.V., Eschwege

Einzmann, Ursula

Freunde des Capitol Kinos e.V, Witzenhausen

Elbracht, Birgit

Ev. Familienbildungsstätte - MGH, Eschwege

Feiertag, Alexander

Kulturfabrik e. V., Eschwege

Fischer, Angela

Bürgermeisterin der Stadt Witzenhausen

Fissmann, Klaus

Bürgermeister der Gemeinde Ringgau

Frehn, Dr.-Ing. Michael

Planersocietät - Stadtplanung, Verkehrsplanung, Kommunikation, Dortmund

Frese, Martina

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.1 Ländlicher Raum

Junghans, Friedhelm

Bürgermeister der Gemeinde Meißner

Kellner, Günter

Dorfladen für Gertenbach e.V., Witzenhausen

Ketelsen, Silke

Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf e.V.

Kleiber, Hartmut

Aufwind - Verein für seelische Gesundheit e.V., Eschwege

Klett, Markus

Schachtelhalm e.V., Witzenhausen

Kunkel, Volker

Stadt Witzenhausen, Bauverwaltung

Lang, Gudrun

Projektassistenz, Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.

Lüpkes, Kerstin

Werra-Meißner-Kreis / FD 4.5 Jugendbildung

Mihm, Matthäus

Aufwind - Verein für seelische Gesundheit e.V., Eschwege

Neckel, Christian

Dorfladen für Gertenbach e.V., Witzenhausen

Nickel, Andreas

Bürgermeister der Stadt Großalmerode

Nießen, Gabriele

Kreisstadt Eschwege / FB 4 Planen und Bauen

Pipper, Horst

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.2 Wirtschaftsförderung, Tourismus, Verkehr

Pristl, Thomas

akp - Stadtplanung und Regionalentwicklung, Kassel

Ruske-Wolf, Annette

Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf e.V.

Schmidt, Helmut

Bürgermeister der Gemeinde Herleshausen

Schuhmacher, Ralf

Capitol-Kino / 3-G-Kino, Witzenhausen

Siebert, Kai

Werra-Meißner-Kreis / FD 4.3 Soziale Dienste

Siebold, Joachim

Stadt Großalmerode, Bauverwaltung

Städtler, Susanne

Gemeindevertreterin Neu-Eichenberg

Steinhaus, Tanja

Volkshochschule Eschwege e.V.

Valtink, Elvira

Werra-Meißner-Kreis / FD 8.1 Ländlicher Raum

Westermann, Bernd

Stadt Witzenhausen / Bauverwaltung

Wilke, Sabine Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e. V.

Anhang

99


Region schafft Zukunft - PG 2

Leitung:

Siegfried Rauer, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner-Kreis mbH

Vertretung:

Dr. Michael Ludwig, Industrie- und Handelkammer Kassel Service-Zentrum Werra-Meißner

Moderation:

Dr. Michael Glatthaar, proloco

Mitglieder:

Biehler, Ulrich

Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen

Bornholdt, Dr. Miriam

Werra-Meißner-Kreis / Klimaanpassungsbeauftragte

Conrad, Wolfgang

Kreisstadt Eschwege / Stabsstelle Wirtschaftsförderung

Frhr. Roeder v. Diersburg, Peter Jagdgenossenschaft Wanfried

Grüning, Jochen,

Eschweger Werbegemeinschaft e.V.

Kluger, Michael

Regionalmanagement Nordhessen GmbH, Kassel

Lepper, Rainer

Sparkasse Werra-Meißner

Schmid, Johannes

Werra-Meißner-Kreis / Eigenbetrieb Gebäudemanagement

Siebold, Joachim

Stadt Großalmerode, Bauverwaltung

Thiele, Henry

Erster Kreisbeigeordneter des Werra-Meißner-Kreises

von Boyneburgk, Otto

Hess. Waldbesitzerverband, Sontra

Wilke, Sabine Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e. V.

100 Anhang


Impressum

Herausgeber:

Verein für Regionalentwicklung Werra-Meissner e.V. Niederhoner

Str. 54, 37269 Eschwege

Telefon 05651/70511, Fax 331166, sabine.wilke@vfr-werrameissner.de,

www.vfr-werra-meissner.de

Bearbeitung

Dr. Michael Glatthaar (Büro proloco), Gudrun Lang (Werra-Meißner-Kreis),

Dr. Franziska Lehmann (Büro proloco), Siegfried Rauer

(Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner-Kreis mbH), Sabine

Wilke (Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V.)

Unter Mitarbeit von:

Ursula Baumgärtel-Blaschke (WMK, FD Ländlicher Raum), Ilona

Friedrich (WMK, FB Jugend und Familie, Senioren und Soziales)

Prof. Dr. Ulf Hahne (Universität Kassel, Fachgebiet Ökonomie der

Stadt- und Regionalentwicklung), Horst Pipper (WMK, Stabstelle

Demografie), Jutta Raub (Verein für Regionalentwicklung Werra-

Meißner e.V.), Stefan G. Reuß (Landrat WMK), Tanja Steinhaus

(Leiterin der Volkshochschule Eschwege), Henry Thiele (Erster

Kreisbeigeordneter WMK), Anne-Marie Truniger (Verein für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V.).

Grafische Bearbeitung und Druck

Jatho Design, Meinhard

Bildnachweis:

Atelier Blume, Waldkappel (Seite 22), Claudia Krabbes (Seite 43),

Busbetrieb Fröhlich (Seite 70), Hartmut Pohl (Seite 8, 12, 15),

Jatho Design (Seite 82), Junges Theater Eschwege, Herr Greim

(Seite 54), Stadt Bad Sooden-Allendorf (Seite 21, 64)

Für die Nutzung weitere Fotos danken wir:

Elisabeth Bennighof, Dr. Michael Glatthaar, Johann Kaether, Jörg

Klinge, Anne-Marie Truniger, Aufwind – Verein für seelische

Gesundheit e.V., Ev. Familienbildungsstätte – Mehrgenerationenhaus

Eschwege, FB 4 Werra-Meißner-Kreis, Kulturfabrik e.V.,

Naturpark Meißner-Kaufunger Wald, Volkshochschule Eschwege

e.V., Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner-Kreis mbH

Wesentliche Teile in Kapitel 7 sind gekürzte Fassungen der Abschlussberichte

von Dr. Jens-Martin Gutsche und Martin Albrecht

(Büro Gertz Gutsche Rümenapp, Hamburg).

im März 2011, 2. Auflage

Verein für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V.

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Modellregionen

Verein für Regionalentwicklung

Werra-Meißner e.V.

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