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beiliegendem Schreiben - Gemeinde Lauerz

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<strong>Gemeinde</strong>rat <strong>Lauerz</strong><br />

Telefon: 041 - 811 26 22<br />

Husmatt 1 E-Mail: gemeinde@lauerz.ch<br />

6424 <strong>Lauerz</strong> website: www.lauerz.ch<br />

An die<br />

Kantonsräte<br />

des Kanton Schwyz<br />

12. Juni 2013<br />

Hochwassersituation am <strong>Lauerz</strong>ersee<br />

Sehr geehrter Herr Kantonsratspräsident<br />

Sehr geehrte Damen und Herren Kantonsräte<br />

Am 26. Juni 2013 wird im Kantonsrat über einen Verpflichtungskredit zur Erarbeitung eines<br />

Bauprojekts für eine Regulierung des <strong>Lauerz</strong>ersees mit einem Kurzstollen durch den Urmiberg<br />

samt Wehrreglement und einem Bericht über die Umweltverträglichkeit abgestimmt; für<br />

die regelmässig vom Hochwasser betroffenen <strong>Lauerz</strong>er und umliegenden Anwohner ein<br />

wichtiger und wegweisender Entscheid.<br />

Dass der <strong>Lauerz</strong>ersee als einer der einzigen nicht regulierten Seen in der näheren und weiteren<br />

Umgebung immer wieder über die Ufer tritt, ist allgemein bekannt. Bekannt dürften vor<br />

allem die extremen Hochwassersituationen sein, wie sie in den Jahren 1999, 2005 und nun<br />

auch im 2013 aufgetreten sind. Bei einem mittleren Seepegel von 447.20 m ü. Meer stieg der<br />

<strong>Lauerz</strong>ersee 1999 um knapp 2 Meter auf 449.16 m ü. Meer an. Damals sprach man von einem<br />

Jahrhunderthochwasser. Die Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen waren erheblich<br />

und gingen in die Millionen.<br />

Nicht erst nach 100 Jahren, sondern bereits nach 6 Jahren, nämlich 2005, kam es noch<br />

schlimmer. Der <strong>Lauerz</strong>ersee stieg auf sage und schreibe 449.65 m ü. Meer bzw. um knapp<br />

2.5 m über den Mittelwasserstand an. Viele der vor 6 Jahren sanierten Häuser wurden erneut<br />

beschädigt. Viele mussten abgerissen und auf höherem Niveau erstellt werden. Beim<br />

Hochwasser 2005 waren in <strong>Lauerz</strong> rund 40 Gebäude direkt betroffen.<br />

2013, also nur nach 8 weiteren Jahren, stieg der <strong>Lauerz</strong>ersee wiederum um 1.85 m ab Mittelstand<br />

bzw. auf rund 449.05 m ü. Meer an. Um Ihnen als zumeist Aussenstehende einen<br />

kleinen Einblick in den Ablauf und die Auswirkungen solcher Hochwassersituationen zu geben,<br />

finden Sie beiliegend einen chronologischen Ablauf.<br />

Hochwassersituation am <strong>Lauerz</strong>ersee ist kein Jahrhundertereignis<br />

Entgegen von Fachmeinungen sind solche Hochwassersituationen für uns <strong>Lauerz</strong>er leider<br />

nicht mehr nur 100- bzw. 30-jährige Ereignisse. In Anbetracht dessen, dass allein in den letzten<br />

14 Jahren 3 Extrem-Hochwassersituationen aufgetreten sind, müssen wir davon ausgehen,<br />

dass solche Überflutungen künftig in Abständen von 5 – 10 Jahren immer wieder auftreten<br />

werden. Umso wichtiger erscheint uns die Ergreifung von Hochwasserschutzmassnahmen<br />

am <strong>Lauerz</strong>ersee.<br />

1


Weniger bekannt aber trotzdem festzuhalten gilt, dass der <strong>Lauerz</strong>ersee auch in den Zwischenjahren<br />

immer wieder mit grösster Regelmässigkeit auf 448.0 m ü. Meer und mehr ansteigt.<br />

Auch bei diesen Pegelständen wird vor allem der untere Teil des Gebietes Niedermatt<br />

regelmässig überflutet. Der Zugang ist hier nur noch mit Fischerstiefeln oder sogar nur noch<br />

mit Booten möglich. Auch die Kanalisation muss in diesem Gebiet regelmässig während<br />

mehreren Tagen ausser Betrieb genommen werden, was für die Bewohner immer wieder<br />

Umtriebe und Unannehmlichkeiten verursacht.<br />

Trotz Schutzvorkehrungen bleiben Beeinträchtigungen, Behinderungen und Schäden<br />

Die <strong>Gemeinde</strong> und die Bewohner waren in der Folge solcher Hochwasser nicht untätig. Es<br />

wurden diverse Vorkehrungen getroffen, um die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur zu<br />

minimieren. Nach den Hochwassersituationen von 1999 und 2005 wurden rund 20 Wohnhäuser,<br />

teils mehrfach, angehoben und sogar abgebrochen und auf höherem Niveau neu<br />

erstellt. Auch an der Kanalisationsinfrastruktur wurden Schutzmassnahmen getroffen, soweit<br />

es möglich war. <strong>Lauerz</strong> hat nach dem Hochwasser von 2005 ausserdem mit einer Baureglementsänderung<br />

die Mindestbaukote für Gebäude von bisher 449.50 m ü. Meer auf 450.25<br />

m ü. Meer angehoben.<br />

Aufgrund der örtlichen Situation können trotz Schutzvorkehrungen aber nicht alle Unannehmlichkeiten,<br />

Behinderungen und Schäden verhindert werden. So können die Infrastrukturbauten<br />

wie Kantonsstrasse, Quartierstrassen, Kanalisationsleitungen und –pumpwerke<br />

etc. verständlicherweise nicht einfach aus dem Gefahrenbereich genommen oder hochwassersicher<br />

gebaut werden.<br />

Fazit aus Sicht der <strong>Gemeinde</strong><br />

Auch wenn das Hochwasser 2013 nicht annähernd an die Situation von 2005 heranreicht, so<br />

beeinträchtigt ein solches Hochwasser ganz <strong>Lauerz</strong> aber auch die umliegenden Anwohner<br />

und <strong>Gemeinde</strong>n immer wieder aufs Neue. Die Auswirkungen bei den Hochwassern von 1999<br />

und 2005 waren für <strong>Lauerz</strong> und die Bewohner enorm.<br />

1. Verkehrssituation<br />

2013 musste die Strasse Seewen-<strong>Lauerz</strong> während 2.5 Tagen gänzlich gesperrt werden.<br />

2005 war infolge Hochwasser auch die Sägelstrasse gesperrt. In Verbindung mit der<br />

damaligen Sperrung der Autobahn in Seewen (beide Richtungen) und der Autobahn von<br />

Küssnacht nach Goldau (Richtung Süd) und der Sperrung der Strasse von Arth nach<br />

Walchwil war <strong>Lauerz</strong> während mehreren Tagen gänzlich von der Umwelt abgeschnitten.<br />

Einzig über Goldau und über die Autobahn Richtung Küssnacht konnte man <strong>Lauerz</strong> verlassen.<br />

Nach <strong>Lauerz</strong> zurück kam man aber nicht mehr.<br />

Hochwasser mit verkehrsbeeinträchtigender Wirkung treten am <strong>Lauerz</strong>ersee erfahrungsgemäss<br />

häufig auf (das 3. Mal seit 1999). Es bleibt leider zu befürchten, dass auch<br />

in Zukunft immer wieder Hochwassersituationen in diesem Ausmass auftreten werden.<br />

Der Ausfall der Hauptverbindung inkl. ÖV-Anschluss nach Schwyz wiegt für uns <strong>Lauerz</strong>er<br />

schwer. Hinzu kommt, dass wie obgenannt beschrieben die Notfallorganisationen<br />

während der Strassensperrung nur schwerlich und stark verzögert nach <strong>Lauerz</strong> gelangen<br />

können.<br />

Für den Kanton bedeutet es aber auch jedes Mal Aufwand, wenn die Polizei die Strasse<br />

absperren und das Tiefbauamt die Kantonsstrasse und die Entwässerungsschächte<br />

nach dem Hochwasser wieder reinigen und spülen muss. Auch die Sperrung der Autobahn<br />

und den Strassen in Unterseewen belastet die öffentliche Hand bei solchen Hochwassersituationen.<br />

Auch die umliegenden <strong>Gemeinde</strong>n Steinen und Seewen sind von den Verkehrsauswirkungen<br />

betroffen. Die <strong>Gemeinde</strong> Steinen beispielsweise hatte während des Hochwassers<br />

nicht nur den <strong>Lauerz</strong>erverkehr, sondern auch jenen der Autobahn in Richtung Sü-<br />

2


den durch das Nadelöhr im Dorf zu verkraften. Seewen, insbesondere Unterseewen,<br />

war vom Hochwasser direkt betroffen, sowohl vom Wasser als auch mit diversen Strassensperrungen<br />

und Verkehrsbeeinträchtigungen.<br />

2. Infrastruktur <strong>Gemeinde</strong><br />

Bei allen drei Hochwassersituationen von 1999, 2005 und 2013 fiel die Kanalisation in<br />

<strong>Lauerz</strong> total aus. <strong>Lauerz</strong> hat insgesamt 4 Abwasserpumpwerke. Da die Anlagen nicht<br />

abgedichtet werden können, läuft Seewasser ins System und bringt die Pumpwerke zur<br />

Überlastung. Vor allem 1999 und 2005 dauerte der Totalausfall viele Tage, da damals<br />

die Pumpen selbst beschädigt wurden und zuerst repariert werden mussten. Mit unseren<br />

getroffenen Massnahmen kann mittlerweile wenigstens eine Beschädigung an den<br />

Pumpen in der Regel umgangen werden, sodass sie nach Abfluss des Wassers wieder<br />

in Betrieb genommen werden können.<br />

Dieser unvermeidliche Totalausfall ist bedenklich, sowohl für uns als Betreiberin als<br />

auch für die Bewohner, welche von den Auswirkungen wie unangenehmer Geruchsentwicklung<br />

oder Rückstände auf dem Gelände etc. zu leiden haben, und natürlich für die<br />

Umwelt generell.<br />

3. Schäden<br />

Nach den Hochwassersituationen von 1999 und 2005 haben die Gebäudeeigentümer<br />

auf ihre Kosten rigorose Massnahmen getroffen. So wurden damals viele Gebäude, teilweise<br />

sogar 1999 UND 2005, angehoben und saniert. 11 Wohnhäuser wurden sogar<br />

gänzlich abgebrochen und neu gebaut. 1999 betrugen die Schäden an Gebäuden und<br />

Infrastruktur mehrere Millionen Franken. Auch 2005 waren die Schäden enorm. 2013<br />

halten sich die Schäden in Grenzen. Es sind aber auch dieses Mal mehrere Gebäude,<br />

welche bislang noch nicht angehoben worden sind, infolge Überflutung erneut zu sanieren.<br />

All diese Kosten wurden und werden von den Versicherungen und den Betroffenen<br />

selbst finanziert.<br />

Auch die <strong>Gemeinde</strong> hat erhebliche Massnahmen zur Schadensverhinderung an der Abwasserinfrastruktur<br />

getroffen. Damit können Schäden bei Hochwassersituationen wie<br />

2013 praktisch verhindert werden, nicht aber deren Ausserbetriebnahme während Tagen.<br />

4. Einsatzkräfte<br />

Ein Hochwasser wie es 2013 und in den Vorjahren aufgetreten ist, belastet die kommunalen<br />

Einsatzkräfte sehr stark und im Vergleich bei einem Brandfall während einem viel<br />

längeren Zeitraum. Die Einsatzkräfte kommen daher an ihre Grenzen, da sie gerade<br />

während einer Hochwassersituation an anderen Einsatzorten ebenfalls gebraucht werden.<br />

Die Einsatzkräfte fehlen während dieser Zeit der Wirtschaft. Der Personal- und Materialeinsatz<br />

beträgt 2013 schätzungsweise gegen Fr. 15‘000.--.<br />

1999 entstanden der <strong>Gemeinde</strong> noch Kosten von Fr. 108‘000.— für den Einsatz und die<br />

interne Schadensbehebung. Infolge der getroffenen Massnahmen hat sich diese Summe<br />

mittlerweile stark reduziert.<br />

5. Beeinträchtigungen<br />

Nebst den Hauptverkehrswegen sind auch die Quartierstrassen von der Überflutung betroffen<br />

und müssen jeweils wieder gereinigt und die Strassenentwässerungen gespült<br />

werden. Auch die Rückstände des Hochwassers wie Schwemmholz und Schlamm müssen<br />

auf eigene Kosten entsorgt werden. Der zeitliche Aufwand der Betroffenen ist erheblich<br />

und wird in vielen unentgeltlichen Stunden geleistet.<br />

3


Anliegen von <strong>Lauerz</strong><br />

Die <strong>Lauerz</strong>er haben zwar gelernt mit den Hochwassersituationen umzugehen. Die Schäden,<br />

die Behinderungen, die Beeinträchtigungen usw. sind aber jedes Mal schwer zu verstehen.<br />

Nicht verstanden wird, weshalb man nicht auch beim <strong>Lauerz</strong>ersee eine Regulierung oder<br />

zumindest eine Massnahme zum Hochwasserschutz vorsehen kann, wie dies bei den meisten<br />

anderen Seen der Fall ist. So hat jüngst der Kanton Solothurn rund 14 Mio. Franken für<br />

Hochwasserschutzmassnahmen der Aare entlang abgesegnet. Die Betroffenen fühlen sich je<br />

länger je mehr von der öffentlichen Hand vernachlässigt, wenn nicht etwas gegen die ständigen<br />

Hochwasser unternommen wird. Der Unmut und der Frust in der Bevölkerung wächst<br />

verständlicherweise. Aussagen, dass die Fische und übrigen Tiere auf Überflutungen angewiesen<br />

seien und damit deren Dasein quasi höher gewichtet werden, als das Wohl und das<br />

Leben der Bewohner, frustrieren die Betroffenen verständlicherweise.<br />

Die <strong>Gemeinde</strong> <strong>Lauerz</strong> und die Bewohner selbst schätzen die Natur und wollen diese keinesfalls<br />

mit einer Regulierung zerstören. Der <strong>Gemeinde</strong>rat <strong>Lauerz</strong> plädiert denn auch nicht auf<br />

eine Regulierung, welche den Seepegel dauerhaft absenkt. Unseres Erachtens ist es möglich,<br />

dass im Vorfeld starker Niederschläge, wie sie in all den Hochwassersituationen von<br />

1999, 2005 und 2013 einige Tage im Voraus angekündigt worden sind, der See temporär<br />

abgesenkt wird, sodass dem Hochwasser die Spitze um vielleicht 40- 50 cm genommen<br />

werden kann. Entsprechende Projekte sind im Entwurf ja bereits in früheren Jahren ausgearbeitet<br />

worden (z. B. Entlastungsstollen Vierwaldstättersee, Entlastungsstollen Seewern).<br />

Mit einer lediglich temporären Absenkung bei extremen Niederschlagsserien würde das Naturschutzgebiet<br />

dennoch periodisch immer wieder auf über 448.0 m ü. Meer überflutet. Damit<br />

kann der Natur, den Tieren und vor allem uns <strong>Lauerz</strong>ern ein friedliches Miteinander ermöglicht<br />

werden.<br />

Für uns <strong>Lauerz</strong>er bedeutet ein ca. 40 - 50 cm tieferer Höchststand<br />

• viel geringere Schäden<br />

• viel geringere Verkehrsbehinderungen<br />

• Gewährleistung der Notfallversorgung<br />

• eine grosse Entlastung der Einsatzkräfte<br />

• ein viel kürzerer Ausfall der Abwasserinfrastruktur<br />

• Erhaltung des Naturschutzgebietes Sägel<br />

Für den Kanton bedeutet es<br />

• Wegfall Polizeieinsatz für Sperrungen von Autobahn und Kantonsstrassen in Seewen<br />

und <strong>Lauerz</strong><br />

• Keine Reinigung von Schächten, Strassenentwässerungsleitungen und von Strassen<br />

in Seewen und <strong>Lauerz</strong> durch das Tiefbauamt<br />

4


Bitte an Kantonsräte<br />

Wir zeigen uns überzeugt, dass man die Hochwassersituation am <strong>Lauerz</strong>ersee entschärfen<br />

und dabei die Interessen der Natur und der Bevölkerung in Einklang bringen kann. Wir zeigen<br />

uns überzeugt, dass die Kantonsräte des Kt. Schwyz sich mit uns <strong>Lauerz</strong>ern, aber auch<br />

den Betroffenen von Steinen und Seewen solidarisch zeigen und dem Verpflichtungskredit<br />

zustimmen werden.<br />

Wir <strong>Lauerz</strong>er sehen jedenfalls gespannt auf die Ende Juni im Kantonstrat anstehende Abstimmung.<br />

Im Sinne eines positiven Entscheides bedanken wir uns im Voraus recht herzlich.<br />

Beilagen<br />

- Chronologie Hochwasser 2013 am <strong>Lauerz</strong>ersee<br />

- Pegelverlauf <strong>Lauerz</strong>ersee<br />

Kopie an:<br />

Regierungsrat des Kt. Schwyz<br />

<strong>Gemeinde</strong>räte Steinen und Schwyz<br />

5

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